Ausgabe 13
      Jahrgang 5
      September 2000
     
     
    Inhaltsverzeichnis Homepage der Praxis

    Vorbemerkung

    HHV-8 und Kaposi
    Jede fünfte Krankenschwester in Südafrika ist AIDS-infiziert
    Psychologische Auswirkungen einer STI
    2.500 Thailänder melden sich für Test von AIDS-Impfstoff
    Experten warnen vor AIDS-Welle in Osteuropa
    HIV reist per Anhalter
    Schweizer AIDS-Statistik
    HIV & Menstruationszyklus
    T-Zellzahlen und Viruslast bei Frauen
    Neues HIV-Medikament im Test
    Zugabe von IL-2 zur AIDS-Therapie
    Resistenztest-Technologien
    Hepatitis auf dem Vormarsch
    Das HI-Virus ist wieder auf dem Vormarsch
    AIDS mit körpereigenen Stoffen bekämpfen
    Lebensbedrohliches Syndrom nach D4T
    Strukturierte Therapieunterbrechung
    AIDS in Europa, 1994-1998
    HIV-Infizierten mit Lipodystrophie hilft ein orales Antidiabetikum
    Virussuppression: wie weit unterhalb der Nachweisgrenze ?
    Lymphome - bald besser therapierbar ?
    Immunsuppressivum entzieht HIV die Lebensgrundlage
    Bald erste Dreifach-Tablette gegen HIV
    HAART verhindert auch Toxoplasmose im Gehirn
    3-fachtherapie bei der Mehrzahl der HIV-Patienten 3 Jahre potent
    Der Norden hat die Medikamente, und der Süden hat die Seuchen
    HIV-Infektion verhindert
    Resistente HIV-Stämme bei therapienaiven Patienten
    ABT-378 kurz vor der Zulassung
    Anstieg von AIDS-Infektionen
    AIDS erfaßt ländliche Gebiete
    Gute Ergebnisse mit Kombinationstherapie aus 4 Medikamenten
    Stadt muss HIV-Patient mehr bezahlen
    Kann man sich mit Aldi gesund ernähren - das ist hier die Frage
    Nimmt die Transmission resistenter HI-Viren zu?
    HI-Virus ein Monat lang via Spritzen übertragbar
    Hepatitis C kann sehr einfach übertragen werden
    Protease-Inhibitoren und Methamphetamine
    Wachstumshormon - ein neuer Ansatz gegen Lipodystrophie
    Homosexuelle Männer: Safer Sex ist out
    Geschlecht, Rasse, Alter und Erziehungsgrad beeinflussen Beginn der HAART
    Infizierte T-Zellen bringen gesunde zum Absterben
    US-Forscher entwickeln Schluckimpfung gegen AIDS
    Opportunistische Infektionen bei AIDS
    Ultraempfindliche HIV-Messung vorgestellt
    HIV-positive Frauen haben oft gynäkologische Infekte
    Mehrfach resistente HI-Viren: helfen Fusionshemmer?
    Die Hepatitis C wird zur neuen Gefahr für HIV-Infizierte
    «Deswegen wurden schon Leute erschlagen»
    Proteaseinhibitoren reduzieren Apoptose der CD4+ Zellen
    Zahl der Todesfälle nahm wieder zu
    Arzneimittelauswahl per Resistenz-Test und Computer
    HAART-Start bei niedriger HIV-1 Last am effektivsten
    HAART steigert Überlebensrate Positiven mit Non-Hodgkin Lymphom
    Osteoporose durch Proteasehemmer?
     
     
     


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    Impressum


    Vorbemerkung

    Diese Broschüre ist eine Zusammenstellung aus Internetquellen, Mail- und Newsgroups und erstreckt sich jeweils über einen Zeitraum von ca. drei bis vier Monaten. Die einzelnen Artikel sind chronologisch geordnet. Die Inhalte der  HIV AIDS Infos stellen nicht die Auffassung des Herausgebers dar. Es soll auf diese Weise schnell über neue Entwicklungen und Änderungen in den Bereichen Epidemiologie, medizinischer Behandlung, ambulanter Pflege und psychosozialer Beratung bei HIV-Infektion und AIDS-Erkrankung informiert werden. Die HIV AIDS Infos erscheinen in regelmäßigen Abständen und sollen über Änderungen und Neuerungen auf dem Gebiet von HIV und AIDS auf dem laufenden halten.

    Inhaltsverzeichnis


    HHV-8 und Kaposi

    Das Kaposi-Sarkom, und mit ihm auch HHV-8, ist etwas aus dem Blickpunkt des Interesses verschwunden, ist doch die Zahl der Kaposi-Fälle deutlich gesunken, in manchen Zentren nahezu verschwunden.

    Bereits in mehreren Studien konnte in der Vergangenheit gezeigt werden, dass in den frühen 80er Jahren vermutlich zwei parallele Epidemien mit HIV und mit HHV-8 stattfanden. Spira von den US-amerikanischen CDC und Kollegen untersuchten erneut den Zusammenhang zwischen Kaposi und HHV-8. 70 HIV-positive Männer wurden mit drei verschiedenen Tests auf HHV-8 untersucht. Keiner der HIV-Positiven, bei denen alle drei Tests negativ ausfielen, entwickelte Kaposi, jedoch 46% derjenigen, bei denen einer von zwei Elisa-Tests positive ausfiel, hatten oder entwickelten ein Kaposi-Sarkom.

    Diamond et al untersuchten die Verbreitung von HHV-8 bei sexuell aktiven jungen Menschen. Junge Männer zwischen 15 und 22 Jahren wurden interviewt, ihr Blut mit einem Immunofluoreszenz-Test auf HHV-8 untersucht. Von 494 Männern hatten 74% (nur oder auch) Sex mit Männern, der Rest Sex ausschliesslich mit Frauen. HHV-8 war in beiden Gruppen nahezu gleich stark vertreten (6% bzw. 5%).

    Little vom US-amerikanischen National Cancer Institute und Kollegen untersuchten den Einsatz von Interleukin-12 bei Kaposi-Sarkom. In einer Dosiseskalations-Studie erhielten 16 Positive 100, 300 oder 500 ng/kg zweimal die Woche subkutan. Hauptsächliche Nebenwirkung waren die bei Cytokinen üblichen grippeähnlichen Symptome. Bei fünf von fünf und drei von fünf Teilnehmern der beiden hoeheren Dosierungen zeigte sich eine teilweise Besserung der Kaposi-Läsionen. Sechs dieser Patienten hatten allerdings vorher schon eine Besserung ihrer Läsionen in Folge einer antiretroviralen Therapie erfahren.

    Quelle: HIV-Nachrichten, 7th Retro-Conference
    MedAustria AIDS News Line vom 7. September 2000Inhaltsverzeichnis


    Jede fünfte Krankenschwester in Südafrika ist AIDS-infiziert

    In Südafrika sind nach Angaben von Medizinern etwa 20 Prozent aller Krankenschwestern mit dem AIDS-Virus infiziert. Auch viele junge Schwestern seien betroffen, zitierte die Zeitung "The Star" am Dienstag eine Sprecherin der Krankenhaus-Vereinigung. Allein an einer Schule in der Provinz Gauteng seien die Hälfte aller Krankenpflegerinnen im ersten Lehrjahr HIV-positiv. Die Organisation warnte vor einem drohenden Mangel an Pflegepersonal, sollte diese Entwicklung anhalten. Die Angst, sich bei der Arbeit mit der Immunschwächekrankheit anzustecken, sei einer der Hauptgründe für Kündigungen von Krankenschwestern, hieß es weiter. In Südafrika sind bereits 4,2 Millionen Menschen und damit mehr als jeder zehnte mit dem AIDS-Virus infiziert.

    Medizin-Forum – Nachrichten vom 6. September 2000 Inhaltsverzeichnis


    Psychologische Auswirkungen einer STI

    In einem exzellenten Vortrag präsentierte A. Tuldra aus Bardalona, Spanien, Ergebnisse einer Untersuchung zu den psychologischen Auswirkungen einer STI (Strukturierte Therapieunterbrechung) auf Patienten mit nicht mehr nachweisbarer Viruslast.

    In dieser kleinen Studie wurden 12 Patienten untersucht, die mehr als zwei Jahre unter HAART standen und seit mehr als 24 Monaten eine VL unter 20 Kopien/ml hatten. Die STIs dauerten 30 Tag oder kürzer, wenn die VL über 3.000 Kopien anstieg. Danach wurde für 12 Wochen die HAART wieder angesetzt. Die psychologischen Variablen der Patienten wurden mittels Interviews zu Beginn und zum Zeitpunkt Woche 2 jeder STI und jeweils zwei Wochen nach dem Ansetzen der HAART bewertet. Untersucht wurden die benötigte Anstrengung, die Medikamente zu nehmen, die Selbstwahrnehmung des eigenen Gesundheitsstatus, Schwere der Nebenwirkungen, Auswirkungen der Nebenwirkungen auf das tägliche Leben, Lebensqualität, Adhärenz, negative und positive Aspekte der STI, emotionaler Status und Vertrauen in:

    a) die Therapie,
    b) unter der laufenden STI keinen Wiederanstieg der VL zu haben,
    c) keinen Wiederanstieg der VL in der Zukunft bei weiteren STIs zu haben und
    d) erneut virologische Kontrolle über HIV zu bekommen, falls die VL wieder ansteigt.

    Der psychologische Nutzen der ersten STI zeigte sich nicht stabil. Mit zunehmenden STIs und zunehmenden HAART-Episoden verschwand der bei der ersten STI gesehene Nutzen und die Parameter verschlechterten sich. Die Adhärenz wurde problematischer (für die Patienten deutlich aufwendiger aufrechtzuerhalten) und mehr Patienten waren nicht adhärent. Das Wiederansetzen der HAART und die damit notwendigen Anpassungsprozesse (z.B. Integration der Medikamenteneinnahme in den Alltag) wurden für die Patienten zusehends aufwendiger.

    Der Autor schlussfolgerte, dass Patienten, die STIs machen und die HAART wieder ansetzen unbedingt intensiv unterstützt werden müssen, um mit dieser Situation umgehen zu können und um eine adäquate Adhärenz zu gewährleisten [ThOrB748].

    FaxReport - Ausgabe Nr. 16/2000 vom 28. August 2000 Inhaltsverzeichnis


    2.500 Thailänder melden sich für Test von AIDS-Impfstoff

    Erster groß angelegter Versuch in einem Entwicklungsland - Forscher rekrutieren Drogenabhängige.
    Bangkok (AP) Thailändische Forscher testen zum ersten Mal in großem Rahmen einen AIDS-Impfstoff in einem Entwicklungsland. Wie die Leiterin des Projekts am Donnerstag in Bangkok mitteilte, ist das Ziel erreicht, 2.500 Freiwillige zu rekrutieren. Bei allen handelt es sich um Drogenabhängige, die sich Rauschgift mit der Nadel injizieren und damit im Hinblick auf eine HIV-Infektion zu einer besonders gefährdeten Gruppe gehören. An ihnen soll nun der Impfstoff AIDSVAX der in Kalifornien ansässigen Firma VaxGen getestet werden. Ein ähnlicher Feldversuch läuft bereits seit mehr als zwei Jahren in den USA.

    Schon im März vergangenen Jahres wurde den ersten sechs Freiwilligen in Thailand der Impfstoff verabreicht. Erst 17 Monate später ist die Versuchsgruppe nun komplett. Die Projektmitarbeiter rekrutierten die Freiwilligen in staatlichen Rehabilitationszentren für Drogenabhängige in ganz Thailand. Die Testpersonen, die zu Beginn des Versuchs nicht mit HIV infiziert sind, erhalten insgesamt je sieben Injektionen.

    Wenn der Impfstoff sich als wirksam erweist, will der Hersteller VaxGen einen Partner suchen, der die Herstellung der Substanz zu einem vertretbaren Preis ermöglicht. "Die Thailänder werden zweifellos von der frühen Anwendung des Impfstoffes profitieren", sagte VaxGen-Chef Donald Francis am Donnerstag. Die hohen Kosten für Medikamente zur Behandlung von AIDS werden immer wieder scharf kritisiert, da sich gerade arme Länder, in denen die Immunschwächekrankheit besonders verbreitet ist, solche Medikamente nicht leisten können. In Thailand sind Schätzungen zufolge rund 1,5 Millionen Menschen mit HIV infiziert, 100.000 sind an AIDS erkrankt.

    (Oxford) In Großbritannien haben Wissenschaftler am Donnerstag mit klinischen Tests eines neuen Impfstoffs begonnen, der auf einen afrikanischen Typus des HI-Virus zielt. Die Substanz ist die erste, die speziell zur Bekämpfung des "Clade A HIV-1" entwickelt wurde, des in großen Teilen Afrikas am weitesten verbreiteten HIV-Typus. Nach Angaben des zuständigen Forschungsinstituts in Oxford haben sich 18 Freiwillige gemeldet, denen der Impfstoff injiziert wird. Sollten diese Tests erfolgreich sein, startet innerhalb von sechs Monaten ein größer angelegter Versuch in Kenia. Der Impfstoff soll den Körper zur Produktion so genannter Killerzellen anregen, die die HIV-infizierten Zellen schnell genug zerstören, um eine Infektion zu verhindern.

    Kieler Nachrichten aktuell vom 1. September 2000 Inhaltsverzeichnis


    Experten warnen vor AIDS-Welle in Osteuropa

    Ohne massive Aufklärungskampagnen droht in Osteuropa nach Ansicht von Experten eine ähnlich dramatische Ausbreitung von AIDS wie in Afrika.

    Die Europäische Union sollte sich daher für einen Aktionsplan gegen AIDS einsetzen, der einen Schwerpunkt auf Osteuropa lege, verlangte Stefan Etgeton von der Deutschen Aids-Hilfe aus Anlass des Kongresses "HIV im Dialog". Derzeit lebten zwar in Westeuropa mit 520.000 HIV-Infizierten mehr als in Osteuropa, wo 420.000 gezählt wurden, sagte Ulrich Marcus vom Robert Koch-Institut in Berlin.

    Besorgniserregend sei aber das Tempo der Neuinfektionen in Osteuropa. Im vergangenen Jahr wurden in Westeuropa 30.000 Neuerkrankungen, in Osteuropa hingegen 130.000 gezählt. Allein in Russland seien 1995 noch insgesamt 1.500 neue Kranke ermittelt worden, 1999 rund 15.500 und in diesem Jahr bis Juli schon mehr als 20.000. Beunruhigend sei dabei vor allem, dass über 60 Prozent der Betroffenen unter 25 Jahre alt seien. Ausserdem beschränke sich die Erkrankung nicht mehr nur auf Menschen aus dem Drogenmilieu wie zu Beginn, sondern das Virus werde auch zunehmend auf sexuellem Wege verbreitet.

    Quelle: dpa (chi)

    MedAustria - AIDS News Line vom 31. August 2000 Inhaltsverzeichnis


    HIV reist per Anhalter

    Das Immunschwäche-Virus HIV kann sich an die Oberfläche von Immunzellen binden und so als blinder Passagier durch den Körper reisen. Dies fanden amerikanische Mediziner heraus. Sie stellten fest, dass die Antikörper-produzierenden B-Zellen des Immunsystems nicht unbedingt von HIV infiziert werden. Vielmehr kann das Virus sie lediglich als Transportmittel benutzen. Bei den häufigen Kontaktaufnahmen der B-Zellen mit anderen Immunzellen könnten diese dann aber infiziert werden, glauben die Forscher.

    Die Wissenschaftler waren der Frage nachgegangen, ob B-Zellen natürlicherweise von HIV befallen werden. Dafür untersuchten sie das Blut von infizierten Patienten. Zu ihrer Verblüffung entdeckten sie, dass die B-Zellen auf ihrer Oberfläche Viren trugen. Als Anker diente den Viren dabei ein Protein, welches normalerweise als Signalgeber für die B-Zellen dient. Der Befund könnte erklären, warum B-Zellen bei einer HIV-Infektion häufig überaktiviert werden. Im Reagenzglas-Versuch konnten die Forscher ausserdem zeigen, dass die Viren von den B-Zellen auf gesunde Helferzellen übergehen konnten.

    Quelle: NIH-National Institute of Allergy and Infectious Diseases,29.8.00; Forschung: Susan Moir, NIAID, Bethesda, Maryland, in The Journal of Experimental Medicine, Vol. 192(5), 05.09.2000, pp 637 - 646

    MORGENWELT NACHRICHTEN vom 30. August 2000 Inhaltsverzeichnis


    Schweizer AIDS-Statistik

    Bern (APA/sda) - In der Schweiz sind im Juli 35 neue AIDS-Erkrankungen registriert worden. Damit stieg die Zahl der Neu-Erkrankungen im laufenden Jahr auf 155. Seit Anfang Jahr starben 19 Menschen an AIDS, 13 Frauen und sechs Männer.

    Seit 1984 infizierten sich insgesamt 24.757 Menschen mit dem HI-Virus. Wie dem Bulletin des Bundesamtes für Gesundheit vom Montag weiter zu entnehmen ist, starben seit der Registrierung der Krankheit im Jahr 1984 insgesamt 4.960 Menschen daran, 3.836 Männer und 1.124 Frauen.
    Liberty life vom 30. August 2000 Inhaltsverzeichnis


    HIV & Menstruationszyklus

    Kann eine HIV-Infektion bei Frauen zu abnormalen Menstruationszyklen führen? Dies wurde Anfang der 90er Jahre wiederholt vermutet. Spätere Studien fanden jedoch keinen Zusammenhang.

    In einer US-amerikanischen Studie wurden nun über 1.000 Frauen (802 HIV-positiv, 273 HIV-negativ) untersucht, um dieser Frage nachzugehen.

    Nach Angaben der Forscher schien eine HIV-Infektion (zumindest bevor ein fortgeschrittener Immundefekt erreicht ist) nur einen geringen Einfluss auf die Länge des Menstruationszyklus zu haben. In anderen Studien waren folgende Faktoren mit menstrualen Dysfunktionen assoziiert: Rauschmittelgebrauch, Mangelernährung, schwere Erkrankung, Gewichtsverlust aufgrund chronischer Erkrankungen sowie Lebererkrankungen.

    Die Forscher wiesen allerdings (ohne Angabe weiterer Daten) darauf hin, dass es bei Frauen, die eine Kombinationstherapie durchführen, zu einer Verlängerung der Menstruationszyklen kommen könne. (aegis/catie)

    HIV-Nachrichten Nummer 36 – September 2000 Inhaltsverzeichnis


    T-Zellzahlen und Viruslast bei Frauen

    Für Publikationen bezüglich der Assoziation zwischen der CD4-Zellzahl, Viruslast und dem Risiko, AIDS-assoziierte Erkrankungen zu entwickeln oder an ihnen zu versterben, werden häufiger Daten von Männern als von Frauen herangezogen.
    Einige Studien haben herausgefunden, daß HIV-positive Frauen mit ähnlichen CD4-Zellzahlen wie HIV-positive Männern eine niedrigere Viruslast als Männer haben. HIV-negative Frauen haben häufig höhere CD4-Zellenzahlen als HIV-negative Männer desselben Alters. Forscher in fünf größeren amerikanischen Städten haben CD4-Zellzahlen, die Viruslast und das Sterberisiko von beinahe 2.000 HIV-positiven Frauen analysiert (Anastos K, Kalish LA, Hessol N, et al).
    Die Forscher untersuchten die Daten von 1.769 HIV-positiven Frauen mit den folgenden Merkmalen:
     

    • 10 % waren i.v. Drogengebrauchende
    • 50 % waren zwischen 30 und 39 Jahre alt
    • 56 % waren schwarz.


    Bei Studienbeginn lag die CD4-Zahl bei der Hälfte der Teilnehmerinnen höher als 326 Zellen/µl; die andere Hälfte hatte eine niedrigere Zellzahl. Die Hälfte der Studienteilnehmerinnen hatte eine Viruslast von mehr als 22.000 Kopien/ml, während die andere Hälfte einen niedrigeren Wert hatte. Nur etwa 1 % der Frauen hatte eine HAART genommen. Die Probandinnen wurden über einen Zeitraum von etwa 2,5 Jahren überwacht. Während dieser Zeit starben 252 Frauen.

    Frauen mit weniger als 50 CD4-Zellen starben mit einer achtmal größeren Wahrscheinlichkeit als Frauen mit mindestens 350 CD4-Zellen, jene mit einer Viruslast von mehr als 500.000 Kopien starben mit einer siebenmal höheren Wahrscheinlichkeit als Frauen mit einer Viruslast unterhalb von 4.000 Kopien.

    Das Mortalitätsrisiko war für eine Frau mit weniger als 50 CD4-Zellen weitaus größer, wenn ihre Viruslast höher war als 500.000 Kopien. Nach an CD4-Zellen, Viruslast und Symptomen der HIV-Erkrankung ausgerichteten Analysen fanden die Forscher heraus, daß das Alter einer Frau das Risiko zu sterben beeinflußt.

    Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, daß CD4-Zellzahlen (und Viruslast) dazu verwendet werden können, das kurzfristige Überleben HIV-positiver Frauen vorherzusagen. Frauen mit niedrigen CD4-Zellzahlen - besonders jene unterhalb der 50-Zellen-Schwelle - benötigen ein intensiveres Monitoring als Frauen (oder Männer) mit höheren CD4-Zellzahlen.

    Quelle: AIDS; 1999, 13: 1717-1726

    MedAustria - AIDS News Line vom 24. August 2000 Inhaltsverzeichnis


    Neues HIV-Medikament im Test

    Klein, aber effektiv sind die Waffen, mit denen US-Forscher die großen HI-Viren zur Strecke bringen wollen. Kleine Moleküle sollen wie ein Keil verhindern, dass zwei Proteine aneinander andocken und das Enzym HIV-Protease bilden können.

    HIV-Protease ist eines von drei essenziellen Enzymen, die das so genannte "AIDS-Virus" braucht, um sich durch Kopien zu vermehren. Eine solche Blockade auf der Molekül-Ebene könnte auch bei zahlreichen anderen Krankheiten wirksam werden.
    "Wenn man die Proteine daran hindern kann, zusammenzukommen und ihre biologischen Aktivitäten auszuführen, dann kann man theoretisch die Viren-Vermehrung stoppen", erklärt Jean Chmielewski, Chemie-Professorin der Purdue University und eine der Pioniere auf diesem Gebiet. Ihr Ansatz beruht auf der Tatsache, dass ein einzelnes Protein normalerweise mit anderen Proteinen zusammenarbeiten muss, um lebenswichtige Funktionen in einer Zelle auszuführen. "Wenn wir diese Kommunikation blockieren können", so Chmielewski, "dann könnten wir in der Lage sein, sie komplett stillzulegen."

    Frühere Methoden hatten versucht, den selben Virus-Bereich mit chemischen Wirkstoffen zu blockieren. Doch diese Ansatzstellen können relativ einfach mutieren, so dass das Virus mit der Zeit resistent wird. Chmielewskis Moleküle setzen hingegen an einer Stelle an, die weniger mutationsfreudig ist.

    Ihre Methode wird derzeit in den Labors der US-Gesundheitsbehörde an HIV-infizierten Zellen getestet. Bei Erfolg könnten mit diesem Ansatz eines Tages auch andere Krankheiten behandelt werden -- darunter auch Störungen wie die so genannten Autoimmunkrankheiten, die derzeit noch unheilbar sind. Chmielewski präsentierte Details ihrer Methode auf dem Jahrestreffen der American Chemical Society in Washington.

    Quelle: Dörte Saße und EurekAlert
    Bild der Wissenschaft - Meldung vom 23. August 2000Inhaltsverzeichnis


    Zugabe von IL-2 zur AIDS-Therapie

    Günstiger Effekt durch Stimulation des Immunsystems?

    bwe. Seit wenigen Jahren ist es üblich, das HI- Virus mit einer Palette von drei oder mehreren Substanzen zu bekämpfen. Diese sogenannte HAART (für Highly Active Antiretroviral Therapy) vermag bei Patienten, die darauf ansprechen, das Immunsystem erstaunlich zu regenerieren. Dadurch sind die typischen, AIDS-assoziierten Infektionen mit oftmals tödlichem Ausgang seltener geworden. Doch auch diese hochwirksame Therapie kann das HI-Virus im Körper der infizierten Personen nicht ausrotten; lediglich 35 bis 40 Prozent der behandelten Personen sprechen auf die HAART an. Seit einiger Zeit wird deshalb nach Substanzen gesucht, die das Immunsystem stärken, so dass es das HI-Virus und andere Erreger über lange Zeit - ohne zusammenzubrechen - in Schach zu halten vermag.

    Ein Molekül, das wegen seiner immunmodulierenden Eigenschaften schon früher getestet worden war, ist der körpereigene Botenstoff Interleukin-2, kurz IL-2. Die meisten Studien, die versuchten, einen möglichen Nutzen von IL-2 in der Therapie der HIV-Infektion nachzuweisen, sind allerdings noch vor der Etablierung der HAART durchgeführt worden. Nun ist kürzlich eine neue Untersuchung publiziert und auch am diesjährigen Aids-Kongress in Durban, Südafrika, diskutiert worden.

    Das Zytokin IL-2, ein Peptid-Hormon, wird von aktivierten T-Lymphozyten produziert und regt die Bildung bestimmter Abwehrzellen an. Diese sogenannten CD4+-Zellen werden unter anderem vom HI-Virus befallen und zerstört und können so ihre Funktion in der Immunabwehr nicht mehr wahrnehmen. Die Menge der CD4+- Lymphozyten hat sich als Zeichen für den Zustand der körpereigenen Abwehr erwiesen: Je höher die Zahl dieser Immunzellen, desto weniger wahrscheinlich ist eine ernsthafte, möglicherweise lebensbedrohliche Infektion mit einem anderen gefährlichen Erreger.

    Ein Team an den amerikanischen National Institutes of Health (NIH) hat an verschiedenen Aids-Zentren der Vereinigten Staaten an insgesamt 82 Patienten die Wirkung von IL-2 getestet. Finanziert wurde die Studie vom kalifornischen Biotechnologie-Unternehmen Chiron, das rekombinantes menschliches IL-2 herstellt. Die untersuchten Personen hatten niedrige CD4+-Werte und zahlreiche Viruskopien im Blut, waren jedoch in einem stabilen Zustand und litten nicht an einer der mit AIDS assoziierten Infektionen. 39 Personen erhielten zusätzlich zur HAART IL-2 in sechs über ein Jahr verteilten Zyklen.

    Die restlichen 43 Patienten wurden nur mit den Medikamenten der HAART therapiert. Nach einem Jahr hatten die mit IL-2 behandelten Patienten eine durchschnittliche Zunahme der CD4+-Zell-Zahl um 112 Prozent des Ausgangswertes, verglichen mit lediglich 18 Prozent unter alleiniger HAART. Gleichzeitig ging die Zahl der im Blut nachweisbaren Viren bei den mit IL-2 behandelten Personen leicht zurück - in früheren Studien war die Menge der Erreger durch Interleukin nicht oder sogar ungünstig beeinflusst worden. Der erfreuliche Effekt von IL-2 war dosisabhängig, die meist grippeähnlichen Nebenwirkungen werden als «mild bis mässig» beschrieben.

    Allerdings, so schränken sowohl die Autoren als auch die Kommentatoren in derselben Zeitschrift ein, besagen diese Befunde, die lediglich an einer kleinen Zahl von Patienten erhoben worden sind, noch nichts über einen möglichen Nutzen von IL-2 für den tatsächlichen Zustand von HIV-positiven Patienten. Jüngste Resultate lassen allerdings hoffen, dass sich IL-2 günstig auf den Verlauf einer HIV-Infektion auswirkt. Zurzeit laufen zwei weitere, internationale Phase-III-Studien, wobei die eine von Chiron, die andere von den NIH unterstützt wird. Dabei wird der Einfluss von IL-2 in Kombination mit HAART bei Patienten mit unterschiedlichen CD4+-Zell-Zahlen untersucht.

    Quelle: JAMA 284, 183-189; 223-228; 236-238 (2000).
    Neue Zürcher Zeitung vom 23. August 2000 Inhaltsverzeichnis


    Resistenztest-Technologien

    Die Technologien zur Bestimmung der Resistenz von HIV-1 gegen antiretrovirale Medikamente haben sich - trotz nicht vorhandener Standardisierung und/oder Validierung der miteinander konkurrierenden Technologien - weiterentwickelt.

    In einer von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) durchgeführten Studie, verglichen Qari und Kollegen die Ergebnisse phänotypischer Resistenztestungen (Antivirogram und PhenoSense) von paarigen Plasmaproben. Ergebnisse waren für 38 Proben auswertbar. Wurden die Ergebnisse für alle Medikamente unter Verwendung von insgesamt 530 Determinanten tabellarisiert, zeigte sich eine 92,2%ige Übereinstimmung der Testergebnisse. Bei den 41 diskordanten Ergebnissen, bei denen Resistenzen nur von jeweils einem Verfahren festgestellt worden waren, wurden primäre Resistenzen - mit einer einzigen Ausnahme - nicht entdeckt. Etwa 2/3 der diskordanten Ergebnisse hatten Werte, die nahe am Cut-Off einer Resistenz lagen (2,5fache oder 4fache Erhöhung der IC50 im Vergleich zum Wild-Typ). Diese Studie gibt einen Überblick über die relative Performance der beiden kommerziell erhältlichen phänotypischen Assays. Sie legt nahe, dass PhenoSense und Antivirogram in etwa gleiche Ergebnisse liefern. Ein Kritikpunkt an dieser Studie war, dass nur 6% der Isolate signifikante Level einer Medikamentenresistenz aufwiesen. Ein weiterer Vergleich mit einer größeren Anzahl resistenter Isolate ist geplant.

    Über einen Vergleich der verschiedenen genotypischen Systeme berichtete Collins und Kollegen und Hoover und Kollegen. Erstere Arbeitsgruppe verglich TruGene mit ViroSeq. Beide Methoden waren gleich gut. Wesentlich Diskordanzen bei primären Resistenzmutationen wurden bei 13,5 % der 96 Proben festgestellt, und bei 16,6 % der sekundären Resistenzmutationen. Die Korrektur dieser Diskordanzen führte bei 8 von 96 Proben zu einer unterschiedlichen Interpretation des Genotyps. Hoover und seine Arbeitsgruppe verglichen das TruGene-Assay mit einer hausgemachten Methode, die auf einem ABI-Sequenzer läuft. Sie fanden eine sehr gute bis exzellente Übereinstimmung (91% - 100%) zwischen den beiden Methoden.

    Auf dem Meeting in Durban wurden ebenfalls Fortschritte bei der Entwicklung von intelligenter Software zur Interpretation des Genotyps vorgestellt. Unter Verwendung von 5.000 zufällig ausgewählten Datensätzen aus einer Gesamtheit von 12.000 paarigen Genotypen und Phänotypen, verglichen Larder und Kollegen den vorhergesagten oder "virtuellen" Phänotyp (VirtualPhenotype, Virco) mit dem entsprechenden gemessenen, realen Phänotyp. Insgesamt zeigten die Ergebnisse eine gute, aber nicht perfekte Korrelation (r2 = 0,72). Bei manchen Medikamenten war die Übereinstimmung zwischen dem "virtuellen" und dem wirklichen Phänotyp größer (z. B. Ritonavir: r2 = 0,78), als bei anderen (z. B. Amprenavir: r2 = 0,52).

    Eine ähnliche Analyse verglich die Ergebnisse des VirtualPhenotyps mit dem realen Phänotyp von 271 klinischen Isolaten, die im Rahmen der Studie VIRA3001, einer randomisierten Studie, die phänotypische Resistenztestungen gegen Standard-of-Care verglich, gesammelt worden sind. In 86% der Fälle wurden konkordante Ergebnisse erzielt - wurden die verschiedenen Resistenzkategorien zusammengefasst, lag die Konkordanz bei 90%. Diese Vergleiche zeigen, dass das VirtualPhenotyp-System möglicherweise eine nutzbringende Art und Weise sein kann, vom Genotyp auf den Phänotyp zu schließen. Die Validierung dieses VirtualPhenotyps muss allerdings erst noch durch formale klinischen Studien erfolgen. Dessen ungeachtet stellt sich natürlich auch hier die Frage nach der Standardisierung der eingesetzten genotypischen Testverfahren.

    Quelle: Medscape HIV/AIDS 6(3), 2000

    MedAustria - AIDS - News Line vom 16. August 2000Inhaltsverzeichnis


    Hepatitis auf dem Vormarsch

    Hannover dpa  Hepatitis wird nach Ansicht von Medizinern bei bereits infizierten Menschen in den nächsten Jahren verstärkt ausbrechen. "Bis 2018 wird sich die Zahl der Lebererkrankungen versechsfachen", warnte Michael Manns, Internist und Professor für Gastroenterologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Gleichzeitig gehe aber die Zahl der Infektionen zurück. "Bereits heute sterben täglich mehr Menschen an den Folgen von Hepatitis als in einem Jahr an AIDS", so Manns. An Hepatitis B, dem bedrohlichsten Typ der Infektionskrankheit, leiden in Deutschland rund 100.000 Menschen, weltweit sind es 300 Millionen. Jeder Vierte von ihnen stirbt daran. Hepatitis B müsse mittlerweile auch, so Manns, als Hauptursache für den Leberkrebs gelten.

    taz vom 18. August 2000 Inhaltsverzeichnis


    Das HI-Virus ist wieder auf dem Vormarsch

    Von Adrienne Woltersdorf (Berlin)

    Gesundheitsexperten befürchten für die nächsten Jahre eine erneute Zunahme von HIV-Infektionen in Deutschland. Trotz jahrelanger intensiver Aufklärung würden Schutzmaßnahmen weniger ernst genommen, in manchen Bevölkerungsgruppen nehmen sie sogar ab, sagte Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Berlin.
    Noch rangiert die Bundesrepublik mit rund 50.000 HIV-Infizierten und etwa 2.000 Neuinfektionen jährlich an zehnter Stelle in Europa, sagte Pott am Mittwoch.

    Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Aids-Hilfe, Stefan Etgeton, unterstrich, dass 18 Prozent der Menschen, die sich in Deutschland mit dem HI-Virus anstecken, Ausländer oder Migranten seien. Da jedoch insbesondere Asylbewerber auf Grund der Gesetzeslage nur bei akuten Erkrankungen Anspruch auf medizinische Versorgung hätten, breche bei dieser Gruppe die Krankheit überproportional häufig aus.

    Politiker nähmen kostenintensive stationäre Behandlungen und den früheren Tod dieser Menschen durch Verweigern der entsprechenden Therapie in Kauf, kritisierte Etgeton. Auf diese und andere Perspektiven soll die internationale Konferenz "HIV im Dialog" hinweisen. Die Veranstalter von der Berliner AIDS-Hilfe e.V. wollen von Freitag bis Sonntag in erster Linie das Gespräch zwischen HIV-Infizierten, AIDS-Kranken, Wissenschaftlern und Vertretern der Pharmaindustrie fördern. Insbesondere die internationale Zusammenarbeit mit Deutschlands östlichen Nachbarn werde einen Schwerpunkt bilden, da für einige der osteuropäischen Staaten die Prognose der Neuinfektionen "dramatisch" sei.

    In Europa gebe es insgesamt etwa 940.000 mit HIV infizierte Menschen, 420.000 davon in Osteuropa, sagte Uli Müller vom Robert-Koch-Institut für Infektionskrankheiten. Vor allem in Russland und der Ukraine sei ein exponentielles Wachstum der Infektionen und Erkrankungen zu verzeichnen. Betroffen seien besonders junge Menschen unter 25 Jahren.

    Er vergleiche die Situation in Osteuropa mit der einer "Zeitbombe", sagte der wissenschaftliche Leiter der Veranstaltung, Keikawuz Arastéh, der Frankfurter Rundschau. "In Polen bekennt sich öffentlich nur ein einziger Mensch zu seiner HIV-Infektion, und das ist der Vorsitzende der Anti-AIDS-Initiative." In den meisten osteuropäischen Ländern sei es nach wie vor tabu, die Immunschwächekrankheit öffentlich zu thematisieren. Das verhindere ihre Prävention.

    Arastéh erklärt sich das verspätete Zugehen auf die östlichen Nachbarn mit einer Fehleinschätzung der dortigen Situation. Der Mangel an Hightech-Medizin von der Oder bis nach Moskau habe westliche Mediziner wohl selbst die Zusammenarbeit in der Aufklärung und Vorbeugung vernachlässigen lassen, mutmaßt der Berliner HIV-Experte. Nun gelte es, Kooperationen in gemeinsamen Problemfeldern zu starten.

    "Zum Beispiel Prostitution und Infektion in den Grenzgebieten, da muss intensiv aufgeklärt werden, das betrifft sowohl die Osteuropäer als auch uns," sagt Arastéh. Er verstehe die angestrebte EU-Osterweiterung umfassend. "Da muss es ebenso um den Austausch von Konzepten und Erfahrungen in der Gesundheitspolitik wie im Handel gehen."

    Erfahrungsaustausch ja, aber kein erhobener Zeigefinger, warnte Arastéh. "Am Ende der Ignoranz solcher Probleme stehen immer Armut und Gewalt", sagte der Mediziner, auf die katastrophale Gesundheitslage in vielen Ländern Afrikas verweisend.

    Frankfurter Rundschau vom 10.08.2000 Inhaltsverzeichnis


    AIDS mit körpereigenen Stoffen bekämpfen

    Die AIDS-forschung sollte nach Ansicht von Robert Gallo stärker auf körpereigene Stoffe setzen. Der Mitentdecker der AIDS-Viren sagte am Samstag in Hannover, die herkömmlichen Medikamente blockierten vor allem Enzyme der Viren. Sinnvoll sei es aber auch, das Immunsystem der Patienten direkt zu behandeln, da es die Viren auf vielfältige Weise stören. Entsprechende Therapien könnten auch weniger Nebenwirkungen haben als herkömmliche. Auf dem Weltmedizinkongress parallel zur Expo in Hannover präsentierte Gallo am Wochenende seine Forschung mit so genannten Cytokinen.

    Körpereigene Botenstoffe wie MIP 1alpha können die Andockstelle der Viren auf der Oberfläche von Abwehrzellen blockieren. Menschen mit viel MIP 1alpha haben Studien zufolge einen besseren Schutz vor Aids als andere. Derzeit versucht Gallo die Produktion von MIP 1alpha im Körper anzuregen. Allerdings haben Cytokine im Körper meist mehrere Funktionen. So ist nicht sicher, was bei einer künstlich erhöhten Menge geschieht.

    Die Andockstelle auf den Abwehrzellen, der Rezeptor CCR5, kann jedoch auch selbst verändert sein, so dass sie dem Virus den Zugang in die Zelle verwehrt. 10,8 Prozent der Deutschen haben laut Gallo ein verändertes Gen für den Rezeptor von Vater oder Mutter geerbt. Hoffnung auf Schutz vor AIDS gibt es jedoch nur, wenn man von beiden Eltern ein mutiertes Gen bekommen hat. Noch ist nicht sicher, wie stark der Schutz ist. In Skandinavien tragen rund 13 Prozent der Menschen ein verändertes Rezeptorgen, das in Afrika nicht vorkommt.

    Eine Theorie besagt, dass auch der Pest-Erreger, der stark in Europa gewütet hat, den Rezeptor nutzte. Menschen mit verändertem Rezeptor hätten damit eine größere Überlebenschance gehabt und konnten das Gen dann an ihre Nachkommen weitergeben.

    Ein weiteres Projekt in Gallos Labor ist die Erforschung eines Eiweißes, das im Urin von Frauen im ersten Drittel der Schwangerschaft gefunden wurde. Es könne auch Tumorzellen zerstören und diene bei der Embryoentwicklung vielleicht zur Entfernung überflüssiger Zellen, erläuterte Gallo. Bisher gebe es im Ansatz erste Erfolge in Tierversuchen. Noch sei es aber nicht gelungen, das Protein in größerer Menge herzustellen, sagte Gallo, der das Institut für menschliche Viren an der Universität Maryland (Baltimore) leitet.

    Für den schnellen Einsatz von Impfstofftests plädierte Gustav Nossal vom Impfprogramm der Weltgesundheitsorganisation. Derzeit gebe es weltweit etwa 30 Versuche am Menschen, manche nur mit zwölf Probanden. "Alles, was wirken könnte, sollte sofort getestet werden." Natürlich müssten die Stoffe zuvor auf Verträglichkeit geprüft sein. Angesichts des "Buschbrandes" müsse man von der klassischen ethischen Diskussion weg kommen, wann Kinder in Afrika Probanden sein dürfen.

    Quelle: dpa und bdw
    Bild der Wissenschaft - Meldung vom 7. August 2000 Inhaltsverzeichnis


    Lebensbedrohliches Syndrom nach D4T

    In sehr seltenen Fällen scheint unter einer D4T-Behandlung (Handelsname: Zerit) eine lebensbedrohliche Komplikation mit Laktatazidose, hepatischer Steatose und Myopathie aufzutreten. Das Syndrom wird gerade in den Annals of Internal Medicine für vier Patienten beschrieben, die D4T 3 bis 15 Monate lang erhalten hatten.

    Die Autoren berichten, daß die Patienten bei Aufnahme eine schwere Laktatazidose und erhöhte Transaminasenwerte hatten. In der CT fand sich eine fettige Infiltration der Leber. Bei zwei Patienten ergab eine Muskelbiopsie den Befund einer mitochondrialen Myopathie.

    Alle Patienten seien nach einem "komplizierten Krankenhausaufenthalt" (Intensivstation) wieder genesen. Da die Symptome zunächst unauffällig und unspezifisch sein können, empfehlen die Autoren Transaminasenkontrollen in Abständen von 3 bis 4 Monaten bei Patienten, die D4T erhalten. Bei erhöhten Werten seien engere Kontrollen wünschenswert sowie eine Bestimmung von Serumlaktat, Pankreas- und Muskelenzymen.

    Eine lebensbedrohliche Laktatazidose mit hepatischer Steatose war bisher nach Behandlung mit AZT und DDI beobachtet worden.

    K.D. Miller, M. Cameron, L.V. Wood, M.C. Dalakas, and J.A. Kovacs Lactic Acidosis and Hepatic Steatosis Associated with Use of Stavudine: Report of Four Cases Ann Intern Med. 2000;133:192-196.

    HIV.NET-Nachrichten vom 3. August 2000 Inhaltsverzeichnis


    Strukturierte Therapieunterbrechung

    Strukturierte Therapieunterbrechungen sind ein bei Positiven immer noch viel diskutiertes Konzept. Insbesondere wird dabei diskutiert, inwieweit durch wiederholte Unterbrechungen der nachfolgende Anstieg der Viruslast immer niedriger werden könne (was auf eine zunehmende Kompetenz des Immunsystems gegen HIV hindeuten könnte). In Durban stellte Bernhard Hirschel aktuelle Daten einer schweizerischen Studie hierzu vor.

    In dieser Studie folgt über den Zeitraum von insgesamt einem Jahr eine zweiwöchige Therapiepause auf einen achtwöchigen Behandlungszyklus, anschließend bleiben die Patienten solange ohne Kombi, bis ihre Viruslast wieder über 5.000 Kopien ansteigt. Bisher wurden 122 Positive in die Studie eingeschlossen; von den 56 Teilnehmern, die bisher schon 4 Therapieunterbrechungen hatten, hatten 8 (14%) keinen Wiederanstieg der Viruslast, bei 16 (28%) steig die Viruslast bei jeder Unterbrechung in gleicher Höhe an, 11 hatten bei jeder Therapieunterbrechung einen niedrigeren Viruslast-Anstieg.
    Insgesamt konnte Hirschel keinen Trend in Richtung eines niedriger werdenden Viruslastan-stiegs erkennen. Bei 9 Patienten gelang es nach den Therapieunterbrechungen nicht mehr, die Viruslast unter die Nachweisgrenze von 50 Ko-pien zu bringen.

    Eine andere (kleine) STI-Studie stellte Dybul vom US-amerikanischen NIAID vor. Vorläufige Daten von 9 Patienten zeigten der Präsentation zufolge, dass eine einmonatige Therapieunterbrechung nach zweimonatiger HAART zwar zu einem Wiederanstieg der Viruslast führte, die Viruslast aber mit jedem Wiederansetzen der Therapie bisher wieder unter die Nachweisgrenze ging. Resistenzen seien bisher nicht aufgetreten. Ziel der Studie, die noch Patienten rekrutiert (Ziel 70 Teilnehmer) ist ein Vergleich zwischen Patienten mit kontinuierlicher Therapie und Patienten mit Therapieunterbrechungen.

    Anthony Faiuci, NIAID-Direktor, warnte angesichts der bisher dünnen Datenlage vor einer Verallgemeinerung der Daten und voreiligen individuellen Experimenten. Es seien noch viele Fragen offen, insbesondere zur Gefahr einer Resistenzentwicklung. Bis auf weiteres sollten Therapiepausen nicht eigenmächtig "ausprobiert" werden. (natap, aegis)

    HIV-Nachrichten Nr. 34, August 2000 Inhaltsverzeichnis


    AIDS in Europa, 1994-1998

    Bis 1995 galt eine HIV-infektion als progredient verlaufende Erkrankung mit nur wenig therapeutischen Optionen zur Verhinderung von Immundefizienz und opportunistischen Infektionen.

    Dr. J. D. Lundgren, Direktor des Kopenhagner HIV Programm und Kollegen der EuroSIDA Study Group untersuchten die Häufigkeit AIDS-definierender Erkrankungen in einer prospektiven Multicenterstudie. Insgesamt wurden Daten von über 7300 HIV Patienten im Zeitraum zwischen 1994-1998 mit unteschiedlich ausgeprägter T-Zell Depletion verglichen.

    Die Studienergebnisse zeigen, daß es parallel zu steigendem Einsatz hochaktiver antiretroviraler Kombinationstherapie zu einer Abnahme AIDS definierender Erkrankungen kommt. Wurden 1994 pro Patientenjahr 30.7 Indexerkrankungen dokumentiert so sank diese Zahl auf 2,5 im Jahr 1998. In absoluten Zahlen bedeutet das ein Erkrankungsabnahme von 500 (im Jahr 1994) auf 95 (im Jahr 1998). Die Abnahme AIDS definierender Erkrankungen konnte unabhängig von der Anzahl der CD4 Lymphozyten gezeigt werden. Am stärksten rückläufig waren Cytomegalievirus Retinitis und Mykobakterium avium Infektionen.

    1994 war ein Non-Hodgkin-Lymphom bei etwa 4% AIDS definierend - 1998 ist die Anzahl auf fast 16% angestiegen und ist damit die häufigste Indexerkrankung bei Patienten unter HAART. Die durchschnittliche CD4 Zellzahl zum Zeitpunkt einer AIDS definierenden Erkrankung stieg von 28 CD4 T-Lymphozyten pro Mikroliter 1994 auf 125/µl im Jahr 1998.

    In diesem Zeitraum ist die Zahl der Patienten die unter einem hochaktiven antiretroviralen Therapieregime stehen von 2% auf 79% gestiegen. Bei vergleichbarer Immundefizienz haben Patienten unter HAART ein deutlich niedrigeres Risiko einer AIDS definierenden Erkrankung.

    Nach nur vier Jahren Therapieeinsatz ist der Langzeiteffekt von HAART unklar - befürchtet werden neue gefährliche Infektionen, Resistenz entwicklung gegen die verfügbaren Medikamente sowie Langzeit nebenwirkungen. Dies könnte zu einer veränderten Klinik HIV assoziierter Erkrankungen führen.

    Quelle: Lancet 2000;356:291-296
    MedAustria – News vom 3. August 2000Inhaltsverzeichnis


    HIV-Infizierten mit Lipodystrophie hilft ein orales Antidiabetikum

    Boston (Rö). Beim Lipodystrophie-Syndrom mit metabolischen Störungen, unter dem viele antiviral behandelte HIV-Infizierte leiden, hilft nach einer Pilotstudie das orale Antidiabetikum Metformin.

    Die Substanz reduziert die Insulinspiegel, wie Ergebnisse von oralen Glukosetoleranztests belegen. Außerdem vermindert sie den diastolischen Blutdruck und die viszerale Fettmasse. Insgesamt läßt sich mit Metformin bei den HIV-Infizierten eine Wirkung erreichen, wie sie bei Typ-2-Diabetikern bekannt ist.

    Dies belegen die Ergebnisse einer ersten doppelt-blinden, placebo-kontrollierten Zufallsauswahlstudie, die im "JAMA" (284, 2000, 472) veröffentlicht worden sind. Dr. Steven Grinspoon vom Massachusetts General Hospital in Boston in den USA berichtet über die Therapie mit dem oralen Antidiabetikum bei 26 HIV-Infizierten, die eine abnorme Fettverteilung hatten, wie sie für das Lipodystrophiesyndrom typisch ist. Auch hatten die Patienten abnorme Insulinanstiege bei oralen Glukosetoleranztests oder eine Hyperinsulinämie.

    Zufällig ausgewählt erhielten 14 Patienten 500 Milligramm Metformin zweimal täglich, zwölf Patienten erhielten ein entsprechendes Placebo. Nach drei Monaten Therapie wurde Bilanz gezogen: Viele der Parameter, die für den Befund eines metabolischen Syndroms herangezogen werden, entwickelten sich mit dem oralen Antidiabetikum günstig, bei den HIV-Infizierten, die Placebo erhalten hatten, jedoch ungünstig. Dies galt besonders für den diastolischen Blutdruck - fünf mmHg weniger im Vergleich zu fünf mmHg mehr, für das Körpergewicht - ein Kilogramm Abnahme im Vergleich zu einem Kilogramm Zunahme und für den Hüftumfang - ein Zentimeter weniger im Vergleich zu einem Zentimeter mehr. Vertragen wurde das orale Antidiabetikum gut.

    Sollten sich die Ergebnisse der Therapie über einen längeren Zeitraum bestätigen lassen, stünde eine Therapie für HIV-Infizierte mit einem Syndrom zur Verfügung, das nicht nur stigmatisierend wirkt, sondern auch mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko einhergeht.

    Ärzte Zeitung vom 27. Juli 2000Inhaltsverzeichnis


    Virussuppression: wie weit unterhalb der Nachweisgrenze?

    von Andrea Rubbert

    Eine Studie aus New York (Greene et al MoPeB2171) untersucht die Frage, ob beim klinischen Verlauf der HIV-Infektion eine Suppression der Plasmavirämie unter die Nachweisgrenze hochsensitiver PCR Assays wirklich erforderlich ist.

    Die Studie bezieht sich auf einen Beobachtungszeitraum von 33 Monaten und basiert auf der Analyse von 95 HIV-infizierten Patienten einer großen Praxis. Dabei hatten 54 Patienten unter HAART einen Abfall der Viruslast auf unter 13 Kopien RNA/ml und 41 Patienten einen Abfall auf unter 400 Kopien/ml. Beide Patientengruppen zeigten initial einen vergleichbaren CD4-Anstieg, eine vergleichbare Inzidenz opportunistischer Infektionen im Beobachtungszeitraum, Krankenhaustage oder virologisches Therapieversagen (definiert als zweimaliger Nachweis der HIV RNA von > 400 Kopien/ml. Die Schlußfolgerung der Autoren lautet, daß der klinische Verlauf von Patienten mit Reduktion der Plasmavirämie auf unter 400 Kopien/ml sich nicht von denen mit einer optimaleren Response (Reduktion auf unter 13 Kopien) unterscheidet.
    HIV.NET – Nachrichten vom 26. Juli 2000Inhaltsverzeichnis


    Lymphome - bald besser therapierbar ?

    von Christian Hoffmann

    Das Non-Hodgkin-Lymphom zählt zu den wenigen AIDS-Erkrankungen, deren Inzidenzen im Zeitalter von HAART nicht abnehmen. Der Verlauf ist tendentiell ungünstiger und von häufigen Rezidiven belastet, zudem wird die Chemotherapie durch die Immunsuppression bei HIV-Infizierten kompliziert.

    Wie wichtig eine HAART ist, wenn das NHL einmal aufgetreten ist, zeigte eine spanische Studie von 57 Patienten. Die Ansprechrate unter der Standardchemotherapie CHOP war mit HAART 71 % gegenüber 34 % bei nicht therapierten Patienten deutlich besser (p = 0.01). In der Multivarianzanalyse war HAART der einzige unabhängige Faktor (TuOrB304).

    Eine kleine Sensation zu primär cerebralen Lymphomen (PCNHL) kam von R. Corales aus den USA. Zwar war nur einer der beiden vorgestellten Fälle bioptisch gesichert, doch zeigten beide Case-Reports unter alleiniger HAART (!) ein gutes Ansprechen. Bei dem Patienten mit gesichertem PCNHL hatte sich das Lymphom nach drei Monaten und einer deutlichen Immunrekonstitution komplett zurückgebildet. Angesichts der extrem ungünstigen Prognose von PCNHL ist ein solcher Verlauf extrem ungewöhnlich (MoPpB1086).

    Doch in der Chemotherapie der HIV-assozierten NHL tut sich etwas. So gibt es derzeit Bestrebungen, das Doxorubicin im Standard-CHOP-Regime durch liposomal modifiziertes Doxorubicin zu ersetzen, um mögliche Nebenwirkungen zu reduzieren und die Pharmakokoinetik zu verbessern. Die jetzt vorgestellte Pilotstudie von A. Tulpule hat allerdings erst drei Patienten eingeschlossen (TuPeB3165).

    Noch mit Vorsicht zu beurteilen ist der ausgezeichnete Therapieerfolg des CDE-Regimes in Kombination mit monoklonalen Antikörpern (Rituximab). Die direkt gegen Lymphomzellen wirkenden Antikörper sind ein sehr vielversprechendes und derzeit vielerorts in der Onkologie mit wachsendem Erfolg eingesetztes Konzept. Warum nicht auch bei HIV-Patienten? (WePeA4043).

    In der NHL-Rezidivtherapie gab es ebenfalls interessante Berichte, so zum ESHAP-Protokoll, einem Regime mit relativ hohen Dosen Cisplatin und Cytararbine, das bei 13 Patienten mit einem partiellen oder kompletten Ansprechen von 62 % recht erfolgreich war (MoPpB1085). Ebenfalls gut sprachen fünf Patienten mit CHOP-refraktären Lymphomen an, die mit liposomalem Daunorubicin behandelt wurden (MoPpB1087)

    HIV.NET Nachrichten vom 23. Juli 2000 Inhaltsverzeichnis


    Immunsuppressivum entzieht HIV die Lebensgrundlage

    Lausanne / Durban (nsi/ple). Das Immunsuppressivum Mycophenolatmofetil (MMF) könnte künftig möglicherweise einen Platz in der Therapie von HIV-Infizierten bekommen.

    MMF wird bereits in der Transplantationsmedizin zur Prophylaxe von Organabstoßungen verwendet. Daten einer klinischen Pilot-Studie, die erfolgversprechend sind, sind jetzt in einer Zeitschrift sowie während der 13. Welt-AIDS-Konferenz in Durban in Südafrika der Öffentlichkeit vorgestellt worden. MMF hemmt die Zellteilung von T- und B-Lymphozyten, indem es die Neusynthese von Guanosin-Nukleotiden verhindert. Es vermindert aber auch die Replikationsfähigkeit von HIV in vitro.

    In der Studie haben Forscher um Dr. Aude G. Chapuis von der Universität Lausanne acht HIV-Infizierte zusätzlich zu einer hochaktiven, antiviralen Therapie mit Abacavir (Ziagen®) und Amprenvir (Agenerase®) mit MMF, in Deutschland als CellCept® von dem Unternehmen Hoffmann-La Roche angeboten, behandelt (Nat Med 6/7, 2000, 735 und 762). Das Immunsuppressivum wurde ähnlich dosiert gegeben wie zur Abstoßungsprophylaxe, und zwar ein Gramm pro Tag in den ersten vier Wochen, dann zwei Gramm pro Tag .

    In den ersten 24 Wochen nach Beginn der Untersuchung änderten sich die Zahlen der CD4- und CD8-Zellen kaum. Danach aber sanken sie. Ebenfalls vermindert war die Zahl der infektiösen Einheiten des HI-Virus. Das fanden die Forscher heraus, indem sie Viren aus CD4-positiven T-Lymphozyten vor und nach Beginn der MMF-Therapie isolierten. Bei sechs Patienten nahm die Zahl der infektiösen Viruspartikel in T-Zellen um mindestens 98 Prozent ab.

    Anders als bei Patienten nach Organtransplantation, die zusätzlich zu MMF noch andere Immunsuppressiva einnehmen, wurden bei den Patienten der Studie keine hämatologischen Veränderungen gefunden. Die Substanz wurde gut vertragen.

    Es werden derzeit zwei Wirkmechanismen für MMF diskutiert: Zum einen reduziert es den Pool der aktivierten T-Lymphozyten und damit die Zahl der Zellen, in denen sich HIV vermehren kann. Obwohl HIV ruhende und aktivierte T-Zellen infizieren kann, vermehren sie sich hauptsächlich in aktivierten Lymphozyten. Zum anderen könnte MMF über die Verarmung an Guanosin-Nukleotiden direkt einen antiviralen Effekt haben. Dabei könnte es mit dem Nukleosid-Analogon Abacavir synergistisch wirken. Jetzt ist zu prüfen, ob HIV-Infizierte auch klinisch von der Behandlung profitieren, wie es in einem Kommentar zur Chapuis' Veröffentlichung heißt.

    Ärzte Zeitung vom 21. Juli 2000 Inhaltsverzeichnis


    Bald erste Dreifach-Tablette gegen HIV

    Neu-Isenburg (eb). Die Zulassung des ersten Kombinationspräparates mit drei antiviralen Wirkstoffen gegen HIV hat jetzt der Ausschuß für Arzneispezialitäten der Europäischen Union (CPMP) empfohlen, und zwar zur Behandlung von erwachsenen Infizierten. Wie es in einer Mitteilung des Herstellers GlaxoWellcome heißt, wird die europäische Kommission auf der Grundlage dieser positiven Bewertung ihre Entscheidung zur Zulassung des Medikamentes in 15 Mitgliedstaaten treffen. Eine Tablette des Präparates, das voraussichtlich Trizivir heißen wird, enthält 300 mg Abacavir, 150 mg Lamivudin und 300 mg Zidovudin.
    Ärzte Zeitung vom 20. Juli 2000Inhaltsverzeichnis


    HAART verhindert auch Toxoplasmose im Gehirn

    Bern/Durban (Rö). Aus Südafrika, wo jetzt die 13. Welt-AIDS-Konferenz in Durban beginnt, kommen zu HIV viele beunruhigende Nachrichten. Eine gute Botschaft gibt es auch, allerdings nur für gut therapierte HIV-Infizierte in Europa: Bei vielen von ihnen verbessert die moderne antivirale Therapie die Immunlage so stark, daß gefährlichen Infektionen nicht mehr vorgebeugt werden muß.

    Bekannt war dies schon für die Pneumocystis-carinii-Pneumonie, die atypische Lungenentzündung, an der früher viele AIDS-Kranke gestorben sind. Die zur Vorbeugung dieser Erkrankung eingenommenen Medikamente haben die Infizierten auch gegen die Toxoplasmose-Enzephalitis geschützt. Denn in der Schweizer HIV-Kohorten-Studie ist keine einzige Toxoplasmose-Erkrankung mehr vorgekommen, trotz Absetzen der Prophylaxe. Dies berichtet Dr. Hansjakob Furrer von der Universität Bern jetzt in „The Lancet“ (355, 2000, 2217). Der HIV-Spezialist hat in seiner Studie 199 HIV-Infizierte untersucht, die Antikörper gegen Toxoplasma gondii hatten. Alle hatten der Pneumocystis-carinii-Pneumonie mit Co-trimoxazol oder Dapson kombiniert mit Pyrimethamin vorgebeugt.

    Diese Behandlung war bei den HIV-Infizierten beendet worden, da durch die antivirale Therapie die Zahl der T-Helferzellen auf über 200 pro Mikroliter Blut angestiegen war. In mehr als zwei Jahren Beobachtungszeit wurde keine Toxoplasmose-Erkrankung festgestellt.

    Die Studie belegt auch die Wirksamkeit der antiviralen Therapie gegen HIV. Nur bei vier der Studienteilnehmer, das sind weniger als zwei Prozent, mußte die Prophylaxe wieder aufgenommen werden, weil bei ihnen die Zahl der T-Helferzellen während der Therapie unter 200 pro Mikroliter Blut gefallen war.

    Ärzte Zeitung vom 7. Juli .2000Inhaltsverzeichnis


    3-fachtherapie bei der Mehrzahl der HIV-Patienten 3 Jahre potent

    Bei 65% der in eine Studie aufgenommenen HIV-Positiven kann mit einer Dreifachtherapie bestehend aus Zidovudin (Retrovir®), Lamivudin (Epivir®) und Indinavir drei Jahre lang die Serum-HIV-Konzentration unter 50 Kopien/ml gehalten werden.

    Dr. Roy M. Gulick von der Cornell University in New York und Kollegen beschreiben betreffende Studienresultate in der aktuellen Ausgabe der ŒAnnals of Internal Medicine. Bei den 33 HIV-infizierten Patienten, die vor Studienbeginn Zidovudin (Retrovir®) erhielten, wurden vor Beginn Dreifachtherapie durchschnittliche HIV-RNA-Kozentrationen von 41.900 Kopien/ml diagnostiziert.

    Im dritten Jahr des Follow-ups liegt die HIV-RNA-Konzentration 20 der 31 noch evaluierbaren Patienten bei unter 50 Kopien/ml. Die CD4-Zellzahl stieg im selben Beobachtungszeitraum von durchschnittlich 133/µl auf durchschnittlich 230/µl.
    12 Patienten brachen die Dreifachtherapie ab - sieben aufgrund virologischen Versagens, drei aufgrund unerwünschter Nebenwirkungen und zwei Patienten aufgrund der Initiierung einer kontraindizierten Therapie. 19% der Probanden entwickelten innerhalb der Beobachtungszeit eine Lipodystrophie, 36% entwickelten zumindest einmal im Laufe des Follow-ups eine Nephrolithiasis.

    Quelle: Ann Intern Med; 2000, 133: 35-39
    MedAustria - AIDS - News Line vom 6. Juli 2000Inhaltsverzeichnis


    Der Norden hat die Medikamente, und der Süden hat die Seuchen

    Von Hendrik Groth (Nairobi/dpa)

    Kaum einer der HIV-infizierten Afrikaner kann behandelt werden: Die Preise für Arzneimittel sind unerschwinglich.

    Ein Drittel der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zu lebensrettenden Medikamenten. In Afrika bekommt sogar nur jeder Zweite die Chance, Arzneimittel gegen Malaria, Antibiotika gegen Grippe oder Durchfall zu kaufen. 95 Prozent der auf etwa 34 Millionen geschätzten HIV-Infizierten können in den unterentwickelten Staaten wegen zu hoher Kosten nicht medikamentös behandelt werden. "Ich bin es einfach leid, meine Patienten zum Sterben nach Hause zu schicken, weil ich ihnen nicht helfen kann", sagte der Arzt Christopher Ouma in Nairobi. "Der Norden hat die Medikamente, der Süden die Seuchen." Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" präsentierte in Kenia eine Studie über Medikamentenpreise, die belegt, dass eine Vielzahl von Pillen und Präparaten wesentlich teurer in Afrika als in Europa oder in Nordamerika sind. "Zehn von 13 üblichen Medikamenten kosten in Tansania wesentlich mehr als in Kanada. Werden die extremen Einkommensunterschiede berücksichtigt, muss ein Tansanier etwa 213 Tage für diesen Medikamentenkorb arbeiten, während ein Kanadier nur acht Tage dafür braucht", erklärte Kirsten Myhr von Health Action International.

    Dramatisch ist der Kostenvergleich für AIDS-Patienten. Ouma führte als Beispiel das Präparat Fluconazole an. Mit diesem Mittel werden Hirnhautentzündungen behandelt, die durch die Immunschwächekrankheit ausgelöst werden. In Kenia, wo die Patente von internationalen Pharma-Multis ausdrücklich geschützt werden, kostet eine Packung etwa 35 Mark. In Thailand, wo Medikamente zugelassen sind, die dem als Markenzeichen eingetragenen Präparat in der Zusammensetzung gleichen, aber unter einem anderen Namen vertrieben werden (Generika), kostet das Mittel gerade 60 Pfennig.

    Gründe für die hohen Preise in Afrika gibt es viele. Angeführt werden von Experten vor allem hohe Zölle und fehlende Konkurrenz durch Hersteller von generischen Produkten auf Grund des strengen Patentschutzes. Dazu kommen Probleme in der Lagerkapazität oder auch das teilweise miserable Straßennetz. So ist es im armen Tansania sehr schwierig, die Einwohner überall im Land zu erreichen.

    "Beim Patentrecht müssen die Interessen des Investors mit den Bedürfnissen der betroffenen Menschen abgestimmt werden", fügte Myhr hinzu. Auf internationalen Konferenzen hätten die USA oder auch EU-Staaten massiven Druck auf die Länder der Dritten Welt ausgeübt.

    Mit Handelssanktionen sei gedroht worden, wenn einzelne Staaten Unternehmen gestatteten, generische Medikamente zu produzieren. Dabei könnten Staaten wie Kenia im Einklang mit internationalen Handelsvereinbarungen sicherstellen, dass der Bevölkerung Medikamente zu erschwinglichen Preisen angeboten werden. Grundsätzlich sei Patentrecht eine Frage der nationalen Rechtsprechung. Bei den Zöllen sei das eindeutig, meinte Myhr.

    Mit großer Aufmerksamkeit werde die Ankündigung von fünf großen Pharmakonzernen beobachtet, die Preise für AIDS-Medikamente in den Entwicklungsländern spürbar zu senken. "Bei uns ist das aber noch nicht angekommen", erklärte Ouma, der in Nairobi die AIDS-Hilfe für "Ärzte ohne Grenzen" koordiniert. "Wir haben noch keine Preissenkung feststellen können." Auch sei nicht klar, über welchen Zeitraum der Preisabschlag Gültigkeit habe.

    Allerdings machen es sich viele afrikanischen Staaten selbst immer noch schwer. In Ruanda etwa, aber nicht nur dort, ist AIDS-Aufklärung immer noch ein Tabu. AIDS-Kranke werden geächtet, selbst von der eigenen Familie. Die Leute laufen vor ihnen wie vor Pestkranken davon.

    Frankfurter Rundschau vom 6. Juli 2000Inhaltsverzeichnis


    HIV-Infektion verhindert

    Die schnelle Behandlung mit antiviralen Medikamenten hat eine 13-jährige Dänin vermutlich vor einer HIV-Infektion bewahrt. Das Mädchen hatte während einer Operation Blutkonserven bekommen. Zwei Tage später stellte sich heraus, dass diese mit dem AIDS-Virus infiziert waren. Sofort begannen die Ärzte mit einer massiven Medikamentengabe.

    Ursprünglich hatte die Therapie ein Jahr dauern sollen. Wegen starker Nebenwirkungen war sie jedoch bereits nach neun Monaten eingestellt worden. Auch ein halbes Jahr nach Ende der Therapie zeigten sich bei dem Mädchen keinerlei Zeichen einer HIV-Infektion.  Nach Angaben der Mediziner kann aber nicht absolut sicher gesagt werden, worauf das Ausbleiben der Infektion zurückzuführen ist.

    Der Blutspender war zwei Tage nach der Übertragung seines Blutes mit Fieber und Ausschlag in ein Krankenhaus gekommen. Als sich herausstellte, dass er mit dem HI-Virus infiziert war, wurde nach den betroffenen Blutkonserven gefahndet. Diese waren aber bereits dem Mädchen gegeben worden.

    Quelle: Annals of Internal Medicine, 4.7.00, Vol. 133 No.1, p 31
    Forschung: Terese L. Katzenstein, Ebbe Dickmeiss, National University Hospital Rigshospitalet und State Serum Institute, Kopenhagen, Dänemark

    MorgenWelt HEUTE vom 4. Juli 2000 Inhaltsverzeichnis


    Resistente HIV-Stämme bei therapienaiven Patienten

    Bei US-Patienten, die in den Jahren 1996 bis 1999 serokonvertierten, scheinen in einem beträchtlichen Prozentsatz Virusstämme anzüchtbar zu sein, die resistent gegen eine der drei gängigen Medikamentenklassen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI), Protease-Inhibitoren (PI) und/oder Nichtnukleosidale Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI) sind.

    Dies geht aus einer Untersuchung von Militärpersonal an mehreren US-Stützpunkten hervor (U.S. Military HIV Research Program, Rockville, MD). Von 97 Patienten mit US-typischer Herkunftsverteilung (44% Kaukasier, 40% Afroamerikaner, 10% Personen spanischer Abstammung) hatten 21 Patienten (22.1%) Virusstämme mit eindeutiger oder möglicher Resistenz (definiert als Vorliegen sekundärer Resistenzmutationen) in der genotypischen Analyse und 27 (29.2%) in der phänotypischen Analyse.

    Am häufigsten waren Resistenzen gegen NNRTI, die genotypisch bei 15% von 95 Patienten und phänotypisch bei 26% von 91 Patienten nachgewiesen wurden. Eine Resistenz gegen NRTI (Beispiel: AZT, DDI, D4T etc.) wurde bei 4% in der genotypischen und bei 8% in der phänotypischen Untersuchung gesehen. 10% der Patienten zeigten eine genotypische und 1% eine phänotypische Resistenz gegen Protease-Inhibitoren. Resistenzen gegen alle drei Medikamentenklassen wurden nur bei einem Patienten beobachtet.

    Die Autoren konkludieren, daß bei therapienaiven Patienten mit Resistenzen dann gerechnet werden sollte, wenn in der jeweiligen Patientengruppe die Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten weitverbreitet ist. In diesem Fall ist die Notwendigkeit von Resistenzprüfungen vor Beginn der Therapie zu prüfen.

    Quelle: AIDS 2000; 14: 1009-1015

    MedAustriaAIDS - News Line vom 29. Juni 2000 Inhaltsverzeichnis


    ABT-378 kurz vor der Zulassung

    Der neue Protease-Hemmer ABT-378 (Lopinavir) steht kurz vor der Zulassung in den USA. Wie der Hersteller Abbott mitteilte, wird mit der Zulassung durch die US-amerikanische FDA für Anfang September  gerechnet.

    Handelsname solle dann Kaletra sein. ABT-378 befindet sich (auch in Deutschland) in Phase-III-Studien an bereits vorbehandelten und therapienaiven Positiven. Parallel läuft derzeit ein expanded acces Programm, über das auch Patienten, die nicht an den Studien teilnehmen, unter bestimmten Umständen Lopinavir erhalten können.

    Unmittelbar nach der US-Zulassung wird Lopinavir in der BRD über Import verfügbar sein. Mit der Zulassung für Europa (und damit auch die BRD) wird für Februar 2001 gerechnet.

    Dieser Artikel erscheint auf besonderen Wunsch der Firma Abbott.

    HIV-Nachrichten, Nr. 43 vom Juli 2000 Inhaltsverzeichnis


    Anstieg von AIDS-Infektionen

    Ein deutlicher Anstieg von neuen AIDS-Infektionen unter Homosexuellen in der US-Westküstenmetropole San Francisco sorgt für Alarm bei den Gesundheitsbehörden. Nach offiziellen städtischen Angaben verdreifachte sich die Zahl innerhalb von nur zwei Jahren, berichteten US-Medien am Sonnabend. Während in San Francisco 1997 bei lediglich 1,3 Prozent von homosexuellen und bisexuellen Männern, die sich anonym testen ließen, das AIDS-Virus festgestellt wurde, waren es 1998 schon 2,6 Prozent und im vergangenen Jahr 3,7 Prozent. (dpa, 2.7.2000)

    Netdoktor - News vom 3. Juli 2000 Inhaltsverzeichnis


    AIDS erfaßt ländliche Gebiete

    Die AIDS-Epidemie breitet sich zunehmend in den ländlichen Gebieten der Entwicklungsländer aus. Darauf haben die Welternährungsorganisation (FAO) und das AIDS-Programm der Vereinten Nationen (UNAIDS) in einer gemeinsamen Studie hingewiesen. Die Autoren kritisieren, die Immunschwächekrankheit werde immer noch viel zu sehr als "Problem der Städte" betrachtet. Die absolute Zahl der Infizierten wachse aber gerade in vielen ländlichen Gebieten der Dritten Welt deutlich.
    Die UN-Organisationen rufen die Regierungen dazu auf, bei der ländlichen Entwicklung die Bekämpfung von AIDS stärker zu berücksichtigen. Auf dem Land gebe es weniger Informations-, Beratungs- und Testmöglichkeiten. Kondome seien kaum zu bekommen.

    Viele der AIDS-Kranken kehrten zudem aus den Städten in ihre Dörfer zurück. Ihre Familien müssten zum grössten Teil für Nahrung, Krankenpflege, Medikamente und Bestattungen bezahlen. Die Agrarentwicklungspolitik berücksichtige diese Belastungen viel zu wenig.

    Die Krankenpflege nehme viel Zeit in Anspruch. Dies gehe oft zu Lasten der Feldarbeit. Frauen, deren Ehemänner sterben, bleiben in vielen Fällen ohne Eigentums- und Landrechte. Sie müssen oft ihren gesamten Besitz aufgeben und verarmen.

    Quelle: FAO, UNAIDS, 23.6.00

    MorgenWelt HEUTE vom 23. Juni 2000Inhaltsverzeichnis


    Gute Ergebnisse mit Kombinationstherapie aus 4 Medikamenten

    Wissenschaftler der Universitätsklinik Bonn stellen in der kommenden Ausgabe des US-Wissenschaftsmagazins AIDS eine neue, effektive Medikamentenkombination für HIV-Infizierte vor. Die Studie zeigt, daß damit der Virusgehalt im Blut der Betroffenen sinkt und die T-4-Lymphozyten, das sind die vom Virus angegriffenen Blutzellen des Immunsystems, wieder ansteigen. Eine Heilung der tödlich verlaufenden Immunschwäche-Krankheit ist diese Kombinationstherapie nicht, aber sie steigert die Lebenserwartung und ist weniger kompliziert.

    Bisherige Kombinationstherapien hatten den Nachteil, einem äußerst strengen Zeitplan zu unterliegen. Die minutengenaue Einnahme ist in der täglichen Praxis - z.B. im Berufsleben - oft nur schwer durchzuhalten. Bisher war schon Verschlafen am Wochenende für den Erfolg der Therapie kritisch. Dr. Jürgen Rockstroh und seine Kollegen der Medizinischen Universitäts-Klinik I in Bonn stellen nun eine Kombinationstherapie aus vier Medikamenten vor, die den Betroffenen eine höhere Flexibilität schenkt.

    Die Präparate werden nur noch zwei Mal täglich genommen und erlauben auch Zeitverschiebungen von bis zu einer Stunde. Die eingesetzten Wirkstoffe unterdrücken die Vermehrung des Virus im Blut. Die Kombination habe eine sehr gute Unterdrückung der Viren gezeigt und die T-4-Lymphozyten im Blut der Patienten hätten sich erholt, erklärt Rockstroh.
    In nur 24 Wochen sanken die im Blut nachweisbaren Kopien des Virus-Erbguts von durchschnittlich 220.000 pro Milliliter Blut auf unter 500. Die für das Immunsystem wichtigen T-4-Lymphozyten erholten sich im Gegenzug von durchschnittlich 189 pro Mikroliter auf knapp 400. Bei gesunden Menschen liegt dieser Wert etwa. bei 500.

    "Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass diese Kombination mit einem Rhythmus von zwei Mal täglicher Einnahme sehr gut funktioniert", kommentiert der Mediziner die Ergebnisse. "Zudem haben wir festgestellt, daß im weiteren Verlauf der Therapie - also nach den 24 Wochen - die Unterdrückung der Viren weiterhin bestehen bleibt und die T-4-Lymphozyten sich noch weiter erholen können." Das Forscherteam stellte auch fest, dass die Medikamente von den Patienten gut vertragen wurden. Lediglich leichter Durchfall und Schwindel könne auftreten. Auch die Blutfett-Werte steigen leicht an. Im Gegensatz zu anderen Therapien wurden beispielsweise keine Nierensteine oder erhöhte Werte des Eiweiß-Stoffwechselprodukts "Kreatinin" festgestellt. Die Forscher erwarten durch die neue Therapieform eine höhere Erfolgsquote bei der Langzeitbehandlung von AIDS-Patienten.

    Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind zur Zeit rund 33 Millionen Menschen mit HIV infiziert. Ein Impfstoff ist nicht in Sicht. Allerdings haben die Infizierten heute durch geschickte Kombinationen effektiver Medikamente eine erheblich höhere Überlebenschance als noch vor wenigen Jahren.

    Quelle: Eva Manhardt und Universität Bonn
    Bild der Wissenschaft - Meldung vom 23.6.2000 Inhaltsverzeichnis


    Stadt muss HIV-Patient mehr bezahlen

    Frankfurt. Die 8. Kammer des Verwaltungsgerichts Frankfurt hat der Stadt Frankfurt im Wege der einstweiligen Anordnung aufgegeben, einem HIV-positiven Sozialhilfeempfänger wegen eines ernährungsbedingten Mehrbedarfs infolge seiner Krankheit zusätzlich 50 Mark monatlich zu gewähren.

    Zu den Gründen führte das Gericht an, dass gemäß § 23 Abs. 4 Bundessozialhilfegesetz (BSHG) ein Mehrbedarf in angemessener Höhe anzuerkennen sei für Kranke, Genesende, Behinderte oder von einer Krankheit oder Behinderung Bedrohte, die einer kostenaufwendigen Ernährung bedürfen. Der Antragsteller sei als HIV-Infizierter auf ausgewogene und vitaminreiche Ernährung angewiesen.

    Näheren Aufschluss über die Frage, ob und in welchem Maße die Krankenkost zu Mehraufwendungen im Verhältnis zu den Kosten der Normalernährung des Hilfesuchenden führen, bieten nach Ansicht des Gerichts die Empfehlungen des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge von 1997. Diese sind nach ständiger Rechtsprechung der Kammer eine geeignete sachverständige Hilfe, um die Frage, für welches Krankheitsbild eine Krankenkostzulage erforderlich und in welcher Höhe diese zu bewilligen ist, zu beantworten. Sie beruhen sowohl auf medizinischen Erkenntnissen als auch auf Ermittlungen, die am "Markt" angestellt wurden. Danach sei sowohl für HIV-Infizierte als auch für an AIDS Erkrankte eine Vollkosternährung notwendig, die mit Mehrbedarf von 50 Mark monatlich zu veranschlagen sei.

    Die Auffassung der Antragsgegnerin, die Gewährung einer Krankenkostzulage gemäß § 23 Abs. 4 BSHG sei abzulehnen, weil bei dem Antragsteller weder ein Leberversagen noch Untergewicht vorliege, decke sich nicht mit diesen sachverständigen Erkenntnissen. In Ermangelung einer fundierten neuen Erkenntnis und eines substanziierten Vortrags der Antragsgegnerin hierzu hält die Kammer die Empfehlungen des Deutschen Vereins für geeignet.

    Frankfurter Neue Presse vom 24. Juni 2000 Inhaltsverzeichnis


    Kann man sich mit Aldi gesund ernähren - das ist hier die Frage

    Frankfurt/Main (sno). Der Arbeitskreis der AIDS-Fachkräfte Rhein-Main hat die Städte und Gemeinden aufgefordert, den Mehrbedarfszuschlag für Ernährung für HIV-infizierte Sozialhilfeempfänger zu erhöhen. Mit den aktuellen Sätzen ist es nicht möglich, „sich über den Aldi hinaus zu ernähren“, kritisiert Horst herkommer@, der Vorsitzende des Arbeitskreises.

    Der Mehrbedarfszuschlag für AIDS-kranke und HIV-infizierte Sozialhilfeempfänger war 1999 bundesweit geändert worden. In Frankfurt/Main zum Beispiel reduzierte sich der Betrag von vorher 89 DM auf 50 DM. Der Arbeitskreis AIDS-Fachkräfte führt an, daß gerade neue Therapieformen eine spezifische Ernährung erfordern. „Wer zum Beispiel mit Crixivan behandelt wird, muß mindestens drei Liter pro Tag trinken“, argumentiert der Sozialpädagoge und Psychotherapeut herkommer@. Auch wegen Nebenwirkungen wie der Fettumverteilung sei eine gesunde, ausgewogene Ernährung besonders wichtig.

    herkommer@, der in der psychosozialen Beratungs- und Koordinationsstelle der Universitätsklinik Frankfurt AIDS-Patienten betreut, schildert, daß unter den Betroffenen die Kürzung des Mehrbedarfszuschlags ein Dauerthema ist. „Es trifft die Ärmsten“, sagt er - zum Beispiel Patienten, deren Rente nicht ausreicht und die deshalb auf Sozialhilfe angewiesen sind.
    Die neuen Mehrbedarfszuschläge wurden auf der Basis von Vorschlägen des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge erstellt. Der Arbeitskreis AIDS-Fachkräfte Rhein-Main kritisiert, daß die vom Deutschen Verein eingeholten Gutachten nicht mehr der aktuellen medizinischen und ökonomischen Situation von HIV-Infizierten und AIDS-Kranken entsprechen. Die Summe sei eindeutig zu niedrig bemessen.

    Diese Ansicht kann Reiner Höft-Dzemski nicht teilen. Die Mehrbedarfszuschläge basierten unter anderem auf ein Gutachten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, erläutert der Mitarbeiter des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge. „Es gibt keine plausible Begründung dafür, den Betrag für den Mehrbedarf zu erhöhen“, sagt er. Der Sozialhilfe-Regelsatz reiche für eine bedarfsgerechte Vollwerternährung aus. Dies zeigten zum Beispiel Berechnungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft. „Die Güter, die für diese Kalkulation herangezogen wurden, gab es alle bei Aldi“, weiß Höft-Dzemski.

    Eine ähnliche Ansicht vertritt Dr. Jörg Schwämmle vom Gesundheitsamt in Wiesbaden, der in Hessen bei den Beratungen über den Mehrbedarfszuschlag teilgenommen hat. „Eine gesunde Ernährung muß nicht unbedingt teurer sein“, sagt der Mediziner. Brauche ein kranker Sozialhilfeempfänger wirklich mehr Geld für seine Ernährung, könne der Arzt im Gesundheitsamt dies Einzelfall-bezogen beantragen.

    Ärzte Zeitung vom 19.Juni 2000 Inhaltsverzeichnis


    Nimmt die Transmission resistenter HI-Viren zu?

    Sitges, 15 Juni 2000 - Verschiedene Studien zu Epidemiologie und Transmission resistenter HI-Viren wurden auf der Konferenz vorgestellt. Ein direkter Vergleich der Daten erscheint mitunter schwierig, da unterschiedliche Testverfahren (phänotypische oder genotypische Resistenzbestimmungen) verwendet wurden und sich die Beobachtungszeiträume unterscheiden.

    Nordamerika: In der Studie von Little et al. (Abstract 172, Antiviral Therapy 2000; 5 [3]: 134) wurde retrospektiv Proben von 138 Personen (aus 5 US-amerikanischen und 2 kanadischen Städten), bei denen zwischen Mai 1998 und März 2000 eine primäre HIV-Infektion diagnostiziert wurde, hinsichtlich phänotypischer Resistenz untersucht. Eine mehr als 10-fache Minderung der Empfindlichkeit gegenüber NRTI fand sich bei 5%, gegenüber NNRTI bei 8% und gegen Protease-Hemmer bei 4% der untersuchten Personen (insgesamt 8% versus 2% in dem Zeitabschnitt Juni/96 bis April/98).

    Schweiz: In der Untersuchung von Yerly et al. (Abstract 185, Antiviral Therapy 2000; 5 [3]: 134) wurde die Transmissions-Rate von resistenten HI-Viren während der Jahre 1996 bis 2000 analysiert. Insgesamt wurden Proben von 198 neu-infizierten Personen aus der Schweiz genotypisch untersucht. Für den gesamten 4-jährigen Beobachtungszeitraum fanden sich insgesamt bei 6,3% der untersuchten Personen Reverse-Transkriptase-Hemmer (NRTI und NNRTI) spezifische Mutationen und bei 3,4% Protease-Hemmer (PI) typische Mutationen. Der Transmissionsgipfel für resistente HI-Viren scheint in der Schweiz im Jahre 1997 stattgefunden zu haben. Im Jahre 1999 reduzierte sich die Häufigkeit von PI-spezifischen Mutationen auf 2% und die von RTI-spezifischen auf knapp 3%.

    Fazit: Die Häufigkeit mit der resistente HI-Viren übertragen werden, unterscheidet sich je nach geographischer Lage. Zusammenfassen kann gesagt werden, daß die Häufigkeit der Transmission resistenter Viren in den USA und Kanada zunimmt, wohingegen in der Schweiz in dem letzten beiden Jahren eher eine Abnahme der Prävalenz resistenter Viren bei Neu-Infizierten festzustellen war.

    HIV.NET - Kongreßberichterstattung aus Sitges, Spanien – 19. Juni 2000Inhaltsverzeichnis


    HI-Virus ein Monat lang via Spritzen übertragbar

    Amerikanische Wissenschafter berichten von einer Überlebenszeit des HI-Virus von fast einem Monat auf gebrauchten Spritzen bei Raumtemperatur.

    "Diese Resultate unterstreichen nochmals die Wichtigkeit eines intensiven Spritzen-Austauschprogramms, wodurch potentiell infektiöse Nadeln und Spritzen durch eine sterile Injektionsausstattung ersetzt werden könnten", so Dr. Nadia Abdala von der Yale University in New Haven, Conneticut.

    Um das Überleben von HI-Viren auf gebrauchtem Injektionsmaterial zu determinieren, verwendeten die Wissenschafter einen spezifischen Test, der speziell für kleine Mengen Blut designed wurde, die typischerweise auf oder in Nadeln nach Verwendung durch Drogensüchtige verbleiben. Bei Modellierung der "worst-case-Situation" für den Spritzenaustausch unter Drogenabhängigen konnten Dr. Abdala und Kollegen lebensfähige, proliferierende HIV-1 auf den Nadeln nachweisen, die einen Monat bei Raumtemperatur verwahrt wurden.

    Durch wissenschaftliche Arbeiten konnte gezeigt werden, dass Nadeln in einer drogenspritzenden Population durchschnittlich 23 Tage lang zirkulieren; bei intensiv durchgeführtem Spritzen-Austauschprogramm kann dieser Zeitraum der Verwendung einer Nadel auf drei Tage reduziert werden.

    Quelle: Journal of Aquired Immuno Deficiency Syndroms and Human Retrovirology; 1999, 20: 73-80

    MedAustria AIDS - News Line vom 15. Juni 2000 Inhaltsverzeichnis


    Hepatitis C kann sehr einfach übertragen werden

    Nach Aussagen des Australian National Council on AIDS, Hepatitis C, and Related Diseases, kann die Hepatitis C auch über infiziertes Blut übertragen werden, was z.B. auf Stauschläuchen haftet – nicht nur über Nadeln und Spritzen. Prof. Rob Batey bemerkte im Zusammenhang mit der Warnung vor dem gemeinsamen Benutzen von Zahnbürsten und Rasierapparaten, „wir sagen auch, daß Stauschläuche, Filter und andere Gegenstände, die überhaupt nicht in die Haut eindringen, das Virus tragen und in die Blutbahn übertragen können.“

    Quelle: CDC HIV/STD/TB Prevention News Update, 20. April 2000

    Deutsche AIDS-Hilfe - FAX-Report Nr. 11/2000 Inhaltsverzeichnis


    Protease-Inhibitoren und Methamphetamine

    Über eine mögliche tödliche Wechselwirkung zwischen Norvir und Methamphetamin (auch als Crystal bekannt) berichten australische Ärzte. Crystal ist eine populäre „schwule“ Partydroge, die (noch) vor allem in den USA und Australien weit verbreitet ist. Bei diesem Zwischenfall handelt es sich seit Einführung der PIs vor mehr als vier Jahren, allerdings um den ersten seiner Art.

    In Melbourne wurde ein 49jähriger Mann tot aufgefunden, nachdem er am Vorabend Methamphetamin injiziert und Amylnitrit („Poppers“) inhaliert hatte; der Mann hatte eine Kombinationstherapie aus Ritonavir (400 mg zweimal täglich), Saquinavirscg(400 mg zweimal täglich) und d4T eingenommen.

    Untersuchungen zeigten, dass der Mann einen Methamphetamin-Spiegel von 0,5 mg/l im Blut hatte, ein Spiegel, der oft bei Personen gefunden wird, die an einer Methamphetamin-Überdosis sterben. Methamphetamin wird das Cytochromsystem p450 CYP2D6 der Leber verstoffwechselt, das von Ritonavir gehemmt wird. Deshalb ist es durchaus vorstellbar, dass der PI die Metabolisierung des Methamphetamins verlangsamt und so eine Überdosis verursacht hat. Die Autoren spekulierten, wieweit auch das Poppers zu der Überdosierung beigetragen haben könnte, da Amylnitrit zu Stickoxid verstoffwechselt wird, das ebenfalls ein Inhibitor des Cytochtomsystems p450 ist.

    Quelle: Hales G et al. Possible fatal interaction between protease inhibitors and methamphetamine. Antiviral Therapy 5 (1): 19, 2000.

    Deutsche AIDS-Hilfe - FAX-Report Nr. 11/2000 Inhaltsverzeichnis


    Wachstumshormon - ein neuer Ansatz gegen Lipodystrophie

    München (aw). Die Einführung effektiver HIV-Therapeutika hat ohne Zweifel dazu geführt, daß sich die Überlebenszeit der Erkrankten dramatisch verlängert hat. Eine Schattenseite der antiretroviralen Therapie aber ist das Lipodystrophiesyndrom, das etwa zehn Jahre nach der Einführung der antiretroviralen Therapie vermehrt beobachtet wird.

    Wie Dr. Stefan Mauss aus Düsseldorf während der 8. Münchener AIDS-Tage erläutert hat, umfaßt das HIV-assoziierte Lipodystrophiesyndrom mehrere Komponenten. Es ist für die Betroffenen deshalb besonders tragisch. Einerseits wird durch die veränderte Fettverteilung und damit weithin sichtbare Veränderung der Körperform die HIV-Erkrankung auch für Außenstehende wieder ’sichtbar' und kann die Patienten stigmatisieren. Zum anderen sind die metabolischen Störungen als längerfristiges Risiko für die Entwicklung einer Atherosklerose anzusehen.

    Erst in jüngster Zeit haben klinische Studien verschiedene Risikofaktoren herausarbeiten können, die zum Auftreten des HIV-assoziierten Lipodystrophiesyndroms prädestinieren. Mauss stellte hierzu einige Daten aus einer Studie vor, die während der AIDS-Tage präsentiert wurde.

    Aus klinischer Sicht ist interessant, daß es sich bei diesem Studienkollektiv um eine homogene Gruppe von Menschen handelt, die in etwa gleich lang antiretroviral behandelt wurden. Die Ergebnisse dieser Studie belegen, daß ein HIV-assoziiertes Lipodystrophiesyndrom bei 34 Prozent der Patienten vorkommt und damit häufiger auftritt, als bisher vermutet worden ist. Wie die Studie aber auch belegt, können, wie Mauss berichtet hat, als wesentliche Risikofaktoren für die Entwicklung des Syndroms vor allem eine länger dauernde Therapie mit dem Wirkstoff Stavudin und eine deutliche zelluläre Immunsuppression angesehen werden. Bei einer Therapie mit einem nichtnukleosidischen Hemmstoff der Revers-Transkriptase scheint das Risiko, eine Fettverteilungsstörung zu entwickeln, geringer zu sein. „Allerdings gibt es derzeit keine HIV-Therapie, die nicht potenziell auch zu einem HIV-assoziierten Lipodystrophiesyndrom führen kann“, sagte Mauss.

    Welche Therapiemöglichkeiten stehen zur Verfügung?

    Für die Therapie von Patienten mit Lipodystrophiesyndrom stehen prinzipiell mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Zum einen kann versucht werden, die antiretrovirale Therapie zu ändern. Also entweder den Proteasehemmer gegen einen nichtnukleosidischen Hemmstoff der Revers Transkriptase auszutauschen, oder einen nukleosidischen Hemmstoff der Revers-Transkriptase gegen einen nichtnukleosidischen auszutauschen. Außerdem können Änderungen des Lebensstils mit mehr Bewegung und Einhalten einer Diät, die Verwendung von HMG-CoA-Reduktasehemmern und chirurgische Maßnahmen zur Therapie von Patienten mit Lipodystrophiesyndrom eingesetzt werden. Ein innovativer Therapieansatz in der Behandlung von Patienten mit Lipodystrophiesyndrom istdie Behandlung mit rekombinantem Wachstumshormon dar. „Verschiedene randomisierte Doppelblindstudien belegen den deutlichen lipolytischen und Insulin-antagonistischen Effekt einer Therapie mit Wachstumshormon“, betonte Professor M. Schambelan aus San Francisco. Demnach kann man davon ausgehen, daß eine dreimonatige Therapie mit sechs mg Wachstumshormon s.c. täglich die abdominelle Fettmasse um etwa acht kg reduziert.

    Die Resultate einer offenen Studie belegen, daß eine Therapie mit Wachstumshormon die viszerale Fettmasse um 50 Prozent reduzieren kann, hieß es auf dem Satellitensymposium des Unternehmens Serono, das plant, Wachstumshormon in dieser Indikation als Serostim® auf den Markt zu bringen.

    Denn Wachstumshormon zur Therapie beim Lipodystrophiesyndrom scheint ein geeigne-tes Therapieverfahren zu sein, auch um die metabolischen Veränderungen effektiv zu bekämpfen. Das HIV-assoziierte Lipodystrophiesyndrom ist nicht nur ein stigmatisierendes Syndrom, sondern auch eine Ansammlung risikoreicher Begleiterkrankungen. Mit dem rekombinantem Wachstumshormon steht ein solches Therapeutikum offenbar zur Verfügung, wie die Vorträge während desc Symposiums bei den AIDS-Tagen belegen.

    Stichwort: Lipodystrophie
    Unter dem HIV-assoziierten Lipodystrophiesyndrom verstehen HIV-Infizierte und ihre Therapeuten die veränderte Verteilung des Fettgewebes im Gesicht, an den Brüsten, am Bauch, im Nacken sowie an den Extremitäten. Darüber hinaus geht dieses Syndrom sehr häufig mit einer Dyslipidämie, einer Osteoporose, mit Störungen des Glukosehaushaltes und Störungen der Potenz einher. Die Veränderungen stigmatisieren die Patienten.
    Ärzte Zeitung vom 6. Juni 2000 Inhaltsverzeichnis


    Homosexuelle Männer: Safer Sex ist out

    (ajh) "Safer Sex" ist bei homosexuellen Männern derzeit nicht mehr so gefragt wie früher - zumindest in England. Dies ist das Ergebnis einer über mehrere Jahre wiederholten Umfrage unter 6500 Schwulen im Alter von 15 bis 78 Jahren, das in der jüngsten Ausgabe des British Medical Journal erscheint.

    Neue Therapien als Ursache
    20 Jahre nachdem AIDS als ansteckende und tödliche Infektion bekannt wurde, ist damit die Bereitschaft zu ungeschützten Geschlechtsverkehr unter homosexuellen Männern erst-mal angestiegen. Fachleute führen das auf die neuen Behandlungsmethoden zurück, die das Leben mit AIDS erleichtern und verlängern. Dies schwäche die Angst davor, sich anzustek-ken.

    Junge besonders risikobereit
    Vor allem bei Männern unter 25 Jahren lassen sich nach dieser Umfrage wieder mehr auf ungeschützten Geschlechtsverkehr ein. Außerdem steigt die Bereitschaft, mit Partnern zu Sex zu haben, deren HIV-Status nicht geklärt ist.

    Wieder mehr Aufklärung gefordert
    Diese Ergebnisse, so die Autoren der Studie, weisen deutlich darauf hin, dass sich HIV unter homosexuellen Männern weiter ausbreiten wird. Sie plädieren dafür, wieder mehr AIDS-Aufklärungs-Kampagnen zu starten.

    Auch in den USA und Australien
    Andrew Grulich vom National Centre für HIV-Epidemiologie im australischen Sydney be-stätigt ähnliche Trends in den USA und in Australien. Auch er ist davon überzeugt, dass der Anstieg mit der optimistischen Haltung der homosexuellen Männern gegenüber den neuen Behandlungsmethoden verknüpft ist.

    Süddeutsche Zeitung vom 7. Juni 2000 Inhaltsverzeichnis


    Geschlecht, Rasse, Alter und Erziehungsgrad beeinflussen Beginn der HAART

    Eine amerikanische Studie beschreibt unterschiedliche Faktoren, die einen frühen Beginn der Administration einer hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) verzögern können.

    Seit Ende 1996 ist die hochaktive antiretrovirale Therapie "State of the Art" bei HIV-positiven Individuen. Ein Wissenschafterteam um Dr. Ronald Anderson von der University of California in Los Angeles analysierte signifikante Barrieren, die eine frühe Initiierung dieser Therapievariante beeinflussen können. Die Daten stammen aus der 'HIV Cost and Services Utilization Study' mit 2.864 Individuen, die zwischen Ende 1996 und Anfang 1997 erstmals interviewt wurden. 1.086 Patienten erhielten eine frühe HAART, 1.779 Probanden nicht.

    Homosexuelle Männern erhielten drei mal häufiger eine frühe HAART als drogensüchtigen Frauen. Ein niedriger Erziehungsgrad (High School) ist im Vergleich zu Probanden mit Col-lege-Abschluß ebenfalls mit einer signifikant niedrigeren Wahrscheinlichkeit (1/3) einer prompten HAART-Administration assoziiert. Verglichen mit weissen Personen nicht spani-scher Abstammung liegt die Wahrscheinlichkeit einer frühen HAART für HIV-positive Afroamerikaner bei 0,28 und für Hispanics (Personen spanischer Abstammung) bei 0,62. Für Personen im Alter über 45 Jahren wird bei Vergleich mit HIV- Positiven zwischen 38 und 45 eine Wahrscheinlichkeit von 0,77 hinsichtlich der frühen HAART-Administration registriert.
    Eine entscheidende Determinante hinsichtlich der Initiierung einer HAART ist in dieser Stu-die eine niedrige CD4-Zellzahl. Patienten mit CD4-Zellzahlen unter 500/5l erhielten doppelt so häufig eine hochaktive antiretrovirale Therapie als jene mit Zellzahlen über 500/5l. Für Probanden mit CD4-Zellzahl unter 50/5l ist die Wahrscheinlichkeit der Initiierung einer frühen HAART fünf mal so hoch.

    Quelle: Health Serv Res; 2000, 2:389-416

    MedAustria AIDS - News Line vom 2. Juni 2000Inhaltsverzeichnis


    Infizierte T-Zellen bringen gesunde zum Absterben

    Der AIDS-Erreger HIV zerstört im Körper des Menschen wichtige Zellen der Immunabwehr, die T-Helferzellen. Bringt man im Laborversuch eine von dem HI-Virus befallene mit einer gesunden T-Helferzelle zusammen, dann endet dieser Kontakt für beide Zellen tödlich, wie das Team des Virologen PD Dr. Christian Jassoy von der Universität Würzburg herausge-funden hat: Zunächst verschmelzen die infizierten mit den nicht infizierten Zellen.

    Anschliessend kommt es vor allem in bereits zuvor geschädigten T-Zellen zu einem geord-neten Prozess des Sterbens, der so genannten Apoptose. Jetzt wollen die Wissenschaftler an Blutproben untersuchen, ob dieser Vorgang auch im Körper von Infizierten abläuft. Ihr Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Seit der Entdeckung der Immunschwächekrankheit AIDS vor fast 20 Jahren wurden weltweit mehr als 50 Millionen Menschen infiziert.(idw)

    lifescience – Meldung vom 24. Mai 2000 Inhaltsverzeichnis



     

    US-Forscher entwickeln Schluckimpfung gegen AIDS

    Baltimore, 21. Mai (dpa). Um die AIDS-Epidemie in Afrika einzudämmen, haben US-Forscher mit der Entwicklung eines Impfstoffs zum Schlucken begonnen. Der Stoff werde nur Pfennige kosten und bereits in eineinhalb Jahren zum klinischen Test in Uganda verfügbar sein, teilte das federführende Institut für Human-Virologie (IHV) in Baltimore mit. Gründer des IHV ist Robert Gallo, einer der beiden Entdecker des HI-Virus.

    Der neue Impfstoff basiert auf einer Erkenntnis, die AIDS-Forscher um Andrew McMichael von der Oxford Universität in Großbritannien einer kleinen Gruppe kenianischer Prostituierter verdanken. Danach helfen bestimmte Immunzellen, zytotoxische T-Lymphozyten genannt, den Aids-Erreger HIV abzuschütteln. Die Prostituierten sind HIV-frei, obwohl sie immer wieder mit dem Virus in Kontakt kamen. McMichael erklärt sich ihre Immunität mit den an T-Lymphozyten reichen Abwehrkräften der Frauen. Die geplante Schluckimpfung will deshalb genau diese Immunzellen bei Afrikanern mit hohem Risiko für eine HIV-Infektion mobilisie-ren.

    Frankfurter Rundschau vom 21.05.2000Inhaltsverzeichnis


    Opportunistische Infektionen bei AIDS

    Durch die routinemässige Anwendung von Proteaseinhibitoren und dem Beginn der HAART-Therapie (hochaktive antiretrovirale Therapie) seit etwa 5 Jahren sind Morbidität, Spitalsaufenthalte und Mortalität, HIV-infizierter Patienten zurückgegangen.

    In ihrer aktuellen Publikation stellen Dr. Singh und Dr. Yu von der University of Pittsburgh opportunistische Infektionen in der Pre-HAART und HAART-Ära gegenüber.

    Die Inzidenz von Pneumocystis carinii Pneumonie (PcP), Mycobakterium avium Infektion und Cytomegalie Virus (CMV) assoziierter Retinitis ist stark zurückgegangen. Durch die HAART Therapie kommt es zu einer Rekonstitution des Immunsystems, dadurch sinkt das Auftreten opportunistischer Infektionen. Primäre und auch sekundäre antibiotische prophylaktische Therapien können abgesetzt werden.

    Seit Einführung der HAART sind konventionelle opportunistische Infektionen (PcP, CMV, opportunistische Pilzinfektionen und Mycobakterium avium Infektionen) stark zurückgegangen. Hingegen gewinnen bakterielle Infektionen durch Streptokokkus pneumonie, Pseudomonas aeruginosa und Staphylokokkus aureus zunehmend an Bedeutung. Problematisch ist diese Entwicklung durch das Auftreten von Antibiotikaresistenzen.

    Die Autoren sehen für die Zukunft daher ein starkes Ansteigen von Infektionen mit resi-stenten Keimen sowie ein erhöhtes Morbiditätsrisiko durch Legionellen und Listerien.

    Nicht alle Patienten unter einer HAART haben eine anhaltende Virussuppression. Steigen-de HIV-RNA-Spiegel nach initialem Ansprechen der Therapie wird häufig dokumentiert. Die Autoren erwarten daher eine dritte post HAART Era mit neuerlichem Ansteigen opportunisti-scher Infektionen und Erkrankungen durch resistente Mikroorganismen.

    Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken muss die Forschung nicht nur neue Impfstoffe sondern auch effektivere antiretrovirale Therapien entwickeln.

    Quelle: Infect Med; 2000, 17(2):118-120
    MedAustria AIDS - News Line vom 18. Mai 2000Inhaltsverzeichnis


    Ultraempfindliche HIV-Messung vorgestellt

    München (aza). Bei zwei Dritteln der HIV-Infizierten, deren Viruskonzentration im Blut mit einer hochaktiven antiviralen Therapie unter 50 Kopien pro Milliliter gesenkt worden ist, läßt sich eine Virusreplikation nachweisen. Denn bei ihnen findet man in den CD4-Lymphozyten Präintegrations-DNA-Zirkel von HIV, die auf eine Neuinfektion der betroffenen Zellen erst in den letzten Stunden hinweisen. Dies berichtete Dr. Thomas Harrer von der Universitätsklinik Erlangen-Nürnberg bei den 8. Münchner AIDS-Tagen auf einem Satellitensymposium des Unternehmens Dupont.

    Bekanntlich kommt es, wenn ein HI-Virus in eine CD4-Zelle eindringt, zunächst zur reversen Transkription – also zum Umschreiben der viralen RNA in Doppelstrang-DNA. Der Komplex der Doppelstrang-DNA wird dann in den Zellkern transportiert und dort als Provirus in die Erbinformation dieser Zelle integriert. Damit ist die Zelle latent infiziert und trägt die Erbinformation zur Replikation aller HIV-Strukturen.

    Wie Harrer erläuterte, kommt es gelegentlich nach der Reversen Transkription bereits im Zytoplasma zur Bldung von zirkulären HIV-DNA-Strukturen. Auf das Vorhandensein dieser Präintegrations-DNA-Zirkel von HIV wurden in einer Anfang des Jahres publizierten Arbeit die peripheren mononukleären Zellen von HIV-Patienten untersucht, deren Viruskonzentration unter einer hochaktiven antiviralen Therapie (HAART) unterhalb von 50 Kopien pro Milliliter lag. Bei 76 Prozent dieser Patienten waren die Ringstrukturen nachweisbar. Die Tatsache, daß bei den testpositiven Patienten auch leichter infektiöse HI-Viren isoliert werden konnten, zeigt nach Einschätzung von Harrer, daß diese Befunde auch eine virologische Relevanz haben.

    An der Universitätsklinik Erlangen-Nürnberg wurden daraufhin 79 HIV-Patienten, deren HIV-RNA-Konzentration unter ihrer HAART unter 50 Kopien pro Milliliter gesenkt werden konnte, mit dieser Methode untersucht. Bei 67 Prozent von ihnen ließen sich die Präintegrations-DNA-Zirkel nachweisen. Das bedeutet für Harrer: „Trotz eines Testwertes, wo wir an sich ganz zufrieden wären, wissen wir, daß bei zwei Dritteln der Patienten auf einem niedrigen Niveau ein ständiger Virusumsatz stattfindet und damit das Risiko besteht, daß neue Mutationen auftreten.“

    HIV kann gegen alle derzeit verfügbaren Virustatika eine Resistenz ausbilden. Aufgrund der hohen Mutationsrate von HIV besteht daher das Risiko, daß im Laufe der Zeit HIV in der Lage sein wird, auch gegen die derzeitigen Kombinationen resistent zu werden. Daher sollte für eine langfristige Kontrolle der Infektion von vornherein die maximal mögliche HIV-Blockade angestrebt werden, betonte Harrer. Er empfiehlt daher, bereits für die initiale HAART die Medikamente mit der höchsten antiviralen Potenz einzusetzen.

    Unterschiede in der Wirksamkeit von HAART-Regimen zeigen sich vor allem bei initial hochvirämischen Patienten, so Harrer weiter: „Wir wissen aus Metaanalysen, daß zum Beispiel mit Efavirenz als Bestandteil einer HAART auch hohe Virämien besser kontrolliert wurden als mit anderen Substanzen.“ Die neuen Testmethoden, wie der Nachweis der Präintegrations-DNA-Zirkel, ermöglichen eine Beurteilung des Therapieerfolgs unterhalb der Nachweisgrenze ultrasensitiver HIV-RNA-Tests. Sie werden, so Harrers Hoffnung, eine weitere Optimierung der antiretroviralen Therapie ermöglichen.

    Stichwort: Präintegrations-HIV-DNA-Zirkel - Nach der Reversen Transkription bilden sich gelegentlich bereits im Zytoplasma zirkuläre HIV-DNA-Strukturen. Dabei verbinden sich die beiden LTR-Enden des DNA-Doppelstrangs, die für die Integration in das Wirtszellgenom notwendig sind. Mit einer Polymerase-Kettenreaktion (PCR), die gezielt den Bereich dieses LTR-Ringschlusses nachweist, ist es möglich, diese Präintegrations-DNA-Zirkel nachzuweisen. Da diese Strukturen sehr instabil sind und in wenigen Stunden nach der Infektion einer Zelle wieder abgebaut werden, ist der Nachweis der Präintegrations-DNA-Zirkel gleichzeitig auch ein Beweis dafür, daß eine Neuinfektion dieser Zellen in den letzten Stunden stattgefunden hat.
    Ärzte Zeitung vom 15. Mai 2000 Inhaltsverzeichnis


    HIV-positive Frauen haben oft gynäkologische Infekte

    München (wst). Weltweit stellen Frauen knapp 50 Prozent der HIV-Infizierten, und auch in den USA und Westeuropa ist ihr Anteil unter den Infizierten auf 20 bis 30 Prozent gestiegen. Inzwischen wird die HIV-Infektion auch speziell bei Frauen erforscht und dabei so manche geschlechtsspezifische Besonderheit offensichtlich.

    Anfang der 90er Jahre wurde anhand von Daten in den USA belegt, daß damals HIV-infizierte Frauen eine schlechtere Prognose hatten als Männer. Dieser Nachteil erwies sich nach Analysen jedoch nicht biologisch sondern soziokulturell bedingt: Vor allem in der Unterschicht und in bestimmten ethnischen Gruppen hatten Frauen im Vergleich zu Männern einen schwereren Zugang zu medizinischer Versorgung, wie Dr. Eva Jägel-Guedes vom Kuratorium für Immunschwäche (KIS) aus München bei einem vom Unternehmen Bristol-Myers Squibb unterstützten Satellitensymposium während der 8. Münchner AIDS-Tage berichtet hat.

    In neueren Studien aus den USA und Europa wurde dann auch belegt, daß bei einer antiretroviralen Kombinationstherapie HIV-infizierte Frauen eine ebenso gute oder vielleicht sogar günstigere Prognose als infizierte Männer haben. Allerdings scheinen manche Protease-Hemmstoffe wie Ritonavir von Frauen schlechter als von Männern vertragen zu werden.
    Nach neueren Erkenntnissen sind infizierte Frauen, wenn sie gleiche CD4-Zellzahlen beziehungsweise gleiche HIV-RNA-Werten im Blut haben wie betroffene Männer, durchschnittlich bereits in einem fortgeschritteneren Stadium der Infektion, berichtete Jägel-Guedes weiter. Inzwischen wurden Studien begonnen, in denen geklärt werden soll, ob bei Frauen im Vergleich zu Männern schon bei niedrigeren CD4-Zellzahlen beziehungsweise niedrigeren HIV-RNA-Werten eine intensivierte antivirale Therapie angefangen werden sollte.

    HIV-positive Frauen haben zudem im Vergleich zu nicht-infizierten Frauen deutlich häufiger Genitalinfektionen mit Humanen Papilloma-Viren (HPV), hat Dr. Thomas Grubert von der I. Frauenklinik der Universität München berichtet. Damit verbunden sei bei HIV-infizierten Frauen eine vier- bis neunfach erhöhte Rate an intraepithelialen Dysplasien von Vulva, Vagina und Zervix. HPV-Infektionen können bekanntlich Krebs verursachen. HIV-positive Frauen sollten daher in halbjährigen Abständen bei Routineuntersuchungen gründlich gynäkologisch untersucht und gegebenenfalls gegen HPV behandelt werden, berichtete Grubert. Dies sei eine Empfehlung der neu gegründeten bundesweiten „Arbeitsgruppe HIV in der Gynäkologie und Geburtshilfe“.

    Ärzte Zeitung vom 10. Mai 2000 Inhaltsverzeichnis


    Mehrfach resistente HI-Viren: helfen Fusionshemmer?

    München (Rö). Nach den großen Erfolgen durch die antivirale Mehrfachtherapie gegen HIV geht es jetzt darum, den Gewinn für die Lebenszeit und die verringerte Morbidität durch weiter verbesserte Therapien zu sichern. Einerseits werden die Therapien einfacher als bisher durch neue galenische Zubereitungen und einfachere Einnahmeschemata, andererseits erfordern einige Ungewißheiten mit den Therapien neue Lösungen.

    Dies ist die Bilanz, die HIV-Experten bei einer Pressekonferenz zu den 8. Münchner AIDS-Tagen gezogen haben. Dr. Schlomo Staszewski von der Frankfurter Universitätsklinik sagte, das größte Problem bestehe jetzt bei der Behandlung von Patienten, die auf Grund ihrer Vortherapien nun resistente Viren haben und auf keine der verfügbaren Medikamente mehr ansprechen. Bei der Entwicklung neuer Medikamente gegen HIV habe es einige Rückschläge gegeben, es seien Projekte wegen Toxizitäten oder Problemen mit der Pharmakokinetik eingestellt worden.

    Hoffnungen werden derzeit auf eine neue Substanzklasse gesetzt, die Fusionshemmer. Die Substanz T 20 gehe jetzt in die klinische Prüfung Phase III. Aufgenommen in die Untersuchungen würden auch Patienten, die massiv vorbehandelt seien und mehrfach resistente Viren hätten. Als nächste Substanzklasse dürften dann die Integrasehemmer geprüft werden. Der Zeitpunkt für klinische Prüfungen ist aber noch nicht abzusehen.

    Verbessert wird die gegenwärtige Therapie durch neue einfache Therapieschemata. Mit der Kombination aus den drei Nukleosidanaloga AZT/3TC und Abacavir in einer Tablette wird eine Therapie mit zwei Tabletten täglich möglich. Auch für Indinavir zeichnet sich in Kombination mit Ritonavir die zweimal tägliche Behandlung ohne Ernährungsvorschriften ab. Daten gibt es auch schon zur einmal täglichen Therapie, etwa mit 3TC, ddI, Nevirapin, Efavirenz und weiteren Wirkstoffen.

    Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln hat aus Anlaß der Münchner AIDS-Tage darauf hingewiesen, daß die Bürger in Deutschland gut über das AIDS-Risiko informiert sind, das Schutzverhalten seit 1996 aber dennoch stagniert. Nur 71 Prozent der jüngeren Alleinlebenden verwendeten Kondome, 45 Prozent regelmäßig. Personen in neuen sexuellen Beziehungen schützten sich zu 71 Prozent mit Kondomen.

    Ärzte Zeitung vom 8. Mai 2000 Inhaltsverzeichnis


    Die Hepatitis C wird zur neuen Gefahr für HIV-Infizierte

    Frankfurt am Main (aza). Etwa jeder dritte HIV-Infizierte in Europa hat gleichzeitig auch eine chronische Hepatitis C. Dabei kommt es durch die HIV-bedingten immunologischen Veränderungen häufiger und schneller zur Progression der Lebererkrankung, wie Dr. Thomas Lutz von der Infektiologischen Abteilung der Universitätsklinik Frankfurt betont hat. Der Infektiologe sieht bei den Koinfizierten ebenso wie bei Patienten mit Hepatitis-C-Monoinfektion Behandlungsbedarf.

    Seitdem die verbesserte antiretrovirale Therapie die Überlebensdauer von Menschen mit einer HIV-Infektion deutlich gesteigert hat, entwickelt sich die chronische Hepatitis C zum limitierenden Faktor in der Lebenserwartung der Koinfizierten. Denn die Letalität der Hepatitis C ist bei einer HIV-Koinfektion höher als bei HIV-negativen Hepatitis-C-Patienten.

    Je höher die Helferzell-Zahl, desto besser sprechen die Koinfizierten auf eine Hepatitis-C-Therapie an. Diese erfolgt heute bei unvorbehandelten Patienten, wie Lutz gesagt hat, standardgemäß mit Interferon-alpha plus Ribavirin. Ein schlechter Immunstatus mit CD4-Zahlen unter 200 pro Mikroliter gelte als Kontraindikation für die Interferon-Therapie bei HIV-Patienten. Auch bei zu erwartenden Complianceproblemen, bei Fortbestehen eines intravenösen Drogengebrauchs und bei bereits dekompensierter Leberzirrhose soll auf die Interferon/Ribavirin-Therapie verzichtet werden.

    Da das Virustatikum Ribavirin nicht die HIV-Replikation hemmt, muß die antiretrovirale Therapie im vollen Umfang weitergeführt werden. Lutz beklagte darüber hinaus, daß es keine guten Daten zu pharmakokinetischen Wechselwirkungen zwischen Ribavirin und den zur HIV-Hemmung eingesetzten Nukleosidanaloga gibt. Es gebe allerdings Hinweise darauf, daß durch die gleichzeitige Gabe von Ribavirin die Wirkung von Azidothymidin, Stavudin und Zalcitabin abgeschwächt wird. Daher sind bei der Hepatitis-C-Therapie von HIV-Infizierten engmaschige Kontrollen der HIV-Virusmenge im Blut erforderlich. Bei Erhöhungen sollte eine Umstellung der antiretroviralen Therapie vorgenommen werden.

    Weitere Fortschritte in der Therapie von Patienten mit Hepatitis C sind nach Einschätzung von Lutz von den PEG-Interferonen zu erwarten, die derzeit bei dieser Indikation klinisch geprüft werden. Wegen der längeren Wirkdauer und der damit zu erzielenden kontinuierlichen Wirkstoffspiegel rechnet der Frankfurter HIV-Experte mit einer Wirkungsverbesserung im Vergleich zu herkömmlichem Interferon-alpha.

    Ärzte Zeitung vom 8. Mai 2000 Inhaltsverzeichnis


    «Deswegen wurden schon Leute erschlagen»

    Von Dermot Tatlow

    Addis Abeba - Auf dem Hügel neben der Ledeta-Kirche oberhalb Addis Abebas sind fünf junge Totengräber schwer am Schuften. Immer wieder hauen sie ihre Spitzhacken in den trockenen Boden. Irgendwann hält ihr Chef inne und weist mit der rechten Hand auf die unüberschaubaren Reihen von Gräbern: «Die sind alle aus den vergangenen zwei Jahren. Jeden Tag graben wir Neue.»

    Auf die Frage nach den Todesursachen zieht er die Schultern kurz in die Höhe und sagte: «Die Toten sind jung. Zwischen 20 und 40 Jahren. Die Leute sprechen nicht darüber. Aber der Killer heißt AIDS.»

    Das florierende Geschäft der Totengräber ist ein Desaster für Äthiopien. Mit der weltweit dritthöchsten Anzahl von AIDS-Erkrankten nach Indien und Südafrika steht das Land vor einer AIDS-Epedemie. Von 60 Millionen Einwohnern sind mindestens drei Millionen mit dem HIV Virus infiziert, bei vielen ist AIDS schon ausgebrochen. Schon jetzt hat das Land 700.000 AIDS-Waisen. Und täglich werden es mehr. Fast jede fünfte Schwangere in der Hauptstadt Addis Abeba trägt neben einem Kind auch den HIV-Virus im Körper. Eine schreckliche Statistik für die kommenden Generationen. Doch auch sie entkommen der Seuche nicht. «Ein Blutspende-Programm unter Schulkindern musste gestoppt werden. Es gab zu viele HIV-positive Proben», berichtet ein westlicher AIDS-Experte.

    Die 20jährige Seminesh lebt in Verzweiflung. Beide Eltern sind an AIDS gestorben. Jetzt ist sie völlig allein verantwortlich für ihre vier Geschwister, von denen der jüngste vier Jahre alt ist. Sämtliche Verwandte und Freunde haben sich von den fünf Waisen abgewandt. In Äthiopien ist das eine typische Reaktion auf HIV und AIDS. «In dieser sehr konservativen, semitischen Kultur kann Sex nicht diskutiert werden. Und damit bleibt auch die Krankheit unaussprechbar», erklärt der Belgier Jo Robais, Mitarbeiter der Hilfsorganisation «Ärzte ohne Grenzen» in Addis Abeba.

    Einer, der gegen das Schweigen angeht, ist Zewdu Getachew, der für die von HIV-infizierten aufgebaute Selbsthilfe-Organisation «Dawn of hope» arbeitet. Er sorgte für einen Sturm öffentlicher Empörung, als er sich mit seiner Krankheit outete, um auf AIDS aufmerksam zu machen. «Es gibt kein spezielles Krankenhaus für AIDS-kranke. Die Krankheit wird verdrängt. Wenn jemand sagt, dass er einen AIDS-kranken Verwandten hat, kommt niemand mehr in sein Haus. Niemand gibt ihm mehr die Hand.»

    Gegenwärtig sind 50 Prozent aller Klinik-Betten im Land mit HIV-Infizierten belegt. 60 Prozent dieser Patienten sterben innerhalb von einer Woche. Die Zimmer sind längst zu Sterberäumen geworden. Hierher kommen die Kranken wenn es ihnen so schlecht geht, das sie nicht mehr zu Hause leben können.

    Seminesh hat schon seit fünf Monaten keine Miete mehr bezahlt. Der Vermieter droht, die Familie auf die Straße zu werfen. «Ich habe keine Ausbildung. Aber ich könnte als Hausmädchen arbeiten», sagt sie hoffnungsvoll. «Ich muss Geld verdienen, auf die Kleinen aufpassen.»

    Während sie eine Möglichkeit sucht den Weg auf die Straße zu verhindern, sehen viele junge Mädchen keine andere Chance als in der wuchernden Sex-Industrie zu arbeiten. «Die Prostituierten hier sind extrem mobil», sagt Tobias Rinke de Wit vom äthiopisch-niederländischen Forschungsprojent ENARP: «Sie ziehen regelmäßig von einer Stadt in die nächste und verbreiten so das HIV-Virus. Traditionell herrschten hier bestimmte Geschlechtskrankheiten vor. Zum Beispiel haben zwölf Prozent der schwangeren Frauen Syphilis.» Auch deshalb, so Robais, «verbreitet sich AIDS hier viermal schneller als in Zentral- und Westafrika. Männer dürfen vor der Ehe offiziell keinen Sex haben. Darum gehen sie zu Prosituierten.»

    Die Mischung aus einer großen Zahl von Prostituierten und Freiern und dem extrem geringen Gebrauch von Kondomen führt zur Explosion von AIDS. 1998 ergab eine Studie, dass unter 380 untersuchten Prostituierten 75 Prozent HIV-positiv waren. Während 98 Prozent wussten, wie Kondome zu benutzen sind, wendeten nur 40 Prozent sie auch an. Viele Männer lehnen Kondome ab, weil sie nichts über Geschlechtskrankheiten wissen. Die Preisentwicklung auf dem Sexmarkt spiegelt dies wider: Mit Kondom kostet Sex fünf Mark, ohne Schutz fast elf Mark. «Solange wir hier Armut haben, können wir den Frauen nicht sagen, sie sollen sich an einen Partner binden oder sich eine andere Arbeit suchen. Für viele gibt es keine andere Chance: Entweder sie arbeiten als Prostituierte oder sie verhungern. Diese Frauen denken nicht daran, was in sieben Jahren ist. Die denken an heute», sagt Doktor Ibrahim Yussuf von der regierungsunabhängigen Organisation für soziale Dienste (OSSA).

    Hier finden die HIV-infizierten Zunesh (28) und Misir (26) Hilfe bei dem Versuch, ein normales Leben zu führen. Sie nähen an von OSSA bezahlten Maschinen in einer Hütte im Slum der Hauptstadt und fürchten vor allem eines: Entdeckt zu werden. «Dann würden wir aus diesem Bezirk vertrieben werden», sagen sie, «es sind deswegen schon Leute totgeschlagen worden». Die Aggression beim Thema AIDS und HIV hat längst irrationale Züge angenommen. Am Tag nachdem im Fernsehen ein AIDS-Drama gezeigt worden war, erkannten Passanten in Addis Abeba jene Schauspielerin, die eine erkrankte Frau dargestellt hatte auf der Straße - und schlugen sie zusammen.

    Für Rinke de Wit steht fest: «Wir brauchen die Hilfe der höchsten Führung, um das Verhalten zu ändern. Die Führung muss sich äußern und handeln.» Was Äthiopien braucht, ist ein Schock wie jener den Ugandas Staatschef Museveni erhielt als er erfuhr, das 60 Prozent jener Soldaten, die er zur Ausbildung nach Kuba geschickt hatte, als HIV-Infizierte zurückkamen. Angesichts der Gefahr, die Stützen seiner Macht zu verlieren, machte er AIDS zu einem zentralen Thema seiner Politik.
    Auch in Äthiopien ist der Druck zum Handeln unübersehbar. « Fortschritte bei Gesundheit und Sterblichkeit sind zerstört worden. Die Lebenserwartung ist wieder da, wo sie 1960 schon war», sagt Weltbank-Repräsentant Nigel Roberts.

    Besonders katastrophal wirke es sich aus, das AIDS sehr stark die besser ausgebildeten, mobileren Menschen mit weniger traditionellen Familienbindungen treffe: «Genau jene Leute also, die das Land braucht.» Das Sterben der Eliten ist für Äthiopiens Entwicklung, für seine Wirtschaft eine Katastrophe. Es zerstört Hoffnungen, irgendwann einmal den Status eines Entwicklungslandes zu überwinden.

    Für den Tesfeye, einen 45jährigen Soldaten, gibt es auch privat kaum noch Träume. Seine Frau ist schon gestorben. Er selbst ist HIV-positiv und hat vier Kinder. Er weiß, dass er nicht mehr lange leben wird und bittet, dass man ihm das Medikament AZT schicken möge - und damit eine Chance auf ein etwas längeres Leben. Aber er könnte AZT nicht bezahlen. Und in Äthiopien wird es ohnehin nicht eingesetzt. Tesfeye hofft deshalb, dass seine Kinder adoptiert und dadurch in den Westen geholt werden. Er würde sie lieber verlieren, als zu fürchten, dass es ihnen nach seinem Tod schlecht gehen wird. Was ihn verfolgt, ist ddas Gefühl, gegenüber seinen Kindern versagt zu haben - wegen einer Krankheit, die er bis heute nicht versteht.

    Berliner Morgenpost vom 8. Mai 2000Inhaltsverzeichnis


    Proteaseinhibitoren reduzieren Apoptose der CD4+ Zellen

    Die Verbesserungen der Immunfunktion im Zuge einer Therapie mit Proteasehemmern koennten zum Teil durch die signifikante Inhibierung der Apoptose von CD4+ und CD8+ Zellen erklärt werden. Diesbezügliche in vitro Studienresultate von Dr. Andrew D. Badley vom Ottawa General Hospital in Ontario, Kanada, und Kollegen sind in AIDS Research and Human Retroviruses publiziert.

    Bei in vitro-Behandlung von CD4+ T-Zellen mit 10 Mikromol Ritonavir oder Saquinavir konnte die spontane Apoptose um 75,5% bzw. 69,5% reduziert werden. Gleichermassen behandelte CD8+ T-Zellen zeigten mit einer 68,5%igen bzw. 59,0%igen Reduktion der Apoptose ein ähnliches Resultat. Der Response scheint dosisabhängig zu sein.

    Im Zuge von in vivo-Tests konnte bei neun Patienten innerhalb einer achttägigen Therapie mit Proteasehemmern ebenfalls eine signifikante Reduktion der CD4+ und CD8+ T-Zell-Apoptose registriert werden. Die durchschnittliche Spontanapoptose betrug vor Beginn der Therapie 17,4% und 0,6% am achten Behandlungstag. Die CD8+ Spontanapoptose sank im selben Zeitraum von 15% auf 1%. Signifikante Unterschiede in der Plasmavirämie konnten im Beobachtungszeitraum nicht beobachtet werden.

    Quelle: AIDS Res Hum Retroviruses; 2000, 16: 559-567

    MedAustria AIDS - News Line vom 4. Mai 2000 Inhaltsverzeichnis


    Zahl der Todesfälle nahm wieder zu

    Wiesbaden. Die Zahl der AIDS-Todesfälle hat sich in Hessen im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt: 1999 starben 66 Menschen an den Folgen der Immunschwächekrankheit und damit 38 mehr als im Vorjahr, wie Sozialministerin Marlies Mosiek-Urbahn am Mittwoch in Wiesbaden berichtete.

    Diese Entwicklung zeige, dass das AIDS-Problem keineswegs an Brisanz und Schwere verloren habe. Allerdings gebe es keine Anzeichen, dass sich die dramatische Situation vom Ende der 80er Jahre wiederholen werde. Die Kampagnen zum Schutz vor dem HI-Virus würden trotz aller Sparnotwendigkeiten fortgesetzt, versprach die CDU-Politikerin.

    Leicht rückläufig ist den Angaben zufolge die Zahl der Neuerkrankungen in Hessen: Bei 100 Menschen brach im vergangenen Jahr das Vollbild AIDS aus, darunter allein bei 57 Infizierten in Frankfurt am Main. Insgesamt seien derzeit 735 Hessen AIDS-krank, bis zu 6000 Menschen seien mit dem Erreger HIV infiziert.

    Von Anfang an sei das Bundesland besonders von der Epidemie betroffen gewesen, meinte Mosiek-Urbahn: "Obwohl nur 7,3 Prozent der deutschen Bevölkerung in Hessen leben, entfallen 11,8 Prozent aller Vollbilderkrankungen auf Hessen." ap

    Frankfurter Rundschau vom 4. Mai 2000 Inhaltsverzeichnis


    Arzneimittelauswahl per Resistenz-Test und Computer

    Wien (APA) - In Zukunft werden Ärzte, die HIV-Patienten behandeln, Computer-Ausdrucke mit der individuell für den Kranken abgestimmten und empfohlenen Therapie erhalten. Schnelle Tests auf die Sensitivität der Aids-Erreger des Kranken auf die einzelnen verfügbaren Medikamente ermöglichen das. Dies erklärte am Freitag bei der Jahrestagung der Gesellschaft für Virologie in Wien der britische Experte Dr. Brendan Larder.

    "Das Entstehen von gegen die verwendeten Medikamente resistenten HI-Viren stellt in der Behandlung des einzelnen Patienten ein erhebliches Problem dar. Deshalb werden Tests auf die Sensitivität der Krankheitserreger auf die einzelnen Arzneimittel und die Analyse von Genmutationen durchgeführt, die mit dem Entstehen von Resistenzen in Verbindung stehen können. Sie helfen bei der Erstauswahl der Arzneimittel, im Verständnis der Ursachen für eine nicht erfolgreiche Behandlung und bei Aussuchen einer Rettungstherapie", sagte Larder.

    Das britische Gentechnik-Unternehmen VIRCO (Cambridge), bei dem Larder arbeitet, bietet deshalb mehrere Testsysteme an. Gleichzeitig können Ärzte dort Blutproben testen lassen. Larder: "Wir schaffen pro Woche schon mehr als 1.000 solche Untersuchungen." Der Arzt bekommt dann einen Ausdruck retour, in dem ganz genau angegeben ist, auf welche Arzneimittel die beim Patienten vorkommenden Aids-Viren ansprechen und auf welche nicht.

    Wesentliche Fortschritte macht auch der deutsche Pharmakonzern Bayer in der Entwicklung neuer antiviraler Medikamente. "Mit der Substanz BAY 38-4766 haben wir ein einen Wirkstoff, der gut gegen eine ganze Reihe von Cytomegalie-Viren wirkt und auch in hohen Dosierungen nicht toxisch ist", berichtete die am Freitag die Leitern der Antivirus-Forschung des Konzerns, die deutsche Spezialistin Univ.-Prof. Dr. Helga Rübsamen-Waigmann.

    CMV-Infektionen können bei Neugeborenen schwerste Missbildungen hervorrufen. Besonders gefürchtet ist der Ausbruch solcher Erkrankungen auch bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, zum Beispiel Transplantationspatienten, die Medikamente zur Unterdrückung der Abstoßungsreaktionen einnehmen müssen. Bei Aids-Kranken kann die Erkrankung zum Erblinden führen.

    Das Problem mit dem Bayer-Wirkstoff: Wegen einer negativen Wechselwirkung bei gleichzeitiger Verwendung des Transplantationsmedikaments Cyclosporin A wird dieser selbst nicht weiter entwickelt. Allerdings sollen bald Abwandlungen des Wirkstoffes untersucht werden. Die Substanzen, die von dem deutschen Konzern entwickelt werden, hemmen die Entstehung von infektiösen CM-Viren.

    Nur langsame Fortschritte gibt es bei der Entwicklung von Medikamenten gegen die Hepatitis C. Dr. Robert S. Kauffmann vom US-Biotechnologie-Unternehmen Vertex (Cambridge/Massachusetts): "Allein in den USA sind rund drei Millionen Menschen mit Hepatitis C infiziert. Binnen 20 Jahren entwickeln rund 50 Prozent der betroffenen eine Fettleber, die später in eine Zirrhose übergehen kann. Mit Interferon alpha allein kann man einen dauerhaften Effekt nur bei zehn Prozent der Patienten erreichen, durch Kombination mit Ribavirin eine Wirkung bei maximal 35 bis 40 Prozent."

    Die von Vertex entwickelte Substanz VX-497 kann bei Patienten zwar die Leberwerte verbessern, eine Verringerung der Virus-Menge im Blut gelingt aber nicht. Das Unternehmen arbeitet deshalb auch an neuen Arzneimittelkandidaten, welche das Enzym NS3-Protease der Viren blockieren sollen. Das ist aber ein schwieriges Unterfangen.

    LibertyLife  - Aktuelle Nachrichten vom 3. Mai 2000 Inhaltsverzeichnis


    HAART-Start bei niedriger HIV-1 Last am effektivsten

    Bei Beginn einer hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) bei möglichst niedriger Virenlast kann die höchste Effektivität erzielt werden.

    Dr. Roger Paredes vom Hospital Universitari Germans Trias i Pujol in Barcelona, Spanien, und Wissenschafter der EuroSIDA Study Group analysierten betreffende medizinische Daten von 1.469 HIV-Positiven, die in 52 Kliniken in 17 Ländern Europas mit einer hochaktiven antiretroviralen Therapie begannen. 17% der Patienten waren antiretroviral therapienaiv; 58% der Probanden erhielten eine Dreifachtherapie, die verbleibenden Patienten bekamen bis zu sechs Therapeutika administriert.

    Nach Exkudierung von Patienten mit nicht messbarer Virenlast zu Studienbeginn, kann bei 80% der verbleibenden 1.323 Probanden eine Reduktion des Virenspiegels unter 500 Kopien/ml registriert werden. Bei 60,4% kann dieser Wert bis sechs Monate nach der HAART-Initiierung gehalten werden. Bei Patienten mit niedriger HIV-1 Last und höherer CD4+ Zellzahl zu Studienbeginn, bei jenen, die nicht Seqinavir (Hardgelkapsel) als einzigen Proteaseinhibitor erhalten und bei jenen, die drei oder mehr neue nukleosideische Reverse Transkriptase Inhibitoren administriert bekommen kann die Virenlast am effektivsten reduziert werden.

    Im Zuge eines weiteren Follow-up mit 925 Patienten mit nicht messbarer HIV-1 Last zeigt sich, dass bei 332 (35,9%) die Virenlast wieder auf über 1.000 Kopien/ml ansteigt. Die Wahrscheinlichkeit eines virologischen Versagens ist bei antiretroviral-naiven, älteren und jenen, die die Therapie nicht mit Sequinavir beginnen, am niedrigsten. Eine höherer HIV-1 RNA Ausgangswert sowie eine längere Zeitspanne bis zum erreichen einer Virenlastreduktion sind signifikante Prädiktoren einer höheren Wahrscheinlichkeit eines virologischen Misserfolges.

    Quelle: Arch Intern Med; 2000, 160: 1123-1132

    MedAustria News vom 2. Mai 2000 Inhaltsverzeichnis


    HAART steigert Überlebensrate Positiven mit Non-Hodgkin Lymphom

    Bei Administration einer hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) einschließlich eines Proteaseinhibitors kann die Überlebensrate bei HIV-Patienten mit Non-Hogkin Lymphom um das nahezu zehnfache gesteigert werden.

    Dr. Francois Dabis, von INSERM U330, Universite Victor Segalen in Bordeaux, Frankreich, und Kollegen examinierten den Effekt einer HAART auf die Überlebensrate von 101 HIV-Positiven, bei denen zwischen 1986 und 1997 ein nicht-zerebrales Non-Hodgkin Lymphom (NHL) diagnostiziert wurde. Die mittlere CD4+ Zellzahl betraegt zum Zeitpunkt der Diagnose 112/µl. Fast 73% der Probanden erhielten ein spezifische NHL-Chemotherapie, 44% wurden mit nukleosidischen Transkriptase Inhibitoren behandelt und 18% erhielten eine Tripeltherapie einschließlich eines Proteaseinhibitors.

    Eine antiretrovirale Therapie nach der NHL-Diagnose ist mit einer signifikanten Reduktion des relativen Mortalitätsrisikos assoziiert - sowohl bei Administration von nukleosidischen Transkriptase Inhibitoren (RH=0,27) und noch deutlicher bei Patienten, die eine HAART inklusive eines Proteaseinhibitors erhalten (RH=0,08). Die mittlere Überlebenszeit von Patienten, die die Tripeltherapie erhalten, beträgt 24,7 Monate - fast das zehnfache von nicht behandelten HIV-positiven NHL-Patienten.

    Die mittlere Überlebenszeit beträgt in dieser Studie 6 Monate. Nach Adjustierung auf unterschiedliche biologische und klinische Faktoren sind in multivariaten Analysen eine CD4+ Zellzahl <= 50/µl, ein Hämoglobinwert <= 10g/dl und Ann Arbor Stage IV mit einem gesteigerten Mortalitätsrisiko assoziiert.

    Quelle: Cancer; 2000, 88: 1696-1702

    MedAustria AIDS - News Line vom 20 April 2000Inhaltsverzeichnis


    Osteoporose durch Proteasehemmer?

    Von Jan-Christian Wasmuth, Universitätsklinik Bonn

    In den vergangenen zwei Jahren haben eine Reihe von metabolischen Komplikationen, die als Langzeitfolgen der antiretroviralen Therapie gelten, große Aufmerksamkeit erregt. Dazu gehören Diabetes mellitus, Hyperlipidämie, Lipodystrophie und Lipoatrophie. Seltener, aber nicht weniger bedeutend, sind Fälle von aseptischen Knochennekrosen und Wirbelsäulenfrakturen. Jetzt wurden zwei Arbeiten veröffentlicht, die an größeren Kollektiven den Zusammenhang zwischen HAART und Osteopenie/Osteoporose untersuchten:

    Eine amerikanische Arbeitsgruppe aus St. Louis untersuchte in einer Querschnittsstudie 95 männliche HIV-Patienten (Tebas et al. AIDS 2000, 14: F63-F67). Mittels der Dual-energy-X-ray-Absorptiometrie (DEXA) wurde die Knochendichte im Bereich von Gesamtkörper, LWS (L1-L4) und Femur gemessen. Von den 95 Patienten nahmen 60 einen PI ein, 35 hatten zuvor keinen PI erhalten. 17 gesunde Männer wurden als Kontrollgruppe herangezogen. Durchschnittsalter für alle Gruppen war Ende 30. Es zeigte sich, dass Patienten, die einen PI einnahmen, eine signifikant höhere Inzidenz an Osteopenie und Osteoporose hatten (Relatives Risiko 2,19; 95%-Konfidenzintervall 1,13 - 4,23; p=0,02). Die t-Werte in der LWS (=Knochendichte bezogen auf 30-jährige) betrugen -1,005 für die PI-Gruppe, -0,382 für die Nicht-PI-Gruppe und -0,227 für die Kontrollgruppe. Die z-Werte (=Knochendichte bezogen auf altersgleiche Gesunde) betrugen -0,923, -0,382 und 0,145. Diese Ergebnisse waren vergleichbar, wenn im Bereich des Femurs (Schenkelhals) gemessen wurde. 21% der Patienten mit PI-Einnahme hatten nach WHO-Definition damit eine schwere Osteoporose und damit ein mehrfach erhöhtes Frakturrisiko (z<-2), sogar 50% eine Osteopenie. HIV-Patienten ohne PI-Einnahme hatten dagegen zu 11% eine Osteoporose, zu 23% eine Osteopenie. Durch einen Vergleich mit dem Fettverteilungsverhältnis (hier zentrales Fett zu Extremitätenfett) ergab sich, dass das Auftreten einer Osteoporose und das Auftreten einer Fettumverteilung vermutlich von einander unabhängige Nebenwirkungen der Proteasehemmertherapie sind.

    Auf der Retroconference in San Francisco wurde eine Arbeit aus Australien vorgestellt, die ebenfalls den Zusammenhang zwischen PI-Einnahme und Veränderungen der Knochendichte untersuchte (Hoy et al. 7th Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections, San Francisco 2000, Abstract 208): 80 Patienten mit nachgewiesener Lipodystrophie unter PI-Einnahme und supprimierter Viruslast wurden untersucht. 28,4% erfüllten hier die Kriterien einer Osteopenie (t -1 bis -2,5), und 9,5% hatten eine Osteoporose (t < -2,5). Die Patienten wurden dann randomisiert, um den PI weiterzunehmen oder auf ein nicht PI-haltiges Regime umzusteigen. Innerhalb der Beobachtungszeit von 24 Wochen wurden keine nennenswerten Änderungen von Knochendichte oder Lipodystrophie festgestellt.

    Der HIV.Net-Kommentar: Wieder eine neue Beobachtung im Zusammenhang mit Proteasehemmern! Vermutlich werden sich bislang nur wenige HIV-Behandler intensiv mit dem Knochenstoffwechsel ihrer (jungen) Patienten auseinandergesetzt haben. Zwar weisen beide Studien eine Reihe von Einschränkungen auf, insbesondere sind keine Verlaufsbeobachtungen und Einordnung der zeitlichen Zusammenhänge möglich (Hatten PI-Patienten vielleicht schon vorher schlechte Werte? Wie lange dauert die Entwicklung einer Osteoporose?), nichtsdestotrotz zeigen sie wieder einmal, dass große Vorsicht und Sorgfalt in der HIV-Behandlung geboten sind. Möglicherweise werden die bislang als Einzelfälle beschriebenen Wirbelsäulenfrakturen und Knochennekrosen in Zukunft zunehmen. Es ist sicherlich einiges zu erwarten...

    HIV.NET Nachrichten vom 13. April 2000 Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

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