HIV AIDS Infos Online
     

     
      Ausgabe 29
        Jahrgang 10
      Oktober 2005
     
     
    Inhaltsverzeichnis Homepage der Praxis


    Vorbemerkung
    Impressum
     
     


     
     

    Proteasehemmer absetzen: eine neue Strategie bei Multiresistenz?
    HIV Resistenztests – Kosten werden zukünftig übernommen
    Überlegenheit von PIs gegenüber NNRTIs bei Wiederaufnahme einer HAART
    Aids-Virus scheint langsam an Stärke zu verlieren
    Auftreten nicht AIDS-definierender Malignome bei HIV-Positiven
    Bald Einsendeschluss für den V. Konrad Lutz Preis
    Soldaten in Afrika leiden an Aids
    Tipps zur Begleitmedikation bei HIV-infizierten Patienten
    Estland hat höchste HIV-Rate nördlich von Afrika
    Russlands Soldaten bekommen Kondome
    Trotz Resistenzen kann HIV-Therapie wirksam bleiben
    Glaxo stoppt Aplaviroc-Studie mit bestimmten Patienten
    AIDS-Projekte im südlichen Afrika
    Proteaseinhibitoren während der Schwangerschaft
    Zusammenhang zwischen i.v. Drogenkonsum und Resistenzen
    AIDS-Stiftung fordert mehr Geld für AIDS-Bekämpfung
    Drogensüchtige mit HCV brauchen Therapie
    Neuer Angriffspunkt gegen HIV
    Russland verdoppelt seinen Beitrag zum Global Fond
    Neues Ziel im Kampf gegen HI-Viren entdeckt
    Aids-Bekämpfung auf die lange Bank?
    Globaler Aids-Fonds streicht finanzielle Hilfen für Uganda
    10 Jahre "Lauf für mehr Zeit"
    ICAAC verschoben
    Preisvorteile durch neue Packungsgröße von Viramune
    Mangelnde Adhärenz bei HIV-positiven Jugendlichen
    Zu wenige Kinder haben eine Chance
    JugendFilmTage zum Thema AIDS erstmals in Lübeck
    Fortschritte bei der Entwicklung neuer HIV-Medikamente
    Wird die Eradikation von HIV doch möglich?
    "Gute Katholiken verwenden Kondome"
    Wachstumshormon zur Steigerung der Immunantwort unter HAART
    Probleme bei der HIV-Erkennung
    Patienten-Café Haus 68
    Superinfektion mit resistentem HI-Virus offenbar möglich
    Neuer Ansatz zur Behandlung latenter HIV-Infektionen
    Virologisches Versagen häufig bei 1mal täglicher Ersttherapie mit TDF/ddI/EFV
    BZgA und PKV starten neue Kooperation in der HIV/Aids-Prävention
    Papst nicht verantwortlich
    Durchfall & HAART
    Bedrohung durch medikamentenresistente Viren steigt
    HAART reduziert AIDS-Raten entscheidend
    Zellen im Kampf gegen AIDS
    Mit verstärkter Invirase keine Resistenzentwicklung
    Medikament hemmt HIV-Reifung
    Entdeckung eines Anti-AIDS-Wirkstoffes
    Anti-Aids-Konzeption der russisch-orthodoxen Kirche
    Nebenwirkungen der HIV-Therapie bekämpfen
    Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher
    Südafrika und EU intensivieren Zusammenarbeit in der Forschung
    Mikrobizide sollen Frauen beim Schutz vor HIV unabhängig machen
    Diskriminierung von Aids-Kranken in Russland
    Thailand stellt billige Aids-Medikamente selbst her
    AIDS-Strategie der Bundesregierung - national und global
    Aidsmedikament für den Kongo produziert
    Doch Preisnachlass für Kaletra
    Maßnahmen zur Bekämpfung der HIV-Epidemie in Moskau nötig
    Frauen im südlichen Afrika sind doppelt von AIDS betroffen
    Effektive Hilfe statt leerer Versprechungen
    Sicherheitskräfte sollen im Kampf gegen Aids helfen
     
     
     
     
     
     
     
     
     

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    Vorbemerkung
     
    Die HIV AIDS Infos sind eine Zusammenstellung aus Internetquellen, Mail- und Newsgroups und erstreckt sich jeweils über einen Zeitraum von ca. drei bis vier Monaten. Die einzelnen Artikel sind mit einem Link auf die Orginalartikel versehen und chronologisch geordnet. Es wir auf diese Weise schnell über neue Entwicklungen und Änderungen in den Bereichen Epidemiologie, medizinischer Behandlung, ambulanter Pflege und psychosozialer Beratung bei HIV-Infektion und AIDS-Erkrankung informiert. Die HIV AIDS Infos erscheinen in regelmäßigen Abständen und informieren interdisziplinär über Änderungen und Neuerungen auf dem Gebiet von HIV und AIDS.

     

    Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Proteasehemmer absetzen: eine neue Strategie bei Multiresistenz?

    Pilotstudie zeigt, dass man mit einer einfachen Therapie möglicherweise "überwintern" kann

    von Christian Hoffmann

    Hamburg - Mitunter "versagt" selbst die intensivste antiretrovirale Therapie. Nach jahrelanger Behandlung lässt sich die Viruslast einfach nicht mehr unter die Nachweisgrenze senken. Was hier tun? Die Antwort war bisher: Möglichst mit allem weitermachen. Multiresistente Viren sind zumindest für eine gewisse Zeit etwas weniger aggressiv als der Wildtyp, und bei Therapiepausen drohen nicht selten rasante CD4-Zellabfälle und sogar AIDS-Erkrankungen. Eine schlechte HAART ist eben besser als keine, ein bisschen Virussuppression immer noch besser als nichts. Selbst bei nur leichtem Abfall der Viruslast ist ein Benefit zu erkennen [1]. In einer großen Kohortenstudie zeigte sich, dass die CD4-Zellen nicht abfallen, so lange die Viruslast unter 10.000 Kopien/ml oder wenigstens 1,5 Logstufen unter dem individuellen Setpoint bleibt [2].

    Eine bislang unbeantwortete Frage ist allerdings, wie intensiv man weitermachen muss, um multiresistente Viren zumindest eine Zeitlang weiter einigermaßen in Schach zu halten. Kann man die Therapie möglicherweise sogar auf nur eine Wirkstoffklasse vereinfachen, ohne dass es zu einer immunologisch-virologischen Verschlechterung kommt? Die wesentlichen Vorteile einer solchen Strategie wären nicht nur die Reduktion von Toxizität und Kosten, sondern auch der Umstand, dass der Selektionsdruck für HIV nur im Bereich der weiter gegebenen Wirkstoffklasse herrschte. Die anderen Klassen wären nicht betroffen. Neue Resistenzen wären unwahrscheinlich, was zukünftige Optionen erhalten könnte.

    Der Frage nach der Machbarkeit einer solchen Strategie widmete sich eine jetzt vorab im JID veröffentlichte Studie der Arbeitsgruppe von Steven Deeks [3]. Obgleich in Design und Auswertung bisweilen etwas unübersichtlich, sind die Ergebnisse dieser Pilotstudie zweifellos interessant:

    18 Patienten mit multiresistenten Viren, bei denen trotz HAART (gute Compliance, ausreichende Wirkspiegel) über mindestens 6 Monate die Viruslast nachweisbar geblieben war, hatten ihr HAART-Regime jeweils um die PIs reduziert, die NRTIs hingegen fortgesetzt. Bei keinem Patienten kam es innerhalb der ersten 2 Wochen zu einem Anstieg von mehr als 0,5 Logstufen, und selbst nach 16 Wochen war bei den meisten Patienten kein Anstieg zu beobachten (nur bei 5/18 zwischen 0,5 und 1 Logstufe, beim Rest gar kein Anstieg oder sogar ein Abfall). Auch ein negativer immunologischer Effekt war nur bei einigen Patienten zu sehen und allenfalls moderat. Bei wiederholtem Resistenztest zeigte sich, dass nach 6 bis 12 Monaten bei den meisten (12/18) der Patienten sämtliche PI-Mutationen persistierten, obwohl keine PIs mehr eingenommen wurden.

    Diese Ergebnisse sind umso erstaunlicher, weil fast alle Patienten in ihrer meist sehr langen Therapiekarriere auch mit reinen NRTI-Therapien behandelt worden waren, sie mussten also eigentlich NRTI-resistente, PI-sensible Viren haben. Erstaunlicherweise kamen diese Viren aber auch nach mehreren Monaten ohne PI offenbar nicht zum Vorschein. Trotz einiger interessanter Hypothesen bleibt der Mechanismus dafür unklar, warum es für HIV offenbar nicht so leicht ist, PI-Mutationen über Bord zu werfen, wenn man mit den NRTIs weitermacht. Ins gleiche Horn wie die Deeks-Studie blies jetzt übrigens auch eine kleine, retrospektive Studie an HIV-infizierten Kindern, bei denen nur die PIs abgesetzt wurden. Auch hier blieb die Viruslast über eine relativ lange Zeit stabil [4].

    Möglicherweise scheint also bei einigen Patienten mit multiresistenten Viren durch eine einfache NRTI-Therapie ein "Überwintern", ein Warten auf neue Optionen, zumindest eine gewisse Zeit möglich zu sein. Möglicherweise sind multiresistente Viren nicht ohne weiteres in der Lage, zurückzumutieren. Das gilt übrigens nicht, wenn die NRTIs abgesetzt werden. In einer Substudie von 6 Patienten, die ihre NRTIs abgesetzt hatten (bei Beibehaltung der PIs), kam es bei allen zu einem raschen Anstieg der Viruslast. Diese Beobachtungen wurden auch von anderen Arbeitsgruppen gemacht, die zeigen konnten, dass NRTIs weiter einen Effekt behalten, auch wenn die Resistenzlage etwas anderes suggeriert [5,6]. NRTIs sollten deswegen in jedem Fall Bestandteil solcher Salvage-Konzepte sein.

    Fazit: Auch wenn diese Ergebnisse nun durch größere Studien bestätigt werden müssen, sollten diese Studien vor allem jenen Patienten (und ihren Behandlern) Mut machen, bei denen sich die Viruslast auch trotz intensiver Therapien nicht mehr unter die Nachweisgrenze senken lässt. Ein "austherapiert" gibt es nicht, und manchmal scheint es auch für HIV nicht so leicht zu sein, sich zwischen Replikationsfitness und Resistenzmuster zu entscheiden.

    Literatur

    [1] Deeks SG, Barbour JD, Martin JN, Swanson MS, Grant RM. Sustained CD4+ T cell response after virologic failure of protease inhibitor-based regimens in patients with HIV infection. JID 2000, 181:946-53.
    [2] Ledergerber B, Lundgren JD, Walker AS, et al. Predictors of trend in CD4-positive T-cell count and mortality among HIV-1-infected individuals with virological failure to all three antiretroviral-drug classes. Lancet 2004, 364:51-62.
    [3] Deeks SG, Hoh R, Neilands TB, et al. Interruption of Treatment with individual therapeutic drug classes in adults with multidrug-resistant HIV-1 infection. JID 2005, 192: 000-000.
    [4] Legrand FA, Abadi J, Jordan KA, et al. Partial treatment interruption of protease inhibitors augments HIV-specific immune responses in vertically infected pediatric patients. AIDS 2005, 19:1575-1585.
    [5] Campbell TB, Shulman NS, Johnson SC, et al. Antiviral activity of lamivudine in salvage therapy for multidrug-resistant HIV-1 infection. Clin Infect Dis 2005, 41:236-42.
    [6] Eron JJ Jr, Bartlett JA, Santana JL, et al. Persistent antiretroviral activity of nucleoside analogues after prolonged zidovudine and lamivudine therapy as demonstrated by rapid loss of activity after discontinuation. J AIDS 2004, 37:1581-1583.

    HIV.NET Nachrichten vom 3. Oktober 2005Inhaltsverzeichnis


     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV Resistenztests – Kosten werden zukünftig übernommen

    Gemeinsamer Bundesausschuss beschließt Indikationsausweitung.

    letzte Woche hat der Gemeinsame Bundesausschuss eine Ausweitung der Indikationen zur genotypischen Resistenztestung beschlossen. Der genaue Beschluss des GamBa ist im Anhang  nachzulesen  bzw. auf der Webseite des Bundesausschusses:

    http://www.g-ba.de/cms/upload/pdf/abs5/beschluesse/2005-09-20-HIV-Resistenztestung_WZ.pdf

    Kurz gefasst kann ein Resistenztest nun durchgeführt werden:
     

    1. bei frischer HIV-Infektion (< 1 Jahr) wenn die Wahrscheinlichkeit für die Übertragung von Resistenzen erhöht war (genauer ausformuliert im Beschluss, aber im Prinzip meist gegeben).
    2. bei Schwangeren vor Transmissionsprophylaxe oder Therapie
    3. bei Therapieversagen.


    Punkt 1 und 2 sind neu aufgenommen, bei Punkt 3 entfällt der in der alten Regelung benannte Ausschluss von Trizivir-Therapien.

    Insgesamt also ein guter Erfolg (auch der Patientenbeteiligung im Bundesausschuss)! Der Beschluss ist noch nicht in Kraft; jetzt hat das BMGS zwei Monate Zeit zu widersprechen; das ist jedoch extrem unwahrscheinlich, da das BMGS den alten Beschluss bereits kritisiert und eine Indikationserweiterung angeregt hatte.

    Mit Veröffentlichung im Bundesanzeiger (ca. in 2 Monaten) ist der Beschluss in Kraft und die Kosten für Resistenztests werden in stärkerem Maße als bisher von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

    Deutsche AIDS-Hilfe e.V. - Mitteilung vom 29. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Überlegenheit von PIs gegenüber NNRTIs bei Wiederaufnahme einer HAART

    Nach Therapieunterbrechungen scheint eine Wiederaufnahme der antiretroviralen Behandlung mit einem Proteaseinhibitor (PI) effektiver als die Wiederaufnahme mit einem Nicht-Nukleosid-Reverse-Transkriptase-Hemmer (NNRTI) zu sein.

    Dr. Pablo Barreiro und Kollegen vom Hospital Carlos III in Madrid, Spanien, analysierten diesbezügliche Daten von 45 HIV-Positiven, die eine hochaktive Therapie nach einer Unterbrechung entweder inklusive des vorher eingenommenen PIs oder des NNRTIs wieder aufnahmen.

    Bei allen elf HIV-Positiven, die ihre Behandlung mit jenem PI-basierendem Regime wieder aufnahmen, das sie vor der Therapieunterbrechung einnahmen, sank die Viruslast unter die Nachweisgrenze. Eine Wiederaufnahme der HAART inklusive des NNRTIs resultierte nur bei 15 von 34 Patienten (44%) in einer Reduktion der Viruslast unter die Nachweisgrenze (p<0,001).

    "Eine unterschiedliche Pharmakokinetik und differierende Resistenzbarrieren für PIs und NNRTIs könnten für die unterschiedliche Performance bei Wiederaufnahme einer HAART verantwortlich sein", so die Wissenschafter in ihrem Brief Report abschließend.

    Quelle: Clin Infect Dis; 2005, 897-900

    MedAustria - AIDS News Line vom 29. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aids-Virus scheint langsam an Stärke zu verlieren

    Es besteht aber kein Grund zur Entwarnung.

    Antwerpen - Das HI-Virus könnte durch das Immunsystem modifiziert werden. Das Virus, das Aids verursacht, dürfte an Stärke verlieren. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie des Prins Leopold Instituut voor Tropische Geneeskunde http://www.itg.be gekommen. Die Wissenschafter verglichen HIV-1 Proben aus den Jahren 1986-89 und 2002-03. Dabei zeigte sich, dass die neueren Proben sich nicht gleich gut vermehrten und empfindlicher auf Medikamente reagierten. Andere Studien argumentierten in der Vergangenheit, dass es zu einer Erhöhung der Resistenz komme. Das Team betont in dem Fachmagazin Aids, http://www.aidsonline.com/pt/re/aids/home.htm dass ihre Forschungsergebnisse auf keinen Fall bedeuteten, dass die Anstrengungen zur Verhinderung der Ausbreitung von HIV verringert werden sollten.

    Keith Alcorn von der Aids-Hilfsorganisation NAM http://www.aidsmap.com erklärte, dass man angenommen hatte, die Virulenz von HIV würde sich durch die Verbreitung von einem menschlichen Wirt auf den anderen erhöhen. Die aktuelle Studie lege jedoch nahe, dass genau das Gegenteil der Fall sei. "Es scheint so zu sein, dass HIV bei der Übertragung von einen Menschen auf den anderen bereits einen Teil seiner am stärksten pathogenen Wirkungen bei der Reaktion auf das Immunsystem des Wirts abgegeben hat. Dadurch wird das Virus bei jeder weiteren Übertragung schwächer." Es wäre daher denkbar, dass HIV innerhalb von mehreren Generationen für den Menschen weniger schädlich werden könnte.

    Der WHO Experte Marco Vitoria berichtete, dass bei anderen Erkrankungen wie Pocken, Tuberkulose und Syphilis ähnliche Abschwächungstendenzen festgestellt worden sind. Es bestehe ein natürlicher Trend zur Erreichung eines Gleichgewichts zwischen den Interessen des Krankheitserregers und des Wirts. Damit soll ein gleichzeitiges Überleben beider Parteien für einen längeren Zeitraum gewährleistet werden. Auch Vitoria betonte, dass die neuesten Forschungsergebnisse nicht zu einem falschen Gefühl der Sicherheit verleiten sollten. Er betonte gegenüber BBC News online, dass eine derartige Veränderung nur im Ausmaß von Generationen adäquat beschrieben werden könne. Zusätzlich stellte er in Frage, ob endgültige Schlussfolgerungen bereits durch eine vergleichsweise kleine Studie erzielt werden können.

    Pressetext Austria – Meldung vom 29. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Auftreten nicht AIDS-definierender Malignome bei HIV-Positiven

    Die Inzidenz primärer Hautmalignitäten, Anus- und Prostatakarzinomen sowie Hodgkin-Lymphomen, so genannter nicht AIDS-definierender Malignome, ist laut Resultaten einer retrospektiven Studie bei HIV-Infektion deutlich höher als in der Allgemeinbevölkerung.

    Dr. Alina Burgi von der San Diego State University in Kalifornien und Kollegen untersuchten Inzidenz und mögliche Risikofaktoren für die Entwicklung nicht AIDS-definierender Malignome bei 4.144 HIV-positiven Amerikanern (26.916 Personen-Jahre).

    Zwischen 1988 und 2003 wurden 133 nicht AIDS-definierende Malignome diagnostiziert (980 pro 100.000 Personen-Jahre). Die Inzidenz von Melanomen, Basalzell- und squamöse Karzinomen der Haut, Hodgkin-Lymphomen und Analkarzinomen war bei HIV-Positiven deutlich höher als in der altersadjustierten Allgemeinbevölkerung.

    Prädiktoren der Entwicklung eines nicht AIDS-definierenden Malignoms waren ein Alter über 40 Jahre (OR=12,2; p<0,001), kaukasische / nicht-spanische Abstammung (OR=2,1; p<0,001), eine längere HIV-Infektion (OR=1,2; p<0,001) und opportunistische Infektionen in der Anamnese (OR=2,5; p<0,001).

    Die Einnahme einer hochaktiven antiretroviralen Therapie war mit einer niedrigeren Inzidenz nicht AIDS-definierender Malignome assoziiert (OR=0,21; p<0,001). Ein niedrigerer CD4-Nadir oder eine niedrige CD4-Zellzahl (<200/mm3) zum Zeitpunkt der Diagnose hatten keinen signifikanten Einfluss auf die Inzidenz nicht AIDS-definierender Malignome.

    Quelle: Cancer; 2005, 104: 1505-1511 [Epub ahead of print]

    MedAustria News vom 28. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Bald Einsendeschluss für den V. Konrad Lutz Preis

    München – In wenigen Wochen ist „Abgabetermin“ für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer am V. Konrad Lutz Preis, dem Gestaltungswettbewerb für Menschen mit HIV und Aids. Bilder zum Thema „Zeiträume“ müssen bis zum 31. Oktober eingesendet sein, um noch berücksichtigt werden zu können. Die Werke gehen an folgende Adresse:
    Konrad Lutz Preis, add-cooperation, Heilig-Mediendesign, Claude-Lorrain-Straße 25 Rgb., 81543 München.

    Das Jahr 2005 hat viel Neues für den Konrad Lutz Preis mit sich gebracht: Claudia Roth konnte als Schirmherrin gewonnen werden. Die 13 ausgezeichneten Bilder des IV. Konrad Lutz Preises befinden sich seit März auf einer Wanderausstellung durch Deutschland und Österreich. Bis zum 12. Oktober sind sie noch im Kulturpalast Dresden zu sehen, danach geht es weiter nach Bremen, Tübingen und Bayreuth.

    Nach dem 5. Februar 2006 gehen die Siegerbilder des V. Konrad Lutz Preises auf „Tournee“. Wie beim IV. Konrad Lutz Preis wird eine Wanderausstellung organisiert, die in diversen Städten zu sehen ist. Für den V. Konrad Lutz Preis haben sich bereits angemeldet: Berlin, Nürnberg, Rostock, Chemnitz, Köln, Leipzig, Lübeck und Dresden. Die Werke aller Teilnehmer werden darüber hinaus in einer Internet-Galerie unter www.hiv-info.de präsentiert.

    Kurz nach dem Einsendeschluss, im November, werden die eingeschickten Bilder bewertet. Eine Jury aus renommierten Kuratoren, Journalisten und Künstlern wählt 13 Bilder aus, die zusammen mit einem Online-Publikumspreis im Rahmen der Münchner AIDS-Tage vom 3. bis 5. Februar 2006 gewürdigt werden. Der erste Preisträger erhält 1.500 Euro, der zweite 1.000 Euro, der dritte und der Gewinner des Online-Publikumspreises jeweils 800 Euro. Zehn Anerkennungen werden jeweils mit 400 Euro bedacht. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten eine Freikarte für die Lasershow „Queen – Heaven“ (mehr Infos unter www.queen-lasershow.de).

    Der Konrad Lutz Preis wird von Netzwerk plus, dem bundesweiten Netzwerk der Menschen mit HIV und Aids, und dem Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline getragen. Der Kunstwettbewerb ist ins Leben gerufen worden, um HIV-Positiven und deren engstem Umfeld eine nonverbale Ausdrucksmöglichkeit zu verleihen. Gefühle, Gedanken und Hoffnungen sollen unmittelbar auf die Leinwand gebracht werden und zum Dialog anregen. Der Konrad Lutz Preis möchte dazu beitragen, HIV und Aids nicht zu verdrängen und Infizierte in die Gesellschaft zu integrieren.

    Der Name des Wettbewerbs erinnert an den Münchner Künstler Konrad Lutz, der mit seinem unermüdlichen Engagement in der Aidshilfe ein Zeichen setzte. Als Dialysepatient geriet er an eine infizierte Blutkonserve und steckte sich mit HIV an. Er kämpfte bis zu seinem Tod im Jahr 1990 für die Rechte von Menschen mit Aids. Sein Aufsehen erregendes Werk ist die Dokumentation „Coming Out“, die während des 2. Europäischen Treffens HIV-Positiver 1988 in München entstand und den bayerischen Aids-Maßnahmenkatalog als Menschenrechtsverletzung entlarvte.

    Ausschreibungsunterlagen zum V. Konrad Lutz Preis können unter email-Adresse klp@add-coop.de oder Telefonnummer 089/189385-50 angefordert werden und stehen als Download unter http://www.hiv-info.de zur Verfügung.

    PR-Beratung - Pressemitteilung vom 28. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Soldaten in Afrika leiden an Aids

    Kapstadt - In ganz Afrika sind die Krankenhäuser überfüllt mit Soldaten. Die Patienten sind aber nicht die Opfer eines bewaffneten Konflikts, sondern einer kontinentalen Heimsuchung: Aids wird für viele afrikanische Staaten ein Problem der nationalen Verteidigung. Von den weltweit nahezu 40 Millionen mit HIV infizierten Menschen leben allein 25 Millionen in afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

    «Die Angehörigen der Streitkräfte stehen in vieler Hinsicht an der vordersten Front der Aids-Epidemie», sagte der stellvertretende südafrikanische Verteidigungsminister Mluleki George kürzlich auf einer Konferenz in Kapstadt. Ihr Alter, ihre Mobilität und die Neigung zum Gelegenheitssex machen sie zu einer besonderen Risikogruppe. Bei den Streitkräften Südafrikas sind 23 Prozent der 75.000 Soldaten mit HIV infiziert. Nach diesen offiziellen Zahlen aus dem Jahr 2002 sind sieben von zehn Todesfällen bei Soldaten auf Aids zurückzuführen.

    Neuere Zahlen gibt es ebenso wenig wie Daten aus anderen afrikanischen Ländern. Aber das Institut für Sicherheitsstudien in Pretoria schätzt, dass die Infektionsrate in den Streitkräften bis zu doppelt so hoch ist wie in der Gesamtbevölkerung.

    Aids sei die Haupttodesursache bei den Streitkräften Ugandas, sagte Oberstleutnant Kenneth Ochen. In der Behandlung des Militärarztes in Kampala starben im vergangenen Jahr 200 Aids-Patienten.

    Die Behandlung der kranken Soldaten bedeutet auch eine Belastung für die Militärbudgets. Und die hohe Infektionsrate schafft Probleme für den Einsatz von Friedenstruppen der Vereinten Nationen oder der Afrikanischen Union. In Sierra Leone starben mindestens vier Blauhelmsoldaten an Aids, zehn weitere wurden mit einer HIV-Infektion nach Hause geschickt. Auch beim Einsatz der Afrikanischen Union im Sudan wurden zwei Aids-Todesfälle gemeldet.

    Südafrika hat eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um das Problem unter Kontrolle zu bringen. Schon 2002 wandten sich die Streitkräfte an die USA und baten um eine Mitwirkung an Medikamententests - lange bevor die lebensverlängernden Mittel auf den Markt kamen. Inzwischen arbeiten Experten des amerikanischen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten in fünf südafrikanischen Kliniken mit ihren dortigen Kollegen zusammen. Zwei Jahre nach Beginn des Forschungsprojekts Phidisa (Das Leben verlängern) melden die Streitkräfte erste Erfolge der Bemühungen, Aids-Patienten in den eigenen Reihen wieder fit zu bekommen.

    Phidisa versorgt 834 Soldaten mit Aids-Medikamenten; weitere 232 werden über ein spezielles US-Finanzierungsprogramm unterstützt. Das auf fünf Jahre angelegte Projekt will auch die Rolle der Ernährung und einen möglichen Beitrag der traditionellen afrikanischen Medizin bei der Behandlung der Patienten untersuchen.

    Geholfen hat das Projekt der 36-jährigen Soldatin Philisiwe Ntshangase. Monatelang kam sie immer wieder ins Krankenhaus, um sich behandeln zu lassen. Sie verlor an Gewicht, begann zu trinken und war akut selbstmordgefährdet. Inzwischen strahlt sie wieder eine blühende Gesundheit aus. Ihre Hauptsorge ist, wie sie die Pfunde wieder verliert, die sie seit Beginn der neuen Therapie zugelegt hat. «Die Medikamente haben mich zu einem anderen Menschen gemacht», sagte Ntshangase. Die einstige Guerillakämpferin gegen das Apartheid-Regime hat nun einen neuen Untergrundkampf aufgenommen: Sie berät andere Soldaten, die an HIV infiziert sind. «Das erinnert mich an meine Mission in den Streitkräften», sagt die Soldatin, «für mein geliebtes Land zu sorgen».

    Nur wenn Südafrika das Aids-Problem in den Streitkräften in den Griff bekommt, kann es seine hohen außenpolitischen Ziele in Afrika erfüllen. Das Programm sei von strategischer Bedeutung hinsichtlich der Aufgaben bei Friedensmissionen, sagt der stellvertretende Verteidigungsminister George. Südafrika hat 1.250 Soldaten nach Burundi und 1.350 in den Kongo geschickt.

    Nach dem Vorbild des großen Nachbarn hat auch Sambia ein Therapieprogramm für die Streitkräfte gestartet. Dort erhalten bislang mehr als 1.000 Soldaten Aids-Medikamente. Aber noch immer ist HIV mit einem sozialen Stigma versehen, das viele daran hindert, sich auf eine Therapie einzulassen.

    In Mosambik fehlt es nach vielen Jahren des Bürgerkriegs selbst an den erforderlichen Mitteln zur Aids-Diagnose. Deswegen müsse sich das Militärkrankenhaus in Maputo, wo zurzeit 200 Aids-Patienten behandelt werden, verstärkt auf die Prävention konzentrieren, sagt Major Agostinho Afonso und fügt hinzu: «Wir brauchen mehr Hilfe.»

    Yahoo News vom 27. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Tipps zur Begleitmedikation bei HIV-infizierten Patienten

    Experte empfiehlt Mittel mit Ausscheidung über die Niere

    Köln. Etwa die Hälfte der Arzneimittel wird über das Isoenzym CYP3A4 metabolisiert. Da auch die Proteasehemmer und nicht-nukleosidalen Reverse Transkriptasehemmer gegen HIV zum großen Teil über dieses Enzym in der Leber abgebaut werden, können sich nicht nur HIV-Medikamente untereinander, sondern auch HIV-Medikamente und Begleitmedikation gegenseitig verstärken oder abschwächen. Dies ist bei der Therapie HIV-Infizierter zu berücksichtigen.

    Wenn möglich sollten deshalb Begleitmedikamente ausgesucht werden, die über die Niere ausgeschieden werden. Darauf hat kürzlich der niedergelassene HIV-Therapeut Dr. Stefan Christensen aus Münster auf dem 15. Workshop der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter (DAGNÄ) in Köln aufmerksam gemacht.

    So sollten bei antiretroviral behandelten Patienten zum Beispiel von den Antihistaminika Cetirizin, von den Antimykotika Fluconazol und von den Antiepileptika Gabapentin und Valproat bevorzugt werden. Statt trizyklischer Antidepressiva eignen sich Serotonin-Wiederaufnahmehemmer besser als begleitende Medikamente der HIV-Therapie.

    Statt Clarithromycin und Erythromycin sei Azithromycin angezeigt, und bei Migräne sollte bei gleichzeitiger antiretroviraler Therapie mit Triptanen statt mit Ergotaminen behandelt werden. Für eine antihypertensive Therapie sollte auf Kalzium-Antagonisten verzichtet werden. Und: Bei gleichzeitiger HIV-Therapie sind Johanniskraut und Echinacea kontraindiziert.

    Häufig seien auch Dosis-Anpassungen erforderlich, sagte Leonie Meemken, Pharmazeutin am Institut für Infektiologie und Immunologie (ifi) in Hamburg. So müsse bei einer Entzugstherapie mit Methadon auf Entzugserscheinungen geachtet und bei Bedarf die Dosis des Methadons erhöht oder stattdessen mit dem Wirkstoff Buprenorphin entzogen werden.

    Verhüten Frauen mit oralen Kontrazeptiva, kann je nach Protease-Hemmer entweder eine zusätzliche Verhütungsmethode benötigt werden, da die Konzentration der Hormone im Blut verringert sei, oder die Dosis der Hormone müsse gesenkt werden, wenn die Konzentration der Hormone durch die HIV-Therapie erhöht werde.

    Hilfestellung bei Wechselwirkungen, unerwünschten Wirkungen und Auswahl der Begleitmedikation gibt es bei der Hotline des ifi unter der Adresse http://www.ifi-interaktions-hotline.de, auf Englisch mit Medikamentenkombinationen zum Nachprüfen unter der Adresse http://www.hiv-druginteractions.org sowie unter der Adresse http://www.medscape.com/px/hivscheduler

    Ärzte-Zeitung vom 26. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Estland hat höchste HIV-Rate nördlich von Afrika

    Tallinn - Die Gesundheitsbehörden in Estland schlagen Alarm wegen der weiten Verbreitung des HI-Virus' in der baltischen Republik. "Die Ansteckung der Menschen in Estland mit dem Virus ist außer Kontrolle", sagte eine Sprecherin des nationalen Gesundheitsinstituts in Tallinn. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass ein Prozent aller Esten zwischen 15 und 49 Jahren HIV-positiv sind. Damit hat Estland mit seinen 1,4 Millionen Einwohnern die höchste HIV-Rate nördlich von Afrika.

    Am stärksten betroffen sind junge Menschen in der Hauptstadt Tallinn und Russen im Osten der Republik. 65 Prozent der Infizierten sind jünger als 25 Jahre. Insgesamt 4.910 Menschen sind in den offiziellen Statistiken als HIV-positiv registriert, allein in diesem Jahr infizierten sich 468 Menschen neu mit dem Virus. Das Sozialministerium geht von einer noch weit höheren Dunkelziffer aus, die die offiziellen Zahlen um bis zu 60 Prozent übertreffen könnte.

    Yahoo News vom 23. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Russlands Soldaten bekommen Kondome

    Moskau. Die Soldaten in der russischen Armee sollen mit Kondomen ausgestattet werden. Das Verteidigungsministerium will damit der Ausbreitung von AIDS vorbeugen. Auch die Aufklärungsarbeit soll verstärkt werden.

    Seit den 80er Jahren wurden in der Truppe offiziell wurden 2.000 Fälle von HIV-Infizierten festgestellt. Das entspricht knapp einem Prozent der Gesamtzahl in Russland (330.000 Infizierte). Nach der Feststellung einer HIV-Infizierung werden die Betroffenen automatisch aus dem Wehrdienst entlassen. Dies gilt nach Angaben des „Kommersant“ freilich nicht für das Offiziercorps. Angeblich dienen derzeit 20 HIV-infizierte Offiziere in der russischen Armee.

    Mehr Aufklärung über AIDS

    Verstärkt soll nun in der russischen Armee über das Thema AIDS aufgeklärt werden. Freilich heißt es nicht, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen in der Armee toleriert würden. Die Präservative werden nicht zum allgemeinen Verbrauch frei gegeben, sondern in Feldapotheken aufbewahrt. Vor dem Urlaub oder einem freien Wochenende werden sie an die Soldaten ausgegeben.

    Die Äußerung von Igor Bykow, dem Chef des medizinischen Dienstes beim Verteidigungsministerium: „Personen, die in den Sicherheitsorganen dienen, gehören zur Risikogruppe, da sie mobil und jung sind und in Kasernen leben“, klingt in diesem Zusammenhang allerdings schon etwas merkwürdig. In der russischen Armee sind Fälle von Gewalt untereinander keine Seltenheit.

    Russland Aktuell vom 22. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Trotz Resistenzen kann HIV-Therapie wirksam bleiben

    Köln - Je nach dem, wie viele und welche Resistenzen bei HIV-Infizierten bereits bestehen, können trotz resistenter Viren bestimmte Medikamente noch einmal verwendet werden.

    Können sich HI-Viren in Gegenwart von antiretroviralen Medikamenten vermehren, entwickeln sich gegen diese Medikamente resistente Viren, Therapieoptionen gehen verloren. Wie Professor Schlomo Staszewski aus Frankfurt am Main in Köln berichtete, verringern bestimmte Resistenzen die virale Fitness.

    Zudem steigerten sie die Empfindlichkeit des Virus auf manche anderen antiretroviralen Arzneien, so Staszewski beim 15. Workshop der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter.

    Bei Patienten mit Viren, die bereits gegen drei Medikamenten-Klassen resistent sind, müsse die Therapie je nach Resistenzsituation optimiert werden; möglichst seien zwei neue Medikamente hinzuzufügen.

    Möglich sei dies bereits in Studien, denn zurzeit werden sowohl Medikamente aus bekannten Wirkstoffgruppen, die trotz resistenter Viren wirken, und Medikamente mit völlig neuen Wirkansätzen - etwa Korezeptor-Antagonisten, Integrase-Hemmer und Hemmer der Virusreifung - erforscht.

    Ärzte Zeitung vom 20. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Glaxo stoppt Aplaviroc-Studie mit bestimmten Patienten

    New York - Die GlaxoSmithKline plc, London, hat laut einem Zeitungsbericht die Versuche mit ihrem Aidsmittel "Aplaviroc" bei bestimmten Patienten eingestellt. Bei zwei Testpersonen seien schwere Leberschäden aufgetreten, hat das Unternehmen laut "Wall Street Journal" den Schritt begründet. Die Probleme seien bei zwei von 250 nicht vorbehandelten (naiven) Patienten festgestellt worden, zitiert das Blatt Glaxo-Sprecher Rick Koenig. Die Risiken seien bereits mit der US-Gesundheitsbehörde erörtert worden. Man wisse nicht, ob das Symptom in Verbindung mit der Einnahme von "Aplaviroc" stehe, habe sich vorsichtshalber aber für die Einstellung der Prüfphase mit der Testgruppe entschlossen, hieß es vom Unternehmen. Die verbliebenen Testpersonen würden nun noch genauer überwacht.

    Die Studien seien in den USA, Kanada und in der Europäischen Union durchgeführt worden. Es seien weder Todesfälle aufgetreten noch seien Lebertransplantationen erforderlich geworden. Bei "Aplaviroc" handelt es sich um ein Medikament der Klasse der Entry Inhibitoren. Diese verhindern den Eintritt von HIV in die Wirtszelle und damit die Infektion von Zellen.

    Der Schritt sei möglicherweise der "Todesstoß" für die Entry Inhibitoren von Glaxo, zitiert die Zeitung aus einer E-Mail von Martin Delaney, Gründer der in San Francisco ansässigen AIDS-Aktivistengruppe Project Inform. Eventuell sei es sogar eine Bedrohung für die gesamte Klasse dieser Mittel. Derzeit habe Glaxo das Problem zwar nur in der Gruppe der naiven Patienten festgestellt. Doch dies sei medizinisch nicht logisch. Der Unternehmenssprecher widersprach mit dem Hinweis, es sei zu früh für derartige Spekulationen. Glaxo behaupte auch nicht, dass die Nebenwirkungen auf die Gruppe der naiven Patienten beschränkt seien. Man setze die Studie vielmehr fort, um jenen Patienten, für die es nur wenige Behandlungsalternativen gebe, andere Möglichkeiten zu eröffnen.

    The Wall Street Journal vom 19. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    AIDS-Projekte im südlichen Afrika

    Anlässlich des Weltkindertages am 20. September ruft UNICEF zum verstärkten Kampf gegen die weltweite Kinderarmut auf. Bis heute wachsen über 600 Millionen Kinder und Jugendliche in den Entwicklungsländern in absoluter Armut auf. „Jedes Kind hat ein Recht auf Überleben, Entwicklung, Schutz und Beteiligung – gleichgültig wo es aufwächst. Die Verwirklichung der Kinderrechte ist ein entscheidender Beitrag zur Lösung globaler Probleme wie Armut und AIDS“, sagte UNICEF-Schirmherrin Eva Luise Köhler. Insbesondere die Auswirkungen der AIDS-Epidemie auf Kinder werden bis heute unterschätzt. „In Afrika haben bereits 15 Millionen Kinder Vater oder Mutter durch AIDS  verloren. Doch nur ein Bruchteil der betroffenen Kinder bekommt ausreichenden Schutz und Hilfe“, sagte die Frau des Bundespräsidenten. Vom 19.-24. September besucht Eva Luise Köhler in Sambia UNICEF-Projekte für AIDS-Waisen und HIV-infizierte Kinder. Sambia ist eines der am stärksten von der Epidemie betroffenen Länder. Über eine Million Sambier sind infiziert, darunter 100.000 Kinder.

    Am Weltkindertag startet UNICEF auch zum dritten Mal die Suche nach neuen „JuniorBotschaftern“ für Kinderrechte. Schulklassen, Gruppen und einzelne Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sind eingeladen, sich mit fantasievollen Aktionen zum Beispiel zum Thema AIDS zu beteiligen. Mit dem Preis "JuniorBotschafter 2006" zeichnet UNICEF Kinder und Jugendliche aus, die sich beispielhaft für die Rechte ihrer Altersgenossen in der Welt stark machen. Angehende „JuniorBotschafter“ können sich im Internet unter www.juniorbotschafter.de informieren und zum Wettbewerb anmelden.

    1954 beauftragten die Vereinten Nationen UNICEF erstmals mit der Ausrichtung eines Weltkindertages. Neben dem Einsatz für Kinderrechte und Freundschaft unter der nachwachsenden Generation sollten sich die Regierungen einmal im Jahr öffentlich verpflichten, die Arbeit des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen zu unterstützen. Der Weltkindertag wird heute an unterschiedlichen Tagen in mehr als 145 Nationen gefeiert. In Deutschland organisieren Kinder und Jugendorganisationen jedes Jahr am 20. September Demonstrationen, Diskussionen, Straßenfeste und andere öffentliche Veranstaltungen, um auf die Lage der Kinder aufmerksam zu machen. Vor dem Brandenburger Tor in Berlin werden am Dienstag um 12 Uhr Kinder mit Trommeln „Krach schlagen für Kinderrechte“.
     

    UNICEF - Pressemeldung vom 19. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Proteaseinhibitoren während der Schwangerschaft

    Sicherheit und Effektivität von Proteaseinhibitoren während der Schwangerschaft.

    Die Einnahme von PIs während der Schwangerschaft scheint laut Resultaten einer im „Journal of AIDS“ publizierten Studie für Mütter und Kinder sicher, die perinatale Transmissionsrate ist niedrig und die Frühgeburten-Rate vergleichbar mit jener von Frauen mit PI-sparenden Regimes.

    Ein US-Amerikanisches Wissenschafterteam (Morris AB et al) analysierte den Verlauf und Resultate von 233 Schwangerschaften von Frauen unter fünf verschiedenen PIs. Fünf Geburten waren Zwillingsgeburten, eine eine Drillingsgeburt.

    Die perinatale Transmissionsrate betrug 0,9% (2/221; 95% CI 0%-2,2%). Beide HIV-positiven Kinder wurden mittels Kaiserschnitt auf die Welt gebracht (eine elektive Geburt in einer 37. Gestationswoche, eine ungeplante Geburt in der 32. Gestationswoche).
    Die Frühgeburtsrate (<37. Gestationswoche) betrug 22,0 Prozent (95% CI 16,9%-28,0%), darunter drei Zwillings- und die eine Drillingsgeburt. In multiplen Regressionsanalysen konnte keine Assoziation zwischen einer Frühgeburt und einen bestimmten Proteaseinhibitor oder der Initiierung der PI-Therapie in einer bestimmten Gestationswoche gefunden werden.

    Die Wissenschafter konkludieren, dass in dieser Studie die Einnahme von PIs sowohl für die Mütter als auch für den Nachwuchs sicher und effektiv war.

    Quelle: J Acquir Immune Defic Syndr; 2005, 40: 30-33

    MedAustria - AIDS News Line vom 15. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zusammenhang zwischen i.v. Drogenkonsum und Resistenzen

    Keine deutliche Assoziation zwischen intravenösem Drogenkonsum und gesteigerter Inzidenz antiretroviraler Resistenzen.

    Das Risiko der Entwicklung antiretroviraler Resistenzen scheint unabhängig vom Konsum injizierbarer Drogen zu sein. Dr. Evan Wood vom St. Paul’s Hospital in Vancouver, Kanada, und Kollegen beschreiben in ihrer Studie Daten von 1.191 antiretroviral-naiven HIV-infizierten Personen, die zwischen 1996 und 2000 eine hochaktive antiretrovirale Therapie starteten. Während der ersten 30 Behandlungsmonate wurden 298 Resistenzmutationen (25%) registriert.

    Im Vergleich zu Probanden, die keine Drogen spritzten, lag das relative Risiko der Entwicklung einer Protease-Inhibitor-Resistenz für HIV-Positive, die injizierbare Drogen konsumierten, bei 0,9 (95% CI 0,5-1,6). Die Hazard Ratio für NNRTI-Resistenzen lag bei für Drogenkonsumenten bei 1,5 (95% CI 1,0-2,2). Die Inzidenz von NRTI-Resistenzen unterschied sich während der 30 Beobachtungswochen in beiden Gruppen nicht.

    Die Wissenschafter fassen zusammen, dass intravenöser Drogenkonsum anscheinend keinen deutlichen Einfluss auf die Entwicklung antiretroviraler Resistenzen hat.

    Quelle: AIDS; 2005, 19: 1189-1195

    MedAustria - AIDS News Line vom 15. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    AIDS-Stiftung fordert mehr Geld für AIDS-Bekämpfung

    Insbesondere Golfstaaten in der Pflicht.

    Bonn - Zu Beginn des UN-Gipfels vom 14. bis zum 16. September in New York warnte die Deutsche AIDS-Stiftung vor einem Scheitern der Milleniums- Entwicklungsziele. Bei dem Zusammentreffen der Staats- und Regierungschefs soll eine Zwischenbilanz zu den im Jahr 2000 von den Vereinten Nationen formulierten acht Milleniumszielen gezogen werden. Der Termin gilt als Scheidepunkt, an dem sich zeigt, ob bis 2015 die Versprechen an die ärmsten Menschen der Welt eingehalten werden, darunter das Ziel, „die Ausbreitung von AIDS zum Stillstand zu bringen und allmählich umzukehren“.

    „Dies kann nur durch enorme gemeinsame Anstrengungen erreicht werden“, sagte der Geschäftsführende Vorstand der Deutschen AIDS-Stiftung, Dr. Ulrich Heide. „Wie der jetzt veröffentlichte UNDP-Bericht über die menschliche Entwicklung gezeigt hat, hat vor allem AIDS dazu geführt, dass sich die Lage in 18 Ländern, darunter Südafrika und Tansania, seit 1990 keineswegs verbessert, sondern sogar verschlechtert hat. Die Deutsche AIDS-Stiftung teilt daher die Einschätzung des Berichts, dass die internationale Gemeinschaft auf die HIV/AIDS-Gefahr unzureichend reagiert hat“, so Heide.

    „Die reichen Länder müssen ihre Mittel zur globalen AIDS-Bekämpfung dringend aufstocken“, forderte Heide. Insbesondere die Öl exportierenden Staaten am Golf beteiligten sich bislang gar nicht oder völlig unzureichend am Kampf gegen AIDS. Bisher haben Kuwait und Saudi Arabien als einzige Golfstaaten überhaupt Geld für den Global Fund zur Bekämpfung von AIDS, Malaria und Tuberkulose zur Verfügung gestellt: Kuwait eine Million Dollar und Saudi Arabien 6,5 Millionen Dollar. Als dramatisch beurteilte Heide zudem die Tatsache, dass der Global Fund sein Ziel, Mittel in Höhe von 7,1 Milliarden Dollar zu sammeln, verfehlt habe. Auf der Geberkonferenz am 6. September in London haben die Teilnehmerländer für die Jahre 2006 und 2007 nur 3,4 Milliarden Dollar zugesagt. Für neue Projekte fehlten damit die Mittel, sagte der Leiter des UN-Programms zur HIV-Bekämpfung, Peter Piot. Während Frankreich für die beiden Jahre rund 640 Millionen Dollar zugesagt hat, will Deutschland 200 Millionen Dollar beitragen – vorbehaltlich der noch nicht bekannten Haushaltssituation. Kuwait hat keine Mittel in Aussicht gestellt, Saudi Arabien 2,5 Millionen Dollar.

    Die Deutsche AIDS-Stiftung hat im Jahr 2004 internationale Hilfsprojekte, unter anderem in Südafrika und Tansania, mit rund 370.000 Euro gefördert. In die Impfstoffforschung flossen rund 90.000 Euro. Die Einzelhilfen der Stiftung (2004: rund 940.000 Euro) und die Unterstützung nationaler Projekte (2004: rund 610.000 Euro) kamen zu einem steigenden Anteil Migranten aus mehr als 70 Herkunftsländern zugute. „Auch diese Zahlen belegen, dass AIDS in einer globalisierten Welt nicht lokal bekämpft werden kann“, so Heide.

    Deutsche AIDS-Stiftung - Pressemeldung vom 14. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Drogensüchtige mit HCV brauchen Therapie

    Nur zwei Prozent der Patienten werden wegen Hepatitis behandelt / Junge Kranke haben gute Heilungschancen.

    Leipzig - Vor allem Menschen, die sich Drogen spritzen, infizieren sich heute mit Hepatitis-C-Viren (HCV). Noch bis vor kurzem galt, dass die Patienten nur antiviral behandelt werden können, wenn sie über einen langen Zeitraum drogenfrei gelebt haben. Mittlerweile hat hier ein Umdenken stattgefunden.

    In Deutschland gebe es etwa 280.000 Drogenabhängige, von denen etwa 42.000 an einer chronischen Hepatitis C erkrankt seien, so der Internist Dr. Michael Waizmann vom Städtischen Klinikum St. Georg in Leipzig.

    Zurzeit werden von diesen Patienten höchstens zwei Prozent behandelt. Hauptgrund dafür ist, dass sich eine Drogenfreiheit über einen langen Zeitraum in der Realität nur selten erreichen lässt. Will man die Ausbreitung der Hepatitis C jedoch eindämmen, müssen Drogensüchtige antiviral behandelt werden.

    Gerade Drogenabhängige haben gute Heilungschancen. Sie sind meist jung und oft mit den HCV-Genotypen 2 oder 3, die sich gut eliminieren lassen, infiziert. Voraussetzung für die halbjährige Therapie mit pegyliertem Interferon-alfa und Ribavirin ist nach Angaben von Waizmann, dass die Suchtkranken stabil substituiert sind, etwa mit Methadon.

    Weiterhin sollten die Patienten ein gutes Verhältnis zum Arzt haben und eine hohe Eigenmotivation für die Therapie mitbringen. Häufig kommen die für eine Therapie in Frage kommenden Patienten von sich aus auf den Arzt zu, um sich nach Behandlungsmöglichkeiten zu erkundigen, wie Waizmann auf dem von der Falk Foundation e. V. unterstützen Patientenforum in Leipzig gesagt hat.

    Eine Therapie erfolgt dann unter strenger Kontrolle. Die Patienten müssen täglich in der Ambulanz erscheinen und erhalten dort außer Methadon auch das täglich einzunehmende Ribavirin, in einer Dosis von 800 mg.

    Pegyliertes Interferon-alfa wird, wie bei nicht drogenabhängigen Hepatitis-C-Patienten auch, einmal wöchentlich gewichtsadaptiert gespritzt. Die Therapie erfolgt insgesamt über einen Zeitraum von 24 Wochen. Im Städtischen Klinikum St. Georg werden so im Moment etwa 60 Drogensüchtige therapiert.

    Ärzte-Zeitung vom 12. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neuer Angriffspunkt gegen HIV

    Maturationsinhibitoren bestehen Reifeprüfung

    von Christian Hoffmann

    Hamburg - PA-457 ist ein Derivat der Betulinsäure, die als Triterpencarbonsäure aus Birkenrinde isolierbar ist. Hergestellt von der Biotechnologie-Firma Panacos, hemmt PA-457 die HIV-Replikation in einer sehr späten Phase des HIV-Vermehrungszyklus, nämlich bei der Knospung bzw. Reifung neuer Virionen. Durch PA-457 wird die Umwandlung des Kapsid-Precursor (p25) in das reife Kapsid-Protein (p24) gehemmt, weshalb PA-457 auch als Reifungshemmer bzw. Maturationsinhibitor bezeichnet wird. Durch die Reifungshemmung entstehen nicht infektiöse Viren. Aufgrund seines neuartigen Wirkmechanismus wirkt PA-457 auch gegen resistente Viren.

    Nachdem Anfang 2005 die ersten Ergebnisse einer kleinen Studie an HIV-Patienten veröffentlicht worden waren [1,2], ging die Firma jetzt mit Ergebnissen einer randomisierten, doppelblind placebokontrollierten IIa-Studie an die Öffentlichkeit [3]. Diese lief seit Dezember 2004 an unbehandelten Patienten. Die Patienten erhielten über 10 Tage eine orale, einmal tägliche Monotherapie mit PA-457 in unterschiedlichen Dosierungen. Im 200 mg Arm, der höchsten Dosierung, wurde im Median ein Absinken der Viruslast von 1.03 Logstufen erreicht, in der 100 mg Gruppe immerhin noch 0.48 Logstufen. Ebenfalls erfreulich: Die Substanz hat eine lange Halbwertzeit, die einmal tägliche Gabe wird auf jeden Fall möglich sein. Bislang wurde PA-457 gut vertragen. Resistenzen traten nicht auf, allerdings scheint eine einzige Mutation im Gag-Zielgen eine Resistenz auslösen zu können.

    Fazit: Maturationsinhibitoren sind zweifellos eine interessante neue Substanzklasse. Sie müssen jetzt den steinigen Weg der Phase IIb/Phase III-Studien gehen, und ob es PA-457 als Prototyp dieser Klasse jemals in die Klinik schaffen wird (was ohnehin frühestens 2007/2008 der Fall sein dürfte) bleibt völlig unklar. Spannend ist jedoch schon jetzt zu sehen, dass HIV nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch von einer neuen Seite attackiert werden kann. Anderseits: HIV wird vermutlich auch hier eine Möglichkeit finden, sich der Wirkung dieser Substanzen zu entziehen.

    Literatur
    1. Martin D, Jacobson J, Schurmann D, et al. PA-457, the first-in-class maturation inhibitor, exhibits antiviral activity following a single oral dose in HIV-1-infected patients. Abstract 159, 12th CROI 2005, Boston.
    2. Martin D, and others. The safety, tolerability, and pharmacokinetics of multiple oral doses of pa-457, the first-in-class HIV maturation inhibitor, in healthy volunteers. Abstract 551. 12th CROI 2005, Boston.
    3. Pressemitteilung unter http://www.panacos.com/ir_press_rele ases/pr_08_22_05.htm

    HIV.NET Nachrichten vom 7. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Russland verdoppelt seinen Beitrag zum Global Fond

    Russland wird in den Jahren 2005 bis 2008 seinen Beitrag zum Globalen Fonds zur Bekämpfung von HIV/AIDS, Tuberkulose und Malaria verdoppeln.

    Das erklärte der Chef der russischen Delegation und Botschafter Russlands in Großbritannien, Juri Fedotow, am Dienstag bei einem Treffen hoher Ebene im Rahmen des Globalen Fonds, das in London stattfindet.

    "Im Kontext der Ziele der Millennium-Entwicklung will Russland seine Beteiligung an der internationalen Geber-Zusammenarbeit im Interesse der am wenigsten entwickelten Länder erweitern", bemerkte der Diplomat.

    So wird der russische Beitrag zum Globalen Fonds in den Jahren 2005 bis 2008 auf Beschluss der russischen Regierung verdoppelt. Russland wird für die Belange des Fonds zusätzlich 20 Millionen US-Dollar, darunter fünf Millionen US-Dollar bis Ende dieses Jahres überweisen.

    Nach Meinung des Chefs der russischen Delegation entspricht das Niveau der Beteiligung des Privatsektors an der Tätigkeit des Globalen Fonds (vier Prozent der Gesamtsumme der Verpflichtungen aller Geber) nicht den realen Möglichkeiten der Geschäftskreise in den Geberländern.

    "Wir unterstützen in diesem Zusammenhang Schritte zum Ausbau der finanziellen Beteiligung des Privatsektors an den Projekten des Globalen Fonds und begrüßen die vorgestellte Strategie des Privatsektors zur Mobilisierung zusätzlicher Mittel für den Globalen Fonds", sagte Fedotow.

    Er übermittelte ferner den Dank der russischen Seite für das Angebot des Fonds, Russland bei der Bekämpfung der Krankheiten, die für die Bevölkerung eine ernste Gefahr darstellen, technische und beratende Hilfe zu erweisen.

    Russland ist sowohl Geber als auch Empfänger von Mitteln aus dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von HIV/AIDS, Tuberkulose und Malaria.

    Russland Online vom 7. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neues Ziel im Kampf gegen HI-Viren entdeckt

    Forscher am Universitätsklinikum Heidelberg zeigen: Neue Substanz stört den Aufbau der Virushülle im Reagenzglas

    Einen Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer HIV-Medikamente haben Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg entdeckt. In Laborexperimenten gelang es ihnen erstmals, mit einem Eiweißbruchstück (Peptid) den Zusammenbau der Proteinhülle von Virusteilchen zu verhindern, sowie die genaue Angriffsstelle dieses Peptids zu ermitteln. Die viel versprechenden Arbeiten unter Federführung von Professor Dr. Hans-Georg Kräusslich, Direktor der Abteilung Virologie des Universitätsklinikums Heidelberg, wurden jetzt vorab online von der renommierten Fachzeitschrift "Nature Structural and Molecular Biology" veröffentlicht.

    Weltweit leben etwa 40 Millionen Menschen mit einer HIV-Infektion. Im Jahr 2004 kamen rund 5 Millionen Neuinfektionen dazu, 3 Millionen Betroffene starben an der Immunschwächekrankheit AIDS. Und die Zahlen steigen. Neue Medikamente sind notwendig, denn: Eine HIV-Infektion ist immer noch nicht heilbar und das Virus entwickelt schnell Resistenzen gegen die eingesetzten Mittel.

    Zusammenbau von Virusteilchen als Ziel für alternative Wirkstoffe

    Der Angriff von Viren und ihre Vermehrung im menschlichen Körper läuft in verschiedenen Phasen ab, in denen das Virus unterschiedliche Werkzeuge benutzt - für Forscher potentielle Angriffspunkte, um Medikamente gegen die Eindringlinge zu entwickeln.

    Die Heidelberger Wissenschaftler haben einen bestimmten Schritt im Vermehrungszyklus von HIV untersucht, und zwar den Zusammenbau neuer Virusteilchen in infizierten Zellen. Nachdem der Eindringling sich innerhalb der Wirtszelle vermehrt hat, verlassen die noch unreifen Viruspartikel die Zelle. Sie besitzen eine Eiweißhülle, die aus dem so genannten Gag-Protein aufgebaut ist. Außerhalb ihrer Wirtszelle lösen die Viren diese Proteinhülle auf und bilden durch komplexe Umbauprozesse ihre reife und infektiöse Struktur. Nach dieser Reifung umhüllt ein veränderter Eiweißmantel, das so genannte Capsid, die Erbinformation und wichtige Eiweißstoffe des Virus.

    "Mit Hilfe einer neuen Substanz konnten wir sowohl den Aufbau der unreifen Gag-Hülle als auch den des Capsids im Reagenzglas verhindern", fasst Professor Kräusslich die Ergebnisse zusammen. Das Peptid, der "capsid assembly inhibitor" (CAI), bindet an eine bestimmte Struktur des Gag-Proteins und stört so die Bildung von unreifen und reifen Virusteilchen.

    Strukturanalysen zeigen, wie das Peptid an der Virushülle andockt

    Ein weiterer Erfolg der Wissenschaftler und ihrer Kooperationspartner: Mittels Röntgenuntersuchungen konnten sie die dreidimensionale Struktur des Komplexes aus CAI-Peptid und Gag-Protein beschreiben und damit die Angriffsstelle der Peptid-Substanz an der Virushülle darstellen - ein neuer Einblick in den molekularen Aufbau von HIV-Partikeln.

    Leider können die Forscher die Substanz CAI nicht direkt als Medikament einsetzen, da sie von Zellen nicht aufgenommen wird. "Unsere Labor-Ergebnisse zeigen jedoch einen neuen Angriffspunkt gegen HIV. Sie bilden die Grundlage, um gezielt nach Wirkstoffen mit diesem Angriffspunkt zu suchen und so neue HIV-Medikamente zu entwickeln", erklärt Professor Kräusslich die Bedeutung der Arbeit.

    Universitätsklinikum Heidelberg -Pressemitteilung vom August 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aids-Bekämpfung auf die lange Bank?

    Deutsche Zurückhaltung bei internationaler Geberkonferenz.

    Heute beginnt in London eine internationale Geberkonferenz des GLOBALEN FONDS ZUR BEKÄMPFUNG VON AIDS, TUBERKULOSE UND MALARIA. Die Konferenz wird von UN-Generalsekretär Kofi Annan geleitet. Die gastgebende britische Regierung kündigte bereits im Vorfeld eine Verdoppelung ihres Beitrags zum Globalen Fonds an. Die Bundesregierung nannte bislang keine konkreten Zahlen zur weiteren Unterstützung des Fonds. Anders als andere Länder wird Deutschland nicht durch eine Ministerin vertreten sein.

    „Wenn die Bundesregierung auch dieses Mal keine weitere Unterstützung zusagt, schiebt sie die Hilfe für Aids-Kranke erneut auf die lange Bank“, sagte Dr. Rainward Bastian vom Aktionsbündnis gegen AIDS. Die bevorstehende Wahl darf keine Entschuldigung sein. Dass die Aids-Arbeit intensiviert werden muss, ist Konsens zwischen allen Parteien. „Deutschland fällt immer weiter hinter dem Engagement anderer Länder zurück. Es geht dabei nicht nur um Geld. Wir wünschen uns, dass Deutschland einen eigenen Sitz im Vorstand des Globalen Fonds einnimmt, um direkt an der politischen Steuerung mitzuwirken. Wir sind enttäuscht, dass Deutschland bei diesem für die Aids-Bekämpfung zentralen Treffen nicht auf Ministerebene vertreten sein kann.“

    Damit der Globale Fonds 2006 und 2007 bestehende und neue Gesundheitsprojekte fördern kann, müssen die internationalen Geber für die beiden Jahre 7,1 Milliarden US-Dollar (5,7 Milliarden Euro) aufbringen. Die Bundesregierung sieht bislang vor, die Arbeit des Globalen Fonds 2006 und 2007 mit 72 Millionen Euro bzw. 73,5 Millionen Euro zu unterstützen. Die Beitragszusagen der britischen Regierung sind doppelt so hoch. Die französische Regierung sagte für 2006 196 Millionen Euro, für 2007 295 Millionen Euro zu. Nach Berechnungen des Globalen Fonds, die von der wirtschaftlichen Leistungskraft der Geberländer ausgehen, sollte Deutschlands jährlicher Beitrag 170 Millionen Euro nicht unterschreiten.

    Das Aktionsbündnis gegen AIDS ist ein Zusammenschluss von über 90 kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen der Aids- und Entwicklungszusammenarbeit sowie mehr als 260 Basisgruppen. Gemeinsam wollen sie Politik und Pharmaindustrie stärker in die Verantwortung für den Kampf gegen HIV/Aids nehmen. Der Ausbau der finanziellen Ressourcen zur weltweiten HIV-Prävention und Aids-Bekämpfung und der weltweite Zugang zur Therapie sind die zentralen Anliegen der Kampagne des Bündnisses.

    Aktionsbündnis gegen AIDS - Pressemeldung vom 5. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Globaler Aids-Fonds streicht finanzielle Hilfen für Uganda

    Genf. Die Förderer des „Global Fund to Fight Aids, Tuberculosis and Malaria“ haben bis auf weiteres ihre finanzielle Hilfe für Uganda eingestellt. Ein Sprecher des Fonds aus Genf begründete dies mit „Missmanagement“ der an Uganda gezahlten Gelder für die Aids-Prävention. Uganda galt lange Zeit als afrikanisches Vorbild beim Kampf gegen die Imunschwächekrankheit.

    Uganda erhielt in den vergangenen Jahren vom Global Fund rund 37 Millionen Euro an finanzieller Hilfe. Dieses Geld war für die Bekämpfung von HIV-Infektionen und Aids gedacht. Eine Prüfung vor Ort durch Mitarbeiter des Global Fund ergab, dass ein Teil der Summe verschwunden ist. Bislang unklar ist, um wie viel Geld es sich handelt. Einem Bericht der Londoner Tageszeitung „Financial Times“ zufolge wird von „bedeutenden Beträgen“ ausgegangen. Unregelmäßigkeiten seien auch beim Umtausch der in US-Dollar gezahlten Hilfen in die Landeswährung Ugandas vorgekommen. Umgerechnet mindestens 240 000 Euro sollen durch künstlich verfälschte Wechselkurse verloren gegangen sein.

    Ärzte in Uganda wiesen darauf hin, dass es ohne das Geld schwer sein werde, die begonnene Arbeit im Kampf gegen die Immunschwäche weiter fortzusetzen. Diverse gesundheitliche Aufklärungs- und Präventionskampagnen seien gefährdet. Außerdem fehle Uganda das Geld, um Kombinationsarzneimittel einzukaufen. Das werde schon bald viele Patientenleben kosten.

    Ein Sprecher des Global Fund betonte, es blieben alle finanziellen Hilfen für Uganda so lange eingefroren, bis sichergestellt sei, dass das Geld richtig eingesetzt werde und direkt der Patientenversorgung zu gute komme. Andere afrikanische Staaten beobachten die Entwicklung mit großem Interesse, da auch sie regelmäßig Millionenbeträge aus Genf erhalten.

    Deutsches Ärzteblatt vom 2. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    10 Jahre "Lauf für mehr Zeit"

    Um für den ambulanten Pflegedienst der AIDS-Hilfe Frankfurt Geld zu sammeln, werden am Sonntag, 11. September, beim "Lauf für mehr Zeit" Leistungssportler, Hobbyläufer, Politiker, Senioren, Kinder und so mancher Hund 5000 Meter durch die Innenstadt laufen. 1562 Läufer und Walker sind bereits angemeldet, die Teilnahmegebühr beträgt 10 Euro. 82 sind Sponsoren-Läufer, die vor dem Wettlauf versuchen, möglichst viele Spenden zu sammeln.

    Die Veranstaltung, für die Oberbürgermeisterin Petra Roth die Schirmherrschaft inne hat, feiert dieses Jahr ihr zehnjähriges Bestehen, die AIDS-Hilfe Frankfurt wird 20 Jahre alt.

    Die Strecke führt von der Alten Oper über den Eschenheimer Turm zur Konstablerwache, dann über die Zeil und die Fressgass zurück zum Opernplatz. Die Straßen entlang der Strecke werden von 16.45 bis 18 Uhr gesperrt. Die Busse der Linie 36 werden zu denselben Zeiten die Haltestellen Bornwiesenweg und Eschenheimer Tor nicht anfahren.

    Anmeldungen sind noch bis zum 6. September möglich. Spontane können sich am Tag des Laufes von 13 bis 16 Uhr registrieren lassen. Informationen gibt es bei Verkaufsstellen der Verkehrsgesellschaft und unter www.lauf-fuer-mehr-zeit.de

    Frankfurter Rundschau vom 2. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    ICAAC verschoben

    Katrina und ihre Folgen.

    von Christian Hoffmann

    Hamburg - Hurricane Katrina hat nicht nur einen ganzen Landstrich unter Wasser gesetzt, sondern auch dafür gesorgt, daß die für Ende September in New Orleans anberaumte ICAAC-Konferenz (Interscience Conference on Antimicrobial Agents and Chemotherapy) verschoben werden mußte. Die ICAAC findet nun, wie jetzt zu erfahren ist, vom 16. bis 19. Dezember in Washington im Convention Center statt.

    Auch die Termine für die wichtigste AIDS-Konferenz im Jahr, die 13. Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections (kurz CROI), stehen nun endlich fest. Wie immer im letzten Moment bekannt geworden, findet die CROI vom 5-9. Februar 2006 im Colorado Convention Center (und damit erstmalig) in Denver statt. Für ambitionierte, schnell entschlossene HIVNET-Leser: die Deadline für die Einreichung von Abstracts ist der 13. Oktober 2005. Die nächste CROI beginnt damit übrigens unmittelbar im Anschluss an die 11. Münchner AIDS-Tage, die vom 3. bis zum 5. Februar 2006 gehen. In Kürze dazu an dieser Stelle mehr.

    HIV.NET Nachrichten vom 1. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Preisvorteile durch neue Packungsgröße von Viramune

    Seit dem 1. September 2005 bietet Boehringer Ingelheim das Aids-Medikament Viramune® (Wirkstoff: Nevirapin) neben der bisher verfügbaren Ein-Monatspackung (N1) mit 60 Tabletten auch als Zwei-Monatspackung (N2) mit 120 Tabletten an. Dadurch verringern sich die Zuzahlungskosten für die Patienten jährlich um 50 Prozent. Darüber hinaus ist die neue Packungsgröße um ein Prozent preisgünstiger als die Summe von zwei Einzelpackungen.

    Für viele Patienten geht die HIV-Infektion mit sozialen Problemen und finanziellen Nöten einher. Mit dem Angebot einer neuen Packungsgröße von Viramune® und der damit verbundenen Halbierung der jährlichen Zuzahlungskosten möchte Boehringer Ingelheim die Betroffenen unterstützen.

    Boehringer Ingelheim - Pressemitteilung vom 1. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Mangelnde Adhärenz bei HIV-positiven Jugendlichen

    Eine US-amerikanische Studie beschreibt für HIV-positive Jugendliche eine unzureichende Adhärenz am antiretroviralen Therapieplan und eine dadurch resultierende negative Beeinflussung des Krankheitsverlaufs.

    Dr. Debra A. Murphy von der University of California in Los Angeles und Kollegen untersuchten bei 321 HIV-positiven Jugendlichen im durchschnittlichen Alter von 18,4 Jahren (72,7 % weiblich, 74,9 % afroamerikanisch) die longitudinale Adhärenz am jeweiligen Therapieplan.

    Nur rund 69 Prozent der Probanden gab bei Aufnahme in die Studie an, im vorausgegangenen Monat adhärent gewesen zu sein. Bei adhärenten Jugendlichen war die Viruslast deutlich niedriger. Ein fortgeschrittenes HIV-Stadium und hoher Alkoholkonsum waren mit einer schlechteren Adhärenz assoziiert.

    Bei den 65 Jugendlichen, die initial adhärent waren, betrug die mittlere Zeit bis zur Non-Adhärenz 12 Monate. Bei 50 Prozent der Patienten, deren Viruslast zu Beginn der Studie nicht nachweisbar war, stieg diese nach 12 Monaten über die Nachweisgrenze. Ein jüngeres Alter und Depressionen waren mit einer signifikant früheren Non-Adhärenz assoziiert.

    Die oben beschriebenen Studienresultate unterstreichen die Notwendigkeit einer Assistenz HIV-positiver Jugendlicher zu einer dauerhaften Adhärenz am Therapieregime und –plan.

    Quelle: Arch Pediatr Adolesc Med; 2005, 159: 764-770

    MedAustria - AIDS News Line vom 1. September 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zu wenige Kinder haben eine Chance

    Weltweit leben heute nach Angaben der Vereinten Nationen 2,2 Millionen Kinder mit HIV/Aids, 88 Prozent von ihnen in Afrika. Doch im Gegensatz zu den Kindern in den reichen Nationen haben sie kaum Überlebenschancen. Es fehlt an geeigneten Tests und Arzneimitteln, und so erhalten viel zu wenige Kinder in ärmeren Ländern eine Behandlung.

    ÄRZTE OHNE GRENZEN behandelt derzeit weltweit rund 3.000 Kinder mit lebensverlängernden antiretroviralen Medikamenten. Diese hemmen die Vermehrung der Viren. In einer Studie haben wir die Behandlungsresultate von 1.840 Kindern in elf Ländern analysiert [1]. Die Chance zu Überleben lag nach sechs Monaten Behandlung bei 94 Prozent und nach 24 Monaten noch bei 91 Prozent. Dies sind sehr gute Ergebnisse, die zeigen, dass Behandlung von Kindern in ärmeren Ländern erfolgreich durchgeführt werden kann. Dennoch müssen wir mehr tun: Wir behandeln fast nur Kinder, die über 18 Monate alt sind, obwohl wir wissen, dass die Sterblichkeit bei unbehandelten Säuglingen besonders hoch ist. Dies liegt daran, dass es keine geeigneten HIV-Tests gibt. Wir wollen mehr Kinder behandeln, aber es gibt Probleme mit den Medikamenten.

    Mangelnde Diagnostik, unzureichende Arzneimittel

    Voraussetzung für die antiretrovirale Therapie ist die Diagnose einer HIV-Infektion. Bei Kindern bis 18 Monaten muss der Virus direkt im Blut nachgewiesen werden. Dies ist in Industrieländern kein Problem, doch unter den einfachen Bedingungen in ärmeren Ländern nicht ohne weiteres durchführbar: Der Virusnachweis erfordert teure High-Tech-Laborgeräte, teure Lösungsmittel und Enzyme, regelmäßige Stromzufuhr und gut ausgebildetes Personal. Ohne einen einfachen Test, der auch für Kinder unter 18 Monaten einsetzbar ist, können wir nur spekulieren, ob ein Baby behandelt werden muss.

    Doch selbst wenn klar ist, dass ein Kind HIV-positiv ist, bleibt die Behandlung eine Herausforderung: Es mangelt an kindgerechten antiretroviralen Medikamenten, die auch in ärmeren Ländern einsetzbar sind. Die Hersteller haben Sirups und Pulver entwickelt, was die Behandlung aidskranker Kinder möglich macht. Dennoch haben Sirups und angerührte Pulver gerade in Entwicklungsländern ihre Tücken. Sie müssen nach dem Öffnen gekühlt werden – in ärmeren Ländern ist ein Kühlschrank jedoch nicht selbstverständlich. Da mehrere Medikamente kombiniert werden müssen und es keinen Sirup mit mehreren Wirkstoffen gibt, müssen die Kinder große Volumen zu sich nehmen. Auch die Dosierung ist schwierig. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) empfehlen daher die Verwendung von Tabletten oder Kapseln, sobald das Kind feste Nahrung zu sich nehmen kann. Das Problem ist aber, dass es bislang keine für Kinder dosierten Aids-Tabletten gibt. Manche Tabletten lassen sich aber nicht einmal teilen, und selbst die Dosis geteilter Tabletten ist für viele noch zu hoch.

    Teure Medikamente und zu wenig Forschung

    Eine weitere Hürde bei der Therapie von HIV-positiven Kindern ist, dass die wenigen für Kinder zur Verfügung stehenden Medikamente teurer sind als die Arzneimittel für Erwachsene. So kann die Behandlung eines bis zu zehn Kilogramm schweren Kindes bis zu 816 US-Dollar jährlich kosten, während die gleiche Behandlung für einen Erwachsenen mit nur 182 US-Dollar pro Jahr veranschlagt wird. Es ist offensichtlich, dass die meisten pharmazeutischen Unternehmen wenig Interesse an der Produktion von Kinderdosierungen haben. Schließlich gibt es nur wenige Kinder mit HIV/Aids in den Industrieländern, und der große Markt in den Entwicklungsländern scheint nicht genügend profitabel für sie.

    Wir fordern daher, dass die Behandlung von Kindern mit HIV/Aids eine größere Priorität erhält und dass gleichwertige Behandlung von Kindern und Erwachsenen ein erklärtes Ziel aller Therapieprogramme wird. Die Bundesregierung engagiert sich hauptsächlich in der HIV-Prävention und noch zu wenig für Behandlung. Zudem ist Deutschland in der HIV/Aids Bekämpfung durch wenig ambitiöse Zielsetzungen und mäßige finanzielle Beiträge in den „Global Fund against Aids, Tuberculosis and Malaria“ eher eines der Schlusslichter unter den Industrieländern. Deutschland könnte gerade in der Forschung einen wichtigen Beitrag leisten, zumal die Rede von Steigerungen der Entwicklungshilfe- und Forschungsetats ist. Und pharmazeutische Firmen müssen es sich zur dringenden Aufgabe machen, kindgerechte Darreichungsformen ihrer Medikamente zu erschwinglichen Preisen herzustellen.

    [1] Die Studie wurden im Juli 2005 in Rio de Janeiro vorgestellt und untersucht die Länder Burkina Faso, China, Guatemala, Honduras, Kambodscha, Kenia, Laos, Malawi, Mosambik, Thailand, Uganda

    ÄRZTE OHNE GRENZEN - Newsletter August 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    JugendFilmTage zum Thema AIDS erstmals in Lübeck

    Zum ersten Mal werden in Lübeck am 15. und 16. November 2005 die JugendFilmTage zu den Themen Sexualität, Liebe, Freundschaft & HIV/AIDS durchgeführt.

    Die Lübecker AIDS-Hilfe e.V. , pro familia Lübeck und das Jugendkulturhaus Röhre zeigen mit Unterstützung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im Filmpalast CineStar sechs verschiedene Filme zu den Themen.

    Für das schleswig-holsteinweite Projekt, das von November 2005 bis April 2006 an 11 verschiedenen Orten stattfindet, hat Herr Ministerpräsident Carstensen die Schirmherrschaft übernommen. Schüler und Schülerinnen ab 14 Jahren sind eingeladen, die Filme "Sommersturm", "Kick it like Beckham", "Fickende Fische", "Crazy", "East is East" oder "Raus aus Amal" anzusehen. Vor und nach den Filmen motivieren Mitmach-Aktionen die Schüler und Schülerinnen, sich persönlich und mit viel Spaß mit den Themen auseinanderzusetzen.

    Alle Schulklassen sind zusätzlich eingeladen, an Lübecks Fotowettbewerb zu den Themen Sexualität, Liebe, Freundschaft & HIV/AIDS teilzunehmen.

    Für die Lehrer und Lehrerinnen bieten die Veranstalter im Vorfeld der Aktionen einen Workshop an. Programmflyer gibt es in allen Schulen und bei den Veranstaltern. Anmeldungen und weitere Informationen bei: pro familia, Aegidienstraße 77, Tel.: 0451 / 623309

    HL-live –  Lübecker AIDS-Hilfe - Meldung vom 29. August 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Fortschritte bei der Entwicklung neuer HIV-Medikamente

    Entry-Inhibitoren wie Aplaviroc (873140) von GlaxoSmithKline (GSK) stellen einen völlig neuen Wirkmechanismus innerhalb der antiretroviralen Medikamente dar. Sie binden an den Co-Rezeptor CCR5 auf der Oberfläche der Immunzellen, der für den Eintritt des Virus in die Zelle und die HIV-Infektion von entscheidender Bedeutung ist.

    "Die Verfügbarkeit eines oralen Entry-Inhibitors ist eine wichtige Behandlungsoption für HIV-Infizierte", sagt Dr. Joseph Eron, Professor für Medizin an der Universität von North Carolina in Chapel Hill und Direktor des UNC AIDS Clinical Trials Unit. "Es ist unbedingt notwendig, dass Unternehmen wie GSK ihre Forschungen fortsetzen, damit mehr antiretrovirale Arzneien zur Verfügung stehen, die unterschiedliche Wirkmechanismen haben oder eine höhere Wirksamkeit und bessere Verträglichkeit zeigen."

    Aplaviroc verändert die Gestalt des Rezeptors und verhindert die Bindung des HI-Virus an den CCR5-Co-Rezeptor. Der virale Eintritt in die Zelle und die Infektion mit CCR5 nutzenden HI-Viren sind somit blockiert.

    Auf einem GSK-Satellitensymposium in Rio de Janeiro im Rahmen des IAS-Kongresses wurden die Fortschritte von GSK in der Entwicklung neuer HIV-Medikamente erläutert. Resistenzen gegen antiretrovirale Arzneien sind einer der Hauptgründe für das Versagen medikamentöser HIV-Therapien und ein Grund für erhöhte Sterblichkeit. Um der Nachfrage nach neuen HIV-Medikamenten nachzukommen, entwickelt GSK Wirkstoffe, die auch gegen bislang resistente Virusstämme wirken können.

    Zusätzlich zu Aplaviroc befindet sich das Präparat 640385, ein Protease-Inhibitor der nächsten Generation, in Phase II der Entwicklung. Das Präparat 695634, ein nicht-nukleosidartiger Reverse-Transkriptase-Inhibitor (NNRTI) der nächsten Generation, befindet sich ebenfalls in Phase II der Entwicklung. Diese beiden Präparate sind zur Behandlung von Patienten vorgesehen, deren HI-Viren gegen mehrere antiretrovirale Medikamente resistent geworden sind.

    GlaxoSmithKline – Pressemitteilung vom August 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Wird die Eradikation von HIV doch möglich?

    Valproinsäure im Kampf gegen die latenten Reservoire. Forschergruppe aus Dallas sorgt mit Pilotstudie für Aufsehen.

    von Christian Hoffmann

    Hamburg - Die Eradikation, also die Eliminierung sämtlicher HI-Viren aus dem menschlichen Körper, ist offensichtlich wieder ein Thema. Dabei war der Begriff jahrelang ein Unwort in der HIV-Medizin: Bisher war man davon ausgegangen, daß die Eradikation mit herkömmlicher HAART angesichts der Langlebigkeit latent infizierter Zellreservoire grundsätzlich nicht möglich wäre. In der wohl meistzitierten Studie wurde bei 62 Patienten, deren Viruslast sieben Jahre unter HAART erfolgreich supprimiert war, eine Halbwertszeit von 44,2 Monaten für das latent infizierte Zellreservoir berechnet [1]. Die Zeit bis zur vollständigen Eliminierung dieser Reservoire lag damit bei 73,4 Jahren. Selbst in einer selektierten Gruppe von Patienten, in der während mindestens drei Jahren stabiler HAART kein einziger Blip (vorübergehender Viruslastanstieg) messbar war, ergab sich immer noch eine Eradikationszeit von 51,2 Jahren. Weitere Studien zeigten, daß latent infizierte Reservoire aus heterogenen Zellpopulationen bestehen, deren Stabilität wahrscheinlich sogar unabhängig von einer residuellen Virusreplikation ist. Wahrscheinlich würde deshalb auch eine intensivere HAART und sogar eine komplette Inhibition der Virusreplikation nicht ausreichen, um HIV zu eradizieren [2,3]. Darüber hinaus waren diverse Versuche fehlgeschlagen, die Reservoire mit Immunaktivatoren wie zum Beispiel IL-2 auszuschwemmen [4-6].

    In der aktuellen Ausgabe vom Lancet [7] berichtet nun eine Forschergruppe aus Dallas von einem neuartigen Ansatz - mit einem alten Medikament: Valproinsäure, ein weltweit eingesetztes Antiepileptikum, ist ein Inhibitor der Histon-Deacetylase 1 (HDAC1). Dieses Enzym vermittelt Chromatin-Remodeling, die Unterdrückung viraler Genexpression und die Produktion von Virionen. Wie Vorarbeiten gezeigt hatten, führt die Blockade von HDAC1 zu einer Ausschwemmung von HIV aus ruhenden T-Zellen.

    Untersucht wurden in dieser kleinen Pilotstudie jetzt vier HIV-infizierte Patienten, bei denen das Virus unter HAART über mindestens zwei Jahre supprimiert war. Die Patienten erhielten jeweils 50-100 mg Valproinsäure zweimal täglich über drei Monate - im Vergleich zur Epilepsiebehandlung relativ geringe Dosen. Um die HAART noch zu intensivieren und um die durch Valproinsäure freigesetzten Viren theoretisch gleich "abzufangen", wurde der Therapie noch der Entry-Inhibitor T-20 drei Wochen vor und während der Gabe von Valproinsäure hinzugefügt. Mit sehr komplizierten Methoden wurde vor und während der Behandlung (die im Übrigen gut vertragen wurde) die Zahl der infizierten, ruhenden CD4-Zellen gemessen. Ergebnis: Während die Zahl unter der herkömmlichen HAART konstant blieb, nahm sie bei drei der vier Patienten unter Valproinsäure signifikant ab, und zwar um 68 %, 72 % und um mehr als 84 %. Die Halbwertszeit der latent infizierten Zellen sank somit auf 2-3 Monate, verglichen mit den aus anderen Studien ermittelten 44,2 Monaten unter klassischer HAART [1] und 10 Monaten unter intensivierter HAART [2].

    Was sagen uns nun diese Ergebnisse? Zunächst einmal gilt es scharf auf die Euphoriebremse zu treten. Es werden, wie so oft, mehr neue Fragen aufgeworfen als beantwortet. Die wichtigsten: Ist der virologische Effekt wirklich auf Valproinsäure zurückzuführen, ist er - angesichts gerade einmal dreier Patienten - reproduzierbar? Gilt er auch für andere Zellkompartimente als das Blut und warum war er nur bei drei von vier messbar? Hier kann derzeit nur spekuliert werden.

    In einem begleitenden Kommentar [8] zu der Studie formulierte es Jean-Pierre Routy vom Royal Victoria Hospital in Montreal denn auch noch so verhalten wie möglich: "Dies ist der erste flüchtige Blick auf einen neuen therapeutischen Ansatz, der einen möglichen Schritt darstellen könnte, daß HIV nicht länger eine chronische Krankheit ist." Man darf jedoch gespannt sein auf die zahllosen Studien, die nun mit Sicherheit in den kommenden Monaten folgen werden...

    Literatur
    1. Siliciano JD, Kajdas J, Finzi D, et al. Long-term follow-up studies confirm the stability of the latent reservoir for HIV-1 in resting CD4+ T cells. Nat Med 2003; 9:727-8.
    2. Ramratnam B, Ribeiro R, He T, et al. Intensification of antiretroviral therapy accelerates the decay of the HIV-1 latent reservoir and decreases, but does not eliminate, ongoing virus replication. J Acquir Immune Defic Syndr 2004; 35:33-7.
    3. Strain MC, Gunthard HF, Havlir DV, et al. Heterogeneous clearance rates of long-lived lymphocytes infected with HIV: intrinsic stability predicts lifelong persistence.
    Proc Natl Acad Sci U S A 2003; 100: 4819-24.
    4. Stellbrink HJ, van Lunzen J, Westby M, et al. Effects of interleukin-2 plus highly active antiretroviral therapy on HIV-1 replication and proviral DNA (COSMIC trial). AIDS 2002; 16:1479-87.
    5. Kulkosky J, Nunnari G, Otero M, et al. Intensification and stimulation therapy for human immunodeficiency virus type 1 reservoirs in infected persons receiving virally suppressive highly active antiretroviral therapy. J Infect Dis 2002; 186:1403-11.
    6. Prins JM, Jurriaans S, van Praag RM, et al. Immuno-activation with anti-CD3 and recombinant human IL-2 in HIV-1-infected patients on potent antiretroviral therapy.
    AIDS 1999; 13:2405-10.
    7. Lehrman G, Hogue IB, Palmer S, et al. Depletion of latent HIV-1 infection in vivo: a proof-of-concept study. Lancet 2005; 366: 549-55.
    8. Routy JP. Valproid acid: a potential role in treating latent HIV infection. Lancet 2005, 366: 523-524.

    HIV.NET – Nachrichten vom 23. August 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    "Gute Katholiken verwenden Kondome"

    Organisationen und Parteien nutzten den Weltjugendtag, um unter den Pilgern für Aids-Prävention zu werben.

    Köln. Unmittelbar nach ihrer Anmeldung zum Weltjugendtag in Köln konnten die jungen Pilger auf Plakaten als "Engelchen" und "Teufelchen" stilisierte Kondome bestaunen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) begrüßte die jungen Katholiken vor der Kölner Messe mit Motiven aus ihrer Aids-Präventionskampagne. Obwohl die Veranstalter des Weltjugendtages den Einsatz von Präservativen kategorisch ablehnten, haben verschiedene Organisationen und Parteien während des Welttreffens der katholischen Jugend Kondome an die jungen Pilger verteilt.

    Bei manchen jungen Katholiken stößt die Haltung der Kirche in dieser Frage auf Unverständnis und harsche Kritik. "Die Bischöfe machen sich schuldig und fördern eine Kultur des Todes, wenn sie Kondome als Verhütungsmittel gegen HIV/Aids verbieten", sagte Tobias Raschke, Koordinator der Initiative "Weltjugendtag für alle". Er und seine Mitstreiter wollten den Dialog innerhalb der Kirche anregen. "Gute Katholiken verwenden Kondome" war einer ihrer Slogans auf Plakatwänden in der Domstadt. Präservative zu verteilen, wagten sie aber nicht.

    Kölner Aids-Hilfe verteilte insgesamt 33.000 Kondome

    Die Mitarbeiter der Kölner Aids-Hilfe dagegen ließen es nicht bei Worten, sondern schritten auch zur Tat. Unter dem Motto "Liebe Deinen Nächsten" verteilten sie insgesamt 33.000 Kondome und 100.000 mehrsprachige Informationsbroschüren, abends auch vor den Sammelunterkünften der Pilger.

    Daß dieses Engagement von den Verantwortlichen des Weltjugendtages nicht erwünscht war, blieb für Klaus Kwaschnik von der Kölner Aids-Hilfe unerklärlich: "Wir möchten die Jugendlichen informieren und zu verantwortlichem Handeln motivieren." Die Pilger reagierten überaus positiv. Vor allem die spanischen Broschüren waren schnell vergriffen, berichtete er.

    Unterstützt wurde die Kölner Aids-Hilfe durch den Arzneimittel-Hersteller Abbott Virology. Das Wiesbadener Unternehmen forderte die Pilger außerdem auf Bildschirmen in Kölner U-Bahnstationen zu "Safer Sex" auf. Ein attraktiver junger Gärtner in einem Rosengarten warnte darin: "Augen auf im Garten der Lüste!".

    Auch Politiker kritisierten die Haltung der Weltjugendtagsverwaltung. "Das strikte Kondom-Verbot entbehrt jeglicher Vernunft und Verantwortung", sagte Sylvia Löhrmann, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Düsseldorfer Landtag. "Während an der Basis längst die Forderung besteht, Kondome zum Schutz vor Aids zuzulassen, verschließt sich die Amtskirche klaren Fakten, die die unmittelbare Gefahr durch Aids belegen."

    Auch die FDP beteiligte sich an der Präventionskampagne

    Auch die Kölner FDP unterstützte die Aufklärungsaktion der Kölner Aids-Hilfe und verteilte selbst Kondome. Ulrich Breite, Geschäftsführer der FDP-Fraktion im Rat der Stadt Köln: "Die katholische Jugend verhält sich auch nicht anders als der Rest der Jugend."

    Ärzte-Zeitung vom 22. August 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Wachstumshormon zur Steigerung der Immunantwort unter HAART
     

    Die additionale Administration von rekombinantem Wachstumshormon (rGH, Serostim®) zu einer HAART resultiert bei HIV-Positiven mit inkompletter Immunrekonstruktion in einer deutlicheren Steigerung der CD4-Zellzahl als bei ausschließlicher Einnahme einer HAART.

    Dr. K. Smith vom Rush University Medical Center in Chicago und Kollegen analysierten diesbezügliche Daten von 60 HAART-erfahrenen (> 1 Jahr) HIV-Positiven, die entweder 48 Wochen lang zusätzlich zur HAART einmal täglich 1,5mg rGH subkutan gespritzt bekamen (Arm A) oder 24 Wochen lang die HAART ohne additionale Therapie einnahmen und anschließend 24 Wochen lang zusätzlich einmal täglich 3,0mg rGH subkutan injiziert bekamen (Arm B).

    Die CD4-Zellzahl zu Beginn der Beobachtungszeit lag bei allen Probanden unter 350/mm3 (median 223 in Arm A und 219 in Arm B), die Viruslast unter 400 Kopien/ml.

    Sechs Patienten brachen die Studie vor dem Ende der Beobachtungszeit ab.
    Nach 24 Wochen konnte bei den Probanden des ersten Armes ein Trend in Richtung Steigerung der CD4-Zellzahl (gesamt und naiv) beobachtet werden. Nach 48 Wochen war die Steigerung der CD4-Zellzahl in beiden Gruppen signifikant.
    Bei Patienten des zweiten Arms betrug die mittlere Veränderung der naiven CD4-Zellzahl in den ersten 24 Beobachtungswochen (HAART alleine) 5/mm3, in der zweiten Studienphase HAART+rGH) 24/mm3 (p<0,001).

    Bei sieben von 11 Probanden des ersten Armes, bei denen zu Beginn und nach 24 Wochen der Beobachtungszeit das Thymusvolumen ermittelt wurde, konnte eine Vergrößerung eben dessen registriert werden (p=0,06).

    Basierend auf den oben beschriebenen Resultaten konkudieren die Autoren, dass bei HIV-Positiven mit inkompletter Immunrekonstruktion die additionale Administration von rGH zu einer HAART mit einer deutlicheren Steigerung der CD4-Zellzahl assoziiert ist als bei ausschließlicher Einnahme einer HAART.

    Die Wissenschafter betonen abschließend, dass dies die erste randomisierte klinische Studie ist, die immunologische Effekte von rGH in Kombination mit einer HAART demonstriert.

    Quelle: 3rd IAS Conference on HIV Pathogenesis and Treatment, Abstract TuOa0203 (oral)

    MedAustria - Meldung vom 18. August 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Probleme bei der HIV-Erkennung

    Fast drei Viertel der Fälle in einer frühen Phase falsch diagnostiziert.

    Fast 75 Prozent aller frisch erworbenen HIV- Infektionen werden laut einer Zürcher Studie beim ersten Arztbesuch nicht erkannt. Die Aids-Hilfe Schweiz zeigt sich beunruhigt. Sie will den Austausch mit den Hausärzten verstärken.

    Ein Team der Abteilung Infektionskrankheiten und Spitalhygiene des Universitätsspitals Zürich untersuchte von 2002 bis 2004 62 Patientinnen und Patienten im Großraum Zürich mit einer akuten, das heißt frisch erworbene HIV-Infektion. Die Ergebnisse wurden vergangene Woche in der Fachzeitschrift «Schweizerische Rundschau Medizin» publiziert.

    Folge statt Ursache

    Nur bei 17 der untersuchten Patienten wurde beim ersten Arztbesuch die Diagnose akute HIV-Infektion gestellt. Dies entspricht einem Anteil von 27,5 Prozent. In den übrigen 72,5 Prozent der Fälle konstatierten die Ärzte andere Krankheiten, welche jedoch bereits Folge der akuten HIV-Infektion waren.

    Akute HIV-Infektionen seien schwierig zu diagnostizieren, sagte Huldrych Günthard, Leiter der Studie, auf Anfrage. Auch entschlössen sich die Betroffenen in der Regel nicht unmittelbar nach der Infektion, sondern erst einige Zeit später zu einem HIV- Test.

    Beispiel für die ganze Schweiz

    Die Ergebnisse der Studie könnten auf die ganze Schweiz übertragen werden, sagte Günthard weiter. Das Bundesamt für Gesundheit plane zudem eine ähnliche schweizweite Untersuchung zu dieser Problematik.

    Zu wenig an HIV gedacht

    Die Daten der Studie seien aufrüttelnd, schreibt die Aids-Hilfe Schweiz am Mittwoch in einem Communiqué. Es zeige sich, dass bei der Diagnosestellung zu wenig an HIV gedacht werde, wenn sich Patienten mit Beschwerden an den Arzt wendeten.

    In der Frühphase besonders ansteckend

    Dies könne jedoch zu einer weiteren Verbreitung des Virus führen, da dieses in der akuten Phase besonders ansteckend sei. Eine frühe Erkennung sei äußerst wichtig, damit schnell präventive Maßnahmen ergriffen werden könnten.

    Als Konsequenz der Studie will die Aids-Hilfe den Informationsaustausch mit den Hausärzten verstärkt pflegen. Eine frühe Diagnose sei der einzige Weg, um akute Infektionen nicht zu verpassen.

    NZZ Online - Meldung vom 17. August 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Patienten-Café Haus 68

    Ehrenamtlich geführt, über Spenden finanziert

    Patienten und Mitarbeiter der Uni-Klinik werden von der klinikeigenen Küche versorgt, doch wo können Angehörige oder Besucher einmal einen Happen essen, oder mal einen Kaffee trinken? Uni-Klinik Aktuell stellt in einer Serie Restaurants, Cafés und Bars auf dem und um das Klinikumsgelände vor. In dieser Ausgabe: Das Patienten-Café in Haus 68, der Infektionsambulanz.

    Am Anfang war ein Vorurteil: „Bekomme ich auch Aids, wenn ich dieselben Tassen benutze wie ein HIV-Infizierter?“, fragten sich bis vor einigen Jahren (vielleicht auch jetzt noch) viele Menschen, als die Anzahl der Erkrankten immer größer wurde. Über die Infektionswege wussten die meisten nur sehr wenig, mit der Folge, dass viele Angst hatten, einen Aidskranken überhaupt zu berühren. Die Infektionsambulanz der Uni-Klinik war in den Anfängen des HI-Virus eine der ersten Einrichtungen bundesweit, die sich in Forschung und Betreuung damit beschäftigte. Folglich wurde Frankfurt eine Anlaufstation für viele Verzweifelte.

    Eröffnet wurde das Café 68 1989. „Neben der medizinischen Versorgung brauchten die Kranken ja auch weiter soziale Kontakte und den Zuspruch der Angehörigen“, so Robertus Schippnik, ein Betreuer der ersten Stunde. Verschiedene Menschen – einige aus dem Positiventreff „Switchboard“, der Aidshilfe Frankfurt und der Infektionsambulanz, aber auch Seelsorger der Kirchen – hatten sich damals zusammengesetzt, um ein Konzept zu überlegen. Ein kommerzieller Betrieb kam nicht in Frage, aber es meldeten sich viele ehrenamtliche Helfer, die mit anpackten. Derzeit sind es rund ein Dutzend Helfer und sie halten nicht nur den Café-Betrieb aufrecht, sie spendieren auch den Kaffee und den Kuchen – beides ist für die Besucher umsonst, Spenden sind jedoch erwünscht.

    Dazu kommt für die Patienten, längst nicht nur HIV-Erkrankte, ein weiteres Angebot: Köche bekannter Frankfurter Restaurants veranstalten einmal in der Woche ein gemeinsames Kochen für Patienten und Pflegepersonal. Eine willkommene Abwechslung, die den Appetit und die Freude am Leben wieder anregt. Wobei beim Kochen natürlich Rücksicht auf Besonderheiten genommen wird, da viele Kranke etwa zu fettes Essen oder Hülsenfrüchte nicht vertragen.

    Eine, die ebenfalls von Beginn an dabei ist, ist Schwester Helga Weidemann von der katholischen Krankenhausseelsorge. „Schwester Helga ist die Seele des Cafés“, sagt Robertus Schippnik mit Respekt, „ich weiß nicht, ob wir ohne sie so lange durchgehalten hätten.“ Denn die Nachfrage nach einer Einrichtung wie dem Café 68 ist keineswegs zurückgegangen. Auch wenn Aids zu einer (schrecklichen) Normalität geworden ist, die Probleme der Kranken sind es nicht. „Das Café ist zugleich psycho-soziale Beratung“, so Gudrun Klotzek, eine der Ehrenamtlichen, „hier können sich die Patienten zu Hause fühlen, einfach entspannen.“

    Daher versteht es sich von selbst, dass das Café 68, täglich (außer Montag) von 15 bis 17 Uhr geöffnet, kein typisches Publikums-Café ist. Es richtet sich vorwiegend an die Patienten, deren Angehörige und Freunde, aber auch an ehemalige Patienten.

    Uni-Klinik aktuell - Ausgabe 01/2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Superinfektion mit resistentem HI-Virus offenbar möglich

    Kalifornische Arbeitsgruppe berichtet von einem HIV-infizierten Patienten, der sich später zusätzlich mit einem resistenten Virusstamm infizierte.

    von Christian Hoffmann

    Hamburg, 15.08.2005 – So genannte Superinfektionen, bei denen sich bereits HIV-infizierte Patienten mit neuen HIV-Stämmen infizieren, sind in den letzten Jahren mehrfach beschrieben worden [1-5] und insofern keine Neuigkeit mehr. In der aktuellen Ausgabe von AIDS berichtet nun jedoch eine kalifornische Arbeitsgruppe um Susan J. Little erstmals von einem HIV-infizierten Patienten, der sich zusätzlich mit einem zweiten, resistenten Virus infizierte [6].

    Zu dem Fall: Der 31jährige Patient war nach einer vermuteten Infektion im April 2001 wenige Monate später erstmals HIV-positiv getestet worden. Resistenzanalysen zu diesem Zeitpunkt ergaben weder genotypisch noch phänotypisch relevante Resistenzen. Im Oktober 2002 begann der Patient im Rahmen einer Studie eine Triple-Nuke-Therapie aus AZT, 3TC und Abacavir, die jedoch kein ausreichendes virologisches Ansprechen zeigte. Mit Beendigung der Studie wurden bei dem Virus des Patienten einige PI-Mutationen gefunden (u.a. die L90M), ohne dass diese Mutationen zuvor nachweisbar gewesen wären. Auch hatte der Patient (glaubhaft) zu keinem Zeitpunkt PIs eingenommen, allerdings mit mehreren Partnern auch nach initialen HIV-Diagnose zahlreiche Hochrisikokontakte gehabt. Sämtliche noch vorhandenen Plasmaproben bzw. HIV-Stämme des Patienten wurden darauf hin mit diversen molekulargenetischen Methoden sehr genau untersucht, unter anderem mittels Sequenzierung verschiedener Genomabschnitte, sowie detaillierten phylogenetischen Analysen. Diesen Analysen zufolge bzw. nach Auffassung der Autoren konnte damit eine Koinfektion, also die gleichzeitige Infektion mit verschiedenen Virusstämmen, weitgehend ausgeschlossen werden. Die plausibelste Erklärung für die neu aufgetretenen PI-Mutationen ist nach diesen Daten eine Superinfektion des Patienten mit einem resistenten Virus.

    Fazit: Der Fall hat, obwohl er sicher noch bestätigt werden muss, in jedem Fall schon jetzt eine klinische Relevanz, als dass er das zeigt, was man theoretisch schon lange vermuten musste: Eine HIV-Infektion bietet grundsätzlich keinen Schutz davor, sich noch mit zusätzlichen, resistenten Viren zu infizieren. Die Patienten sollten auf die Gefahr neuer Resistenzen hingewiesen werden, die beim unsafe sex mit ebenfalls HIV-infizierten Patienten besteht.

    Literatur

    Altfeld M, Allen TM, Yu XG, et al. HIV-1 superinfection despite broad CD8+ T-cell responses containing replication of the primary virus. Nature 2002; 420:434-439.

    Koelsch KK, Smith DM, Little SJ, et al. Clade B HIV-1 superinfection with wild-type virus after primary infection with drug-resistant clade B virus. AIDS 2003; 17:F11-F16.

    Jost S, Bernard MC, Kaiser L, et al. A patient with HIV-1 superinfection. N Engl J Med 2002; 347:731-736.

    Ramos A, Hu DJ, Nguyen L, et al. Intersubtype human immunodeficiency virus type 1 superinfection following seroconversion to primary infection in two injection drug users. J Virol 2002; 76:7444-7452.

    Yang O, Daar E, Jamieson B, et al. HIV-1 Clade B superinfection: evidence for differential immune containment of distinct clade b strains. J Virol 2005; 79:860-868.

    Smith D, Wong J, Hightower G, et al. HIV drug resistance acquired through superinfection. AIDS 2005, 19:1251-6.

    HIV.NET – Nachrichten vom 16. August 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neuer Ansatz zur Behandlung latenter HIV-Infektionen

    US-Forscher haben einen neuen medikamentösen Ansatz getestet, der helfen könnte ruhende HIV- Infektionen zu eliminieren, die von den momentanen Behandlungsmethoden nicht erfasst werden. Die Forscher berichten hier über erste Daten aus einer Wirksamkeitsstudie.

    Hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) hemmt die Virusreplikation, verbessert die Immunfunktionen und hat so die Chancen für Patienten mit HIV erhöht. Das HI-Virus kann jedoch immer noch in einigen Zellen in einem replikationsinaktiven Zustand persistieren und so seine komplette Eliminierung verhindern. Forscher wissen, dass ein als Deacetylase 1 (HDAC1) bekanntes Enzym HIV dabei hilft, in späten Phasen einer Infektion zu persistieren. David Margolis von der University of North Carolina at Chapel Hill in den USA und seine Kollegen untersuchten die Eigenschaft von Valproinsäure, einem Inhibitor der HDAC, eine HIV-Infektion zu eliminieren.

    Die Forscher untersuchten vier HIV infizierte Freiwillige, die mit HAART behandelt wurden und bei denen das Virus über lange Zeit supprimiert war. Sie verstärkten den Effekt der HAART um eine Verbreitung des Virus zu verhindern, indem sie den Patienten zweimal täglich über vier bis sechs Wochen ein Medikament namens Enfurvitide gaben. Anschließend wurden die Patienten zweimal täglich über drei Monate mit Valproinsäure behandelt. Die Forscher fanden heraus, dass es eine 75prozentige Reduktion der latenten HIV-Infektion bei drei der vier Patienten gab.

    Dr. Margolis erklärt: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Auslöschen einer etablierten HIV-Infektion mittels eines Stufenansatzes möglich sein könnte. Patienten sollten vielleicht erst in frühen Erkrankungsstadien mit antiretroviralen Behandlungsschemata behandelt werden, der Standardtherapie. Bei Patienten, bei denen die virale Replikation supprimiert ist, könnte im Anschluss die virale Infektion mittels HDAC-Inhibitoren, einer intensivierten Therapie oder beidem angegriffen werden. Obwohl es noch kein endgültiges Resultat ist, lässt dieses Ergebnis hoffen, dass durch neue Ansätze in Zukunft eine Heilung von HIV erzielt werden kann.“

    In einem Begleitkommentar erklärt Jean-Pierre Routy vom McGill University Health Centre in Montreal, Kanada: “Diese Ergebnisse drängen, auch wenn sie noch vorläufig sind, auf weitere Studien. Besonders dringlich wäre eine formale randomisierte Studie, zur Untersuchung von Veränderungen in der Zahl latent infizierter Zellen in Blut und Geweben. Das ist ein erster Blick auf einen neuen therapeutischen Ansatz, der einen möglichen Schritt hin zur Heilung von HIV-Infektionen darstellen könnte.“

    Quelle: G Lehrman and others. Depletion of latent HIV-1 infection in vivo. Lancet 2005; 366: 549

    The Lancet vom 13. August 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Virologisches Versagen häufig bei 1mal täglicher Ersttherapie mit TDF/ddI/EFV

    Eine QD-Therapie mit Tenofovir + 250mg Didanosin + Efavirenz (TDF/ddI/EFV) ist laut Ergebnissen einer auf der IAS 2005 präsentierten Studie bei therapienaiven HIV-Positiven sicher, resultiert jedoch in einer unerwartet hohen Rate virologischen Versagens.

    Dr. J. van Lunzen vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Deutschland, und Kollegen betonen in ihrer Arbeit einleitend, dass eine TDF/ddI/EFV-Kombitherapie ein attraktives ART-Regime darstellen könnte. Die Ko-Administration von TDF und ddI resultiert bekanntlich in einer höheren ddI-Exposition wodurch die ddI-Dosis niedriger gehalten werden kann.

    Die Wissenschafter untersuchten bei 39 therapienaiven HIV-Positiven Sicherheit und Effektivität einer 12wöchigen Behandlung mit einer einmal täglich verabreichten TDF/ddI/EFV-Therapie.

    Die durchschnittliche Viruslast fiel nach 12 Therapiewochen von 5,04log10 auf 1,96log10 RNA-Kopien/ml, bei 73 Prozent der Probanden konnte eine Reduktion der Viruslast auf unter 400 Kopien/ml, bei 23% auf unter 50 Kopien/ml registriert werden, wobei die VL nach durchschnittlich 51 Tagen unter 400 Kopien/ml lag. Die CD4-Zellzahl stieg von durchschnittlich 288 pro Mirkoliter auf 410 pro Mikroliter und war damit mit anderen ART-Regimes vergleichbar.

    Bei 10/39 Patienten (25%) wurde jedoch nach 12 Wochen ein virologisches Versagen registriert. Bei sechs der zehn Probanden lag die initiale Viruslast bei über 100.000 Kopien/ml und die CD4-Zellzahl unter 200 Zellen pro Mikroliter. GT-Analysen ergaben Resistenzmutationen für NAs (65R, 74I/V) und NNRTIs (101E, 103N, 188C und 190 S/E). In zwei Fällen wurden zu Beginn der Beobachtungszeit primäre NNRTI-Mutationen registriert.

    Die Wissenschafter konkludieren, dass eine einmal täglichen TDF/ddI/EFV-Therapie in dieser Studie sicher war und in einem deutlichen Anstieg der CD4-Zellzahl resultierte. Virologisches Versagen wurde jedoch bei Initiierung der Therapie bei hoher Viruslast und niedriger CD4-Zellzahl unerwartet häufig beobachtet, weshalb das TDF/ddI/EFV-Regime für diese Patientengruppe nicht empfehlenswert ist.

    Quelle: 3rd IAS Conference on HIV Pathogenesis and Treatment; Abstract TuPp0306

    MedAustria – Meldung vom 6. August 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    BZgA und PKV starten heute neue Kooperation in der HIV/Aids-Prävention

    Gemeinsame Pressemitteilung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV-Verband).

    Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der Verband der privaten Krankenversicherung unterzeichnen heute einen Vertrag über eine Kooperation zur HIV/ Aids-Prävention. Die private Krankenversicherung (PKV) wird künftig die Aids-Präventionsarbeit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) mit jährlich 3,4 Mio. Euro unterstützen. Ein Ausbau der Aidsprävention ist wichtig, weil die Zahl der Neuinfektionen wieder zunimmt.

    Mit den von der PKV zur Verfügung gestellten Geldern werden die Bundesmittel für die Aids-Prävention bei der BZgA erheblich aufgestockt. Die Kooperation trägt dazu bei, die bisherigen Erfolge in der Aids-Prävention in Deutschland zu sichern und den neuen Herausforderungen wirksam zu begegnen.

    „Dadurch beginnt für die bundesweite Kampagne „Gib Aids keine Chance“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in diesem Jahr ein neuer Abschnitt: Es wird eine intensivere Ansprache der Bevölkerung möglich, die so in den letzten Jahren nicht mehr finanzierbar war“, erklärt die Direktorin der BZgA, Dr. Elisabeth Pott. „Ziel der Aids-Aufklärung ist es, die Menschen zu motivieren, sich vor einer Ansteckung mit dieser immer noch nicht heilbaren Krankheit zu schützen. Mit dieser neuen Partnerschaft können wir zusätzliche Impulse für den Schutz vor HIV/Aids geben.“

    „Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verfügt über langjährige Erfahrungen in der Präventionsarbeit und ist deshalb der ideale Partner für unser Engagement in der Aids-Prävention. Die Kooperation zwischen BZgA und PKV ist ein sehr gutes Beispiel für Public-Private-Partnership, die ohne den Aufbau neuer Bürokratien auskommt“, betont Dr. Volker Leienbach, Direktor des PKV-Verbandes. „Die Maßnahmen kommen dem gesamten Gesundheitswesen in Deutschland - den gesetzlich wie den privat Versicherten und der Gesellschaft insgesamt - zugute. Die private Krankenversicherung übernimmt damit ihre gesundheitspolitische Verantwortung auch im Bereich der Primärprävention, die eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist.“

    Im internationalen Vergleich sind die HIV-Zahlen in Deutschland zwar immer noch niedrig. Dennoch wäre es ein gravierender und gefährlicher Fehlschluss, aus der derzeitigen Situation zu schließen, dass das Aidsproblem in Deutschland gelöst sei. Zum einen nimmt die Zahl der HIV-Neuinfektionen wieder zu. Das Schutzverhalten ist seit einigen Jahren rückläufig. Aids gerät in der öffentlichen Wahrnehmung zunehmend in Vergessenheit und das Problembewusstsein in der Bevölkerung sinkt kontinuierlich. Zum anderen steigen die HIV-Zahlen vor allem in den Nachbarländern Osteuropas und in den Entwicklungsländern dramatisch an. Dies führt aufgrund erhöhter Migration und grenznaher Mobilität zu einer steigenden Infektionsgefahr auch in Deutschland.

    Vordringliches Ziel von BZgA und PKV ist es, die Gefahren von Aids stärker sichtbar zu machen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wird deshalb noch in diesem Jahr mit den Mitteln des PKV-Verbandes neue TV- und Kino-Spots entwickeln. Zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember steht eine gemeinsame Plakataktion von BZgA, Deutscher AIDS-Stiftung und Deutscher AIDS-Hilfe sowie Prominenten im Mittelpunkt. Darüber hinaus sollen erstmalig wieder Anzeigen in Publikumszeitschriften geschaltet werden. Zielgruppen sind Jugendliche und junge Erwachsene, die aus Altersgründen den Aids-Schock der 80er Jahre nicht mehr erlebt haben.

    Die Kooperation in der Aids-Prävention gewährleistet die Verwendung von Mitteln in einem Bereich mit nachgewiesener Wirksamkeit und günstiger Kosten-Nutzen-Relation: „Durch die bisherigen Präventionsmaßnahmen konnten seit dem Start im Jahr 1987 mindestens 30.000 HIV-Infektionen vermieden werden. Das bedeutet auch mehr als 450 Millionen Euro ersparte Gesundheitskosten jährlich. Wir werden zusammen und tatkräftig darauf hinwirken, mit Hilfe unserer Partnerschaft auch in Zukunft möglichst viele Menschen vor HIV/Aids zu schützen. Dabei ist uns ein gesellschaftliches Klima wichtig, das Betroffene nicht ausgegrenzt“, erklären Elisabeth Pott und Volker Leienbach.

    Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung - Pressemeldung vom 4. August 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Papst nicht verantwortlich

    Wenn es überhaupt etwas gebe, das Leben rette, dann scheine es „der ganzheitliche Zugang zur Sexualität zu sein, den der Katholizismus verteidigt“.

    Sydney - Je höher der Katholikenanteil in einem afrikanischen Land ist, desto niedriger ist die AIDS-Rate. Von diesem Ergebnis einer Studie berichtete der australische Bioethiker Amin Abboud in einem Brief an das „British Medical Journal“.

    Der Mediziner reagierte damit auf einen Artikel in der Fachzeitschrift, in dem spekuliert wurde, ob Papst Benedikt XVI. die kirchliche Lehre zur Verwendung von Kondomen ändern werde angesichts der Ausbreitung von AIDS. Angesichts der Fakten sei es „von großem Nachteil für die HIV-Situation in Afrika, würde er eine solche Veränderung zulassen“, betonte Amin Abboud.

    Er gab folgende Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekannt: In Swaziland sind 42,6 Prozent der erwachsenen Einwohner mit dem HI-Virus infiziert, nur fünf Prozent der Gesamtbevölkerung ist katholisch; in Botswana sind 37 Prozent infiziert, nur vier Prozent der Bevölkerung ist katholisch; in Südafrika sind 22 Prozent der Bevölkerung mit dem Virus infiziert; sechs Prozent der Bevölkerung ist katholisch.

    Ganz anders schaut die Lage in Uganda aus: Hier gibt es 43 Prozent Katholiken; vier Prozent der Bevölkerung ist mit dem HI-Virus infiziert. Abboud kritisierte eine „auch in medizinischen Fachzeitschriften lancierte Kampagne nach dem Tod von Johannes Paul II., um ihn für den Tod vieler Afrikaner verantwortlich zu machen“. Solche Anschuldigungen müssten stets mit Faktenmaterial belegt werden, forderte er. „Bislang wurde noch keines präsentiert.“

    Die Ursachen für die AIDS-Epidemie in Afrika müssten “anderswo” gesucht werden. „Die Lösungen müssen über Latex hinausgehen“, forderte der Bioethiker. Wenn es überhaupt etwas gibt, das Leben rettet, dann scheine es „der ganzheitliche Zugang zur Sexualität zu sein, den der Katholizismus verteidigt“, betonte er.

    Katholische Nachrichten vom 1. August 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Durchfall & HAART

    Tipps und Ernährungsempfehlungen können helfen. Neuer Flyer und Diarrhöe-Hotline bieten Hilfestellung bei HAART-assoziierten Durchfällen.

    Die Gesellschaft zur Förderung von Ernährungstherapien bei Malnutrition (GEM) e. V. hat wichtige Ernährungsempfehlungen bei HAART-bedingten Durchfällen zusammengefasst und bietet diese zum kostenlosen Download an. In diesem Flyer finden Menschen, die im Rahmen einer hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) unter Durchfällen leiden, viele Tipps und Ernährungsempfehlungen, die den Durchfall lindern können.

    Der Flyer enthält grundlegende Regeln, die bei einem Durchfall beachtet werden sollten. Dazu gehören sowohl Maßnahmen zum Ausgleich von Flüssigkeits-, Nährstoff-, Mineralstoff- und Vitaminverlusten, also auch einen Überblick über eine hilfreiche Lebensmittelauswahl.

    Daneben erhalten Betroffene Rezepte und genaue Einnahmeempfehlungen für „altbewährte Hausmittel“ wie z. B. Pektinkost, Schleimsuppen, Gerbstoffe. Außerdem werden neue Präparate (Flohsamen, L-Glutamin, Calicum, probiotische Kulturen) mit genauen Einnahmeempfehlungen vorgestellt, die in Studien ihre Wirksamkeit bei HAART-bedingten Durchfällen bewiesen haben.

    Für Betroffene, denen die vorgestellten Hausmittel und Präparate keine Linderung verschaffen, bietet die GEM e.V. eine Durchfall-Hotline an.

    Die Broschüre kann hier herunter geladen werden!

    Gesellschaft zur Förderung von Ernährungstherapien bei Malnutrition (GEM) e.V. - Pressemeldung vom 1. August 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Bedrohung durch medikamentenresistente Viren steigt

    Gefährdung bei HIV, Hepatitis B und Grippe.

    London - Wissenschafter der Health Protection Agency (HPA) http://www.hpa.org.uk warnen vor Viren, die der Zerstörung durch weit verbreitete Medikamente entgehen können. Es gäbe immer mehr Menschen mit HIV Formen, die gegen die Behandlung mit mehreren Medikamenten resistent seien. Ein Report zum konkreten Ausmaß der Gefahr wurde für den Herbst dieses Jahres angekündigt. Laut Peter Borriello sei die Frage heute nicht, ob es zu Resistenzen kommen werde, sondern nur noch wann. "Resistenzen können nicht verhindert werden."

    Die HPA untersuchte gemeinsam mit anderen Forschungsinstituten das Auftreten von Resistenzen gegen antivirale Medikamente. An der sechs Jahre dauernden Studie nahmen 4.450 HIV Patienten teil. Nach zwei Jahren Behandlung mit dem derzeit wirkungsvollsten Ansatz, HAART, hatten zehn Prozent der Teilnehmer eine Resistenz entwickelt. Nach vier Jahren stieg die Anzahl der Resistenzen auf 20 Prozent. Nach sechs Jahren waren die Medikamente bereits bei 30 Prozent der Patienten wirkungslos geworden. Die HPA schätzt laut BBC, dass in Großbritannien bei den HIV Patienten bis zu einer von vier Betroffenen eine Resistenz entwickeln wird. In vier Prozent der Fälle könnte es zu einer Resistenz gegen alle drei HAART Medikamente kommen. Derzeit sind rund 60.000 Menschen in Großbritannien mit HIV infiziert. 2003 wurden 35.500 mit HAART behandelt.

    Es wird angenommen, dass die Resistenzen auch bei Neuinfektionen ungefähr gleich hoch sein werden. Bei einem Wert von einem von fünf Patienten liege es nahe, dass resistente Virenstämme von einer Menschen auf den anderen übertragen werden. Andere Viren entwickeln ebenfalls Resistenzen. Bei Hepatitis B haben rund 20 Prozent der Stämme eine Möglichkeit gefunden, die am meisten verbreiteten Medikamente wirkungslos zu machen. Weitere fünf Prozent widerstehen auch neueren Medikamenten. Laut Borriello ist derzeit bereits ein Prozent der Viren, die Grippe verursachen, gegen Medikamente wie Relenza und Tamiflu resistent.

    Pressetext Austria – Meldung vom 29. Juli 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HAART reduziert AIDS-Raten entscheidend

    Die hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) für HIV-Patienten könnte die Progressionsrate zur AIDS-Erkrankung oder zum Tod im Vergleich mit unbehandelten Patienten um 86 Prozent reduzieren, berichten Forscher.

    HAART besteht aus einer Kombination von mindestens drei antiretroviralen Medikamenten aus mindestens zwei Medikamentenklassen. Bei randomisierten Studien zur Effektivität dieser Therapie wurden die Patienten jedoch nur für höchstens ein Jahr nachverfolgt. Die Effektivität von HAART über mehrere Jahre war daher bislang unbekannt.

    Jonathan Sterne von der University of Bristol in Großbritannien und seine Kollegen untersuchten über 3200 Patienten aus der 'Swiss HIV Cohort'-Studie, deren Patienten zwar HIV-positiv, jedoch zum Zeitpunkt ihres Eintretens in die Studie nicht an AIDS erkrankt waren. Patienten wurden nur in die Analyse eingeschlossen, wenn sie nach der HAART-Einführung in der Schweiz im Januar 1996 untersucht worden waren. Insgesamt erkrankten 400 Patienten an AIDS oder starben. Die Forscher verglichen HAART mit 2161 Patienten ohne Therapie und HAART mit einer Zweifachtherapie (bis dahin die beste Behandlungsoption) bei 1276 Patienten. Die Analyse verwendete neue statistische Methoden, die auch mit einrechnen, dass Patienten meist behandelt werden, wenn HIV ihr Immunsystem beeinträchtigt und eher unbehandelt bleiben, wenn ihr Immunsystem relativ intakt ist. Die Forscher fanden heraus, dass die Effektivität von HAART im Vergleich mit der behandlungsfreien Gruppe mit zunehmender Behandlungsdauer stärker wurde. Zusätzlich zeigte sich, dass HAART bei Patienten, deren Infektion mit intravenösem Drogenmissbrauch assoziiert scheint, weniger von Vorteil war.

    Dr. Sterne erklärt: "Unsere Ergebnisse zeigen, dass HAART die Progressionsrate zum AIDS-Vollbild um 86 Prozent reduzierte und dass seine Effektivität im Vergleich mit der behandlungsfreien Gruppe mit zunehmender Behandlungsdauer anstieg. Diese dramatischen Vorteile bieten einen Rahmen für Bedenken über mögliche Nebeneffekte der Therapie. Die sehr großen Vorteile von HAART, die in Industrieländern erreichbar sind, sollten uns an die Notwendigkeit einer flächendeckenden Behandlung der Millionen von Menschen in anderen Teilen der Welt erinnern, besonders der Kranken in Afrika südlich der Sahara, die davon nicht profitieren."

    In einem Begleitkommentar erklärt Brian Gazzard vom Chelsea and Westminster Hospital in London: "Diese Ergebnisse zeigen die Ansicht jedes Arztes, dass sich die kurzzeitige bis mittelfristige Prognose für HIV-seropositive Patienten geändert hat. Während die Möglichkeit, spät diagnostizierte oder schwer zu erreichende Patienten zu behandeln, auch weiterhin problematisch bleibt, wie auch die reduzierte Wirksamkeit der Behandlung bei Drogenabhängigen, bedingt doch die Veränderung der Prognose eine Re-Evaluierung der momentanen Politik bezüglich HIV-Tests. Das Gleichgewicht, das detaillierte Beratung bezüglich der Vor- und Nachteile eines HIV-Tests benötigt, besteht nicht mehr. Die Kenntnis des HIV-Status einer Person kann Leben retten."

    Quelle: J A C Sterne and others. Long-term effectiveness of potent antiretroviral therapy in preventing AIDS and death. Lancet 2005; 366: 378

    The Lancet vom 29. Juli 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zellen im Kampf gegen AIDS

    Neu entdecktes zelluläres Protein hemmt wichtigen Schritt im Steuerungsmechanismus der HIV-Vermehrung.

    Einige menschliche Zellen setzen sich gegen das HI-Virus erfolgreicher zur Wehr als andere: Beispielsweise hemmen bestimmte Gehirnzellen - die Astrozyten – die Synthese von HIV Bausteinen, aus denen infektiöse Viruspartikel gebildet werden. GSF-Wissenschaftler um Dr. Ruth Brack-Werner identifizierten nun ein Protein, das bei diesem zellulären Abwehrmechanismus eine Rolle spielen könnte. Wie die Forscher in der neuesten Ausgabe des Online-Journals Biomed Central Cell Biology berichten, kann das zelluläre Protein RISP (Rev Interacting Shuttle Protein) das für die Steuerung der HIV-Vermehrung zuständige HIV-Protein Rev in seiner Funktion behindern. Diese Entdeckung eröffnet die Chance auf ganz neue Therapiewege gegen AIDS: Statt wie bisher bei der Bekämpfung des HIV direkt am Virus anzusetzen, könnten auch zelleigene Mechanismen genutzt werden, um das Virus in Schach zu halten.

    HIV kann verschiedene Zelltypen im Blut und im Gehirn infizieren. Eine davon ist die Gruppe der Astrozyten, die im Gehirn die am häufigsten vorkommenden Zellen darstellen. In HIV-infizierten Astrozyten ist die Virus-Vermehrung sehr stark eingeschränkt. Ein Grund hierfür konnte in einer verminderten Aktivität des HIV Rev Proteins gefunden werden, das eine Schlüsselrolle für die Synthese von HIV-Strukturproteinen spielt. „Das Beispiel der Astrozyten spricht dafür, dass es Rev-hemmende menschliche Faktoren gibt,“ erläutert Frau Brack-Werner, die mit ihren Mitarbeitern vom GSF-Institut für Molekulare Virologie zelluläre Mechanismen der HIV-Kontrolle untersucht. Tatsächlich gelang es den Wissenschaftlern, mit dem Protein RISP (Rev interacting shuttle Protein) einen neuen zellulären Faktor zu identifizieren, der die Aktivität von Rev in der Zelle hemmen kann.

    Rev vermittelt den Transport von HIV Nukleinsäuren (mRNAs) aus dem Zellkern in das Zytoplasma, die dort für die Bildung von Viruspartikeln benötigt werden. Zu diesem Zweck bindet Rev an einen Kern-Exportrezeptor, mit dem auch RISP sehr stark interagiert. „Obwohl der Hemm-Mechanismus bisher noch nicht im Detail aufgeklärt ist, lässt diese Interaktion vermuten, dass RISP Rev daran hindert, den Transport der HIV-mRNAs zwischen Kern und Plasma einzuleiten. „Mit einem von uns neu entwickelten HIV Indikatorsystem konnten wir nachweisen, dass die Aktivität von Rev sinkt, wenn viel RISP in der Zelle gebildet wird", erzählt Brack-Werner. Falls sich der RISP-Gehalt HIV-infizierter Zellen steuern lässt, könnte die Nutzung der zellulären Hemm-Mechanismen ein ganz neuer Ansatz sein, um die HIV-Vermehrung nach einer Infektion unter Kontrolle zu halten. Dies wäre eine interessante Alternative zu bisherigen AIDS-Therapien, denn „das Konzept, dass die Zelle selbst eine aktive Rolle bei der Bekämpfung des Virus spielen kann, ist ein grundsätzlich anderer Ansatzpunkt als bei herkömmlichen HIV-Therapien, die immer am Virus ansetzen", betont Brack-Werner.

    BMC Cell Biol. 2005 Apr 24;6(1):20

    GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit – Pressemitteilung vom 27. Juli 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Mit verstärkter Invirase keine Resistenzentwicklung

    Patienten, die mit verstärkter Invirase, einem hochwirksamen AIDS-Mittel behandelt werden, entwickeln keine Resistenz. Neue Studienergebnisse stützen den Einsatz verstärkter Invirase bei Patienten, die eine AIDS-Behandlung beginnen.

    Basel - Wird eine HIV-Infektion von Anfang an mit Roches Proteasehemmer Invirase(R) (Saquinavir Mesylat), der mit einer kleinen Dosis Ritonavir verstärkt wird, behandelt, so entwickelt sich keine Resistenz. Dies ist die Schlussfolgerung, die heute auf der in Rio de Janeiro in Brasilien stattfindenden 3. IAS Conference on HIV Pathogenesis and Treatment aus einer Studie gezogen wurde.

    Für Ärzte und Patienten ist dies eine gute Nachricht, weil Behandlungsresistenz eines der größten Probleme ist, dem sie sich bei der Bekämpfung dieser Krankheit gegenübergestellt sehen. Das HIV-Virus kann gegen alle Anti-HIV Mittel bzw. deren Kombinationen resistent werden, weil das Virus sich so schnell reproduziert, dass Mutationen auftreten, die es dem Virus ermöglichen, teilweise oder vollständig, gegen die Behandlung resistent zu werden.

    Dr. Jintanat Ananworanich von der HIV Netherlands Australia Thailand Research Collaboration (HIV-NAT), Bangkok, Thailand und Hauptversuchsleiter der Studie, sagte zu den Ergebnissen: "Wir wissen, dass die antivirale Wirkung von Invirase hervorragend ist. Die gute Neuigkeit ist nun, dass wir jetzt auch wissen, dass wir die Behandlung mit Invirase frühzeitiger beginnen können und so einen außergewöhnlich hohen HIV-Unterdrückungsgrad erreichen können, ohne dass sich problematische Proteinresistenzen ausbilden".

    Die neuen Ergebnisse stammen aus der Staccato Studie, die bereits eine außerordentliche Reduktion der Viruslast gezeigt hatte (2). Die Ergebnisse sind eine starke Stütze für die Gabe von Invirase, einem starken und gutverträglichen Proteasehemmer, im Rahmen der Kombinationstherapie zu Beginn der Behandlung eines AIDS-infizierten Patienten.

    Roche gab kürzlich die Marktzulassung seiner neuen 500 mg Verabreichungsform von Invirase in Europa bekannt. Die neue, praktische 500 mg Tablette vereinfacht die Einhaltung der Dosierung durch den Patienten indem sie die tägliche Tablettenzahl um über die Hälfte von zweimal täglich 5 Tabletten auf zweimal täglich 2 Tabletten plus Ritonavir verringert.

    Informationen zur STACCATO Studie (Swiss-Thai-Australia Treatment Interruption Trial)

    Die 258 antiretroviral (ART) nicht vorbehandelten Patienten wiesen zu Beginn der Studie CD4-Zahlen von 200 bis 350 Zellen/mm3 auf und erhielten über 6 Monate einmal täglich 1600/100 mg Invirase/Ritonavir plus 2 Nukleosid Reverse Transkriptase Inhibitoren (NRTIs). Zwei aufeinander folgende Viruslastmessungen > 500 Kopien/ml nach einer 12-wöchigen Therapie galten als Viruslast-Fehlschlag.

    Die Resultate zeigten, dass Viruslast-Fehlschläge nur selten auftraten. Bei nur 10 von 258 Patienten (3,9 %) trat im Mittel nach 29,6 Wochen ein Viruslast-Fehlschlag auf. Bei keinem dieser Patienten traten signifikante Mutationen des HIV Protease-Gens auf.

    Quellenhinweise
    1. Ananworanich J, Ruxrungtham K, Sirivichayakul S et al, 3rd IAS Conference on HIV Pathogenesis and Treatment, Rio de Janeiro, Brasilien 24-27 July 2005: Poster WePe4.4C12
    2. Ananworanich J, Ruxrungtham K, Siangphoe U et al, XV IAC, Bangkok, 11. bis 16. Juli 2004: Poster TuPeB4469

    Presseportal - Meldung vom 25. Juli 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Medikament hemmt HIV-Reifung

    Wenn das HI-Virus infizierte Zellen verlässt, kann es noch keine weiteren Zellen befallen. Ein neuer Wirkstoff könnte den Aids-Erreger in diesem unreifen Stadium halten.

    Deutsche Forscher haben ein Molekül gefunden, dass die Bildung infektiöser HI-Viren verhindern kann. Der Wirkstoff attackiert den Erreger der Immunschwäche Aids in einem unreifen Stadium.

    Die Arbeitsgruppe um Hans-Georg Kräusslich vom Hygiene-Institut des Universitätsklinikums in Heidelberg hat ein Peptid identifiziert, das die Reifung der HI-Viren unterbricht. Die Kette von zwölf Aminosäure-Molekülen verbindet sich mit einem Protein der Virus-Hülle. Diese Anlagerung verhindert, dass die «Capsid» genannte Virus-Hülle aus weiteren Proteinbausteinen zusammengesetzt werden kann.

    Die Entwicklung der HI-Viren wird in einem Stadium unterbrochen, in dem sie noch keine weiteren Zellen infizieren können, berichten die Forscher in der Zeitschrift «Nature Structural & Molecular Biology». Auf diese Weise könnte der Fortschritt der Erkrankung verlangsamt oder unterbunden werden.

    Weltweit sind nach Schätzungen 40 Millionen Menschen HIV-positiv. Jedes Jahr kommen fünf Millionen hinzu. Die Infektion wird mit Medikamenten bekämpft, die die Proteine des Virus hemmen oder sein Eindringen in die Zelle verhindern. Bei durchgängiger medikamentöser Behandlung kann die Zahl der Viren im Blut unter die Nachweisgrenze gedrückt werden. Es treten jedoch auch Virenstämme auf, die mit den gängigen Mitteln nicht mehr zu behandeln sind. Daher suchen Mediziner nach neuen Wirkstoffen.

    Universitätsklinikum Heidelberg - Pressemitteilung vom 25. Juli 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Entdeckung eines Anti-AIDS-Wirkstoffes

    "Nafanua - Die Rettung des samoanischen Regenwaldes" auf Deutsch erschienen.

    Wien - Im Rahmen des 16. Internationalen Botanischen Kongresses http://www.ibc2005.ac.at/ hat der US-Wissenschaftler Paul Cox gestern, Freitagabend, die deutsche Übersetzung seines neuen Buches "Nafanua - Die Rettung des samoanischen Regenwaldes" im Botanischen Garten von Wien vorgestellt. Nafanua ist eine Erzählung über die Entdeckung des Anti-AIDS-Wirkstoffes Prostratin und schildert den Kampf um die Rettung des samoanischen Regenwaldes, in dem der Baum heimisch ist, aus dem diese Substanz stammt. Der Direktor des US-amerikanischen Instituts für Ethnomedizin beschreibt in einer bewegenden Geschichte seine Erfahrungen und Studien mit samoanischen HeilerInnen und wie er seine Familie auf die Insel brachte und versuchte ein Heilmittel gegen Krebs zu finden, dem seine Mutter zum Opfer gefallen war.

    Für die wissenschaftliche Arbeit mit Prostratin hat das TIME Magazine den Ethnobotaniker zu einem von elf "Helden der Medizin" erklärt. In den USA wird der Anti-AIDS-Wirkstoff gerade von der AIDS Research Alliance klinisch getestet. Prostratin ist nachweislich der erste Wirkstoff, der versteckte Viren im Körper entdeckt, die bisher gegen alle derzeitigen AIDS-Medikamente resistent waren. Bei seinen Forschungen beruft sich Cox auch auf botanische und ethnologische Studien, die im 19. Jahrhundert vom Wiener Botaniker Karl Rechinger durchgeführt wurden. Dieser hatte Aufzeichnungen über die Pflanzen auf Samoa gemacht.

    Organisiert wurde die Veranstaltung von Nu Skin Germany/Austria, der deutschen Niederlassung des internationalen Unternehmens Nu Skin Enterprises (NSE) Inc. http://www.nuskinenterprises.com Cox arbeitet eng mit der von NSE finanzierten Nu Skin Force for Good Stiftung http://www.forceforgood.org zusammen, einer Organisation, die zur Rettung von Inselwäldern und -kulturen beiträgt. Die Nu Skin Force for Good erhält ihre Fördermittel zum Großteil durch den Verkauf der Epoch Körperpflegeprodukte, die ebenfalls auf Grundlage von Pflanzen aus dem Regenwald entwickelt wurden. Vom Erlös des Bücherverkaufs gehen 90 Prozent an die Seacology Foundation http://www.seacology.org, durch deren Hilfe bisher weltweit mehr als 100 Schulen und Krankenhäuser für eingeborene Kulturen errichtet worden sind.

    Für sein Engagement im Umweltschutz wurde Paul Cox mit dem mit 125.000 Dollar dotierten Goldman-Umweltschutzpreis ausgezeichnet. Der Wissenschaftler hat das gesamte Preisgeld an das saomanische Dorf gespendet, in dem er 1985 mit seiner Familie gelebt hatte. Weil die Einheimischen damals kein Geld hatten, um eine Schule zu bauen und deshalb Teile des Regenwaldes verkaufen wollten, hatte Cox das Gebiet für 85.000 Dollar aufgekauft und es gerettet. Der Wissenschaftler betont, dass zur Medikamentenherstellung keine Pflanzen aus den Inselgebieten entwendet werden, sondern extra dafür gezüchtet. Er fügt scherzhaft hinzu: "Wo andere einen Regenwald sehen, sehe ich eine Apotheke."

    Pressetext Austria - Meldung vom 23. Juli 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Anti-Aids-Konzeption der russisch-orthodoxen Kirche

    Moskau - Mit Predigten und Warnungen vor dem Sittenverfall will die Orthodoxe Kirche gegen die Ausbreitung von HIV und Aids vorgehen. Kondome bleiben aber auch weiterhin unerwünscht.

    Eine von der Kirchenleitung abgesegnete Konzeption über den Beitrag der Orthodoxie zum Kampf gegen die Seuche rückt Aids erstmals ins Zentrum des kirchlichen Lebens. Bisher hatte die russisch-orthodoxe Kirche Aids im Wesentlichen nur verdrängt.

    Rettender Hafen und fürsorgliche Familie

    Das vielseitige Grundsatzpapier fordert die Kirchengemeinden jetzt dazu auf, sich aktiv um HIV-Infizierte und Aids-Kranke zu kümmern. Keinesfalls dürften diese Menschen in der Gemeinde auf Kälte oder gar Feindseligkeit stoßen. HIV-Infizierte müssten in der orthodoxen Kirche vielmehr einen „rettenden Hafen und eine fürsorgliche Familie“ finden, heißt es in der kirchlichen Anti-Aids-Konzeption.

    Die Kirche lehre, dass man die Sünde, aber nicht den Sünder hassen solle. Kein Gläubiger dürfe daher wegen einer HIV-Infektion vom Abendmahl oder anderen kirchlichen Sakramenten ausgeschlossen werde.

    Einige orthodoxe Gemeinden in Moskau, St. Petersburg, Kiew und anderen GUS-Großstädten betreuen bereits seit Jahren Betroffene und ihre Familien. Dort werden regelmäßig Gebete eigens für HIV-Infizierte und Aids-Kranke abgehalten.

    Nicht nur um den Körper, auch um die Seele kämpfen

    Außerhalb der eigenen Mauern will die Kirche mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln „traditionelle Werte“ propagieren. „Wir sagen seit Langem: Das beste Mittel gegen Aids ist die Predigt eines Lebens in einer festen Familie, mit ehelicher Treue und ohne Drogen“, sagt Wsewolod Tschaplin, der stellvertretende Leiter des kirchlichen Außenamtes.

    AIDS-Hilfe-Organisationen reagierten verhalten positiv auf das Erscheinen des Kirchen-Dokuments. „Das sind alles vernünftige Ideen“, meint Igor Sadrejew vom Moskauer Büro der Stiftung „Aids Foundation East West“, „bleibt zu hoffen, dass auch alles umgesetzt wird“.

    Auch die Orthodoxe Kirche betont in ihrer Anti-Aids-Konzeption die Bedeutung der Zusammenarbeit mit gesellschaftlichen Organisationen, setzt der Partnerschaft zugleich aber enge Grenzen: Eine Kooperation mit Organisationen, die „mit der christlichen Moral unvereinbares“ Verhalten unterstützen, sei unmöglich, heißt es in dem Papier.

    Keine Kooperation der Kirche mit „unmoralischen“ Organisationen

    Damit bleiben die auch bei den russischen Behörden stark umstrittenen Kampagnen zum Spritzentausch bei Drogensüchtigen oder für die Verwendung von Kondomen weiter im Sperrfeuer kirchlicher Kritik.

    Die Orthodoxe Kirche lehnt zwar Verhütungsmittel nicht ganz so kategorisch ab wie die Katholische, verurteilt jedoch grundsätzlich außerehelichen Sex. „Wenn ein Mensch nicht an Aids erkrankt, weil er ein Kondon oder eine Einwegspritze verwendet, so führt er doch auch weiterhin ein sündhaftes Leben“, so Wsewolod Tschaplin. „Auf jeden Fall ist es besser, auch um die Seele der betroffenen Menschen zu kämpfen und nicht nur um seinen Körper.“

    Offiziell 318.000 Aids-Infizierte in Russland

    Offiziell leben in Russland derzeit 318.000 mit dem Immundefizit-Virus infizierte Menschen, die Weltgesundheits-Organisation WTO geht aber bereits von einer tatsächlichen Zahl von etwa einer Million aus. Der Eiserne Vorhang sorgte lange dafür, dass die Aids-Epidemie Russland erst viele Jahre nach den anderen Regionen der Erde erreichte Die Seuche breitete in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion bislang vor allem unter Drogensüchtigen aus. Inzwischen erfolgen aber nach Angaben der „Aids Foundation East West“ bereits über die Hälfte aller Neuansteckungen durch Intimkontakte. (Karsten Packeiser)

    Russland Aktuell vom 22. Juli 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Nebenwirkungen der HIV-Therapie bekämpfen

    HIV-Patienten müssen täglich mehrere Medikamente einnehmen, damit das Virus in ihrem Körper in Schach gehalten wird. Das ist mit teils starken Nebenwirkungen verbunden. Einige davon lassen sich vielleicht relativ einfach mildern, wie Mediziner von der Uni Würzburg gemeinsam mit Kollegen aus Freiburg und München herausgefunden haben.

    Aids ist nach wie vor nicht heilbar. Dank verschiedener Medikamente ist diese chronische Virusinfektion aber zu einer behandelbaren Krankheit geworden. Zu den Nebenwirkungen der Langzeit-Therapie gehören Stoffwechselstörungen, die zum Beispiel einen Schwund des Fettgewebes oder eine Übersäuerung des Blutes bewirken. Letzteres kann, wenn es massiv auftritt, sogar lebensbedrohlich sein.

    "Die genannten Begleiterscheinungen gehen auf eine bestimmte Gruppe von Medikamenten zurück, die nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren heißen", so Hartwig Klinker vom Schwerpunkt Infektiologie der Medizinischen Klinik II der Uni Würzburg. Diese Wirkstoffe schädigen die Energiefabriken der Körperzellen, die Mitochondrien.

    Mit speziellen Analysen haben die Wissenschaftler nachgewiesen: Patienten, die mit den fraglichen Medikamenten behandelt werden und an den beschriebenen Nebenwirkungen leiden, haben deutlich weniger Uridin im Blut als gesunde Menschen. Uridin ist ein körpereigener Stoff und unter anderem ein Baustein des Erbguts.

    "Bei einzelnen Patienten und in Experimenten mit Zellkulturen wurden Hinweise darauf gefunden, dass sich die Nebenwirkungen abschwächen könnten, wenn die Patienten Uridin einnehmen", erklärt Klinkers Mitarbeiter Ralf Winzer. "Weitere Untersuchungen an einer größeren Zahl von Patienten müssen nun zeigen, ob zusätzliche Uridin-Gaben bei HIV-Patienten tatsächlich sinnvoll sind."

    Ralf Winzer hat diese Forschungsergebnisse beim Deutschen und Österreichischen Aids-Kongress 2005 in Wien auf einem Poster vorgestellt und erhielt dafür einen mit 1.000 Euro dotierten Poster-Preis. Vergeben wurde die Auszeichnung von der H.W. & J. Hector-Stiftung (Mannheim). Der Preis soll zu weiteren Forschungsaktivitäten auf dem Gebiet HIV und Aids anspornen.

    Weitere Informationen: Prof. Dr. Hartwig Klinker, T (0931) 201-36020, E-Mail: klinker_h@klinik.uni-wuerzburg.de

    Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg - Pressemeldung vom 21. Juli 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher

    Verstärkte Prävention für Menschen in Haft. Heroin als Medikament nutzbar machen.

    Anlässlich des vom Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit initiierten bundesweiten Gedenktages für verstorbene Drogengebraucher/innen am 21. Juli macht die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. (DAH) mit Nachdruck auf die eklatante Benachteiligung von Menschen in Haft aufmerksam und fordert im Sinne der Stärkung von Prävention und Gesundheitsförderung die Zulassung von Heroin als Medikament zur Substitution Drogen gebrauchender Menschen.

    Die Gesundheit der Gefangenen betrifft die Gesundheit aller, denn Gefangene kommen aus der Gesellschaft und kehren in den allermeisten Fällen in ihre Lebensverhältnisse zurück. Die Gesundheit der Gefangenen ist daher ein Thema der öffentlichen Gesundheit, das uns alle betrifft, so Bärbel Knorr vom Fachbereich Drogen und Haft der Deutschen AIDS Hilfe.

    Die Gesundheit von Menschen in Haft ist durch besondere Belastungen bedroht, die erst durch die Rahmenbedingungen der Haft entstehen: überproportional starke gesundheitliche Belastungen und Erkrankungen wie Drogen- und Alkoholabhängigkeit sowie Infektionskrankheiten wie HIV und Hepatitis, Einschränkungen der Intimsphäre, Überbelegung, Bewegungseinschränkungen und alle Formen von Gewalt.

    Die Einstellung der Spritzenvergabe in Haftanstalten, ein defensives Vorgehen bei Hepatitis A und B Impfungen sowie eine Behandlung von HIV die dem Standard außerhalb von Haftanstalten nicht stand hält, ist nicht nur inhuman und gesundheitspolitisch sehr kurzsichtig sondern stellt eine dramatische Missachtung des „Äquivalenzprinzips“ (Gefangene haben Anspruch auf Gesundheitsstandards  wie sie außerhalb von Haftanstalten gelten) dar, so Dirk Schäffer Referent für Drogen und Haft der DAH.

    Die Deutsche AIDS Hilfe fordert daher die Einrichtung von Maßnahmen zur HIV/AIDS- und Hepatitis- Prävention (Spritzen- Kondomvergabe, Hepatitis A und B Impfung, Behandlung von Hepatitis C und HIV) deren Erfolge außerhalb des Vollzugs über viele Jahre dokumentiert sind.

    Kurz vor dem Abschluss der Studie zur heroingestützen Behandlung in Deutschland deuten alle Anzeichen darauf hin, dass Heroin als Medikament in der Behandlung von Heroinkonsumenten positive Ergebnisse erzielt. Als weitere Alternative in der HIV Prävention sowie als Maßnahme zur Gesundheitsförderung für Drogen gebrauchende Menschen gilt es die Behandlung mit Diamorphin auch außerhalb der bisherigen Behandlungszentren zu realisieren um insbesondere jene Menschen zu erreichen die bisher nicht oder nicht erfolgreich Behandelt wurden, so Dirk Schäffer.

    Der Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen als größter bundesweiter Aktionstag zum Thema „Drogen“ bietet die Gelegenheit, die Öffentlichkeit über die Belange und Interessen Drogen gebrauchender Menschen zu informieren und zu sensibilisieren.

    Um der vielen tausend verstorbenen Freundinnen und Freunde, Bekannten und Angehörigen zu gedenken, veranstalten Aids- und Drogenhilfen, JES- und Elterngruppen im Rahmen des Gedenktages am 21. Juli in über 40 Städten (z.B. in Wuppertal, Essen, Stuttgart, Berlin, Köln, Frankfurt, Hamburg) Mahnwachen, Informationsveranstaltungen, Gottesdienste, Trauermärsche und andere öffentliche Kundgebungen, um damit den dringenden Handlungsbedarf anzuzeigen.

    Deutsche AIDS-Hilfe e.V. - Pressemeldung vom 21. Juli 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Südafrika und EU intensivieren Zusammenarbeit in der Forschung

    Das südafrikanische Ministerium für Wissenschaft und Technologie hat eine spezielle Plattform zur Förderung der wissenschaftlichen und technologischen (W&T) Zusammenarbeit zwischen Südafrika (SA) und der Europäischen Union (EU) ins Leben gerufen. Das vom südafrikanischen Ministerium für Wissenschaft und Technologie eingerichtete "European South African Science and Technology Advancement Programme" (ESASTAP) wird von der Europäischen Kommission unter dem Sechsten Rahmenprogramm (RP6) als Maßnahme zur gezielten Unterstützung finanziert.

    ESASTAP wurde am 28. Juni in Südafrika ins Leben gerufen. Auf der europäischen Präsentationsveranstaltung am 14. Juli in Brüssel hob der südafrikanische führende Beauftragte für Wissenschaft und Technologie, Dr. Mandi Mzimba, hervor, dass SA und die EU zwar bereits eine erfolgreiche Zusammenarbeit in der Forschung vorzuweisen hätten, dies jedoch ein Zeichen für eine weitere und engere Zusammenarbeit in der Zukunft sei.

    Seit der Unterzeichnung der W&T-Kooperationsvereinbarung zwischen SA und der EU im Jahr 1996 haben 160 südafrikanische Partner am Vierten, Fünften und Sechsten Rahmenprogramm teilgenommen. Im Rahmen des RP6 können südafrikanische Forscher an Projekten in allen Tätigkeitsbereichen teilnehmen, und in SA wurden relevante Nationale Kontaktstellen (NKS) eingerichtet.

    Aktuell sind in 50, unter dem RP6 genehmigten Projekten Organisationen aus SA vertreten, obwohl einige Bereiche, wie z. B. Luft- und Raumfahrt, trotz einer starken Forschungskapazität und eines enormen Forschungspotenzials Südafrikas unterrepräsentiert sind. Die Ausweitung der Bandbreite der Zusammenarbeit und die Konzentration auf diese Bereiche ist eines der Ziele der ESASTAP-Initiative.

    Der ESASTAP-Projektkoordinator und Generaldirektor für Internationale Ressourcen im südafrikanischen Ministerium für W&T, Dr. Neville Arendse, sagte: "Dies ist ein wichtiger Meilenstein für die Partnerschaft zwischen Südafrika und der EU im Bereich Wissenschaft und Technologie." Das Projekt ziele auf eine Verstärkung und Vertiefung dieser Beziehung ab, fügte er hinzu. "Wissenschaft hat einen globalen Rahmen, und es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir unsere Verbindungen mit der internationalen Forschung verstärken."

    Die Zielsetzungen würden umfassen: Förderung des Lernens voneinander und gemeinsame Nutzung der aus Programmen gewonnenen Kenntnisse, Unterstützung der Mobilität der Forscher zur Sammlung von Erfahrungen in Spitzeneinrichtungen der EU sowie Unterstützung der Beteiligung der südafrikanischen Industrie zur Förderung von Innovation und der Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern.

    Bei der Vorstellung der Ziele und Maßnahmen von ESASTAP erklärte der Projektmanager und Manager für strategische Partnerschaften im südafrikanischen Ministerium für Wissenschaft und Technologie, Daan du Toit: "Europa ist und bleibt Südafrikas bevorzugter internationaler Partner für Wissenschaft und Technologie." Er fügte hinzu, dass eine der Prioritäten des Programms darin bestehe, südafrikanische Spitzenforschung im Bereich W&T in Europa zu vermarkten und europäischen Forschern bei der Bestimmung und Förderung geeigneter Partnerschaften mit südafrikanischen Forschern zu helfen.

    Eine Schlüsselpriorität werden Marie-Curie-Stipendien zur Förderung der Mobilität von Forschern zwischen der EU und SA in beide Richtungen sein. "Wir möchten südafrikanische Forschungsorganisationen und Universitäten als Ziele für europäische Froscher reizvoll machen. Wir haben eine wertvolle und vielfältige Wissenschaftsgemeinschaft in Südafrika, genau wie in der EU", erklärte du Toit.

    Darüber hinaus werden zwei weitere spezifische Instrumente vom südafrikanischen Ministerium für W&T zur Unterstützung der Zusammenarbeit bereitgestellt. Das RP6-Instrument für Startfinanzierung kann zur finanziellen Unterstützung der Reisekosten genutzt werden, die anfallen, wenn potenzielle Kooperationspartner besucht werden, gleichgültig ob Forscher aus SA in die EU reisen oder umgekehrt. Mit dem RP6-Instrument "Strategische Koinvestitionen" kann die südafrikanische Regierung im Fall von RP6-Projekten, die nicht komplett von der Europäischen Kommission finanziert werden, einen Teil der verbleibenden Kosten übernehmen.

    Im Anschluss an die Präsentationsveranstaltungen wird ESASTAP eine Roadshow in allen EU-Mitgliedstatten und den südafrikanischen Provinzen organisieren. Die ESASTAP-Website enthält Links zu relevanten Informationen auf der CORDIS-Website sowie Einrichtungen zur Partnersuche, eine Projektdatenbank und einen ESASTAP-Newsletter. Zudem werden im Rahmen des Projekts spezifische Konferenzen, Seminare und Workshops sowie zielgerichtete Hilfs- und Unterstützungsdienste organisiert.

    Obwohl ESASTAP sich in erster Linie auf die Förderung der Beteiligung südafrikanischer Forscher am RP6 und RP7 konzentrieren wird, wird das Programm auch versuchen, mithilfe von anderen Instrumenten zur Unterstützung der SA-EU-Partnerschaft im Bereich W&T, z. B. mit den bilateralen Kooperationsabkommen Südafrikas mit europäischen Ländern, die Zusammenarbeit zu fördern. Andere Initiativen, die im Rahmen der strategischen Partnerschaft zwischen SA und der EU umgesetzt werden, sind COST-Maßnahmen (COST - Europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der wissenschaftlichen und technologischen Forschung) und die Partnerschaft für klinische Studien zwischen Europa und den Entwicklungsländern (EDCTP). Mit Niederlassungen in Den Haag (Niederlande) und Kapstadt (Südafrika) ist das EDCTP eine Partnerschaft zwischen europäischen und Entwicklungsländern für klinische Studien für Arzneimittel und Impfstoffe gegen HIV/AIDS, Tuberkulose und Malaria.

    In Vertretung der Europäischen Kommission hat Dr. András Siegler, Direktor der Direktion "Internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit" der Generaldirektion für Forschung und technologische Entwicklung (GD FTE), an der Veranstaltung teilgenommen. Er sagte: "Dies ist ein Beispiel dafür, wie Länder auf der ganzen Welt die internationale Zusammenarbeit fördern können." Er brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass im Rahmen von ESASTAP auch die Zusammenarbeit mit anderen Ländern im südlichen Afrika gefördert wird und neue Partnerschaften für die Entwicklung Afrikas aufgebaut werden.

    Weitere Programme zur regionalen Forschung und Entwicklung umfassen die Neue Partnerschaft für Afrikas Entwicklung (New Partnership for Africa's Development - NEPAD) und die Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrika (Southern African Development Community - SADC).

    "ESASTAP sollte auch die Beteiligung Südafrikas am RP7 fördern, in dem die Zusammenarbeit mit Drittländern noch wichtiger sein wird, da die internationale Zusammenarbeit ein wichtiger Bestandteil in allen Programmen darstellen wird", sagte Dr. Siegler.

    Die ESASTAP-Website ist abrufbar unter: http://www.esastap.org.za

    Weitere Informationen über Maßnahmen zur internationalen Zusammenarbeit sind von der CORDIS-Website abrufbar unter:
    http://www.cordis.lu/fp6/inco.htm und http://www.cordis.lu/era/inco.htm

    Informationsdienst der Gemeinschaft für Forschung und Entwicklung - Cordis - Meldung vom 18. Juli 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Mikrobizide sollen Frauen beim Schutz vor HIV unabhängig machen
     

    Einige Substanzen werden geprüft / Millionen von Infekten ließen sich damit verhindern.

    Wien - Mikrobizide als Creme, Gel oder Zäpfchen vaginal appliziert sollen Frauen vor HIV schützen und sie unabhängig von den schützenden Maßnahmen der Männer machen. Einige mikrobizide Substanzen haben bereits die klinische Phase I oder II hinter sich.

    Die Präparate zerstören oder inaktivieren das Virus, bilden eine Sperre zwischen Virus und Schleimhaut oder hemmen das bereits in die Zelle integrierte Virus. In den nächsten fünf bis zehn Jahren könnte ein erstes Mikrobizid verfügbar sein.

    Angesichts der weltweit steigenden Zahl der HIV-Neuinfektionen vor allem bei Frauen, die sich über heterosexuelle Kontakte infizieren, sei es dringend nötig, alternative Methoden zum Kondom zu entwickeln, und so die Kontrolle über das Schutzverhalten den Frauen zu überlassen, forderte Dr. Brigitte Schmied aus Wien, Präsidentin des 2. Gemeinsamen Deutsch-Österreichischen Aids-Kongresses in Wien. Eine solche vor HIV-Infektion schützende Methode sei zum Beispiel ein vaginal appliziertes Zäpfchen.

    Bisherige Mikrobizide waren zwar häufig gegen das HI-Virus wirksam, aber zugleich zu aggressiv gegen die empfindliche Vaginal-Schleimhaut. Schleimhaut-Läsionen sind neue Eintrittspforten für das Virus und erhöhen sogar die Ansteckungsgefahr. Das Spermizid Nonoxynol-9 wurde als erstes Anti-HIV-Mikrobizid getestet, fiel jedoch in der Phase III durch, da es HIV-Infektionen nicht verhinderte, sondern sogar die Infektionsrate erhöhte.

    Jetzt gibt es Schmied zufolge mehrere Kandidaten und vielversprechende Ergebnisse aus Phase-I/II-Studien. In künftigen großen Phase-III-Studien ist den bisherigen Daten zufolge mit einem 60prozentigen Schutz zu rechnen. "Selbst ein Gel oder Zäpfchen, das nur zu 60 Prozent wirksam wäre und nur von 20 Prozent der Frauen genutzt würde, könnte innerhalb von drei Jahren 2,5 Millionen HIV-Infektionen verhindern", sagte Schmied.

    Ein Beispiel ist das Spermizid BufferGel, ein Gel auf wässriger Basis. Es tötet außer dem HI-Virus auch Herpes-simplex-Virus Typ 2 und hemmt zudem Chlamydia trachomatis und das Humane Papilloma-Virus. Ein anderer Ansatz wird mit Beta-Cyclodextrin verfolgt, das die Zellwanderung behindert und bei Mäusen die vaginale HIV-Übertragung verhindert.

    Als unsichtbares Kondom gilt ein Gel, das Natrium-Lauryl-Sulfat enthält. Und das in Gel gelöste HIV-Medikament Tenofovir wird derzeit als Mikrobizid in Phase-II-Studien geprüft.

    Schmied rechnet in den kommenden fünf bis zehn Jahren mit einem erstens marktreifen vaginal anzuwendenden Mikrobizid. Mikrobizide seien leicht herzustellen, deshalb relativ preiswert und somit hoffentlich auch für Frauen in Entwicklungsländern zugänglich, so die Ärztin.

    Ärzte-Zeitung vom 18. Juli 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Diskriminierung von Aids-Kranken in Russland

    Moskau - HIV-infizierte Schwangere und Mütter in Russland sind laut einem Bericht von Human Rights Watch vielfacher Diskriminierung ausgesetzt. Ihre Kinder wiederum würden häufig aus der Gesellschaft ausgegrenzt, auch wenn es dafür keine medizinischen Gründe gebe, heißt es in einem am 15. Juli 2005 veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation. Der russischen Regierung wurde vorgeworfen, internationale und nationale Vereinbarungen zum Schutz der Betroffenen zu verletzen.

    Amtlichen Statistiken zufolge kamen im Februar 2005 gut 9.500 Kinder von HIV-positiven Frauen in Russland zur Welt. Bis zu 20 Prozent dieser Babys wurden von ihren Müttern aufgegeben und sofort in Sondereinrichtungen für HIV-positive Kinder überwiesen. Ein Arzt wurde mit den Worten zitiert, die Segregation sei notwendig, um diese Kinder vor der Gesellschaft zu schützen. Human Rights Watch machte jedoch geltend, dass die medizinische Notwendigkeit vielfach gar nicht getestet werde.

    Die Organisation beklagte, dass die russische Regierung die Augen vor dem Problem Aids verschließe, obwohl das Land eine der am schnellsten wachsenden Infektionsraten der Welt habe. Nach amtlichen Angaben gibt es in Russland rund 300.000 HIV-Infizierte. Internationale Gesundheitsexperten setzen diese Zahl jedoch eher bei einer Million an. Auch die offizielle Zahl der bisherigen Aids-Toten von 4.800 könnte eher bei 13.000 liegen.

    Human Rights Watch - Pressemeldung vom15. Juli 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Thailand stellt billige Aids-Medikamente selbst her

    Kostenlose Verteilung beginnt im Oktober

    Bangkok - Die thailändische Regierung http://www.thaigov.go.th hat angekündigt, dass antiretrovirale Medikamente gegen HIV/Aids allen betroffenen Bürgern an sich kostenfrei zu Verfügung zu stellen. Die Medikamente werden entsprechend dem 30 Baht Schema der Regierung bereitgestellt. Das bedeutet, dass die Behandlung weniger als einen Dollar kosten wird. Die Behandlung basiert auf dem generischen Medikament GPO/VIR wird ab Oktober abgegeben werden. Es wird laut BBC geschätzt, dass in Thailand rund 500.000 Menschen HIV positiv sind.

    Mit dieser Initiative übernimmt die thailändische Regierung eine Pionierrolle bei der Herstellung von billigen Generika gegen HIV/Aids. Die Medikamente wurden bereits in Pilotprojekten für Gruppierungen mit geringem Einkommen bereitgestellt. In Zukunft sollen sie allen Betroffenen zugänglich gemacht werden. In der Vergangenheit war der für die Behandlung eingesetzte komplizierte Cocktail aus verschiedenen Medikamenten für eine weitere Verbreitung zu teuer. Durch die Kombination aller dieser Medikamente in einer Tablette ist es der Pharmaceutical Organisation der Regierung gelungen, eine billige Alternative herzustellen, die leicht verschrieben und beobachtet werden kann. Thailand hat bereits begonnen, antiretrovirale Medikamente in Nachbarländer wie Kambodscha zu exportieren. Derzeit wird überlegt, ob dieses Verfahren auch verschiedenen afrikanischen Ländern angeboten werden soll.

    Pressetext Austria - Meldung vom 14. Juli 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    AIDS-Strategie der Bundesregierung - national und global

    Das Bundeskabinett hat die gemeinsam vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vorgelegte HIV/AIDS-Bekämpfungsstrategie der Bundesregierung beschlossen. Die Bundesministerinnen Heidemarie Wieczorek-Zeul und Ulla Schmidt stellen sie der Presse vor. Das Strategiepapier beschreibt die internationale und die deutsche epidemiologische Situation, die Herausforderungen für die Politik, Ziele und Lösungsansätze, um der noch immer ungebrochenen Zunahme von Neuinfektionen Einhalt zu gebieten.

    Die internationale Lage beschreibt Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul so: „Jährlich sterben weltweit drei Millionen Menschen an HIV/AIDS, 40 Millionen sind infiziert. Allein in Afrika südlich der Sahara haben 12 Millionen Kinder ein oder beide Elternteile durch AIDS verloren - das sind genauso viele Kinder wie in Deutschland leben. Das bedeutet: HIV/AIDS bringt unermessliches Leid für die Menschen - und es ist ein gravierendes gesellschaftliches und ökonomisches Problem. Vor diesem Hintergrund hat sich die internationale Gemeinschaft im Jahr 2000 in der Millenniumserklärung verpflichtet, bis zum Jahr 2015 die Ausbreitung von HIV/AIDS zu stoppen und den Trend umzukehren. Wir als Bundesregierung haben die Bekämpfung von HIV/AIDS zu einem Schwerpunkt unserer Entwicklungszusammenarbeit gemacht und stellen dafür pro Jahr rund 300 Millionen Euro zur Verfügung.“

    Aber auch in Deutschland ist die Gefahr keineswegs gebannt, unterstreicht Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt: „Aktuell nimmt die Zahl der Neu-Infizierten wieder zu. Im Jahr 2002 sind insgesamt 1.735 Erstdiagnosen registriert worden, im Jahr 2004 waren es 1.928. Besonders beunruhigend ist der starke Anstieg der Sexualkrankheiten, die die HIV-Infektion begünstigen. Der problemlose Zugang zu Beratung und Therapie verbessert und verlängert das Leben Infizierter zum Teil erheblich. Das hat aber den gefährlichen Effekt, dass AIDS von Vielen nicht mehr als unmittelbar lebensbedrohliche Krankheit wahrgenommen wird und vorbeugendes Verhalten
    abnimmt.“

    Die Bundesregierung hat deshalb ihre bewährte nationale und internationale Politik der HIV/AIDS-Bekämpfung in einem umfassenden Strategiepapier zusammengefasst. Die Strategie bündelt die eigenen Kräfte und Kenntnisse und betont die Bedeutung der Zusammenarbeit  insbesondere mit den Vereinten Nationen, UNAIDS, der Weltgesundheitsorganisation, der Europäischen Union, im Rahmen der G8-Verhandlungen und innerhalb des Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria (GFATM).

    „Unser erfolgreiches Präventionskonzept mit der Zusammenarbeit von staatlichen und nichtstaatlichen Partnern wird weiterhin die Grundlage sein“, betont Ulla Schmidt.  Vor allem geht es darum, das Bewusstsein für den notwendigen Schutz vor HIV aber auch anderen Infektionen zu erhalten. Wir brauchen weiterhin ein Klima der Solidarität mit Betroffenen. Aber wir brauchen auch mehr Anstrengungen in der Forschung.“

    Eckpunkte der deutschen Strategie zur Bekämpfung von HIV/AIDS, die sowohl national als auch international gelten, sind weiterhin:

    1.  Eine vorurteilsfreie Aufklärung über die Übertragungswege und Prävention, um Neuinfektionen zu verhindern und das Schutzverhalten zu stärken.
    Die Bundesregierung wird ihre zielgruppengerechte Herangehensweise fortsetzen. Die Präventionsarbeit wird verstärkt auf Menschen mit Migrationshintergrund ausgerichtet. Beratungsangebote werden kultursensibel angepasst, z. B. an die Bedürfnisse junger Migranten und Migrantinnen. Wir sehen das Internet als Plattform der Kommunikation und auch der Partnersuche als Chance, bestimmte Zielgruppen noch besser zu erreichen.

    2.  Der universelle Zugang zu adäquater Behandlung und Therapie für HIV-Infizierte und AIDS-Kranke.
    In Deutschland hat grundsätzlich jeder Zugang zu Beratung und Therapie. Es gilt, die Versorgung auf dem jeweiligen Stand der Wissenschaft zu halten, Ärzte und medizinisches Personal für die Beratung und Betreuung von HIV/AIDS-infizierten Menschen zu qualifizieren und interkulturell aus- und weiterzubilden.

    3.  Die Schaffung eines gesellschaftlichen Klimas der Solidarität, das zugleich    eine Diskriminierung Betroffener verhindert.
    Nichtdiskriminierung ist die Grundlage jeder erfolgreichen  Präventionsstrategie, denn Angst vor Diskriminierung und Stigmatisierung nötigt die Betroffenen zum Verheimlichen ihrer Infektion und macht sie somit zu einer Gefahrenquelle für andere. Deutschland hat von Anfang an die Selbsthilfeorganisationen der Betroffenen und ihre Aktionen unterstützt; dies hat zur deutlichen Erhöhung der Akzeptanz der HIV/AIDS- Erkrankten in der Gesellschaft geführt.

    4.  Koordination und Kooperation
    Der Erfolg der deutschen HIV/AIDS-Bekämpfung ist vielen Akteuren zu danken. Die Bundesregierung  wird die vertrauensvolle und enge Zusammenarbeit fortsetzen. Auf Bundesebene wird eine interministerielle Arbeitsgruppe eingesetzt, die die Kompetenzen der verschiedenen Ministerien bündeln und zusätzliche Wirkung entfalten wird.

    5.  Die Erfassung der Epidemiologie der Neuinfektionen
    Eine wirksame HIV/AIDS-Bekämpfungsstrategie erfordert eine genaue Kenntnis der betroffenen Gruppen. Das Instrument der Surveillance (Überwachung) liefert Daten über die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Seuche und den Erfolg der Maßnahmen. Deutschland wird mit dem neuen „Europäischen Zentrum zur Prävention und Kontrolle von Krankheiten“ bei der Weiterführung und Weiterentwicklung der europäischen HIV/AIDS-Surveillance zusammenarbeiten.

    6.  Der Ausbau der biomedizinischen und sozialwissenschaftlichen Forschung
    Gegen die zurzeit eingesetzten Medikamente werden zunehmend Resistenzen beobachtet. Ein dauerhafter Schutz existiert nicht. Deutschland bringt sich verstärkt bei der über die Europäische Union laufenden Entwicklung und Förderung neuer Ansätze ein und hat zudem auch national eine starke Forschung aufgebaut. Im Rahmen des Kompetenznetzwerks  HIV/AIDS wird eine Vielzahl von eng vernetzten Projekten bearbeitet.

    7. Eine kontinuierliche Evaluation des Erreichten
    Eine kontinuierliche Bestandsaufnahme und Überprüfung der Wirksamkeit von Maßnahmen ist zur Stärkung der Kompetenz und Qualitätssicherung unerlässlich. In Zusammenarbeit mit anderen Staaten und internationalen Organisationen wird Deutschland bei der Entwicklung einheitlicher Kriterien und Systeme zur Evaluierung von Maßnahmen mitwirken. Dabei werden die Betroffenen und ihre Organisationen einbezogen.

    Heidemarie Wieczorek-Zeul hebt hervor: „Diese sieben Eckpfeiler tragen nicht nur das nationale Konzept, sondern bestimmen auch im europäischen und globalen Kontext die deutsche Position. Dazu gehören der politischen Dialog mit den Partnerländern und internationalen Organisationen; die Unterstützung unserer Partnerländer beim Ausbau des Gesundheitswesens; die Stärkung der Rolle der Frau für ein selbst bestimmtes Sexualverhalten; der Zugang zu Kondomen; neue Entwicklungspartnerschaften mit starken Partnern in den Heilberufen, in den Medien, in der Zivilgesellschaft, in der Forschung und in der Wirtschaft im Rahmen des Public-Private-Partnership-Ansatzes sowie die Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten, insbesondere durch Zugang zu kostengünstigen Medikamenten.“

    Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung - Pressemeldung vom 13. Juli 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aidsmedikament für den Kongo produziert

    Tönisvorst - Seit heute werden die preiswertesten Aidsmedikamente für den Kongo in der ostkongolesischen Stadt Bukavu produziert. „Das ist ein Lichtblick im Kampf gegen Aids", sagt Bernd Pastors, geschäftsführender Vorstand des Deutschen Medikamenten-Hilfswerks action medeor anlässlich der offiziellen Einweihung der Tablettenproduktion in Bukavu im Kongo. „Hier ist es gelungen, trotz schwierigster Bedingungen das erste Kombinationspräparat gegen Aids in Afrika herzustellen." Mit dem Nachahmerpräparat Afri-Vir, entwickelt von der thailändischen Pharmazeutin Krisana Kraisintu, kostet die Behandlung im Jahr 150 Euro gegenüber 500 Euro für patentgeschützte Medikamente in Entwicklungsländern.

    Das Aidsmedikament wurde vor drei Jahren von Kraisintu in Thailand entwickelt und ist nicht nur extrem preiswert, sondern vereinfacht auch die Aidsbehandlung erheblich. Es enthält drei verschiedene Wirkstoffe und statt einer komplizierten Einnahmevorschrift braucht der Patient nur zwei Tabletten täglich. „Die Weltgesundheitsorganisation hat das Mittel schon ein Jahr nachdem es in Thailand auf den Markt kam, als Therapie der ersten Wahl gelistet", so Krisana Kraisintu.

    Produziert werden die Tabletten bei dem kongolesischen Unternehmen Pharmakina unter deutsch-französischer Leitung. „Die ursprüngliche Idee war, meine Angestellten und ihre Familien zu versorgen", erzählt Firmeninhaber Horst Gebbers. Für sie hat er sowohl ein Diagnostik- und Therapiezentrum mit dem dazu gehörigen Personal wie auch die Medikamentenproduktion organisiert.

    „Als wir von dem Projekt hörten, haben wir es als ein Lösungsmodell für die Aidstherapie in Afrika erkannt", berichtet Pastors. „und hoffen, damit eine Signalwirkung zu erzielen. Gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen wollen wir dieses Medikament möglichst vielen Menschen kostenlos zur Verfügung stellen und setzen Spenden für die Therapie von Aidskranken ein. Außerdem kooperieren wir als Fachorganisation mit Pharmakina bei der Qualitätssicherung der Produktion." Unterstützt wird das Projekt auch von dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

     „Obwohl in Schwarzafrika inzwischen 500.000 Menschen mit antiretroviralen Medikamenten behandelt werden - das sind drei Mal mehr als noch vor einem Jahr - kommt der Kampf gegen Aids nur mühsam voran", sagt Pastors. Nach Schätzungen der WHO müssen 4,7 Millionen Menschen dringend mit antiretroviralen Medikamenten behandelt werden.

    Deutsches Medikamenten-Hilfswerk action medeor - Meldung vom 11. Juli 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Doch Preisnachlass für Kaletra

    Rio de Janeiro - Brasilien hat mit dem US-Konzern Abbott eine Preisreduktion für dessen Aids-Medikament Kaletra vereinbart.

    Der jetzt vereinbarte Preis sei nun vergleichbar mit dem von ähnlichen Medikamenten aus Indien oder der einheimischen Produktion, teilte das Gesundheitsministerium mit. Die Vereinbarung bringe im kommenden Jahr Einsparungen von 18 Millionen Dollar und für die kommenden sechs Jahre 259 Millionen. Brasilien hat bereits ähnliche Vereinbarungen mit anderen Herstellern erreicht, denen es ebenfalls mit einem Bruch des Patents gedroht hatte.

    Know-how kommt nach Brasilien

    Es sei garantiert, dass 234.000 Brasilianer mit Kaletra versorgt würden, teilte das Ministerium weiter mit. Zudem sei vereinbart worden, dass Abbott sein Know-how für das Medikament 2009 nach Brasilien übertrage, so dass ein einheimischer Hersteller das Mittel im eigenen Land herstellen kann. Die UNO stufen das Aids-Präventionsprogramm Brasiliens als vorbildlich ein. Das Land versorgt seine Aids-Patienten kostenlos mit notwendigen Medikamenten.

    Nachrichten.ch vom 9. Juli 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Maßnahmen zur Bekämpfung der HIV-Epidemie in Moskau nötig

    HIV-Infektionsraten in gefährdeten Gruppen in Moskau liegen vielleicht zwischen 30 und 120 Mal höher als in der russischen Durchschnittsbevölkerung, so dieser Artikel. US-Forscher fanden hohe Raten an HIV-Infizierten und Personen mit sexuell übertragbaren Infektionen (STI) bei obdachlosen Erwachsenen, jugendlichen Straftätern und Häftlingen in Untersuchungshaft, besonders Frauen.

    Die Rate der HIV-Neuinfektionen steigt stetig, und die Epidemie der sexuell übertragbaren Krankheiten wächst in Russland mit alarmierender Schnelligkeit. Die höchste Infektionsrate findet man in Großstädten wie Moskau, wo Infektionen sich über Hochrisikogruppen, wie zum Beispiel Drogenabhängige und Prostituierte, schnell in die heterosexuelle Bevölkerung ausbreiten.

    Anna Shakarishvilli von den US Centres for Disease Control and Prevention und ihre Kollegen untersuchten die Häufigkeit von STI und HIV-Infektionen in gesellschaftlichen Randgruppen in Moskau. Zwischen Januar 2001 und April 2002 überwachten die Forscher 200 Mädchen und Jungen in einer Jugendstrafanstalt, 202 Frauen und 200 Männer in einer Anstalt für Obdachlose und 200 Frauen und 60 Männer im Untersuchungsgefängnis im Zentrum in Moskau. 160 Frauen in dem Untersuchungsgefängnis waren Prostituierte. Die Forscher fanden heraus, dass bei 97 jugendlichen Straftäterinnen, bei 120 Frauen aus dem Untersuchungsgefängnis und bei 133 obdachlosen Frauen mindestens eine bakterielle sexuell übertragbare Krankheit nachzuweisen war. HIV-Infektionen waren bei Frauen aus dem Untersuchungsgefängnis häufig, ebenso bei männlichen erwachsenen Straftätern und obdachlosen Frauen. Zweimal so viele Frauen wie Männer in Jugend- und Obdachlosenheimen berichteten von intravenösem Drogenmissbrauch innerhalb des ersten Jahres.

    Dr. Shakarishvilli erklärt: "Im Hinblick auf die deutlich erhöhten Infektionsraten und das Risikoverhalten bei Frauen im Vergleich mit Männern aus unserer Studie und den steigenden HIV-Infektionsraten bei Frauen der Russischen Föderation ist das Potenzial perinataler Übertragung und heterosexueller Verbreitung von HIV in Moskau sehr hoch. Unsere Ergebnisse zeigen den dringenden Interventionsbedarf zum Beispiel für ein Screening nach sexuell übertragbaren Infektionen, eine Beratung und Gesundheitserziehung sowohl innerhalb als auch außerhalb von Strafanstalten. Der Fokus sollte auf Frauen und jungen Menschen aus Risikogruppen liegen, insbesondere im Überschneidungsbereich zwischen Prostitution und Drogenabhängigkeit."

    Quelle: A Shakarishvili and others. Sex work, drug use, HIV infection, and spread of sexually transmitted infections in Moscow, Russian Federation. Lancet 2005; 366: 57

    The Lancet, Juli 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Frauen im südlichen Afrika sind doppelt von AIDS betroffen

    Die dramatische Ausweitung von HIV in Simbabwe betrifft zunehmend Frauen und Mädchen.
    Hintergrundreportage unter: http://www.aswnet.de/aktuelles/simbabwereportage.html

    „In den letzten Jahren mussten wir feststellen, dass die Zahl der infizierten Frauen in der Bevölkerung schneller wächst, als die der Männer, doch besonders erschreckend ist das Verhältnis bei den unter 25jährigen“, so Gladys Mabaso, Leiterin der ASW-Partnergruppe Centre for Environment, Preventive Health Care and Counselling (CEPHAC) in Kwekwe. Die gelernte Krankenschwester schätzt, dass ca. drei Viertel der Infizierten dieser Altersgruppe weiblich sind. Gründe hierfür liegen ihrer Ansicht nach nicht nur in der fehlenden Aufklärung, sondern sind ebenso struktureller Natur. Arbeitsmigration und traditionelle soziale Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen verursachen ein Abhängigkeitsverhältnis, das Frauen erhöhten Risiken aussetzt.

    Das einstige Musterland Simbabwe leidet seit Jahren unter der Misswirtschaft der Mugabe-Regierung. Das staatliche Gesundheitssystem ist zusammengebrochen. Lediglich drei Prozent der Aidskranken können sich die Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten leisten. „Die anderen 97 Prozent müssen auf familiäre Versorgung und Basisgruppen als Unterstützungsstruktur zurückgreifen“, erläutert Michael Franke, Afrikareferent der ASW. „Diese werden in der Regel von Frauen geschaffen, die für die Pflege von Familienangehörigen ihre eigene Bildung und Arbeit zurückstellen. Sie sind somit in doppelter Hinsicht von Aids betroffen, als Infizierte, und als Versorgerinnen, meistens sogar beides.“

    HIV-Infizierte werden in Simbabwe immer noch sehr stark stigmatisiert. „Deswegen ist es wichtig, dass wir bei CEPHAC den betroffenen Männern und Frauen eine erste Anlaufstelle bieten und das Schweigen brechen“, erklärt Gladys Mabaso. Das Zentrum wurde 1997 gegründet, und organisiert Unterstützungsgruppen und Aufklärungsarbeit. Für Mabaso ist die gesellschaftliche Diskriminierung eine der Hauptursachen für die immense Ausbreitung des Virus. Eine Chance im Kampf gegen AIDS in Simbabwe sieht sie in der direkten Aufklärung über die Ansteckungswege, aber auch in der Thematisierung sexueller Gewalt und Ausbeutung der Frauen. „Auf Unterstützung durch die Regierung können wir hierbei jedoch nicht zählen“, so Gladys Mabaso. Deswegen sind viele unabhängig Initiativen wie CEPHAC dringend auf die Unterstützung durch ausländische Hilfsorganisationen angewiesen.

    ASW - Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt e.V. – Pressemeldung vom 4. Juli 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Effektive Hilfe statt leerer Versprechungen

    Größeres Engagement der Industrieländer zur wirksameren Armutsbekämpfung (Erreichung der Millenniumsziele) dringend notwendig.

    Die Hilfsorganisation WORLD VISION appelliert an die Regierungen der G-8-Staaten, beim G8-Gipfel Anfang Juli in Gleneagles Ernst zu machen mit der Umsetzung von Versprechungen, damit die UN-Millenniumsziele (MDG) doch noch erreicht werden.

    Wichtigste Forderungen sind:
    Aufstockung der Hilfe: Wenn die MDGs erreicht werden sollen, ist eine Aufstockung der Gelder von jetzt $50 Mrd. auf $73 Mrd. im Jahr 2006 und auf $135 Mrd. im Jahr 2015 erforderlich. Es wäre gut, neue Finanzmittel (wie eine Flugsteuer) zu erschließen, aber die reichen Geberländer müssen daran erinnert werden, dass sie noch immer weit hinter ihrem Versprechen hinterher hinken, 0,7% ihres Bruttosozialproduktes für die armen Länder bereit zu stellen.

    Hilfe muss effektiver werden: Die Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern muss im Sinne einer Reformpartnerschaft verbessert und harmonisiert werden. Rechtsstaatlichkeit und transparente Entscheidungsprozesse, eine funktionierende Verwaltung und die Möglichkeit demokratischer Beteiligung sind zentrale Voraussetzungen für nachhaltige Entwicklung, aber nicht mit kurzfristigen Hilfsprogrammen zu erreichen. Gelder der Geberländer müssen über längere Zeiträume gewährt werden, um besser mit ihnen planen zu können; und sie sollten vor allem für den Zweck der Armutsbekämpfung eingesetzt werden, insbesondere für Bildung und Gesundheit.

    Schulden müssen zu 100% erlassen werden: Die G8-Länder müssen den Empfehlungen der G-8-Finanzminister folgen, den armen Ländern ihre Schulden zu 100% zu erlassen. Die Gelder für den Schuldenerlass dürfen aber nicht mit der offiziellen Entwicklungshilfe verrechnet werden, sondern müssen sich aus zusätzlichen Quellen speisen; dies ist keine Zeit für clevere Buchhaltung.

    Fairer Handel soll den armen Ländern bessere Marktchancen eröffnen: Das Einkommen, das den armen Ländern durch unsere Agrarsubventionen und damit ungleiche Handelschancen verloren geht, übersteigt das Finanzvolumen, das die Geberländer ihnen bisher an Schulden erlassen haben. Der Abbau von Subventionen in den reichen Ländern würde den armen Ländern helfen, höhere Einkommen selbst zu erwirtschaften.

    Es sollen endlich alle Kinder zur Schule gehen können: Grundschulbildung als verbrieftes Menschenrecht wird heute zwar von allen akzeptiert, aber noch lange nicht für alle praktiziert. Geberländer wie Entwicklungsländer müssen ihre Beiträge für die Schulbildung drastisch erhöhen, damit wirklich alle Kinder – Jungen, Mädchen und marginalisierte Kinder wie Waisen oder Behinderte – lesen, schreiben und rechnen lernen.

    Die HIV/Aids-Verhütung muss verstärkt und Medizin den Aids-Patienten zur Verfügung gestellt werden: Die G8-Länder – und insbesondere die Bundesrepublik Deutschland – müssen ihre Versprechungen einlösen, den Globalen Fond mit ausreichenden Finanzmitteln auszustatten. Allein 2005 besteht eine Deckungslücke von 700 Millionen US-$; für 2006 und 2007 benötigt der Fonds noch 7 Mrd US$, um laufende Programme weiterzuführen. Andernfalls ist eine weiterer drastischer Anstieg der HIV-Infizierungen und Aids-Toten zu erwarten.

    15 Millionen Aids-Waisen weltweit benötigen wirksamere Unterstützung: Die G8-Länder sollten ihren Beitrag für Aids-Waisen drastisch auf 10% ihrer HIV/Aids-Ausgaben erhöhen, damit diese Kinder eine Zukunftschance erhalten. Aids-Waisen leiden nicht nur unter dem traumatischen Verlust ihrer Eltern, ihnen fehlt es auch an Nahrung, Obdach, Kleidung, Schulbildung und Gesundheitsversorgung. Sie sind Opfer von Diskriminierung, Gewalt und Ausbeutung.

    Diese Maßnahmen sind nötig, damit der Teufelskreis aus Armut, Krankheit, Unwissenheit und HIV/Aids durchbrochen werden kann. 30.000 Kinder sterben täglich an den Folgen von Hunger, Krankheit oder Gewalt – das sind mehr als 10 Millionen jährlich. 600 Millionen Kinder müssen täglich mit weniger als einem Dollar am Tag auskommen. Mehr als einer Milliarde Kinder fehlt es an lebensnotwendigen Gütern wie sauberem Wasser.
    „Armut ist nicht unvermeidbar. Armut hat System. Armut kann wirksam bekämpft werden", sagt Günther Bitzer, Direktor von WORLD VISION Deutschland e.V. mit Blick auf den bevorstehenden G8-Gipfel. Dabei müsse die Hilfe vor allem bei den Kindern ansetzen, da sie die Träger der zukünftigen Entwicklung seien. „Es darf keine leeren Versprechungen mehr geben, keine Entschuldigungen. Die Zeit zum Handeln ist jetzt."

    WORLD VISION Deutschland e.V. – Meldung vom 3. Juli 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Sicherheitskräfte sollen im Kampf gegen Aids helfen

    Kobe - Angesichts steigender HIV-Infektionsraten wollen asiatische und pazifische Staaten auf die Hilfe von Streitkräften und der Polizei setzen. Dank ihrer Autorität könnten sie eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit spielen, sagte Polizeisprecherin Paula Stevens am Samstag auf der siebten internationalen Konferenz über Aids in Asien und im Pazifik. Ein UN-Experte bezeichnete Aids auf der Tagung in Kobe als «stillen Tsunami».

    «Das Virus tötet nicht Hunderttausende mit einem Donnerschlag, und es sorgt nicht für bewegende Fernsehbilder», sagte JVR Prasada Rao, der Regionaldirektor von UNAIDS. Rao forderte, die Hilfe zur Bekämpfung von Aids auf fünf Milliarden Dollar (vier Millionen Euro) aufzustocken.

    Die Staaten in Asien und im Pazifik haben die weltweit zweithöchste HIV-Infektionsrate. Die Sicherheitskräfte selbst gelten dabei als besondere Risikogruppe. Bei Soldaten und Polizisten sei die Ansteckungsgefahr zwischen zwei und fünf Mal höher als beim Rest der Bevölkerung, erklärte Majorin Farhana Yasmin aus Bangladesch. Die Ausbreitung von HIV-Infektionen solle nicht nur unter den Angehörigen der Sicherheitskräfte eingedämmt werden, sondern sie sollen helfen, der Bevölkerung eine andere Einstellung gegenüber der Immunschwächekrankheit zu vermitteln. Die Polizeikräfte aus 21 pazifischen Staaten wollen zudem ein gemeinsames Programm ins Leben rufen, in dem alle Rekruten und Offiziere vor Auslandseinsätzen über HIV und Aids aufgeklärt werden sollen.

    In Indonesien sind inzwischen rund 80 Prozent der HIV-Infizierten Drogenabhängige. Kostenlose Nadeln und Methadon-Behandlungen sollen hier eine weitere Ausbreitung der Krankheit verhindern. In den vergangenen Monaten wurden sieben Anlaufstellen eröffnet, in denen Junkies sterile Nadeln erhalten. Im Juni eröffnete die Regierung die dritte Methadon-Klinik. Erwogen wird derzeit, in jeder der 32 Provinzen des Landes Anlaufstellen für Drogenabhängige einzurichten. Auch China und Malaysia wollen die Verteilung kostenloser Nadeln anbieten.

    Yahoo News vom 2. Juli 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

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