HIV AIDS Infos Online
     

     
      Ausgabe 30
        Jahrgang 10
      Dezember 2005
     
     
    Inhaltsverzeichnis Homepage der Praxis


    Vorbemerkung
    Impressum
     
     


     
     

    Längere Überlebenszeit bei Lymphomen seit Einführung der HAART
    Retrovirus-Bulletin 3/2005
    Kürzungen sind das falsche Signal
    HAART reduziert Mortalität auch nach AIDS-Diagnose
    Neue Offensive der BZgA bei Aids-Aufklärung
    Thailand: Safer Sex auf absteigendem Ast
    Geschlechtskrankheiten oft im Kombi-Pack
    ICAAC: TMC114 und TMC125 zeigen Aktivität gegen resistentes HIV
    Mindeststandards für Verlaufskontrolle in Afrika erprobt
    Aids-Behandlung nur mit Vitaminen kann Menschenleben gefährden
    Lipidstörungen von HIV-Infizierten
    Afrika vor beispielloser Aids-Krise
    Verbreitung der HIV-Infektion in Russland
    WTO muss Importzölle auf Aids-Medikamente abschaffen
    Neuer Vertragsentwurf zur Behandlung von HIV/AIDS
    Vielversprechende Daten zu neuem Protease-Hemmer
    Fernstraßen in Indien werden zur Aids-Route
    Aids ist keine Krankheit der Schwulen
    3 by 5 ist gescheitert
    HIV und AIDS in Europa auf dem Vormarsch
    Zink verringert Erkrankungen bei Kindern mit HIV
    Therapie mit Proteasehemmer ohne Ritonavir-Verstärkung
    Online-Service hilft bei der Medikamentenauswahl
    HAART als Entry-Inhibitor für Glukose
    HIV-Impfstoffe werden bald in Deutschland getestet
    HIV-Infektionen weltweit auf neuem Höchststand
    Therapieschema mit anhaltender Wirksamkeit und günstigem Resistenzprofil
    Tibotec gibt Beginn der Phase III-Tests mit TMC125 bekannt
    Patienten mit HIV-Infektion werden in Deutschland gut versorgt
    Aids-Gefahr in Europa wächst
    Umkehrung der Lipoatrophie im Gesicht nach Therapieumstellung
    Spezialgefängnisse für Häftlinge mit HIV/AIDS
    Dublin: Erster Tag der Lipodystrophie-Konferenz
    Aids-Hilfe warnt nach angeblicher Selbstheilung vor Verharmlosung
    HIV-infizierter Brite besiegt angeblich Aids-Virus
    Unicef startet Kampagne
    Beteiligung Gefangener an den Gesundheitskosten
    Neue Website zu Wechselwirkungen
    Vicriviroc-Studie gestoppt
    Gerät für AIDS-Schnelltest entwickelt
    Aids-Beratung wichtiger denn je
    Mikrobiozid blockiert HI-Virus bei Menschenaffen
    Therapiepausen bei Multidrug-Resistenzen machen (wohl doch) nichts besser
    Frühere Menopause bei HIV-Positiven und Drogensüchtigen
    Jede Minute stirbt ein Kind an Aids
    Afrikanische Frauen testen Gel gegen HIV
    Muttermilch hilft HIV-Blockierung
    HIV-Sterblichkeit seit Einführung von Generika gesunken
    Hohe Buße für Serono
    Therapieregime zur Steigerung der Adhärenz und Lebensqualität
    Jeder zehnte neu infizierte HIV-Patient hat eine NNRTI-Resistenz
    Höhere Erfolgsrate der Hepatitis B-Immunisierung bei niedriger HIV-Last
    Brasilien bekommt Aids-Medikamente von Abbott günstiger
    Blips - häufig, aber wahrscheinlich ungefährlich
    HIV ist offenbar weniger aggressiv als früher
    Köln ist HIV-Hochburg
    Aids-Behandlung durch TCM in China
    Aids-Prävention muss intensiviert werden
    Richtungsänderung in der HIV-Impfforschung notwendig
    HIV Halbjahresbericht I/2005
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

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    Vorbemerkung
     
    Die HIV AIDS Infos sind eine Zusammenstellung aus Internetquellen, Mail- und Newsgroups und erstreckt sich jeweils über einen Zeitraum von ca. drei bis vier Monaten. Die einzelnen Artikel sind mit einem Link auf die Orginalartikel versehen und chronologisch geordnet. Es wir auf diese Weise schnell über neue Entwicklungen und Änderungen in den Bereichen Epidemiologie, medizinischer Behandlung, ambulanter Pflege und psychosozialer Beratung bei HIV-Infektion und AIDS-Erkrankung informiert. Die HIV AIDS Infos erscheinen in regelmäßigen Abständen und informieren interdisziplinär über Änderungen und Neuerungen auf dem Gebiet von HIV und AIDS.

     

    Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Längere Überlebenszeit bei Lymphomen seit Einführung der HAART

    Seit Einführung der hochaktiven antiretroviralen Therapie ist die Überlebenszeit von Patienten mit HIV-assoziiertem diffusem großzelligem Lymphom deutlich gestiegen.

    Dr. Alexandra M. Levine und Kollegen von der University of Southern California in Los Angeles verglichen retrospektiv Resultate von 120 HIV-Positiven mit diffusem großzelligem Lymphom, die keine HAART erheilten mit jenen von 72 Positiven, die hochaktiv antiretroviral therapiert wurden.

    Die komplette Response-Rate verbesserte sich von 32 Prozent in der prä-HAART-Ära auf 57 Prozent in der HAART-Ära (p=0,006), die mittlere Überlebenszeit stieg von 8,3 Monaten auf 43,2 Monate (p=0,0005). Eine CD4-Zellzahl unter 100/mm3 war ausschließlich in der prä-HAART-Ära mit einer kürzeren Überlebenszeit assoziiert.

    Folgerung der Wissenschafter: eine hochaktive antiretrovirale Therapie resultiert bei HIV-Positiven mit diffusem großzelligem Lymphom in einer deutlichen Verlängerung der Überlebenszeit.

    Quelle: J Clin Oncol; 2005; 23: 8477-8483 [Epub 2005, Oct 17]

    MedAustria Meldung vom 12. Januar 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Retrovirus-Bulletin 3/2005

    Erlangen - Die 3. Ausgabe des Retrovirus-Bulletins 2005, herausgegeben vom Institut für Klinische und Molekulare Virologie der Universität Erlangen-Nürnberg, ist gerade erschienen.

    Die Themen der aktuellen Ausgabe:

    • HIV-Epidemie und Prävention in Deutschland (Monika Gröne, Erlangen)
    • Hepatitis C bei Männern mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten (Ulrich Marcus, Berlin)
    • Depressionen bei HIV-Infizierten (Eva Schielke, Berlin)
    • Indikationserweiterung für die genotypische HIV-Resistenztestung (Redaktion)
    • Besprechung aktueller Literatur 2005 zur Aids-Pathogenese und Impfstoffentwicklung (Ulrich Marcus, Berlin)

    Der vollständige Bericht im PDF-Format unter: http://hiv.net/2010/pdf/bulletin03_2005.pdf

    HIV.NET Nachrichten vom 30. Dezember 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Kürzungen sind das falsche Signal

    Berlin - Die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) fordert angesichts der drastisch gestiegenen HIV-Infektionszahlen mehr Mittel für die Prävention im kommenden Jahr. Die Budgets für Aufklärung und Vorsorge müssten in 2006 wieder erhöht werden, sagte DAH-Vorstandsmitglied Sven-Christian Finke. Dagegen wollen die meisten Länder laut einer ddp-Umfrage im neuen Jahr keine zusätzlichen Mittel für die Aids-Prävention bereitstellen. In Nordrhein-Westfalen werden die Ausgaben in diesem Bereich für 2006 sogar um sieben Prozent gekürzt.

    DAH-Vorstand Finke sagte: «Die Zunahme der Neuinfektionen um rund 30 Prozent in 2005 muss uns alarmieren.» Für den Fall, dass die Etats für die HIV-Prävention nicht wieder verstärkt würden, sei mit einem weiteren deutlichen Anstieg der Erkrankungen zu rechnen. Finke gab zu bedenken, dass sich viele Aids-Hilfen, vor allem in ländlichen Regionen, am «Existenzminimum» bewegten. Weitere Kürzungen wie in Nordrhein-Westfalen seien das falsche Signal. Im Gegensatz dazu habe Niedersachsen seine zunächst angekündigten Streichungen wieder zurückgenommen.

    In Berlin, Brandenburg, Thüringen und den meisten anderen Ländern werden die Ausgaben auf dem Vorjahrsniveau gehalten. Lediglich Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen stocken ihre Budgets für die Aids-Aufklärung und Vorsorge um zehn Prozent auf.

    Bayerns Gesundheitsminister Werner Schnappauf sagte, man bemühe sich noch um eine Erhöhung der Mittel. Eine Kürzung des Etats von etwa 4,2 Millionen Euro werde es auf keinen Fall geben. Bayern gibt damit etwa gleich viel für die Aids-Prävention aus wie das Land Berlin.

    In manchen Bundesländern wie in Thüringen werden aus den Aids-Beratungsstellen Mittel abgezogen und in die allgemeine Aufklärungsarbeit gesteckt. Umgekehrt will Nordrhein-Westfalen bei der allgemeinen Öffentlichkeitsarbeit sowie der Herausgabe von Broschüren sowie bei Aufklärungsmaterialien sparen und die verbleibenden Mittel verstärkt für Präventions- und Hilfeangebote für Jugendliche und die Aids-Hilfen ausgeben. Insgesamt sinken die Ausgaben für die Aids-Prävention in Nordrhein-Westfalen um rund 300.000 Euro oder etwa sieben Prozent auf insgesamt vier Millionen Euro.

    Der DAH-Vorstand warnte, dass vor allem bei Jugendlichen eine wachsende Unkenntnis über die Ansteckungsrisiken von Aids zu beobachten sei. Dabei sei es sehr bedenklich, dass sich manche Schulen immer noch weigerten, das Thema im Unterricht überhaupt zu behandeln. In vielen anderen Schulen werde dem Problem Aids ebenfalls zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet.

    Auch bei Männern über 40 Jahren gebe es eine beunruhigende Tendenz zu ungeschützten Sexualkontakten. Finke wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Entwicklung eines Aids-Impfstoffes entgegen manchen Medienberichten noch in weiter Zukunft liege. Gegenwärtig müsse man davon ausgehen, dass es mindestens noch zehn Jahre dauern werde, bis eine wirksame Impfung verfügbar sei. Auch angesichts der vielen Nebenwirkungen bei den bereits verfügbaren antiretroviralen Medikamenten bestehe «kein Grund zur Euphorie».

    Im abgelaufenen Jahr 2005 infizierten sich nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) rund 2.600 Menschen mit dem HI-Virus. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Neuinfizierten damit um 30 Prozent dramatisch an. Neue Berechnungsverfahren haben die Statistik dabei nur geringfügig beeinflusst. Etwa 49.000 Menschen in Deutschland sind HIV-infiziert oder bereits an Aids erkrankt. 31.000 von ihnen sind Männer, die gleichgeschlechtlichen Sex haben.

    Deutsche AIDS-Hilfe e.V. - Pressemeldung vom 30. Dezember 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HAART reduziert Mortalität auch nach AIDS-Diagnose

    Auch nach der Diagnose von AIDS könnte die Einnahme einer hochaktiven antiretroviralen Therapie einen signifikant positiven Effekt auf die Überlebenszeit haben.

    Zu diesem Resultat kommen Dr. Alvaro Munoz von der Johns Hopkins School of Medicine und Kollegen nach der Auswertung entsprechender Daten von 1.504 AIDS-kranken Männern und 461 AIDS-kranken Frauen, die zwischen 1984 und 2004 aufgezeichnet wurden.

    Das relative Mortalitätsrisiko für AIDS-Kranke wurde für fünf Therapie-Äras errechnet: Keine oder Monotherapie (Juli 1984 bis Dezember 1989), Monotherapie oder Kombinationstherapie (Januar 1990 bis Dezember 1994), HAART-Einführung (Januar 1995 bis Juni 1998), kurzzeitig stabile HAART (Juli 1998 bis Juni 2001) und moderatzeitig stabile HAART (Juli 2001 bis Dezember 2003).

    Insgesamt verstarben 1.057 Probanden (54%) der Kohorte. Nach Einführung der HAART konnte für HIV-Positive nach der AIDS-Diagnose eine signifikante Verlängerung der Überlebenszeit registriert werden.

    Der Zeitraum zwischen der AIDS-Diagnose bis zum Tod verlängerte sich von 0,56 Jahre in der No/Monotherapie-Periode auf 0,74 Jahre, 1,78 Jahre, 4,22 Jahre und 5,08 Jahre in den vier folgenden Perioden.

    Die Wissenschafter fassen zusammen, dass auch nach der Diagnose des AIDS die Einnahme einer hochaktiven antiretroviralen Therapie in einer signifikant verlängerten Überlebenszeit zu resultieren schient.

    Quelle: AIDS; 2005, 19: 2009-2018

    MedAustria vom 28. Dezember 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neue Offensive der BZgA bei Aids-Aufklärung

    Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung präsentiert für das Jahr 2006 neue Plakat- und Anzeigenmotive, neue TV/Kinospots und Internet-Relaunch in der Aids-Prävention.

    Bonn - Die 1987 von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit gestartete Aids-Präventionskampagne 'Gib Aids keine Chance' ist die bislang größte und bekannteste Gesundheitskampagne Deutschlands. Sie wurde über Jahre hinweg kontinuierlich aktualisiert und regelmäßig um neue Medien und Maßnahmen ergänzt.

    Mit gezielten neuen Impulsen in der Aidsprävention startet die BZgA 2006 eine neue Kommunikations-Offensive. Sie reagiert damit auf die stark steigenden HIV-Neuinfektionen in Deutschland und auf die wachsende Sorglosigkeit beim Schutzverhalten. Die neuen Angebote konzentrieren sich vor allem auf die reichweitenstarken Massenmedien wie Print-Anzeigen, TV/Kinospots, Großplakate und das Internet. Mit der bis 2010 vereinbarten finanziellen Unterstützung des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV) kann die BZgA ihre Kampagne um wichtige Elemente ergänzen und damit die Schutzbotschaft breit kommunizieren.

    Anzeigen: Mit Blickfängern wie 'Zwei Drittel der Singles besitzen Kondome. Das übrige Drittel hat hoffentlich keinen Sex!' oder 'Es gibt eine Anlage, mit der Sie immer richtig liegen. Investieren Sie in Gummi!' richtet sich eine Anzeigenserie in der Publikumspresse vor allem an nicht monogam lebende Menschen. Sie sollen auf das Thema Aids und auf die Notwendigkeit von Safer Sex aufmerksam machen.

    TV-/Kinospots: Bei den vier TV- und Kinospots geht die BZgA einen völlig neuen Weg. Es handelt sich um rein typographisch angelegte Spots, die sich aufgrund ihrer Umsetzung von den sonst gängigen Spots absetzen. Die Konzentration auf Schrift und Ton eignet sich besonders gut, um die Schutzbotschaft eindeutig zu kommunizieren und die Aufmerksamkeit für den Spotinhalt zu erhöhen.

    Großplakate: Ab Jahresmitte 2006 werden über 100.000 völlig neu konzipierte Plakatmotive die zentralen Präventionsbotschaften bundesweit kommunizieren. Dank der erneuten Zusage des Fachverbandes Außenwerbung (FAW), alle Plakatflächen kostenlos zur Verfügung zu stellen, kann die BZgA dieses besonders wahrnehmungsstarke Medium weiterhin nutzen. Zukünftig werden auf dem Plakat kleine Minigeschichten mittels Fotografie 'erzählt'. Das Kondom als zentrale Botschaft für das Schutzverhalten steht weiterhin im Mittelpunkt.

    Internet: Das Internet-Portal www.gib-aids-keine-chance.de hat sich in den letzten Jahren zu einer zentralen Säule der Aids-Prävention entwickelt. Deshalb wurde dieses wichtige Aufklärungsangebot komplett neu konzipiert und gestaltet. Es bündelt sämtliche zentralen Informationen und alle Angebote der Aids-Kampagne nun barrierefrei. So wurden die nach wie vor eigenständigen Sites unter dem Hauptkampagnenmotto zusammengefasst. Darüber hinaus dient www.gib-aids-keine-chance.de der Verzahnung mit vielen starken Partnern.

    Ergänzend zu den massenmedialen Angeboten baut die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit zusätzlichen präventiven Maßnahmen ihr Spektrum aus. Hierzu gehört beispielsweise die persönliche und intensive Ansprache zentraler Zielgruppen, z.B. über Präventions-Netzwerke oder in Schulen. Vor allem werden in Zukunft zwei Gruppen intensiver angesprochen, Männer, die Sex mit Männern haben, sowie Menschen mit Migrationshintergrund.

    Neue Broschüren, die vor allem die Menschen ansprechen sollen, denen eine sehr einfache Sprache sowie Bilder entgegenkommen, ergänzen die bisher bewährten Medien. Dabei steht auch die Information über andere sexuell übertragbare Krankheiten als Wegbereiter von HIV/Aids im Mittelpunkt.

    Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung setzt auch mit ihrer aktuellen Kampagne auf Information und Vermittlung von Handlungsoptionen. Die tatsächliche Gefahr von HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten wird realistisch dargestellt, aber ohne Dramatisierung. Diese Strategie hat sich als überzeugend und effektiv erwiesen. Angesichts der therapeutischen Fortschritte in der Behandlung HIV-Infizierter sind in Deutschland gerade in den zentralen Zielgruppen Bilder von Tod und Schock-Effekte als Instrumente der Aufklärung nicht glaubwürdig und nicht erfolgreich.

    Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung - Pressemeldung vom 28. Dezember 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Thailand: Safer Sex auf absteigendem Ast

    Das südostasiatische Land galt lange als Paradebeispiel einer gelungenen HIV-Prävention. Experten warnen nun davor, dass die Infektionsrate wieder steigen könnte. "Safer Sex" ist für junge Menschen in Thailand keine Selbstverständlichkeit mehr: Im Jahr 2005 haben sich doppelt so viele Jugendliche mit sexuell übertragbaren Krankheiten angesteckt wie im Vorjahr, gab das thailändische Gesundheitsministerium bekannt. Während junge Menschen vor zwei Jahren noch etwa sieben Prozent der Patienten mit Geschlechtskrankheiten stellten, sind es heute bis zu 30 Prozent. Vor allem bei 18- bis 20-Jährigen hat sich die Ansteckungsrate deutlich erhöht - das gilt auch für HIV/Aids. Sexuell übertragbare Krankheiten gelten unter Experten als wichtiger Indikator für einen möglichen Anstieg der HIV-Infektionsrate, weil sie riskantes Sexualverhalten widerspiegeln.

    Dabei galt Thailand bis vor Kurzem als Paradebeispiel für eine gelungene HIV-Prävention: Dank einer umfassenden Anti-Aids-Kampagne, die sich für die Verwendung von Kondomen einsetzte, konnte die nationale HIV-Infektionsrate von 2,4 Prozent Anfang der 1990er Jahre auf 1,5 Prozent im Jahr 2003 gesenkt werden.

    Steigende HIV-Raten in Risikogruppen

    Und es gibt weitere beunruhigende Nachrichten: In einigen südlichen Provinzen Thailands hat sich - entgegen dem nationalen Trend - die HIV-Infektionsrate seit dem Jahr 2000 verdoppelt. Auch in der Schwulen-Szene ist HIV auf dem Vormarsch: Laut einer aktuellen Studie ist der Anteil von homo- und bisexuellen Männern, die HIV-positiv sind, von 17,3 Prozent im Jahr 2003 auf 23,8 Prozent 2005 angestiegen. Schätzungen der HIV-Infektionsrate unter intravenösen Drogenkonsumenten gehen von 40 Prozent und mehr aus.

    Der Anstieg der HIV-Infektionen in diesen Gruppen ist nach Ansicht von Somyos Kittimankong, einem HIV-Spezialisten des Gesundheitsministeriums, unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Anti-Aids-Kampagne in Thailand keine Priorität mehr hat. Es fehlt an Finanzmitteln. Im Jahr 2003 gab die Regierung für HIV-Präventionsmaßnahmen nur noch wenig mehr als ein Drittel dessen aus, was sechs Jahre zuvor investiert worden war.

    Resistenzen nehmen zu

    Eine weitere bedenkliche Entwicklung, so Somyos, sei die Zunahme von Resistenzen: Schätzungsweise zehn Prozent der mehr als 570.000 HIV-Infizierten in Thailand sind heute mit resistenten Typen des HI-Virus infiziert.

    Quellen: Push Journal, 17. November 2005; International Herald Tribune, 27. November 2005.

    Deutsche Stiftung Weltbevölkerung - Pressemeldung vom 20. Dezember 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Geschlechtskrankheiten oft im Kombi-Pack

    Aktuelle Daten aus Deutschland zu sexuell übertragbaren Krankheiten / Meldesystem des Robert-Koch-Instituts.

    Berlin - Mindestens jeder neunte Patient mit einer Geschlechtskrankheit hat zusätzlich eine oder mehrere weitere Krankheiten. Spezialisten empfehlen deswegen, stets die gesamte Palette möglicher Erkrankungen zu prüfen.

    So wird immerhin bei jedem zehnten Syphilis-Kranken eine HIV-Infektion neu diagnostiziert. Und zwölf Prozent der Patienten mit Gonorrhoe haben im Genitalbereich gleichzeitig eine Chlamydien-Infektion.

    Die Daten stammen aus der jetzt vorgestellten Sentinel-Erhebung des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu sexuell übertragbaren Krankheiten (STD). An diesem seit 2002 bestehenden Register beteiligen sich Mitarbeiter aus 233 Einrichtungen im Gesundheitswesen, darunter 160 niedergelassene Ärzte.

    Mit 26 Prozent sehr häufig sind demnach erneute STD-Infektionen, die auftreten, nachdem bereits in der Vergangenheit einmal eine STD durchgemacht worden ist. Studienleiterin Dr. Viviane Bremer von der Abteilung Infektionsepidemiologie des RKI bezeichnete dieses Ergebnis im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" als besonders erschreckend.

    Es sei ein Indiz dafür, dass Geschlechtserkrankungen, die zum Teil schwere Spätfolgen hätten, von vielen nicht ernst genommen würden, selbst dann nicht, wenn eine solche Krankheit bereits einmal durchgemacht wurde.

    Ärzte in Praxis und Klinik müssten sehr viel stärker auf Geschlechtserkrankungen achten und bei jedem Verdacht eine Labordiagnostik veranlassen, wünschen sch die RKI-Spezialisten. Falle die Diagnostik positiv aus, gehöre auch die Suche nach Doppelinfektionen zum Pflichtprogramm.

    Ärzte Zeitung vom 20. Dezember 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    ICAAC: TMC114 und TMC125 zeigen Aktivität gegen resistentes HIV

    Tibotec präsentiert Daten zu 2 HIV-Forschungspräparaten aus Phase 2b

    Washington - Im Rahmen der 45. Interscience Conference on Antimicrobial Agents and Chemotherapy (ICAAC) vom 16. - 19. Dezember in Washington DC präsentierte  Tibotec Pharmaceuticals Ltd seine primären Ergebnisse aus der POWER 2- Studie zur 24-wöchigen Wirksamkeit und Sicherheit von TMC114, einem  Proteasehemmer (PI), bei behandlungserfahrenen Patienten sowie die ersten  klinischen Langzeitergebnisse von TMC125, einem Nicht-Nukleosid-Reverse- Transkriptase-Hemmer (NNRTI) bei NNRTI-resistenten HIV-1-Patienten. Sowohl  TMC114 als auch TMC125 werden derzeit in Phase III-Studien untersucht.

    TMC114-Daten aus Phase 2b bei behandlungserfahrenen Patienten

    Die präsentierten Daten stammten aus der 24-wöchigen primären Analyse der POWER 2-Studie zu Wirksamkeit und Sicherheit. Es handelt sich hierbei um eine randomisierte Studie zu TMC114 in Kombination mit Ritonavir (TMC114/R) bei mit mindestens 1 PI, 1 NNRTI und 1 NRTI erfahrenen Patienten, die eine oder mehrere primäre PI-Mutationen aufwiesen. Die Ergebnisse zeigten, dass 62% der Patienten eine Verringerung der Viruslast (Plasma HIV RNA) von 1 log10 oder mehr in der höchsten TMC114/R-Dosierungsgruppe, 600mg/100mg BID (2x täglich), im Vergleich zu 14% in der Kontrollgruppe erzielten. Insgesamt wurden 278 Patienten auf optimierte Basisbehandlung (optimized background regimen - OBR) plus 1 von 4 TMC114/R-Dosierungen (400mg/100mg QD; 800mg/100mg QD; 400mg/100mg BID; 600mg/100mg BID) oder OBR plus vom Forscher ausgewählter Kontroll-PI randomisiert.

    Nach 24 Wochen betrug der Prozentsatz an Patienten mit nicht nachweisbarer Viruslast ((<50 Kopien/ml) in der höchsten TMC114/R-Dosierungsgruppe 39% im Vergleich zu 78% beim Kontrollarm. Die Studie wird bis Woche 144 fortgesetzt. Basierend auf den 24-Wochen-Ergebnissen aus POWER 1 und POWER 2 ist die ausgewählte Dosis für behandlungserfahrene Patienten in den Phase III-Studien TMC114/R 600mg/100mg BID.

    "Diese Zwischenergebnisse bei behandlungserfahrenen Patienten mit hochresistentem Virus sind ermutigend", so Dr. Timothy Wilkin von der Cornell Universität in New York (NY), der die Daten im Rahmen der ICAAC präsentierte. "Die bei dieser Studie beobachtete Reduktion der Viruslast belegt die antivirale Aktivität von TMC114 und der damit einhergehende Anstieg der CD4-Zellen ist von grosser klinischer Bedeutung."

    Die am häufigsten beobachteten behandlungsbedingten Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen und Übelkeit, jeweils im Ausmass von 17% bei allen TMC114/R-Armen im Vergleich zu 17% bzw. 9% beim Kontrollarm. Insgesamt erlitten 15% der TMC114/R-Patienten und 8% der Kontroll-Patienten mindestens eine schwere Nebenwirkung.TMC114 in Kombination mit niedrigdosiertem Ritonavir (TMC114/R) wird derzeit in Phase III-Studien sowohl an behandlungserfahrenen wie behandlungsnaiven HIV-1-infizierten Patienten untersucht.

    Erweitertes Zugangsprogramm für TMC114

    Das erweiterte Zugangsprogramm (Expanded Access Program - EAP) für TMC114 startete im Oktober in den USA und nun auch in Europa. Das Programm ermöglicht HIV-1-infizierten Patienten, die das Präparat für ein effizientes Behandlungsregime benötigen, jedoch nicht für klinische Studien von Tibotec qualifiziert sind, Zugang zu einer Behandlung mit TMC114.

    Das TMC114-EAP ist für HIV-1-infizierte Erwachsene ab 18 Jahren zugänglich, denen aufgrund von virologischem Versagen oder Unverträglichkeit mehrfacher ARV-Therapien nur eingeschränkte oder keine Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Die Patienten müssen Dreiklassen-Erfahrung mit mindestens zwei PI-basierten Behandlungen sowie eine CD4-Zellenanzahl von < 200 Zellen/mm3 aufweisen. Nähere Information zum Programm erhalten Ärzte sowie HIV-/AIDS-Patienten via E-Mail an TMC114-C226@i3research.com bzw. unter www.tibotec.com oder www.clinicaltrials.gov.

    TMC125 zeigt Aktivität gegen NNRTI-resistentes Virus

    TMC125-C223 war eine randomisierte, teilweise blinde Dosisfindungsstudie der Phase 2b an HIV-1-infizierten Patienten mit weitgehender Behandlungserfahrung und erwiesener NNRTI-Resistenz sowie 3 oder mehr PI-Mutationen. Die durchschnittliche Änderung der Viruslast ab Studienbeginn betrug jeweils -1,04, -1,18 bzw. -0,19 log10 Kopien/ml bei TMC125 400 und 800 mg BID bzw. aktiver Kontrollgruppe. Insgesamt nahmen 199 Patienten an der Analyse in einem Verhältnis von 2:2:1 teil. Bei diesen NNRTI-resistenten Patienten fiel die Reduktion der Viruslast bei jenen Patienten, die TMC125 in Kombination mit einer optimierten Basisbehandlung (OBR) erhielten, beim primären Endpunkt nach 24 Wochen (p<0,05) bedeutend höher aus als bei der aktiven Kontrollgruppe.

    Die am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen waren Durchfall und Ausschläge, jeweils im Ausmaß von 20% bei den TMC125-Gruppen im Vergleich zu 15% und 8% bei der aktiven Kontrollgruppe. Insgesamt erlitten 23% der TMC125-Patienten und 18% der Kontroll-Patienten mindestens eine schwere Nebenwirkung (SAE - Severe Adverse Event); 4 SAEs wurden als möglicherweise TMC125-bedingt eingestuft.

    Das Programm der klinischen Phase III-Schlüsselstudie zu TMC125 startete letzten Monat und umfasst 2 randomisierte, Placebo-kontrollierte Studien an HIV-1-infizierten erwachsenen Patienten mit erwiesener NNRTI- Resistenz und mindestens 3 PI-Primärmutationen. Die beiden klinischen Studien mit insgesamt 600 Patienten werden in 18 Ländern durchgeführt. Als Hintergrund-Proteasehemmer (PI) wird der Forschungs-PI von Tibotec, TMC114, eingesetzt. Zum ersten Mal werden hiermit zwei neue antiretrovirale Prüfmedikamente in Kombination an sehr behandlungserfahrenen Patienten untersucht.

    Tibotec Pharmaceuticals Ltd. - Pressemeldung vom 19. Dezember 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Mindeststandards für Verlaufskontrolle in Afrika erprobt
     

    Ein Versagen der Therapie soll durch Laborteste rechtzeitig erkannt werden.

    Frankfurt am Main - In Südafrika läuft jetzt mit Unterstützung aus Deutschland ein auf Länder mit geringem Gesundheitsbudget zugeschnittenes Programm zur Therapieüberwachung von HIV-infizierten Menschen an.

    Modell des Virus, das die Immunschwächekrankheit Aids auslöst. In Südafrika steigt die Rate der Neuinfektionen mit dem Aids-Erreger weiter. Foto: dpa

    "Es ist unrealistisch, in afrikanischen Ländern den Standard westlicher Länder zur Überwachung der antiretroviralen Behandlung umsetzen zu wollen", sagte der Virologe Professor Wolfgang Preiser aus Frankfurt am Main zur "Ärzte Zeitung".

    Ein solcher Anspruch hemme den Zugang zu antiretroviralen Medikamenten für einen großen Teil der infizierten Bevölkerung. In Südafrika steigt die Rate der HIV-Neuinfektionen weiter und auch die durch Aids verursachte Zahl der Todesfälle.

    Ein zuverlässiger Gradmesser für die Ausbreitung von HIV in Südafrika seien die Seroprävalenzraten von Schwangeren, so Preiser bei einer Veranstaltung der Frankfurter Medizinischen Gesellschaft. Denn Schwangere ließen sich noch am ehesten auf HIV testen.

    Die Entwicklung der Zahlen nannte Preiser bedrückend: Im Jahr 1990 waren 0,7 Prozent der Schwangeren mit dem Virus infiziert, 2004 war diese Zahl auf 28 Prozent gestiegen. Bislang zeichne sich keine Trendumkehr ab.

    In Südafrika haben sich nach Angaben von Preiser gewissermaßen zwei Epidemiewellen überlagert: die der Ersten und die der Dritten Welt. Die HIV-Epidemie der westlichen Welt begann auch in Südafrika in den 80er Jahren mit Aids-Kranken unter homosexuellen, vor allem weißen Männern. Seit 1990 wurde eine stärkere Ausbreitung in der schwarzen Bevölkerung durch Aids-Kranke Männer und Frauen erkennbar.

    "Inzwischen hat die Welle der Dritte-Welt-Epidemie die Epidemiewelle der Ersten Welt überholt", sagte Preiser, der an der Fakultät für Gesundheitsforschung der Universität Stellenbosch bei Kapstadt arbeitet. Schätzungen zu Folge seien von den 45 Millionen Südafrikanern 5,3 Millionen mit dem Aids-Erreger infiziert.

    "Damit wir überhaupt in der Behandlung von HIV-infizierten Patienten in Südafrika vorankommen, entwickeln wir dieses Minimalprogramm zur Therapieüberwachung, das zeigen soll, in welchen Mindestabständen wir Laboruntersuchungen bei Behandelten machen müssen, um ein Versagen der Therapie und eine Resistenzentwicklung rechtzeitig zu erkennen", sagte Preiser.

    Das Programm könne Vorbild auch für andere Länder werden. Erst seit kurzem wird in Südafrika HIV-Infizierten, die die Medikamente nicht bezahlen können, eine Behandlung auf Staatskosten angeboten. Doch noch immer verzögere die "ambivalente Haltung der Regierung und die Popularität von Aids-Leugnern die Umsetzung des Programms", so Preiser.

    Ärzte-Zeitung vom 15. Dezember 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aids-Behandlung nur mit Vitaminen kann Menschenleben gefährden

    Anklage gegen den deutschen Dr. Rath in Südafrika.

    Tübingen - Bis heute muss sich der deutsche Arzt und Wissenschaftler Dr. Matthias Rath zu einer Klage vor dem obersten Gerichtshof Kapstadt verhalten. Die südafrikanische Treatment Action Campaign (TAC) und die South African Medical Association hatten im November 2005 eine Klage gegen Rath und die südafrikanische Gesundheitsministerin Manto Tshabalala-Msimang eingereicht. Gegenstand der Klage sind Verstöße gegen die gesetzlichen Richtlinien für die Vermarktung von Arzneimitteln. Dr. Rath und die Dr. Rath Health Foundation befürworten in Südafrika den Einsatz von Nahrungsergänzungen und Vitaminen als alternative Therapie für Menschen mit HIV/Aids.

    Das AKTIONSBÜNDNIS GEGEN AIDS spricht sich gegen ausschließliche Vitamintherapie zur Aids-Behandlung aus. Die einzig wirksame lebensverlängernde Aids-Therapie besteht aus einer Kombination mehrerer anti-Aids Medikamente (ARVs). Wenn HIV-Infizierte diese Medikamente erhalten, führt dies zu einer deutlichen Verlängerung der durchschnittlichen Lebenserwartung der Betroffenen. Eine gesunde, vitaminreiche Ernährung fördert dies weiter, kann aber die Therapie mit den spezifischen anti-Aids Medikamenten nicht ersetzen. Bisher konnten keine Beweise vorgebracht werden, die die ARV-vergleichbare Wirksamkeit einer Aids-Behandlung mit Multivitaminpräparaten belegen.

    Die Dr. Rath Health Foundation erachtet die Vitaminpräparate als Alternative zu Aids-Medikamenten. In ihrer Werbung behauptet sie, dass ARVs die PatientInnen vergiften. Auf Grund der Werbung besteht die Gefahr, dass PatientInnen ARVs zu spät oder gar nicht einnehmen oder eine bereits begonnene, lebensverlängernde ARV-Therapie abbrechen. Dies kann nicht nur tragischste Konsequenzen für die einzelnen Personen haben, sondern Therapieunterbrechungen fördern auch die Resistenzbildung.

    In Südafrika leben über fünf Millionen Menschen mit HIV und Aids. 600.000 brauchen aufgrund ihrer fortgeschrittenen Immunschwäche dringend Behandlung. 2005 starben 300.000 Menschen in Südafrika an den Folgen der Immunschwächekrankheit. Die ARV-Medikamente stellen derzeit hinsichtlich der Lebensverlängerung die einzig wirksame Therapie im Kampf gegen Aids dar. Das AKTIONSBÜNDNIS GEGEN AIDS fordert die südafrikanische Regierung auf, sich dafür einzusetzen, dass alle HIV-Infizierten, die eine Aids-Therapie benötigen, Zugang zu lebensnotwendigen ARVs erhalten. Darüber hinaus muss sie korrekt und umfassend über die Wirksamkeit der ARV-Therapie informieren.

    Das AKTIONSBÜNDNIS GEGEN AIDS ist ein Zusammenschluss von über 90 kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen der Aids- und Entwicklungszusammenarbeit sowie mehr als 270 Basisgruppen. Gemeinsam wollen sie Politik und Pharmaindustrie stärker in die Verantwortung für den Kampf gegen HIV/Aids nehmen. Der Ausbau der finanziellen Ressourcen zur weltweiten HIV-Prävention und Aids-Bekämpfung und der weltweite Zugang zur Therapie sind die zentralen Anliegen der Kampagne des Bündnisses.

    AKTIONSBÜNDNIS GEGEN AIDS – Meldung vom 14. Dezember 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Lipidstörungen von HIV-Infizierten

    Wechsel der antiviralen Substanz darf nicht auf Kosten der Virussuppression gehen / Mit Atazanavir werden erhöhte Lipidwerte gesenkt.

    Dublin - HIV-infizierte Patienten sollten eine Therapie erhalten, bei der höchste Wirksamkeit, größtmögliche Compliance und Verträglichkeit sowie minimale Langzeittoxizität in einem optimalen Verhältnis zueinander stehen.

    Bei dieser individuellen Abwägung bekommen kardiovaskuläre Risiken der Patienten, Fettstoffwechselstörungen und zum Teil unerwünschte Langzeitfolgen der Medikation zunehmend eine Bedeutung, so Professor Ian Sanne von der Universität Witwatersrand in Johannesburg beim Aids-Kongress in Dublin.

    Ist es bei behandelten Patienten mit Dyslipidämien sinnvoller, die antivirale Therapie umzustellen oder Lipidsenker zu geben? Ein Wechsel der antiviralen Substanzen wegen Fettstoffwechselstörungen sei zu vertreten, wenn dies nicht auf Kosten der Virussuppression gehe, sagte Sanne auf einem von dem Unternehmen Bristol-Myers Squibb unterstützten Symposium.

    Eine solche Umstellung der Therapie innerhalb derselben Substanzklasse ist in der BMS-045-Studie mit 358 Patienten geprüft worden, berichtete Sanne. Die Teilnehmer hatten auf eine Proteasehemmer (PI) basierte Behandlung nicht mehr ausreichend angesprochen. Sie erhielten dann mit Ritonavir verstärktes Lopinavir (LPV/r) oder ein auf Atazanavir basiertes Regime mit Ritonavir (ATV/r) als Verstärker oder kombiniert mit Saquinavir.

    Nach 96 Wochen lag mit ATV/r die Virusmenge im peripheren Blut bei 43 Prozent der Patienten unter 400 RNA-Kopien/ml, mit LPV/r bei 46 Prozent. Unter 50 HIV-RNA-Kopien erreichten 32 Prozent mit ATV/r und 35 Prozent mit LPV/r. Die Unterschiede waren statistisch nicht signifikant.

    Auch die klinischen Effekte waren ähnlich. In der ATV/r-Gruppe (n=120) nahm die Zahl CD4-positiven Zellen um 160 pro Mikroliter Blut zu, im LPV/r-Studienarm (n=123) um 142. Für die Atazanavir-Saquinavir-Gruppe (n=115) liegen keine 96-Wochen-Daten vor.

    Die Konzentrationen von Triglyzeriden und Gesamtcholesterin im Blut nahm bei der Behandlung mit Lopinavir durchschnittlich zu, mit Atazanavir (Reyataz®) sank sie. Ihnen mussten die Ärzte daher auch signifikant seltener zusätzlich Lipidsenker verordnen, als es bei den mit Lopinavir Behandelten erforderlich war.

    Nicht jeder Lipidsenker eigne sich als Partner für Proteasehemmer (PI), sagte Sanne. Ein geringes Risiko für Wechselwirkungen gebe es mit Fibraten und mit Pravastatin und Fluvastatin. Unklar sei die Situation bei Fibraten plus Statin oder Atorvastatin in Kombination mit einem PI, und kontraindiziert seien Simvastatin und Lovastatin als Partner für PI.

    Ärzte-Zeitung vom 12. Dezember 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Afrika vor beispielloser Aids-Krise

    Rund 3,2 Millionen Menschen in Afrika haben sich nach UN-Angaben in diesem Jahr mit dem Aids-Virus infiziert. Dies ist die höchste jemals in einem einzigen Jahr registrierte Zahl, wie der Leiter des Aids-Programms der Vereinten Nationen (UNAIDS), Peter Piot, am Sonntag mitteilte. Piot sprach zur Eröffnung einer internationalen Konferenz über Aids in Afrika in der nigerianischen Hauptstadt Abuja.

    Die Hälfte der mit dem HI-Virus neu Infizierten seien junge Menschen, sagte er. Damit stehe Afrika vor einer beispiellosen Aids-Krise. Piot forderte dringliche Maßnahmen gegen eine Weiterverbreitung und zur Behandlung der Immunschwächekrankheit auf dem afrikanischen Kontinent. Am schlimmsten betroffen ist das südliche Afrika. Dort leben etwa zwei Drittel der weltweit gut 40 Millionen HIV-Infizierten.

    Salzburger Nachrichten vom 4. Dezember 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Verbreitung der HIV-Infektion in Russland

    Die größte Zahl der HIV-Infizierten beziehungsweise der AIDS-Kranken entfällt auf die wirtschaftlich hochentwickelten Gebiete Russlands: die Stadt und das Gebiet Moskau, Sankt Petersburg und das dazugehörige Gebiet Leningrad sowie Samara, Jekaterinburg, Tscheljabinsk, Orenburg und Irkutsk.

    Das teilte Michail Rukawischnikow, Direktor für Entwicklung und Außenbeziehungen der regionalen gesellschaftlichen Organisation "Gemeinschaft der mit HIV/AIDS lebenden Menschen", im Rahmen einer On-Line-Konferenz mit, die am Donnerstagnachmittag bei der RIA Nowosti stattfand.

    "Die meisten dieser Städte gehören zu den wirtschaftlich am höchsten entwickelten Zentren Russlands, was vor allem bei den Behörden besondere Besorgnis hervorrufen muss, denn die Aufrechterhaltung einer intensiven Wirtschaftsentwicklung könnte in Zukunft wesentlich erschwert werden: Die Epidemie betrifft vor allem die Jugend, die ihrerseits die Triebkraft der Wirtschaftsentwicklung ist", erläuterte Sergej Wotjagow, Leiter des Programms zur Unterstützung der Initiativen im Bereich der Staatspolitik im Moskauer Büro der Organisation "Transatlantische Partner gegen AIDS".

    "Nach den Ergebnissen einer von der Organisation ‚Ärzte ohne Grenzen' durchgeführten Untersuchung haben sich rund 50 Prozent der mit HIV lebenden Frauen bei ihren Ehemännern mit dem Virus angesteckt. Die Diskriminierung der HIV-Infizierten ist tatsächlich eine der schwersten Folgen der HIV-Epidemie in Russland", sagte Rukawischnikow. "Wie soziologische Forschungen jedoch zeigen, ist in dieser Frage auch eine positive Dynamik zu beobachten. Waren noch vor mehreren Jahren über 50 Prozent der Befragten für eine Isolierung der mit HIV lebenden Menschen von der Gesellschaft, geht ihre Zahl jetzt zurück", so Michail Rukawischnikow. "Es bestehen zahlreiche Mythen um die HIV-Infektion, und manche Menschen glauben immer noch, man könne sich beim Händeschütteln, beim Gebrauch von gleichem Geschirr, bei der Arbeit in ein und demselben Büroraum eine HIV-Infektion zuziehen", sagte Rukawischnikow.

    Russland online vom 2. Dezember 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    WTO muss Importzölle auf Aids-Medikamente abschaffen

    Stockholm - Schwedische Denkfabrik drängt Ministerratskonferenz in Hongkong, sich mit der regressiven Natur von Importzöllen auf Medikamente zu befassen.

    Die WTO muss die Bedeutung des Welt-Aids-Tags dadurch würdigen, dass sie zur Abschaffung von Importzöllen auf AIDS-Medikamente aufruft, sagt die schwedische Denkfabrik Eudoxa. Die kommenden weltweiten Handelsgespräche in Hongkong geben Hoffnung zu der Annahme, dass die Welthandelsorganisation während der nächsten Wochen schnell handelt, um den Zugang zu Medikamenten für HIV/AIDS-Patienten zu verbessern und das Leiden durch die Abschaffung einer der größten Handelsbarrieren, der Importzölle auf Medikamente und medizinische Geräte bei der Anlieferung in Ländern in der gesamten Welt, zu lindern.

    Die Praktiken der Verhängung von Steuern und Importzöllen auf Medikamente und medizinische Geräte durch Regierungen in den Entwicklungsländern sind verwerflich und schaffen oft unüberwindliche Hindernisse für Menschen, die mit HIV/AIDS leben. Die Abschaffung dieser Hindernisse ist eine humanitäre Pflicht, durch die der Zugang zu einer Behandlung für diejenigen, die mit HIV/AIDS leben, verbessert wird.

    "Am Welt-Aids-Tag muss die Welthandelsorganisation daran erinnert werden, dass Importzölle auf wichtige Medikamente ein erhebliches Hindernis für diesen Zugang darstellen," sagte der Gründer und Direktor von Eudoxa, Waldemar Ingdahl. "Generaldirektor Pascal Lamy und die Mitgliedsländer der WTO müssen die Abschaffung dieser Zölle an die erste Stelle der Tagesordnung der Ministerratskonferenz in Hongkong setzen."

    Eine kürzlich von Dr. Roger Bate vom American Enterprise Institute und Richard Tren von der Organisation Africa Fighting Malaria' durchgeführte Studie hat ergeben, dass die Importzölle in einigen Regionen der Welt sogar 61% betrugen, einige davon erreichten ein mehr als zweistelliges Niveau. Ihre Studie kam zum dem Schluss, dass Länder wie z.B. Indien und Brasilien, zwei Länder mit einer großen Zahl von Menschen, die unter AIDS leiden, wichtige Medikamente und medizinische Geräte routinemäßig mit 20 bzw. 29% besteuern.

    In einem Bericht von Muge Olcay und Richard Laing im Mai letzten Jahres bestätigte die Weltgesundheitsorganisation die Ergebnisse von Dr. Bate und Tren, als sie erklärte, "es ist lebensnotwendig, dass politische Entscheidungsträger sowohl auf nationaler wie auch internationaler Ebene sich mit der Frage der Importzölle auf Medikamente befassen und die regressive Wirkung dieser Zölle erkennen, die letztlich die Kranken ohne Rücksicht auf ihren wirtschaftlichen Status oder ihre Fähigkeit, diese Medikamente bezahlen zu können, mit Steuern belegen."

    "Wir fordern die WTO dringend auf, den Aufruf der WHO zu beherzigen und sich in Hongkong mit der Frage der Importzölle auf Medikamente zu beschäftigen und die regressive Wirkung dieser Abgaben zu erkennen," sagte Ingdahl.

    Die Eudoxa Denkfabrik hat ihren Sitz in Stockholm, Schweden. Sie konzentriert sich auf die Erörterung der Auswirkungen sich rasch entwickelnder neuer Technologien und des wissenschaftlichen Fortschritts auf die Gesellschaft mit klassisch-liberalen Ideen und Gedanken des "Dynamismus" über das Experimentieren. Eudoxa hat Bücher und Berichte in schwedischer, dänischer und englischer Sprache publiziert.

    Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Direktor Waldemar Ingdahl, Telefon +46-8-83-87-73, eMail info@eudoxa.se

    PR Newswire Europe - ITNews - Roma, Italy vom 1. Dezember 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neuer Vertragsentwurf zur Behandlung von HIV/AIDS

    Erklärtes Ziel: Lebensqualität der Betroffenen steigern.

    Berlin - Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter (DAGNÄ) und die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH) haben heute in einer gemeinsamen Pressekonferenz einen neuen Vertrag zur qualitätsgesicherten Betreuung und Behandlung von HIV/AIDS-Patienten vorgestellt.

    "Um der globalen Herausforderung begegnen zu können, gehören Prävention und medizinische Versorgung untrennbar zusammen. Und die medizinische Therapie ist die eigentliche Domäne der Ärzteschaft und deren Vertreter, der Kassenärztlichen Vereinigungen und der KBV. Deswegen haben wir in der Vertragswerkstatt der KBV ein neues besonderes Versorgungsangebot konzipiert. Es zielt darauf ab, die bereits vorhandenen guten Therapiemöglichkeiten qualitätsgesichert und flächendeckend für Betroffene zur Verfügung zu stellen", erklärte Dr. Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der KBV, bei der Veranstaltung in Berlin. Durch die kontinuierliche Betreuung der Patienten in allen Erkrankungsstadien werde der Ausbruch und das Fortschreiten der Erkrankung so lange wie möglich hinausgezögert.

    Das Konzept sieht eine neuartige Vernetzung von spezialisierten Schwerpunktpraxen, behandelnden Haus- und Fachärzten sowie Pflegediensten und stationären Einrichtungen vor. "Damit wird eine flächendeckende, qualitativ hochwertige Behandlung gewährleistet, ohne dass Patienten immer in weit entfernte Orte fahren müssen. Das trägt entscheidend zur Lebensqualität Betroffener bei", bekräftigte Köhler.

    Auch die Ärzte profitierten von dem neuen System, sagte der KBV-Chef: "Für Ärzte setzt der Vertrag ebenfalls Anreize zur Teilnahme. Das Konzept liefert ein klar definiertes ärztliches Leistungsspektrum, transparente Kooperationsregeln, eine differenzierte Vernetzung und die Integration der Patienten. Die Aufwandsentschädigung für die zusätzlichen Leistungen ist morbiditätsorientiert." Der Vertrag ist in enger Abstimmung mit der DAGNÄ und der DAH entstanden. "Damit wurde sichergestellt, dass die Patientenperspektive ebenso berücksichtigt ist wie die Erfahrungen der Ärzte, die sich auf die Behandlung von HIV/AIDS spezialisiert haben", betonte Köhler. Sven Christian Finke, Mitglied des Bundesvorstands der DAH erläuterte dazu weiter: "Das vorgelegte Konzept geht über die medizinische Versorgung der HIV-Patienten hinaus. Es umfasst auch die Beteiligung der Ärzte an der Prävention und der Vermittlung von Selbsthilfeangeboten."

    Auch die DAGNÄ sieht in dem Vertragskonzept ein erfolgversprechendes Projekt. "Die Koordination und Vernetzung der medizinischen Fachbereiche ist eine der ganz vorrangigen Aufgaben, die in dem Vertrag definiert sind. Diese Schnittstellen sichern die optimale Versorgung der HIV-Infizierten", sagte Dr. Heribert Knechten, erster Vorsitzender der DAGNÄ.

    Die KBV plane zudem gemeinsam mit der DAH, eine Patienteninformation zu entwickeln. So würden die Patienten nicht nur umfassend über ihre Erkrankung insbesondere im Hinblick auf die antiretrovirale Therapie und weiterführende Beratungsangebote, sondern auch über dieses Versorgungskonzept unterrichtet. Die KBV wird das Vertragskonzept in Kürze den Spitzenverbänden der Krankenkassen vorstellen.

    Das integrierte Versorgungskonzept zur Behandlung von HIV/AIDS gewinnt noch mehr an Bedeutung angesichts der jüngsten Entwicklung der Infektionsraten. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts nimmt die Zahl Neu-Infizierter in Deutschland wieder zu. Wie in anderen europäischen Ländern steigen die Neuinfektionen seit 2002 an. Für 2005 schätzt das Robert-Koch-Institut 2600 Neuinfektionen in Deutschland.

    Der Vertrag wird am Welt-Aids-Tag präsentiert. "Nur wenigen Krankheiten wird an einem weltweiten Aktionstag entsprechende Aufmerksamkeit geschenkt. HIV/AIDS ist eine davon. Der Welt-Aids-Tag ragt aus der Reihe heraus, weil er einer besonders gefährlichen, ansteckenden und bis heute nicht heilbaren Krankheit gilt. Der problemlose Zugang zu Beratung und Therapie verbessert und verlängert das Leben Infizierter zum Teil erheblich. Unser Vertrag ist ein guter Vertrag, weil er dafür sorgt, dass jeder Patient zum richtigen Zeitpunkt die richtige Behandlung bekommt", unterstrich der KBV-Vorstandsvorsitzende.

    Kassenärztliche Bundesvereinigung - Pressemitteilung vom 1. Dezember 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Vielversprechende Daten zu neuem Protease-Hemmer

    Brecanavir gegen HIV bereits bei über 350 Menschen getestet.

    Dublin - Der Protease-Hemmer Brecanavir wurde speziell zur Therapie von bereits behandelten HIV-Patienten entwickelt, deren Viren gegen andere Protease- Hemmer schon resistent sind. Nun bestätigten die Ergebnisse einer ersten Studie mit bisher nicht behandelten und bereits behandelten Patienten die vielversprechenden In-vitro-Daten.

    Brecanavir ist von den Unternehmen Vertex und GlaxoSmithKline entwickelt worden, um auch Patienten behandeln zu können, bei denen andere Hemmstoffe des Enzyms Protease von HIV nicht mehr wirken. Darauf hat Dr. Lynn Marks von dem Unternehmen GlaxoSmithKline auf einer Veranstaltung der beiden Unternehmen beim europäischen Aids-Kongreß in Dublin hingewiesen.

    In vitro ist der neue Protease-Hemmer Brecanavir 50- bis 250mal wirksamer als die bisher verfügbaren Protease-Hemmer. In einer Untersuchung mit 55 klinischen Isolaten, die durchschnittlich acht Mutationen in der Protease hatten und gegen alle gängigen Protease-Hemmer resistent waren, waren die Isolate nach wie vor empfindlich für Brecanavir.

    Klinisch untersucht wurde Brecanavir bereits bei mehr als 350 Probanden und Patienten. Die Zwischenauswertung der Daten einer Phase-I-Studie mit 31 bereits behandelten HIV-Patienten habe nun ergeben, daß Brecanavir bei Patienten mit und ohne Resistenzen gegen bisher genutzte Protease-Hemmer gut wirksam ist, wie Marks sagte.

    Die Patienten erhielten bisher 24 Wochen lang zweimal täglich 300 Milligramm Brecanavir sowie 100 Milligramm Ritonavir als Verstärkung (Boosterung) und zusätzlich zwei nukleosidische Reverse Transkriptasehemmer. In dieser Zeit erreichten in der Intent-To-Treat-Analyse 81 Prozent der Patienten eine Virusmenge unter 400 HIV-RNA Kopien pro Milliliter Blut und 77 Prozent unter 50 Kopien.

    Insgesamt sechs Patienten hatten Viren, die gegen Protease-Hemmer resistent waren. Bei ihnen sank die Virusmenge um bis zu drei Log-Stufen, also um den Faktor 1000. In dieser Studie traten Marks zufolge keine unerwünschten Wirkungen der Grade 3 und 4 auf. Die Behandlung mit Brecanavir war wie auch in den anderen bisherigen klinischen Untersuchungen sicher und verträglich.

    Ärzte-Zeitung vom 30. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Fernstraßen in Indien werden zur Aids-Route

    Neu-Delhi - Sein erstes sexuelles Erlebnis hatte der junge Lastwagenfahrer Zalisz Ahmed in einer der zahlreichen Kneipen am Rande indischer Fernstraßen. Seitdem hat der 20-Jährige immer wieder Prostituierte aufgesucht. Kondome hat er noch nie benutzt, und von Aids hat er noch nie etwas gehört. Einen Test hält er nicht für notwendig.

    Ahmed ist einer von schätzungsweise fünf bis acht Millionen Lastwagenfahrern, die oft Monate lang auf Indiens Straßen unterwegs sind. Unterhaltung finden sie auf ihren schier endlosen Fahrten in den so genannten Dhabas. In diesen Raststätten gibt es nicht nur Nahrungsmittel und Getränke, sondern auch Frauen, die für wenig Geld ihren Körper anbieten. Und davon machen die Fahrer besonders gern Gebrauch, wenn sie an den Grenzübergängen zwischen den einzelnen Unionsstaaten oft stundenlang auf eine Lizenz zur Weiterfahrt warten müssen.

    Gesundheitsexperten sehen in dieser Lebensweise die große Gefahr, dass Lastwagenfahrer mehr als jede andere Bevölkerungsgruppe zur Ausbreitung des HI-Virus beitragen könnten. «In Afrika war es genau dasselbe», warnt der Aids-Berater S. Sundararaman. Er bereist seit 15 Jahren die Dhabas im ganzen Land und versucht, Lastwagenfahrer und Prostituierte gleichermaßen über die Risiken ungeschützten Geschlechtsverkehrs aufzuklären. Die afrikanische Geschichte dürfe sich in Indien nicht wiederholen, betont er - und ist sich doch darüber im Klaren, dass seiner Kampagne nur wenig Erfolg beschieden ist.

    Noch halten sich die HIV-Infektionen in Indien in Grenzen. Schätzungen zufolge hat sich etwa ein Prozent der 15- bis 49-Jährigen mit dem Aids-Virus angesteckt. Bei einer Bevölkerung von über einer Milliarde bleiben die realen Zahlen jedoch nicht weit hinter denen Südafrikas zurück. Andere Schätzungen gehen sogar schon von 5,1 Millionen HIV-positiven Indern aus.

    Für das Ausmaß der HIV-Infektionen unter Lastwagenfahrern gibt es bislang keine verlässlichen Statistiken, doch befürchten Gesundheitsexperten das Schlimmste. Von den 20 bis 25 Fahrern, die jeden Monat in New Delhi getestet werden, ist etwa ein Viertel vom Aids-Virus befallen. Im Unionsstaat Assam wurde bei einer einmaligen Untersuchung eine ähnliche Quote ermittelt. Andererseits aber scheinen gezielte Aufklärungskampagnen zurzeit nur knapp ein Fünftel der indischen Lastwagenfahrer zu erreichen.

    Der langjährige Fahrer Satnam Singh hat mit angesehen, wie mehrere seiner Kollegen in den letzten Jahren qualvoll an Aids gestorben sind. Geld für eine medizinische Behandlung hatten sie nicht. «Das ist schlimmer als Aussatz», sagt der 55-Jährige. Er versucht, seine jungen Kollegen auf die Gefahren in den Dhabas aufmerksam zu machen und dafür auch die Arbeitgeber einzuspannen. Doch diesen sei das egal - schließlich gebe es tausende arbeitslose Fahrer, auf die sie jederzeit zurückgreifen könnten.

    Große Sorge bereitet den Anti-Aids-Aktivisten auch, dass die verheirateten Lastwagenfahrer nach Monaten auf der Straße nach Hause zurückkehren und dann womöglich ihre Frauen infizieren. Diese wiederum könnten das Virus an ihre noch ungeborenen Kinder weitergeben - wiederum derselbe Teufelskreis wie in Afrika. Viele Fahrer verkehrten selbst dann noch ohne Kondome mit ihren Frauen, wenn sie von ihrer HIV-Infektion wüssten. «Wir können das nicht verhindern», klagt der Gesundheitsberater Nirmal Kahtri. «Das ist ein großes Problem.»

    Yahoo News vom 30. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aids ist keine Krankheit der Schwulen

    Bern - HIV und Aids sei nicht vor allem eine Krankheit der Schwulen, es könne alle treffen, hält die Aids-Hilfe Schweiz fest.

    Sie ist beunruhigt über die Berichterstattung in einem Teil der Medien nach Veröffentlichung der neuesten Zahlen durch das BAG. Der Anstieg der Neuinfektionen bei schwulen Männern sei so interpretiert worden, dass HIV und Aids vor allem eine Krankheit der Schwulen sei und dass diese weitgehend selbst die Schuld trügen an ihrer Ansteckung. «Damit werden die Präventionsbemühungen in der Allgemeinbevölkerung um Jahre zurückgeworfen», so die Aids-Hilfe. Sie weist darauf hin, dass sich auch in den letzten neun Monaten in absoluten Zahlen mehr Menschen auf heterosexuellem Weg mit dem HI-Virus ansteckten als auf homosexuellem Weg. «HIV und Aids kann jeden treffen und geht alle etwas an», heißt es in einem Communiqué.

    Prävention wird erschwert
    «Die trügerische Annahme, dass HIV eben doch eine Schwulenseuche sei, erschwert nicht nur die Prävention bei Heterosexuellen jeden Alters, sondern stigmatisiert auch Betroffene», kritisiert die Aids-Hilfe.

    Sie zitiert eine Studie der Universität Lausanne, wonach sich 80 Prozent der Schwulen an die Safer-Sex-Regeln halten. Auch die Aids-Aufklärung Schweiz meldete sich am Dienstag zu Wort. Viele Fachleute in den USA und nun auch in England plädierten für routinemäßige HIV-Tests. Diese Änderung in der HIV-Prävention könne nur befürwortet werden. Denn die 1987 gestartete Kampagne des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) habe offensichtlich versagt.

    «Komplettes Versagen»
    Damals habe das BAG versprochen, dass es nach dem Jahr 2000 keine Neuinfektionen mehr geben und die Zahl der Aidspatienten ständig zurückgehen werde. Stattdessen jage nun eine Hiobsbotschaft die nächste. «Gemessen an den Versprechungen dieses Amtes aus dem Jahre 1987 liegt sogar ein komplettes Versagen vor.»

    Nachrichten.Ch Meldung vom 29. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    3 by 5 ist gescheitert

    WHO Direktor entschuldigt sich für Versagen des Aidsprogramms.

    Genf - Jim Yong-Kim, Direktor der Abteilung HIV/AIDS der WHO, http://www.unaids.org/en hat sich dafür entschuldigt, dass das groß angelegte Programm "Three by Five" zur Behandlung von HIV gescheitert ist. Beabsichtigt war, bis zum Ende dieses Jahres drei Millionen Menschen in einkommensschwachen Ländern mit Aids-Medikamenten zu versorgen. Jetzt hat die WHO zugegeben, dass dieses Ziel nicht erreicht werden kann. Das vor zwei Jahren gestartete viel versprechende Programm sollte den Ärmsten der Armen eine medizinische Versorgung gegen HIV/Aids ermöglichen. Als die WHO im Juni bekannt gab, dass nur eine Million Menschen eine entsprechende Behandlung erhalten hatten, wurde klar, dass das ehrgeizige Ziel des Projekts nicht erreicht werden würde.

    In einem Interview mit der BBC erklärte Jim Yong-Kim, dass man sich nur entschuldigen könne. "Ich glaube, wir müssen einfach zugeben, dass wir nicht genug getan haben und viel zu spät begonnen haben." Wie viele Menschen mit Medikamenten versorgt werden konnten, wird erst zu Beginn nächsten Jahres bekannt sein. Kim betonte jedoch, dass das Nichterreichen des gesteckten Zieles nicht bedeute, dass das Programm ein Fehlschlag gewesen sei. "Vor "Three by Five" gab es keinen Schwerpunkt zur Rettung von Leben. Viele internationale Führungspersönlichkeiten sagten, dass man die Generation der infizierten Menschen einfach vergessen müsse, man habe an die nächste Generation zu denken. Aus diesem Grund ist etwas Außergewöhnliches passiert."

    Aids-Medikamente verbessern die Lebensqualität und die Lebenserwartung für HIV-Infizierte deutlich. Selbst optimistische Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass nur einer von zehn Afrikanern und einer von sieben Asiaten derzeit die notwendige Behandlung erhält. Derzeit sind laut UN weltweit mehr als 40 Millionen Menschen mit HIV infiziert.

    Yahoo News vom 28. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV und AIDS in Europa auf dem Vormarsch

    Brüssel/Berlin - Junge Menschen in der gesamten Europäischen Union und deren Nachbarstaaten gehören zu den Hauptbetroffenen der tödlichen HIV/Aids-Seuche, die sich wieder stärker ausbreitet. Angesichts des bevorstehenden Welt-Aids-Tages am 1. Dezember zeigen gerade veröffentlichte Daten des von der EU finanzierten „Euro-HIV“-Netzes, dass die Zahl der HIV-Neuinfizierten stetig steigt. In den 20 EU-Mitgliedstaaten, aus denen Daten über die letzten vier Jahre vorliegen, stieg die Gesamtzahl der gemeldeten HIV-Neudiagnosen um 23 %. Den höchsten Anstieg verzeichnet das Vereinigte Königreich mit 69 %. Im Jahre 2004 wurden in der gesamten WHO-Region Europa knapp 72 000 Fälle gemeldet. Laut neuen Schätzungen von UNAIDS leben in der Region Europa 2,3 Mio. Menschen mit HIV und Aids.

    Um die Ausbreitung der Seuche in Europa und den Nachbarländern einzudämmen, wird die EU-Kommission in Kürze eine Mitteilung vorlegen, die konkrete Schritte zur Bekämpfung der Seuche für den Zeitraum 2006-2009 beinhaltet. Dazu gehören die Beteiligung der Zivilgesellschaft, Partnerschaften mit der Industrie, die Prävention neuer Infektionen, Aufklärung, Beratung und Tests, Forschung und Initiativen für Nachbarländer. Die Europäische Kommission investiert auch weiterhin in Forschungsprojekte, die sich auf neue Arzneimittel sowie auf Mikrobizide und Impfstoffe konzentrieren, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

    „Ich bin sehr besorgt über die wieder stärkere Ausbreitung der HIV/Aids-Infektion, vor allem bei jungen Europäern” sagte der für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständige Kommissar Markos Kyprianou. „Wir müssen den jungen Menschen in Erinnerung rufen, welche Risiken mit dieser Seuche verbunden sind, und dass es sich immer noch um eine sehr reale und wachsende Bedrohung handelt. Die Aufklärung wird eine der Hauptprioritäten der demnächst erscheinenden Mitteilung der Kommission über die HIV/Aids-Bekämpfung darstellen, die insbesondere den Dialog und die Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft fördern soll, um dazu beizutragen, dass die Botschaft auch ankommt.”

    „Große soziale Herausforderungen wie die HIV/Aids-Verbreitung bei europäischen Jugendlichen erfordern Forschung auf Spitzenniveau. Durch die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene können wir effektiver und innovativer werden und neue Wege beschreiten, damit wir die weitere Ausbreitung dieser Krankheit so bald wie möglich verhindern können,” sagte der für Wissenschaft und Forschung zuständige Kommissar Janez Poto?nik.

    Europäische Kommission - Pressemeldung  vom 25. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zink verringert Erkrankungen bei Kindern mit HIV

    Durchfall und Lungenentzündung sind lebensbedrohlich.

    Baltimore - Die Verabreichung von Zink ist eine sichere und wirksame Möglichkeit Erkrankungen bei Kindern mit HIV zu verringern. Studienergebnisse der Johns Hopkins School of Public Health http://www.jhsph.edu zeigen, dass damit die Wahrscheinlichkeit einer Diarrhö und einer Pneumonie verringert werden kann, ohne dass damit riskiert wird, dass sich die HIV Infektion verschlechtert. Der Einsatz von Zink wurde zuletzt diskutiert, da nicht HIV nur aus der Struktur von Zink Vorteile zieht, sondern auch durch die Unterstützung beim Eindringen in Immunzellen und für die Reproduktion. Zusätzlich aktiviert Zink die Körperzellen, auf die HIV T-Zellen abzielen. Die in The Lancet (2005; 366:1862-1867) http://www.thelancet.com veröffentlichte Studie der Wissenschafter um William Moss legt jetzt nahe, dass diese Sicherheitsbedenken unbegründet sind.

    An der Studie nahmen 96 Kindern im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren aus dem Grey's Hospital in Pietermaritzburg, South Africa, teil. Die Kinder erhielten für die Dauer von sechs Monaten entweder ein Zinkpräparat oder ein Blindpräparat. Die Kinder wurden nach dem Zufallsprinzip einer der beiden Gruppen zugeteilt. Die Zinkpräparate führten zu keiner Erhöhung der viralen Belastung. Vielmehr litten die Kinder seltener unter Durchfall. Laut Moss stehen nur wenige Möglichkeiten zur Verfügung, um die Sterblichkeit bei Kindern mit HIV-1-Infektionen in ärmeren Ländern zu verringern. Trotz der Anstrengungen von UNAIDS hätten viele Kinder keinen Zugang zu einer Behandlung oder zu Medikamenten, die opportunistische Infektionen verhinderten. "Aus diesem Grund stirbt mehr als die Hälfte dieser Kinder vor dem dritten Lebensjahr. Die häufigste Todesursache sind Infektionen der Atemwege und Durchfallerkrankungen."

    Abstract: http://www.jhsph.edu/publichealthnews/press_releases/2005/moss_zinc_hiv.html

    Yahoo News vom 25. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Therapie mit Proteasehemmer ohne Ritonavir-Verstärkung

    Atazanavir hält den Aids-Erreger gut in Schach / Gute Verträglichkeit dokumentiert.

    Dublin - Mit dem HIV-Medikament Atazanavir ist auch ohne Verstärkung durch niedrigdosiertes Ritonavir eine Therapie möglich. Dies geht aus den 48-Wochen- Ergebnissen der SWAN-Studie hervor, die bei der europäischen Aids-Konferenz in Dublin vorgestellt worden ist.

    In der Studie sollte geprüft werden, ob der Wechsel von einem Therapieschema auf der Grundlage eines Proteasehemmers (mit oder ohne Ritonavir) auf den ungeboosterten Proteasehemmer Atazanavir sicher und verträglich im Vergleich mit einer Kontrollgruppe ist, die weiter die bisherige Medikation erhält.

    Mit Atazanavir gab es nur bei knapp halb so vielen Patienten einen Anstieg der Virusmenge wie in der Kontrollgruppe. Bei diesem Proteasehemmer gab es zudem deutlich weniger unerwünschte Effekte auf den Gastrointestinaltrakt und den Lipidstoffwechsel. Vorgestellt hat die Studie Professor José Gatell vom Hospital Clinic i Provincial in Barcelona.

    Von 407 HIV-Infizierten, bei denen mit einer antiretroviralen Therapie auf der Grundlage eines Proteasehemmers die Virusmenge unter 50 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter Blut gefallen war, wurden 247 auf einmal täglich ungeboostertes Atazanavir (Reyataz® von dem Unternehmen Bristol-Myers Squibb) umgestellt, 133 wurden weiterbehandelt. Davon erhielten 54 Prozent einen Ritonavir-geboosterten Proteasehemmer.

    Die Nukleosid-Analoga-Therapie blieb in beiden Gruppen unverändert. Die Teilnehmer hatten durchschnittlich 490 T-Helfer-Zellen pro Mikroliter Blut. Nach 48 Wochen sei in der Kontrollgruppe bei 16 Prozent der Probanden die Virusmenge auf über 50 RNA-Kopien/ml gestiegen, aber nur bei sieben Prozent der Patienten unter Atazanavir, hat Gatell berichtete.

    Acht Prozent in der Atazanavir-Gruppe klagten über unerwünschte gastrointestinale Effekte wie Diarrhöen, 13 Prozent waren es im Kontrollarm. Mit der Testmedikation besserten sich die Lipidwerte: Um 33 Prozent durchschnittlich sanken die nüchtern gemessenen Triglyzeridwerte in der Atazanavir-Gruppe, im Kontrollarm stiegen sie um neun Prozent.

    Das Gesamtcholesterin nahm um 15 Prozent in der Atazanavir-Gruppe ab und um drei Prozent in der Kontrollgruppe. Das nüchtern bestimmte LDL-Cholesterin sank um durchschnittlich zwölf Prozent bei Atazanavir im vergleich zu fünf Prozent in der Kontrollgruppe. "Die gute Wirksamkeit auch von nicht mit Ritonavir verstärktem Atazanavir und der günstige Einfluß auf den Fettstoffwechsel können Gründe sein, den Proteasehemmer kombiniert mit anderen antiretroviralen Substanzen anzubieten", sagte Gatell.

    Atazanavir ist in Europa derzeit zugelassen nur in Kombination mit Ritonavir als Verstärker für die Behandlung von bereits behandelten Patienten und als Teil einer antiretroviralen Therapie mit Medikamenten anderer Substanzklassen. Die US-Behörden haben die Auflage der Ritonavir-Verstärkung bei der Zulassung nicht gemacht.

    Die EU-Zulassungsbehörde wollte mehr Daten zu Effektivität und Sicherheit über einen längeren Zeitraum für die Entscheidung, ob Atazanavir künftig ohne Ritonavir-Verstärkung angewendet werden darf. Die in Dublin vorgestellten Ergebnisse der SWAN-Studie erweitern die Datenbasis und könnten zu einer solchen Entscheidung beitragen.

    Ärzte-Zeitung vom 25. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Online-Service hilft bei der Medikamentenauswahl

    Saarbrücken - Ein kostenloser Webservice für Ärzte hilft dabei, die passende Kombination von Medikamenten für Aids-Patienten auszuwählen. Entwickelt haben ihn Bioinformatiker am Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken. In den vergangenen fünf Jahren nahmen Ärzte das Programm rund 36 000 Mal in Anspruch.

    „Weil sich die HI-Viren laufend verändern und Resistenzen entwickeln, müssen die verschiedenen Medikamente eines Aids-Patienten immer wieder neu zusammengestellt werden. Von der richtigen Kombination der derzeit rund 20 verfügbaren Medikamente hängt es ab, ob der Krankheitsverlauf eines Aids-Patienten aufgehalten werden kann“, hieß es aus dem Institut.

    Bald sollen neue Medikamente auf den Markt kommen, die anders wirken und so das Behandlungsspektrum erweitern. Die Bioinformatiker in Saarbrücken haben deshalb den schon bestehenden kostenfreien Webdienst des Max-Planck-Instituts bereits für die neue Generation von Aids-Medikamenten weiter entwickelt.

    Deutsches Ärzteblatt vom 24. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HAART als Entry-Inhibitor für Glukose

    Bericht aus Dublin: Zweiter Tag der Lipodystrophie-Konferenz

    von Georg Behrens

    Dublin - Der zweite Tag der Lipodystrophie-Konferenz in Dublin beschäftigte sich mit den Konsequenzen von Insulinresistenz, Leberverfettung und den möglichen Schäden der HIV-Therapie an den Nieren. Über die Bedeutung der Insulinresistenz und des sog. metabolischen Syndroms bei seronegativen Menschen (Patienten?) diskutieren Diabetologen gerade jetzt wieder sehr kontrovers. So war auch nicht zu erwarten, dass die Fragen zum verminderten Ansprechen von verschiedenen Geweben auf Insulin unter verschiedenen HIV-Therapiekombinationen in Dublin abschließend geklärt werden würden. Zunächst rückte die Verfettung der Leber (Hepatosteatose) in den Mittelpunkt des Interesses. Hannele Yki-Järvinen stellte in ihrem Übersichtsvortrag [1] heraus, dass die Leberverfettung nach ihrer Meinung die wichtigste Ursache für eine hepatische Insulinresistenz ist und dass die hepatische (und nicht die periphere Insulinresistenz) der entscheidende pathogenetische Faktor für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko darstellt. Die hepatische Insulinresistenz ist demnach der primäre pathophysiologische Schritt, der über die fehlende Suppression der Glukoneogenese dann zur Manifestierung eines Diabetes mellitus führen kann. Was die Leberverfettung bei HIV-Patienten vorantreibt, ist nicht ganz klar. Faktoren könnten Mitochondrienschäden, chronische Inflammation oder der vermehrt Fluss von freien Fettsäuren aus dem Bauchraum zur Leber sein. Diese Sichtweise blieb in der anschließenden Diskussion nicht ohne Widerspruch und es wurde deutlich, dass nach wie vor an den grundlegenden Konzepten zur Erklärung der metabolischen Nebenwirkungen der HIV-Therapie gearbeitet werden muss. Es bestand auch am Ende keine Einigkeit darüber, welche Surrogatmarker als sinnvoll für die Einschätzung des kardiovaskulären Risikos von HIV-Patienten anzusehen sind.

    Kathleen Mulligan [2] zeigt in ihrer Präsentation, dass der 2-Stunden-Glukosewerte aus einem oralen Glukosetoleranztest ein guter Indikator für eine Insulinresistenz bei behandelten HIV-Patienten darstellt und eine sehr gute Korrelation zu den Ergebnissen eines euglykämischen hyperinsulinämischen Clamps aufweist. Steven Grinspoon [3] stellte die überraschende Beobachtung vor, dass das subkutane Fettgewebe von Patienten mit ausgeprägter Lipodystrophie sogar eine erhöhte Insulinsensitivität aufweist. Wie das zu erklären ist, bleibt zunächst noch ungewiss aber er spekultiert, dass evtl. kompensatorisch andere Glukosetransportwege (GLUT1) aktiviert werden können. Carl Grunfeld [4] präsentierte dann eine weitere Studie zur peripheren Insulinresistenz nach einmaliger Einnahme von Amprenavir vor und schlussfolgerte, dass diese Substanz, wenn überhaupt, nur minimale Einfluss auf einen reduzierte Insulinwirkung an der Muskulatur hat. In einer anderen Studie [5] wurden die periphere Insulinresistenz nach 10 Tagen Einnahme von geboostertem Atazanavir oder Lopinavir verglichen. Hier führte Lopinavir zu einer nachweisbaren Insulinresistenz im clamp und oralen Glukosetoleranztest (OGT), während ATV/RIT nur zu einer Vergrößerung der "Area under the curve" (AUC) im OGT führte, was auf einen geringeren Einfluss von geboostertem Atazanvir auf die Insulinwirkung hindeutet. Eine Studie von BMS zeigt anhand von in vitro Untersuchungen, dass Lopinavir evtl. auch die Freisetuzng von Insulin aus den Betazellen im Pankreas beeinträchtigt, was in verbindung mit der Insulinresistenz eine diabteische Stoffwechsellage begünstigen könnte [6].

    HIV und die Niere, das war das abschließende Thema dieses Tages [7]. Paul Klotman aus New York machte deutlich, dass er nephrologische Probleme bei HIV-Patienten in Zukunft eher häufiger als seltener erwartet. Dabei stehen sowohl HIV-assoziierte als auch medikametenassoziierte Probleme im Vordergrund, was er anhand der HIV-assoziierte Nephropathie und den Kreatininveränderungen unter Tenofovir deutlich machte. In den USA ist das terminale Nierenversagen auch nach Einführung der HAART nicht rückläufig und vor allem bei farbigen HIV-Patienten ein Problem. Ungeklärt bleiben viele Fragen zu Tenofovir, das nun ausserhalb von Studien im unselektionierten Patientenkollektiv eingesetzt wird. Nicht wenige Zuhörer äußerten Befürchtungen, dass dieses Medikament zu signifikanten Schäden an der Niere führen könnte. Geringe Anstiege von Serumkreatinin sind jedoch nicht immer Grund zur Sorge und können andere Ursachen haben. Besser sind Kalkulationen oder besser die Messung der Kreatininclearance, jedoch sind auch hier geringe Beeinträchtigungen nach Ansicht von Klotman akzeptabel. Sinnvoll wären neue Methoden, die eine sensitive und frühzeitige Erfassung von nephrotoxischen Nebenwirkungen ermöglicht. Aber hier gibt es kaum neue Verfahren und noch keine Erfahrungen bei HIV-Patienten. So bleibt zunächst unbeantwortet, ob Tenofovir wirklich ohne relvante nephrotoxische Effekte ist oder ob sich Patienten mit einem höheren Risiko für Nephrotoxizität identifizieren lassen.

    Literatur
    [1] Yki-Järvinen H. Hepatic steatosis: the common denominator for insulin resistance in obese and lipodystrophic subjects. Antiviral Therapy 2005; 10:L2
    [2] Mulligan K et al. Use of oral glucose tolerance testing to estimate insulin sensitivity in patients with HIV infection. Antiviral Therapy 2005; 10:L10
    [3] Kamin D et al. Depot specific regulation of glucose intake and insulin sensitivity in HIV infected lipodystrophy. Antiviral Therapy 2005; 10:L10
    [4] Lee GA et al. A single dose of amprenavir does not induce insulin resistanc in healthy normal volunteers. Antiviral Therapy 2005; 10:L11
    [5] Noor MA et al. Evaluation of insulin sensitivity in healthy volunteers treated with low-dose ritonavir combined with atazanavir or lopinavir: a prospective, randomized study using hyperinsulinemic, euglycemic clamp and oral glucose tolerance testing. Antiviral Therapy 2005; 10:L11
    [6] Flint OP et al. Comparative effects of atazanvir versus other protease inhibitors on glucose and amino acid stimulated insulin secreation. Antiviral Therapy 2005; 10:L32
    [7] Klotman P. HIV and the kidney. Antiviral Therapy 2005; 10:L3

    HIV.NET Nachrichten vom 23. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Impfstoffe werden bald in Deutschland getestet

    Im kommenden April sollen erste Probanden einen Impfstoff zur Prävention einer HIV-Infektion erhalten / Therapeutische Impfung Ende 2006

    Düsseldorf - Die ersten der im Kompetenznetz HIV/Aids zusammen mit europäischen Partnern entwickelten HIV-Impfstoffe werden in Deutschland in Phase-1/2- Studien getestet. Bereits im April 2006 sollen die ersten Probanden eine Präventivimpfung erhalten.

    Ende 2006 soll dann nach Angaben von Professor Hans Wolf von der Universität Regensburg bereits eine zweite Studie starten, bei der eine therapeutische HIV-Vakzine bei HIV-positiven Freiwilligen geprüft wird. Dies hat Wolf auf einer Veranstaltung des Kompetenznetzes auf der Medica in Düsseldorf angekündigt.

    An präventiven und therapeutischen Impfstoffen gegen eine HIV-Infektion wird weltweit geforscht. Eine Impfung gegen HIV gilt als schwierig, weil Zusammensetzung und Oberflächenstruktur des Virus sehr variabel sind und mehrere Virusstämme existieren.

    Insgesamt seien mehrere hundert Stoffe in Entwicklung, mit denen ganz unterschiedliche Impfstrategien verfolgt würden, so Wolf. Die wesentlich von den Regensburger Forschern mitbegründete europäische Vakzinestrategie EuroVac (European Vaccine Effort Against HIV/Aids) setzt in ihrem Präventiv-Impfprogramm auf eine Kombination aus DNA-Vakzine und Aktivimpfung mit einem abgeschwächten Pockenvirus.

    Dieses Schema, das bereits in Lausanne und London angewendet wird, soll im April auch im Raum Regensburg bei zunächst 20 Freiwilligen geprüft werden.

    In einem ersten Schritt erhalten die Probanden eine Injektion mit einer DNA, die mit Genen und Gensegmenten des Stammes C von HIV-1 beladen ist. Kurze Zeit später folgt eine zweite Impfung mit der harmlosen Pockenvirusvariante NYVAC (New York Vaccinia Virus), bei der genau die gleichen Gene eingefügt wurden, die für die DNA-Impfung verwendet wurden. Diese Doppelstrategie soll eine besonders nachhaltige Immunantwort garantieren, hoffen die Impfstoff-Forscher.

    Anders als in anderen HIV-Impfstoffprojekten wird bei EuroVac versucht, möglichst viele der für eine Impfung in Frage kommenden Virusstrukturen bei der Entwicklung zu berücksichtigen. Dadurch hofft man, dem sehr variablen Virus weniger Ausweichmöglichkeiten zu geben.

    Außer der prophylaktischen befindet sich auch eine therapeutische Impfung mittlerweile kurz vor dem Eintritt in Phase-1/2-Studien. Ende des Jahres 2006 soll es so weit sein, wie Wolf mitteilte. In den Studien geht es darum, bei Menschen, die bereits mit HIV-1 infiziert sind, das Immunsystem unter dem Schutz der antiretroviralen Therapie zu stimulieren, um den Aids-Erreger noch wirksamer in Schach zu halten.

    Ärzte-Zeitung vom 22. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Infektionen weltweit auf neuem Höchststand

    Nur Kombination aus Prävention und Therapie kann Epidemie aufhalten. Alle sechs Sekunden eine HIV-Infektion.

    Bonn - Der aktuelle UNAIDS/WHO-Bericht "AIDS Epidemic Update 2005", dessen deutsche Version die Deutsche AIDS-Stiftung in diesem Jahr in Kooperation mit UNAIDS herausgebracht hat, zeigt deutlich die globale Dimension der AIDS-Epidemie auf: 40,3 Millionen HIV-infizierte Menschen, 4,9 Millionen Neuinfektionen in 2005 und 3,1 Millionen Tote 2005 durch AIDS weltweit. Ein Virus, das keine Ländergrenzen kennt, kann folglich nur mit gemeinsamen Anstrengungen aller Akteure bekämpft werden.

    Für die Deutsche AIDS-Stiftung, die sich sowohl national als auch international für Menschen mit HIV und AIDS einsetzt, werden die globalen Auswirkungen der HIV/AIDS-Epidemie auch in Deutschland immer sichtbarer: "Die Zahl der betroffenen Migranten - aus mittlerweile über 80 Herkunftsländern - die sich aufgrund sozialer Notlagen an die Stiftung wenden, nimmt seit Jahren deutlich zu", betonte Ulrich Heide, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung. Besorgniserregend sei zudem die nun auch in Deutschland festzustellende Zunahme der HIV-Infektionen.

    Eine aktuelle, von UNAIDS zitierte Studie zeigt, dass langfristig nur eine intensive und konsequente Kombination aus Präventionsanstrengungen und Therapieangeboten die Epidemie aufhalten kann. Die steigenden Infektionszahlen in Osteuropa und in vielen Ländern des südlichen Afrika haben die AIDS-Stiftung dazu bewogen, neben Soforthilfe und Präventionsangeboten für besonders verletzliche Gruppen in Deutschland auch im Ausland, etwa in Kaliningrad und in Tansania, Präventionsprojekte zu unterstützen. "Ziel aller Akteure muss es sein, möglichst flächendeckend Zugang zu Prävention, Therapie und Pflege anzubieten", so Heide.

    "Der diesjährige Bericht von UNAIDS bestätigt, dass die deutsche Entwicklungszusammenarbeit die richtige Strategie hat. Wir setzen vor allem auf eine Kombination aus vier Elementen: bessere internationale Kooperation und Koordination der Anstrengungen, Prävention und Aufklärung einschließlich der Nutzung von Kondomen, Therapiemöglichkeiten", erklärte Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul. "Um die Versorgung armer, Aids-kranker Menschen mit Medikamenten noch weiter voranzutreiben, ist ein Schwerpunkt innerhalb des deutschen Engagements gegen HIV/AIDS die Produktion von kostengünstigen Generika in den Entwicklungsländern selbst."

    "In vielen Ländern haben Erfolg versprechende Programme zur Eindämmung von HIV/AIDS begonnen. Sie zeigen: Prävention und Behandlung sind auch in wirtschaftlich armen Ländern möglich", sagte Jürgen Hammelehle, Sprecher des Aktionsbündnisses gegen AIDS. Dazu sei auch noch mehr finanzielle Unterstützung von wohlhabenden Ländern wie Deutschland notwendig. Stigma und Diskriminierung würden allerdings oft genau die Menschen ausschließen, die besonders gefährdet seien. Dass Prävention und Behandlung gerade für Drogenkonsumenten und Prostituierte oft schwer oder gar nicht zugänglich seien, sei kontraproduktiv und gefährlich. "Der erste Schritt zur HIV-Prävention ist deshalb, diese Menschen in ihren Rechten und ihrem Anspruch zu stärken." Dies gelte vor allem für viele Teile Asiens und Osteuropas, wo Drogengebrauch der Hauptübertragungsweg von HIV sei.

    Der ungekürzte Bericht "Epidemic Update 2005" (deutsche Fassung) steht auf der Website der Deutschen AIDS-Stiftung unter der folgenden Adresse zum Download zur Verfügung: www.aids-stiftung.de. Zahlen zu HIV/AIDS weltweit: Weltweit leben insgesamt ca. 40,3 Millionen Menschen mit HIV/AIDS, im Jahr 2005 gab es ca. 4,9 Millionen HIV-Neuinfektionen und es starben 3,1 Millionen Menschen an AIDS (Quelle: AIDS Epidemic Update 2005, Zahlen sind Schätzungen).

    Zahlen zu HIV/AIDS in Deutschland: Ende 2004 lebten ca. 44.000 Menschen mit HIV/AIDS in Deutschland, im Jahr 2004 infizierten sich ca. 2.000 Menschen neu und ca. 700 Menschen erkrankten an AIDS (Schätzungen). Die Zahl der HIV-Erstdiagnosen (Meldungen über bestätigt positive Antikörpertests) lag 2003 bei 1.827, 2004 bei 2.058 und im ersten Halbjahr 2005 bei 1.164. (Quelle: Robert Koch-Institut)

    Deutsche AIDS-Stiftung Presserklärung vom 21. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Therapieschema mit anhaltender Wirksamkeit und günstigem Resistenzprofil

    Neuen Ergebnissen zufolge weist ein auf Kaletra® (Lopinavir/Ritonavir) basierendes Therapieschema anhaltende Wirksamkeit und ein günstiges Resistenzprofil bei Patienten während eines Sieben-Jahreszeitraums initialer HIV-Therapie auf.

    Dublin, Irland - In der längsten klinischen Studie zu einer HIV-Behandlung - sieben Jahre (360 Wochen) -, im Rahmen derer ein auf Kaletra® (Lopinavir/Ritonavir) basierendes Therapieschema untersucht wurde, zeigten die Ergebnisse, dass Patienten, die Kaletra in Kombination mit anderen antiretrovirale Wirkstoffen einnahmen, eine nicht nachweisbare Viruslast (Virenmenge im Blut) von weniger als 50 Kopien pro Milliliter, gemessen in Form von HIV-RNA, beibehielten. Diese anlässlich der 9. Europäischen AIDS-Konferenz (EACS) vorgestellten Daten zeigten, dass die meisten Patienten, die ein auf Kaletra basierendes Therapieschema als Initialtherapie der HIV-Infektion erhalten hatten, eine anhaltende antivirale Wirkung aufwiesen. Von den 19 Patienten, die die Kriterien für eine Resistenztestung erfüllten und für die Resistenztestergebnisse für den gesamten Zeitraum von 360 Wochen vorlagen, zeigte keiner eine primäre Proteaseinhibitoren(PI)-Resistenz.

    "Diese eindrucksvollen Sieben-Jahres-Ergebnisse zu Kaletra , die eine aufrechtzuerhaltende Behandlung ohne Resistenzentwicklung für die meisten Patienten ohne Vorbehandlung aufzeigen, machen deutlich, wie wichtig Forschung und Entwicklung im Bereich HIV sind", sagte Dr. Robert Murphy, praktizierender Arzt, Professor und Direktor der Clinical Research in Biodefense and Infectious Diseases, einer Unterabteilung von Infectious Diseases, Northwestern University, Feinberg School of Medicine, Chicago, IL.

    Studie 720: Sieben-Jahres-Daten

    Die Ergebnisse der randomisierten, nicht kontrollierten, offenen, prospektiven Phase II-Studie an 100 behandlungsnaiven (nicht vorbehandelten) Patienten, die Kaletra in Kombination mit Lamivudin (3TC) and Stavudin (d4T)einnahmen, zeigten, dass 59 Prozent der Patienten (59/100) eine nicht nachweisbare Viruslast (HIV-RNA weniger als 50 Kopien pro Milliliter) aufwiesen und 61 Prozent (61/100) einen HIV-RNA-Wert von weniger als 400 Kopien pro Milliliter hatten. Verwendet wurde eine Intent-to-Treat-Analyse, bei der alle Patienten, die die Studie nicht beenden, als Therapieversager klassifiziert werden. Von den 62 Patienten, bei denen die Behandlung in der 360sten Woche nach beibehalten worden war, hatten 98 Prozent (61/62) einen HIV-RNA-Wert von weniger als 400 Kopien pro Milliliter.

    Insgesamt wurden 33 Proben von 29 Versuchspersonen zur Resistenzprüfung eingereicht. Eine genotypische HIV-Resistenztestung schlug bei 10 Studienteilnehmern fehl, deren medianer HIV-1-RNA-Wert bei 575 Kopien/ml lag. Bei keinem der 19 Patienten, von denen für die gesamten 360 Wochen Resistenztestergebnisse vorlagen, fand sich ein Nachweis einer Resistenz gegen Lopinavir (0/19) oder Stavudin (0/19). Drei Patienten (3/19) wiesen eine Lamivudin-Resistenz auf. Dementsprechend wurde kein Hinweis auf das Vorliegen einer phänotypischen Resistenz gegen einen Proteinaseinhibitor (PI) gefunden.

    Patienten, die an dieser offenen Studie ohne Vergleichsgruppe teilnahmen, erhielten zunächst eine von drei Dosen Kaletra zusätzlich zu den Nukleosidanaloga Stavudin und Lamivudin. Nach 48 Wochen Therapie wurden alle Patienten auf dieselbe Dosis von Kaletra (400/100 mg zweimal täglich) in Kombination mit Stavudin und Lamivudin umgestellt.

    Im Allgemeinen wurde Kaletra während der 360 Therapiewochen gut vertragen. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse waren Durchfall und Übelkeit. Zum Zeitpunkt der 360igsten Woche wurden Grad 3 bzw. Grad 4 Cholesterin- und Triglyzeridwerte bei 2 bzw. 3 Prozent der Patienten beobachtet.

    Die niedrigen Werte für die Viruslast waren begleitet von einem CD4-Zell-Anstieg. Der durchschnittliche Anstieg der CD4-Zellzahl von Studienaufnahme bis zur 360sten Woche betrug 501 Zellen pro Kubikmillimeter für alle in der Studie verbliebenen Patienten.

    "Im Laufe der Jahre hat uns diese Studie zu einem besseren Verständnis des Nutzens von Kaletra für nicht vorbehandelte Patienten verholfen", sagte Scott Brun, Arzt, Divisional Vice President, Infectious Disease Development, Abbott. "Abbott engagiert sich weiterhin für die Durchführung von Forschungsvorhaben, die Kenntnis und Behandlung von HIV für Kliniker und Patienten verbessern."

    Abbott Laboratories - Pressemitteilung vom 18. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Tibotec gibt Beginn der Phase III-Tests mit TMC125 bekannt

    Innovativ angelegte Studie ermöglicht gleichzeitige Untersuchung der Kombination zweier antiretroviraler Wirkstoffe.

    Tibotec Pharmaceuticals Ltd. gab heute den Beginn des zulassungsentscheidenden klinischen Testprogramms der Phase III mit TMC125, der firmeneigene, in der Erforschung befindliche Nicht-Nukleosid Revers-Transkriptase (NNRTI), bekannt. Das Programm umfasst zwei randomisierte, placebo-kontrollierte Studien mit bereits behandelten HIV-1 infizierten erwachsenen Patienten mit erwiesener NNRTI-Resistenz und mindestens drei primären Proteasemutationen. Die beiden, jeweils 600 Patienten umfassenden klinischen Studien werden in 18 Ländern durchgeführt.

    In diesen Studien wird als Hintergrund-Proteasehemmer Tibotecs Prüfpräparat TMC114 eingesetzt. Dieser bahnbrechende Aufbau der Studie führt zum ersten Mal dazu, dass zwei neue antiretrovirale Prüfpräparate kombiniert und gemeinsam an stark vorbehandelten Patienten untersucht wurden. Die Antiviral-Abteilung der US-amerikanischen FDA (Food and Drug Administration), das CHMP (Committee for Medicinal Products for Human Use) der EMEA (European Medicines Agency) und die Gemeinschaft der HIV-Patienten unterstützen diesen Aufbau.

    Zurzeit verlieren bewährte NNRTIs ihre antivirale Aktivität in Gegenwart einer einzigen NNRTI-Mutation. Dagegen hat sich TMC125 in vitro als wirksam gegen NNRTI-resistente Viren erwiesen. Die ersten klinischen Langzeitergebnisse von TMC125 bei HIV-1 Patienten mit NNRTI-Resistenz werden auf der vom 17. bis zum 20. November in Dublin, Irland, stattfindenden European AIDS Konferenz im Rahmen zweier mündlichen Late-Braker-Präsentationen vorgestellt werden. Bei TMC125-C223 handelte es sich um eine dosisvariable, randomisierte, teilweise verblindete Phase IIb Studie mit HIV-1 infizierten Patienten, die bereits umfassend behandelt worden waren und eine nachgewiesene NNRTI-Resistenz sowie 3 oder mehr Proteasemutationen aufwiesen. Trotz der NNRTI-Resistenz der Patienten war die Verringerung der Viruslast beim primären Endpunkt nach 24 Wochen bei Patienten, die TMC125 erhielten signifikant höher als bei der aktiven Kontrollgruppe. Die mittlere Veränderung der Viruslast im Vergleich zum Studienbeginn betrug -1,04, -1,18 und -0,19 log10 Exemplare/ml bei den mit TMC125 400 bzw. 800 mg Behandelten bzw. bei der aktiven Kontrollgruppe.

    Bei der TMC125-C203-Studie handelte es sich um eine Phase II Dosis-Eskalationsstudie bei der es primär um die Bewertung der Sicherheit und Verträglichkeit von TMC125 ging. Bei den am häufigsten vorkommenden unerwünschten Ereignissen handelte es sich um Diarrhoe, Kopfschmerzen, Hautauschlag und Übelkeit, wobei das Auftreten unerwünschter Ereignisse bei TMC125 und Placebo im Wesentlichen gleich war.

    "Uns ist bewusst, dass es aufgrund des zunehmenden Problems viraler Resistenzen für viele Menschen, die mit HIV/AIDS leben müssen, keine Behandlungsmöglichkeiten mehr gibt. Die vorläufigen Ergebnisse legen nahe, dass es sich bei TMC125 eventuell um das erste NNRTI handelt, dass gegen diese resistenten Stämme wirksam ist", sagte Dr. Brian Woodfall, weltweiter medizinischer Leiter der TMC125-Studie.

    TMC125 hat von der US-amerikanischen FDA (Food and Drug Administration) den Fast-Track-Status zugesprochen bekommen. Dieser Status wird Wirkstoffen erteilt, die zur Behandlung schwerer bzw. lebensbedrohlicher Erkrankungen vorgesehen sind.

    news aktuell schweiz - Meldung vom 18. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Patienten mit HIV-Infektion werden in Deutschland gut versorgt

    Kompetenznetz HIV / AIDS zieht positive Bilanz / Daten von 9000 Patienten analysiert.

    Düsseldorf - Menschen mit HIV-Infektion werden in Deutschland überwiegend gut versorgt. Das zeigen erste Auswertungen aus dem Kompetenznetz HIV/AIDS.

    Im Kompetenznetz HIV/AIDS werden die Daten von 9000 Patienten aus 45 Zentren unter Pseudonym in einer gemeinsamen Datenbank gespeichert. "Durch die Netzstruktur wird die deutsche HIV-Forschung auch international wahrgenommen", sagte Professor Norbert Brockmeyer aus Bochum auf der Medica.

    Nach den Daten wird HIV bei knapp 60 Prozent der jährlich 2000 Neuinfektionen in Deutschland durch homo- und bisexuellen Geschlechtsverkehr übertragen. 17 Prozent der Neuinfektionen entstehen durch heterosexuelle Übertragung, sechs Prozent bei intravenösem Drogengebrauch.

    70 Prozent der Infizierten bekommen aktuell eine antiretrovirale Therapie. Bei 43 Prozent ist noch das initiale Therapieschema wirksam, bei den übrigen musste wegen Problemen auf ein anderes Schema gewechselt werden. 17 Prozent wurden noch nie behandelt, fünf Prozent machen eine Therapiepause.

    Auch zur Effektivität der Therapie liegen erste, unveröffentlichte Daten vor. Als Beispiel wurden Ergebnisse der bei etwa einem Drittel der Patienten eingesetzten Kombination aus einem nicht-nukleosidischen Reverse Transkriptase-Hemmstoff (RTI) und einem oder mehreren nukleosidischen RTI vorgestellt.

    Bei 77 Prozent der so behandelten Infizierten liegt die Viruslast unter der Nachweisgrenze (50 Kopien HIV-RNA pro ml Blut); sieben Prozent liegen unter 1000 Kopien, der Rest darüber.

    Jetzt sind umfangreichere Studien geplant, in denen die Therapien bei verschiedenen Subgruppen von HIV-Infizierten evaluiert werden sollen. Um die Früchte der bisherigen Arbeit zu ernten, müsse die staatliche Förderung des Kompetenznetzes über das Jahr 2007 hinaus verlängert werden, sagte Brockmeyer.

    Ärzte-Zeitung vom 18. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aids-Gefahr in Europa wächst

    Trotz aller Aufklärungskampagnen im Kampf gegen Aids breitet sich die Immunschwächekrankheit auch in Europa weiter aus. Mittlerweile seien europaweit mehr als zwei Millionen Menschen HIV-infiziert oder bereits an Aids erkrankt. Dies berichteten Experten am Donnerstag zum Auftakt der 10. Europäischen Aids-Konferenz in Dublin.

    Am weitaus schlimmsten sei Osteuropa einschließlich Russland betroffen, wo 1,5 Millionen HIV-Infizierte leben. Doch auch in Deutschland war im ersten Halbjahr 2005 ein dramatischer Zuwachs der Neuinfektionen um 20 Prozent verzeichnet worden.

    Das Virus, gegen das es weder einen Impfstoff noch ein Heilmittel gibt, verbreite sich vor allem unter jungen Menschen, hieß es in Dublin. 75 Prozent der Neuinfizierten seien unter 25 Jahre alt.

    Die viertägige Konferenz, die alle zwei Jahre stattfindet, will über den neuesten medizinische Forschungsstand aufklären und die Ausbildung junger Forscher in Osteuropa und Afrika voranbringen. Außerdem sollen die neuen Richtlinien der Fachgesellschaft European Aids Clinical Society (EACS) zur Behandlung von Aids-Patienten und HIV-Infizierten vorgestellt werden, die europäische Wissenschafter gemeinschaftlich ausgearbeitet haben, wie die Vorsitzenden der Konferenz, Fiona Mulcahy und Jose M. Gatell, betonten. An der Tagung nehmen 3.000 Delegierte aus ganz Europa teil.

    Vienna Online vom 17. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Umkehrung der Lipoatrophie im Gesicht nach Therapieumstellung

    Ein durch Stavudin oder AZT induzierter Fettverlust im Gesicht kann innerhalb von 48 Wochen nach Umstellung auf Abacavir oder Tenofovir umgekehrt werden.

    Dr. Paul Benn vom London's Mortimer Market Center präsentierte auf dem 7. International Workshop on Adverse Drug Reactions and Lipodystrophy in HIV Resultate einer Substudie von RAVE, einer Britischen Studie, in der die Effekte einer Umstellung von Stavudin (Zerit®) oder AZT (Retrovir®) auf Abacavir ( Ziagen®) oder Tenofovir (Viread®) bei Probanden mit nicht nachweisbarer Viruslast untersucht wird.

    Für die Studie wurden 47 Patienten rekrutiert, 24 erhielten Abacavir, 23 Tenofovir. Ein Laser Imaging System wurde benutzt um die Gesichtskonturen an Wangen und Stirn zu 'kartografieren'. Zwei Drittel der Probanden nahmen vor der Umstellung Stavudin, ein Drittel AZT.

    Nach 48 Wochen im neuen Regime konnte bei 68 Prozent der Probanden der Fettverlust in den Wangen umgekehrt oder zumindest gestoppt werden. Die durchschnittliche Zunahme des Fettvolumens in den Wangen war vergleichbar mit jenem Kollagenvolumen, das Kontrollprobanden injiziert bekamen. Die Veränderungen der Konturen im Stirnbereich waren insignifikant.

    Quelle: Improvements in facial lipoatrophy at 48 weeks following substitution of a thymidine analogue with tenofovir (TDF) or abacavir (ABC): a randomised, open label study in people with lipoatrophy and virological suppression on HAART. Antiviral Therapy 10: L7, 2005.

    MedAustria – AIDS News Line vom 17. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Spezialgefängnisse für Häftlinge mit HIV/AIDS

    Peking - Die Provinz Guangdong plant innerhalb der nächsten zwei Jahre mindestens zwei Gefängnisse für Häftlinge mit HIV/AIDS zu bauen.

    Die zuständigen Abteilungen wählen zurzeit die Städte aus, in denen die beiden Spezialgefängnisse gebaut werden sollen, teilt eine Quelle des Justizministeriums der Provinz Guangdong mit.

    "Zur Zeit haben wir noch keine weiteren Einzelheiten in Bezug auf die beiden Gefängnisse", sagte ein Vertreter des Ministeriums.

    Die Entscheidung zum Bau der Gefängnisse fiel, da die Anzahl der Inhaftierten mit HIV/AIDS in den Gefängnissen der Provinz in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen ist.

    Wang Weiyang, Mitglied des Provinzkomitees der kommunistischen Partei, hat im März einen Antrag für einen schnellen Bau von Spezialgefängnissen und ein besseres Management betroffener Häftlinge gestellt.

    Nach einer Statistik des Guangdonger Justizministeriums hat es in den Gefängnissen der Provinz bisher rund 1000 Patienten mit HIV/AIDS gegeben. Der erste Häftling mit AIDS wurde im März 2000 festgestellt. Gegenwärtig sitzen in Guangdonger Gefängnissen 20 AIDS-Kranke Häftlinge und 518 HIV-infizierte Häftlinge ihre Strafen ab.

    Wang glaubt, dass die Anzahl der betroffenen Häftlinge ansteigen wird, da das Virus sich in einer derartigen Umgebung schnell verbreiten kann. Ein Anstieg würde die Verwaltung der Gefängnisse der Provinz vor noch mehr Probleme stellen.

    Nach einer Statistik des Amtes für öffentliche Gesundheit der Provinz Guangdong gab es zum Ende des vergangenen Jahres 5051 AIDS-Patienten in der Provinz. Experten sind allerdings der Meinung, dass die Anzahl von AIDS-Patienten und HIV-Trägern in Wirklichkeit fast 40.000 beträgt. Sie sagen voraus, dass es in der Provinz Ende 2010 rund 500.000 HIV/AIDS-Patienten geben wird.

    Gegenwärtig hat Guangdong die fünftgrößte Anzahl an HIV/AIDS-Patienten in China. Die am schwersten betroffene Region ist die südwestchinesische Provinz Yunnan. Danach folgen die Provinz Henan, die autonome Region Xinjiang und die autonome Region Guangxi.

    In Guangdong gibt es gegenwärtig 145 für die Behandlung von HIV/AIDS bestimmte Krankenhäuser.

    Im Juni dieses Jahres hat die Provinz begonnen ihren Einwohnern kostenlose AIDS-Tests anzubieten.

    China Daily vom 16. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Dublin: Erster Tag der Lipodystrophie-Konferenz

    von Georg Behrens

    Dublin - Der 7th International Workshop on Adverse Drug Reactions and Lipodystrophy in HIV, kurz Lipodystrophie-Konferenz, bringt alljährlich diejenigen HIV-Behandler und -Forscher zusammen, die sich mit bekannten und frisch identifizierten unerwünschten Nebenwirkungen der HIV-Therapie beschäftigen. Hatte sich in den ersten Jahren der Konferenzgeschichte noch ein Vortrag mit überraschenden und meist klinischen Daten an den nächsten gereiht, sind in den vergangenen Jahren mehr technische Details, kleinere Pilotstudien und komplexere Stoffwechselwege diskutiert worden, deren Relevanz und Neuigkeit nicht immer unmittelbar dem ganzen Publikum zugänglich war. Das Treffen vom 13.-16. November in Dublin bildet keine Ausnahme dieser Entwicklung. Wir werden sehen - und HIV.NET wird darüber berichten -, wie das Konzept des Workshops sich in Zukunft bewährt.

    Am ersten Tag gab Dympna Gallagher [1] einen Überblick über die Qualität und die Möglichkeiten der Magnetresonanztomographie (MRT) für das Studium von Fettgewebe in allen denkbaren Kompartimenten des Körpers. Die Methode ist exzellent für eine Ganzkörper-Fettanalyse und quantifiziert Fett in allen Winkeln und Höhlen: retroperitonal, viszeral, omental, subkutan, intermuskulär etc. Intramyozelluläres Fett aber ist kein Fettgewebe und kann nicht im MRT, wohl aber mit der Magenetresonanzspektroskopie nachgewiesen werden. Kurzum, es gab tolle Bilder einer Technik zu bewundern, die ausgewählten Fragestellungen vorbehalten bleiben wird und einen Geschmack auf die technischen Möglichkeiten der Zukunft bietet. Deutlich wurde, dass wir über die physiologischen Veränderungen der Fettverteilung während unserer Entwicklung vom Baby über den Erwachsenen hin zum alternden Menschen aus bildgebenden Verfahren noch viel lernen können.

    Cecilia Shikuma [2] stellte Ergebnisse vor, die die Akkumulation von Monozyten und Makrophagen im Fettgewebe von lipoatrophen HIV-Patienten zeigten. Diese Zellen waren im Vergleich zur Kontrolle häufiger mit HIV infiziert, was die Autoren spekulieren ließ, dass die chronische HIV-Infektion und Aktivierung von Makrophagen zur Zerstörung des Fettgewebes beitragen könnte. Ähnliche Daten zeigte die Arbeitsgruppe von Simon Mallal aus Perth [3], die ebenfalls einen Assoziation von Makrophageninfiltration und Lipoatrophie fanden, die vermehrt unter Stavudin auftrat und unter Absetzen von Stavudin auch partiell rückläufig war. Hier war jedoch kein Zusammenhang mit dem HIV-Nachweis in den Makrophagen auffällig. Obwohl diese Ergebnisse kritisch diskutiert wurden - Makrophagen könnten schließlich an der Beseitigung von absterbenden Adipozyten beteiligt sein und die Ergebnisse somit sekundäre Effekte darstellen - gilt der Rolle des Immunsystems in der Pathophysiologie des Lipodystrophie-Syndroms wieder mehr Interesse.

    Andrew Carr [4] erklärte anhand seiner Daten aus der Mitotox- und Rosey-Studie, dass Lipoatrophie (subkutaner Fettverlust) und Lipohypertrophie (zentrale Fettvemehrung) wohl unterschiedlichen pathogenetischen Einflüssen unterliegen, da sie sich nach Interventionen (Absetzen von Stavudin oder Einsatz von Rosiglitazon) eher gleichsinnig zunehmend als gegensinnig rückläufig verhalten. Außerdem sind unterschiedliche Riskofaktoren für die Vorhersage der Veränderung im jeweiligen Kompartiment relevant, was ebenfalls auf eine unterschiedliche Steuerung der zentralen und peripheren Fettgewebe schließen lässt.

    Eine Analyse einer Substudie von ACTG 384 (Nelfinavir oder Efavirenz oder beides zusammen mit AZT+3TC oder d4T+ddI in unbehandelten Patienten) zeigte, dass die Ausgangstriglyzeridwerte bzw. ihr frühes Ansteigen nach Therapiebeginn positive Prädiktoren für das Auftreten eines Lipodystrophie-Syndroms waren [5]. Alter, Rasse, Geschlecht, BMI und C-Peptid waren in dieser Studie im Gegensatz zu anderen Publikationen nicht prädiktiv, wenn die Analyse für die Therapie mit den NRTIs korrigiert war, denn d4T+ddI behandelte Patienten hatten das größte Risiko wegen eben dieser Medikamentenkombination.

    Interessant für den klinischen Alltag waren die Daten von Corinne Vigouroux (Arbeitsgruppe Jacqueline Capeau). Die Französin zeigte, dass NRTI - und hier neben AZT und d4T besonders 3TC - zu einer subklinischen Hämolyse (niedriges Haptoglobin) bei HIV-Patienten führen kann [6]. Dieses hat eine kürzere Lebensspanne der Erythrozyten zur Folge, was die eigentlich überraschende Beobachtung der französischen Studie erklären könnte: Die Autoren fanden nämlich, dass unter HAART die HbA1c-Werte von HIV-Patienten falsch niedrig sein können und somit mit Vorsicht zu genießen sind. HbA1c ist das glykolisierte Hämoglobin und erlaubt ein sehr gutes Monitoring der durchschnittlichen Stoffwechselsituation der vergangenen Wochen. Einflüsse von NRTIs auf Lebendauer der Erythrozyten und ihr mittleren korpuskuläres Volumens (MCV) könnten sich negativ auf diesen Parameter auswirken.

    Mit Spannung erwartet schließlich die Daten von Jussi Sutinen und Ulrich Walker [7] zum Einfluss von Uridin auf die Lipoatrophie. Insgesamt 18 Patienten wurden untersucht. Eine Gruppe (n=8) erhielt 36g Uridin (Nucleomax X) 3x tgl. für 10 Tage mit anschließender Pause für 20 Tage. Dieser Zyklus wurde insgesamt zweimal wiederholt und die begleitende HIV-Therapie (d4T oder AZT-haltig) beibehalten. Die Kontrollgruppe erhielt ein Placebo und wurde ebenfalls nach insgesamt drei Monaten im DEXA erneut untersucht. Das Ergebniss ist verblüffend: das periphere Fett nahm um fast 900 g in der Uridin-Gruppe zu, ohne massive Zunahme des zentralen Fettgewebes. Auch Triglyzerid- und Glukosespiegel zeigten sich unbeeinflusst. Leider bemerkten gleich viele Patienten aus beiden Gruppen eine subjektive Besserung und einige Zuhörer bemängelten, dass die Gruppen anfangs nicht optimal für z.B. Körpergewicht vergleichbar waren und die nur acht Patienten pro Gruppe leicht signifikante Unterschiede zu Beginn der Studie verschleiern könnten. Außerdem basieren die Ergebnisse auf einer "on-treatment" und nicht "intend-to-treat" Analyse (Je ein Patient war aus jeder Gruppe ausgeschieden). Dennoch bleibt mit Erstaunen der ausgeprägte Fettzuwachs an den Extremitäten festzustellen, ein Effekt, der oft auch nach bis zu jahrelanger Abstinenz von d4T nicht zu beobachten ist. Völlig unerwähnt blieb der Mechanismus von Uridin auf das Fettgewebe, denn eine andere Studie zeigt, dass Nucleomax zu keiner Erhöhung der mitochondrialen DNA im Fettgewebe führt [8]. Und hoffentlich kompetitiert Uridin nicht den Thymidinanaloga um ihre antivirale Potenz. Wieder einmal mindestens genauso viele Fragen wie Antworten, aber nun endlich haben wir Zahlen gesehen, an den wir uns erwärmen oder reiben können. Vielleicht reichen die Daten aus Dublin ja für Uridin zum Eintrag ins Guinness-Buch...

    Literatur
    [1] Gallagher D. Objective measurements of body composition in vivo using magnetic resonance tomography. Antiviral Therapy 2005; 10:L1
    [2] Shikuma C et al. HIV-infected monocytes and macrophages in adipose tissue contribute to the development of lipoatrophy. Antiviral Therapy 2005; 10:L4
    [3] Hammond E et al. Assessing the contribution of ART, HIV and host factors to adipose tissue changes occuring in HIV-infected individuals: risk profile for lipoatrophy. Antiviral Therapy 2005; 10:L4
    [4] Wand H et al. Increase in limb fat after nucleoside analogue cessation is not associated with decrease in visceral fat and has different risk factors. Antiviral Therapy 2005; 10:L5
    [5] Parker RA. Baseline and early on-treatment predictors of lipoatrophy at 64 week in a randomized trial of initial antiretroviral therapy: a secondary analysis of A5005s, a substudy of ACTG 384. Antiviral Therapy 2005; 10:L5
    [6] Diop M-E et al. Inappropriate glycated hemoglobulin values and hemolysis in HIV-infected patients. Antiviral Therapy 2005; 10:L6
    [7] Sutinen J et al. Uridine supplementation increases subcutaneous fat in patients with HAART-associated lipodystrophy: a randomized, placebo-controlled trial. Antiviral Therapy 2005; 10:L7
    [8] McComsey GA et al. Effect of NucleomaxX on fat and blood mitochondrial DNA in d4T-treated subjects with clincal lipoatropyh. Antiviral Therapy 2005; 10:L49

    HIV.NET Nachrichten vom 16. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aids-Hilfe warnt nach angeblicher Selbstheilung vor Verharmlosung

    Berlin - Angesichts der Berichte über die angebliche Selbstheilung eines HIV-infizierten Briten hat die Deutsche Aids-Hilfe vor einer Verharmlosung der Krankheit gewarnt. "Wir warnen davor, HIV und Aids nicht mehr als Gefahr wahrzunehmen", erklärte Guido Schlimbach von der Aids-Hilfe am Montag in Berlin. Nach wie vor sei Vorbeugung der beste Schutz. Die jüngsten Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI), die einen Anstieg an HIV-Neuinfektionen im ersten Halbjahr 2005 belegen, seien Hinweise auf ein verändertes Risikoverhalten. Dies sei unter anderem auf "unrealistische Heilungsphantasien" zurückzuführen, kritisierte Schlimbach.

    Zugleich äußerte Schlimbach Skepsis über die angebliche Selbstheilung des jungen Briten. Auch wenn das Verschwinden des Virus unter Umständen theoretisch möglich wäre, sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Aids-Erreger weiterhin unerkannt in Körperzellen schlummere, auch wenn im Blut keine Antikörper mehr nachzuweisen seien. Die britische Tageszeitung "News of the World" hatte am Wochenende über den überraschenden Befund berichtet. Demnach war bei dem heute 25-jährigen Mann im August 2002 das HIV-Virus festgestellt worden; ein gutes Jahr später konnte es nicht mehr in seinem Blut nachgewiesen werden. Die britische Gesundheitsbehörde sprach von einem "außergewöhnlichen und medizinisch bemerkenswerten" Ergebnis.

    Deutsche AIDS-Hilfe e.V. - Pressemeldung vom 14. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-infizierter Brite besiegt angeblich Aids-Virus

    25-Jähriger nahm keine Medikamente ein.

    Ein 25-jähriger Brite ist nach eigenen Angaben der erste Mensch, der das tödliche Aids-Virus dauerhaft besiegt hat - ohne dass er dagegen behandelt worden wäre. "Ich kann mich noch erinnern, wie mein Arzt nach der Nachuntersuchung ins Zimmer kam und sagte: 'Sie haben sich selbst geheilt! Das ist unglaublich, Sie sind sagenhaft!'", berichtete Andrew Stimpson der Tageszeitung "News of the World". Die Gesundheitsbehörden nannten Stimpsons Selbstheilung "außergewöhnlich und medizinisch bemerkenswert".

    Bei Stimpson war das HIV-Virus im August 2002 festgestellt worden; ein gutes Jahr später konnte es nicht mehr in seinem Blut nachgewiesen werden. "Das ist so erstaunlich, dass ich einmal dem Tod ins Gesicht geschaut habe, und jetzt winke ich ihm zum Abschied zu", sagte Stimpson der Zeitung. Er könne es umso weniger glauben, als sein HIV-infizierter Freund und er seit der ersten Diagnose im August 2002 ungeschützten Sex gehabt hätten, weil sie dachten, sie hätten ohnehin nichts mehr zu verlieren.

    Wie die "News of the World" druckte auch die Tageszeitung "Mail on Sunday" einen Brief der britischen Gesundheitsbehörde ab, in dem von einem "außergewöhnlichen und medizinisch bemerkenswerten" Ergebnis die Rede war. Nach dem überraschenden Befund habe das Krankenhaus überprüft, ob tatsächlich bei allen Untersuchungen das Blut von Stimpson getestet worden war, und das Erbmaterial habe in allen Proben übereingestimmt. "Es hat beim Beschriften und Untersuchen der Proben keinen Irrtum gegeben", hieß es in dem Brief, den Stimpson vor einem Monat erhalten hatte.

    George Kinghorn, ein HIV-Spezialist aus Sheffield, zeigte sich ebenfalls überrascht. "Es ist höchst ungewöhnlich, dass ein Mensch sich mit dem Virus ansteckt, davon geheilt wird und dann keine Antikörper mehr aufweist", sagte er. "Wenn wir genauer verstehen, was in Andrews Körper vor sich gegangen ist, könnte es ein Schritt zum Durchbruch bei der Bekämpfung des HI-Virus sein." Stimpson sagte: "Ich werde alles tun, was ich kann, wenn es dabei hilft, ein Medikament gegen HIV zu finden."

    Der junge Mann war im Mai 2002 zum Arzt gegangen, weil er sich fiebrig und schwach fühlte; bei einem Aids-Test wurde das Virus damals aber nicht festgestellt. Allerdings kann es drei Monate dauern, bis das Virus nach der Ansteckung im Blut nachzuweisen ist, und bei einem weiteren Test im August 2002 wurden tatsächlich HIV-Antikörper im Blut des damals 22-Jährigen entdeckt.

    Weil Stimpson noch in einem frühen Krankheitsstadium war, wurde er nicht behandelt. Im weiteren Verlauf waren die Ärzte so erstaunt über seine gute Gesundheit, dass sie im Oktober 2003 einen weiteren Aids-Test vorschlugen. Dabei zeigte sich, dass das Virus aus Stimpsons Körper verschwunden war.

    Hellweger Anzeiger Unna vom 13. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Unicef startet Kampagne

    Berlin - 15 Millionen Kinder weltweit sind durch Aids zu Waisen geworden. Mit seiner traditionellen Weihnachtsaktion ruft das UN-Kinderhilfswerk Unicef in diesem Jahr zu größerer Hilfe für diese Kinder auf.

    Unicef-Schirmherrin Eva Luise Köhler hat gestern in Berlin die weltweite Unicef-Kampagne "Du und ich gegen Aids" gestartet. Das Kinderhilfswerk will erreichen, dass Regierungen und Arzneimittel-Hersteller ihre Anstrengungen erhöhen, um mehr HIV-infizierte Kinder medizinisch behandeln zu können, mehr Aids-Waisen zu versorgen und Kinder besser vor Aids zu schützen.

    „Kinder und Jugendliche sind die vergessenen Opfer von AIDS. Beim weltweiten Kampf gegen die Epidemie werden sie bislang übersehen. Nur ein Bruchteil der HIV-positiven Kinder wird medizinisch versorgt. Immer mehr AIDS-Waisen bleiben allein zurück. Diese Kinder brauchen unsere Hilfe“, sagte Eva Luise Köhler und rief zu Spenden für AIDS-Projekte auf.

    Jede Minute stirbt ein Kind an den Folgen von AIDS, das sind 500.000 im Jahr. Die meisten dieser Kinder kommen schon mit dem Virus zur Welt und werden nicht einmal fünf Jahre alt. Kinderverträgliche Medikamente gibt es kaum. Die Behandlung von Kindern ist fünfmal teurer als die von Erwachsenen.

    „Es ist ein Skandal, wie Kinder beim Kampf gegen AIDS vernachlässigt werden. Die Pharmaindustrie muss endlich bezahlbare Medikamente und Tests für Kinder entwickeln. Regierungen müssen in Gesundheitsdienste, Schulen und Aufklärungskampagnen investieren“, sagte Naisiadet Mason, AIDS-Expertin von UNICEF für das südöstliche Afrika in Berlin. „Wir alle müssen das Stigma besiegen und das Schweigen brechen - denn Schweigen bedeutet Tod in einer Welt mit AIDS.“

    Mit der Kampagne „Du und ich gegen AIDS“ will UNICEF das Ausmaß der Katastrophe für Kinder und Jugendliche sichtbar machen. In Deutschland wird die Kampagne von 8.000 ehrenamtlichen Helfern in bundesweit 130 UNICEF-Gruppen getragen. Sie werben um Spenden und mobilisieren in den kommenden zwei Jahren Unterstützung für die UNICEF-Kampagne.

    UNICEF - Pressemeldung vom 10. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Beteiligung Gefangener an den Gesundheitskosten

    Berlin – Bereits im September diesen Jahres hat der Bundesrat den aus Bayern eingebrachten Entwurf zur Änderung des Strafvollzugsgesetzes beschlossen und dem Bundestag zur Abstimmung vorgelegt. Wichtigste Änderung ist die Beteiligung der Gefangenen an den Gesundheitskosten. Danach soll auch im Bereich der Gesundheitsfürsorge für Gefangene die Eigenverantwortung gestärkt und dem Äquivalenzprinizip Rechnung getragen werden. „Die Begründung für diesen Gesetzesentwurf ist zynisch“, erklärte Sven Christian Finke, Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe. „Im Klartext heißt das: Einführung der ‚Praxisgebühr’ und Kostenbeteiligung an Medikamenten.“ Faktisch besteht im Justizvollzug aber keine freie Arztwahl. „Auch bei schweren Erkrankungen wie HIV und Aids hat der Gefangene keine Möglichkeit einen Facharzt zu konsultieren, wenn der Anstaltsarzt dies nicht veranlasst hat“, ergänzte Finke. „Ein ‚Ärztehopping’ – Hauptbegründung für die Einführung der Praxisgebühr außerhalb der Gefängnismauern - ist daher überhaupt nicht möglich.“

    Ausgerechnet an dieser Stelle werde mit dem Äquivalenzprinzip argumentiert, obwohl sich die Justizministerien seit Jahrzehnten gegen die Angleichung der medizinischen Standards und Präventionsmöglichkeiten erfolgreich wehrten, die außerhalb des Vollzuges bestünden. Mit einer solchen Angleichung würde der Justizvollzug seiner Verantwortung allerdings gerecht werden, weil den Gefangenen dadurch eine Chance geboten würde, Eigenverantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen.

    Das baden-württembergische Justizministerium hatte in seiner Pressemitteilung vom 20.09.2005 einige Rechenbeispiele aufgeführt. Baden-Württemberg könnte mit der Einführung einer „Praxisgebühr“ in den Haftanstalten 50.000,00 bis 150.000,00 € jährlich einsparen, wenn die Gefangenen 1,00 bis 3,00 € pro Arztbesuch entrichten müssten. Grundlage der Berechnung war eine Gefangenenzahl von 8.600 mit durchschnittlich 6 Arztbesuchen im Jahr. Im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung muss die Praxisgebühr allerdings nur einmal im Quartal entrichtet werden und nicht pro Arztbesuch. „Unterm Strich wäre das ein minimales Einsparpotential für den Justizvollzug“, äußerte Finke. „Für einen HIV-infizierten Inhaftierten, dem im Monat häufig nur 30,00 € zur Verfügung stehen, bedeutet dies aber ein kleines Vermögen.“

    Deutsche AIDS-Hilfe e.V. - Pressemeldung vom 10. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neue Website zu Wechselwirkungen

    Die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. geht mit einer neuen Webseite online.

    Substanzen und Verfahren aus der Naturheilkunde können ergänzend zur antiretroviralen Therapie (HAART) eingesetzt werden, um Symptome der HIV-Infektion oder Nebenwirkungen der HAART zu lindern. Allerdings ist hier Vorsicht geboten.

    Bestimmte Heilpflanzen können die HIV-Infektion verschlimmern oder - wie auch einige Drogen und Hormonpräparate - problematische Wechselwirkungen mit der antiretroviralen Therapie (HAART) haben.

    Vor solchen unerwünschten Wirkungen warnt unser neues Internet-Angebot www.hiv-wechselwirkungen.de, das im Frühjahr 2006 um das Thema "Wechselwirkungen zwischen Drogen und antiretroviraler Therapie" ergänzt werden soll.

    Die neue Web-Site bietet darüber hinaus umfangreiche Informationen und praktische Tipps rund um das Thema "HIV und Gesundheit", etwa zu den Punkten Ernährung, Bewegung oder Entspannung und Stressbewältigung. So kann man hier eine Datenbank mit Angaben zu zahlreichen Heilpflanzen finden, die in der komplementären (= die HAART ergänzenden) Therapie eine Rolle spielen, sich über die Bedeutung von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen informieren und auch gleich erfahren, in welchen Lebensmitteln diese enthalten sind, oder Tipps bekommen, was man bei HIV- oder HAART-bedingten Symptomen wie Appetitlosigkeit, Fettstoffwechselstörungen, Schlafstörungen, Durchfall, Übelkeit, Kopfschmerzen oder depressive Verstimmungen tun kann.

    Abgerundet wird das Angebot durch aktuelle Meldungen und die Möglichkeit, sich von einer "Interaktions-Hotline" individuelle Fragen zu Wechselwirkungen beantworten zu lassen.

    http://ww.hiv-wechselwirkungen.de – Meldung Deutsche AIDS-Hilfe e.V. vom 7. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Vicriviroc-Studie gestoppt

    Der nächste Rückschlag für CCR5-Antagonisten.

    von Christian Hoffmann

    Hamburg - Nachdem bereits vor einigen Wochen eine Studie zu dem CCR5-Antagonisten Aplaviroc an therapienaiven Patienten wegen Lebertoxizität gestoppt wurde (siehe HIV.NET-Bericht) , hat es nun auch die Konkurrenzsubstanz Vicriviroc der Firma Schering-Plough erwischt: Wie die Firma letzte Woche mitteilte, musste nun eine Phase II-Studie - nach Sichtung durch ein unabhängiges Experten-Gremium - vorzeitig beendet werden. In dieser Studie wurde Vicriviroc in Kombination mit AZT und 3TC doppelblind gegen den NNRTI Efavirenz getestet. Seit dem Frühjahr 2004 waren in 23 Zentren in Europa (auch in mehreren Zentren in Deutschland) und Kanada insgesamt 92 Patienten behandelt worden. Zwar wurde keine Lebertoxizität wie in der Aplaviroc-Studie beobachtet, doch zeigten zu viele Patienten unter Vicriviroc ein virologisches Therapieversagen. Der Unterschiede zu der Vergleichssubstanz Efavirenz waren offensichtlich so frappierend, daß sich die Experten zu dem Entschluß gezwungen sahen, die Studie abzubrechen. Die noch behandelten Patienten in der Studie sollen auf andere Therapieregime umgestellt werden. Die anderen, derzeit noch laufenden Studien zu Vicriviroc an vorbehandelten Patienten sollen vorerst fortgeführt werden.

    Dieser Rückschlag bei Vicriviroc wiegt vermutlich noch schwerer als das Ende der Aplaviroc-Studie, da nun ernste Zweifel an einer dauerhaften Wirkung dieser vor wenigen Monaten noch so vielversprechenden Substanzgruppe aufkommen. In kurzfristigen Monotherapiestudien über zwei Wochen waren die drei bislang am weitesten entwickelten Substanzen Aplaviroc, Vicriviroc und Maraviroc sehr erfolgreich gewesen [1-3]. Unterschiede in der Wirksamkeit hatten sich dort nicht gezeigt - was den Verdacht nahelegt, daß es bei allen CCR5-Antagonisten zu derartigen Problemen kommen könnte.

    Literatur
    [1] Lalezari J, Thompson M, Kumar P, et al. Antiviral activity and safety of 873140, a novel CCR5 antagonist, during short-term monotherapy in HIV-infected adults. AIDS 2005, 19:1443-1448.
    [2] Fatkenheuer G, Pozniak AL, Johnson MA, et al. Efficacy of short-term monotherapy with maraviroc, a new CCR5 antagonist, in patients infected with HIV-1. Nat Med. 2005 Oct 5, prepublished online.
    [3] Schürmann D, Rouzier R, Nourgarede R. SCH D: Antiviral activity of a CCR5 receptor antagonist. Abstract 140LB, 11th CROI 2004, San Francisco.

    HIV.NET Nachrichten vom 4. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Gerät für AIDS-Schnelltest entwickelt

    US-Forscher haben ein Gerät entwickelt, das die Immunschwächekrankheit AIDS in Sekundenschnelle feststellen kann. Bisher ist für einen solchen Nachweis eine etwa einwöchige Laborprozedur erforderlich. Beim bisher üblichen Verfahren wurde die Menge bestimmter Immunzellen im Blut gezählt.

    Gestörte Immunabwehr

    Fällt die Zahl der so genannten CD4+ Zellen, die für die Immunabwehr des Körpers bei Infektionen und Tumoren wichtig sind, unter einen Wert von 200 pro Mikroliter Blut, gehen die Mediziner bei einem HIV-Infizierten vom Krankheitsbild Aids aus.
    Auf diese Weise lässt sich auch der Erfolg einer Therapie kontrollieren.

    Neue Methode berechnet Dichte der Zellen

    Forscher der Cornell University in Ithaca und der University of Albany (beide US-Bundesstaat New York) verkleideten Elektroden mit spezifischen Antikörpern, an denen die CD4+ Zellen hängen bleiben.
    Dadurch wird der Stromfluss behindert, so dass daraus die Dichte der Zellen berechnet werden kann.

    Erster Schritt hin zu handlichem und günstigem Test

    Durch ein Kontrollverfahren mit fluoreszierender Farbe wird zudem überprüft, ob nur die gesuchten Zellen kleben blieben.
    "Das ist der erste Schritt hin zu einem handlichen, preisgünstigen und einfachen Gerät, das die Zahl der CD4+ Zellen im Blut ohne aufwendige Infrastruktur bestimmt", sagte Forschungsleiter James Turner.

    Die Originalarbeit ist im Fachjournal "Biosensors & Bioelectronics" (Bd. 21, S. 696) erschienen.

    ORF Online vom 3. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aids-Beratung wichtiger denn je

    Gesundheitsamt zieht Bilanz / Bundestrend gilt noch nicht für Wiesbaden

    Wiesbaden - Seit 20 Jahren gibt es die Aids-Beratungsstelle des Gesundheitsamtes Wiesbaden. Grund genug, Bilanz zu ziehen: 18.360 Menschen ließen sich während dieser Zeit über die Risiken der HIV-Infektion und ihre Verhütung ärztlich beraten und Blutproben für den HIV-Test entnehmen. In den vergangenen Jahren wurden jährlich rund 800 Beratungen und Tests durchgeführt.

    Häufigster Anlass, die Aids-Beratungsstelle aufzusuchen, ist ein Partnerwechsel. Allerdings kann eine HIV-Infektion nur dann sicher ausgeschlossen werden, wenn der letzte ungeschützte Geschlechtsverkehr länger als drei Monate zurückliegt. Der Test kostet zehn Euro. Das durchschnittliche Alter der Klienten liegt bei 30 Jahren. Männer haben einen Anteil von 53 Prozent, darunter sind acht Prozent, die Sex mit Männern haben. Drogenabhängige Menschen, Migranten aus Schwarzafrika und anderen Brennpunkten der weltweiten Aids-Epidemie kamen nur vereinzelt zu Beratung und Test. Von den 18.360 Tests waren 123 (0,7 Prozent) positiv. 99 in den ersten und 24 in den vergangenen zehn Jahren.

    Homosexuelle Männer bilden mit 18 der 24 HIV-Infektionen seit Anfang 1996 die größte Gruppe. Fünf heterosexuelle Männer und nur eine Frau - sie war wenige Monate zuvor aus ihrem Heimatland Kenia eingereist - waren die anderen Infizierten. In 2005 waren bisher alle 600 HIV-Tests negativ.

    Bundesweit hat sich der Trend jedoch schon seit Anfang 2003 umgekehrt. Im ersten Halbjahr 2005 erhielt das Robert Koch-Institut 1.164 anonyme Labormeldungen über neu diagnostizierte HIV-Infektionen. Das waren 20 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2004. Besonders unter homosexuellen Männern nahm die Zahl der HIV-Infektionen zu. In geringerem Maße auch bei heterosexuell lebenden Männern und Frauen.

    Trotz aller Fortschritte in der medikamentösen Behandlung ist die HIV-Infektion nach wie vor unheilbar. Das Gesundheitsamt Wiesbaden nimmt die Zunahme der HIV-Infektionen in Deutschland zum Anlass für ein Drei-Punkte-Aktionsprogramm: Die Beratung homosexueller Männer, Aufklärung Jugendlicher über die Verhütung sexuell übertragbarer Krankheiten, aktuelle Infos zu HIV und Aids auf ihrer Homepage zu veröffentlichen.

    Die AIDS-Beratungsstelle werde auch in Zukunft das Kernstück der HIV-Prävention der Stadtverwaltung bleiben. Erfahrene Ärzte des Gesundheitsamtes geben in anonymen Gesprächen unter vier Augen Antworten auf alle Fragen zu HIV-Infektion, Aids, aber auch zu Hepatitis B und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten, zudem nehmen sie Blut für Labortests ab.

    Die Aids-Beratungsstelle im Gesundheitsamt, Dotzheimer Straße 38-40, ist telefonisch unter 0611 / 312 801 erreichbar. Sie ist dienstags von 14 bis 16 Uhr und mittwochs von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Fragen an die Beratungsstelle unter infektionsschutz@wiesbaden.de werden umgehend beantwortet. Aktuelle Infos zu HIV und Aids stehen auf der Homepage der Stadt Wiesbaden: http://www.wiesbaden.de

    Wiesbadener Kurier vom 2. November 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Mikrobiozid blockiert HI-Virus bei Menschenaffen

    New York - Aidsforscher glauben, Frauen künftig mit einem vaginalen Mikrobiozid aus bis zu drei Wirkstoffen vor einer HIV- Infektion schützen zu können. Das Gel erwies sich im Versuch mit Rhesusäffchen als hochgradig wirksam, berichten John Moore und Kollegen von der Cornell Universität in Ithaca (US-Bundesstaat New York) in der Online-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins «Nature» (DOI: 10.1038/nature04055).

    Mikrobizide sind chemische Verhütungsmittel und Virenkiller, die Frauen als Gel, Flüssigkeit oder Schaum unbemerkt in die Scheide einführen können.

    Mediziner in aller Welt suchen seit längerem nach Mikrobioziden, die Frauen ohne das Wissen von Männern anwenden können. Sie müssen unsichtbar und geruchslos sein und Frauen beim Verkehr mit Männern, die ein Kondom ablehnen, vor der gefürchteten Infektion bewahren.

    Das von Moore und Kollegen getestete Mikrobiozid besteht aus kleinen Molekülen oder Peptiden, die das HI-Virus daran hindern, sich Zugang zu den Zellen in der Schleimhaut zu verschaffen. Dem Aidserreger gelingt es normalerweise, sich über den Rezeptor des CCR5-Gens in eine Zelle einzuschmuggeln.

    Beim Einsatz des neuen Mikrobiozids nimmt eines der kleinen Moleküle den CCR5-Rezeptor in Beschlag und hindert das Virus daran, sich anzudocken. Ein zweites Molekül konzentriert sich auf das Protein gp120 auf der Hülle des HIV-Erregers. Der dritte Wirkstoff, ein Peptid, hinderte das Virus endgültig daran, sich bei den Menschenaffen zu etablieren, nachdem der normale Zugang bereits versperrt war.

    Das Team um Moore testete das Mikrobiozid mit den Wirkstoffen in verschiedenen Kombinationen und Dosierungen und erreichte einen bis zu sechsstündigen Schutzeffekt vor der drohenden HIV-Infektion, heißt es in «Nature».

    Siehe unter: http://www.nature.com/nature/journal/vaop/ncurrent/abs/nature04055.html

    Yahoo News vom 31. Oktober 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Therapiepausen bei Multidrug-Resistenzen machen (wohl doch) nichts besser

    Hohes AIDS-Risiko bei stark immungeschwächten Patienten.

    von Christian Hoffmann

    Hamburg - Bei den meisten Patienten mit Multidrug-Resistenzen kommt es während einer Therapiepause zu einem Verlust der Resistenzen und zu einem allmählichen Wandel zum Wildtyp-Virus ("Shift"). Die Zeitspanne bis zum Shift dauert um so länger, je weiter fortgeschritten und länger vorbehandelt die Patienten sind [1,2]. PI-Mutationen verschwinden zuerst, am längsten dauert es bei NNRTI-Mutationen - wahrscheinlich beeinträchtigen letztere die virale Fitness am wenigsten [3,4]. Allerdings gibt es auch Fälle, bei denen Resistenzen auch nach mehreren Jahren Therapiepause nicht verschwanden [5].

    Es ist davon auszugehen, dass der Wildtyp die resistenten Mutanten meistens nur überwuchert. Mit speziellen PCRs können während der Therapiepause geringe Mengen an resistenten Viren weiter nachgewiesen werden [1], und bei Wiederaufnahme der Therapie sind die Resistenzen schnell wieder dominierend [6]. Nur vereinzelt wurden Fälle beschrieben, in denen Resistenzen ganz offensichtlich komplett während einer Therapiepause verschwanden [7].

    Können Patienten mit multiresistenten Viren den Effekt eines Salvage-Regimes verbessern, wenn sie vorher eine Therapiepause unternehmen? Wenigstens zwei Studien zeigten bislang, dass dies der Fall sein könnte. In der Frankfurter Kohorte war ein Shift mit einem verbesserten Ansprechen auf das Salvage-Regime verbunden [2]. Als die wichtigste Arbeit, die einen Effekt zeigen konnte, gilt bis dato die französische GIGHAART-Studie [8]. Dort wurden intensiv vorbehandelte Patienten mit fortgeschrittener HIV-Infektion (unter 200 CD4-Zellen/µl, Viruslast über 50.000 Kopien/ml) randomisiert, eine achtwöchige Therapiepause zu machen oder nicht. Anschließend wurden alle 68 Patienten auf eine Kombination aus 7-8 Substanzen umgestellt. In dem Pausen-Arm waren die Effekte der Salvage-Therapie nach 24 Wochen signifikant besser - die Viruslastsenkung betrug 1.08 versus 0.29 Logstufen. Auch die Helferzellen stiegen mit 51 versus 7 CD4-Zellen/?l signifikant st?rker an. Diese Effekte waren, wenngleich abgeschwächt, sogar nach 48 Wochen noch erkennbar.

    Die Ergebnisse der GIGHAART-Studie sind allerdings in den letzten Jahren nicht unwidersprochen geblieben. In der amerikanischen CPRC064-Studie, in der die Patienten jeweils vor dem Salvage-Regime vier Monate lang pausiert hatten, fanden sich keine Unterschiede zwischen Patienten mit und ohne STI [9]. Verglichen mit der Kontrollgruppe traten in der Pausengruppe während einer Beobachtungszeit von knapp zwölf Monaten außerdem etwa doppelt so viele AIDS-Erkrankungen auf, die Studie wurde daraufhin sogar vorzeitig abgebrochen. Auch mindestens eine weitere randomisierte Studie, der spanische Retrogene-Trial, konnte keinen virologischen Benefit von Therapiepausen vor einem intensiven Salvage-Regime entdecken [10].

    Jetzt wurde in der aktuellen Ausgabe von AIDS mit der Reverse-Studie eine weitere Arbeit veröffentlicht, die das Konzept der Therapiepause bei Multiresistenzen noch mehr in Frage stellt als bisher [11]. Insgesamt 23 langjährig vorbehandelte, meist schwer immunsupprimierte Patienten mit multiresistenten Viren hatten so lange HAART unterbrochen, bis nach den genotypischen Resistenztest mindestens wieder zwei Substanzen wirksam waren. Im Median wurde 24 Wochen pausiert, anschließend wurde ein intensives Salvage-Regime (bei fast allen Patienten mindestens 6 Substanzen) begonnen. Die Ergebnisse waren ernüchternd: durch die Pause änderte sich nichts. Die Viruslast nach 12 Wochen Salvage-Therapie war gegenüber der Baseline nahezu unverändert, und nur bei einem einzigen Patienten lag die Viruslast um eine Logstufe niedriger als vorher. Erschreckender Nebeneffekt der Pausen: Bei 15 von 23 (65 %) der Patienten traten AIDS-Erkrankungen auf (zum Teil auch nach Ende der Pause), was die bereits besorgniserregenden Ergebnisse des CPRC064-Trials [9] noch übertraf.

    Pikanterweise kommen die jetzigen Daten ebenfalls aus der Katlama-Arbeitsgruppe, die zuvor die GIGHAART-Studie veröffentlicht hatte und bislang zu den Verfechtern dieser Strategie zählte. Die Diskrepanz mit den eigenen Ergebnissen erklären die Forscher damit, dass in der jetzt publizierten Studie die Zahl der bei Baseline genotypisch noch aktiven Substanzen noch geringer war als in GIGHAART. Dort hatten die meisten Patienten mit Lopinavir noch wenigstens eine gute Salvage-Option gehabt, in der jetzigen Reverse-Studie war meist keine einzige aktive Substanz mehr vorhanden. Mit anderen Worten: Wenn keine einzige aktive Substanz mehr da ist, bringt auch eine Therapiepause nichts.

    Fazit: Angesichts der hohen Rate an AIDS-Erkrankungen in dieser Studie und des fehlenden Nachweises eines Effektes muss man sich ernsthaft die Frage stellen, ob Therapiepausen als Salvage-Strategie tatsächlich gerechtfertigt sind, zumindest bei schwer immunsupprimierten Patienten….

    Literatur

    1. Izopet J, Massip P, Souryis C, et al. Shift in HIV resistance genotype after treatment interruption and short-term antiviral effect following a new salvage regimen. AIDS 2000, 14: 2247-55. http://amedeo.com/lit.php?id=11089612

    2. Miller V, Sabin C, Hertogs K, et al. Virological and immunological effects of treatment interruptions in HIV-1 infected patients with treatment failure. AIDS 2000, 14: 2857-67 http://amedeo.com/lit.php?id=11153667

    3. Birk M, Svedhem V, Sonnerborg A. Kinetics of HIV-1 RNA and resistance-associated mutations after cessation of antiretroviral combination therapy. AIDS 2001, 15: 1359-68. http://amedeo.com/lit.php?id=11504957

    4. Deeks SG, Wrin T, Liegler T, et al. Virologic and immunologic consequences of discontinuing combination antiretroviral-drug therapy in HIV-infected patients with detectable viremia. N Engl J Med 2001, 344: 472-80. http://amedeo.com/lit.php?id=11172188

    5. Halfon P, Penaranda G, Khiri H, Xerridat B. Long-term persistence of HIV with drug resistance after CD4 cell count-guided structured treatment interruption. AIDS 2005, 19:1713-4.

    6. Delaugerre C, Valantin MA, Mouroux M, et al. Re-occurrence of HIV-1 drug mutations after treatment re-initiation following interruption in patients with multiple treatment failure. AIDS 2001, 15: 2189-91. http://amedeo.com/lit.php?id=11684940

    7. Walter H, Low P, Harrer T, et al. No evidence for persistence of multidrug-resistant viral strains after a 7-month treatment interruption in an HIV-1-Infected Individual. J AIDS 2002; 31:137-46. http://amedeo.com/lit.php?id=12394791

    8. Katlama C, Dominguez S, Gourlain K, et al. Benefit of treatment interruption in HIV-infected patients with multiple therapeutic failures: a randomized controlled trial (ANRS 097). AIDS 2004, 18:217-26. http://amedeo.com/lit.php?id=15075539

    9. Lawrence J, Mayers DL, Hullsiek KH, et al. Structured treatment interruption in patients with multidrug-resistant HIV. N Engl J Med 2003; 349: 837-46. http://amedeo.com/lit.php?id=12944569

    10. Ruiz L, Ribera E, Bonjoch A, et al. Role of structured treatment interruption before a five-drug salvage antiretroviral regimen: the Retrogene Study. J Infect Dis 2003; 188:977-985. http://amedeo.com/lit.php?id=14513417

    11. Ghosn J, Wirden M, Ktorza N, et al. No benefit of a structured treatment interruption based on genotypic resistance in heavily pretreated HIV-infected patients. AIDS 2005; 19:1643-7. http://amedeo.com/lit.php?id=16184034

    HIV.NET Nachrichten vom 27. Oktober 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Frühere Menopause bei HIV-Positiven und Drogensüchtigen

    Laut Resultaten einer US-Amerikanischen Studie sind eine HIV-Infektion, Immunsuppression und Drogenabusus mit einer früheren Menopause assoziiert.

    Dr. E.E. Schoenbaum vom Einstein College of Medicine in Bronx, NY, und Kollegen beschreiben in „Clinical Infectious Diseases“ diesbezügliche Daten von 571 Frauen, 53 Prozent davon HIV-positiv, 52 Prozent hatten innerhalb der letzten fünf Jahre Kokain oder Heroin konsumiert. Das durchschnittliche Alter betrug 43 Jahre (Interquartilsabstand [IQR] 40-46 Jahre). 48,9 Prozent waren afroamerikanischer, 40,4 Prozent spanischer und 10,7 Prozent kaukasischer Abstammung. Der mittlere BMI betrug 29,1kg/m², 90,4 Prozent waren oder sind Raucherinnen.

    Bei 102 Frauen trat über den Zeitraum von einem Jahr keine Menstruationsblutungen (=Def. Menopause) auf, 62 davon waren HIV-positiv (Durchschnittsalter: 46 Jahre, IQR 39-49), 40 HIV-negativ (Durchschnittsalter 47 Jahre, IQR 44,5-48).

    Faktoren, die unabhängig mit der Menopause assoziiert waren, waren eine HIV-Infektion (adjusted odds ratio [OR] 1,73; 95% confidence intervall [CI] 1,074-2,795), Drogenabusus (OR=2,633; 95% CI 1,601-4,308) und physische Aktivität (OR=0,895; 95% CI 0,076-0,0950).

    Bei HIV-positiven Frauen war eine CD4-Zellzahl über 500/mm3 (OR=0,191; 95% CI 0,076-0,4848) und zwischen 200 und 500/mm3 (OR=0,356; 95% CI 0,147-0,813) unabhängig mit einer früheren Menopause assoziiert.

    Die oben beschriebenen Studienresultate zeigen, dass HIV-Positivität und Immunsuppression unabhängig mit einem früheren Eintritt der Menopause assoziiert sind. Einen möglichen Einfluss auf die frühere Entwicklung einer Osteoporose oder Herzkrankheiten bei HIV-Positiven und Drogensüchtigen müssen weitere Studien klären.

    Quelle: Clin Infect Dis; 2005, 41: 1517-1524

    MedAustriavom 27. Oktober 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Jede Minute stirbt ein Kind an Aids

    Jede Minute stirbt ein Kind unter 15 Jahren an Aids und ein weiteres steckt sich mit dem HI-Virus an. UNICEF und UNAIDS starteten deshalb die neue fünfjährige Anti-Aids-Kampagne «United for Children, United against Aids».

    Die bisherige weltweite Kampagne gegen HIV/Aids vernachlässige ausgerechnet die jüngsten und hilflosesten Mitglieder der Gesellschaft, warnten das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF und das UNO-Aidsbekämpfungsprogramm (UNAIDS).

    Von den drei Millionen Aidstoten im Jahr 2004 war jeder sechste ein Kind. Aber nur fünf Prozent aller infizierten Kinder werden mit den lebenserhaltenden Mitteln behandelt.

    Bis 2010 wollen die UNO-Organiationen 80 Prozent der Frauen mit HIV/Aids den Zugang zu medizinischen Dienstleistungen gewährleisten können, damit eine Übertragung des HI-Virus auf ihr Kind vermieden werden kann. Bislang erhalten nur 10 Prozent der betroffenen Frauen diese Dienstleistungen.

    Die neue weltweite Kampagne will weiterr 80 Prozent der Kinder mit HIV mit antiretroviralen Medikamenten und/oder dem erschwinglichen Antibiotika Cotrimoxazole versorgen. Nur fünf Prozent der Kinder mit HIV erhalten diese Medikamente und nur ein Prozent der betroffenen Säuglinge erhalten Cotrimoxazole.

    Weltweit stecken sich täglich 6000 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren mit dem HI-Virus an, 2004 waren es mehr als zwei Millionen. Die UNO-Organisationen wollen mit der neuen Kampagne diese Neuansteckungen in den kommenden fünf Jahren um einen Viertel senken.

    Besorgnis erregend ist für die UNO auch, dass bis zum Jahr 2010 mehr als 18 Millionen Kinder in den Ländern Afrikas südlich der Sahara mindestens einen Elternteil durch Aids verloren haben werden.

    Bisher erhält nur jeder zehnte Aidswaise irgendeine Form von öffentlicher Unterstützung. Alle anderen sind auf die Hilfe von Angehörigen oder Nachbarn angewiesen.

    Aargauer Zeitung vom 26. Oktober 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Afrikanische Frauen testen Gel gegen HIV

    PRO 2000 soll Eindringen des Virus in die Zelle verhindern

    London - Rund 10.000 afrikanische Frauen werden die Wirksamkeit eines Mikrobiozids in Gelform als Schutz gegen HIV testen. Das in Amerika entwickelte Gel kann das Eindringen des Virus in die menschliche Zelle blockieren. Die Teilnehmerinnen aus Südafrika, Tansania, Sambia und Uganda sollen das Gel zusätzlich zum Kondom verwenden. Diese für vier Jahre anberaumte Studie ist Teil eines Programmes für das das Medical Research Council (MRC) http://www.mrc.ac.uk und das Department for International Development http://www.dfid.gov.uk rund 42 Millionen Englische Pfund zur Verfügung gestellt haben. Die Wirksamkeit des von dem Pharmaunternehmen Indevus http://www.indevus.com hergestellte Gels wurde in Tierversuchen bereits nachgewiesen.

    Das Gel PRO 2000 wird in der Vagina aufgetragen. Laut BBC wurde seine Wirksamkeit gegen andere sexuell übertragbare Infektionen wie Chlamydien, Herpes und Gonorrhö ebenfalls bereits nachgewiesen. Die an der aktuellen Studie teilnehmenden Frauen werden in drei Gruppen aufgeteilt. Sie werden nach dem Zufallsprinzip entweder ein Blindpräparat oder PRO 2000 in einer von zwei verschiedenen Dosierungen erhalten. Sie werden das Gel vor dem Geschlechtsverkehr auftragen, Kondome benutzen und sollen zusätzlich eine entsprechende Beratung erhalten. Anatoli Kamali vom MRC in Uganda erklärte, dass die Tests in Schwarzafrika durchgeführt würden, da in dieser Region die Infektionsraten am höchsten seien. Juli Bakobaki, ebenfalls vom MRC, betonte, dass ein positives Testergebnis einen unglaublichen Durchbruch in der Bekämpfung der Ausbreitung von HIV und Aids bedeuten würde. Das Microbicides Development Programme wird vom Imperial College London und der MRC Trials Unit in Zusammenarbeit mit weiteren Organisationen in Afrika und Großbritannien koordiniert.

    Pressetext Austria - Meldung vom 25. Oktober 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Muttermilch hilft HIV-Blockierung

    Forscher suchen nach Substanzen um Aids zu stoppen

    New York/Wien - Ein Zuckerbestandteil der Muttermilch soll in der Lage sein die Übertragung von HIV von der Mutter auf die Babys zu verhindern. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler um Bill Paxton von der Amsterdamer Universität im Fachmagazin Journal of Clinical Investigation. Demnach liegt das Geheimnis in Lewis-X, einem Zucker, der auch im Speichel und im Blut vorkommt, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature http://www.nature.com in seiner Online-Ausgabe.

    HIV infiziert CD4-T-Zellen, die eine Schlüsselrolle im Immunsystem darstellen. Als Maß für die Zerstörung des Immunsystems dient die T-Helfer-Zellen-Zahl im Blut eines HIV-Infizierten. Einige Forscher nehmen an, dass das Virus an die CD4-Zellen herankommt, indem es sich an die dendritischen Zellen - Immunzellen - anhaftet.

    Paxton und sein Team haben nun festgestellt, dass HIV nicht an die dendritischen Zellen anhaften kann, wenn Lewis X-Bestandteile an einem bestimmten Protein an der Zelloberfläche angebunden haben. In Versuchen konnten die Forscher zeigen, dass HIV sogar in 500-fach verdünnter Muttermilch nicht anbinden konnten. Fraglich bleibt natürlich auch , ob Muttermilch im echten Leben HIV blockieren kann, meint David McDonald, HIV-Experte an der Case Western Reserve University in Cleveland, Ohio. "Wenn das so wären, warum bekommen dann Babys HIV über die Muttermilch?", meint der Forscher.

    Diese Frage stellt sich auch der Wiener Mikrobiologe Hermann Katinger vom Institut für Angewandte Mikrobiologie an der Universität für Bodenkultur in Wien http://www.biotec.boku.ac.at im pressetext-Interview. "Statistisch gesehen geschieht die Mehrheit der Übertragung von HIV bei Babys über die Muttermilch und bei der Geburt", so der Forscher. Statistisch signifikant sei ein höheres Risiko bei Mädchen und beim Erstgeborenen bei Zwillingen gegeben. Nach Angaben der UNICEF werden jährlich etwa 200.000 Kinder über die Muttermilch mit dem Virus angesteckt. Katinger spricht sogar von weit höheren Zahlen. "Die Übertragungsrate ist besonders in den ersten Monaten sehr groß", erklärt der Forscher, der gemeinsam mit einem südafrikanischen Wissenschaftler aus Durban an einem HIV-Projekt arbeitet.

    Katinger betont gegenüber pressetext, dass das Stillen von Babys in Afrika ein absolut wichtiges Thema sei. "In der Muttermilch werden viele Antikörper zum Schutz des Kindes übertragen", erklärt Katinger abschließend. Paxton argumentiert gegenüber kritischen Stimmen, dass Muttermilch dafür Sorge trage, dass weniger Kinder an HIV erkranken. Würden diese keine Muttermilch erhalten, wäre die Infektionsrate noch höher.

    Pressetext Austria Meldung vom 21. Oktober 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Sterblichkeit seit Einführung von Generika gesunken

    Madras - Die Einführung von Generika zur antiretroviralen Therapie hat in Indien vielen HIV-Patienten das Leben gerettet. Heute könne fast die Hälfte der Patienten behandelt werden, und die Sterbrate sei um den Faktor 5 zurückgegangen, rechnen indische Experten in Clinical Infectious Diseases (2005; 41: 1525-1528) vor.

    In Indien gibt es mehr als fünf Millionen HIV-Infizierte. Die wenigsten waren vor der Einführung der Generika im Jahr 2000 in der Lage, die hohen Behandlungskosten von 778 US-Dollar pro Monat zu tragen. Seither hat sich die Behandlung erheblich verbilligt. Zunächst sanken die monatlichen Behandlungskosten auf 100 US-Dollar, heute betragen sie nur noch 33 US-Dollar. Gleichzeitig stieg der Anteil der HIV-Patienten, die eine medizinisch indizierte Behandlung erhielten, schreibt Nagalingeswaran Kumarasamy vom indischen Aids-Forschungsinstitut YRG in Chennai, dem früheren Madras.

    Im Jahr 1996 konnten nur 13 Prozent der Patienten behandelt werden. Bereits im Jahr 2000 stieg der Anteil auf 22 Prozent und in 2003 waren es schon 44 Prozent.

    Die Inzidenz von Tuberkulose und opportunistischen Infektionen sei auf weniger als zwei Fälle pro 100 Behandlungsjahre gesunken. Die Sterberate sei von 25 auf 5 Todesfälle pro 100 Person-Jahre zurückgegangen. Heute stünden auch für viele indische Patienten die Nebenwirkungen im Vordergrund und nicht mehr die Frage, ob man überhaupt überleben könne.

    Deutsches Ärzteblatt vom 20. Oktober 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Hohe Buße für Serono

    Schuldgeständnis im Serostim-Fall

    Das Genfer Biotechunternehmen Serono SA und seine diversen US-Töchter haben in der Serostim-Affäre ein Schuldgeständnis wegen illegaler Promotion des Aids-Medikaments abgelegt. Wie das US-Justizministerium mitteilte, bezahlt Serono eine Busse und Schadenersatz in Höhe von 704 Mio. $ zuzüglich Zinsen. Es handelt sich um den bisher drittgrössten Healthcare-Skandal in der amerikanischen Geschichte.

    Cls. Die Behörden beschuldigten Serono in zwei Punkten der illegalen Verschwörung. Einerseits ging es darum, dass einer Anzahl von Ärzten für die Verschreibung des Wachstumshormons Serostim, das zur Behandlung von Muskelschwund bei Aids eingesetzt wird, Wohltaten erwiesen wurden; es ging dabei hauptsächlich um die Bezahlung von Reisen. Anderseits versuchte Serono zusammen mit RJL Sciences Inc., einem Hersteller von Diagnostika, den Absatz von Serostim mit Hilfe unerlaubter Diagnosemethoden zu fördern. RJL Sciences und deren CEO Rudolph Liedtke haben sich bereits im April dieses Jahres für schuldig erklärt. Ein Urteil steht noch aus.

    Weitere Verfahren noch hängig

    Die beiden strafrechtlichen Anklagen regelt Serono mit der Bezahlung einer Busse in Höhe von 137 Mio. $. Seronos regionaler Verkaufsdirektor in New York hat ebenfalls ein Schuldgeständnis abgelegt; ein Urteil soll im kommenden Januar gesprochen werden. Ein Verfahren gegen vier weitere ehemalige Serono-Manager ist hängig. Die zivilrechtlichen Aspekte werden mit der Bezahlung von Schadenersatz in Höhe von insgesamt 567 Mio. $ plus Zinsen erledigt. Damit werden sowohl das staatliche Medicare-Programm wie auch die gliedstaatlichen Ableger für ihre Serostim-Auslagen voll kompensiert.

    Gewinne von mindestens 90 Millionen Dollar

    Eine dreimonatige Behandlung mit Serostim kostet rund 21.000 $. 2004 erzielte Serono mit dem Medikament einen Umsatz von 86,8 Mio. $. Während der Dauer der illegalen Promotion verbuchte Serono laut dem Justizministerium mit Serostim Gewinne von mindestens 90 Mio. $. Laut Justizminister Alberto Gonzales hat Serono ihre eigenen Interessen über jene der Patienten gestellt. Mit der festgesetzten Strafe solle der Pharmaindustrie ein Warnsignal gegeben werden, sich am Markt korrekt zu verhalten. Serono hat bereits Anfang Jahr eine Rückstellung von 725 Mio. $ getätigt. Das Unternehmen bleibt für mindestens fünf Jahre von allen staatlichen Gesundheitsprogrammen ausgeschlossen und wird in dieser Zeit auf Wohlverhalten überprüft.

    Neue Zürcher Zeitung vom 18. Oktober 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Therapieregime zur Steigerung der Adhärenz und Lebensqualität

    Ein einfaches Therapieregime zur Steigerung der Adhärenz und Lebensqualität mit einer 1-mal täglich einzunehmenden 3-er-Kombination, Didanosin/Lamivudin/Nevirapin, scheint bei HIV-Positiven sicher und effektiv zu sein.

    Dr. E. Ribera vom Hospital Universitari Vall d’Hebron und Kollegen untersuchten in einer prospektiven Studie mit 70 HIV-Positiven Sicherheit und Effektivität einer einmal täglich einzunehmenden antiretroviralen Therapie mit 250mg oder 400mg Didanosin, 300mg Lamivudin plus 400mg Nevirapin. Zu Beginn der Beobachtungszeit lag die Viruslast bei durchschnittlich 5,10log10 Kopien/ml, die durchschnittliche CD4-Zellzahl betrug 262/Mikroliter.

    Nach 12 Therapiemonaten konnte bei 67 Prozent der Probanden die Viruslast unter 50 Kopien/ml gehalten werden, die durchschnittliche CD4-Zellzahl lag bei 201/Mikroliter. Die Behandlung war bei einer CD4-Zellzahl über 100/Mikroliter effektiver als bei schlechterem zellulären Immunstatus.
    Vier Patienten verstarben während der Beobachtungszeit. Bei 18 Patienten musste die Therapie aufgrund virologischen Versagens abgebrochen respektive das Behandlungsregime ausgetauscht werden, bei sieben Probanden wurde aufgrund unerwünschter Nebenwirkungen abgebrochen, vier konnten nicht bis Studienende beobachtet werden.

    Bei acht von neuen HIV-Positiven, bei denen der Genotyp nach dem virologischen Versagen bestimmt wurde, konnten Resistenzmutationen beobachtet werden (NVP: Y181C und andere, 3TC: M184V/I, ddI: L74V [n=4]).

    Das Lipidprofil war günstig, die Total- zu HDL-Cholesterin-Ratio sank im Laufe der Beobachtungszeit.

    Eine einmal täglich einzunehmende antiretrovirale Therapie mit Didanosin/Lamivudin/Nevirapin scheint laut oben beschreibenen Studienresultaten zumindest bei Patienten mit nicht zu schlechtem zellulären Immunstatus sicher und effektiv zu sein.

    Quelle: Antiviral Therapy; 2005, 10: 605-614

    MedAustria - AIDS News Line vom 17. Oktober 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Jeder zehnte neu infizierte HIV-Patient hat eine NNRTI-Resistenz

    SPREAD-Studie zeigt: Nicht nur die Erstdiagnosen, auch die Resistenzen steigen

    von Christian Hoffmann

    Hamburg - Nach der neuesten Statistik des Robert-Koch-Instituts (RKI) nimmt die Zahl der neu gemeldeten HIV-Infektionen in Deutschland wieder zu. Bis zum 1. September wurden dem RKI im ersten Halbjahr 2005 insgesamt 1.164 Erstdiagnosen gemeldet - ein Anstieg von rund 20 % gegenüber dem Vorjahr und gleichzeitig die meisten Meldungen seit der Beginn der detaillierten Statistik im Jahre 1993. Damit ist seit dem Tiefstand von 2001 eine Zunahme von 80 % zu beobachten. Zwar kann ein Teil des Anstiegs durch eine verbesserte Melde-Infrastruktur und eine frühere Diagnosestellung erklärt werden (die CD4-Zellen zum Diagnosezeitpunkt stiegen seit 2000 um etwa 100/µl an), doch geben diese Zahlen durchaus Anlaß zur Beunruhigung. Am stärksten steigt die Zahl bei homosexuellen Männern. Die höchsten Inzidenzen sind in der Altersgruppe der 25-29-Jährigen zu beobachten. Regional sind vor allem Berlin und die neuen Bundesländer betroffen, aber auch in einzelnen westdeutschen Großstädten wie Münster oder Mannheim steigen die Zahlen deutlich. In Städten wie Leipzig, Dresden und Halle hat die Inzidenz der Erstdiagnosen (bei weiter deutlich niedriger Prävalenz) inzwischen das gleiche Niveau wie in vergleichbar großen Städten im Westen. Die RKI-Daten, die in der letzten Woche ein erhebliches (und vielleicht auch etwas dramatisierendes) Medienecho fanden, wurden jetzt in einer Sonderausgabe des epidemiologischen Bulletins veröffentlicht, die frei im Internet auf der RKI-Homepage zu finden ist.

    Ebenfalls beunruhigend, aber weit weniger von der Allgemeinheit beachtet geblieben sind die neuesten Daten der SPREAD-Studie (SPREAD = Strategy to Control Spread of HIV Drug Resistance), einer europaweiten Überwachungsstudie zur Häufigkeit von Primärresistenzen bei HIV. Im JID wurden nun die aktuellen SPREAD-Daten vorgestellt [1]. Bei insgesamt 2208 therapienaiven (und teilweise auch schon länger infizierten) Patienten sind zwischen 1996 und 2002 Resistenztests durchgeführt worden. Resistenzen gegen mindestens ein Medikament fanden sich in insgesamt 10,4 %, bei den Patienten aus Deutschland (insgesamt 62) lag die Rate sogar bei 23 %.

    Von besonderem Interesse waren in der jetzigen Publikation die Neuinfektionen. Diese wurden definiert als ein negativer HIV-Test innerhalb des letzten Jahres mit anschließend dokumentierter Serokonversion. Bei insgesamt 777 Patienten lag eine solche Neuinfektion vor. Unterschieden wurden drei Zeiträume, 1996-1998, 1999-2000 und 2001-2002. Die Häufigkeit der Resistenzen zeigten für einzelne Wirkstoffklassen unterschiedliche Trends. Während die Häufigkeit der NRTI-Resistenz bei den Neuinfektionen eher abnahm und für PIs in etwa gleich blieb, nahm sie bei den NNRTIs deutlich zu - hier stieg sie von 2,3 % auf 9,8 %. Die Zahlen sind in der Tabelle dargestellt:
     
    Resistenzen gegen  1996-1998 1999-2000 2001-2002
    NRTIs  13,4 %  9,8 %  6,3 %
    NNRTIs  2,3 %  3,1 % 9,2 %
    PIs  2,8 %  4,4 % 3,2 %

    Die Rate der Viren, die mindestens gegen zwei Klassen resistent waren, blieb auf niedrigem Niveau stabil.

    Für die deutliche Zunahme der NNRTI-Resistenzen hatten die Autoren verschiedene Erklärungen: die starke Zunahme an NNRTI-Regimen überhaupt, insgesamt höhere NNRTI-Resistenzraten in der HIV-Population (durch die rasche Resistenzentwicklung) und die höhere Fitneß von Viren mit NNRTI-Mutationen im Vergleich zu anderen Mutationen. Was auch immer für diesen Trend verantwortlich ist: Die jetzigen Daten zeigen, daß gerade auch frisch infizierte Patienten vor dem Beginn einer Therapie einen Resistenztest erhalten sollten.

    Literatur:
    [1] Wensing AM, van de Vijver DA, Angarano G, et al. Prevalence of Drug-Resistant HIV-1 Variants in Untreated Individuals in Europe: Implications for Clinical Management. J Infect Dis 2005, 192:958-66.

    HIV.NET vom 16. Oktober 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Höhere Erfolgsrate der Hepatitis B-Immunisierung bei niedriger HIV-Last

    Eine in "Clinical Infectious Diseases" publizierte Studie beschreibt eine niedrige HIV RNA-Last als Prädiktor für die Effektivität der Hepatitis B-Immunisierung.

    Dr. Edgar T. Overton von der Washington School of Medicine in St. Louis und Kollegen untersuchten retrospektiv medizinische Aufzeichnungen von 194 HIV-infizierten Patienten, die gegen Hepatitis B geimpft wurden.

    Bei 34 Probanden (17,5 Prozent) konnte ein protektiver Antikörper-Response beobachtet werden. In einem logistischen Regressionsmodell war als einziges eine HIV-Last unter 400 Kopien/ml zum Zeitpunkt der Impfung mit einer protektiven Antikörper-Antwort assoziiert (p=0,003). Während keiner der Responder eine Hepatitis B entwickelte konnte bei 10 Prozent der Non-Responder eine Neuinfektion diagnostiziert werden.

    Die Wissenschafter fassen zusammen, dass in dieser retrospektiven Studie eine HIV RNA-Last unter 400 Kopien/ml mit einer erfolgreichen Hepatitis B-Immunisierung assoziiert war.

    Quelle: Clin Infect Dis; 2005, 41: 1045-1048

    MedAustria - AIDS News Line vom 13.Oktober 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Brasilien bekommt Aids-Medikamente von Abbott günstiger

    Sao Paulo - Brasilien und der US-Pharmakonzern Abbott Laboratories haben sich nach monatelangen Verhandlungen am Dienstag auf billigere Preise für Aids-Medikamente geeinigt. Brasilien hatte damit gedroht, Abbotts Patent auf das Mittel Kaletra für ungültig zu erklären und es im Inland als Generikum herstellen zu lassen, sollte der US-Konzern nicht einlenken.

    Das brasilianische Gesundheitsministerium kündigte an, Abbott werde den Preis auf 63 Cent je Tablette von bislang 1,17 Dollar senken. Beide Seiten lobten die Einigung. Brasilien stellt 163.000 HIV-Infizierten Medikamente und andere Behandlungen kostenlos zur Verfügung. Das Programm dürfte die Regierung in diesem Jahr 420 Millionen Dollar kosten.

    "Es waren schwierige Verhandlungen, aber ich bin überzeugt, dass sie im Bezug auf Einsparungen und auf Respekt für unsere Souveränität gut für Brasilien waren", sagte Gesundheitsminister Jose Saraiva Felipe. In einer Erklärung von Abbott hieß es, die Einigung erfülle die Bedürfnisse der Regierung, respektiere Abbotts Recht auf geistiges Eigentum und stelle sicher, dass "die HIV/Aids-Patienten in Brasilien weiter Zugang zu echtem Kaletra erhalten". Abbott kündigte zudem an, Brasilien weitere Medikamente im Wert von drei Millionen Dollar zu spenden.

    Brasilien hat internationale Pharmariesen bereits mehrfach gezwungen, ihre Preise für Aids-Medikamente zu senken. Gegenwärtig verhandelt das Gesundheitsministerium mit dem US-Unternehmen Merck & Co und mit Gilead Sciences über die Medikamente Efavirenz und Tenofovir. Saraiva Felipe betonte, auch in diesen Fällen sei Brasilien bereit, die Patente notfalls für ungültig zu erklären. "Das ist keine leere Drohung", sagte er.

    Reuters Deutschland Meldung vom 12. Oktober 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Blips - häufig, aber wahrscheinlich ungefährlich

    Studie findet keinen Unterschied zwischen NNRTIs und PIs.

    von Christian Hoffmann

    Hamburg - Mitunter "versagt" selbst die intensivste antiretrovirale Therapie. Nach jahrelanger Behandlung lässt sich die Viruslast einfach nicht mehr unter die Nachweisgrenze senken. Was hier tun? Die Antwort war bisher: Möglichst mit allem weitermachen. Multiresistente Viren sind zumindest für eine gewisse Zeit etwas weniger aggressiv als der Wildtyp, und bei Therapiepausen drohen nicht selten rasante CD4-Zellabfälle und sogar AIDS-Erkrankungen. Eine schlechte HAART ist eben besser als keine, ein bisschen Virussuppression immer noch besser als nichts. Selbst bei nur leichtem Abfall der Viruslast ist ein Benefit zu erkennen [1]. In einer großen Kohortenstudie zeigte sich, dass die CD4-Zellen nicht abfallen, so lange die Viruslast unter 10.000 Kopien/ml oder wenigstens 1,5 Logstufen unter dem individuellen Setpoint bleibt [2].

    Eine bislang unbeantwortete Frage ist allerdings, wie intensiv man weitermachen muss, um multiresistente Viren zumindest eine Zeitlang weiter einigermaßen in Schach zu halten. Kann man die Therapie möglicherweise sogar auf nur eine Wirkstoffklasse vereinfachen, ohne dass es zu einer immunologisch-virologischen Verschlechterung kommt? Die wesentlichen Vorteile einer solchen Strategie wären nicht nur die Reduktion von Toxizität und Kosten, sondern auch der Umstand, dass der Selektionsdruck für HIV nur im Bereich der weiter gegebenen Wirkstoffklasse herrschte. Die anderen Klassen wären nicht betroffen. Neue Resistenzen wären unwahrscheinlich, was zukünftige Optionen erhalten könnte.

    Der Frage nach der Machbarkeit einer solchen Strategie widmete sich eine jetzt vorab im JID veröffentlichte Studie der Arbeitsgruppe von Steven Deeks [3]. Obgleich in Design und Auswertung bisweilen etwas unübersichtlich, sind die Ergebnisse dieser Pilotstudie zweifellos interessant:

    18 Patienten mit multiresistenten Viren, bei denen trotz HAART (gute Compliance, ausreichende Wirkspiegel) über mindestens 6 Monate die Viruslast nachweisbar geblieben war, hatten ihr HAART-Regime jeweils um die PIs reduziert, die NRTIs hingegen fortgesetzt. Bei keinem Patienten kam es innerhalb der ersten 2 Wochen zu einem Anstieg von mehr als 0,5 Logstufen, und selbst nach 16 Wochen war bei den meisten Patienten kein Anstieg zu beobachten (nur bei 5/18 zwischen 0,5 und 1 Logstufe, beim Rest gar kein Anstieg oder sogar ein Abfall). Auch ein negativer immunologischer Effekt war nur bei einigen Patienten zu sehen und allenfalls moderat. Bei wiederholtem Resistenztest zeigte sich, dass nach 6 bis 12 Monaten bei den meisten (12/18) der Patienten sämtliche PI-Mutationen persistierten, obwohl keine PIs mehr eingenommen wurden.

    Diese Ergebnisse sind umso erstaunlicher, weil fast alle Patienten in ihrer meist sehr langen Therapiekarriere auch mit reinen NRTI-Therapien behandelt worden waren - sie mussten also eigentlich NRTI-resistente, PI-sensible Viren haben. Erstaunlicherweise kamen diese Viren aber auch nach mehreren Monaten ohne PI offenbar nicht zum Vorschein. Trotz einiger interessanter Hypothesen bleibt der Mechanismus dafür unklar, warum es für HIV offenbar nicht so leicht ist, PI-Mutationen über Bord zu werfen, wenn man mit den NRTIs weitermacht. Ins gleiche Horn wie die Deeks-Studie blies jetzt übrigens auch eine kleine, retrospektive Studie an HIV-infizierten Kindern, bei denen nur die PIs abgesetzt wurden. Auch hier blieb die Viruslast über eine relativ lange Zeit stabil [4].

    Möglicherweise scheint also bei einigen Patienten mit multiresistenten Viren durch eine einfache NRTI-Therapie ein "Überwintern", ein Warten auf neue Optionen, zumindest eine gewisse Zeit möglich zu sein. Möglicherweise sind multiresistente Viren nicht ohne weiteres in der Lage, zurückzumutieren. Das gilt übrigens nicht, wenn die NRTIs abgesetzt werden. In einer Substudie von 6 Patienten, die ihre NRTIs abgesetzt hatten (bei Beibehaltung der PIs), kam es bei allen zu einem raschen Anstieg der Viruslast. Diese Beobachtungen wurden auch von anderen Arbeitsgruppen gemacht, die zeigen konnten, dass NRTIs weiter einen Effekt behalten, auch wenn die Resistenzlage etwas anderes suggeriert [5,6]. NRTIs sollten deswegen in jedem Fall Bestandteil solcher Salvage-Konzepte sein.

    Fazit: Auch wenn diese Ergebnisse nun durch größere Studien bestätigt werden müssen, sollten diese Studien vor allem jenen Patienten (und ihren Behandlern) Mut machen, bei denen sich die Viruslast auch trotz intensiver Therapien nicht mehr unter die Nachweisgrenze senken lässt. Ein "austherapiert" gibt es nicht, und manchmal scheint es auch für HIV nicht so leicht zu sein, sich zwischen Replikationsfitness und Resistenzmuster zu entscheiden….

    Literatur
    [1] Deeks SG, Barbour JD, Martin JN, Swanson MS, Grant RM. Sustained CD4+ T cell response after virologic failure of protease inhibitor-based regimens in patients with HIV infection. JID 2000, 181:946-53.
    [2] Ledergerber B, Lundgren JD, Walker AS, et al. Predictors of trend in CD4-positive T-cell count and mortality among HIV-1-infected individuals with virological failure to all three antiretroviral-drug classes. Lancet 2004, 364:51-62.
    [3] Deeks SG, Hoh R, Neilands TB, et al. Interruption of Treatment with individual therapeutic drug classes in adults with multidrug-resistant HIV-1 infection. JID 2005, 192: 000-000.
    [4] Legrand FA, Abadi J, Jordan KA, et al. Partial treatment interruption of protease inhibitors augments HIV-specific immune responses in vertically infected pediatric patients. AIDS 2005, 19:1575-1585.
    [5] Campbell TB, Shulman NS, Johnson SC, et al. Antiviral activity of lamivudine in salvage therapy for multidrug-resistant HIV-1 infection. Clin Infect Dis 2005, 41:236-42.
    [6] Eron JJ Jr, Bartlett JA, Santana JL, et al. Persistent antiretroviral activity of nucleoside analogues after prolonged zidovudine and lamivudine therapy as demonstrated by rapid loss of activity after discontinuation. J AIDS 2004, 37:1581-1583.

    HIV.NET - Nachrichten vom 12. Oktober 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV ist offenbar weniger aggressiv als früher

    Aids-Erreger vermehren sich schlechter als Viren zu Beginn der Pandemie / Hinweise aus belgischer Studie.

    Antwerpen - Seit es HIV-1-Infektionen bei Menschen gibt, verändert sich der Aids-Erreger kontinuierlich. Es treten immer mehr resistente Viren auf. Erste molekularbiologische Hinweise lassen vermuten, dass seine Virulenz dabei schwächer wird.

    Seit einiger Zeit ist zu beobachten, dass immer mehr HIV-1-Infizierte, die noch nicht behandelt worden sind, resistente Viren in sich tragen. Derzeit haben bereits bis zu 14 Prozent der noch unbehandelten Patienten Viren, die gegen einzelne Medikamente oder gegen Medikamenten-Gruppen resistent sind.

    "Resistenzmutationen setzen die virale Fitness herab", sagt der HIV-Spezialist Professor Schlomo Staszewski aus Frankfurt am Main.

    Diese Mutationen sorgen dafür, dass sich das Virus nicht mehr so gut vermehren kann. Auf lange Sicht ist dieser Verlust an Fitness tatsächlich zu beobachten. Belgische Forscher haben festgestellt, dass Viren aus den Anfängen der Aids-Pandemie zu Beginn der 80er Jahre wesentlich virulenter waren als Viren, die von unbehandelten Patienten vor zwei, drei Jahren isoliert worden sind (Aids 19, 2005, 1555).

    Die Schwäche der Viren erkannten die Forscher um Dr. Kevin K. Ariën vom Tropenmedizin-Institut in Antwerpen daran, dass sie weniger gut von dendritischen Zellen auf CD4-Zellen übertragen werden und sich schlechter vermehren. Am deutlichsten ist die Schwächung von HIV bei HIV-2 festzustellen. Im Gegensatz zu Anfang der 80er Jahre ist es heute kaum noch pathogenetisch bedeutsam.

    Ärzte Zeitung vom 11. Oktober 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Köln ist HIV-Hochburg

    Der Brennpunkt von HIV-Infektionen im bevölkerungsreichsten Bundesland sei Köln.

    Düsseldorf - Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Nordrhein-Westfalen ist im vergangenen Halbjahr auf den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren gestiegen. Das gab das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) am Freitag auf Anfrage bekannt. Demnach diagnostizierten Ärzte die tödliche Immunschwäche von Januar bis Juli 2005 bei insgesamt 267 Menschen in NRW. So viele seien es seit Beginn der einheitlichen Datenerfassung 1993 nicht gewesen.

    Der Brennpunkt im bevölkerungsreichsten Bundesland sei Köln. Hier zählt das RKI 65 Neuinfizierte. So kommen mehr als zwölf HIV-Positive auf 100 000 Einwohner. Damit verzeichnet Köln auch bundesweit die größte HIV-Häufung und liegt in der Statistik noch vor Karlsruhe, München, Berlin und Hamburg. Im Landesdurchschnitt hingegen seien derzeit knapp drei von 100 000 Menschen mit dem HI-Virus infiziert. "Das entspricht in etwa dem Bundesdurchschnitt", sagte RKI-Datenmanager Christian Kollan.

    "Damit ist NRW ein kleines Abbild der ganzen Bundesrepublik", berichtete Kollan. Deutschlandweit häuften sich HIV-Infektionen in großen Städten. Jedoch weisen auch Münster oder Mannheim im Vergleich zu den Vorjahren deutliche Steigerungen bei den Erstdiagnosen auf.

    "Die Zahl der HIV-Neuinfektion im ersten Halbjahr 2005 sind erschreckend", erklärten die Landesvorsitzende der Grünen NRW, Britta Hasselmann, und Grünenvorstandsmitglied Arndt Klocke am Freitag. Politik und Aids-Hilfe müssten gemeinsam für eine intensive Aufklärung über die Gefahren von HIV/Aids sorgen und einen Rückfall in Stigmatisierung und Ausgrenzung von Betroffenen verhindern. Die Oppositionspolitiker kündigten an, sich auf Landesebene gegen Kürzungen von Zuschüssen für Aids-Hilfen und Beratungsstellen einzusetzen.

    Kölnische Rundschau vom 7. Oktober 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aids-Behandlung durch TCM in China

    Seit August vergangenen Jahres wird in China probeweise Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) zur Behandlung von AIDS eingesetzt. Nach der einjährigen Probephase wurde der Test nun auf 11 weitere Provinzen, autonome Gebiete und regierungsunmittelbare Städte ausgedehnt und weist schon erste Erfolge auf.

    In China gibt es im Moment insgesamt 840.000 HIV-Infizierte und Aids-Kranke. Die Aids-Epidemie breitet sich derzeit sehr schnell aus.

    Die Antiretrovirale Therapie gilt derzeit als die effektivste Maßnahme der westlichen Schulmedizin gegen die Immunschwäche-Krankheit. Doch bislang wurde noch kein Medikament gefunden, das das HIV-Virus töten kann. Hinzu kommen noch die Nebenwirkungen der antiretroviralen Medikamente. Bei der Aids-Behandlung orientiert sich die TCM jedoch nicht darauf, das Virus abzutöten, sondern versucht, die Symptome der Patienten durch Stärkung des Immunsystems zu lindern. So wird die Lebensqualität der HIV-Infizierten verbessert und ihre Lebensdauer verlängert.

    Um die Vorteile der TCM bei der Behandlung von Aids zu nutzen, hat das staatliche Amt für Chinesische Medizin gemeinsam mit anderen Behörden im vergangenen Jahr damit begonnen, probeweise Chinesische Medizin bei der Behandlung von Aids einzusetzen. Liu Wenwu vom staatlichen Amt für Chinesische Medizin erklärte dazu: "Im August 2004 haben wir in fünf Provinzen versuchsweise mit der Behandlung von Aids durch Chinesische Medizin begonnen. Die fünf Provinzen sind Henan, Hebei, Anhui, Hubei und Guangdong. Bis Juni dieses Jahres wurden insgesamt 2700 Patienten mit TCM therapiert. In diesem Jahr wurden sechs weitere Provinzen in den Versuch einbezogen."

    Seit Beginn der Testphase hat die chinesische Zentralregierung rund 36 Millionen Yuan (3,7 Millionen Euro) bereitgestellt und Organisation, Verwaltung, Forschung und Ausbildung des Personals gefördert. Auch die Lokalregierungen wurden aufgefordert, Geld für dieses Anliegen bereitzustellen. Es wurde ein Verwaltungssystem für die Aids-Behandlung mittels TCM eingerichtet und Konzepte für die Therapie mit TCM ausgearbeitet. Es wurde auch ein Ärzteteam zusammengestellt, das sich mit der Aids-Therapie mittels TCM beschäftigt. So hat mittlerweile ein ganzes Netzwerk zur Behandlung von Aids mit TCM Gestalt angenommen.

    Bei dem Probelauf geht es vor allem darum, HIV-Infizierte und Aids-Kranke, bei denen die Antiretrovirale Therapie der Schulmedizin nur einen geringen Erfolg zeigt oder große Nebenwirkung festzustellen sind, auf freiwilliger Basis mit chinesischer Medizin zu behandeln. Bei einigen Aids-Patienten, die schulmedizinisch behandelt werden, wird TCM als Zusatztherapie eingesetzt. Ziel dabei ist, die Nebenwirkungen der westlichen Medikamente zu lindern und ihre Wirkung zu verbessern.

    Die Aids-Behandlung durch TCM weist bereits gute klinische Ergebnisse auf. Dazu sagte Liu: "Statistisch gesehen haben sich die Symptome Durchfall, Übelkeit, Schweißausbrüche, Kurzatmigkeit und Müdigkeit deutlich verbessert, nachdem die HIV-Infizierten und Aids-Kranken chinesische Heilkräuter eingenommen haben. Die Nebenwirkungen, die durch die antiretroviralen Medikamente ausgelöst werden, konnten deutlich gemildert werden. Die TCM-Therapie findet bei Patienten und deren Familienangehörigen großen Anklang und gilt als Alternative bei der Behandlung von Aids."

    Liu meint, der Therapieerfolg der Aids-Behandlung durch TCM sollte nicht einzig mit schulmedizinischen Kriterien bewertet werden. Denn TCM und westliche Schulmedizin seien zu unterschiedlich. Deswegen setzt sich das staatliche Amt für Chinesische Medizin dafür ein, Bewertungsnormen und -systeme festzulegen, die den Effekt der TCM-Therapie gegen Aids klassifizieren, um der Aids-Behandlung durch TCM einen wissenschaftlicheren Rahmen zu geben.

    China Internet Information Center, Meldung vom 6. Oktober 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     


    Aids-Prävention muss intensiviert werden

    Deutsche AIDS-Hilfe e.V. ist besorgt über steigende Infektionszahlen

    Berlin – Die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH) äußert sich besorgt über die heute veröffentlichten Daten zur aktuellen Entwicklung der HIV-Infektionen und Aidserkrankungen in Deutschland. Das Robert Koch Institut (RKI) in Berlin konstatiert aufgrund der Neuinfektionen im ersten Halbjahr für 2005 eine Steigerung zwischen 10 und 20 %. Die größte Steigerung ist bei Männern, die mit Männern Sex haben, zu verzeichnen. Deren Anteil an den Neuinfektionen beträgt 55 %.

    „Diese Zahlen bestätigen leider eindrucksvoll, was unsere Präventionsmitarbeiter vor Ort seit langem in der Schwulenszene und darüber hinaus feststellen: das Schwinden von Aids in den Medien und die Heilungsphantasien aufgrund unterschiedlichster Faktoren – etwa der verharmlosenden Werbung der Pharmaindustrie – haben zu einer Präventionsmüdigkeit geführt“, erklärte Guido Schlimbach von der DAH. „Die Deutsche AIDS-Hilfe sieht die Notwendigkeit, die zielgruppenspezifische Prävention bei schwulen und bisexuellen Männern zu verstärken. Hier müssen zusätzliche Mittel bereitgestellt werden!“

    Dass insbesondere die gezielte Verhältnisprävention positive Effekte hat, zeigt die stagnierende Zahl an Neuinfektionen bei Drogen gebrauchenden Menschen. Deren Anteil ist auf ca. 5 % gesunken. „Hier muss die Lebensstil akzeptierende Prävention fortgesetzt werden.“

    Darüber hinaus sieht sich die DAH darin bestätigt, Aids als globales Phänomen wahrzunehmen und dem zu begegnen. „Dass sich 25 % der heterosexuellen oder Drogen gebrauchenden Menschen nicht in Deutschland infiziert haben und hier zu Hause ihr positives Testergebnis bekommen haben, bestätigt unsere Sicht, dass Prävention nicht vor der Haustüre endet“, erläuterte Schlimbach. Außerdem betrachteten die regionalen Aidshilfen vor Ort Menschen mit Migrationshintergrund seit langem als maßgebliche Zielgruppe ihrer Präventionsarbeit.

    Auf der Mitgliederversammlung der Deutschen AIDS-Hilfe am vergangenen Wochenende im niedersächsischen Goslar bekräftigten die Delegierten der etwa 120 Mitgliedsorganisationen ihre Forderung an die politisch Verantwortlichen in Bund, Ländern und Kommunen, in der Unterstützung der Aidshilfen nicht nach zu lassen und somit die zielgruppenspezifische Prävention nachhaltig dort zu fördern, wo sie kompetent umgesetzt werden kann. „Wir appellieren insbesondere an die Länder und Kommunen, den Bestand der regionalen Aidshilfen nicht durch leichtfertige Etatkürzungen zu gefährden“, sagte Schlimbach. „Die Zahlen des RKI belegen leider beeindruckend, dass wir unsere bisherigen Bemühungen weiter ausbauen und verstärken müssen!“

    Deutsche Aids-Hilfe - Pressemeldung vom 4. Oktober 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Richtungsänderung in der HIV-Impfforschung notwendig

    Es ist nicht an der Zeit, die Suche nach HIV-Impfstoffen aufzugeben, sondern die wissenschaftliche Umsetzung zu verändern, so Robert Gallo.

    Der Forscher vom Institute of Human Virology in Maryland, USA zeigt sieben wissenschaftliche Hauptfragen auf, welche die Entwicklung eines erfolgreichen HIV-Impfstoffes blockieren. Diese schließen Herausforderungen beim Impfstoff-Design und dem Fehlen eines wirklich aussagekräftigen Tiermodells zur Untersuchung von HIV-Infektionen ein. Trotz dieser Probleme erklärt Gallo, dass es noch nicht an der Zeit ist, die Suche nach HIV-Impfstoffen aufzugeben. Damit Fortschritte erreicht werden können, müssten die Schwerpunkte hin zu rationalen Ansätzen verschoben werden, die auf solidem Wissen der HIV-Biologie beruhen.

    Dr. Gallo erklärt: "Es ist nicht an der Zeit, die Suche nach HIV-Impfstoffen aufzugeben, sondern die Art ihrer Entwicklung zu verändern. Die Forschung für präventive HIV-Impfstoffe sollte empirisch gestützte Ansätze klar ignorieren und ausschließlich auf rationalen Ansätzen beruhen, die auf solider Kenntnis der HIV-Biologie basieren. Ich denke, dass wir nach Jahren der Suche erst beginnen, diesen Weg zu beschreiten. Eine Verschiebung der Schwerpunkte zur Lösung der wissenschaftlichen Hauptprobleme, die dieses Gebiet plagten, ist notwendig."

    Er erklärt viel versprechende Modelle, durch die diese Veränderung des Blickfeldes bei der Impfstoff-Forschung erkannt und umgesetzt werden kann, einschließlich der ’Gates’s Foundation’s Grand Challenge for Global Health’ - ein von Wissenschaftlern geleitetes Programm, das praktische Lösungen für wichtige wissenschaftliche Hürden finden soll.

    Quelle: RC Gallo. The end or the beginning of the drive to an HIV-preventive vaccine: a view from over 20 years. Lancet 2005; 366: 10.1016/S0140-6736(05)67395-3

    The Lancet - Vol.366 Nr.9492 vom Oktober 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV Halbjahresbericht I/2005

    Sonderausgabe B / 2005

    HIV-Infektionen/AIDS: Halbjahresbericht I/2005
    Stand: 1.9.2005

    Inhalt:
     

    • Neu diagnostizierte HIV -Infektionen in Deutschland: Analyse der Entwicklungen und Trends
    • AIDS-Erkrankungen in Deutschland
    • Zur Entwicklung
    • Zur regionalen Zuordnung von AIDS-Fällen
    • Was ist neu am HIV/AIDS -Halbjahresbericht?
    • Zu erweiterten Datenabfragemöglichkeiten im Internet
    • HIV-Infektionen und AIDS in Deutschland im Einzelnen
    • Technische Anmerkungen
    • Inhaltsverzeichnis


    Robert Koch Institut - Erscheinungsdatum: 30.09.2005pdf (218 KB)Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

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