HIV AIDS Infos Online
     

     
      Ausgabe 33
        Jahrgang 11
      Oktober 2006
     
     
    Inhaltsverzeichnis Homepage der Praxis


    Vorbemerkung
    Impressum
    Sponsoren
     
     
     


     
     
     

    HIV auf der Spur
    Hälfte der HIV-Neuinfektionen treffen Kinder und Jugendliche
    Start der Klinischen Phase II mit Fosalvudine
    Neue Therapie-Option für HIV-Infizierte
    Bakterium soll Wirkstoff gegen HIV produzieren
    Wenig Nierenerkrankungen bei niedriger HI-Virenlast
    Einmal tägliche Behandlungsoption mit Atripla™
    Europäer änderten wegen Aids ihr Sexualverhalten
    Fördermittel für Aids-Projekte in ländlichen Gegende
    AIDS-Welle in Kasachstan durch Bluttransfusionen
    Aussagekraft der Virenbelastung angezweifelt
    Risiko einer HIV-Infektion für Raucher bis zu dreimal höher
    Erweitertes Zugangsprogramm für Wirkstoff TMC125 von Tibotec
    USA: Ohne Zustimmung auf HIV testen
    Roche löst Versprechen ein
    Zunahme der „normalen“ Sterblichkeit bei HIV-Patienten
    Mehr depressive HIV-Infizierte
    Aids bedroht Pygmäen
    Primäre Kombitherapie gegen HIV in Bewegung
    137 Aids Aktivisten wollen Asyl
    Aggressives HIV bei drei weiteren Homosexuellen
    Münsteraner Tag der HIV Infektionen 2006
    Zweijährig wirksame Therapie?
    Uganda lässt Arznei verfallen
    Der VI. Konrad Lutz Preis: Aufruf zur Teilnahme
    Neues Medikament Maraviroc
    Ausbruch von Lymphogranuloma venereum in Österreich
    Aids-Aufklärung für Schwerhörige
    Forschungserfolg gegen Aids
    HIV-Pflichttest für Schwangere gefordert
    AIDS-Impfstoffkonferenz Amsterdam
    Efavirenz punktet bei Vergleich in der Ersttherapie gegen HIV
    Von der Sterbebegleitung zur Lebensberatung
    Protease-Hemmer wird auch für Kinder entwickelt
    Lebererkrankungen bei HIV-Positiven häufigste Todesursache
    Aids raubt Afrika die Arbeitskräfte
    Positive Begegnungen 2006 - Konferenz zum Leben mit HIV/Aids
    AIDS: Frankfurt tut was!
    Molekularer Schalter von HIV entschlüsselt
    Drei Substanzen eliminieren HI-Viren effektiv
    Neugeborene vor dem HI-Virus schützen
    Neue Leitlinien für die Behandlung von erwachsenen HIV-Infizierten
    Immer mehr HIV-Infizierte in Afrika erhalten Medikamente
    Oraler HIV Integrase-Inhibitor im Forschungsstadium
    Medizinische Versorgung mit sozialen Diensten der Schlüssel für Erfolg
    Erfolgreiches Projekt zur AIDS-Behandlung in Afrika
    Demonstranten in Toronto fordern mehr AIDS-Hilfe
    Indien inzwischen am stärksten betroffenes Land
    20.000 Teilnehmer bei Welt-Aids-Konferenz in Toronto
    Afrikanische HIV-Patienten befolgen ihre Verordnungen
    Kein Strafverfahren wegen Aids-Broschüre
    25 Millionen Tote - 65 Millionen Infizierte
    Aids-Behandlung mit Unterbrechungen vorteilhafter
    Zehn Jahre erfolgreicher Aids-Therapie
    Hi-Virus versteckt sich im Darm
    Medienpreis der Deutschen AIDS-Stiftung 2005/2006
    FDA: Tägliche Pille gegen HIV in den USA zugelassen
    HI-Viren sind aggressiver geworden
    USA: Sexmagazin unterstützt AIDS-Kampagne
    Intrazerebrale Blutungen unter Tipranavir
    Keine Steigerung des Depressionsrisikos bei HIV-Positiven unter Efavirenz
    3 in 1-Kombinationspille gegen AIDS zugelassen
    Haftung im Falle einer Aids-Übertragung
    PREDICT-1 Studie zur Verträglichkeit von Abacavir
     
     
     
     
     

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    Vorbemerkung
     
    Die HIV AIDS Infos sind eine Zusammenstellung aus Internetquellen, Mail- und Newsgroups und erstreckt sich jeweils über einen Zeitraum von ca. drei bis vier Monaten. Die einzelnen Artikel sind mit einem Link auf die Orginalartikel versehen und chronologisch geordnet. 
    Es wird auf diese Weise schnell über neue Entwicklungen und Änderungen in den Bereichen Epidemiologie, medizinischer Behandlung, ambulanter Pflege und psychosozialer Beratung bei HIV-Infektion und AIDS-Erkrankung informiert. Die HIV AIDS Infos erscheinen in regelmäßigen Abständen und informieren interdisziplinär über Änderungen und Neuerungen auf dem Gebiet von HIV und AIDS.

     

    Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV auf der Spur

    Vorklinische Studien am AIDS-Erreger mithilfe von Mäusen in Sicht.

    Ein großes Hindernis bei der Erforschung von HIV ist seine Wirtsspezifität: Es werden nur Menschen infiziert. Impfstoffe oder Behandlungsmethoden können daher nur im Labor oder direkt am Menschen getestet werden. Nun ist es jedoch Forschern gelungen, Mäuse so zu manipulieren, dass sie ein menschliches Immunsystem inklusive Lymphknoten entwickeln. Dies könnte zukünftig vorklinische Tests am HI-Virus ermöglichen.

    Das Modell funktioniert folgendermaßen, wie die Forscher in der Fachzeitschrift PNAS berichten: Mäusen mit ausgeprägter Immunschwäche werden menschliche Stammzellen, aus denen später Blutzellen gebildet werden, injiziert. Daraufhin entwickeln die Mäuse ein menschliches Immunsystem inklusive Lymphknoten. Diese Mäuse können dann von humanspezifischen Viren, wie etwa HIV, die das Immunsystem angreifen, infiziert werden.

    Diese Methode zur Generierung eines Mausmodells, welches in einer vorklinischen Phase, das Studium von Human-spezifischen Viren ermöglicht, wurde erstmals von Dr. Markus Manz vom Institut für Biomedizinische Forschung, Bellinzona entwickelt. Nun konnte die Wichtigkeit dieses Mausmodells für die HIV-Forschung jetzt durch eine Studie bestätigt werden, die im Labor von Dr. Roberto Speck, Abteilung für Infektionskrankheiten des Universitätsspitals Zürich, in Zusammenarbeit mit Dr. Manz durchgeführt wurde.

    Diese Arbeit zeigt, dass dieses Mausmodell durch HI Viren infiziert wird, eine HI-Virusvermehrung über Monate nachgewiesen werden kann, und dass es zu einem fortschreitenden Verlust an den Zielzellen des HI-Virus kommt. Der Schweizerische Nationalfonds unterstützt das Projekt. Das Labor von Dr. Speck wird mit Hilfe des Modells die HIV Pathogenese weiter erforschen.

    Universitätsspital Zürich - Institut für Experimentelle Immunologie – Pressemeldung vom 11. Oktober 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Hälfte der HIV-Neuinfektionen treffen Kinder und Jugendliche

    Berlin - Immer mehr Kinder erkranken an Aids. Ungefähr die Hälfte aller HIV-Neuinfizierten seien Kinder und Jugendliche unter 25 Jahren, sagte die Vorsitzende von UNICEF Deutschland, Heide Simonis, am Dienstag in Berlin. Ein großes Problem im Kampf gegen die tödliche Krankheit sei auch die Stigmatisierung, der Infizierte ausgesetzt seien. Die Betroffenen hätten oft Angst, sich zu bekennen oder zum Arzt zu gehen. In einigen afrikanischen Ländern ist Aids inzwischen die häufigste Todesursache bei Kindern.
    Nur fünf bis zehn Prozent der Infizierten bekämen dringend notwendige Medikamente, sagte der UN-Sonderbeauftragte für Aids in Afrika, Stephen Lewis. Erwachsene erhielten in einem Fünftel der Fälle Viren hemmende Mittel. «Das ist eine unerbittliche Tragödie», sagte Lewis. Ähnlich schlecht sei die Versorgung Schwangerer. Von ihnen würden nur zehn Prozent mit Medikamenten versorgt, die eine Übertragung des Virus auf das Kind verhindern.

    Alleine in Afrika gibt es nach UNICEF-Angaben 12 bis 15 Millionen Aids-Waisen. «Leider wissen wir auch, dass dieser zweiten Generation das Schicksal ihrer Eltern droht», sagte Simonis. Viele der Waisenkinder würden von Großeltern aufgezogen oder führten den Haushalt in Eigenregie, berichtete Lewis. «Ich habe viele von Kindern geführte Haushalte gesehen, wo das Familienoberhaupt acht, neun oder zehn Jahre alt war», sagte er.

    Neben Kindern sind vor allem Frauen von Aids betroffen. Es müsse erreicht werden, dass Frauen «über ihre Sexualität selbst entscheiden können», forderte Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul. Es müsse insbesondere mit Aufklärung und Prävention gegen die Krankheit vorgegangen werden. Das HI-Virus wurde vor 25 Jahren entdeckt.

    Einem UNICEF-Bericht zufolge ist nur jeder dritte Jugendliche in den Entwicklungsländern über Aids aufgeklärt. Viele hätten keine Ahnung, wie der Virus übertragen wird oder wie sie sich davor schützen können. «Verschweigen heißt Tod», sagte die Wieczorek-Zeul. Sie kündigte an, die Bundesregierung werde während der G8-Präsidentschaft im kommenden Jahr einen Schwerpunkt auf das Thema «Aids und Afrika» legen.

    UNICEF - Pressemeldung vom 10. Oktober 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Start der Klinischen Phase II mit Fosalvudine

    Heidelberg - Die Heidelberg Pharma (Nachrichten) GmbH hat eine klinische Phase-II-Studie bei bisher nicht behandelten HIV-infizierten Patienten mit Fosalvudine, einer Enhanced Pro-Drug (EPD) von Heidelberg Pharma, begonnen. Das Ziel dieser placebo-kontrollierten, doppelblinden klinischen Studie ist es, die Wirksamkeit, Verträglichkeit und Pharmakokinetik von Fosalvudine während eines Behandlungszeitraumes von 14 Tagen zu untersuchen. Dazu werden vier Dosierungen an insgesamt 44 HIV-infizierten, bisher nicht behandelten Patienten getestet.

    Die Patienten werden jeweils drei aufeinander folgenden, zufällig ausgewählten Zyklen zugewiesen. Herr Dr. Schürmann von der Berliner Charité und Herr Dr. Cahn von der Fundación Huésped in Buenos Aires (Argentinien) sind für die Rekrutierung der Patienten verantwortlich. "Es wird untersucht, bis zu welchem Maße Folsalvudine geeignet ist, die Anzahl belastender Viren bei HIV-infizierten Patienten zu reduzieren. Im Falle von positiven Ergebnissen, können wir einen wichtigen Meilenstein im Entwicklungsprozess verzeichnen", so Dr. Böhm, Vorstand für Entwicklung der Heidelberg Pharma GmbH. Die Ergebnisse dieser klinischen Studie werden für 2007 erwartet.

    Fosalvudine Die Enhanced Pro-Drug Fosalvudine ist ein Nukleotid-Inhibitor (Hemmstoff) der Reversen Transkriptase bei der Behandlung von HIV-1-Infektionen mit Schwerpunkt auf therapieresistente HIV-1-Stämme. Die Einnahme von Fosalvudine führt zur intrazellulären Zufuhr von Fluorothymidin-Monophosphat. Dieses wird von zellulären Enzymen weiter zum aktiven Fluorothymidin-Triphosphat verarbeitet - ein wirksamer Inhibitor der Reversen Trankskriptase von HIV. Fosalvudine erzeugt das gleiche aktive Metabolit wie die verwandte Verbindung Alovudine. Alovudine ist ein Inhibitor der Reversen Transkriptase, der klinisch gegen NRTI-resistente HIV-1-Stämme mit Thymidin verwandten Mutationen wirkt, aber ein enges therapeutisches Fenster besitzt. Oral verabreicht hat Fosalvudine wegen der geringeren Nebenwirkungen bei vergleichbarer Wirksamkeit das Potential für ein breiteres therapeutisches Fenster.

    Heidelberg Pharma GmbH - Pressemeldung vom 9. Oktober 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neue Therapie-Option für HIV-Infizierte

    Enzymhemmer Nevirapin für noch nicht behandelte Infizierte oder zur Therapie-Umstellung geeignet.

    Toronto - Der Hemmstoff Nevirapin ist bei zuvor nicht behandelten HIV-Infizierten ein lange wirksames Medikament mit gut beherrschbaren unerwünschten Wirkungen. Das gilt auch für Patienten, deren HIV-Therapie umgestellt oder vereinfacht werden soll.

    Seit 1996 ist Nevirapin (Viramune®), ein nicht-nukleosidischer Hemmer der Reversen Transkriptase (NNRTI) ein wichtiger Bestandteil der Therapie gegen HIV. So wird er etwa in den EU-Therapierichtlinien als Option für die HIV-Ersttherapie empfohlen. Daran hat Professor Francois Raffi aus Nantes auf der Welt-Aids-Konferenz in Toronto erinnert.

    Nevirapin kann Raffi zufolge auch langfristig zur Vereinfachung einer HIV-Therapie genutzt werden. In der NEFA-Studie (Nevirapin, Efavirenz, Abacavir) wurde bei 460 Patienten, deren Viruskonzentration unter der Nachweisgrenze lag, der Protease-Hemmer durch Nevirapin, den NNRTI Efavirenz oder den NRTI Abacavir ausgetauscht.

    Im Verlauf von drei Jahren war die Chance eines langanhaltenden Therapie-Erfolgs mit Nevirapin am größten. Nach der Umstellung auf Nevirapin und Abacavir brachen nur im ersten Jahr einige Patienten die Therapie wegen unerwünschter Wirkungen ab. Nach der Umstellung auf Efavirenz jedoch kam es kontinuierlich über den gesamten Studienzeitraum zu Abbrüchen.

    Die wichtigsten unerwünschten Wirkungen von Nevirapin sind Hautausschlag in den ersten sechs Wochen der Therapie und Leberwert-Erhöhung. Ob toxische Leberschäden mit klinischen Symptomen auftreten, hänge vom Immunstatus der Patienten ab, so Raffi auf einer Veranstaltung von Boehringer Ingelheim.

    Zuvor behandelte Patienten mit hoher CD4-Zellzahl scheinen zudem ein geringeres Risiko für eine Hepatotoxizität unter Nevirapin zu haben als zuvor nicht behandelte Patienten mit hoher CD4-Zahl. Dieses Ergebnis einer Auswertung aus der europäischen Kohorte EuroSIDA stellte Dr. Amanda Mocroft aus London vor.

    Analysiert wurden die Daten von 1484 Patienten, die Nevirapin erhielten, und zwar getrennt nach hoher und niedriger CD4-Zellzahl (unter und über 400 Zellen bei Männern und 250 Zellen bei Frauen) und nach Therapie-erfahren und -unerfahren.

    Ärzte-Zeitung vom 9. Oktober 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Bakterium soll Wirkstoff gegen HIV produzieren

    Hat genügend Mikrobizide, um die Vervielfältigung der Aidsviren zu stoppen.

    London - Das Joghurt-Bakterium Lactobacillus könnte künftig möglicherweise beim Kampf gegen Aids helfen: Im Tierversuch gelang es US-Forschern, in das Bakterium ein Gen für ein so genanntes Mikrobizid einzuschleusen, das eine HIV-Infektion verhindern kann. Wie es im britischen Magazin "New Scientist" (Bd. 191, S. 17) heißt, produzierte das veränderte Milchbakterium, das auch natürlicherweise in der Scheidenflora vorkommt, genügend Mikrobizide, um die Vervielfältigung der Aidsviren zu stoppen.

    Schon seit längerem versuchen Forscher, Gene des Mikrobizids Cyanovirin-N in den DNA-Ring eines Bakteriums zu integrieren. Bisher war diese Konstruktion aber so instabil, dass die Gefahr bestand, das fremde Gen könne wieder herausrutschen und seine Umgebung schädigen. Peter Lee von der Universität Stanford in Kalifornien schaffte es nun aber, das Mikrobizid-Gen recht stabil im Hauptchromosom des Laktobacillus zu verankern. "Das ist ein Meilenstein", sagte Jim Turpin vom Mikrobizid-Programm der US-Gesundheitsinstitute.

    Der Vorteil dieses Ansatzes gegenüber einem Mikrobizid-haltigen Gel ist es, dass die Bakterien über einige Tage hinweg schützend in der Scheide wirken. Vor allem für Frauen in Afrika wäre ein solcher bakterieller Bioschild von hohem Nutzen - nicht zuletzt, weil er preiswert und leicht anzuwenden ist.

    Die Originalarbeit ist im Fachjournal "Antimicrobial Agents and Chemotherapy" (Bd. 50, S. 3250) veröffentlicht.
    Abstract unter: http://aac.asm.org/cgi/content/abstract/50/10/3250 - Engineered Vaginal Lactobacillus Strain for Mucosal Delivery of the Human Immunodeficiency Virus Inhibitor Cyanovirin-N

    Der Standard vom 5. Oktober 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Wenig Nierenerkrankungen bei niedriger HI-Virenlast

    HIV-Patienten leiden oftmals unter Nierenerkrankungen. Doch nur etwa die Hälfte der Nierenerkrankungen von HIV-Infizierten wird durch das HI-Virus hervorgerufen.

    Amerikanische Wissenschafter (Estrella et al) haben jetzt Erkenntnisse gewonnen, die es Ärzten künftig erleichtern könnten, diese Nierenerkrankungen bei HIV-Patienten genauer einzuordnen.

    Den Forschern der Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore zu Folge ist es möglich aufgrund der Konzentration des Erbguts des HI-Virus im Blut von Infizierten festzustellen, ob eine Nierenerkrankung durch den Erreger verursacht wurde oder nicht. Entsprechend den Studienergebnissen kann man davon ausgehen, dass das Auftreten einer durch das HI-Virus verursachten Nierenerkrankung bei einer Viruslast unter 400 pro ml Blut unwahrscheinlich ist. Diese Erkenntnis könnte betroffenen HIV-Patienten künftig aufwendigere Untersuchungen ersparen.

    Die Forscher weisen darüber hinaus auf die bedeutende Rolle einer effektiven antiretroviralen Behandlung in diesem Zusammenhang hin: Gelingt es mit Hilfe antiretroviraler Medikamente die Viruslast unter 400 pro ml Blut zu halten, kann einer auf den Erreger zurückführbaren Nierenerkrankung der Betroffenen wirksam vorgebeugt werden.

    Quelle: Clinical Infectious Diseases; 2006, 43: 377-380

    MedAustria - Aids-News-Line vom 5. Oktober 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Einmal tägliche Behandlungsoption mit Atripla™

    Bristol-Myers Squibb und Gilead Sciences einigen sich über die Vermarktung von Atripla™ (Efavirenz 600 mg/ Emtricitabin 200 mg/ Tenofovir Disoproxilfumarat 300 mg) in Kanada.

    Bristol-Myers Squibb Company und Gilead Sciences, (Nachrichten/Aktienkurs) Inc. gaben ein Abkommen über die Vermarktung von Atripla™ (Efavirenz 600 mg/ Emtricitabin 200 mg/ Tenofovir Disoproxilfumarat 300 mg) in Kanada zur Behandlung von mit HIV-1 infizierten Erwachsenen bekannt, unter dem Vorbehalt, dass das Produkt von der kanadischen Gesundsheitsbehörde Health Canada zugelassen wird. Atripla ist das erste HIV-Medikament in Form einer einzigen einmal täglich einzunehmenden Tablette, das zur Anwendung als Einzelmedikation oder in Kombination mit weiteren antiretroviralen Medikamenten vorgesehen ist. Atripla wurde am 12. Juli 2006 von der US-Arzneimittelzulassungsbehörde FDA zugelassen.

    Das Abkommen ist das Ergebnis von Verhandlungen zwischen Bristol-Myers Squibb und Gilead Sciences und baut das im Dezember 2004 begonnene Joint-Venture der beiden Unternehmen weiter aus. Die Unternehmen werden gemeinsam an der Einreichung der Zulassungsanträge an die kanadischen Aufsichtsbehörden arbeiten und sich die Verantwortung für die Vermarktung von Atripla in Kanada teilen, unter dem Vorbehalt, dass das Produkt dort behördlich zugelassen wird. Wie auch in den USA werden beide Unternehmen Finanzmittel und Vertretungspersonal vor Ort bereitstellen, um die Werbeanstrengungen für Atripla zu unterstützen. Gilead wird Einnahmen aus dem zukünftigen Netto-Umsatz von Atripla beziehen, während Bristol-Myers Squibbs Gewinnanteile prozentual anhand des Anteils ihres eigenen Produktes berechnet werden.

    "Wir freuen uns, dass wir unser Abkommen über Kanada abgeschlossen haben und arbeiten nun zügig daran, die Antragstellung für die Zulassung von Atripla durch Health Canada fertigzustellen.", sagte John C. Martin PhD, Präsident und CEO von Gilead Sciences. "Wir wissen, wie notwendig der Zugang zu ATRIPLA ist, der ersten einmal täglich einzunehmenden Tablettenmedikation, und arbeiten daran, sie für alle Patienten, die sie brauchen, so schnell wie möglich erhältlich zu machen."

    "Dieses Abkommen mit Gilead Sciences markiert einen wichtigen Schritt vorwärts in unserem Bemühen, effektive HIV-Therapien zu liefern.", sagte Lamberto Andreotti, der Präsident von Worldwide Pharmaceuticals, Bristol-Myers Squibb. "Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Gilead Sciences und Health Canada, um den kanadischen Patienten, die mit HIV/AIDS leben, eine weitere effektive Behandlungsoption bereitzustellen."

    Atripla ist ein Kombinationspräparat aus Sustiva® (Efavirenz), hergestellt von Bristol-Myers Squibb, und Truvada® (Emtricitabin und Tenofovir Disoproxilfumarat) hergestellt von Gilead Sciences. Truvada selbst ist ein Präparat mit fester Dosierung in Form einer einmal täglich einzunehmenden Tablette, das zwei Anti-HIV-Medikamente von Gilead, nämlich Viread® (Tenofovir Disoproxilfumarat) und Emtriva® (Emtricitabin) enthält und für den Einsatz im Rahmen einer Kombinationstherapie vorgesehen ist.

    Die vollständige Meldung unter: Finanznachrichten vom 4. Oktober 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Europäer änderten wegen Aids ihr Sexualverhalten

    Brüssel - 48 Prozent der EU-Bürger haben zur Vermeidung von Aids ihr Sexualverhalten geändert. Das geht aus einer Umfrage hervor, die die EU-Kommission am Montag in Brüssel veröffentlichte. Die Ergebnisse der Erhebung unter mehr als 400.000 Personen zeigen außerdem, dass 25 Jahre nach der Entdeckung der Immunschwächekrankheit zahlreiche Missverständnisse über die Ansteckungswege fortbestehen.

    Zwar wissen die meisten EU-Bürger, wie man sich vor einer HIV-Infektion schützt: Jeweils 94 Prozent der Befragten in den 25 EU-Staaten waren darüber informiert, dass man sich durch ungeschützten

    Geschlechtsverkehr, das Teilen einer Spritze oder eine Blutspende von einer HIV-infizierten Person anstecken kann. Ähnlich fielen die Ergebnisse in Rumänien und Kroatien aus, nur die Befragten in Bulgarien, der Türkei und im türkischen Nordzypern zeigten sich weniger gut aufgeklärt.

    Auch innerhalb der EU waren allerdings über 40 Prozent der Befragten irrtümlich der Meinung, dass auch Küssen, das Teilen von Gläsern oder eine Blutspende an einen HIV-Infizierten ein Risiko darstellten. In Deutschland äußerten über 50 Prozent der Befragten die Befürchtung, sie könnten sich durch einen Kuss anstecken.

    Die Frage, ob sie wegen Aids Vorsichtsmaßnahmen beim Geschlechtsverkehr träfen, bejahten nur 48 Prozent der Umfrageteilnehmer. Lediglich 38 Prozent stimmten der Aussage zu, dass sie wegen Aids mehr Stabilität bei der Partnerwahl anstrebten. Befragt wurden Personen ab 15 Jahren.

    Yahoo News vom 2. Oktober 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Fördermittel für Aids-Projekte in ländlichen Gegenden

    U.S. Congress bewilligt Fördermittel

    Gegen den Wunsch der Bundesstaaten mit vielen Ballungszentren hat der U.S. Congress am Donnerstag entschieden, mehr Fördermittel in Aids/HIV-Programme in den ländlichen Gegenden und in die südlichen Bundesstaaten zu entsenden. Die Gegner der Entscheidung fürchten, dass sie nun mit Kürzungen rechnen müssen.

    "Die HIV-Epidemie wächst", so Joe Barton, Republikaner aus Texas. "Das ist ein fairer Kompromiss. Endlich fängt man an, alle Staaten gleich zu behandeln". Eine Änderung der Verteilung der Fördermittel war auch zwingend notwendig: während in den 90er Jahren insbesondere schwule, weiße Männer in den Städten von HIV betroffen waren, tritt die Immunschwächekrankheit nun verstärkt in Vorstädten, in den südlichen Staaten und unter Minderheiten auf.

    Doch die Neuregelung muss noch vom Senat verabschiedet werden und dort ist vehementer Widerstand zu erwarten. Einige Mitglieder des Senats haben bereits angekündigt, den Entwurf abzulehnen.

    Worum es geht ist klar: insbesondere die bevölkerungsreichen Bundesstaaten müssten mit immensen Kürzungen rechnen. New York würde 100 Millionen Dollar verlieren, New Jersey immerhin 70 Millionen. Auf der Gegenseite würde beispielsweise Alabama 11 Millionen mehr erhalten - insgesamt dann 18 Millionen Dollar.

    dbna - dein schwules JugendMagazin vom 29. September 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    AIDS-Welle in Kasachstan durch Bluttransfusionen

    Moskau - In einem Krankenhaus in Kasachstan sind seit Jahresbeginn mindestens 73 Menschen durch Bluttransfusionen oder nicht desinfizierte Nadeln mit HIV angesteckt worden. Fünf Kinder sind bereits an AIDS gestorben.

    Die Vorfälle ereigneten sich in einem Krankenhaus in Schimkent, 1.000 Kilometer südlich der kasachischen Hauptstadt Astana. Nach Angaben einer Sprecherin des kasachischen Gesundheitsministeriums vom Freitag sind bislang 8.900 von 12.300 Kindern, die mit dem Virus in Kontakt gekommen sein könnten, getestet worden. Mindestens 68 kleine Kinder und fünf Mütter wurden angesteckt.

    Gesundheitsminister Erbolat Dosajew und der Regionalgouverneur von Südkasachstan, Bolat Jilkischjew, hatten im Zuge des AIDS-Skandals wegen „ernsthaften Verstoßes gegen die Amtspflichten“ ihre Posten verloren. Eine Untersuchung hatte nach Angaben des Präsidialamtes „Schlampereien" und „Pflichtverletzungen" auf allen Ebenen des Gesundheitssystems in Südkasachstan festgestellt. In zwei Fünfteln aller Blutspendezentren des Landes seien Verstöße gegen die Bestimmungen registriert worden.

    Illegale Blutverkäufe
    Valentina Skriabina, Leiterin einer lokalen NGO, äußerte gegenüber der Nachrichtenagentur AP die Vermutung, dass illegale Blutverkäufe der Grund sein könnten. Obdachlose und Drogensüchtige seien als Blutspender vom lokalen Blutspendezentrum akzeptiert worden, weil sie ihr Blut unter dem offiziellen Preis verkaufen. Sie frage sich, ob diese Blutkonserven wirklich gut geprüft werden.

    Eltern versuchen nun offenbar, die Fälle auf eigene Faust zu untersuchen. Sie führen rund 40 Todesfälle von Kleinkindern auf AIDS zurück. Sie behaupten, die Behörden wüssten seit Mai von den Fällen und hätten seither versucht, die Vorkommnisse zu vertuschen. Behörden wollten dies mit Hinweis auf laufende Untersuchungen nicht kommentieren.

    Experten fehlen
    Der neue Regionalgouverneur, Omirsak Schukejew, hat versprochen, dass die Regierung die Gesundheitsinstitutionen der Region modernisieren werde. Jede Familie eines angesteckten Kleinkindes soll rund 800 USD erhalten, das ist doppelt so hoch wie ein durchschnittliches Monatsgehalt. Zudem will der Staat für alle Behandlungen zahlen. Doch das Problem ist, dass es an Experten mangelt, die wüssten, wie man Kleinkinder mit AIDS behandelt.

    Laut offiziellen Angaben gab es Ende 2004 in Kasachstan rund 4.700 Aidskranke, es wird aber davon ausgegangen, dass die Zahlen höher liegen. Alleine in den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden 828 neue Ansteckungen mit dem HI-Virus und 70 Aidspatienten gezählt, das sind 70 Prozent mehr als im Jahr 2005.

    Russland aktuell - Meldung vom 29. September 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aussagekraft der Virenbelastung angezweifelt

    Für Krankheitsverlauf entscheidende Faktoren komplexer

    Cleveland - Die Verdienste der Messung von HIV-Partikeln im Blut zur Vorhersage des Krankheitsverlaufes haben Wissenschaftler der Case Western Reserve University http://www.case.edu jetzt in Frage gestellt. Ihre Studie legt nahe, dass das Feststellen der Virenbelastung ein viel weniger zuverlässiges Verfahren zur Prognose des Verlustes der entscheidenden CD4-Immunzellen ist als bisher angenommen. Diese Forschungsergebnisse könnten zu einer Neueinschätzung des Zeitpunktes führen an dem eine Behandlung begonnen wird. Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal of the American Medical Association http://jama.ama-assn.org veröffentlicht.

    Die Vorhersage des Fortschreitens der Krankheit ist für die Behandlung von HIV-Patienten von entscheidender Bedeutung. Vor allem geht es um die Entscheidung, wann mit der so genannten hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) begonnen wird. HAART hat Millionen Menschen das Leben gerettet. Die häufig auftretenden starken Nebenwirkungen führen jedoch dazu, dass mit ihrem Einsatz erst begonnen wird, wenn es unbedingt erforderlich ist. Die bestehenden Behandlungsrichtlinien weisen Mediziner an, für die Bestimmung dieses Zeitpunktes die Virenbelastung zu ermitteln. HIV greift vor allem die CD4-Zellen an. Nimmt die Anzahl dieser Art weißer Blutkörperchen im Körper ab, verliert der Körper die Fähigkeit die Infektion zu bekämpfen. Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von krankheitsbedingten Komplikationen erhöht sich.

    Diese Theorie geht davon aus, dass je größer die Virenbelastung ist, desto schneller auch der Verlust der CD4-Zellen stattfindet. Die aktuelle Studie ergab, dass die Virenbelastung nur rund fünf Prozent der Abweichung von einer Person zu der anderen beim Ausmaß des Verlustes an CD4-Zellen erklären kann. Daraus folgt laut BBC, dass die Zerstörung dieser Zellen nicht als einfache Folge der im Blut vorhandenen Virusmenge angesehen werden kann. Vielmehr deutet sich an, dass die für den Krankheitsverlauf entscheidenden Faktoren komplexer sind. Dazu dürfte auch der Schaden gehören, den das Virus direkt im Immunsystem anrichten kann.

    Der leitende Wissenschaftler Benigno Rodriguez erklärte, dass die Ergebnisse dieser Studie umfangreiche Auswirkungen auf das Verständnis haben können, wie HIV eine Erkrankung verursacht und wie in der Folge die Behandlung der Patienten zu gestalten sein wird. Die Forscher bedienten sich eines ausgeklügelten statistischen Modellverfahrens zur Feststellung der Virenbelastung und des Verlustes von CD4-Zellen bei mehr als 2.800 HIV-Patienten, die nicht behandelt wurden.

    Pressetext Austria - Meldung vom 27. September 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Risiko einer HIV-Infektion für Raucher bis zu dreimal höher

    Rauchen beschleunigt Erkrankung jedoch nicht

    Handsworth - Raucher haben ein größeres Risiko mit HIV infiziert zu werden als Nicht-Raucher. Zu dieser Schlussfolgerung kommt ein Wissenschaftsteam um Andrew Furber der South East Sheffield Primary Care Trust http://www.sheffield.nhs.uk/southeastpct, das eine groß angelegte Meta-Analyse von Studien zum Zusammenhang zwischen Rauchen und HIV durchgeführt hat. Die Forscher vermuten, dass Tabakrauch die Anfälligkeit für Infektionserkrankungen steigert. Eine andere mögliche Erklärung sei, dass Raucher eher geneigt seien, sexuelle Risiken zu nehmen. Die Forscher entdeckten allerdings auch, dass Rauchen das Fortschreiten von HIV zu einem Ausbruch von AIDS nicht beschleunigt. Die Ergebnisse der Analyse wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Sexually Transmitted Infection http://sti.bmjjournals.com veröffentlicht.

    Die Wissenschaftler erforschten 13 wissenschaftliche Datenbanken sowie drei Datenbanken von vor kurzem stattgefundenen internationalen AIDS-Konferenzen, analysierten entsprechende Webseiten und befragten Experten. Von den 3.500 Studien bezogen sich sechs auf den Zusammenhang zwischen Zigarettenrauch und HIV. Fünf davon kamen zum Ergebnis, dass Rauchen das Risiko, sich mit HIV zu infizieren, um 60 bis 300 Prozent steigert. "Wir wissen, dass Tabak in die Blutbahn aufgenommen werden kann und somit das körpereigene Immunsystem beeinflusst", erläutert Furber diesen Befund. Dem Forscher zufolge haben frühere Studien zwar bereits gezeigt, dass Tabak das Risiko auf Geschlechtserkrankungen steigert, aber es sei das erste Mal, dass HIV und Rauchen miteinander in Verbindung gebracht wurden.

    Zehn weitere Forschungsarbeiten richteten sich auf den Zusammenhang zwischen Rauchen und dem Fortschreiten zu einem Ausbruch von AIDS. Neun davon konnten hier keinen Zusammenhang feststellen. Allerdings wurden die Therapien gegen die Entstehung von Retroviren, die die Entstehung von AIDS verlangsamen, zur Zeit dieser Studien noch nicht angewendet. Furber vermutet, dass dies den Zusammenhang verbergen könnte. "Anfang dieses Jahres konnte eine US-amerikanische Studie nachweisen, dass HIV-positive Raucher trotz der Tatsache, dass sie eine antiretrovirale Therapie bekamen, ein um 36 Prozent höheres Risiko haben, innerhalb von fünf Jahren eine AIDS-bezogene Erkrankung zu entwickeln", bestätigt Keith Alcorn, Chefredakteur der Online-Informationsquelle National AIDSmap http://www.aidsmap.com, diese Vermutung in einem Kommentar auf BBC-Online.

    Laut Furber sei weitere Forschung absolut notwendig. "Jetzt, wo der Tabakmarkt fast gesättigt ist, orientiert sich die Industrie im zunehmenden Maße Richtung Asien, Osteuropa und Afrika. Dies sind gerade die Gebiete, wo die HIV-Epidemie die meisten Opfer fordert", so der Forscher. Wenn diese Wechselbeziehung tatsächlich existiert, sei es wichtig, darüber informiert zu sein. "Es könnte die Weise, worauf wir in Entwicklungsländern Gesundheitsprogramme durchführen, beeinflussen", so Furbes. Alcorn fordert Ärzte auf, jedem HIV-infizierten Patient dringend zu empfehlen, mit dem Rauchen aufzuhören. "Rauchende HIV-positive Patienten haben ein erhöhtes Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie ein viel größeres Risiko auf verschiedene mit Rauchen zusammenhängende Krebsformen, ob sie nun in Behandlung sind oder nicht", so Alcorn abschließend.

    Pressetext Austria - Meldung vom 25. September 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Erweitertes Zugangsprogramm für Wirkstoff TMC125 von Tibotec

    Das Programm bringt frühen Zugang für ausgewählte HIV-1 infizierte Patienten mit begrenzten Behandlungsoptionen.

    Yardley, Pennsylvania - Tibotec Pharmaceuticals Ltd. gab heute bekannt, dass das erweiterte Zugangsprogramm (EAP) für TMC125, seine für die experimentelle Forschung freigegebene Non-Nukleoside Reverse Transkriptase (NNRTI) in den USA eröffnet wurde und in Kürze in Kanada und Europa eröffnet wird, sofern die nötigen Genehmigungen erteilt werden. Das Programm wird Zugang für HIV-1 infizierte Patienten ermöglichen, die das Präparat benötigen, um ein erfolgreiches Behandlungsregime aufzubauen. TMC125 ist ein NNRTI der nächsten Generation, das gegen NNRTI-resistente Stämme von HIV aktiv ist. Die Phase 3 klinischen Studien (DUET 1 und 2) mit HIV-1 infizierten Patienten mit Behandlungserfahrung laufen derzeit und er wurde kürzlich die Rekrutierung abgeschlossen. Die Sicherheit und Wirksamkeit von TMC125 in Kombination mit anderen antiretroviralen Wirkstoffen sind noch nicht bekannt.

    Für weitere Informationen über das Programm, besuchen Sie bitte www.clinicaltrials.gov. Gesundheitsfachleute und Menschen mit HIV/AIDS, die in den USA leben, erhalten Informationen unter der Nummer +1-866-889-2074 oder via E-Mail an TMC125EAP@i3research.com.

    "Wir wissen, dass viele Menschen, die mit HIV/AIDS leben, auf Grund des zunehmend bedeutenden Problems der Virusresistenz eingeschränkte Behandlungsoptionen haben und wir arbeiten daran, so bald wie möglich durch dieses Programm ausgewählten Personen Zugang zu TMC125 zu verschaffen", sagte Roger Pomerantz, M.D., President von Tibotec. Derzeit haben über 15 Standorte in den USA das erweiterte Zugangsprogramm initiiert und sind auf www.clinicaltrials.gov. aufgelistet.

    Das TMC125 EAP ist verfügbar für HIV-1 infizierte Erwachsene, die mindestens 18 Jahre alt sind, die einschränkte Behandlungsoptionen haben, entweder wegen eines virologisch bedingten Behandlungsfehlschlages oder wegen einer Intoleranz gegenüber multiplen ARV Regimen. Die Patienten müssen Erfahrungen mit drei Klassen haben. Sie müssen eine zugelassene Behandlung von jeder der 3 wichtigsten oralen Klassen an Anti-HIV Arzneimitteln erhalten haben (NRTIs, NNRTIs und PIs) und müssen mindestens zwei Regime auf PI-Basis erhalten haben.

    Das EAP ist ein breites, internationales Programm für frühen Zugang, das von Tibotec Pharmaceuticals Ltd. koordiniert wird. Das Programm wird durch die Abteilungen für Klinische Angelegenheiten von lokal operierenden Einheiten verwaltet. In den USA wird es durch i3 Research unterstützt. Sofern die behördliche Zulassung erfolgt, wird das Produkt durch Tibotec Therapeutics in den USA und durch Tibotec, ein Geschäftsbereich von Janssen-Cilag in Europa vermarktet.

    Tibotec präsentierte auf der 16. Internationalen AIDS Konferenz (IAC) in Toronto, Kanada, im August 2006 die 48-Wochen-Ergebnisse von TMC125. Die vorgelegten Daten waren die Endanalyse der Studie TMC125-C223, eine Phase 2b Dosis-Findungs-, randomisierte, teilweise geblendete Studie über mit HIV-1 infizierte erwachsene Patienten (n=199) mit substantieller Behandlungserfahrung, dokumentierter Evidenz einer NNRTI Resistenz und 3 oder mehr primären PI Mutationen.

    Tibotec hat von der United States Food and Drug Administration eine Fast Track Designation (Schnell-Genehmigung) für TMC125 erhalten. Gemäss dieser Fast Track Designation des FDA Modernization Act aus 1997 kann die FDA die Überprüfung eines Arzneimittels beschleunigen, wenn dieses auf die Behandlung einer ernsten oder lebensbedrohlichen Krankheit abzielt und beweist, dass es das Potential hat, einen bisher nicht abgedeckten medizinischen Bedarf für eine solche Krankheit zu befriedigen. Gestützt wurde diese Schnell-Genehmigung auf Erkenntnisse aus Phase 2 Daten von klinischen Studien über TMC125 bei behandlungserfahrenen HIV-1 infizierten Patienten, sowie auf Ergebnissen von in vitro-Studien, die TMC125s antivirale Wirkung gegen HIV-1 Stämme, die gegenüber derzeit angebotenen NNRTIs resistent waren, zeigten.

    Campus med oder Tibotec Pharmaceuticals Ltd. - Pressemeldung vom 25. September 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    USA: Ohne Zustimmung auf HIV testen

    Atlanta - Die US-Regierung möchte, dass Ärzte bei allen ihren Patienten im Alter von 13 bis 64 Jahren routinemäßig HIV-Tests durchführen. Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) begründete in MMWR (2006; 55 RR14; 1-17) ihre Abkehr von der bisherigen Praxis, die eine ausführliche Beratung und Aufklärung vorsah, mit der steigenden Zahl von Infektionen außerhalb der klassischen Risikogruppen. Die amerikanische Ärzteschaft unterstützt die neuen Empfehlungen. Bürgerrechtler lehnen sie ab.

    In den USA ist die Zahl der Neuinfektionen mit 40.000 pro Jahr in den letzten Jahren konstant geblieben. Etwa eine Viertel Millionen US-Bürger oder 0,4 Prozent der erwachsenen Bevölkerung sollen infiziert sein, jeder vierte davon, ohne es zu wissen. Zwischen 50 und 70 Prozent der Ansteckungen sollen über Personen erfolgen, die ihren HIV-Status nicht kennen. Der Grund für diese Entwicklung liegt nach Ansicht der CDC in dem veränderten Spektrum der Risikogruppen.

    Die Epidemie ist längst nicht mehr auf männliche Homosexuelle begrenzt. Zunehmend würden auch Schwarze, Hispanics oder Teenager sich durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr infizieren. Dies fördert nicht nur die Ausbreitung der HIV-Epidemie, es hat auch dazu geführt, dass die HIV-Erkrankungen verspätet entdeckt werden. In 44 Prozent der Fälle werde die HIV-Erkrankung heute erst erkannt, wenn die Patienten bereits erkrankt sind, schreibt die CDC.

    Um die Früherkennung zu fördern, sollen jetzt an allen medizinischen Einrichtungen HIV-Tests durchgeführt werden. Der Aufruf richtet sich an Kliniken und Arztpraxen, Notfallambulanzen, Geburtskliniken, Behandlungszentren für Drogenabhängige und auch an Gefängnismediziner. Die Ärzte sollten besonders auf Personen mit Grippebeschwerden oder anderen Infektionskrankheiten achten, da sich dahinter auch eine HIV-Infektion verbergen könne.

    Statt der bisher üblichen ausführlichen Aufklärung mit dem Signieren einer Einwilligung, soll künftig das „Opt-Out“-Prinzip gelten. Wer sich nicht explizit dagegen ausspricht, wird getestet, eine schriftliche Einwilligung wird es nicht mehr geben. Hoch-Risiko-Patienten sollen einmal jährlich getestet werden.

    Als Rechtfertigung für das generelle HIV-Screening wird auch die Gefahr einer HIV-Übertragung von infizierten Müttern auf ihre Kinder genannt. Die Zahl dieser materno-neonatalen Transmissionen ist allerdings in den USA deutlich von 1650 in 1991 auf heute 240 gesunken.

    Die neuen Empfehlungen sind das Ergebnis eines längeren Entscheidungsprozesses, der 1999 mit einer Empfehlung des Institute of Medicine begann. Beteiligt waren auch ärztliche Fachgremien. Die American Medical Association (AMA) hat den neuen Leitlinien auch sofort zugestimmt. Ablehnend äußerten sich Bürgerrechtler wie die American Civil Liberties Union. Sie befürchtet, dass die Mitteilung einer Diagnose viele Infizierter unvorbereitet treffen werde.

    Deutsches Ärzteblatt vom 22. September 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Roche löst Versprechen ein

    Der Basler Pharmakonzern Roche hat erstmals drei afrikanischen Firmen die Bewilligung zur lokalen Produktion eines Aids-Medikamentes erteilt. Weitere Bewilligungen sollen folgen.

    Gegenüber dem Technologietransfer-Programm, das im Januar vorgestellt worden war, hatten Entwicklungs-Organisationen Skepsis geäußert.

    Es handelt sich um ein Unternehmen in Südafrika sowie um zwei Firmen in Kenia, wie Roche am Freitag bekannt gab. Roche stellt diesen Unternehmen unentgeltlich das technische Know-how zur Herstellung eines Anti-HIV-Generikums zur Verfügung.

    Dieses stützte sich auf den Produktionsprozess für Saquinavir, ein Roche-Medikament zur HIV-Zweitlinientherapie, so das Unternehmen weiter. Bei den drei Firmen handelt es sich um die südafrikanische Aspen Pharmacare sowie Cosmos Limited und Universal Corporation Limited in Kenia. Generika von Saquinavir werden von der Weltgesundheits-Organisation (WHO) zur Behandlung von HIV in den ärmsten Ländern der Welt empfohlen.

    Der Auftakt
    Die Vereinbarungen seien die ersten in einer Reihe von geplanten Maßnahmen im Rahmen des im Januar 2006 angekündigten Technologietransfer-Programms. Seither haben sich weitere 22 Unternehmen aus 14 Ländern für eine Beteiligung an dem Programm interessiert.

    Die Produktion ist in erster Linie für die HIV-Trägerinnen und -Träger in den beiden Ländern Südafrika und Kenia gedacht, aber auch für andere Staaten des Kontinents. In den afrikanischen Ländern südlich der Sahara leben 64% aller Menschen mit dem HI-Virus. Weltweit sind rund 40 Millionen Menschen mit HIV infiziert.

    "Wir begrüßen das Engagement der drei afrikanischen Unternehmen zugunsten eines eigenen und hochqualitativen Generikums von Saquinavir", sagte Lembit Rägo, Verantwortlicher für Qualitätsmanagement bei der WHO.

    Kritik der NGO
    Die Ankündigung des Technologietransfer-Programms von Roche war bei der Nichtregierungs-Organisation (NGO) Erklärung von Bern (EvB) auf Kritik gestoßen. Das Angebot sei offensichtlich "eine reine Pr-Maßnahme", hiess es. Der Entscheid komme spät, weil die Lizenz für Saquinavir in immer mehr Ländern ablaufe, sagte Julien Reinhard, politischer Sekretär der EvB und zuständig für Gesundheitsfragen.

    Außerdem habe die Mehrheit der betroffenen Länder nicht die nötigen Kapazitäten zur Herstellung eines solchen Medikamentes. Ausnahmen seien Südafrika oder Bangladesch.

    swissinfo vom 22. September 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zunahme der „normalen“ Sterblichkeit bei HIV-Patienten

    New York - Seit Einführung der hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) haben HIV-Infizierte im Prinzip die Aussicht auf eine normale Lebenserwartung. Die Hoffnungen werden jedoch durch einen Anstieg von nicht-HIV-bedingten Todesfällen getrübt, wie die jüngste Auswertung eines US-Krankenregisters in den Annals of Internal Medicine (2006; 145: 397-406) zeigt.

    Das New York City HIV/Aids Reporting System verzeichnet bis Ende 2004 68.669 HIV-Infizierte. Die meisten haben heute Zugang zu HAART-Medikamenten, mit denen sich die Gefahr eines Aids-Todes abwenden lässt, vorausgesetzt, die Infektion wird rechtzeitig erkannt und konsequent behandelt. Seit 1999 ist es so zu einem deutlichen Rückgang der Sterberate an Aids um 49,6/10.000 Personen gekommen. Die HIV-Infizierten sterben jetzt mehr an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder nicht-HIV-bedingten Krebserkrankungen. Der Anteil der nicht-HIV-bedingten Todesfälle ist von 19,8 Prozent (1999) auf 32,8 Prozent (2004) gestiegen und dürfte in den nächsten Jahren weiter zunehmen.

    Dennoch sind die Todesursachen der HIV-Infizierten nicht identisch mit dem Rest der Bevölkerung. HIV-Infizierte bleiben eine spezielle Gruppe von Patienten. Mehr als drei Viertel aller nicht-HIV-bedingten Todesfälle sind bei den New Yorker HIV-Infizierten die Folge ihres Drogenmissbrauchs (Anteil 31 Prozent). Es folgen kardiovaskuläre Erkrankungen (24 Prozent) und nicht-HIV-bedingte Krebserkrankungen (21 Prozent). Der hohe Anteil der Drogentoten hängt mit dem hohen Anteil von i.v.-Drogenabhängigen unter den HIV-Infizierten zusammen. Die hohe Rate von kardiovaskulären Erkrankungen (bei den im Durchschnitt erst 46 Jahre alten Personen) könnte eine negative Auswirkung der Infektion oder der zu ihrer Behandlung eingesetzten Medikamente sein. So haben viele Substanzen ungünstige Auswirkungen auf den Lipid- und Glucosestoffwechsel, was das kardiovaskuläre Risikoprofil verschlechtert. Folge: Im Alter von über 55 Jahren ist die koronare Herzkrankheit zur häufigsten nicht-HIV-bedingten Todesursache geworden. Angestiegen ist auch die Rate der Lungenkrebsfälle.

    Die Erstautorin der Studie, die Epidemiologin Judith Sackoff von der Columbia Universität in New York, sieht deshalb einen gestiegenen Betreuungsbedarf der HIV-Infizierten für allgemeinmedizinische Erkrankungen. Benötigt wurden Angebote zur Raucherentwöhnung, eine Krebsfrüherkennung sowie eine intensive Behandlung von chronischen Störungen wie Diabetes oder Hypertonie, welche die Patienten heute mehr gefährden als die HIV-Infektion selbst. Gleichzeitig können die chronischen Erkrankungen nicht getrennt von der Infektion betrachtet werden, denn nach Auskunft der Editorialistin Judith Aberg von der New York Universität steigern niedrige CD4-Zahlen auf die Dauer auch das Risiko von nicht-HIV-bedingten Erkrankungen.

    Die Daten sind nur bedingt auf Deutschland übertragbar. Die HIV-Epidemie ist in New York eine Erkrankung der Farbigen. Weniger als 20 Prozent der Patienten sind weiß. Außerdem ist die Verelendung größer als hierzulande. Etwa 60 Prozent der HIV-Infizierten in New York leben in Armut.

    Deutsches Ärzteblatt vom 19. September 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Mehr depressive HIV-Infizierte

    Münster - Die Zahl der HIV-Infizierten mit Depressionen nimmt nach Einschätzung von Experten zu. Gründe seien, daß die Patienten aufgrund der guten Therapien und längeren Lebenszeiten heute viel länger als früher den Problemen ihres sozialen Umfeldes ausgesetzt seien, aber auch die mit den längeren Therapiezeiten verknüpften Nebenwirkungen, sagte Professor Ingo Husstedt von der Uniklinik Münster beim "Münsteraner Tag der HIV-Infektion 2006". Genaue Zahlen nannte er nicht.

    Etwa 30 Prozent der HIV-Infizierten hätten zudem Demenz-Symptome wie Vergeßlichkeit, was auch zu Depressionen führe. "Die Gefahr besteht, daß diese Menschen ihre Therapie abbrechen und dadurch ihre Lebenszeit erheblich verkürzen".

    Ärzte-Zeitung vom 18. September 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aids bedroht Pygmäen

    Übergriffe durch Milizen reißen nicht ab

    Kinshasa - Jahrelang war das Volk der Pygmäen im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo (DRC) gewaltsamen Übergriffen durch Regierung und Milizen ausgesetzt. Vergewaltigungen waren an der Tagesordnung. Jetzt droht das HI-Virus zu einer tödlichen Gefahr zu werden.

    Mehr als eine Million Kongolesen sind nach Angaben des Kinderhilfswerks UNICEF HIV-positiv. 2005 war die erwachsene Bevölkerung zu 4,2 Prozent betroffen. Nicht bekannt ist, wieweit das tödliche Virus innerhalb der Pygmäen-Gemeinschaft verbreitet ist. Die Organisation 'Refugees International' schätzte die Zahl der Pygmäen, die auch Batwa genannt werden, im Jahr 2.000 auf rund 80.000.

    Vermutlich ist die HIV-Rate unter Pygmäen in der Provinz Südkivu geringer als die in der ganzen DRC, doch Armut, soziale Ausgrenzung und der mangelnde Zugang zu medizinischer Versorgung könnten für eine schnelle Verbreitung des tödlichen Virus sorgen.

    Erschwerend kommt hinzu, dass die gewalttätigen Übergriffe durch Milizen nicht abreißen. Der Kahuzi-Biega-Nationalpark, Heimat der Berggorillas, ist zum militärischen Stützpunkt der Interahamwe-Milizen geworden. Die Rebellen werden für den Völkermord in Ruanda von 1994 verantwortlich gemacht und kontrollieren den Handel mit Rohstoffen wie Coltan, die im Osten des Kongo abgebaut werden.

    Die Bewohner der Batwa-Siedlung Chombo sind auch weiterhin Übergriffen durch die Milizen ausgesetzt. Viele Frauen werden vergewaltigt und oft für Wochen in das Lager der Rebellen verschleppt. Dabei infizieren sich viele mit dem tödlichen Virus. Auf die Behandlungen in den wenigen Gesundheitszentren wird nur selten zurückgegriffen, da die meisten Betroffenen sich weder eine Beratung noch eine Therapie leisten können. Zudem sind viele Pygmäen unterernährt und nehmen allenfalls eine Mahlzeit am Tag zu sich, was den Krankheitsverlauf beschleunigt.

    Auch wenn die lebensverlängernden Aidsmedikamente etwa von Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen gratis vergeben werden, hat die Mehrheit der Pygmäen keinen Zugang zu ihnen. Nicht selten sind die Ausgabestellen bis zu 25 Kilometer entfernt.

    Afrika Info vom 15. September 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Primäre Kombitherapie gegen HIV in Bewegung

    Tenofovir und Emtricitabin mit Standard verglichen

    Hamburg - Die HIV-Ersttherapie setzt sich heute aus zwei nukleosidalen Reverse-Transkriptase-Hemmern (NRTI) und einer dritten antiviralen Substanz zusammen. Aufgrund aktueller Studienergebnisse zeichnet sich jetzt ein Wechsel der NRTI-Partner vom Standard Azidothymidin (AZT) plus Lamivudin (3TC) zu Tenofovir plus Emtricitabin ab.

    Die Überlegenheit der beiden neuen Partner geht aus der vorläufigen Auswertung der 96-Wochen-Daten der offenen, randomisierten Vergleichsstudie GS-934 hervor.

    In dieser Studie erhielten 509 bisher nicht behandelte HIV-Patienten entweder die NRTI Tenofovir (TDF; Viread®) und Emtricitabin (FTC; Emtriva®) als Einzelsubstanzen einmal täglich oder die beiden NRTI AZT und 3TC als fixe Kombination zweimal täglich. Sie wurden jeweils kombiniert mit dem nicht-nukleosidalen Revers-Transkriptasehemmer (NNRTI) Efavirenz einmal täglich.

    Die Auswertung nach 48 Wochen ergab - wie berichtet - eine signifikante virologische und immunologische Überlegenheit von TDF plus FTC im Vergleich zu AZT / 3TC. Auch nach 96 Wochen ist TDF plus FTC beim primären Endpunkt - weniger als 400 HIV-RNA Kopien pro Milliliter Blut - weiterhin signifikant effektiver gewesen. Das hat Professor Schlomo Staszewski von der Universität Frankfurt am Main auf einer vom Unternehmen Gilead ausgerichteten Veranstaltung in Hamburg betont.

    Diesen Endpunkt erreichten nach 96 Wochen in der Intent-To-Treat-Analyse mit 75 Prozent signifikant mehr Patienten bei TDF plus FTC als bei AZT/3TC mit 62 Prozent. Das schärfere Kriterium von weniger als 50 HIV-RNA-Kopien erreichten 67 Prozent und 61 Prozent. Die CD4-Zellzahl nahm in der TDF / FTC-Gruppe bis zur 96. Woche um 270 und in der AZT/3TC-Gruppe um 237 Zellen / Mikroliter Blut zu.

    Auch bei der Abbruchrate schnitt nach Staszewskis Angaben TDF plus FTC besser ab: So beendeten wegen des Anstiegs der Virusmenge weniger als ein Prozent der Patienten mit TDF plus FTC die Therapie. Mit AZT / 3TC waren es fünf Prozent. Wegen unerwünschter Wirkungen taten das fünf im Vergleich zu zwölf Prozent.

    Die Studie biete außerdem die Möglichkeit, Langzeit-Nebeneffekte der Therapie zu prüfen, so Staszewski. So stieg das Körpergewicht, das bei unbehandelten HIV-Infizierten wegen des erhöhten Grundumsatzes abnimmt, mit TDF plus FTC signifikant mehr - 0,5 kg im Vergleich zu 2,7 kg. Und ein Verlust des Gesamt-Extremitätenfetts kam nur bei AZT / 3TC vor, bei TDF plus FTC-nicht.

    Ärzte-Zeitung vom 15. September 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    137 Aids Aktivisten wollen Asyl

    Ottawa - 137 Delegierte der Welt-Aids-Konferenz, die vergangenen Monat in Toronto stattfand, haben Asyl in Kanada beantragt. Darunter befinden sich Frauen und Männer aus Südafrika, El Salvador, Eritrea, Uganda und Simbabwe, wie kanadische Agenturen melden. Als Grund gaben sie an, dass ihnen lebensrettende Medikamente in ihrem Heimatland vorenthalten werden würden.

    Besonders viele der Asylbewerber kämen aus Südafrika, nachdem sich Gesundheitsministerin Manto Tshabalala-Msimang über die Aids-Konferenz lustig gemacht hat. "Was die dort tun, ist bla, bla, bla", sagte sie in einem Interview mit dem "Toronto Star". "Ich höre ihnen nicht zu." Sie selbst behauptete, dass eine gesunde Ernährung sowie Rüben-, Knoblauch- und Zitronenextrakte Aids bekämpfen könnten. Die Regierung von Südafrika wurde zum Abschluss der Konferenz wegen ihrer "fahrlässigen" Aids-Politik scharf kritisiert.

    Gay-Industries - Meldung vom 14. SeptemberInhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aggressives HIV bei drei weiteren Homosexuellen

    New York - Ärzte und Wissenschaftler in New York haben inzwischen bei drei weiteren HIV-Infizierten multiresistente Aids-Erreger entdeckt, die genetisch jenem Virus sehr ähnlich sind, das vor fast zwei Jahren bei einem Homosexuellen nachgewiesen wurde.

    Die Krankengeschichte des Mannes hatte Aufsehen erregt, weil er unerwartet innerhalb weniger Monate an Aids erkrankt war und wegen seiner Promiskuität eine rasche Verbreitung des aggressiven Virus befürchtet worden war.

    Wie die US-Centers for Disease Control and Prevention berichten, stimmen die Viren der vier HIV-Infizierten im Gen "pol" zu mehr als 95 Prozent überein (MMWR 55, 2006, 1226).

    Veränderungen in dem Gen sind Ursache für Resistenzen gegen die meisten antiretroviralen Mittel bei den Männern. Nachforschungen der Ärzte lassen vermuten, dass die vier Männer sich gegenseitig infiziert hatten, weil sie angaben, bei den gleichen Treffen sexuell aktiv gewesen zu sein.

    Ärzte-Zeitung vom 14. September 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Münsteraner Tag der HIV Infektionen 2006

    Neue Verfahren der AIDS-Behandlung haben die Lebenserwartung betroffener Patienten in den letzten zehn Jahren deutlich erhöht. Gleichwohl ist auf der anderen Seite die Zahl neu diagnostizier HIV-Infektionen in Deutschland weiter drastisch gestiegen und lag 2005 bereits bei rund 2500. Trotz vieler neuer Medikamente und erheblicher Forschung weltweit besteht aus Sicht von Experten derzeit keine begründete Aussicht auf Heilung von HIV und AIDS in den nächsten Jahren. Die wichtigste Maßnahme ist also nach wie vor die Prävention. Die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der HIV-Medizin sind am kommenden Samstag, 16. September 2006, Thema eines Symposiums am Universitätsklinikum Münster (UKM). Durchgeführt wird der von 9 bis 13 Uhr im Hörsaal L 20 im Lehrgebäude des Klinikums stattfindende „Münsteraner Tag der HIV-Infektion 2006“ von der interdisziplinären Arbeitsgruppe HIV-Infektion am UKM.

    Fast 25 Jahre sind seit der Erstbeschreibung von AIDS in den USA und Frankreich vergangen. Seit der Einführung der aus einer Kombination dreier Medikamente bestehenden hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) als Standardtherapie überleben die Patienten viel länger bei guter Lebensqualität. Allerdings verlangt diese Therapie von den behandelten Patienten ein hohes Maß an Bereitschaft, die zum Teil komplexen Medikamenten-Einnahmeschemata und Nebenwirkungen mitzutragen. Die drastische Zunahme der Neuinfektionen wird unter anderem auch als Reaktion auf die verbesserte Langzeitprognose gesehen. .

    Eröffnet wird das Symposium mit einem Beitrag zum Thema HIV und Depression. Gerade depressive Episoden werden häufig nur schwer erkannt, obwohl sie richtungsweisende Bedeutung für die weitere Therapie der HIV-Infektion und für die Einhaltung der Therapie haben. Depressionen und Hoffnungslosigkeit führen häufig dazu, dass Patienten die Behandlung der HIV-Infektion abbrechen, mit allen negativen Folgen für die Patienten selber und alle Sozialsysteme. Ein häufiges Problem stellen auch Schmerzen dar. Je nach Stadium der HIV-Infektion leiden 40 bis 80 Prozent der Patienten insbesondere unter Kopfschmerzen oder Schmerzen im Zusammenhang mit Erkrankungen des peripheren Nervensystems. Die Differentialdiagnose und Behandlung von Kopfschmerzen und Polyneuropathien bildet daher einen weiteren Schwerpunkt der Veranstaltung.

    Weiteres Thema ist die Behandlung der HIV-Infektion bei Schwangeren. Sie erfordert besondere Kenntnisse und eine Kooperation zwischen Internisten und Gynäkologen. Frühe Diagnostik und Therapie ist hier von besonderer Bedeutung, da das Risiko der Infektion Neugeborener auf zwei Prozent gesenkt werden kann. Ohne Therapie liegt das Risiko bei 30 Prozent. Erörtert werden darüber hinaus Nebenwirkungen von HAART, die insbesondere in Anbetracht der langen Therapiedauer zunehmend an Bedeutung gewinnen. Wie bei dem Symposium deutlich werden wird, führt das HI-Virus auch zu Veränderungen der Nierenfunktion. Die Kenntnis der speziellen Diagnostik und Therapie sind unabdingbar für Ärzte, die Patienten mit HIV-Infektionen behandeln.

    Neben der steigenden Anzahl von Patienten mit HIV-Infektion nimmt auch die Zahl von Patienten, die an Syphilis erkrankt sind, in letzter Zeit erheblich zu. Die frühe Diagnostik und Therapie der Syphilis bei Patienten mit und ohne HIV-Infektion gewinnt damit auch in Deutschland wieder zunehmend an Bedeutung. Für Patienten mit HIV-Infektionen ist die Behandlung bei gleichzeitig bestehender Syphilis umso wichtiger, da jede weitere Infektion neben der HIV-Infektion zu einem rascheren Fortschreiten der HIV-Infektion selber führt. Zum Abschluss der Veranstaltung wird der aktuelle Stand der antiretroviralen Therapie im Vollbild AIDS bei bisher nicht Behandelten dargestellt. Die Leitung und Organisation der Veranstaltung, die in Kooperation mit der Akademie für Ärztliche Fortbildung der Ärztekammer Westfalen Lippe sowie der Deutschen Neuro-AIDS-Arbeitsgemeinschaft durchgeführt wird, liegt bei Dr. Doris Reichelt, Dr. Ulf Könne, Prof. Dr. Dr. Stefan Evers und Prof. Dr. Ingo W. Husstedt von der interdisziplinären Arbeitsgruppe HIV-Infektion am UKM. Erwartet werden rund 150 Teilnehmer, wobei auch Betroffene herzlich willkommen sind.

    Universitätsklinikum Münster - Pressemeldung vom 13. September 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zweijährig wirksame Therapie?

    "Durchbruch" gemeldet - Beschreibung der dreimonatigen Therapie gibt es jedoch nicht.

    Teheran/Wien - Iranische Wissenschaftler sollen nach Angaben der Regierung in Teheran eine neue erfolgreiche Methode zur Behandlung von Aids entwickelt haben. Eine dreimonatige Therapie habe bei Patienten mit der Immunschwächekrankheit eine zwei Jahre anhaltende Wirkung, sagte Gesundheitsminister Kamran Baqeri Lankarani am Dienstag nach Angaben der amtlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA.

    Ein Durchbruch?
    Iranische Medien hatten schon vor einiger Zeit berichtet, den Wissenschaftlern ihres Landes sei ein "Durchbruch" bei der Behandlung von Aids gelungen. Nun sei durch Minister Lankari die lang erwartete offizielle Bekanntgabe erfolgt, schrieb IRNA. Während bei bisherigen Behandlungsformen die Wirkung nur für die Zeit der Verabreichung der Medikamente anhalte, müssten die Patienten bei der neuen Methode lediglich drei Monate lang therapiert werden, damit der Effekt zwei Jahre andauere.

    Der Minister fügte hinzu, derzeit sei noch nicht abzusehen, ob die Wirkung bis zum Lebensende der Patienten anhalte. Lankarani äußerte sich bei einer Regionalkonferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der iranischen Stadt Isfahan.

    Keine Angaben zur Art der Behandlung
    Im englischsprachigen Dienst der IRNA wurde die vom iranischen Minister erwähnte Behandlungsmethode nicht näher erläutert. Anlässlich der Eröffnung einer - im Ausland mit Misstrauen angesehenen - Schwerwasser-Anlage in der Stadt Arak Ende August hatten Verantwortliche der iranischen Atombehörde erklärt, die Einrichtung diene unter anderem medizinischen Zwecken, etwa der Behandlung von Aids und Krebs.

    Tatsächlich können in einem mit schwerem Wasser (Deuteriumoxid) moderierten Atommeiler Neutronenstrahlen zur Tumorbekämpfung erzeugt werden (wie etwa im Forschungsreaktor FRM-II im bayerischen Garching). Westliche Experten weisen aber auch darauf hin, dass in Schwerwasserreaktoren das zur Atombombenherstellung verwendbare Plutonium in größeren Mengen anfällt.

    Der Standard – Meldung vom 13. September 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Uganda lässt Arznei verfallen

    Kampala - Die ugandischen Behörden haben Medikamente für HIV-Infizierte im Wert von 550 000 Euro verfallen lassen. Die Medikamente seien vom Globalen Fonds für die Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose finanziert worden, berichtete die kenianische Zeitung "The East African".

    Es seien versehentlich zuerst Medikamente mit einer längeren Haltbarkeit verteilt worden. In Uganda werden von den etwa 150.000 HIV-Infizierten, die die Medikamente dringend benötigen, lediglich 78.000 damit versorgt. Die zuständige Behörde erklärte die Verwechslung mit logistischen Problemen. Eine Sprecherin des Globalen Fonds in Genf konnte dies zunächst nicht bestätigen.

    Ärzte-Zeitung vom 13. September 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Der VI. Konrad Lutz Preis: Aufruf zur Teilnahme

    Motto "miteinander - füreinander" – Verleihung 2007 in Frankfurt.

    München - Der VI. Konrad Lutz Preis steht unter dem Motto "miteinander - füreinander". Die Gewinner des aktuellen Gestaltungswettbewerbs für Menschen mit HIV und Aids werden im Rahmen des Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongresses vom 27. bis 30. Juni 2007 in Frankfurt ausgezeichnet. Die Träger des Konrad Lutz Preises sind Netzwerk plus, das bundesweite Netzwerk der Menschen mit HIV und Aids und das Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline. Schirmherrin ist Claudia Roth, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.

    "Der Konrad Lutz Preis ist seit seiner Gründung 1998 zur Institution geworden. Es besteht eine große Akzeptanz unter HIV-Positiven und ihren Angehörigen, die stetig weiter wächst. Der Preis steht dafür, Brücken zu schlagen zwischen Menschen mit und ohne Infektion. Bilder ermöglichen es, sich emotional mit den Erfahrungen von Betroffenen auseinanderzusetzen", so Guido Scholze, Product Manager HIV bei GlaxoSmithKline.

    Bis zum 30. März 2007 können Bilder zum Motto "miteinander - füreinander" eingesendet werden. Eine unabhängige Jury wählt die 13 besten anhand der Kriterien "Umsetzung des Mottos" und "künstlerische, technisch-malerische Ausführung". Mitmachen dürfen HIV-Positive und ihr engstes Umfeld. Der erste Preisträger erhält 1.500 EUR, der zweite 1.000 EUR, der dritte 800 EUR, es gibt zehn Anerkennungen à 400 EUR. Ein Online-Publikumspreis wird mit 800 EUR dotiert.

    Der Konrad Lutz Preis trägt den Geist und das Engagement eines der ersten deutschen Aufklärer über HIV/Aids in die heutige Zeit. Konrad Lutz war ein gesellschaftskritischer Münchner Filmemacher, der sich als Dialysepatient mit HIV infizierte. Er dokumentierte im Film "Coming Out" die Zeit des bayerischen AIDS-Maßnahmenkatalogs und setzte sich mit aller Kraft in der Aidshilfe ein. 1990 starb er an den Folgen der Krankheit.

    Ausschreibungsunterlagen zum VI. Konrad Lutz Preis können unter Email: klp@add-coop.de oder Telefonnummer: 089/189385-50 angefordert werden und stehen als Download unter www.hiv-info.de zur Verfügung. Die Stationen und Daten der Wanderausstellung zum V. Konrad Lutz Preis sind ebenfalls unter www.hiv-info.de zu finden.

    GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG - Pressemeldung vom 11. September 2006 Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neues Medikament Maraviroc

    "Wir sind in der letzten Phase der klinischen Tests" - Zulassungsantrag für neues Aids-Medikament noch 2006

    Seoul - Der weltweit größte Pharmakonzern Pfizer will für sein neues Aids-Medikament Maraviroc noch in diesem Jahr einen Zulassungsantrag in den USA und anderen Ländern einreichen.

    Maraviroc gehört zu einer neuen Gattung von Aids-Medikamenten und soll das HI-Virus noch vor dem Eintritt in die menschlichen Zellen stoppen.

    Die meisten herkömmlichen Aids-Medikamente wirken innerhalb der menschlichen Immunzellen. Zu ihren Nebenwirkungen gehören unter anderem Blutarmut, Durchfall oder Organversagen. Medikamentenhersteller arbeiten deswegen an Alternativen.

    Pfizer ist auf der Suche nach neuen Wachstumsbringern, weil viele seiner Produkte in der nächsten Zeit ihren Patentschutz verlieren. 2005 erwirtschaftete der Konzern bei einem Umsatz von 51 Milliarden Dollar (40,1 Mrd. Euro) einen Gewinn von 8,1 Milliarden Dollar (6,36 Mrd. Euro).

    Der Standard - Meldung vom 7. September 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Ausbruch von Lymphogranuloma venereum* in Österreich

    Auftreten von STD-Infektionen mit C. trachomatis L2 bei einer Gruppe von HIV-positiven homosexuellen Männern in Wien.

    Seit dem Jahr 2002 wird in einigen westeuropäischen Ländern, wie etwa den Niederlanden, Frankreich oder Deutschland vom Auftreten einer seltenen, durch Chlamydia trachomatis Serotyp L1-L3 verursachten Geschlechtskrankheit, dem Lymphogranuloma venereum (LGV), berichtet.

    Diese Infektion kommt endemisch in tropischen und subtropischen Regionen, aber nur sporadisch in Nordamerika und Europa vor und ist durch einen chronischen Verlauf mit drei Stadien gekennzeichnet. Im Gegensatz zu anderen anogenitalen Chlamydieninfektionen handelt es sich um eine invasive Infektion, die in erster Linie das Lymphgefäßsystem betrifft.

    Die Primärläsion, welche an der Eintrittspforte als kleine schmerzlose, teilweise exulzerierende Papel auftritt, bleibt meist unbemerkt und heilt nach kurzer Zeit auch ohne Behandlung ab. Einige Wochen später kommt es zu einer akuten, sehr schmerzhaften regionären, teilweise einschmelzenden Lymphknotenschwellung verbunden mit Allgemeinsymptomen. Beim inguinalen Syndrom tritt die Lymphknotenschwellung in der Leiste auf, beim genitorektalen Syndrom geht eine schwere hämorrhagische Proktokolitis mit einer Schwellung der peri-rektalen Lymphknoten einher. Erfolgt keine Behandlung kommt es zur Bildung von Fisteln und Strikturen, und die chronische Entzündung der Lymphgefäße führt zu einem progressiven Lymphödem mit Fibrosierung bis hin zur genitalen Elephantiasis.

    Das LGV ist in Österreich in den letzten 10 Jahren nicht mehr aufgetreten. Während des letzten Jahres sind nun an der Universitätshautklinik Wien bisher neun Fälle von Lymphogranuloma venereum diagnostiziert worden. Wie auch von den anderen Ländern berichtet, handelt es sich bei den Betroffenen in der Mehrzahl um HIV-positive, homosexuelle Männer mit schwerer, ulzerativer Proktitis, in einem Teil der Fälle verbunden mit Fieber und Allgemeinsymptomen. Somit ist das LGV eine wichtige Differentialdiagnose bei entzündlichen Prozessen des Rektums, bzw. von sexuell übertragbaren Erkrankungen mit Affektion der regionären Lymphknoten, wie etwa einer Frühsyphilis, insbesondere bei der genannten Risikogruppe.

    Routineverfahren zur Diagnostik sind nicht verfügbar, mit den herkömmlichen molekularbiologischen Verfahren wird zwar C. trachomatis erfasst, eine Subtypisierung zum Beweis von C. trachomatis L1-L3 erfordert eine weitere Sequenzierung des PCR Produkts. Die Behandlung des LGV besteht entsprechend internationaler Richtlinien in der Gabe von Tetracyclinen in einer Tagesdosis von 200 mg über 3 Wochen.

    MedAustria bedankt sich ganz herzlich bei Frau Prof.Dr. Alexandra Geusau sowie ihren Kollegen Georg Stary und Armin Rieger von der Medizinischen Universität Wien, Abteilung für Immundermatologie und Infektiöse Hautkrankheiten für diesen interessanten Artikel. Gleichzeitig dürfen wir auf den auch schon von der Ärztekammer verteilten Aufruf der Abteilungverweisen, in dem niedergelasssene DermatologInnen um Mithilfe gebeten werden.

    *Das Lymphogranuloma venereum ist eine seltene, durch Chlamydia trachomatis Serotyp L1-L3 übertragene Geschlechtskrankheit, die in Österreich in den letzten 10 Jahren nicht mehr aufgetreten bzw. diagnostiziert worden ist. Diese Erkrankung kommt endemisch in tropischen und subtropischen Regionen, aber nur sporadisch in Nordamerika und Europa vor und ist durch einen chronischen Verlauf mit drei Stadien gekennzeichnet. Die Primärläsion tritt an der Eintrittspforte als kleine schmerzlose Papel auf, welche später exulzeriert, meist unbemerkt bleibt und nach kurzer Zeit auch ohne Behandlung abheilt. Einige Wochen später kommt es zu einer akuten, sehr schmerzhaften regionären Lymphknotenschwellung verbunden mit Allgemeinsymptomen, dem Sekundärstadium. Beim inguinalen Syndrom tritt die Lymphknotenschwellung in der Leiste auf, beim genitorektalen Syndrom geht eine schwere hämorrhagische Proktokolitis mit einer Schwellung der perirektalen Lymphknoten einher.

    Den Aufruf finden Sie unter folgendem link (PDF-File) http://inx.aekwien.at:8080/inxmail/url?vqqc00004oq00bxvs3a14

    Med Austria - News vom 6. September 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aids-Aufklärung für Schwerhörige

    Comics in Zeichensprache

    Johannesburg - In Südafrika ist erstmals ein Comic zu HIV/Aids erschienen, der speziell für Schwerhörige entwickelt wurde. Auf die herkömmlichen Sprechblasen wurde ganz verzichtet. Stattdessen verwenden die gezeichneten Figuren die Südafrikanische Zeichensprache (SASL).

    Das 14 Seiten umfassende Heft 'Are Your Rights Respected?' wurde von 'Gay and Lesbian Archives' (GALA) entwickelt, einem unabhängigen Projekt der 'South African History Archives' (SAHA) an der Universität Witwatersrand in Johannesburg. Finanziert wurde das Projekt von der südafrikanischen 'Foundation for Human Rights'.

    Das Buch, das an Gehörlosenschulen im ganzen Land verteilt werden soll, schildert den Schulalltag einer Gruppe von Gehörlosen. Es spricht Themen wie Sexualität, Aidsprävention und das Recht auf Bildung und Gesundheit an, ebenso die Probleme beim Zugang zu HIV-Informationen.

    Rund 500.000 schwerhörige Südafrikaner verständigen sich in der Zeichensprache SASL. Zu ihnen zählt auch der gehörlose Künstler Tommy Motswai, der den Comic illustriert und zusammen mit anderen Gehörlosen entwickelt hat. Die wenigen Textelemente haben die Form von SMS-Mitteilungen. Auf Sprechblasen sei verzichtet worden, "weil sie aus der Welt der Hörenden stammen und Gehörlose zu ihnen keine Beziehung haben", so der Illustrator.

    "Obwohl Schwerhörige in Südafrika eine der größten Behindertengruppen darstellen, sind sie politisch, sprachlich, sozial und wirtschaftlich ausgegrenzt und von Informations- und Bildungsangeboten über HIV/Aids und andere Themen der Sexualität ausgeschlossen", erklärte Edwin Cameron, Richter am Obersten Gerichtshof und bekannter Aidsaktivist, bei der Veröffentlichung des Buches in Johannesburg. So hätten auch die nationalen HIV/Aids-Aufklärungskampagnen Menschen mit Behinderungen bisher vernachlässigt. Südafrika hat mit 21 Prozent einer der höchsten Aidsraten der Welt.

    Zusätzliche Informationen im Internet: http://www.wits.ac.za/gala/

    Afrika Info vom 6. September 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Forschungserfolg gegen Aids

    New York - In der Forschung gegen Aids ist es einem amerikanisch-kanadischen Forscherteam erstmals gelungen, einen Fehler in der Immunreaktion gegen HIV zu entdecken und auch zu beheben. Diese Entdeckung könnte zu einer neuen Therapie gegen die Immunschwäche Aids führen.

    Die Wissenschaftler der Universitäten Harvard und Montreal untersuchten die so genannten T-Zellen des Immunsystems, die eigentlich HIV-infizierte Zellen abtöten sollen. Das Virus kann diese T-Zellen jedoch einfach ausschalten, indem es einen bestimmten Hemmstoff dieser Zellen aktiviert, das Protein PD-1. Je stärker dieses Protein vorhanden ist, desto eingeschränkter waren die Funktion der T-Zellen und desto höher die Virusbelastung von Aids-Patienten.

    Allerdings waren die T-Zellen lediglich außer Gefecht gesetzt und nicht beschädigt: Blockierten die Forscher PD-1, so wurden die T-Zellen laut Bericht der Fachzeitschrift «Nature» wieder voll funktionsfähig.

    Da es bereits Mittel gibt, die PD-1 blockieren, könnten klinische Studien in absehbarer Zeit beginnen. Harvard-Forscher Bruce Walker warnt jedoch vor zu hohen Erwartungen: Es sei nicht absehbar, wie ein solcher Eingriff sich auf das gesamte Immunsystem auswirke.

    http://www.nature.com/nature/journal/vaop/ncurrent/extref/nature05115-s1.pdf

    Nature Onlineausgabe vom 1. September 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Pflichttest für Schwangere gefordert

    Beschneidungen können möglicherweise bei Männern das Risiko einer HIV-Infektion senken.

    Berlin - Zum Beginn des 6. Berliner Aids-Kongresses haben Ärzte und Wissenschaftler einen verbindlichen HIV-Test für Schwangere gefordert. Ein HIV-Test sei im Mutterpass noch immer nicht festgeschrieben, kritisierte Ulrich Marcus, Aids-Experte am Berliner Robert Koch-Institut (RKI). Der zuständige Bundesausschuss berate bereits seit anderthalb Jahren über diese Frage.

    Vor dem Hintergrund der wachsenden Zahl von Aids-Neuinfektionen in Deutschland sei die Schwangerschaftsvorsorge wichtig, betonte Marcus am Donnerstag auf dem Berliner Kongress "HIV im Dialog". Ohne HIV-Diagnose gibt es ein 25-prozentiges Risiko, dass sich die Immunschwäche-Krankheit der Mutter auf ihr Kind überträgt. Mit dem Wissen um HIV könnten Ärzte dieses Risiko durch eine gezielte Behandlung auf 2 Prozent senken. Es liege heute jedoch allein an den Frauenärzten, ob sie mit Schwangeren über HIV redeten, sagte die Ärztin Christiane Cordes, Vorstandsmitglied des Berliner Arbeitskreises Aids.

    Die Zahl der HIV-Neuinfektionen steigt nach Angaben des RKI in Deutschland weiter an. 2005 wurden 2490 Meldungen registriert, 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Gründe für den Anstieg sieht Experte Marcus unter anderem in vermehrtem ungeschützten Sex und einer wachsenden Zahl von Sexualpartnern. Mehr Neuinfektionen gibt es insbesondere unter homosexuellen Männern im Alter zwischen 25 und 45 Jahren.

    Bei HIV-positiven Männern nehme inzwischen auch die Zahl der Hepatitis-A und C-Fälle zu, berichtete Marcus. Diese Krankheiten seien sonst sexuell schwer übertragbar. Hepatitis-Infektionen verliefen bei Menschen mit HI-Virus wesentlich dramatischer und könnten zu schweren Leberstörungen führen.

    Mit einer neuen Plakatkampagne will die Berliner Aids-Hilfe insbesondere Jugendliche für die unheilbare Krankheit sensibilisieren. Auf den Plakaten sind niedliche Stofftiere zu sehen, die sich zum Beispiel Übergeben. Im Text ist zu lesen, dass eine HIV-Behandlung zu Erbrechen, ständigem Durchfall und Erektionsstörungen führen kann. Die Kampagne soll einer Verharmlosung des Themas HIV/Aids entgegenwirken.

    In Deutschland leben nach Schätzungen des RKI zurzeit rund 50.000 Menschen mit dem HI-Virus, in Berlin sind es rund 8000. Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 750 Menschen an den Folgen der Infektion.

    Auf dem Berliner Kongress im Roten Rathaus diskutieren bis Samstag rund 1.000 Ärzte, Wissenschaftler und Selbsthilfe-Gruppen über neue Strategien zur Aids-Behandlung- und Bekämpfung.

    Kölner Stadt-Anzeiger vom 31. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    AIDS-Impfstoffkonferenz Amsterdam

    Ergebnisse der klinischen Phase-1-Studie des Impfstoff-Kandidaten tgAAC09 in Deutschland, Belgien und Indien - Verträglichkeit und Sicherheit bestätigt.

    Bonn – Amsterdam / Bonn - Erste Zwischenergebnisse der klinischen Phase-1-Studie des Impfstoff-Kandidaten tgAAC09 (AAV2) in Deutschland, Belgien und Indien wurden auf der AIDS-Impfstoffkonferenz in Amsterdam (29.08.-01.09.06) vorgestellt. Wie das Biotechnologie-Unternehmen Targeted Genetics und die Internationale AIDS Impfstoff Initiative (IAVI) als Auftraggeber der Studie jetzt mitteilten, hat sich der Impfstoff als gut verträglich und sicher erwiesen. Bei dem Teil der Freiwilligen, der einmal mit der höchsten Dosierung geimpft wurde, konnte eine leichte Immunantwort beobachtet werden, bei den Probanden, die niedrige und mittlere Dosierungen erhielten, blieb eine Reaktion des Immunsystems aus. Der bei dieser Phase 1 Studie getestete Impfstoff-Kandidat soll einer HIV-Infektion vorbeugen.

    "Auch wenn wir angesichts der Komplexität der auf dem Weg zu einem Impfstoff noch zu lösenden Fragen nicht mit raschen Erfolgen rechnen können, muss intensiv weitergeforscht werden", sagte Dr. Ulrich Heide, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen AIDS-Stiftung. "Denn ohne Impfstoff wird es kaum gelingen, AIDS zu besiegen." Die Stiftung, die seit dem Jahr 2000 mit IAVI kooperiert, hatte diesen ersten klinischen Impfstofftest in Deutschland mit 100.000 Euro gefördert.  Ziel der 2004 begonnenen Studie, die in Deutschland am Universitätsklinikum Bonn und am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf durchgeführt wurde, war der Nachweis von Verträglichkeit, Sicherheit und Immunantwort, nicht aber der Wirksamkeit, die in weiteren Phase 2 und 3 Studien geprüft werden muss. In Indien ist die Studie noch nicht abgeschlossen.

    Der Leiter der Bonner Studie, Prof. Dr. Jürgen Rockstroh, nannte die vorläufigen Ergebnisse "zunächst enttäuschend, weil bei niedriger Dosierung keinerlei Immunantwort zu beobachten war." Die Studie lasse aber hoffen, "dass höhere Dosierungen, kürzere Impfabstände und eine veränderte Zusammensetzung des Impfstoffs in weiteren Studien zu besseren Ergebnissen führen werden", so Rockstroh. Positiv sei auch, dass in den Ländern, die zum ersten Mal an einer Studie teilnahmen, jetzt die Infrastruktur für Impfstoffforschung geschaffen sei. Weitere Studien würden auf jeden Fall folgen, möglicherweise auch in Bonn.

    Der Impfstoff-Kandidat, der von Targeted Genetics Corp. und dem Kinderforschungsinstitut Columbus Children's Research Institute (CCRI) entwickelt worden ist, wurde in Deutschland und Belgien an 50 und in Indien an 30 Probanden getestet. Alle Probanden waren nicht mit dem HI-Virus infiziert sowie in gesunder körperlicher Verfassung. Weitere Studien von tgAAC09 wurden vor kurzem in Uganda, Südafrika und Sambia begonnen, um die Wirkung höherer Dosierungen und wiederholter Impfungen zu untersuchen.

    Informationen über IAVI
    IAVI ist eine weltweit tätige gemeinnützige Organisation, die sich die beschleunigte Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes zum Schutz vor einer HIV-Infektion und AIDS zum Ziel gesetzt hat. Die im Jahr 1996 gegründete und derzeit in 23 Ländern aktive Organisation finanziert wissenschaftliche Partnerschaften zur Erforschung und Entwicklung von AIDS-Impfstoffkandidaten.

    Informationen über Targeted Genetics
    Targeted Genetics Corp. (NASDAQ:TGEN; www.targetedgenetics.com) ist ein Biotechnologie-Unternehmen, das gentechnische Produkte zum Schutz vor und zur Behandlung von Infektions- und Erbkrankheiten entwickelt, darunter die Schwerpunkte Mukoviszidose, HIV/AIDS sowie Arthritis. Darüber hinaus beschäftigt sich das Unternehmen mit vielversprechenden Entwicklungen im Kampf gegen Hämophilie und Krebs, einer großen Bandbreite von Gentechnologien sowie einer vielversprechenden Technologie in Bereich der Zelltherapie, die von dem Tochterunternehmen CellExSys entwickelt wird.

    Informationen über CCRI
    Das Kinderforschungsinstitut Columbus Children's Research Institute (CCRI; www.ccri.net), Columbus, Ohio, erforscht durch umfassende Arbeiten, die von der Grundlagenforschung im Bereich der Molekularbiologie bis hin zur angewandten, patientenorientierten Forschung reichen, neuartige Ansätze im Kampf gegen Krankheiten. CCRI hat sich der Verbesserung der gesundheitlichen Situation von Kindern und ihren Familien auf lokaler, nationaler und globaler Ebene verschrieben.

    Deutsche AIDS-Stiftung - Pressemeldung vom 30. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Efavirenz punktet bei Vergleich in der Ersttherapie gegen HIV

    Mit Transkriptase-Hemmer kommt es später zum virologischen Therapieversagen / Auch Protease-Hemmer virologisch und immunologisch aktiv.

    Toronto - Bei bisher nicht behandelten HIV-Patienten kommt es mit dem nicht nukleosidalen Reverse Transkriptasehemmer (NNRTI) Efavirenz signifikant später zum virologischen Therapie-Versagen als mit dem durch Ritonavir verstärkten Proteasehemmer Lopinavir (LPV/r).

    Das ist ein Ergebnis der ersten großen randomisierten Vergleichsstudie mit Efavirenz (EFV) und Lopinavir/r (LPV/r), jeweils kombiniert mit zwei nukleosidalen Reverse Transkriptasehemmern (NRTI). Als dritte Therapie wurde in der Studie Efavirenz plus Lopinavir/r (EFV/LPV/r) ohne NRTI geprüft. Die Ergebnisse der Studie der Aids Clinical Trials Group hat Dr. Sharon Riddler von der Universität Pittsburgh im US-Staat Pennsylvania auf der Welt-Aids-Konferenz in Toronto vorgestellt.

    Die 753 Patienten hatten zu Beginn im Median 100.000 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter und 183 CD4-Zellen pro Mikroliter Blut. 250 Patienten erhielten EFV plus zwei NRTI (EFV) und 253 LPV/r plus zwei NRTI (LPV/r). Als NRTI erhielten sie 3TC zusammen mit AZT, Tenofovir oder d4T retard. 250 Patienten erhielten EFV plus LPV/r (EFV/LPV/r). Insgesamt seien alle drei Therapien virologisch und immunologisch effektiv gewesen, berichtete Riddler.

    Nach 96 Wochen lag die Viruskonzentration unter 50 Kopien pro Milliliter Blut bei 89 Prozent der Patienten im NNRTI-Zweig, bei 77 Prozent im PI/r-Zweig und bei 83 Prozent im Studienarm ohne NRTI. Die CD4-Zellzahl stieg bei den beiden LPV/r-haltigen Therapieschemata höher als mit EFV plus zwei NRTI (auf 285 pro Mikroliter Blut bei LPV/r, auf 268 bei EFV/LPV/r und auf 241 bei EFV).

    Die Zeit bis zum virologischen Versagen, definiert als Viruskonzentration über 200 Kopien ab Woche 32, war jedoch nach Angaben von Riddler bei der Therapie mit LPV/r signifikant kürzer als mit EFV: Nach 96 Wochen betrug der Anteil der Patienten ohne Versagen mit dem PI/r 67 Prozent, mit der NRTI-sparenden Therapie 73 Prozent, mit dem NNRTI 76 Prozent.

    Tendenziell früher musste bei Patienten mit LPV/r im Vergleich zu EFV/LPV/r und EFV mindestens ein Bestandteil der Kombitherapie umgestellt werden: Nach 96 Wochen war die Therapie unverändert bei 54 Prozent der Patienten mit LPV/r, bei 60 Prozent mit EFV und bei 61 Prozent mit EFV/LPV/r. Die Zeit bis zur Umstellung wegen unerwünschter Wirkung war in allen Gruppen gleich.

    Überraschenderweise sei die bisher wenig untersuchte NRTI-freie Kombination EFV/LPV/r ähnlich wirksam gewesen wie die Therapie mit EFV plus zwei NRTIs. Jedoch sei LPV/r plus zwei NRTI bei einigen Parametern nicht so günstig wie EFV plus zwei NRTI, sagte Riddler.

    Ärzte-Zeitung vom 25. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Von der Sterbebegleitung zur Lebensberatung

    Leipzig - «Erst Noppen ... dann Poppen» steht auf dem Flyer, der vor Hans Probst auf dem Tisch liegt. Die kleine Drucksache ist ein Infoblatt der Leipziger Aids-Hilfe. Sie soll Hemmschwellen nehmen. «Wir müssen auf unsere Angebote aufmerksam machen», sagt Probst. Er ist der Leiter der Aids-Hilfe Leipzig. Er sitzt im Café in der vom Verein angemieteten Villa und begrüßt die freiwilligen Helfer, die hier gleich den Betrieb eröffnen. «Wir haben draußen kein großes Plakat. Wer hierher kommt, weiß es von jemandem.

    Und damit er hier erst mal warm werden kann, gibt es das Café, offen für alle», erklärt Probst.

    Leipzig ist die sächsische Stadt mit den meisten Fällen diagnostizierter HIV-Infektionen seit 1996: insgesamt 136, davon 27 im vergangenen Jahr. In Dresden haben sich seit 1996 79 Menschen angesteckt, 14 waren es im Jahr 2005. «Die Zahlen geben nicht den genauen Verlauf der Entwicklung wieder, denn vermeldet werden nicht die Neu-Erkrankten oder Neu-Infizierten, sondern die Infektionen, die festgestellt werden, aber unter Umständen schon länger zurückliegen», versucht Probst die Fälle einzuordnen. So sei der Anstieg in Leipzig zwischen 2003 und 2004 von 13 auf 25 zwar eine Verdoppelung der Diagnosen, aber wohl kaum gleichzeitig auch eine Verdoppelung der Erkrankungen. «Die Statistik hat hier ihre Grenzen, zeigt allerdings grob den Trend an. Und der geht nach oben», erklärt Probst.

    Etwa drei Viertel der Erstdiagnosen bei HIV-Infektionen in Leipzig werden bei Männern gemacht, nachdem sie Sex mit Männern hatten. «Das ist kein Zufall. Leipzig ist im Osten die Stadt mit den meisten Möglichkeiten für Schwule: Bars, Clubs, Saunen», sagt Probst. Viele Homosexuelle kämen aus dem Umland und gingen in der Stadt am Abend weg. Deutschlandweit entfallen immerhin fünf Prozent der HIV-Infektionen auf Ansteckungen beim Drogenkonsum, in Leipzig war es dagegen im vergangenen Jahr kein einziger Fall.

    Rund 70 Leipziger unterstützen die Arbeit der Aids Hilfe freiwillig, so viele, wie in keinem anderen der insgesamt vier Aids-Hilfe-Vereine in Sachsen. Unterstützt sieht sich Probst auch durch die Stadt und den Freistaat, die ihre Gelder - jeweils rund 100.000 Euro - auch für das kommende Jahr ohne Kürzungen zugesagt haben. Die Leipziger Aids-Hilfe - entstanden 1990 aus einer Selbsthilfegruppe schwuler Männer - hat drei angestellte Fachkräfte und unterhält die Beratungsstelle und das Begegnungszentrum in Leipzig-Schönefeld.

    Jutta Rosch, verantwortlich im Verein für Vorbeugung, Beratung und Betreuung, findet viele Begriffen, um ihre Arbeit zu beschreiben: «Reden, Informieren, Unterstützen, Anleiten, Helfen, Beistehen, Verbinden.» Dann nennt sie die Projekte der Aids Hilfe Leipzig: «Die Coming-Out-Gruppen, die Gruppe gehörloser Schwulen und Lesben, die Selbsthilfegruppe Transsexualität/Intersexualität, die Positiven-Frauen-Gruppe, die An- und Zugehörigengruppe ...» Rosch nennt fünf weitere, dann ergänzt Probst ebenfalls noch drei und nennt die «Afro Leben-Plus-Gruppe». Probst erklärt, dass sehr viele Asylbewerber und Migranten über Freunde und Bekannte von der Aids-Hilfe erführen und im Bedarfsfall hierher kämen.

    «Und wenn wir den Leuten nur dabei helfen, beim Arzt zu sagen, welche Beschwerden sie haben, was sie bei der Behandlung nicht verstehen oder zu welchem Arzt oder in welche Klinik sie am besten gehen sollen», sagt Rosch. Sie nennt sechs Ärzte und deren Spezialgebiete bei Diagnose, Therapie und Betreuung. Behörden, Beratungsstellen und praktische Hinweise - Rosch ordnet jedem Problem einen Namen zu.

    «Unsere Arbeit hat sich sehr verändert. In den ersten Jahren hatten wir hier HIV-Infizierte, die kamen zu uns, und wenige Monate später waren sie tot», sagt Rosch. Nun sei die medikamentöse Behandlung und Therapie so weit, dass man zunächst mit der Infektion und später sogar mit der Krankheit noch sehr lange leben kann: «Das hat unsere Arbeit verändert», sagt Beraterin. Die Aids-Hilfe sei heute nicht mehr Sterbebegleitung, sondern Lebensberatung.

    Yahoo News vom 25. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Protease-Hemmer wird auch für Kinder entwickelt

    Tipranavir bei HIV-Resistenz

    Toronto - Der Proteasehemmer (PI) Tipranavir erweitert die häufig eingeschränkten Therapie-Optionen bei bereits stark behandelten HIV-Patienten. Bei vielen kann die Viruskonzentration wieder unter die Nachweisgrenze sinken. Jetzt wird eine Lösung zum Einnehmen für bereits behandelte HIV-infizierte Kinder entwickelt.

    Seit Ende 2005 ist der nicht-peptidische Proteasehemmer Tipranavir (Aptivus®), verstärkt mit niedrigdosiertem Ritonavir (Tipranavir/r), für die HIV-Therapie bereits behandelter erwachsener Patienten zugelassen, wenn deren Viren gegen die herkömmlichen PI resistent sind.

    Grundlage der Zulassung waren die beiden gleich angelegten jetzt veröffentlichten Phase-III-Studien RESIST-1 und RESIST-2 (Lancet, 2006, 368, 466). Nach den Ergebnissen war Tipranavir/r auch nach 48 Wochen Behandlung dauerhaft wirksam und den anderen verstärkten Proteasehemmern überlegen (wir berichteten). Daran erinnerte Professor Pedro Cahn aus Buenos Aires in Argentinien auf der Welt-Aids-Konferenz in Toronto in Kanada.

    Zur Erinnerung: Die eine Hälfte der 1.483 Patienten, die bereits mit Substanzen aus mindestens drei Klassen behandelt waren, erhielten Tipranavir/r, und die anderen erhielten andere durch Ritonavir verstärkte PIs, jeweils zu einer optimierten Kombinationstherapie.

    Innerhalb von 48 Wochen sank die Virus-Konzentration bei den Patienten mit Tipranavir/r im Vergleich zur Kontrollgruppe stärker (um 1,14 im Vergleich zu 0,54 Log-Stufen). Jeweils doppelt so viele Patienten erreichten eine Viruskonzentration unter 400 und unter 50 HIV-RNA-Kopien/ml (30 versus 14 Prozent und 23 versus 10 Prozent).

    Cahn berichtete auf einer Veranstaltung von Boehringer Ingelheim auch, dass Tipranavir/r als Lösung zum Einnehmen für Kinder entwickelt werde und es erste Daten einer Dosisfindungsstudie mit 115 zwei- bis 18jährigen, zuvor intensiv behandelten Kindern gebe. Mit der Dosierung 375/150 mg / m2 Tipranavir/r - das entspricht der für Erwachsene zugelassenen Dosis von zweimal täglich 500/200 mg / m2 - gelingt es bei etwa 35 Prozent der Kinder innerhalb von 48 Wochen, die Virusmenge unter 50 HIV-RNA Kopien/ml zu senken.

    Ärzte-Zeitung vom 25. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Lebererkrankungen bei HIV-Positiven häufigste Todesursache

    Lebererkrankungen bei HIV-Positiven als häufigste nicht AIDS-assoziierte Todesursache in USA, Europa und Australien.

    Auswertungen der D:A:D Studie lassen vermuten, dass zwischen der HIV-assoziierten Immundefizienz und der Mortalität aufgrund hepatischer Erkrankungen eine deutliche Assoziation bestehen könnte.

    Dr. Rainer Weber von der Universitätsklinik in Zürich und Kollegen analysierten diesbezügliche Daten der Data Collection on Adverse Events of Anti-HIV Drugs Study von 23.441 HIV-Positiven, die 42 Monate beobachtet werden konnten.

    1.246 Personen starben während der Beobachtungszeit – davon 14,5 Prozent aufgrund Leber-assoziierter Erkrankungen. Bei 61,1 Prozent konnte eine HCV-Infektion, bei 16,1 Prozent eine HBV-Infektion und bei 7,1 Prozent eine HCV/HBV-Koinfektionen diagnostiziert werden.

    Risikofaktoren einer gesteigerten Mortalitätsrate aufgrund Leber-assoziierter Erkrankungen waren eine niedrige CD4-Zellzahl (50/µl vs. 500/µl; RR=16,1; 95% CI 8,1-31,7), eine HCV- oder aktive HBV-Infektion (RR=6,7 und 3,7), i.v. Drogenkonsum (RR=2,0) und ein höheres Alter (RR=1,3 pro fünf Jahre).

    Die Wissenschafter konkludieren, dass in der D:A:D Studie Lebererkrankungen die häufigste nicht AIDS-assoziierte Todesursachen darstellen, ein entsprechendes Screening wird empfohlen.

    Quelle: Arch Intern Med; 2006, 166: 1632-1641

    MedAustria - Aids News vom 25. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aids raubt Afrika die Arbeitskräfte

    Im Jahr 2005 lebten 38,6 Millionen Menschen mit HIV/Aids. Am stärksten von der Immunschwäche betroffen sind die Länder Afrikas südlich der Sahara. Dort leben fast zwei Drittel der weltweit HIV-Infizierten.

    In einigen Ländern im südlichen Afrika ist die Lebenserwartung aufgrund von HIV/Aids bereits so stark gesunken, dass eine Generationslücke entsteht: Die Menschen in der produktiven Lebensphase sterben, während Alte und Kinder zurückbleiben. So sind beispielsweise in Botswana mehr als ein Zehntel aller Arbeitskräfte an Aids gestorben.

    In einem Expertenbeitrag beschreibt Dr. Peter Piot, Direktor des UN-Programms gegen HIV/Aids (UNAIDS), die dramatischen Auswirkungen der HIV-Pandemie auf das Bevölkerungswachstum und die Wirtschaft der am stärksten betroffenen Länder. Gleichzeitig ruft er die Internationale Gemeinschaft zu entschlossenem Handeln im Kampf gegen HIV/Aids auf.

    Der Essay von Dr. Peter Piot ist im aktuellen DSW-Datenreport 2006 erschienen. Sie können den Beitrag unter
    http://www.weltbevoelkerung.de/pdf/dsw_datenreport_06_aids.pdf herunterladen.

    Deutsche Stiftung Weltbevölkerung - News vom 24. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Positive Begegnungen 2006 - Konferenz zum Leben mit HIV/Aids

    Leipzig - Die Qualität der medizinischen Versorgung der mit Aids-Infizierten und der Ausbau der Selbsthilfe stehen im Mittelpunkt der Bundeskonferenz der Deutschen Aids-Hilfe ab Donnerstag, den 24. August 2006 in Leipzig. "Wichtig ist hier vor allem der Kampf gegen die Diskriminierung, auch in Deutschland«, sagte Luis Carlos Escobar Pinzon, Bundesgeschäftsführer der Organisation, am Mittwoch in Leipzig: Der Schwerpunkt der Konferenz liege dabei in der Zusammenarbeit bei der Aufklärung, der Prävention und dem Umgang mit Aids-Kranken und HIV-Infizierten in der Gesellschaft.

    Unter dem Titel »Positive Begegnungen 2006 - Konferenz zum Leben mit HIV/Aids« werden bis Sonntag Veranstaltungen für die rund 500 Teilnehmer stehen, die insbesondere darauf zielen, es Menschen zu erleichtern, über ihre Infektion oder die ihrer Angehörigen und Freunde zu sprechen. Eugen Emmerling, Bundesvorstand der Deutschen Aids-Hilfe, betonte die unterschiedlichen Hintergründe der Konferenzteilnehmer: »Zum ersten Mal in Deutschland kommen hier in diesem großen Rahmen Menschen mit HIV-Infektion und an Aids-Erkrankte gemeinsam mit Angehörigen sowie Sozialwissenschaftlern, Medizinern und Gästen aus anderen Bereichen zusammen«. 50 Prozent der etwa 50 000 in Deutschland an Aids-Erkrankten und HIV-Infizierten lebten unter der Armutsgrenze, betonte Emmerling und sprach von einer anhaltenden Isolierung, die es gelte, aufzubrechen.

    Hans Probst von der AIDS-Hilfe Leipzig äußerte sich beim Eröffnungs-Pressegespräch im Leipziger Rathaus erfreut darüber, dass die Messestadt nun schon zum zweiten Mal Gastgeber für eine solche Konferenz sei, und verwies auf das umfangreiche Rahmenprogramm, welches die Leipziger AIDS-Hilfe auf die Beine gestellt habe. Heike Gronski von der AIDS-Hilfe Bonn und Mitglied der Vorbereitungsgruppe erhoffe sich neben einer stärkeren politischen Fokussierung der Aids-Selbsthilfebewegung auch viele positive Begegnungen, in denen man von den Unterschieden lernen könne. Sigrun Haagen vom Netzwerk der Angehörigen von Menschen mit HIV und Aids betonte, die Deutsche AIDS-Hilfe zeige mit den „Positiven Begegnungen“, dass Partner, Eltern, Geschwister und Freunde von Menschen mit HIV und Aids eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Krankheit spielten.

    In Sachsen sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts 825 Menschen an Aids erkrankt oder mit dem HI-Virus infiziert, davon 650 Männer und 175 Frauen. Jährlich würden rund 60 Neuinfektionen registriert. Die meisten Infizierten und Erkrankten im Osten Deutschlands lebten in Leipzig. Hier nehmen nach Angaben der Aids-Hilfe Leipzig rund 350 Menschen medizinische Hilfe in Anspruch.

    Deutsche AIDS-Hilfe e.V. - Presseinformation vom 23. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    AIDS: Frankfurt tut was!

    Der Sorglosigkeit entgegenwirken / Drei Tage Programm und Infos

    Frankfurt - Seit 25 Jahren ist Aids in der Öffentlichkeit bekannt. Weltweit geht man davon aus, dass inzwischen 46 Millionen Menschen mit HIV infiziert sind und es kommen jährlich 6,2 Millionen Neuinfektionen hinzu. Die Möglichkeiten einer Therapie haben sich verbessert, eine Heilung ist jedoch nach wie vor nicht möglich. Auch die gestiegenen Neuinfektionen im Vergleich zum Vorjahr von 13 Prozent, zeigen, dass die Prävention nicht nachlassen darf.

    Um einer zunehmend beobachteten Sorglosigkeit bei Aids entgegenzuwirken, veranstalten die Vereine AIDS-Aufklärung, AIDS-Hilfe Frankfurt, die Schwule Hilfe Frankfurt DAS H.I.V. und das Stadtgesundheitsamt Frankfurt gemeinsam vom 14. bis 16. September die Aids-Präventionstage "Frankfurt tut was".

    Auf der Zeil in Höhe des Brockhausbrunnens werden Informationen und Unterhaltung geboten. Vor Ort können sich Besucher persönlich zu HIV und Aids beraten lassen. Außerdem gibt es Gutscheine für einen kostenfreien HIV-Test. Auf der Bühne bietet ein buntes Programm mit Live-Musik, Interviews, Spielen und verschiedenen Künstlern Unterhaltung für die Gäste. Einen detaillierten Programmablauf gibt es im Internet. Die Angebote sind alle kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

    Stadtgesundheitsamt Frankfurt am Main – August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Molekularer Schalter von HIV entschlüsselt

    Forscher stoppten Überproduktion des Rezeptormoleküls Programmed Death-1 und stellten somit Funktion der CD8-Zellen wieder her.

    Chevy Chase / Dubai - Ein Wissenschaftsteam des Howard Hughes Medical Institute am Massachusetts General Hospital sowie des Doris Duke Medical Research Institute in Durban, Südafrika, hat entschlüsselt, wie das HIV-Virus dem körpereigenen Immunsystem aus dem Weg geht. Das Immunsystem eines mit HIV infizierten Körpers setzt zytotoxische T-Zellen (CD8) frei, die das Virus bekämpfen müssen. Doch HIV macht diese Zellen sofort unschädlich, indem es sie mit einem "molekularen Schalter" ausschaltet. Das löst eine Überproduktion eines Rezeptormoleküls namens Programmed Death-1 (PD-1) aus, wodurch die Immunzellen geschädigt werden und weniger virusabtötende Stoffe wie etwa Cytokinen produzieren. Die Ergebnisse der Studie wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.

    Tests
    Um zu dieser Entdeckung zu kommen, erforschten die Wissenschaftler Blutproben von 71 Menschen, bei denen gerade erst eine HIV-Infektion diagnostiziert wurde und die noch nicht mit einer Behandlung angefangen hatten. Sie untersuchten auch die Blutproben von vier HIV-positiven Menschen, die sowohl vor wie nach dem Anfang der HIV-Therapie genommen wurden. Dabei konnten die Forscher nachweisen, dass der Zuwachs der Viruszellen mit einer Steigerung der Anzahl der PD-1-Rezeptormoleküle einhergeht. Außerdem entdeckten sie, dass die Aktivität der Rezeptormoleküle nachlässt, nachdem mit der Therapie angefangen wird. Die Forscher meinen, dass diese Erkenntnisse nahe legen, dass sich die Viruszellen und die PD-1-Moleküle gleichzeitig steigern und verringern. In Laborversuchen konnten die Forscher jedoch auch nachweisen, dass die Produktion der PD-1-Moleküle nach Verabreichung der Medikamente zwar nachließ, aber dass die CD8-Zellen trotzdem immer schwächer wurden.

    "Behutsame" Vorgehensweise erforderlich
    Es ist den Forschern allerdings gelungen, mittels Antikörpern den "molekularen Schalter" und dadurch zugleich die PD-1-Rezeptormoleküle zu blockieren und somit die Funktion der CD8-Zellen wiederherzustellen. Experimente mit Mäusen brachten ähnliche Ergebnisse. "Man muss jedoch sehr behutsam sein, denn wenn man einen molekularen Immunschalter einschaltet, den der Körper selbst ausgeschaltet hat, könnten ernsthafte immunologische Probleme ausgelöst werden", erklärt Forscher Bruce Walker des Howard Hughes Medical Institute. "Im Idealfall würde eine Behandlung nur auf die HIV-spezifischen CD8-Zellen abzielen, aber eine solche gezielte Vorgehensweise kann im Moment noch nicht verwirklicht werden." Die Forscher machen sich darum jetzt auf der Suche nach einem Verfahren, um die CD-8-Zellen in HIV-Patienten nebenwirkungsfrei zu reaktivieren.

    Der Standard vom 21. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Drei Substanzen eliminieren HI-Viren effektiv

    Vierter Wirkstoff bringt Aids-Patienten keinen Gewinn / Dreijährige Studie mit nicht vorbehandelten Teilnehmern.

    Toronto - Vier Medikamente sind nicht besser als drei Medikamente: Erhalten bisher nicht behandelte Aids-Patienten zusätzlich zu einer Standardtherapie aus drei verschiedenen Substanzen eine vierte, ist die Viererkombination zwar nicht toxischer, bringt jedoch auch keinen Vorteil, erhöht aber die Kosten.

    Das ist das Ergebnis einer randomisierten, doppelblinden Studie der AIDS Clinical Trials Group (ACTG). Darin erhielten 765 bisher nicht behandelte Patienten drei Jahre lang zwei verschiedene Therapien: entweder die beiden nukleosidalen Reverse Transkriptasehemmer (NRTI) AZT und 3TC und den nicht nukleosidalen Reverse Transkriptasehemmer (NNRTI) Efavirenz oder diese Dreierkombination plus den NRTI Abacavir.

    Vorgestellt wurde die Studie von Professor Roy Gulick, New York/USA, auf der Welt-Aidskonferenz in Toronto, Kanada. Sie wurde auch aktuell in der Zeitschrift der American Medical Association veröffentlicht (JAMA 296, 2006, 769).

    Innerhalb von drei Jahren erreichten in beiden Behandlungsarmen jeweils ein Viertel der Patienten den primären Endpunkt virologisches Versagen, definiert als Viruslast über 200 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter in zwei aufeinanderfolgenden Messungen. Die Zeit bis zum virologischen Versagen, der Anstieg der CD4-Zellzahl, die Rate der Nebenwirkungen, die The-rapietreue sowie die Resistenzentwicklung unterschieden sich in den beiden Gruppen ebenfalls nicht.

    Insgesamt haben Gulick zufolge beide Therapien die Vermehrung der HI-Viren ähnlich effektiv verhindert. So sank die Viruslast bei den meisten Patienten innerhalb von 16 Wochen unter 200 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter Blut und innerhalb von 24 Wochen unter 50 Kopien.

    85 Prozent der 169 Patienten, die nach drei Jahren noch im Studienarm mit der Dreierkombination behandelt wurden, hatten eine Viruslast unter 50 Kopien. Mit der Viererkombination erreichten das 88 Prozent der 156 noch in der Studie verbliebenen Patienten.
    Damit bestätigten die Ergebnisse nach Aussage von Gulick, dass zwei NRTIs plus Efavirenz als eine der empfohlenen bevorzugten Ersttherapien ausreichend wirksam sind.

    Ärzte-Zeitung vom 21. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neugeborene vor dem HI-Virus schützen

    Weniger als 10 Prozent der Schwangeren haben Zugang zu Prävention - Wenn Mütter sterben, verdoppelt sich das Todesrisiko für ihre Kinder.

    Die Welt-AIDS-Konferenz in Toronto hat gezeigt, dass Kinder beim weltweiten Kampf gegen die Epidemie nach wie vor vernachlässigt werden. UNICEF fordert insbesondere mehr Mittel, um die Übertragung des HI-Virus von der Mutter auf ihr Baby zu verhindern. Obwohl es mittlerweile kostengünstige Medikamente gibt, erhalten bislang weniger als zehn Prozent der HIV-positiven Schwangeren in Entwicklungsländern Zugang zu einer Behandlung, die eine Übertragung des Virus vor, während und nach der Geburt verhindert. „Wenn wir die nächste Generation vor AIDS schützen wollen, müssen wir verhindern, dass Jahr für Jahr tausende Babys bereits mit dem Virus auf die Welt kommen“, sagte UNICEF-Sprecherin Helga Kuhn, die für UNICEF Deutschland an der Konferenz in Toronto teilnahm.

    Die Welt-AIDS-Konferenz in Toronto hat die Zuversicht gestärkt, dass AIDS besiegt werden kann. Doch dies wird aber nur möglich sein, wenn die Fortschritte der Forschung endlich allen Betroffenen zugute kommen. In den ärmsten Ländern sind deshalb der Ausbau der Gesundheitssysteme und die Ausbildung von Ärzten und Krankenschwestern vordringlich. Weltweit fehlen 4,3 Millionen Ärzte und Pfleger. In Afrika südlich der Sahara werden dringend 620.000 Krankenschwestern benötigt, um AIDS-kranke Patienten zu pflegen. Ein großes Problem ist die Abwanderung von Gesundheitspersonal aus afrikanischen Ländern in die Industrienationen.

    UNICEF forderte zudem bessere Behandlungsmöglichkeiten für HIV-positive Mütter. Der Tod der Mütter gefährdet auch das Leben der Kinder. Wenn die Mutter überlebt, halbiert sich das Todesrisiko für ihre Kinder - unabhängig davon, ob die Kinder sich mit dem Virus angesteckt haben oder nicht, betonte die renommierte AIDS-Forscherin Ruth Nduati, Professorin für Pädiatrie an der Universität in Nairobi, in Toronto.

    In Afrika haben bereits 12 Millionen Kinder Mutter, Vater oder beide Elternteile verloren. Die Zahl der AIDS-Waisen wird bis 2010 vermutlich auf rund 15,7 Millionen Kinder steigen. UNICEF setzt sich mit seiner weltweiten Kampagne „Du und ich gegen AIDS“ insbesondere für mehr Unterstützung von AIDS-Waisen und bessere Behandlungsmöglichkeiten für HIV-positive und AIDS-kranke Kinder ein.

    UNICEF - Pressemeldung vom 18. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neue Leitlinien für die Behandlung von erwachsenen HIV-Infizierten

    New York - Der US-amerikanische Arm der International AIDS Society (IAS) hat die Leitlinien zur Behandlung von erwachsenen HIV-Infizierten aktualisiert. Die neuen Therapieempfehlungen wurden anlässlich der 16. Internationalen Aids-Konferenz in Toronto im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2006; 296: 827-843) veröffentlicht.

    Es handelt sich bereits um die 7. Aktualisierung der Leitlinien seit 1996. Die letzte Leitlinie ist erst zwei Jahre alt, doch die Einführung neuer Therapieoptionen, die Ausbreitung der Resistenzen und andere Entwicklungen machen eine regelmäßige Neuauflage nach Auskunft der IAS erforderlich. Seit der letzten Auflage seien 181 relevante neue Studien hinzugekommen, heißt es. In der Frage des Therapiebeginns bleibt das Panel aus 16 unabhängigen US-Experten dabei, dass die CD-Werte auf unter 350 Zellen/µl abgefallen sein sollten. Spätestens bei einem Abfall auf unter 200 Zellen/µl sollte die antiretrovirale Therapie einsetzen.

    Das empfohlene initiale Therapieregime bleibt eine Kombination aus zwei Nukleosidanaloga (NRTI) mit entweder einem Nicht- Nukleosidanalogon (NNRTI) oder einem low-dose-Ritonavir geboostertem Protease-Inhibitor (PI). Bei therapienaiven Patienten ohne resistente Viren steht hier eine große Anzahl von Optionen offen. Die Wahl sollte sich nach Akzeptanz, vermuteter Verträglichkeit, „Pillenlast“, Komorbidität und den kurz-, mittel-, und langfristigen Nebenwirkungsprofilen richten. Außerdem sollte eine erfolgversprechende Alternative zur Verfügung stehen, falls die Ersttherapie scheitern sollte. Ein Wechsel zwischen den einzelnen Regimen sei mittlerweile durch zahlreiche „Switch“-Studien gesichert, schreiben die Autoren, sodass die Therapeuten auch die Wünsche der Patienten berücksichtigen können und sollten.

    Denn von der Tatsache, dass der Patient seine Pillen zuversichtlich einnimmt, der „Adhärenz“, hängt in hohem Maße der Erfolg der Therapie ab. Das Risiko von Resistenzen erhöht sich, wenn die HIV-Replikation über der Nachweisgrenze von 50 Kopien/ml steigt, was keinesfalls selten ist. Wenn man den Angaben einer PR-Agentur Glauben schenken darf, dann haben 66 Prozent der HIV-Patienten in den USA und 43 Prozent der HIV-Patienten in Europa eine nachweisbare HIV-Last im Blut (Synovate Global HIV. 1. Quartal 2006). Und jedem zehnten Patienten sind laut einer anderen Untersuchung die HI-Viren gegen wenigstens einen Wirkstoff resistent (Journal of Infectious Diseases 2005, 192: 958-966).

    Bei einem Therapieversagen fordert die IAS eine möglichst schnelle Reduktion der Viruslust unter die Nachweisgrenze von 50 Kopien/ml, was bei sehr vielen Patienten auch möglich sei. Nach dem Beginn der Therapie sollten die Plasma HIV-1 RNA-Werte regelmäßig, das heißt im Abstand von 4 bis 8 Wochen überprüft werden, bis sie unter die Nachweisgrenze abgefallen sind. Danach würden drei bis vier Kontrollen pro Jahr ausreichen.

    Deutsches Ärzteblatt vom 15. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Immer mehr HIV-Infizierte in Afrika erhalten Medikamente

    Toronto - Zum ersten Mal werden im südlichen Afrika mehr als eine Million HIV-Infizierte angemessen medizinisch behandelt. Der Direktor des Aids-Programms der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Kevin De Cock, sagte am Donnerstag auf der Welt-Aids-Konferenz in Toronto, dies seien zehn Mal so viele Menschen wie noch 2003. Allerdings sind in Afrika südlich der Sahara rund 25 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Weltweit erhalten nach Angaben De Cocks immer noch nur ein Viertel der Infizierten, die Medikamente benötigten, die entsprechenden Arzneimittel.

    «Die gemeinsamen Bemühungen von Spendern, betroffenen Länder, UN-Organisationen und den Gesundheitsbehörden sorgen für einen wachsenden Zugang zu den lebensrettenden Medikamenten», sagte De Cock. «Und doch stehen wir in vielerlei Hinsicht noch am Anfang dieser Bemühungen.» Er sprach von einem ermutigenden Trend. 63 Prozent der Menschen, die wegen HIV und Aids behandelt würden, lebten heute in Afrika. Im Vergleich dazu seien es 2003 nur 25 Prozent gewesen. Nicht alle HIV-Infizierten benötigen auch eine Behandlung. Diese setzt erst ein, wenn das Immunsystem der Patienten deutlich geschwächt ist.

    De Cock erklärte, HIV-infizierte Kinder hätten es immer noch schwer. So sind weltweit 800.000 Kinder unter 15 Jahren auf eine medizinische Behandlung angewiesen. Nur zwischen 60.000 und 100.000 erhielten sie jedoch. Auch bei der Vermeidung einer Ansteckung von der Mutter auf das Kind sieht De Cock Verbesserungsmöglichkeiten. So erhielten weniger als zehn Prozent der Schwangeren in den armen Ländern Medikamente, die eine Ansteckung vor der Geburt verhindern.

    Seit der Aids-Erreger vor 25 Jahren entdeckt wurde, haben sich etwa 65 Millionen Menschen weltweit mit dem tödlichen Virus infiziert. Rund 25 Millionen sind bislang an Aids gestorben. Offiziellen Schätzungen zufolge stecken sich jeden Tag 11.000 Menschen an, und etwa 8.000 Aids-Kranke sterben täglich.

    Protest gegen Prominente
    Mehrere Aktivisten kritisierten am Mittwoch, dass die Anwesenheit zahlreicher Prominenter auf der Konferenz vom tatsächlichen Elend der Infizierten ablenke. So erklärte Sipho Mthanthi auf einer Pressekonferenz, es sei nicht akzeptabel, dass die Stimmen der Betroffenen weniger gehört würden als die der Reichen. Der Codirektor der Konferenz, Mark Wainberg, wies die Vorwürfe zurück. Auch Betroffene und Aktivisten kämen bei den zahlreichen Veranstaltungen zu Wort. «Sie müssen jedoch einsehen, dass nicht 3.000 Journalisten zu dieser Konferenz kommen würden, wenn Richard Gere, Bill und Melinda Gates und Bill Clinton nicht da wären», sagte Wainberg.

    Basler Zeitung - Meldung vom 17. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Oraler HIV Integrase-Inhibitor im Forschungsstadium

    MK-0518, in Kombinationstherapie erzielte vergleichbare HIV-RNA-Reduktion wie Efavirenz in Kombinationstherapie bei Behandlungs-unerfahrenen, HIV-infizierten Patienten nach 24 Wochen.

    Toronto - Neue 24-Wochen-.Zwischendaten aus einer laufenden Dosis-variablen Studie Phase II mit MK-0518 zweimal täglich (n=198), einem oralen HIV Integrase-Inhibitor im Forschungsstadium, das von Merck & Co., Inc., Whitehouse Station, New Jersey (USA) entwickelt wird, in Kombination mit Tenofovir (Viread™ ) und Lamivudin (Epivir™) zeigten eine vergleichbare Virenlastreduktion auf unter 50 copies/ml HIV-RNA (85 bis 95 Prozent der Patienten) wie Efavirenz (Sustiva™/Stocrin™)* einmal täglich in Kombination mit den gleichen Wirkstoffen (92 Prozent). Diese Wirkung wurde bei allen vier untersuchten Dosen MK-0518 (100 mg, 200 mg, 400 mg und 600 mg, zweimal täglich oral gegeben), bei Behandlungs-unerfahrenen (bisher nicht therapierten) HIV-infizierten Patienten mit dokumentierter genotypischer Ansprechbarkeit auf Tenofovir, Lamivudin und Efavirenz festgestellt. Des Weiteren erzielten Patienten unter dem MK-0518-basierten Regime HIV-RNA-Reduktionen auf ein Niveau unter 50 copies/ml früher als Patienten unter dem Efavirenz-basierten Regime. Diese Daten werden hier auf der 16. Weltaidskonferenz vorgestellt.

    "Diese frühe Studie zeigte eine schnelle Reduktion der Virenlast bis zu 24 Wochen mit MK-0518 bei Behandlungs-unerfahrenen Patienten. In dieser Studie wurde MK-0518 allgemein gut toleriert", erklärte Studienleiter Martin Markowitz, M. D., klinischer Direktor und Forschungsbeauftragter am Aaron Diamond AIDS Research Center, New York City, sowie Aaron Diamond Professor an der Rockefeller University. "Diese Studie dürfte weitere Erkenntnisse über das Potential von HIV Integrase-Inhibitoren als einer neuen und hoch interessanten Klasse von Antiretroviren-Wirkstoffen vermitteln."

    Über MK-0518
    MK-0518 gehört zu einer neuen Klasse von im Forschungsstadium befindlichen Wirkstoffen für die Antiretrovirentherapie (ART) mit der Bezeichnung Integrase-Inhibitoren, die das Einsetzen der viralen DNA des HIV in die menschliche DNA inhibieren. Wird die Integrase an der Erfüllung dieser wesentlichen Funktion gehindert, so hemmt dies die Fähigkeit des Virus zur Replikation und Infektion neuer Zellen. Es sind Arzneimittel im Gebrauch, die die anderen beiden Enzyme - Protease und Reverse-Transcriptase - inhibieren, jedoch gibt es keine zugelassenen Arzneimittel zur Inhibierung der Integrase.

    Studiendesign
    Diese neuen Ergebnisse stammen aus Woche 24 einer laufenden zweiteiligen randomisierten Doppelblind-Multicenterstudie über 48 Wochen mit bisher nicht therapierten Patienten. Der erste Teil der Studie demonstrierte die Antivirenwirkung von MK-0518 als Monotherapie, das in Dosen von 100 mg, 200 mg, 400 mg oder 600 mg zweimal täglich 10 Tage lang oral gegeben wurde, und wurde auf dem Meeting der European AIDS Clinical Society im irischen Dublin im November 2005 vorgestellt.

    Der zweite Teil der Studie, der aktuell auf der Weltaidskonferenz in Toronto präsentiert wird, verglich MK-0518 mit Efavirenz in Kombination mit Tenofovir und Lamivudin hinsichtlich der Reduktion der viralen RNA des HIV, Verbesserungen der CD4-Zellenzahl gegenüber der Baseline und Auswertung von Verträglichkeits- und Tolerabilitätsprofilen. In der Studie erhielten 198 Behandlungs-unerfahrene HIV-infizierte Patienten entweder MK-0518 (100 mg, 200 mg, 400 mg oder 600 mg, jeweils oral zweimal täglich gegeben) in Kombination mit Tenofovir und Lamivudin oder 600 mg Efavirenz, oral einmal täglich gegeben, in Kombination mit Tenofovir und Lamivudin. Dreißig (30) der 198 Patienten hatten an Teil 1 (10 Tage Monotherapie) teilgenommen, bevor sie sich an Teil 2 der Studie beteiligten.

    Bei der Aufnahme in die Studie waren die Patienten weniger als sieben Tage zuvor in Antiretrovirentherapie, hatten eine HIV-RNA von mindestens 5000 copies/ml und eine CD4-Zellenzahl von mindestens 100 cells/?l. Die Mehrzahl der Patienten waren männlich (73 bis 90 Prozent in allen Studiengruppen), nicht-weiß (65 bis 82 Prozent in allen Studiengruppen) und zwischen 34 bis 37 Jahre alt. Patienten, die sich in einer Immunsuppressionstherapie befanden oder die Diagnose akute Hepatitis, chronische Leberinsuffizienz oder Niereninsuffizienz hatten, wurden aus der Studie ausgeschlossen.

    Studienergebnisse
    Nach 24 Wochen Therapie erzielten 85 bis 95 Prozent der Patienten unter dem MK-0518-basierten Regime bei allen untersuchten Dosen Reduktionen der viralen RNA des HIV auf unter 50 copies/ml. An der Baseline betrug die HIV-RNA für Patienten in der MK-0518-Gruppe der Studie 58206 copies/ml (100 mg; n=39), 64715 copies/ml (200 mg; n=40), 43083 copies/ml (400 mg; n=41) bzw. 57919 copies/ml (600 mg; n=40). Die Ergebnisse waren bei Patienten, die die Efavirenz-Kombination einnahmen, ähnlich; hier erzielten 92 Prozent der Patienten Reduktionen der HIV-RNA auf unter 50 copies/ml. Die HIV-RNA an der Baseline betrug bei Patienten in der Efavirenz-Gruppe der Studie 67554 copies/ml (600 mg; n=38). Die Reduktionen der HIV-RNA-Virenlast auf unter 50 copies/ml traten bei Patienten, die die MK-0518-Kombination einnahmen, früher ein als bei Patienten unter der Efavirenz-Kombination.

    Die mittleren CD4-Zellenzahlen an der Baseline reichten von 271 bis 314 cells/?l. Nach 24 Wochen Behandlung hatte die mittlere Steigerung der CD4-Zellenzahlen an der Baseline eine Spanne von 139 cells/?l auf 175 cells/?l in den MK-0518-Gruppen, gegenüber 112 cells/?l in der Efavirenz-Gruppe.

    Beide Behandlungsregime wurden im Allgemeinen gut toleriert. Die festgestellten klinischen Nebenwirkungen waren leicht bis mäßig, wobei Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen am häufigsten genannt wurden. In beiden Behandlungsgruppen zusammen traten acht schwere nicht Wirkstoff-bezogene Nebenwirkungen auf (7/160 oder 4 Prozent in der MK-0518-Gruppe und 1/38 oder 3 Prozent in der Efavirenz-Gruppe). Ein Patient in der Gruppe MK-0518 600 mg brach die Studie auf Grund erhöhter AST/ALT ab.

    "Das HIV-Virus ist nach wie vor sehr schwierig zu unterdrücken. Längerfristige Studien dürften mehr Informationen darüber bringen, was diese Ergebnisse potenziell für infizierte Patienten bedeuten," erklärte Dr. Markowitz.

    * Efavirenz wird unter dem Bristol-Myers Warenzeichen SUSTIVA in den Vereinigten Staaten, Kanada, Frankreich, Deutschland, Israel, Italien, Spanien und Großbritannien durch Bristol-Myers Squibb und in der übrigen Welt unter dem Merck & Co., Inc. Warenzeichen STOCRIN durch die Merck & Co., Inc. vertrieben. Alle anderen Marken sind Warenzeichen ihrer jeweiligen Inhaber und keine Warenzeichen von Merck & Co., Inc.

    Business Wire - Meldung vom 15. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Medizinische Versorgung mit sozialen Diensten der Schlüssel für Erfolg

    Klinische Ergebnisse zeigen, dass die Integration von medizinischer Versorgung mit sozialen Diensten der Schlüssel für Erfolge bei HIV-Patienten in einem ressourcenarmen Umfeld ist.

    Toronto - Klinische Zwischenergebnisse nach 12 Monaten Laufzeit einer in vier Ländern der Sub-Sahara-Zone in Afrika durchgeführten Studie zeigen, dass HIV-positive Patienten, die integrierte medizinische Versorgung und Sozialprogramme auf breiter Basis erhalten, gute klinische Ergebnisse erreichen und beibehalten. Forscher von SECURE THE FUTURE(R), einer Initiative von Bristol-Myers Squibb und der Bristol-Myers Squibb-Stiftung, die HIV in Afrika unter anderem mittels Erweiterung der HIV/AIDS-Versorgung und -Unterstützung in ressourcenarmen Gebieten bekämpft, stellten diese Daten heute auf der XVI. Internationalen AIDS-Konferenz vor.

    "Diese Ergebnisse zeigen nicht nur, dass antiretrovirale Medikamente(ARVs ) sogar in entlegenen, von Armut geplagten Gegenden, in den Gesundheitsversorgung und andere Ressourcen rar sind, effektiv eingesetzt werden können, sondern auch, dass integrierte, soziale Unterstützung, wie Ernährung, psychosoziale Fürsorge, Schaffung von Einkommen und Versorgung in der häuslichen Umgebung, eine ganz entscheidende Rolle beim Erreichen und Erhalten von guten klinischen Ergebnissen spielen", sagte der Arzt Sebastian Wanless, Senior Medical Director von SECURE THE FUTURE. "Das von uns eingeführte Versorgungsmodell, das wir mit unseren Partnern evaluieren, geht über den krankheitszentrierten Ansatz hinaus und berücksichtigt auch soziale Gesundheitsdeterminanten, die den therapeutischen Nutzen von HIV-Medikamenten einschränken können."

    "Diese Projekt geht sogar noch einen Schritt weiter, indem es eine unabhängige Beurteilung der Sozialdienste vornimmt, um deren Wert für die Patienten und deren Einfluss auf das Erreichen und Erhalten der Ergebnisse wirklich zu verstehen und zu beschreiben", sagte Walter Obiero, Senior Technical Officer, Evaluation and Research Division von Family Health International.

    Eine Intent-to-treat-Analyse der ersten 992, mit antiretroviralen Medikamenten (ARV) behandelten Patienten in den auf Gemeindeebene angesiedelten Zentren zur Behandlungsunterstützung in Südafrika, Namibia, Botswana und Lesotho - d.h. eine Auswertung unter Berücksichtigung von allen Patienten in der Studie, die eine beliebige ARV-Therapie erhalten haben, und somit der Goldstandard für die Auswertung von klinischen Studien - ergab eine Gesamtwirksamkeit von 64%, wobei Wirksamkeit als ein nachhaltiger Anstieg der CD4-Zellzahl von über 50 definiert wurde. Die Ergebnisse zeigten auch einen Anstieg der CD4-Zellzahl auf einen Median von 270 ausgehend von einem Median von 105 vor Behandlungsbeginn. Die Virusbelastung war bei 92% der 296 Patienten, die auf die Virusbelastung hin untersucht wurden, nicht nachweisbar, und die Einhaltung der Medikamenteneinnahme lag bei über 95% bei den 84% der 522 Patienten, deren Einhaltung der Medikation gemessen wurde. Weitere Erfolge finden sich hinsichtlich des Ausmaßes der HIV-Aufklärung und HIV-Untersuchung - einschließlich eines zehnfachen Anstiegs der Teilnehmer, die sich seit Programmbeginn freiwillig testen und beraten ließen -- und der Mobilisierung auf Gemeindeebene für den Kampf gegen die Krankheit und das Überwinden des damit verknüpften Stigmas.

    Vorläufige Daten der unabhängigen Beurteilung der Sozialdienste, die von 587 mit ARV behandelten Patienten bereitgestellt wurden, zeigen, dass diejenigen, die über Zufriedenheit mit den erhaltenen Sozialdiensten berichten, eine bessere Lebensqualität, ein geringeres empfundenes Stigma, eine schnellere Anstiegsrate und höhere Werte für CD4-Zellen aufweisen als Patienten, die unzufrieden sind. Die Ergebnisse waren hinsichtlich des Zufriedenheitsgrades mit der Familienunterstützung, die in den vier Zentren angeboten wurde, ähnlich.

    Im Einzelnen zeigte sich, dass eine Kohorte von mit den Sozialdiensten zufrieden Patienten einen medianen CD4-T-Zellwert von 251 zum Sechsmonatszeitpunkt aufwiesen, während sich einem Medianwert von 216 in einer Kohorte von Patienten, die auch diese Dienste erhielten, sich aber unzufrieden über diese äußerten, fand. Die mit der Familienunterstützung zufriedenen Patienten ereichten einen Medianwert von 232 zum Sechsmonatszeitpunkt im Gegensatz zu einem Wert von 198 für eine gleichartige Kohorte von diesbezüglich unzufriedenen Patienten. Allgemein gilt, dass eine CD4-Zellzahl von kleiner/gleich 200 mit einer erhöhten Rate an opportunistischen Infektionen und weiteren schweren HIV-Komplikationen einhergeht.

    Diese Studie zur Wirksamkeit und Realisierbarkeit der antiretroviralen Behandlung und zu dem umfassenden Versorgungsmodel für ressourcenarme Gegenden ist Teil eines SECURE THE FUTURE-Programms mit staatlichen und regierungsunabhängigen Partnern vor Ort, das umfassende HIV/AIDS-Versorgung in Afrika in einem größeren Maßstab erreichen soll. Bis heute haben sich über 13.400 Patienten in den Behandlungszentren und -programmen in KwaZulu Natal(Südafrika), Maseru (Lesotho), Mbabane (Swaziland), Bobirwa-Unterbezirk (Botswana); Caprivi-Region (Namibia) und Koulikoro-Bezirk (Mali)eingetragen. Über 5.700 Patienten erhalten eine Therapie mit antiretroviralen Medikamenten und über 7.700 erhalten andere Dienste als ARVs.

    Zu den sozialen Diensten, die in den in die Gemeinde eingebetteten Behandlungsunterstützungszentren angeboten werden, gehören Anstrengungen zur Gemeindemobilisierung, um die Stigmatisierung von HIV/AIDS zu reduzieren und Risikopersonen zu einer Testung zu verhelfen, häusliche Pflege und Unterstützung durch Freiwillige, Freiwilligen-Selbsthilfegruppen, die sich regelmäßig treffen und sich gegenseitige Unterstützung bieten, einschließlich Gruppen, deren Mitarbeiter mit HIV/AIDS leben, ein "Buddy-System", um mit HIV/AIDS-lebenden Menschen Einzelunterstützung und -aufklärung bereit zu stellen, Nahrungssicherheit und für Einkommen sorgende Aktivitäten und Programme, um traditionelle Hebammen, traditionelle Führer und Kirchenleiter auszubilden und traditionelle Heiler zu sensibilisieren.

    PR Newswire - Meldung vom 14. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Erfolgreiches Projekt zur AIDS-Behandlung in Afrika

    Fast genau 25 Jahre nach dem ersten wissenschaftlichen Bericht über das HI-Virus begann am Sonntag im kanadischen Toronto die 16. Welt-AIDS-Konferenz. Weltweit am meisten von AIDS betroffen sind die afrikanischen Länder südlich der Sahara. Ein Pilotprojekt, das in großem Umfang Gratis-Medikamente zur Verfügung stellt und von den lokalen Politikern unterstützt wird, sorgt für vorsichtigen Optimismus.

    Rund 40 Millionen Menschen sind zurzeit weltweit mit dem HI-Virus infiziert, fast alle leben in den armen Ländern Afrikas und Asiens. Das Treffen in Toronto mit rund 20.000 Teilnehmern sucht unter anderem nach neuen Wegen, um mehr Menschen zu behandeln.

    Um zu überprüfen, mit welchen relativ einfachen Mitteln auch in armen Ländern die AIDS-Sterblichkeit verringert werden kann, wurde im afrikanischen Sambia vor vier Jahren ein Pilotprojekt begonnen. Von den ermutigenden Resultaten berichtet ein Medizinerteam um Jeffrey Stringer vom sambischen Forschungszentrum für ansteckende Krankheiten im "Journal of the American Medical Association" (JAMA).

    Die Studie "Rapid Scale-up of Antiretroviral Therapy at Primary Care Sites in Zambia" erscheint im JAMA (Bd. 296, S. 782; 16.8.06) und wurde vorab auf der Konferenz in Toronto vorgestellt.

    16 Prozent der Bevölkerung infiziert

    Die rund 11,5 Millionen Einwohner Sambias gehören zu den ärmsten und am stärksten von AIDS betroffenen Menschen der Welt. 16 Prozent der Bevölkerung sind mit dem HI-Virus infiziert, 22 Prozent in der Hauptstadt Lusaka.

    Im Jahr 2003 sind mehr als 90.000 Sambier an AIDS gestorben. In dem Staat konnten sich lange Zeit nur die Allerreichsten eine wirksame antiretrovirale Therapie (ART) auf privater Basis leisten.

    Gratis-Medikamente für alle

    2002 begann das Gesundheitsministerium des Landes deshalb mit einem Pilotprojekt: An zwei, später vier Spitälern wurde mit einem Verteilungsprogramm von ART begonnen.

    In einem Zeitraum von 18 Monate wurden die Medikamente an alle Patienten gratis verteilt, auch die Begleituntersuchungen kosteten nichts. Schließlich wurde das Programm auf weitere 14 Versorgungszentren ausgeweitet.

    Zu wenig Ärzte, aber gute Krankenschwestern

    Ein Hauptproblem Sambias ist die geringe Zahl an ausgebildeten Ärzten: Wie die Studienautoren betonen, überwogen zu Beginn des Programms deshalb die Befürchtungen, dass es nicht ordnungsgemäß durchgeführt werden kann.

    Doch man machte aus der Not eine Tugend, und die Patienten wurden in erster Linie von Krankenschwestern und anderen Spitalsbediensteten betreut.

    Nach 90 Tagen Werte wie in Industrieländern

    Die Zwischenergebnisse des Projekts sind nach Angaben der Forscher viel versprechend. Knapp 22.000 Menschen nahmen teil (Durchschnittsalter: 35 Jahre, knapp zwei Drittel Frauen, alle Stadien des Krankheitsverlaufs), rund 16.000 von ihnen erhielten ART.
    1.142 dieser Patienten starben - die meisten von ihnen in den ersten 90 Tagen der Behandlung, dem bekanntermaßen "kritischen Zeitraum" nach Medikamentationsbeginn.

    Danach sank die Zahl auf fünf Todesfälle pro hundert Patientenjahre (eine Kenngröße zur Messung der Sterblichkeit). Dieser Wert entspricht in etwa den Zahlen von Industrieländern und wird von den Wissenschaftlern als Erfolg verstanden.

    Vor 25 Jahren wurde AIDS erstmals beschrieben

    Am 5. Juni 1981 erschien ein Artikel in einem amerikanischen Fachjournal, der Medizingeschichte schreiben sollte. Erstmals wurden darin Symptome einer Krankheit aufgezählt, die später AIDS genannt wurde.

    Vier entscheidende Faktoren

    Nach Auskunft der Forscher lagen die schnelle Ausbreitung und der Erfolg des Programms an vier Faktoren: Erstens die Kostenlosigkeit der Behandlung, die einen gleichen Zugang für alle ermöglichte. Zweitens die strikte Einhaltung der Therapievorgaben durch das medizinische Personal trotz akuten Ärztemangels.

    Drittens die Eingabe sämtlicher Daten in ein zentrales Monitoring-System. Und last but not least die umfangreiche Finanzierung, die zu einem großen Teil aus den Mitteln des "Emergency Plan for AIDS Relief (Pepfar)" des amerikanischen Präsidenten stammte.

    Vorsichtiger Optimismus

    Der Schluss der Forscher ist eindeutig: Die Lage in Sambia sei nach wie vor kritisch, vor allem in Sachen Prävention müssten Fortschritte erzielt werden. Jedes Jahr infizieren sich weitere 100.000 Menschen mit dem HI-Virus.

    Dennoch: "Die ersten Ergebnisse des ART-Programms stimmen optimistisch. Die Erfahrung zeigt, dass es möglich ist, tausende Afrikaner in den Städten mit den nötigen Mitteln zu versorgen, wenn die Finanzierung stimmt und die lokalen Behörden mitspielen."

    Science.ORF vom 14. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Demonstranten in Toronto fordern mehr AIDS-Hilfe

    Vor dem Beginn der bislang größten Konferenz gegen die Immunschwäche Aids haben sich in Toronto zahlreiche Infizierte und Helfer zu einem Protestzug versammelt. Am Nachmittag wollten sie damit ihrer Forderung nach besserer Hilfe für die weltweit rund 40 Millionen Infizierten unterstreichen: «Universeller Zugang zu Behandlung ist möglich - jetzt, nicht später», heißt es in einer von vielen Teilnehmern unterzeichneten Petition.

    Das Leben der Menschen mit HIV/Aids müsse in den Mittelpunkt gerückt werden - auch durch genügend Spenden. Laut dem AIDS- Bekämpfungsprogramm der Vereinten Nationen, sind 2007 rund 18 Milliarden Dollar gegen HIV/Aids nötig, 2008 werden es 22,1 Milliarden sein. 20 000 speziell ausgebildete Mediziner sollen der Petition zufolge den Ärzte- und Krankenschwestermangel ausgleichen und die Hilfen auch tatsächlich zu den Menschen bringen - der Ärztemangel ist eines der Hauptprobleme. Die Unterzeichner verlangen zudem eine Milliarde freiwilliger und kostenloser HIV-Tests.

    Zudem müsse die Pharmaindustrie ihre Preise senken: Mexiko und Indien seien zwar Länder mit mittlerem Einkommen, trotzdem seien die Medikamente gegen das Virus dort für viele Menschen unerschwinglich. Hier könnten mehr Lizenzen ebenso helfen wie billige Generika.

    Belgischer Rundfunk - Meldung vom 13. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Indien inzwischen am stärksten betroffenes Land

    Rund elf Millionen Aids-Tote in den nächsten 20 Jahren möglich - die meisten Infizierten leben in ländlichen Gebieten

    Neu Delhi - Durch die Aids-Epidemie in Indien könnten einer Studie zufolge in den nächsten 20 Jahren rund elf Millionen Menschen sterben. Hinzu kämen fünf Millionen Kinder, die wegen des Aids-Todes potenzieller Mütter nie geboren würden, berichtete die "Times of India" unter Berufung auf eine Untersuchung der Regierung über die Bevölkerungsentwicklung. Ohne Aids würde die Zahl der Inder bis 2026 den Berechnungen zufolge von derzeit knapp 1,1 Milliarden auf 1,4 Milliarden ansteigen. Durch die oft tödliche Erkrankung würde aber eine Zahl von 1,384 Milliarden Einwohnern erwartet.

    Im vergangenen Mai hatte die UN-Organisation UNAIDS berichtet, in Indien seien 5,7 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert. Damit habe Indien Südafrika überholt und weise nun die höchste Zahl an HIV-infizierten Menschen weltweit auf. Die staatliche indische Organisation zur Aidskontrolle bestreitet die UN-Angaben und gibt die Zahl der Infizierten mit 5,2 Millionen Menschen an. Das indische Gesundheitsministerium hatte am Dienstag angekündigt, das nationale Aids-Programm werde sich künftig stärker auf ländliche Gebiete konzentrieren. Dort leben rund 59 Prozent der HIV-Infizierten.

    Der Standard vom 12. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    20.000 Teilnehmer bei Welt-Aids-Konferenz in Toronto

    Hauptproblem: Es steht zu wenig Geld für Behandlung und Aufklärung zur Verfügung

    Berlin / Toronto - Am Sonntagabend begann im kanadischen Toronto die 16. Welt-Aids-Konferenz. Die Zusammenkunft mit rund 20.000 Teilnehmern sucht nach neuen Wegen, um mehr Menschen zu behandeln. Zahlreiche Hilfsorganisationen verlangen hierfür von den reichen Ländern mehr Geld.

    Auch das Aids-Bekämpfungsprogramm UNAIDS der Vereinten Nationen weist darauf hin, dass für die nächsten Jahre zu wenig Geld für Behandlung und Aufklärung zugesagt ist. Rund 40 Millionen Menschen sind zurzeit mit dem Aidsvirus infiziert, fast alle leben in den armen Ländern Afrikas und Asiens.

    Langfristige Finanzierung wünschenswert

    UNAIDS-Direktor Peter Piot verlangte im Vorfeld erneut, das Thema HIV/Aids müsse weiterhin ganz oben auf der Prioritätenliste der Politik stehen. Statt von Jahr zu Jahr müsse die Finanzierung der Hilfsprojekte langfristig gesichert werden. Zudem gelte es, das zur Verfügung stehende Geld bestmöglich zu verwenden: "Es gibt eine tödliche Lücke zwischen den Orten, wo sich das Geld befindet und wo es von den Helfern gebraucht wird."

    Die vielleicht schwierigste Aufgabe sei aber die Überwindung der wirklichen Ursachen: die Armut und die Ausgrenzung der Infizierten, seien es die sozial schwachen Frauen, Drogenabhängige oder Homosexuelle.

    Das Treffen wird am Abend (Ortszeit) u.a. mit Reden des Ehepaares Bill und Melinda Gates eröffnet wird. Deren Stiftung hatte am Mittwoch 500 Millionen Dollar (391 Mio. Euro) für den Globalen Fonds gegeben.

    Der Standard vom 11. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Afrikanische HIV-Patienten befolgen ihre Verordnungen

    Studie widerlegt historisch gewachsenes Vorurteil

    North York - HIV-Patienten in Schwarzafrika sind disziplinierter beim Einnehmen ihrer Medikamente als ihre nordamerikanischen Leidensgenossen. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie des Centre for International Health and Human Rights Studies gekommen. Diese Ergebnisse bedeuten, dass eine schlechte Einhaltung der Medikation nicht von Entscheidungsträgern als Entschuldigung dafür herangezogen werden sollte, dass die dringend notwendigen antiretroviralen Medikamente für Entwicklungsländer nicht in ausreichendem Maß zur Verfügung gestellt werden. Entgegen der verbreiteten Meinung, zeigte sich, dass 77 Prozent der Patienten in diesen afrikanischen Regionen ihre HIV-Medikamente wie verschrieben einnehmen. Demgegenüber steht in Amerika und Kanada ein Prozentsatz von geschätzten 55 Prozent. Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal of the American Medical Society http://jama.ama-assn.org veröffentlicht.

    Das Team wertete 31 Studien aus Nordamerika mit insgesamt 18.000 Patienten und 27 Studien aus Schwarzafrika mit rund 12.000 Teilnehmern aus. Die Forscher um Edward Mills waren sich zuerst nicht klar darüber, warum Menschen in relativ reichen nordamerikanischen Ländern schlechter im Einnehmen von HIV-Medikamenten waren. Sie gehen jedoch davon aus, dass dieser Umstand mit den verschiedenen Formen der erlittenen Armut in Zusammenhang stehen dürfte. In Armut lebende HIV-Infizierte in Nordamerika haben bekanntermaßen eine geringe Disziplin bei dem Festhalten an die verschriebene Behandlung. Entscheidungsträger haben daher angenommen, dass viele Schwarzafrikaner ebenfalls wenig diszipliniert sein dürften, da sie vielfach arm sind.

    Mills betont laut New Scientist, dass Armut auf keinen Fall immer das gleiche bedeutet. Verarmte Nordamerikaner dürften ihre HIV-Medikamente eher aufgrund von Faktoren wie einer schlechten Beziehung zwischen Krankenhaus und Patient, unbehandelten Depressionen oder Drogenmissbrauch nicht mehr einnehmen. "Diese Überprüfung widerspricht der historischen Erwartung, dass Afrikaner antiretroviralen Medikationen schlecht einhalten, die als Erklärung dafür herhalten musste, warum es zu Verzögerung bei der Bereitstellung dieser Therapiemöglichkeiten gekommen ist."

    Pressetext Austria - Meldung vom 9. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Kein Strafverfahren wegen Aids-Broschüre

    Jugendschutz nur knapp nicht verletzt

    Die Berner Justiz hat ihre Ermittlungen gegen die kantonale Aidshilfe wegen Pornographie in einer Coming-out-Broschüre eingestellt. Die Aids-Hilfe mache sich nicht strafbar, ritze aber die Ziele des strafrechtlichen Jugendschutzes.

    Mit der Broschüre «Selbstverständlich» war die Aids-Hilfe im Sommer 2005 ins Visier der Berner Justiz geraten: Nach einem Hinweis der EVP Schweiz wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts auf das Verteilen von pornographischem Material an unter 16-Jährige eröffnet.

    Zu prüfen hatte der zuständige Untersuchungsrichter verschiedene Stellen der Broschüre, darunter die Schilderung eines Mannes, der auf einer öffentlichen Toilette von einem Unbekannten oral befriedigt wurde.

    «An der Grenze zur Pornographie»
    Mit der Publikation habe sich die Aids-Hilfe nicht strafbar gemacht. Das gehe aus dem Antrag des zuständigen Untersuchungsrichters an die Staatsanwaltschaft hervor, sagte Geschäftsleiterin der Aids-Hilfe Bern, Béatrice Aebersold Krähenbühl.

    Laut dem Untersuchungsrichter «ritzt» die Aids-Hilfe mit der Broschüre aber die Ziele des strafrechtlichen Jugendschutzes; einzelne Elemente bewegten sich an der Grenze zur Pornographie.

    Verschiedene Kantone lehnen Broschüre ab
    Aebersold zeigte sich erleichtert über den Entscheid. Die 20- jährige Erfahrung der Aids-Hilfe zeige, dass Präventionsbotschaften vor allem dann gehört würden, wenn sie sich am realen Leben orientierten und auf moralische Bewertungen verzichteten.

    Nach dem öffentlichen Wirbel um die Broschüre hatten die Kantone Bern, St.Gallen und Thurgau im Sommer 2005 die Verwendung des Hefts an der Volksschule gestoppt. Die Broschüre kann jedoch nach wie vor von über 16-jährigen Personen bei der Aids-Hilfe bezogen werden.

    Neue Zürcher Zeitung vom 8. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    25 Millionen Tote - 65 Millionen Infizierte

    25 Jahre nach der Erstbeschreibung 1981 hat die Immunschwäche Aids 65 Millionen Menschen infiziert und 25 Millionen getötet. Nach wie vor trifft die Seuche vor allem die Menschen im Süden Afrikas und in Asien.

    Nur jeder fünfte von ihnen bekommt lebensverlängernde Medikamente, von denen es inzwischen viele gibt. 2,8 Millionen Menschen sind 2005 gestorben, rund 8.000 pro Tag, etwa alle 10 Sekunden einer. Ein Impfstoff ist Wunschdenken. 4,1 Millionen Menschen haben sich 2005 infiziert. Vor diesem Hintergrund kommen vom 13. bis 18. August in Toronto die führenden Experten im Kampf gegen die unheilbare Immunschwäche zur 16. Weltaidskonferenz zusammen.

    Einige wenige Lichtblicke in wenigen Ländern können nicht über die grundlegenden Ursachen der Seuche hinwegtäuschen: Armut und Diskriminierung tragen weiter entscheidend dazu bei, das Aidsvirus zu verbreiten. Der überwiegende Teil der Infizierten weiß noch nicht einmal vom Erreger in seinem Blut. Trotz zahlreicher Erklärungen der G8-Staaten und der UN-Mitglieder droht fürs Jahr 2007 ein riesiges Finanzloch: 18,1 Milliarden Dollar (14,6 Milliarden Euro) sind im Kampf gegen HIV/Aids nötig, erklären die UN, 10 Milliarden Dollar zeichneten sich bislang ab.

    Die Regierungschefs der reichen Staaten, die das Virus mit mehr Geld für Aufklärung und Medizin eindämmen könnten, sitzen in Kanada nicht mit am Tisch. Sie und ihre Leibwächter müssten sich auch auf erbitterte Proteste entschlossener und teils verbitterter Demonstranten einstellen. Diese verlangen unter anderem eine Einschränkung des Patentschutzes, damit in den armen Ländern in großem Umfang billige Nachahmerpräparate verbreitet werden können. Die Präparate verlängern das Leben, aber vertreiben das Virus nicht aus dem Körper.

    Im Juni hatte die UN-Vollversammlung erklärt, dass vom Jahr 2010 an jährlich zwischen 20 und 23 Milliarden Dollar für den Kampf gegen Aids bereitstehen sollen. Prävention, Behandlung, Pflege und Unterstützung sollen dann „universell zugänglich“ sein. Welches Land wann wie viel zahlen soll, lässt die Erklärung indes offen. Die Internationale Aidsgesellschaft (IAS) beklagt ein „Versagen“ der Gemeinschaft, konkrete Bekenntnisse abzugeben. Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan kritisiert, dass es oft bei Absichtserklärungen der reichen Länder bleibt.

    Das groß angelegte UN-Programm “3 by 5“ - Medikamente für 3 Millionen Bedürftige bis Ende 2005 - ist gescheitert: Lediglich rund 1,5 Millionen Patienten bekommen tatsächlich die Aidsmittel. „Wie werden wir sicherstellen, dass die Menschen in den armen Ländern, die heute mit der Therapie beginnen, auch in 10 und 20 Jahren noch die Behandlung bekommen, die sie benötigen?“, fragt Peter Piot, Direktor des Aidsbekämpfungsprogramms UNAIDS der Vereinten Nationen.

    Wie er wiederholen die Helfer der vielen Nicht- Regierungsorganisationen seit Jahren, was gegen Aids hilft: Aufklärung, Medikamente und eine Stärkung der Frauen, die sich gegen ungeschützten Sex kaum wehren können, wenn sie oder ihre Kinder Hunger haben.
    In einigen wenigen Fällen zeigen sich kleine Erfolge: Der Anteil der Infizierten an der Gesamtbevölkerung ist in Kenia, Barbados, Ruanda, Simbabwe, Burkina Faso und Haiti leicht rückläufig. Hier hatte jeweils eine Änderung der Sexualgewohnheiten Erfolg, erläutert Piot im Medizinjournal „The Lancet“: „Die Menschen nehmen häufiger Kondome, zögern den ersten Verkehr hinaus und haben weniger Sexpartner.“ Würden sowohl Behandlung als auch die Vorbeugung vorangetrieben, ließen sich in Afrika südlich der Sahara bis 2020 rund 29 Millionen neue Infektionen verhindern, erklärt Piot. Und Annan bekräftigt: „Das einzige akzeptable Ziel für die Welt ist es, Aids einzudämmen und ein für alle Mal zu stoppen.“

    Südtirol Online vom 7. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aids-Behandlung mit Unterbrechungen vorteilhafter

    Eine Unterbrechung der antiretroviralen Therapie HIV-infizierter Patienten könnte die Nebenwirkungen und Kosten der Behandlung reduzieren.

    Die ‘Hochwirksame Antiretrovirale Therapie‘ (HAART) zur Vorbeugung/Verhütung von Aids ist bei lebenslanger Anwendung zwar außergewöhnlich leistungsfähig, jedoch auch teuer und kann zu ernsthaften Nebenwirkungen wie Leberschäden führen. Eine verringerte Behandlungsdauer (mit ‘HAART‘) könnte diese Probleme lösen, durch die Unterbrechung der Therapie jedoch das Risiko erhöhen, dass sich die Krankheit weiterentwickelt. Zudem könnten geringe Konzentrationen des Medikaments im Körper zurückbleiben und das Virus gegenüber ‘HAART‘resistent werden.

    Bernard Hirschel und seine Kollegen vom Genfer Universitätskrankenhaus untersuchten, ob eine planmäßige Unterbrechung der Therapie die gleiche Wirksamkeit wie eine kontinuierliche Behandlung hat. 430 Patienten mit chronischer HIV-Infektion wurden in zwei Gruppen eingeteilt, wobei in der ersten die Behandlung von 284 abhängig von ihrer Immunantwort zeitweise gezielt unterbrochen wurde. Die 146 Patienten der zweiten Gruppe wurden kontinuierlich über 22 Monate mit ‘HAART‘ therapiert. Die Ergebnisse zeigten in beiden Gruppen vergleichbare Grade der Resistenz(bildung) und der Kontrolle über das HIV-Virus. Bestimmte Nebenwirkungen wie Diarrhoe/Durchfall und Übelkeit waren in dieser/der ersten Gruppe geringer verbreitet, während leichtere Krankheitsbilder des HIV, wie beispielsweise Soor, häufiger auftraten.

    “Die Ergebnisse beruhigen bezüglich des befürchteten Risikos der Resistenzentwicklung und dem Verlust der Wirksamkeit der Behandlung. Aller Voraussicht nach wird es über mehrere Monate andauernde planmäßige Unterbrechungen der Therapie mit erheblichen Einsparungen bei den Medikamenten geben, insbesondere bei Patienten, deren Immunsystem niemals durch das HIV angegriffen wurde“, lautet Hirschels Schlußfolgerung.

    Quelle: Jintanat Ananworanich and others. CD4-guided scheduled treatment interruptions compared with continuous therapy for patients infected with HIV-1: results of the Staccato randomised trial. Lancet 2006; 368: 459-465

    The Lancet vom 4. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zehn Jahre erfolgreicher Aids-Therapie

    Doch Sorge über häufigere Tuberkulose

    Ein Jahrzehnt nach der Einführung der ‘Hochaktiven Antiretroviralen Therapie‘ (HAART) gegen HIV-Infektionen in Europa und Nordamerika bleibt das Risiko für Aids und Tod für jene gering, die diese Behandlung begonnen haben.

    HAART, eine Kombination mehrerer antiretroviraler Wirkstoffe, hat bislang hoch effektiv zur Verbesserung des Aids-freien Überlebens beigetragen. Margaret May und ihre Kollegen von der englischen University of Bristol analysierten die Daten von mehr als 22.200 HIV-infizierten Patienten in Europa und Nordamerika, um festzustellen, ob sich die Prognose für diese HAART-behandelten Personen über die Jahre verändert hat. Die Patienten starteten die Therapien erstmalig zwischen 1995 und 2003.

    Die Forscher stellten fest, dass die Patienten das Virus über die Jahre zwar immer besser kontrollieren konnten, das Todesrisiko im ersten Jahr nach Therapiebeginn dennoch nahezu gleich blieb. Es gab Hinweise darauf, dass seit 1998 das Aids-Risiko für Patienten anstieg, welche die HAART-Behandlung begonnen haben. Dies sei weitgehend einer Zunahme von Tuberkulose-Erkrankungen zuzuschreiben, erkannten die Forscher.

    Die Autoren erläutern: “Die Diskrepanz zwischen den deutlichen Verbesserungen, die wir für die Wirksamkeit der Medikamente feststellten, indem diese das Virus in Schach halten, und den sich offensichtlich verschlimmernden klinischen Entwicklungen könnte mit den demografischen Merkmalen der beobachteten Studienteilnehmer zusammenhängen. Von ihnen stammt eine zunehmende Anzahl aus Gegenden mit einer hohen Tuberkulose-Rate.“

    Viele Patienten hatten die Therapie in einem fortgeschritteneren Stadium der HIV-Erkrankung begonnen, als dies von den HAART-Behandlungsrichtlinien empfohlen wird, wie die Forscher außerdem entdeckten. Ihre Schlussfolgerung lautet: “Frühe Diagnose und Therapiebeginn bei HIV-Infizierten sind notwendig, um der Weiterentwicklung von Aids vorzubeugen. Eine Ausweitung freiwilliger und kostengünstiger Untersuchungen in der Gesundheitsvorsorge kann mit großer Wahrscheinlichkeit Patientenversorgung und Prognose verbessern.“

    Quelle: Margaret T. May. HIV treatment response and prognosis in Europe and North America in the first decade of highly active antiretroviral therapy: a collaborative analysis. Lancet 2006; 368: 451-458

    The Lancet vom 4. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Hi-Virus versteckt sich im Darm

    Medikamente gegen AIDS entfalten oft nicht ihre volle Wirkung. Das könnte an der Darmschleimhaut liegen, in der sich das HI-Virus verstecken und vermehren kann.

    Diesen möglichen Grund dafür haben nach einem Bericht im Fachmagazin "Journal of Virology" jetzt US-Forscher in einer Langzeitstudie herausgefunden.

    Die Wissenschaftler schlagen vor, verbesserte Therapieansätze für die Darmschleimhaut zu entwickeln und damit an jenem Punkt anzusetzen, wo das HI-Virus den größten Schaden für das Immunsystem anrichtet. Das Lymphgewebe des Darms ist zu 70 Prozent am Immunsystem beteiligt und damit ist für die Forscher klar, dass die Wiederherstellung seiner Funktionen grundlegend für die Befreiung des Körpers von dem Virus sei.

    In ihrer Studie beobachteten die Mediziner zehn Patienten, die mit der so genannten Hochaktiven Antiretroviralen Therapie (HAART) gegen HIV behandelt wurden. Dazu entnahmen sie den Teilnehmern vor und drei Jahre nach Beginn der Medikation Blut- und Gewebeproben aus dem Darm. Bereits nach dieser relativ kurzen Periode zeigten sich Entzündungen im Gedärm, welche die Zellfunktionen störten oder das Absterben von Zellen herbeiführten. Zudem brachte die Gabe von HAART die Darmflora aus dem Gleichgewicht.

    Yahoo Nachrichten vom 3. August 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Medienpreis der Deutschen AIDS-Stiftung 2005/2006

    Bonn - Am 31. Januar 2007 ist Bewerbungsschluss für den mit insgesamt 15.000 Euro dotierten Medienpreis der Deutschen AIDS-Stiftung. Zugelassen sind fachliche, wissenschaftliche, interpretatorische sowie künstlerische Beiträge aus Print, TV, Hörfunk und Neuen Medien. Sie müssen im Zeitraum vom 1. Januar 2005 bis zum 31. Dezember 2006 in deutscher Sprache veröffentlicht worden sein.

    Mit dem Medienpreis zeichnet die Deutsche AIDS-Stiftung seit 1987 Medienschaffende aus, die in besonderer Weise über HIV/AIDS berichten und damit zu einem solidarischen Verhalten gegenüber Betroffenen beitragen. Über die Preisvergabe entscheidet eine unabhängige Jury. Ihr gehören an: Bettina Böttinger (Moderatorin, Köln), Prof. Dr. Norbert Brockmeyer (Deutsche AIDS-Gesellschaft, Bochum), Heinz-Joachim Herrmann (Konferenz der Landesfilmdienste e.V., Bonn), Petra Klüfer (Aktivistin, Hamburg), Manfred Kriener (freier Journalist und Autor, Berlin), Prof. Dr. med. Jürgen Rockstroh (Medizinische Klinik und Poliklinik I, Universitätsklinikum Bonn), Prof. Dr. Bernd Schmidt (Zentrum für interdisziplinäre Medienwissenschaft, Georg-August-Universität Göttingen), Wolfgang Vorhagen (Akademie Waldschlösschen, Reinhausen b. Göttingen), Marianne Wichert-Quoirin (Kölner Stadt-Anzeiger).

    Bei der Bewerbung sollten folgende Kriterien berücksichtigt werden: - dreifache Ausfertigung des Beitrages (Zeitungskopie, CD-Rom, VHS-Band, Audiotape o. ä.) - keine Originale der künstlerischen Arbeiten, sondern diese mit Fotomaterial dokumentieren - formlose Bewerbung mit Hintergrundinformationen zum Beitrag (wo/wann veröffentlicht) - Informationen zur Person, zur Motivation für den Beitrag etc. sind willkommen.

    Einsendung der Unterlagen an:
    Deutsche AIDS-Stiftung
    Medienpreis
    Markt 26
    53111 Bonn

    Deutsche AIDS-Stiftung – Pressemeldung vom 18. Juli 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    FDA: Tägliche Pille gegen HIV in den USA zugelassen

    Statt der üblichen Medikamentencocktails soll für die Behandlung von HIV künftig eine einzige Pille täglich reichen. Wie die US-Arzneimittelbehörde (FDA) heute in Washington mitteilte, wurde die aus drei Retrovirenhemmern kombinierte Pille Atripla im Schnellverfahren zugelassen. Sie soll kommende Woche in den Verkauf kommen.

    Zudem soll die neue Pille in 15 weiteren Ländern verfügbar sein, die zum Anti-AIDS-Programm von US-Präsident George W. Bush gehören. Das sind Botswana, Äthiopien, Guyana, Haiti, die Elfenbeinküste, Kenia, Mosambik, Namibia, Nigeria, Ruanda, Südafrika, Tansania, Uganda, Vietnam und Sambia.

    Erfolg bei 80 Prozent
    Atripla wurde in einer zehnmonatigen Studie an 244 HIV-positiven Erwachsenen getestet. In 80 Prozent der Fälle wurde das Virus stark reduziert, gleichzeitig stieg die Zahl der Helferzellen (CD4), die Infektionen bekämpfen.

    Atripa ist eine Tablette, die drei verschiedene antiretrovirale Wirkstoffe in einer Pille kombiniert. Bestandteile sind das Bristol-Medikament "Sustiva" und die Gilead-Medikamente "Emtriva" und "Viread". Merck verfügt über das Vermarktungsrecht für Sustiva außerhalb der USA.

    Das neue Medikament sei durch die ungewöhnliche Zusammenarbeit der Hersteller Bristol-Myers Squibb, Gilead Sciences und Merck ermöglicht worden, die die Rechte an den drei kombinierten Medikamenten halten, teilte FDA mit. In den USA leben mehr als eine Million Menschen mit HIV oder AIDS, jedes Jahr kommen 40.000 neue Fälle hinzu.

    ORF Online Meldung vom 13. Juli 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HI-Viren sind aggressiver geworden

    Das HI-Virus befällt im Organismus jene Zellen, die normalerweise der körpereigenen Abwehr dienen und führt somit zum Zusammenbruch des Immunsystems. Die ursprüngliche Variante des Erregers war bei weitem nicht so gefährlich und scheint erst im Laufe der Evolution diese Aggressivität erlangt zu haben.

    Bei einer Infektion dockt das HI-Virus an den Rezeptoren der T-Helferzellen an, baut seine Erbinformation ein und zwingt die Wirtszelle, neue Viren zu produzieren. Durch ihre veränderte Hülle sind infizierte Zellen nur schwer für Antikörper zu erkennen und das Zusammenspiel der komplexen Immunantwort ist gestört. Eingeschränkte, fehlgeleitete oder überschießende Abwehrreaktionen sind die Folge.

    Verantwortlich dafür scheint ein Protein zu sein, dessen harmlose Variante bei Affenviren das Immunsystem unter Kontrolle hält, wie Ulmer Wissenschaftler jetzt herausfanden. Die Aktivität der T-Zellen wird so gesteuert, dass die Vermehrung des Erregers gewährleistet ist, eine überschießende Abwehrreaktion jedoch ausbleibt.

    In menschlichen HI-Viren und in ihren direkten Vorläufern, den Schimpansenviren, hat das als Nef bezeichnete Eiweiß seine regulierende Eigenschaft verloren. Die Erreger sind nicht mehr in der Lage, das Immunsystem zu dämpfen, wodurch die Überreaktion schließlich zum Versagen der Körperabwehr und damit zum Krankheitsbild Aids führt. Die Forscher hoffen mit diesen Entdeckungen auf die Entwicklung neuer Therapieansätze bei der Behandlung der Immunschwächekrankheit.

    Quelle: Cell 125, 1055 (2006).

    Deutsche Apotheker-Zeitung vom 13. Juli 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    USA: Sexmagazin unterstützt AIDS-Kampagne

    Provokation mit samenverklebter Werbeanzeige

    New York - Eine kreative Kampagne warnt im US-Sexmagazin Maxim http://www.maximonline.com vor dem HIV-Virus, berichtet die Media Post. Die doppelseitige Anzeige ist mit Rubbelkleber, der wie Samen aussieht, zusammengeheftet. Neugierige Leser, die eine leicht bekleidete Sexbombe erwarten, überrascht die Aufforderung "Practice safe sex" und die Warnung, dass AIDS weiterhin existiert und tötet. "Maxim propagiert Sex, also haben wir den Spieß umgedreht indem wir vorschlagen an einem von zwei Tagen sicheren Sex zu haben - Abstinenz oder Selbstbefriedigung", erklärt Sherrod Melvin, Kreativchef bei Cliff Freeman & Partners http://www.clifffreeman.com, der Agentur, die die Idee für die Anzeigenkampagne hatte.

    Für die Idee verlieh die US-Organisation Youth AIDS http://www.youthaids.org der Werbeagentur im vergangenen Jahr einen Preis. Die Kampagne die in den Mai-Ausgaben von Maxim und dem Jugendmagazin Blender startete, ist an junge Männer im Alter von 15 bis 24 Jahren gerichtet. 50 Prozent der Neuinfizierungen in den USA kommen in dieser Altersgruppe bei Frauen und Männern vor. Dass die Kampagne ausgerechnet in einem Sexmagazin erscheint, ist für Melvin nur folgerichtig, da die Magazin nicht selten in den Toiletten von Jugendlichen zu finden seien. "Schüler denken, dass sie gegen AIDS-Ansteckung immun sind", meint er.

    Gleichzeitig versammelten sich 400 Freiwillige von der New York University und gingen in New Yorks Zentrum durch die Straßen mit einer auf dem Rücken angeklebten Botschaft: HIV. Die angeklebten Zettel sind an den Kinderstreich angelehnt, bei dem das Opfer nichts von der Botschaft am Rücken weiß. Damit sollte symbolisiert werden, dass viele Menschen nicht wissen, dass sie HIV-positiv sind.

    Pressetext Deutschland vom 11. Juli 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Intrazerebrale Blutungen unter Tipranavir

    Tipranavir (Aptivus) ist zur antiretroviralen Kombinationsbehandlung mit niedrig dosiertem Ritonavir von mehrfach vorbehandelten HIV-Patienten zugelassen, die gegen mehrere Protease-Hemmer resistent sind. Die FDA und Hersteller Boehringer Ingelheim warnen nun vor schweren intrazerebralen Blutungen unter der Therapie.

    Bei 13 von 6840 HIV-infizierten Patienten, die eine Kombinationstherapie mit Tipranavir/Ritonavir im Rahmen klinischer Studien erhalten hatten, waren schwere intrazerebrale Blutungen aufgetreten, die in acht Fällen tödlich endeten. Bei vielen der betroffenen Patienten lagen Risikofaktoren wie ZNS-Läsionen, Kopftrauma, neurochirurgische Eingriffe, Koagulopathie, Bluthochdruck oder Alkoholmissbauch vor, einige erhielten gerinnungshemmende Medikamente, so dass nicht klar ist, ob die Kombination Tipranavir/Ritonavir ursächlich und alleine für die Komplikationen verantwortlich war.

    In präklinischen Studien mit Nagetieren wurden durch Tipranavir Gerinnungsparameter verändert. Unter hohen Dosierungen wurden multiple Organblutungen mit Todesfolge beobachtet. Gewarnt wird im Rahmen einer Black-box-Warnung, die damit die bestehende Black-box-Warnung vor schweren Leberfunktionsstörungen mit potentiell letalem Ausgang ergänzt.

    Orginalartikel: www.fda.gov/medwatch/safety/2006/Aptivus-tipranavir_DHCP.pdf

    Deutsche Apotheker-Zeitung vom 11. Juli 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Keine Steigerung des Depressionsrisikos bei HIV-Positiven unter Efavirenz

    Efavirenz erhöht die bereits hohe Rate depressiver Störungen bei HIV-infizierten Personen nicht, wie ein Bericht von Forschern aus Frankreich zeigt.

    Dr. Valerie Journot von INSERM, U593, in Bordeaux und Kollegen untersuchten, ob ein Efavirenz-basiertes antiretrovirales Therapieregime (n = 178) bei Patienten mit kontrollierter HIV-Infektion mit einer höheren Inzidenz depressiver Störungen verbunden war als ein Protease-Inhibitor (PI)-basiertes antiretrovirales Therapieregime (n = 177).

    Insgesamt seien 30 Fälle depressiver Störungen bei 27 Patienten aufgetreten, darunter 12 Patienten (7%) mit PI-basierten Regime und 15 Patienten (8%) mit Efavirenz-basierten Regime, berichten die Autoren.

    Dies ergibt neun Fälle auf 100 Patientenjahre in der PI-basierten Gruppe gegenüber elf Fällen auf 100 Patientenjahre in der Efavirenz-basierten Gruppe – ein nicht signifikanter Unterschied.

    Die Inzidenz depressiver Erkrankungen sei unter Patienten mit Depressionen in der Anamnese viel höher gewesen (29 Fälle auf 100 Patientenjahre), merken die Wissenschaftler an.
    In einem multivariaten Modell waren lediglich jüngeres Alter und eine depressive Störung in der Anamnese unabhängig mit einem höheren Risiko für eine depressive Erkrankung assoziiert.

    Allerdings „sollte eine depressive Störung in der Anamnese keine Kontraindikation für die Verschreibung einer Efavirenz-Therapie sein“, so die Wissenschafter abschließend.

    Quelle: Clin Infect Dis; 2006, 42: 1790-1799

    MedAustria - Meldung vom 10. Juli 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    3 in 1-Kombinationspille gegen AIDS zugelassen

    Medikament soll Behandlung von Betroffenen in armen Ländern verbessern

    New York - Die US-Bundesbehörde zur Überwachung von Nahrungs- und Arzneimitteln (FDA) http://www.fda.gov hat im Rahmen des US-amerikanischen PEPFAR-Plans (President Bush's Emergency Plan for AIDS Relief) eine Marktzulassung für eine neue 3-in-1-Kombinationspille gegen AIDS erteilt, wie die New York Times berichtet. Die neue Pille wird vom indischen Pharmaunternehmen Aurobindo http://www.aurobindo.com hergestellt und kombiniert die drei existierenden Medikamente AZT, 3TC und NVP, auch bekannt unter den Namen Zidovudine, Lamivudine und Nevirapine.

    Die PEPVAR-Initiative der US-Regierung setzt über einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt 15 Mrd. Dollar frei, mit dem Ziel, die globale AIDS-Pandemie zu begrenzen. Von diesem Geld wird mittlerweile die Behandlung von 561.000 AIDS-Patienten in Afrika, Asien und in der Karibik bezahlt. Die USA sind damit der weltweit größte Lieferant von Medikamenten gegen die Entstehung von Retroviren. Darüber hinaus zahlen sie auch ein Drittel des Budgets des Global Fund to fight Aids, Tuberculosis and Malaria (GFATM) http://www.theglobalfund.org, das die Therapie von etwa 541.000 Betroffenen finanziert.

    "Die neue Pille, die nur zweimal pro Tag eingenommen werden muss, soll die Behandlung von AIDS-Patienten in armen Ländern enorm verbessern", so Mark Dybul, AIDS-Koordinator des Weißen Hauses. Die Pille ist allerdings nicht das erste 3-in-1-Kombinationsmedikament gegen AIDS. 2002 wurde die Triomune-Pille von Cipla http://www.cipla.com, ein anderes indisches Pharmaunternehmen, von der World Health Organisation (WHO) http://www.who.int zugelassen. Dieses Medikament wird unter anderem von Unicef http://www.unicef.org und Ärzte ohne Grenze http://www.doctorswithoutborders.org verteilt und von etwa 400.000 AIDS-Patienten angewendet. Triomune wurde bislang jedoch nicht in das PREPVAR-Programm aufgenommen.

    Pressetext Austria – Meldung vom 8. Juli 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Haftung im Falle einer Aids-Übertragung

    Ein Urteil des Obersten Gerichts in Kalifornien

    Palo Alto - Wer in Kalifornien von seinem Partner mit dem HI-Virus infiziert wird, kann gerichtlich Schadenersatzforderungen geltend machen, auch wenn der Verursacher die virale Ansteckung unwissentlich verursachte. So will es ein Entscheid des Obersten Gerichts des Westküstenstaats.

    Bridget B. und John B., wie das ehemalige Paar in den Akten des obersten kalifornischen Gerichts in San Francisco genannt wird, lernten sich 1998 kennen und heirateten im Juli 2000. Vor der einvernehmlichen Aufnahme ihrer sexuellen Beziehung im Jahr 1999 hatte John seiner Verlobten versichert, gesund zu sein und ein monogames Leben zu führen. Dem Eheglück war allerdings nur kurze Dauer beschieden. Wenige Monate nach der Hochzeit tauchten bei Bridget gesundheitliche Probleme auf. Ein Aids-Test war im Herbst 2000 bei beiden Partnern positiv. Wie sich später herausstellte, hatte John vor der Beziehung mit Bridget regelmäßige sexuelle Kontakte mit gleichgeschlechtlichen Partnern gepflegt und hatte diese ohne das Wissen seiner Frau auch nach der Verlobung und Heirat weitergeführt.

    Wer hat wen angesteckt?
    Dieser Tatbestand veranlasste Bridget im Jahr 2001, die Scheidung und ein Schadenersatzverfahren gegen ihren Ehemann in die Wege zu leiten. Den Anspruch auf Abgeltung begründete Bridgets Anwalt damit, dass seine Mandantin betrogen worden sei und wegen der Fahrlässigkeit ihres Gatten großen körperlichen und seelischen Schaden erlitten habe.

    John hingegen kehrte den Spieß um und setzte damit eine gerichtliche Odyssee in Gang. Im Jahr 2002 machte er in einem erstinstanzlichen Verfahren in Los Angeles geltend, nicht seine Frau sei von ihm angesteckt worden, sondern sie habe im Gegenteil das Virus auf ihn übertragen. Noch im August 2000 habe er sich einem Aids- Test unterzogen, der negativ ausgefallen sei. Aufgrund der klaren Beweislage zuungunsten von John verfügte jedoch der Richter, Bridget habe ein Recht auf die Enthüllung sämtlicher homosexueller Interaktionen ihres früheren Ehegatten für die Zeitspanne der zurückliegenden 10 Jahre. Dazu gehöre eine komplette Liebhaberliste mit Namen, Adressen und Telefonnummern.

    Zwei Jahre später urteilte ein staatliches Berufungsgericht, der erste Entscheid sei zu weit gefasst gewesen und greife zu stark in die Privatsphäre ein. Lediglich das Datum von Johns erster homosexueller Beziehung und die Anzahl der Affären der zurückliegenden 5 Jahre seien von Belang.

    Vorbeugende Maßnahmen notwendig
    Mit seinem Urteil unterzog das Oberste Gericht in San Francisco jetzt den zweitinstanzlichen Entscheid einer weiteren Revision. Gegenstand der Klage könne lediglich Johns Promiskuität in den letzten 6 Monaten vor seinem HIV-Test im August 2000 sein, bestimmten die Richter mit einer Mehrheit von 4 zu 2. Sie bezogen sich dabei auf Daten des Center for Disease Control and Prevention, die belegen, dass mit den heute üblichen Tests in der Regel 3 bis 6 Monate nach der Ansteckung zuverlässig Antikörper nachgewiesen werden können.

    Anders als Johns Verteidiger hielt die Mehrheit der Richter aber fest, es gebe keinen Grund, John eine beschränkte Haftbarkeit zu gewähren. John hatte geltend gemacht, dass er zum Zeitpunkt seiner Verlobung und Heirat noch nicht Kenntnis von seiner ansteckenden Virusinfektion hatte. In seinem Eingeständnis, er habe zwar nicht über die einwandfreie Gewissheit, aber über das sogenannte präsumptive Wissen hinsichtlich seiner Immunerkrankung verfügt, liege des Pudels Kern, betonte der Richter Marvin R. Baxter. Jede Person müsse vernünftige Maßnahmen treffen, um der Verletzung anderer vorzubeugen. Dazu gehöre der Verzicht auf ungeschützten Geschlechtsverkehr, wenn die Möglichkeit einer Ansteckung mit einer lebensgefährlichen Krankheit bestehe. John könne für die Erkrankung seiner Frau verantwortlich gemacht werden, da er mit seiner eigenen Infektion habe rechnen müssen.

    Neue Zürcher Zeitung vom 8. Juli 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    PREDICT-1 Studie zur Verträglichkeit von Abacavir

    Studie mit Test zur Medikamentenverträglichkeit

    In einer der ersten Studien zur angewandten Pharmakogenomik1wird untersucht, ob sich allergische Reaktionen auf das HIV-Medikament Abacavir (Ziagen®) durch ein HLA2 Screening vor Therapiebeginn vermeiden lassen. An der großen internationalen Studie PREDICT-1, die gerade anläuft, nehmen zahlreiche deutsche Zentren teil.

    Das antiretrovirale Medikament Abacavir wird seit 1999 breit und erfolgreich zur Behandlung der HIV-Infektion eingesetzt. Das Sicherheitsprofil ist gut bekannt. Abacavir besitzt eine sehr gute Langzeitverträglichkeit, was vor dem Hintergrund einer lebenslangen Behandlung wichtig ist. Lediglich zu Beginn der Therapie - meist innerhalb der ersten sechs Wochen - kann eine so genannte Hypersensitivitätsreaktion auftreten. Dies ist eine systemische Reaktion, die mit Fieber und Hautausschlag einhergeht und in seltenen Fällen schwerwiegend verlaufen kann. Bei Verdacht auf eine Hypersensitivität muss Abacavir abgesetzt werden und darf auch später nicht wieder eingesetzt werden.

    Gewebetyp spielt eine Rolle
    Warum und wie es zu dieser Hypersensitivitätsreaktion kommt, ist im Einzelnen noch unklar, aber möglicherweise prädisponiert ein bestimmtes HLA-Allel (HLA-B*5701) dafür. Um die Verbindung zwischen HLA-B*5701 und dem Auftreten einer Hypersensitivitätsreaktion sowie den klinischen Nutzen eines HLA-Screenings vor einer Abacavir-Therapie zu untersuchen, wurde jetzt die Studie PREDICT-1 konzipiert.

    An der doppelblinden, randomisierten Studie werden in 18 europäischen Ländern und Australien etwa 1.800 HIV-positive Patienten teilnehmen. Die Hälfte der Patienten wird wie bisher ohne vorheriges HLA-Screening mit Abacavir behandelt. Bei der anderen Hälfte wird ein HLA-Screening vor Therapiebeginn durchgeführt und nur die HLA-B*5701-negativen Patienten behandelt. Die Ergebnisse werden Mitte nächsten Jahres erwartet.

    1 Die Pharmakogenomik wird eingesetzt, um Gene ausfindig zu machen, die – je nach Patient – zu einem unterschiedlichen Ansprechen auf Medikamente sowie zu unterschiedlichen Nebenwirkungen führen.
    2 Kurzbezeichnung für human leucocyte antigene system; komplexes, autosomal-kodominant erbliches System von Histokompatilbilitätsantigenen des Menschen, die auf der Oberfläche fast aller Zellen vorkommen und als Antigen-präsentierende Moleküle von T-Lymphozyten erkannt werden.

    Kontakt und Information:
    Herr Niko Tsilofitis, Tel. 040 / 415 232 168
    Herr Dr. Michael Ruess, Tel. 089 / 360 448 525

    GlaxoSmithKline - Pressemeldung vom 8. Juni 2006 Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     



     

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