HIV AIDS Infos Online
     

     
      Ausgabe 34
        Jahrgang 12
      Januar 2007
     
     
    Inhaltsverzeichnis Homepage der Praxis


    Vorbemerkung
    Impressum
    Sponsoren
     
     
     
     
     
     


     
     

    Zu langsame Fortschritte beim Kampf gegen AIDS
    Rasante Ausbreitung der Syphilis in China
    Logistische Probleme
    Resistente HI-Viren auf dem Vormarsch?
    Neuer HIV-Test kann Medikamenten-Resistenz vorhersagen
    Neue Perspektive für die Einführung von Medikamenten gegen AIDS
    Impfstoffe und Mikrobizide zur Vorbeugung entwickeln
    Do-it-yourself-Aids-Test in Großbritannien erhältlich
    3 Millionen Euro für AIDS-Forschung zu Resistenzen
    Patientendaten gingen ins Ausland
    HIV-Infizierte bleiben nicht ohne Medizin
    CHMP-Zulassungsempfehlung für Darunavir (TMC114) zur HIV-Therapie
    Zugang zu Medikamenten für Millionen Menschen gefährdet
    Beschneidung von Männern senkt Infektionsrisiko deutlich
    AIDS in Deutschland besser bekämpfen
    HIV-Medikament stoppt Fettumverteilung
    Sextourismus ist Grund für viele HIV-Neuinfektionen
    HIV und Malaria verstärken sich gegenseitig
    Früher Beginn bewahrt Immunantwort
    Neuer Anfang in Südafrikas Aids-Politik
    Wissenschaftler aus Russland finden neuen Impfstoff gegen AIDS?
    Safer-Sex-Kampagnen müssen mit Vergnügen und Schutz werben
    Studie belegt Vorteile von Routinetests
    Aktion für Familien mit HIV/AIDS in China
    Therapiepausen können lebensgefährlich sein
    HIV-Infizierte haben häufig neuropathische Schmerzen
    HI-Viren vermehren sich auch in Hodengewebe
    RKI: Welt-Aids-Tag 2006
    HIV-Infizierte haben häufig Kopfschmerzen
    Deutsche Aids-Stiftung zum Welt-Aids-Tag 2006
    Daten von 14.500 Patienten ausgewertet
    Verstärktes Lopinavir gibt es jetzt als Tablett
    HIV-Infektionsraten steigen in vielen Regionen der Welt weiter
    Kondomgebrauch im Süden Afrikas hat deutlich zugenommen
    Aids in arabischer Welt auf dem Vormarsch
    Immer mehr Europäer an AIDS erkrankt
    TMC125 in Kombination mit den meisten antiretroviralen Therapien möglich
    Zugang zu Medikamenten
    Wende bei der Bekämpfung von HIV in Russland?
    Forscher entdecken Aids-ähnliche Viren bei Gorillas
    Leben mit HIV kostet
    Mit HIV gegen HIV
    Studie zum Sexualverhalten junger Menschen
    Einmal täglich Lopinavir/Ritonavir effektiv
    Robert-Koch-Preis für Aids-Forscher
    Täglich 5.000 Tote durch Tuberkulose
    Neu-Infektionen auf hohem Niveau stabilisiert
    HIV-Infektionen bei Schwulen verdoppelt
    Russland: HIV greift um sich
    Auszeichnung für Kampf gegen Aids
    Aids-Prävention in Westafrika auf dem Prüfstand
    Private Stiftungen engagieren sich gegen Aids
    Retrovirus-Bulletin 2/2006
    114 Mahnmale für Kinder mit HIV
    Sieben Kinder tot
    Australien: HIV-Neuinfektionen steigend
    Aids breitet sich aus "wie in Afrika"
    Viele Migranten verleugnen ihre HIV-Infektion
    Unfall der viralen Evolution vermutet
    Mit Gentest lässt sich Therapie von HIV-Infizierten optimieren
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

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    Vorbemerkung
     
    Die HIV AIDS Infos sind eine Zusammenstellung aus Internetquellen, Mail- und Newsgroups und erstreckt sich jeweils über einen Zeitraum von ca. drei bis vier Monaten. Die einzelnen Artikel sind mit einem Link auf die Orginalartikel versehen und chronologisch geordnet. 
    Es wird auf diese Weise schnell über neue Entwicklungen und Änderungen in den Bereichen Epidemiologie, medizinischer Behandlung, ambulanter Pflege und psychosozialer Beratung bei HIV-Infektion und AIDS-Erkrankung informiert. Die HIV AIDS Infos erscheinen in regelmäßigen Abständen und informieren interdisziplinär über Änderungen und Neuerungen auf dem Gebiet von HIV und AIDS.

     

    Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zu langsame Fortschritte beim Kampf gegen AIDS

    UNICEF: 530.000 Kinder infizierten sich 2006 mit HIV.

    Trotz Fortschritten bei der AIDS-Prävention und bei der Behandlung von infizierten Kindern haben sich im vergangenen Jahr nach neuesten Schätzungen von UNICEF weltweit 530.000 Mädchen und Jungen unter 15 Jahren mit der Immunschwächekrankheit angesteckt. Durchschnittlich infiziert sich jede Minute ein Kind mit HIV. Die meisten dieser Kinder kommen bereits mit dem Virus auf die Welt: Sie infizieren sich vor, während oder nach der Geburt bei ihrer Mutter. Jedes zweite von ihnen wird noch vor seinem zweiten Geburtstag sterben, wenn es nicht rechtzeitig medizinisch behandelt wird. Dies geht aus einem neuen Bericht zu Kindern und AIDS hervor, den UNICEF heute in Genf und New York vorstellt.

     „Im Kampf gegen AIDS werden Kinder bis heute benachteiligt. Obwohl die Preise für Medikamente gefallen sind, erhalten die meisten betroffenen Kinder in den Entwicklungsländern immer noch keine ausreichende medizinische Hilfe. Für viele kommt dies einem Todesurteil gleich“, sagte Dietrich Garlichs, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. Gleichzeitig weist UNICEF darauf hin, dass in zahlreichen Entwicklungsländern, in denen das HI-Virus stark verbreitet ist, jetzt deutlich mehr getan wird, um Kinder und Jugendliche vor dem tödlichen Virus zu schützen.

    Mehr Schutz vor Mutter-Kind-Übertragung

    In Namibia erhalten beispielsweise immer mehr werdende Mütter Viren hemmende Medikamente, um eine Übertragung des HI-Virus auf ihr Baby zu verhindern. Der Anteil der HIV-infizierten schwangeren Frauen, die medizinisch behandelt werden, stieg um mehr als das Dreifache von sechs Prozent in 2004 auf 29 Prozent im Jahr 2005. In Südafrika stieg die Behandlungsrate im gleichen Zeitraum von 22 auf 30 Prozent. Insgesamt allerdings bleibt der weltweite Fortschritt aber gering. In den Entwicklungsländern haben nur rund neun Prozent der HIV-infizierten Schwangeren Zugang zu Medikamenten, die das Übertragungsrisiko deutlich senken. Im Jahr 2003 lag dieser Anteil sogar bei nur drei Prozent.

    Sinkende Preise für kindgerechte Medikamente

    Die Preise für Viren hemmende Medikamente, die auch für Kinder geeignet sind, sind in den vergangenen 12 bis 18 Monaten drastisch gesunken. Mittlerweile kosten kinderverträgliche antiretrovirale Medikamente nur noch rund 12 Cent pro Tag, beziehungsweise rund 47 Euro jährlich. In Ländern wie Botsuana, Indien, Ruanda, Südafrika und Thailand werden mittlerweile auch deutlich mehr Kinder als früher mit diesen Medikamenten behandelt. Weltweit erhalten jedoch nur zehn Prozent der HIV-infizierten Kinder die Medikamente, die sie dringend zum Überleben brauchen.

    Mädchen und junge Frauen fünfmal häufiger infiziert als Männer

    UNICEF weist darauf hin, dass die Anstrengungen zur Prävention weiter verstärkt und konzentriert werden müssen. Vor allem Mädchen und junge Frauen brauchen Informationen und Unterstützung. Weltweit liegt die Infektionsrate bei jungen Frauen unter 24 Jahren bereits über der ihrer männlichen Altersgenossen. In der Elfenbeinküste und in Kenia sind Mädchen und junge Frauen im Alter von 15 bis 24 Jahren sogar fünfmal häufiger infiziert als gleichaltrige Männer.

    Neue Daten aus Ländern wie Botsuana, Elfenbeinküste, Kenia und Malawi zeigen sinkende Ansteckungsraten, die offenbar darauf zurückzuführen sind, dass viele junge Leute ihr Sexualverhalten geändert haben. Insgesamt zeigen Daten aus 70 Ländern, dass die Zahl der Menschen, die Test- und Beratungsangebote wahrgenommen haben, von vier Millionen in 2001 auf 16,5 Millionen im Jahr 2005 gestiegen ist.

    Mehr Unterstützung für weltweit über 15 Millionen AIDS-Waisen

    Auch die weltweit schätzungsweise 15,2 Millionen Kinder und Jugendlichen, die durch AIDS ihre Mutter, ihren Vater oder beide Elternteile verloren haben, erhalten mittlerweile mehr soziale Unterstützung. Ein Datenüberblick aus 28 Ländern südlich der Sahara zeigt, dass 2006 zwischen 3,3 und fünf Millionen AIDS-Waisen und von AIDS betroffene Kinder soziale Unterstützung wie kostenlose Schulbildung, Gesundheitsversorgung, Nahrungsmittelhilfe oder wirtschaftliche oder psychosoziale Unterstützung erhielten. AIDS-Waisen können nun häufiger als früher zur Schule gehen, auch weil in einigen Ländern die Schulgebühren abgeschafft wurden. Mehr als 20 afrikanische Länder haben nationale Aktionspläne beschlossen, um diese durch AIDS bedrohten Kinder zu unterstützen.

    Weltweit wird die Zahl der AIDS-Waisen jedoch weiter steigen, allein bis 2010 auf schätzungsweise 20 Millionen. Zusätzlich zu den AIDS-Waisen sind Millionen weiterer Kinder von AIDS betroffen, weil ihre Eltern erkrankt sind. Viele Familien verarmen, weil sie zusätzlich zu den eigenen Kindern AIDS-Waisen von entfernten Verwandten aufnehmen.

    Bereits mehr als 600.000 Unterschriften für Kampagne „Du und ich gegen AIDS“

    Der Bericht „Children and AIDS - A stocktaking report“, den UNICEF im Rahmen seiner weltweiten Kampagne „Du und ich gegen AIDS“ erstellt hat, sammelt Daten zu Kindern und AIDS getrennt nach Altersgruppen und Geschlecht. Der detaillierte Bericht soll Regierungen und Hilfsorganisationen dabei unterstützen, gezielte Hilfsprogramme zu entwickeln.
    Die Kampagne „Du und ich gegen AIDS“ hat UNICEF Ende 2005 gestartet. In Deutschland unterstützen bereits mehr als 600.000 Menschen, darunter viele Jugendliche, die Kampagnen- Forderungen nach preiswerteren und kindgerechten Medikamenten, mehr Aufklärung und gezielter Entwicklungshilfe mit ihrer Unterschrift.

    Der vollständige Bericht steht in englischer Sprache unter http://www.unicef.de/aids zum Download bereit.

    UNICEF - Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen – Pressemeldung vom 16. Januar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Rasante Ausbreitung der Syphilis in China

    Eine Reihe einmaliger biologischer und sozialer Bedingungen fördert die beträchtliche Syphilis-Epidemie in China, wie die Ergebnisse eines nationalen Überwachungsprogramms aufzeigen.

    Eine Syphilisinfektion kann verheerende gesundheitliche Konsequenzen haben, darunter akute Hauterkrankungen wie genitale Geschwüre, chronische schwerwiegende und schwächende Gefährdungen des Herz-Kreislauf- und Nervensystems sowie ernste Auswirkungen für die reproduktive Gesundheit und die der Neugeborenen.

    Während der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts erlebte China eine der größten Syphilis-Epidemien der menschlichen Geschichte. Die Einführung von Massenuntersuchungen, freier Behandlung sowie die Schließung der Bordelle verlief höchst erfolgreich und führte in den 1960er Jahren quasi zur Ausrottung der Syphilis und anderer sexuell übertragener Krankheiten, was über die nachfolgenden zwei Jahrzehnte anhielt. Eine nachhaltige Kontrolle der Syphilis erwies sich jedoch als schwierig, und vereinzelte jüngste Berichte lieferten Hinweise auf das Ausmaß der Verbreitung der Syphilis in China.

    Xiang-Sheng Chen und Kollegen vom National Center for STD Control an der Chinese Academy of Medical Sciences sowie vom Peking Union Medical College Institute of Dermatology berechneten die Häufigkeit der Syphilis anhand von gesammelten und beurteilten Fallberichten des chinesischen nationalen STD-Kontrollsystems. Sie stellten fest, dass die Gesamthäufigkeit von kaum zwei Erkrankungen unter einer Million Menschen während der Jahre 1989 bis 1993 von 1,7 Fällen im Jahr 1993 auf 65 Fälle im Jahr 1999 anstieg. In den Jahren 2000 bis 2005 lag die jährliche mittlere Häufigkeit für primäre und sekundäre Syphilis bei 51,3 Erkrankungen pro einer Million Menschen.

    Die Forscher entdeckten außerdem, mit einem mittleren jährlichen Anstieg von 71,9 Prozent, eine rasante Zunahme in der Häufigkeit der angeborenen Syphilis. Unter einer Million Neugeborener im Jahr 1991 waren 0,1 erkrankt, im Jahr 2005 waren es bereits 196,8.

    Nach Ansicht der Autoren resultiert diese verheerende Syphilis-Epidemie aus der wieder aufgetretenen Prostitution, sich ändernden Sexualpraktiken sowie unzureichendem Zugang hochgefährdeter Bevölkerungsanteile zu Gesundheitsvorsorge auf Grund sozialer Ausgrenzung. Ebenso trügen mangelnde Qualität und unerschwingliche Kosten der medizinischen Dienste bei, wie auch eine mangelnde Immunität innerhalb der Bevölkerungsmassen.

    China hat bereits einmal aufgezeigt, dass eine Kontrolle der Syphilis möglich ist, und die Autoren raten dringend zu einer neuen nationalen Kampagne einer bezahlbaren Syphilisuntersuchung und -behandlung.

    Quelle: Zhi-Qiang Chen and others. Syphilis in China: results of a national surveillance programme. Lancet 2007; 369: 132

    The Lancet vom 15. Januar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Logistische Probleme

    Bremen/Luxemburg - Weltraumtechnologien aus Bremen sollen künftig die Verteilung von lebenswichtigen Aids-Medikamenten in Afrika unterstützen. Im Rahmen einer Studie werden seit Beginn des Jahres die logistischen Aspekte einer flächendeckenden Versorgung in stark betroffenen Gebieten analysiert und bewertet. Es soll geprüft werden, ob die Verwendung satellitengesteuerter Kommunikation die Versorgung von HIV-Infizierten sicherstellen kann. Testgebiet ist der westafrikanische Staat Guinea-Bissau.

    Federführend bei der Durchführung der auf ein Jahr angelegten Studie ist das luxemburgische Unternehmen Luxspace, eine hundertprozentige Tochter des Bremer Raumfahrtspezialisten OHB Technology. In Kooperation mit der Entwicklungshilfeorganisation Sant´Egidio handelt Luxspace im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation WHO und der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. Bremer Raumfahrtspezialisten von OHB werden dabei ihre Fachkenntnisse auf dem Gebiet satellitengestützter Kommunikation einbringen.

    Ausgangspunkt für die Studie war das Millenniumversprechen der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2000, erläutert Projektleiter Gerd Eiden. Das damals erklärte Ziel lautete, die Ausbreitung von HIV und Aids bis 2015 zu stoppen und den Trend umzukehren. Eine Etappe auf diesem Weg sollte die Versorgung von drei Millionen Infizierten in Afrika mit lebenswichtigen, antiretroviralen Medikamenten bis zum Jahr 2005 sein. «Dieses ehrgeizige Vorhaben wurde nicht ganz erreicht», sagt Eiden. Die Verantwortlichen reagierten.

    Ein entscheidender Grund für das Scheitern habe sich aus der fehlenden logistischen Gesundheits-Infrastruktur und mangelnden Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Patienten, Medizinern, Laboren, Ärzten, Apotheken und Lieferanten ergeben, fasst der Diplom-Geograf Eiden zusammen. «Mit der antiretroviralen Therapie können HIV-Infizierte weitestgehend von ihren Symptomen befreit sowie deren Lebenserwartung und -qualität entscheidend verbessert werden», erklärt Eiden.

    Letztendlich solle durch die Behandlungsmethode verhindert werden, dass ganze Staaten an der Epidemie zu Grunde gehen, weil ein Großteil der Bevölkerung aufgrund der Krankheitserscheinungen arbeitsunfähig werde. Doch die Versorgung mit den Medikamenten ist kompliziert, aufwändig und müsse vor allem durchgängig gewährleistet sein, heißt es. Umfangreiche Blutproben und Laboruntersuchungen seien nötig, um für jedes Individuum die passende Medikamentenzusammenstellung zu erstellen. Das bedeutet höchste Anforderungen an die Logistik.

    «Wir wollen nun prüfen, ob dieses logistische Bestreben durch weltraumbasierte Techniken unterstützt werden kann», heißt es. Dabei gehe es sowohl um die technische, wie auch die finanzielle Machbarkeit der Einsatzmöglichkeiten, sagt Eiden. Das Wissen um vorhandene Technologien mit den Lebensbedingungen und Gewohnheiten der Nutzer zu verbinden, sei dabei die Schwierigkeit. Nicht die verkaufende Industrie, sondern der Anwender stehe dabei im Vordergrund. «Sonst besteht nachher die Gefahr, dass der Nutzer teure Hightech-Lösungen hat, diese aber nicht gebraucht.»

    Yahoo News vom 11. Januar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Resistente HI-Viren auf dem Vormarsch?

    Drei Millionen Euro investiert das Bundesministerium für Gesundheit in den nächsten drei Jahren in die Erforschung von Medikamentenresistenzen bei HIV-Infektionen. Die Düsseldorfer Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie unter der Leitung von Prof. Dr. Dieter Häussinger ist eine von vier Institutionen, die an dem bundesweiten Projekt beteiligt sind. Die Düsseldorfer koordinieren innerhalb der RESINA-Studie 37 Schwerpunkteinrichtungen für HIV in Nordrhein-Westfalen, mehr als 1.000 Patienten wurden bereits in die Studie eingeschlossen. Weitere Partner in dem Verbund sind das Robert-Koch-Institut in Berlin, das Paul-Ehrlich-Institut in Langen sowie das Universitätsklinikum Köln.

    Die Behandlung der HIV-Infektion zeigt heute deutliche Erfolge. Allerdings entstehen bei einem Teil der behandelten Patienten im Verlauf der Therapie Viren, die unempfindlich gegen die verabreichte Medikation geworden sind. Diese mutierten Erreger können, z. B. bei ungeschütztem Sexualkontakt, übertragen werden. Dr. Mark Oette, Projektleiter erläutert: "Die Verbreitung solcher Viren steigt leider an. In Düsseldorf testen wir unbehandelte Patienten auf vorhandene Resistenzen und analysieren die gewonnenen Daten." Prof. Dr. Dieter Häussinger, Direktor der Klinik, fordert: "HIV-Infizierte sollten bereits in der Primärtherapie entsprechend untersucht werden, um eine mit Sicherheit wirksame Therapie zu bekommen."

    Bereits vor der Förderung durch den Bund hatte in Düsseldorf die private Heinz-Ansmann-Stiftung in die Resistenzforschung bei HIV investiert und eine Stiftungsprofessur zur HIV-Forschung an der Medizinischen Fakultät ins Leben gerufen. Ziele der aktuellen Förderung, so das Bundesministerium für Gesundheit, sind: Die Ergebnisse der Forschung sollen unmittelbar betroffenen Patienten zugute kommen und die Mechanismen der Resistenzentstehung erforscht werden. Therapieempfehlungen könnten so angepasst und Ansatzpunkte zur Entwicklung neuer Medikamente gewonnen werden.

    Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf - Pressemeldung vom 11. Januar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neuer HIV-Test kann Medikamenten-Resistenz vorhersagen

    London - Ein neuer Test spürt im Blut von HIV-Patienten einzelne Viren auf, die gegen Medikamente resistent sind. Damit könnten Ärzte schon früh voraussagen, ob ein Patient irgendwann nicht mehr auf die Medikamente ansprechen wird und die Behandlung rechtzeitig darauf einstellen. Der neue Test findet aus 10.000 Erregern ein einzelnes mutiertes Virus und ist somit ungefähr tausendmal empfindlicher als ein herkömmlicher Test. Seine hohe Sensitivität macht den Test zu einem nützlichen Hilfsmittel, um die Entwicklung von Medikamenten-Resistenzen zu erforschen, schreiben Fangping Cai von der Duke-Universität in Durham und seine Kollegen in der Fachzeitschrift «Nature Methods» (Online-Vorabveröffentlichung, DOI:10.1038/NMETH995).

    Die meisten mit HIV infizierten Menschen tragen viele verschiedene Formen des HI-Virus im Blut, da die Viren sehr schnell ihr genetisches Material verändern. Manche der infektiösen Partikel werden auf diese Weise widerstandsfähig gegen Medikamente. Die erworbene Medikamenten-Resistenz ist einer der Hauptgründe, warum eine Infektion mit HIV nicht komplett geheilt werden kann. Zunächst kleine, gegen Medikamente widerstandsfähige Virenpopulationen wachsen schneller als die nicht resistenten Viren und verdrängen sie - die Medikamente helfen dann nicht mehr.

    Welche Virenformen im Blut eines Patienten vorhanden sind, kann also wichtige Auswirkungen auf die Behandlung haben, erklärt Feng Gao, einer der Forscher. Für ihren Test konzentrierten sich die Wissenschaftler auf zwei Gene des HI-Virus, die das Ziel fast aller HIV-Medikamente sind: die reverse Transkriptase und die Protease. Bestimmte Mutationen in diesen Genen machen die Viren für die Medikamente unempfindlich. Die Forscher entwickelten farbige Sonden, die die mutierten oder unveränderten Gene erkennen und binden können. Ein mutiertes Gen erscheint dann in Grün, das normale Gen in Rot.

    So könnten im Blut der HIV-Patienten die unterschiedlichen Genvarianten und somit die verschiedenen Virenformen aufgespürt werden, schreiben die Wissenschaftler. Mithilfe eines speziellen Computerprogramms könnten sie die Anzahl der roten und grünen Markierungen in jeder Blutprobe zählen und sogar Viren erkennen, die gegen mehrere Medikamente resistent sind. «Das war bisher mit keinem der herkömmlichen Tests möglich», erläutert Gao. Durch die hohe Empfindlichkeit des Tests könne der Erfolg einer Therapie besser vorhergesagt werden, glaubt der Forscher. Auch eine Übertragung des Tests auf andere Infektionskrankheiten wie Hepatitis B und C oder Tuberkulose kann er sich vorstellen.

    Yahoo News vom 8. Januar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neue Perspektive für die Einführung von Medikamenten gegen AIDS

    Heidelberger Wissenschaftler entwickeln erstes transgenes Kleintiermodell zur raschen Testung von Anti-HIV-Wirkstoffen.

    Ein Heidelberger Wissenschaftlerteam unter Leitung des Virologen Dr. Oliver Keppler hat Medikamente gegen die HIV-Infektion beim Menschen erstmals erfolgreich an "transgenen" Ratten getestet. Diese Tiere waren durch gezielte Veränderung ihres Erbmaterials für eine Infektion mit HIV empfänglich gemacht worden. Damit steht nun ein transgenes Kleintiermodell zur Verfügung, mit dem die Wirksamkeit von Medikamenten gegen den AIDS-Erreger HIV schnell und in größerem Umfang vor ihrem Einsatz beim Menschen geprüft werden kann. Die Arbeit wurde jetzt in der Online-Ausgabe der renommierten US-Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht.

    Bevor neue Wirkstoffe bei gesunden Probanden und Patienten in klinischen Studien erprobt werden, müssen sie zunächst an Tiermodellen auf ihre Verträglichkeit und Wirksamkeit getestet werden. Allerdings ist HIV normalerweise weder für Mäuse noch Ratten infektiös, sondern nur für Menschen und bestimmte Menschenaffen. "Wirksamkeitsuntersuchungen in den wenigen bisher verfügbaren HIV-Tiermodellen sind technisch extrem aufwendig, sehr teuer und langwierig. Dies hat einen raschen Fortschritt bei der Entwicklung neuer Medikamente gegen HIV erheblich behindert", berichtet Dr. Keppler. Die routinemäßige Testung an Menschenaffen ist - vor allem aus ethischen Gründen - nicht durchführbar.

    Menschliche Gene werden in das Erbgut der Ratten eingebracht

    Die Virologen Christine Goffinet, Ina Allespach und Privatdozent Dr. Oliver Keppler aus der Abteilung Virologie des Universitätsklinikums Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Hans-Georg Kräusslich) beschäftigten sich mit der Frage, ob Wirkstoffe gegen eine HIV-Infektion an den transgenen Ratten getestet werden können. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern am J. David Gladstone Institute in San Francisco wurden dafür Gene des Menschen in das Erbgut der Tiere eingebracht, die erst eine HIV-Infektion dieser Nager ermöglichen. Die Gene sorgen dafür, dass auf der Oberfläche von Immunzellen der Ratte "menschliche" Proteine (HIV-Rezeptorkomplex) aufgereiht werden, die für das Eindringen des Virus in die Zelle notwendig sind. "Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass diese transgenen Ratten mit HIV infiziert werden können", berichtet Dr. Keppler.

    Nun ist es den Heidelberger Forschern gelungen, im Rattentiermodell die HIV-Infektion mit Hilfe von Arzneimitteln einzudämmen, die bereits erfolgreich bei HIV-infizierten Patienten im Einsatz sind. Diese Medikamente, die bei Menschen den Ausbruch von AIDS hinauszögern können, verhindern entweder den Eintritt des HI-Virus in die Zelle oder stoppen seine Vermehrung in den Zellen durch Hemmung der Reversen Transkriptase; ein Enzym des Virus, das die Umschreibung des genetischen Materials des Virus bewerkstelligt. Durch Behandlung der transgenen Ratten mit diesen Medikamenten konnte das Niveau der Infektion mit HIV um mehr als 90 Prozent reduziert werden. "Interessanterweise lag der Grad der antiviralen Wirkung in einem ähnlichen Bereich wie in vergleichbaren klinischen Tests der Medikamente bei HIV-infizierten Patienten", so Dr. Keppler. "Dies ist eine wichtige Eigenschaft und vielversprechend im Hinblick auf geplante Untersuchungen neuer Wirkstoffe".

    Die Arbeitsgruppe von Dr. Keppler untersucht nun erstmals noch in Entwicklung befindliche Substanzen gegen das Virus in diesem HIV-Kleintiermodell auf ihre Wirksamkeit, einschließlich Inhibitoren der HIV-Integrase, einem weiteren viralen Enzym, das für das Einfügen des HIV-Erbmaterials in das Erbgut der Wirtszelle verantwortlich ist. Durch dieses transgene Rattenmodell könnte ein wichtiger Beitrag dazu geleistet werden, dass nur die aussichtsreichsten Medikamenten-Kandidaten gegen HIV für zukünftige klinische Studien am Menschen ausgewählt werden und so die Weiterentwicklung neuer Virostatika beschleunigt wird.

    Literatur: Christine Goffinet, Ina Allespach and Oliver T. Keppler, HIV-susceptible transgenic rats allow rapid preclinical testing of antiviral compounds targeting virus entry or reverse transcription, Proc. Natl. Acad. Sci. USA, online publication

    Universitätsklinikum Heidelberg – Pressemeldung vom 2. Januar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Impfstoffe und Mikrobizide zur Vorbeugung entwickeln

    Bochum - Mit der Beteiligung am Exzellenznetzwerk EUROPRISE (European HIV Enterprise) erhält die HIV-Forschung an der Ruhr-Universität Bochum seit 1. Januar 2007 weiteren Rückenwind. 32 Institutionen aus zehn europäischen Ländern tragen diese von der EU mit 15 Millionen Euro unterstützte Initiative, die die Aktivitäten zur Entwicklung neuer Strategien zur Prävention bündelt. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung von Impfstoffen zur Vorbeugung und Behandlung der Infektion. Die Bochumer Wissenschaftler des Kompetenznetzes HIV/Aids (Sprecher: Prof. Dr. Norbert H. Brockmeyer) erforschen außerdem die Entstehung von Tumoren und Stoffwechselstörungen, unter denen HIV-Patienten häufig leiden.

    Tumorentstehung erforschen

    HIV-infizierte Menschen leiden zunehmend unter den Langzeitfolgen der erworbenen chronischen Immunschwäche. Ihre Lebensqualität und Lebenserwartung beeinflussen HIV-assoziierte Erkrankungen und Arzneimittelnebenwirkungen. Bedeutend sind zum Beispiel das gehäufte Auftreten von Tumoren, Stoffwechselstörungen und Veränderungen im Zentralnervensystem. Wissenschaftler der Ruhr-Universität haben sich daher über Fachgrenzen hinweg zusammengeschlossen, um Besonderheiten der virusabhängigen Tumorentstehung bei Immunschwäche aufzudecken und die Pathogenese und therapeutische Beeinflussung von HIV-assoziierten Stoffwechselstörungen zu untersuchen. Besondere Bedeutung kommt dabei auch der Entwicklung von präventiven und therapeutischen Impfstoffen (Vakzinen) zu.
     

    Übertragung verhindern

    Auch wenn die Medikamente zur Behandlung der HIV-Infektion immer besser werden, kann letztlich nur die Verhinderung der Übertragung helfen, die Krankheit zu besiegen. Konventionelle Impfungen haben bisher nicht den erhofften Durchbruch bringen können. Einfacher erscheint die Entwicklung von Mikrobiziden, die z.B. als Vaginalgel oder Cremes die Übertragung der HI-Viren verhindern sollen. Allerdings währt ihr Schutz nur kurz und hängt entscheidend von der konsequenten und regelmäßigen Anwendung ab. In Kombination mit einer Impfung allerdings sehen die internationalen Forscherteams, die in EUROPRISE organisiert sind, große Erfolgschancen für Mikrobizide. Daher wollen sie ihre Zusammenarbeit dahingehend verstärken.

    Weltweiter Kampf

    Deutsche Beteiligte am EUROPRISE sind neben Prof. Dr. Klaus Überla (Abteilung für Molekulare und Medizinische Virologie der RUB), Christiane Stahl-Hennig (German Primate Center, Göttingen), und Steve Norley (Robert Koch Institut, Berlin). Die von Bochumer Wissenschaftlern koordinierten nationalen und internationalen Forschungsverbünde, wie das deutsche Kompetenznetz HIV/AIDS und zwei von der EU-geförderten HIV-Vakzinprojekte, sorgen für die Einbindung in den weltweiten Kampf gegen die Immunschwäche.

    Ruhr-Universität Bochum - Pressemeldung vom 2. Januar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Do-it-yourself-Aids-Test in Großbritannien erhältlich

    London - In Großbritannien ist ein HIV-Test für die private Nutzung auf den Markt gekommen. Damit könnten Speichelproben entnommen und zur Untersuchung auf HIV-Antikörper per Post in ein Labor geschickt werden, berichtete die britische BBC am Donnerstag. Der Test des Pharmaunternehmens „DrThom“ kostet umgerechnet 35 Euro.

    Ein negativer Befund werde per E-Mail mitgeteilt. Sollte sich ein Verdacht auf eine HIV-Infektion ergeben, werde die Testperson von medizinischem Fachpersonal informiert. Da der Speicheltest weniger verlässlich als der konventionelle Bluttest ist, werde den Betroffenen geraten, das Ergebnis von einem Arzt überprüfen zu lassen. Die Gesundheitsbehörden gehen dem Bericht zufolge davon aus, dass bis zu 30 Prozent der HIV-positiven Briten bislang nichts von ihrer Infektion wissen.

    Deutsches Ärzteblatt vom 28. Dezember 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    3 Millionen Euro für AIDS-Forschung zu Resistenzen

    Berlin - Das Bundesministerium für Gesundheit wird in den nächsten drei Jahren drei Millionen Euro für ein Verbundprojekt zur Erforschung von Medikamentenresistenzen bei der HIV-Infektion bereitstellen: "Monitoring von resistenten HIV bei neu infizierten und chronisch infizierten HIV-Patienten in Deutschland".

    Dazu erklärt Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt: "Die HIV-Infektion erfordert lebenslang die Einnahme von Medikamenten. Sie ist trotz großer Fortschritte bei der Medikamentenentwicklung nach wie vor unheilbar. Ohne Medikamente führt eine HIV-Infektion innerhalb weniger Jahre zum Tod durch den Zusammenbruch des Immunsystems (Aids). Resistenzbildung bedroht die deutlich sichtbaren Erfolge der Behandlung von HIV- und Aids-Patienten der letzten zehn Jahre. Die Anzahl der Patienten in Deutschland mit resistenten Viren nimmt zu und liegt gegenwärtig bei etwa 15% der HIV-Infizierten. Ihnen droht die Gefahr, trotz Behandlung sehr schnell an Aids zu erkranken. In Zukunft ist damit zu rechnen, dass der Anteil resistenter HI-Viren weiter zunehmen wird. Dem wollen wir mit unserem Forschungsprojekt entgegenwirken."

    Vier Forschungspartner haben in einem, auch auf europäischer Ebene einzigartigen Verbundprojekt vom Bundesministerium für Gesundheit, den Auftrag erhalten, diese Entwicklung der Resistenzbildung zu erforschen und Möglichkeiten aufzuzeigen, ihr entgegenzutreten. Beteiligt sind die Universitätsklinken Düsseldorf und Köln sowie das Paul Ehrlich Institut (PEI) und das Robert Koch-Institut (RKI), dem die Gesamtprojektleitung und Koordinierung obliegt. Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit werden zum einen den betroffenen Patienten unmittelbar zugute kommen, indem eine auf einer Resistenztestung basierende individuell angepasste Therapie durchgeführt werden kann, und zum anderen werden Mechanismen der Resistenzentstehung erforscht, die es ermöglichen Therapieempfehlungen anzupassen und auch Ansatzpunkte zur Entwicklung neuer Medikamente zu gewinnen. Wissenschaftliche Expertise bereits bestehender Projekte soll gebündelt werden.

    Weitere Informationen zu HIV und Aids unter: http://www.rki.de

    Bundesministerium für Gesundheit - Pressemeldung vom 27. Dezember 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Patientendaten gingen ins Ausland

    Das Kompetentnetz HIV/AIDS ist ein honoriges und zukunftsträchtiges Projekt. Innerhalb von etwas mehr als 4 Jahren gelang es mehr als 14.000 Patienten in die größte Studie zu HIV und Aids in der Bundesrepublik zu akquirieren. Anfang Dezember wurde die positive Community von Meldungen aufgeschreckt, nachdem Patientendaten ins Ausland gegangen sein sollen. Doch es kam noch schlimmer. Neben den Patientendaten (immerhin bis zu 400 Daten pro Patient) wurden auch Blutproben in die Schweiz geschickt wo eine Einwilligung von Patienten zur Verarbeitung der Daten nicht vorgeschrieben ist. Dies wurde vom Chair des Kompetenznetzes Prof. Dr. N.H. Brockmeyer nicht nur bestätigt, es wurde auch bekannt, dass die Daten bereits zum Teil ausgewertet wurden.

    Die Ziele des Kompetenznetzwerkes HIV/Aids

    Das Kompetenznetz HIV/Aids wurde im Jahr 2002 gegründet. Das Netzwerk wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziell mit 15,1 Millionen € über einen Zeitraum vom 5 Jahren finanziell unterstützt. Um eine bessere Transparenz gegenüber den Patienten zu erreichen wurde zum einen die Deutsche Aidshilfe zum anderen weitere Patientenvertreter mit eingebunden. Den Vorsitz des Kompetenznetz hat Prof. Dr. Brockmeyer, sein Stellvertreter ist Prof. Dr. ter Meulen. Im so genannten Steering Committee sitzen Forscher und Wissenschaftler aus ganz Deutschland sowie die Patientenvertreter. Neben zehn Instituten für Grundlagenforschung kooperieren 53 Schwerpunktpraxen, Universitäten und Lehrkrankenhäuser in Deutschland mit dem Netzwerk. Ziel ist es Grundlagenforschung zu HIV und Aids in Deutschland zu bündeln und diese zu kommunizieren. Hauptziele sind das Monitoring unterschiedlichen HIV-Therapien und schlussendlich eine Koordination und Standardisierung von Behandlungsstrategien. Um dieses zu erreichen wurde eine umfangreiche Datenbank entwickelt (die sogenannte Kohorte) und mittlerweile mit bis zu 400 Daten pro Patient gefüllt. Ein internationaler Austausch der Ergebnisse ist von den Forschern erwünscht.

    Genetische Fragen bei HIV und AIDS

    Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Kohorte ist die Untersuchung inwieweit genetische Aspekte bei einer Infektion mit HIV eine Rolle spielen. Dabei soll anhand von Untersuchungen festgestellt werden, welche Gene beim Menschen welche Auswirkungen auf den Verlauf der Krankheit sowie die Therapie haben. Dies hätte den Vorteil, dass bereits vorher prognostiziert werden könnte, welche Therapieform für den Patienten am sinnvollsten ist. Unter anderem aus diesem Grund werden von den teilnehmenden Patienten auch Blutproben entnommen. Sollten sich aus den Blutproben Erkenntnisse und daraus resultierend Patente entwickeln lassen, so verzichtet der Patient in einer Vereinbarung auf das Recht daraus Nutzen zu ziehen. Gleichzeitig ist wohl zu vermuten, dass Ergebnisse auch an die Industrie (Pharma) übermittelt werden. Diese erhoffen sich daraus Hinweise auf die Produktion von weiteren Medikamenten aber auch auf mögliche Impfstoffe. Beides ist zwar gut für den Patienten, aber sicherlich nicht unlukrativ für die Industrie, die dadurch Daten erhält, die Gold wert sein können.

    Bei der Vorstellung des Netzwerkes wurde noch auf der Konferenz "HIV im Dialog" von Prof. Brockmeyer und anderen Referenten immer auf den Aspekt der Patientenvertretung hingewiesen. Datenschutzrechtliche Aspekte sind gerade beim Kompetenznetz sehr stark berücksichtigt worden. Dieses Vertrauen ist wichtig da die Daten der Patienten zwar verschlüsselt an die Labore, Forschungseinrichtungen und Datenbanken weitergereicht werden, diese sich allerdings wiederum zurückverfolgen lassen.

    Der Datenschutz auf Abwegen

    Die aktuelle Misere begann mit der Aufnahme von Prof. Amalio Telenti (Direktor des Instituts für Mikrobiologie am Universitätsspital in Lausanne) zum assoziierten Mitglied im Kompetenznetzwerk am 23. November 2006. Prof. Amalio Telenti ist einer der führenden Forscher zu HIV und Aids in der Schweiz. Er ist in der internationalen Kohorte Euro-CHAVI eingebunden, die sich mit Fragen zu genetisch passenden Impfstoffen gegen HIV beschäftigt. Nachdem klar wurde, dass damit nicht nur der Austausch von Studienergebnissen auf internationaler Ebene erreicht werden sollte, sondern auch der Austausch von Patientinnendaten, schlug die DAH (Deutsche Aids-Hilfe) Alarm (die DAH ist im sogenannten Steering Commitee als Patientenvertretung eingebunden). Wenig später meldete sich "positiv e.V.", eine Selbsthilfeorganisation, welche regelmäßig bundesweite Positiventreffen im Waldschlösschen bei Göttingen organisiert, zu Wort und forderte das Kompetenznetz ultimativ auf, Stellung zu beziehen zu den Informationen, dass entsprechende Daten ins Ausland gegangen seien.

    Hintergrund für diese Aufforderung ist die Tatsache, dass eine solche Zusammenarbeit nicht mit der Patienteneinwilligung in Eintracht steht, die von den Patienten unterschrieben wurden. Danach wurden zwar entsprechende Befugnisse zur Auswertung der Daten und Blutproben erteilt, allerdings nur an deutsche Forscher bzw. Institute. Eine wie auch immer geartete Weiterleitung ins Ausland wurde nirgends erwähnt. Viele Patienten haben sich sehr wohl überlegt, ob man die eigenen Daten und Biomaterial der Kohorte zur Verfügung stellt, wurden aber gerade in dem Punkt Datenschutz beruhigt. Da die Daten innerhalb der Kohorte pseudonymisiert weitergeleitet werden, anhand der Schlüssel aber auch wieder zurückverfolgt werden können, ist gerade ein hoher Datenschutz für viele Patientinnen wichtig. Dass dies nicht unbedingt im Ausland garantiert wird liegt auf der Hand. Was mit den Daten im Ausland geschieht und wer die Daten in weiteren Staaten erhält kann so nicht mehr garantiert werden mit vielleicht fatalen Folgen für die Patienten.

    HIV Positive im Visier der Justiz

    Aber auch die deutsche Justiz könnte, sollten Pläne der Regierung einer schärferen Kriminalisierung von HIV-Infektionen in die Tat umgesetzt werden, sehr an den Daten interessiert sein, sind darin fast ein Drittel der HIV Positiven eingeschlossen. Im Fall der Fälle hätten die Justizbehörden eine umfangreiche Recherchemöglichkeit, die fast an die Zeit der "Rosa Listen" erinnert.

    Unabhängig davon entspricht der vom Kompetenznetz realisierte Datenschutz nicht dem, was in den Patientenvereinbarungen versprochen wird. Das eigentliche Konzept für das Netzwerk ist zwar vorbildlich, aber in den letzten Jahren in dieser Form nicht realisiert worden. Dies wird zwar offensichtlich durch eine "Übergangslösung" durch Datenschützer noch vertreten, ist jedoch in Hinsicht auf die Brisanz der Daten mehr als zu hinterfragen. Ferner hat es mehrere Versionen der Patienteneinwilligung im Verlaufe der Zeit gegeben zu haben, was zur Folge haben kann, dass vor jeder weiteren Verwendung der Daten eine Einzelprüfung stattfinden müsste.

    Dies kann für das Kompetenznetz noch aus anderen Aspekten problematisch werden. Die ganze Struktur des Netzwerkes ist so angelegt, dass einzelne Personen bei illegalem Handeln in Regress genommen werden können, da es sich nicht um eine juristische Person handelt. Sollten nun strafrechtliche oder zivilrechtliche Folgen aus einem illegitimen oder gar illegalen Handeln entstehen, stehen erst einmal Einzelpersonen vor dem Richter.

    Weiter so? Besser nicht!

    Die gesamte Situation ist mehr als ärgerlich. Das Netzwerk war und ist die bisher umfangreichste, und wenn man sich die Zwischenergebnisse anschaut, wahrscheinlich auch beste Herangehensweise gerade für Patientinnen viel mehr zu erreichen, als dies in der Vergangenheit möglich war. Wenn nun durch unüberlegtes Handeln von Seiten des Kompetenznetzes das Vertrauen der Patientinnen verspielt wird, hat dies nicht nur Folgen für das Kompetenznetz. Studien und Kohorten in der Zukunft werden von Patientenseite sicherlich nicht mehr mit solch einer großen Teilnehmerzahl möglich sein. Dem Kompetenznetz wird nichts anderes übrig bleiben, als sich kompetente externe Hilfe zu holen, damit das Kind nicht in den Brunnen fällt. Aus der Community ist der Ruf nach den Datenschutz- sowie Patientenbeauftragten des Bundes bereits laut geworden, dem man sich nur anschließen kann. Immerhin scheint es trotz eines guten Konzeptes beim Datenschutz in den vergangenen Jahren gerade bei dem Datenschutz unabhängig von der neuen Situation große Defizite gegeben zu haben.

    Eine kurzfristige Ausweitung der bisherigen Patientenverfügungen auf internationale Kohorten kann keinesfalls eine Lösung sein, denn die Datenschutzbestimmungen im Ausland müssten bei einer solchen Vorgehensweise nicht nur berücksichtigt werden seitens des Netzwerkes, eine intensive Aufklärung der Patienten müsste über mögliche Folgen und über die Ziele und Zwecke der internationalen Studien wären genauso zu erklären. Vor alledem muss der Datenschutz selbst in der Kohorte nicht nur evaluiert sondern grundlegend in trockene Tücher gebracht werden.

    von Stefan Reck
    gay-web.de - News523 vom 21. Dezember 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Infizierte bleiben nicht ohne Medizin

    Die HIV-infizierten Patienten sollen nicht ohne Medizin bleiben. Das sagte der stellvertretende Minister für Gesundheitswesen und soziale Entwicklung, Wladimir Starodubow. Einige Printmedien hatten berichtet, dass das Ministerium einen neuen staatlichen Standard für die Behandlung von HIV und AIDS verabschiedet habe, der die Patienten ohne lebenswichtige Medizin lässt, weil billige Präparate durch teure ersetzt werden.

    "In dem Standard, den wir angenommen haben, geht es um spezialisierte medizinische Hilfe in Krankenhäusern. Er gibt neue Heilungsmöglichkeiten für Patienten, die gegen die Präparate der ersten und zweiten Reihe resistent sind", sagte Starodubow in einem RIA-Novosti-Interview.

    Russland online vom 21. Dezember 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    CHMP-Zulassungsempfehlung für Darunavir (TMC114) zur HIV-Therapie

    Neuss - Das Committee for Human Medicinal Products (CHMP) der europäischen Arzneimittelbehörde EMEA hat empfohlen, den Proteaseinhibitor Darunavir (TMC114) für die HIV-Therapie zuzulassen und zwar für intensiv vorbehandelte erwachsene HIV-Patienten, bei denen bereits mindestens eine Proteasehemmer-haltige HIV-Therapie versagt hat. Das neue Medikament wird mit 100 mg Ritonavir als Booster verstärkt und mit zwei weiteren antiretroviralen Medikamenten im Rahmen einer HIV-Kombinationstherapie eingesetzt. Die Zulassung für Europa erwartet Tibotec, Division of Janssen-Cilag GmbH, Anfang 2007. Derzeit ist Darunavir bereits in den USA, Kanada, Russland, Argentinien sowie der Schweiz unter dem Handelsnamen Prezista™ zugelassen. In weiteren Ländern wurde ein Antrag auf Zulassung eingereicht.

    Das positive Votum basiert auf den Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten einer gepoolten Analyse der beiden randomisierten, kontrollierten Phase-II Dosisfindungsstudien POWER 1 und POWER 2, in denen HIV-Patienten 24 Wochen lang zweimal täglich 600 mg Darunavir/100 mg Ritonavir im Rahmen einer Kombinationstherapie einnahmen. Zwischenergebnisse der beiden Studien über 48 Wochen wurden auf der diesjährigen XVI. Internationalen AIDS-Konferenz in Toronto, Kanada, präsentiert.

    Derzeit wird die Wirksamkeit und Sicherheit von Darunavir/Ritonavir im Vergleich zum geboosterten Proteasehemmer Lopinavir/Ritonavir jeweils in Kombination mit zwei weiteren HIV-Medikamenten in mehreren Phase-III-Studien weiter untersucht. Die TITAN-Studie, (zweimal täglich 600mg Darunavir/100mg Ritonavir) schließt 604 vorbehandelte Patienten ein; die ARTEMIS-Studie (einmal täglich 800mg Darunavir/100mg Ritonavir) 691 bislang nicht behandelte Patienten.

    Janssen-Cilag GmbH / Tibotec - Pressemeldung vom 20. Dezember 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zugang zu Medikamenten für Millionen Menschen gefährdet

    Ärzte ohne Grenzen: Novartis muss Klage gegen indische Regierung zurückziehen.

    Neu Delhi/Berlin - Eine Klage des Pharmakonzerns Novartis gegen das indische Patentrecht droht den Zugang zu Medikamenten für Millionen Menschen zu erschweren. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ruft das Unternehmen daher auf, die Klage umgehend fallen zu lassen. Novartis greift eine Klausel in der indischen Gesetzgebung an, die verhindern soll, dass Patente für geringfügige Weiterentwicklungen bereits bekannter Verbindungen erteilt werden. Sollte die Firma Recht bekommen, könnte dies der Patentierung lebenswichtiger Medikamente auch in Indien den Weg ebnen. Damit würden die Produktion von Generika und der Zugang zu solchen Medikamenten vor allem in ärmeren Ländern behindert werden.

    Indien ist seit Jahren eines der wichtigsten Produktionsländer für kostengünstige lebenswichtige Medikamente. Mehr als 80 Prozent der 80.000 Patienten, die in den Projekten von Ärzte ohne Grenzen mit HIV/Aids-Medikamenten behandelt werden, bekommen Generika indischer Herkunft. "Wir sind auf kostengünstige indische Qualitätsmedikamente angewiesen, um so viele HIV/Aids-Patienten wie möglich zu behandeln", sagte Christoph Fournier, internationaler Präsident der Organisation. "Die Versorgung mit diesen Medikamenten muss in jedem Fall garantiert bleiben."

    Novartis hatte gemeinsam mit 38 weiteren Pharmaunternehmen bereits vor fünf Jahren gegen die südafrikanische Regierung geklagt, um dort den Import von kostengünstigen HIV/Aids-Medikamenten zu verhindern. "Es ist, als würde sich die Geschichte wiederholen", sagte Tido von Schön-Angerer, Direktor der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. "Genau wie vor fünf Jahren versucht Novartis, durch ein Gerichtsverfahren den Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten für Millionen Menschen zu blockieren." Die Klage war damals nach internationalem Druck fallen gelassen worden.

    Eine dauerhafte Versorgung mit kostengünstigen neuen Medikamenten ist gerade in der HIV/Aids-Behandlung unerlässlich. Denn durch die unvermeidbare Entwicklung von Resistenzen sind die Patienten auf immer neue Medikamentenkombinationen angewiesen. Für einige dieser wichtigen neuen HIV/Aids-Medikamente stehen die Patententscheidungen in Indien gerade an.

    "Für Menschen wie mich, die mit HIV/Aids leben, würde ein Sieg von Novartis bedeuten, dass wir in die Zeiten zurückgeworfen werden, als Medikamente für uns unbezahlbar waren", sagte Loon Gangte vom Netzwerk der HIV-Infizierten in Neu Delhi. "Der Wettbewerb mit Generikaherstellern hat HIV/Aids-Medikamente für Patienten und Regierungen erst finanzierbar gemacht. Novartis darf uns den Zugang zu den Medikamenten, die wir zum Überleben brauchen, nicht versperren."

    Ärzte ohne Grenzen hat am 20. Dezember 2006 eine internationale Petition gestartet, die Novartis dazu bringen soll, die Klage fallen zu lassen. Diese kann auf der Website der Organisation unterzeichnet werden.

    Ärzte ohne Grenzen - Pressemeldung vom 20. Dezember 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Beschneidung von Männern senkt Infektionsrisiko deutlich

    Die Beschneidung von Männern kann das Risiko einer Aids-Infektion halbieren und so zu einem wirksamen Instrument gegen die Ausbreitung der Immunschwäche werden. Dies zeigten Untersuchungen in Kenia und Uganda mit beschnittenen und unbeschnittenen Männern, die vom US-Institut für Allergie- und Ansteckungskrankheiten (NIAID) am Mittwoch (Ortszeit) in Washington veröffentlicht wurden. In Kenia wurden demnach 2784 Männer, die zu Beginn der Studie nicht mit dem HI-Virus infiziert waren, beobachtet. Am Ende lag die Zahl der Aids-Infizierten bei den Beschnittenen um 53

    Prozent unter der der Unbeschnittenen. Ein ähnliches Bild zeigte sich in Uganda, wo 4996 Männer einbezogen wurden. Hier sank das Risiko bei beschnittenen Männern um 48 Prozent.

    Die US-Hilfsorganisation Aids Vaccine Advocacy Coalition (AVAC) sprach von einem "Meilenstein in der Geschichte der Aids-Epidemie". NIAID-Chef Anthony Fauci sagte, die Erkenntnisse könnten große Auswirkungen auf den Kampf gegen Aids in Ländern mit vielen HIV-Infizierten haben. Es müsse aber in den Kampagnen klar gemacht werden, dass die Beschneidung an sich nicht vor Aids schütze. Bei ihr wird die Vorhaut des Penis entfernt. Diese hat ein sehr dünnes Deckgewebe, das beim Geschlechtsverkehr Abschürfungen aufweisen kann. Die mikroskopischen Schnitte können dem HI-Virus dann den Eintritt in den Blutkreislauf ermöglichen. Einige Forscher vermuten auch, dass sich das HI-Virus an so genannte Langerhans-Zellen anbinden kann, die in großer Zahl in der Vorhaut vorkommen.

    Weltweit sind bisher 25 Millionen Menschen an Aids gestorben, weitere 40 Millionen sind infiziert, ohne dass sie Hoffnung auf eine Heilung haben können. Einzige Mittel zur Eindämmung der Ausbreitung waren bisher Kondome und Aufrufe zu sexueller Abstinenz. Das UN-Bevölkerungsprogramm schätzt, dass durch eine Eingliederung der Beschneidung in Kampagnen zur Aids-Bekämpfung in den kommenden zwei Jahrzehnten 3,7 Millionen Infektionen und 2,7 Millionen Tote verhindert werden können.

    Bernar Auvert von der französischen Aids-Agentur warnte allerdings ebenso wie die US-Organisationen davor, die Beschneidung auch in Ländern ohne ausreichende medizinische Versorgung zu propagieren. Wenn es die nicht gebe, würden Männer zu traditionellen Beschneidern gehen und damit Gefahr laufen, dass es "Komplikationen gibt - einschließlich Tod oder permanenter genitaler Schädigung", sagt er. "Es wäre ein Alptraum."

    Die Studien in Kenia und Uganda fanden in der Zeit vom September 2005 bis Mitte 2007 statt. Sie bestätigen ähnliche Untersuchungen in Südafrika, die sogar eine Senkung der Aids-Rate um 60 Prozent nahe legten.

    Yahoo News vom 15. Dezember 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    AIDS in Deutschland besser bekämpfen

    Die Bekämpfung der Immunschwächekrankheit AIDS soll seitens der Politik in Deutschland wirksamer bekämpft werden. Zum einen sieht der Koalitionsvertrag für die erste Hälfte des Jahres 2007 einen Aktionsplan zur Bekämpfung von HIV-Infektionen und AIDS-Erkrankungen vor, der gemeinsam mit Ländern, Kommunen und Verbänden umzusetzen ist. Dabei soll die Zusammenarbeit mit osteuropäischen Staaten intensiviert und die bisherigen Präventionsansätze überprüft werden. So müssten etwa an "Orten sexueller Begegnung" kostenlos Kondome und Gleitmittel sowie Informationen über sichere Sexualpraktiken bereitgestellt werden.

    Darüber hinaus hat die Fraktion der Grünen/Bündnis 90 einen Antrag auf intensivere Präventionsanstrengungen angesichts gestiegener Neuinfektionsraten gestellt. Besonders die Kürzungen bei den Ländern und Kommunen müssen ihrer Meinung nach zurückgenommen werden. Zudem wendet sich die Fraktion ausdrücklich gegen eine Zensur der Internet-Informationsangebote der AIDS-Hilfen. Auch über "Risikovermeidung bei nicht allgemein üblichen Sexualpraktiken" müsse "leicht verständlich und anschaulich aufgeklärt" werden. Weiter heißt es in dem Antrag nach Angaben des deutschen Bundestages, es sei dafür Sorge zu tragen, dass Flüchtlinge mit HIV-Infektion oder Aids-Erkrankung aus Ländern ohne Behandlungsmöglichkeiten nicht dorthin abgeschoben werden.

    Yahoo News vom 14. Dezember 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Medikament stoppt Fettumverteilung

    Mit Tenofovir setzen Patienten wieder subkutanes Fett an Armen und Beinen an

    Hamburg - Mit den neuen HIV-Arzneien treten bei mindestens gleicher Wirksamkeit meist weniger unerwünschte Wirkungen auf als mit älteren Präparaten. So kann der nukleosidische Reverse Transkriptasehemmer (NRTI) Tenofovir die mit anderen NRTI assoziierte Fettumverteilungsstörung und Lipiderhöhung teilweise rückgängig machen.

    Bei der Wahl einer HIV-Therapie steht eine hohe Wirksamkeit bei guter Langzeitverträglichkeit und einfacher Einnahme im Vordergrund. Daran hat Dr. Knud Schewe, niedergelassener HIV-Spezialist aus Hamburg, auf einer Veranstaltung des Unternehmens Gilead in Hamburg erinnert. Ein Problem ist etwa die Fettumverteilungsstörung, wobei der Fettgewebsverlust im Gesicht und an den Extremitäten Schewe zufolge auf die Anwendung von Thymidin-Analoga zurückzuführen ist.

    Ein deutlicher Unterschied bei der Langzeitverträglichkeit habe sich beim Vergleich von Tenofovir mit dem NRTI Stavudin (d4T), einem Thymidin-Analogon, gezeigt. Jeweils kombiniert mit dem NRTI Lamivudin und dem nicht-nukleosidischen Reverse Transkriptasehemmer (NNRTI) Efavirenz wurden die Präparate bei 600 zuvor nicht behandelten HIV-Infizierten Patienten geprüft.

    Auch nach vier Jahren Therapie blieb das subkutane Extremitätenfett bei den Patienten im Tenofovir-Arm mit etwa acht Kilogramm im Normbereich (7 bis 9 Kilogramm). Nach drei Jahren Therapie konnten die Patienten im d4T-Arm vom Thymidin-Analogon auf Tenofovir wechseln. Das Extremitätenfett dieser Patienten wog vor dem Wechsel 4,6 Kilogramm und nach einem Jahr Tenofovir-Behandlung bereits wieder fünf Kilogramm.

    Ein weiterer Vorteil von Tenofovir: die einmal tägliche Einnahme, die die erforderliche hohe Compliance erleichtert. Das Unternehmen bietet Tenofovir (Viread®) und den NRTI Emtricitabin (Emtriva®) in einer einmal täglich einzunehmenden Tablette als Truvada® an. Zudem entwickelt es mit Bristol Myers Squibb die Fixkombination Tenofovir plus Emtricitabin plus Efavirenz.

    Ärzte-Zeitung vom 14. Dezember 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Sextourismus ist Grund für viele HIV-Neuinfektionen

    Berlin - Südostasien-Reisen sind eine wichtige Quelle für HIV-Neuinfektionen bei Heterosexuellen in Deutschland. Ein Drittel der mit HIV neu infizierten heterosexuellen Männer in Deutschland behauptet, sie hätten sich ihre Infektion in Südostasien geholt.

    Darauf hat der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Professor Reinhard Kurth, im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" hingewiesen. Wie viele davon sogenannte Sextouristen sind, wird statistisch nicht erfasst, doch dürften es nicht wenige sein.

    Von den neu mit HIV infizierten heterosexuellen Frauen in Deutschland gaben bei einer Befragung nur 19 Prozent an, sich auf Fernreisen infiziert zu haben, vor allem in Afrika.

    Vor dem Hintergrund dieser Zahlen mahnte der Präsident des RKI zu mehr individueller und gesellschaftlicher Verantwortung. "Safer sex" dürfe nicht unmodern werden, und die gesellschaftlichen Anstrengungen in Richtung Prävention und Aufklärung dürften nicht nachlassen. "Wir wissen, dass Präventionskampagnen sich rechnen. Sie dürfen auf keinen Fall zurückgefahren werden", so Kurth.

    Ärzte-Zeitung vom 11. Dezember 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV und Malaria verstärken sich gegenseitig

    Seattle - Der Malaria-Erreger sorgt laut Forschern dafür, dass HIV-Infizierte in ihrem Blut etwa zehn Mal mehr Aids-Erreger haben als ohne Malaria.

    Die Seuchen Malaria und Aids scheinen sich nach neuen Forschungserkenntnissen gegenseitig zu verstärken. Daher würden gleichzeitig an Aids und Malaria leidende Kranke die Immunschwäche beim Sexualverkehr viel eher übertragen, berichteten die Forscher des Fred Hutchinson Krebsforschungszentrums an der Universität von Washington im Wissenschaftsmagazins «Science». Umgekehrt seien Aids-Kranke wegen ihres angeschlagenen Abwehrsystems leichter für den Malaria-Erreger empfänglich.

    Diese Wechselwirkung hat laut den Forschern beträchtlich zur Ausdehnung des beim Geschlechtsverkehr übertragenen Aids-Virus wie auch zur Ausbreitung der durch Stechmücken übertragenen Malaria beigetragen. Anhand von Daten über Patienten aus Malawi unternahmen die Forscher auch eine quantitative Abschätzung des Zusammenwirkens. Sie kamen zum Schluss, dass Zehntausende von Aids-Infektionen und Millionen von Malaria-Fällen auf das Zusammenspiel beider Krankheiten zurückgehen.

    news.ch - Meldung vom 8. Dezember 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Früher Beginn bewahrt Immunantwort

    von Pietro Vernazza

    Wie lange soll man eine HIV-Therapie hinauszögern. Eine neue Studie spricht wieder eher für einen sehr frühen Therapiebeginn. HIV-Therapie: das Pendel schlägt zurück: Als vor 10 Jahren die ersten Erfolge der HIV-Kombinationstherapie (HAART) bekannt wurden, haben wir die Indikationsstellung einer HIV-Therapie großzügig gehandhabt. Es waren dann die Nebenwirkungen der Therapien, welche uns vorsichtiger werden ließen. Wir empfehlen den Therapiestart heute nur dann, wenn das Immunsystem schon recht stark geschwächt ist.

    Mit den neueren Medikamenten wird die HAART nun auch wieder sehr viel besser toleriert. Viele Patienten nehmen ihre Therapie ohne jegliche Nebenwirkungen zu verspüren. Nun fragt es sich, ob man nicht doch vielleicht schon etwas früher mit der Therapie beginnen soll.

    Eine neue Studie
    aus Birmingham, Alabama, bringt nun wieder etwas Wind in diese Richtung. Wir wissen nämlich schon recht lange, dass bereits in den ersten Monaten der HIV-Infektion das Immunsystem im ganzen Darm praktisch völlig zerstört wird. Wir wissen auch, dass die Abwehrzellen, welche gegen das HIV selbst gerichtet sind, sehr gezielt am Anfang der Infektion zerstört werden. Die neue Studie hat eine noch wenig bekannte Eigenschaft von Memory-Zellen untersucht. Es handelt sich um CD8+ Zellen, welche den CD127 Rezeptor exprimieren. Dies kann in hoher (hi) oder tiefer Konzentration (lo) erfolgen. Der CD127-Rezeptor befähigt die Zellen, auf Interleukine (IL-7, IL15), also Botenstoffe des Immunsystems zu reagieren. Er ist also entscheidend für das korrekte Funktionieren des Immunsystems.

    Die Studie hat bei vier unterschiedlichen Patientenpopulationen (und HIV-negativen Kontrollpersonen) die Expression des CD127-Rezeptors auf CD8+ Zellen untersucht:

    o chronisch infizierte, unbehandelte Patienten mit hoher Viruslast (HIV+VL+)
    o chronisch infizierte aber behandelte Patienten ohne nachweisbares Virus (HIV+VL-)
    o "Controllers", Patienten, welche ohne Therapie eine sehr tiefe VL und hohe CD4 haben
    o Patienten, welche bereits in den ersten 0-4 Monaten der Infektion mit der Therapie begonnen haben (Early)

    Die nebenstehende Abbildung zeigt sehr schön, dass bei allen HIV-positiven Personen mit Ausnahme derjenigen mit dem frühen Therapiebeginn, die Zahl der CD127hi-positven CD8-Zellen deutlich eingeschränkt ist. Erstaunlich auch, dass dies auch bei den "controllers" der Fall ist. Allerdings hatten in dieser Gruppe nur 2 von 7 eine gar nicht nachweisbare Viruslast. Kein Unterschied zeigte sich bei der CD127-Expression von CD4 Zellen.

    Auch die HIV-Abwehr bleibt intakt
    Die Autoren haben weiter auch noch die Funktion dieser Zellen untersucht. Wenn CD8 Zellen mit Fremdem Eiweiß in Kontakt kommen, so produzieren sie Cytokine (Il-2, Interferon). Bei HIV-infizierten wissen wir, dass gerade diejenigen Zellen geschädigt sind, welche spezifisch gegen HIV gerichtet sind. Die Autoren haben nun auch dies untersucht und gezeigt, dass die Abwehrfunktion (Interferon oder IL-2 Produktion) beim Kontakt mit HIV-Eiweißen bei der Gruppe mit dem frühen Therapiebeginn praktisch vollständig erhalten blieb.

    Wir meinen: Die Behandlung der HIV-Primoinfektion ist sinnvoll!
    Die Studie ist wiederum ein kleines Mosaiksteinchen im sich immer deutlicher abzeichnenden Trend, dass ein sofortiger Behandlungsbeginn im Rahmen der HIV-Primoinfektion durchaus sinnvoll sein dürfte. Verzögert man den Therapiebeginn, so verpasst man die Chance diese für das Immunsystem wichtigen Zellen zu bewahren. Abbrechen kann man die einmal eingeleitete Therapie später jederzeit.

    Quelle: Sabbaj et al, JID, 2007; 195:108-17

    InfektNews vom 7. Dezember 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neuer Anfang in Südafrikas Aids-Politik

    Ehrgeizige Ziele - Warten auf die Umsetzung des Aktionsplans.

    Kapstadt - Die südafrikanische Regierung hat ihre Aids-Politik revidiert. So will sie jetzt die Zahl der jährlichen Neuinfektionen drastisch reduzieren und in fünf Jahren 80 Prozent der Aids-Kranken medizinisch betreuen können. Aids-Organisationen fordern eine Konkretisierung des Plans.

    Leiter des staatlichen südafrikanischen Aids-Programms, Nomonde Xundu, hat den Entwurf für einen neuen Aktionsplan zur Bekämpfung der Aids-Epidemie vorgestellt. Danach soll die Zahl der jährlichen HIV-Neuinfektionen bis zum Jahr 2011 halbiert werden. Auch will der Staat bis in fünf Jahren in der Lage sein, 80 Prozent der Aids-Kranken medizinisch zu betreuen. Aus dem Wortlaut des Plans geht allerdings nicht eindeutig hervor, ob dies den Empfang von Aids- Medikamenten einschließt. Die führende Anti- Aids-Organisation Treatment Action Campaign (TAC) hat deshalb die Regierung aufgefordert, den Aktionsplan zu konkretisieren.

    Konkretisierung verlangt
    Auch der Präsident der Ärztegruppe HIV Clinicians Society, Venter, forderte die Regierung auf, konkrete Ziele zu setzen; sie würden es den Betroffenen erlauben, die Leistung der Regierung zu messen. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden können. Sorgen bereitet der TAC und der HIV Clinicians Society auch die Tatsache, dass Manto Tshabalala-Msimang anscheinend weiterhin Gesundheitsministerin bleibt. Tshabalala-Msimang war in den vergangenen Jahren für die desaströse Aids-Politik der Regierung verantwortlich gewesen. In den vergangenen Wochen wurde die Ministerin durch die Neubelebung des Aids-Rates unter der Leitung der Vizepräsidentin Phumzile Mlambo- Ngcuka zwar weitgehend neutralisiert, bleibt aber kraft ihres Ministeramtes für die Umsetzung des Aids-Aktionsplans verantwortlich.

    Als bedeutenden Schritt der Regierung werten die Aids-Organisationen jedoch, dass Mlambo-Ngcuka und die stellvertretende Gesundheitsministerin Nozizwe Madlala-Routledge öffentlich erklärt haben, eine Aids-Erkrankung sei auf eine HIV-Infizierung zurückzuführen. Tshabalala- Msimang hatte wie auch Präsident Mbeki immer wieder durchblicken lassen, dass sie von dieser Tatsache nicht überzeugt ist. Madlala-Routledge stellte zudem auch klar, dass für Aids-Kranke eine gesunde Ernährung keine Alternative zur Einnahme von Aids-Medikamenten darstelle. Tshabalala-Msimang hatte in den letzten Jahren immer wieder suggeriert, dass Aids auch durch die Einnahme von Roter Beete, Knoblauch und Olivenöl bekämpft werden könne.

    Zusammenarbeit mit Aktivisten
    Positiv wird schließlich auch die Tatsache gewertet, dass die Regierung über den Aids-Rat nun wieder zu einer Zusammenarbeit mit Aktivisten und Unternehmen bereit ist. Eine solche Zusammenarbeit ist angesichts des Ausmaßes der Aids- Epidemie unabdingbar. Es wird geschätzt, dass etwa 5,5 bis 6 Millionen Südafrikaner HIV-positiv sind; von ihnen sollen 700.00 bis 800.000 eigentliche Aids-Kranke sein. Zurzeit haben über 200.000 Personen Zugang zu kostenlosen Aids- Medikamenten; dazu kommen rund 90.000 Personen, welche die lebenserhaltenden antiretroviralen Medikamente über Krankenkassen oder den Arbeitgeber beziehen.

    Neue Zürcher Zeitung vom 6. Dezember 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Wissenschaftler aus Russland finden neuen Impfstoff gegen AIDS?

    Das Russische Institut für Immunologie hat einen neuen Impfstoff gegen AIDS entwickelt. Das sagte der Laborleiter des Instituts, Prof. Dr. Alexander Tschernoussow, am Freitag auf einer Pressekonferenz bei RIA Novosti.

    "Unser Institut hat ein neues Präparat gegen die HIV-Infektion entwickelt - Interferon-Gamma. Interferon-Gamma kann die klinischen Erscheinungsbilder der Immunschwäche beseitigen, das heißt, die Entwicklung der Krankheiten verhüten, die bei Immunschwäche zu einem tödlichen Ausgang führen.

    Bei Patienten mit AIDS im Endstadium hat dieser Stoff ermöglicht, die Vermehrung der Viren bereits nach einer halbjährigen Behandlung völlig zu unterdrücken", sagte Tschernoussow. Er sagte auch, dass das Interferon-Gamma keine Alternative zu den herkömmlichen antiretroviralen Präparaten darstelle, die in Russland für die Vorbeugung von HIV verwendet werden. Außerdem werde das Präparat noch nicht industriell hergestellt.

    "Zunächst wird das Präparat für die Behandlung konkreter Patienten benutzt. In der Zukunft soll es klinisch getestet werden", sagte er. Er betonte auch, dass die Therapie bei einer Behandlung durch Interferon-Gamma nicht unterbrochen werden darf. "Man muss es das ganze Leben lang einnehmen", sagte er.

    "Damit die Interferon-Behandlung in Russland massenhaft verbreitet wird, muss es preisgünstig sein, doch das erfordert riesige Ausgaben. Die Erzeugung von Interferon erfordert kolossale Investitionen. Unter anderem kann es im Forschungsinstitut Vektor (Nowosibirsk), Institut für Immunologie (Moskau) und im Staatlichen Forschungszentrum für besonders sensible Präparate (Sankt Petersburg) hergestellt werden", sagte Tschernoussow. "Zum Beispiel fordert Vektor 30 Millionen Dollar, um die Interferon-Herstellung in die Wege zu leiten. Das Teuerste sind die Tests der Vakzine", sagte er.

    "Um dieses Präparat massenhaft zu erzeugen, brauchen wir Unterstützung entweder vom Staat oder vom Staat und aus Geschäftskreisen oder im Idealfall noch von der globalen Stiftung für die Bekämpfung von AIDS, TBC und Malaria", sagte Tschernoussow. Er berichtete, dass eine Behandlung mit Interferon-Gamma um 8.000 Dollar mehr als eine herkömmliche AIDS-Behandlung koste. Zuvor hatte Tschernoussow mitgeteilt, dass die Behandlung eines Menschen im Jahr 13.000 Dollar kosten werde.

    Nach Schätzungen von Fachleuten und unabhängigen Experten wird die Herstellung von jeder AIDS-Medizin 800 Millionen bis eine Milliarde Dollar kosten. Gegenwärtig gibt es nach offiziellen Angaben in Russland etwa 370.000 HIV-Träger. Seit der Entdeckung von AIDS sind in der Sowjetunion und in Russland 11.000 Personen an dieser Krankheit gestorben.

    Russland online vom 4. Dezember 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Safer-Sex-Kampagnen müssen mit Vergnügen und Schutz werben

    Werbekampagnen für Kondome und Femidome (Frauenkondome) sollten neben dem “Safer Sex”-Aspekt auch den Spaß betonen und so die konsequente Verwendung von Kondomen fördern, meinen die Autoren eines Standpunkt-Artikels.

    Kondom-Kampagnen zielen meist auf die negativen Konsequenzen des Geschlechtsverkehrs ab. Das könnte zum Teil ihre bisher geringe Effektivität erklären, meinen Anne Philpott vom 'The Pleasure Project' in London und ihre Kollegen. Sie diskutieren die Möglichkeit, vermehrte Kondom-Nutzung und sicheres sexuelles Verhalten durch Werbung zu erzielen, die auch die angenehmen Aspekte der Verwendung von Kondomen betont.

    Das Streben nach Genuss ist einer der Hauptgründe für Sex; Kondome werden aber generell mit einer Reduktion der Freude am Sex in Verbindung gebracht. In einer Studie in 14 Ländern stellte das 'Global Programme on AIDS' fest, dass diese Wahrnehmung hauptsächlich für die Nichtverwendung von Kondomen verantwortlich war. Mutige Kondom-Kampagnen, die den Genuss als einen Hauptmotivationsfaktor einbrachten, indem sie eine Verbindung zwischen Kondom-Verwendung und erhöhter Sensitivität und Sinnlichkeit herstellten, steigerten dagegen die Verwendung von Kondomen und Safer Sex. Zum Beispiel hat 'Marie Stopes International' Kondome mit Oberflächenstrukturen für Männer in Uganda mit großem Erfolg vermarktet. Genoppte Kondome, die den Genuss erhöhen sollen, wurden viel verkauft, allein in Uganda 12 Millionen pro Jahr.

    Die Autoren folgern: "Da das Streben nach Genuss einer der Hauptmotivatoren für Sex ist, muss dieser Faktor ausgenutzt werden, um Menschen zur Verwendung von Kondomen und zu verantwortungsvollem, sicherem sexuellen Verhalten zu motivieren. Auch wenn Freude – wie auch der Sex selbst – im Dialog über sexuell übertragbare Krankheiten (STI, sexually-transmitted infections) und die Verbreitung von HIV zusehends fehlen, gibt es immer mehr Hinweise auf die Bedeutung von Kondom-Werbung, die aus einer Kombination von Genuss und 'Safer Sex'-Mitteilungen besteht."

    Quelle: Anne Philpott and others. Promoting protection and pleasure: amplifying the effectiveness of barriers against sexually transmitted infections and pregnancy. Lancet 2006; 368: 2028

    The Lancet vom 4. Dezember 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Studie belegt Vorteile von Routinetests

    Atlanta - Routinemäßige HIV-Tests aller Patienten senken um drei Viertel die Zahl der Fälle, in denen eine HIV-Infektion anlässlich eines Arztbesuches nicht erkannt wird, weil mangels Verdacht auf den Antikörpertest verzichtet wird. Dies zeigen die Ergebnisse einer Studie in Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR 2006; 55: 1269-1272), mit der die US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC) am Welt-Aids-Tag für ihre umstrittene Forderung nach routinemäßigen HIV-Tests bei allen Patienten werben.

    Da die HIV-Epidemie längst nicht mehr auf die „traditionellen“ Risikopopulationen wie männliche Homosexuelle oder i.v. Drogenabhängige beschränkt ist, forderte die CDC, im September 2006, dass Ärzte alle ihre Patienten auf HIV testen. Dies ist eine Abkehr vom früheren „risikobasierten“ Screening, das nur eine Minderheit der Patienten erfasst. Die „empirische“ Begründung für die Forderung wird jetzt durch eine Analyse von Gesundheitsdaten aus dem US-Staat South Carolina nachgeliefert. Dort gibt es ein zentrales Register für HIV-Patienten und seit 1996 auch ein zentrales Register, das die ICD-Diagnosen aller Patienten von Kliniken und Notfallambulanzen sammelt.

    In den Jahren 2001 bis 2005 wurden dem HIV-Register 4.315 Neuinfektionen gemeldet. Darunter befanden sich 1.784 Personen (41 Prozent), bei denen zwischen dem positiven HIV-Test und dem Ausbruch der Immunschwäche weniger als ein Jahr vergingen. Da die Latenzzeit normalerweise bis zu 10 Jahre beträgt, handelte es sich bei diesen Patienten um „Spättester“, die vermutlich schon jahrelang infiziert waren und während dieser Zeit andere Menschen angesteckt haben könnten.

    Die Analyse zeigt, dass sich 1.302, also 73 Prozent dieser HIV-positiven Spättester in den Jahren 1997 bis 2005 wenigstens einmal – wegen anderer Probleme – in ärztliche Behandlung begeben hatten und mit ihrer ICD-Diagnose registriert wurden. Nach den neuen CDC-Empfehlungen wäre bei diesen Patienten ein HIV-Test durchgeführt und aller Wahrscheinlichkeit nach die Diagnose HIV-positiv frühzeitig gestellt worden. Die CDC verspricht sich deshalb von der neuen Regel eine signifikante Senkung der „verpassten Gelegenheiten“ der Frühdiagnose.

    Link zum Orginalartikel: http://www.cdc.gov/mmwr/PDF/wk/mm5547.pdf

    Deutsches Ärzteblatt vom 1. Dezember 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aktion für Familien mit HIV/AIDS in China

    Am Welt-AIDS-Tag hat China eine Aktion gestartet, in deren Rahmen Kindern aus von HIV/AIDS betroffenen Familien zu besseren Lebensbedingungen und einer Zukunft verholfen werden soll.

    "Die ganze Gesellschaft sollte verarmten Kindern, deren Eltern durch AIDS ums Leben gekommen sind, helfen ein neues Familienleben zu erhalten", sagt Huang Qingyi, stellvertretende Präsidentin des Gesamtchinesischen Frauenverbandes.

    Warmherzige Menschen sollten den tausenden von Waisen ihre Unterstützung zukommen lassen, von denen die meisten aus abgelegenen ländlichen Regionen stammen, sagt Huang.

    Die Aktion wird von Huangs Organisation und dem Gesundheitsministerium gemeinsam gefördert. Man hofft hunderte von Familien mobilisieren zu können, eins der von HIV/AIDS betroffenen Kinder aufzunehmen.

    Der stellvertretende Gesundheitsminister Wang Longde sagt, das Gesundheitsministerium würde eng mit dem Verband zusammenarbeiten, um Waisen bei der Suche nach einer neuen Familie zu helfen. Diese Familien sollen den Waisen nicht nur wirtschaftlich zur Seite stehen, damit die Waisenkinder bessere medizinische Versorgung, Bildung und Lebensbedingungen erhalten, sondern sie auch psychologisch unterstützen, erklärt Wang.

    Das Gesundheitsministerium und die Vereinten Nationen schätzen, dass es in China im vergangenen Jahr rund 650.000 HIV/AIDS Betroffene gab. Gegenwärtig gebe es etwa 80.000 AIDS-Waisen und die Zahl werde bis 2010 vermutlich auf 200.000 ansteigen, sagen Experten.

    Im vergangenen Jahr wurden in 127 Pilotgebieten Maßnahmen zur Unterstützung von HIV/AIDS Betroffenen durchgeführt. 8644 Waisen wurden bei lokalen Regierungen registriert, sagt Li Guoqiang, ein Mitarbeiter des Arbeitskomitees für Kinderwohlfahrt. Das Hauptproblem dieser Kinder sei Einsamkeit, absolute Armut, fehlendes Selbstbewusstsein und schlechte Zukunftsaussichten.

    Lis Komitee wird technisch und finanziell von der Chinaabteilung des Kinderhilfsfonds der Vereinten Nationen unterstützt und hat im April in Tongren in der südwestchinesischen Provinz Guizhou ein Pilotprojekt gestartet, das von HIV/AIDS betroffenen Kindern umfassende Hilfe zukommen lassen soll.

    Das Komitee und seine Zweigstellen haben beinahe 10 Millionen pensionierte Beamte, Lehrer, Experten, Doktoren und andere gebildete Menschen auf einer Liste erfasst. Ziel ist es, diese pensionierten Menschen und ihre Familien zu ermutigen, mit den Waisen enge Kontakte aufzubauen und ihnen zu helfen, die Probleme zu lösen, denen sie sich gegenüber sehen, sagt Li.

    "Diese pensionierten Menschen haben viel soziale Erfahrung, Sympathie und unterschiedliche sozial Ressourcen, die sie nutzen können, um diesen Kindern zu helfen", erklärt Li.

    Gegenwärtig sei die beliebteste Methode den Waisen zu helfen, ihnen Geld, Essen oder Kleidung zukommen zu lassen, aber dies sei "bei weitem nicht genug", meint Li.

    Xiao Fen (Name geändert) ist 13 Jahre alt. Ihre Eltern starben in den Jahren 2002 und 2003 in Tongren an HIV/AIDS. Sie sagt ein pensionierter Beamter habe ihr und ihren beiden jüngeren Geschwistern geholfen.

    Sie hätten etwas Geld von dem Beamten erhalten, ihn aber seit April nur einmal gesehen. "Ich kenne die Telefonnummer seiner Familie, aber ich habe sie nie genutzt, auch wenn ich mich allein und hilflos gefühlt habe", erzählt Xiao Fen.

    Es müssten Methoden gefunden werden, um den Waisen zu helfen eine bessere Kommunikation mit den Familien zu entwickeln, die ebenfalls wissen wollen, wie sie den Kindern besser helfen können, meint Li.

    Die Zentralregierung hat begonnen allen registrierten HIV/AIDS Waisen kostenlose Bildung zu ermöglichen und ihnen Hilfe in Form von Geld und Nahrungsmitteln zukommen zu lassen.

    China Daily vom 1. Dezember 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Therapiepausen können lebensgefährlich sein

    New York - Planmäßige Therapiepausen verdoppeln bei HIV-Infizierten das Risiko einer unter Umständen tödlichen Aids-Erkrankung. Mit diesem ernüchternden Ergebnis endete eine der weltweit größten Therapiestudien zu dieser Frage im New England Journal of Medicine (NEJM 2006; 355:2283-2296).

    Schon vor ihrem Beginn war die Strategies for Management of Antiretroviral Therapy (SMART)-Studie umstritten. Viele Experten hatten vorhergesagt, dass Therapiepausen bei HIV-Infizierten das Fortschreiten der Immunschwäche beschleunigen. Doch der Wunsch vieler Patienten, die im Jahr 2002 bei Studienbeginn noch mehr Tabletten von schlechter Verträglichkeit einnehmen mussten als heute, war zu stark. So wurden in 33 Ländern an 318 Kliniken 5.472 Patienten (darunter 215 in Deutschland) mit mehr als 350 CD4-Zellen/mm3 (also einem gut stabilisierten Immunsystem) auf zwei Strategien randomisiert. Etwa die Hälfte der Patienten setzte die antiretroviralen Medikamente ab, um die Therapie wieder aufzunehmen, wenn der CD4-Wert auf unter 250 Zellen/mm3 abgefallen war.

    Die anderen führten ihre Therapie wie vorher ohne Unterbrechung weiter, was sich als die einzig richtige Strategie erweisen sollte. Anfang 2006 musste die SMART-Studie nach einer Zwischenauswertung abgebrochen werden, weil es bei 120 Patienten (entspricht 3,3 Ereignisse pro 100 Personenjahre) aus der „drug conservation“-Group zu einem Fortschreiten der Erkrankung gekommen war, definiert als Auftreten opportunistischer Erkrankungen (also Aids) oder Tod. Im Studienarm mit kontinuierlicher Therapie war dieser Endpunkt nur bei 47 Patienten (1,3 Ereignisse pro 100 Personenjahre) erreicht worden.

    Das ergibt eine Hazard-Ratio von 2,6 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,9 bis 3,7). Die Hazard Ratio auf einen Tod betrug 1,8 (1,2-2,9), was nichts anderes bedeutet, als dass Therapieunterbrechungen für HIV-Infizierte zu einem tödlichen Risiko werden. Völlig verblüfft hat die Experten ein weiteres ungünstiges Ergebnis der SMART-Studie. Aufgrund der langfristigen Nebenwirkungen vieler Medikamente, die zu Dyslipidämie, kardiovaskulär ungünstiger Stammfettverteilung und Hepatitis führen, war erwartet worden, dass sich die Therapiepausen vorteilhaft auf das Risikoprofil der Patienten auswirkt. Das Gegenteil war der Fall. Die Hazard-Ratio auf kardiovaskuläre, renale oder hepatische Erkrankungen betrug 1,7 (1,1-2,5). Damit scheinen Unterbrechungen die Komplikationsrate der Therapie eher zu erhöhen als zu mindern, meint Wafaa El-Sadr, einer der Studienleiter vom Harlem Hospital Center and Columbia University in New York City.

    Das Office of AIDS Research der US-National Institutes of Health hat bereits die Konsequenzen aus der Studie gezogen. In einem Workshop wurde im Juli 2006 in London ein Positionspapier erarbeitet, das sich gegen jegliche Therapiepausen ausspricht.

    Deutsches Ärzteblatt vom 30. November 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Infizierte haben häufig neuropathische Schmerzen

    Infektion oder Medikamente verursachen neurologische Komplikationen / Bei distaler Neuropathie hilft Umstellung der antiretroviralen Therapie

    Berlin - Eine Neuropathie ist die häufigste neurologische Komplikation einer HIV-Infektion. Je länger die Patienten antiretrovirale Medikamente einnehmen, umso häufiger bekommen sie Schmerzen in den Gliedmaßen.

    Weil Aids-Medikamente oft für lange Zeit und in wechselnden Kombinationen eingenommen werden, steigt mit der Dauer der Therapie das Risiko für neuropathische Schmerzen. Am häufigsten sind distale sensorische Neuropathien, die als brennende Schmerzen und Parästhesien in den Beinen wahrgenommen werden. Bei jedem vierten gibt es auch Wadenkrämpfe, so Dr. Katrin Hahn von der FU Berlin beim Schmerzkongress.

    Pathogenetisch wird zwischen distal-symmetrischer Polyneuropathie (DSP) und antiretroviral-toxischer Neuropathie (ATN) unterschieden, das klinische Bild ist aber gleich. Die DSP wird vermutlich direkt durch HIV oder HIV-aktivierte Makrophagen ausgelöst. Für eine ATN werden mehrere Medikamente wie Zalcitabin (ddc), Didanosin (ddI) und Stavudin (d4T) als Ursache angesehen.

    Die sensorischen Neuropathien schränken erheblich die Lebensqualität ein und sind mitunter Grund für Therapieabbrüche. "Deshalb muss bei einer Neuropathie rechtzeitig etwas unternommen werden", sagte Hahn. Bei einer DSP gibt es wenige gesicherte Therapien, vermutlich ist aber die Umstellung auf eine hoch-aktive antiretrovirale Therapie (HAART) effektiv. Auch die ATN erfordere meist den Wechsel auf ein besser verträgliches Medikament.

    Dann sei die Neuropathie nach drei bis vier Monaten vorüber, sagte Hahn. In einer Studie war auch eine Hochdosis-Therapie mit topischem Capsaicin wirksam. Ein entsprechendes Präparat ist jedoch nicht im Handel. Die Neurologin behandelt bei HIV-assoziierten Neuropathien außerdem mit Pregabalin oder mit Duloxetin - kontrollierte Studien haben bereits begonnen.

    Ärzte-Zeitung vom 29. November 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HI-Viren vermehren sich auch in Hodengewebe

    Viele Medikamente dringen nicht ins Hodengewebe ein.

    Bethesda - Der Aids-Erreger HIV kann sich in bestimmten Zellen des männlichen Hodens verstecken und dort auch vermehren. Aus diesem Grund kann die Anzahl der Viren im Ejakulat auch dann hoch sein, wenn sie im Blut sehr gering ist. Das haben jetzt Forscher aus Frankreich entdeckt.

    Die vom Blut unabhängige Vervielfältigung der Erreger im Hoden sei besonders problematisch. Die meisten der gegen HIV-Infektionen eingesetzten Wirkstoffe könnten nicht in das Hodengewebe eindringen, so Nathalie Dejucq-Rainsford von der Universität von Rennes und ihre Kollegen ("American Journal of Pathology" 169, 2006, 2094). Den Verdacht, der Hoden könnte ein eigenständiges Reservoir für HI-Viren sein, gibt es schon länger.

    So konnten Forscher im Sperma HIV-infizierten Männer, die mit antiretroviralen Medikamenten behandelt wurden, Viruspartikel nachweisen, obwohl im Blut keine Erreger mehr zu finden waren. Auch unterscheiden sich die mit dem Sperma ausgeschiedenen Viren mitunter von den im Blut zirkulierenden. Ob sich die Viren jedoch im Hoden verstecken oder ob auf andere Weise ins Sperma gelangen, war bislang unbekannt. Den Forschern gelang es nun, bei einer Laboranalyse von Hodengewebe den Unterschlupf der Erreger zu identifizieren.

    Zwar besitzen viele Zellen im Hoden die notwendigen Andockstellen, infiziert werden aber hauptsächlich Makrophagen. In diesen Zellen können sich die Viren replizieren und Viruspartikeln bilden, die ebenfalls Infektionen verursachen können, ergaben die Experimente.

    Dass sich die Erreger auch im Hoden vermehren können, erklärt ihrer Ansicht nach, warum Männer trotz einer erfolgreichen medikamentösen Therapie ihre Sexualpartner anstecken können. In Anbetracht der weiter steigenden Anzahl Infizierter müsse nun gezielt nach antiretroviralen Wirkstoffen gesucht werden, die auch in das Hodengewebe eindringen und die Erreger dort beseitigen können, so die Forscher.

    Ärzte-Zeitung vom 27. November 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    RKI: Welt-Aids-Tag 2006

    In Deutschland leben 56.000 HIV-Infizierte.

    Nach einer aktuellen Schätzung des Robert Koch-Instituts leben derzeit etwa 56.000 Menschen mit einer HIV-Infektion in Deutschland, geschätzte 2.700 Personen haben sich im Jahr 2006 neu mit HIV infiziert. Männer, die Sex mit Männern haben, sind mit insgesamt 34.000 Infizierten die größte Betroffenengruppe. Mit Hilfe neuer, vom Bundesgesundheitsministerium finanziell unterstützter Studien hat das Robert Koch-Institut vor knapp einem Jahr begonnen, Änderungen im Risikoverhalten genauer zu erfassen. "Damit schaffen wir die wissenschaftliche Grundlage für die Weiterentwicklung wirksamer Präventionskonzepte, um die bisher im internationalen Vergleich niedrigen HIV-Infektionsraten weiter niedrig halten zu können", sagt Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts, anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember.

    Das Epidemiologische Bulletin des RKI veröffentlicht in der aktuellen Ausgabe 47/2006 (download hier) vier Beiträge zu HIV: erste Auswertungen einer Studie zu Risikoverhalten bei homo- und bisexuellen Männern, eine Übersicht zur Resistenzsituation in Deutschland (derzeit werden etwa bei 15 % der HIV-Neuinfektionen Viren übertragen, die bereits gegen mindestens eines der HIV-Medikamente resistent sind), eine umfassende Analyse der HIV/AIDS-Epidemie in Europa, erste Ergebnisse der so genannten HIV-Inzidenz-Pilotstudie sowie eine neue Schätzung der "Eckdaten und Trends". Die Eckdaten und Trends sind (im Internet) auch für jedes einzelne Bundesland verfügbar.

    Die Eckdaten und Trends enthalten eine Schätzung der tatsächlich erfolgten Neuinfektion (HIV-Inzidenz) und der Zahl der Personen, die mit einer HIV-Infektion leben (HIV-Prävalenz). Die Zahl der tatsächlichen HIV-Neuinfektionen kann nicht direkt bestimmt werden, da zwischen Infektion und Test ein unterschiedlich langer Zeitraum liegen kann und nur bereits getestete Personen gemeldet werden können. Die Zahl der gemeldeten neu diagnostizierten HIV-Infektionen war in den letzten Jahren deutlich gestiegen und stagniert derzeit auf hohem Niveau: 1.197 neu diagnostizierte HIV-Infektionen im ersten Halbjahr 2006, 1.254 im ersten Halbjahr 2005 und 1.232 im zweiten Halbjahr 2005.

    Ansätze für neue Präventionsstrategien ergeben sich aus der Anfang 2006 begonnenen "KABaSTI-Studie" des Robert Koch-Instituts (Knowledge, Attitudes and Behaviour as to Sexually Transmitted Infections). Dabei untersuchen die RKI-Forscher Wissen, Einstellungen und Verhalten von homo- und bisexuellen Männern in Bezug auf sexuell übertragbare Infektionen. So zeigt die Auswertung, dass homosexuelle Männer die Infektionsrisiken bei bestimmten Sexualpraktiken unterschätzen. Nicht ausreichend bekannt ist auch, dass sexuell übertragbare Infektionen an der potenziellen Eintrittspforte für HIV die Barrierefunktion der Schleimhäute beeinträchtigen. So kann eine Infektion etwa mit Syphilis-Erregern bessere Bedingungen für das "Angehen" einer HIV-Infektion schaffen. Bei HIV-Infizierten kann eine bestehende Infektion mit einem anderen sexuell übertragbaren Erreger zu einer höheren lokalen HIV-Konzentration und damit einer höheren Infektiösität führen. "Die Angebote und Möglichkeiten der Diagnostik sexuell übertragbarer Krankheiten sollten daher entgegen dem aktuellen Trend ausgeweitet und erleichtert werden", unterstreicht Reinhard Kurth.

    Robert Koch-Institut - Pressemeldung vom 27. November 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Infizierte haben häufig Kopfschmerzen

    Berlin - Patienten mit Aids haben häufig Spannungskopfschmerzen. Sie werden durch eine HIV-Enzephalopathie ausgelöst oder hängen mit den antiviralen Medikamenten zusammen. Bei HIV-Infizierten, die kein Aids haben, sind Kopfschmerzen ähnlich häufig wie bei Gesunden.

    Nur kurz nach der Infektion haben manche HIV-Patienten für einige Wochen vermehrt Kopfschmerzen, dazu auch Photophobie und Facialisparese. Diese Symptomen-Trias sollte stets an HIV denken lassen. Bestätigt sich das, können die Patienten sechs Monate mit hochdosierten Aids-Medikamenten behandelt werden, so Professor Stefan Evers aus Münster beim Schmerzkongress in Berlin.

    Von den Patienten mit Aids hat mindestens jeder dritte häufig Kopfschmerzen. Das könne mehrere Ursachen haben, so Evers: Entweder hält der akute HIV-assoziierte Kopfschmerz ungewöhnlich lange an oder die Schmerzen entwickeln sich zusammen mit der HIV-Enzephalopathie. "Außerdem sind Kopfschmerzen häufig bei Patienten, die eine zusätzliche Infektion mit Kryptokokken oder Toxoplasmen haben", sagte Evers. "Die Schmerzen verschwinden, wenn gegen die Erreger behandelt wird".

    Ein größeres Problem sind Kopfschmerzen, die während der spezifischen HIV-Therapie auftreten. Viele Virustatika, Antibiotika und Antimykotika haben diese unerwünschte Wirkung. Für AZT etwa wird die Kopfschmerz-Häufigkeit mit 16 bis 50 Prozent angegeben. "Die Kopfschmerzen treten aber meist nur vorübergehend auf und die Therapie sollte deshalb möglichst nicht abgebrochen werden", so Evers.

    Gegen den Medikamenten-Kopfschmerz helfen NSAR, aber auch Triptane. Nicht zu empfehlen seien ASS und Indometacin. Sie können andere unerwünschte Wirkungen der antiviralen Medikamente verstärken. Kopfschmerzen sind aber nur eines der Schmerzprobleme, von denen Aids-Patienten berichten. Viele der Patienten erhielten keine ausreichende Schmerztherapie. "Oft wird auf Opioide verzichtet, obwohl die auch bei Aids-Kranken gut wirken", sagte Evers. Das gelte auch für Rauschgiftabhängige.

    Ärzte-Zeitung vom 24. November 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Deutsche Aids-Stiftung zum Welt-Aids-Tag 2006

    Weitere Zunahme der Zahl HIV-infizierter Menschen in Osteuropa. Politische Führung im Kampf gegen AIDS gefragt.

    Bonn - Die Zahl der HIV-infizierten Menschen stieg weltweit laut UNAIDS auf 39,5 Millionen Menschen. Im Jahr 2006 infizierten sich schätzungsweise 4,3 Millionen Menschen neu mit dem HI-Virus, 2,9 Millionen Menschen starben an den Folgen der Immunschwächekrankheit.

    Die aktuelle Entwicklung in Deutschland

    In Deutschland lebten laut Angaben des Robert Koch Instituts (RKI) Ende 2005 rund 49.000 Menschen (RKI: 56.000 siehe oben) mit dem HI-Virus. Seit Anfang des Jahrtausends steigt die Zahl der neu diagnostizierten HIV-Infektionen jährlich an. Mit 2.486 neu diagnostizierten Infektionen in 2005 und 1.197 im ersten Halbjahr 2006 scheint nun eine Stabilisierung in Deutschland auf erhöhtem Niveau erreicht. "Die Zunahme der neu diagnostizierten HIV-Infektionen muss für alle beteiligten Organisationen ein Zeichen sein, die Präventionsanstrengungen zu verstärken," sagte Dr. Christoph Uleer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aids-Stiftung. "Ungeachtet der veränderten HIV-Zahlen steht Deutschland dank seiner erfolgreichen Präventionspolitik im Vergleich mit vielen anderen europäischen Staaten sehr gut da. Während die HIV-Prävalenz unter Erwachsenen in Deutschland bei 0,1 Prozent liegt, beträgt sie in Frankreich 0,4%, in Italien 0,5% und in Spanien O,6%."

    Weitere bemerkenswerte Trends seien, so Uleer, dass im Gegensatz zum weltweiten Trend, die jährlich neu diagnostizierten HIV-Infektionen bei Frauen in Deutschland seit Jahren stabil zwischen 400 und 500 Personen lägen. Bei einer wachsenden Zahl von mit HIV lebenden Menschen in Deutschland sei daher der Anteil der Frauen von 26% im Jahr 2000 auf derzeit 18% zurückgegangen. Andererseits stünden Personen, die sich über heterosexuellen Geschlechtsverkehr infiziert hätten, und nicht aus Hochprävalenzgebieten stammten, mit einem Anteil von 17% zum ersten Mal seit 2001 wieder an zweiter Stelle der neu diagnostizierten HIV-Infektionen.

    Zu den niedrigen Infektionszahlen in Deutschland habe das deutsche Präventionsmodell mit seinem Zusammenwirken von staatlichen und medizinischen Akteuren mit der Zivilgesellschaft, wie der Deutschen AIDS-Stiftung, maßgeblich beigetragen.

    Die Entwicklung der HIV/Aids-Zahlen in Osteuropa

    Die Zahl der von HIV/AIDS betroffenen Menschen in Osteuropa und Zentralasien stieg im Jahr 2006 wie bereits im Jahr 2005 weiter an. Schätzungsweise 270.000 Menschen [170.000-820.000] infizierten sich im Jahr 2006 neu mit HIV, so dass die Gesamtzahl der Menschen mit HIV nun bei 1,7 Millionen [1,2 Millionen-2,6 Millionen] liegt.

    Diese Entwicklung kann nach Ansicht der Deutschen Aids-Stiftung nur aufgehalten werden, wenn auch die Regierungen der in dieser Region betroffenen Länder der Bekämpfung von AIDS die dringend nötige Aufmerksamkeit geben. "Der aktuelle Stand der HIV-Infektionen in Osteuropa und Zentralasien entspricht einem Anstieg um den Faktor 20 in weniger als einem Jahrzehnt. Nur umfangreiche Präventionsmaßnahmen können die weitere schnelle Ausbreitung der Epidemie stoppen", betonte Dr. Ulrich Heide, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen AIDS-Stiftung. Hier falle Deutschland mit der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft eine besonders wichtige Rolle zu. Nur länderübergreifend könne ein globales Problem wie die Aids-Epidemie angegangen werden. "Wir begrüßen in diesem Zusammenhang außerordentlich, dass die Bundesregierung plant, EU-Gesundheitsminister und Zivilgesellschaft zum Thema HIV zusammenzubringen. Denn nur im Zusammenwirken können Konzepte der Prävention greifen", so Heide. Er appellierte in diesem Zusammenhang an die Regierungen der betroffenen Region, sich für die Entstigmatisierung besonders betroffener Gruppen wie etwa Drogennutzer einzusetzen und Harm-Reduction-Strategien zu entwickeln.

    Der politische Wille sei eine entscheidende Voraussetzung für eine umfangreiche Aufklärung, um Neuinfektionen zu vermeiden. Offenheit im Umgang mit Aids sei aber auch die Bedingung für die Integration HIV-infizierter Menschen. Untersuchungen wie das aktuelle Eurobarometer zeigen, dass der Wissensstand über die Übertragungswege von HIV sowie die Einsicht in die Notwendigkeit von Präventionsmaßnahmen und Infokampagnen in Osteuropa mangelhaft ist.

    Fast ein Drittel der HIV-Neuinfektionen in Osteuropa und Zentralasien betraf Menschen in der Altersgruppe 15 - 24 Jahre. Der größte Anteil der jungen Personen mit HIV lebt in zwei Ländern: in der Russischen Föderation und in der Ukraine, die zusammengenommen ungefähr 90% aller Menschen mit HIV in dieser Region stellen. Der Zugang zu antiretroviraler Therapie verbessert sich nur langsam.

    Überall in Osteuropa ist die Benutzung nicht sterilen Drogenbestecks immer noch der wichtigste Übertragungsweg der HIV-Infektion. Im Jahr 2005 war der Gebrauch nicht steriler Drogenbestecke für fast zwei Drittel (63%) der gemeldeten HIV-Infektionen verantwortlich, bei denen Informationen über den Übertragungsweg bekannt waren. Ein steigender Anteil der HIV-Infektionen (37% aller im Jahre 2005 gemeldeten Fälle) ist jedoch Schätzungen zufolge auf ungeschützten Geschlechtsverkehr zurückzuführen. Aus diesem Grund tragen Frauen (viele von ihnen unter 25 Jahre) eine deutlich steigende Last der HIV-Infektionen; im Jahr 2005 stellten sie in Russland und der Ukraine einen Anteil von mehr als 40% der gemeldeten HIV-Neuinfektionen.

    Die Ausbreitung von Aids in Osteuropa wird nach einer Studie des Kieler Institutes für Weltwirtschaft (IfW) zumindest in absoluten Zahlen deutlich höhere volkswirtschaftliche Schäden verursachen als in ganz Afrika südlich der Sahara. Die Forscher schätzen den "Wohlfahrtsverlust" durch HIV und Aids in 25 Ländern Osteuropas auf umgerechnet 950 Milliarden Euro.

    Die steigende Zahl HIV-infizierter Menschen aus Osteuropa macht sich überproportional in den Antragszahlen der Stiftung bemerkbar. Bei insgesamt 1.764 Anträgen von Migranten in 2006 entfielen 61% auf Menschen aus Afrika südlich der Sahara, 21% auf Betroffene aus Osteuropa.

    Menschen aus Osteuropa, die in Deutschland leben, sind außerdem häufig schlechter informiert als Migranten aus anderen Ländern. Daher ist es besonders wichtig, auch hierzulande Präventionsprojekte zu entwickeln, die sich an diese Gruppe richten. Voraussetzung dafür, dass sie überhaupt von Gesundheitsfragen erreichbar sind, ist auch ihre soziale Situation. Nur wer in der Gesellschaft eingebunden ist und eine Perspektive hat, kann von Prävention erreicht werden. Daher spielt in diesem Zusammenhang ein Bemühen um Integration von Migranten eine große Rolle.

    Deutsche Aids-Stiftung - Pressemeldung vom 23. November 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Daten von 14.500 Patienten ausgewertet

    Kompetenzzentrum HIV/AIDS an der RUB stellt erste Ergebnisse vor. Daten von 14.500 Patienten aus 50 Zentren ausgewertet. Patientenkohorte ermöglicht erstmals internationale Kooperationen.

    Von rund 14.500 mit HIV infizierten Patienten haben bundesweit Wissenschaftler seit Juni 2004 Daten gesammelt und zum Teil schon ausgewertet. Mit diesen 400 Daten pro Patient, die in 50 Zentren erhoben werden, können sie nun langfristig z.B. Infektionswege, die Wirkung von Medikamenten oder die Intensität der Infektion erkennen. Erste Ergebnisse aus diesem zweijährigen Datenregister, das vom Kompetenznetzwerk HIV/AIDS unter der Leitung von Prof. Dr. Norbert Brockmeyer koordiniert wird, wurden am 23.11.2007 in Bochum vorgestellt. Mit diesem Register gewinnt Deutschland erstmals Anschluss an große internationale Kohortenstudien.

    Bochum - Von rund 14.500 mit HIV infizierten Patienten haben bundesweit Wissenschaftler seit Juni 2004 Daten gesammelt und zum Teil schon ausgewertet. Mit diesen 400 Daten pro Patient, die in 50 Zentren erhoben werden, können sie nun langfristig z.B. Infektionswege, die Wirkung von Medikamenten oder die Intensität der Infektion erkennen. Erste Ergebnisse aus diesem zweijährigen Datenregister, das vom Kompetenznetzwerk HIV/AIDS unter der Leitung von Prof. Dr. Norbert Brockmeyer koordiniert wird, wurden am 23.11.2007 im Vorfeld des 2. Deutsch-Japanischen HIV-Symposiums in Bochum vorgestellt. Mit diesem Register gewinnt Deutschland erstmals Anschluss an große internationale Kohortenstudien.

    HIV-Infektionsrate um 13% gestiegen

    Mit fast 40 Mio. Infizierten hat die weltweite Epidemie einen neuen Höchststand erreicht. Auch in Deutschland steigt die Infektionsrate weiter an, allein im Jahr 2005 ist sie um 13% gegenüber dem Vorjahr auf 2.500 Neudiagnosen gestiegen. Fast 50.000 Menschen sind in Deutschland derzeit HIV-positiv. Die Daten des neuen Patientenregisters zeigen, dass noch immer die Männer mit 84 Prozent die Hauptgruppe der Infizierten ausmachen. Das mittlere Alter aller Infizierten liegt bei 43 Jahren, die mittlere Erkrankungsdauer bei neun Jahren. 24 Prozent der Patienten haben eine AIDS-definierende Erkrankung, die bei 68 Prozent bei Männern und 64 Prozent bei Frauen antiretroviral therapiert wird. Nach wie vor ein Rätsel ist es für die Wissenschaftler, wieso bei etwa 100 von den rund 14.500 HIV-Infizierten die Krankheit nicht fortschreitet, obwohl diese so genannten Long-Term Non-Progressors nicht therapiert werden.

    Gebündelte Internationale Kompetenz

    Auf Basis dieser Patientenkohorte wurden zahlreiche Studien initiiert. Die Mitglieder im Kompetenznetz werten die Daten daraufhin aus, wie sich verschiedene Eigenschaften des Körpers, aber auch verschiedene Lebensweisen oder eine unterschiedliche medizinische Versorgung auf den Verlauf der Krankheit auswirken. Die große Untersuchungsmenge macht es möglich, solche Zusammenhänge besonders schnell zu erkennen. Mit der Patientenkohorte gewinnt Deutschland Anschluss an die internationale Forschung, sie ist das "Sprungbrett", um mit großen Patientenzahlen und qualifiziert ausgewerteten Datensätzen an europäischen (Euro Vac, HIV Connect, ENTA, ENVA, NEAT, COHERE) und internationalen (CHAVI, SMART) Studien teilzunehmen. Ein Vorteil des internationalen Anschluss zeigt die Zusammenarbeit in der SMART-Studie, an der die Kohorten des Kompetenznetzwerkes beteiligt waren: Dabei kam heraus, dass Patienten, die ihre Therapie zeitweise unterbrechen eher AIDS-begleitende Infektionen erleiden als Patienten, die durchgängig therapiert werden.

    Deutschland und Japan entwickeln sich ähnlich

    Dass die internationale Zusammenarbeit bei solch einer weltweiten Epidemie notwendig ist, wird auch auf dem Deutsch-Japanisches Symposium am 24. November in Bochum dokumentiert. In der Zusammenarbeit mit japanischen Forschern werden Parallelen in der Entwicklung der HIV-Infektionen offensichtlich, insbesondere weil eine Reihe von Ähnlichkeiten zwischen Japan und Deutschland auffallen. Die Zahl der Neuinfizierten steigt in beiden Ländern seit einigen Jahren wieder an, in Japan infizierten sich im letzten Jahr 832 Menschen mit HIV. Homosexuelle Männer machen den größten Anteil der neu Infizierten aus.

    Natürliche Immunität: eigene Abwehrkräfte stärken

    Statt die Patienten mit "chemischen Keulen" zu behandeln, versuchen Wissenschaftler unter der Leitung von Prof. Dr. Reinhold E. Schmidt (MH Hannover) neuerdings gezielt die körpereigene Abwehr der Patienten zu verbessern. HI-Viren befallen bestimmte Zellen des Immunsystems, die so genannten T-Helferzellen, und vermehren sich in ihnen. Die
    T-Helferzellen können dann ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen, andere Zellen des Immunsystems bei der Abwehr von Krankheitserregern zu steuern. Bei fortgeschrittener Abwehrschwäche kann es zu lebensbedrohlichen opportunistischen Infektionen, zu Allergien und zur Entwicklung verschiedener Krebsarten kommen. Von Möglichkeiten, das Immunsystem zu stärken, könnte neben der HIV-Forschung auch die Krebsforschung profitieren.

    Die Deutsche Aids-Hilfe vertritt die Stimme der Patienten

    Das HIV-Kompetenznetz bündelt die Forschung verschiedener Arbeitsgruppen, die sich mit Grundlagen und Behandlungsmöglichkeiten von HIV befassen. Dabei wird es unterstützt von der Deutschen Aids-Hilfe (DAH), die sich als Vermittlungsstelle zwischen Patienten und Wissenschaftlern versteht. So sorgt sie dafür, dass die Patientenrechte bei der Planung neuer Forschungsprojekte berücksichtigt werden und hat bei der Entwicklung des Datenschutzsystems des Kompetenznetzes mitgewirkt. Im Jahr 2004 hat die DAH einen Patientenbeirat innerhalb des Kompetenznetzes eingerichtet. Hier können die Betroffenen selbst Themen für neue Projekte vorschlagen, so dass die Forschung sich an den tatsächlichen Interessen/Bedürfnissen der Patienten orientiert.

    Kompetenznetz HIV/AIDS - Pressemeldung vom 23. November 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Verstärktes Lopinavir gibt es jetzt als Tablette

    Einnahme erfolgt unabhängig von Mahlzeiten / Weniger gastrointestinale Wirkungen als mit Gelkapsel / Zweimal zwei Tabletten täglich reichen.

    Frankfurt am Main - Den mit Ritonavir verstärkten Proteasehemmer Lopinavir gibt es seit einigen Monaten als Tablette. Die Neuentwicklung hat verglichen mit der bisherigen weichen Gelkapsel mehrere Vorteile.

    Die Tablette mit Lopinavir kann zum Beispiel unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Und: Statt zweimal täglich drei Kapseln müssen nur zweimal täglich zwei Tabletten geschluckt werden. Zudem gibt es weniger gastrointestinale Wirkungen.

    Lopinavir und Ritonavir sind nur schwer wasserlöslich. Deshalb lagen die Substanzen bisher in der weichen Gelkapsel in Ölsäure gelöst vor, um die Aufnahme über den Darm zu verbessern. Folge: Die Kapseln mussten kühl gelagert und mit einer Mahlzeit eingenommen werden. Jede Softgelkapsel enthielt 133,3 Milligramm Lopinavir und 33,3 mg Ritonavir (Lopinavir/r; Kaletra®).

    Die Meltrex®-Technik, eine Schmelztechnik aus der Kunststoffindustrie, ermöglicht es nun, eine feste Lösung herzustellen, in der Lopinavir und Ritonavir als Nanopartikel sehr fein in einer hydrophilen Polymermatrix verteilt vorliegen. Das hat Dr. Jörg Breitenbach berichtet. Er ist Direktor des Unternehmens Soliqs, ein Geschäftsbereich von Abbott. Die Wirkstoffpartikel haben mit der neuen Technik eine Größe von nur 100 bis 200 Nanometer. Durch die so stark vergrößerte Oberfläche sind Lopinavir und Ritonavir besser wasserlöslich und bioverfügbar.

    Die Polymermatrix zerfalle im Verdauungstrakt spontan und entlasse unabhängig vom pH-Wert kontinuierlich eine milchige Dispersion, in der die beiden Wirkstoffe gelöst sind, sagte Breitenbach bei einer Abbott-Veranstaltung in Frankfurt am Main. So werden die Substanzen über die Zeit gleichmäßig freigesetzt. Eine Tablette enthält 200 Milligramm Lopinavir und 50 Milligramm Ritonavir.

    Verglichen zu historischen Daten mit Gelkapseln ist die Tablette nach Angaben von Dr. Knud Schewe aus Hamburg gastrointestinal besser verträglich. So klagten im Vergleich mit der Tablette nur halb so viele Patienten über Diarrhoen (17 Prozent im Vergleich zu 36 bis 69 Prozent).

    Auch Bauchschmerzen, Aufstoßen, Blähungen und Übelkeit traten mit der Tablette in den Phase-I-Studien seltener auf. Als Grund führte Schewe an, dass die Tablette sehr viel weniger Hilfsstoffe als die Kapsel enthält und potentiell abführende Substanzen wie Ölsäure, Sorbitol und Glycerin fehlen.

    Ärzte Zeitung vom 21. November 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Infektionsraten steigen in vielen Regionen der Welt weiter

    Berlin - Trotz zunehmender Anstrengungen bei der Bekämpfung der weltweiten AIDS-Epidemie, etwa durch verbesserten Zugang zu effizienten Behandlungs- und Präventionsprogrammen, konnte die Epidemie weltweit nicht gestoppt werden. Der aktuelle UNAIDS/WHO-Bericht "AIDS Epidemic Update 2006", dessen deutsche Version die Deutsche AIDS-Stiftung in diesem Jahr erneut in Kooperation mit UNAIDS herausbringt, zeigt deutlich die weiterhin dramatische Entwicklung: 39,5 Millionen Menschen leben weltweit mit dem Virus, darunter 17,7 Millionen Frauen und 2,3 Millionen Kinder. 4,3 Millionen Menschen infizierten sich im Jahr 2006 mit dem Virus, darunter 530.000 Kinder. 2,9 Millionen Menschen starben 2006 an den Folgen von AIDS.

    Afrika südlich der Sahara trägt die Hauptlast der weltweiten HIV-Epidemie. Zwei Drittel (63 Prozent) aller Erwachsenen und Kinder mit HIV weltweit leben dort, mit einem Epizentrum im südlichen Afrika. Frauen gehören vor allem in dieser Region, aber auch weltweit zu den besonders verletzlichen Gruppen und tragen einen unverhältnismäßig hohen Anteil der AIDS-Last. Auf jeweils zehn erwachsene Männer mit dem HI-Virus kommen in Afrika südlich der Sahara ungefähr 14 erwachsene Frauen, die mit dem Virus infiziert sind. Über alle Altersgruppen hinweggesehen, sind dort 59 Prozent der HIV-infizierten Menschen Frauen. Sie infizieren sich mit höherer Wahrscheinlichkeit, sie sind aber auch diejenigen, die in den meisten Fällen Menschen mit HIV-Infektionen betreuen. In vielen Ländern steigen auch die Infektionsraten bei schwangeren Frauen.

    Um diese dramatische Entwicklung zu stoppen, müssen zahlreiche Maßnahmen ergriffen werden. "Dabei ist das Engagement der Regierungen der betroffenen Länder ganz entscheidend", betonte Dr. Ulrich Heide, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen AIDS-Stiftung, bei der Vorstellung des "AIDS Epidemic Update 2006" in Berlin. "Die Tabuisierung des Themas AIDS und die Ausgrenzung betroffener Menschen verhindern einen wirksamen Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Virus." Präventionsmaßnahmen könnten nur funktionieren, wenn ein Klima der Offenheit herrsche. Das Beispiel Deutschland mit einer der niedrigsten Prävalenzraten weltweit habe gezeigt, dass Prävention und Aufklärung funktionieren können. Langfristig könne die weltweite AIDS-Epidemie jedoch nur durch die Entwicklung neuer Präventionstechnologien wie Mikrobizide und Impfstoffe aufgehalten
    werden.

    UNAIDS unterstreicht, dass der künftige Verlauf der weltweiten Epidemie stark von den Verhaltensweisen der jungen Menschen abhänge. Daher sind Aufklärungs- und Präventionsprojekte, vor allem für besonders verletzliche Gruppen, nach wie vor von besonderer Bedeutung. Gleichzeitig muss der Zugang zu medizinischer Therapie verbessert werden. Damit Behandlung und Pflege auch gewährleistet sind, muss die medizinische Infrastruktur ausgebaut werden. In Afrika beispielsweise werden dringend medizinische Fachkräfte benötigt. Das bedeutet, dass keine Ärzte und Krankenschwestern aus Afrika abgeworben werden dürfen. Viele von ihnen wollen in der Heimat bleiben, wenn sie eine angemessene Bezahlung erhalten.

    Nach Ansicht von Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul muss der Schutz von Frauen und Mädchen im Kampf gegen HIV/AIDS eine größere Rolle spielen. "Der diesjährige Bericht von UNAIDS bestätigt, dass inzwischen fast die Hälfte der infizierten Menschen weltweit Frauen sind, vor 10 Jahren waren es nur 12 Prozent", sagte die Ministerin. Mädchen und Frauen seien durch Diskriminierung und Gewalt in besonderer Weise von Infektion und Krankheit bedroht. Deshalb wolle die Bundesregierung bei der G8- und EU-Ratspräsidentschaft das Thema AIDS hochrangig auf die Tagesordnung setzen und die besondere Unterstützung der Frauen dabei betonen. Hoffnung mache die Entwicklung von Mikrobiziden, die Frauen einen eigenverantwortlichen Schutz vor HIV/AIDS ermöglichen könnten.

    Der ungekürzte Bericht "Epidemic Update 2006" (< klicken, deutsche Fassung) steht auf der Website der Deutschen AIDS-Stiftung zum Download zur Verfügung.

    Zahlen zu HIV/AIDS weltweit: Weltweit leben insgesamt ca. 39,5 Millionen Menschen mit HIV/AIDS, im Jahr 2006 gab es ca. 4,3 Millionen HIV-Neuinfektionen und es starben 2,9 Millionen Menschen an AIDS (Quelle: AIDS Epidemic Update 2006, Zahlen sind Schätzungen). Zahlen zu HIV/AIDS in Deutschland: Ende 2005 lebten ca. 49.000 Menschen mit HIV/AIDS in Deutschland, im Jahr 2005 erkrankten ca. 850 Menschen an AIDS (Schätzungen). Die Zahl der HIV-Erstdiagnosen (Meldungen über bestätigt positive Antikörpertests) lag 2004 bei 2.200, 2005 bei 2.486 und im ersten Halbjahr 2006 bei 1.197. (Quelle: Robert Koch-Institut)

    Deutsche AIDS-Stiftung - Pressemeldung vom 21. November 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Kondomgebrauch im Süden Afrikas hat deutlich zugenommen

    Junge Frauen im südlichen Afrika haben immer häufiger geschützten Sex. Zwischen 1993 und 2001 ist der Anteil der Frauen, deren Geschlechtspartner Kondome benutzten, von 5,3 auf 18,8 Prozent gestiegen. Das zeigt eine Studie von John Cleland von der Londoner Hochschule für Tropenmedizin und Mohamed Ali von der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

    Etwa 60 Prozent der Frauen hätten die Verhütung einer Schwangerschaft als Grund für die Verwendung eines Kondoms angegeben, nicht etwa den Schutz vor Infektionen. Das sollte auch bei zukünftigen Aufklärungskampagnen zur Nutzung von Kondomen bedacht werden.

    Auf der Basis staatlicher Umfragedaten untersuchten Cleland und Ali das Sexualverhalten und den Gebrauch von Verhütungsmitteln bei mehr als 130.000 unverheirateten Frauen zwischen 15 und 24 Jahren in 18 Ländern Afrikas südlich der Sahara. Die betrachteten Staaten stellen etwa 56 Prozent der Bevölkerung dieser Region.

    Der Anteil der Frauen, die sich durch generelle oder teilweise sexuelle Enthaltsamkeit oder Verhütungspillen schützten, veränderte sich im Untersuchungszeitraum kaum. Die Benutzung von Kondomen stieg hingegen deutlich, berichten Cleland und Ali. Die Daten erlauben nach Angaben der Forscher allerdings keine Aussage darüber, wie regelmäßig sich eine Frau beim Sex durch ein Kondom schützt.

    Vermutlich mehr Vertrauen, bessere Aufklärung

    Die Forscher vermuten, dass die Zunahme der Kondomnutzung auf eine gestiegene Vertrautheit mit dieser Verhütungsmethode, Aufklärungskampagnen und eine einfachere Verfügbarkeit von Kondomen zurückzuführen ist. Ein Großteil der befragten Frauen bezog ihre Kondome in Apotheken und Läden. Möglicherweise hätten die unverheirateten Frauen auch generell weniger Sex, was die Verwendung der Pille zur Empfängnisverhütung weniger sinnvoll mache und daher für Kondome spreche, spekulieren die Forscher.

    Keine Verbindung zu AIDS-Ausmaß

    Die Kondomnutzung hängt der Studie zufolge nicht mit dem Ausmaß der AIDS-Epidemie im jeweiligen Land zusammen: Sie stieg am stärksten in westafrikanischen Staaten, wo die Verbreitung von AIDS geringer ist als in Ostafrika.

    Gesellschaftliche Ursachen könnten hierfür mitverantwortlich sein: "Für eine junge Frau ist es vermutlich einfacher, ihren Partner von der Nutzung eines Kondoms zu überzeugen, wenn sie mit einer möglichen Schwangerschaft und nicht mit dem Schutz vor AIDS argumentiert", meint Cleland. Da mit der Verhütung durch Kondome auch ein Schutz vor dem AIDS-Virus einhergehe, sei der Effekt in jedem Fall positiv.

    Quelle: "Sexual abstinence, contraception, and condom use by young African women: a secondary analysis of survey data" ist in der Fachzeitschrift "The Lancet" (Bd. 368, S. 1788, 18. November 2006) erschienen. http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140673606697389/fulltext Artikel (nach kostenloser Anmeldung)

    ORF ON Science - News vom 17. November 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aids in arabischer Welt auf dem Vormarsch

    300 geistliche Führer berieten bei einer UNO-Konferenz in Kairo über das zunehmende Aids-Problem in den arabischen Ländern. Die Experten beklagen vor allem das Schweigen und die Tabus.

    Die arabischen Länder verzeichnen eine der höchsten Wachstumsraten bei HIV-Infektionen, aber Regierungen und religiöse Autoritäten reagieren nur sehr langsam auf das Problem. Das war die Botschaft einer Konferenz, die vom UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) und der Arabischen Liga in der Vorwoche in Kairo veranstaltet wurde und an der 300 führende religiöse Persönlichkeiten aus 20 arabischen Ländern teilnahmen.

    Prominenz. Prominenteste Konferenzteilnehmer von geistlicher Seite waren Sheikh Mohammad Sayyid Tantawi, der Großimam der in der sunnitischen Welt einflussreichen Al-Azhar-Moschee in Kairo, und Kopten-Papst Shenouda III., wie der Ägypten-Korrespondent des US-Magazins "Time" in dessen Online-Ausgabe weiter berichtete.

    Infiziert. Wie bei der Konferenz in der ägyptischen Hauptstadt bekannt gegeben wurde, wird im arabischen Raum alle zehn Minuten ein Mensch mit dem HI-Virus infiziert. Es werde daher eine Aids-Pandemie ähnlich jener im südlichen Afrika befürchtet, wenn nicht rasch effektive Gegenmaßnahmen ergriffen würden. Offiziellen Angaben zufolge seien in der Region im Jahr 2005 zwischen 67.000 und 200.000 Neuinfektionen erfolgt, rund 58.000 Personen seien gestorben. Es gebe aber keine zuverlässigen Zahlen, hieß es.

    Tabus. Die zu der Aids-Konferenz geladenen religiösen Führer äußerten sich unter anderem zu einigen der in der arabischen Welt weit verbreiteten Tabus, die das Thema umgeben und die die Ausbreitung der Seuche fördern. So riefen einige von ihnen die Gläubigen auf, Aids-Patienten, auch wenn diese "Sünder" seien, nicht die "Tore der Gnade" zu verschließen.

    Pessimistisch. Die regionale Koordinatorin des UNDP-Anti-Aids-Programms, Khadija Moalla, äußerte sich jedoch pessimistisch hinsichtlich der weiteren Entwicklung. "Bezüglich HIV herrscht Schweigen, Leugnung, Stigmatisierung und Diskriminierung in der arabischen Welt", sagte Moalla. So würden die nationalen Programme zur Aids-Bekämpfung der Größe der Herausforderung nicht gerecht. Im Sudan etwa reichten die vorhandenen Medikamente bei weitem nicht aus.

    Angst. Dazu komme, dass sich viele Menschen aus Angst vor einer Stigmatisierung nicht testen ließen, so Moalla. 85 Prozent der HIV-Positiven seien sich ihrer Infektion nicht bewusst. Verschiedenen Statistiken zufolge seien vier von fünf HIV-infizierten Frauen in der arabischen Welt von ihren Ehemännern angesteckt worden. Wenn diese dann an der Seuche sterben, würden ihre Witwen oft von der Familie verstoßen. Zudem komme es selten vor, dass Frauen von ihren künftigen Ehemännern vor der Hochzeit einen Aids-Test verlangten.

    Kleine Zeitung vom 17. November 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Immer mehr Europäer an AIDS erkrankt

    Die Anzahl der gemeldeten HIV/AIDS-Fälle hat sich in den europäischen Ländern seit 1998 verdoppelt, wobei jeder zweite Betroffene zwischen 15 und 25 Jahren alt ist. Mit der Kampagne der Kommission „AIDS – Remember me?“ soll das Bewusstsein junger Menschen für HIV/AIDS geschärft werden.

    Die jüngsten Statistiken über gemeldete Fälle von HIV-Infektionen in den europäischen Ländern belegen, dass sich die Fälle zwischen 1998 und 2005 fast verdoppelt haben. Wie die EU-Kommission in Brüssel mitteilte, wurden im vergangenen Jahr 23.620 neu diagnostizierte HIV-Infektionen in der Europäischen Union (EU) gemeldet.

    In Estland sind durchschnittlich zweimal mehr Menschen mit dem Virus infiziert als in den anderen EU-Mitgliedstaaten und auch Portugal liegt bei Neuinfektionen über dem EU-Durchschnitt. In den meisten Fällen stecken sich die Menschen in heterosexuellen Beziehungen an, jeder zweite im Alter zwischen 15 und 25 Jahren.

    Der jüngsten Eurobarometer-Umfrage zur AIDS-Prävention zufolge sind sich immer weniger junge Menschen der Bedrohung für die öffentliche Gesundheit, die vor allem in den Entwicklungsländern von AIDS ausgeht, bewusst. Ein kürzlich vom Europäischen Zentrum zur Krankheitsvorsorge und -kontrolle (ECDC) organisierter Workshop kam zu dem Ergebnis, dass vermutlich jeder Dritte mit HIV infizierte Europäer sich seiner Infektion überhaupt nicht bewusst ist.

    Durch eine Kampagne der Kommission mit dem Titel „AIDS -remember me?“, die am 15. November 2006 startete, soll das Bewusstsein junger Menschen für HIV/AIDS gestärkt werden. Junge Menschen werden aufgefordert, im Internet eine Auswahl von Fernsehspots aus verschiedenen EU-Mitgliedstaaten zum Thema HIV/AIDS anzuschauen und für ihren Lieblingsclip Punkte zu vergeben. Menschen zwischen 15 und 25 Jahren können zudem an einem Drehbuchwettbewerb für einen innovativen 30-Sekunden-Videoclip zum Thema HIV/AIDS-Prävention teilnehmen.

    Am 12. und 13. März 2007 wird im Rahmen des deutschen EU-Ratsvorsitzes eine Konferenz zum Thema HIV-Prävention stattfinden.

    EUActiv - Meldung vom 16. November 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    TMC125 in Kombination mit den meisten antiretroviralen Therapien möglich

    Auch Kompatibilität mit anderen von HIV/AIDS-Patienten verwendeten Arzneimitteln festgestellt

    GLASGOW - Eine kritische Betrachtung von 17 Studien zu Interaktionen zwischen Arzneimitteln unter Beteiligung des Prüfpräparats TMC125, eines Nicht-Nukleosid-Reverse-Transkriptase-Hemmers (NNRTI), wurde heute anlässlich des achten internationalen Kongresses zur medikamentösen Therapie von HIV-Infektionen (HIV8) in Glasgow, Schottland, dem Plenum als Referat vorgestellt. Die Daten zeigen, dass sich TMC125, ein NNRTI der nächsten Generation, der gegen NNRTI-resistente HIV-Arten aktiv ist, ohne Anpassung der Dosierung mit den meisten anderen auf dem Markt befindlichen antiretroviralen Arzneimitteln kombinieren lässt. Da TMC125 jedoch von den Aufsichtsbehörden noch nicht zugelassen ist, muss dies von den zuständigen Behörden bestätigt werden.

    Die Daten legen nahe, dass Nukleosid-Reverse-Transkriptase-Hemmer und die meisten Ritonavir-geboosteten Protease-Hemmer, einschließlich Darunavir (TMC114), zu denjenigen antiretroviralen Arzneimitteln zählen, die sich ohne Dosierungsanpassung in Kombination mit TMC125 einsetzen lassen. Tipranavir/Ritonavir, Nevirapine und Efavirenz reduzierten die TMC125-Exposition um 76 %, 55 % bzw. 41 % und sollten nicht in Kombination mit TMC125 eingesetzt werden. TMC125 steigerte die Fosamprenavir-/Ritonavir-Exposition (FPV/r) um 69 %, und die FPV/r-Dosierung muss daher eventuell angepasst werden.

    Eine Anpassung der Dosierung ist eventuell nicht erforderlich, wenn TMC125 zusammen mit empfängnisverhütenden Hormonen, Protonenpumpen-Hemmern, H2-Blockern oder Methadon verabreicht wird. TMC125 reduzierte die Sildenafil-Exposition um 69 %, und daher ist eine Sildenafil-Dosierung eventuell anzupassen.

    TMC125 kann mit Rifabutin und Clarithromycin in den meisten Situationen ohne Dosierungsanpassung eingesetzt werden. Bei Behandlung des Mycobacterium-avium-Komplexes (MAC) wird jedoch die Verwendung eines alternativen Arzneimittels zu Clarithromycin empfohlen.

    TMC125 induziert CYP3A und hemmt CYP2C19. TMC125 wird derzeit in Phase-III-Studien (DUET 1 und 2) an vorbehandelten erwachsenen Patienten untersucht.

    Programm für breiteren Zugang zu TMC125

    Das Programm für erweiterten Zugang zu TMC125 läuft mittlerweile in einer Reihe europäischer Länder; weitere folgen in Kürze. Das Programm wurde auch in Kanada und in den USA an 46 Zentren für klinische Studien eingeleitet. TMC125 ist für mit HIV-1 infizierte Erwachsene im Alter von mindestens 18 Jahren verfügbar, wenn ihre Behandlungsoptionen entweder aufgrund von virologischem Versagen oder aufgrund von Intoleranz gegenüber mehreren ARV-Therapien begrenzt sind. Patienten müssen in drei Kategorien vorbehandelt sein, d. h. sie müssen sich bereits mit den drei wichtigsten Kategorien oraler HIV-Medikamente (NRTIs, NNRTIs und PIs) einer zugelassenen Behandlung unterzogen und bereits mindestens zwei Therapien auf PI-Basis erhalten haben.

    Referate:
    1. TMC125 in combination with other medications: summary of drug-drug interaction studies. Thomas Kakuda et al.,
    Plenum 5/Sitzung 5, Dienstag, 14. Nov., 10.45-11.00 Uhr
    2. Impact of NNRTI and NRTI resistance on the response to the regimen of TMC125 plus two NRTIs in Study TMC125-C227. B. Woodfall et al.
    Plenum 5/Sitzung 6, Dienstag, 14. Nov., 11.45-12:00 Uhr

    Posterpräsentationen:
    1. No frequent reporting of neurological or psychiatric events during TMC125 treatment, B. Woodfall et al.
    2. No Effect of TMC125 on the Pharmacokinetics of Oral Contraceptives, M. Scholler-Gyure et al
    3. Pharmacokinetics of TMC125, with atazanavir and atazanavir/ritonavir (ATV/r), M. Scholler-Gyure et al

    tibotec - Pressemeldung vom 14. November 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zugang zu Medikamenten

    Fünf Jahre nach Doha steigen die Preise weiter - Länder müssen die Möglichkeiten des TRIPS-Abkommens stärker nutzen

    Genf/Berlin - Die Preise für Medikamente steigen weiter. Darauf macht die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen fünf Jahre nach der historischen Unterzeichnung der Doha-Erklärung zum TRIPS-Abkommen und zur öffentlichen Gesundheit auf der WTO-Ministerkonferenz 2001 in Doha, Katar, aufmerksam. Um die Medikamentenpreise zu senken, müssen Staaten die Möglichkeiten von TRIPS1, die in der Doha-Erklärung festgeschrieben sind, stärker anwenden. Ihr Ziel ist es, „die öffentliche Gesundheit zu schützen und (...) den Zugang zu Arzneimitteln für alle Menschen zu fördern.“

    Bei HIV/Aids wird der Trend sehr deutlich: Der starke Wettbewerb unter Generikaherstellern von Aids-Medikamenten der ersten Therapielinie hat seit dem Jahr 2000 dazu geführt, dass die Preise von 10.000 Dollar auf etwa 130 Dollar pro Patient und Jahr gesunken sind. Die Preise für Medikamente der zweiten Linie, die Patienten benötigen, die Resistenzen entwickeln, sind weiterhin hoch. Dies ist eine Folge von Patentbestimmungen in Ländern wie Indien, die wichtige Generika produzieren.

    In Südafrika beispielsweise bietet Ärzte ohne Grenzen seit fünf Jahren antiretrovirale Therapie für Menschen mit HIV/Aids an. Die Kosten für Medikamente der zweiten Therapielinie sind dort etwa zehn Mal so hoch wie die Preise für Arzneimittel der ersten Linie. Neuere Medikamente, die auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen werden, können in manchen Ländern sogar 50 Mal so teuer sein, wenn sie überhaupt erhältlich sind. Diese Arzneimittel werden solange unerschwinglich bleiben, bis der Wettbewerb unter Generikaherstellern die Preise senkt.

    „Wir spüren in unseren Projekten die Auswirkungen der höheren Medikamentenpreise auf unser Budget sehr deutlich“, sagte Tido von Schön-Angerer, Leiter der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. „Viele Länder nutzen die Doha-Erklärung und importieren Medikamente. Aber was passiert, wenn es bald keine Generika mehr gibt? Länder, in denen Generika hergestellt werden, müssen Schritte unternehmen, um die Produktion neuer Nachahmermedikamente zu erlauben. Sonst sind wir dort, wo wir angefangen haben: Die Behandlung wird wieder unerschwinglich sein.“

    Der Bericht, den die WHO-Kommission für die Rechte an geistigem Eigentum, Innovationen und öffentlicher Gesundheit im April veröffentlichte, kommt zu der Schlussfolgerung, dass der Schutz geistigen Eigentums nicht zu mehr Innovationen und einem verbesserten Zugang zu medizinischer Behandlung für Menschen in armen Ländern geführt hat – obwohl dies oft behauptet wird.

    „Es ist an der Zeit, erneut darüber nachzudenken, wie neue Medikamente entwickelt und bezahlt werden. Das gegenwärtige System, das sich auf Patente und hohe Preise stützt, um Innovationen zu bezahlen, führt zu Engpässen und vernachlässigt enorme gesundheitliche Bedürfnisse“, erklärte Ellen ´t Hoen von der Medikamentenkampagne. „Die im Dezember anstehenden Gespräche bei der WHO über einen Aktionsplan und Rahmen für wichtige gesundheitliche Forschung und Entwicklung bieten eine gute Gelegenheit, diesen Prozess zu beginnen.“

    1Trade Related Aspects of Intellectual Property Rights (Abkommen über handelsbezogene Aspekte der Rechte des geistigen Eigentums)

    Ärzte ohne Grenzen – Pressemeldung vom 14. November 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Wende bei der Bekämpfung von HIV in Russland?

    In Russland sind in den ersten neun Monaten dieses Jahres 24.390 Neuerkrankungen an HIV registriert worden, verlautete aus der Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadsor.

    Den Angaben zufolge sind landesweit insgesamt über 353.000 Menschen infiziert. Allein im Zeitraum von Januar bis September gab es 24.390 Neuerkrankungen, fünf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

    Seit der Registrierung der ersten HIV-Fälle in Russland im Jahre 1987 starben 1.160 Erwachsene und 140 Kinder an AIDS. Etwa 11.000 HIV-Infizierte starben aus verschiedenen Ursachen.

    Trotzdem brachte das Jahr 2006 im Kampf gegen HIV in Russland eine Wende mit sich, teilte Rospotrebnadsor-Chef Gennadi Onischtschenko mit. Für vorbeugende Maßnahmen wurden in diesem Jahr 200 Millionen Rubel (ca. 5,8 Millionen Euro) aus dem Föderationshaushalt bereitgestellt. In entsprechende Programme wurden neben den Medien auch medizinische Hochschulen und Nichtregierungsorganisationen einbezogen.

    Im Rahmen des vorrangigen nationalen Projektes "Gesundheitswesen" werden die Regionen mit der notwendigen Diagnoseausrüstung und Medikamenten versorgt, die Spezialisten werden weitergebildet. Im laufenden Jahr sollen in diesem Rahmen mindestens 15 000 HIV-Infizierte die notwendige Behandlung bekommen, hieß es.

    RIA Novosti – Meldung vom 14. November 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Forscher entdecken Aids-ähnliche Viren bei Gorillas

    Gorillas könnten Menschen gefährden.

    Forscher haben nun auch bei Gorillas ein Aids-ähnliches Virus gefunden. Die Entdeckung bei den Wildtieren in Kamerun sei von großer wissenschaftlicher Tragweite, betonten die französischen Experten im Wissenschaftsmagazin "Nature".

    In der jüngsten Ausgabe des Magazins hieß es, dass Gorillas als Nahrungsmittel und zur medizinischen Nutzung gejagt werden. Es sei daher möglich, dass diese Praktiken für die auf den Menschen übertragbare Tierkrankheit HIV-1 Gruppe O verantwortlich sind.

    Die betroffenen Gorillas, die das HIV-ähnliche SI-Virus (Simian immunodeficiency virus) tragen, "könnten eine ständige Gefahr für Menschen darstellen".

    Mehrere Affenarten tragen Aids-Viren, erkranken anders als Menschen aber nicht an der Immunschwäche. Forscher gehen derzeit davon aus, dass am Ursprung der Krankheit Schimpansen stehen.

    Diese dürften vor einigen Jahrzehnten das SI-Virus auf Menschen übertragen haben: Vermutlich durch den Biss eines Tieres oder die Verletzung eines Jägers, der sich das Virus beim Schneiden von Affenfleisch zuzog.

    Auch die für die neue Studie untersuchten westlichen Gorillas (wissenschaftlicher Name: Gorilla gorilla) wurden nach Einschätzung der Forscher vermutlich von Schimpansen angesteckt.

    Für die Studie nahmen die Forscher vom französischen Institut für Entwicklungsforschung (IRD) und der Universität im südfranzösischen Montpellier mehr als 500 Ausscheidungen von Schimpansen und Gorillas unter die Lupe. Wie erwartet fanden sie in 40 der 323 Schimpansen-Exkremente Antikörper.

    Überraschend wiesen aber 6 der 213 analysierten Gorillaproben HIV-Antikörper auf. Der Viren-Untertyp namens SIVgor ist dem Untertyp O der HIV-1-Linie genetisch sehr nahe, der bei Menschen im zentralen Westafrika verbreitet ist.

    Die Aids-infizierten Gorillaproben stammten von Tieren, die beinahe 400 Kilometer voneinander entfernt lebten. Die Forscher folgern daraus, dass es sich bei den Infektionen nicht um Zufälle handelt, sondern um ein artspezifisches Problem.

    Bote der Urschweiz vom 8. November 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Leben mit HIV kostet

    Charlestown - Menschen mit HIV können heute so lange leben wie nie zuvor, das koste aber pro Patient 618.900 US-Dollar (485.000 Euro). Das ist das Ergebnis der Studie "Die Lebenszeit-Kosten gegenwärtiger HIV-Pflege in den Vereinigten Staaten", die vom Partners Aids Research Center in Charlestown (Bundesstaat Massachusetts) in Zusammenarbeit mit der Harvard-, John-Hopkins- und Boston-University durchgeführt wurde.

    Die Forscher entwickelten ein Computer-Simulationsmodell, das die medizinischen Kosten in die Zukunft projiziert. Die richtige Kombination an Medikamenten könnte demnach das Leben um 24 Jahre verlängern, allerdings koste das durchschnittlich 2.100 Dollar (1.650 Euro) pro Patient und Monat. 70 Prozent der Kosten würde durch die Arzneimittel verursacht.

    queer - Meldung vom 7. November 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Mit HIV gegen HIV

    Erster Einsatz eines modifizierten HI-Virus als Genfähre erfolgreich.

    Vorläufige Tests von Wissenschaftern der University of Pennsylvania http://www.med.upenn.edu haben ergeben, dass HIV-Infektionen durch eine unschädliche Version des Virus selbst behandelt werden können. Das Team um Carl June behandelte fünf Patienten, die nicht auf Medikamente angesprochen hatten. Das veränderte Virus verfügt über zusätzliches genetisches Material, das die Reproduktion von HIV blockiert. In der Folge stabilisierten sich die HIV-Werte im Blut der Patienten oder sanken. Mit diesem Ansatz verbessert sich die Chance, dass Verfahren der Gentherapie eines Tages eine Alternative zu antiretroviralen Medikamente sein könnten. Die Ergebnisse der Studie wurden online in den Proceedings of the National Academy of Science http://www.pnas.org veröffentlicht.

    June betonte, dass die Gentherapie lange Zeit als alternative Behandlungsform gegen HIV diskutiert worden sei. "Das Ziel unseres Tests war die Feststellung der Sicherheit und der Durchführbarkeit. Die Ergebnisse deuten aber auf viel mehr hin." Die für die Tests ausgewählten Patienten hatten auf mindestens zwei Versuche sie mit antiretroviralen Medikamenten zu behandeln nicht die erhofften Reaktionen gezeigt. Für die aktuelle Studie erhielten sie eine einzelne Infusion der T-Zellen ihres eigenen Immunsystems. Diese Zellen waren aus dem Blut herausgefiltert worden, gereinigt und gentechnisch so verändert, dass sie die veränderte Form des Virus transportierten. Jeder Patient erhielt rund zehn Mrd. T-Zellen. Das entspricht zwischen zwei und zehn Prozent der Menge, über die ein Mensch normalerweise verfügt.

    Das unschädlich gemachte HIV-Gen wurde derart verändert, dass es ein Antisense-RNA Molekül transportierte, das das Lesen der genetischen Information stört und dafür geschaffen ist, den Vorgang zu sabotieren, den das Virus zur Vermehrung in im inneren der infizierten Zellen benötigt. Innerhalb der neun Monate dauernden Tests blieb die Virenbelastung der Patienten gleich oder sank. Ein Teilnehmer zeigte eine anhaltende drastische Reduzierung der Virenbelastung. Die Anzahl der T-Zellen blieb bei vier der fünf Patienten konstant oder verbesserte sich. Es gelang den Wissenschaftern die modifizierten Zellen monatelang bei den Patienten nachzuweisen. In einigen Fällen gelang dieser Nachweis auch noch Jahre nach der Infusion. Die Forscher betonen jedoch laut BBC, dass die Teilnehmerzahl gering war und dass die Patienten 15 Jahre lang beobachtet werden würde um die Langzeitwirkung zu überprüfen.

    Quelle: „Proceedings of the National Academy of Sciences“, http://www.pnas.org

    Pressetext Austria vom 7. November 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Studie zum Sexualverhalten junger Menschen

    Dieser Artikel zeigt die sozialen und kulturellen Faktoren auf, die das sexuelle Verhalten junger Menschen formen. Die Ergebnisse könnten helfen, Kampagnen für "Safer Sex" wirksamer zu machen, so die Autoren.

    Cicely Marston sowie Eleanor King von der "London School of Hygiene and Tropical Medicine" beziehungsweise dem "Medical Research Council", beide in Großbritannien, gingen 268 hochwertige Studien zum sexuellen Verhalten junger Menschen unter 25 Jahren durch, die zwischen 1990 und 2004 veröffentlicht wurden. Daten aus einer Vielzahl von Ländern einschließlich Großbritannien, Australien, Mexiko und Südafrika wurden in diesem Review eingeschlossen.

    Sie fanden heraus, dass die Faktoren, die das sexuelle Verhalten junger Menschen beeinflussen weltweit auffällig gleich sind. Die Forscher identifizierten sieben Schlüsselthemen für ihre Analyse: fünf stehen in Verbindung mit dem sexuellen Verhalten im Allgemeinen und zwei besonders mit der Verwendung von Kondomen. Zum Beispiel fanden sie heraus, dass junge Menschen die Entscheidung, ob sie mit einem potentiellen Partner ein Kondom benutzen müssen oder nicht, daran festmachten, ob sie ihn für "sauber" oder "unsauber" halten. Die Forscher fanden heraus, dass diese Entscheidung aufgrund wenig verlässlicher Fakten getroffen wird, wie zum Beispiel wie gut der Partner sozial bekannt ist oder aufgrund seines Erscheinungsbildes. Die Studie fand auch heraus, dass junge Menschen das Gefühl haben, dass der Besitz oder das Kaufen von Kondomen auf sexuelle Erfahrung hindeutet, was für Frauen wenig erstrebenswert ist, für Männer dagegen manchmal schon.

    Dr. Marston erklärt: "Unsere Ergebnisse helfen zu erklären, warum manche HIV-Programme nicht effektiv gewesen sind. Forscher haben viele Gründe identifiziert, warum junge Menschen keine Kondome verwenden; die auffälligsten davon sind: 'Unwissenheit' und 'Barrieren im Zugang zu Verhütungsmitteln'. Daher lösen Programme, die nur Information und Kondome verbreiten, ohne die äußerst wichtigen sozialen Faktoren zu berücksichtigen, nur einen Teil des Problems."

    Quelle: C. Marston & E. King. Factors that shape young people's sexual behaviour: a systematic review. Lancet 2006; 368: 1581-1586

    The Lancet  vom 6. November 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Einmal täglich Lopinavir/Ritonavir effektiv

    Im Zuge einer HIV-Kombinationstherapie scheint die einmal tägliche Einnahme von Lopinavir/Ritonavir ebenso effektiv wie die zweimal tägliche Einnahme, die Adhärenz könnte durch die Reduktion der einzunehmenden Präparate gesteigert werden.

    Dr. Thomas J. Podsadecki von Abbott Laboratories in Illinois und Kollegen analysierten diesbezügliche Daten von 190 antiretroviral naiven Personen mit einer Viruslast von über 1.000 Kopien/ml. Die Patienten erhielten randomisiert entweder einmal täglich Lopinavir/Ritonavir (LPV/r, Kaletra®) in einer Dosis von 800/200mg oder zweimal täglich 400/100mg. Weiter erhielten alle Patienten einmal täglich 300mg Tenofovir Disoproxil Fumarat (TDF, Viread®) plus 200mg Emtricitabin (Emtriva®).

    Während der 48wöchigen Beobachtungszeit konnte die Viruslast bei 70% der einmal täglich Gruppe und bei 64% der Probanden der zweimal täglich Gruppe unter 50 Kopien/ml reduziert werden. Der durchschnittliche Anstieg der CD4-Zellzahl war in beiden Gruppen vergleichbar.

    Das Resistenzprofil war in beiden Gruppen ebenfalls vergleichbar: keiner der Probanden entwickelte eine LPV oder TDF-Resistenz, zwei Patienten der einmal täglich Gruppe und einer der zweimal täglich Gruppe entwickelte eine Emtricitabin-Resistenz.

    Die häufigste unerwünschte Nebenwirkung war eine Diarrhoe (16% und 5%; p=0,036).

    Quelle: J Acquir Immune Defic Syndr; 2006, 43: 153-160

    MedAustria - Aids News vom 6. November 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Robert-Koch-Preis für Aids-Forscher

    Professor Jan Münch von der Uni-Klinik Ulm erhielt den Robert-Koch-Postdoktorandenpreis. Er wurde für seinen Beitrag zur Aids-Forschung ausgezeichnet.

    Der Ulmer Virologe Professor Jan Münch ist mit dem Robert-Koch-Preis für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet worden. Er erhält diesen Preis für seine Forschung über Stoffe, die das Aids-Virus hemmen. Münch hat aus menschlichem Blut einen Eiweißstoff isoliert, der bestimmte HIV-Typen über einen neuartigen Wirkmechanismus hemmt, teilt die Uni-Klinik mit.

    Die antivirale Wirkung dieser Eiweißverbindung soll demnächst in einer ersten klinischen Studie getestet werden. Die isolierte Eiweißverbindung trägt die Bezeichnung Virip. Außerdem hat Münch, der am Institut für Immunologie und Mikrobiologie der Uni-Klinik Ulm arbeitet, aus menschlicher Samenflüssigkeit einen Eiweißstoff isoliert, der HIV-Infektionen dramatisch verstärkt. Diese Eiweißverbindung, genannt Sevi, könnte eine wichtige Rolle bei der Übertragung von HIV spielen.

    Münch wird zudem für seine Arbeit über die Eiweißverbindung Nef des Aids-Virus ausgezeichnet. Mit anderen Forschern fand Münch heraus, warum Menschenaffen nach der Infizierung mit bestimmten HI-Viren nicht an Aids erkranken, Menschen dagegen schon.

    Münchs Forschungsergebnisse wurden bislang in mehr als 30 Publikationen und Patenten veröffentlicht. Obendrein wurde er von der Medizinischen Fakultät für seine erfolgreiche Lehre geehrt. Der 34-jährige Jan Münch wurde kürzlich an der Ulmer Uni-Klinik zum Junior-Professor berufen.

    Der Robert-Koch-Preis gehört zu den angesehensten wissenschaftlichen Auszeichnungen in Deutschland. Neben dem Hauptpreis vergibt die Robert-Koch-Stiftung jährlich drei Postdoktorandenpreise für herausragende Arbeiten an den wissenschaftlichen Nachwuchs. Einer davon geht diesmal an Münch. Er erhielt den mit 2500 Euro dotierten Preis gestern während einer Feierstunde in Berlin überreicht.

    Universitätsklinikum Ulm - Pressemeldung vom 4. November 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Täglich 5.000 Tote durch Tuberkulose

    Johannesburg - Angesichts der bedrohlichen Verbreitung der Tuberkulose haben Gesundheitsexperten mehr Geld für den Kampf gegen die Krankheit gefordert. Täglich sterben 5.000 Menschen an der Tuberkulose, ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit der Seuche infiziert. «Die finanzielle Unterstützung muss verfünffacht werden und 2 Milliarden Dollar jährlich erreichen», verlangten Fachleute in Paris auf der Weltkonferenz für Tuberkulose.

    In vielen Ländern habe die Aids-Epidemie die dramatische Rückkehr der Tuberkulose befeuert, hieß es. AIDS schwächt das Immunsystem der Betroffenen und erleichtert damit den Tuberkulose-Bakterien die Infektion. Allein Tuberkulose tötet zwei Millionen Menschen jährlich. Die einzigen wirksamen Medikamente gegen die Seuche wurden vor 40 Jahren entwickelt, kritisierten Experten in Paris. Deshalb sei es höchste Zeit, neue Heilmittel und Diagnosen zu finden, mit denen alle Formen der Tuberkulose erkannt werden können.

    In jüngster Zeit verbreiteten sich zudem besonders gefährliche Tuberkulose-Erreger. Diese Keime sind gegen eine Vielzahl Medikamente resistent und nur noch sehr schwer zu behandeln. Laut der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen gibt es jedes Jahr 450.000 neue Fälle resistenter Tuberkulose. Ein in Südafrika aufgetretener Stamm (XDR-TB) könne mit den meisten vorhandenen Medikamenten nicht behandelt werden.

    Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind diese Keime inzwischen in vielen Staaten nachgewiesen - darunter auch in den USA und Lettland. Bei Ärzte ohne Grenzen hieß es: «XDR-TB kann in Gebieten mit hoher HIV/AIDS-Rate verheerende Folgen haben. Aber die Krankheit mit den heute zur Verfügung stehenden Mitteln zu behandeln, wäre der Versuch, einen Waldbrand mit einem Wasserschlauch zu löschen.»

    Stichwort: Tuberkulose

    Tuberkulose, früher auch Schwindsucht genannt, ist eine der drei verheerendsten Infektionskrankheiten. Gemeinsam mit Aids und Malaria tötet die Seuche jedes Jahr sechs Millionen Menschen. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist ein Drittel der Weltbevölkerung mit dem Bakterium Mycobacterium tuberculosis infiziert. Obwohl die Tuberkulose mit Antibiotika geheilt werden kann, sterben an ihr jeden Tag 5.000 Menschen - das sind rund 2 Millionen jährlich.

    Tuberkulose ist eine Krankheit der Armen: Die meisten Betroffenen leben in Südostasien und Afrika. In Deutschland ist die Krankheit seit Jahren rückläufig. 2004 erkrankten an ihr laut Robert Koch-Institut mehr als 6.500 Menschen, 236 starben an der Krankheit.

    Tuberkulose wird per Tröpfcheninfektion übertragen. Kranke Menschen verbreiten die stäbchenförmigen Bakterien beim Husten, Niesen oder mit dem Speichel. Schon das Einatmen weniger Keime kann ansteckend sein. Die Erreger sind sehr widerstandsfähig. Weder die Salzsäure des Magens, noch Temperaturen von minus 70 Grad Celsius schaden ihnen. Zudem können sie außerhalb des Körpers monatelang überleben.

    Die Bakterien befallen die Lunge, häufig jedoch auch andere Organe. Bei den Betroffenen können unter anderem Fieber, Appetitmangel, Müdigkeit oder Atembeschwerden auftreten. Der Verlauf der Krankheit hängt stark vom Gesundheitsstatus des Befallenen ab - ein Grund, warum zahlreiche HIV-Infizierte mit geschwächtem Immunsystem schwer an Tuberkulose erkranken. Bei HIV-Infizierten ist Tuberkulose die häufigste Todesursache.

    Die Krankheit kann mit einer mehrmonatigen Gabe von Antibiotika behandelt werden. Jedoch beobachten Experten immer häufiger Tuberkulose-Bazillen, die gegen viele Medikamente resistent sind. Vor allem in der früheren Sowjetunion und in Südafrika sind solche Erreger verbreitet.

    Der Standard - Meldung vom 2. November 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neu-Infektionen auf hohem Niveau stabilisiert

    Zahl der neu diagnostizierten HIV-Infektionen stabilisiert sich auf hohem Niveau.

    Mit 1.197 neu diagnostizierten HIV-Infektionen im ersten Halbjahr 2006 stabilisiert sich die Zahl der HIV-Neudiagnosen auf dem hohen Niveau der beiden vorangegangenen Halbjahre 2005 (1.254 bzw. 1.232 HIV). Die Zahl der Neudiagnosen liegt damit zwar circa 50 Prozent höher als in den Jahren 1999 bis 2001, in denen der bisherige Tiefpunkt der Neudiagnosezahlen erreicht worden war, steigt aber derzeit nicht weiter an. "Das zeigt, dass hohe Meldebereitschaft, differenzierte Datenanalysen und zielgruppengenaue Aufklärung nach wie vor unverzichtbar sind", betont Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts. Der neue Halbjahresbericht mit umfangreichen Daten zu HIV-Infektionen und AIDS-Erkrankungen ist am 31.10.2006 im Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts veröffentlicht worden und auf den RKI-Internetseiten abrufbar).

    Männer, die Sex mit Männern haben, stellen mit 62 % der Neudiagnosen die größte Gruppe. Personen, die ihre HIV-Infektion durch heterosexuelle Kontakte erworben haben und nicht aus Ländern mit hohen HIV-Raten stammen (Hochprävalenzländer) stellen mit 17 % die zweitgrößte Betroffenengruppe. Die meisten dieser Infektionen fanden in Deutschland statt. Bei den heterosexuellen Männern, die sich im Ausland angesteckt haben (33 %), wurden als Infektionsregionen in erster Linie Südostasien und am zweithäufigsten Subsahara-Afrika genannt, während sich die im Ausland infizierten Frauen (19 %) überwiegend in Subsahara-Afrika infiziert haben.

    Erfreulicherweise waren unter den sieben entdeckten Mutter-Kind-Übertragungen keine, die auf eine fehlende Testung der Mutter in einer Schwangerschaft in Deutschland seit Anfang 2005 zurückzuführen wäre. Anfang 2005 hatte das Robert Koch-Institut in einem Schreiben an alle niedergelassenen Frauenärzte in Deutschland darauf hingewiesen, dass allen Schwangeren ein HIV-Test im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen empfohlen werden sollte.

    Die Gesamtzahl der seit Beginn der Epidemie an das AIDS-Fallregister am RKI berichteten am Vollbild AIDS erkrankten Personen steigt auf 24.620. Es gibt jedoch erhebliche regionale Unterschiede bei der Vollständigkeit der Meldung von AIDS-Erkrankungen. Da die Erfassung von AIDS-Fällen und Todesfällen bei HIV-Infizierten wertvolle Hinweise auf Probleme in der klinischen Versorgung geben kann, sollten  alle in der Versorgung von HIV- und AIDS-Patienten tätigen Ärzte AIDS-Fälle und Todesfälle bei HIV-Infizierten an das (freiwillige) AIDS-Fallregister am Robert Koch-Institut melden.

    Wird eine HIV-Infektion nicht rechtzeitig beim Auftreten gesundheitlicher Probleme diagnostiziert, kann sich der klinische Zustand der Patienten so weit verschlechtern, dass eine dann schließlich nach erfolgter HIV-Diagnose eingeleitete Behandlung zu spät beginnt und der Tod des Patienten damit nicht mehr verhindert werden kann. Die Analyse zeigt, dass etwa ein Drittel der Todesfälle möglicherweise auf das zu späte Erkennen einer HIV-Infektion zurückzuführen sind.

    Download Bericht

    Robert Koch-Institut - Pressemitteilung vom 31. Oktober 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Infektionen bei Schwulen verdoppelt

    Innerhalb von drei Jahren hat sich die Zahl von HIV-Infektionen unter homo- und bisexuellen Männern in der Schweiz fast verdoppelt. Immer mehr haben ungeschützten Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern.

    Seit 2004 steigen die HIV-Infektionen unter Schwulen und bisexuellen Männern kontinuierlich, während insgesamt die Zahl der Ansteckungen rückläufig ist. Von allen im Jahr 2005 infizierten Männern gehörten 49,3 Prozent zur so genannten MSM-Gruppe (Männer, die Sex mit Männern haben). Im Jahr 2004 waren es noch 36,5 Prozent. Bis Ende 2006 rechnet das BAG in dieser Gruppe mit rund 300 Neuinfektionen, was erneut eine deutliche Zunahme bedeutet. Die meisten Männer, die sich mit dem HI-Virus infizieren, sind Schweizer.

    Mit dieser Entwicklung steht die Schweiz laut BAG nicht alleine da. In den meisten westeuropäischen Ländern lasse sich eine vergleichbare Tendenz feststellen. Ganz allgemein sei unter Schwulen und bisexuellen Männern die Tendenz zu einem vermehrten Risikoverhalten erkennbar. Immer mehr Männer haben ungeschützten Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern.

    Aber auch die Prävention kommt offenbar nicht mehr richtig an. Wie das BAG weiter schreibt, zeigt ein Teil der Homosexuellen einen gewissen Überdruss, weil die Präventionsbotschaften ihrer Ansicht nach die Party-Ambiance beeinträchtigen.

    Das BAG fordert deshalb von den Homosexuellen-Vereinigungen, die HIV-Prävention wieder ins Zentrum ihrer Bemühungen zu rücken. Die bestehenden Maßnahmen zu ändern hält das BAG allerdings nicht für nötig. Viel wichtiger sei, dass alle Organisationen, die sich an der Aids-Bekämpfung innerhalb der MSM-Population beteiligen, am selben Strick ziehen.

    Dass die Präventionsmaßnahmen in die richtige Richtung zielen, zeigt laut BAG die Entwicklung bei Migranten und Personen aus der Drogenszene. Hier konnte die Zahl der Infektionen gesenkt werden. Insgesamt wurden im laufenden Jahr bis Ende September 533 positive HIV-Tests gemeldet. Laut BAG entspricht dies den Werten von 2005, mit insgesamt 714 Fällen im ganzen Jahr. Die Mehrheit davon, rund 66 Prozent, betraf Männer. In den letzten drei Jahren hat sich laut BAG auch die Sterberate weitgehend stabilisiert, auf rund 90 Todesfälle pro Jahr. Dieses Jahr starben bisher 17 Männer und acht Frauen an Aids.

    20minuten - Meldung vom 30. Oktober 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Russland: HIV greift um sich

    Bereits über 24.000 Neuinfektionen im Jahr 2006

    Moskau - In Russland sind in den ersten neun Monaten dieses Jahres 24 390 Neuerkrankungen an HIV/AIDS registriert worden. Das ist um fünf Prozent mehr, als im Vergleichszeitraum 2005. Das geht aus einer Pressemitteilung des Föderalen Dienstes für die Aufsicht über den Verbraucherschutz (Rospotrebnadsor) hervor.

    Nach dem Stand vom 1. Oktober 2006 wurden mehr als 353.000 HIV-Infizierte ermittelt, darunter 988 Kinder, die sich bei ihren HIV-positiven Müttern angesteckt hatten.

    Laut der Aufsichtsbehörde breitet sich die HIV-Epidemie in Russland ungleichmäßig aus. Rund 60 Prozent aller registrierten HIV-Infektionen entfallen auf zehn Mitglieder der Russischen Föderation.

    An erster Stelle steht dabei Sankt Petersburg mit 30.115 HIV-Infizierten. Ihm folgen die Gebiete Swerdlowsk, Moskau und Samara (28.496, 27.978 bzw. 24.108 Infektionsfälle).

    Im Rahmen des vorrangigen nationalen Projektes "Gesundheitswesen" hat Rospotrebnadsor die Ordnung für die ständige Überwachung der Prophylaxe von HIV sowie von Hepatitis B und C wie auch für die Ermittlung und Behandlung von HIV-Positiven ausgearbeitet.

    Für das Jahr 2007 ist unter anderem geplant, 30.000 HIV-Infizierte mit antiretroviralen Medikamenten zu behandeln sowie Maßnahmen zur Vorbeugung der Mutter-Kind-Übertragung von HIV/AIDS zu ergreifen.

    RIA Novsoti vom 27. Oktober 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Auszeichnung für Kampf gegen Aids

    Georg-Friedrich-Götz-Preis 2006 geht an Schweizer Infektiologen.

    Zürich - Der Georg-Friedrich-Götz-Preis 2006 ist gestern, Donnerstag, Huldrych Günthard, Leitender Arzt der Abteilung für Infektiologie und Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich http://www.infektiologie.usz.ch, verliehen worden. Der Schweizer Infektiologe wird für seine bedeutenden Arbeiten auf dem Gebiet der HIV- und AIDS-Forschung ausgezeichnet.

    Huldrych Günthard hat intensive systematische Langzeitstudien mit HIV-infizierten Patienten, geleitet. Er und sein Team konnten dabei nachweisen, dass sowohl virale als auch Wirtsfaktoren für die Höhe der viralen Replikation im Menschen verantwortlich sind. Dem Zürcher HIV-Forschungslabor gelang es erstmals, aufzuzeigen, dass gegen HIV-Hüllproteine gerichtete monoklonale Antikörper im Menschen hemmend auf die Vermehrung des HI-Virus wirken können. Dies wurde von der Stiftung als eine wichtige konzeptionelle Erkenntnis in Richtung Entwicklung eines HIV-Impfstoffes gewertet. Gegenüber pressetext relativierte Preisträger Huldrych Günthard: "Es ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem Impfstoff, aber wir sind noch lange nicht dort." Der Schweizer Infektiologe hofft aber, dass seine Forschungen der weltweiten Suche nach Antikörpern gegen das HI-Virus neuen Auftrieb verschaffen werden.

    Weltweit sind heute rund 40 Mio. Menschen mit dem HI-Virus infiziert, davon sind über zwei Mio. Kinder oder Jugendliche. Seit dem ersten Auftreten von HIV vor 25 Jahren konnte das Überleben von HIV-infizierten Menschen dank der seit zehn Jahren verfügbaren antiretroviralen Kombinationstherapie massiv verlängert werden. Die langfristigen Therapieerfolge können jedoch durch Resistenzentwicklung und Langzeitnebenwirkungen beeinträchtigt werden. Der Suche nach einem Impfstoff kommt deshalb große Bedeutung zu.

    Der Preis der Georg-Friedrich-Götz-Stiftung http://www.med.unizh.ch/StiftungenundPreise/Goetzpreis.html wird jährlich in Zürich für hervorragende medizinische Leistungen verliehen. Die "Georg-Friedrich-Götz-Stiftung" wurde 1964 in Zürich von Friedrich Götz und dem Arzt Karl Mülly gegründet. Friedrich Götz selber litt an Krebs. Dieser Umstand und die enge Freundschaft zu seinem Arzt Dr. Mülly motivierte ihn diesen Preis zu stiften. Die erste Preisverleihung erfolgte 1969 und der Preis ging an Professor Lindenmann vom Institut für Medizinische Mikrobiologie der Universität Zürich für seine Grundlagenforschungen über Krebs.

    UniversitätsSpital Zürich - Pressemeldung vom 27. Oktober 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aids-Prävention in Westafrika auf dem Prüfstand

    AIDS ist in Afrika eine Krankheit die von den Weißen erfunden ist, um damit Profit und Macht zu erlangen. Diese weit verbreitete Meinung ist mit ein Grund, weshalb die aktuelle Aids-Prävention unter anderem in Mali in Frage gestellt wird. Eine Studie von IAMANEH Schweiz deckt sozioethnologische Aspekte auf, welche für eine erfolgreiche Aidsprävention wegweisend sein dürften.

    Die Einführung von neuen Therapieformen in Mali, zum Beispiel die kostenlose Abgabe von antiretroviralen Medikamenten (ARV), hat nicht nur den Gesundheitszustand der Betroffenen verbessert, sondern auch das Gesicht der Krankheit verändert. Neben Stabilisierung des Gesundheitszustandes und Akzeptanz der Medikamente sind auf gesellschaftlicher Ebene Effekte entstanden, die paradox erscheinen: Die Krankheit wurde unsichtbar. Infizierte werden in der Öffentlichkeit vornehmlich als Profiteure und Kollaborateure wahrgenommen. Als krank gelten nur jene, die im Spital oder zu Hause im Bett liegen.

    Die wissenschaftliche Studie belegt außerdem, dass AIDS eng mit Profit und Einflussnahme und damit allgemein mit ökonomischen Aspekten verknüpft ist. Diese Entwicklungen werden jedoch bisher noch nicht im Präventionsbereich berücksichtigt. Hier ist deshalb Handlungsbedarf angezeigt.

    Erst Zuhören, dann Handeln – neues Denken bei der AIDS-Prävention Eine Möglichkeit, dieser Situation zu begegnen, besteht darin, die offizielle Präventionskommunikation aus ihrer eindimensionalen Geschlossenheit zu befreien. Noemi Steuer, Autorin der IAMANEH-Studie, stellte immer wieder in Gesprächen fest, dass das Thema AIDS viel Diskussionspotential birgt. Die Herausforderung einer veränderten Präventionskommunikation muss darin bestehen, die Handlungsfähigkeit der Bevölkerung zu fördern und sie in ihrer Auseinandersetzung mit kulturellen und sozialen Normen zu unterstützen. Nur so können sie eigene Formen der Verantwortung entwickeln, ohne dass dabei Aktivitäten durch grundsätzliches Misstrauen blockiert werden. Als wichtige Komponente steht deshalb der Verzicht auf Indoktrination, Offenheit, Dialog und die Darstellung von AIDS als einer Pandemie - einer Krankheit, die alle treffen kann.

    „Straßenkinder gegen AIDS“ – IAMANEH beschreitet neue Wege

    Die Studie ist Teil des IAMANEH-Projektes „Straßenkinder gegen AIDS“: Ziel dieser medizin-ethnologischen Untersuchung ist, die Bedürfnisse der Betroffenen und deren Familien besser zu erfassen. Die Studie gibt einen Einblick in die Erfahrungen und Problemfelder der jungen Menschen und zieht Rückschlüsse für eine verbesserte und Erfolg versprechende Aidsprävention in Mali.

    Noemi Steuer: "Erfahrungen von HIV/Aids-Betroffenen während der Freigabe von antiretroviralen Therapien", 21 Seiten, Bezug: bei IAMANEH Schweiz, Basel.

    IAMANEH Schweiz - Meldung vom 26. Oktober 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Private Stiftungen engagieren sich gegen Aids

    Der Finanzbedarf ist riesig: Im Jahr 2007 werden nach Angaben von UNAIDS, dem UN-Programm gegen HIV/Aids, voraussichtlich 18,1 Milliarden US-Dollar für den weltweiten Kampf gegen HIV/Aids gebraucht. Bisher wurden von öffentlichen und privaten Geldgebern knapp zehn Milliarden Dollar zugesagt.

    Private Stiftungen und Nichtregierungsorganisationen (NRO) gewinnen bei der Finanzierung von HIV-Programmen an Bedeutung. So hat beispielsweise die Bill and Melinda Gates Foundation auf der Weltaidskonferenz im August dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria 500 Millionen Dollar für die kommenden fünf Jahre zugesagt. Dem aktuellen Bericht einer Arbeitsgruppe des European Foundation Centre (EFC) zufolge investierten US-amerikanischen Stiftungen 2004 insgesamt 341,2 Millionen Dollar in Anti-Aids-Maßnahmen. Europäische Stiftungen stellten im vergangenen Jahr 93,4 Millionen bereit. Weitere 113,4 Millionen brachten andere NRO in Europa auf.

    Zu wenige Investitionen in HIV-Prävention

    Der Bericht untersucht auch, wohin die Anti-Aids-Gelder fließen. Etwa 70 Prozent der Hilfsleistungen kommen der Pflege und Behandlung von Aids-Kranken zugute. Zu gering seien dagegen die Ausgaben für die HIV-Prävention, kritisieren die Autoren des Berichts. Ein Großteil der Hilfsleistungen konzentriert sich auf Afrika: 63,3 Prozent des Geldes fließen in den am schlimmsten von HIV/Aids betroffenen Kontinent. Um eine weitere Ausbreitung der Epidemie zu verhindern, empfiehlt der Bericht, in Zukunft auch mehr in Osteuropa zu investieren.

    Den Bericht "European Philanthropy and HIV/Aids" finden Sie im Internet unter http://www.csis.org/media/csis/pubs/060816_hivaids_euro.pdf

    Deutsche Stiftung Weltbevölkerung - Meldung vom 24. Oktober 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Retrovirus-Bulletin 2/2006

    Erlangen - Die 2. Ausgabe des Retrovirus-Bulletins 2006, herausgegeben vom Institut für Klinische und Molekulare Virologie der Universität Erlangen-Nürnberg, ist erschienen.

    Die Themen der aktuellen Ausgabe:

    • 10 Jahre nach der Entdeckung: Ist GBV-C immer noch das »Good Boy«- Virus? (Heide Reil)
    • Zelluläre native Immunabwehr gegen HIV (Barbara Schmidt)
    • Strukturierte Therapiepausen - wo stehen wir nach der CROI 2006? (Klaus Korn)
    • Genotypischer Resistenz-Algorithmus Deutschlands - HIV-GRADE online verfügbar (Hauke Walter)

    Der vollständige Bericht im PDF-Format (0.6 MB)

    HIV.NET vom 21. Oktober 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    114 Mahnmale für Kinder mit HIV

    Sie kamen in den frühen Morgenstunden und bevölkerten bis zum Sonnabendnachmittag den Gänsemarkt: 114 Plastikfiguren, die symbolisch für 114 Kinder in Hamburg stehen, die von Aids betroffen sind. Entweder weil ihre Eltern krank oder sie selbst infiziert sind. Mit Sprüchen auf den Figuren wie "Warum ist Mama so oft traurig?", "Muss Papa bald sterben?" und "Warum muss ich immer Tabletten nehmen?" wollten die Werbeagentur Jung von Matt und die Miami Ad School für angehende Werbeleute auf die Probleme und Sorgen von betroffenen Kindern aufmerksam machen und Geld für die Arbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendschutz (AJS) sammeln.

    Die Institution betreut betroffene Familien, leistet Kindern und Eltern mentalen Beistand, spendet Trost und versucht, kleine Wünsche zu erfüllen. Doch das Geld ist knapp. Rund 20 000 Euro werden noch für das kommende Jahr benötigt. "Mit einer Spende von 114 Euro können die Figuren symbolisch adoptiert werden, um den Familien zu helfen", sagt Oliver Voss, Geschäftsführer von Jung von Matt und Initiator der Aktion. Bereits während der Aktion am Sonnabend wurden rund 20 Figuren "adoptiert". "Jetzt hoffen wir, dass die Menschen weiter spenden - auch nach Ende der Aktion", so Oliver Voss. Jeder Betrag, egal wie hoch, helfe einem von Aids betroffenen Kind.

    Hamburger Abendblatt - Meldung vom 23. Oktober 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Sieben Kinder tot

    Wegen mit HI-Viren verseuchten Blutkonserven sind in Kasachstan sieben Kinder gestorben. Der Gesundheitsminister des Landes musste seinen Posten mittlerweile räumen.

    Mindestens 71 weitere hätten sich mit dem HI-Virus angesteckt, meldete die Nachrichtenagentur Interfax-Kasachstan gestern unter Berufung auf die örtlichen Gesundheitsbehörden.

    Die Infektionen sollen durch verseuchte Blutkonserven oder nicht sterilisierte Nadeln verursacht worden sein. Mehr als 10.000 Kinder könnten zwischen Januar und März dieses Jahres im Süden des Landes mit dem Virus in Kontakt gekommen sein.

    Gesundheitsminister Erbolat Dosajew und der südkasachische Regionalgouverneur Bolat Jilkischjew hatten im Zuge des Aids-Skandals wegen «ernsthaften Verstoßes gegen die Amtspflichten» ihre Posten verloren.

    Die ersten Fälle wurden im Mai entdeckt. Eine Untersuchung hatte nach Angaben des Präsidialamtes «Schlampereien» und «Pflichtverletzungen» auf allen Ebenen des Gesundheitssystems in Südkasachstan festgestellt. In zwei Fünfteln aller Blutspendezentren des Landes seien Verstöße gegen die Bestimmungen registriert worden.

    20minuten - Meldung vom 22. Oktober 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Australien: HIV-Neuinfektionen steigend

    Sydney - Australische Ärzte verlangen vom Gesundheitsministerium größere Anstrengungen, um die steigende Zahl der HIV-Neuinfektionen unter Kontrolle zu bringen. Nachdem diese jahrelang rückläufig waren, rechnen Epidemiologen für das laufende Jahr mit mehr als 1.000 Neuinfektionen. Das ist ein neuer Rekord und laut Ärzteschaft Grund, die Präventionsstrategie der Regierung zu überdenken. 2005 hatten sich laut offiziellen Statistiken 928 Patienten neu mit dem HI-Virus infiziert, im Jahr 2000 gab es lediglich 656 Neuinfektionen.

    Australische Ärzte führen den Anstieg auf zwei Faktoren zurück: häufigeren ungeschützten Geschlechtsverkehr und die Illusion vieler Patienten, HIV sei nicht länger eine lebensbedrohende Krankheit. „Wir müssen dringend damit beginnen, in der Öffentlichkeit für Safer Sex zu werben und junge Patienten über die Gefahren von HIV und AIDS aufklären“, so eine Sprecherin des australischen Ärztebundes (Australian Medical Association, AMA). Der Ärztebund wies darauf hin, dass im laufenden Jahr weniger als 20 Millionen Dollar für HIV-Aufklärung ausgegeben wird.

    Das Gesundheitsministerium rechnete vor, dass die Neuinfektionen das australische Gesundheitswesen „mindestens 500 Millionen Dollar“ an Therapien kosten.

    Deutsches Ärzteblatt vom 18. Oktober 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aids breitet sich aus "wie in Afrika"

    Insgesamt sind 650.000 Chinesen HIV-infiziert. Das HIV-Virus wird bereits bei einem Prozent der schwangeren chinesischen Frauen nachgewiesen.

    Die Immunschwächekrankheit Aids breitet sich in China rasant aus. Das Land sei, was die Verbreitung der meist tödlichen Krankheit angeht, mittlerweile "wie Afrika", sagte der Vize-Leiter des Büros für Prävention und Krankheitskontrolle des Gesundheitsministeriums, Hao Yang, der Nachrichtenagentur Reuters. Täglich gebe es 190 Neuinfektionen.

    Insgesamt seien 650.000 Chinesen infiziert. Die Krankheit betreffe nicht mehr nur Risiko-Gruppen wie Drogenabhängige, Prostituierte und Homosexuelle. In Afrika, das die weltweit größte Zahl von HIV-Erkrankungen aufweist, stecken sich die meisten Betroffenen durch heterosexuellen Sex an.

    Im vergangenen Jahr hätten sich auch 48 Prozent der neuinfizierten Chinesen beim Sex infiziert, sagte Hao. So sei das HIV-Virus bereits bei einem Prozent der schwangeren Frauen nachgewiesen worden. Hao sprach von einer generellen Epidemie.

    Um weitere HIV-Infektionen zu vermeiden, müssen mittlerweile in sämtlichen Vergnügungsbetrieben in China Kondome erhältlich sein. Außerdem versuchen die Behörden, Drogenabhängige mit Methadon-Programmen zu unterstützen und von ihrer Sucht zu heilen.

    Das Aids-Virus breitete sich bereits in den achtziger und neunziger Jahren in China aus. Damals infizierten sich hunderttausende verarmter Bauern, die an einem Programm zum Verkauf von Blutkonserven teilnahmen. Infolge dessen verloren 75.000 Kinder ihre Eltern - einige der Waisen sind selbst HIV-positiv.

    Die Presse vom 17. Oktober 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Viele Migranten verleugnen ihre HIV-Infektion

    Berliner Fachärztin spricht von ihren Erfahrungen in der Praxis / Probleme von Migranten so vielfältig, dass Krankheit oft in den Hintergrund tritt.

    Berlin - HIV-infizierte Migranten aus Afrika sind für ihre behandelnden Ärzte außerordentlich schwierige Patienten. Häufig verleugnen sie ihre Infektion, nicht zuletzt deshalb, weil mit der Diagnose HIV ein Verlust an Status und Identität in der Familienhierarchie verbunden ist.

    Nach den Erfahrungen von Solange Nzimegne-Gölz, die in Berlin als Fachärztin eine HIV/AIDS-Schwerpunktpraxis betreibt, wollen schwarzafrikanische Patienten, bei denen die Diagnose HIV gestellt wird, zunächst einmal hören, dies sei eigentlich gar nicht schlimm.

    Eine der Ursachen dafür sei, dass Migranten in Deutschland mit einer Fülle existenzieller Probleme konfrontiert seien. Dazu zählten beispielsweise der Gelderwerb, die Wohnverhältnisse, die Versorgung der Kinder, Partnerkonflikte und Behördengänge. "Gemessen an diesen Problemen ist die Tatsache der HIV-Infektion für die Patienten bedeutungslos, solange sie sich gesund fühlen", sagt die gebürtige Kamerunerin.

    Hinzu komme der Erwartungsdruck der Familien. Da Europa als Paradies gelte, rechneten die Angehörigen damit, daß alle Bedürfnisse mühelos erfüllt werden könnten. Eine tödliche Erkrankung sei deshalb nicht vorstellbar und werde zwangsläufig verdrängt.

    Da in den Familien vornehmlich patriarchalische Strukturen herrschten, bedeute die Diagnose HIV also nicht nur sexuelle Einschränkung, sondern auch den Verlust von Status und Identität. "Eine antiretroviraler Therapie wäre gleichbedeutend mit einer Offenbarung", sagt Nzimegne-Gölz.

    Ihren Kollegen rät die Berliner Expertin deshalb, vor Therapiebeginn die Vorstellungen, die sich die jeweiligen Patienten von ihrer Erkrankung machen, herauszufinden. Hält ein Patient die Diagnose für eine Erfindung der Europäer? Schenkt er der Diagnose HIV-Infektion überhaupt Glauben? Ist ihm die Notwendigkeit einer medikamentösen Dauertherapie zu vermitteln? All dies gelte es, herauszufinden.

    Angebote zur Beratung und Behandlung müssten unauffällig in die Institutionen der Regelversorgung integriert sein. Ebenso dürfe die Infektion für die Menschen aus Afrika nicht zu einem zentralen Lebensproblem erklärt werden. Es müsse zum Ausdruck kommen, dass die Infektion ein Problem unter mehreren sei. Als Lösungsweg böten sich zunehmend Selbsthilfegruppen an. Obwohl Afrikanern diese Form der Stärkung des Einzelnen fremd sei, gebe es hier erste Erfolge.

    Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts stammen 21 Prozent aller HIV-Infizierten in Deutschland aus Ländern der sogenannten Dritten Welt, die meisten davon aus Afrika südlich der Sahara. Dort liegt die HIV-Prävalenz bei Erwachsenen zwischen zwei und 38 Prozent.

    Ärzte-Zeitung vom 16. Oktober 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Unfall der viralen Evolution vermutet

    Wissenschaftler haben eine der Ursachen dafür gefunden, warum das humane Immundefizienzvirus Typ 1 (HIV-1) im Menschen AIDShervorruft, während nahe verwandte Affenimmundefizienzviren (SIV) in ihren natürlichen Affenwirten nicht zur Erkrankung führen.

    Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Professor Frank Kirchhoff (Universität Ulm) konnte jetzt zeigen, dass die meisten SI-Viren (engl. simian immunodeficiency) – im Gegensatz zu HIV-1 – die Aktivierung und den programmierten Zelltod von infizierten Helfer T-Zellen blockieren.

    Diese Eigenschaft ist wahrscheinlich für beide Seiten von Vorteil. Das Virus kann lebenslang persistieren und sich effektiv ausbreiten und der infizierte Affe entwickelt ein AIDS. Die Einzelheiten der Studie erscheinen Mitte Juni in der renommierten Fachzeitschrift Cell.
    AIDS, eine der schlimmsten Infektionskrankheiten unserer Zeit, ist das Ergebnis der Übertragung von Affenimmundefizienzviren auf den Menschen. HIV-1, der Haupterreger von AIDS, stammt ursprünglich aus Schimpansen und wurde erst in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts auf den Menschen übertragen. Mittlerweile wurden SIVs in etwa vierzig afrikanischen Affenarten nachgewiesen. Obwohl diese Viren als »Immundefizienzviren« bezeichnet werden, verursachen sie in ihren natürlichen Wirten keine Erkrankung. Dabei ist der wesentliche Unterschied zwischen der pathogenen HIV-1 Infektion und der asymptomatischen SIV Infektion eine chronische starke Aktivierung des Immunsystems im menschlichen Wirt.

    Diese führt dazu, dass dessen Regenerationskapazität vorzeitig erschöpft ist und es zur Entwicklung von AIDS kommt. Im Gegensatz dazu zeigen die natürlichen Affenwirte keine starke Immunaktivierung und können lebenslang mit dem Virus leben, ohne dass das Immunsystem zerstört wird. Die Ursachen hierfür waren allerdings bisher unklar.

    Ein bestimmtes virales Eiweiß, das Nef-Protein, gilt als wichtiger Virulenzfaktor, der entscheidend zur Entwicklung von AIDS beiträgt. Unter anderem war bekannt, dass das HIV-1 Nef-Protein die Aktivierung von infizierten T-Zellen verstärkt und so wahrscheinlich zur schädlichen Überaktivierung des Immunsystems beiträgt. Im Rahmen seiner Promotionsarbeit fand Dr. Michael Schindler jetzt heraus, dass viele SIV Nef-Proteine genau das Gegenteil bewirken.

    »Um aktiviert werden zu können, benötigen T-Zellen den sogenannten T-Zellrezeptor« erläutert Prof. Kirchhoff. »Die Nef-Proteine der meisten SI-Viren entfernen einen wesentlichen Bestandteil dieses Rezeptors, das CD3 Molekül, von der Zelloberfläche und blockieren dadurch die Aktivierung und das vorzeitige Absterben der Virus-infizierten T-Zellen«. Lediglich der Haupterreger von AIDS, HIV-1 und dessen unmittelbare Vorläufer haben diese Fähigkeit verloren. Das Forscherteam ist der Ansicht, dass diese Nef-Funktion normalerweise als eine Art »Ventil« wirkt, die gerade soviel T-Zellaktivierung zulässt, dass sich das Virus effektiv vermehren kann, jedoch die für den Wirt schädliche »Hyperaktivierung« des Immunsystems verhindert. Diese wichtige Schutzfunktion des Nef-Proteins ging unglücklicherweise im Laufe der Evolution der Immundefizienzviren genau in der Viruslinie verloren, die später vom Schimpansen auf den Menschen übertragen wurde und dann zur AIDS-Pandemie geführt hat.

    Die Forscher haben somit einen wichtigen Grund dafür gefunden, warum Affenimmundefizienzviren ihren natürlichen Wirten keinen wesentlichen Schaden zufügen. Sie hoffen, dass diese neuen Ergebnisse dazu beitragen werden, neue Wege zu finden, auch die Zerstörung des Immunsystems durch die HIV-1 Infektion und somit die Entwicklung von AIDS zu verhindern.

    Die Studie "Nef-Mediated Suppression of T Cell Activation Was Lost in a Lentiviral Lineage that Gave Rise to HIV-1" von Michael Schindler et al. erschien in "Cell" (Bd. 125, S. 1055-1067; doi: 10.1016/j.cell.2006.04.033). Abstract: http://www.cell.com/content/article/abstract?uid=PIIS0092867406005824

    uniUlm intern Nr. 281 (36. Jg.), Oktober 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Mit Gentest lässt sich Therapie von HIV-Infizierten optimieren

    Test auf Risiko für allergische Reaktionen nach Abacavir-Behandlung / Alternativpräparat wird verordnet, wenn der Gentest positiv ist.

    Berlin - Kann ein Gentest die HIV-Infizierten sicher identifizieren, bei denen die Gefahr besteht, auf eine antiretrovirale Therapie mit Abacavir allergisch zu reagieren? Geprüft wird das in einer groß angelegten Multicenter-Studie.

    Insgesamt 1.800 Patienten aus 23 europäischen Ländern werden in der vom Unternehmen GlaxoSmithKline (GSK) finanzierten PREDICT-1-Studie in einen von zwei Studienarmen randomisiert eingeteilt. Die Hälfte der Patienten erhält eine hochaktive, antiretrovirale Kombinationstherapie, die auch das Nukleosid-Analogon Abacavir (Ziagen®) enthält. Die HIV-Infizierten der anderen Gruppe bekommen die gleiche Therapie, unterziehen sich aber vorher einem Gentest.

    Mit diesem Test wird geprüft, ob bei den Patienten eine bestimmte Genvariante vorliegt, die das Risiko, bei Abacavir-Therapie eine Allergie zu entwickeln, stark erhöht. Dabei geht es um die HLA-Variante HLA-B*5701. HLA (human leukocyte antigen) ist von der Gewebetypisierung vor Transplantationen bekannt.

    Bei jenen HIV-Infizierten im Interventionsarm, bei denen der Test auf HLA-B*5701 positiv ist, wird auf die Anwendung von Abacavir verzichtet und ein Alternativpräparat verordnet. "Wir erwarten, dass durch diese Maßnahme der Anteil derer, die überempfindlich auf Abacavir reagieren, um den Faktor 20 bis 30 abnimmt", sagte Dr. Michael Herschel, der Leiter der klinischen Forschung bei GSK.

    Ohne einen solchen Test liegt der Anteil an allergischen Reaktionen auf das Medikament bei etwa fünf Prozent. Mit dem Test sollten es nur noch 0,1 bis 0,5 Prozent sein, so Herschel auf einem parlamentarischen Info-Abend von GSK in Berlin. Herschel vermutet das nach mehreren Voruntersuchungen. In Großbritannien wird der Gentest deswegen schon routinemäßig genutzt. Prospektive, randomisiert-kontrollierte Studien gibt es bisher aber nicht. PREDICT-1 soll das ändern, auch damit eine spätere Erstattung durch die Krankenkassen wissenschaftlich zu begründen ist.

    HLA-Marker: Unter dem Kürzel HLA (human leukocyte antigen) sind die Gewebeverträglichkeits-Marker bekannt, die Transplantationsmediziner bei der HLA-Typisierung analysieren. Manche Marker sind aber nicht nur im Zusammenhang mit Organtransplantationen von Bedeutung, sondern bestimmen auch die Empfänglichkeit etwa für Infektionen mit HIV-1, für rheumatische Erkrankungen oder für allergische Reaktionen auf bestimmte Medikamente.

    Ärzte-Zeitung vom 12. Oktober 2006Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

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