HIV AIDS Infos Online
     

     
      Ausgabe 35
        Jahrgang 12
      April 2007
     
     
    Inhaltsverzeichnis Homepage der Praxis


    Vorbemerkung
    Impressum
    Sponsoren
     
     
     
     
     
     


     
     
     

    Die PreTreat-Studie
    HIV-Positive sollten mit dem Rauchen aufhören
    Abbott senkt Preis für Aids-Medikament
    Publikumspreis kann online gewählt werden
    Verbessert ein Virus die Prognose HIV-Infizierter?
    Studie bestätigt Erfolge
    Strafrecht gegen unsafen Sex
    HIV-Infizierte vergessen oft ihre Tabletten
    Stillen reduziert das Risiko einer postnatalen HIV-Infektion
    Test weist Hypersensitivitätsreaktion bei HIV-Therapie nach
    WHO empfiehlt Beschneidung von Männern
    Auf dem Weg zum HIV-Impfstoff
    CROI Bericht 2. Teil: CCR5-Antagonisten
    Leber und Liebesleben: Probleme bei Hepatitis C?
    Abacavir mit besserem Lipidprofil als Stavudin
    Medikamentenspiegel bei HIV und Zirrhose
    HAART bereits bei über 350 CD4?
    HIV-Abwehr in der Vagina
    Regierung stockt Mittel für Aids-Bekämpfung auf
    Vermehrt Anal-Ca bei homosexuellen HIV-Infizierten
    Thailand im Patentstreit
    Südafrika will Aids verstärkt bekämpfen
    Mehr Geld für AIDS-Impfstoffforschung
    Mehr Lipoatrophie unter Efavirenz?
    Mehr als 700 HIV-Neuinfektionen täglich in Osteuropa
    Integrasehemmer Raltegravir mit guten Daten
    Neuinfizierte übertragen Virus öfter
    HIV wird in biologische Sackgasse gelockt
    CROI Bericht, 1. Teil: Integrase-Inhibitoren
    HBV-Medikament fördert Kreuzresistenz zu HIV-Medikament
    Positive Ergebnisse zu CCR5-Blocker und Integrase-Inhibitor
    Kampf gegen Aids: Sieg für Abstinenzler
    HSV-2 Therapie zur Reduktion der HIV-1-RNA-Spiegel
    Neue HIV-Therapie zugelassen
    China: Wiederbelebte Tuberkulose- und HIV-Kontrolle
    Ärzte verpflanzten irrtümlich Organe von Spenderin mit HIV
    Nanoröhrchen schleusen Gen-Wirkstoff in T-Zellen ein
    Fast ein Prozent der Moldawier sind mit HIV infiziert
    Europäische Zulassung von Darunavir
    Afrika: Daten aus HIV-Tests oder -Beratungen fragwürdig
    HIV attackiert bei Frauen zwei Zelltypen gleichzeitig
    Schwachpunkt im HI-Virus entdeckt
    HIV Primärinfektion zerstört die besten Abwehrzellen
    Taten statt Worthülsen!
    Positive Immunreaktionen auf die DNS-/MVA-AIDS-Impfstoffe
    Größter AIDS-Impfstofftest gestartet
    Zugang zu Medikamenten in Gefahr
    Südafrika will Rückschlag bei Aids-Wirkstoff untersuchen
    China stellt Aids-Ärztin unter Hausarrest
    Anti-Aids-Gel Test erfolglos
    Selen senkt Viruslast
    Positives Votum für neues HIV-Medikament
    Staatschefs für mehr Autarkie
    Flüssiges Kondom für Frauen in der Entwicklung
    Sexuell übertragbare Krankheiten bei Frauen
    Buchtipp: Edwin und die Aids-Leugner
    AIDS im Jahr 2030 dritthäufigste Todesursache
    Integrase-Hemmer senkt Virusmenge innerhalb weniger Wochen
    Intensiv-Therapie lohnt bei Infektion mit HIV/HCV
    Gel aus Algen gegen HIV-Übertragung
    Beruhigend - aber für wen?
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

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    Vorbemerkung
     
    Die HIV AIDS Infos sind eine Zusammenstellung aus Internetquellen, Mail- und Newsgroups und erstreckt sich jeweils über einen Zeitraum von ca. drei bis vier Monaten. Die einzelnen Artikel sind mit einem Link auf die Orginalartikel versehen und chronologisch geordnet. 
    Es wird auf diese Weise schnell über neue Entwicklungen und Änderungen in den Bereichen Epidemiologie, medizinischer Behandlung, ambulanter Pflege und psychosozialer Beratung bei HIV-Infektion und AIDS-Erkrankung informiert. Die HIV AIDS Infos erscheinen in regelmäßigen Abständen und informieren interdisziplinär über Änderungen und Neuerungen auf dem Gebiet von HIV und AIDS.

     

    Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Die PreTreat-Studie

    Schon seit 1995 ist der stabilisierende Effekt von Corticosteroiden (z.B. Prednisolon) auf die CD4+-Zellzahl bei therapienaiven HIV-Infizierten bekannt. Damit stellt sich die Frage, ob eine Vorbehandlung mit Prednisolon vor Beginn der antiretroviralen Therapie unterstützende Wirkung hat.

    Demnächst startet unter der Fragestellung eine Studie über 2 Jahre in Deutschland. Über 300 therapienaive Patienten im frühen Stadium der HIV-Infektion werden (plazebokontrolliert) mit Prednisolon (5mg/d) behandelt. Die Plazebo-Gruppe entspricht damit dem momentanen Usus, vor der ersten antiretroviralen Therapie keine Medikation einzusetzen.

    Untersucht werden sollen folgende Punkte: Kann eine Vorbehandlung mit Prednisolon den Zeitpunkt des Therapiebeginnes verzögern? Sind Veränderungen in der Virusreplikation und der Immunantwort zu beobachten? Welche Nebenwirkungen treten bei der Behandlung auf?

    Ein Herauszögern der antiretroviralen Therapie (und in Folge dessen die Langzeit-Toxizität) würde einen direkten Benefit für die einzelnen Patienten bedeuten. Doch auch der ökonomische Aspekt klingt interessant: Prednisolon ist in Afrika sehr kostengünstig. Die Vorbehandlung und Therapieverzögerung könnte daher in Regionen mit unzureichendem Zugang zur HIV-Therapie, die zudem sehr kostenintensiv ist, einen wichtigen Beitrag leisten.

    Aids Hilfe Wien - med update vom 12. April 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Positive sollten mit dem Rauchen aufhören

    Kardivaskuläres Risiko ist durch Infektion und Therapie erhöht / Rauchen scheint zudem Kofaktor bei Anal-Ca zu sein.

    München - Es ist wichtig HIV-positiven Menschen, eindringlich vom Rauchen abzuraten. Denn einiges spricht dafür, dass ihnen das Rauchen überdurchschnittlich schadet.

    Sowohl die Infektion als auch die meisten antiretroviralen Therapien können bekanntlich über negative metabolische Effekte das kardiovaskuläre Risiko von HIV-Patienten deutlich erhöhen. Daran hat Dr. Julian Falutz aus Montreal bei der 2. Münchner AIDS-Werkstatt erinnert. Um das erhöhte kardiovaskuläre Risiko zu kompensieren, sollte deshalb bei HIV-Patienten besonders auf einen Herz schützenden Lebensstil geachtet werden. Die Patienten sollten sich möglichst viel bewegen, sich gesund ernähren - und vor allem nicht rauchen.

    Bislang fruchte aber gerade dieser Appell an die Betroffenen offensichtlich wenig, sagte Falutz. Er stellte dazu Daten von über 23.000 HIV-Patienten aus den USA, Europa und Australien von der DAD-Studie (The Data Collection on Adverse Events of anti-HIV Drugs) vor. 56 Prozent der Studienteilnehmer rauchten. Das waren deutlich mehr als im Durchschnitt der Bevölkerung rauchen.

    Dabei gibt es noch weitere HIV-spezifische Gründe als die Sorge um das Herz, die dafür sprechen, das Rauchen sein zu lassen. Wie bereits berichtetet, haben speziell Männer, die Sex mit Männern haben und zudem HIV-positiv sind ein stark erhöhtes Risiko, ein Analkarzinom durch Papillomaviren zu entwickeln. Die Inzidenz hierfür liegt bei mehr als 90 pro 100.000 Personen pro Jahr.

    Auch in diesem Fall scheint Rauchen ein bedeutsamer ätiologischer Kofaktor zu sein. Das hat Professor Herbert Pfister von der Universität Köln in einem weiteren Workshop zur Aids-Werkstatt betont.

    Ärzte Zeitung vom 11. April 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Abbott senkt Preis für Aids-Medikament

    Abbott reagiert auf Kritik und senkt den Preis für Kaletra/Aluvia in Ländern mit niedrigem und niedrig-mittlerem Einkommen auf 1.000 USD.

    Chicago - Abbott und Margaret Chan, Generalsekretärin der Weltgesundheitsbehörde (WHO), sind übereingekommen, Kaletra/Aluvia (Lopinavir/Ritonavir) Kapseln und Tabletten in den Entwicklungsländern einer größeren Zahl von Patienten durch ausgewogene Maßnahmen verfügbar zu machen und gleichzeitig die weitere, langfristige biopharmazeutische Forschung und Entwicklung voranzutreiben. Im Interesse der Weltgesundheit war die Generalsekretärin Chan an Abbott herangetreten, um gemeinsam zu erörtern, wie unter Beibehaltung des Anreizes, neue Medikamente zu entwickeln, die Erschwinglichkeit und der Zugang verbessert werden könnten.

    Um dem Bedarf derjenigen Länder zu entsprechen, die sich für eine Ausweitung der HIV/AIDS-Behandlung einsetzen, wird Abbott den Regierungsstellen von über 40 Ländern mit niedrigem bis niedrig-mittlerem Einkommen (bemessen an den Kriterien der Weltbank) sowie nichtstaatlichen Organisationen einen neuen Preis von 1.000 USD pro Patient und Jahr einräumen. Dieser Preis liegt unter dem aller derzeit weltweit auf dem Markt befindlicher Generika des Medikaments und liegt ca. 55 Prozent unter dem derzeitigen Durchschnittspreis in den betreffenden Ländern.

    Abbott wird unverzüglich Gespräche mit einzelnen Ländern aufnehmen, in denen die Patente von Abbott anerkennt werden, um - dank des neuen Preises - möglichst vielen Patienten zu Kaletra/Aluvia Kapseln und Tabletten zu verhelfen.

    Abbott ergreift diese Maßnahme, um den Zugang zu HIV-Medikamenten zu verbessern und um auf die Preisdiskussion zu reagieren. Es verbessert die Erschwinglichkeit und behält gleichzeitig das System bei, das die Entdeckung neuer Medikamente überhaupt erst ermöglicht. Es muss Patente für Wissenschaftler und Erfinder geben, damit es einen Anreiz für nachhaltige Forschung und Entwicklung gibt. Ohne dieses System gäbe es die Wundermittel nicht, derer sich die Welt heute erfreut.

    Insbesondere Thailand betreffend schätzt und anerkennt Abbott den Vorschlag der Generalsekretärin Chan, dass noch weitere Arbeit geleistet werden muss, um mit der thailändischen Regierung eine Einigung zu erzielen. In der Zwischenzeit bleiben die Kaletra-Kapseln in Thailand erhältlich und werden im Weiteren ebenfalls zum neuen Preis verfügbar sein.

    Derzeit sind Kaletra-Kapseln in 118 Länder zugelassen, sodass es sich um das weltweit am meisten zugelassene HIV-Medikament handelt. Die Kaletra/Aluvia-Tabletten werden nach Abschluss des Zulassungsverfahrens in über 150 Ländern zugelassen sein.

    Abbott Laboratories - Pressemeldung vom 11. April 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Publikumspreis kann online gewählt werden

    München – Ab sofort sind alle 131 Bilder, die im Rahmen des VI. Konrad Lutz Preises eingesendet wurden, unter www.hiv-info.de zu begutachten. Bis zum 27. April können alle Besucher der digitalen Galerie ihr favorisiertes Werk wählen, das sich mit dem Motto des aktuellen Konrad Lutz Preises auseinandersetzen sollte: „miteinander – füreinander“.

    Der Online-Publikumspreis ist eine von insgesamt 14 Auszeichnungen beim Gestaltungswettbewerb für Menschen mit HIV und Aids. Zum V. Konrad Lutz Preis gaben 1371 Menschen ihr Internet-Votum ab. Ulrike Mucha, Group Product Manager HIV bei GlaxoSmithKline, ist erfreut über das große Interesse: „Wir möchten das Thema HIV und Aids einer breiten Öffentlichkeit nahe bringen. Der Konrad Lutz Preis wendet sich zwar speziell an HIV-positive Menschen und ihr Umfeld, doch gleichzeitig regt er sie dazu an, in Dialog mit der Gesellschaft zu treten. Der Wettbewerb versteht sich als Einladung, die eigene Sicht auf das Thema Aids neu zu bewerten.“.

    Diesen Ansatz verfolgt auch der Deutsch-Österreichische AIDS-Kongress, der sich 2007 nach außen öffnet, sich mit einem öffentlichen Programm an alle gesellschaftlichen Kreise richtet. Auf dem Kongress wird der VI. Konrad Lutz Preis zwischen dem 27. und 30. Juni in Frankfurt von Schirmherrin Claudia Roth, Bundesvorsitzende Bündnis 90 / Die Grünen verliehen. Danach erreichen die Siegerbilder auf einer Wanderausstellung durch ganz Deutschland noch mehr Menschen, die sich mit dem Thema HIV und Aids auseinandersetzen wollen.

    Der Konrad Lutz Preis wird von Netzwerk plus, dem bundesweiten Netzwerk der Menschen mit HIV und Aids, und dem forschenden Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline getragen. Der Name des Wettbewerbs, den es seit 1998 gibt, geht zurück auf den Münchner Künstler Konrad Lutz. Als Dialysepatient geriet er an eine infizierte Blutkonserve und steckte sich mit HIV an. Er kämpfte bis zu seinem Tod im Jahr 1990 für die Rechte von Menschen mit der Immunschwächekrankheit. Sein Aufsehen erregendstes Werk ist die Dokumentation „Coming Out“, die während des 2. Europäischen Treffens HIV-Positiver 1988 in München entstand und den bayerischen Aids-Maßnahmenkatalog anprangerte.

    Mehr Informationen, alle Bilder des VI. Konrad Lutz Preises und die Abstimmung zum Online-Publikumspreis unter www.hiv-info.de.

    Albrecht-Mayr PR - Pressemeldung vom 11. April 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Verbessert ein Virus die Prognose HIV-Infizierter?

    Virale Eiweißstoffe hemmen die Vermehrung des Aids-Erregers / Neues Virus bei fast jedem dritten HIV-Infizierten nachweisbar.

    München - Das Hepatitis-G-Virus (GB Virus C, GBV-C) ist ein apathogenes Virus, dessen Anwesenheit bei HIV-Infizierten mit längeren Überlebenszeiten assoziiert ist. Ob ein kausaler Zusammenhang vorliegt und damit nicht zuletzt therapeutische Konsequenzen ableitbar wären, darüber gibt es derzeit noch keinen Konsens.

    Das GBV-C wurde 1995 auf der Suche nach neuen Hepatitisviren als enger Verwandter des Hepatitis-C-Virus entdeckt. GB steht für die Initialen des Patienten, einem Chirurgen, aus dessen schon 1968 konserviertem Serum das Virus isoliert worden war.

    GBV-C ruft weder Hepatitiden hervor - weshalb die Bezeichnung Hepatitis-G-Virus eigentlich nicht korrekt ist - noch andere Erkrankungen. Daran hat Dr. Heide Reil vom Institut für Klinische und Molekulare Virologie des Uniklinikums Erlangen bei der 2. Münchner Aids-Werkstatt erinnert.

    Bei ein bis zwei Prozent aller gesunden Blutspender, bei 15 bis 20 Prozent aller Hepatitis-C- und bei 15 bis 40 Prozent aller HIV-Infizierten ist das durch Blut und sexuell übertragene GBV-C nachweisbar. Menschen mit intaktem Immunsystem eliminieren das Virus innerhalb von zwei Jahren nach der Infektion, bei HIV-Infizierten kann es dagegen viele Jahre bis dauerhaft persistieren.

    Seit 1998 wurden mehrere Studien publiziert, die belegen, dass bei HIV-Infizierten eine persistierende Koinfektion mit GBV-C mit einer signifikant besseren Prognose assoziiert ist. Deshalb wurde ein Schutzpotenzial des harmlosen Virus diskutiert. Beobachtungen, wonach bei zunächst koinfizierten HIV-Patienten das Verschwinden von GBV-C aus dem Blut mit einer besonders schlechten Prognose assoziiert war, stützte diese Hypothese. Es gibt aber noch eine weitere Erklärung.

    Denn da sich GBV-C vor allem in CD4-Zellen vermehrt und damit seine Anwesenheit davon abhängt, wie hoch die Prognose bestimmende CD4-Zellzahl ist, kommt es eventuell nur als CD4-Zellzahl-abhängiger Marker einer guten Prognose infrage.

    Neuere experimentelle, auch eigene Daten unterstützten die Schutzhypothese, so Reil. So wurden von GBV-C bereits zwei Eiweißmoleküle identifiziert und isoliert, die sich in vitro als potente direkte Hemmstoffe der HIV-Replikation erwiesen haben. Wenngleich unter dem großen Therapieerfolg einer individualisierten hochaktiven antiretroviralen Therapie die prognostische Bedeutung einer GBV-C-Koinfektion abgenommen hat, könnte die Aufklärung der Wechselwirkung beider Viren dennoch zu einem besseren Verständnis der HIV-Pathogenese und zur Entwicklung neuer Therapien beitragen.

    Ärzte Zeitung vom 5. April 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Studie bestätigt Erfolge

    Darunavir verbessert Ergebnisse entscheidend.

    Barcelona - Eine medizinische Langzeitstudie hat deutliche Erfolge beim Einsatz des neuen Aids-Medikaments Darunavir bestätigt. HIV-Patienten, die Darunavir zusammen mit dem gängigen Arzneimittel Ritonavir einnähmen, erfreuten sich fast ein Jahr nach Start der Therapie guter Gesundheit, berichtet die Medizinerzeitung "The Lancet" unter Berufung auf Ergebnisse einer unabhängigen Studiengruppe. Die Zahl der Aids-Viren sei beim Großteil der Testpersonen drastisch gesunken, dagegen befänden sich deutlich mehr Immunzellen im Blut. Die Nebenwirkungen seien gleichzeitig nur geringfügig.

    Bei Darunavir, das unter dem Namen Prezista vermarktet wird, handelt es sich um einen so genannten Proteaseinhibitor. Seine Moleküle stören ein Enzym, das dem HI-Virus normalerweise nach dem Eindringen in eine Immunzelle bei der Vermehrung hilft. Das Medikament hat große Hoffnung bei Patienten geweckt, die Resistenzen gegen herkömmliche antivirale Medikamente aufgebaut haben.

    Darunavir ist in den USA und der Europäischen Union zugelassen, solange es mit Ritonavir eingenommen wird. Basis waren dabei die so genannten Power-1- und Power-2-Studien, die zunächst nach 24 Wochen ausgewertet wurden. Die jetzt in dem "Lancet"-Artikel beschriebenen Ergebnisse beziehen sich auf die Zeit nach 48 Wochen.

    An den Studien nehmen Patienten mit fortgeschrittener HIV-Infektion teil. Dabei bekommt ein Teil herkömmliche, antivirale Medikamente und ein anderer zusätzlich die Kombination aus Darunavir und Ritonavir. Nach knapp einem Jahr wurde bei 61 Prozent der Darunavir-Patienten eine tausendfache Senkung der Konzentration des Aids-Virus im Blut gemessen. In der Kontrollgruppe lag der Anteil nur bei 15 Prozent. Fast die Hälfte der Darunavir-Tester reduzierte ihren Anteil sogar auf die niedrigste Schwelle, die gerade noch gemessen werden kann, während es bei den Kontrollpatienten nur zehn Prozent waren.

    Positiv wird von den Forschern um Bonaventura Clotet vom Universitätskrankenhaus in Barcelona auch die vielfach deutlich steigende Zahl von CD4-Immunzellen bewertet, die eine gute Einschätzung des Krankheitsverlaufs ermöglichen. Bei den Darunavir-Patienten lag die Konzentration im Schnitt bei 102 Zellen pro Mikroliter im Vergleich zu nur 19 Zellen in der Kontrollgruppe.

    The Lancet vom 5. April 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Strafrecht gegen unsafen Sex

    Ein Blick über die Grenzen

    Die Bundesregierung lässt untersuchen, wie andere EU-Staaten mit strafrechtlichen Maßnahmen gegen HIV-Übertragung vorgehen. Ein Blick über die Grenzen öffnet erschreckende Perspektiven.

    Marion Caspers-Merk (SPD), parlamentarische Staatssekretärin im Bundes- Gesundheitsministerium, bestätigte Presseberichten zufolge gegenüber dem Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck auf Nachfrage, in einem derzeit laufenden Forschungs- Vorhaben werde untersucht, welche Erfahrungen andere EU-Staaten mit strafrechtlichen Maßnahmen gegen Aids allgemein sowie speziell der Anbahnung von Bareback- Sex im Internet gemacht haben. "Wenn die Ergebnisse vorliegen, werden wir über weitere Maßnahmen sprechen", so Caspers-Merk. Alles, was "erwiesenermaßen nutzt, werde umgesetzt", kündigte sie an.

    Caspers-Merks Ankündigung passt gut in den Kontext der jüngsten Bundestagsdebatten zu Aids, insbesondere auch dem 'Spahn-Antrag', der ebenfalls auf strafrechtliche Maßnahmen gegen Bareback zielte und hier insbesondere die Erfahrungen von Österreich (EU- Mitglied) und der Schweiz (nicht EU-Mitglied) ansprach. Im (am 23. März im Bundestag beschlossenen) 'Spahn-Antrag' wurde die Bundesregierung aufgefordert, die Erfahrungen Österreichs und der Schweiz mit Strafrechts- Verschärfungen auf eine Übertragbarkeit auf Deutschland zu untersuchen.

    Wie sieht die Situation in diesen beiden Ländern aus?

    Österreich
    § 178 und § 179 StGB behandeln die vorsätzliche bzw. fahrlässige Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten. Für eine Strafbarkeit genügt, dass eine Infektion durch eine Handlung möglich gemacht wird (Infektion nicht erforderlich für Strafbarkeit). Nach österreichischer Rechtsprechung liegt Fahrlässigkeit bereits dann vor, wenn ein Betroffener zwar nichts von seiner Infektion weiß, aus den konkreten Umständen aber Kenntnis davon erlangt haben müsste.

    Bisher fanden circa knapp 40 Verfahren statt, ca. 30 Personen wurden verurteilt.

    Die Einschätzung, Bareback sei per se etwas ganz Gefährliches, wird auch von den österreichischen Aidshilfen in der Öffentlichkeit geteilt. Die Aidshilfe würde sich bemühen, Bareback-Veranstaltungen zu verhindern, wenn dies nicht erfolgreich sei auch mit rechtlichen Schritten, so ein Vertreter der Aidshilfe Wien.

    Schweiz
    Art. 231 StGB (Verbreiten einer gefährlichen menschlichen Krankheit) - Strafbarkeit selbst dann, wenn die (bis dato nicht infizierte) Person zugestimmt hat, allerdings muss Infektion stattgefunden haben (nicht nur Versuch).

    Zudem möglich: Körperverletzung oder versuchte Tötung nach Art. 122, 123, 111 & 112 StGB.

    Bisher über 30 Ermittlungsverfahren, mehr als 20 Personen verurteilt. Auch die Übertragung von Hepatitis C wird strafrechtlich verfolgt.

    Die geltenden Regelungen werden in der Schweiz immer wieder kritisch kommentiert und Abschaffung gefordert (wie 2001 von der Aidshilfe Schweiz), sie sind aber weiterhin in Kraft. Im Gegenteil, Roger Staub vom Bundesamt für Gesundheit (Schweiz) ist stolz darauf durchgesetzt zu haben, dass die Einhaltung der Präventionsvereinbarung in den Betrieben kontrolliert und mit Schließung gedroht wird.

    In den EU-Staaten ist die Situation hinsichtlich des strafrechtlichen Umgangs mit HIV-Infektionen sehr unterschiedlich. Die Kriminalisierung von Positiven ist EU-weit in unterschiedlichem Umfang ein Problem.

    Vor diesem Hintergrund befasst sich mit diesem Thema nicht nur das vom BMG in Auftrag gegebene Gutachten, sondern auch eine Untersuchung von GNP+ und Terrence Higgins Trust, deren erste Ergebnisse im November 2006 in Glasgow vorgestellt wurden.

    Diese Analyse betrachtet den Bereich der Staaten, die die Europäische Konvention für Menschenrechte unterzeichnet haben. In mindestens 21 dieser Staaten fanden Verurteilungen wegen HIV-Infektion statt - 'Spitzenreiter' waren Schweden sowie Österreich und die Schweiz.

    UNAIDS warnt
    Eine Tendenz zum zunehmenden Einsatz des Strafrechts stellt auch UNAIDS fest und warnt, dies führe möglicherweise zu einer Rückkehr zur alten (und wenig erfolgreichen) Politik der Schuldzuweisungen, zunehmender Stigmatisierung und abnehmender Eigenverantwortung für den eigenen Schutz. Die Anwendung des Strafrechts bei HIV-Übertragung sei unangemessen und kontraproduktiv, diese Erkenntnis von 2002 gelte auch 2007 unverändert.

    gay-web.de vom 2. April 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Infizierte vergessen oft ihre Tabletten

    München - Eine gute Adhärenz - oder Compliance - ist zwingend für einen langfristigen Therapie-Erfolg, auch bei HIV-Infizierten. Vorhersagen lässt sie sich oft nur schwer. Viele Patienten vergessen schlichtweg die regelmäßige Tabletteneinnahme.

    Als Risikofaktoren für eine schlechte Adhärenz gelten Drogen- und Alkoholmissbrauch, fehlende soziale Unterstützung, niedriges Einkommen, geringe Schulbildung sowie auch weibliches Geschlecht und ein Alter unter 40 Jahren. Daran hat Dr. Annette Haberl von der Universität Frankfurt am Main bei der 2. Münchner AIDS-Werkstatt erinnert. Die Patienten mit der besten Adhärenz seien Schwangere, so Haberl. Fast alle HIV-positiven Frauen mit gewollter Schwangerschaft hätten während dieser Zeit eine praktisch 100-prozentige Adhärenz.

    Befragt nach den Gründen, warum sie ihre antiretroviralen Medikamente nicht immer korrekt eingenommen haben, kreuzten 52 Prozent der Teilnehmer einer bereits im Jahr 2000 veröffentlichten Studie die Antworten "einfach vergessen" oder "zu beschäftigt" an (JAIDS 23, 2000, 386). Als weitere Begründungen nannten 46 Prozent "auswärtige Aufenthalte", 45 Prozent eine Störung der täglichen Routine und 27 Prozent eine depressive Verstimmung. 20 Prozent wollten eine Therapiepause und weiteren 20 Prozent waren ihre Medikamente ausgegangen.

    Unerwünschte Wirkungen zu meiden oder vorzubeugen hatte mit einer Nennung von 17 Prozent der Befragten offensichtlich eine eher untergeordnete Bedeutung als Begründung von Adhärenzdefiziten.

    Ärzte Zeitung vom 2. April 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Stillen reduziert das Risiko einer postnatalen HIV-Infektion

    Wenn HIV-positive Mütter ihre Babys ausschließlich mit Muttermilch ernähren würden, hätten die Säuglinge ein geringeres Risiko einer postnatalen HIV-Infektion. Dies kann durch den Schutz der intestinalen Mucosa erklärt werden, der üblicherweise durch Muttermilch entsteht. Auch für die stillende Frau ergeben sich Vorteile, da seltener Brusterkrankungen auftreten als bei wechselnder Ernährung, wie zum Beispiel subklinische Mastitis und Brustabszesse, die wiederum mit einer erhöhten Viruslast der Muttermilch assoziiert sind. Die frühe Gabe von tierischer Ersatzmilch und fester Nahrung erhöhen zudem das Risiko einer HIV-Übertragung. Diese Beweise fordern die Überarbeitung der derzeit gültigen Richtlinien von UNICEF, der WHO und UNAIDS bezüglich der Ernährung von Säuglingen.

    Die Förderung des Stillens wurde als kosteneffektive Einzelmaßnahme für das Überleben von Kindern eingestuft und könnte 13 bis 15 Prozent der Todesfälle von Kindern in Niedriglohnländern verhindern. Es entspricht allerdings auch den Tatsachen, dass unter gesonderten Umständen Stillen das HI-Virus übertragen kann. Frühere Schätzungen, die das Risiko einer postnatalen Infektion bei 10 bis 20 Prozent sahen, differenzierten allerdings nicht zwischen ausschließlichem Stillen und gemischter Ernährungsweise.

    Hoosen Coovadia und Nigel Rollins von der University of KwaZulu-Natal in Südafrika und ihre Kollegen führten eine nicht randomisierte Interventionsstudie durch, um das HIV-1-Transmissionsrisiko zu erheben und das Überleben, das mit exklusivem Stillen und anderen Ernährungsarten von Kindern assoziiert ist, zu erfassen. Sie fanden heraus, dass ausschließliches Stillen das Risiko einer HIV-Transmission im Vergleich mit anderen Ernährungsarten signifikant reduziert. Die Ausschließlichkeit des Stillens wurde anhand von rigidesten Definitionen beurteilt und durch heimische Unterstützung von vor Ort rekrutierten ausgebildeten Ratgebern erreicht. Kinder, die bevor oder nach einem Alter von 14 Wochen zusätzlich zur Muttermilch noch Milchersatz erhielten, hatten eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit einer HIV-Transmission im Vergleich zu ausschließlich gestillten Kindern. Die Zufütterung von fester Nahrung erhöhte das Risiko um das 11fache. Die Mortalitätsrate von drei Monate alten Babys mit Ersatznahrung war doppelt so hoch wie die der gestillten.

    Die Autoren folgern: “Die Haupterkenntnis unserer Studie ist der definitive Beweis, dass der frühe Einsatz von fester Nahrung und Ersatzmilch das HIV-Transmissionsrisiko schon von Geburt an erhöht. Diese Daten sollten gemeinsam mit weiteren Beweisen das ausschließliche Stillen von HIV-infizierten Müttern - und natürlich auch nicht-infizierten Müttern - unterstützen. Weiterhin rechtfertigen sie die Revision der Kinderernährungsrichtlinien der UNESCO, der WHO und von UNICEF, die erst im Jahre 2000 überarbeitet wurden.“

    In einem begleitenden Kommentar erklären Wendi Holmes vom Macfarlane Burnet Institute for Medical Research and Public Health in Melbourne und Felicity Savage vom Centre for International Health and Development in London: “Die jetzt verfügbaren verbesserten Ressourcen zur Vermeidung von HIV-Infektionen bei Kindern sollen in Maßnahmen investiert werden, die ebenfalls die mütterliche und kindliche Gesundheit verbessern. Allerdings sind wenige Mittel für die Förderung des Stillens vorgemerkt. Dabei bringt die Investition in Förderung, Schutz und Unterstützung des ausschließlichen Stillens bis zum Alter von sechs Monaten das größte Potenzial zur Verbesserung des HIV-freien Überlebens der Kinder mit sich - und das sowohl im Regionen mit hoher als auch niedriger HIV-Prävalenz.”

    Quelle: Hoosen M Coovadia and others. Mother-to-child transmission of HIV-1 infection during exclusive breastfeeding in the first 6 months of life: an intervention cohort study. Lancet 2007; 369: 1107

    The Lancet vom 31. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Test weist Hypersensitivitätsreaktion bei HIV-Therapie nach

    Pharmakogenetischer Test vor Therapie mit Abacavir / Rate der Überempfindlichkeitsreaktionen lässt sich deutlich reduzieren / Studien laufen.

    München - Ein Test, der mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Hypersensitivitätsreaktion auf das HIV-Medikament Abacavir vorhersagt, könnte zum Meilenstein in der Pharmakogenetik werden.

    Der nicht-nukleosidische Hemmstoff des HIV-Enzyms Reverse Transkriptase Abacavir (enthalten in Ziagen®, Trizivir® und Kivexa®) ist ein wichtiger Bestandteil in der HIV-Therapie. Allerdings entwickeln etwa fünf Prozent der Patienten eine Hypersensitivitätsreaktion (HSR).

    Diese immunologisch vermittelte Wirkung äußere sich durch Fieber, Exanthem, gastrointestinale Beschwerden und allgemeine Abgeschlagenheit. Daran hat Dr. Stefan Esser vom Uniklinikum Essen bei der Veranstaltung des Unternehmens Glaxo SmithKline erinnert.

    Die Symptome treten im Median nach neun Tagen auf und verstärken sich mit jeder weiteren Einnahme. Nach Absetzen von Abacavir klingen die Symptome innerhalb von 24 Stunden ab. Wenn eine HSR nicht sicher auszuschließen ist, muss die Substanz aufgrund der Verdachtsdiagnose abgesetzt werden. Eine Reexposition muss wegen möglicher schwerer Verläufe unterbleiben.

    Demnächst könne wahrscheinlich ein pharmakogenetischer Test eine Abacavir-HSR mit hoher Sicherheit vorhersagen, so Esser. Denn mittlerweile ist bekannt, dass die HSR mit dem HLA-B*5701-Allel assoziiert ist, wie Esser bei der Münchner Aids-Werkstatt berichtete. Aus unkontrollierten australischen und britischen Untersuchungen geht bereits hervor, dass sich mit dem genetischen Screening auf HLA-B*5701 vor Therapie mit Abacavir die Rate der HSR von 6 auf 0,5 Prozent senken lässt.

    Der Test wird jetzt in der kontrollierten Studie PREDICT-1, an der mehr als 1.800 HIV-Patienten in Europa, Israel und Australien teilnahmen, validiert. Ergebnisse der Auswertung werden im Sommer erwartet. Demnächst startet in Deutschland eine Studie, in der die Prävalenz von HLA-B*5701 bei HIV-Infizierten festgestellt werden soll, hieß es bei der Veranstaltung.

    Sollte sich mit dem Test die Rate der Abacavir-HSR senken lassen, werde er in die Therapierichtlinien aufgenommen werden, sagte Esser. Für die HLA-B*5701-Typisierung eignen sich bisher nur von der Europäischen Föderation für Immungenetik zertifizierte Labore, die schon mit der HLA-Testung bei Transplantationen Erfahrung haben.

    Ärzte-Zeitung vom 30. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    WHO empfiehlt Beschneidung von Männern

    Als "zusätzliches Mittel" im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit AIDS empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Beschneidung von Männern. Die wissenschaftlichen Belege dafür, dass die Entfernung der Vorhaut das heterosexuelle Ansteckungsrisiko deutlich senke, seien inzwischen zwingend, berichteten die WHO und das AIDS-Programm der Vereinten Nationen (UNAIDS) am Mittwoch in Genf.

    Verhindert Krankheit nicht generell
    Gleichzeitig müssten Männer aber sorgfältig aufgeklärt werden, dass die Beschneidung das Infektionsrisiko zwar um bis zu 60 Prozent senke, eine Ansteckung aber nicht generell verhindere. Die Empfehlung komme vor allem für Länder mit einer hohen heterosexuellen Übertragungsrate und einem geringen Anteil beschnittener Männer in Frage.

    Hälfte weniger Neu-Infektionen
    Dass die Beschneidung von Männern das Risiko einer HIV-Infektion reduzieren kann, ist seit einiger Zeit durch Studien bekannt. Zuletzt berichteten im Februar zwei Forschergruppen im Fachjournal "The Lancet", dass etwa die Hälfte an Neu-Infektionen dadurch verhindert werden kann.

    Der Zusammenhang zeigte sich so klar, dass zwei groß angelegte Studien in Afrika vorzeitig abgebrochen wurden.

    Science ORF vom 28. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Auf dem Weg zum HIV-Impfstoff

    Helmholtz-Forscher bauen virale Bindungsstelle nach.

    Für eine der größten Seuchen der Gegenwart - AIDS - gibt es bisher keinen wirksamen Impfschutz, obwohl Forscher auf der ganzen Welt fieberhaft danach suchen. Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung ist es nun gelungen, einen wichtigen Baustein des HI-Virus im Reagenzglas nachzuahmen. Er ist an der Auslösung einer Immunantwort beteiligt, die das Virus neutralisiert. Ein erster Schritt in Richtung Impfstoff? Wie alle Viren kann sich auch das HI-Virus nicht selbst vermehren, sondern ist auf eine Wirtszelle angewiesen. Das Virus geht dabei besonders heimtückisch vor - es befällt die T-Zellen der Immunabwehr und vermehrt sich in ihnen.

    Den Kontakt zwischen Virus und Wirtszelle vermitteln Proteine. Das HI-Virus trägt auf seiner Hülle ein Protein, das gp120 genannt wird. Da sich dieses Protein ständig verändert, können Antikörper, die sich gegen gp120 richten, das Virus nur für eine begrenzte Zeit erkennen und bekämpfen. "Im gp120 gibt es nur wenige konstante Bereiche", weiß Privatdozentin Dr. Jutta Eichler. "Sie sind meist im Inneren des Proteins verborgen. Wir müssen sie dem Immunsystem bei einer Impfung gut erkennbar präsentieren. Dann kann die körpereigene Abwehr so genannte breit neutralisierende Antikörper bilden, die gegen viele HI-Virusstämme aktiv sind."

    Der Chemiker Dr. Raimo Franke hat während seiner Dissertation in der Arbeitsgruppe "Konformationelle Protein-Ligand-Interaktionen" am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung eine dieser konstanten Regionen des gp120 im Reagenzglas nachgebaut: die Bindungsstelle, mit der sich das Virus an die T-Zelle andockt. Dabei hat er Abschnitte des gp120, die diese Bindungsstelle ausmachen, an molekulare Gerüste geknüpft. Franke erklärt: "Ich habe sozusagen `chemisches Lego´ gespielt, bis ich die Kombination aus Gerüst und Proteinabschnitten gefunden hatte, die am besten die Bindungsstelle des gp120 imitiert."

    Mit einem dieser Peptide haben die Wissenschaftler Kaninchen immunisiert, die daraufhin gp120-erkennende Antikörper bildeten. Dr. Jutta Eichler ist begeistert: "Wir konnten zeigen, dass diese Antikörper ähnliche Bindungseigenschaften haben wie einer der wenigen bisher bekannten breit neutralisierenden Antikörper." Dieser Befund gibt Anlass zur Hoffnung, dass die anti-Peptid-Antikörper auch eine HIV-Infektion bekämpfen könnten. Das muss nun in Experimenten mit lebenden Zellen und aktiven HI-Viren überprüft werden.

    Quelle - Ausführliche Informationen bietet der Originalartikel:
    Franke R, Hirsch T, Overwin H, Eichler J.: Synthetische Mimetika der CD4-Bindungsstelle von HIV-1 gp120 für das Immunogen-Design. Angew.Chem. 2007; 119(8): 1275-1277

    Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung - Meldung vom 27. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    CROI Bericht 2. Teil: CCR5-Antagonisten

    von Christian Hoffmann

    HIV braucht neben dem CD4-Rezeptor für den Eintritt in die Zielzelle so genannte Korezeptoren. Die beiden wichtigsten sind CXCR4 und CCR5, die beide Mitte der 90er Jahre entdeckt wurden. Die meisten HIV-Varianten benutzen entweder CCR5- oder CXCR4-Rezeptoren für den Eintritt in die Zielzelle. Entsprechend ihrem Rezeptortropismus werden Viren als R5 bezeichnet, wenn sie CCR5 als Korezeptor benutzen; Viren mit einer Präferenz für CXCR4 heißen X4-Viren. So genannte „dualtrope“ Viren können beide Rezeptoren benutzen und dabei in ihrem jeweiligen Tropismus ein breites Spektrum mehr hin zu R5 oder hin zu X4 zeigen, darüber hinaus gibt es noch Mischpopulationen von R5- und X4-Viren [1].

    Bei den meisten Patienten sind in den frühen Infektionsstadien R5-Viren zu finden; die virulenteren X4-Viren, die wahrscheinlich auch ein breiteres Spektrum von Zellen infizieren können, treten erst in späten Stadien auf. In Los Angeles konnte erstmals am Affenmodell gezeigt werden, dass ausschließlich mit R5-tropen Viren infizierte Rhesusaffen mit der Zeit auch X4-trope Viren entwickeln können [2]. Der Korezeptor-Switch geschieht dabei über mehrere Mutationen im Envelope-Gen.

    Therapeutisch bleiben Korezeptoren ein attraktives Ziel, denn beide Korezeptoren können blockiert werden. Je nach Spezifität unterscheidet man CCR5- und CXCR4-Antagonisten.  Die aktuellen Studienergebnisse zum CCR5-Antagonisten Maraviroc von Pfizer, der vielversprechendsten Substanz dieser Gruppe, waren dabei sicherlich ein weiterer Kongress-Höhepunkt [3,4]. Die 24-Wochen-Daten der beiden großen Phase-II/III Studien MOTIVATE-1 und -2 wurden in Los Angeles dabei in der gleichen Session wie der Integrasehemmer Raltegravir (siehe 1.Teil der CROI-Berichte) vorgestellt, einer Veranstaltung, die laut Chairman John Mellors „Meilenstein“-Charakter hatte.

    Vor vollem Auditorium berichtete erst Elna van der Ryst, dann Jacob Lalezari über die beiden identisch konzipierten MOTIVATE-Studien. MOTIVATE-1 fand vorwiegend in Europa und Australien statt, MOTIVATE-2 in USA und Kanada. In beide Studien waren insgesamt 1076 Patienten mit einer aus drei Klassen bestehenden Vortherapie (bzw. Resistenzen) aufgenommen worden. Weitere Bedingungen waren eine Viruslast von über 5.000 Kopien/ml sowie das Vorhandensein R5-troper Viren. Die Patienten bekamen zu einer optimierten Therapie entweder Plazebo, Maraviroc 1 x 150-300 mg oder Maraviroc 2 x 150-300 mg (die Dosis war je nach Begleitmedikation angepasst worden). Wesentliches Resultat: Nach 24 Wochen lag die Viruslast in den Maraviroc-Armen um etwa knapp eine Logstufe nach 24 Wochen niedriger als unter Plazebo. In den Verumarmen hatten 40.8-48.5 % eine Viruslast unter 50 Kopien/ml erreicht, in den Plazeboarmen nur 20.9-24.6 %. Auch hatten die Patienten unter Maraviroc etwa 100 CD4-Zellen mehr als unter Plazebo gewonnen. Ungewöhnliche Beobachtung am Rande: Durch die zusätzliche Gabe des Fusionsinhibitors T-20 liess sich die Effektivität von Maraviroc ganz offensichtlich nicht erhöhen. Möglicherweise sind bei zwei Entry-Inhibitoren keine additiven Effekte möglich - die Tür lässt sich wohl nur einmal versperren.

    Die bisherige Verträglichkeit war in allen Studien hervorragend, einzige bislang spezifische Nebenwirkung sind wohl orthostatische Probleme. Lebertoxizität wie unter Aplaviroc wurde nicht beobachtet. In einer Analyse sämtlicher Phase-I-II-Studien unter Maraviroc wurden zudem keine negativen Auswirkungen auf die Immunfunktion gefunden, wie auf einem Poster berichtet wurde [5].  Obgleich es noch viele offene Fragen gibt und der optimale Einsatz noch nicht geklärt ist, erscheint Maraviroc nach dieser Konferenz als eine wesentliche Bereicherung der antiretroviralen Therapie. Ein Expanded-Access-Programm für vorbehandelte Patienten mit beschränkten Optionen ist in mehr als 30 Ländern für April 2007 geplant.

    Zu betonen ist, dass etwa 50 % der Patienten, die für die MOTIVATE-Studien gescreent wurden, keine R5-trope Viren hatten. Für diese Patienten sind CCR5-Antagonisten als Salvage-Strategie vermutlich ungeeignet, die an sich erfreulichen Resultate gelten also nur für die Hälfte der Patienten

    Vom Konkurrenzpräparat Vicriviroc, dem etwas hinter her hinkenden CCR5-Antagonisten von Schering-Plough, war dagegen in Los Angeles erstaunlich wenig zu hören. Etwas beunruhigend waren Berichte von malignen Lymphomen in einer Studie mit Vicriviroc [6] gewesen. Obgleich diese Häufungen bislang in anderen Studien nicht gesehen wurden, widmete sich nun ein Poster der Frage, ob Epstein-Barr-Viren (EBV), Viren mit onkogenem Potential, involviert sein könnte. Bei den Patienten, die in der Vicriviroc-Studie Lymphome entwickelt hatten, fand sich aber keine nennenswerte EBV-Virämie – an einer Störung der EBV-Immunantwort scheint es also nicht zu liegen [7].

    Literatur
    1. Toma J, Whitcomb J, Fransen S, et al. Dual-tropic HIV display a range of ability to use the CXCR4 or CCR5 Co-receptors. Abstract 251, 14th CROI 2007, Los Angeles.
    2. Ho SH, Shek L, Li A, et al. Co-receptor switch in a macaque infected with CCR5 (R5)-tropic simian-human immunodeficiency virus. Abstract 71LB, 14th CROI 2007, Los Angeles.
    3. Lalezari J, Godrich J, DeJesus E, et al. Efficacy and safety of maraviroc plus optimized background therapy in viremic, ART-experienced patients infected with CCR5-tropic HIV-1: 24-week results of a phase 2b/3 study in the US and Canada. Abstract 104LB, 14th CROI 2007, Los Angeles.
    4. Nelson M, Fätkenheuer G, Konourina I, et al. Efficacy and safety of maraviroc plus optimized background therapy in viremic, ART-experienced patients infected with CCR5-tropic HIV-1 in Europe, Australia and North America: 24 week results. Abstract 104aLB, 14th CROI 2007, Los Angeles.
    5. Ayoub A, van der Ryst E, Turner K, McHale M. A review of the markers of immune function during the maraviroc phase 1 and 2a studies. Abstract 509, 14th CROI 2007, Los Angeles.
    6. Gulick R, Su Z, Flexner C, et al. ACTG 5211: phase 2 study of the safety and efficacy of vicriviroc in HIV-infected treatment-experienced subjects. Abstract ThLB0217, XVI IAC 2006, Toronto.
    7. Tsibris AN, Paredes R, Su Z, et al.  Vicriviroc therapy and EBV plasma viral loads in HIV-1-infected treatment-experienced subjects.  Abstract 844, 14th CROI 2007, Los Angeles.

    Deutsche AIDS-Gesellschaft e.V. – DAIG vom 27. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Leber und Liebesleben: Probleme bei Hepatitis C?

    New York – Über Hepatitis C und Sexualität wird meist nur gesprochen, wenn es um Geschlechtsverkehr als Ansteckungsquelle geht. Doch es gibt auch sexuelle Probleme, die im Zusammenhang mit dieser Erkrankung stehen. Beidem ist zumindest eines gemeinsam: Man spricht nicht gerne drüber.....Um Licht unter das Dunkel der Bettdecke zu bringen, wurden in einer amerikanischen Studie 112 HCV positive Männer und 239 HCV negative Kontrollpersonen eingeschlossen und mit verschiedenen bewährten psychologischen Fragebögen untersucht. Erfragt wurden dabei verschiedene Aspekte der Lebensqualität, das Vorhandensein von Depressionen sowie des Sexuallebens.

    Der dazu angewandte „Brief Male Sexual Function Inventory“ (BMSFI) fragte genau nach – nach Lust, Erektionsfunktion, Ejakulation, Einschätzung sexueller Probleme und sexueller Zufriedenheit im Allgemeinen. Die Auswertung der Ergebnisse zeigte für die Männer mit einer Hepatitis C deutlich mehr Beeinträchtigungen in allen fünf Bereichen des BMSFI, außerdem waren diese Männer unabhängig von Alter, ethnischer Zugehörigkeit und anderen Variablen - auch ohne Vorliegen einer Depression - häufiger sexuell unzufrieden, übrigens auch dann, wenn keine Depression vorlag. Nahe liegend, dass die Lebensqualität dieser Patienten merklich beeinträchtigt war.

    Quelle:
    Danoff A et al.: Sexual Dysfunction is Highly Prevalent Among Men with Chronic Hepatitis C Virus Infection and Negatively Impacts Health-Related Quality of Life. Am J Gastroenterol. 2006;101(6):1235-43 © Simone Widhalm
    Mehr dazu:
    Kraus MR et al.: Sexual dysfunction in males with chronic hepatitis C and antiviral therapy: interferon-induced functional androgen deficiency or depression? J Endocrinol. 2005 May;185(2):345-52
    Simsek I et al: Assessment of sexual functions in patients with chronic liver disease. Int J Impot Res. 2005 Jul-Aug;17(4):343-5
    Soykan A et al.: Sexual dysfunctions in HCV patients and its correlations with psychological and biological variables. Int J Impot Res. 2005 Mar-Apr;17(2):175-9
    Ferri C et al.: Erectile dysfunction and hepatitis C virus infection. JAMA. 2002 Aug 14; 288(6):698-9

    Hepatitis Care vom 26. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Abacavir mit besserem Lipidprofil als Stavudin

    Eine HAART inklusive des NRTIs Abacavir resultiert im Vergleich zu einer Therapie mit Stavudin (Zerit®) in einem besseren Lipidprofil und geringerer Ausprägung der Lipoatrophie.

    Das ABCDE (Abacavir vs d4t plus Efavirenz)-Studienteam unter der Leitung von Dr. Daniel Podzamczer vom Hospital Universitari de Bellvitge in Barcelona, Spanien analysierten diesbezügliche Daten von 237 HIV-positiven Erwachsenen, die eine HAART entweder mit Abacavir (n=115) oder Stavudin (n=122), beide in Kombination mit Lamivudin und Efavirenz, starteten.

    Nach zwei Therapiejahren entwickelten 4,8 Prozent der Probanden unter Abacavir klinische Zeichen einer Lipoatrophie – verglichen mit 38,3 Prozent der HIV-Positiven unter Stavudin (p<0,001). DAXA-Scans von 57 Patienten ergaben eine durchschnittliche Reduktion des Extremitätenfetts von 913g unter Abacavir vs. 1.579g unter Stavudin (p<0,001). Veränderungen des Körpergewichtes während der Beobachtungszeit differierten zwischen den zwei Studienpopulationen insignifikant.

    Bei vergleichbarer virologischer und immunologischer Effizienz stiegen LDL und HDL bei Probanden unter Abacavir deutlicher als unter Stavudin. Die Gesamt/HDL-Cholesterin Ratio fiel unter Stavudin um durchschnittlich 1,51, unter Abacavir um 0,06 (p=0,005). Die Trigyzerid-Werte stiegen unter Stavudin deutlicher als unter Abacavir (p=0,03).
    Vier Prozent der Probanden der Abacavir erhielten während der zweijährigen Beobachtungszeit einen Lipidsenker – verglichen mit 17 Prozent der HIV-Positiven unter Stavudin (p=0,002).

    Hyersensitivitätsreaktionen wurden bei sieben Prozent der Probanden der Abacavir-Gruppe beobachtet, waren jedoch – auch bei Kombination mit Efavirenz – kontrollierbar.

    Quelle: J Acquir Immune Defic Syndr; 2007, 44: 139-147

    MedAustria news vom 25. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Medikamentenspiegel bei HIV und Zirrhose

    von Patrick Schmid

    Bei der Behandlung der HIV-Infektion sind gute Medikamentenspiegel wichtig. Wie verhält es sich aber, wenn die Leber, das Organ welches Medikamente abbaut, geschädigt ist.

    Die normale Medikamentendosierung ist grundsätzlich für Personen mit normaler Nieren- und Leberfunktion ausgelegt. Bei Erkrankungen der Leber, insbesondere Leberzirrhose, ist die Gefahr einer Überdosierung bei einigen Patienten besonders groß.

    Eine Studie aus Madrid hat 268 Patienten mit HIV/HCV-Koinfektion unter HIV-Therapie speziell untersucht. Dabei wurde der Fibrosegrad der Leber mittels Elastometry (Fibroscan), einer nicht invasiven, auf Ultraschalltechnik basierenden Methode, abgeschätzt. Als cut off für eine Zirrhose wurde ein Steifigkeitswert der Leber von 12,5 kPA angenommen. Bei 92 Patienten (34%) bestand der V.a. eine Leberzirrhose. Die Patienten mit V.a. Zirrhose hatten gegenüber dem Vergleichskollektiv (ohne Zirrhose) signifikant höhere Efavirenz- und Nevirapin-Spiegel. Die Proteasehemmer (Lopinavir, Atazanavir/r)-Spiegel unterschieden sich hingegen nicht in den beiden Gruppen.

    Wir machen in der Schweiz relativ häufig TDM (therapeutisches Drug Monitoring, Spiegelbestimmung). Die vorliegende Studie zeigt, dass ein TDM besonders bei Patienten unter NNRTI-Behandlung bei V.a. auf Leberzirrhose sinnvoll ist. Die hepatische Clearence von Proteasehemmern scheint hingegen relativ lange problemlos zu sein.

    Quelle: Barreiro et al, JID, 1.4.2007

    Infektiologie am Kantonsspital in St.Gallen vom 21. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HAART bereits bei über 350 CD4?

    Ziel einer wirksamen HIV-Therapie ist es, die Vermehrung der Viren zu unterdrücken und in Folge eine Erholung des Immunsystems zu ermöglichen. Der Immunstatus wird dabei in der Anzahl der CD4-Zellen/ mm3 beschrieben. (Normalwerte liegen zwischen 1200-1500 CD4-Zellen/ mm3) Gegenwärtige Therapierichtlinien empfehlen einen Beginn der HAART (hochaktiven antiretroviralen Therapie), sobald der Wert der CD4-Zellzahl auf 350-200 Zellen/mm3 abgesunken ist. Nun zeigte eine langfristige Studie der John Hopkins Universität in Baltimore, daß ein früherer Therapiebeginn von Vorteil wäre.

    Die Studie schloß 655 PatientInnen ein, die nach ihrer Ausgangs-CD4-Zellzahl in 3 Gruppen unterteilt wurden. (1: unter 200, 2: zwischen 201 und 349, 3: über 350) Über 6 Jahre hinweg wurden jährliche Veränderungen der CD4-Zellzahl dokumentiert. Bei allen PatientInnen wurde ein signifikanter Anstieg der cd4-zellzahl in den ersten 4 Jahren beobachtet, in weiterer Folge pendelten sich die Werte auf einem Plateau ein. Im Schnitt erhöhte sich der Wert um 274 Zellen/ mm3. Bei der Gruppe 1 mit einem Ausgangswert von unter 200 Zellen/ mm3 konnte nach 6 Jahren ein Mittel von 493 Zellen/ mm3 gemessen werden, Gruppe 2 (201-349) verzeichnete einen Anstieg auf durchschnittlich 508 Zellen/ mm3 und Gruppe 3 (über 350) sogar auf 829 Zellen/ mm3.

    Prozentuale Verteilungen verdeutlichen die Ergebnisse:

    1 – Wie viele PatientInnen erreichten nach 6 Jahren HAART einen Wert von 500-750 Zellen/ mm3?

    Gruppe 1 (Ursprungswert unter 200): 42%,
    Gruppe 2 (201-349): 66%,
    Gruppe 3 (über 350): 85%.

    2 – Wie viele PatientInnen erreichten nach 6 Jahren HAART einen Wert von über 750 Zellen/ mm3?

    Gruppe 1: 12%,
    Gruppe 2: 21% und
    Gruppe 3: 46%.

    Des Weiteren wurde in der Langzeitstudie beobachtet, dass bei PatientInnen über 45 Jahren der CD4-Zellzugewinn wesentlich geringer war, als bei jüngeren PatientInnen. Diese Beobachtung galt auch für PatientInnen, deren HIV-Infektion mit intravenösem Drogengebrauch in Verbindung stand. Die Wahl des anti-HIV Medikamentes beeinflusste den CD4-Zellzahl-Anstieg nicht signifikant. Ebenso spielten eine Hepatitis-C Koinfektion, Geschlecht oder Ethnie keine Rolle bezüglich der CD4-Werte.

    Resümee der Autoren: Es empfiehlt sich, einen Beginn der HAART bereits bei einer CD4-Zellzahl von über 350 Zellen/ mm3 in Betracht zu ziehen, um damit eine bessere Erholung des Immunsystems zu erreichen.

    Moore RD et.al., „CD4+ cell count 6 years after commencement of highly active antiretroviral therapy“, Clin.Infect.Dis.44(3), 01.02.2007

    Aids Hilfe Wien - med update vom 21. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Abwehr in der Vagina

    Immunzellen mit Erkennungsmolekül.

    Weltweit sind mehr als 17,5 Millionen Frauen mit HIV, dem Aids-Erreger, infiziert. Die Ansteckung erfolgt meist durch Sexualkontakt mit HIV-positiven Männern. Niederländische Wissenschafter von der Vrije Universiteit in Amsterdam haben nun einen Schutzmechanismus entdeckt, über den das Immunsystem versucht, die Ausbreitung der HI-Viren in der Vaginalschleimhaut zu verhindern.[1] Als natürliche Barriere fungieren dabei offenbar sogenannte Langerhans-Zellen - spezialisierte Abwehrzellen aus der Familie der dendritischen Zellen. Die Langerhans-Zellen bevölkern die äußerste Haut- und Schleimhautschicht und kommen daher früh mit dem Virus in Kontakt.

    Als Besonderheit tragen diese Zellen auf ihrer Oberfläche ein Erkennungsmolekül, das Langerin, über das sie das HI-Virus anhand bestimmter Zuckermoleküle ausmachen und binden. Das Virus gelangt nach dieser Anheftung zwar ins Innere der Zellen; es gelingt ihm aber nicht, die Oberhand zu gewinnen und die Langerhans-Zellen für die Herstellung neuer Viruspartikel zu nutzen. Stattdessen wird das HI-Virus, wie das Team von Teunis Geijtenbeek zeigen konnte, in einen speziellen Zellbereich befördert, wo es unschädlich gemacht und abgebaut wird.

    Diese neuen Erkenntnisse stehen in Widerspruch zu bisherigen Annahmen über die Ereignisse nach einer sexuellen Übertragung von HIV. Danach würden dendritische Zellen die Infektion vorantreiben, indem sie als «Virus-Kuriere» ihre Fracht an solche Immunzellen weitergeben, die das Hauptangriffsziel der Viren sind: die T-Zellen. Dieses Szenario mag nach Ansicht der niederländischen Forscher für Situationen zutreffen, in denen der Körper bei der Ansteckung mit hohen Virusmengen konfrontiert wird - oder für andere dendritische Zellen gelten, die sich in tieferen Schichten der Schleimhäute aufhalten und nicht das Schutzmolekül Langerin auf ihrer Oberfläche tragen. Individuelle Unterschiede von Struktur und Bindungseigenschaften des Langerins sowie das Herunterregulieren dieses Abwehrmoleküls bei Entzündungen könnten erklären, warum manche Frauen unter gewissen Umständen besonders empfänglich für eine HIV- Infektion sind. (Ulrike Gebhardt)

    [1] Nature Medicine 13, 367-371 (2007).

    Neue Zürcher Zeitung vom 21. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Regierung stockt Mittel für Aids-Bekämpfung auf

    Berlin - Die Bundesregierung will die Mittel zur nationalen Bekämpfung der Immunschwächekrankheit Aids in diesem Jahr auf 12,2 Millionen Euro aufstocken. Die Erhöhung um ein Drittel im Vergleich zu 2006 ist Teil eines bis zum Jahr 2010 reichenden Aktionsplans, den die Regierung als Unterrichtung (16/4650) vorgelegt hat. Kern deutscher HIV-/Aids-Bekämpfungspolitik seien Aufklärung und Prävention, heißt es darin.

    Hintergrund ist, dass auch in Deutschland die Infektionszahlen wieder ansteigen. Im vergangenen Jahr haben sich den Angaben zufolge 2.700 Menschen neu mit dem HI-Virus angesteckt, das waren rund 200 mehr als noch 2004. Entwickelt werden sollen Präventionsmaßnahmen verstärkt für in Deutschland lebende Ausländer. Erarbeitet haben den Aktionsplan die Bundesministerien für Gesundheit, für Entwicklung sowie für Bildung und Forschung. Während der EU-Ratspräsidentschaft will Deutschland einen gesundheitspolitischen Akzent mit der Bekämpfung der Immunschwächekrankheit setzen. Ein Schwerpunkt der europäischen Zusammenarbeit solle in Osteuropa liegen, heißt es. Dort sei die Zahl der Neuinfektionen besonders hoch.

    Wie aus der Unterrichtung weiter hervorgeht, waren 2006 weltweit 39,5 Millionen Menschen mit HIV infiziert, 4,3 Millionen Menschen steckten sich neu an. Seit Beginn der Epidemie seien mehr als 25 Millionen Menschen an der Krankheit gestorben, 2,6 Millionen Erwachsene und 380.000 Kinder allein im vergangenen Jahr. Fast 15 Millionen Kinder seien durch Aids zu Waisen oder Halbwaisen geworden. Die Bundesregierung will international ihr Aids-Bekämpfungspolitik vor allem an der wirtschaftlichen, rechtlichen und sozialen Situation von Frauen.

    heute im bundestag - Meldung vom 20. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Vermehrt Anal-Ca bei homosexuellen HIV-Infizierten

    München - Onkogene humane Papillomaviren (HPV) sind nicht nur Ursache des Zervixkarzinoms, sondern auch von Analkarzinomen bei Männern und Frauen. Besonders stark vom Anal-Ca betroffen sind HIV-positive homosexuelle Männer. Die Tendenz ist bei ihnen trotz erfolgreicher hochaktiver antiretroviraler Therapie steigend.

    Aufgrund der Kombination der zwei bedeutendsten Risikofaktoren "häufig wechselnder rezeptiver Analverkehr" und "verminderte Immunkompetenz" sind HIV-positive homosexuelle Männer weit überproportional von dem Krebs betroffen. Darauf hat der Virologe Professor Herbert Pfister aus Köln bei der 2. Münchner Aids-Werkstatt aufmerksam gemacht.

    Zwischen 1984 und 1995 und damit noch vor Beginn der HAART-Ära (hochaktive antiretrovirale Therapie) wurde in dieser Gruppe eine Inzidenz des Analkarzinoms von 35 pro 100.000 ermittelt. Seit 1996 ist trotz HAART die Häufigkeit der jährlichen Analkarzinom-Neuerkrankung bei HIV-positiven Homosexuellen auf über 90 pro 100.000 gestiegen.

    Jährliche Vorsorgeuntersuchungen auf anale und penile Dysplasien oder persistierende lokale HPV-Infektionen sollten deshalb bei Homosexuellen und vor allem homosexuellen HIV-positiven Männern genauso selbstverständlich sein wie die regelmäßigen gynäkologischen Untersuchungen auf Vorstufen eines Zervix-Ca, betonte Pfister. Die lokale Anwendung des Immunmodulator Imiquimod sei eine sichere und effektive Therapie bei Karzinom-Vorstufen.

    Ärzte Zeitung vom 20. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Thailand im Patentstreit

    Thailands Regierung will Medikamente für die Bürger erschwinglicher machen - und stößt damit einen Patentstreit an. Erste Pharma-Hersteller ziehen bereits Anträge für die Zulassung neuer Medikamente in Thailand zurück.

    Singapur - Thailand hat zum großen Showdown mit der mächtigen Pharmaindustrie angesetzt: Die Regierung bricht trotz internationaler Patentschutz-Abkommen Medizin-Patente, um der Bevölkerung billigere Arznei geben zu können. Die Pharmafirmen schäumen und fürchten, das Beispiel könnte Schule machen. Die US-Firma Abbott hat aus Protest jetzt die Anträge auf Zulassung neuer Medikamente in Thailand zurückgezogen. Auf der Strecke bleiben die Kranken.

    Das Dilemma ist alt: Gesundheitsbehörden wollen die bestmögliche Arznei für ihre Patienten, Pharmafirmen wollen ihre Mittel nach den Millionen-Investitionen in Forschung und Entwicklung teuer verkaufen. Zu teuer, findet etwa die thailändische Regierung. Auch in Indonesien regt sich Widerstand: Die Regierung will keine Proben des Vogelgrippevirus mehr weitergeben, aus Sorge, eine Firma könnte daraus ein Medikament entwickeln und dann für teures Geld verkaufen.

    Thailand ist nun als erstes großes Land - 65 Millionen Einwohner - in die Offensive gegangen. Der Gesundheitsminister setzte Anfang des Jahres die Patente für drei Aids- und Herzmedikamente aus. Betroffen sind Abbott und die französische Firma Sanofi-Aventis. Für deren bislang patentgeschützte Medikamente sind jetzt billigere Kopien erlaubt. Bei einem nationalen Notstand ist dies erlaubt nach den Regeln des weltweiten TRIPS-Abkommens zum Patentschutz, doch sehen Pharmafirmen in Thailand den Notstand nicht. Vielmehr sieht Abbott Laboratories darin reine Willkür. Sie zog Anträge auf Zulassung von sieben neuen Medikamenten in Thailand zurück. Die Menschen haben damit keine Chance, in den Genuss viel versprechender neuer Mittel gegen Aids, Arthritis, Bluthochdruck und Nierenversagen zu kommen.

    «Das ist einfach grausam», sagte der Direktor der Hilfsorganisation «Ärzte ohne Grenzen» in Thailand, Paul Cawthorne, dem «Asia Wall Street Journal». «Das wirft ein schlechtes Licht auf die multinationalen Konzerne.» Unter dem Titel «Menschen sind wichtiger als Patente» macht die Organisation mit einer Online- Petition gegen die Pharmaindustrie mobil.

    Die argumentiert mit hohen Kosten. «Arzneimittel zu entwickeln ist hoch riskant und man weiß nie, ob etwas dabei herauskommt», hält der internationale Pharmaverband IFPMA fest. «Patente müssen geschützt werden, damit sichergestellt ist, dass die Gewinne wieder in die Erforschung neuer Medikamente gesteckt werden können.»

    In der mit Bildern von Todkranken und Hungernden emotional geführten öffentlichen Debatte zieht die mächtige Industrie immer den Kürzeren. Konzerne mit Milliardengewinnen gelten als Buhmann, der Arme aus Profitgier sterben lässt. So stimmt das nicht: viele Firmen geben in armen Ländern schon Medikamente zum Selbstkostenpreis ab. Vor allem in Afrika sind auf diese Weise Aids-Medikamente in Umlauf, die sich weder Patienten noch Gesundheitsbehörden sonst leisten könnten. Auch Abbott stellt sein Aids-Medikament nach eigenen Angaben in Thailand für ein Drittel des US-Preises zur Verfügung.

    Grundsätzlich pochen die Firmen aber auf den Patentschutz, der ihnen für einen gewissen Zeitraum das Monopol und damit die Lizenz sichert, die Mittel weit über dem Herstellerpreis zu verkaufen. Damit sollen die Entwicklungskosten wieder reingeholt werden, und natürlich ein Gewinn für die Investoren.

    Der US-Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz hat jetzt ein radikal neues System zur Entwicklung von Medikamenten vorgeschlagen, die vor allem in armen Ländern benötigt werden: Ein Preisgeld, von Regierungen finanziert, für die Firma, die ein effektives Mittel produziert. Die Höhe solle sich danach richten, wie viele Menschen davon profitieren. Das Know-how soll aber allen zur Verfügung gestellt werden.

    dpa - Meldung vom 15. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Südafrika will Aids verstärkt bekämpfen

    Johannesburg - Die südafrikanische Regierung hat am Mittwoch einen Fünfjahresplan zur Reduzierung der HIV-Infektionsrate um 50 Prozent vorgestellt und damit eine Wende in ihrer Aids-Politik eingeleitet. In einem 120-seitigen Bericht kündigte die Regierung zugleich an, die Versorgung Infizierter zu verbessern, um 80 Prozent der Betroffenen zu erreichen. Außerdem dürften Erkrankte nicht länger stigmatisiert werden. Dies habe viele Menschen davon abgehalten, sich einem Aids-Test zu unterziehen.

    Eine schlechte Koordination und das Fehlen klarer Ziele hätten dazu geführt, dass Aids zu einer der führenden Todesursachen in Südafrika geworden sei. Von 1997 bis 2004 sei die Sterblichkeitsrate um 79 Prozent gestiegen, heißt es in dem Bericht. 2005 lebten in Südafrika rund 5,5 Millionen Menschen mit dem HI-Virus, das entspricht 19 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Frauen zwischen 25 und 29 Jahren waren sogar zu 40 Prozent betroffen. Dem Plan der Regierung zufolge soll die Zahl der Neuerkrankungen bis 2011 um 50 Prozent sinken. Dazu müsse unter anderem mehr getan werden, um eine Verhaltensänderung unter jungen Leuten zu erreichen.

    Der Plan muss noch vom Nationalen Aids-Rat bestätigt werden. Die südafrikanische Aids-Politik stand jahrelang in der Kritik. So empfahlen Politiker Früchte wie Knoblauch und Zitronen als Mittel gegen die Krankheit, eine Behandlung mit antiviralen Mitteln wurde dagegen offiziell in Frage gestellt. Aids-Aktivisten begrüßten den Sinneswandel am Mittwoch. Der Fünfjahresplan sei eine hervorragende Reaktion auf die Epidemie, erklärte The Treatment Action Campaign.

    Yahoo - News vom 14. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Mehr Geld für AIDS-Impfstoffforschung

    Deutsche AIDS-Stiftung fordert deutsche Finanzmittel für AIDS-Impfstoffforschung.

    Bonn - Bremen - Neben der Verstärkung der Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen sowie der Verbesserung des Zugangs zu medizinischen Therapien ist die Entwicklung eines Impfstoffes im Kampf gegen die globale AIDS-Epidemie von besonderer Bedeutung. Auch andere Virusepidemien wie Pocken oder Kinderlähmung konnten erst durch einen Impfstoff kontrolliert und schließlich ausgerottet werden. Die Deutsche AIDS-Stiftung fordert daher die Bundesregierung auf, neben der humanitären auch die wissenschaftliche Herausforderung der HIV-Pandemie anzunehmen und sich verstärkt für eine Beschleunigung, Intensivierung und Internationalisierung der AIDS-Impfstoffforschung einzusetzen.

    "Die Deutsche AIDS-Stiftung appelliert an die Bundesregierung, speziell an Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan, sich für die Bereitstellung von Finanzmitteln sowohl für die AIDS-Grundlagenforschung als auch für die anwendungsorientierte AIDS-Impfstoffforschung einzusetzen", unterstrich Dr. Ulrich Heide, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen AIDS-Stiftung, zum Abschluss der EU-Konferenz "Verantwortung und Partnerschaft - gemeinsam gegen HIV/AIDS" vom 12. bis 13. März in Bremen. Er begrüßte das von Bundeskanzlerin Angela Merkel und von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt angekündigte Vorhaben, die Forschungsanstrengungen der EU-Länder für einen AIDS-Impfstoff besser zu koordinieren. Gleichzeitig müsse sich Deutschland als eine der führenden Volkswirtschaften Europas auch stärker finanziell engagieren; dies sollte Netzwerke zur Produktentwicklung wie die International AIDS Vaccine Initiative (IAVI) einschließen.

    Obwohl AIDS die größte medizinische Krise seit dem 14. Jahrhundert ausgelöst hat, werden weniger als ein Prozent aller Mittel für gesundheits- und arzneimittelbedingte Forschung für AIDS-Impfstoffe ausgegeben. Den größten Anteil an den Gesamtausgaben für die AIDS-Impfstoffforschung haben mit 88 Prozent die öffentlichen Mittel. Der Anteil der USA an den weltweiten öffentlichen Investitionen lag im Jahr 2004 bei 92 Prozent, die öffentlichen Investitionen aus Europa, inklusive der EU-Leistungen, lagen dagegen nur bei 6 Prozent.

    Pro Kopf der Bevölkerung gaben die USA und Irland 2004 zwischen 1,50 und 2 US-Dollar für die AIDS-Impfstoffforschung aus, Deutschland zwischen 0,01 und 0,10 US-Dollar. Die International AIDS Vaccine Initiative (IAVI), mit der die Stiftung seit dem Jahr 2000 kooperiert, ging 2005 von einem jährlichen Bedarf für die weltweite AIDS-Impfstoffforschung von 1,15 bis 1,2 Milliarden US-Dollar aus, 760 Millionen US-Dollar standen 2005 dagegen nur zur Verfügung.

    Deutsche AIDS-Stiftung - Pressemeldung vom 13. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Mehr Lipoatrophie unter Efavirenz?

    In der großen Studie ACTG 5142 war Efavirenz (EFV) dem geboosterten Lopinavir (LPV/r) in der Initialtherapie hinsichtlich der Wirksamkeit überlegen, doch der periphere Fettverlust war unter diesem Regime stärker ausgeprägt.

    In der Studie ACTG 5142 wurden therapienaive Patienten entweder mit EFV + 2 NRTI oder LPV/r + 2 NRTI oder EFV + LPV/r. Nach 48 Wochen war die Viruslast unter einem EFV-basierten Regime bei signifikant mehr Patienten unter der Nachweisgrenze (<50 Kopien/ml) als unter einem LPV/r-basierten. Nach 96 Wochen wurde allerdings bei 32% der Efavirenz-Patienten eine Lipoatrophie beobachtet im Vergleich zu lediglich 17% unter Lopinavir/r, definiert als >20% Verlust an peripherem Fett im DEXA. Selbst nach Adjustierung für den NRTI-Backbone war das Lipoatrophie-Risiko unter Efavirenz doppelt so hoch wie unter Lopinavir/r.

    Subanalyse Backbone: In der Studie standen als Backbone die NRTI Lamivudin (3TC), Tenofovir (TDF) und Stavudin (d4T extended release, Entwicklung eingestellt) zur Verfügung. Tenofovir war erwartungsgemäß mit dem geringsten, Stavudin mit dem höchsten Risiko assoziiert. Am seltensten war die Lipoatrohie, wenn gar kein NRTI eingesetzt wurde, nämlich im EFV+LPV/r-Arm (9%).

    Blutfette: Dieses NRTI-freie Regime hatte allerdings wiederum den ungünstigsten Einfluss auf die Triglyceride, gefolgt von Lopinavir/r + 2 NRTI. Gesamtcholesterin und HDL-Cholesterin wurden von Efavirenz bzw. Lopinavir/r plus 2 NRTI gleichermaßen erhöht.

    Quelle: Haubrich R et al, Abstr 38, 14th CROI 2007, Los Angeles

    HIV & More vom 12. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Mehr als 700 Neuinfektionen täglich in Osteuropa

    EU-Konferenz "Partnerschaft und Verantwortung" 12. /13. März in Bremen / Aktionsbündnis gegen AIDS fordert: Kompetenz von Menschen mit HIV nutzen!

    Tübingen/Bremen - In keinem anderen Teil der Erde sind so viele HIV-Neuinfektionen zu verzeichnen wie in Osteuropa. In den vergangenen zwei Jahren gab es laut UNAIDS einen rapiden Anstieg von 70%. Hauptinfektionsweg ist der intravenöse Drogengebrauch mit kontaminierten Spritzen. Doch nach wie vor wird in vielen Ländern, insbesondere in Osteuropa, die Ausgabe von sterilem Spritzenbesteck, Zugang zu Beratung und Kondomen für Prostituierte und Gefängnisinsassen durch Verbote unterbunden.

    Nur 13% der Aids-Patient/innen in Osteuropa erhalten die lebenswichtige antiretrovirale Behandlung. Für die Ausweitung der Aids-Behandlung, für Programme zur Tuberkulosetherapie und zur Methadonsubstitution fehlt bislang der nötige politische Wille.

    "Dies ist eine alarmierende Situation, die sofortige politische Maßnahmen erfordert", so Rainer Seybold, Geschäftsführer des Aktionsbündnisses gegen AIDS. "Wir erwarten ein Umdenken von der russischen und anderen osteuropäischen Regierungen. Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen, die intravenös Drogen gebrauchen, und von sexuellen Minderheiten sollten der Vergangenheit angehören. Effektive HIV-Prävention kann erreicht werden, wenn Regierungsstellen zusammen mit zivilgesellschaftlichen Organisationen die Kompetenz von HIV-Positiven aktiv nutzen".

    Vor der Bremer Konferenz wurde von der Bundesregierung ein "Aktionsplan zur HIV/AIDS-Bekämpfung" verabschiedet. "Ein wichtiger Beitrag, doch leider bleiben unsere Erwartungen unerfüllt. Im entwicklungspolitischen Teil des Plans fehlt weitgehend die klare Nennung konkreter Ziele und Maßnahmen. Erfolgskontrolle durch die Zivilgesellschaft ist daher nahezu unmöglich", so Rolf Goldstein, Sprecher des Aktionsbündnisses. Das Bündnis hofft, dass die im Aktionsplan angekündigte interministerielle Arbeitsgruppe sich mit der dramatischen Situation in Osteuropa beschäftigt und dringende Maßnahmen beschließt.

    Das Aktionsbündnis begrüßt die Zusage zur Erhöhung des Beitrags der globalen Aids-Bekämpfung von 300 auf 400 Millionen Euro im Jahr 2007. Angemessen wären für Deutschland jedoch 700 Millionen Euro.

    Die gemeinsame Erklärung der 27 EU-Mitgliedsstaaten sollte zur Kenntnis nehmen, dass in Osteuropa HIV-positive Menschen oft an der Armutsgrenze leben. Will man den Zugang zur Behandlung für Alle erreichen, dürfen keine bilateralen Verträge mit Pharmakonzernen geschlossen werden, deren Preise für die Mehrheit der Betroffenen unerschwinglich sind" betont Sonja Weinreich, stellvertretende Sprecherin des Aktionsbündnisses".

    Aktionsbündnis gegen AIDS - Pressemeldung vom 11. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Integrasehemmer Raltegravir (MK-0518) mit guten Daten

    Der neue Integrasehemmer Raltegravir (früher MK-0518) hat die Erwartungen nach den guten Ergebnissen der früheren Phase-II-Studien nicht enttäuscht. Selbst bei Patienten ohne weitere aktive Substanz hat Raltegravir die Viruslast bei über 50% noch unter die Nachweisgrenze gesenkt.

    In den beiden identischen Studien BENCHMRK-1 und -2 wurden 699 Patienten mit Dreiklassen-Resistenz mit optimierter Basistherapie plus 2 x 400 mg Raltegravir täglich oder Placebo. Nach 16 Wochen hatten unter Raltegravir knapp doppelt so viele Patienten eine Viruslast unter der Nachweisgrenze (<400 Kopien/ml 79% vs. 43%; <50 Kopien ca. 60% vs. 30%). Am besten schnitten Patienten mit mehreren aktiven Substanzen ab. Über 90% der stark vorbehandelten Patienten, die erstmals mit Enfuvirtid oder Darunavir im OBT erhielten, erreichten eine Viruslast unter der Nachweisgrenze. Doch selbst von den Patienten ohne eine weitere aktive Substenz im genotypischem Resistenztest erreichten 57% unter Raltegravir eine Viruslast <400 Kopien/ml im Vergleich zu 10% unter Placebo.

    Resistenz: Wie lange dieser Erfolg anhält, ist noch offen. Nach den bisher vorliegenden limitierten Analysen scheint es zwei Resistenzwege zu geben, zum einen über die Mutation N155H oder über die Mutation Q148K/R/H.

    Verträglichkeit: Die Verträglichkeit von Raltegravir war sehr gut. Die Nebenwirkungsrate liegt auf Placebo-Niveau. Nu 1,7% der Patienten in den beiden Raltegravir-Armen bzw. 3.4% und 0,8% in den Placebo-Armen brachen die Studie wegen unerwünschter Wirkungen ab.

    Fazit: Raltegravir ist der erste Vertreter der Integrasehemmer, der voraussichtlich zu klinischen Anwendung kommen wird. Die Wirksamkeit ist selbst bei multiresistenten Viren gut. Insbesondere in Kombination mit einer zweiten neuen Substanz wie Enfuvirtid oder Darunavir ist hohe Erfolgraten zu erwarten. Wie schnell sich bei einer unzureichenden Wirkung Resistenzen ausbilden und ob es Kreuzresistenzen gibt, ist noch unklar. Das Expanded Access-Programm in Deutschland wird in Kürze beginnen.

    Abstracts:
    Cooper D et al. Abstr 105aLB, 14th CROI 2007, Los Angeles
    Steigbigel R et al. Abstr 105bLB, 14th CROI 2007, Los Angeles

    HIV & More vom 6. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neuinfizierte übertragen Virus öfter

    Montréal - Eine neue kanadische Langzeitstudie hat herausgefunden, dass die Hälfte der HIV-Infektionen von Männern übertragen werden, die sich selbst erst vor kurzem angesteckt haben und oft nichts über ihren HIV-Status wissen. Das gab das MCGill Aids Centre in Montréal bekannt, berichtet der TV-Sender CBC. Die Forscher haben 2.500 HIV-Patienten über acht Jahre beobachtet. Sie haben hochgerechnet, dass neu Infizierte acht Mal eher das Virus übertragen als Männer, die bereits antiretrovirale Medikamente zu sich nehmen.

    Nach Angaben von Studienleiter Mark Wainberg kann ein Neuinfizierter HIV besonders leicht übertragen, weil sich das Virus besonders schnell vervielfältigt und der Körper noch keine Immunreaktion gestartet hat. Wainberg argumentiert, dass man diskutieren müsse, ob die antiretrovirale Behandlung früher begonnen werden muss, um das Risiko einer Übertragung zu verringern. Die Ergebnisse der Studie werden in der April-Ausgabe des "Journal of Infectious Diseases" veröffentlicht Nach Hochrechnungen der Behörden wissen in Kanada 27 Prozent der Infizierten nichts von ihrem HIV-Status.

    Gay-Industries vom 6. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV wird in biologische Sackgasse gelockt

    US-Wissenschafter versuchen, dem Virus die Vermehrungsgrundlage zu nehmen.

    Montpellier - US-Virologen haben eine ungewöhnliche Strategie entwickelt, um Virusinfektionen zu bekämpfen: Sie stellen die Erreger kalt, indem sie sie in eine biologische Sackgasse locken.

    Bei einer HIV-Infektion hieße diese Strategie, die Viren in Körperzellen zu locken, in denen sie sich nicht vermehren können. Die Konsequenz dieser Taktik: Die Erreger sterben mit der Zeit aus, wie in der Natur eine Tier- oder Pflanzenart, die in einen unwirtlichen Lebensraum abgedrängt wird.

    Im Labor funktioniert dieser Ansatz bereits. Das konnten Forscher anhand eines Modellsystems aus Bakterien und darauf spezialisierten Viren - Bakteriophagen - nachweisen. Über ihre Arbeit berichten Professor John Dennehy von der Yale-Universität in New Haven und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "Ecology Letters" (10 / 3, 2007, 230).

    Auf die Idee zu der ungewöhnlichen Infektionsbekämpfung sind die Forscher durch ein Phänomen gekommen, das Biologen als ökologische Falle bezeichnen: Ein bestimmter Lebensraum lockt Tiere oder Pflanzen mit scheinbar guten Lebensbedingungen an, entpuppt sich jedoch später als ungeeignet für Futtersuche oder Vermehrung. Die angelockte Art stirbt aus.

    Um ihre Idee zu testen, brachten die Forscher Bakterien vom Typ Pseudomonas phaseolicola mit Phi-6-Bakteriophagen zusammen. Diese Viren infizieren die Bakterien, indem sie sich an den Geißeln der Mikroben festsetzen und ins Zellinnere befördert werden, wenn die Bakterien die Fortsätze einziehen.

    Außer der normalen Pseudomonas-Variante boten die Forscher den Viren auch eine ökologische Falle in Form einer veränderten Bakterienversion an: Die Erreger konnten sich an diese Variante ungewöhnlich gut anheften, waren aber nicht in der Lage, in sie einzudringen und sich dort zu vermehren. Das Ergebnis bestätigte die Erwartungen: Sobald die Zahl der "Sackgassen"-Mikroben einen bestimmten Schwellenwert überschritt, verschwanden die Phagen innerhalb kurzer Zeit.

    Die Forscher hoffen, mit einer ähnlichen Strategie auch humanpathogene Viren wie HIV austricksen zu können. Auch HIV erkennt seine Zielzellen an Zell-Oberflächenmerkmalen, dringt in die Zellen ein und vermehrt sich in ihrem Kern. Dem Virus müssten nur Zellen ohne Kern mit den gleichen Merkmalen angeboten werden - möglichst im Überschuss. Geeignet wäre dazu etwa eine modifizierte Form der kernlosen Erythrozyten, glauben die Forscher.

    Ärzte-Zeitung vom 5. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    CROI Bericht, 1. Teil: Integrase-Inhibitoren

    von Christian Hoffmann

    Hamburg - Kein Zweifel: Die Daten zu den Integrasehemmern waren die Highlights schlechthin auf der diesjährigen, gerade zu Ende gegangenen 14. Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections (CROI). Mit "Raltegravir" (ehemals MK-0518) und "Elvitegravir" (ehemals GS-9137) muss man sich nun wohl gleich zwei neue Namen merken. Im Folgenden soll kurz auf die drei Substanzen eingegangen werden, zu denen in Los Angeles in vivo Studien publiziert wurden.

    Raltegravir (MK-0518) ist ein Strangtransfer-Inhibitor der Firma MSD und momentan eine der spannendsten neuen antiretroviralen Substanzen überhaupt. Die beeindruckenden Daten einer auf der letzten CROI in Denver vorgestellten Phase-II-Studie wurden jetzt durch zwei große Phase III-Studien bestätigt. In BENCHMRK-1 und -2 erhielten 699 Patienten mit Dreiklassen-Resistenz entweder 2 x 400 mg Raltegravir täglich oder Plazebo zu einer optimierten Therapie [1,2]. Nach 16 Wochen hatten 79 % (versus 43 %) eine Viruslast unter 400 Kopien/ml erreicht. Selbst unter jenen Patienten, in denen nach dem genotypischem Resistenztest zu Beginn keine einzige aktive Substanz mehr vorhanden war, lag die Rate bei 57 % (versus 10 %). Die Verträglichkeit war zudem sehr gut und mit Plazebo vergleichbar. Die Daten zur Resistenzentwicklung unter Raltegravir sind noch limitiert, es scheint aber wenigstens zwei genetische Resistenzpfade zu geben, entweder über die Mutation N155H oder über Q148K/R/H, die beide im katalytischen Kern der Integrase lokalisiert sind [1]. Das Expanded Access-Programm, das für Deutschland für Februar/März 2007 angekündigt ist, wird weiterhin sehnlichst erwartet.

    Elvitegravir (GS-9137, früher JTK-303) ist ein Integrasehemmer von Gilead, der biochemisch den Chinolon-Antibiotika ähnelt. Wie Raltegravir hemmt auch Elvitegravir den Strangtransfer. Im Gegensatz zu Raltegravir muss Elvitegravir jedoch mit 100 mg Ritonavir geboostert werden, dafür ist wohl die tägliche Einmalgabe möglich. Die jetzt auf der CROI vorgestellten Daten einer Phase-II-Studie, in der 278 Patienten entweder drei geboosterte Dosen (20, 50 und 125 mg) Elvitegravir oder einen neuen geboosterten Proteaseinhibitor (PI) erhielten, zeigten ein gutes Ansprechen unter Elvitegravir [3]. Zwar musste der 20 mg-Arm wegen hoher Versagensrate abgebrochen werden, dafür erreichten in den höher dosierten Armen mehr Patienten nach 16 Wochen eine Viruslast unter 50 Kopien/ml als im PI-Arm (ca. 40 versus 30 %). Vor vorschnellen Vergleichen mit den Raltegravir-Daten sei gewarnt, da diese Studie anders konzipiert war - es wurde gegen einen aktiven PI und nicht gegen Plazebo verglichen. Die Verträglichkeit war wie bei Raltegravir sehr gut. Auch bei Elvitegravir lassen sich durch in-vitro Passagen Resistenzmutationen selektionieren, es scheint ebenfalls mindestens zwei Resistenzpfade zu geben, und zwar über T66I oder E92Q [4]. Vor allem E92Q scheint für eine hohe Resistenz zu sorgen. Teilweise überlappen sich die Resistenzen von Elvitegravir und Raltegravir, klassenübergreifende Kreuzresistenzen könnten also möglich sein [4]. Klinische Daten werden diese Befürchtungen hoffentlich widerlegen.

    GSK-364735 ist ein Strangtransferinhibitor von GlaxoSmithKline, der derzeit noch zusammen mit der Firma Shionogi entwickelt wird. In einer Phase-I-Studie an 79 gesunden Probanden wurden zwischen 50 und 400 mg täglich gut vertragen [5], Phase-II-Studien sind im Gange.

    Wie bei allen neuen Wirkstoffklassen bleiben auch bei den Integrase-Inhibitoren derzeit noch viele Fragen offen. Zwar ist die Verträglichkeit über einige Wochen gut, über Langzeittoxizitäten ist jedoch noch nichts bekannt. Eine klassenübergreifende Kreuzresistenz scheint, wenn auch unwahrscheinlich, zumindest möglich. Es scheint zudem einige ungünstige Interaktionen zu geben, und möglicherweise sprechen auch nicht alle Patienten auf Integrase-Inhibitoren an. Dennoch geben die bisherigen Ergebnisse Anlass zur Hoffnung, dass auch bei Patienten mit multiresistenten Viren die HIV-Infektion wieder zumindest für eine Zeitlang kontrolliert werden kann.

    Literatur zu Integrase-Inhibitoren
    1. Cooper D, Gatell J, Rockstroh J, et al. Results of BENCHMRK-1, a phase III study evaluating the efficacy and safety of MK-0518, a novel HIV-1 integrase inhibitor, in patients with triple-class resistant virus. Abstract 105aLB, 14th CROI 2007, Los Angeles.
    2. Steigbigel R, Kumar R, Eron J, et al. Results of BENCHMRK-2, a phase III study evaluating the efficacy and safety of MK-0518, a novel HIV-1 integrase inhibitor, in patients with triple-class resistant virus. Abstract 105bLB, 14th CROI 2007, Los Angeles.
    3. Zolopa A, Mullen M, Berger D, et al. The HIV integrase inhibitor GS9137 demonstrates potent ARV activity in treatment-experienced patients. Abstract 143LB, 14th CROI 2007, Los Angeles.
    4. Jones G, Ledford RM, yu F, et al. In vitro resistance profile of HIV-1 mutants selected by the HIV-1 integrase inhibitor, GS-9137 (JTK-303). Abstract 627, 14th CROI 2007, Los Angeles.
    5. Reddy S, Min S, Borland J, et al. A double-blind, parallel, randomized, placebo-controlled, single and repeat dose-escalation study to investigate the safety, tolerability, and pharmacokinetics of the HIV integrase inhibitor GSK364735 in healthy subjects. Abstract 562, 14th CROI 2007, Los Angeles.

    HIV.NET vom 5. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HBV-Medikament fördert Kreuzresistenz zu HIV-Medikament

    Washington - Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA warnt vor dem Einsatz des Virustatikums Baraclude® (Wirkstoff Entecavir) bei Patienten, die mit dem HI-Virus koinfiziert sind, diese Infektion aber nicht behandeln. Bei einem Patienten führte Entecavir zur Selektion von resistenten HI-Viren, die eine spätere Behandlung der HIV-Infektion erschweren könnten. Der Hersteller hat einen „Dear Health Care Provider“-Brief versandt.

    Baraclude wurde in Deutschland im August 2006 zur Behandlung der chronischen Hepatitis-B zugelassen. Es handelt sich um einen Hemmstoff der Hepatitis-B-Virus-(HBV)-Polymerase. Entecavir wird anstelle eines natürlichen Bausteins in die DNA des Virus eingebaut, was zum Abbruch der Kette führt. Dadurch wird die Vermehrung der Hepatitis-B-Viren gehemmt oder sogar verhindert.

    Auch HI-Viren vermehren sich mithilfe einer Polymerase. Diese unterscheidet sich zwar von der HIV-Polymerase, das Prinzip ist aber ähnlich. Wie es scheint, kann Entecavir auch die HIV-Polymerase hemmen. Dies hat die Forscher überrascht, denn in bisherigen Studien hatte es keine Hinweise gegeben, dass Entecavir gegen HIV wirksam ist.

    Anlass für die FDA-Meldung ist ein Patient, dessen Fall auf der diesjährigen Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections (CROI) in Los Angeles vorgestellt wurde. Der 31 Jahre alte gleichzeitig mit HIV und HBC infizierte Mann entschied sich dazu, zunächst seine HBV-Infektion zu behandeln und die HIV-Therapie zurückzustellen, was die guten CD4-Werte (>500 Zellen/mm3) und die geringe Viruslast von 35.000 Kopien/ml erlaubten.

    Die Therapie der HBV-Erkrankung mit Entecavir schlug gut an. Die HB-Viruslast ging deutlich zurück. Doch zur Überraschung der Ärzte der Johns Hopkins Medical Institutions in Baltimore ging auch die HIV-Viruslast um etwa 2.000 Kopien/ml zurück. Dies wäre sicherlich ein günstiger Nebeneffekt gewesen, wenn nicht nach sechs Monaten eine HIV-Resistenztestung zur Entdeckung der M184V-Substition geführt hätte. Diese Mutation führt zu einer Resistenz auf Lamivudin. Dieses Medikament, auch als 3TC bekannt, ist eine der Ecksteine der hoch aktiven antiretroviralen Therapie.

    Es bestand deshalb die Gefahr, dass die HBV-Therapie den Erfolg einer späteren HIV-Therapie gefährdet, die aufgrund der zunehmenden Immunschwäche bei dem Patienten früher oder später notwendig wird. In Los Angeles berichteten die Mediziner der Johns Hopkins Medical Institutions, dass sie bei zwei weiteren Patienten eine Kreuzresistenz entdeckt hätten.

    Der Hersteller teilt mit, dass in den klinischen Studien keine antiretrovirale Wirkung von Entecavir aufgetreten war. Dies lag vermutlich daran, dass die Patienten in den Studien gleichzeitig eine HAART durchführten, welche die geringe antiretrovirale Wirkung von Entecavir überdeckten.

    Der Hersteller hat in der zu diesem Zweck revidierten Fachinformation eine Kontraindikation für Patienten eingefügt, die gleichzeitig mit HIV und HBV infiziert sind, und bei denen keine HAART durchgeführt wird.

    Die gute Nachricht ist nach Ansicht der Johns Hopkins-Mediziner, dass koinfizierte Patienten weiter mit Entecavir behandelt werden können, wenn sich gleichzeitig eine HAART durchführen. Wenn sie allerdings den Wunsch haben, zuerst die HBV-Infektion zu therapieren, seien sie in Zukunft um eine wichtige Therapieoption ärmer.

    Deutsches Ärzteblatt vom 2. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Positive Ergebnisse zu CCR5-Blocker und Integrase-Inhibitor

    Los Angeles - Die Möglichkeiten zur Behandlung von HIV-Infektionen dürften demnächst um zwei Medikamente mit neuartigen Wirkungsmechanismen erweitert werden. Dafür sprechen die jüngsten Ergebnisse zu dem CCR5-Blocker Maraviroc und dem Integrase-Inhibitor MK-0518, die jetzt auf der Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections (CROI 2007) in Los Angeles vorgestellt wurden.

    Das oral verfügbare Maraviroc antagonisiert den Ko-Rezeptor CCR5 auf der Oberfläche von CD4-Zellen. Der Wirkstoff greift also nicht das Virus selbst an. Sein Ansatzpunkt liegt vielmehr auf der Oberfläche der Zielzelle. Der Rezeptor CCR5 ist eine der Eintrittspforten in die Zelle. Er wurde 1996 entdeckt und erlangte bald einen hohen Bekanntheitsgrad. Varianten dieses Rezeptors erklären nämlich, warum einige, wenn auch sehr wenige Menschen (etwa ein Prozent der Bevölkerung), nach einer HIV-Infektion keine schwere Immunschwäche entwickeln. Diese Varianten verhindern den Eintritt des Virus in die Zelle. Maraviroc soll die gleiche Rolle übernehmen. Er versperrt dem Virus gewissermaßen den Weg. Allerdings wirkt Maraviroc nur gegen eine gewisse Form der HI-Viren, den CCR5-tropen oder R5-Viren. Andere Stämme kommen auf anderen Wegen in die Zelle. Bei ihnen ist Maraviroc wertlos.

    Auf der CROI 2007 stellte der Hersteller Pfizer jetzt die Ergebnisse der beiden „Maraviroc plus Optimized Therapy In Viremic Antiretroviral Treatment-Experienced patients“ oder MOTIVATE-Studien vor. Maraviroc wurde über 24 Wochen an Patienten erprobt, die mit R5-Viren infiziert waren. Vor Therapiebeginn hatten die Patienten eine Viruslast von wenigstens 5.000 Kopien/ml und einen medianen CD4-Wert von 150-182 Zellen/ml.

    Die Studien hatten drei Arme. Verglichen wurde Placebo mit Maraviroc in zwei unterschiedlichen Dosierungen. Die Behandlung erfolgte zusätzlich zu einer optimalen Hintergrundtherapie mit drei bis sechs anderen antiretroviralen Medikamenten. Nach den vorgestellten Daten soll Maraviroc die Reduktion der Viruslast signifikant verbessert haben. Auch die CD4-Zahlen sollen deutlich gestiegen sein. Zum Berichtszeitpunkt waren die Abstracts der CROI nicht abrufbar, sodass hier keine weiteren Einzelheiten genannt werden können.

    Die genannten Zahlen wurden von der Wirtschaftspresse publiziert. Ihnen gegenüber gab sich der Hersteller optimistisch, dass die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA das Medikament noch in diesem Jahr zulassen werde. Ein Beratertreffen (Advisory Panel) der FDA ist für den 24. April anberaumt. Dort dürfte dann auch die Verträglichkeit des Medikamentes zur Sprache kommen, welche die Meldungen der Wirtschaftspresse nicht thematisieren.

    Auch der Mitbewerber Merck (in Deutschland MSD) gab sich gegenüber der Presse zuversichtlich. Die Firma hat den Integrase-Inhibitor MK-0518 in zwei Phase III-Studien prüfen lassen. Die Integrase ist ein viruskodiertes Enzym, mit dessen Hilfe das Virusgenom im Erbgut der infizierten Zellen integriert wird, sodass es jederzeit abgelesen werden kann. Dadurch werden die HI-Viren solange produziert, bis die C4-Zellen vernichtet sind. In zwei Studien hat Merck 700 Patienten mit MK-0518 oder Placebo behandelt. Teilnehmer waren Patienten, bei denen bereits drei Regime versagt hatten und bei denen die CD4-Werte auf unter 150 Zellen/ml abgefallen waren. MK-0518 wurde – ähnlich wie Maraviroc – zusätzlich zu einer optimalen antiretroviralen Therapie eingesetzt.

    Nach den sehr spärlichen Angaben der Wirtschaftspresse soll es hier zu einem deutlichen Anstieg gekommen sein. Einem Artikel in der New York Times zufolge ist die Viruslast bei 60 Prozent der Patienten wieder unter die Nachweisgrenze von 50 Kopien/ml gefallen, gegenüber 35 Prozent im Placeboarm. Mangels Abstract können die Zahlen nicht überprüft werden. Die Wirtschaftspresse ist nicht ganz einig, ob der Wirkstoff nun Raltegravir (New York Times) oder Altegravir (Reuters) heißen soll. Wichtigste Meldung ist deshalb die Ankündigung des Herstellers, noch vor dem 1. Juli die Zulassung zu beantragen. Dann werden wohl detaillierte Angaben auf dem Tisch liegen. Auch Gilead Sciences soll einen oralen Integrase-Inhibitor in der Entwicklung haben, der aber noch 18 Monate bis 2 Jahre vor der Einführung stehe.

    Deutsches Ärzteblatt vom 1. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Kampf gegen Aids: Sieg für Abstinenzler

    Washington - Ein US-Berufungsgericht hat gestern entschieden, dass die Bush-Regierung gemeinnützigen Aids-Gruppen die Zuschüsse streichen darf, wenn diese nicht Enthaltsamkeit propagieren. In erster Instanz hatte ein Gericht der Gruppe DKT International noch Recht gegeben. Diese hatte sich geweigert, den Vorgaben der konservativen Regierung zu folgen, weil sie in Vietnam Kondome an Prostituierte verteilt. Die Anwälte von DKT International argumentierten, dass die Einschränkungen der Regierung das Recht auf freie Meinungsäußerung einschränkten.

    Die Richter argumentierten jedoch, dass die Regierung ein Recht habe, die Richtlinien der förderwürdigen Programme zu bestimmen. Die USA gibt innerhalb von fünf Jahren 15 Milliarden US-Dollar für die Bekämpfung von HIV und Aids aus, will aber in erster Linie Enthaltsamkeit als Mittel gegen die Immunschwächekrankheit fördern und nur in Ausnahmefällen Verhütung.

    Gay-Industries vom 1. März 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HSV-2 Therapie zur Reduktion der HIV-1-RNA-Spiegel

    Eine HSV-Suppressionstherapie verringert laut Resultaten einer im „New England Journal of Medicine publizierten Studie“ die genitalen und Plasma-HIV-1-RNA-Spiegel bei doppelt infizierten Frauen signifikant.

    Epidemiologische Daten deuten darauf hin, dass eine Infektion mit Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2) mit einer erhöhten genitalen Ausscheidung von RNA des humanen Immundefizienzvirus Typ 1 (HIV-1) und einer erhöhten HIV-1-Übertragbarkeit verbunden ist.

    Dr. Nicolas Nagot von der London School of Hygiene and Tropical Medicine und Kollegen führten eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Prüfung der HSV-Suppressionstherapie mit Valaciclovir (in einer Dosis von 500 mg zweimal täglich) in Burkina Faso bei Frauen durch, die seropositiv für HIV-1 und HSV-2 waren. Alle kamen nicht für eine hochaktive antiretrovirale Therapie in Frage. Die Patienten wurden für 24 Wochen (12 Wochen vor und 12 Wochen nach der Randomisierung) nachbeobachtet. Mit Regressionsmodellen wurde die Wirkung von Valaciclovir auf das Vorhandensein und die Menge von genitaler und Plasma-HIV-1-RNA sowie genitaler HSV-2-DNA während der Behandlung nach Adjustierung um die Ausgangswerte und die Wirkung über die Zeit beurteilt.

    Insgesamt 140 Frauen wurden in die Behandlungsgruppen randomisiert, 136 wurden in die Analysen einbezogen. Zum Zeitpunkt der Aufnahme in die Studie betrug die mediane CD4-Zellzahl 446 Zellen/µl, und die mittlere Plasma-Viruslast betrug 4,44 log10 Kopien/ml.

    Eine Summary-measures-Analyse zeigte, dass die Therapie mit Valaciclovir mit einer signifikanten Abnahme der Häufigkeit von genitaler HIV-1-RNA (Odds Ratio 0,41; 95%-Konfidenzintervall [CI] 0,21 bis 0,80) und der mittleren Virusmenge (log10 Kopien/ml –0,29; 95%-CI –0,44 bis –0,15) assoziiert war. Es kam jedoch zu keiner signifikanten Abnahme des Nachweises von HIV (Risk Ratio 0,93; 95%-CI 0,81 bis 1,07). Die HSV-Suppressionstherapie verringerte auch den mittleren Plasma-HIV-1-RNA-Spiegel um 0,53 log10 Kopien/ml (95%-CI –0,72 bis –0,35). Die Repeated-measures-Analyse zeigte, dass diese Wirkungen während der 3-monatigen Nachbeobachtung signifikant stärker wurden.

    Die Wissenschafter fassen zusammen, dass die HSV-Suppressionstherapie die genitalen und Plasma-HIV-1-RNA-Spiegel bei doppelt infizierten Frauen signifikant verringert. Diese Erkenntnis könnte von erheblicher Bedeutung für die HIV-Bekämpfung sein.

    Quelle: N Engl J Med; 2007, 356: 790-799

    MedAustria News vom 26. Februar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neue HIV-Therapie zugelassen

    Prezista® (Darunavir) zeigt signifikante Überlegenheit.

    Neuss - Positive Daten zweier randomisierter, kontrollierter Phase-IIb-Studien (POWER 1 und 2) bilden die Grundlage für die Zulassung des neuen Proteaseinhibitors (PI) Prezista® (Darunavir), die von der europäischen Arzneimittelbehörde EMEA bedingt erteilt wurde. Die Studien verglichen die Verträglichkeit und Wirksamkeit von Prezista® zusammen mit 100 mg Ritonavir mit anderen PIs. Darunavir war den anderen Proteasehemmern virologisch und immunologisch signifikant überlegen1,2.

    Zugelassen ist das Präparat von Tibotec, Division of Janssen-Cilag GmbH, für die Therapie von HIV-infizierten Erwachsenen, bei denen es unter mehr als einem Behandlungsschema mit einem PI zu einem Therapieversagen gekommen ist. Prezista® wird zweimal täglich (600 mg) mit je 100 mg Ritonavir als Booster eingenommen und mit weiteren antiretroviralen Medikamenten im Rahmen einer HIV-Kombinationstherapie eingesetzt.

    Günstiges Nebenwirkungsprofil
    Im Rahmen der Studien wurde der neue geboosterte Proteaseinhibitor von den behandlungserfahrenen Patienten im Allgemeinen gut vertragen. In klinischen Studien hatte Prezista® im Vergleich zu Kontroll-Substanzen eine insgesamt geringere Rate üblicherweise auftretender unerwünschter Ereignisse wie beispielsweise Diarrhoe. Auch Inzidenz und Dauer von Diarrhoe-Episoden waren unter Darunavir geringer als unter Kontroll-Proteasehemmern3.

    Viele HIV-Infektionen gehen aufgrund ähnlicher Übertragungswege mit einer Hepatitis-Infektion einher. Unter diesem Aspekt ist eine gute Leberverträglichkeit antiretroviraler Substanzen von großer Bedeutung. In Studien zeigte sich im Allgemeinen eine gute Verträglichkeit von Darunavir bei Patienten mit klinisch stabiler und nicht behandlungspflichtiger Hepatitis B oder C4.

    "Wir freuen uns über die Zulassung von Prezista®, des ersten Tibotec-Produktes in Deutschland überhaupt", so Sonja Willems, Vice President Tibotec, Division of Janssen-Cilag GmbH, "und hoffen, dass wir HIV-Infizierten mit diesem Medikament eine bessere Zukunft ermöglichen können. Prezista® ist das Ergebnis jahrzehntelanger Forschung und damit ein Meilenstein für unser Engagement in der Virologie. "

    Laufende Studien mit therapienaiven und -erfahrenen Patienten
    Derzeit wird die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Prezista® im Vergleich zum geboosterten PI Lopinavir/Ritonavir jeweils in Kombination mit zwei weiteren HIV-Medikamenten in mehreren Phase-III-Studien weiter untersucht. Die TITAN-Studie (zweimal täglich 600 mg Darunavir/100 mg Ritonavir) schließt 604 vorbehandelte Patienten ein; die ARTEMIS-Studie (einmal täglich 800 mg Darunavir/100 mg Ritonavir) 691 bislang nicht behandelte Patienten.

    Darunavir ist neben Deutschland und der EU bereits in den USA, Kanada, Russland, Argentinien sowie der Schweiz unter dem Handelsnamen Prezista™ zugelassen. In weiteren Ländern wurde ein Antrag auf Zulassung eingereicht.

    Literatur:
    1 Katlama et al.TMC114/r outperforms investigator-selected PI(s) in 3-class-experienced patients: Week 24 primary efficacy analysis of POWER 1 (TMC114-C213). 3rd IAS, Rio de Janeiro, Brazil,  2005. Abstract WeOaLBO102
    2 Wilkin et al. TMC114/r superior to standard of care in 3-class-experienced patients: 24-wks primary analysis of the Power 2 study (C202). 45th ICAAC. Washington, December 2005. Abstract 2860.
    3 Rockstroh et al. Darunavir (TMC114)/r has tolerability and efficacy benefits for treatment
    experienced patients compared with control PIs: overview of the POWER trials.
    8th International Congress on Drug Therapy in HIV Infection, Glasgow, UK, November 2006. Abstract P28.
    4 Rachlis et al. TMC114/r tolerability in treatment-experienced, hepatitis B or C (HBV/HCV) co-infected patients in POWER 1 and 3. 44th Annual Meeting of the Infectious Diseases Society of America, Toronto, Ontario, Canada, October 2006. Abstract 961.

    Tibotec, Division of Janssen-Cilag GmbH – Pressemeldung vom 23. Februar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    China: Wiederbelebte Tuberkulose- und HIV-Kontrolle

    Verlässliche Daten zur Belastung durch Infektionskrankheiten in China sind bekanntermaßen schwierig zu erhalten. Zwei Artikel in der aktuellen 'The Lancet' diskutieren die Probleme und Herausforderungen durch HIV/AIDS und Tuberkulose in China, und wie diese angegangen wurden.

    China ist von unterschiedlichster Seite dafür kritisiert worden, auf die Bedrohung durch HIV und AIDS nicht ausreichend reagiert und Informationen über das Ausmaß der Problematik unterdrückt zu haben. Der Übersichtsartikel von Roger Detels und Kollegen von der University of California in Los Angeles zur Entwicklung der Reaktion der Chinesen auf HIV/AIDS wird viele überraschen, insbesondere die geringe Anzahl der Personen, die mit HIV/AIDS leben, sowie Chinas mutige Schritte zur Kontrolle der Epidemie. Die Forscher argumentieren, dass China nach einem verschlafenen Start und der zunächst nur widerwilligen Kenntnisnahme der Epidemie mittlerweile erfreulich auf die internationale Einflussnahme, Berichterstattung und wissenschaftsbasierte Strategien reagiert hat.

    Die Autoren folgern: "Diese energische Reaktion, über die Forschungsergebnisse auch in politische Richtlinien münden, kann für andere Länder, die auf gleiche Herausforderungen der HIV/AIDS-Epidemie ähnliche Antworten finden müssen, aufschlussreich sein."

    In einem begleitenden Kommentar bemerkt Therese Hesketh vom Londoner Institute of Child Health: "Für den größten Teil Chinas bleibt die Verbreitung von HIV gering. Im Blickpunkt der Anstrengungen des öffentlichen Gesundheitssystems sollten daher Krankheiten mit höheren Belastungen stehen; beispielsweise die enormen gesundheitlichen Folgen des Tabakkonsums."

    Im Jahr 2005 stieg die Anzahl der diagnostizierten Tuberkulosefälle auf achtzig Prozent der geschätzten neuen Tuberkuloseerkrankungen. Damit konnte China die für 2005 gesetzten Ziele zur Kontrolle der Erkrankung erreichte. Daniel Chin und Kollegen von der WHO in Peking diskutieren, welche Fortschritte es China den Meilenstein zu erreichen half - und inwieweit gerade die das öffentliche Gesundheitssystem stärkenden Maßnahmen nach der SARS-Epidemie des Jahres 2003 die Anstrengungen zur Kontrolle der Tuberkulose beschleunigten. Im Fokus stehen dabei besonders die verstärkte Verpflichtung und Leitung der Regierung, die verstärkte Finanzierung der öffentlichen Gesundheit, die überarbeiteten Gesetze zur Kontrolle übertragbarer Krankheiten, die Einbeziehung des weltweit größten internetgestützten Systems zur Berichterstattung von Krankheiten, und die Einführung eines die örtlichen öffentlichen Gesundheitseinrichtungen wieder aufbauenden Programms.

    Die Autoren folgern: "Die Erfahrungen der Chinesen zeigen nun, dass Investitionen sowohl in Kontrollprogramme als auch in Gesundheitssysteme notwendig waren - statt nur in eines der beiden -, und sich als in der Tat unumgänglich erwiesen, um die 2005 global gesetzten Ziele bezüglich der Tuberkulose zu erreichen. Dies zeigt Entwicklungsländern beispielhaft, wie die gesundheitsbezogene Millenniumsziele der UNO (MDGs) mit verstärkter Anstrengung erreicht werden können."

    Quelle: Zunyou Wu et al.. Evolution of China's response to HIV/AIDS. Lancet 2007; 369: 679-690

    The Lancet vom 23. Februar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Ärzte verpflanzten irrtümlich Organe von Spenderin mit HIV

    Rom - In einem Krankenhaus in Florenz haben Ärzte Organe einer HIV-positiven Spenderin transplantiert. Die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass die drei Empfänger ebenfalls mit dem Erreger der Immunschwächekrankheit Aids infiziert würden, sagte der Leiter der Transplantationsbehörde, Franco Filipponi, laut der Nachrichtenagentur ANSA.

    Die drei Betroffenen hätten Mitte Februar die Leber und je eine Niere einer 41-Jährigen erhalten, die an einer Hirnblutung verstorben war. Die Careggi-Klinik sprach von einem tragischen Irrtum. Als die Organe der Toten auf HIV getestet wurden, sei versehentlich statt des positiven Ergebnisses ein negatives angegeben worden.

    Die betroffenen Patienten würden vorsorglich gegen das HI-Virus behandelt, sagte Klinikleiter Mauro Marabini. Über eine mögliche Infektion wissen sie allerdings erst nach Tests in einigen Monaten Bescheid. Die Staatsanwaltschaft nahm ANSA zufolge Ermittlungen auf.

    Der Skandal ist nicht der erste im italienischen Gesundheitswesen: Im Januar ordneten die Behörden landesweite Prüfungen an, nachdem Medien von katastrophalen Zuständen im größten Krankenhaus Roms berichtet hatten. Auf Bildern waren mit Müll und Hundekot verschmutzte Flure zu sehen, medizinische Befunde lagen frei zugänglich herum und Mitarbeiter rauchten in unmittelbarer Nähe zu Patienten. Nach Polizeiangaben gibt es bei rund 17 Prozent aller italienischen Kliniken schwere Beanstandungen.

    Net Tribune vom 21. Februar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Nanoröhrchen schleusen Gen-Wirkstoff in T-Zellen ein

    Stanford – Einer Arbeitsgruppe um Hongjie Dai von der Stanford University ist es gelungen, mittels so genannter Kohlenstoffnanoröhrchen RNA-Stückchen in menschliche T-Zellen und primäre Blutzellen zu schleusen. Die RNA-Fragmente schalten die Gene für HIV-spezifische Rezeptoren und Co-Rezeptoren der Zelloberfläche ab.

    Ein möglicher Ansatz zur Gentherapie von HIV und anderen Erkrankungen ist so genanntes interferierendes RNA, kurze RNA-Schnipsel, die spezifisch an bestimmte Gene binden und so deren Übersetzung in das entsprechende, mit der Krankheit in Zusammenhang stehende Protein blockieren. Einer der Schwierigkeiten ist das effiziente und gezielte Einschleusen der RNA in die Zellen. Forscher um Hongjie Dai von der Stanford University wählten nun Kohlenstoffnanoröhrchen als Transportmittel. Nach dem Einschleusen der RNA-Stückchen und dem Abschalten der Rezeptoren hatten die HI-Viren kaum noch Möglichkeiten, um in die Zelle zu gelangen, berichten die Wissenschaftler (Angewandte Chemie doi: 10.1002/ange.200604295)

    Um in eine T-Zelle zu gelangen, müssen die Viren zunächst an einen CD4 genannten Rezeptor andocken. Mit beteiligt ist der Co- Rezeptor CXCR4. Mithilfe kurzer interferierender RNA-Stränge lassen sich die CD4- und die CXCR4-Gene der T-Zellen ausschalten. Die T-Zelle stellt dann diese Rezeptoren nicht mehr her und die Viren finden keinen Angriffspunkt auf der Zelloberfläche. Eine HIV-Infektion könnte auf diese Weise deutlich verlangsamt werden. Das Problem ist nach Angaben der Arbeitsgruppe jedoch, die RNA-Schnipsel in die T-Zellen zu schleusen. Eine Möglichkeit sei, die Hüllen nicht pathogener Viren zu verwenden. Allerdings könnten diese Allergien auslösen.

    Liposomen, winzige Fettbläschen, seien eine weitere zwar sichere Möglichkeit, erwiesen sich im Fall von T-Zellen aber als ineffektiv. Dai und seine Kollegen testeten ein neues Transportsystem: Kohlenstoffnanoröhrchen sind dafür bekannt, dass sie gut von Zellen aufgenommen werden und dabei andere Moleküle einschleusen können. Die Forscher knüpften Phospholipide-Moleküle, aus denen auch Zellmembranen aufgebaut sind, an Polyethylenglycol-Ketten. An deren Enden befestigten sie die benötigten RNA-Moleküle. Über eine Schwefel-Schwefel-Brücke seien sie später in der Zelle sehr leicht abzuspalten.

    Deutsches Ärzteblatt vom 21. Februar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Fast ein Prozent der Moldawier sind mit HIV infiziert

    Zahl der Patienten steigt stetig / Armut fördert die Verbreitung der Immunschwäche und erschwert ihre Bekämpfung.

    Balti - In der Nacht ist Tatjana Mutter geworden. In einem kargen Zimmer der Geburtsklinik in Balti hält sie ihren Sohn im Arm. Einen Namen hat er noch nicht. Auf dem Tisch am Fußende stehen zwei Packungen antiretroviraler Medikamente für ihn bereit. Tatjana ist HIV-positiv. Die Medikamente sollen verhindern, dass sich das Aidsvirus auf das Neugeborene überträgt.

    Balti, die zweitgrößte Stadt Moldawiens, hat die höchsten HIV- und Aids-Raten des Landes. Hier sind relativ gerechnet sechs mal mehr Menschen infiziert als im Landesdurchschnitt. Eine starke Drogenszene hat es der Immunschwächekrankheit leicht gemacht, in der 160 000 Einwohner zählenden Stadt Fuß zu fassen. Doch mittlerweile infizieren sich hier wie anderswo in Moldawien mehr Menschen beim ungeschützten Geschlechtsverkehr als durch gemeinsam genutzte Spritzen.

    Die kleine Ex-Sowjetrepublik Moldawien, gelegen zwischen der Ukraine und Rumänien, gilt als ärmstes Land Europas. Bei umgerechnet 42 Euro pro Monat liegt das Durchschnittseinkommen. Die Armut fördert Aids und erschwert die Bekämpfung. Nach offiziellen Angaben sind 29 000 der 4,3 Millionen Moldawier HIV-positiv. Das UN-Aidsprogramm UNAIDS schätzt ihre Zahl auf bis zu 69 000 - das wäre mehr als ein Prozent der Bevölkerung. Und die Zahl der Neuinfektionen steigt. 2005 haben die Behörden mit 444 neu HIV-positiven Menschen beinahe doppelt so viele Patienten registriert wie zwei Jahre zuvor.

    Im Gesundheitszentrum ATIS in Balti informierte sich kürzlich die Frau des Bundespräsidenten und Schirmherrin von UNICEF Deutschland, Eva Luise Köhler, über die Probleme des Lebens mit dem Virus. Die vom UN-Kinderhilfswerk UNICEF unterstützte Einrichtung ATIS ist Anlaufpunkt für mehr als 900 Infizierte. Zur antiretroviralen Therapie müssen die Menschen zwar in die rund 150 Kilometer entfernte Hauptstadt Chisinau fahren. Aber psychologische Beratung, Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch und das Geld für die Fahrkarten gibt es in Balti.

    Weil viele registrierte HIV-Patienten sich die Anreise zu den Aids-Kliniken nicht leisten können, bekommen nur 80 Prozent von ihnen regelmäßig Medikamente. Jugendliche haben vor allem in ländlichen Gegenden so gut wie kaum eine Möglichkeit, Kondome zu kaufen. Nur etwa jeder zweite Moldawier zwischen 15 und 24 schützt sich regelmäßig beim Sex. In der landwirtschaftlich geprägten, konservativen Gesellschaft haben HIV-Infizierte mit Diskriminierung zu kämpfen. Viele verlieren sofort ihren Job, wenn der Arbeitgeber erfährt, dass sie das Virus in sich tragen.

    Swetlana Lebedewa ist HIV-positiv. Und sie sorgt sich um die Bildungschancen für ihre siebenjährigen Zwillinge. Valeri und Tatjana mussten in einen Kindergarten für geistig behinderte Kinder gehen, weil kein anderer bereit war, sie aufzunehmen. Dabei sind die Mädchen gesund. Als sie in die Schule kamen, mussten sie in einem Stadtteil eingeschult werden, in dem Lehrer und Schüler nichts von der HIV-Erkrankung der Mutter wussten. "Man muss den Menschen die Angst im täglichen Umgang mit HIV-infizierten Menschen nehmen", fordert Eva Köhler. Das gehe nur durch Aufklärung.

    Selbst Vorbeugemaßnahmen gegen das Virus stoßen in der moldawischen Gesellschaft und bei Politikern immer noch auf Vorbehalte. Ein UNICEF-Projekt, das an Schulen moderne Sexualaufklärung einführen wollte, wurde von konservativen Parteien und der orthodoxen Kirche erst mal auf Eis gelegt.

    "Wir müssen die öffentliche Meinung gegenüber Menschen, die mit HIV leben, verändern", sagt der UNICEF-Repräsentant in Moldawien, Ray Torres.

    Erste Zeichen gibt es: Staatspräsident Wladimir Woronin äußerte sich zum Weltaidstag am 1. Dezember erstmals im Fernsehen zu der Bedrohung durch Aids.

    Ärzte-Zeitung vom 19. Februar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Europäische Zulassung von Darunavir

    Europäische Zulassung des HIV-Medikaments Darunavir bietet vorbehandelten Patienten eine wirksame neue Option mit FUZEON.

    Basel, Schweiz - Die Kombination aus FUZEON und Darunavir erhöht die Wahrscheinlichkeit, eine nicht nachweisbare Viruslast zu erreichen - ein äußerst wichtiges Therapieziel Die heutige bedingte Zulassung zur Vermarktung des neuen Proteaseinhibitors (PI) Darunavir (geboostert durch Ritonavir) in der Europäischen Union bietet Ärzten die Möglichkeit, eine wirksame neue Behandlungskombination mit dem Fusionsinhibitor FUZEON aufzubauen.

    Die Kombination aus FUZEON und dem geboosterten Darunavir hat gezeigt, dass vorbehandelte Patienten eine bessere Chance haben, eine nicht nachweisbare Viruslast zu erreichen als mit geboostertem Darunavir ohne FUZEON. Dieses äußerst wichtige Therapieziel ist mit besseren Perspektiven verbunden, wurde jedoch für lange Zeit als ein unrealistisches Ziel für Patienten mit einer Resistenz gegen zahlreiche medikamentöse HIV-Behandlungen gehalten. "Es ist klar, dass wir im Jahr 2007 in eine völlig neue Ära eintreten, in der eine nicht nachweisbare Viruslust das primäre Ziel für alle vorbehandelten Patienten ist", sagte Dr. Anton Pozniak, Facharzt am Chelsea and Westminster Hospital, London. "Die Verfügbarkeit neuer wirksamer Therapien wie Darunavir/r in Verbindung mit FUZEON bietet den Patienten eine bessere Chance, dieses Ziel zu erreichen."

    Die wachsende Zahl der Nachweise aus Studien wie TORO 1 und 2, RESIST 1 und 2, POWER 1 und 2 (2) hat dazu geführt, dass in einflussreichen internationalen Richtlinien die Kombination von Arzneimitteln mit einem neuen Wirkungsmechanismus, wie FUZEON, mit einem wirksam geboosterten PI, wie z.B. Darunavir/r, als einer der besten Ansätze für das Erreichen einer nicht nachweisbaren Viruslast bei vorbehandelten Patienten empfohlen wird. (3,4,5,6) Zu den Folgen der Aufrechterhaltung einer zunehmend versagenden Therapie bei einem Patienten, gehört das Auftreten einer Medikamentenresistenz und der rasche Verlust dringend benötigter wirksamer Behandlungen.

    Dr. Malte Schutz, International Medical Leader bei Roche, erklärte weiter: "Wir begrüßen die europäische Zulassung des Arzneimittels Darunavir/r von Tibotec und wir wissen, dass dies eine wichtige Entwicklung für Patienten ist, die unter einer mehrfachen Arzneimittelresistenz leiden und die am dringendsten neue Behandlungsmöglichkeiten brauchen."

    Darunavir, auch als TMC 114 und unter dem Handelsnamen PrezistaTM. bekannt, ist ein Produkt von Tibotec Pharmaceuticals Ltd., einem Unternehmensbereich von Janssen-Cilag. Darunavir gehört zur Klasse der PI und ist bekanntermaßen wirksam gegen ein Virus, das eine Resistenz gegen andere PIs entwickelt hat. Die Boosterung von PIs ist eine therapeutische Strategie, wobei eine geringe Dosis Ritonavir gleichzeitig mit einem anderen PI verabreicht wird, um die Wirkung des letzteren PI durch die Hemmung des Enzymzytochroms P450 pharmakologisch zu verbessern. Die Boosterung durch Ritonavir führt zu erhöhten Medikamentspiegeln, welche die Wirksamkeit steigern, die Tablettenbelastung senken, den Dosierungsplan flexibler gestalten lassen und Diätbeschränkungen aufheben können. Um anzuzeigen, dass ein PI durch Ritonavir geboostert wurde, wird das Zeichen "/r" dem Namen des PIs nachgestellt.

    Literaturhinweise:
    1. Lohse N, Kronborg G, Gerstoft J, et al. Virological control during the first 6-18 months after initiating highly active antiretroviral therapy as a predictor for outcome in HIV-infected patients: a Danish, population-based, 6-year follow-up study. CID 2006; 42:136-144.
    2. Youle M, Staszewski S, Clotet B et al. Concomitant use of an active boosted protease inhibitor with enfuvirtide in treatment-experienced, HIV-infected individuals: recent data and consensus recommendations. HIV Clinical Trials 2006: 7: 86-96.
    3. The Panel on Clinical Practices for Treatment of HIV Infection convened by the Department of Health and Human Services (DHHS). Guidelines for the Use of Antiretroviral Agents in HIV-1-Infected Adults and Adolescents. May 4, 2006 http://AIDSinfo.nih.gov (accessed August 10 2006).
    4. Recommandations du groupe d'experts sous la direction du Professeur Patrick Yeni réalisé avec le soutien du Ministère de la Santé et des Solidarités. Prise en charge médicale des personnes infectées par le VIH. 2006: 46.
    5. Hammer SM, Saag MS, Schechter M et al. Treatment for adult HIV infection: 2006 recommendations of the International AIDS Society - USA panel. JAMA, 2006;296:827-843.
    6. British HIV Association (BHIVA) guidelines for the treatment of HIV-infected adults with antiretroviral therapy. British HIV Association HIV Medicine (2006) 7, 494.

    campus-med vom 17. Februar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Afrika: Daten aus HIV-Tests oder -Beratungen fragwürdig

    Daten aus freiwilligen HIV-Beratungen und Testkliniken sind für die HIV-Überwachung in Afrika nicht geeignet, so ein Standpunkt in der aktuellen Ausgabe von The Lancet.

    Die schnelle Ausbreitung der antiretroviralen Behandlung HIV-infizierter Erwachsener, die von verschiedenen internationalen Initiativen unterstützt wurde, fordert eine Verstärkung der freiwilligen HIV-Beratungs- und Test-Angebote. Eine ausgedehntere medizinische Versorgung, die Verpflichtung, die Bedürfnisse der Geldgeber in Hinblick auf Programmüberwachung und Begutachtungen zu erfüllen und der Wunsch, die Auswirkung HIV-bedingter Interventionen auf die Entwicklung der Epidemie zu messen, haben zu Vorschlägen geführt, Daten aus diesen HIV-Kliniken und zum Verhalten der Menschen zu nutzen.

    Gabriel Mwaluko vom Tanzania Netherlands Project to Support HIV/AIDS Control in Mwanza, Tanzania und seine Kollegen glauben, dass die Verwendung dieser Daten nicht sachgemäß ist. Sie argumentieren, dass diese Daten von Natur aus voreingenommen sind, und dass ihre Sammlung die Funktion der Kliniken kompromittieren könnte. Wie die Daten zur HIV-Prävalenz von diesen Kliniken interpretiert werden sollten, ist nicht klar, da sie beeinflusst wird durch die Auswahl der Patienten, die sich testen lassen, sowie durch die zugrunde liegende HIV-Prävalenz der Bevölkerung. Beide Punkte verändern sich wahrscheinlich mit der Zeit, weshalb Schätzungen von Prävalenz und Trends höchstwahrscheinlich befangen sind.

    Außerdem erklären die Autoren, dass die Sammlung der Daten von verschiedenen Beratungs- und Testeinrichtungen zur Erstellung nationaler Schätzungen Probleme aufwirft. Die Daten von Patienten, die von einer Krankenstation zu einem Testcenter eines Krankenhauses überwiesen werden, unterscheiden sich von denen einer Ambulanz auf dem Land; diese wiederum unterscheiden sich von den Daten der Frauen, die Wege zu Vermeidung der HIV-Übertragung von der Mutter auf das Kind suchen. Nach Meinung der Autoren könnte die detaillierte Datenerhebung des Sexualverhaltens der HIV-Patienten helfen, die Einseitigkeit der HIV-Prävalenz zu beurteilen. Die Notwendigkeit, detaillierte und strukturierte Fragen zum Sexualverhalten zu stellen, entspricht jedoch nicht dem Ethos von freiwilliger Beratung und Test. Daten, die erhoben werden, wenn Personen emotional gestresst sind, sind bekannterweise unzuverlässig. Die Autoren erklären, dass diese Daten besser gesellschaftsweit erhoben werden sollten - wie zum Beispiel in Umfragen zu Demografie und Gesundheit, die in vielen afrikanischen Ländern durchgeführt wurden. Hier sollten Fragen nach der Untersuchungshistorie und dem Sexualverhalten gestellt werden. So wären freiwillige Beratungs- und Testeinrichtugen nicht überlastet.

    Die Autoren erklären: "Angesichts der Probleme sowohl der Gewinnung als auch der Interpretation von Überwachungsdaten aus freiwilligen HIV-Beratungs- und Test-Zentren sollte Umsicht walten, bevor eine Ausweitung der ständigen Datenerfassung durch die HIV-Beratungs- und Test-Zentren empfohlen wird. Viele Länder brauchen eine gut geplante, aber einfache Datenerhebung, um sicherzustellen, dass sinnvolle und bedeutungsvolle Daten gesammelt und doppelte Datensätze eliminiert werden."

    Quelle: Gabriel Mwaluko and others. Use of data from HIV counselling and testing services for HIV surveillance in Africa. Lancet 2007; 369: 612

    The Lancet vom 16. Februar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV attackiert bei Frauen zwei Zelltypen gleichzeitig

    Neue Hoffnung für Entwicklung wirksamer Medikamente.

    Wien - Ein internationales Forscherteam hat erstmals gezeigt, über welche Zellen das HI-Virus bei vaginalem Geschlechtsverkehr in den menschlichen Körper eindringt. In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Immunity http://www.immunity.com/ berichten die Wissenschaftler, dass das Virus zunächst zwei Abwehrzellen des Immunsystems auf der Schleimhaut der Vagina attackiert und infiziert. "Das ist ein wichtiges Forschungsergebnis", sagt Ron Veazey, Pathologe am Tulane National Primate Research Center in Covington/Louisiana, wo er HIV-ähnliche Viren bei Affen untersucht. "Denn zuvor gab es viele Diskussionen darüber, welche Zellen als erstes infiziert werden."

    Vaginaler Geschlechtsverkehr ist die wichtigste Ursache für eine HIV-Ansteckung bei Frauen. Da die Schleimhaut der Vagina dabei die erste Barriere ist, die das Virus überwinden muss, untersuchten die Wissenschaftler Proben, die während chirurgischer Eingriffe entfernt worden waren. Dazu lösten sie die äußere Oberfläche vom darunter liegenden Gewebe. Dieses setzten sie dem HI-Virus aus, das sie zuvor mit einem leuchtenden Farbstoff markiert hatten. So konnten die Forscher beobachten, welche Zellen durch HIV infiziert worden waren.

    Wie die Forscher feststellten, attackierte das Virus zunächst die speziellen CD4+ T-Zellen des Immunsystems und infizierte mehr als die Hälfte von ihnen. Zugleich befiel das Virus auch Langerhans-Zellen, die ebenfalls Teil der Immunabwehr sind. Die genauen Infektionsmechanismen bleiben aber weiterhin ungeklärt. "Die Studie zeigt, dass das HI-Virus bei der Infektion zwischen zwei Zellen wählen kann", sagt Projektleiterin Julie McElrath von der University of Washington. "Aussichtsreiche Strategien müssen deshalb die Infektion beider Zellen verhindern." Die Forscher hoffen nun, dass die neuen Forschungsergebnisse bei der Entwicklung wirksamer Medikamente und Impfstoffe gegen das HI-Virus helfen können.

    Pressetext Austria vom 16. Februar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Schwachpunkt im HI-Virus entdeckt

    US-amerikanische Forscher haben möglicherweise eine Schwachstelle im HI-Virus entdeckt, die ein Ansatzpunkt für eine Impfung gegen die tödliche Immunschwäche sein könnte.

    Aufnahmen auf atomarer Ebene zeigten, dass sich bei dem äußerst wandelbaren Virus die Spitze eines Dorns, der zum Andocken an Körperzellen benutzt wird, nicht verändert. Dies könne "eine Lücke in der Rüstung des HI-Virus" sein, schreiben die Forscher um Peter D. Kwong vom Nationalen US-Institut für Allergien und ansteckende Krankheiten. Sie sprechen von "einer kritischen Stelle der Verletzlichkeit des Virus, die wir möglicherweise mit Impfstoffen angreifen können".

    Virus: Sehr wandelbar, schwer angreifbar
    Das HI-Virus mutiert ständig. Außerdem hat es eine Art Schutzhülle aus Zucker-Molekülen, die Antikörper daran hindert, sich an das Virus zu binden und es unschädlich zu machen. Versuche, einen Impfstoff zu entwickeln, waren möglicherweise deshalb in den vergangenen 20 Jahren nicht erfolgreich.

    Achillesferse entdeckt?
    Durch ihre Aufnahmen auf atomarer Ebene machten die US-Forscher nun eine zugängliche Stelle aus, die sich nicht verändert und damit angreifbar ist. Es handelt sich dabei um einen Teil des Glykoproteins 120 (GP120) und kann durch einen b12 genannten Antikörper lokalisiert werden. B12 wird bei Menschen gefunden, die das im Körper befindliche AIDS-Virus sehr lange in Schach halten können.

    Mögliche Verletzlichkeit
    Wayne Koff von der Internationalen AIDS-Impf-Initiative (IAVI), von der die Forschungen unterstützt wurden, sagte zu der wissenschaftlichen Arbeit, die Entdeckung habe viel versprechende Wege im Kampf gegen das Virus eröffnet. "Diese Arbeit legt eine mögliche Verletzlichkeit von HIV offen, die uns einen wichtigen Hinweis für die Richtung bei der Entwicklung neuer Impfstoff-Konzepte gibt."

    Der Artikel "Structural definition of a conserved neutralization epitope on HIV-1 gp120" ist in der Fachzeitschrift "Nature" (Bd. 445, S. 732, 15. Februar 2007) erschienen.
    Abstract unter: http://dx.doi.org/10.1038/nature05580

    Science ORF vom 15. Februar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV Primärinfektion zerstört die besten Abwehrzellen

    von Pietro Vernazza

    Wenn es zur Infektion mit HIV kommt, vermehrt sich das HIV-Virus im Körper rasant und es kommt zur sog. "primären [akuten] HIV-Infektion" (PHI). Während dieser entscheidenden Phase der Infektion laufen sehr viel irreversible Vorgänge ab. Ein neuer derartiger Vorgang wurde soeben im JVirol online publiziert.

    Mehr als 70% der frisch infizierten Personen machen Tage bis Wochen nach der Ansteckung das klinische Bild einer PHI durch. Dieses klinische Bild wird meist als banaler grippaler Infekt verpasst. Leider! Denn während dieser Zeit von wenigen Wochen schafft es das Virus, die gegen das Virus gerichtete Immunantwort vollständig lahmzulegen. Das Virus macht dies mit verschiedenen Methoden:

    • Das Virus infiziert und zerstört sehr selektiv die für HIV-spezifischen CD4-Zellen.
    • Das Virus zerstört praktisch das gesamte lymphatische System des Darmes.
    • Während der Frühphase der Infektion werden immunologisch besonders wertvolle CD4 Zellen (sog. CD127-hi) selektiv zerstört.

    Diese pathophysiologischen Zusammenhänge könnten ein Argument sein, bereits während einer akuten HIV-Infektion eine HIV-Therapie einzuleiten. Die Hoffung ist, dass wir einmal eine therapeutische Vaccine haben und dann haben diejenigen Personen, bei welchen diese Zerstörungen noch nicht erfolgt sind, vermutlich die beste Ausgangslage.

    Ein zweiter wichtiger Grund aufmerksam zu sein und PHI rechtzeitig zu erkennen: Während dieser frühen Phase der Erkrankung ist die HIV-Transmissionsrate massiv erhöht (vgl. HIV-Primärinfektion: Wichtige Diagnose für HIV-Prävention). In der Schweiz gehen ca. 1/3 aller neuen Infektionen von Personen aus, welche ebenfalls eine PHI hatten.

    Eine neue interessante Beobachtung
    Nun wurde im J Virology eine neue Beobachtung beschrieben, welche ebenfalls in die gleiche Richtung zeigt. Offenbar werden auch die CD8-Zellen teilweise zerstört und auch diese Zerstörung scheint sehr selektiv voranzugehen: Die Autoren dieser Arbeit fanden, dass die Funktionalität der CD8 Zellen während der akuten HIV-Infektion viel besser ist als in späten, chronischen Phasen der Infektion. Diese Funktionalität äußert sich in einer stärkeren Avidität (Bindungsstärke) der CD8 Zellen für ihr spezifisches Antigen (HIV).

    Hochavide CD8-Zellen selektiv zerstört
    Die Autoren haben nicht nur zeigen könnten, dass die Avidität der CD8 Zellen in der PHI höher ist. Sie konnten auch zeigen, dass es sich um einen Klon von Zellen handelt, der in der chronischen Phase der HIV-Infektion nicht mehr vorhanden ist. Mit anderen Worten, diese hohe Avidität ist eine Eigenschaft spezifischer Zellen und nicht etwas, was die CD8-Zellen lernen oder vergessen können.

    Outcome assoziiert mit Avidität von CD8
    Als wichtige prognostische Größe sehen wir ja die HIV-Viruskonzentration an, welche sich bei jedem Individuum auf einen unterschiedlichen, aber stabilen Wert einpendelt. Dieser Wert korreliert nun während der chronischen Infektion mit der Avidität der HIV-spezifischen CD8 Zellen. Es scheint also, dass diese Zellen tatsächlich wichtig sind für eine erfolgreiche Auseinandersetzung mit der HIV-Infektion.

    Es handelt sich um eine Untersuchung an 30 Patienten. Eine große Zahl, wenn man bedenkt, dass von allen Proben während der PHI tiefgefroren werden mussten. Die Bedeutung dieser Beobachtung für die Entwicklung von Impfstoffen und für den individuellen Verlauf muss aber noch untersucht werden. Weiter wäre interessant, ob diese aviden CD8 Klone durch eine sofortige HIV-Therapie erhalten bleiben können.

    Quelle: Lichterfeld et al, J Virol. 2007 Feb 7

    Infektiologie am Kantonsspital in St.Gallen vom 13. Februar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Taten statt Worthülsen!

    Tübingen - Anlässlich des heutigen G7-Finanzministertreffensin Essen fordern Nichtregierungsorganisationen (NRO) verbindliche Pläne zur Finanzierung von Entwicklungshilfe und zur HIV/Aids-Bekämpfung sowie einen Schuldenerlass für die ärmsten Entwicklungsländer. Bei einer gemeinsamen Aktion kritisieren das Aktionsbündnis gegen AIDS, die Aktion "Deine Stimme gegen Armut" und das Bündnis für Entschuldung (erlassjahr.de), dass die G7/G8-Staatengruppe bisher zu wenig zur Umsetzung ihres 2005 verkündeten Programms zur Armutsbekämpfung unternommen habe.

    Für Bernd Bornhorst von der Aktion "Deine Stimme gegen Armut" ist die deutsche G8-Präsidentschaft eine ideale Gelegenheit zur Einlösung der entwicklungspolitischen Versprechen, die die Staatengruppe 2005 auf ihrem Gipfel in Gleneagles gemacht habe. "Wir brauchen dringend eine Roadmap für die weltweite Armutsbekämpfung. Bisher ist unklar, wie die G8-Staaten ihr Ziel erreichen wollen, bis 2015 0,7 Prozent ihres Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung zu stellen." "Deine Stimme gegen Armut" fordert daher von den G7-Finanzministern einen verbindlichen Plan zur Steigerung der Entwicklungshilfegelder und die Einführung neuer Finanzierungsmechanismen. "Das ist der richtige Moment, um eine Initiative zur Nutzung innovativer Finanzierungsinstrumente zu starten. Nur so können die versprochene Steigerung der Entwicklungszusammenarbeit erreicht und Millionen Menschenleben gerettet werden", so Bornhorst. Als erster Schritt könnten durch eine Flugticketabgabe schnell und wirksam Mittel für die Armutsbekämpfung bereitgestellt werden, sagte ein Vertreter der "Deine Stimme gegen Armut".

    Als "Mogelpackung" bezeichnet erlassjahr.de den in Gleneagles verkündeten vollständigen Schuldenerlass. "Gleneagles hat die Ketten der Verschuldung nicht durchbrochen", kritisiert Jürgen Kaiser von dem Entschuldungsbündnis. "Durch das Kleingedruckte in den Bestimmungen der 2005 beschlossenen Entschuldungsinitiativen HIPC und MDRI beträgt die Entlastung nicht etwa 100, sondern je nach Staat nur30 bis 80 Prozent. Außerdem schließen sie eine Reihe verschuldeter Staaten aus", so Kaiser weiter. erlassjahr.de fordert vor möglichen Schuldenerlassen daher die Streichung illegitimer Schulden, die zweifelhaften Ursprungs seien und für die Menschen in den betroffenen Ländern nur zweifelhaften Nutzen gebracht hätten.

    Bei den verbleibenden tatsächlichen Schulden müsse es ein faires und transparentes Schiedsverfahren für Gläubiger und Schuldner geben, verlangt Kaiser. Das Aktionsbündnis gegen AIDS kritisiert, dass die Hoffnungen, die Millionen Menschen 2005 in die G8 gesetzt hätten, bislang unerfüllt geblieben seien. "In Gleneagles haben die Staats- und Regierungschefs angekündigt, dass bis zum Jahr 2010 alle Menschen Zugang zu HIV-Prävention und Aids-Behandlung haben sollen. Wenn die G7-Staaten diesem Versprechen keinen handfesten Finanzierungsplan zur Seite stellen, bleibt es nur eine Worthülse", sagte die politische Koordinatorin des Aktionsbündnisses Katja Roll. "Obwohl die reichsten Länder der Welt seit 2001 jedes Jahr neue Versprechen zur Ausweitung der weltweiten Aids-Bekämpfung gegeben haben, bleibt die Finanzierung der Pferdefuß der Aidsarbeit", beklagte Roll.

    So kranke der 2001 von den G8 initiierte Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria nach wie vor an unzureichenden Finanzierungszusagen. Das Aktionsbündnis gegen AIDS fordert deshalb die Verabschiedung eines verbindlichen Finanzierungsplans zur Umsetzung des universellen Zugangs zu HIV-Prävention und Aids-Behandlung für alle Menschen. Nach Schätzungen von UNAIDS und der Weltgesundheitsorganisation sind zur weltweiten Aids-Bekämpfung in diesem Jahr 18,1 Milliarden US-Dollar nötig. Bislang bleibt mehr als die Hälfte dieses Finanzierungsbedarfes ungedeckt.

    Hintergrund
    Deine Stimme gegen Armut ist eine gemeinsame Aktion von VENRO als Dachverband von rund 100 deutschen entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen, dem Künstler Herbert Grönemeyer und befreundeten Fachleuten aus der PR- und Medienbranche. Sie fordern die Bundesregierung zu mehr Engagement bei der Realisierung der Millenniumsziele auf. Die Aktion versteht sich als Teil des "Global Call to Action against Poverty" (GCAP), einem zivilgesellschaftlichen Bündnis in über 112 Ländern. Überall und immer steht das "Weiße Band" als Symbol für die weltweite Kampagne. Weitere Informationen auf www.deine-stimme-gegen-armut.de

    Das Aktionsbündnis gegen AIDS ist ein Zusammenschluss von über 100kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen der Aids- und Entwicklungszusammenarbeit sowie mehr als 270 Basisgruppen. Gemeinsamwollen sie Politik und Pharmaindustrie stärker in die Verantwortung für den Kampf gegen HIV/Aids nehmen. Der Ausbau der finanziellen Ressourcen zur weltweiten HIV-Prävention und Aids-Bekämpfung und der weltweite Zugang zur Therapie sind die zentralen Anliegen der Kampagne des Bündnisses. Weitere Informationen auf www.aids-kampagne.de

    erlassjahr.de - Entwicklung braucht Entschuldung ist ein breites gesellschaftliches Bündnis. Zu den rund 850 Mitträgerorganisationen gehören Landeskirchen, Diözesen, entwicklungspolitische Organisationen, Eine-Welt-Gruppen, Kirchengemeinden und Weltläden. erlassjahr.de ist eingebunden in ein weltweites Netzwerk von über 50 ähnlichen Kampagnen und Bündnissen. Sie alle wollen es nicht hinnehmen, dass untragbar hohe Schulden in vielen Ländern des Südens wichtige Investitionen in Gesundheit, Bildung und Infrastruktur unmöglich machen.

    Aktionsbündnis gegen AIDS - Pressemeldung vom 13. Februar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Positive Immunreaktionen auf die DNS-/MVA-AIDS-Impfstoffe

    Planung für Phase-2-Studien beschleunigt.

    Atlanta - GeoVax Labs, Inc., ein Biotechnologieunternehmen mit Firmensitz in Atlanta, meldete erfolgreiche frühe Ergebnisse von zwei laufenden Phase-I-Humanimpfstudien zur Verhinderung von AIDS. Ergebnisse der ersten niedrigdosierten Studie weisen auf ein gutes Sicherheitsprofil hin, sowie auf positive Immunreaktionen bei freiwilligen Testpersonen. Diesen wurde 1/10 der Dosis des AIDS-Impfstoffs von GeoVax verabreicht. Ergebnisse einer zweiten, grösseren Studie mit der vollen Dosis deuten auf ein gutes Sicherheitsprofil bei Teilnehmern hin. Die GeoVax-Impfstoffe, die getestet werden, sind darauf ausgelegt, die Entwicklung von AIDS ("Acquired Immunodeficiency Disease") zu vermeiden. Die Krankheit wird von einem Virus namens HIV-1 ausgelöst. Der Impfstoff wird Personen vor einer Infektion mit dem AIDS-Virus verabreicht.

    Frühe Ergebnisse der vorbeugenden HIV-/AIDS-Humanimpfstudien von GeoVax:
     

    • Anzeichen für ein sehr akzeptables Sicherheitsprofil bei einer laufenden Studie mit 1/10 Dosis, die im April 2006 eingeleitet wurde
    • Anzeichen, dass so wenig wie 1/10 einer vollen Dosis des HIV-/AIDS-Impfstoffes von GeoVax potenziell schützende Anti-HIV-1-Immunreaktionen bei einer Mehrheit der Impfstoffempfänger auslöst
    • Hinweise auf ein akzeptables Sicherheitsprofil in einer laufenden Volldosisstudie, die im September 2006 eingeleitet wurde
    • Hinweis darauf, dass eine volle Dosis des Impfstoffes bei Teilnehmern der Volldosisstudie eine noch bessere Immunreaktion auslöst; Daten werden noch 2007 erwartet
    • Unterstützung für eine beschleunigte Planung für eine groß angelegte Phase-II-Humanstudie, an der mehr als 300 Teilnehmer in Nord- und Südamerika sowie in der Karibik teilnehmen sollen, mit einem früheren Starttermin als ursprünglich geplant


    Die Studie mit 1/10 Dosis, die im April 2006 eingeleitet wurde, untersucht die AIDS-Impfstoffe von GeoVax vor allem auf ihre Sicherheit und potenzielle Wirksamkeit als präventiver Impfstoff hin. Er wird an Personen vor einer Infektion mit dem HIV-1-Virus verabreicht und verhindert so die Entwicklung von AIDS. Eine positive humane Immunreaktion auf den Impfstoff wird durch das Vorhandensein von Antikörpern und T-Zellen (weißen Blutkörperchen), die virale Infektionen erkennen und kontrollieren, nachgewiesen.

    "Die ersten positiven Immunreaktionen von sechs Freiwilligen, die nur 1/10 der Dosis des Impfstoffs erhalten, sind sehr vielversprechend", sagte Dr. Harriet Robinson, Chief Scientific Advisor von GeoVax und Entwicklerin des AIDS-Impfstoffs. "Diese Studiengruppe bestand aus 11 Freiwilligen, von denen zwei Personen als Teil der Blindstudie keinen Impfstoff erhielten. In dieser Gruppe wurde nur 1/10 einer Dosis des DNS-Impfstoffes von GeoVax in Woche 0 und in Woche 8 verabreicht, um die Immunreaktion zu kalibrieren. Die Immunreaktion wurde dann durch die Verabreichung einer 1/10 Dosis des MVA-Impfstoffes von GeoVax in Woche 16 und Woche 24 gesteigert."

    Die Impfreaktion wurde in Tests bestimmt, die an humanen Blutproben durchgeführt wurden, die nach der Impfung entnommen wurden. Diese Untersuchungen wurden am Emory University Vaccine Center unter der Leitung von of Dr. Harriet Robinson durchgeführt.

    Auf Basis der ausgezeichneten Sicherheit, die in der Impfstudie mit 1/10 Dosis nachgewiesen wurde, wurde im September 2006 eine Humanstudie mit voller Dosis eingeleitet. Bisher wurden 36 Freiwillige für die Studie rekrutiert. Von diesen Freiwilligen erhielten 30 den Impfstoff, während sechs Kontrollpersonen ein Placebo (keinen Impfstoff) erhielten. Die volle Dosis des AIDS-Impfstoffs entspricht ungefähr der Dosismenge, die 22 von 23 (96 %) nicht-humane Primaten mehr als 3½ Jahre vor der Entwicklung von AIDS schützte. Die Immunreaktion, die bei der Mehrheit der Freiwilligen generiert wurde, die 1/10 der Dosis des Impfstoffes von GeoVax erhielten, weist darauf hin, dass die Impfstoffe bei Verabreichung der vollen Dosis hervorragende Reaktionen hervorrufen könnte.

    Weitere Informationen über die Studie mit der vollen Dosis werden bei Verfügbarkeit im Laufe des Jahres 2007 bekannt gegeben. Die AIDS-Impfstoffe von GeoVax enthalten nur einen Teil des HIV-1-Virus und können AIDS nicht auslösen. Diese Impfstoffe enthalten die drei Hauptgene des HIV-1-/AIDS-Virus und ahmen tatsächliche Virusinfektionen nach, indem Sie nichtinfektiöse HIV-ähnliche Partikel in geimpften Personen produzieren.

    Die Humanstudien, die die AIDS-Impfstoffe von GeoVax einsetzen, werden vom HIV Vaccine Trials Network (HVTN) mit Sitz in Seattle im US-Bundesstaat Washington durchgeführt. Das HVTN, das von den National Institutes of Health gegründet wurde und unterstützt wird, ist das größte Programm für klinische Studien weltweit, das sich der Entwicklung und dem Testen von HIV-/ AIDS-Impfstoffen verschrieben hat. Vorklinische Arbeiten, die die Entwicklung der klinischen Auswertung der DNS- und MVA-Impfstoffe von GeoVax ermöglichen, wurde auch von den National Institutes of Health und dem National Institute of Allergy and Infectious Diseases finanziert und unterstützt.

    PR Newswire Europe Ltd. - GeoVax Labs, Inc. Pressemeldung vom 11. Februar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Größter AIDS-Impfstofftest gestartet

    In Südafrika hat der bisher größte afrikanische Test eines Impfstoffes gegen das AIDS-Virus HIV begonnen. In den nächsten viereinhalb Jahren sollen sich 3.000 Menschen daran beteiligen. Das teilten die Initiatoren am Donnerstag mit. Südafrika ist nach Indien das am stärksten von der Immunschwäche getroffene Land. Die Untersuchung wird unter anderem von der südafrikanischen AIDS-Impfstoff-Initiative (SAAVI) betreut und von den US-Gesundheitsbehörden (NIH) unterstützt.

    Impfstoff mit drei Erbanlagen der Viren
    Das Präparat HVTN 503 wird von dem Pharmahersteller Merck & Co. Inc. (Whitehouse Station/US-Staat New Jersey) geliefert. Der Impfstoff enthält, wie ähnliche Präparate auch, keine abgeschwächten HI-Viren, sondern nur drei seiner Erbanlagen. Das soll auf jeden Fall verhindern, dass sich einer der Teilnehmer durch die Impfung infiziert.

    Endergebnisse nicht vor 2011
    Bei dem Versuch erhalten einige Testkandidaten harmlose Placebo-Injektionen, andere bekommen den Impfstoff. Die Teilnehmer müssen im Versuchszeitraum neun Mal zur Untersuchung in die Klinik, erhalten insgesamt drei Injektionen und müssen sieben Blutabnahmen über sich ergehen lassen.

    Die abschließenden Ergebnisse werden nicht vor 2011 erwartet. Bei dem Versuch handelt es sich um eine Phase II Studie. Von ihren Resultaten hängt es ab, ob sich eine Phase III Studie anschließt - dies wäre eine Voraussetzung für ein zulassungsfähiges Präparat. Das AIDS-Virus HIV ist extrem schwierig zu bekämpfen, weil es sich besonders schnell wandelt und dem Immunsystem des Menschen damit immer wieder entkommt.

    Science ORF vom 9. Februar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zugang zu Medikamenten in Gefahr

    Ärzte ohne Grenzen fordern den Pharmakonzern Novartis auf, Patentrechtsklage fallen zu lassen.

    Menschen in den ärmsten Ländern der Welt sind auf kostengünstige Medikamente angewiesen, die in Indien produziert werden. Der Zugang zu diesen preiswerten Arzneimitteln ist nun durch eine Klage des Pharmaunternehmens Novartis gegen das indische Patentrecht bedroht. Ärzte ohne Grenzen reagierte darauf mit einer Kampagne.

    Mehr als die Hälfte der in den Ländern des Südens eingesetzten HIV/Aids-Medikamente stammen aus Indien. „Novartis versucht, die Apotheke der Armen zu schließen“, sagt Unni Karunakara, medizinischer Direktor der Medikamenten-Kampagne von Ärzte ohne Grenzen. „Indische Generika sind das Rückgrat unserer HIV/Aids-Programme in 30 Ländern. Von den mehr als 80.000 Patienten, die wir behandeln, erhalten 80 Prozent indische Nachahmerprodukte. Wir können nicht zulassen, dass Novartis ihnen den Versorgungshahn zudreht.“

    Hintergrund. Indien gewährt gemäß dem Abkommen der Welthandelsorganisation zum Schutz des geistigen Eigentums (TRIPS-Abkommen) seit 2005 Patente auf Medikamente. Gleichzeitig nutzt die indische Regierung aber, der ebenfalls durch die Welthandelsorganisation verabschiedeten Erklärung von Doha folgend, vorhandene Schutzmechanismen zur Sicherstellung des Medikamentenzugangs und der öffentlichen Gesundheit. So soll eine Klausel des indischen Patentrechts verhindern, dass Patentmonopole für geringfügige Weiterentwicklungen bereits bekannter Verbindungen erteilt werden. Novartis greift diesen Passus mit seiner Klage nun an. Wenn das Unternehmen Erfolg hat, würden in Indien künftig weitaus mehr Patentmonopole vergeben und der Zugang zu lebensnotwendigen Generika wäre für Patienten in ärmeren Ländern erheblich eingeschränkt. Von einer Änderung des bestehenden Patentrechts wäre auch eine Reihe wichtiger neuer HIV/Aids-Medikamente betroffen, was eine Behandlung in den Ländern des Südens unbezahlbar machen könnte.

    Die internationale Online-Petition von Ärzte ohne Grenzen kann unterzeichnet werden unter: www.aerzte-ohne-grenzen.at

    Kirchenzeitung Linz vom 8. Februar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Südafrika will Rückschlag bei Aids-Wirkstoff untersuchen

    Johannesburg - Nach einem schweren Rückschlag bei der Suche nach einem neuartigen Schutz gegen Aids hat Südafrikas Regierung eine Untersuchung angeordnet. In der Provinz KwaZulu-Natal hatten 604 Frauen an den klinischen Studien mit dem Wirkstoff Zellulosesulfat teilgenommen.

    Statt das Risiko für eine Infektion mit dem Aidsvirus HIV zu verringern, erhöhte die Substanz scheinbar die Infektionsgefahr. Die Studien wurden daraufhin abgebrochen.

    Gesundheitsministerin Manto Tshabalala-Msimang forderte eine umgehende Prüfung der Umstände der Tests. In einer Erklärung Tshabalala-Msimangs heißt es: «Obwohl wir Innovation durch medizinischen Fortschritt unterstützen, ist Südafrikas Regierung entschlossen sicherzustellen, dass die Gesundheit unserer Menschen dabei nicht beeinträchtigt wird.»

    Die Studien - im ersten Fall mit Teilnehmerinnen in Benin, Indien, Südafrika und Uganda sowie im zweiten Fall in Nigeria - suchten nach einem wirksamen Mikrobizid. Solche Gele sind unsichtbar, sie riechen und schmecken nach nichts. Derartige «chemische Kondome» sollen es Frauen ermöglichen, sich unabhängig von der Zustimmung des Mannes vor einer HIV-Infektion zu schützen. In Afrika verhindert die oft schlechte soziale Stellung der Frauen, dass sie sich gegen ungeschützten Sex zur Wehr setzen können.

    Statt des erwünschten Effektes zeigten sich in der Frauengruppe mit dem Wirkstoff im Gel allerdings mehr Infektionen als in der Gruppe mit einem wirkungslosen Scheinpräparat (Placebo).

    Yahoo News vom 6. Februar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    China stellt Aids-Ärztin unter Hausarrest

    Peking - Die pensionierte chinesische Professorin Gao Yaojie, die wegen ihres Einsatzes für Aids-Patienten in China zu einer Preisverleihung in die USA reisen sollte, ist unter Hausarrest gesetzt worden.

    Die 79-Jährige werde daran gehindert, einer Einladung von US-Senatorin Hillary Clinton und der von ihr gegründeten Einrichtung Vital Voices zu folgen, berichteten gestern Freunde.

    Die Organisation will der Ärztin im März einen Preis für ihre Arbeit zur Aids-Aufklärung verleihen. Die Ärztin hatte mitgeholfen, den Aids-Skandal in der Provinz Henan aufzudecken, wo sich in den 80er und 90er Jahren Zehntausende durch verseuchte Blutspenden infiziert hatten.

    Ärzte Zeitung vom 6. Februar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Anti-Aids-Gel Test erfolglos

    WHO und UNAIDS: Mikrobizid erweist sich als gefährlich

    Genf - Klinische Tests eines so genannten Mikrobizids, das Frauen vor einer HIV-Infektion hätte schützen sollen, sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO http://www.who.int und der United Nations AIDS (UNAIDS) http://www.unaids.org nun in Afrika und Indien gestoppt worden. Das Medikament erwies sich im Vergleich zu einem Placebo als nicht wirksam. Die beiden Hilfsorganisationen erklärten, dass es nicht klar sei, warum das viel versprechende Mikrobizid, das aus Meeresalgen gewonnen wird, nicht funktionierte.

    Mehr als 1.300 Frauen in Südafrika, Uganda, Benin und Indien hatten an dem Test, der von der non-profit-Organisation CONRAD http://www.conrad.org gesponsert wurde, teilgenommen. Eine zweite Studie in Nigeria musste ebenfalls abgebrochen werden. Die Experten sind über den Ausgang der Untersuchungen sehr enttäuscht, da Zellulose-Sulfat als einer der vier Wirkstoffe sehr zuversichtlich schien, schreibt UNAIDS in seiner Aussendung. Der Abbruch der Phase-3 Tests war allerdings erforderlich, das die Zahl der Infektionen bei jenen Frauen, die das Gel angewendet hatten, höher war, als bei jenen die nur ein Placebo nahmen. Seitens der WHO reagierte man mit großer Enttäuschung. "Genaue Ursachen für das Scheitern des Tests sind bis dato nicht bekannt", so ein WHO-Sprecher. Ein offizieller Bericht werde frühestens im März erwartet.

    Derzeit sind aber weitere drei Phase-3 Studien von Mikrobiziden im Gang. Die so genannte Carraguard Studie, die vom Population Council an drei verschiedenen Orten in Südafrika durchgeführt wird, soll Ende des Jahres erste Ergebnisse liefern. Ein anderes Produkt mit dem Namen PRO-2000 wird derzeit in Südafrika, Tansania und Uganda sowie in Malawi, Sambia und Zimbabwe klinisch getestet. Alle Produkte sollen einer HIV Infektion vorbeugen und arbeiten nach demselben Prinzip.

    Mikrobizide sind chemische Substanzen, die Mikroben abtöten und zur Eindämmung sexuell übertragbarer Erkrankungen führen sollten. Die Substanzen werden in Form von Gels appliziert. Dabei sollen vor allem auch Frauen die Möglichkeit bekommen, sich gegen eine eventuelle HIV-Ansteckung zu schützen. Vor allem in ärmeren Ländern, in denen die HIV-Rate hoch ist, Männer aus Überzeugung keine Kondome verwenden und Frauen häufig Opfer von Vergewaltigungen sind, könnte ein solches wirksames Medikament helfen. Leitende HIV-Campaigner wie Bill Gates sehen in einem wirksamen Schutz der Frauen einen Lösungsansatz die Epidemie einzudämmen

    Pressetext Austria vom 2. Februar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Selen senkt Viruslast

    Chicago - Das Spurenelement Selen kann bei HIV-Infizierten die Viruslast senken. Eine amerikanische Doppelblindstudie zeigt, dass die tägliche Einnahme der Substanz die medikamentöse Therapie ergänzen kann. Mediziner der Universität Miami teilten darin 262 HIV-Patienten nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein. Eine Hälfte der Teilnehmer bekam täglich ein Selenprodukt, die übrigen ein Scheinpräparat.

    Dabei wussten weder die Forscher noch die Teilnehmer, wer welches Mittel einnahm, wie die Zeitschrift «Archives of Internal Medicine» berichtet. Untersuchungen der Teilnehmer nach 9 und 18 Monaten zeigten, dass die Einnahme von Selen sowohl die Viruslast senkte als auch die Zahl der Helferzellen des Immunsystems, der so genannte CD4-Zellen, erhöhte. Auf welchem Weg das Element dies bewirkt, ist derzeit nicht bekannt.

    Quelle: «Archives of Internal Medicine», Vol. 167, S. 148-154

    Yahoo News vom 2. Februar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Positives Votum für neues HIV-Medikament

    Neuss - Das Komitee für Humanarzneimittel der EU hat die Zulassung des Proteasehemmers Darunavir empfohlen für die Therapie HIV-infizierter Erwachsener, bei denen mindestens eine Therapie mit Protheasehemmern versagt hat.

    Das neue Medikament wird mit 100 mg Ritonavir als Booster verstärkt und mit zwei weiteren antiretroviralen Medikamenten bei einer HIV-Kombitherapie eingesetzt, teilt Tibotec/Janssen-Cilag mit. Die EU-Zulassung für Darunavir (Prezista™) wird jetzt erwartet.

    Ärzte-Zeitung vom 1. Februar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Staatschefs für mehr Autarkie

    AU-Gifpel fodert Abkehr von Empfängermentalität.

    Addis Abeba. Auf dem Gipfeltreffen der Afrikanischen Union (AU) in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba haben sich die Staatsspitzen des schwarzen Kontinents für mehr Autarkie als besten Weg aus der Unterentwicklung und Abhängigkeit von Gebern ausgesprochen. Eigene Schritte forderten sie vor allem für die Bereiche Wissenschaft und Technologie.

    So plädierte der AU-Kommissionspräsident, der ehemalige malische Staatschef Alpha Oumar Konaré, für ein verantwortungsbewusstes Afrika, das sich stärker auf sich selbst verlässt und mit der Haltung des Hilfsempfängers bricht. Allein ein solches Afrika sei für die weitere Entwicklung gerüstet. "Wir haben einen reichen Kontinent mit großem Potenzial und sollten um Autarkie kämpfen, so wie wir gegen das Apartheidregime in Südafrika gekämpft haben", sagte Konaré auf dem Treffen am 29. und 30. Januar.

    Der aus dem Amt scheidende Vorsitzende der AU, Staatspräsident Denis Sassou-Ngueso aus Kongo-Brazzaville, schloss sich dieser Forderung an. Bildung und den Ausbau der Bereiche Wissenschaft und Technologie nannte auch er als entscheidende Herausforderung vor allem angesichts der Altersstruktur auf dem afrikanischen Kontinent. 500 Millionen der 900 Millionen Afrikaner sind 18 Jahre oder jünger. Bildung zum rechten Zeitpunkt könnte sie zu den Zugpferden eines neuen Entwicklungsschubes machen.

    UN-Chef fordert Zusammenhalt

    Rückendeckung erhielten diese Forderungen von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. Er berichtete auf dem Treffen von eigenen Erfahrungen aus Südkorea. Auch er sei in einem konfliktgeschädigten Land aufgewachsen. Aber Südkorea sei es gelungen, sich von einer traumatisierten Nation mit einer nicht existierenden Wirtschaft in einen vitalen Staat mit einer produktiven Gesellschaft und einer blühenden Ökonomie zu verwandeln.

    Elementar sei es, an einem Strang zu ziehen. "Eben dies leitet unsere Zusammenarbeit für die Demokratie, die Menschenrechte und eine verlässliche Regierungsführung", so der seit vier Wochen amtierende UN-Chef. Angesprochen hat er in diesen Zusammenhang die Entwicklungsinitiative 'Neue Partnerschaft für Afrikas Entwicklung' (NEPAD), aber auch die Hilfe der Vereinten Nationen bei der Planung und Durchführung von Friedensmissionen der Afrikanischen Union (AU).

    Mit Blick auf die 2000 bei den Vereinten Nationen beschlossenen Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) ermahnte Ban die afrikanischen Staatsspitzen zu mehr Energie. Die MDGs sehen bis 2015 die Halbierung von Armut und Hunger vor, Grundschulbildung für alle, die Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung der Rolle der Frau, die Senkung der Kindersterblichkeit, die Verbesserung der Gesundheitsversorgung von Müttern, die Bekämpfung schwerer Krankheiten wie HIV/Aids und Malaria, die Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit und den Aufbau einer globalen Entwicklungspartnerschaft zwischen den Ländern des Nordens und Südens.

    Es sei einiges erreicht, aber noch vieles zu tun, unterstrich Ban. Den meisten Staaten sei es etwa gelungen, ein fünfprozentiges Wirtschaftswachstum durchzusetzen, auch hätten sich immerhin 15 Länder dem Ziel einer universellen Grundschulbildung angeschlossen und auch an der Geschlechtergleichheit in den Schulen werde gearbeitet.

    Den Klimawandel und eine umweltverträgliche Entwicklung legte Ban den afrikanischen Staaten ganz besonders ans Herz, forderte aber zugleich mehr Unterstützung von der internationalen Gemeinschaft. "Wir haben die Phase der Spekulationen schon lange hinter uns", so der UN-Chef. Der Klimawandel sei sehr real und eine Bedrohung, der die Staatengemeinschaft mit größter Aufmerksamkeit begegnen müsse.

    Für die Gesundheit der Frau

    Im Einklang mit den MDGs haben die Vertreter der afrikanischen Staaten auf dem jüngsten AU-Gipfel einen Plan zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Frau angenommen. Auf Vorschlag hatten sich die Gesundheitsminister der 53 AU-Staaten bereits im letzten Jahr geeinigt. "Bei dieser Gelegenheit haben sie erstmals in großer Runde über sexuelle und reproduktive Rechte und Themen wie Safer Sex gesprochen", unterstrich Irungu Houghton, Afrikaberater der britischen Hilfsorganisation 'Oxfam'.

    Der Plan ist von beachtlicher Bedeutung für den Kontinent. Frauen und Mädchen stellen nicht nur 51 Prozent der afrikanischen Bevölkerung, sondern auch 70 Prozent der in der Landwirtschaft Beschäftigten. "Frauen, die unter Tuberkulose, Malaria und HIV/Aids leiden, sind eine Katastrophe für die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas", so Houghton.

    Bedauerlicherweise haben die Versprechen auf AU-Treffen in der Regel wenig Wirkung. So hat man vor zwei Jahren auf dem AU-Treffen im nigerianischen Abuja beschlossen, 15 Prozent der nationalen Budgets für den Bereich Gesundheit auszugeben. Daran gehalten haben soweit nur zwei Staaten – Botswana und Simbabwe. Auch die vor 18 Monaten im libyschen Sirte gemachte Zusage zur Investition von zehn Prozent der Mittel in die Landwirtschaft ist weitgehend ignoriert worden.

    Afrika Info vom 31. Januar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Flüssiges Kondom für Frauen in der Entwicklung

    Wissenschaftler der Uni Utah arbeiten an einem flüssigen Kondom für Frauen. Das Hydrogel, das derzeit an Affen getestet wird, soll nicht nur vor HIV-Infektionen, sondern auch vor Schwangerschaften schützen.

    Salt Lake City - Das berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner jüngsten Ausgabe. In fünf Jahren wollen die Forscher ein fertiges Produkt anbieten können.

    Das Forscherteam um Patrick Kiser und Kavita Gupter arbeitet an der Entwicklung eines Mikrobizids, das bei Raumtemperatur flüssig ist. Beim Auftragen in der Vagina wird es zu einem Gel. Es kann vor Ansteckungen gegen verschiedene sexuell übertragbare Erkrankungen sowie vor Schwangerschaft schützen. Mikrobizide sind chemische Substanzen, die Mikroben abtöten.

    "Das Charakteristische an dem Mikrobizid ist, dass es einerseits ph-sensitiv, andererseits auch temperaturempfindlich ist", beschreibt Kiser das "intelligente" Polymer-Gel. In das Gel könnten verschiedene Präparate eingebaut werden, die etwa eine Infektion verhindern. Dabei stellen sich die Forscher zwei Medikamentengruppen vor: Das eine soll im Gel bleiben und den Viren das Eindringen in die Schleimhaut verwehren. Das zweite soll von der Schleimhaut aufgenommen werden und die Krankheitserreger daran hindern, sich in den Zellen zu vermehren. "Das Entscheidende ist, dass das Mikrobizid vor dem Geschlechtsverkehr aufgetragen wird und durch seine chemischen Eigenschaften wie ein schützender Mantel wirkt", beschreiben die Wissenschaftler ihr Produkt.

    Neu ist die Idee eines solchen Gels nicht. Seit mehreren Jahren arbeiten Forscher daran, ähnliche Produkte herzustellen. 2003 gelang einem Wissenschaftsteam unter Leitung von John P. Moore von der Cornell University, eine hohe Dosis eines humanen Antikörpers in einem Mikrobizid-Gel in die Vagina von zwölf Rhesusaffen einzubringen. Sieben Stunden hielt die Schutzwirkung des Gels an.

    Erst vor kurzem hatten brasilianische Forscher vom Oswaldo Cruz Institut in Rio einen Wirkstoff in einer Alge gefunden, der eine viel versprechende Waffe gegen HIV darstellt. Das Projekt ist ein Teil des weltweiten Vorhabens zur Findung neuer Mikrobizide zur Eindämmung sexuell übertragbarer Erkrankungen. Dabei sollen auch Frauen die Möglichkeit bekommen, sich gegen Ansteckungen zu schützen. Vor allem in ärmeren Ländern, in denen die HIV-Rate hoch ist, Männer aus Überzeugung keine Kondome verwenden und Frauen häufig Opfer von Vergewaltigungen sind, könnte ein wirksames Medikament helfen.

    Pressetext Austria vom 29. Januar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Sexuell übertragbare Krankheiten bei Frauen

    Karlsruhe - Seit die Angst, sich mit HIV anzustecken, an AIDS zu erkranken und rasch zu sterben geringer geworden ist, lassen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen Anstrengungen nach, sich beim Geschlechtsverkehr vor ansteckenden Krankheiten zu schützen. Darauf weist das Gesundheitsamt im Landratsamt Karlsruhe aktuell hin. Viele Mädchen und junge Frauen sorgen sich nur um ungewollte Schwangerschaften und nehmen deshalb die Anti-Baby-Pille.

    Auch deshalb haben in dieser Altersgruppe andere Geschlechtskrankheiten stark zugenommen: Infekte mit Chlamydien, Papillomaviren und Gonokokken - Geschlechtskrankheiten, die man fast gar nicht spürt und die trotzdem bleibende Schäden hinterlassen können: ungewollte Kinderlosigkeit, Warzen, chronische Unterleibsentzündungen, selten sogar Tumore. Allen ist gemeinsam, dass sie praktisch ausschließlich beim Geschlechtsverkehr übertragen werden.

    Anonyme und kostenlose Untersuchung möglich

    Um auf diese Geschlechtskrankheiten und ihre Bedeutung aufmerksam zu machen und um zu erfahren, wie häufig jungen Frauen in Baden-Württemberg infiziert sind, führt das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg mit den Gesundheitsämtern des Landes eine Studie durch: Mädchen und jungen Frauen im Alter von 14 bis 25 Jahren können sich anonym und kostenlos einen Abstrich machen lassen und erhalten außer dem Ergebnis eine Beratung zu den Erkrankungen und wie man sie verhüten kann.

    Die Geschlechtskrankheiten im Einzelnen

    Chlamydien sind Bakterien, die eine milde verlaufende Infektion der Geschlechtsorgane hervorrufen können. Viele Infizierte merken gar nichts von der Krankheit. So hat eine Studie aus Berlin gezeigt, dass sechs Prozent aller gesunden jungen Frauen, die eine Frauenarztpraxis aufsuchen, mit Chlamydien infiziert sind (Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau 2004, Veröffentlichung im Internet). Wenn die Infektion rechtzeitig erkannt und mit Antibiotika behandelt wird, heilt sie folgenlos aus. Eine unerkannte Infektion mit Chlamydien wird heute als die häufigste Ursache für ungewollte Kinderlosigkeit angesehen. Gegen diese Erkrankung kann man nicht impfen.

    Papillomaviren sind Viren, die zu Warzen am Gebärmutterhals und an der Scheide, bei Männern am Penis führen. Selten können sich aus diesen Warzen Tumore entwickeln. Seit letztem Jahr gibt es eine Impfung gegen die gefährlichsten Papillomaviren.

    Gonokokken oder Neisserien sind Bakterien, die Gonorrhö - auch Tripper genannt - verursachen, eine eitrige Entzündung der Geschlechtsorgane mit Ausfluss aus Scheide oder Penis. Die Erkrankung kann milde verlaufen und dann unerkannt bleiben. Gonorrhö kann gut mit Antibiotika behandelt und ausgeheilt werden. Wenn man aber nicht behandelt oder zu spät damit anfängt, kann es zur Unfruchtbarkeit kommen. Gegen diese Erkrankung gibt es keine Impfung.

    Karlsruhe News vom 28. Januar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Buchtipp: Edwin und die Aids-Leugner

    Ein südafrikanischer Richter outet sich als aidskranker Schwuler. Sein Aufklärungsbuch begeistert auch Mandela.

    Über zwei Millionen Menschen starben letztes Jahr in Afrika an Aids. Etwa 70 Prozent aller weltweit HIV-Infizierten sind Afrikaner – knapp 30 Millionen Menschen, nur zwei Prozentvon ihnen erhalten Medikamente. Was das für die Betroffenen heißt, dokumentiert das Buch «Tod in Afrika. Mein Leben gegen Aids» des südafrikanischen Aktivisten Edwin Cameron, 53 – ein Werk, für das sich Prominente wie Nelson Mandela und Elton John stark machen.

    Der homosexuelle Richter am Obersten Berufungsgericht in Kapstadt war Ende der Neunzigerjahre der erste Vertreter der weißen Elite, der sich zu einer Infektion bekannte. In einem Land notabene, in dem noch 1998 eine 36-jährige Frau gesteinigt wurde, weil sie sich am Welt-Aids-Tag als HIV-positiv geoutet hatte. Cameron erzählt zunächst seinen Werdegang, um dann geschickt in ein Sachbuch überzuleiten. Neben den Gewinnpraktiken der Pharmaindustrie prangert er die politische Stigmatisierung von Aids an, die in Leugnungskampagnen gipfelt: Selbst offizielle Stellen bestreiten mitunter den Zusammenhang zwischen dem HI-Virus und der Krankheit. Nur auf die entscheidende Frage präsentiert Cameron keine Antwort: Warum ist Aids in Afrika verbreiteter als anderswo?

    Allein an der Armut, der mangelnden Hygiene oder dem Unwissen kann es nicht liegen. Vergleichbar strukturierte Regionen in Südamerika oder Asien registrieren weniger Fälle. Könnte es sein, dass eine genetische Disposition der Afrikaner das Virus begünstigt?, wie Experten vermuten. Auch Cameron gibt keine Antwort, er kämpft allerdings überzeugend gegen Klischees an, etwa gegen das Vorurteil über die «wilde», promiskuitive Sexualität des Afrikaners.

    Edwin Cameron, «Tod in Afrika. Mein Leben gegen Aids», C. H. Beck, 256 S., 34.90 Fr

    Facts vom 25. Januar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    AIDS im Jahr 2030 dritthäufigste Todesursache

    Gemäß einer im November 2006 veröffentlichten Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird Aids im Jahr 2030 - nach Herzkrankheiten und Schlaganfällen - die dritthäufigste Todesursache sein. In ihrer letzten Prognose vor zehn Jahren ging die WHO noch davon aus, dass die Zahl der aidsbedingten Todesfälle zurückgehen werde. Heute jedoch ist klar, die Immunschwächekrankheit fordert immer mehr Opfer.
    Die Autoren der Studie, Dr. Colin Mathers und Dejan Loncar, schätzen, dass in den kommenden 25 Jahren weltweit etwa 117 Millionen Menschen in Folge von Aids sterben werden. Bei einem verbesserten Zugang zu antiretroviralen Medikamenten könne diese Zahl jedoch auf 89 Millionen Menschen gesenkt werden. "Die zukünftige Entwicklung hängt stark davon ab, was die internationale Gemeinschaft heute unternimmt", so Mathers. "Die prognostizierten Aids-Zahlen zeigen, dass gerade im Bereich der Prävention mehr getan werden muss."

    Die Ergebnisse der aktuellen WHO-Studie unter http://www.plos.org/press/plme-03-11-mathers.pdf.

    Deutsche Stiftung Weltbevölkerung - Pressemeldung vom 23. Januar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Integrase-Hemmer senkt Virusmenge innerhalb weniger Wochen

    Enzym-Hemmer drosseln Vermehrung des Aids-Erregers ganz anders als bisherige Medikamente / Virusreduktion unter die Nachweisgrenze.

    Glasgow - Eine noch nicht zugelassene Substanz mit einem neuen Wirkansatz hemmt die Vermehrung der HI-Viren sehr rasch: Durch die Therapie mit dem Integrase-Hemmer MK-0518 sinkt die Viruskonzentration innerhalb von wenigen Wochen unter die Nachweisgrenze von 50 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter Blut.

    Bei zuvor bereits antiretroviral behandelten Patienten mit nur noch begrenzten Therapie-Optionen ist MK-0518 in Kombination mit einer optimierten Hintergrundtherapie (OBT) - dazu gehören etwa Hemmstoffe des HIV-Enzyms Reverse Transkriptase - gut wirksam. Das hat Professor Schlomo Staszewski von der Universität Frankfurt am Main beim internationalen HIV-Kongress in Glasgow berichtet.

    Prüfsubstanz mit antiviralen Medikamenten kombiniert

    178 Patienten mit fortgeschrittener HIV-Infektion erhalten in einer noch laufenden Phase-II-Studie zweimal täglich 200 mg, 400 mg oder 600 mg MK-0518 oder Placebo, jeweils kombiniert mit einer OBT. Nach 24 Wochen lag mit dem Integrase-Hemmer bei 57 bis 67 Prozent der Patienten die Viruskonzentration unter 50 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter Blut, in der Placebo-Gruppe nur bei 14 Prozent.

    "Besonders beeindruckend ist, wie schnell MK-0518 die Virusmenge unter die Nachweisgrenze senkt", sagte Staszewski. Nach vier Wochen hatte bereits ein Drittel der Patienten in den Integrase-Hemmer-Gruppen eine Virusmenge unter 50 Kopien pro Milliliter Blut. Mit der OBT allein erreichte das zu diesem Zeitpunkt nur jeder zehnte Patient.

    Auch bei zuvor nicht behandelten Patienten sei MK-0518 rasch und anhaltend virologisch wirksam, so Staszewski. Der Zwischenanalyse einer noch laufenden Phase-II-Studie mit 198 Patienten zufolge erreichten mit zweimal täglich 100 mg, 200 mg, 400 mg oder 600 mg MK-0518 - jeweils in Kombination mit zwei nukleosidischen Reverse Transkriptasehemmern (NRTI) - 85 bis 95 Prozent der Patienten eine Virusmenge unter 50 Kopien und damit ähnlich viele Patienten wie in der Kontrollgruppe.

    Die Patienten dieser Gruppe erhielten eine Standardtherapie mit dem nicht-nukleosidischen Reverse Transkriptasehemmer (NNRTI) Efavirenz plus zwei NRTI. Allerdings hatten mit MK-0518 etwa 60 Prozent der Patienten bereits nach vier Wochen eine Virusmenge unter 50 Kopien pro Milliliter Blut im Vergleich zu nur 20 Prozent der Patienten in der Efavirenz-Gruppe.

    Dr. Robin Isaacs von den Merck Research Laboratories in Westpoint in Pennsylvania wies darauf hin, dass in den Phase-II-Studien alle geprüften Dosierungen von MK-0518 ähnlich verträglich waren wie die Vergleichssubstanzen. Zudem sei der Einfluss von MK-0518 auf die Lipidwerte auch nach 24 Wochen neutral geblieben. Zurzeit wird MK-0518 in zwei Phase-III-Studien bei zuvor behandelten Patienten weiter geprüft.

    STICHWORT: HIV-Hemmstoffe
    Bisher verfügbare HIV-Medikamente verhindern, dass das Virus mit der T-Helferzelle verschmilzt, die Virus-RNA in DNA umgeschrieben wird oder HI-Viren aus den Bausteinen zusammengebaut werden. Nun befindet sich eine weitere Substanzklasse mit einem neuen Angriffspunkt in der Entwicklung: die Integrase-Hemmer. Sie verhindern, dass die in DNA umgeschriebene virale Erbsubstanz in das Zellgenom integriert wird. In der Entwicklung am weitesten fortgeschritten ist der Hemmstoff MK-0518 von MSD, der oral verabreicht wird.

    Ärzte-Zeitung vom 23. Januar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Intensiv-Therapie lohnt bei Infektion mit HIV/HCV

    Glasgow - Patienten mit einer HIV/ HCV-Doppelinfektion profitieren von einer erhöhten Ribavirin-Dosis und einer verlängerten Therapie. Damit werden Ansprechraten wie bei einer HCV-Monoinfektion erreicht.

    Das hat Professor Jürgen Rockstroh aus Bonn beim internationalen HIV-Kongress in Glasgow berichtet. In einer Studie erhielten knapp 400 Patienten mit HIV/HCV-Koinfektion statt täglich 800mg insgesamt 1000 bis 1200mg des Nukleosid-Analogons Ribavirin. Dazu erhielten sie wöchentlich 180 µg pegyliertes Interferon (pegIFN).

    Bisher wurden bei einer HIV/HCV-Koinfektion 800 mg Ribavirin eingesetzt und damit eine niedrigere Dosis als bei einer HCV-Monoinfektion. Damit sollten Interaktionen zwischen Ribavirin und Nukleosidanaloga bei der HIV-Therapie vermieden werden.

    In der Studie wurden die Erfolge einer Therapie üblicher Dauer und einer längeren Therapie verglichen. Es waren 48 Wochen im Vergleich zu 72 Wochen bei 45 schwerer zu behandelnden Patienten mit Genotyp-1- oder Genotyp-4-Infektionen. 24 Wochen oder 48 Wochen wurden 192 Patienten mit den weniger hartnäckigen Genotypen 2 oder 3 behandelt.

    Insgesamt war bei fast 50 Prozent der Patienten sechs Monate nach Ende der Therapie keine HCV-RNA nachzuweisen. Die Ansprechrate war bei Patienten mit Genotypen 2 oder 3 signifikant höher als mit Genotypen 1 oder 4 (etwa 72 Prozent versus 35 Prozent).

    Eine längere im Vergleich zu einer kürzeren Therapie wirkte sich positiv aus: Bei Patienten, die mit den Genotypen 1 oder 4 infiziert waren, betrug die Ansprechrate 53 Prozent versus 31 Prozent. Bei Patienten, die mit den Genotypen 2 oder 3 infiziert waren, waren es 83 Prozent versus 67 Prozent.

    Ärzte-Zeitung vom 22. Januar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Gel aus Algen gegen HIV-Übertragung

    Brasilianischer Wirkstoff soll vor allem Frauen effektiv schützen.

    London/Rio de Janeiro - Eine vor der Küste Brasiliens gefundene Alge könnte im Kampf gegen HIV eine entscheidende Rolle spielen. Brasilianische Forscher vom Oswaldo Cruz Institut in Rio geben dem Wirkstoff aus dem Meer jedenfalls gute Chancen, denn erste Labor-Untersuchungen haben eine erstaunliche Effizienz gezeigt, berichtet BBC-Online http://news.bbc.co.uk. In sieben Jahren soll das Gel dann allerspätestens auf den Markt kommen, hoffen die Forscher.

    Das Projekt ist ein Teil des weltweiten Vorhabens zur Findung neuer Mikrobizide - dabei handelt es sich um chemische Substanzen, die Mikroben abtöten - zur Eindämmung sexuell übertragbarer Erkrankungen. Dabei sollen vor allem auch Frauen die Möglichkeit bekommen, sich gegen eine eventuelle HIV-Ansteckung zu schützen. Vor allem in ärmeren Ländern, in denen die HIV-Rate hoch ist, Männer aus Überzeugung keine Kondome verwenden und Frauen häufig Opfer von Vergewaltigungen sind, könnte ein wirksames Medikament helfen. Leitende HIV-Campaigner wie Bill Gates sehen einen Lösungsansatz die Epidemie einzudämmen in einem wirksamen Schutz der Frauen.

    Mikrobizide zerstören das HI-Virus komplett oder inaktivieren Virusteile. Die Mittel bilden eine Sperre zwischen Virus und Schleimhaut, verhindern das Verschmelzen des Virus mit der Wirtszelle oder hemmen die Vermehrung des bereits in die Wirtszelle integrierten Virus. Außer gegen HIV schützen sie vor Herpesviren und Chlamydien sowie vor einer Gonorrhoe, zudem könnten sie sogar Schwangerschaften verhindern. Die erste Generation von Mikrobiziden, die derzeit getestet wird, könnte schon in vier bis fünf Jahren als Vaginalgel marktreif sein. Der Grad der Wirksamkeit ist allerdings nicht ganz geklärt. Viel versprechende Daten gebe es vor allem bei Mikrobiziden der zweiten Generation, die antiretrovirale Substanzen enthalten. Einziges Risiko dabei bestehe in der Möglichkeit, dass es potenziell Resistenzen von HIV begünstigen könnte. Präsentiert wurden die Studien bei der Welt-Aids-Konferenz in Toronto http://www.microbicides2006.org.

    Luiz Castello Branco, Immunologe am Oswaldo Cruz Institut, hat jedenfalls davon berichtet, dass die Resultate des Gels in den ersten drei Jahren beachtlich gewesen seien. Eine weitere Testserie soll im Februar an Mäusen und lebenden Zervixzellen erfolgen. Humanstudien sollen 2007 starten. Branco zeigt sich überzeugt davon, dass das endgültige Produkt eine Mindesteffizienz von mehr als 50 Prozent haben werde. Was derzeit noch untersucht wird, ist die Sicherheit und die Dosierung des Präparats.

    Pressetext Austria vom 17. Januar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Beruhigend - aber für wen?

    Eine HIV-Studie aus Botswana mit Interpretationsspielraum

    Im Kampf gegen Aids liegt ein besonderes Augenmerk auf den infizierten schwangeren Frauen. Denn ohne spezielle Vorsorge wird das Virus in etwa einem Viertel der Fälle während der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen. Um dies zu verhindern, steht in vielen Ländern der Dritten Welt meist nur das günstige Aids-Mittel Nevirapin zur Verfügung. Damit lässt sich die Virusübertragung um knapp 50 Prozent reduzieren. Eine neue Studie aus Botswana zerstreut nun frühere Bedenken, wonach Frauen nach einer Einmaldosis Nevirapin später schlechter zu behandeln sind.[1] Dies wurde befürchtet, weil das Medikament rasch zu resistenten Virusstämmen führt.

    Eine gute Nachricht...

    Nach der neuen Untersuchung hängt der Erfolg der späteren Behandlung lediglich vom Zeitpunkt ab, zu dem diese begonnen wird. Für ihre Analyse griffen Shahin Lockman von der Harvard-Universität und seine Kollegen auf die Daten von 1200 schwangeren Frauen mit HIV zurück, die im Rahmen der Studie betreut und untersucht worden waren. Von 218 Frauen, die erst nach der Geburt mit einer (Nevirapin-haltigen) Kombinationstherapie begannen, hatte eine Hälfte zur Prophylaxe der Mutter-Kind-Übertragung Nevirapin erhalten, die andere Hälfte ein Placebo. Sechs Monate nach dem Start der Aids-Therapie untersuchten die Forscher dann, wie gut die Frauen auf die Medikamente ansprachen.

    Wie sich zeigte, kam es bei knapp 20 Prozent der Frauen, die während der Geburt Nevirapin erhalten hatten, zu einem therapeutischen Fehlschlag, das heißt, die HI-Viren ließen sich nicht im gewünschten Maß im Blut unterdrücken. Bei Frauen, die ein Placebo erhalten hatten, lag diese Rate bei 5 Prozent. Noch eindrücklicher waren die Ergebnisse, wenn die Forscher berücksichtigten, wann die Frauen mit ihrer Kombinationsbehandlung begonnen hatten. Waren nämlich zwischen Nevirapin-Vorsorge und Behandlungsbeginn weniger als sechs Monate verstrichen, lag die Rate an Fehlschlägen bei über 40 Prozent - verglichen mit keinem einzigen Fehlschlag in der Placebo-Gruppe. Lagen zwischen der Nevirapin-Prophylaxe und dem Beginn der Behandlung hingegen mehr als sechs Monate, gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied (12 gegen 8 Prozent).

    Wie die Wissenschafter schreiben, sind diese Ergebnisse «beruhigend für die vielen Frauen, die eine Einmaldosis Nevirapin erhalten haben, und für die, die noch eine erhalten werden». Allerdings betonen sie, dass Frauen, die aufgrund ihres Gesundheitszustands eine Kombinationstherapie brauchen, diese schon vor der Geburt erhalten sollten, da mit fortschreitender Krankheit das Virus leichter auf das Kind übertragen wird. Dies scheitert jedoch häufig, weil in Drittweltländern viele Frauen erst während der Geburt medizinisch versorgt werden und ein HIV-Test oft auch nicht vorliegt. Nicht selten wird deshalb die Nevirapin-Prophylaxe «blind» verabreicht.

    ...oder nur Augenwischerei?

    Anders als die Harvard-Forscher kann der Aids- Experte Pietro Vernazza vom Kantonsspital St. Gallen in der Studie aus Botswana keine gute Nachricht erkennen. Für ihn ist die Arbeit in erster Linie eine Bestätigung der Befürchtung, dass das Risiko von Nevirapin-Resistenzen bereits nach einer Einmaldosis sehr hoch ist. Dass dieses Risiko mit der Zeit zu schwinden scheine, sei interessant und allenfalls eine Beruhigung für die Weltgesundheitsorganisation, die mit beschränkten Mitteln zu kämpfen habe. Dass dabei auch Interessen gegeneinander abgewogen würden, etwa jenes der Mutter (Schutz vor resistenten Viren) gegen jenes des Kindes (Schutz vor einer HIV-Übertragung), sei unvermeidbar.

    Vernazza hegt aber Zweifel, ob die Aussage der Studie überhaupt stimmt. Denn man wisse, dass Nevirapin-resistente HIV-Stämme ebenso vermehrungsfähig seien wie nichtresistente Viren. Dass sie mit der Zeit einfach verschwänden, sei deshalb unwahrscheinlich. Weniger Resistenzen seien wahrscheinlich dann zu befürchten, wenn man nach der Nevirapin-Prophylaxe noch eine Woche lang eine Kombinationstherapie durchführe. Ein weiteres Argument, weshalb Lockmans Studie Augenwischerei sein könnte, ist laut Vernazza die Tatsache, dass zwischen den Placebo-Gruppen große Unterschiede in der Rate an Fehlschlägen bestanden. Das könnte darauf hindeuten, dass es Unterschiede gab, die mit dem Therapiebeginn nichts zu tun haben.

    [1] New England Journal of Medicine 356, 135-147 (2007).

    Neue Zürcher Zeitung vom 17. Januar 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     



     

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