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Prezista
ist Kaletra in der Firstline mindestens ebenbürtig
HIV-positive
Frauen sind in der Schweiz gynäkologisch unterbetreut
Versteckte
HI-Viren entdeckt
Weiterhin
auf hohem Niveau
Neues
Medikament gegen AIDS entdeckt?
Gib
den Kindern eine Chance
Auch
Gene beeinflussen Verträglichkeit der Therapie
Skandal
um illegale Aids-Experimente
Koinfektion
mit HCV und HIV ist eine Herausforderung
Bei
Lopinavir ist Lipoatrophie eher selten
ICAAC 2007:
NEWS from Chicago!
Mit
Tipranavir gegen multiresistentes HIV
EU-Zulassung
für neues HIV-Medikament Celsentri
Rückschlag
für Aids-Impfstofftest
AIDS-Medikament
für Afrika nimmt letzte Zulassungshürde
Nevirapin
ist langfristig gegen HIV effektiv
Schwangerschaft
verlangsamt HIV-Progression
Vorbeugende
Tablette könnte Aids in Afrika stark eindämmen
Zahl
der AIDS-Erkrankungen in Georgien steigt rapide
Bei
HIV geht es wieder in Richtung Frühtherapie
Integrasehemmer
bewährt sich in Phase-III-Studie
Marathon
für HIV-Patienten
Neuer
Ansatz zur HIV-Bekämpfung
Der
letzte Atemzug einer Immunzelle
Impfung
gegen Pneumokokken
Drogenkonsum
in Haftanstalten
Neue
Hoffnung auf Hepatitis C Impfstoff
Warnung
vor Präparaten aus rotem fermentierten Reis
Protease
Hemmer erhöhen Herzinfarktrisiko geringfügig
Repressive
Maßnahmen behindern die Prävention
Drohende
HIV-Epidemie in Afghanistan
Hohe
Infektiosität während HIV-Primärinfektion dauert lange an
HIV-Therapie
bringt Helferzellen in die Norm
Aids-Kranke
in Papua-Neuguinea lebendig begraben
Südafrika:
Ärzte fordern HIV-Tests für Schwangere
Sex
als häufigster HIV-Überträger
HIV
tötet Gehirnzellen und verhindert Neubildung
„Fragen
Sie sich doch mal, ob nicht auch drei reichen“
Neue
HIV-Fälle bei Kindern in Kirgisien
Enthaltsamkeitsprogramme
in den USA wirkungslos
Die
HIV-Gefahr im Stricher-Milieu
Virus
soll sich selbst zerstören
HIV durch
Oralsex
HLA-Test
minimiert HSR-Risiko unter Abacavir
Coenzym
Q10 verhindert möglicherweise Toxizität der HIV-Therapie
TITAN:
Darunavir besser als Lopinavir
HIV-Infektion
ist kein Todesurteil mehr
Positive
Bewertung durch das CHMP für Maraviroc
Abbott
reicht EU- und US-Zulassungsantrag ein
Ist
die Grenze für den Therapiebeginn noch aktuell?
Drei
HIV-resistente Gene identifiziert
TMC125
zeigt hohe Wirksamkeit
Heroingestützte
Behandlung braucht gesetzliche Grundlage
Krankenschwestern
und Arzt im Kurzporträt
Schützt
Therapie gegen Herpes vor HIV?
Kondome
bieten ausreichenden Schutz vor HIV
Kampf
um die Patienten in Hamburg
Immundefizienz
erhöht Risiko für infektionsassoziierte Krebserkrankungen
HIV
- Pille davor. Was, wenn sie nützt?
Rezeptorblocker
erweitert HIV-Therapie
Fast
jeder zweite HIV-Patient hat Depressionen
....
| Die HIV
AIDS Infos sind eine Zusammenstellung aus Internetquellen,
Mail- und Newsgroups und erstreckt sich jeweils über einen Zeitraum
von ca. drei bis vier Monaten. Die einzelnen Artikel sind mit einem Link
auf die Orginalartikel versehen und chronologisch geordnet.
Es wird auf diese Weise schnell über neue Entwicklungen und Änderungen in den Bereichen Epidemiologie, medizinischer Behandlung, ambulanter Pflege und psychosozialer Beratung bei HIV-Infektion und AIDS-Erkrankung informiert. Die HIV AIDS Infos erscheinen in regelmäßigen Abständen und informieren interdisziplinär über Änderungen und Neuerungen auf dem Gebiet von HIV und AIDS. |
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Prezista ist Kaletra in der Firstline mindestens ebenbürtig
Edwin de Jesus stellte auf der ICAAC die 48-Wochen Daten der ARTEMIS-Studie vor [1]. Diese Studie verglich geboostetes Prezista einmal täglich (800 mg / 100mg) mit einmal oder zweimal täglichem Kaletra bei nicht vorbehandelten HIV-Patienten. In allen Therapiearmen wurde als Begleittherapie Truvada (Tenofovir 300 mg + Emtricitabin 200 mg) einmal täglich eingesetzt. In der Prezista-Gruppe lagen – im Vergleich zu den Kaletra-Gruppen – die Viruslasten von mehr Patienten unter der Nachweisgrenze von 50 RNA-Kopien/ml (84 % versus 78 %). Dieser Unterschied war bezüglich der Nicht-Unterlegenheit hochsignifikant, jedoch mit einem p von 0,062 bezüglich der Überlegenheit statistisch nicht signifikant. Wurden die Patienten nach ihrer Ausgangsviruslast stratifiziert (kleiner oder größer 100.000 RNA-Kopien/ml), waren die Unterschiede statistisch signifikant.
Hier war Prezista der Therapie mit Kaletra nicht nur ebenbürtig, sondern überlegen. In der Prezista-Gruppe lag die Viruslast von 79 % der 117 Patienten mit einer Ausgangs-VL > 100.000 Kopien unter der Nachweisgrenze von 50 Kopien – im Vergleich zu 67 % der 120 Patienten der Kaltera-Gruppe.
Die Veränderungen der CD4-Zellzahl war in beiden Gruppen nach 48 Wochen nahezu identisch: +137 Zellen/µl in der Prezista-Gruppe im Vergleich zu +141 Zellen/µl in der Kaletra-Gruppe. Wurden alle gastro-intestinalen Nebenwirklungen zusammengenommen (Durchfall und Übelkeit aller Grade), zeigte die Therapie mit Prezista mit 7 % im Vergleich zur Therapie mit Kaletra mit 14 % (P < 0,01) einen deutlichen Vorteil. Da die Abbruchrate im Kaletra-Arm aufgrund der Nebenwirkungen im Vergleich zur Abbruchrate im Prezista-Arm etwa doppelt so hoch war, kann nicht ausgeschlossen werden, dass die in der Intent-to-treat-Analyse gesehenen Unterschiede bezüglich der Wirksamkeit, auch mit diesem Unterschiedzusammenhängen.
Ein weiterer potentieller Vorteil von Prezista ist das günstigere Lipid-Profil. Prezista scheint einen erheblich geringeren Effekt auf die Triglyzerid-Werte zu haben. Obwohl in der Prezista-Gruppe zwischen der 24. und 48. Studienwoche ein Trend zum Anstieg bei der Ratio Gesamtcholesterin/HDL zu verzeichnen war.
Edwin De Jesus schlussfolgerte, dass die Studiendaten die Nicht-Unterlegenheit von Darunavir bei nicht vorbehandelten Patienten und die Überlegenheit bei Patienten mit hoher Ausgangsviruslast belegt – ebenso wie ein günstigeres Nebenwirkungsprofil – was Darunavir zu einer ausgezeichneten Therapie für die Fristline machte.
Mark Wainberg vom AIDS-Zentrum der McGill Universität in Montreal kommentierte: „Aus der Tibotec-Perspektive sind das sehr schöne Daten, da sie klar zeigen, dass Darunavir bei Patienten mit hoher Ausgangsviruslast besser als Lopinavir läuft. Außerdem gewinnt Darunavir auf der Basis der Toxizität“, meint aber auch, dass es einen Effekt auf die Fettwerte gebe, der weiter zu beobachten sei und hier Langzeitdaten erforderlich wären. In den Augen von Wainberg wird die ARTEMIS-Studie das Verschreibungsverhalten weg von Lopinavir hin zu Darunavir verändern.
Roy Gulick, Professor am Weill Cornell Medical College in New York City, kommentierte: “Alle Arme der Studie sind gut gelaufen, was zu begrüßen ist.” Er merkte an, dass in dieser Studie Darunavir erstmals einmal täglich eingesetzt worden ist, was von vielen Patienten – insbesondere in der ersten Therapie – bevorzugt wird. Auch er gibt zu bedenken, dass die Unterschiede bei der Wirksamkeit möglicherweise mehr durch die doppelt so hohe Abbruchrate verursacht sein könnten. Obwohl er der Überzeugung ist, dass Kliniker dazu tendieren, die beste Substanz als erstes einzusetzen vermutet Gulick, dass es bei Behandlern eine gewisse Zurückhaltung beim Einsatz von Darunavir in Ersttherapie geben wird, da bislang gegen Darunavir resistente Viren nur mit Tipranavir behandelt werden können, was nicht gerade gut verträglich ist.
[1] De Jesus E, Ortiz R , Khanlou H, et al.: Efficacy and Safety of Darunavir/Ritonavir versus Lopinavir/Ritonavir in ARV Treatment-Naïve HIV-1-Infected Patients at Week 48: ARTEMIS. Program and Abstracts of the 47th Interscience Conference on Antimicrobial Agents and Chemotherapy (ICAAC), 17. – 20. September 2007, Chicago; Abstract H-718b
HIV-Report
Ausgabe Nr. 10/2007 vom Oktober 2007
Inhaltsverzeichnis
HIV-positive Frauen sind in der Schweiz gynäkologisch unterbetreut
Frauen mit HIV leiden überdurchschnittlich häufig an Unterleibskrankheiten. Die Empfehlungen der verschiedenen Fachgesellschaften sehen mindestens eine frauenärztliche Untersuchung pro Jahr vor. Keiser et al. von der schweizerischen HIV-Kohorten-Studie (SHCS) haben die Einhaltung dieser Empfehlungen in der Schweiz untersucht.
Der hohe Frauenanteil (gegenwärtig gut ein Drittel) ist eine Besonderheit der schweizerischen HIV-Kohorte. Seit April 2001 werden die Frauen im Rahmen der halbjährlichen Erhebungen (Follow-up) über ihre gynäkologische Betreuung befragte. Die Analyse von Keiser et al. umfasste 2.186 Frauen. Diese wurden insbesondere über ihre letzte gynäkologische Untersuchung vor dem jeweiligen Zeitpunkt des Follow-up befragt1. Nebst demografischen Informationen (Alter, Ethnie, Bildung, Beziehung) wurden der Zustand der HIV-Infektion erhoben (CD4-Zellzahl, Viral Load, antiretrovirale Therapie) sowie verschiedene Parameter der persönlichen Gesundheit (sexuelle Aktivität, andere Infektionen, Rauchen, Über- oder Untergewicht).
Etwas mehr als die Hälfte der Befragten nahm alle vorgesehenen Follow-up Termine wahr. Von diesen gaben 7,4% an, im Zeitraum von 3 Jahren nie eine gynäkologische Untersuchung gemacht zu haben, und 57,3% berichteten, lediglich ein- bis zweimal untersucht worden zu sein. Nur 35,3% hatten pro Jahr eine Untersuchung.
Dabei zeigte sich: Stark über- oder untergewichtige Frauen, Raucherinnen und intravenös Drogen Injizierende sowie Frauen mit niedriger Bildung sind gynäkologisch unterbetreut. Die Autoren/-innen vermuten, dass bei über- und untergewichtigen Frauen die Kombination zwischen Hemmungen der Patientinnen und Einstellungen der Gynäkologen/-innen ursächlich für die tiefere Untersuchungsfrequenz sein könnte. Bei Frauen mit tieferem Bildungsniveau könnte es dagegen das weniger stark ausgeprägte Bewusstsein um die Vorteile regelmäßiger Konsultationen sein. Schließlich vermuten die Autoren/-innen, dass Raucherinnen, ähnlich wie intravenös Drogen konsumierende Frauen, im Allgemeinen über eine geringer ausgeprägte Sensibilität bezüglich der eigenen Gesundheit verfügen, was sich ebenfalls nachteilig auf die Untersuchungsfrequenz auswirken könne.
1 Keiser O, Martinez de Tejada B, Wunder D et al., «Frequency of Gynecologic Fol-low-up and Cervical Cancer Screening in the Swiss HIV Cohort Study», in Journal of Acquired Immune Deficiency Syndrome, Dez. 2006, 43(5): 550–555.
Swiss
Aids News vom Oktober 2007
Inhaltsverzeichnis
Forscher haben einen Weg entdeckt,
im Körper versteckte Aids-Viren zu aktivieren und sie damit anfälliger
für eine Behandlung zu machen. Trotz zahlreicher Medikamente lässt
sich das HI- Virus bislang nicht dauerhaft wieder aus dem Körper drängen.
Der Erreger nistet sich in einigen ruhenden weißen Blutkörperchen
ein, ohne aktiv zu werden und die Zelle dabei zu zerstören.
Diese Zellen überdauern lange
Zeit. Damit schafft sich HIV ein Reservoir, aus dem heraus es sich jederzeit
wieder vermehren kann. Diese „stille Reserve“ ist nach Ansicht vieler Mediziner
eines der großen Probleme bei der Bekämpfung der Immunschwäche.
Selbst in Patienten, die seit über 30 Monaten keine nachweisbare Viruslast
mehr hatten, konnten die ruhenden Zellen nachgewiesen werden, die in der
Lage waren, HIV zu produzieren. Eine Gruppe um Hui Zhang von der Thomas
Jefferson University in Philadelphia hat nun einen Mechanismus entdeckt,
mit dem sich HIV in der Zelle „schlafen legt“. Nun hoffen sie, den Erreger
mit einer neuen Behandlung aus der Reserve zu locken. Ihr Bericht ist im
Journal „Nature Medicine“ zu lesen.
Das HI-Virus baut seine Erbinformation
nach der Infektion ins Genom der infizierten T-Lymphozyten ein, einer Gruppe
von weißen Blutkörperchen. Werden die Virengene abgelesen, entsteht
ein chemischer Bote (mRNA), nach dessen Vorschrift die neuen Virenbausteine
zusammengefügt werden.
Zhangs Gruppe beschreibt nun, dass
die ruhenden Zellen die Aktivität der mRNA herunterregulieren. Dazu
setzt sie ihrerseits sehr kleine RNA-Stücke ein, die sich gezielt
an die Boten-RNA des Virus koppeln. Dieser Komplex wird in der Zelle als
fehlerhaft erkannt und abgebaut. Damit bleibt HIV stumm. Diesen Mechanismus
machen sich viele Forscher inzwischen auch zunutze, indem sie künstlich
RNA-Schnipsel in Zellen einschleusen, um Gene auf diese Weise abzuschalten.
Das Verfahren trägt den Namen RNAi (RNA-Interferenz).
In den Experimenten blockierte Zhang
nun jene RNA-Schnipsel, die HIV stumm schalten – sie bremsten also die
Bremse. Tatsächlich produzierten die Zellen daraufhin zehn Mal mehr
Viren als zuvor. Damit zeichne sich ein Weg ab, die ruhenden Zellen zu
wecken und für Medikamente zugänglich zu machen, heißt
es in dem Journal. Dann lässt sich die Vermehrung der Viren bekämpfen.
Link zum Orginalartikel: http://www.nature.com/nm/journal/v13/n10/full/nm1007-1138.html
Nature
- Meldung vom 8. Oktober 2007
Inhaltsverzeichnis
HIV/AIDS-Halbjahresbericht für das erste Halbjahr 2007 erschienen.
Dem Robert Koch-Institut wurden für das erste Halbjahr 2007 insgesamt 1.334 neu diagnostizierte HIV-Infektionen gemeldet. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2006 (1.224) ist dies eine Zunahme um neun Prozent, allerdings ist gegenüber dem zweiten Halbjahr 2006 (1.414) ein Rückgang um sechs Prozent zu beobachten. "Wir müssen die Entwicklung sorgfältig beobachten, auch die Präventionsbemühungen müssen auf hohem Niveau gehalten werden" sagt Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts. Eine neue, vom Bundesministerium für Gesundheit finanzierte Studie soll die Daten-Grundlage erweitern und damit das aktuelle Geschehen präziser abbilden.
Der neue Halbjahresbericht mit umfangreichen Daten zu HIV-Infektionen und AIDS-Erkrankungen, auch regional aufgeschlüsselt, ist im Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts veröffentlicht worden und auf den RKI-Internetseiten abrufbar. Für den aktuellen Bericht wurden die Daten ausgewertet, die bis 01.09.2007 vorlagen.
Wichtigste Betroffenengruppe sind mit 64 Prozent nach wie vor Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), bei ihnen stieg die Zahl der Neudiagnosen erneut an, im ersten Halbjahr 2007 gegenüber dem zweiten Halbjahr 2006 um fünf Prozent. In Reaktion auf den anhaltenden Anstieg der Zahl der HIV-Neudiagnosen bei MSM hat eine Neuausrichtung der Prävention hin zu zielgruppengenaueren Maßnahmen begonnen.
Im ersten Halbjahr 2007 wurden 16 HIV-Infektionen bei Kindern und Neugeborenen diagnostiziert, die sich über ihre Mutter infiziert haben. Elf der Kinder wurden in Deutschland geboren. In zehn Fällen war der Mutter kein HIV-Test in der Schwangerschaft angeboten worden, die Schwangerschaften lagen zwischen 1997 und 2006. Es wird darauf hingewiesen, dass der Gemeinsame Bundesausschuss im September 2007 die Mutterschaftsrichtlinie aktualisiert hat. Ärzte sollen den HIV-Test im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen zukünftig jeder Schwangeren empfehlen und die Beratung dokumentieren.
Ein wesentliches Ziel der epidemiologischen Überwachung (Surveillance) ist das Erkennen von aktuellen Entwicklungen, um schnell eingreifen zu können. Die Bestimmung der Zahl der HIV-Neuinfektionen pro Zeiteinheit (HIV-Inzidenz) ist aber methodisch schwierig und aufwändig. Die Meldungen über HIV-Neudiagnosen dürfen weder mit der HIV-Inzidenz noch mit der HIV-Prävalenz (Anzahl der zu einem bestimmten Zeitpunkt bestehenden HIV-Infektionen) gleichgesetzt werden. Die Meldungen über HIV-Neudiagnosen erlauben keinen direkten Rückschluss auf den Infektionszeitpunkt, da HIV-Infektion und -Test zeitlich weit auseinander liegen können. Faktoren, die die Meldedaten beeinflussen können, sind das Angebot von Testmöglichkeiten, die Inanspruchnahme der Testangebote und das Meldeverhalten der Ärzte.
Zur besseren Abschätzung des aktuellen Infektionsgeschehens beginnt das Robert Koch-Institut in Kürze eine vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte deutschlandweite Studie. Ziel dieser "Inzidenzstudie", der eine erfolgreiche Pilotstudie vorausging, ist die Bestimmung des Anteils der kürzlich erworbenen HIV-Infektionen unter den HIV-Neudiagnosen. Dabei werden Blutproben auf Marker einer frischen Infektion untersucht.
Robert
Koch-Institut - Pressemeldung vom 8. Oktober 2007
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Neues Medikament gegen AIDS entdeckt?
Nowosibirsk - Das staatliche wissenschaftliche Institut für Virusforschung und Biotechnologie "Vektor" in Nowosibirsk hat ein neues Medikament im Kampf gegen den HI-Virus vorgestellt. Russische Wissenschaftler verbinden große Hoffnungen mit dem Serum beim Kampf gegen AIDS.
"Wie bekannt ist, gibt es in der Welt keinen Impfstoff gegen HIV. Heute haben die Vertreter von Vektor ihren Vortrag präsentiert: Es gibt Hoffnung, dass ein neues effektives Serum gefunden wurde", sagte der bekannte russische Genetiker Wladimir Schumny.
Allerdings dämpfte die stellvertretende Generaldirektorin des Instituts, Raissa Martynjuk, übertriebene Erwartungen. Zurzeit sei es noch zu früh, über die Effektivität des Serums zu reden, meinte die für die Koordinierung der wissenschaftlichen Arbeiten am Institut zuständige Forscherin.
Zunächst müssten die klinischen Tests abgewartet werden. Nur dadurch könne die Wirksamkeit des Mittels und seine Unbedenklichkeit für den Menschen auch nachgewiesen werden, erklärte Martynjuk.
Russland
Aktuell vom 5. Oktober 2007
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Dübendorf - Mit der aufrüttelnden Fotoausstellung "Trotz Aids - Gib den Kindern eine Chance" zeigt World Vision Schicksale von afrikanischen Kindern in einer Welt mit HIV und Aids. Die insgesamt 20 Bilder werden in der Schweiz an der Art International vom 12. bis 14. Oktober 2007 im Kongresshaus Zürich zum ersten Mal gezeigt.
Die Fotoreihe von Sönke C. Weiss trägt den Titel "Trotz Aids - Gib den Kindern eine Chance". Die Ausstellung zeigt Kinder in einer Welt mit HIV und Aids. Die 20 Porträts zeigen die hässliche Wahrheit von heute. 40 Millionen Menschen leben bereits mit HIV oder Aids. Die Zahl ist immer noch steigend. Besonders betroffen sind die Kinder. Die Seuche hat dramatische Folgen für ihr tägliches Leben - ihren Unterhalt, ihre Schulbildung, ihre Gesundheitsversorgung, ihre gesamte Zukunft.
15 Millionen Kinder haben weltweit ihre Eltern durch HIV/Aids verloren. Bis zum Jahr 2010 wird sich die Zahl der Halb- und Vollwaisen durch die Immunschwächekrankheit auf über 25 Millionen erhöhen. Es sind die vergessenen Kinder.
In seiner Fotoreihe gibt World Vision-Fotograf Sönke C. Weiss diesen Kindern ein Gesicht und eine Stimme. 2006 besuchte er acht Länder in Ost-, Süd- und Zentralafrika. Dort entstanden 20 Porträts von Kindern, die als selbst Erkrankte direkt oder als Waisen indirekt von HIV/Aids betroffen sind. In intensiven Gesprächen hat Weiss die Sicht der Kinder eingefangen und aufgeschrieben. Die Texte haben deshalb denselben Rang wie die Bilder.
Sönke C. Weiss, geb. 1967, hat mehrere Jahre in Afrika gelebt und bereist den Kontinent seit 1998. Der international ausgezeichnete Reporter und Korrespondent ist mit der französischen Journalistin Mathilde Giard verheiratet. Sie haben eine Tochter. Weiss ist Medienreferent bei World Vision Deutschland.
Weitere Informationen zur Art International in Zürich finden Sie unter http://www.art-zurich.com.
World
Vision Schweiz - Pressemeldung vom 4. Oktober 2007
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Auch Gene beeinflussen Verträglichkeit der Therapie
Untersuchungen zu Efavirenz und Nevirapin bei HIV
Bonn - Die Medikamente Efavirenz und Nevirapin gegen HIV sind wichtige Bestandteile einer Erst-Therapie. Unter Efavirenz treten als akute moderate unerwünschte Wirkung ZNS-Störungen und unter Nevirapin Leberwerterhöhungen auf, die mit hohen Plasmakonzentrationen korrelieren. Ursache dafür scheint ein genetischer Polymorphismus des CYP2B6-Enzyms zu sein.
Auf den Zusammenhang mit dem CYP450-System hat Dr. David H. Haas von der Vanderbilt Universität in Nashville in Tennessee hingewiesen. HIV-Therapien, die den nicht-nukleosidischen Reverse Transkriptase-Hemmer (NNRTI) Efavirenz enthalten, seien meist lang anhaltend virologisch und immunologisch wirksam, betonte Haas bei einer Tagung unter anderem des Bundesgesundheitsministeriums in Bonn. Jedoch verursache Efavirenz ZNS-Störungen wie Schwindel, Benommenheit und Albträume. Diese verschwinden bei den meisten Patienten mit der Zeit, bei einigen Patienten jedoch können sie persistieren.
Efavirenz und der zweite Vertreter der NNRTI, Nevirapin, werden vor allem über das Enzym CYP2B6 in der Leber verstoffwechselt. Mehrere Studien ergaben eine Korrelation zwischen Polymorphismen des CYP2B6-Gens, hohen Plasmakonzentrationen von Efavirenz und vermehrten ZNS-Störungen. Zwei Polymorphismen konnten bei afrikanischen Patienten vermehrt nachgewiesen werden. Sie waren assoziiert mit höheren Plasmakonzentrationen von Efavirenz und dementsprechend mehr ZNS-Störungen, berichtete Haas.
Ärzte
Zeitung vom 2. Oktober 2007
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Skandal um illegale Aids-Experimente
Schwere Anschuldigungen gegen Pretoria
Kapstadt - Südafrikanische Aids-Aktivisten beschuldigen die Regierung in Pretoria, 2000 und 2001 in Tansania illegale Experimente mit dem umstrittenen Aids-Medikament 'Virodene' gefördert und finanziert zu haben. Zu diesem Zeitpunkt stand das Präparat bereits in Verruf, gefährliche Nebenwirkungen auszulösen.
Nach den Angaben der 'Treatment Action Campaign' (TAC), dem größten Interessensverband von HIV-Patienten in Südafrika, war die Regierung von Präsident Thabo Mbeki unmittelbar in Experimente mit Virodene im ostafrikanischen Tansania verwickelt. Rund 5,7 Millionen Dollar seien damals von Vertretern der Regierung an die Hersteller von Virodene geflossen, so der Vorsitzende und Gründer von TAC, Zackie Achmat.
Es habe sich hierbei um Spendengelder gehandelt, die unmittelbar in die Entwicklung und die Verbreitung des Medikaments 'Virodene' in Tansania geflossen seien, so Achmat. Dort habe die 'Tanzanian People's Defense Force' (TPDF) in zwei verschiedenen Krankenhäusern der tansanischen Hauptstadt Daressalam Versuche mit dem umstrittenen Aids-Medikament durchgeführt. Die TPDF ist eine 27.000 Mann starke Wehrpflichtarmee.
Dem Aktivisten zufolge umfassten die Versuche 64 HIV-positive Männer, darunter pensionierte Armeeangehörige und Zivilisten. Im Jahr 2001 sei Südafrikas Gesundheitsministerin Manto Tshabalala-Msimang persönlich nach Tansania gereist, um sich über die Versuche zu informieren. Diese seien kurz nach dem Besuch vorübergehend eingestellt, ein Jahr später aber wieder aufgenommen worden, versicherte Achmat, der selbst mit dem HI-Virus infiziert ist. Seine Organisation werde die Einsetzung einer richterlichen Kommission fordern, um die Rolle der südafrikanischen Regierung bei den Experimenten in Tansania zu untersuchen, kündigte der TAC-Vorsitzende an.
Gefährliches Medikament
Das von einem Pharmaunternehmen mit Sitz in Pretoria entwickelte Medikament Virodene wurde in den späten 90er Jahren zur Behandlung der Immunschwächekrankheit Aids eingesetzt. Präsident Thabo Mbeki galt als ein großer Befürworter des Produktes. Nach einer 22 Monate langen Untersuchung aber nahm der südafrikanische Kontrollrat für Arzneimittel das Mittel vom Markt. In den Versuchsreihen hatte sich herausgestellt, dass es nicht nur ungeeignet für die Behandlung von Aids-Patienten war, sondern darüber hinaus schwere Leberschäden hervorrufen kann.
Es ist nicht das erste Mal, dass die südafrikanische Regierung mit einem Aids-Skandal in Verbindung gebracht wird. Präsident Mbeki stand in dieser Hinsicht schon einmal unter Beschuss, hatte er doch die Verbindung zwischen dem HI-Virus und der Immunschwächekrankheit Aids schlichtweg abgestritten.
Auf einer internationalen Aids-Konferenz in Durban im Jahr 2000 hielt Mbeki eine Rede, in der er die Armut und nicht das HI-Virus für die Krankheit verantwortlich machte. Gesundheitsministerin Tshabalala-Msimang hatte ihrerseits die These verbreitet, man könne die Krankheit durch eine gesunde Ernährung, etwa durch die Einnahme von Knoblauch oder Roter Beete, heilen.
So wurden in Südafrika erst 2003 antiretrovirale Therapien (ARV) der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Regierung setzte sich das Ziel, 300.000 Menschen bis Ende 2006 mit dieser Erfolg versprechenden Therapie zu behandeln. Schätzungen von UNAIDS, dem Anti-Aids-Programm der Vereinten Nationen, zufolge bedürfen aber 800.000 der 5,3 Millionen HIV-positiver Südafrikaner dringend einer antiretroviralen Behandlung.
Unterdessen nimmt die Zahl der Infizierten ständig zu. Wissenschaftler schätzen, dass sich täglich rund 1.500 Menschen mit dem Erreger neu infizieren, mehr als 300.000 sterben jedes Jahr an den Folgen der Infektion.
Zusätzliche Informationen im Internet: http://www.unaids.org/
Afrika
Info vom 1. Oktober 2007
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Koinfektion mit HCV und HIV ist eine Herausforderung
Weniger als zehn Prozent der Koinfizierten werden gegen HCV behandelt
Bochum - Bislang erhält in Europa nicht einmal jeder zehnte Patient, der mit HCV und HIV-koinfiziert ist, eine Therapie gegen das Hepatitis-Virus. Gründe hierfür sind zum Beispiel die Angst der Patienten vor der Therapie und mangelndes Vertrauen von Ärzten in ihre Patienten, dass diese die Therapie überhaupt durchhalten.
Gegen diese Vorbehalte müsse viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, sagte Professor Jürgen Rockstroh aus Bonn. Man müsse sich als Arzt auf die Patienten und deren Realität einlassen, sie unterstützen und versuchen, sie an sich zu binden, so Rockstroh auf der 62. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in Bochum. Viele der HCV/HIV-koinfizierten Patienten sind Alkohol- oder Drogenabhängig. Eine enge Therapie-Überwachung ist daher unerlässlich.
Koinfizierte Patienten sprechen schlechter auf HCV-Therapie an
Studien zufolge sind die virologischen Ansprechraten mit Blick auf das Hepatitis-Virus bei einer HCV/HIV-Koinfektion etwa zehn Prozent geringer als bei einer HCV-Monoinfektion. Die HCV-Therapie bei HIV-Koinfektion dauert derzeit 48 Wochen unabhängig vom Genotyp. Behandelt wird mit einer Kombination aus pegyliertem Interferon-alpha und Ribavirin. Voraussetzung für eine aussichtsreiche Behandlung sei eine HIV-Menge von unter 50.000 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter Blut und eine CD4-Zellzahl über 350 pro Mikroliter Blut, so der Vorsitzende der Deutschen AIDS-Gesellschaft auf einer Pressekonferenz von Essex.
Ausschlaggebend für ein dauerhaftes virologisches Ansprechen (SVR) ist das frühe virologische Ansprechen in der 12. Woche, das definiert ist als ein HCV-RNA-Absinken um zwei log-Stufen, also auf ein Hunderstel.
Das Ansprechen nach drei Monaten ist entscheidend
Belegt wurde dies etwa in einer Studie mit Peginterferon alfa-2b (PegIntron®) plus Ribavirin (Rebetol®) - die die Zulassungserweiterung für HCV/HIV-koinfizierte Patienten erhalten haben. In der Studie ist belegt worden, dass 70 Prozent der Patienten, die bis zur 12. Woche angesprochen hatten, nach 48 Wochen ein SVR erreichten. Die in den ersten zwölf Wochen nicht angesprochen hatten, erreichten kein SVR.
STICHWORT
HCV/HIV-Koinfektion: In Deutschland
sind 15 Prozent der HIV-Infizierten zusätzlich mit HCV infiziert,
in Europa im Mittel 33 Prozent. Innerhalb Europas gibt es große Unterschiede
- stark betroffen ist Osteuropa mit Raten bis zu 48 Prozent. Eine HCV/HIV-Koinfektion
kann fast doppelt so schnell zu einer Leberzirrhose führen wie eine
HCV-Infektion - die Latenzzeit bis zum Leberversagen oder Leberkarzinom
beträgt etwa zehn bis 15 Jahre. Leberversagen ist oft die häufigste
Todesursache bei HIV-infizierten Patienten.
Ärzte-Zeitung
vom 28. September 2007
Inhaltsverzeichnis
Bei Lopinavir ist Lipoatrophie eher selten
Frankfurt am Main - Ein Verlust des subkutanen Fettgewebes im Gesicht, an Armen, Beinen und Gesäß ist mit manchen Therapien gegen HIV assoziert. Diese belastenden Effekte sind bei dem verstärkten Proteasehemmer Lopinavir (Lopinavir/r) seltener als beim Nicht-Nukleosid-Analogon (NNRTI) Efavirenz.
Die Auswertung der metabolischen Parameter der multizentrischen, offenen Studie ACTG (Aids Clinical Trial Group) 5142 hat Dr. Stephan Klauke aus Frankfurt am Main bei einer Veranstaltung von Abbott in Frankfurt am Main vorgestellt. Sie hat ergeben, dass eine Lipoatrophie bei dem mit Ritonavir verstärkten Protease-Hemmer (PI) Lopinavir/r (LPV/r; Kaletra®) seltener auftritt als mit dem NNRTI Efavirenz (EFV).
In der Studie erhielten 753 bisher nicht behandelte Patienten 96 Wochen lang LPV/r oder EFV mit je zwei NRTI oder die NRTI-sparende Therapie LPV/r/ EFV. In der EFV-Gruppe trat bei 32 Prozent eine Lipoatrophie auf, in der LPV/r-Gruppe bei 17 Prozent und in der LPV/r/EFV-Gruppe bei 9 Prozent. Lipoatrophie war definiert als über 20 Prozent Verlust an Extremitätenfett.
Klauke wies darauf hin, dass der Unterschied unabhängig von den NRTI d4T, AZT und Tenofovir war. Die Raten einer Lipoatrophie waren am geringsten, wenn keines der Thymidin-Analoga, dafür aber Tenofovir in der Therapie enthalten war. Die Studie hat begonnen, als noch generell Thymidin-Analoga in der Erst-Therapie verwendet wurden. Inzwischen geschehe das nur noch in Ausnahmen, so Klauke.
Ärzte-Zeitung
vom 27. September 2007
Inhaltsverzeichnis
ICAAC 2007: NEWS from Chicago!
Der ausführliche Bericht über den größten internationalen Infektiologie-Kongress vom 17. bis 20.09.2007!
Download unter: http://www.infekt.ch/updown/documents/kongresse/ICAAC_07_def.pdf
Infektiologie
St. Gallen vom 26. September 2007
Inhaltsverzeichnis
Mit Tipranavir gegen multiresistentes HIV
Proteasehemmer unterdrückt langfristig die Virusvermehrung / Kombination mit neuen Substanzen ist möglich
Frankfurt am Main - Bei bereits intensiv behandelten HIV- Infizierten mit eingeschränkten Therapie-Optionen ist der mit Ritonavir verstärkte Proteasehemmer Tipranavir den herkömmlichen verstärkten Proteasehemmern - als PI/r abgekürzt - überlegen.
Den Therapie-Erfolg mit Tipranavir haben die beiden Phase-III-Studien RESIST 1 und 2 belegt, in denen mehr als 1400 zuvor intensiv behandelte HIV-Infizierte therapiert wurden. Sie hatten bereits Viren, die gegen die drei Hauptklassen der antiretroviralen Therapie resistent waren. Mit den Studien sei belegt worden, dass bei Patienten mit multiresistenten Viren ein neues Medikament die Virusmenge unter 50 pro Milliliter Blut dauerhaft senkt. Darauf hat Dr. Birger Kuhlmann, niedergelassener Arzt in Hannover, auf einer Aids-Konferenz in Frankfurt am Main hingewiesen.
In den Studien lag nach 96 Wochen bei 20 Prozent der Patienten aus der Gruppe mit verstärktem Tipranavir (Aptivus®) die Virusmenge unter 50 HIV-RNA-Kopien - im Vergleich zu neun Prozent in der Kontroll-Gruppe. Patienten dieser Gruppe erhielten die Proteasehemmer Lopinavir/r, Amprenavir/r, Saquinavir/r oder Indinavir/r, jeweils kombiniert mit einer Basistherapie. Enthielt die Basistherapie auch den Fusionshemmer Enfuvirtid, erhöhte sich der Anteil auf 35 und 14 Prozent.
In Zukunft werde es noch weitere neue Substanzen geben, mit denen Tipranavir sich gut kombinieren lasse, sagte Kuhlmann auf einer Veranstaltung von Boehringer Ingelheim. So belegten erste Daten, dass Tipranavir die Pharmakokinetik des CCR5-Antagonisten Maraviroc und des Integrasehemmers Raltegravir, die beide wahrscheinlich demnächst zugelassen werden, kaum beeinflusst und die Substanzen nur wenige Wechselwirkungen eingehen.
Da es aber Arzneien gebe, die bei mehreren Resistenzen noch wirkten, solle eine Therapie-Umstellung bei zuvor Behandelten möglichst früh bei den ersten Zeichen einer wieder auftretenden Virusvermehrung eingeleitet werden, riet Kuhlmann.
Ärzte-Zeitung
vom 24. September 2007
Inhaltsverzeichnis
EU-Zulassung für neues HIV-Medikament Celsentri
London - Das Pfizer-Medikament "Celsentri" gegen die Immunschwächekrankheit Aids hat die Zulassung der Europäischen Union (EU) erhalten.
Der Wirkstoff hindere das HIV-Virus am Eindringen in unbefallene Zellen, teilte die Pfizer Inc am Montag mit. Anders als bei anderen Therapien, die das Virus in den Weißen Blutkörperchen bekämpften, werde der Haupteingangsweg des Virus in die Zellen blockiert.
Das neue Medikament soll bei Patienten eingesetzt werden, bei denen andere Therapien nicht mehr wirken. Der New Yorker Pharmakonzern vermarktet das Mittel bereits in den USA, wo es im vergangenen Monat unter dem Namen "Selzentry" zugelassen wurde. Nach Analysteneinschätzung könnte das Produkt bis 2011 einen Umsatz von 500 Mio USD pro Jahr generieren.
Pfizer
- Pressemeldung vom 24. September 2007
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Rückschlag für Aids-Impfstofftest
Ein großer, vielversprechender Aids- Impfstofftest in Südafrika ist vorerst gestoppt worden. Das Präparat MRKAd5 galt bislang als einer der aussichtreichsten Impfstoffkandidaten gegen Aids.
Parallelversuche in den USA und Australien hatten jedoch Hinweise darauf gegeben, dass der von der US-Firma Merck & Co. entwickelte Impfstoffkandidat nicht gegen HIV- Infektionen schützt.
«Es war ein sehr schlechter Tag für uns. Diese Neuigkeiten machen uns schrecklich mutlos», sagte die Chefwissenschaftlerin des Impfstofftests in Südafrika, Glenda Gray vom Chris Baragwanath Hospital in Soweto, der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Etwa 700 Menschen waren an dem Versuch (HVTN 503) mit dem Codenamen Phambili beteiligt, der an fünf Orten in Südafrika um Februar 2007 gestartet war. Der Impfstoff sollte gegen den Viren- Subtyp C schützen, der in Afrika verbreitet ist.
Vorangegangene Versuche hatten zunächst einige Erfolge dieses Präparats gegen den Viren-Subtyp B gezeigt. Nun hatten Zwischenergebnisse von Tests in Regionen mit dem Subtyp B, wie den USA und Australien, jedoch ergeben, dass der Stoff MRKAd5 wahrscheinlich nicht vor HIV schützt.
Es werde etwa einen Monat dauern, bis aufgrund der neuen Datenlage entschieden werden könne, ob der südafrikanische Test weitergeführt werde, sagte Gray.
Erste Ergebnisse des südafrikanischen Tests hatten laut Gray eine gute Reaktion des Immunsystems gezeigt, doch es scheine nun so, als ob dies nicht unbedingt zur Abwehr der Aidsviren führe.
Der südafrikanische Test, eine Phase II-Studie, war einer der am weitesten fortgeschrittenen Impfstoffversuche auf dem Gebiet in Afrika. In Südafrika sind 5,4 Millionen Menschen mit Aidsvirus infiziert - das ist jeder neunte.
20min.ch
- Meldung vom 22. September 2007
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AIDS-Medikament für Afrika nimmt letzte Zulassungshürde
Toronto, Kanada - Kanadas Bundespatentkommissar erteilte heute eine verbindliche Lizenz für ApoTriavir unter Kanadas Programm für den Zugang zu Arzneimittelbehandlungen (Access to Medicines Regime Program, CAMR), die Apotex erlaubt, mit der Herstellung des Produkts fortzufahren. Dieses Medikament, ein dreifach kombiniertes AIDS-Therapeutikum, war das erste Produkt, das die kanadische Gesundheitsbehörde Health Canada unter den CAMR-Bestimmungen zugelassen hat. ApoTriavir wurde im August 2006 von Health Canada freigegeben und erhielt die vorläufige Zulassung von der Weltgesundheitsorganisation.
Das CAMR-Programm zielt darauf ab, Entwicklungsländern ohne oder mit nur geringen pharmazeutischen Produktionskapazitäten im Kampf gegen HIV/AIDS, Tuberkulose, Malaria und anderen Krankheiten beizustehen.
Ruanda war das erste afrikanische Land, das ApoTriavir unter diesem etablierten Verfahren angefordert hat und die heutige Lizenz ebnet uns den Weg, um der Regierung von Ruanda ein Qualitätsmedikament zu einem erschwinglichen Preis zu liefern. Die Verzögerung zwischen der Zulassung durch Health Canada und der Erteilung der verbindlichen Lizenz veranschaulicht die Probleme, die der gegenwärtigen Form dieses Verfahrens innewohnen. Es ist unnötig kompliziert und die Interessen derer, die der Behandlung bedürfen, sind nicht ausreichend vertreten. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist das Verfahren freiwillig und unterliegt der Kontrolle der Pharmaunternehmen, welche die Patente für Arzneien wie Apo-Triavir besitzen. In diesem Fall waren Glaxo Smith Kline (GSK), Shire und Boehringer Ingelheim die Patentinhaber und alle drei Unternehmen machten die freiwillige Erteilung der Lizenz von zahlreichen Bedingungen abhängig.
Am Ende stellten sich GSK und Shire zwar nicht gegen den Antrag, entschieden sich aber, keine freiwillige Lizenz zu erteilen, weshalb Apotex die Windungen des CAMR durchlaufen musste. Auch Boehringer Ingelheim war nicht bereit, eine Lizenz freiwillig zu erteilen.
Dieses Verfahren zur Einholung einer Herstellungslizenz für ein Produkt muss mit jedem neuen Land, das einen Antrag stellt, aufs Neue begonnen werden. Es gibt keine Sicherheit, dass die Patentinhaber nicht wieder versuchen werden, das Verfahren und die zukünftige Versorgung von Entwicklungsländern mit lebensnotwendigen Medikamenten zu verzögern. "Wir tun dies, ohne einen Gewinn zu erwirtschaften und hoffen, dass dieses lebensrettende Medikament zu den Tausenden von Patienten gelangt, die jeden Monat in Afrika sterben; die kanadische Bundesregierung muss das Verfahren ändern, damit erschwingliche Qualitätsmedikamente diejenigen erreichen, die derzeit keinen Zugang haben", sagte Jack Kay, Präsident und COO von Apotex.
Apotex ist das größte Pharmaunternehmen Kanadas, das 300 Medikamente in 115 Länder exportiert. Es plant, während der nächsten 10 Jahre 2 Milliarden kanadische Dollar in Forschung und Entwicklung zu investieren.
Apotex
Inc. - Pressemeldung vom 21. September 2007
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Nevirapin ist langfristig gegen HIV effektiv
Therapie mit nicht-nukleosidischem Hemmer der Reversen Transkriptase muss relativ selten umgestellt werden.
Frankfurt am Main - Der nicht-nukleosidische Reverse Transkriptasehemmer (NNRTI) Nevirapin ist eine gute Langzeit-Therapie-Option bei noch nicht behandelten Patienten. Das gilt auch für Patienten, deren HIV-Therapie umgestellt oder vereinfacht werden soll.
Immer mehr kontrollierte Studien und Kohortenanalysen belegen, dass die beiden NNRTI Nevirapin (Viramune®) und Efavirenz ähnlich gut HIV unterdrücken. Außerdem haben diese NNRTI bei virologischer Wirksamkeit und Verträglichkeit im Mittel einen leichten Vorteil im Vergleich zu Proteasehemmern (PI). Darauf hat Professor Matthias Stoll aus Hannover bei einer Aids-Konferenz in Frankfurt am Main hingewiesen.
Eine NNRTI-basierte Erst-Therapie mit Nevirapin kann Stoll zufolge eine gute Langzeit-Therapieoption sein. So ergab eine Kohortenanalyse an der Medizinischen Hochschule in Hannover, dass eine Erst-Therapie mit Nevirapin (127 Patienten) seltener umgestellt werden musste als eine Efavirenz- (71 Patienten) oder PI-basierte (144 Patienten) Therapie: Nach einem Jahr erhielten 56 Prozent, nach zwei Jahren 32 Prozent und nach drei Jahren 27 Prozent der Patienten unverändert Nevirapin in Kombination mit zwei Nukleosid-Analoga. Bei einer Efavirenz-haltigen Therapie lagen die Zahlen bei 34 sowie 13 und 8 Prozent, bei einer Proteasehemmer-Therapie betrugen sie 23 sowie 13 und 6 Prozent.
Bei den Patienten, die in den ersten drei Jahren ihre Therapie aus Nevirapin und zwei Nukleosid-Analoga nicht veränderten, betrug die mittlere Therapie-Dauer für die Erst-Therapie und für Folgetherapien mit Nevirapin jeweils 4,5 Jahre, berichtete Stoll auf einer Veranstaltung des Unternehmens Boehringer Ingelheim.
Die häufigsten unerwünschten Wirkungen von Nevirapin seien Hautausschlag und Leberwerterhöhung vor allem in den ersten sechs Wochen der Therapie, die in Studien bei elf Prozent der Patienten zu einem Abbruch der Therapie führte.
Ärzte
Zeitung vom 20. September 2007
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Schwangerschaft verlangsamt HIV-Progression
Nashville – Gute Nachrichten für HIV-positive Frauen mit Kinderwunsch. Nach den Ergebnissen einer Kohortenstudie im Journal of Infectious Diseases (JID 2007; 196: 1044-1052) hat eine Schwangerschaft keine nachteiligen Auswirkungen auf die Progression einer HIV-Infektion. Es war sogar eine protektive Wirkung erkennbar.
Vor Einführung der hoch aktiven antiretroviralen Therapie (HAART) galt eine Schwangerschaft bei HIV-Infizierten als geradezu unmoralisch. Das Risiko einer Mutter/Kind HIV-Übertragung wurde auf 25 Prozent geschätzt und die Prognose der Infektion machte es äußert unwahrscheinlich, dass die Mutter ihr Kind bis zu dessen Erwachsenenalter begleiten würde. Die offizielle Empfehlung lautete damals den Kinderwunsch zu verschieben, ohne dass die Verantwortlichen an die Realität dieses Ratschlags geglaubt hätten.
Inzwischen ist – dank HAART und einer postnatalen Therapie des Neugeborenen – das Risiko einer Mutter/Kind HIV-Übertragung fast auf Null gesunken. Nur die Gefahr, dass die Schwangerschaft zu einer gefährlichen Progression der HIV-Infektion bei der Schwangeren selbst führen könnte, stand noch im Raum.
Nach den Ergebnissen, welche die Arbeitsgruppe um Timothy Sterling von der Vanderbilt Universität in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee vorlegt, dürfte das Risiko gering sein. Die Mediziner haben die Daten von 759 Frauen ausgewertet, die zwischen 1997 und 2004 an einem Behandlungszentrum der Stadt betreut wurden. 139 Frauen wurden schwanger. Bei elf dieser Frauen ist es bisher zu einer Progression der HIV-Infektion zur Immunschwäche Aids gekommen. Die Rate von 8 Prozent war damit deutlich niedriger als bei den 540 Frauen ohne Schwangerschaft, von denen 149 (24 Prozent) dass Vollbild Aids entwickelten.
Allerdings muss man bei Beobachtungsstudien in der Bewertung vorsichtig sein. Es ist denkbar, dass zufällige Faktoren, etwa eine höhere Viruslast, Frauen eher von einer Schwangerschaft abhalten könnte. Tatsächlich waren die Patientinnen mit Schwangerschaft jünger, sie hatten höhere CD-4-Werte, hatten eine bessere medizinische Versorgung, wurden häufiger mit HAART behandelt und sie waren therapieadhärenter.
Sterling hat deshalb in einer weiteren Analyse zwei Gruppen von jeweils 81 HIV-Patientinnen mit und ohne Schwangerschaft gegenübergestellt, die sich in möglichst vielen Eigenschaften glichen. Auch hier war ein deutlicher protektiver Effekt der Schwangerschaften feststellbar (Hazard Ratio auf eine Progression 0,10, 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,01-0,89), der auch in einer Multivariat-Analyse weitgehend Bestand hatte (Hazard Ratio 0,44; 0,19-1,00). Der Effekt verstärkte sich mit der Zahl der Schwangerschaften.
Für die Editorin Kathryn Anastos vom Albert Einstein College of Medicine in New York sind diese Daten geeignet, auch Frauen aus ressourcenarmen Bevölkerungsschichten zu beruhigen, in denen die Versorgung der HIV-Infektion nicht immer optimal ist, in denen aber Schwangerschaften häufiger auftreten (JID 2007; 196: 971-973).
Deutsches
Ärzteblatt vom 20. September 2007
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Vorbeugende Tablette könnte Aids in Afrika stark eindämmen
Wissenschaftler gehen davon aus, dass durch den Einsatz eines vorbeugenden Aids-Medikaments in Afrika drei Viertel der Ansteckungen vermieden werden könnten.
Chicago - Wenn die Menschen im südlichen Afrika jeden Tag vorbeugend eine "Anti-Aids-Tablette" einnehmen würden, ließe sich die Immunschwächekrankheit einer Studie zufolge stark eindämmen. "Das könnte ein neues Werkzeug in unserem Arsenal gegen die HIV-Ansteckung sein", schreibt der Forscher Ume Abbas von der US-Universität Pittsburgh im Wissenschaftsblatt "PLoS One". Demnach zeigen Computermodelle, dass im besten Fall drei Viertel der Aids-Ansteckungen zu vermeiden wären, wenn das antiretrovirale Medikament regelmäßig eingenommen würde.
Nirgendwo sonst auf der Welt sind so viele Menschen von Aids betroffen wie im südlichen Afrika, mehr als 22 Millionen Erwachsene tragen dort das HI-Virus in sich. Auf den südlichen Teil des Kontinents entfallen damit zwei von drei Infizierten weltweit.
Fünf Studien Weltweit
Die US-Studie bezieht sich auf das
Medikament Tenofovir, dessen vorbeugende Wirkung erfolgreich an Affen erprobt
wurde. Die US-Gesundheitsbehörden lassen derzeit die vorbeugende Wirkung
von Tenofovir, das zur Behandlung von bereits infizierten Patienten eingesetzt
wird, in fünf verschiedenen Studien auf vier Kontinenten untersuchen.
Die ersten Ergebnisse der Versuche werden für Anfang kommenden Jahres
erwartet.
Mit Hilfe von Computermodellen berechneten Abbas und seine Kollegen aber bereits jetzt mögliche Wirkungen des Einsatzes: Würden es drei Viertel der Afrikaner zwischen 19 und 49 Jahren südlich der Sahara einnehmen und es in 90 Prozent der Fälle wirksam sein, könnten in zehn Jahren 74 Prozent aller HI-Infektionen vermieden werden, heißt es in der Studie.
Wenn nur die Hälfte der sexuell aktiven Bevölkerung im südlichen Afrika das Medikament bekäme und die Tablette zu 60 Prozent wirksam sei, würde laut Computermodell immerhin jede vierte Ansteckung verhindert.
Vienna
Online News vom 19. September 2007
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Zahl der AIDS-Erkrankungen in Georgien steigt rapide
Georgien will 11 Millionen Dollar
für ein Programm zur AIDS-Vorsorge ausgeben. Ein entsprechendes Abkommen
unterzeichneten Vertreter des Gesundheitsministeriums in Georgien und des
Globalen Fond zu AIDS-Bekämpfung am Montag in Tbilisi.
Im Rahmen der Veranstaltung veröffentlichte
Zahlen zeichneten kein positives Bild der Entwicklung von AIDS in Georgien.
Demnach habe es seit Beginn des laufenden Jahres bereits 329 Neuerkrankungen mit AIDS im Land gegeben. Im gesamten Zeitraum des Vorjahres waren es 163. Nach offiziellen Zahlen leben derzeit knapp 1.400 AIDS-Kranke in Georgien. Die Dunkelziffer wurde in Berichten georgischer Medien nicht genannt.
Die hauptsächliche Quelle für Ansteckungen mit dem HIV-Virus ist nach Berichten georgischer Medien dabei nicht ungeschützter Sex, sondern unsachgemäßer Gebrauch von Spritzen beim Konsum von Drogen.
Quelle: Radio Imedi / Rustawi 2
Georgien
Nachrichten vom 18. September 2007
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Bei HIV geht es wieder in Richtung Frühtherapie
Bei frühem Therapiestart ist die Prognose besser / Therapien sind heute besser verträglich / Bei Resistenzen gibt es mehr Optionen als früher.
Köln - Wann ist der optimale Zeitpunkt, eine HIV-Therapie zu beginnen? Das ist nach wie vor eine der zentralen Fragen bei der Behandlung von HIV-Patienten. Zurzeit gilt für den Start einer Therapie ein Wert von 350 CD4-Zellen pro Mikroliter Blut als Schwelle. Liegt der Wert darüber, wird meist abgewartet.
Noch bis etwa Ende der 90er Jahre galt, so früh und so intensiv wie möglich ("hit hart and early") zu behandeln - manchmal sogar unabhängig vom Immunstatus. Danach etablierte sich wegen der Langzeitnebenwirkungen, der Gefahr von Resistenzen und auch, weil HIV nach wie vor nicht eradiziert werden kann, ein späterer Beginn. Nun schlägt das Pendel wieder zurück in Richtung früher Therapiestart. Darüber haben Experten auf der Tagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-infizierter e. V. (DAGNÄ) in Köln diskutiert.
Noch gilt: Therapiestart erst
bei weniger als 200 CD4-Zellen
Zurzeit empfehlen internationale
und nationale Leitlinien, die Therapie auf jeden Fall bei Aids-Symptomen
und einer CD4-Zellzahl von weniger als 200 pro Mikroliter zu beginnen.
Bei asymptomatischen Patienten mit 200 bis 350 CD4-Zellen ist das Vorgehen
nicht einheitlich, jedoch wird eine Therapie allgemein empfohlen. Nicht
mit einer Therapie beginnen sollte man bei mehr als 350 Helferzellen und
einer Virusmenge unter 100.000 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter Blut. Bei
mehr als 500 Zellen kann auch bei hoher Viruskonzentration abgewartet werden.
"Immer mehr Kohortenstudien geben jedoch Anlass, den optimalen Zeitpunkt für den Beginn einer HIV-Therapie erneut zu überdenken", betonte Privatdozent Jan van Lunzen vom Universitätskrankenhaus Eppendorf in Hamburg.
Erste Argumente für einen früheren Therapiebeginn lieferte die SMART*-Studie, in der etwa 5500 HIV-Infizierte mit mehr als 350 CD4-Zellen pro Mikroliter entweder kontinuierlich oder mit Unterbrechungen und erneutem Therapiebeginn bei 200 bis 350 Zellen behandelt wurden (wir berichteten). Die Studie wurde vorzeitig beendet, weil in der Gruppe mit Therapiepausen nicht nur Aids-definierende Erkrankungen wie Pneumocystis-Pneumonie, sondern überraschend auch Nicht-Aids-definierende Erkrankungen wie Herzinfarkte sowie Leber- und Nierenerkrankungen und unerwünschte Wirkungen der HIV-Medikamente signifikant häufiger auftraten.
Bei frühem Start der Therapie
ist die Prognose besser
Eine Subanalyse der SMART-Studie
von 500 bisher nicht behandelten Patienten und Patienten, die lange keine
HIV-Therapie erhalten hatten, ergab nach Angaben von van Lunzen eindeutig:
Ein Therapiestart bei mehr als 350 CD4-Zellen geht mit einer besseren Prognose
einher. Gestützt wird das durch eine Subanalyse der ATHENA**-Studie
mit mehr als 3000 HIV-Patienten: Auch hier war ein Therapiestart bei weniger
als 350 CD4-Zellen pro Mikroliter vor Beginn der HIV-Therapie mit einem
höheren Risiko, an Aids zu erkranken oder zu sterben, assoziiert.
Zudem sind nach Angaben von van Lunzen heutige HIV-Therapien besser verträglich. Bei Resistenzen gibt es inzwischen mehr Therapie-Optionen. Somit sind diese Gründe für einen verzögerten Beginn nicht mehr gegeben. Ein wichtiges Argument, früher zu behandeln, sei auch, dass so das Übertragungsrisiko verringert werden könne, sagte van Lunzen. Und: Durch die Immunaktivität wird das Altern beschleunigt. Dem könnte durch früheren Beginn entgegen gesteuert werden.
Für Dr. Hans Jäger aus München ist dagegen die Zeit noch nicht reif, den Beginn der HIV-Therapie nach vorne zu verschieben, denn "die Daten reichen nicht, um eine Änderung der Leitlinien zu begründen".
Das Nutzen-Risiko-Profil eines früheren Therapiebeginns wird erst die geplante randomisierte START-Studie mit fast 4000 Patienten klären können: Die HIV-Therapie wird bei mehr als 450 CD4-Zellen pro Mikroliter begonnen oder erst dann, wenn die Zellzahl auf 275 bis 325 gesunken ist. Nach fünf Jahren werden die Raten der schweren Aids- und nicht Aids-assoziierten Symptome in beiden Gruppen verglichen.
Auch die Kosten sind für Jäger ein Grund, dass ein früherer Therapiestart problematisch sein könnte. Konsequenz sei, "dass in den Industriestaaten bereits bei 500 CD4-Zellen pro Mikroliter, in ressourcenschwachen Ländern aber erst sehr viel später behandelt wird".
Fazit: Hinweise aus mehreren Studien sprechen dafür, dass bei HIV-Infizierten wieder, wie früher üblich, bei einem noch besser intakten Immunsystem mit der Therapie angefangen werden sollte. Denn dann ist die Prognose besser. Moderne Therapien sind auch besser verträglich als frühere. Manchen HIV-Therapeuten reichen die Hinweise allerdings nicht aus, die Leitlinien in Richtung Frühtherapie zu ändern. Sie plädieren dafür, erst die Ergebnisse einer großen Vergleichsstudie abzuwarten.
*SMART: The Strategies for Management
of Antiretroviral Therapy-Study
**ATHENA: AIDS Therapy Evaluation
Project Netherlands
Ärzte
Zeitung vom 17. September 2007
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Integrasehemmer bewährt sich in Phase-III-Studie
Virusreplikation wird stark unterdrückt / Raltegravir eignet sich für Kombitherapien.
Frankfurt am Main - Der erste Vertreter der neuen Substanzgruppe gegen HIV, der Integrasehemmer Raltegravir, ist gut oral verfügbar und benötigt keine pharmakokinetische Verstärkung durch den Protease-Hemmer Ritonavir.
Zudem kann Raltegravir mit den meisten antiretroviralen Medikamenten kombiniert werden, weil es nicht über das Cytochrom-P450-System verstoffwechselt wird.
Integrasehemmer verhindern den Einbau des HIV-Genoms in das Erbgut infizierter Zellen. Das noch nicht zugelassene Raltegravir (voraussichtlicher Handelsname Isentress™) werde wegen der Halbwertszeit von 7 bis 12 Stunden zweimal am Tag, aber unabhängig von einer Mahlzeit, eingenommen. Darauf hat Dr. Olaf Degen vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf beim Deutsch-Österreichischen Aids-Kongress in Frankfurt am Main hingewiesen.
In den Phase-II-Studien waren Degen zufolge die untersuchten Dosierungen zweimal täglich 100, 200, 400 und 600 Milligramm ähnlich wirksam ohne dosisabhängige Toxizität. So lag nach 24 Wochen bei mehr als 80 Prozent der bisher nicht behandelten Patienten die Virusmenge unter 50 HIV-RNA Kopien pro Milliliter Blut. Bei den zuvor behandelten Patienten war das bei etwa 60 Prozent der Fall. Die Phase-III-Studien bestätigten die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit mit der ausgewählten Dosis zweimal täglich 400 Milligramm bei zuvor intensiv behandelten Patienten.
Degen hob auf einer Veranstaltung des Unternehmens MSD hervor, dass Raltegravir im Gegensatz zu den Proteasehemmern und den nicht-nukleosidischen Hemmern der viralen Reversen Transkriptase, nicht über das Isoenzym CYP3A des Cytochrom-P450-System verstoffwechselt wird, sondern direkt in der Leber über das Enzym UGT-1A1 glukoroniert, also mit Glukoronsäure bestückt.
Die inaktiven Glukoronide werden über Urin und Faeces ausgeschieden. Deshalb lasse sich der Integrasehemmer gut mit allen HIV-Medikamenten kombinieren. Da Raltegravir das Enzym UDP-Glucuronyltransferase nicht hemmt, erhöht sich Degen zufolge die Bilirubinmenge nicht.
Ärzte-Zeitung
vom 14. September 2007
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HIV-Positive aus ganz Deutschland können sich jetzt bewerben, für den Berlin-Marathon 2008 trainiert zu werden. Unter dem Motto "Die 42 Kilometer von Berlin" lädt das pharmazeutische Unternehmen Abbott Patienten ein, die sportliche Herausforderung anzunehmen und damit auch anderen Betroffenen Mut zu machen. Nach einem gründlichen Gesundheitscheck werden 20 Teilnehmer durch Laufexperten des Teams Joachim Franz individuell darauf vorbereitet, im Herbst kommenden Jahres in der Hauptstadt an den Start zu gehen. Bewerbungsschluss ist der 7. Oktober 2007.
Alle Informationen gibt es unter www.42kmplus.de.
Abbott
GmbH & Co KG - Pressemitteilung September 2007
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Neuer Ansatz zur HIV-Bekämpfung
Zürich/Frankfurt am Main - Schweizer Forscher haben einen neuen Ansatz zur Bekämpfung des Aidsvirus entwickelt. Das Virus werde dabei dazu gebracht, sich selbst zu zerstören, berichtete die «Frankfurter Allgemeine Zeitung».
Das Team gaukelte eintreffenden Aidsviren mit Hilfe eines künstlichen Erbgutschnipsels vor, dass bestimmte Viren-Genabschnitte bereits in der Zelle vorlägen. Die Viren zerstörten daraufhin ihre eigene Erbinformation. Die Strategie funktioniere nicht nur in Zellkulturen, sondern auch im lebenden Säugetier.
Der Aidserreger schleust bei einer Infektion sein einzelsträngiges Erbmolekül in das Innere einer Zelle. Diese so genannte RNA wird dort in doppelsträngige DNA «umgeschrieben». Das ursprüngliche RNA-Molekül wird zerstört, der DNA-Doppelstrang nistet sich im ebenfalls aus DNA bestehenden Erbgut des infizierten Menschen ein. Der nicht mehr benötigte RNA-Strang wird vom Viren-Enzym Ribonuklease H zerstört.
Die Gruppe um Karin Mölling von der Universität Zürich stellte nun einen künstlichen DNA-Strang her und gaukelte dem Virus somit vor, dass sein Bauplan bereits umgeschrieben worden sei. Die Viren- Ribonuklease H zerschnitt daraufhin die Viren-RNA - Das getäuschte Virus beging quasi Selbstmord.
Eine der Eigenschaften, die die Bekämpfung von HIV so schwer machen, ist seine ungeheure Wandelbarkeit. Viele Abschnitte seiner RNA verändern sich sehr rasch. Die Wissenschaftler mussten deshalb für ihre «Schummel-DNA» einen Abschnitt der RNA wählen, der besonders wichtig ist und deshalb kaum verändert wird.
Die Forscher konnten mit ihrem Ansatz den Einbau des Virus- Erbmaterials in das Zellgenom verhindern. Die Vermehrung des Virus habe sich mit den kurzen DNA-Stücken, sogenannten Oligonucleotiden, stark drosseln lassen, schreiben die Forscher. Die Methode habe auch bei Virentypen gewirkt, die gegen andere Aids-Medikamente bereits immun waren. Zudem könne die Strategie auch für die Bekämpfung anderer RNA-Viren interessant sein. Die Ergebnisse der Schweizer Forscher wurden bereits im britischen Fachjournal «Nature Biotechnology» (Bd. 25, S. 669) veröffentlicht.
Yahoo
News vom 13. September 2007
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Der letzte Atemzug einer Immunzelle
Radikale Sauerstoffverbindungen als wichtige Regulatoren der Immunantwort.
Wissenschaftlern des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) gelang der Nachweis, dass Mitochondrien, die Energielieferanten der Zellen, auch Signale aussenden können, die zum Absterben von Immunzellen und somit zum Ausschalten einer Immunantwort führen. Die Heidelberger Forscher zeigten im Rahmen ihres von der Wilhelm Sander Stiftung geförderten Projekts, dass ein bestimmtes HIV-Protein aus mit dem AIDS Virus infizierten Zellen diese Signale verstärkt und damit Immunzellen für das Absterben sensitiviert. Dr. Karsten Gülow und sein Team in der Abteilung von Prof. Dr. Peter H. Krammer im Deutschen Krebsforschungszentrum untersuchten die Regulation der Immunantwort. Dabei konnten die Wissenschaftler erstmals nachweisen, dass die Mitochondrien nicht nur für die Energieversorgung der Zelle zuständig sind: In Immunzellen, den Lymphozyten, senden die kleinen Zellorganellen auch oxidative Signale in Form von radikalen Sauerstoffverbindungen aus. Diese oxidativen Signale lösen in den T-Lymphozyten des Immunsystems ein Selbstmordprogramm, die Apoptose, aus, das zum Absterben der Immunzellen und somit zur Beendigung der Immunantwort führt. Mitochondrien sind also nicht nur die Energielieferanten der Zelle, sondern auch Signalgeber für oxidative Signale.
Im Verlauf einer Infektion mit dem Aids-Virus HIV kommt es zu einem dramatischen Absterben einer speziellen Art von Immunzellen, den CD4 Helfer-T-Zellen. Diese Zellen sind für eine funktionierende Immunantwort erforderlich. Sterben sie ab und fehlen, so bricht das Immunsystem zusammen, und es kommt u.a. zu schweren Infektionen. Der Mechanismus des Absterbens einiger Zellen bei AIDS ist noch nicht aufgeklärt. Die Heidelberger Wissenschaftler wiesen nun nach, dass das Tat-Protein des HI-Virus ebenfalls solche oben beschriebenen oxidativen Signale auslöst und somit Zellen für die Apoptose sensitivieren kann. Dieser Mechanismus ist vermutlich einer der Gründe für das Absterben und den massiven Verlust an CD4 Helfer-T-Zellen, der bei einer HIV-Infektion auftritt.
Die Ergebnisse der DKFZ-Forscher erlauben somit einen tieferen Einblick in die Regulationsmechanismen einer Immunantwort. So könnte es durch ein gezieltes Eingreifen in dieses oxidative Signalnetzwerk möglich sein, gewollte Immunreaktionen (z.B. bei der Krebsabwehr) zu induzieren, ungewollte dagegen (z.B. bei Entzündungen oder auch bei Transplantat-Abstoßungen) zu unterdrücken. Die gezielte Unterdrückung der oxidativen Signale ist möglicherweise auch ein hoffnungsvoller Ansatz bei der Behandlung von HIV-Erkrankungen und könnte das Absterben der CD4 Helfer-T-Zellen verhindern.
Deutsches
Krebsforschungszentrum - Meldung vom 10. September 2007
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Palma de Mallorca - Pneumokokken-Impfung ist auch bei HIV-infizierten Patienten wirksam. Das belegt eine aktuelle Studie mit über 700 Patienten.
In der retrospektiven Fall-Kontrollstudie wurden Risikofaktoren von Pneumokokken-Erkrankungen bei HIV-Patienten bestimmt (Clin Inf Dis 45, 2007, 82). Dabei zeigte sich: Eine antiretrovirale Therapie sowie die Impfung mit der Pneumokokken-Polysaccharid-Vakzine (in Deutschland Pneumovax23®) senkt die Wahrscheinlichkeit einer Pneumokokken-Erkrankung.
Mit Therapie war die Wahrscheinlichkeit um 77 Prozent reduziert, mit der Impfung um 56 Prozent. Verglichen wurde mit HIV-Infizierten ohne Therapie oder ohne Pneumokokken-Impfung. Die Autoren betonen, dass der Impfschutz auch bei Patienten mit einer T-Helfer-Zellzahl unter 200/?l wirksam war.
Als ein wesentlicher Risikofaktor einer Pneumokokken-Erkrankung - zu zwei Drittel handelte es sich um Lungenentzündungen - stellte sich bei den HIV-Patienten eine COPD heraus: Bei ihnen war die Wahrscheinlichkeit einer Pneumokokken-Erkrankung um den Faktor 2,9 erhöht.
Allerdings waren nur 20 Prozent der für die Studie untersuchten HIV-Patienten gegen Pneumokokken geimpft. Die Forscher rufen dazu auf, diese Patienten zu impfen. Dieser Aufruf deckt sich mit den Empfehlungen der STIKO für Deutschland.
http://www.rki.de hat die STIKO-Empfehlungen unter Infektionsschutz, Impfen
Ärzte-Zeitung
vom 7. September 2007
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Deutsche AIDS-Hilfe e.V. fordert Einwegspritzen zur Verhütung von Infektionskrankheiten und Erhöhung der Substitutionsplätze.
Berlin - Drogen, die in Berliner Jugendhaftanstalten gelangen, beherrschen die Schlagzeilen der letzten Tage. Die Empörung ist groß, doch ein "drogenfreier Knast" wäre nur mit extremen Sicherheitsvorkehrungen möglich, die einen menschlichen Strafvollzug unmöglich machen würden und deswegen - zu Recht - nicht ergriffen werden. Doch was passiert, wenn die Drogen in den Haftanstalten sind? Die gemeinsame Benutzung von Spritzen und Nadeln ist Alltag, Gefangene haben somit keine Möglichkeit, sich gegen Infektionskrankheiten wie HIV und Hepatitis C zu schützen. "Jeder Mensch hat ein Recht auf die Erhaltung und Förderung seiner Gesundheit, es darf keine Rolle spielen, ob er in Haft ist oder in Freiheit", betont Peter Stuhlmüller, stellvertretender Geschäftsführer der Deutschen AIDS-Hilfe e. V.
Die Deutsche AIDS-Hilfe fordert daher, angesichts der hohen Zahl von Drogen gebrauchenden Menschen in den Vollzugsanstalten kostenlos und anonym Einwegspritzen und Desinfektionsmittel zu vergeben, um die Übertragung von Krankheiten durch die gemeinsame Verwendung von Spritzen zu verhindern. "Es ist beschämend, dass in Deutschland einzig in der Berliner Frauenhaftanstalt Spritzentauschautomaten vorhanden sind. Hier wird es Zeit, dass die Justizvollzugsanstalten ihre Verantwortung ernst nehmen und Spritzenvergabeprojekte ermöglichen - sie sind ein notwendiger und sinnvoller Beitrag zur Reduzierung der Neuinfektionen von HIV und Hepatitis C", führt Bärbel Knorr, Mitarbeitern der Deutschen AIDS-Hilfe e.V. für den Bereich Haft, aus.
Ein weiteres Anliegen der Deutschen AIDS-Hilfe ist die Erhöhung der Plätze für die Substitutionsbehandlung in Haft. Für die kontrollierte Vergabe von Ersatzstoffen wie z. B. Methadon und Buprenorphin an Drogenabhängige stehen z. B. in der JVA Tegel nur fürein Prozent der 1700 Insassen Plätze zur Verfügung, obwohl mindestens30% der Inhaftierten Drogen gebrauchen.
Deutsche
AIDS-Hilfe e.V. - Meldung vom 6. September 2007
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Neue Hoffnung auf Hepatitis C Impfstoff
Britische Forscher wecken neue Hoffnungen auf einen Impfstoff gegen die Leberinfektion Hepatitis C. Sie fanden Antikörper, die im Labor die Infektion mit Stämmen des Hepatitis-C-Virus verhindern konnten. Die Wissenschaftler der Universität Nottingham wollen ihre Ergebnisse an diesem Dienstag auf dem Jahrestreffen der britischen Gesellschaft für Mikrobiologie in Edinburgh vorstellen.
Bisher kein Vakzin
An Hepatitis C, die oft chronisch
wird und Leberkrebs auslösen kann, leiden weltweit rund 180 Millionen
Menschen. Eine Impfung gibt es bislang nicht. Alexander Tarr von der Universität
Nottingham nannte die Forschungsergebnisse "einen bedeutenden Meilenstein"
für die Entwicklung eines Hepatitis-C-Impfstoffs.
Das Verfahren könne möglicherweise auch bei der Erforschung von Impfstoffen gegen andere schwere chronische Virusinfektionen wie etwa Aids helfen.
ORF
On Science vom 4. September 2007
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Warnung vor Präparaten aus rotem fermentierten Reis
Am 9. August hat die FDA einen Warnbrief an Ärzte und Konsumenten herausgegeben, in dem vor dem Einsatz einer Reihe von Nahrungsergänzungsmitteln, die roten fermentierten Reis bzw. Extrakte daraus enthalten, gewarnt wird. Bei Untersuchungen der FDA hatte sich herausgestellt, dass diese Mittel unerlaubterweise Lovastatin, eine verschreibungspflichtige Substanz, die zur Absenkung der Blutfettwerte eingesetzt wird, enthalten.
Es handelt sich hierbei um Produkte der Firmen Nature's Value Inc, Kabco Inc und Sunburst Biorganics die von den jeweiligen Herstellern über das Internet bzw. in einem Fall von Swanson Healthcare Products vertrieben werden. Für die Produkte wurde gezielt mit ihren fettsenkenden Eigenschaften geworben. Leider erwähnte die FDA in ihrem Warnbrief nicht, dass Lovastatin zuerst von einem Pilz isoliert worden ist und in bestimmten Nahrungsmittel natürlicherweise vorkommt. Vor allem in rotem fermentiertem Reis. Roter Reis entsteht, wenn normaler weißer polierter Reis in einem feuchten Milieu in Anwesenheit des Schimmelpilzes Monascus purpureus fermentiert wird.
Roter Reis wird in der traditionellen Chinesischen Medizin zur Förderung der Blutzirkulation und der Verdauung eingesetzt. Darüber hinaus ist roter fermentierter Reis in der asiatischen Küche verbreitet und kann in entsprechenden Geschäften gekauft werden. Die ersten Version des Warnbriefes hat für einen gewissen Aufruhe gesorgt, weil er nahe legt, dass illegalerweise Lovastatin den Nahrungsergänzungsmitteln zugefügt worden war. (Etwas, was bei ebenfalls über das Internet vertriebenen Potenzmitteln scheinbar eher die Regel als die Ausnahme zu sein scheint. In angeblich natürlichen, pflanzlichen Potenz fördernden Zubereitungen wurden in den letzten Jahren pharmakologisch wirksame Dosierungen etwa von Sildanafil gefunden.)
Lovastatin kann Muskelerkrankungen zu Folge haben, die wiederum zu Nierenversagen führen können. Es wird über die Leber abgebaut und hat ein recht hohes Potential an Medikamentenwechselwirkungen mit im Rahmen der HIV-Behandlung, der Behandlung von Depressionen und von hohen Blutfettwerten eingesetzten Medikamenten sowie Antibiotika. Die fraglichen Zubereitungen werden zwar nicht in Deutschland vertrieben, aber da sie über das Internet erhältlich sind, kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese Produkte – ebenso wie roter fermentierter Reis – von Menschen mit HIV/AIDS in Deutschland eingesetzt werden.
Die FDA empfiehlt denjenigen Patienten, die solche Zubereitungen einnehmen, sich mit ihren behandelnden Ärzten in Verbindung zu beraten.
Deutsche
AIDS-Hilfe e.V. - HIV-Report Ausgabe Nr. 09/2007 vom 3. September 2007
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Protease Hemmer erhöhen Herzinfarktrisiko geringfügig
Bald nach der Einführung der hochaktiven antiretroviralen Therapie standen insbesondere Protease-Inhibitoren unter dem Verdacht, das kardiovaskuläre Risiko zu erhöhen. Neue Ergebnisse bestätigen diesen Verdacht, allerdings in sehr geringem Ausmaß.
Durch Einführung der hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART), deren wesentlicher Stützpfeiler Protease-Hemmer waren und sind, hat sich die HIV-Erkrankung von einer tödlichen, schnell verlaufenden Erkrankung zu einer Erkrankung mit eher chronischem Verlauf. Viele Patienten leben mehr als zwei Dekaden mit der Infektion. Schon bald nach Einführung der Therapie kam es jedoch zu Berichten, dass ungewöhnlich viele, auch junge HIV-Patienten einen Herzinfarkt erlitten. Insbesondere Protease-Hemmer gerieten unter Verdacht.
Die DAD-Studiengruppe (Data Collection on Adverse Events of Anti-HIV drugs) hat nun bei 23.437 HIV-Patienten, die mit unterschiedlichen antiretroviralen Arzneimitteln behandelt wurden, das Herzinfarktrisiko bestimmt. Bei einer mittleren Beobachtungszeit von 4,5 Jahren sind insgesamt 345 Herzinfarkte aufgetreten. Das Risiko war bei HIV-Patienten, die mit einem Protease-Hemmer behandelt wurden, etwas höher als bei Patienten, die mit einem nichtnukleosidischen reversen Transkriptase-Inhibitor behandelt wurden. Das jährliche Risiko betrug etwa 1,16 im Vergleich zu 1,05 bei NNRTI.
Verglichen mit anderen kardiovaskulären Risikofaktoren ist die Risikoerhöhung durch Protease-Inhibitoren als gering einzustufen. So ergibt sich bereits für den Faktor "männliches Geschlecht" ein Risikofaktor von 1,91, für Rauchen von 2,83 und für ein vorausgegangenes kardiovaskuläres Ereignis ein Risikofaktor von 4,3. In der Behandlung einer HIV-Infektion hat die aggressive Therapie eindeutig Priorität vor einer möglichen geringfügigen Erhöhung des kardiovaskulären Risikos. Die Ergebnisse weisen aber darauf hin, dass Langzeitrisiken antiretroviraler Arzneimittel weiter im beobachtet werden müssen.
Quelle: New Engl J Med 356, 1723-1735 und 1773-1775 (2007)
Deutsche
Apotheker Zeitung vom 1. September 2007
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Repressive Maßnahmen behindern die Prävention
Die laufende Debatte über die Bewertung der HIV-Neudiagnosen und bessere Strategien, die Zahl der Neuinfektionen möglichst gering zu halten, ist mitgeprägt von Missverständnissen, Aufgeregtheiten und strafrechtlichen Bedrohungsszenarien. Menschen mit HIV und Aids fordern, zu einer an Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen orientierten, seriösen Debatte zurückzukehren!
Das Robert-Koch-Institut stellt fest, dass die Zahl der neu diagnostizierten HIV-Infektionen in der BRD im internationalen Vergleich weiterhin äußerst niedrig ist. Das deutliche Nein zu einer repressiven Seuchenstrategie ist also in Deutschland erfolgreich.
Durch Forschung und Erfolge der Medizin wissen wir heute, dass HIV sich schon unbehandelt schwer überträgt und bei erfolgreicher Behandlung die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung wohl auszuschließen ist. Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit ordnet deshalb den ungeschützten Geschlechtsverkehr eines erfolgreich Therapierten in dieselbe Risikokategorie ein wie Zungenküsse - weltweit ist kein einziger Fall einer Übertragung bekannt.
Repressive Maßnahmen behindern
die Prävention
Die internationale Forschung und
die WHO gehen davon aus, dass Strafrecht im Bereich einvernehmlicher Sexualität
schädlich für die Prävention ist. Aus der Forschung ist
gesichert, dass ein nennenswerter Teil der Infizierten (es werden etwa
50% geschätzt) um ihre Infektion nicht weiß. Das Wissen um eine
HIV-Infektion kann in Deutschland strafrechtliche Folgen haben, und zwar
unabhängig davon ob Sexualpartner infiziert wurden oder werden konnten.
Der möglicherweise hochinfektiöse HIV-Infizierte, der nicht von seiner Infektion weiß und sich für „negativ“ hält, ist beim Sex rechtlich auf der sicheren Seite. Der wissende, gut behandelte und damit wahrscheinlich nicht mehr infektiöse Positive läuft dagegen Gefahr, wegen „versuchter gefährlicher Körperverletzung“ vor dem Richter zu landen.
Diese absurden rechtlichen Konsequenzen können die Entscheidung zum Test beeinflussen, und dadurch HIV-infizierte Menschen von einer wirksamen Therapie fernhalten. Es besteht außerdem ein deutliches Missverhältnis zwischen dem Aufwand, der einerseits betrieben wird, theoretische Restrisiken (z.B. angebliche Gefährlichkeit des sog. Lusttropfens) öffentlich hochzuhalten, und andererseits der unzureichenden tatsächlichen Bereitschaft, real etwas gegen leicht vermeidbare HIV Infektionen zu tun.
Spritzentausch in den Vollzugsanstalten zu verweigern und gleichzeitig die Strafbarkeit der Übertragung von Erkrankungen zu fordern ist ethisch nicht nachvollziehbar. Es ist unethisch, durch die Diskussion den falschen Eindruck zu verstärken, die wissenden HIV-Infizierten seien der Motor der Epidemie, statt durch das öffentliche Ansprechen auch entlastender Faktoren (wie der Bedeutung der Viruslast) die Kommunikation über HIV im sexuellen Umgang zu erleichtern.
Die Ärzteschaft, das Robert-Koch-Institut, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und die Aids-Hilfen sind gefordert, sich - orientiert am Beispiel der Schweiz - öffentlich zu Risikoeinschätzungen und Risikominimierungsstrategien zu äußern. Die Medien, auch die schwulen, sind gefordert, nicht den dumpfen Bestrafungswünschen und -fantasien nachzugeben.
Grundlage von Aufklärung und seriösem Journalismus - wie auch von qualifizierten Gerichtsentscheidungen - sollten wissenschaftliche Erkenntnisse und Einschätzungen der maßgeblichen Institutionen sein, z.B. des bundeseigenen Robert-Koch-Instituts. Es ist nicht hinnehmbar, dass in dem unterstützenswerten Bestreben, Kondome an den Mann zu bringen, die von ihrer Infektion wissenden Positiven gegen alle epidemiologischen Erkenntnisse als Bedrohungspotential funktionalisiert werden.
Nicht hinnehmbar ist auch, dass immer wieder die Aufkündigung des Solidarsystems in den Raum gestellt wird.
Wir fordern Politikerinnen und Politiker in Bund und Ländern, Akteurinnen und Akteure in Wissenschaft, Justiz, Medien und der queer communities auf, den Dialog mit uns zu führen, anstatt über uns zu reden. Wir werden die Debatte nicht stumm verfolgen. Wir wollen uns als HIV-positive und an Aids erkrankte Menschen einbringen und unsere Interessen selbstbewusst artikulieren. Statt Repression und Hysterie fordern wir die Rückkehr zur Sachlichkeit.
Verabschiedet am 20.Juni 2007 von den Teilnehmer/innen des 120. bundesweiten Positiventreffens im Waldschlösschen bei Göttingen.
Vollständiger Text mit Kommentar: http://www.frankfurt-aidshilfe.de/pdf/Resolution%20Juni%2007.pdf
Aids-Hilfe
Frankfurt - News vom September 2007
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Drohende HIV-Epidemie in Afghanistan
San Diego – Nach anderen Ländern Zentral- und Südasiens droht jetzt auch Afghanistan von einer HIV-Epidemie erfasst zu werden. Eine Gruppe von Forschern schlägt in Emerging Infectious Diseases (Online) Alarm.
Mit einem Anteil von 88 Prozent ist Afghanistan der weltgrößte Opiumproduzent. Die Drogen sind zwar überwiegen für den Export bestimmt. Der Drogenkonsum ist jedoch seit Jahrzehnten auch im eigenen Land verbreitet, berichten Catherine Todd von der Universität von San Diego und Mitarbeiter. Während das Opium früher jedoch nur geraucht, vaporisiert oder oral konsumiert wurde, hat sich in den letzten Jahren eine Szene von i-v-Drogenkonsumenten etabliert.
Von den geschätzten 50.000 Heroinabhängigen soll sich jeder sechste die Droge intravenös applizieren. Wenn man den US-Forschern glauben darf, die sich vor Ort ein Bild gemacht haben, dann zeichnen sich die afghanischen i.v.-Drogenabhängigen durch ein besonders riskantes Verhalten aus. Die Forscher untersuchten 464 i.v.-Drogenkonsumenten aus der Hauptstadt Kabul: Jeder zweite gab an, die Nadeln mit anderen Drogenkonsumenten auszutauschen, drei von vier hatten Kontakt zu Prostituierten und jeder vierte der fast ausschließlich männlichen Konsumenten hatte Sex mit Männern oder Kindern, berichten die Forscher.
Bislang waren nur 14 der 464 i.v.-Drogenkonsumenten mit HIV infiziert, was in dieser Hochrisikogruppe einer Prävalenz von 3 Prozent entspricht. Doch jeder Dritte (38 Prozent) war positiv auf Hepatitis C. Die Hepatitis C ist nach Angabe der Forscher jedoch oft ein Vorbote für eine HIV-Epidemie, berichten die Forscher, die auch deshalb Alarm schlagen, weil HIV sich derzeit unter i.v.-Drogenkonsumenten in Pakistan, Tadschikistan, Usbekistan und dem Iran, alles Nachbarländern von Afghanistan, ausbreite.
Zudem hätten viele afghanische i.v.-Drogenabhängige den Heroinkonsum als Flüchtlinge in diesen Ländern kennen gelernt. Die US-Forscher fordern deshalb eine Ausweitung der HIV/Aids-Präventionsprogramme, die derzeit nur mit 10 Millionen US-Dollar von der Weltbank gefördert würden.
Studie als pdf unter: HIV, Hepatitis C, and Hepatitis B Infections and Associated Risk Behavior in Injection Drug Users, Kabul, Afghanistan
Deutsches
Ärzteblatt vom 29. August 2007
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Hohe Infektiosität während HIV-Primärinfektion dauert lange an
von Pietro Vernazza
Wir haben vermehrt darüber berichtet, dass die Infektiosität während der HIV-Primoinfektion besonders hoch ist. Eine neue Studie aus Malawi zeigt auch, dass die Infektiosität besonders lange dauert.
Eigentlich wissen wir es schon längst: Während der HIV-Primoinfektion (PHI) ist nicht nur die Viruslast im Blut sehr hoch, auch die Viruskonzentration im Sperma ist ungewöhnlich hoch. Aus Epidemiologischen Studien wissen wir, dass ein großer Teil aller HIV-Infektionen von Personen mit einer relativ frischen HIV-Infektion stammen.
Neue Ergebnisse aus Malawi
Die University of North Carolina
at Chapel Hill hat unterhält seit bald 12 Jahren ein HIV-Studien-
und Behandlungszentrum in Lilongwe, Malawi. In diesem Umfeld hat Chris
Pilcher 16 Patienten mit einer PHI untersucht und zwar hat er neben Blutproben
auch regelmäßig Spermaproben von diesen frisch infizierten Personen
erhalten.
Die Quintessenz der Studie ist in der nebenstehenden zusammenfassenden Abbildung einfach dargestellt: Es zeigt sich, dass das Maximum der HIV-Viruskonzentration im Sperma gegenüber dem Blut um ca. 2 Wochen verzögert auftritt. Damit bestätigen sich frühere Vermutungen, dass die HIV-Infektiosität nicht nur während der ganz akuten HIV-Erkrankung besonders hoch ist, sondern dass diese sogar nach der akuten Erkrankung ansteigt.
Konsequenzen für die Prävention
Diese Daten haben Konsequenzen für
die Prävention. Wenn es gelingt, dass wir Patienten mit einer akuten
HIV-Infektion erkennen, dann heisst dies, dass wir sie zu einem Zeitpunkt
über die Gefahr einer Weiterverbreitung haben informieren können,
bevor die maximale Infektiosität erreicht ist. Diese Verzögerte
Infektiosität passt auch zur wiederholt gemachten Beobachtung, wonach
ein grosser Teil (gut 50%) der frisch infizierten Patienten sich bei einem
Patienten angesteckt haben, der selbst auch eine relativ frische Infektion
hat.
Quelle: Pilcher et al, AIDS 20. Aug 2007; 21:1723
Infektiologie
St. Gallen vom 28. August 2007
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HIV-Therapie bringt Helferzellen in die Norm
Immunstatus von Aidskranken langfristig wie bei Gesunden möglich / Risiko opportunistischer Infektionen gesenkt
London - HIV-Infizierte können langfristig vor den Aids definierenden opportunistischen Infektionen geschützt werden. Das gelingt durch starke kontinuierliche Unterdrückung der Virusreplikation mit Kombitherapien. Das erhöht auch die Zahl der für die Immunabwehr notwendigen T-Helferzellen.
Dieses Resultat einer großen internationalen Kohortenstudie bedeutet: Effektiv antiviral behandelte HIV-Infizierte sind lange vor Aids geschützt, das damit verbundene Sterberisiko wird drastisch gesenkt. Denn das Risiko für opportunistische Infektionen und auch das Sterberisiko steigen, wenn die Zahl der T-Helferzellen erniedrigt ist und fällt.
Über die Details der Studie hat Dr. Amanda Mocroft vom Royal Free College in London jetzt in "The Lancet" online berichtet. Das primäre Ziel der antiviralen Therapie ist, die Viruszahl unter 50 Kopien pro Milliliter Blut zu halten. Untersucht wurde bei den 1.835 HIV-Infizierten, wie nach dem Beginn einer antiretroviralen Therapie die Zahl der T-Helferzellen pro Mikroliter Blut gestiegen war, und welche Werte schließlich nach fünf Jahren erreicht wurden.
Der mittlere Wert für die Zahl der T-Helferzellen pro Mikroliter Blut lag zu Studienbeginn bei 204. 200 gelten als kritische Grenze für das Risiko, dass HIV-Infizierte gefährliche, Aids definierende opportunistische Infektionen bekommen. Nach Therapiebeginn stieg die Zahl die Zahl der T-Helferzellen rasch: im ersten Jahr um 100 pro Mikroliter Blut.
In den weiteren Jahren ging es dann mit einem Zuwachs von 50 Helferzellen pro Jahr weiter. Nach fünf Jahren liegt der mittlere Wert bei 774 T-Helferzellen pro Mikroliter Blut, ein Bereich, den auch gesunde Menschen erreichen. Prophylaktische Antibiotika-Therapien sind dann nicht mehr nötig.
Ärzte-Zeitung
vom 28. August 2007
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Aids-Kranke in Papua-Neuguinea lebendig begraben
In Papua-Neuguinea haben Einwohner ihre an Aids erkrankten Angehörigen lebendig begraben. Sie hätten nicht die Mittel, die Erkrankten zu pflegen und hätten Angst vor Ansteckung gehabt, berichtete die Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation, Margaret Marabe, am Montag.
Sie habe während ihres fünfmonatigen Aufenthalts in den abgelegenen Bergregionen des armen Staates im Südpazifik mit eigenen Augen gesehen, wie fünf Aids-Kranke lebendig vergraben worden seien. Einer habe noch um Hilfe geschrieen, als Schaufeln voller Erde ihn begruben, sagte Marabe, die für die Hilfsorganisation "Igat Hope" (Ich habe Hoffnung) arbeitet. Die Einwohner hätten ihr erklärt, dass diese Praktik in ihrem Land weit verbreitet sei.
Marabe hielt sich im Rahmen einer Aids-Aufklärungskampagne in der Region auf. "Einer der Kranken war einer meiner Cousins", berichtete sie. Sie rief die Regierung und Präventions-Initiativen dazu auf, in Zukunft verstärkt die ländliche Bevölkerung über Aids zu informieren. In einigen Regionen seien auch als "Hexen" beschuldigte Frauen gefoltert und getötet worden, weil sie für die Infektion mit dem HI-Virus verantwortlich sein sollten.
HIV breitet sich in dem Sechs-Millionen-Einwohner-Staat derzeit unkontrolliert aus. Nach einem Bericht der Vereinten Nationen stieg die Zahl der Infizierten in Papua-Neuguinea zwischen 1997 und 2005 um 30 Prozent auf rund 60.000.
Kleine
Zeitung vom 27. August 2007
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Südafrika: Ärzte fordern HIV-Tests für Schwangere
Pretoria – Südafrikanische Ärzte unterstützen Forderungen von Epidemiologen, wonach zukünftig schwangere Patientinnen routinemäßig auf HIV untersucht werden sollten. Das sei wichtig, um die Übertragung des HI-Virus auf das ungeborene Kind zu verhindern, hieß es. Hintergrund: Südafrika hat eine der höchsten HIV-Infektionsraten der Welt. Eine routinemäßige HIV-Untersuchung für schwangere Patientinnen könnte nach Schätzungen von Experten „jährlich zwischen 11.000 und 15.000 Babys“ vor einer Infektion bewahren.
Südafrikanische Ärzte verlangen seit Jahren von den Gesundheitspolitkern des Landes größere Anstrengungen, um die Zahl der HIV-Neuinfektionen zu senken. Einer der Schwerpunkte sollte dabei in der Geburtsmedizin liegen, so die Ärzteschaft. In Kliniken wie dem Johannesburg Hospital ist durchschnittlich jede dritte schwangere Patientin HIV-positiv. Bislang gibt es keine routinemäßige HIV-Untersuchung für schwangere Frauen. Immer mehr ungeborene Babys infizierten sich bereits im Mutterleib mit dem Virus.
Dem südafrikanischen Ärztebund zufolge lässt sich die Zahl der Neuinfektionen mittels während der Schwangerschaft verabreichten Medikamenten „deutlich verringern“. Das bisherige Testprogramm namens „PMTCT“ ist freiwillig. Weniger die Hälfte aller Patientinnen nehmen daran teil. Das südafrikanische Gesundheitsministerium deutete Gesprächsbereitschaft an. Man werde die Vorschläge der Epidemiologen „genau prüfen“, hieß es.
Deutsches
Ärzteblatt vom 24. August 2007
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Sex als häufigster HIV-Überträger
Krankheit wandert von Risikogruppen ins Zentrum der Gesellschaft.
London - Ungeschützter Geschlechtsverkehr steht in China erstmals auf Platz eins der Rangliste der häufigsten HIV-Übertragungsarten und überholt damit Drogenmissbrauch und Bluttransfusionen. Von den 70.000 Neuinfektionen im Jahr 2005 wurde beinahe die Hälfte durch ungeschützten Sex verursacht. Damit rückt das Aids-Problem erstmals von den Risikogruppen ins Zentrum der Gesellschaft. Nach Schätzungen sind bereits 650.000 Chinesen erkrankt - die Dunkelziffer könnte weit höher liegen. "Bis vor drei Jahren wurde das Problem von Seiten der Regierung überhaupt totgeschwiegen. Aids gab es offiziell nicht", so Agnes Schick-Chen, China-Expertin der Universität Wien.
Erst als durch Bluttransfusionen in einzelnen Gebieten des Landes eine sehr hohe Zahl von Neuinfektionen verursacht wurde, kam die Thematik ans Licht der Öffentlichkeit. "Grundsätzlich gibt es in China aber sehr große Unterschiede zwischen den Verhältnissen am Land und in den großen Städten", gibt Schick-Chen zu bedenken. Während die Gesundheitsversorgung in den ländlichen Gebieten privat organisiert sei, gäbe es in den Städten ein staatliches System samt Krankenversicherung.
Die neue Statistik zwingt die chinesische Aids-Prävention, die sich in der Vergangenheit auf Risikogruppen konzentriert hatte, nun die gesamte Gesellschaft anzusprechen. Die chinesische Bevölkerung zeigt sich in Bezug auf das Thema Sex jedoch zu großen Teilen noch immer sehr konservativ. Ungeachtet dessen änderte sich das sexuelle Verhalten der Menschen in den vergangen Jahren. Dies ist einerseits auf den wachsenden Einfluss von außen zurückzuführen - andererseits auf Millionen von meist männlichen Wanderarbeitern in den großen Städten. Studien zeigen, dass in China jeder zehnte sexuell aktive Mann bereits eine Prostituierte aufgesucht hat.
In Österreich gab es nach Information der Aids-Hilfe im Jahr 2006 insgesamt 442 Neuinfektionen. Auch hier sind die meisten Infektionen auf ungeschützten Geschlechtsverkehr zurückzuführen - 42 Prozent durch heterosexuelle Kontakte. Intravenöser Drogenkonsum macht 20,5 Prozent aus.
Pressetext
Austria vom 21. August 2007
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HIV tötet Gehirnzellen und verhindert Neubildung
Protein gp120 spielt in beiden Fällen eine entscheidende Rolle.
San Diego - HIV kann im Gehirn zu Lern- und Gedächtnisdefiziten führen. Verantwortlich dafür ist laut Wissenschaftlern der University of California http://www.ucsd.edu ein Doppelschlag, den das Virus gegen das Gehirn ausführt. Es war bereits bekannt, dass ein Protein auf der Oberfläche des Virus erwachsene Gehirnzellen abtöten kann. Die aktuelle Studie zeigt nun, dass zusätzlich die Produktion von neuen Zellen verhindert wird. Verantwortlich dafür ist die Schädigung der Zellen, die potenziell an die Stelle der abgestorbenen treten könnten. Die Forscher hoffen, dass die neuen Forschungsergebnisse an Mäusen helfen werden, neue Behandlungsansätze für die mit HIV in Verbindung stehende Form der Demenz zu entwickeln. Details der Studie wurden in Cell Stem Cell http://www.cellstemcell.com veröffentlicht.
Der leitende Wissenschaftler Marcus Kaul erläuterte, dass das Virus das Gehirn doppelt angreift. "Das HIV-Protein verursacht Schädigungen des Gehirns und verhindert gleichzeitig, dass die abgestorbenen Zellen ersetzt werden können." Mit antiretroviralen Medikamenten ist es in den vergangenen Jahren gelungen, die Belastung durch das Virus zu verringern. In der Folge wurde auch die Schwere der Demenzerkrankungen geringer. Je länger HIV-Patienten jedoch leben, desto häufiger erkranken sie laut BBC an Demenz. Teil des Problems ist, dass es für die Medikamente schwierig ist, in das Gehirn zu gelangen.
Die Forscher hatten bereits nachgewiesen, dass das Protein gp120 Gehirnzellen töten kann, in dem es die Chemie der Zellen zerstört. Dieses Protein findet sich in der äußeren Hülle des Virus. Jetzt wurde bewiesen, dass gp120 auch die Produktion von neuen Gehirnzellen im Hippokampus verlangsamt. Diese Gehirnregion ist für die Fähigkeit zu Lernen und das Gedächtnis von zentraler Bedeutung. Unter normalen Bedingungen werden die neuen Zellen in die bestehenden Gehirnstrukturen integriert. Sie sollen einen entscheidenden Beitrag für bestimmte Formen des Lernens und des Gedächtnisses leisten. Es hat den Anschein, dass die gleiche chemische Störung, die die Zellen abtötet auch ihren Ersatz verhindert. Laut Kaul könnte für diese Demenzform daher ein neuer Behandlungsansatz darin bestehen, entweder die Reparaturmechanismen zu stärken oder den Reparaturmechanismus zu schützen.
Abstract unter: http://www.cellstemcell.com/
Pressetext
Austria vom 16. August 2007
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„Fragen Sie sich doch mal, ob nicht auch drei reichen“
Kürzlich hat die ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’ den Leserbrief eines sogenannten Professors veröffentlicht, der alles andere als jugendfrei ist.
„Zur Mäßigung geraten“ hat am 9. August der Berliner Homo-Ideologe und sogenannte Sexualwissenschaftler Martin Dannecker (55). Dannecker hat sich in der Vergangenheit am ‘Institut für Sexualwissenschaft’ des Klinikums der Universität Frankfurt am Main mit männlicher Homosexualität, sexuellen Minderheiten und HIV/Aids befasst.
In seinem Leserbrief hält er sich an einem Artikel von Günter Franzen auf, der am 20. Juli in der ‘Frankfurter Allgemeinen’ veröffentlicht wurde.
Franzen hatte darin das Frankfurter ‘Institut für Sexualwissenschaft’ kritisiert. Besonders stört sich Dannecken an der in Franzens Artikel gelieferten Zusammenstellung eines Interviews, das Dannecker im November 2005 der Berliner ‘Tageszeitung’ gab: „In diesen zusammengestoppelten Passagen wird der Eindruck erweckt, mir seien die steigenden HIV-Neuinfektionen von homosexuellen Männern gleichgültig.“ Das sei keineswegs so.
Er sei vor allem deswegen besorgt, weil eine HIV-Infektion auch „gegenwärtig mit einer schweren Beeinträchtigung der Gesundheit und Lebensqualität“ einhergehe. Deshalb habe er – im Gegensatz zu Franzens Darstellung – auch jenen homosexuellen Männern „zur Mäßigung“ geraten, die im Laufe einer Nacht „von 15 Schwänzen penetriert werden möchten“.
Dannecken zitiert dazu aus dem Interview: „Wenn ich jemanden, der schwule Orte besucht und dort von 15 Schwänzen penetriert werden könnte, nicht dazu bringe, dass er seinen Sexpartnern gegenüber auf einem Kondom besteht, dann sage ich: »Bestehen Sie doch darauf, dass der Schwanz vor dem Ejakulieren herausgezogen wird.« Oder: »Fragen Sie sich doch mal, ob nicht auch drei reichen«.“
Mit dieser „drastischen Sprache“ habe er deutlich machen wollen, dass die HIV-Prävention sich unter bestimmten Bedingungen die Hände schmutzig machen müsse und es ohne Konfrontation mit der riskanten sexuellen Praktik nicht gehe: Er habe also durchaus dem „Sexualkonsumenten“ und nicht – wie Franzen insinuiere – der „homophoben Öffentlichkeit“ zur Mäßigung geraten.
kreuz.net
– katholische Nachrichten, CA, USA vom 16. August 2007
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Neue HIV-Fälle bei Kindern in Kirgisien
Weitere HIV-Fälle bei Kindern sind jetzt im kirgisischen Gebiet Osch registriert worden.
Bischkek - Wie der Pressedienst des Gesundheitsministeriums der Republik am Freitag mitteilte, sind eine Mutter und ihr neugeborenes Kind im Kreis Karassuj, Gebiet Osch, infiziert worden. Bei drei weiteren Kleinkindern, die im Krankenhaus behandelt wurden, wird eine Infektion vermutet. Die Ergebnisse der Kontrolltests werden am kommenden Dienstag bekanntgegeben, erfuhr RIA Novosti im Gesundheitsministerium von Kirgisien.
In der vergangenen Woche waren im Gebiet Osch elf HIV-Fälle registriert worden - bei neun Kleinkindern im Alter zwischen sieben Monaten und zwei Jahren sowie bei zwei Erwachsenen, von denen einer Arzt in der überregionalen Kinderklinik ist.
Wie Sagynaly Mamatow, Leiter der kirgisischen Vereinigung SPID (AIDS), in einem RIA-Novosti-Gespräch mitteilte, ist jetzt beschlossen worden, alle Kinder, die seit Januar 2005 im Gebietskrankenhaus Osch behandelt wurden, neu zu untersuchen.
Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren zu den Fällen der Masseninfizierung eingeleitet. Laut vorläufigen Ermittlungen konnte eine wiederholte Verwendung von Ein-Weg-Instrumenten die Infizierung verursacht haben.
Laut offiziellen Angaben gab es in Kirgisien nach dem Stand vom 1. Juli 1 233 HIV-Infizierte. Im zurückliegenden Halbjahr wurden 163 neue HIV-Fälle gemeldet.
RIA
Novosti vom 10 August 2007
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Enthaltsamkeitsprogramme in den USA wirkungslos
London - Programme, die für sexuelle Enthaltsamkeit zum Schutz vor einer Infektion mit dem Aids-Virus werben, sind in den USA ebenso erfolglos wie in Entwicklungsländern. Mehrere Studien belegten, dass diese Initiativen keine Wirkung zeigten, berichten Wissenschaftler im "British Medical Journal". "Kein Programm hat die Häufigkeit von ungeschütztem Geschlechtsverkehr, die Zahl der Partner, den Gebrauch von Kondomen oder den Zeitpunkt des ersten Geschlechtsverkehrs beeinflusst", heißt es in dem von Forschern der britischen Oxford-Universität veröffentlichten Artikel.
Die Wissenschaftler stützen sich auf 13 Studien an insgesamt 16.000 Jugendlichen aus den USA. Eine der Studien belege sogar, dass Jugendliche, die zur Enthaltsamkeit ermutigt wurden, mehr Sex hätten, sich eher Geschlechtskrankheiten zuzögen und häufiger ungewollt schwanger würden, heißt es weiter. Allerdings habe die Zusammenschau der Studien auch Schwächen, räumten die Wissenschaftler ein. So werde etwa die Rolle von Oralsex oder gleichgeschlechtlichem Sex ebenso wenig untersucht wie das Auftreten von Infektionen mit dem Aids-Virus HI.
Frühere Studien in Entwicklungsländern hatten zu ähnlichen Ergebnissen geführt. Derzeit investieren die USA ein Drittel ihrer Gelder zur Aids-Prävention in Afrika und der Karibik in Enthaltsamkeitsprogramme. Insbesondere die Konservativen in den USA werben bei Teenagern für strikte sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe. Kondome zum Schutz vor Infektionen mit dem Aids-Virus und anderen Geschlechtskrankheiten lehnen sie ab.
Yahoo
News vom 3. August 2007
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Die HIV-Gefahr im Stricher-Milieu
Frankfurt/Main – Etwa ein Drittel von Frankfurts Prostituierten sind Männer - meist ausländischen Ursprungs. Nicht nur sie selbst, sondern auch viele Freier stammen aus einem heterosexuellen Umfeld. Das Vorkommen von Aids ist vermutlich hoch, und der größte Teil der Kontakte findet ohne Kondom statt.
Sexuelle Dienstleistungen ohne Kondom liegen bei Freiern seit jeher hoch im Kurs - und Prostituierte lassen sich darauf ein, um mehr Geld zu verdienen. Dabei ist Aids im Stricher-Milieu immer noch stark verbreitet. Seit zunehmen junge Männer aus Osteuropa die Junkies als Prostituierte ablösen, sei die HIV-Gefahr vermutlich leicht gesunken, so Karin Fink von der Kriseninterventionsstelle für Stricher (KISS) auf dem 3. Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongress.
In den letzten Jahren beobachten Fink und ihre Kollegen, dass die männliche Jugend einzelner osteuropäischer Dörfer geschlossen zum Anschaffen in die westeuropäischen Metropolen kommt. Oft bringt dieser Migrationshintergrund zusätzliche Probleme. Der ungeregelte Aufenthaltsstatus erschwert den Ausstieg und fördert Abhängigkeitsverhältnisse.
Die "Freier" sind Männer aus allen Bevölkerungsschichten und Altersstufen. Die Mitarbeiter von KISS schätzen, dass 20 bis 30 Prozent der männlichen Bevölkerung Freier sind. Dabei sind jene nicht mitgezählt, die es einmal im Leben, meist in frühester Jugend, "probieren", sondern nur die, die es gewohnheitsmäßig tun. Und dies tun sie meist ungeschützt - Prostituierten-Organisationen gehen davon aus, dass vier von fünf Freiern sexuelle Dienstleistungen ohne Kondom in Anspruch nehmen. Und da dieser "Service" ein paar Euro mehr bringt, lassen sich die wirtschaftlich abhängigen Prostituierten darauf ein.
Hier lauert gerade hinsichtlich der HIV-Infektion sowohl für Freier als auch für Stricher ein erhebliches Gesundheitsrisiko. Die HIV-Prävention gehört denn auch zu den erklärten Zielen von KISS. Doch gerade in dieser Hinsicht stoßen die Mitarbeiter an viele Hürden: Neben den "wirtschaftlichen Anreizen", die der Freier bei Kondomverzicht bietet, machen auch die HIV-Tests Probleme. Denn die Migranten würden bei einem positiven Test in ihrem Heimatland nicht adäquat versorgt. Deshalb wird das HIV-Test-Angebot auch kaum noch in Anspruch genommen.
Karin Fink leitet mit KISS eine von sieben Einrichtungen dieser Art in Deutschland. KISS ist Anlaufstelle in erster Linie für die im Bereich der Armutsprostitution. Ihr Ziel ist es, den Männern die Grundhaltung zu vermitteln: "Gehe immer davon aus, dass du positiv sein kannst oder dass dein Freier positiv sein kann."
Medical
Tribune vom 29. Juli 2007
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Virus soll sich selbst zerstören
HI-Virus-RNA wird enzymatisch abgebaut / Ansatz mit Oligonukleotiden ist therapeutisch und prophylaktisch nutzbar.
Zürich - Ein neuer Ansatz zur Bekämpfung von Retrovirus-Infektionen - auch durch HIV - bietet Chancen zur Therapie, aber auch zur Prophylaxe der Infektion. Dabei wird das Virus zum Suizid verführt, bevor es sich überhaupt vermehren kann.
Die HIV-Forscherin Professor Karin Mölling von der Uni Zürich hat jetzt im Tierversuch eine neue Strategie erfolgreich erprobt, mit der Retroviren an der Ausbreitung gehindert werden: Winzige Nukleinsäurebestandteile, als Oligonukleotide bezeichnet, können den Vermehrungsapparat der Viren überlisten. Die Oligonukleotide binden an bestimmte Partikel des Retrovirus. Die Folge ist, dass ein Enzym namens RNAse H das RNA-Erbgut des Virus zerlegt, bevor die genetische Information der RNA in die für das Virus überlebensnotwendige DNA übertragen wird.
Bei Mäusen mit einer Retrovirus-Infektion war diese Therapie bereits sehr effektiv: Das Fortschreiten der Infektionskrankheit wurde verzögert, das Überleben der Tiere verlängert. Besser noch: Bei Therapie schon bald nach der Infektion konnte sogar der Ausbruch der Erkrankung verhindert werden.
Das liegt daran, dass die Oligonukleotide, anders als andere, bereits zugelassene HIV-Therapeutika, nicht erst dann wirken, wenn das Virus in seiner Zielzelle angekommen ist, sondern auch schon bei Viren, die sich noch im Serum befinden. "Die Methode hat großes Potenzial bei der Verringerung der HIV-Übertragung und auch bei der Postexpositionsprophylaxe", so Mölling (Nat Biotech 25/6, 2007, 669).
"Die Region, an die diese Oligonukleotide binden, gibt es bei allen Retroviren", sagte Dr. Klaus Korn vom Nationalen Referenzzentrum für Retroviren in Erlangen im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Es sei sehr wahrscheinlich, dass Möllings Ansatz auch gegen HIV-Infektionen bei Menschen prinzipiell funktioniert.
Korn erinnerte allerdings daran, dass andere Nukleinsäure-basierte Therapien bisher nicht die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt haben. Deshalb müsse man abwarten, ob diese Therapie auch praktisch umsetzbar ist. Zudem hält Korn die Entwicklung von Mutationen für möglich, die das Virus resistent gegen den therapeutisch induzierten Suizid machen.
Ärzte-Zeitung
vom 27. Juli 2007
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HIV-Infektion über Mandeln
Das Risiko, sich bei ungeschütztem Oralsex mit einem HIV-positiven Menschen mit der Immunschwächekrankheit AIDS zu infizieren, dürfte weitaus größer sein als bisher angenommen. Eine Gruppe amerikanischer Forscher um die Ärztin Sharon Wahl will herausgefunden haben, dass eine Ansteckung mit dem HI-Virus auch über die Mandeln erfolgen kann. Dort seien potenzielle Wirtszellen, an die die HI-Viren andocken und sich so im Körper verbreiten, vermehrt vorhanden.
Laut einem Bericht des deutschen Nachrichtenmagazins „Focus“ hat Wahl in ihrer Studie nicht nur ein höheres Vorkommen von potenziellen Wirtszellen in den Mandeln nachgewiesen, sondern auch eine geringere Anzahl von antiviralen Proteinen.
In der Mundschleimhaut und im Zahnfleisch ist die Anzahl solcher Abwehrproteine weitaus größer und eine AIDS-Infektion somit, wie es übliche Aufklärungsbroschüren bisher behaupteten, viel unwahrscheinlicher.
Zu den Ergebnissen gelangten die Forscher durch Gentests an Zellen aus verschiedenen Bereichen des Mund- und Rachenraumes. Aufgrund der Ergebnisse sei beim ungeschützten Oralverkehr mit un- oder wenig bekannten Partnern erhöhte Vorsicht geboten.
Eine HIV-Infektion über Mund- und Rachenraum betreffe zwar nur einen kleinen Teil der Neuinfektionen, die Gefahr dürfe aber nicht unterschätzt werden. Vorsicht ist aber dennoch geboten, empfehlen die Wissenschaftler. Das Ergebnis ihrer Studie veröffentlichten sie in der Augustausgabe des „American Journal of Pathology“.
Krone
- Meldung vom 26. Juli 2007
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HLA-Test minimiert HSR-Risiko unter Abacavir
Die Bestimmung des genetischen Markers HLA-B5701 macht die Abacavir-Therapie sicherer. In der PREDICT-Studie hatte kein Patient ohne dieses Merkmal eine immunologisch gesicherte Hypersensitivitätsreaktion. Der negative prädiktive Wert lag bei 100%.
Das genetische Gewebemerkmal HLA-B5701 ist mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit einer allergischen Reaktion, der sogenannten Hypersensitivitätsreaktion (HSR), unter Abacavir assoziiert. Ob man das Risiko einer HSR durch die Bestimmung von HLA-B5701 vor Therapiebeginn verbessern lässt, wurde in der randomisierten und doppelblinden PREDICT-Studie untersucht.
In PREDICT wurden 1956 Abacavir-naive
Patienten in zwei Arme randomisiert. In einem Arm erhielten alle Patienten
Abacavir ohne vorherige HLA-B 5701-Testung. Im zweiten Arm wurden alle
Patienten getestet und nur Patienten mit negativem HLA-B 5701 behandelt.
80% der Studienteilnehmer waren Weiße und 80% waren vorbehandelt.
Unspezifische Symptome erschweren
Diagnose
Nach 6 Wochen war bei 7,8% der Patienten im Kontroll-Arm sowie bei 3,4% im getesteten Arm klinisch eine Hypersensitivitätsreaktion (HSR) diagnostiziert worden. "Aus früheren Untersuchungen wissen wir, dass die Rate der klinisch festgestellten HSR bei 7-10% liegt", meinte der Studienleiter Simon Mallal aus Sydney. Die Diagnose ist allerdings aufgrund der unspezifischen Symptomatik nur schwer zu stellen. Als zuverlässiger Nachweis gilt der immunologische Patch-Test, bei dem ähnlich wie bei einem Allergie-Test die Substanz mit einem Pflaster auf die Haut geklebt wird.
Negativer Test heißt
minimales Risiko
Ein solcher immunologischer Test
wurde bei allen Patienten mit klinischem Verdacht auf eine HSR durchgeführt.
Eine positive Hautreaktion und damit eine Bestätigung der HSR fand
sich bei 2,7% der Patienten im Kontrollarm, aber bei keinem einzigen Patienten
mit negativem HLA-B5701. Der negative prädiktive Wert (d.h. die Wahrscheinlichkeit
mit der ein Ereignis dadurch ausgeschlossen werden kann) eines negativen
HLA-B5701 lag somit bei 100%. "Ein HLA-B5701-Test minimiert das Risiko
der HSR unter Abacavir und sollte deshalb bei allen Patienten vor Abacavir-Gabe
durchgeführt werden", betonte Mallal.
Quelle: WESS101 Mallal S et al, 4th IAS Conference 2007, Sydney 22.-25. Juli 2007
HIV
and More vom 26. Juli 2007
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Coenzym Q10 verhindert möglicherweise Toxizität der HIV-Therapie
Hasbrouck Heights, New Jersey - Die neue, wasserlösliche Coenzym Q10-Zubereitung von Zymes steigert Wachstum und Überleben von Nervenzellen, die nervenschädigenden HIV-Medikamenten ausgesetzt sind. Hinweise dafür wurden von Dr. Catherine L. Cherry vom Burnet Institute im australischen Melbourne gefunden. Die Ergebnisse dieser Studie werden zurzeit auf der 2007-Tagung der International Aids Society in Sydney, Australien, vorgestellt.
Dr. Cherry untersuchte die Sicherheit und Wirksamkeit von Coenzym Q10 in Bezug auf die Abschwächung der neurotoxischen Wirkungen von HIV-Medikamenten anhand von Labormodellen des medikamenteninduzierten Nervenschadens. Nukleosidale Reverse Transkriptase-Inhibitoren (NRTIs) hemmen die HIV-Replikation und sind ein zentrales Element einer wirksamen HIV-Therapie. Diese Medikamente können aber normale Zellen schädigen und schwerwiegende Nebenwirkungen bei Menschen, die sich einer antiviralen Langzeittherapie unterziehen, hervorrufen.
Zwei NRTIs, die sich noch klinisch verwendet werden (Stavudin und Didanosin) können zu Nervenschäden (Neuropathie) führen. Diese Neuropathie gehört zu den häufigsten von HIV-Patienten erlebten Gesundheitsproblemen.
" Die Behandlung von Patienten mit Nährstoffen wie Coenzym Q10 hat bei der Prävention und Behandlung der in Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auftretenden Neuropathie viel versprechende Erfolge gezeigt und ist als ein Weg zur Reduzierung der Neurotoxizität antiviraler Medikamente vorgeschlagen worden. Bisher konnten wir Coenzym Q10 nicht untersuchen, da es wasserunlöslich ist. Das wasserlösliche Ubisol-AquaTM: Coenzym Q10 von Zymes ermöglicht es uns, diesen Nährstoff im Rahmen unseres Modells der durch diese HIV-Medikamente verursachten Neuropathie zu untersuchen ", so Dr. Cherry.
In der Studie von Dr. Cherry wurden Nervenzellen von Ratten zunächst in alleiniger Anwesenheit von Ubisol-AquaTM: Coenzym Q10 gezüchtet. Sie wurden dann in Anwesenheit von Ubisol-AquaTM: Coenzym Q10 plus Stavudin bzw. Ubisol-AquaTM: Coenzym Q10 plus Didanosin gezüchtet. Im weiteren Verlauf wurden dann Wachstum und Überleben der Nervenzellen mittels Videobildanalyse gemessen.
Bei diesen Studien wurde bei alleiniger Anwesenheit von Ubisol-AquaTM: Coenzym Q10 das Nervenzellwachstum und –überleben signifikant gesteigert. Die mit Ubisol-Aqua(TM): Coenzym Q10 gezüchteten Zellen überlebten mindestens eine Woche länger als Kontrollzellen ohne den Nährstoff. Wenn Zellen in alleiniger Anwesenheit von Stavudin bzw. Didanosin gezüchtet wurden, waren Wachstum und Überleben signifikant beeinträchtigt. Wurde aber Ubisol-Aqua(TM): Coenzym Q10 zu Stavudin bzw. Didanosin hinzugefügt, konnte die Toxizität der Medikamente sehr reduziert werden.
Nach 19 Tagen wuchsen und überlebten mit Ubisol-AquaTM: Coenzym Q10 plus Stavudin gezüchtete Nervenzellen wie normale Zellen, während Zellen bei alleiniger Anwesenheit von Stavudin nicht gut wuchsen. Nach nur 6 Tagen begannen die Zellen, die in alleiniger Anwesenheit von Didanosin gezüchtet wurden, abzusterben. Hingegen wuchsen und überlebten mit Ubisol-AquaTM: Coenzym Q10 plus Didanosin gezüchtete Nervenzellen wie normale Zellen.
Dr. Cherry kommentierte: " Diese Daten unterstützen die Möglichkeit, dass Ubisol-AquaTM: Coenzym Q10 eine nützliche Rolle bei der Prävention von mit Stavudin und Didanosin assoziierten Nervenschäden spielen könnte. Um dies im klinischen Rahmen zu bestätigen, sind kontrollierte Studien erforderlich. "
"Dadurch, dass wir Coenzym Q10 mit unserer Ubisol-AquaTM-Technologie wasserlöslich machen können, wird die Verabreichung von Coenzym Q10 in einer Form möglich, die dessen Funktionalität verbessert ", so Dr. Randi Fain, Mitgründer und Executive Vice President von Zymes LLC, New Jersey, USA. " Wir sind der Überzeugung, dass die Technologie den gesundheitlichen Nutzen von Coenzym Q10 und anderen Vitaminen, Nährstoffen und Medikamenten verstärken kann, um so die Lebensqualität von Patienten zu verbessern. "
Ubisol-Aqua(TM) verwendet Komplexbildung und reduzierte Teilchengröße, um die Löslichkeit zu erreichen. Dank dieses kombinierten Ansatzes kann Zymes zuvor wasserunlösliche Substanzen in Form von Mizellen in Nanometergröße bereitstellen, woraus sich viele Vorteile gegenüber bestehenden Auflösungstechnologien ergeben. Deshalb ermöglicht Ubisol-Aqua (TM), eine bahn brechende Nanotechnologie, die Auflösung von wasserunlöslichen, biologisch aktiven Bestandteilen, die sonst nicht im Handel und in der Klinik erhältlich wären.
Zymes
LLC - Pressemeldung vom 26. Juli 2007
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TITAN: Darunavir besser als Lopinavir
In der TITAN-Studie wurden die geboosterten Proteasehemmer Darunavir und Lopinavir bei vorbehandelten Patienten mit Therapieversagen direkt miteinander verglichen. Unter Darunavir/r hatten nach 48 Wochen 11% mehr Patienten eine Viruslast unter der Nachweisgrenze von 50 Kopien/ml erreicht. Dieser Unterschied war signifikant.
Die Patienten in der TITAN Studie waren nicht so stark vorbehandelt wie in den POWER-Studien. Ein Drittel der 595 Teilnehmer der Phase-III-Studie hatten noch nie einen Proteasehemmer eingenommen. Rund 40% waren mit einem Proteasehemmer vorbehandelt, ein weiteres Drittel mit zwei und mehr und drei Viertel der Patienten waren NNRTI-erfahren. Bei rund 60% der Patienten standen zu Beginn der Studie mindestens zwei aktive Substanzen zur Verfügung. Die Viruslast bei Therapiebeginn lag bei 4,3 log, die CD4-Zahl bei 230/µl.
Virologisch überlegen
Die Patienten erhielten Darunavir/r
oder Lopinavir/r plus ein optimiertes Regime. Nach 48 Wochen hatten im
Darunavir-Arm 71% der Patienten eine Viruslast <50 Kopien/ml und im
Lopinavir-Arm 60%. Damit war geboostertes Darunavir Lopinavir/r nicht nur
nicht unterlegen (p<0,0001), sondern auch statistisch signifikant überlegen
(p<0,005). Dieser Unterschied blieb selbst bei Patienten mit einer LPV
FC<40 unverändert. Lediglich bei LPV <10 war die Überlegenheit
nicht mehr gegeben (p=0,068). Die CD4-Zahl unter Darunavir/r bzw. Lopinavir/r
war um 88 bzw. 81 Zellen/µl gestiegen (p=0,33). Resistenzmutationen
wurden unter Darunavir/r seltener beobachtet (primäre PI-Mutationen
21% vs. 36%, NRTI-Mutationen 14% vs. 27%).
Häufigste Nebenwirkung:
Diarrhoe
Gastrointestinale Probleme waren
unter beiden Proteasehemmern die häufigsten Nebenwirkungen. Diarrhoen
waren im Lopinavir-Arm allerdings häufiger (42% vs. 32%, Grad 2-4
15% vs. 8%). Zum Therapieabbruch führten die Durchfälle allerdings
nur bei 1,7% vs. 0,7% der Patienten. Übelkeit war mit 19% bzw. 21%
die zweithäufigste Nebenwirkung.
# TUAB101 Valdez-Madruga J et al, 4th IAS 22-25.7. 2007, Sydney, Australien
HIV
and More vom 25. Juli 2007
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HIV-Infektion ist kein Todesurteil mehr
Kongress in Australien weckt Hoffnung im Kampf gegen Aids
Sydney - Eine Infektion mit dem HI-Virus kommt nach Einschätzung eines US-Experten inzwischen nicht mehr einem Todesurteil gleich. Heutzutage hätten HIV-Infizierte eine "ziemlich robuste Lebenserwartung", sagte der Medizinprofessor Michael Lederman am Montag während eines internationalen Aids-Kongresses in Sydney. "Ich kümmere mich seit 1983 um HIV-Patienten", sagte Lederman. "Und damals sah ich meine Patienten regelmäßig sterben. Die Lebenserwartung war gering." Damals habe er seinen Patienten nicht empfohlen, das Rauchen aufzugeben, weil dies angesichts einer Lebenserwartung von einigen Monaten oder Jahren keinen Sinn gemacht habe. "Aber jetzt sprechen wir über eine ziemlich robuste Lebenserwartung", sagte Lederman.
Laut Lederman, der an der Case Western Reserve University in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio forscht, haben HIV-Infizierte zwar nicht dieselbe Lebenserwartung wie nicht-infizierte Menschen. Aber sie hätten etwa bei Herzkrankheiten dieselben Gesundheitsrisiken wie die Allgemeinheit. Die Zukunft sei "ein wenig ungewiss", aber "anders als vor zehn, 15 oder 20 Jahren "glänzend". Lederman verwies auf die Herausforderung, den Infizierten in den Entwicklungsländern, wo weniger als ein Drittel der Infizierten behandelt werden, den Zugang zu antiretroviralen Medikamenten zu ermöglichen. "Die Herausforderung ist groß. Aber ich bin ziemlich zuversichtlich, dass die Dinge in die richtige Richtung laufen. Das Glas ist mehr als halb voll", sagte er.
Auch andere Experten äußerten sich auf der 4. Konferenz der internationalen Aids-Gesellschaft optimistisch über die Chancen, lange mit dem HI-Virus im Körper zu leben. Demnach können antiretrovirale Medikamente dafür sorgen, dass Infizierte Jahrzehnte vom Aids-Tod verschont bleiben. "Ich denke, wir haben die Sterblichkeit durch Aids bei behandelten Menschen hinter uns", sagte der Vorsitzende des Globalen Fonds für den Kampf gegen Aids, Tuberkulose und Malaria, Michel Kazatchkine, am Sonntag. "Vor fünf Jahren ist Hoffnung ein abstarkter Begriff gewesen, jetzt ist Hoffnung Realität."
Der Gründer des britischen HIV-Vereins, Brian Gazzard, zeigte sich pessimistischer. Zwar sei die Lebenserwartung für Infizierte in den vergangenen zehn Jahren gestiegen, sagte er während der Pressekonferenz. Es sei aber falsch zu glauben, dass die Welt sich einem Stopp der Ausbreitung von HIV und Aids annähere. Die HIV-Epidemie sei vielmehr völlig unkontrolliert, vor allem in Afrika und Asien.
Die Therapie mit antiretroviralen Medikamenten, die die Lebensqualität und -erwartung mit einer HIV-Infektion deutlich verbessern, ist seit Mitte der 1990er Jahren möglich. Die anfangs starken Nebenwirkungen wurden inzwischen reduziert. Für die Infizierten, die Resistenzen gegen diese Medikamente entwickelten, werden neue Formen entwickelt. Seit Anfang der 1980er Jahre starben weltweit Schätzungen zufolge 25 Millionen Menschen an Aids.
AOL
News vom 23. Juli 2007
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Positive Bewertung durch das CHMP für Maraviroc
Pfizer erhält positive Bewertung durch das CHMP für Celsentri(R) (Maraviroc) zur Behandlung therapieerfahrener Patienten mit Infektion durch CCR5-tropen HIV-1-Stamm.
Pfizer Inc. gab heute bekannt, dass das Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMEA) Celsentri(R) (Maraviroc), dem ersten CCR5-Antagonisten zur Anwendung in Kombination mit anderen antiretroviralen Medikamenten zur Behandlung von therapieerfahrenen erwachsenen Patienten, bei denen nur CCR5-trope Viren nachweisbar sind, eine positive Bewertung mit Empfehlung der Zulassung erteilt hat.
Die positive Bewertung des CHMP wird von der Europäischen Kommission, die für die Zulassung von Arzneimitteln in der Europäischen Union zuständig ist, geprüft werden. Pfizer erwartete eine endgültige Entscheidung der Kommission in den nächsten Monaten.
„Es besteht ein dringender Bedarf an neuen, wirksamen und gut verträglichen Behandlungen für die vielen tausend Menschen, die mit HIV leben und deren Virus gegen eine oder mehrere der zurzeit verfügbaren Behandlungsoptionen resistent geworden ist. Pfizer hat die Bedürfnisse dieser Patienten gesehen und die Forschung und Entwicklung von Maraviroc mit Dringlichkeit vorangetrieben", so Dr. Joseph Feczko, Chief Medical Officer von Pfizer.
Vorbehaltlich der Erteilung der nötigen aufsichtsbehördlichen Zulassungen wird Pfizer dieses neuartige Medikament Patienten unter dem Namen Celsentri außerhalb der USA zur Verfügung stellen. Pfizer hat vor kurzem eine Zulassung für Maraviroc von der US-Aufsichtsbehörde FDA erhalten.
Maraviroc ist das erste Mitglied einer neuen Klasse von oralen HIV-Medikamenten (CCR5-Antagonisten) seit über einem Jahrzehnt. Maraviroc wurde 1997 von Pfizer-Wissenschaftlern in Sandwich, England, entdeckt und seitdem weiterentwickelt. Das Medikament wirkt extrazellulär durch Blockierung des Eintritts von Viren in menschliche Zellen. Nicht die Bekämpfung von HIV in den weißen Blutkörperchen, sondern das Verhindern des Eindringens von Viren in die weißen Blutkörperchen durch Blockade des Haupteintrittspunkts, des CCR5-Corezeptors, zeichnet Maraviroc aus.
Bei der Behandlung von HIV werden zwei Parameter als Hauptmarker für den Behandlungserfolg angesehen: Senkung der Viruslast und Steigerung der CD4-Zellen. Die zulassungsrelevanten Maraviroc-MOTIVATE-Studien verglichen die Sicherheit und Wirksamkeit der zusätzlichen Gabe von Maraviroc zu einer optimierten medikamentösen Kombinationstherapie (die als optimierte Hintergrundstherapie (OBT) bezeichnet wird) mit der zusätzlichen Gabe von Placebo zur OBT.
Die Daten der vierundzwanzigsten
Woche der zwei Maraviroc-MOTIVATE-Studien, die auf der CROI (Conference
on Retroviruses and Opportunistic Infections - Februar 2007) vorgestellt
wurden, zeigten, dass:
Im Dezember 2006 kündigte
Pfizer Pläne an, ein multinationales Expanded Access Program -eine
klinische Studie, die denjenigen Patienten, für die es nur begrenzte
oder keine zugelassenen Behandlungsoptionen infolge Resistenz oder Unverträglichkeit
gegen existierende Arzneimittelklassen gibt, Maraviroc zur Verfügung
stellt- einzurichten. Die Aufnahme von Patienten in die Studie hat mit
dem Ziel begonnen, Patienten aus über 30 Ländern einzubeziehen.
Pfizer unternimmt bedeutende philanthropische Aktivitäten zur Verbesserung der Behandlung von Menschen, die überall auf der Welt mit HIV/AIDS leben, im Rahmen derer lebensrettende Medikamente, Ressourcen und Kompetenzen zugänglich gemacht werden. Zu diesen Initiativen gehören die US Southern HIV/AIDS Prevention Initiative (2004-2007); die US ConnectHIV Prevention Initiative (2007-2010); die Gründung des Infectious Disease Institute in Kampala, Uganda; das Global Health Fellows Program von Pfizer und das Diflucan Partnership Program.
FinanzNachrichten
vom 21. Juli 2007
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Abbott reicht EU- und US-Zulassungsantrag ein
Für neue, niedriger dosierte, für den HIV/AIDS-Einsatz in der Pädiatrie geeignete Kaletra®- und Aluvia®- (Lopinavir/Ritonavir) Tabletten.
Illinois - Abbott gab heute den nächsten
Schritt zur Bekämpfung von HIV/AIDS in der Pädiatrie bekannt.
Abbott hat bei der europäischen Arzneimittelagentur (EMEA) und der
US-amerikanischen FDA(Food and Drug Administration) die Zulassung einer
neuen, weniger starken Tablette des unter der Bezeichnung Kaletra®
und Aluvia® (Lopinavir/Ritonavir) bekannten, führenden HIV-Proteasehemmers
des Unternehmens, beantragt.
Der Weltgesundheitsbehörde
(WHO) zufolge leben weltweit 2,3Millionen Kinder im Alter unter 15 Jahren
mit HIV/AIDS. Jeden Tag sterben 1.400 Kinder an mit AIDS zusammenhängenden
Krankheiten und weitere 1.800 Kinder werden täglich mit dem HIV-Virus
infiziert. Die WHO empfiehlt Lopinavir/Ritonavir zur Behandlung von Kindern,
falls die HIV-Medikamente der Wahl nicht mehr greifen. Das US-amerikanische
Gesundheitsministerium empfiehlt Lopinavir/Ritonavir zur Erstbehandlung
von Kindern mit HIV.
"Antivirale Medikamente sind von großer Bedeutung, insbesondere für Kinder", sagte Pamela W. Barnes, Präsidentin und CEO der Elizabeth Glaser Kinder-AIDS-Stiftung. "Wenn Kinder eine HIV-Behandlung erhalten, die in Darreichungsform und Dosierung für sie gedacht ist, geben wir den Gesundheitsdiensten ein Medikament an die Hand, mit dem diese Kinder und ihre Krankheit behandelt werden kann."
In Anbetracht des Bedarfs in den Entwicklungsländern wird Abbott die neue, niedriger dosierte Tablette weltweit genauso breitverfügbar machen, wie die bereits bewährte Tablette, die in 150Ländern das am meisten zugelassene HIV-Medikament in den Entwicklungsländern darstellt. Abbott arbeitet daran, die Verfügbarkeit in den Entwicklungsländern so schnell wie möglich sicherzustellen. Mit der Zusicherung einer beschleunigten Beurteilung durch die EMEA und der prioritären Beurteilung durch die FDA hat Abbott bereits einen ersten wichtigen Schritt erreichen können. Das Zulassungsverfahren in den Entwicklungsländern setzt zur Erlangung des CPP-Zertifikats ("Certificate of Pharmaceutical Product"), das gleichzeitig mit den Antragsunterlagen eingereicht werden muss, die Zulassung durch die EMEA voraus.
Deshalb arbeitet Abbott mit den Zulassungsbehörden weltweit jeweils landesweise daran, einen vorzeitigen Zulassungsantrag (noch bevor das CPP-Zertifikat verfügbar ist) bei den Landesbehörden einreichen zu können. Abbott wird alle jeweils vor Ort zulässigen Zulassungsmöglichkeiten ausschöpfen, um dazu beizutragen, das Mittel Patienten so schnell wie möglich zur Verfügung zu stellen.
"Es gibt weltweit über 2 Millionen HIV-infizierte Kinder und die Mehrzahl lebt in einem Umfeld mit begrenzten Ressourcen, wo der Zugang zu einem Kühlschrank und regelmäßigen Mahlzeiten nichtselbstverständlich sind", sagte Prof. Diana Gibb, M.D., vom Institut für Infektionskrankheiten am Great Ormond Street Kinderkrankenhaus in London, Großbritannien. "Die Entwicklung und Zulassung der niedrigerdosierten Lopinavir/Ritonavir Tablette von Abbott macht das Mittel zur Behandlung von Kindern, die mit HIV leben müssen, nochwertvoller."
Die niedriger dosierte Tablette enthält 100 mg Lopinavir und 25 mg Ritonavir, verglichen mit 200 mg Lopinavir und 50 mg Ritonavir in der derzeitigen Tablette.
Die pädiatrische Dosierung von Kaletra beruht auf der Körperoberfläche bzw. dem Gewicht. Nach der Zulassung wird die neue, niedriger dosierte Tablette eine höhere Flexibilität bei der Dosierung für entsprechende pädiatrische Patienten bieten, als die derzeitige, zugelassene Tablette mit der vollen Dosis. Die orale Lösung von Lopinavir/Ritonavir wird Patienten weltweit weiterhin zur Verfügung stehen, obwohl sie gemeinsam mit Nahrung eingenommen und gekühlt werden muss.
"Abbotts niedriger dosierte Lopinavir/Ritonavir-Tablette stellt eine bedeutende Innovation für die Versorgung von Menschen dar, die mit HIV leben", sagte Scott C. Brun, M.D., Hauptabteilungsleiter Infektions- und Nierenkrankheiten im Geschäftsbereich Global Pharmaceutical Research and Development bei Abbott. "Es gehört zu Abbotts kontinuierlichem Engagement, HIV-Patienten weltweit, insbesondere in den Entwicklungsländern, wo die Belastung besonders hoch ist, die modernsten Darreichungsformen zu erschwinglichen Preisen zur Verfügung zu stellen."
Vollständiger Originaltext: Abbott Laboratories - Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/
Abbott
- Pressemeldung vom 21. Juli 2007
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Ist die Grenze für den Therapiebeginn noch aktuell?
von Pietro Vernazza
Der Beginn der HIV-Therapie wird allgemein immer noch bei mäßig vorgeschrittener Immunschwäche(CD4 Zellen unter 350) empfohlen. Doch ist diese Grenze noch gerechtfertigt? Europäische Experten finden: NEIN, aber...
Einige führende Experten auf dem Gebiet der HIV-Infektion (Andrew Phillips, Brian Gazzard, Nathan Clumeck, Marcello Losso, Jens Lundgreen) haben im BMJ sehr anschaulicht verdeutlicht, weshalb wir in Zukunft immer häufiger auch schon bei höheren CD4 Werten mit einer Therapie beginnen werden.
Weshalb wurde Therapiebeginn
verzögert?
Die Zurückhaltung beim Therapiebeginn
Ende der 90er Jahre kam aus der Erkenntnis der häufigen insbesondere
langfristigen Nebenwirkungen der Therapie. Ein zweites Argument war auch,
dass wir mit der Therapie einfach das Auftreten von Opportunistischen Infektionen
verhindern wollten. Damals sahen wir den Zusammenbruch des Immunsystems
als einzige Konsequenz der HIV-Infektion die es zu bekämpfen galt.
Dieser Effekt war fast ebenso gut, wenn wir die Therapie erst bei CD4 Werten
um 200 anfingen. dennoch, die beiliegende Abbildung zeigt auch, dass selbst
bei höheren CD4 Werten noch ein zusätzlicher Nutzen vorhanden
war.
Therapieziele haben sich gewandelt
Doch heute wissen wir, dass die
HIV-Infektion noch zahlreiche weitere Konsequenzen hat. Die SMART-Studie
hat uns gezeigt, dass die HIV-Infektion selbst bei höheren CD4 Zellen
noch andere Konsequenzen haben kann. In dieser Studie hatten zahlreiche
Patienten ohne Therapie eine Progression von Herz, Leber und Nierenkrankheiten,
die wir bisher nicht als HIV-assoziiert betrachtet hatten. Wir erkennen
immer mehr, dass die chronische HIV-Infektion zu einer ständigen Aktivierung
des Immunsystems führt, und genau diese Aktivierung ist es, welche
verschiedene Alterungsprozesse, so auch die Atherosklerose und andere Erkrankungen
aktiviert.
Moderne Therapien besser verträglich
Doch ein wichtiges Argument für
einen früheren Therapiebeginn ist die deutlich verbesserte Verträglichkeit
der neueren antiretroviralen Medikamente. Damit sind auch die früheren
Bedenken betreffend Auftreten von mitochondrialer Toxizität, Lipodystrophie
und metabolischen Nebenwirkungen abgeschwächt, auch wenn diese noch
nicht vollständig ausgeräumt sind.
Die endgültige Antwort
erfordert noch entsprechende Studien
Die Autoren des BMJ Commentary machen
klar, dass eine Therapie eingeleitet werden sollte, wenn die CD4 Zahl gegen
350/ul abfällt und der Patient dazu bereit ist. Ganz klar vertreten
sie aber auch die Meinung, dass es noch neue Studien braucht, welche das
Risiko-Nutzenprofil eines früheren Therapiebeginns untersuchen sollten.
Quelle: Phillips A, et al, BMJ 2007;334;76-78
Infektiologie
St. Gallen - Meldung vom 21. Juli 2007
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Drei HIV-resistente Gene identifiziert
Ein Forschungsteam der Universität Lausanne hat drei HIV-resistente Gene identifiziert. Die Entdeckung weckt gemäss dem US-Wissenschaftsmagazin "Science" Hoffnungen auf die baldige Entwicklung eines Impfstoffes im Kampf gegen Aids.
"Es gibt Menschen, die sind von Natur aus gegen das HIV-Virus gewappnet. Wir Forscher müssen herausfinden, wie diese Fähigkeit imitiert werden kann", sagte Professor Amalio Telenti vom Institut für Mikrobiologie der Universität Lausanne vor den Medien.
Zwei Prozent der Menschen seien resistent gegen das HI-Virus, das die Immunschwächekrankheit Aids verursacht. Um herauszufinden, weshalb sich das so verhält, hätte nicht mit diesen Menschen geforscht werden können, sondern nur mit solchen, die HIV-infiziert seien, erklärte der Wissenschaftler die angewandte Methode.
Für die Schweiz wurde dazu das Genmaterial von 6000 HIV-positiven Menschen analysiert. Alle Analysanden hätten sich damit einverstanden erklärt, sagte Telenti.
Denn auch bei den HIV-Infizierten gibt es grosse Unterschiede, wie der jeweilige Organismus reagiert. Einige vermögen das Virus völlig unter Kontrolle zu halten, während andere rasch erkranken und an Aids sterben. Daher ging das internationale Forschungsteam des CHAVI (Center for HIV/Aids Vaccine Immunology) davon aus, dass dies genetisch bedingt sein müsse.
Nach Auswertung von Millionen von Daten gelang es dem Team schliesslich, die DNA-Segmente zu erkennen, die jenen Menschen, die sie aufweisen, eine höhere HIV-Resistenz verleihen.
Laut dem Lausanner Professor zeigt die Pharma-Forschung reges Interesse an der Entdeckung, um daraus einen Impfstoff entwickeln zu können. Dies würde nach Einschätzung Telentis etwa zehn Jahre in Anspruch nehmen. Wenn dies gelingt, wird sowohl die Zahl als auch die Stärke von HIV-Infektionen stark zurückgehen und damit die Aids-Epidemie drastisch eingedämmt.
Tages-Anzeiger
vom 19. Juli 2007
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Bei therapieerfahrenen Patienten mit NNRTI-Resistenzen
Neuss - Tibotec, Division of Janssen-Cilag GmbH, entwickelt einen neuartigen Nicht-Nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Hemmer (NNRTI) der nächsten Generation. In zwei laufenden Phase-III-Studien bewies TMC125 (Etravirine, ETR) seine Wirksamkeit gegenüber Placebo bei NNRTI-resistenten Patienten am primären Endpunkt (Erreichung einer Viruslast <50 Kopien/ml) nach 24 Wochen. Die Ergebnisse der Studien DUET-1 und DUET-2 wurden kürzlich in der Fachzeitschrift The Lancet (Lancet 2007; 370: 29-48) veröffentlicht. Diese Daten werden außerdem auf der 4th International AIDS Society Conference on HIV Pathogenesis, Treatment and Prevention (IAS 2007) in Sydney, Australien, vorgestellt.
„NNRTIs sind seit mehr als zehn Jahren ein wichtiger Bestandteil der antiretroviralen Therapie therapienaiver HIV-Patienten. Doch die Entwicklung von NNRTI-Resistenzen hat ihren Einsatz auf diese Patientengruppe limitiert“, stellte Adriano Lazzarin, M.D., aus Mailand, Italien, Autor des Manuskripts zur DUET-2-Studie, fest. „Die Ergebnisse der DUET-Studien deuten auf einen Ausbau der Rolle dieser bereits gut untersuchten und hoch wirksamen Klasse antiretroviraler Medikamente hin.“
DUET-1 und DUET-2 – das Design
Bei den DUET-Studien handelt es
sich um doppelblinde, randomisierte, placebo-kontrollierte Phase-III-Studien.
Ziel war es, die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Etravirine bei
vorbehandelten Patienten mit dokumentierter NNRTI-Resistenz zu untersuchen.
Die Patienten erhielten entweder 200 mg TMC125 zweimal täglich oder
Placebo, jeweils kombiniert mit einem Basisregime (BR) von 600 mg Darunavir
und 100 mg Ritonavir zweimal täglich sowie vom Behandler gewählten
Nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Hemmern (NRTI) und optional Enfuvirtide.
In die Studie wurden Patienten mit einer HIV-1-Infektion und einer Viruslast von ?5.000 Kopien/ml unter einem stabilen, aber gescheiterten Therapieregime aufgenommen. Ebenfalls mussten drei oder mehr Proteasehemmer-Mutationen vorliegen und eine NNRTI-Resistenz nachgewiesen sein.
DUET-1 – die Ergebnisse
In DUET-1 („24-week results of a
randomized, double-blind, placebo-controlled trial to evaluate the efficacy
and safety of TMC125 in treatment-experienced HIV-1 infected patients:
DUET-1”, Valdez Madruga J et al.) wurden 612 Patienten eingeschlossen.
304 Patienten wurden randomisiert der Verumgruppe (TMC125 plus BR) zugeordnet,
308 der Placebogruppe. In der Verumgruppe mit Etravirine plus BR erreichten
signifikant mehr Patienten eine Viruslast unterhalb der Nachweisgrenze
(< 50 Kopien/ml) als in der Placebogruppe (56 % / 170 Patienten vs.
39 % / 119 Patienten, p = 0,005).
Die häufigsten unerwünschten Ereignisse waren Hautausschlag (TMC125 vs. Placebo = 20,1 % vs. 9,7 %), Übelkeit (13,8 % vs. 12,3 %) und Diarrhö (11,8 % vs. 20,5 %). Neuropsychiatrische Störungen waren unter Etravirine seltener als unter Placebo: Neurologische Störungen (15,1 % vs. 19,8 %), psychiatrische Störungen (10,2 % vs. 13,6 %). Auch die Zahl der Therapieabbrüche aus unterschiedlichen Gründen war in der Verumgruppe niedriger als in der Placebogruppe (42 vs. 56 Patienten).
DUET-2 – die Ergebnisse
In DUET-2 („DUET-2: 24 week results
of a randomised double-blind trial to evaluate the efficacy and safety
of TMC125 versus placebo in 591 treatment-experienced HIV-1 infected patients.”
Lazzarin A et al.) wurden 591 Patienten eingeschlossen. 295 Patienten wurden
randomisiert der Verumgruppe (TMC125 plus BR) zugeordnet, 296 der Placebogruppe.
In der Verumgruppe mit Etravirine plus BR erreichten wie in DUET-1 signifikant
mehr Patienten eine Viruslast unterhalb der Nachweisgrenze (< 50 Kopien/ml)
als in der Placebogruppe (62 % / 183 Patienten vs. 44 % / 129 Patienten,
p = 0,0003).
Die häufigsten unerwünschten Ereignisse waren Hautausschlag (TMC125 vs. Placebo = 13,9 % vs. 9,1 %), Diarrhö (18,3 % vs. 20,3 %) und Übelkeit (13,9 % vs. 9,8 %). Neuropsychiatrische Störungen unter Etravirine (TMC125) waren in ihrer Häufigkeit vergleichbar mit Placebo: Neurologische Störungen (14,6 % vs. 17,2 %), psychiatrische Störungen (15,6 % vs. 17,2 %). Auch die Zahl der Therapieabbrüche war in der Verumgruppe geringer als in der Placebogruppe (51 vs. 73 Patienten).
DUET-Studien belegen Wirksamkeit
und Verträglichkeit von Etravirine (ETR)
An den primären Endpunkten
nach 24 Wochen konnte in beiden DUET-Studien gezeigt werden, dass der NNRTI
der nächsten Generation, TMC125 (Etravirine, ETR), zusammen mit einem
Basisregime eine effiziente und verträgliche Therapie von Patienten
mit HIV-1 ermöglicht, die bereits vortherapiert und nachgewiesenermaßen
NNRTI-resistent sind. Die Viruslast konnte in beiden Studien in der Verumgruppe
signifikant häufiger unter die Nachweisgrenze gesenkt werden.
Tibotec
- Pressemeldung vom 19. Juli 2007
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Heroingestützte Behandlung braucht gesetzliche Grundlage
Berlin - Anlässlich des vom Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit initiierten bundesweiten Gedenktages für verstorbene Drogengebraucher/innen am 21. Juli fordert die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. (DAH) eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes, um Diamorphin (chemisch reines Heroin) für die ärztlich kontrollierte Behandlung von Opiatkonsumentinnen und -konsumenten einsetzen zu können. "Die wissenschaftliche Auswertung der deutschen Modellprojekte zur heroingestützten Behandlung Oiatabhängiger hat den Erfolg dieser Behandlungsform eindeutig nachgewiesen", erklärte DAH-Bundesgeschäftsführer Dr. Escobar Pinzón.
"Bei mehr als drei Viertel der Patientinnen und Patienten hat sich der Gesundheitszustand erheblich verbessert, die Beschaffungskriminalität ist deutlich zurückgegangen, viele Studienteilnehmer/innen haben wieder eine Arbeit und eine Wohnung gefunden, und einige Patienten sind mittlerweile sogar abstinent."
Umso unverständlicher findet Escobar Pinzón es, dass Vertreter von CDU und CSU auf Bundesebene eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes nach wie vor ablehnen - gegen die Mehrheit der Ministerpräsidenten der Bundesländer, die die Heroinvergabe durchführen (Hessen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sind für eine Gesetzesänderung), gegen den Deutschen Städtetag und gegen den Konsens der Experten und Expertinnen aus Wissenschaft und Fachverbänden. Empört ist Escobar Pinzón auch über die Reaktion der CDU auf eine DAH-Postkartenkampagne, in deren Rahmen mittlerweile fast 40.000 Bürgerinnen und Bürger die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Dr. Merkel um Unterstützung für die Überführung der heroingestützten Behandlung in die Regelversorgung gebeten haben: "CDU-Generalsekretär Pofalla hat uns am 3. Juli unter anderem geschrieben, dass die Union eine Neuaufnahme von Patienten in die erfolgreichen Modellprojekte nicht befürwortet und Heroin auf Rezept zu Lasten der Solidargemeinschaft für kaum vermittelbar hält." In Wirklichkeit, so der DAH-Bundesgeschäftsführer, gehe es hier aber wohl um ideologische Widerstände - das Kostenargument jedenfalls sei falsch, weil die Ausgaben für die Gesellschaft und die Solidargemeinschaft bei gesundheitlich stabilisierten und sozial integrierten Patientinnen und Patienten sogar sänken.
Escobar Pinzón forderte die Bundesregierung auf, ihre Verantwortung für die Gesundheit aller Drogengebraucherinnen und Drogengebraucher wahrzunehmen. "Beharrt die Union auf ihrer Position, dann bleibt der großen Mehrheit der Opiatkonsumenten diese erfolgreiche und möglicherweise lebensrettende Behandlung vorenthalten. Das halten wir für ungerecht und ethisch nicht vertretbar." Die DAH werde auch weiterhin für die heroingestützte Behandlung als eine Option eintreten - in Übereinstimmung mit der überwältigenden Mehrheit aller Fachleute und mit den Erfahrungen aus dem Ausland. "Studien in anderen Ländern, darunter die Schweiz und die Niederlande, sind zu ähnlichen Ergebnissen gekommen wie das deutsche Modellprojekt. Daher ist Heroin z. B. in Großbritannien verschreibungsfähig, und auch in der Schweiz ist die kontrollierte Heroinabgabe nach einer Volksabstimmung ein wichtiges Instrument der Schadensminderung."
Die DAH gebe die Hoffnung nicht auf, dass die Union zur Einsicht komme und die richtige Entscheidung treffe, sagte der DAH-Bundesgeschäftsführer. "Nach der Sommerpause wird der Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages eine öffentliche Anhörung zum Thema durchführen, zu der auch wir eingeladen sind und bei der wir für unser Anliegen eintreten werden."
Um der vielen tausend verstorbenen Drogengebraucher/innen zu gedenken und den dringenden drogenpolitischen Handlungsbedarf anzuzeigen, veranstalten Aids- und Drogenhilfen, Gruppen des Selbsthilfenetzwerks JES - Junkies, Ehemalige und Substituierte, Eltern, Angehörige und Freunde/Freundinnen von Drogenkonsument(inn)en sowie Aktionsbündnisse im Rahmen des Gedenktages am 21. Juli in über 30 Städten (z. B. in Frankfurt, Wuppertal, Hildesheim, Stuttgart, Berlin, Bonn oder Hamburg) Mahnwachen, Informationsveranstaltungen, Gottesdienste, Trauermärsche und andere öffentliche Kundgebungen.
Deutsche
AIDS-Hilfe e.V. - Pressemeldung vom 18. Juli 2007
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Krankenschwestern und Arzt im Kurzporträt
Fünf bulgarischen Krankenschwestern wurde ihre Beschäftigung als Gastarbeiterinnen in Libyen zum Verhängnis.
Am 9. Februar 1999 wurden sie in der libyschen Hafenstadt Benghazi unter dem Vorwurf festgenommen, Kinder wissentlich mit dem HI-Virus infiziert zu haben. Da sich ihr Fall über mehr als acht Jahre hinzog, wurden die Frauen in ihrer Heimat "Geiseln von Hauptmann (Muammar) Gaddafi" genannt. Es folgen Kurzporträts:
KRISTIJNA WALTSCHEWA (46) aus Sofia ist Mutter eines Sohnes. Die Anklage warf ihr vor, die Ansteckung der libyschen Kinder mit Aids organisiert zu haben. Ihr Geständnis sei mit Folter erzwungen worden, sagte sie. "Mehrere Nächte wurde ich mit Stromstößen gequält", berichtete sie im bulgarischen Privatfernsehen bTV. "Obwohl meine Wunden eiterten, wurde weiter Strom eingesetzt."
NASSJA NENOWA war vor ihrer Anstellung in Libyen zwölf Jahre lang als Kinderkrankenschwester in der ostbulgarischen Stadt Sliwen beschäftigt. In Libyen musste sie ein Geständnis unterzeichnen, dass sie die libyschen Kinder gegen Bezahlung mit dem Virus angesteckt habe. Im April 1999 unternahm sie einen Selbstmordversuch. "Ich habe Narben an meinen Fingern von dem Drehen der Eisenstangen", schilderte sie ihre Behandlung in Gefangenschaft.
WALJA TSCHERWENJASCHKA (49) kommt aus Bjala Slatina in Nordbulgarien. Sie ist Mutter zweier Töchter. Trotz der Folter legte sie kein Geständnis ab. "Bei der Vernehmung wurde ich geschlagen. Es wurden auch Hunde und Käfer eingesetzt", erinnert sie sich.
WALENTINA SIROPOULO (46) kommt aus der mittelbulgarischen Stadt Pasardschik. Sie hat einen Sohn. Die Frau hat laut bulgarischen Angaben nicht in den Krankenhaus-Abteilungen gearbeitet, in denen sich die Erkrankung ausgebreitet hatte. Die Frau wurde nach ihrer Darstellung mit Gummischläuchen geschlagen und mit Strom gequält. "Sie haben dennoch keine Beweise für unsere Schuld", sagt sie.
SNESCHANA DIMITROWA (52) ist die älteste der fünf Krankenschwestern. Die in Gabrowo im bulgarischen Balkan-Gebirge geborene Krankenschwester nahm ihre Arbeit in Libyen als letzte von allen im August 1998 auf - ein halbes Jahr vor der Festnahme. Sie ist Mutter einer Tochter und eines Sohnes. "Ich will meine Freiheit zurück und bei der Familie sein", wünscht sie sich.
ASHRAF AL-HAJUJ ist gebürtiger Palästinenser. Der Beschuldigte studierte zum Zeitpunkt der Festnahme der Krankenschwestern Anfang 1999 Medizin. Seine Familie lebte Anfang der 90er Jahre in Libyen, später in den Niederlanden. Während eines Praktikums erhielt er die Erlaubnis, in dem Krankenhaus zu wohnen, in dem die Aids-Epidemie ausgebrochen war. Im Verfahren gestand er, zusammen mit den Bulgarinnen libyschen Kindern absichtlich infiziertes Blut übertragen zu haben. Während seiner Haft lernte er die bulgarische Sprache; er ist seit Juni bulgarischer Staatsbürger.
Die
Presse vom 17. Juli 2007
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Schützt Therapie gegen Herpes vor HIV?
Menschen, die mit Herpes-Viren infiziert sind, sollten Regeln für Safer Sex strikt einhalten / Kondomverwendung auch bei Oralverkehr empfohlen.
Bobo-Dioulasso - Die Eindämmung von Herpesviren (HSV) hat bei Patienten mit einer HIV-HSV-Doppelinfektion vermutlich nicht nur unmittelbare Konsequenzen auf die Menge beider Virustypen. Möglicherweise eignet sich die Therapie auch zur Prophylaxe der Virusverbreitung.
Darin gründet sich das große Interesse an einer Studie, die vor kurzem erneut in Kommentaren aufgegriffen wurde. In der Studie an der afrikanischen Uniklinik in Bobo-Dioulasso in Burkina-Faso erhielten je 70 gleichzeitig mit HIV und HSV-2 infizierte Frauen drei Monate lang entweder eine Behandlung mit Valaciclovir gegen das Herpesvirus oder Placebo. Die antivirale Therapie wirkte - wie vermutet - nicht allein auf die Herpesviren. Sie verminderte überdies die Menge der HIV-RNA im Blut und noch stärker im Genitalabstrich, und zwar um mindestens 50 Prozent (NEJM 356, 2007, 790 und 2323).
"Das bestätigt unsere Beobachtungen aus der täglichen Praxis und bestärkt das Umdenken bei der Präventionsberatung", kommentierte Dr. Christoph Stephan von der HIV-Schwerpunkt-Ambulanz an der Universitätsklinik in Frankfurt am Main im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". "Gerade bei Paaren, von denen einer der Partner HIV-positiv und auch HSV-infiziert ist, kommt es trotz Beachtung der Safer-Sex-Regeln zur Übertragung", sagte der Spezialist.
Noch ist zwar nicht direkt belegt, dass die Therapie gegen Herpesviren auch die Übertragungsrate senken kann. Doch die jüngste Studie hat hier zu neuen Untersuchungen entscheidenden Anstoß gegeben. "Wir weisen jedenfalls konsequent darauf hin, dass etwa der bisher als sicher angesehene Oralverkehr bei einer gleichzeitig bestehenden HSV-Infektion besser nicht mehr ohne Kondomschutz vorgenommen werden sollte", sagte Stephan. Zudem eröffnet sich Ärzten eine neue Perspektive bei der Behandlung jener doppelt mit HIV und HSV infizierten Patienten, die zum Beispiel in einem frühen Stadium der HIV-Krankheit noch keine Anti-HIV-Therapie erhalten sollen. Sie profitieren, wie man jetzt weiß, nicht nur von der gegen die Herpesviren gerichteten Therapie, auch die HIV-Menge wird vermindert.
Wie erklärt man sich diesen Effekt? Herpesviren machen die Schleimhäute anfälliger für andere Infektionen, selbst wenn die HSV-Infektion inapparent, etwa ohne Bläschenbildung verläuft. Die von den Herpesviren angelockten Lymphozyten, vor allem CD4-Zellen, bieten dem Aids-Erreger ein geeignetes Infektionsterrain. Herpesviren sorgen zudem dafür, dass eine größere Menge dieser Zellen am Infektionsort bleibt - selbst in einer intakten Schleimhaut. So tragen doppelt Infizierte nicht nur eine höhere Virusmenge, die Viren können sich auch eher in den Zellen ausbreiten. Ein solches Verstärker-Phänomen ist auch bei anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen, etwa bei Syphilis, im Zusammenhang mit Herpesviren zu beobachten.
Ärzte
Zeitung vom 13. Juli 2007
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Kondome bieten ausreichenden Schutz vor HIV
Der gleichzeitige Einsatz von Diaphragmen, Gleitgelen und Kondomen zum Schutz vor HIV bei sexuell aktiven Frauen in Afrika ist nicht effektiver als die ausschließliche Verwendung von Kondomen, wie eine Veröffentlichung berichtet.
Dr. Nancy Padian und Kollegen von der University of California als Vertreter der Methods for Improving Reproductive Health in Africa (MIRA) starteten eine randomisierte Studie an 5.000 sexuell aktiven, HIV-negativen Frauen in Südafrika.
Alle Frauen erhielten ein HIV-Maßnahmenpaket mit Kondomen, Beratungen vor und nach der Testphase zu HIV und sexuell übertragenen Infektionen, Untersuchungen, Behandlung von heilbaren sexuell übertragbaren Krankheiten sowie eine Intensivberatung zur Risikoverringerung. Eine Hälfte der Frauen erhielt zusätzlich Diaphragmen und Gleitgele, die andere Hälfte ohne Diaphragmen bildete die Kontrollgruppe.
Die HIV-Häufigkeit in den beiden Gruppen zeigte keinen signifikanten Unterschied. Die Diaphragma-Gruppe hatte eine HIV-Rate von 4,1 Prozent pro 100 Frauenjahren, verglichen mit 3,9 Prozent in der Kontrollgruppe. Die Forscher stellten fest, dass der Anteil Kondome fordernder Frauen in der Diaphragma-Gruppe deutlich geringer war als in der Kontrollgruppe (54 Prozent gegenüber 85 Prozent). Sie meinen: "Unsere Beobachtung, wonach die geringere Verwendung von Kondomen bei den Frauen mit Diaphragmen keine erhöhte HIV-Infektionsrate zur Folge hatte, verdient weitere Erforschung."
Die Autoren bemerken: "Wir konnten keinen weiteren schützenden Nutzen gegen eine HIV-Infektion feststellen, wenn neben Kondomen und einem umfassenden vor HIV schützenden Maßnahmenpaket zusätzlich Diaphragmen und Gleitgele benutzt wurden." Sie folgern: "Obwohl die Maßnahmen sicher waren, befürworten unsere Ergebnisse die zusätzliche Verwendung von Diaphragmen in gegenwärtigen HIV-Schutzstrategien nicht."
"Frauen, die ihre männlichen Partner nicht von der Verwendung eines Kondoms überzeugen können, benötigen weiterhin dringend eine von ihnen kontrollierte Schutzmaßnahme. Neben der Erforschung von Methoden, die von Natur aus schon wirksamer sind, müssen wir die Instrumente entwickeln, um auch bescheidenste Schutzmaßnahmen beurteilen zu können."
In einem begleitenden Kommentar mahnen Dr. Ronald Gray und Dr. Maria Wawer von der Bloomberg School of Public Health an der Johns Hopkins University in Baltimore: "Von Frauen kontrollierte Methoden des HIV-Schutzes sind dringend notwendig. Unglücklicherweise werden die einzigen erprobten Schutzmaßnahmen bei Erwachsenen von den Männern kontrolliert."
"Padian und Kollegen starteten eine innovative Studie über verfügbaren Maßnahmen, die enttäuschenden Ergebnisse dürfen jedoch nicht von der Erforschung anderer neuer Ansätze abhalten."
Quelle: Nancy S Padian and others. Diaphragm and lubricant gel for prevention of HIV acquisition in southern African women: a randomised controlled trial. Lancet 2007; 370: 10.1016/S0140-6736(07)60950-7
The
Lancet vom 13. Juli 2007
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Kampf um die Patienten in Hamburg
Kaum ist die Gesundheitsreform 100 Tage in Kraft, sorgt ein Detail aus dem Mammutwerk für einen handfesten Streit im Hamburger Gesundheitswesen. Zwischen den Krankenhäusern und den niedergelassenen Ärzten ist ein erbitterter Kampf um Patienten, Budgets und Macht entbrannt. Weil die Krankenhäuser nach Paragraph 116 b des Sozialgesetzbuches V sich jetzt auch für ambulante Behandlungen öffnen dürfen, läuft Hamburgs Kassenärztliche Vereinigung (KV) Sturm.
"Das mag auf dem Land Sinn machen, wo die Versorgung nicht so gut ist", sagte der Vorsitzende der KV-Vertreterversammlung, Michael Späth. "Es gibt wohl keine zweite Stadt in Deutschland, die ein derart dichtes Netz von Praxen vorweisen kann, die hochspezialisierte Leistungen anbieten. Die Krankenhäuser bauen jetzt mit dem Geld der Versicherten eine Doppelversorgung auf. Sie müssen investieren und sich das Geld von den Krankenkassen zurückholen."
Nach der neuen Regelung dürfen Krankenhäuser bei 23 Indikationen wie Krebs, Aids, multipler Sklerose und anderen Erkrankungen ihre spezialisierten Leistungen ambulant erbringen. "In Hamburg ist das nicht notwendig", sagte der erfahrene Onkologe Hartmut Horst. Hier gebe es genügend Schwerpunktpraxen. "Wir haben das aufgebaut, und das soll uns nun weggenommen werden." Der Krebsspezialist glaubt, dass es außerdem in den Kliniken "gar nicht genügend Fachärzte" gebe.
Um auch ambulante Leistungen anbieten zu können, müssen die Krankenhäuser bei der Gesundheitsbehörde Anträge stellen. Die Behörde muss laut Gesetz prüfen, ob überhaupt ein Versorgungsengpass im ambulanten Bereich besteht. "Die Krankenhäuser sind nur eine Ergänzung", sagte der Vize-Vorsitzende der KV, Walter Plassmann. "Unsere Auffassung muss berücksichtigt werden." Plassmann forderte Einsicht in die Anträge der Hamburger Krankenhäuser. Er drohte rechtliche Schritte an.
Die Hamburgische Krankenhausgesellschaft teilte mit, dass Patienten mit schweren und chronischen Erkrankungen nun die Auswahl hätten, "wem sie zukünftig ihr Vertrauen aussprechen". Für die Krankenhäuser bedeute die "ambulante Spezialbehandlung" nur einen "geringen Mehraufwand".
Hamburger
Abendblatt vom 10. Juli 2007
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Immundefizienz erhöht Risiko für infektionsassoziierte Krebserkrankungen
Die Immundefizienz trägt bei immunsupprimierten Personen vermutlich deutlich mehr zum Krebsrisiko bei als der Lebenswandel.
Andrew Grulich von der University of New South Wales in Australien und seine Kollegen führten eine Meta-Analyse zur Krebshäufigkeit aus veröffentlichten, populationsbasierten Studien an HIV/Aids-Erkrankten und Organtransplantationsempfängern durch. Die Autoren fanden heraus, dass ein großer Teil der Krebsarten mit erhöhter Häufigkeit bei Personen mit HIV/Aids und bei Transplantatempfängern auftritt.
Die Studie belegt, dass die durch Immunsuppressiva induzierte Abwehrschwäche eine gewisse Verwandtschaft mit der durch HIV erworbenen Abwehrschwäche hat. In beiden Gruppen treten auch die mit dem Epstein-Barr-Virus in Verbindung gebrachten Hodgkin-Lymphome (11-fach häufiger bei HV/Aids, 3,9-fach häufiger bei Transplantierten) und Non-Hodgkin-Lymphome auf (77-fach häufiger bei HIV/Aids, 8-fach häufiger bei Transplantierten). Auch hepatozelluläre Karzinome, häufig eine Spätfolge einer chronischen Hepatitis B, sind bei HIV/Aids-Patienten 5,2-fach und bei Transplantierten 2,13-häufiger als in der Allgemeinbevölkerung.
Die Autoren folgern: "Die erhöhten Krebsraten, die wir an vielen unterschiedlichen Stellen gefunden haben, lassen dem Immunsystem bei der Prävention von Krebs im Zusammenhang mit Infektionen vermutlich eine größere Rolle als bisher gedacht zukommen."
Insgesamt treten mehr als 20 Krebserkrankungen bei Abwehrgeschwächten häufiger auf. Bei den HIV/Aids-Patienten stellt sich natürlich die Frage, ob die heute durchgeführte hoch aktive antiretrovirale Therapie (HAART) das erhöhte Krebsrisiko beseitigt, da mit der Zahl der CD4-Zellen auch die Immunkompetenz steigt. Sicher ist, dass Aids-definierende Erkrankungen wie das Kaposi-Sarkom bei einer wirksamen Therapie nicht mehr (so häufig?) auftreten.
Bei den nicht Aids-definierenden Erkrankungen sei eine solche protektive Wirkung der Therapie allerdings nicht eindeutig erkennbar, schreibt Grulich. Er kann sich in dieser Ansicht allerdings nur auf eine Studie stützen, die das Risiko vor und nach HAART direkt verglichen hatte.
Quelle: Prof Andrew E Grulich and others. Incidence of cancers in people with HIV/AIDS compared with immunosuppressed transplant recipients: a meta-analysis. Lancet 2007; 370: 59
The
Lancet vom 10. Juli 2007
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HIV - Pille davor. Was, wenn sie nützt?
von Pietro Vernazza
Zurzeit laufen Studien, welche untersuchen, wie ein HIV-Medikament - präventiv eingesetzt - eine HIV-Infektion verhindern könnte. Falls es klappt, hat dies weit reichende Konsequenzen.
In der IAS-HIV-Ausgabe des Lancet wird diese Frage vertieft diskutiert. Eine Medikamentöse Prophylaxe zur Vorbeugung einer Infektion ist in anderen Bereichen Standard, so zum Beispiel die Malariaprophylaxe bei Tropenreisen. Die Post-Expositionsprophylaxe (4 Wochen Therapie nach einem Kontakt) schützt zu über 80% vor einer Infektion. Je kürzer der Abstand zwischen Exposition und Therapiebeginn, desto besser die Wirkung. Ist es daher nicht trivial anzunehmen, dass eine Tabletteneinnahme vor der Exposition noch besser schützen würde?
Studien sind unterwegs
Die entsprechenden klinischen Studien
sind aktuell unterwegs. Eine Phase II studie bei 936 weiblichen Sex-Workers
hat gezeigt, dass die Nebenwirkungsrate einer Tenofovir-Behandlung mit
Placebo vergleichbar ist (Peterson 2007). Drei Phase III Studien sind unmittelbar
vor dem Start in Thailand (TDF, Drogensüchtige), Botswana (TDF+FTC,
heterosex. Frauen und Männer) sowie Peru und Equador (TDF+FTC, homosexuelle
Männer). Die ersten Resultate dürften nicht vor Ende 2008 zu
erwarten sein.
Pille statt Kondom?
Doch die Resultate werden kommen,
und sie könnten eine Wirkung der medikamentösen Prophylaxe zeigen.
Was dann? Pille statt Kondom für jeden? Sicher nicht. Die Anwendung
wird nicht einfach sein, auch nicht billig. Eine Grundvoraussetzung ist,
dass sichergestellt werden sollte, dass keine HIV-Infektion vorliegt. Dies
würde einer Monotherapie (oder Bi-Therapie im Falle von TDF+FTC) gleichkommen,
was ein Resistenzproblem verursachen könnte. Auf der anderen Seite
wissen wir von Menschen, die sich auch nach intensivsten Beratungsgesprächen
einem relevanten HIV-Infektionsrisiko aussetzen. Sollen diese nicht geschützt
werden?
Risikoverhalten und Ethische
Bedenken
Eine große Sorge des Einsatzes
einer Pille davor ist eine mögliche Zunahme des Risikoverhaltens.
Mathematische Modelle zeigen, dass dies den Effekt einer Pille davor zunichte
machen könnte. Andererseits zeigen Erfahrungen bei der Postexpositionsprophylaxe
keine solche befürchtete Zunahme des Risikoverhaltes. Doch der Einsatz
würde dennoch zahlreiche ethische Probleme offen lassen. Einige Kreise
fordern, dass eine Präexpositionsprophylaxe nicht Sexarbeiter oder
Drogensüchtige abgegeben werden dürfe, da man damit das "unmoralische"
oder "illegale" Verhalten akzeptieren würde. Die Autoren dieses Viewpoint-Artikels
im Lancet stellen sich entschlossen gegen solche moralisierenden Tendenzen
und zeigen klar, dass es Aufgabe der öffentlichen Gesundheit sein
muss, die am meisten gefährdeten Menschen gegen Infektionen zu schützen.
Es gibt nicht nur HIV
Natürlich darf in der ganze
Debatte auch nicht vergessen werden, dass es nicht nur HIV gefährlich
sein kann. Genauso, wie eine Pille davor den Drogensüchtigen nicht
gegen Hepatitis C schützen wird, werden damit auch sexuell aktive
Personen vor einer anderen Geschlechtskrankheit nicht geschützt. Persönlich
denke ich aber, dass eine Pille davor in einer HIV-diskordanten Partnerschaft
(ein Partner positiv) durchaus einen berechtigten und sinnvollen Einsatz
finden wird. Einen ersten Schritt machen wir ja bereits in unserem Kinderwunschprogramm.
Quelle: Paxton et al, Pre-exposure prophylaxis for HIV infection: what if it works? Lancet 2007; 370:89-93
Infektiologie
St. Gallen vom 7. Juli 2007
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Rezeptorblocker erweitert HIV-Therapie
Neues Therapie-Prinzip: Maraviroc hält Virus von Zellen fern / EU-Zulassung beantragt.
Frankfurt / Main - Mit dem oral verabreichten Präparat Maraviroc gibt es bald ein neues Therapie-Prinzip für HIV-Infizierte. Der Antagonist verhindert, dass der Aids-Erreger in Zellen eindringen kann, weil er zelluläre Rezeptoren blockiert und nicht den Aids-Erreger selbst. Zulassungsanträge in der EU und den USA sind bereits gestellt.
In Kombination mit einer optimierten antiretroviralen Basistherapie gelingt es durch Maraviroc, mit bis zu 46 Prozent bei fast jedem zweiten HIV-Infizierten die Virusmenge unter die Nachweisgrenze von 50 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter zu senken.
Wie Professor Gerd Fätkenheuer aus Köln beim 3. Deutsch-Österreichischen Aids-Kongress in Frankfurt / Main berichtet hat, geht das aus den 24-Wochen-Daten der beiden Placebo-kontrollierten Studien Motivate 1 (601 Patienten) und 2 (474 Patienten) hervor. In den Placebo-Gruppen erreichte nur etwa jeder vierte Patient diesen Wert.
Die Studienteilnehmer waren zuvor mindestens ein halbes Jahr lang mit wenigstens einer anderen antiretroviralen Arznei behandelt worden oder hatten Resistenzen gegen mindestens eines der Medikamente. In der Studie erhielten sie zusätzlich Maraviroc oder Placebo, wie Fätkenheuer bei der von Pfizer unterstützten Veranstaltung berichtete.
Maraviroc ist ein CCR5-Antagonist. CCR5 ist ein Korezeptor auf der Zelloberfläche, mit dessen Hilfe HIV in Zellen eindringt. Mehr als 80 Prozent der Patienten haben den Rezeptor. Nur diese Patienten profitieren von Maraviroc. Deshalb ist vor der Therapie ein Test auf CCR5 erforderlich.
Das Test-Ergebnis kann nach Angaben des Virologen Professor Lutz Gürtler aus Greifswald bereits nach einer Woche vorliegen. Ein bisher genutzter Test in den USA benötigt vier bis sechs Wochen. Nach Angaben von Fätkenheuer wird das Präparat bald innerhalb eines EA-Programms (expanded access program, erweitertes Zugangsprogramm) in Deutschland verfügbar sein. Die Zulassung werde Ende des Jahres erwartet.
Ärzte-Zeitung
vom 5. Juli 2007
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Fast jeder zweite HIV-Patient hat Depressionen
Antidepressiva und antivirale Therapie vertragen sich gut / Plädoyer für frühen Start mit Stimmungsaufhellern.
Frankfurt / Main - Bei HIV-Infizierten ist die Gefahr, an einer Depression zu erkranken, besonders groß. Auch hier gilt: Je früher mit einer antidepressiven Behandlung begonnen wird, desto leichter und rascher kann der Patient die seelische Störung überwinden.
Der Neurologe Professor Ingo Husstedt aus Münster hat die Erfahrung gemacht, dass bereits die HIV-Diagnosestellung Auslöser für eine depressive Episode ist. So berichteten zum Beispiel 85 Prozent der Aids-Therapeuten in den USA über Depressionen bei ihren Patienten, wie Husstedt beim 3. Deutsch-Österreichischen Aids-Kongress in Frankfurt berichtet hat.
Aufgrund der hohen Lebenszeitprävalenz von Depressionen in der Allgemeinbevölkerung von 12 bis 20 Prozent sei davon auszugehen, dass bei etwa jedem dritten Patienten bestehende oder überstandene Depressionen durch Mitteilen der HIV-Diagnose verstärkt oder reaktiviert werden, so Husstedt bei einer Veranstaltung von Bristol-Myers Squibb. Manche gehen sogar davon aus, dass bis zu 40 Prozent der HIV-Infizierten an einer Depression erkranken.
Die wichtigste Differenzialdiagnose sei eine Depression als Bestandteil der HIV-assoziierten Meningoenzephalitis. "Wir stellen diese Diagnose inzwischen bei jedem dritten Patienten", so Husstedt. Davon abzugrenzen seien Drogen- und Medikamentenabusus, Vitaminmangelzustände sowie unerwünschte Arznei-Wirkungen als Ursache der Depression.
Nach Erfahrungen des Neurologen haben sich in der Therapie Antidepressiva wie Duloxetin oder Citalopram als wirksam erwiesen. Solche Medikamente würden auch zusammen mit einer hochaktiven antiretroviralen Therapie gut vertragen. In ihrer Bedeutung eher überschätzt würden die unerwünschten Wirkungen, die in den ersten vier Wochen einer Behandlung mit dem nichtnukleosidischen Transkriptasehemmer Efavirenz (Sustiva®) auftreten können.
Albträume, Müdigkeit oder Schwindel seien meist schwach ausgeprägt und nähmen im Therapieverlauf rasch ab. Husstedt empfahl aber, Patienten zu Therapiebeginn vom Autofahren abzuraten. Andererseits sei Efavirenz wegen seiner guten Liquorgängigkeit eine Basisarznei bei Neuromanifestationen der HIV-Infektion. Ein Tipp: Verbessern lasse sich die Verträglichkeit etwa durch Einnahme vor dem Zubettgehen oder auf nüchternen Magen.
Ärzte-Zeitung
vom 5. Juli 2007
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