HIV AIDS Infos Online
     

     
      Ausgabe 38
        Jahrgang 13
      Januar 2008
     
     
    Inhaltsverzeichnis Homepage der Praxis


    Vorbemerkung
    Impressum
    Sponsoren
     
     
     
     
     
     


     
     
     


    HIV Impfung: One step forward, two steps back
    Rückgang von Lymphomen unter HIV-Therapie hält an
    Finanzielle Probleme und Alkohol reduzieren Adhärenz
    Vom Integrasehemmer profitieren auch Ältere
    Erweiterte Wirkstoffpalette gegen HIV
    Zahl der HIV-Infizierten in Russland im Anstieg
    Zahlen und Fakten zur HIV-Behandlung
    HIV-Prävention: Wird es eine Pille davor geben?
    Erfolg mit MorphoSys-Antikörper bei HIV-Forschung in den USA
    Analverkehr: Viel häufiger bei Heterosexuellen Paaren
    Schwangere sollen zum HIV-Test
    HIV Monotherapie ist "ok"!
    Erster Integraseinhibitor von der EMEA zugelassen
    Dreifachkombination gegen das HI-Virus zugelassen
    Ärger um Einreisebestimmungen für HIV-positive
    Unvollständige Adherence - ein wichtiges Konzept
    15 Reviews über HIV-Korezeptoren
    Peptide im Sperma verstärken die HIV-Infektion
    LhivFE am Puls der Zeit
    Versagen aller drei Hauptmedikamentenklassen gegen HIV selten
    Vergewaltigungen in US-Gefängnissen offenbar großes Problem
    Hausärzte sollen sich nicht vor HIV-Tests scheuen
    Releasing-Faktor befreit HIV-Patienten von Lipodystrophie
    EU-Forscher für einheitliche HIV-Tests
    Prävention Vertikale HIV-Infektion: Resistenzen verhindern
    Neue Methode zur HIV-Frühdiagnose
    Zehn Mythen und eine Wahrheit über HIV
    Bessere Betreuung von Arbeitsuchenden mit HIV
    AIDS Todesfälle in Deutschland seit mehr als 5 Jahren konstant
    Keine vielversprechenden Kandidaten für einen Impfstoff
    Wo bleibt der HIV-Impfstoff?
    Welt-AIDS-Tag 2007: In Deutschland leben 59.000 HIV-Infizierte
    Zerstört HIV die Reservezellen des Gehirns?
    HIV-Infektionen in 20 EU-Staaten fast verdoppelt
    Russland hat rund 400.000 HIV-Infizierte
    Aidsbericht: Zwei Mio. Tote, 33 Mio. Infizierte
    Mit Homöopathie gegen Aids oder Malaria
    Homosexueller Geschlechtsverkehr lässt HIV ansteigen
    Immunrekonstitutionssyndrom (IRS) voraussagbar?
    HIV-Impfstudien werden schwieriger
    Brasilien zeigt Pharmaindustrie kalte Schulter
    Kaletra für Kinder von FDA zugelassen
    Stiftung „Sexualität und Gesundheit“ gegründet
    Zweite klinische Phase-II Studie mit Fosalvudine gestartet
    3000 neue Aids-Kranke pro Monat
    Wie der neue Integrasehemmer Raltegravir den Turbo zündet
    HIV- und Tuberkulose-Epidemie bedroht Afrika
    Geplante Vorrats-Datenspeicherung gefährdet Online-Beratung
    Trizivir funktioniert als Erhaltungstherapie für HIV
    Nelfinavir ist jetzt wieder zugelassen
    Vor 25 Jahren: Erste Aids-Fälle in Deutschland
    Mediziner empfehlen "mehr gezielte Tests"
    Neue europäische Guidelines
    Fortschritte im Kampf gegen Aids
    Müssen HIV-Positive zukünftig ihre Therapie selbst bezahlen?
    FDA registriert neue HIV-Medikamentenklasse
    HIV-Medikament für Kinder zugelassen
    Therapie erreicht viele Aids-Kranke nicht
    Neues Protein blockiert HIV
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

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    Vorbemerkung
     
    Die HIV AIDS Infos sind eine Zusammenstellung aus Internetquellen, Mail- und Newsgroups und erstreckt sich jeweils über einen Zeitraum von ca. drei bis vier Monaten. Die einzelnen Artikel sind mit einem Link auf die Orginalartikel versehen und chronologisch geordnet. 
    Es wird auf diese Weise schnell über neue Entwicklungen und Änderungen in den Bereichen Epidemiologie, medizinischer Behandlung, ambulanter Pflege und psychosozialer Beratung bei HIV-Infektion und AIDS-Erkrankung informiert. Die HIV AIDS Infos erscheinen in regelmäßigen Abständen und informieren interdisziplinär über Änderungen und Neuerungen auf dem Gebiet von HIV und AIDS.

     

    Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV Impfung: One step forward, two steps back

    von Sabine Majer

    Gibt es bald eine Impfung gegen HIV oder sind die Wissenschaftler auf dem Holzweg? Was tut sich im Gebiet der HIV-Impfung?
    Ein Kommentar von Robert Steinbrook in den Perspectives des New England Journal of Medicine.

    Anfängliche Hoffnung zerschlagen
    Wenige Jahre nach Entdeckung des HI-Virus als Ursache für AIDS, versprachen erste optimistische Stimmen eine Impfung in 2-4 Jahren. Das war offensichtlich eine Illusion der Achtzigerjahre. Das Rennen um den geeigneten Impfstoff wurde lanciert und viel Geld in dessen Erforschung und Entwicklung investiert. Wie steht es um die Impfung heute, im Jahr 2008, ein Viertel Jahrhundert nach der Entdeckung des Virus?

    Das Virus entwischt dem Immunsystem
    Trotz vieler Gelder und Ideen war das Virus den Forschern bisher immer eine Nase lang voraus. Durch genetische Mutationen und Veränderung der Oberflächenproteine ist es bis jetzt nicht gelungen, einen Impfstoff zu entwickeln, der eine anhaltende Immunität gegenüber dem HI-Virus induzieren kann. Das Ziel, durch eine prophylaktische Impfung eine Neuinfektion zu verhindern oder durch eine therapeutische Impfung die Viruslast zu senken, wurde bisher nicht erreicht. Versuche mit Impfstoffen, welche auf dem rekombinanten Hüllprotein gp120 aufbauten, waren wirkungslos, obwohl sie neutralisierende Antiköper induziert hatten.

    Der aktuell letzte Rückschlag
    Der STEP Trial (USA u.a.) und der Phambili Trial (Südafrika) mussten im Herbst 2007 abgebrochen werden wegen Wirkungslosigkeit. Insgesamt waren 1100 Personen eingeschlossen worden, alle mit einem hohen Risikoprofil für eine Ansteckung. Beide Trials testeten den Impfstoff V520 der Firma Merck, welcher sich des rekombinanten Adenovirus Typ 5 als Vektor für drei HIV-Gene bedient. Gemäss ersten Resultaten von STEP hatten sich sogar mehr Männer (49) mit vorangegangener Vakzine mit dem HI-Virus infiziert als Männer, welche Placebo erhalten hatten (33). Ob V520 tatsächlich zu einem höheren Ansteckungsrisiko geführt hat, werden erst die abschließenden Analysen zeigen. Es ist möglich, dass die Wirkung des Impfstoffs durch eine vorbestehende Immunität gegenüber dem Vektor, dem Adenovirus Typ 5, neutralisiert wurde. So hatten denn auch die Männer, welche retrospektiv das größte Risiko für eine Neuansteckung aufwiesen, die höchsten Titer für den Adenovirus zu Beginn des Trials.

    Nächste Studie aufgeschoben
    Der Start des PAVE Trials, ein Projekt des NIH, wurde aufgrund dieser Überlegungen vorerst verschoben. Auch dieser Impfstoff beruht auf dem Adenovirus Typ 5 als Vektor, der allerdings erst in der 4. Impfung (Booster) seine Anwendung findet; die Impfungen 1 bis 3 beinhalten HIV-DNA. Sollte sich zeigen, dass dieser Adenovirus als Vektor nicht mehr in Frage kommt, so hiesse dies eine Verzögerung um mehrere Jahre.
    Die einzige grosse Impfstudie, welche aktuell noch läuft, wurde 2003 in Thailand gestartet. Mit einem „priming" durch einen HIV-Gene tragenden Vektor (canary pox virus) und einem „boosting" durch eine gp120-Impfung, wird versucht, sowohl eine T- wie auch eine B-Zell-Antwort zu erzielen. Das Safety and Monitoring Board der Studie hatte 2007 entschieden, den Trial fortzuführen.

    Pessimistische Aussichten
    Steinbrook merkt zum Schluss seines Artikels pessimistisch an, dass zwar jeder missglückte Versuch auch neue Erkenntnisse gebracht habe, dass aber auch jede Enttäuschung in der Sicht bestärke, dass es noch mindestens ein Jahrzehnt dauern werde, bis zur Marktreife einer HIV-Impfung ...«and that is if things go well, wich has not happend yet». Und er zitiert Anthony Fauci, den Direktor des National Institute for Allergy and Infectious Disease (NIAID) mit den Worten: «To be brutally honest with ourselves, we have to leave open the possibility...that we might not ever get a vaccine for HIV. People are afraid to say that because they think it would then indicate that maybe we are giving up. We are not giving up. We are going to push this agenda as aggressively and energetically as we always have. But there is a possibility - a clear finite possibility - that that's the case».

    Impfung für HIV-positive
    Etwas anders stellt sich die Frage, bei einer therapeutischen Impfung. Vermutlich sind in diesem Bereich die Möglichkeiten besser und die Komplikationen weniger bedeutsam. Ziel wäre es, eine Impfung zu haben, welche das Immunsystem von Personen, die unter einer HIV-Therapie stehen so verändern, dass dieses mit der Infektion selbst klar wird. Mindestens sind in diesem Bereich interessante Ansätze vielversprechender als im Bereich der HIV-Schutzimpfung (vgl. unseren Bericht)

    Artikel im NEJM, Perspectives, Dezember 2007: One step forward, two steps back – will there ever be an AIDS vaccine? R. Steinbrook

    Infektiologie St. Gallen vom 23. Januar 2008Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Rückgang von Lymphomen unter HIV-Therapie hält an

    von Pietro Vernazza

    Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) sind eine Tumorform, welche als Folge der Immunschwäche bei HIV-Infizierten gehäuft vorkommt. Kann die HIV-Therapie längerfristig das Auftreten von Lymphomen verhindern?

    Schon länger wissen wir, dass die Häufigkeit der Diagnose (Inzidenz) von Lymphomen mit dem Beginn der HIV-Therapie deutlich gesunken ist. Dies führen wir darauf zurück, dass die Immunschwäche sich mit Beginn der HIV-Therapie wieder erholt. Die Inzidenz ist seit dem Einzug der Kombinationstherapie 1996 massiv rückläufig (Kirk et al, Blood 2001).

    Auch Prognose verbessert
    Nicht nur die Inzidenz wurde kleiner, auch die Prognose besser. Vor 15 Jahren war fast jeder Patient mit einem Non-Hodgkin Lymphom innert weniger Monate verstorben. Wenn es gelingt, die HIV-Therapie noch rechtzeitig einzuleiten, so nähert sich heute die Prognose dem Verlauf bei HIV Negativen (Biggar et al, JAIDS 2005).

    Positive Wirkung der Therapie ist anhaltend
    Die Frage stellt sich, ob die initiale positive Wirkung der HIV-Therapie auch längerfristig das Auftreten von Lymphomen verhindern kann. Dieser Frage ist eine im AIDS publizierte Arbeit der Schweizerischen HIV-Kortenstudie (SHCS) nachgegangen. Dabei wurden die SHCS-Daten noch ergänzt mit Informationen aus den Kantonalen Krebsregistern. Dabei zeigte sich, dass die Therapie bei Patienten mit tiefen CD4 Werten (<50) die Inzidenz von Lymphomen um einen Faktor 20 (!) reduziert. Bei Patienten mit hohen CD4 Werten (>350) ist der Effekt immer noch deutlich (60% Rückgang). Dies passt zur Hypothese der verminderten Tumorkontrolle infolge Immunschwäche.

    Die Arbeit der SHCS konnte durch die große Zahl von Patienten und die lange Beobachtungszeit nun erstmals auch die lang anhaltende Wirkung der HIV-Therapie untersuchen. So stellt sich zum Beispiel die Frage, ob eine lange anhaltende Therapie nicht vielleicht sogar das Risiko einer Tumorentwicklung, insbesondere von Lymphomen, begünstigen könnte. Doch wie die Abbildung links zeigt, ist der Trend in der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie auch nach 10 Jahren Therapie (119 Monate) noch weiterhin günstig. Auch bei dieser sehr langen Beobachtungszeit können wir bisher noch keinen Anstieg der Lymphom-Inzidenz erkennen.

    Hirnlymphome besonders rückläufig
    Ein primäres Lymphom des Gehirns (ohne Tumoren anderswo) ist eigentlich eine Rarität. Bei Patienten mit fortgeschrittener Immunschwäche (CD4<50) hatten wir dies früher oft beobachtet. Diese spezielle Tumorform ist nun unter HIV-Therapie besonders deutlich rückläufig, wie die SHCS-Arbeit zeigt. Bei Patienten ohne Therapie mit CD4<50 war die Inzidenz mit 22 pro 1000 Patientenjahre gut 70x höher als bei Patienten unter Thereapie.

    Konsequenzen für das Managmement von HIV
    Wenn wir heute noch Patienten mit Lymphomen sehen, so sind es meist Personen mit einer fortgeschrittenen HIV-Infektion. Entweder, die Diagnose wurde noch nicht gestellt, oder der Patient hat eine Therapie abgelehnt. Beides müssten wir verhindern können durch verbesserte HIV-Testung von Personen mit entsprechenden Frühzeichen oder Risiken und durch eine bessere Motivation der Patienten für eine Therapie.

    Quelle: Polesel et al, AIDS 2008; 22:301

    Infektiologie St. Gallen vom 13. Januar 2008Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Finanzielle Probleme und Alkohol reduzieren Adhärenz

    HIV-Patienten, die finanzielle Probleme haben, und Betroffene, die Alkohol konsumieren, befolgen einer neuen amerikanischen Studie zu Folge die aufgestellten Behandlungspläne schlechter als andere HIV-Infizierte. Damit wurden die Ergebnisse früherer Studien bestätigt. Bereits in der Vergangenheit hatten Wissenschaftler festgestellt, dass insbesondere Armut mit einer schlechten Befolgung der Einnahmeschemata (Adhärenz) einhergehen kann.

    An der Studie der Forscher aus Philadelphia nahmen 116 HIV-Patienten teil, die antiretroviral behandelt wurden. Bei 48 % der Teilnehmer konnte eine schlechte Adhärenz nachgewiesen werden. Als gut wurde die Einhaltung des Therapieplans eingestuft, wenn die Patienten mindestens zu 95 % ihre Medikamente wie geplant einnahmen. Fachleute gehen davon aus, dass dies notwendig ist, um ein Therapieversagen zu vermeiden.

    Die subjektiv empfundene Lebensqualität der Studienteilnehmer wurde durch einen Fragebogen ermittelt. Gaben die Teilnehmer an, dass ihnen ein unveränderliches Einkommen zur Verfügung stand, sie aber Sorgen hatten, wie sie ihre Rechnungen begleichen sollen, gingen die Forscher davon aus, dass die Betroffenen finanzielle Sorgen hatten. Auch die Angabe, dass sie zu wenig Geld hätten, um sich ausreichend so um sich selbst zu kümmern wie sie ihrer Meinung nach sollten, führte zu einer entsprechenden Einstufung.

    Darüber hinaus stellten die Forscher fest, dass der Konsum von Alkohol die Befolgung der festgelegten Behandlungspläne einschränkte.

    Journal of Acquired Immune Defciency Syndromes - January 1, 2008, Volume 47, Issue 1Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Vom Integrasehemmer profitieren auch Ältere

    Integrasehemmer Raltegravir gut mit gebräuchlichen Arzneien kombinierbar / Einnahme zweimal täglich von Mahlzeit unabhängig.

    Berlin - Der Integrasehemmer Raltegravir hat eine vorteilhafte Pharmakokinetik: Er wird nicht über Cytochrom P450 verstoffwechselt. Das Präparat ist mit allen gebräuchlichen Arzneien kombinierbar und daher auch für ältere HIV-Patienten geeignet.

    Raltegravir (Isentress®) ist in Europa seit Ende 2007 zugelassen in Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneien zur Therapie von bereits behandelten HIV-Patienten, bei denen sich trotz Therapie der Aids-Erreger vermehrt.

    HIV-Therapie ist bei jungen und alten Patienten ähnlich wirksam.

    Der Integrasehemmer hat eine hohe Bioverfügbarkeit. Er kann ohne eine Verstärkung durch niedrig dosiertes Ritonavir zweimal täglich unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Die Arznei verursacht keine dosisabhängige Toxizität und wird in der Leber über das Enzym Glukuronyltransferase UGT 1A1 abgebaut, ohne dass es zu einer Bilirubinerhöhung kommt.

    Das hat Dr. Heribert Knechten in Berlin berichtet. Da es keine Interaktion mit dem Cytochrom-P450-System gebe, sei Raltegravir ohne Dosisanpassungen mit allen gebräuchlichen Medikamenten gut kombinierbar, betonte der niedergelassene Internist mit Schwerpunkt HIV/Aids bei einer Veranstaltung von MSD. Für die HIV-Therapie älterer Patienten eigne sich der Integrasehemmer wegen der vorteilhaften Pharmakokinetik deshalb sehr gut.

    So gibt es nach Angaben von Knechten immer mehr HIV-Patienten über 50 Jahre. Der Grund: Die HIV-Therapie wird immer erfolgreicher, damit steigt die Lebenserwartung. Dafür nimmt die Komplexität der HIV-Therapie bei diesen Patienten durch Begleiterkrankungen und -medikamente zu. Zudem begünstigt die HIV-Infektion altersbedingte Erkrankungen wie Nicht-Aids-definierende Tumoren, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und metabolisches Syndrom. Bisherige Studien haben ergeben, dass junge und alte Patienten von einer HIV-Therapie gleich gut profitieren, so Knechten.

    Die Compliance ist bei älteren Patienten zwar besser, sie wechseln aber öfter die HIV-Therapie wegen unerwünschter Wirkungen: Blutbildveränderungen und neuropsychologische Beschwerden sind häufiger. Wird HIV diagnostiziert, wenn die Patienten älter als 50 Jahre sind, ist der Immunstatus meistens schlechter und die Therapie daher immunologisch und virologisch weniger wirksam als bei jungen Patienten.

    Ärzte-Zeitung vom 21. Januar 2008Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Erweiterte Wirkstoffpalette gegen HIV

    Raltegravir blockiert HIV-Enzym Integrase / Arznei für bereits behandelte Patienten zur Kombitherapie zugelassen.

    Berlin - Mit Raltegravir steht seit Kurzem ein neues HIV-Medikament mit einem völlig neuen Wirkansatz zur Verfügung: Zugelassen ist der Hemmstoff des HIV-Enzyms Integrase in Kombination mit anderen antiretroviralen Medikamenten, und zwar zur Therapie von bereits behandelten HIV-Infizierten, bei denen sich die Viren trotz antiretroviraler Therapie vermehren.

    Bis auf die nachgewiesene HIV-Replikation ist also Raltegravir (Isentress®) bei zuvor behandelten Patienten ohne Einschränkung zugelassen worden. Das liege außer an der hohen antiretroviralen Wirksamkeit und der fehlenden Kreuzresistenz zu den verfügbaren HIV-Arzneien auch an der ausgezeichneten Verträglichkeit. Das betonte Professor Jürgen Rockstroh aus Bonn. Der HIV-Therapeut stellte Studiendaten dazu auf einer von MSD ausgerichteten Veranstaltung in Berlin aus Anlass der Einführung von Raltegravir vor.

    Grundlage der Zulassung von Raltegravir waren die Daten einer Auswertung der beiden noch laufenden, identisch angelegten doppelblinden Phase-III-Studien BENCHMRK 1 und 2 nach 24 Wochen. In den Studien erhielten 699 zuvor behandelte Patienten, deren Viren gegen mindestens eine HIV-Arznei der gängigen drei Substanzklassen resistent waren, zweimal täglich 400 mg Raltegravir (462 Patienten) oder Placebo (237 Patienten), jeweils zusätzlich zu einer optimierten Basistherapie.

    Nach 24 Wochen lag die Virusmenge der Zwischenauswertung beider Studien zufolge in der Raltegravir-Gruppe bei 63 Prozent der Patienten und in der Placebo-Gruppe bei 34 Prozent unter 50 HIV-RNA Kopien pro Milliliter. Die CD4-Zellzahl stieg um 84 und 37 Zellen pro Mikroliter. Substanzspezifische unerwünschte Wirkungen traten nicht auf: Das Verträglichkeitsprofil von Raltegravir war ähnlich dem von Placebo. In beiden Gruppen berichteten gleich viele Patienten vor allem über Durchfall, Übelkeit, Kopfschmerzen und Fieber.

    Raltegravir könne ohne eine Verstärkung durch niedrigdosiertes Ritonavir und unabhängig von den Mahlzeiten zweimal täglich als 400mg-Tablette eingenommen werden.

    Raltegravir hemmt das Enzym Integrase des Aids-Erregers, das für den Einbau der HIV-DNA in das Genom infizierter Zellen erforderlich ist. Das Virus kann sich etwa in CD4-positiven Zellen nicht vermehren und keine weiteren Zellen infizieren.

    Ärzte-Zeitung vom 15. Januar 2008Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zahl der HIV-Infizierten in Russland im Anstieg

    Im Dezember 2007 ist die Zahl der HIV-Infizierten in Russland um mehr als 3500 angestiegen. „Seit der Registrierung der AIDS-Epidemie (1987) wurden laut Angaben vom 31. Dezember 2007 408.535 HIV-Infizierte in Russland erfasst, davon sind 2719 Kinder, von denen 1297 von HIV-infizierten Müttern geboren wurden“, sagte der russische Chefhygienearzt Gennadi Onischtschenko am Montag Journalisten.

    Am 1. Dezember des Vorjahres wurde mitgeteilt, es seien rund 405.000 HIV-Infizierte offiziell registriert. Laut der Aufsichtsbehörde für Verbraucherschutz (Rospotrebnadsor) sind 3.652 an AIDS erkrankte Bürger Russlands registriert, 235 davon sind Kinder.

    Zudem seien im Vorjahr fast 24 Millionen Bürger auf HIV getestet worden, 30.526 Menschen würden eine antiretrovirale Therapie erhalten und fast 4.000 eine Therapie im Strafvollzug durchlaufen, meldet die Behörde.

    „2007 haben wir mehr als 50.000 Menschen registriert. Heute sind 78 Prozent der HIV-Infizierten erfasst; das ist ein Vertrauensbeweis der HIV-Infizierten an den Staat, dass für sie gesorgt wird und sie geheilt werden“, führte Onischtschenko aus.

    Russland online vom 14. Januar 2008Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zahlen und Fakten zur HIV-Behandlung

    Aus Retrovirus-Bulletin 04/2007 - Nach Stoll et al. (Eur. J. Med. Res) lagen 2001 die direkten Kosten einer HIV-Behandlung in der Hannoveraner Kohorte bei 24.282 Euro pro Jahr. Die durchschnittlichen Kosten für HAART betrugen dabei 16.007 Euro pro Jahr. Demnach werden 2/3 der direkten Kosten durch die Therapie verursacht.

    Aktuelle Zahlen zu den Kosten von HAART lieferte Christian Hoffmann in HIV-Net. Er hat die jährlichen Kosten der Medikamente in Deutschland anhand der Roten Liste 2006 zusammengestellt.

    Demnach variieren die Kosten für den Reverse Transkriptase Backbone für die Primär-Therapie von 7.530 (AZT + 3TC) bis 9.236 Euro (TDF + 3TC oder FTC) pro Jahr. Für einen NNRTI kommen ca. 4.900 Euro dazu.

    Bei einer Primär-Therapie mit einem Proteaseinhibitor liegen die zusätzlichen Kosten bei 8.172 (Fosamprenavir + Ritonavir) bzw. 8.438 Euro (Liponavir + Ritonavir). Teurer sind Neuentwicklungen wie der Proteaseinhibitor Tipranavir (14.133 Euro) und der Fusioninhibitor T20 (24.100 Euro). Nach diesen Daten lag 2006 demnach der Mittelwert der Kosten einer Primär-Therapie bei ca.15.000 Euro pro Jahr pro Patient.

    Nach Angaben der WHO betrug 2002 international der durchschnittliche Preis für eine antiretrovirale Behandlung ca.10.000 US Dollar (z.Z. 6.933 Euro). Die Datenlage zeigt, dass eine systematische und aktuelle Untersuchung der ökonomischen Aspekte der HIV-Behandlung, wie die von Mostardt et al. vorgestellte Krankheitskosten-Kohortenanalyse (K3A) der DAGNÄ, dringend erforderlich ist. Wir werden mehr berichten, sobald Ergebnisse dieser Studie veröffentlicht werden können.

    Internet-Hinweise
    HAART 2007: Substanzklassen, Medikamentenübersicht von Christian Hoffmann
    http://www.hiv.net/2010/haart/klassen.htm
    HAART 2007 12. Kosten, Prävention, Compliance von Christian Hoffmann
    http://www.hiv.net/2010/haart/kosten.htm
    HIV/AIDS Fact sheet: HIV-AIDS treatment: Antiviral therapy
    http://www.euro.who.int/document/mediacentre/fs0603e.pdf

    Literaturhinweis
    Stoll M., Claes C., Graf v. d. Schulenburg J.-M.;
    Schmidt R. E. (2002): Direct costs for the treatment of HIV-infection in a German cohort after the introduction of HAART; Eur. J. Med. Res. 2002; 7(11);463.471.

    Die gesamt Ausgabe des Retrovirus-Bulletin 04/2007, download unter: http://hiv.net/2010/pdf/bulletin04_2007.pdf

    HIV.NET Nachrichten vom 14. Januar 2008Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Prävention: Wird es eine Pille davor geben?

    von Pietro Vernazza

    Eine Pille vor einem Sexualkontakt mit einer möglicherweise HIV-positiven Person könnte vor HIV schützen. Wie sollen wir damit umgehen, wenn die laufenden Studien dieser Pille eine gute Wirksamkeit attestieren? Die Pille davor ist Gegenstand des Referates von Prof. Pietro Vernazza an den Münchner AIDS-Tagen in Berlin, 14.-16.3.2008. Wir präsentieren hier das ausführliche Abstract:

    PREP – Chancen und Mythos der Pille davor

    Die HIV-Prävention ist ein wichtiges Präventionsanliegen der öffentlichen Gesundheit. Die Erfolge der HIV-Prävention durch Propagation von safer-sex Verhalten sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Präventionsmethode klar an Grenzen stößt. Die Wirkung der safer-sex Empfehlungen wird limitiert durch die Tatsache, dass Präventionsmaßnahmen tief verwurzeltes und schlecht modifizierbares Sexualverhalten eingreifen.

    Der Einsatz von ergänzenden Methoden zur HIV-Prävention muss daher dringend geprüft werden. Der Einsatz von HAART zur HIV-Prävention ist eine mögliche Präventionsmethode, doch die Einsparungen werden durch den hohen Preis der Therapie erst nach einigen Jahren manifest.

    Präexpositionsprophlyaxe (PREP) ist eine akzeptierte Methode für einige klar definierte Situationen. Sie wird nicht nur angewendet zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten wie der Malaria, sonder zum Beispiel auch als Jodprophylaxe im Falle einer drohenden Strahlenexposition zum Schutz der Schilddrüse vor Strahlenschaden. Die Anwendung der Methode für HIV muss zwingend geprüft werden.

    PREP: Im Tierversucht erfolgreich

    Im Tierversuch hat HIV-PREP seine Wirksamkeit deutlich bewiesen. Am besten studiert ist die Prä-Expositionsprophylaxe vor vaginaler oder rektaler Exposition mit SIV im Meerkatzen-Modell mit Tenofovir. Insbesondere bei der repetitiven Exposition ist die Wirksamkeit einer Kombination von FTC und Tenofovir der Mono-Prophylaxe überlegen. Inwieweit diese Ergebnisse auf den Menschen zu übertragen sind, ist ungewiss. Es scheint aber biologisch plausibel, dass ein Medikament, welches die Transkription von HIV in der Präintegrationsphase wirksam verhindern kann, auch in der Prä-Exposition wirken sollte

    Die guten Erfahrungen mit den zahlenmäßig bescheidenen Tierexperimenten müssen in klinischen Studien beim Menschen überprüft werden. Solche Studien sind zurzeit unterwegs, doch der Aufwand ist aufgrund der relativ geringen HIV-Inzidenz in den untersuchten Settings relativ groß. Die ersten Resultate dürften 2009 verfügbar sein.

    PREP heute: Nur in kontrollierten Studien

    In dieser Situation einer biologisch plausiblen aber nicht bewiesenen Wirksamkeit der PREP sollte die Methode wohl nur in sehr klar umschriebenen Indikationen eingesetzt werden. Eine solche Indikation ist unser Einsatz der PREP bei Paaren mit Kinderwunsch, welche trotz vollständig supprimierter Viruslast eine erhöhte Sicherheit für die Konzeption ohne Kondom suchen.

    Doch es ist absehbar, dass die Wirksamkeit der PREP bald einmal wissenschaftlich bewiesen ist. Was dann? Ich denke, wir sollten uns heute schon Gedanken darüber machen, wie wir PREP einsetzten und optimal einführen wollen. Die Fachkommission Klinik und Therapie HIV/AIDS (FKT) in der Schweiz erarbeitet gegenwärtig einen Vorschlag für den konkreten Einsatz einer PREP.

    Was bringt die Zukunft?

    Ein zaghafter Blick in die Glaskugel lässt einige Probleme und Lösungsansätze erkennen. Dabei geht es primär um die Frage, ob und wie sich die bestehende Lücke der aktuellen Präventionsmaßnahmen schließen lässt.

    Nicht Gegenstand dieses Vortrages, aber ebenso wichtig, ist der Einsatz der HAART zur Senkung der Infektiosität von HIV-infizierten Menschen. Für HIV-diskordante Paare mit regelmäßigem Sexualkontakt ist der Einsatz der HAART beim infizierten Partner wohl die einfachste und sinnvollste präventiv wirksame therapeutische Maßnahme.

    In allen anderen Situationen, würde man meinen, sollte Safer Sex einfach durchzusetzen sein. Doch dem ist offensichtlich nicht so. Nach wie vor gibt es Personen, welche aus verschiedenen Gründen im entscheidenden Moment kein Kondom benutzen. Insbesondere in jenen Situationen, in welchen Personen für ihren persönlichen Genuss lieber ohne Kondom Verkehr haben und in ihrer Haltung bisher schlecht davon abzubringen waren, sollte der Einsatz von PREP diskutiert werden.

    Wie sollten wir PREP einsetzen?

    Wie sollte denn PREP eingesetzt werden. Die einzigen Studien, welche gegenwärtig PREP evaluieren, werden mit Tenofovir (+/- FTC) gemacht. Doch eine Langzeitgabe von Tenofovir bei sonst gesunden Menschen kommt schon aus Toxizitätsgründen nicht in Frage.

    Ein möglicher Einsatz, der sich selbst etablieren wird, dürften kommerzielle Sexualkontakte im hetero- und homosexuellen Setting sein. PREP wird nicht billig sein. Für den zahlenden Partner, der nur selten Sex mit einer/einem Sexworker/in hat, ist der Preis (und auch potentielle kurzfristige Nebenwirkungen) für die einmalige Einnahme einer PREP vertretbar. Eine Herausforderung wird es sein, die Konsequenzen für die Sexworker abzuschätzen respektive diese vor einer massiven Nachfrage nach Sex ohne Kondom zu schützen.

    PREP verbieten?

    Sollten wir also PREP aus Angst vor schlecht kontrollierbaren Konsequenzen nicht einfach verbieten? Auf gar keinen Fall. Die Konsequenz wäre zweifelsfrei ein unkontrollierbarer Schwarzmarkt mit offensichtlichen Folgen: Wirtschaftlich schlechter gestellte HIV-positive Menschen würden einen Teil ihrer Medikation, z.B. Tenofovir, auf dem Schwarzmarkt verkaufen und hoffen, dass die anderen Substanzen für eine wirksame Therapie genügen. Die Konsequenzen für die öffentliche Gesundheit wären offensichtlich.

    Das Gedankenexperiment zeigt, dass wir gut daran tun, uns rechtzeitig mit HIV-PREP auseinander zu setzen. Warnen würde ich vor restriktiven Maßnahmen. Anstatt PREP zu verbieten, um einen möglichen Anstieg von STDs zu verhindern, würde ich eher den Ausbau von Teststellen für HIV und STDs vorantreiben, eine offene Diskussion über Risikobereitschaft und Möglichkeiten zur Risikoreduktion pflegen. Und vor allem: den richtigen Einsatz von PREP durch gute Schulung der Ärzteschaft sichern.

    Aktive Integration von PREP in Prävention gefordert
    Richtig eingesetzt heißt vor allem: Niemals (Mono- oder Bi-)PREP beim Vorliegen einer HIV-Infektion. Eine HIV-Testung und entsprechende Informationen sind zwingend. Und wie steht es mit dem Risiko der Resistenzbildung unter PREP, solange eine HIV-Infektion beim Nutzer ausgeschlossen wurde. Das Risiko dürfte vernachlässigbar sein. Bei einer sexuellen Transmission wird in der Regel ein einziges Virus übertragen. Die Chance, dass dieses eine Virus gerade eine Resistenz gegen die PREP-Substanz(en) aufweist ist verschwindend klein.

    PREP wird kommen. Mediziner- und PräventionsexpertInnen und Vertreter des Gesundheitswesens werden gefordert sein. Wir tun gut daran, uns aktiv zu PREParieren.

    Infektiologie St. Gallen vom 14. Januar 2008Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Erfolg mit MorphoSys-Antikörper bei HIV-Forschung in den USA

    Düsseldorf - Kunden der MorphoSys AG haben mit einem Antikörper des Martinsrieder Biotechnologie-Unternehmens einen Erfolg bei der Forschung gegen den Aids-Erreger erzielt. Die Geschäftseinheit AbD Serotec teilte am Mittwoch mit, Wissenschaftler einer Abteilung des US-amerikanischen National Institute of Health hätten mit Hilfe eines von AbD generierten Forschungsantikörpers ein neues, neutralisierendes Epitop eines HIV-Proteins nachgewiesen.

    Zudem konnten die Wissenschaftler zeigen, dass der Antikörper in der Lage ist, diverse Laborstämme von HIV-Subtypen zu neutralisieren. Die Resultate wurden in der Zeitschrift "Journal of Virology" veröffentlicht. Das HI-Virus führt nach einer meist mehrjährigen Inkubationsphase zu Aids, einer derzeit noch unheilbaren Immunschwächekrankheit.

    Die Fähigkeit des HIV-Erregers, einer neutralisierenden Immunantwort zu entgehen, stelle eine große Herausforderung bei der Entwicklung einer Schutzimpfung dar. Bis heute seien nur vier monoklonale Antikörper mit breiter neutralisierender Wirksamkeit aus infizierten Patienten gewonnen worden, heißt es in der Information von AbD Serotec. In allen Fällen konnte jedoch beschrieben werden, dass HIV-Erreger durch Mutationen der Immunantwort ausweichen.

    AbD Serotec habe nun erfolgreich den ersten rekombinanten Mini-Antikörper mit breiter neutralisierender Wirkung gewonnen. Das synthetisch gewonnene Fragment binde an ein neues Epitop auf einem HIV-1-Protein, das einen möglichen Angriffspunkt für einen therapeutischen Ansatz darstelle.

    MorphoSys – Pressemeldung vom 9. Januar 2008Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Analverkehr: Viel häufiger bei Heterosexuellen Paaren

    von Pietro Vernazza

    Im Zusammenhang mit der HIV-Infektion wird Analverkehr immer mit Homosexualität assoziiert. Doch zahlenmäßig fällt der heterosexuelle Analverkehr viel mehr ins Gewicht, wie eine kürzlich publizierte Studie zeigt.

    Die Autoren berichten über eine Befragung von mehr als 12.000 heterosexuellen Personen im alter zwischen 15 und 45 Jahren in den USA. Die Rücklaufquote war mit knapp 80% sehr hoch. Untersucht wurde das Sexualverhalten der Befragten mit besonderer Berücksichtigung von Oralverkehr und Analverkehr sowie dem Kondomgebraucht bei diesen Sexualpraktiken.

    Insgesamt zeigte sich, dass Analverkehr sehr viel häufiger angegeben wird als allgemein angenommen wird. Etwa ein Drittel der Befragten hatten mindestens einmal Analverkehr praktiziert. Der Kondomgebrauch beim letzten Mal war sowohl für Analverkehr wie auch für Oralverkehr sehr selten. Auch wenn Analverkehr unter allen Sexualpraktiken bei heterosexuellen Paaren relativ selten bleibt, so ist es doch eine Praxis, welche für die HIV-Präventionsberatung öfters einbezogen werden sollte.

    Quelle: Leichliter et al, JID, 15.12.07

    Eine ältere Untersuchung aus Großbritannien (Johnson et al, 2001 Lancet). In dieser Britischen Untersuchung wurden ebenfalls knapp 12.000 Frauen und Männer befragt. 12% (fast gleich bei heterosexuellen Frauen und Männern) gaben an, im letzten Jahr Analverkehr praktiziert zu haben und knapp 80% Oralsex.

    Infektiologie St. Gallen vom 23. Dezember 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Schwangere sollen zum HIV-Test

    Der freiwillige HIV-Test ist seit Mitte des Jahres 1987 Bestandteil der Schwangerenvorsorge der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Bislang wird trotz dieses bestehenden Anspruchs jedoch nur bei etwa der Hälfte aller Schwangeren ein solcher Test durchgeführt. Die Folge: bei 10 bis 20 HIV-Neuinfektionen bei Neugeborenen. Aus diesem Grund soll der HIV-Test jetzt allen schwangeren Frauen aktiv empfohlen werden. Die ärztliche Beratung soll in den Mutterpass eingetragen werden, nicht jedoch das Testergebnis, um einer Stigmatisierung vorzubeugen.

    Diese Empfehlung wurde jetzt in die Mutterschafts-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) aufgenommen. Der G-BA ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. Er bestimmt in Form von Richtlinien den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

    Download unter: http://www.g-ba.de/downloads/39-261-484/2007-09-13-Mutter-HIV_BAnz.pdf

    Gemeinsamer Bundesausschuss - Meldung vom 22. Dezember 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV Monotherapie ist "ok"!

    von Pietro Vernazza

    In der ersten AIDS-Ausgabe des neuen Jahres wird die Fast-Track Publikation der Spanischen OK04-Studie präsentiert. Es ist die bisher größte randomisierte Studie mit einer Protease-Monotherapie.

    Die HIV-Monotherapie ist für uns in St. Gallen ein grosses Thema. Wir hatten 2002 weltweit zum ersten Mal eine Pilotstudie zur HIV-Monotherapie mit geboostetem Protease-Hemmer gestartet. Wir wählten Indinavir als Protease-Hemmer, weil wir ein Medikament mit guter Penetration in die Kompartimente (Genitaltrakt / Gehirn) einsetzen wollten. Die guten 1-Jahres Ergebnisse der Pilotstudie wurden als Letter publiziert (Kahlert 2004). In der Zwischenzeit hatten dann zahlreiche weitere Autoren Monotherapiestudien, vor allem mit Lopinavir (Kaletra) gestartet.

    Wegen den häufigen Nebenwirkungen unter Indinavir haben wir die nächste Studie gemeinsam mit Genf im Rahmen der SHCS mit Ritonavir-geboostetem Atazanavir durchgeführt. Speziell an dieser Studie war, dass wir bei einigen Patienten auch Liquor und Spermaproben untersuchten. Es zeigte sich, dass bei wenigen Patienten (2/20) die Viruslast in der Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) relativ hoch nachweisbar war, obwohl im Blut kein Virus nachzuweisen war.

    Im Moment läuft nun in der Schweiz die erste randomisierte Studie mit Kaletra (MOST-trial), in der auch die Wirkung in Liquor und Sperma/Vaginalsekret untersucht wird.

    Die OK-04 Studie

    Jose Arribas aus Madrid ist sicher der Vater der Kaletra-Monotherapiestudien. Er hat mit seiner ersten randomisierten Studie mit je 22 Patienten pro Arm Kaletra Monotherapie mit konventioneller Dreiertherapie verglichen. Die nun publizierte OK-04 Studie ist der Nachfolger mit je 100 Patienten pro Arm. Wichtig zu erwähnen: In allen genannten Studien wurde eine Maintenance-Therapie getestet. Die Patienten waren also vollständig supprimiert zum Zeitpunkt des Therapiebeginns. Dies scheint eine wichtige Voraussetzung zu sein (s. Bericht).

    Die Resultate dieser Studie sind beachtlich. In beiden Behandlungsarmen war der Follow-up sehr gut (s. Abbildung, 91/98 Combo, 96/100 Mono) und die Rate an Patienten ohne Therapieversagen war identisch, wie die Kaplan Meier Analyse zeigt. Allerdings wurde die Analyse speziell durchgeführt: Patienten, die unter Monotherapie einen Virusanstieg hatten, konnten wieder ihre bisherigen Nukleosid-Analoga aufnehmen. Falls die Viruslast darunter wieder supprimiert war, wurden sie nicht als Therapieversagen gewertet. Die Analyse ist zwar sinnvoll, den letztendlich sagt sie uns etwas über das Risiko eines Umstellversuches auf Monotherapie. Wenn es geht, toll, wenn nicht, so ist das Therapieversagen (in Mono-Arm 2/96 echte Versagen, vs. 3/91 im Combo-arm) vertretbar klein und nicht grösser, als wenn man die Therapie unverändert fortsetzt. Dies ist ja tatsächlich die Frage, die sich für den Untersucher stellt.

    In St. Gallen haben wir nun bereits sehr lange Erfahrung mit Monotherapie. Der Patient, der am längsten erfolgreich unter Monotherapie steht, ist in einem Monat bereits 6 Jahre mit Monotherapie behandelt. Das ist ein hervorragendes Resultat. Denn bei den Nukleosiden, welche in der Regel Teil einer Kombinationstherapie sind, sind es gerade die Langzeitnebenwirkungen, vor denen wir Respekt haben. Was noch zu klären bleibt ist die Wirksamkeit in Kompartimenten (Gehirn und Genitaltrakt). Diese Frage wir die laufende MOST-Studie hoffentlich bald beantworten.

    Quelle: Pullido, AIDS 11.1.2008, 22:2

    Infektiologie St. Gallen vom 22. Dezember 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Erster Integraseinhibitor von der EMEA zugelassen

    Das erste Medikament aus dieser Klasse zielt auf die medizinische Notwendigkeit für neue Therapiemethoden für vorbehandelte Patienten ab.

    Haar - MSD SHARP & DOHME (MSD) gab am 20. Dezember 2007 bekannt, dass für ISENTRESS® (Raltegravir, MSD) die Zulassung der European Medicines Agency (EMEA) für den Einsatz in Kombination mit anderen antiretroviralen Medikamenten zur Behandlung von HIV-1-Infektionen bei vorbehandelten, erwachsenen Patienten mit einer nachgewiesenen HIV-1- Replikation trotz antiretroviraler Therapie (ART) erteilt wurde.1 Die Entscheidung gilt für 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU), darunter Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien, wie auch für die Mitglieder des Europäischen Wirtschaftsraums Island und Norwegen. Raltegravir ist der erste zugelassene Integraseinhibitor, eine neue Klasse von ART, die das Enzym Integrase hemmt, das für die HIV-Replikation notwendig ist.1,2

    Die Entscheidung der EMEA beruhte auf Wirksamkeits- und Verträglichkeitsdaten aus zwei doppelblinden, placebokontrollierten klinischen Studien über 24 Wochen mit vorbehandelten Patienten. In diesen Studien reduzierte die Therapie mit Raltegravir in Kombination mit einer optimierten Hintergrundtherapie (OBT) die HIV-RNA-Virenlast signifikant (p < 0,001) und erhöhte die CD4-Zellzahl signifikant (p < 0,001). Zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Raltegravir bei therapienaiven, erwachsenen Patienten oder pädiatrischen Patienten sind noch keine Daten vorhanden, Studien mit diesen Populationen laufen jedoch bereits.

    Reduzierung der Viruslast und Steigerung der CD4-Zellzahl

    Raltegravir wird in zwei laufenden, multizentrischen, doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Phase-III-Studien (BENCHMRK-1 und BENCHMRK-2) bei 699 vorbehandelten, erwachsenen Patienten, die eine nachgewiesene Resistenz gegen mindestens ein Medikament aus jeder der drei Klassen [nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTIs), nichtnukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTIs) und Protease-Inhibitoren (PIs)] von ARTs zeigten, untersucht. Zweimal täglich 400 mg Raltegravir in Kombination mit einer OBT war im Vergleich zu einer Therapie mit Placebo plus OBT signifikant (p < 0,001) wirksamer bezüglich der Reduzierung der HIV-RNA-Werte wie auch der Steigerung der CD4-Zellzahl bei diesen Patienten.1 Die Wirksamkeit wurde anhand der gepoolten Daten von 699 Patienten beurteilt, die eine Behandlung von 24 Wochen abschlossen oder früher abbrachen.

    Die Studien zeigten, dass nach 24 Wochen Behandlung 75 Prozent der Patienten (347 von 462), die Raltegravir in Kombination mit einer OBT erhielten, eine Reduzierung der HIV-RNA auf unter 400 Kopien/ml erreichten, im Vergleich zu 40 Prozent der Patienten (95 von 237), die Placebo plus OBT erhielten. Außerdem erreichten nach 24 Wochen Behandlung 63 Prozent der Patienten (289 von 462), die Raltegravir plus OBT erhielten, eine Reduzierung der Viruslast auf unter 50 Kopien/ml, im Vergleich zu 34 Prozent der mit Placebo plus OBT behandelten Patienten (80 von 237). Nach 24 Wochen Behandlung lagen die Steigerungen bei den CD4-Zellzahlen vs. Ausgangswert bei 84 Zellen/mm3 für die Patienten, die Raltegravir plus OBT, bzw. bei 37 Zellen/mm3 für diejenigen, die Placebo plus OBT erhielten.1

    Raltegravir wird als Tablette mit 400 mg zweimal täglich unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen. Raltegravir erfordert keine Zugabe von Ritonavir. In den klinischen Studien der Phase II und III war das Verträglichkeitsprofil mit dem von Placebo vergleichbar. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählten Durchfall, Übelkeit, Kopfschmerzen und Fieber.1,2

    Quellen:
    1 Fachinformation ISENTRESS®, Stand Dezember 2007
    2 National Electronic Library of Medicines. Phase III data on investigational integrase inhibitor raltegravir (Raltegravir) for treatment experienced HIV patients.
    Verfügbar unter: http://www.nelm.nhs.uk/Record%20Viewing/vR.aspx?id=577785. Zugriff am 26. November 2007.

    MSD SHARP & DOHME - Pressemeldung vom 21. Dezember 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Dreifachkombination gegen das HI-Virus zugelassen

    Die fixe Dreierkombination aus Efavirenz, Emtricitabin und Tenofovir Disoproxifumarat (Atripla®) hat für die HIV-1-Therapie die Zulassung durch die europäischen Behörden erhalten. Damit ist Atripla® für die Vermarktung in den 27 Ländern der EU sowie in Norwegen und Island freigegeben, eingeführt werden soll es im ersten Quartal 2008.

    Das Kombinationspräparat ist für die Behandlung der Infektion mit dem menschlichen HI-Virus bei Erwachsenen mit einer Virussuppression der HIV-1 RNA-Werte von < 50 Kopien/ml bei ihrer derzeit angewendeten antiretroviralen Kombinationstherapie für einen Zeitraum von mehr als drei Monaten indiziert. Bei den Patienten darf während einer früheren antiretroviralen Therapie kein virologisches Versagen aufgetreten sein, und es muss vor Beginn der ersten antiretroviralen Behandlung sicher sein, dass keine Virusstämme mit Mutationen vorliegen, die eine signifikante Resistenz gegenüber einem der drei Bestandteile aufweisen.

    Kombiniert wurden mit dem Nicht-Nukleosid-Reverse-Transkriptase Inhibitor Efavirenz, dem Nukleosid-Reverse-Transkriptase Inhibitor Emtricitabin und dem nukleotidanalogen Hemmstoff der Reversen Transkriptase Tenofovir Disoproxilfumarat drei klinisch erprobte und anerkannte Anti-HIV-Medikamente in einer einzigen Tablette, die nur einmal täglich eingenommen werden muss. So kann das komplizierte Dosierungsschema vereinfacht werden - bisher einer der häufigsten Gründe für ein Therapieversagen oder die Entwicklung von Resistenzen, weil viele Patienten die hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) nicht konsequent eingehalten haben.

    Deutsche Apotheker Zeitung vom 21. Dezember 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Ärger um Einreisebestimmungen für HIV-positive

    Washington – US-amerikanische Ärzte- und Patientenorganisationen verlangen von der Regierung die „sofortige Änderung“ bestehender Einreisebestimmungen für Patienten mit HIV. Die USA sind eines der wenigen Länder der Welt, die es HIV-positiven Patienten schwer macht, einzureisen, auch wenn sie gesund und beschwerdefrei sind. Die Mehrzahl der amerikanischen Ärzteschaft hält die Bestimmungen, die seit 1993 gelten, für „überholt“ und verlangt deren Abschaffung.

    HIV-positive Patienten können laut gültigen Einreisebestimmungen nur dann in die USA reisen, wenn sie vorher entsprechende Formulare ausgefüllt haben und sich außerdem zustimmen, während ihres auf maximal 30 Tage begrenzten Besuchs sich nicht um eine ständige Aufenthaltsgenehmigung zu bemühen. Die Prozedur für eine entsprechende Einreiseerlaubnis dauert nicht selten mehrere Wochen.

    Das führt nach Angaben des amerikanischen Ärztebundes (American Medical Association, AMA) immer wieder dazu, dass seropostive Patienten bei der Einreise lügen und ihren HIV-Status als „negativ“ angeben. Internationale Menschenrechtsorganisationen haben diese Bestimmungen in den vergangenen Jahren mehrfach scharf öffentlich kritisiert. „Es ist kein Zufall, dass in den USA seit mehr als zehn Jahren keine bedeutende internationale Aids- und HIV-Konferenz mehr abgehalten wurde“, so die AMA.

    Laut der Regierung in Washington wurden im Jahr 2006 insgesamt 139 einreisewillige Patienten an den amerikanischen Grenzen von der Einreise abgehalten, weil sie „infektiöse Krankheiten“ hatten. Allerdings liegt keine genaue Zahl vor, wie viele dieser abgewiesenen Patienten seropositiv waren. Die Regierung Bush deutete kürzlich an, die Bestimmungen „reformieren“ und „liberalisieren“ zu wollen. Allerdings sind gesundheitspolitische Beobachter in Washington skeptisch.

    Deutsches Ärzteblatt vom 18. Dezember 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Unvollständige Adherence - ein wichtiges Konzept

    von Pietro Vernazza

    Mit Adherence bezeichnen wir das Ausmaß der vollständigen Tabletteneinnahme gemessen an der empfohlenen Menge. Bei der HIV-Therapie ist dies besonders wichtig, wenn die Therapie aus mehreren Komponenten besteht. Wenig beachtet war bisher die differentielle Adherence, d.h. wenn nur ein Teil der Substanzen nicht eingenommen wird.

    In einer Retrospektiven Analyse der Daten der First Study wurde die Frage der Differentiellen Adherence speziell untersucht. Bei der FIRST Study (MacArthur et al, Lancet 2006) handelte es sich um eine große randomisierte Langzeitstudie (6 Jahre!), welche drei verschiedene Strategien des Therapiestarts gegeneinander verglich:
     


    PI-basierte Strategie
    NNRTI-basierte Strategie
    Drei-Klassen Strategie (NNRTI+NRTI+PI)

    Die First Studie zeigte klar, dass die Dreiklassen-Strategie den beiden anderen unterlegen war. Es kam signifikant häufiger zum Therapieabbruch infolge Nebenwirkungen. In dieser Studie wurden die Patienten regelmäßig über ihre Adherence befragt. Es handelte sich um sog. Self-Assessment, aber speziell war, dass auch erfasst wurde, wenn nur ein Teil der Substanzen korrekt eingenommen wurde.

    Dieses so genannte differentielle Adherenceverhalten zeigt nun große Unterschiede zwischen den drei Gruppen (Abb). Deutlich mehr Patienten in der Drei-Klassen-Gruppe gaben an, einen Teil der Medikamente unregelmäßig eingenommen zu haben. Dieses Verhalten ist eindeutig mit einer gehäuften Entwicklung von Resistenzen assoziiert. Patienten, welche wiederholt über ein differentielles Adherenceproblem berichtet haben, hatten ein signifikant höheres Risiko, in der Folge ein Therapieversagen und auch eine Resistenzbildung zu entwickeln.

    Diese Studie zeigt einmal mehr den deutlichen Zusammenhang zwischen Adherence und Resistenzbildung, selbst bei den modernen, einfachen Therapiekonzepten. Es ist wichtig, dass wir uns immer wieder vor Augen führen, wie wichtig die regelmäßige Einnahe von HIV-Medikamenten ist. Was heute für HIV gilt, gilt eigentlich auch für weitere chronische Infektionskrankheiten, welche in Zukunft immer häufiger mit antiviralen Medikamenten behandelt werden (Hepatitis B, Hepatitis C).

    Quelle: MacArthur et al, AIDS 2008, 22:75–82

    Infektiologie St. Gallen vom 17. Dezember 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    15 Reviews über HIV-Korezeptoren

    15 PDFs aus einem Korezeptor-Sonderheft des European Journal of Medical Research stehen nun frei zugänglich im Internet.

    Eine spannende Lektüre - mit Beiträgen von Alkhatib G, Alkhatib G, Arasteh K, Berger EA, Berger EA, Bogner JR, Braun P, Bredeek UF, Emmelkamp JM, Foeglein A, Gresser U, Harbour MJ, Hoffmann C, Jones R, Kaiser R, Lengauer T, Lorenzen T, Mosier DE, Mueller MC, Nelson M, Plettenberg A, Rockstroh JK, Sierra S, Stellbrink HJ Stocker H, Stoehr A, Thielen A, Walter H, Walther I, Wiesmann F, van Lunzen J. mehr unter...

    Download unter: http://hivmedicine.com/textbook/ccr5inh.htm

    HIV.NET vom 15. Dezember 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Peptide im Sperma verstärken die HIV-Infektion

    Ein Protein im menschlichen Samen wirkt als Verstärker bei Infektionen mit dem Aids-Virus

    Eine neue Studie zeigt, dass Bruchstücke eines Eiweißes, das im Sperma im Übermaß vorhanden ist, die Infektiosität des AIDS Virus (HIV) drastisch steigert. Dieser "HIV-Verstärker" könnte eine wesentliche Rolle bei der Ausbreitung von HIV in der menschlichen Population spielen, weil die meisten der jährlich etwa 4 Millionen Neuinfektionen durch Kontakt mit HIV-infiziertem Sperma beim heterosexuellen Kontakt erfolgen. Diese Entdeckung verbessert nicht nur das Verständnis der sexuellen Übertragung von HIV, sondern eröffnet auch neue Möglichkeiten diese zu verhindern, berichten die Forscher in der Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Cell vom 14. Dezember. Die Forschergruppen unter der Leitung von Jan Münch und Frank Kirchhoff von der Universität Ulm und Wolf-Georg Forssmann von ViroPharmaceuticals aus Hannover konnten zeigen, dass Fragmente eines in großen Mengen vorhandenen Spermamarkers, der sogenannten Sauren Prostataphosphatase (PAP), amyloide Fibrillen ausbilden. Diese Fibrillen, als SEMEN-ENHANCER OF VIRUS INFECTION oder kurz "SEVI" bezeichnet, binden HIV-Partikel mit hoher Effizienz und verstärken die Anheftung der Viren an die Zielzellen. Die Forscher konnten außerdem belegen, dass Sperma selbst die HIV Infektion fördert und Beweise dafür vorlegen, dass SEVI deutlich zu diesem verstärkenden Effekt beiträgt. "Die enorme Effizienz von SEVI, die großen Mengen des Vorläufereiweißes im Sperma und die Tatsache, dass die Virusmenge, die beim heterosexuellem Verkehr übertragen wird, normalerweise zu gering für eine erfolgreiche Infektion ist, machen es äußerst wahrscheinlich, dass diese Fibrillen wichtig für die sexuelle Übertragung des HI-Virus sind" meinten die Forscher.

    "Die Stärke der Effekte war überraschend. In Gegenwart von SEVI benötigten wir nur einige wenige Viruspartikel um Zellen zu infizieren - mehr als 1000-fach weniger als sonst", sagte Frank Kirchhoff, der Seniorautor der Studie. "Dies ändert die bisherige Lehrmeinung, dass nur ein kleiner Teil der Viren infektiös ist."

    Die Forscher zeigten auch, dass die Fähigkeit der Fibrillen virale Infektionen zu verstärken nicht nur auf HIV beschränkt ist. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass das Auftreten derartiger Fibrillen weit häufiger ist als bisher angenommen und keinesfalls nur auf Erkrankungen wie Alzheimer beschränkt ist. "Derzeit kennt man etwa 30 Krankheiten, die mit amyloiden Ablagerungen assoziiert sind und amyloide Fibrillen werden auch von manchen Bakterien und Pilzen produziert", sagt Jan Münch, Erstautor der Studie. "Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass amyloide Aggregate eine Rolle bei der Übertragung und Pathogenität einer ganzen Reihe von Krankheitserregern spielen könnten".
    Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation haben sich allein im Jahr 2006 etwa vier Millionen Menschen neu mit dem HI-Virus infiziert und etwa drei Millionen Menschen sterben derzeit jährlich an AIDS. Obwohl die meisten Infektionen auf den Kontakt mit HIV-infiziertem Sperma beim Geschlechtsverkehr zurückzuführen sind, ist nur wenig darüber bekannt, welche Faktoren die Infektiosität des Virus im Sperma beeinflussen.

    In der aktuellen Studie untersuchten die Forscher eine Peptidbank, die von der Arbeitsgruppe um Wolf-Georg Forssmann aus menschlicher Seminalflüssigkeit hergestellt worden war - eigentlich mit dem Ziel neue Hemmstoffe zu finden. Mit einer ähnlichen Strategie gelang es Ihnen zuvor einen neuen Hemmstoff im Blut zu identifizieren, der den Eintritt des Virus in die Zelle durch einen neuartigen Mechanismus blockiert (beschrieben in der Ausgabe vom 20 April von Cell). Unerwarteterweise hemmte keine der 300 Fraktionen, die eine Vielzahl von Verbindungen aus dem Sperma enthalten, das Virus. Im Gegenteil, eines der Peptidgemische verstärkte die HIV-Infektion mit hoher Effizienz.
    Weitere Untersuchungen zeigten, dass das aktive Gemisch Bruchstücke der Sauren Prostataphosphatase enthielt. Zunächst waren die Forscher etwas ratlos, weil frische Lösungen von synthetisch hergestellten Fragmenten keinen Einfluss auf die HIV Infektion hatten. Allerdings beobachteten sie rasch, dass die Lösungen nach kurzer Zeit trübe und aktiv wurden. Anschließend entdeckten die Wissenschaftler, dass die Eiweißbruchstücke kleine Stäbchen, sogenannte Fibrillen, ausbilden und konnten zeigen, dass diese Strukturen, als SEVI bezeichnet, tatsächlich für die Steigerung der HIV Infektion verantwortlich sind.

    SEVI bindet Viruspartikel und erhöht die Zahl der infizierten Zellen dadurch, dass es die Virus-Zellinteraktion und dadurch das Verschmelzen der Virushülle mit der der Wirtszelle verstärkt. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass Sperma die HIV Infektion unter manchen Bedingungen um mehrere Größenordnungen steigert und das Fibrillen-bildende PAP Fragmente entscheidend dazu beitragen", berichten die Forscher. "Leider werden in naher Zukunft keine effektiven Impfstoffe oder Mikrobizide zur Verhinderung der HIV Übertragung verfügbar sein", bemerkt Kirchhoff. Deswegen besteht ein dringender Bedarf an alternativen Strategien um die weitere Ausbreitung des Virus einzudämmen. Derzeit arbeiten die Forscher an der Entwicklung von Substanzen, welche die Ausbildung der Fibrillen oder zumindest ihre verstärkende Wirkung blockieren. Wenn dies gelänge, hätte man wahrscheinlich ein Mittel das Risiko der sexuellen Übertragung von HIV deutlich zu reduzieren.

    Münch et al.: "Semen-derived Amyloid Fibrils Drastically Enhance HIV Infection." Publishing in Cell. http://www.cell.com
    Frank Kirchhoff (Universitätsklinikum Ulm, Department of Virology) et al.: Cell, Bd. 131, S. 1059

    Universität Ulm - Pressemeldung vom 14. Dezember 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    LhivFE am Puls der Zeit

    Neues Magazin rückt das Leben mit HIV in den Fokus / Erstmaliges Erscheinen zum Welt-AIDS-Tag. HIV und AIDS gehören zu den größten Problemen unserer Zeit und werden die Menschheit auch in Zukunft vor immense Herausforderungen stellen. Weltweit sind derzeit fast 40 Millionen Menschen mit HIV infiziert, allein in Deutschland leben etwa 56.000 mit dem HI-Virus. Und etwas wird neben Forschung, Medikation und Therapie leider oftmals vergessen: das Leben der Betroffenen.

    Genau mit diesem Aspekt befasst sich das neue LhivFE-Magazin. Es stellt dabei nicht die Erkrankung, sondern das Leben mit HIV in den Fokus. LhivFE ist daher anders. LhivFE vergisst das Leben nicht. Und auch wenn besondere Umstände gelten:  Wie bei jedem Menschen spielen im Leben mit dem Virus auch – oder erst recht – Neugier und Lust, Interessen und Wünsche, Sorgen, Probleme und Lösungen, Erfolge und Misserfolge ihre Rollen.

    Daher widmet sich LhivFE neben medizinischen Aspekten vorwiegend den Bereichen Gesellschaft, Wellness, Kunst, Sport oder Politik. Und überwindet damit den Spagat zwischen der Aufklärung über eine ernste und immer noch tödlich verlaufende Krankheit einerseits und der Präsentation moderner Lifestyle-Themen andererseits.

    Mit diesem Ansatz ist LhivFE neu und anders:
     

    • LhivFE vermittelt, dass eine HIV-Infektion mit Einschränkungen im persönlichen Lebensentwurf einhergeht, aber jeder Betroffene weiterhin ein weitgehend selbst bestimmtes und erfülltes Leben führen kann.
    • LhivFE ist nah an den Menschen, am Thema und den Erfordernissen der modernen Zeit.
    • LhivFE verbindet Entertainment und Lifestyle mit den Fakten, die man angesichts der Krankheit nicht übersehen darf.
    • LhivFE denkt weiter, wo ein gesunder Mensch aufhören darf nachzudenken. So entsteht ein wichtiger und einzigartiger Leitfaden für Menschen mit HIV und Aids.


    Zahlreiche Medien in Deutschland berichten beständig über das Thema HIV und AIDS, oft jedoch vor dem Hintergrund reiner Faktentreue. Mit seinem Fokus auf das Leben mit der HIV-Infektion fügt LhivFE der Berichterstattung eine vollkommen neue Facette hinzu. Ein weiteres Merkmal dieses Magazins: Jede Ausgabe wird ein ausgefallenes „Gimmick“ beinhalten. So findet man im ersten Heft eine Single-CD von Marla Glen mit dem Song „Garden of Desire“, der eigens für dieses Magazin komponiert und aufgenommen wurde.

    LhivFE entsteht in fachlicher Kooperation mit AIDS-Hilfen, Selbsthilfeeinrichtungen und anderen Institutionen. LhivFE, herausgegeben durch das Pharma-Unternehmen Abbott, erscheint in einer Erstauflage von 20.000 Exemplaren und ist kostenlos in Facharztpraxen, Fachapotheken und AIDS-Hilfen erhältlich.

    Gay Industries vom 8. Dezember 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Versagen aller drei Hauptmedikamentenklassen gegen HIV selten

    Dass all drei Hauptmedikamentenklassen gegen HIV versagen, kommt in der klinischen Praxis bisher nur selten vor. Dieses Ergebnis stellt eine gute Nachricht für die Planung von Behandlungsprogrammen in Entwicklungsländern dar, wo zusätzliche Medikamente außerhalb dieser Klassen wohl noch für lange Zeit nicht zugänglich sein werden.

    Zu den drei ursprünglichen Klassen antiretroviraler HIV-Medikamente zählen die Nukleosid-Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (nucleoside reverse transcriptase inhibitors, NRTIs), Nicht-Nukleosid-Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (non-nucleoside reverse transcriptase inhibitors, NNRTIs) und Protease-Inhibitoren. All diese Medikamente wirken, indem sie die Replikation des HI-Virus unterdrücken; daher wird von Therapieversagen gesprochen, wenn die Fähigkeit zur Kontrolle der Viruslast verloren geht. Ein Dreifachversagen wurde generell definiert als virologisches Versagen mindestens eines Medikamentes in jeder der drei Klassen, ausgeprägtes Versagen als das Versagen mehrerer Medikamente aus allen drei Klassen. In Entwicklungsländern wird der Zugang zu Medikamenten vermutlich noch für mehrere Jahre auf diese drei Originalklassen beschränkt sein. Daher ist ein Verständnis der Nachhaltigkeit der antiviralen Wirksamkeit dieser drei Medikamentenklassen für längerfristige Planungen unerlässlich.

    Professor Andrew Phillips von der Royal Free and University College Medical School in London und seine Kollegen verwendeten Daten von 7916 Patienten aus der UK Collaborative HIV Cohort Study des Medical Research Council für ihre Analyse. Das mittlere Alter dieser Patienten lag bei 36 Jahren, und der Frauenanteil betrug 25 Prozent. Alle Patienten hatten die antiretrovirale Therapie mit drei oder mehr Medikamenten begonnen und wurden für maximal zehn Jahre überwacht (1405 Patienten wurden für mindestens sechs Jahre überwacht).

    Die Forscher fanden heraus, dass 167 Patienten während der Nachuntersuchungszeit extensives Dreifachversagen entwickelten. Das kumulative Risiko für Dreifachversagen wurde nach zehn Jahren auf 9,2 Prozent geschätzt, mit Hinweisen darauf, dass diese Rate sich innerhalb der untersuchten Zeitspanne um 14 Prozent pro Jahr verringerte. Innerhalb dieser 167 Patienten hatten 101 (60 Prozent) nachfolgend mindestens einmal eine Viruslast unterhalb der Nachweisgrenze von 50 Kopien pro Milliliter, was zeigt, dass die Medikamente einen Teil ihrer antiretroviralen Aktivität auch nach dem Versagen beibehielten. Zum Zeitpunkt des ausgeprägten Dreifachversagens zeigten 90 Prozent der 167 Patienten ein virologisches Versagen von sieben oder mehr Medikamenten. Das Todesrisiko innerhalb von fünf Jahren nach dem ausgeprägten Dreifachversagen lag bei 10,6 Prozent.

    Die Autoren erklären: "Unsere Studie hat gezeigt, dass die Rate der Patienten, die eine antiretrovirale Therapie beginnen und ein ausgeprägtes Dreifachversagen zeigen, niedrig zu liegen scheint, besonders bei Personen, deren CD4-T-Zell-Zahlen zu Beginn der Therapie über 200 Zellen pro Milliliter lagen. Es gibt auch Hinweise darauf, dass die Rate über die Zeit sank, da sich die Medikamente verbesserten und die Erfahrungen mit ihnen. Diese Tatsache ist besonders für Entwicklungsländer ermutigend, in denen der Zugang zu Medikamenten noch für einige Zeit auf die drei originalen Medikamentenklassen beschränkt sein wird."

    In einem Begleitkommentar sagen Dr. Edward Mills vom British Columbia Centre for Excellence in HIV/Aids in Vancouver und Dr. Jean B. Nachega von der Bloomberg School of Public Health am Department of International Health der Johns Hopkins University in Baltimore: "Die Studie von Phillips und Kollegen unterstreicht die Notwendigkeit des Zugangs zu alternativen, weniger toxischen und besser bezahlbaren First-Line, Second-Line und nun auch Third-Line antiretroviralen Medikamenten in Entwicklungsländern. Da HIV/Aids in der nahen Zukunft nicht ausgerottet sein wird, brauchen wir eine visionäre Antwort, die arme Patienten genauso optimal behandelt wie reiche Patienten. In den nächsten Jahren werden wir zurückblicken und uns fragen, ob wir wirklich alles in unserer Macht stehende getan haben."

    Quelle: Andrew N Phillips and others. Risk of extensive virological failure to the three original antiretroviral drug classes over long-term follow-up from the start of therapy in patients with HIV infection: an observational cohort study. Lancet 2007; 370: 1923

    The Lancet vom 7. Dezember 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Vergewaltigungen in US-Gefängnissen offenbar großes Problem

    New Orleans - In den Gefängnissen der USA sind Vergewaltigungen nach Ansicht von Experten weit verbreitet. Das Ausmaß der Übergriffe durch Mithäftlinge und Gefängnis-Personal sei nur schwer zu erfassen, viele Einzelberichte zeigten jedoch, dass Vergewaltigungen häufig vorkämen, sagten Strafjustiz-Experten. Offiziellen Angaben zufolge zeigten im vergangenen Jahr mehr als 6.500 Gefangene in den USA sexuelle Übergriffe an. Anwälte schätzten die tatsächliche Zahl jedoch weit höher ein, sagte die Expertin Michele Deitch. Strafvollzugsbeamte würden dagegen argumentieren, die Mehrheit der Vorwürfe sei nicht haltbar.

    Der Kongress schätzt, dass im Zeitraum von 1983 bis zu einer Gesetzesänderung im Jahr 2003 eine Million Häftlinge sexuell misshandelt wurden. Experten zufolge ist aber auch diese Zahl hoch umstritten. Ein Problem sei die Erfassung der Zahlen, die in den Bundesstaaten unterschiedlich sei. Eine Kommission auf nationaler Ebene arbeitet an einem System zur Vereinheitlichung der Statistiken. Im Frühjahr soll sie der Öffentlichkeit einen Entwurf präsentieren. Nach Angaben Deitchs wirken sich die Vergewaltigungen in Haft auf die gesamte Gesellschaft aus: Mehr psychische Probleme, HIV-Infizierungen und Gewalt seien die Folge.

    Yahoo News vom 7. Dezember 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Hausärzte sollen sich nicht vor HIV-Tests scheuen

    Eine frühe Diagnose rettet Menschenleben.

    London - Praktische Ärzte und andere Mediziner sollen Risikogruppen verstärkt HIV-Tests anbieten. Eine Studie des University College London http://www.ucl.ac.uk mit 263 HIV-positiven afrikanischen Patienten hat nachgewiesen, dass die Hälfte erst sehr spät diagnostiziert wurden, obwohl sie überdurchschnittlich häufig zum Arzt gingen. In 80 Prozent dieser Fälle, schreiben die Wissenschaftler in dem Fachmagazin http://www.aidsonline.com, wurde der Test nicht mit einem Arzt besprochen.

    Aids-Aktivisten berichten, dass Ärzte dieses Thema oft vermeiden, um Patienten nicht vor den Kopf zu stoßen. Laut BBC leben in Großbritannien mehr als 63.000 Erwachsene, die mit HIV infiziert sind. Zwei Drittel wurden durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr infiziert. Der Großteil steckte sich im Ausland an und stammt aus Afrika.

    Die Studie betont, dass die Einführung von wirksamen antiretroviralen Medikamenten bedeuten kann, dass eine Diagnose vor dem Auftreten erster Symptome heißt, dass HIV zu einer chronischen Erkrankung und nicht zu einem Todesurteil wird. Eine spätere Diagnose bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit des Todes innerhalb eines Jahres um das Vierzehnfache ansteigt. Die leitende Wissenschaftlerin Fiona Burns ist überzeugt, dass vor allem praktische Ärzte aktiver sein sollten. "Derzeit wird die Chance auf eine frühe Diagnose vielfach vergeben. Menschen sterben, weil sie nicht rechtzeitig getestet wurden."

    Pressetext Austria vom 7. Dezember 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Releasing-Faktor befreit HIV-Patienten von Lipodystrophie

    Boston – HIV-Patienten, die unter der antiretroviralen Therapie eine Lipodystrophie entwickeln, dürfen auf ein Medikament hoffen, das nicht nur ihrem Aussehen zugute kommt. Nach den Ergebnissen einer Phase-III-Studie im New England Journal of Medicine (2007; 357: 2359-2370) beseitigt ein synthetischer Releasing-Faktor für das Wachstumshormon (wenigstens teilweise) auch die nachteiligen Folge der Lipodystrophie auf den Stoffwechsel.

    Die Lipodystrophie ist in erster Linie eine Nebenwirkung der Protease-Inhibitoren, die das Rückgrat der hoch aktiven antiretroviralen Therapie bilden. Bei den Patienten schwindet das Fettgewebe an den Extremitäten, um am Abdomen (aber auch in Leber und inneren Organen) zu akkumulieren. Außerdem kommt es zu Fettstoffwechselstörungen und einer Insulinresistenz. Es hat in der Vergangenheit nicht an Versuchen gefehlt, diese Lipodystrophie zu beheben.

    Die besten Ergebnisse wurden dabei mit Wachstumshormonen erzielt. Dieses Hormon kann zwar die äußeren Aspekte der Lipodystrophie beheben, sie hat jedoch zahlreiche Nebenwirkungen, zu denen auch eine Verschlechterung der Glukosetoleranz gehört. Diese Nachteile lassen sich jedoch vermeiden, wenn statt des Wachstumshormons sein Releasing-Hormon eingesetzt wird. Die Freisetzung des Wachstumshormons im Hypophysenvorderlappen unterliegt einer Kontrolle durch den Hypothalamus, der das Eiweiß GHRH (Growth Hormon Releasing Hormon) freisetzt. Eine synthetische Variante dieses Hormons, das aber weniger schnell im Blut abgebaut wird und deshalb länger wirkt, ist Tesamorelin.

    Nachdem zwei kleinere Studien (JAMA 2004; 292: 210-8 und AIDS 2005; 19: 1279-87) eine günstige Wirkung gezeigt hatten, wurden an 43 Zentren in den USA und Kanada 412 Patienten über 6 Monate behandelt. Tesamorelin reduzierte die viszeralen Fettablagerungen um 15 Prozent, während sie in der Placebo-Gruppe um 5 Prozent zunahmen. Auch die Lipidwerte besserten sich: Das Verhältnis von Gesamtcholesterin zu HDL-Cholesterin sank um 0,31, während es im Placebo-Arm der Studie um 0,21 zunahm.

    Da Tesamorelin den Glukosestoffwechsel nicht stört und auch keine wesentlichen Komplikationen unter der Therapie auftraten, ist die Gruppe um Steven Grinspoon von der Harvard Medical School in Boston zuversichtlich, dass das Medikament zugelassen wird. Im Oktober 2007 stellten die Forscher auf dem Europäischen Aids-Kongress in Madrid auch Daten aus der Nachbeobachtungszeit nach dem Ende der Studie vor. Danach hatten die guten Ergebnisse auch nach 52 Wochen Bestand.

    Die Zulassungsbehörde FDA hat indes die Hürde für eine Zulassung erhöht. Sie fordert eine weitere Phase-III-Studie, um letzte Zweifel an der Sicherheit des Medikaments auszuräumen, für das sich nach der Zulassung sicherlich nicht nur HIV-Patienten interessieren dürften. Denn die Lipodystrophie ist im Prinzip nur die Extremvariante der in der Bevölkerung sehr verbreiteten viszeralen Adipositas und des sie begleitenden metabolischen Syndroms.

    Abstract der Studie

    Deutsches Ärzteblatt vom 6. Dezember 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    EU-Forscher für einheitliche HIV-Tests

    Brüssel - In den vergangenen zehn Jahren sind europaweit über 300.000 Menschen an Aids gestorben, weil die Erkrankung bei ihnen zu spät erkannt wurde.

    Diesen Schluss ziehen Fachleute aus einer Studie zu den Erfordernissen hinsichtlich Tests, Behandlung und Pflege bei HIV/Aids in Europa. Die Studie soll im kommenden Jahr veröffentlicht werden. Auftraggeber ist die Konferenz "HIV in Europa 2007", die Ende November in Brüssel stattfand. Unter den mehr als 300 Teilnehmern waren Ärzte, Wissenschaftler, Ökonomen, Politiker und Interessenvertreter aus über 30 Ländern Europas und Zentralasiens.

    "Mit einheitlichen Richtlinien für HIV-Tests hätten zahlreiche Todesfälle verhindert werden können", sagte Professor Jens Lundgren von der Fakultät für Gesundheitswissenschaft der Uni Kopenhagen. Bei 30 Prozent aller Betroffenen in Europa werde das Virus allerdings erst in einem behandlungsbedürftigen Stadium der Erkrankung entdeckt.

    Die Konferenzteilnehmer fordern daher, Ansätze zu einer flächendeckenden Anwendung von HIV-Tests zu fördern, um auch jene zu erreichen, die nicht wissen, dass sie mit dem Virus infiziert sind. Nur so ließe sich ein Fortschreiten der Erkrankung verhindern. Auch trage eine frühzeitige Diagnose dazu bei, dass die Betroffenen das Virus nicht auf andere übertragen.

    Ärzte-Zeitung vom 6. Dezember 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Prävention Vertikale HIV-Infektion: Resistenzen verhindern

    von Pietro Vernazza

    Eine Einzige Tablette Nevirapine vor der Geburt kann das Risiko einer HIV-Übertragung von einer HIV-positiven Mutter auf das Kind auf die Hälfte reduzieren. Doch das Problem ist die Resistenzbildung.

    Für viele Entwicklungsländer ist die Prävention der Mutter-Kind Übertragung von HIV zentral. Die Einmaldosis von Nevirapine (i.d.R. gefolgt von einer Dosis 2mg/kg für das Neugeborene) ist eine hochwirksame Präventionsmaßnahme. Nur: Die Frauen, welche eine Dosis Nevirapine erhalten haben, werden in 60-70% bereits nach einer Dosis resistent auf das HIV-Medikament.

    Schon vor knapp zwei Jahren haben Eshleman et al. (JID, 2006) in Malawi gezeigt, dass eine 7-tägige Gabe von Combivir (2x1 Tablette) nach der erfolgten Einmaldosis von Nevirapine die Resistenzbildung auf 9% senkt.

    In der Lancet-Ausgabe vom 24.11.07 haben Autoren aus den USA und Zambia die Maßnahme noch etwas verbessert. Mit einer einmaligen Gabe von Truvada (Tenofovir+Emtricitabine) zusätzlich zu Nevirapine und dem bereits etablierten Combivir konnten sie die Resistenzentwicklung erneut auf die Hälfte reduzieren.

    Das Beispiel zeigt einmal mehr, mit welch einfachen Methoden eine Resistenzentwicklung abzuwehren ist. Es ist heute nicht mehr zulässig, dass wir "nur" zur Prävention der Mutter-Kind Übertragung eine Resistenzbildung tolerieren.

    Quelle: Chi et al, Lancet 24.11.2007 370:1698

    Editorial: Lochman & McIntyre, Lancet 2007

    Infektiologie St. Gallen vom Dezember 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neue Methode zur HIV-Frühdiagnose

    von Pietro Vernazza

    Im Rahmen des CHAT-Surveys hat Jörg Schüpbach vom Nationalen Zentrum für Retroviren eine elegant Alternative zur Erkennung von frühen Phasen einer HIV-Infektion gefunden. Pünktlich am Welt-AIDS-Tag wird die Arbeit nun in PLoS Medicine publiziert.

    Seit einigen Jahren werden Tests zur Bestimmung von Frühinfektionen von verschiedenen Ländern zur Messung der HIV-Inzidenz (neue Infektionen im Gegensatz zu neu diagnostizierten Infektionen) eingesetzt. Im Rahmen des CHAT-Surveys haben wir den dazu verwendeten Standardtest auch eingesetzt. Die Untersuchung erfolgte im Nationalen Zentrum für Retroviren (Leiter: Prof. Jörg Schüpbach). Dort hat man zusätzlich den heute gängigen Test zur Bestätigung einer HIV-Infektion parallel dazu durchgeführt und fand, dass die Stärke der Antikörper-Antwort auf die verschiedenen im Test vorhandenen HIV-Eiweiße (Antigene) sich ebenfalls gut eignet um abzuschätzen, ob es sich um eine frische Infektion handelt.

    Damit haben wir nun einen einfachen Test zur Verfügung, mit welchem wir sagen können, ob es sich bei einer neu diagnostizierten HIV-Infektion auch um eine frühe Phase (erste 5 Monate) der Infektion handelt. Dies hat auch für die Prävention eine Bedeutung. Wir haben schon mehrmals über die hohe Infektiosität der HIV-Infektion während den ersten Wochen der Erkrankung berichtet. Damit wird es für die Prävention wichtig, dass wir wenn immer möglich die frühen Phasen der HIV-Infektion entdecken, weil dort die Infektiosität bedeutend höher ist als in späteren Phasen der Infektion. Man geht davon aus, dass mehr als die Hälfte aller HIV-Infektionen von Personen herrühren, die auch selbst in einer frühen Phase der Infektion waren.

    Wenn wir nun eine so frühe Phase der HIV-Infektion diagnostizieren, müssen wir diese Situation bezüglich der HIV-Prävention als eine Notsituation betrachten. In diesen Situationen sollte der Patient raschmöglichst korrekt diagnostiziert und informiert werden und allfällige Partner zur Verhinderung einer weiteren Transmission rasch einbezogen werden.

    Quelle: Schüpbach et al, PLoS Med 1. Dezember 2007

    Infektiologie St. Gallen vom 1. Dezember 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zehn Mythen und eine Wahrheit über HIV

    Trotz wesentlicher weltweiter Fortschritte gegen Aids verlieren wir weiterhin an Boden, da die Rate der Neuinfektionen die Anzahl jener, die in den Entwicklungsländern eine antiretrovirale Therapie beginnen, in den Schatten stellt. Während das Auftreten der Erkrankung in Uganda, Kenia und Simbabwe zurückgeht, schreitet die allgemeine Epidemie voran. Der von Dr. James Shelton, Bureau for Global Health, US Agency for International Development, Washington verfasste Kommentar trifft zeitlich mit dem Welt-Aids-Tag am 1. Dezember zusammen. Der Autor diskutiert darin zehn Missverständnisse, von denen er annimmt, dass sie die HIV-Prävention behindern.

    1. HIV verbreitet sich wie ein Buschfeuer - Das tut es üblicherweise nicht. In den ersten Wochen mit einem hohen Viren-Titer ist HIV sehr infektiös, in der nachfolgenden, viele Jahre währende ruhige Phase jedoch nicht mehr. Nur etwa 8 Prozent der Menschen, deren primäre heterosexuelle Partner das Virus hatten, werden jährlich infiziert, was ansatzweise erklären kann, warum HIV den größten Teil der Weltbevölkerung bislang verschont hat. Die Epidemie in Afrika jedoch erscheint vor allem vorangetrieben durch parallele Partnerschaften, also gleichzeitige Beziehungen zu mehreren Partnern, was die schnelle Verbreitung neuer Infektionen ermöglicht.

    2. Prostitution ist das Problem - Offizielle Prostitution wird bei der Epidemie in Afrika als eher unwahrscheinlich betrachtet. Nur 2 Prozent der Männer in Lesotho bestätigten bezahlten Sex im vergangenen Jahr, jedoch berichteten 29 Prozent von mehreren Partnern. Solange die ökonomische Situation mehrfache Partnerschaften und Prostitution erlaubt, hat die Zielrichtung vorbeugender Kampagnen gegen bezahlten Sex nur geringen Nutzen.

    3. Männer sind das Problem - Wenn das Verhalten der Männer zu den HIV-Epidemien beiträgt, so benötigt eine heterosexuelle Epidemie doch auch einige Frauen mit mehreren wechselnden Partnern. Eine repräsentative nationale Studie von kenianischen Paaren aus dem Jahr 2003 enthüllte, dass in 3,7 Prozent der Fälle beide Partner HIV-positiv waren, zu 4,6 Prozent nur die Frauen und zu 2,8 Prozent nur die Männer.

    4. Erwachsene sind das Problem - Allgemeine Epidemien überspannen jedes reproduktive Alter, daher haben Kampagnen bei jungen Menschen, beispielsweise zur sexuellen Zurückhaltung, so wichtig sie auch wären, nur geringen Nutzen.

    5. Armut und Ausgrenzung sind das Problem - Während diese Faktoren zu risikoreichem Sexualverhalten führen können, sind HIV-Infektionen paradoxerweise bei wohlhabenderen Menschen allgemein weiter verbreitet, da ein gewisser Wohlstand parallele Partnerschaften womöglich fördert. Man beachte das Beispiel Simbabwes, wo sich die HIV-Infektionsrate auch ohne wesentliche Verbesserungen bezüglich Armut und Ausgrenzung trotz erheblichen ökonomischen und sozialen Elends verringerte.

    6. Kondome sind die Antwort - Kondome können zur Eindämmung einer massiven Epidemie beitragen und einige Einzelpersonen schützen, insbesondere Prostituierte. Dennoch haben sie nur eine geringe Wirkung bei generalisierten, also über die Risikogruppen hinaus in die allgemeine Bevölkerung vordringenden Epidemien, da viele ihren Gebrauch ablehnen (insbesondere in regulären Beziehungen), der Schutz unzureichend und der Gebrauch unregelmäßig ist. Kondome scheinen zudem die Hemmschwelle zu senken, wenn sich Menschen auf riskanten Sex einlassen, entweder mit Kondomen oder mit der Absicht, diese zu benutzen.

    7. HIV-Tests sind die Antwort - Die Kenntnis des eigenen HIV-Status sollte eine Verhaltensänderung bewirken, jedoch sind die Hinweise hierfür, insbesondere bei der großen negativ getesteten Mehrheit, entmutigend; zudem müssen solche Verhaltensänderungen über viele Jahre anhalten, bevor sie Wirkung zeigen. Außerdem werden aktuell neu infizierte und somit hoch ansteckende Personen bislang nicht HIV-positiv getestet.

    8. Behandlung ist die Antwort - Obwohl eine Behandlung die Übertragbarkeit verringern und theoretisch auch eine Verhaltensänderung fördern könnte, gibt es bislang keine klaren Hinweise darauf. Tatsächlich könnten die positiven Effekte von den negativen überwogen werden, wie beispielsweise durch wieder aufgenommene sexuelle Aktivität, sobald sich die Patienten nach einer antiretroviralen Therapie besser fühlen. Dazu gehört auch riskanter Sex, wenn die Menschen realisieren, dass eine HIV-Infektion nicht zwangsläufig ein Todesurteil bedeutet.

    9. Neue Methoden sind die Antwort - Es wird weiterhin fieberhaft an neuen Impfstoffen, Mikrobiziden und vorbeugenden antiretroviralen Wirkstoffen gearbeitet, ein Erfolg jedoch scheint in weiter Ferne. Jegliche Erfolge an sich könnten nur auf die Hochrisikogruppe abzielen und somit risikoreiches Verhalten bestärken. Sogar die männliche Beschneidung, unverkennbar effektiv und dringend zu fördern, wird Jahre brauchen, um einen zusätzlichen wesentlichen Effekt zu erzielen.

    10. Das Sexualverhalten wird sich nicht ändern - Angesichts der tödlichen Erkrankung werden viele Menschen ihr Verhalten ändern, siehe am Beispiel homosexueller Männer in den USA in den 1980er Jahren oder dem Rückgang der mehrfachen Sexualpartnerschaften in Kenia.

    Dr. Shelton ist der Meinung, dass man sich auf den wichtigsten Antrieb der generalisierten Epidemie konzentrieren sollte - die multiplen Partnerschaften, ein Risiko, das die Menschen nicht ausreichend wahrnehmen und dessen technische Beurteilung erst kürzlich erfolgte. Er ist jedoch der Ansicht, dass eine Einschränkung der Partnerschaften vernachlässigt wurde, da dies neben anderen Gründen einen Beigeschmack des Moralisierens habe und derartige massenhafte Verhaltensänderungen den meisten medizinischen Berufen völlig fremd sind.

    Der Autor folgert: “Glücklicherweise können wir ein die Anzahl der Partner einschränkendes Verhalten bestärken, ähnlich den Verhaltensänderungen, die viele Menschen spontan durchführten. Moderne verhaltensändernde Maßnahmen, zu denen auch sich explizit an den lokalen Kulturgegebenheiten orientierende Mitteilungen gehören, können die Wahrnehmung des persönlichen Risikos verbessern. Selbst ein geringfügiger Rückgang bei den mehrfachen Partnerschaften könnte die Dynamik der Epidemie wesentlich dämpfen. Andere vorbeugende Ansätze haben ihre Vorzüge, können jedoch in Verbindung mit der Partnereinschränkung weitaus effektiver sein. Nun, nach 20 Jahren versuchter HIV-Prävention sollten wir es endlich richtig machen.“

    Quelle: James D Shelton. Ten myths and one truth about generalised HIV epidemics. Lancet 2007; 370: 1809

    The Lancet vom 30. November 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Bessere Betreuung von Arbeitsuchenden mit HIV

    Nürnberg - Bei einem Pilotprojekt in Niedersachsen hat die Bundesagentur für Arbeit (BA) rund 100 Mitarbeiter qualifiziert, um Menschen mit HIV besser über Jobs zu informieren.

    Die erste Phase eines bundesweiten Modellprojektes zur Aufklärung über Beschäftigungsmöglichkeiten für HIV-Infizierte am Arbeitsmarkt ist jetzt erfolgreich abgeschlossen worden. Seit Anfang des Jahres wurden in dem Projekt "Arbeit und Beschäftigung bei Menschen mit HIV und Aids" rund 100 Fallmanager und Fallmanagerinnen aus Jobcentern und von kommunalen Trägern weitergebildet. Damit steht jetzt jeder regionalen Aidshilfe in den Jobcentern ein geschulter Ansprechpartner zur Verfügung. Ziel der von der Deutschen Aids-Hilfe und der Entwicklungspartnerschaft "Link up" getragenen Seminarreihe war es, Vorurteilen vorzubeugen und die Beratungskompetenz der SGB II-Träger im Hinblick auf HIV-Infizierte zu steigern.

    "Das von der Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen und der Niedersächsischen Aidshilfe initiierte Modellprojekt zeigt eindrucksvoll erste Erfolge. Durch die Verzahnung der Arbeitspraxis der Jobcenter mit dem Expertenwissen der Aids-Hilfe lässt sich die Beratungskompetenz beim Umgang mit Aids-Kranken wirkungsvoll steigern", sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt anlässlich des Welt-Aidstages. Dies sei insbesondere deshalb von Bedeutung, weil durch den Abbau von Vorurteilen gegenüber HIV-Infizierten auch die Kompetenz beim Umgang mit chronisch Kranken insgesamt gesteigert werde.

    "Natürlich geht immer noch mehr - aber die ersten Schritte sind getan und wir sind mit dem Verlauf des Projekts überaus zufrieden", sagte der Vorsitzende der Niedersächsischen Aids-Hilfe, Jörn Jan Leidecker. Die Rückmeldungen von Betroffenen seien positiv. "Das Gesprächsklima in den Jobcentern hat sich verbessert", fügte er hinzu. Inzwischen zeigten sich aufgrund des Erfolgs auch andere Landesverbände der Aids-Hilfen interessiert an einer Zusammenarbeit mit den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern. Als Beispiel nannte Leidecker Anfragen aus Berlin, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.

    Bundesagentur für Arbeit – Pressemeldung vom 30. November 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    AIDS Todesfälle in Deutschland seit mehr als 5 Jahren konstant

    Wiesbaden - Wie das Statistische Bundesamt zum Weltaidstag am 1. Dezember mitteilt, starben in Deutschland nach Ergebnissen der Todesursachenstatistik im Jahr 2006 insgesamt 504 Personen an der durch HIV verursachten Erkrankung AIDS. Im Vergleich der Jahre 1996 und 2006 bedeutet dies zwar einen Rückgang um mehr als 68%. Diese Entwicklung darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahl der an AIDS verstorbenen Personen in den letzten fünf Jahren nahezu stagniert (2002 waren es 518 Verstorbene). Auch der Anteil der Männer an den verstorbenen Personen hat sich kaum geändert und lag 2006 mit 83% wesentlich höher als derjenige der Frauen (17%). Der Männer-Anteil sank zwischen 1996 und 2001 zunächst um knapp 9 Prozentpunkte auf 76%; seither stieg er aber wieder an.

    Erfreulich ist, dass aufgrund neuester Wirkstoffe und des Einsatzes von Kombinationstherapien die Lebenserwartung erhöht werden konnte: Das Sterbealter lag 2006 bei 48,8 Jahren, wobei Frauen mit 46,2 Jahren im Schnitt über drei Jahre früher an AIDS versterben als Männer mit 49,3 Jahren. 1996 lag das Sterbealter noch bei 41 Jahren. AIDS als Todesursache ist auch eine Frage des Alters: Von den insgesamt 504 an AIDS verstorbenen Personen waren 86,5% im Alter zwischen 30 bis unter 65 Jahren, wobei die Altersgruppe der 40- bis unter 45-Jährigen den größten Anteil ausmachte.

    Die Altersstruktur der im Krankenhaus wegen AIDS behandelten Patienten und Patientinnen ist nahezu identisch: 84% der stationär Behandelten waren 30 bis 65 Jahre alt, die unter 30-Jährigen machen mit 11% und die über 65-Jährigen mit 4% den weitaus geringeren Anteil aus. Insgesamt wurden im Jahr 2005 (neuere Daten liegen hierzu noch nicht vor) 2.119 Fälle wegen AIDS behandelt. 1996 waren es noch fast 8.000 Fälle. Der Rückgang der Zahlen ist nicht konstant: Nach einem stärkeren Rückgang zwischen 1996 und 1998 (- 2.000 auf 6.000 Fälle) stagnierte die Zahl der AIDS-Patienten die nächsten drei Jahre nahezu, bevor sie von 2001 bis 2004 wieder deutlich um insgesamt 3.000 Fälle auf 2.299 abgenommen hat. Der weitere Rückgang zwischen 2004 und 2005 ist mit 180 Fällen moderat ausgefallen.

    Daten zu den Neuerkrankungen erhebt das Robert-Koch-Institut im Rahmen des AIDS-Fallregisters. Danach gab es im Jahr 2006 circa 2.700 HIV-Neuinfektionen. Seit Beginn des ersten dokumentierten Falls in Deutschland im Jahre 1982 wird die Anzahl der AIDS-Erkrankungen auf circa 82.000 geschätzt, von denen bisher circa 26.000 Personen verstorben sind.

    Weltweit schätzen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und UNAIDS die Zahl der 2007 an AIDS Verstorbenen auf etwa 2,1 Millionen Erwachsene und Kinder (2001: 1,7 Millionen). Mit dem Virus infiziert waren schätzungsweise 33,2 Millionen bei 2,5 Millionen Neuinfektionen im Jahr 2007.

    Am schwersten von der Epidemie betroffen ist Afrika. 1,6 Millionen oder 76% der weltweit geschätzten Todesfälle werden 2007 allein auf die afrikanischen Länder südlich der Sahara entfallen. 22,5 Millionen oder 68% aller weltweit infizierten Erwachsenen und Kinder leben dort. Die Neuinfektionen machen 1,7 Millionen oder 68% der weltweit geschätzten Fälle aus. WHO und UNAIDS zufolge tragen rund 5% der erwachsenen Bevölkerung Afrikas südlich der Sahara das Virus in sich.

    In West- und Mitteleuropa stellt sich die Lage im internationalen Vergleich weniger schwerwiegend dar. 2007 werden laut WHO und UNAIDS 12.000 Menschen an der Immunschwächekrankheit sterben. Die Zahl der Neuinfektionen wird auf 31.000 Fälle geschätzt. Die Gesamtzahl der HIV-infizierten Erwachsenen und Kinder wird 2007 bei rund 760.000 liegen.

    Statistisches Bundesamt – Pressemeldung vom 29. November 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Keine vielversprechenden Kandidaten für einen Impfstoff

    Berlin - Rund 25 Jahre nach der Entdeckung des Aids-Erregers ist noch kein Impfstoff in Sicht. Momentan gebe es «keinen vielversprechenden Kandidaten für einen Impfstoff», der in absehbarer Zeit eingesetzt werden könnte, sagte der Leiter des Fachgebiets «HIV/Aids» am Berliner Robert-Koch-Institut (RKI), Osamah Hamouda, anlässlich des Welt-Aids-Tages am Samstag 1. Dezember. Die Entwicklung eines Impfstoffs sei leider von vielen Rückschlägen gekennzeichnet.

    «Letztlich haben wir heute noch nicht alle Details verstanden, wie der Schutz des Immunsystems aussehen muss, damit es sich erfolgreich gegen HIV wehren kann», sagte der Epidemiologe. In der der Forschungsgemeinschaft wird immer wieder geklagt, dass die HIV-Forschung in Deutschland verglichen mit Frankreich oder den USA relativ wenig gefördert wird.

    Angesichts stetig steigender Infiziertenzahlen sagte Hamouda, die Krankheit habe «etwas von ihrem Schrecken verloren». Dennoch sei das Wissen um die Nicht-Heilbarkeit weit verbreitet. Deutschland sei bei der Zahl der Infektionen bezogen auf die gesamte Bevölkerung in Europa eher am unteren Rand. Der Experte bezeichnete es als «absehbar», dass die Zahl der Menschen, die in Deutschland mit HIV leben, jedes Jahr steigen wird. Dies sei das Resultat von gleichbleibend oder sinkenden Erkrankungs- und Todesfällen bei einer höheren Zahl von Neuinfektionen sein.

    Die Zahl der HIV-Infizierten in Deutschland steigt seit zehn Jahren kontinuierlich an. Ende 2007 werden laut dem RKI 59.000 Menschen in Deutschland mit HIV oder Aids leben. 49.000 davon sind Männer, die sich vor allem bei gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten ansteckten. Die Zahl der HIV-Neuinfektionen im Laufe des vergangenen Jahrs schätzen die Experten auf 3.000.

    Yahoo News vom 28. November 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Wo bleibt der HIV-Impfstoff?

    Bochum - Bei 12.000 HIV-Neuinfektionen pro Tag wartet alles auf den Impfstoff. Doch die weltweiten Bemühungen gleichen einer "Chronik andauernden Scheiterns". Einen Gen-basierten Impfstoff, der spezialisierte Zellen des Immunsystems ansteuert und aktiviert, entwickeln und prüfen jetzt Forscher des von der Ruhr-Universität koordinierten (Prof. Dr. Klaus T. Überla, Molekulare und Medizinische Virologie) europäischen Projekts DEC-VAC (Development of a Dendritic Cell-targeted Vaccine against AIDS) - und erreichen mit einem "Testprotein" bereits erstaunliche Erfolge. Beitrag mit Bildern im Netz

    Genbasierte Impfstoffe - das Prinzip

    Die Strategie Gen-basierter Impfstoffe ist, Aspekte von HIV-Lebendimpfstoffen zu nutzen, aber deren Sicherheitsrisiken auszuschließen. Dies geschieht, indem nicht das virale Protein selbst verabreicht wird, sondern ein Gen, das seine Bildung erst nach der Impfung ermöglicht. Die Impfung soll die Immunabwehr gegen HIV stärken, indem sie die sog. zytotoxischen T-Zellen aktiviert. Für die Erstausbildung dieser T-Zellen müssen die viralen Proteine aber zunächst von spezialisierten Zellen des Immunsystems, den sog. dendritischen Zellen, aufgenommen und auf der Zelloberfläche (der infizierten Zelle) wie auf einem Tablett präsentiert werden. Die Forscher haben diese Voraussetzung geschaffen, indem sie die durch den Gen-basierten Impfstoff gebildeten viralen Proteine an einen Antikörper koppeln, der wiederum an ein spezielles Oberflächenprotein (DEC205) der dendritischen Zellen bindet. Mit Hilfe sog. Genfähren (für Menschen ungefährliche Viren) wird die Übertragung der Impfgene verbessert.

    Vielversprechende Erfolge mit "Testprotein"

    Als erstes entwickelten die DEC-VAC-Forscher einen speziellen Antikörper gegen DEC205 und koppelten diesen mit dem "Impfprotein"(Fusionsprotein). Dabei setzten sie anstelle des viralen Proteins zunächst ein "Testprotein" ein, mit dem sich Immunantworten gut untersuchen lassen. Mit diesem Konstrukt wurde eine gute Bindung des Antikörpers an die dendritischen Zellen und eine verbesserte Aufnahme und Präsentation des "Testproteins" durch die dendritischen Zellen erreicht. Bei Mäusen führte die Injektion des Fusionsproteins inzwischen nicht nur zur Aktivierung zytotoxischer T-Zellen, auch die Bildung von Interferon (Hormon des Immunsystems) konnte angeregt werden. Nun hoffen die Forscher, die Ergebnisse mit dem echten (HIV-) Fusionsprotein bestätigen zu können. Entscheidend für die Weiterentwicklung des sog. Gen-basierten DEC205-gerichteten Impfstoffs werden die Ergebnisse der Impfung bei Rhesusaffen sein.

    Den vollständigen Beitrag mit Bildern zum Herunterladen finden Sie im Internet unter: http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rubin-herbst-07/pdf/beitrag3.pdf

    Ruhr-Universität Bochum - RUBIN Forschungsmagazin - Pressemeldung vom 26. November 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Welt-AIDS-Tag 2007: In Deutschland leben 59.000 HIV-Infizierte

    Berlin - In Deutschland leben Ende 2007 insgesamt etwa 59.000 Menschen mit einer HIV-Infektion oder einer AIDS-Erkrankung. Nach einer aktuellen Schätzung des Robert Koch-Instituts haben sich im Jahr 2007 etwa 3.000 Menschen neu infiziert, rund fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Dieses Jahr gibt es etwa 650 Todesfälle bei HIV-Infizierten. "Trotz der modernen Medikamente ist noch niemand von seinem HIV geheilt worden, und auch die Impfstoffentwicklung bleibt schwierig", sagt Professor Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts, anlässlich des Welt-AIDS-Tages am 1. Dezember 2007. "Forschung und Prävention müssen daher unverändert einen hohen Stellenwert haben", betont Kurth.

    Das Epidemiologische Bulletin des Robert Koch-Instituts veröffentlicht in der aktuellen Ausgabe 47/2007 zum Welt-AIDS-Tag fünf Beiträge zu HIV/AIDS: Eine Analyse der Epidemie in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten, eine Einschätzung zur aktuellen weltweiten Situation, ein Beitrag über das HIV-Übertragungsrisiko bei antiretroviraler Therapie, die Ergebnisse einer Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum Lebensstil homosexueller Männer sowie eine neue Schätzung der "Eckdaten und Trends", die im Internet auch für jedes einzelne Bundesland verfügbar ist. Die Eckdaten und Trends enthalten eine Schätzung der Zahl der Personen, die mit einer HIV-Infektion leben (HIV-Prävalenz) und der tatsächlich erfolgten HIV-Neuinfektionen im Jahr 2007 (HIV-Inzidenz).

    Unter den 59.000 Menschen, die Ende 2007 mit HIV/AIDS leben, stellen Männer, die Sex mit Männern haben, mit 34.000 die größte Gruppe. Etwa 7.500 Personen haben sich über heterosexuelle Kontakte infiziert, rund 9.000 Menschen kommen aus so genannten Hochprävalenzregionen und haben sich überwiegend in ihren Herkunftsländern und dort über heterosexuelle Kontakte infiziert. Etwa 7.000 HIV-Infektionen gehen auf intravenösen Drogengebrauch zurück.

    Die Schätzung der HIV-Neuinfektionen, rund 3.000 für das Jahr 2007, ist nicht zu verwechseln mit der Zahl der dem RKI übermittelten Neudiagnosen. Die Meldungen über HIV-Neudiagnosen erlauben keinen direkten Rückschluss auf den Infektionszeitpunkt, da HIV-Infektion und -Test zeitlich weit auseinander liegen können. Nach dem kürzlich veröffentlichten HIV/AIDS-Halbjahresbericht (Pressemitteilung vom 8.10.2007) wurden in der ersten Jahreshälfte 2007 bei bundesweit 1.334 Menschen eine HIV-Infektion neu diagnostiziert. Im gesamten Jahr 2006 waren dem Robert Koch-Institut 2.638 Neudiagnosen übermittelt worden. Die Zahl war in den Vorjahren stetig gestiegen (1.443 Neudiagnosen im Jahr 2001, 1.718 in 2002, 1.976 in 2003, 2.212 in 2004 und 2.505 in 2005). Etwa die Hälfte dieses Anstiegs beruht wahrscheinlich auf einer verbesserten Erkennung von Erstdiagnosen. Die zweite Hälfte des Anstiegs beruht wahrscheinlich auf einem tatsächlichen Anstieg von HIV-Neuinfektionen, zu einem Teil könnte auch eine erhöhte Testbereitschaft dazu beigetragen haben.

    Robert Koch-Institut vom 26. November 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zerstört HIV die Reservezellen des Gehirns?

    von Franziska Zenger

    Bei einer HIV Erkrankung gelangen Viren bereits früh ins Zentralnervensystem. Das Virus kann während vielen Jahren im Gehirn überleben. Was sind die Konsequenzen?

    Spezielle Gehirnzellen (wie die Astrozyten) gelten als Reservoir für die HIV Infektion. Wenig ist bekannt über die noch undifferentierten (nicht ausgereiften) Gehirnzellen die etwa 4% der weißen Hirnsubstanz ausmachen. Diese nicht differenzierten Zellen können später im Leben (z.B. nach Gehirninfarkt) die Funktion ausgereifter Zellen übernehmen. In wie fern noch nicht ausgereifte Zellen im Gehirn als Reservoir für HIV dienen, wurde in einem experimentellen Model mit einer multipotenten menschlichen Stammzelllinie (HNSC.100) untersucht.

    Nach in-vitro Infektion der noch nicht differenzierten Stammzelllinie (HNSC.100) mit HIV fand selbst nach 60 Tagen eine moderate Virusmenge in der Kultur und provirale HIV Sequenzen konnten bis zu 115 Tage lang gefunden werden. Diese Resultate deuten darauf hin, dass das HIV Virus in den nicht differenzierten Zellen des Gehirns persistiert. Diese Zellen könnten also als Reservoir dienen.

    Die multipotente menschliche Stammzelllinie (HNSC.100) unterschied sich von den differenzierten Gehirnzellen (Astrozyten), indem sie weniger GFAP (gliales fibrilläres Säureprotein), mehr Zelloberflächen CXCR 4 Chemokinrezeptoren, eine andere Zellmorphologie und mehr HIV- Rev Aktivität zeigte. Insbesondere die Rev- Aktivität ist für die HIV Replikation entscheidend.

    In diesem experimentellen Model konnte auch gezeigt werden, dass die Differenzierung HIV infizierter HNSC- Vorläufer Zellen (menschliche mulotipotente Stammzelllinie) zu Astrozyten zu einer transienten Aktivierung der HIV- Virusproduktion führt. Bei diesem dynamischen Prozess spielen sowohl HIV stimulierende als auch HIV restriktive Mechanismen eine Rolle.

    Zusammenfassend unterstützt die Studie die Hypothese, dass in-vitro  HIV Viren in neuronalen Vorläuferzellen überleben können und diese abhängig von extrazellulären Faktoren das Virus in unterschiedlichen Mengen freisetzen, sowie durch das HIV Virus verändert werden können. (ggf. auch zerstört werden). In wie fern diese Hypothese auf die in vivo Infektion übertragen werden darf, ist jedoch noch nicht genügend untersucht. Weitere Studien sind deshalb dringend notwendig.

    Quelle: Rothenaigner et al, AIDS 2007, 21: 2271-2281

    Infektiologie St. Gallen vom 24. November 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Infektionen in 20 EU-Staaten fast verdoppelt

    Die Rate neuer HIV-Infektionen hat sich in 20 Ländern der EU seit 1999 fast verdoppelt. Demnach infizierten sich 1999 in diesen 20 Staaten im Schnitt 28,8 pro einer Million Einwohner mit HIV, 2006 waren es 57,5. Die deutsche Quote der Neuinfektionen 2006 lag bei 32.9 pro Million Einwohner. Damit liegt die Republik in etwa im unteren europäischen Durchschnitt, berichtete das Journal "Eurosurveillance" am Freitag in Stockholm.

    Am meisten Neuinfektionen in Estland

    Die höchste Neuinfektionsrate verzeichnet das Europäische Zentrum für Krankheitsvorbeugung und -kontrolle (ECDC), das die Studie durchführte, in Estland. Dort infizierten sich im vergangenen Jahr 504 Menschen je einer Million Einwohner mit HIV.

    Männer am stärksten betroffen

    Die Statistik betrachtet 20 EU-Länder, die kontinuierlich Aids-Daten geliefert haben. In der europäischen Region gab es demnach allein im vergangenen Jahr fast 87.000 neue HIV-Infektionen. Der häufigste Übertragungsweg sind mit einem Anteil von 53 Prozent heterosexuelle Kontakte. 66 Prozent der Neuinfizierten waren Männer.

    Erklärung auch durch vermehrte Bluttests

    Allerdings wird zu den steigenden HIV-Raten in den Berichten aus Stockholm auch festgestellt, dass sich dies auch aus der vermehrten Zahl von durchgeführten Bluttests in Osteuropa zu erklären sei. Man würde HIV-Infektionen eben besser erfassen. Nach Estland folgte die Ukraine mit 288 neuen HIV-Diagnosen pro Million Einwohner, danach dann die Russische Föderation (275) und schließlich Portugal (205).

    Link: Journal "Eurosurveillance"

    Original Pressemeldung: http://www.ecdc.europa.eu/Press/press_releases/071123_pr.html

    Science ORF vom 23. November 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Russland hat rund 400.000 HIV-Infizierte

    Seit dem Jahr 1987 haben sich insgesamt 403 100 russische Bürger mit HIV infiziert, darunter 2 636 Kinder, nur 314 000 davon sind heute noch am Leben, berichtete der russische Chefhygienearzt Gennadi Onischtschenko nach einer Konferenz mit den Regionen am gestrigen Mittwoch.

    In diesem Jahr hätten sich, so der Obermediziner, mehr Russen auf eigene Initiative registrieren lassen als im Vorjahr. Zudem würden sie den Ärzten jetzt mehr vertrauen als früher. „Sie vertrauen darauf, dass sie eine Behandlung bekommen und dass ihre Lage nicht zu einer übelwollenden Aufmerksamkeit und zu Ausgrenzung führt“, betonte er.

    Im Rahmen des vorrangigen Nationalprojekts „Gesundheit“ bekommen die Patienten antiretrovirale Medikamente, dank derer sie normal leben und arbeiten können. In diesem Jahr erhalten laut Onischtschenko insgesamt 30 000 Menschen eine entsprechende Therapie. Besorgt zeigte er sich über die Situation im Gebiet Irkutsk (Sibirien), das die höchste Anzahl von HIV-Infektionen im Land aufweist. Dort können nur 53 Prozent der Patienten mit den notwendigen Medikamenten versorgt werden.

    Dem Chefarzt zufolge gibt es in Russland 13 000 HIV-Infizierte, die auch an Tuberkulose leiden. Für die kommenden Jahre prognostizierte er einen Anstieg der AIDS-Sterblichkeitsrate in der Welt. „Das ist eine weltweite Tendenz. In Amerika gibt es 800 000 AIDS-Kranke, die sich im Endstadium befinden.“

    RIA Novosti vom 22. November 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    UNAids-Bericht: Zwei Mio. Tote, 33 Mio. Infizierte

    Trotz aller Mühen im Kampf gegen Aids haben sich in diesem Jahr 2,5 Millionen Menschen neu mit der tödlichen Immunschwäche infiziert. Das berichtete das Aids-Programm UNAIDS der Vereinten Nationen.

    Es rechnet mit 2,1 Millionen Aids-Toten in diesem Jahr. Weltweit werden Ende 2007 voraussichtlich 33,2 Millionen Menschen mit dem Aids-Erreger HIV im Blut leben. Der jüngste UN-Aids-Bericht korrigiert damit die Schätzung der Gesamtzahl der HIV-Infizierten um 16 Prozent nach unten, verglichen mit Ende 2006 (39,5 Millionen). Das liege vor allem an Änderungen der Statistik und einer besseren Datenbasis, betonte UNAIDS. Keinesfalls sei das Virus weltweit auf dem Rückzug.

    Neue Zahlen für Indien und Afrika

    Die Änderungen gründen sich zu fast drei Vierteln (70 Prozent) auf neue Zahlen aus sechs Ländern: Indien, Angola, Kenia, Mosambik, Nigeria und Simbabwe. Dazu zählen genauere Umfragen in der Bevölkerung und verbesserte mathematische Modelle über die Ausbreitung der Krankheit. Direkt vergleichbar seien die Angaben von 2006 und 2007 damit nicht mehr. Besonders für Indien wurden die Zahlen nach unten korrigiert.

    Täglich 6.800 Neuinfektionen

    Täglich infizieren sich laut UNAIDS 6.800 Menschen neu mit HIV. 5.700 sterben an den Folgen, vor allem deshalb, weil sie keine Medikamente gegen die Immunschwäche bekommen. Dennoch gibt es in dem Bericht auch einige ermutigende Zeichen: In einigen Ländern gehe der Anteil der Infizierten an der gesamten Bevölkerung zurück. Das gelte in Afrika etwa für die Elfenbeinküste, Kenia und Simbabwe. In den beiden letzteren Ländern gebe es Hinweise darauf, dass zum Teil ein verantwortungsvolleres Sexualverhalten die Ursache sei. In den asiatischen Ländern Thailand, Kambodscha und Birma gehe der Anteil der Infizierten zurück, in Vietnam und Indonesien hingegen steige er.

    Hotspot südlich der Sahara

    Weltweit zerfällt die Aidsepidemie in zwei große Muster, heißt es in dem Report "Aids Epidemic Update 2007". Im Süden Afrikas ist das Virus so weit verbreitet, dass sich Menschen aus allen Teilen der Bevölkerung anstecken. Hier leben 22,5 Millionen Infizierte, und hierher stammten 76 Prozent aller Aids-Toten.

    Auch mehr als zwei Drittel aller Neuinfektionen (68 Prozent) ereigneten sich südlich der Sahara. Im Rest der Welt konzentrierten sich die Fälle vor allem auf die Risikogruppen der Homosexuellen, Drogenabhängigen und Prostituierten sowie deren Sexpartner, erklärt UNAIDS. 2007 lebten 2,5 Millionen Kinder unter 15 Jahren mit HIV/Aids, 90 Prozent von ihnen im südlichen Afrika. Unter den Aids-Toten dieses Jahres sind UNAIDS zufolge 330 000 Kinder.

    Massives Gefälle zwischen den Ländern

    Wie in den vergangenen Jahren gibt es ein großes Gefälle bei den Opferzahlen: In Nordamerika sowie West- und Zentraleuropa zusammen starben im Jahr 2007 etwa 33 000 Menschen an Aids. Im Süden Afrikas waren es 1,6 Millionen. Das HI-Virus zerstört eine Gruppe von Blutzellen, die an der Koordination des Immunsystems beteiligt sind. Damit werden die Infizierten anderen Krankheiten weitgehend schutzlos ausgeliefert. Medikamente können den Verlauf nur bremsen, das Virus aber nicht aus dem Körper drängen.

    Link zu UNAIDS

    Bericht download: Aids Epidemic Update 2007

    science.ORF vom 21. November 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Mit Homöopathie gegen Aids oder Malaria

    Einige Homöopathen wollen jetzt auch Aids oder Malaria behandeln – obwohl normale Praxis ist, dass bei schweren Krankheiten oder Infektionen die Schulmedizin bemüht wird. Die britische Regierung streicht Kliniken, die auf Homöopathie spezialisiert sind, die öffentlichen Gelder.

    Homöopathie ist wirkungslos - das ist die Grundaussage, mit der eine Gruppe von Forschern und Medizinern in England eine Kampagne gegen die heilsamen Kügelchen und therapeutischen Verdünnungsreihen führt. Seit zwei Jahren bemüht sich die Gruppe um Michael Baum, einem emeritierten Professor für Chirurgie des University College in London, die Homöopathie aus dem öffentlichen Gesundheitssystem zu verdrängen. Mit Erfolg: Ab kommendem Jahr werden Kliniken, die auf Homöopathie spezialisiert sind, die öffentlichen Gelder gestrichen.

    Ein Bericht in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts "The Lancet" beleuchtet den Streit, der unter Ärzten und Homöopathen um die Heilkraft der Einbildung entbrannt ist.

    Für aktuelle Kritik sorgt ein Symposium, das die Society of Homeopaths, die größte Gesellschaft britischer Homöopathen, zum Welt-Aids-Tag am ersten Dezember veranstaltet. Unter den Rednern ist der holländische Homöopath Harry van der Zee. Er hat Aids-Kranken in Afrika in den Jahren von 2004 bis 2006 ein homöopathisches Medikament namens PC1 verabreicht. Van der Zee beobachtete, wie die Symptome der Infizierten innerhalb kurzer Zeit verschwanden und die Kranken wieder am Alltagsleben teilnehmen konnten. Er glaubt, dass Homöopathen mit diesem Medikament die grassierende Aids-Epidemie in Afrika stoppen können.

    Eine Idee, die die Homöpathie-Kritiker für gefährlich halten. Michael Baum sagte gegenüber "The Lancet": "Es wird immer gesagt, Homöopathie sei harmlos, aber wenn man mit HIV für Homöopathie Reklame macht, ist das ein ernsthaftes Problem." Denn bisher gibt es für die Therapieerfolge keine Beweise.

    Bereits im vergangenen Jahr war die alternative Medizin in England in die Kritik geraten. Mit einer versteckten Kamera hatte ein Fernsehteam Verstöße gegen die Sorgfaltspflicht aufgedeckt. Homöopathische Kliniken und Apotheken hatten britischen Reisenden homöopathische Mittel gegen Infektionskrankheiten wie Malaria oder Gelbfieber empfohlen, obwohl deren Wirksamkeit nicht bewiesen ist. Nach guter Praxis hätten die Homöopathen auf herkömmliche Impfungen verweisen müssen, um die Reisenden nicht zu gefährden. Denn beide Tropenkrankheiten können mit den richtigen Mitteln vermieden werden, ansonsten aber leicht tödlich verlaufen.

    Abgesehen von diesen extremen Fällen stützen die Homöopathie-Kritiker ihre Zweifel vor allem auf klinische Resultate. Im Jahr 2005 hatte "The Lancet" eine zusammenfassende Analyse zur Wirksamkeit der Homöopathie veröffentlicht. Mit dem Ergebnis, dass die meisten homöopathischen Mittel nicht besser als Placebos wirken.

    Damit wandte sich die Kritikergruppe an die örtlichen Primary Care Trusts, die in ganz England für die Gesundheitsleistungen aufkommen. Sie forderten, dass eine wirkungslose Methode nicht weiter finanziert werden solle. Ein Schritt mit Folgen. Eins der fünf Krankenhäuser, die in England Homöopathie anbieten, wird ab März nächsten Jahres keine öffentliche Förderung mehr bekommen. Bei einem weiteren wurden die staatlichen Mittel um 20 Prozent reduziert.

    Die Society of Homeopaths hat sich mittlerweile von ihrem Symposiumsprogramm distanziert. Es ginge nicht um ein Heilmittel gegen Aids oder darum, die Patienten von der Einnahme der konventionellen Medikamente abzuhalten, sagte eine Sprecherin der Gesellschaft der britischen Zeitung "The Independent". Baum kritisiert seit vielen Jahren, dass eine Medizin nicht wirksam sein kann, bei der die aktiven Substanzen manchmal sogar bis unter die Nachweisgrenze verdünnt werden. In der Homöopathie werden Mineralien oder Pflanzenstoffe in minimaler Dosis als Kügelchen oder Tropfen verabreicht. Dabei folgt sie dem Grundgedanken ihres Begründers Samuel Hahnemann, Ähnliches durch Ähnliches zu heilen, und verwendet Substanzen, die ähnliche Symptome wie die der Krankheit hervorrufen. Nach diesem Prinzip wird Koffein in kleinen Dosen gegen Schlaflosigkeit eingesetzt. Warum gerade Geringstmengen wirksam sind, können auch Homöopathen nicht beantworten. Aber kleineren Studien als die "Lancet"-Meta-Studie haben einen positiven Effekt belegt, der über eine Placebo-Wirkung hinausgeht.

    In Deutschland verläuft das Miteinander von Homöopathen und Ärzten friedlicher. "Die Mehrheit der konventionellen Ärzte hier sieht die Homöopathie gelassen", sagt Curt Kösters, zweiter Vorsitzender des Zentralvereins homöopathischer Ärzte. "Sie verstehen nicht, warum es hilft, aber vermitteln die Patienten an uns weiter." Homöopathische Kügelchen gegen Aids? "Von deutschen Homöopathen wird die Homöopathie, wenn überhaupt, begleitend zur konventionellen HIV-Therapie eingesetzt."

    Die WELT vom 19. November 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Homosexueller Geschlechtsverkehr lässt HIV ansteigen

    Mangelnde Hygiene ist der Hauptgrund für die Ausbreitung von HIV beziehungsweise AIDS auf dem chinesischen Festland. Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben (MSM), sind am stärksten gefährdet, mit dem Virus infiziert zu werden, wie ein Beamter des Gesundheitsministeriums erklärte.

    "In der Vergangenheit hatten zwischen 1 und 3 Prozent der MSM HIV beziehungsweise AIDS. Heute liegt der Prozentsatz zwischen 2,5 und 6,5 Prozent", sagte Hao Yang, stellvertretender Leiter des Amtes für Krankheitsprävention und –kontrolle des Gesundheitsministeriums.

    Mehr als die Hälfte der chinesischen MSM haben mehr als einen Sexualpartner, doch nur 10 bis 20 Prozent von ihnen benutzen Kondome, erklärt er. Außerdem seien viele MSM bisexuell, wodurch sie das Risiko der Verbreitung von HIV/AIDS auf ihre Freundinnen, Ehefrauen und Kinder ausweiten.

    Die Zahl der mit HIV infizierten Personen auf dem Festland stieg zwischen Januar und Juni diesen Jahres auf durchschnittlich 3.000 pro Monat, besagen offizielle Zahlen. Um das Problem anzugehen, starteten das Gesundheitsministerium und die Bill und Melinda Gates-Stiftung gestern gemeinsam eine Fünfjahreskampagne zur Aufklärung von MSM über Prävention und Kontrolle von HIV/AIDS.

    Die Stiftung wird 50 Millionen US-Dollar pro Jahr zur Unterstützung der Kampagne investieren, die in 14 großen und mittleren Städten laufen wird. Huang Jiefu, Vizeminister des Gesundheitsministeriums, erklärte: "Das Hauptziel des Programms sind die Eindämmung der Epidemie und die Reduzierung der Rate von Neuinfektionen unter Teilen der Bevölkerung mit hohem Risiko in den Gebieten, die von der Kampagne abgedeckt werden."

    "Wir möchten außerdem die Einführung effektiver Präventions- und Kontrollstrategien in Gebieten, die nicht von der Kampagne abgedeckt werden, fördern." "In Zukunft wird die Regierung den Fokus mehr auf internationale Kooperation und Erfahrungsaustausch im Kampf gegen HIV/AIDS legen", sagte er auf der Eröffnungszeremonie für die Kampagne gestern in Beijing. Die Regierung arbeitet mit dem Globalen Fonds zum Kampf gegen AIDS, Tuberkulose und Malaria, mit den Vereinten Nationen und anderen bilateralen Agenturen zusammen, erklärte er.

    Zahlreiche transnationale Konzerne, wie die Clinton-Stiftung und die Global Entrepreneur Association, sowie Unternehmen wie Merck haben sich ebenfalls dem Kampf gegen HIV/AIDS angeschlossen, besagen Informationen des Ministeriums. "Ich bin großer Hoffnung, dass China es innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre schafft, AIDS unter Kontrolle bringen", sagte Ray Yip, Repräsentant der Bill und Melinda Gates-Stiftung, gestern.

    Er sagt, China habe sich in einer Zeit dem Kampf gegen die Krankheit verpflichtet, in der die Gesamtverbreitung noch sehr niedrig ist – weniger als eins zu 1000. "Zwei notwendige Bedingungen zur Kontrolle von AIDS sind angegangen worden: Zeitnahe Reaktion und ein hohes Maß an Engagement." "Nun ist die einzige noch verbleibende notwendige Bedingung ein effektives Präventionsprogramm", meinte er.

    Quelle: China Daily

    China Internet Information Center vom 19. November 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Immunrekonstitutionssyndrom (IRS) voraussagbar?

    von Patrick Schmid

    Wenn es HIV-positiven Menschen kurz nach dem Start einer antiretroviralen Therapie schlechter geht als davor, ist nicht selten ein IRS dafür verantwortlich.

    Wenige Tage bis ca. 3 Monate nach dem Start einer antiretroviralen Therapie kann es zu einer ausgeprägten, manchmal lebensbedrohlichen Entzündungsreaktion im Körper kommen. Dieses sogenannte Immunrekonstitutionssyndrom (Auch IRS oder IRIS genannt) kommt durch eine rasche Verbesserung der Immunantwort auf eine bereits vor Therapiebeginn latent vorhandene opportunistische Infektion zustande. Dabei können sowohl das ursächliche Pathogen als auch die Organlokalisation ganz unterschiedlich sein. Die Häufigkeit des IRS wird mit 10-25% angegeben. Ein IRS wird vor allem bei fortgeschrittener Immundefizienz beobachtet, typischerweise bei einer CD4-Zellzahl (vor ART-Start) von <100/ul. Diese Patienten müssen nach Therapiebeginn besonders sorgfältig überwacht werden.

    Hilfreich wäre es im klinischen Alltag bereits im Vornherein zu wissen, wer ein IRS entwickeln wird. Wäre das IRS zuverlässig voraussagbar, könnte man Interventionen zu dessen Verhinderung besser untersuchen. So wäre es zu Beispiel denkbar, dass gefährdete Personen parallel zum ART-Start mit Steroiden behandelt würden.

    Eine spanische Gruppe hat bei 50 ART-naiven Patienten (mit CD4 <100/ul) verschiedene immunologische Parameter untersucht, mit dem Ziel Prediktoren für ein IRS zu identifizieren. Erwartungsgemäß fanden sie bei den Patienten, die ein IRS entwickelten einen ausgeprägteren Anstieg der CD4-Zellzahl in den ersten 6 Monaten unter ART. Als einziger Prediktor für ein IRS fand sich vor der Behandlung ein 4-fach erhöhter Wert der CD8+CD25+ Zellen (eine Untergruppe der CD8+ Zellen mit regulatorischer Funktion). Unter Therapie kam es zu einem raschen Abfall der CD8+CD25+ Zellen. Die genaue Funktion dieser Zellpopulation bleibt unklar. Auf weitere Daten sind wir gespannt.

    Quelle: Cianchetta-Sivori, AIDS. 21(17):2347-2349

    Infektiologie St. Gallen vom 19. November 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Impfstudien werden schwieriger

    Trotz Negativstudie: Am Konzept der Lebendimpfung wird festgehalten.

    Berlin - Bei der Impfung gegen HIV setzen Virologen trotz Misserfolgen in einer großen Studie weiterhin auf lebende Viren, die HIV-Bestandteile in den Körper transportieren. Die meisten erwarten aber, dass klinische Studien jetzt schwieriger werden.

    "Wenn wir einen effektiven Impfstoff wollen, müssen wir die Variabilität des HI-Virus nachstellen", sagte Professor Reinhard Kurth vom Robert Koch-Institut zur "Ärzte Zeitung". Weil die Wissenschaftler aber Retroviren wie HIV aus Sicherheitsgründen nicht einsetzen könnten, müssen sie auf andere Viren ausweichen.

    Ein Hoffnungsträger war bisher das Adenovirus 5 (Ad-5). Ein Konstrukt aus Ad-5 und der DNA von drei HIV-Proteinen lieferte aber in einer vor wenigen Tagen beendeten Studie des US-Unternehmens Merck keinen Impfschutz. Tatsächlich waren die Infektionszahlen in der Impfkohorte sogar höher.

    Trotzdem sollte die Ad-5-Strategie nach Kurths Auffassung weiter verfolgt werden. Er plädierte trotz des Misserfolgs dafür, eine mit einem anderen Ad-5-basierten Impfstoff für 2007 geplante Großstudie des US-National Institute for Allergies and Infectious Diseases mit 9.000 Teilnehmern in kleinerem Umfang zu starten. Noch liegt sie auf Eis. Außer Ad-5 sind für Kurth aber auch noch andere Viren als Träger von HIV-DNA denkbar: "Herpesviren zum Beispiel sind noch nicht ausreichend untersucht worden." Der Vorteil: Es ist klar, dass Menschen diese Viren vertragen. Auch Foamy- und Kuhpockenviren sind vielversprechende Kandidaten für Impfstoffe.

    Trotzdem: Die Enttäuschung über die fehlgeschlagene Studie kann kaum ein HIV-Forscher verbergen: "Klinische Studien in Afrika werden jetzt sehr viel schwieriger", sagte Professor Ralf Wagner von der Uni Regensburg. Es sei zu erwarten, dass noch viel stärker als bisher zunächst die Sicherheit des Impfstoffs nachgewiesen werden müsse. Auch Wagner berichtete von einer Studie, die wegen der jüngsten Probleme nun erst einmal verschoben wurde.

    Ärzte-Zeitung vom 14. November 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Brasilien zeigt Pharmaindustrie kalte Schulter

    Strategie mit Schattenseiten - Andere Medikamente werden teurer

    Sao Paulo - Durch die Verhandlungen mit Pharmafirmen zur Reduzierung der Preise von Aids-Medikamenten und die Herstellung von billigen generischen Versionen ist es Brasilien gelungen, eine Milliarde Dollar zu sparen. Die Infektionsrate konnte laut einer Studie der Harvard School of Public Health http://www.hsph.harvard.edu auf einem ähnlichen Wert wie in Amerika gehalten werden. Derzeit haben mehr als 180.000 Brasilianer Zugang zu Aids-Medikamenten. Details der Studie wurden in der Public Library of Science http://medicine.plosjournals.org veröffentlicht.

    Brasiliens Umgang mit HIV und Aids wird seit langer Zeit für die Kombination von effektiver Behandlung und aggressiven Safe-Sex-Kampagnen gelobt. 1996 war Brasilien das erste Entwicklungsland, das sich dazu verpflichtet hat, freien und allgemeinen Zugang zu Medikamenten gegen Aids zur Verfügung zu stellen. Die aktuelle Studie geht davon aus, dass es Brasilien mit dieser Strategie gelungen ist, zwischen 2001 und 2005 rund eine Milliarde Dollar zu sparen. Mit der Drohung selbst billigere generische Versionen von Medikamenten herzustellen, hat Brasilien wiederholt Pharmafirmen dazu gebracht ihre Preise zu senken. In diesem Jahr wurde das Patent für Efavirenz gebrochen und eine billigere Version des Medikaments aus Indien importiert.

    Pharmafirmen warnten, dass derartige Aktionen dazu führen könnten, dass weniger Geld in die Forschung investiert werden würde. Brasilien hält dagegen, dass diese Entscheidung im allgemeinen Interesse getroffen worden sei. Aus diesem Grund würden auch generische Versionen von acht Medikamenten hergestellt, für die die offiziellen Stellen über kein Patent verfügen. Bis zu einem gewissen Grad fällt diese Strategie derzeit laut BBC ihrem eigenen Erfolg zum Opfer. Laut der aktuellen Studie sind die Kosten für Medikamente rapide angestiegen. Verantwortlich dafür wird gemacht, dass die Medikamente mehr Menschen zur Verfügung stehen, die gleichzeitig eine höhere Lebenserwartung haben.

    Pressetext Austria - Meldung vom 14. November 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Kaletra für Kinder von FDA zugelassen

    Abbott erhält Genehmigung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde für neue Kaletra(R)-Tablette (Lopinavir/Ritonavir) mit niedrigerer Stärke für pädiatrische HIV-Patienten

    Abbott Park, Illinois - Abbott wird die neue Lopinavir-/Ritonavir-Tablette mitniedrigerer Stärke registrieren und in mehr als 150 Ländernverfügbar machen, um einen weitläufigeren Zugriff für die mehr als 2Millionen mit HIV infizierten Kinder weltweit zu ermöglichen

    Abbott hat heute bekannt gegeben, dass es die Genehmigung von der US- amerikanischen Gesundheitsbehörde U.S. Food and Drug Administration (FDA) für eine neue Tablettenrezeptur mit niedrigerer Stärke für seinen führenden HIV- Proteasehemmer Kaletra(R)(Lopinavir/Ritonavir) erhalten hat. Das Arzneimittel wird in Entwicklungsländern auch unter dem Namen Aluvia(R) (Lopinavir/Ritonavir) vermarktet. Die Kaletra-Tabletten mitniedrigerer Stärke werden noch diesen Monat in den USA verfügbar sein.

    Abbott erwartet die Vermarktungsgenehmigung der EMEA für die Kaletra-/Aluvia-Tabletten mit niedrigerer Stärke. Nach Erhalt der Vermarktungsgenehmigung durch die EMEA beabsichtigt Abbott, diese neue Tablettenrezeptur in mehr als 150 Ländern zu registrieren. Die Rezeptur der Weichgelkapsel LPV/r ist der weltweit am meisten registrierte Proteasehemmer. Die ursprüngliche Tablettenrezeptur ist bereits in 93 Ländern verfügbar. Abbott erwartet in 45 weiteren Ländern eine Genehmigung für diese Rezeptur.

    Die Genehmigung dieser Kaletra-Tablette mit niedriger Stärke stellt aus folgenden Gründen einen wichtigen Schritt im anhaltenden globalen Kampf Abbotts gegen HIV dar:

    Für die Tabletten ist keine Kühlung erforderlich. Sie können mit oder ohne eine Mahlzeit eingenommen werden - ein bedeutender Fortschritt bei der Bereitstellung von HIV-Arzneimitteln für Kinder in Entwicklungsländern. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass Ende 2006 2 Millionen Kinder in Sub-Sahara-Afrika mit HIV/AIDS lebten. Die neuen Tabletten mit niedriger Stärke sind kleiner als die ursprünglichen Kaletra-Tabletten und enthalten denselben bewährten Wirkstoff wie die oral einzunehmende Kaletra-Lösung Abbotts. Die Kaletra-Tablette mit niedriger Stärke wurde für Kinder mit einem Körpergewicht von mindestens 15 Kg, die in der Lage sind, die ganze Tablette zu schlucken, genehmigt. Die Genehmigung durch die FDA erweitert die verfügbaren Optionen zur Behandlung von Kindern mit HIV mit der ersten und einzigen koformulierten Proteasehemmertablette.

    "HIV/AIDS hat auch weiterhin verheerende globale Auswirkungen, vor allem unter den mehr als zwei Millionen Kindern, die in aller Welt mit dieser Krankheit leben müssen", sagte Dr. med. Scott Brun, Divisional Vice President der Entwicklungsabteilung für Infektions- und Nierenkrankheiten der globalen pharmazeutischen Forschungs- und Entwicklungssparte Abbotts. "Abbott hat eine Tablettenrezeptur mitgeringerer Stärke für Kaletra entwickelt, um Ärzten eine innovative Behandlungsoption zu bieten, die dabei helfen kann, die Auswirkungen einer HIV-Infektion bei Kindern zu bekämpfen."

    Der Preis der kürzlich genehmigten Tablette mit niedriger Stärke beträgt in Entwicklungsländern die Hälfte des Preises der Originaltablette.

    Abbott Laboratories – Pressemeldung vom 13. November 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Stiftung „Sexualität und Gesundheit“ gegründet

    Neue Stiftung fördert positives Verständnis für Sexualität und tritt Diskriminierung entgegen - Friedensnobelpreisträger spricht bei konstituierendem Treffen des Fachbeirates.

    Köln - Die neue Gemeinnützige Stiftungsgesellschaft Sexualität und Gesundheit (GSSG) hat heute in Köln ihre Arbeit aufgenommen. Auf der konstituierenden Sitzung diskutierte der Fachbeirat über Stiftungssatzung und erste Projekte. Dem Fachbeirat gehören Expertinnen und Experten aus dem Gesundheitswesen, der Sexualberatung, dem sozialen, politischen und kirchlichen Bereich, dem Marketing und dem Stiftungswesen an.

    Die Stiftung Sexualität und Gesundheit entwickelt Projekte im Segment „sexual and reproductive health“ und legt einen Schwerpunkt auf die gesundheitliche Aufklärung. Sie will der Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen entgegentreten, die durch eine HIV-Infektion, ihre sexuelle Orientierung, einen Migrationshintergrund oder eine Behinderung auf Schwierigkeiten stoßen. Sie will mit ihren Aktivitäten vor allem Hilfe zur Selbsthilfe leisten, fördert aber auch Projekte Dritter. Vorläufig sind die verfügbaren Mittel jedoch begrenzt, so dass sich die Stiftung in den ersten Monaten auf eigene Projekte konzentrieren wird.

    Erste Stiftungsprojekte laufen bereits. Dazu gehört die Aktion „Lifeboat“, ein Medienprojekt, bei dem es um Schwangerschaft und Kinder von Frauen mit einer HIV-Infektion geht. Das Projekt „Sexsicher“ (www.sexsicher.de) informiert über sexuell übertragbare Krankheiten und ihre Vermeidung. Die Stiftung trägt und fördert ein Internetportal für Menschen mit Behinderungen und sie unterstützt das bundesweite Netzwerk Frauen und Aids. Die Zeitschrift DHIVA, ein Fachmagazin, das seit 1994 über alles informiert, was Frauen rund um HIV interessiert, gehört ebenfalls zu den ersten geförderten Projekten.

    Gesellschafterin und Stifterin der GSSG ist Harriet Langanke, Journalistin aus Köln. Sie bestätigt damit den Trend im Stiftungswesen, dass sich immer mehr Frauen mit einer Stiftungsgründung für die Gesellschaft engagieren. Auf der konstituierenden Sitzung sprach Dierk Timm von der Dresdner Bank über ethische Vermögensanlagen. Thomas Gebauer stellte die Organisation medico international vor, die vor genau zehn Jahren für die Kampagne gegen Landminen den Friedensnobelpreis erhalten hat.

    Gemeinnützige Stiftungsgesellschaft Sexualität und Gesundheit – Pressemeldung vom 12. November 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zweite klinische Phase-II Studie mit Fosalvudine gestartet

    Ladenburg - Die Heidelberg Pharma AG, ein auf die Entwicklung neuer Wirkstoffe gegen Krebs und AIDS spezialisiertes Unternehmen, hat mit der Rekrutierung der ersten Patienten für die zweite klinische Phase-II-Studie für den Wirkstoffkandidaten Fosalvudine als HIV-Therapie begonnen. Am 6. November wurde der erste Patient in die Studie eingeschlossen.

    Die Studie wird in 6 Zentren mit insgesamt 36 Patienten in Russland und Argentinien durchgeführt. Es handelt sich um eine randomisierte, doppel-blinde Phase II-Studie bei HIV-1-infizierten Patienten, die während einer vorangegangenen antiviralen Therapie eine Resistenz gegen multiple NRTI (Nukleosid-Reverse Transkriptase Inhibitoren) entwickelt haben. Teilnehmende Patienten erhalten über 14 Tage täglich oral 10, 20, 40 mg Fosalvudine in Kombination mit mindestens zwei antiretroviralen Wirkstoffen oder weiterhin ihre bisherige Medikation. Evaluiert werden die Reduktion der Viruslast, die Verträglichkeit und die Pharmakokinetik von Fosalvudine. Die Rekrutierung aller Patienten sollte noch 2007 abgeschlossen werden, so dass im ersten Quartal 2008 mit den Ergebnissen aus der Studie gerechnet werden kann.

    Dr. Erwin Boehm, verantwortlich für die medizinische Entwicklung bei Heidelberg Pharma AG, kommentiert: "Fosalvudine hat sich in der ersten Phase II-Studie, die im ersten Halbjahr 2007 abgeschlossen wurde, als wirksam gegen HIV-1 und gut verträglich in vorher noch unbehandelten HIV-1-Patienten erwiesen. Die jetzige Studie zielt auf die Wirksamkeit und Verträglichkeit in Patienten, die über längere Zeit antiviral behandelt wurden und nunmehr aufgrund einer Resistenzentwicklung nicht mehr ausreichend auf herkömmliche Therapien ansprechen. Sie stellt somit einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung von Fosalvudine dar."

    Fosalvudine

    Fosalvudine ist ein Nukleotid-Inhibitor (Hemmstoff) der Reversen Transkriptase für die Behandlung von HIV-1-Infektionen (NRTI). Im Fokus der Entwicklung von Fosalvudine stehen solche HIV-1-Stämme, die eine Resistenz gegenüber Therapie mit herkömmlichen NRTI entwickelt haben und somit nur noch schwer therapierbar sind. Fosalvudine ist ein ´Enhanced Pro-Drug´ von Alovudine. Die Ursprungssubstanz Alovudine ist zwar gegen NRTI-resistente HIV-1-Stämme wirksam, aufgrund von Nebenwirkungen ist die klinische Entwicklung jedoch nicht möglich. Fosalvudine hat das Potential der deutlich besseren Verträglichkeit bei gleichzeitiger vergleichbarer Wirksamkeit in therapieresistenten HIV Patienten.

    Heidelberg Pharma AG Pressemeldung vom 12. November 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    3000 neue Aids-Kranke pro Monat

    Nach offiziellen Angaben stiegen zwischen Januar 2006 und Juni 2007 die Anzahl der Personen die sich mit dem HIV-Virus infiziert haben, monatlich um 3.000 Personen.

    Das "Chinese Center for Disease Control and Prevention" veröffentlichte nun die aktuellen Zahlen der Aids-Erkrankungen in China. Demnach waren Ende September etwa 220.000 Menschen aus 31 Provinzen und Gemeinden gemeldet, die am Aids-Virus HIV erkrankt waren. Allein in diesem Jahr wurden dem "Chinese Center for Disease Control and Prevention" 32.235 neu HIV / AIDS Fälle gemeldet worden. Mehr als 3.000 Menschen sind in diesem Jahr bereits an AIDS gestorben.

    Die Provinzen Henan, Guangxi, Yunnan, Anhui und Hubei haben die höchste Anzahl von AIDS Patienten. Auf sie entfallen nahezu 83 Prozent der AIDS-Patienten in China. Die häufigsten AIDS-Fälle werden wiederum in den Provinzen Yunnan, Henan, Guangxi, Guangdong und Xinjiang verbucht, auf die landesweit 76 Prozent entfallen.

    Der stellvertretender Direktor des "Chinese Center for Disease Control and Prevention" "Wang Ning", äußerte sich besorgt über den Anstieg der Zahl von AIDS Fällen die durch Geschlechtsverkehr übertragen wurden. Nach seiner Auskunft entfielen 2006, 30 Prozent der Fälle in denen der HIV-Virus übertragen wird, auf den Geschlechtsverkehr verschiedener Geschlechter und 3,1 Prozent auf den Geschlechtsverkehr gleichgeschlechtlicher Sexualpartner.

    Für das Jahr 2007, so "Wang Ning" weiter, sei der Anteil der Übertragung bei unterschiedlichen Geschlechtspartnern jedoch bereits auf 37,9 Prozent angestiegen. Einen Rückgang konnte nach dem "Chinese Center for Disease Control and Prevention" nur bei den Risikogruppen wie Drogenkonsumenten und Prostituierten festgestellt werden.

    Quellen: http://Chinadaily.com.cn

    China Nachrichten vom 6. November 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Wie der neue Integrasehemmer Raltegravir den Turbo zündet

    von Andrea Witteck

    Der neue Integrasehemmer Raltegravir verblüfft durch seinen ausgesprochen raschen Abfall der Viruslast. Was sind die Gründe für diese "übernatürliche" antivirale Potenz?

    Verglichen mit Efavirenz führt Raltegravir - jeweils kombiniert mit Lamivudin(3TC) und Tenofovir - signifikant schneller zu einer vollständig supprimierten Virämie (HIV-RNA <50 Kop./ml, s. Abb. re*). Die dabei zu beobachtende Kinetik stellt die bisherigen Modelle der langsameren 2. Phase der HIV-Elimination in Frage.

    Klassischerweise hat der Rückgang der HIV-RNA im Blut unter antiretroviraler Therapie einen biphasischen Verlauf: Die schnellere 1. Phase zeigt eine durchschnittliche Halbwertszeit von 0,9-1,6 Tagen und erstreckt sich über die ersten 7-10 Tage. Die langsamere 2. Phase weist eine mittlere Halbwertszeit von 14 Tagen auf und führt bei erfolgreicher Therapie zur Suppression der HIV-RNA unter die Standard-Nachweisgrenze von 50 Kop./ml.

    In einer von Murray et al. im AIDS 2007, 21:2315-2321 publizierten, randomisierten Phase II-Studie erhielten >=18jährige, bislang nicht antiretroviral behandelte HIV-Positive (HIV-RNA >=5000 Kop./ml, CD4-Zellzahl >=100/ul) in einem 1. Teil eine 10tägige Monotherapie mit entweder Raltegravir (2x täglich 100, 200, 400 bzw. 600mg) oder Placebo (5 Gruppen zu je ca. 8 Patienten). Bei den mit Raltegravir behandelten Patienten fand sich - unabhängig von der Dosis - ein deutlicher monophasischer Rückgang der HIV-RNA um im Mittel 2,2 log10 Kop./ml. Die durchschnittliche Halbwertszeit der hier untersuchten 1. Phase der HIV-Elimination lag bei 1,2 Tagen (kein signifikanter Unterschied zwischen den 4 Dosisgruppen).

    Im separaten 2. Teil der Studie wurden 150 zusätzliche Patienten für eine 48wöchige Kombinationstherapie eingeschlossen, wobei auf eine der 4 Raltegravir-Dosierungen oder Efavirenz (600mg täglich am Abend) - jeweils in Kombination mit Lamivudine (3TC) (300mg 1x täglich) und Tenofovir (300mg 1x täglich) - randomisiert wurde (5 Gruppen zu je ca. 40 Patienten). In allen 4 Raltegravir-Gruppen wurde die Suppression der HIV-RNA unter die Nachweisgrenze schneller erreicht als in der Efavirenz-Gruppe. Von Therapietag 15 bis 57 hatten Patienten im Raltegravir-Arm eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit vollständig supprimiert zu sein (HIV-RNA <50 Kop./ml) (p<=0,047). Da zwischen den 4 Raltegravir-Dosierungen keine Unterschiede erkennbar waren, wurden die 4 Gruppen im Folgenden kombiniert analysiert. Bis Therapietag 168 war die HIV-RNA in der kombinierten Raltegravir-Gruppe signifikant niedriger. Im Mittel fiel die HIV-RNA zwischen Therapietag 1 und 15 bei den kombinierten Raltegravir-Patienten von 58.350 auf 98 Kop./ml und in der Efavirenz-Gruppe von 70.200 auf 537 Kop./ml. Zwar waren die Halbwertszeiten der 2. Phase der HIV-Elimination (lineare Regression der HIV-RNA log10 Kop./ml Tag 15 bis 1. Zeitpunkt mit HIV-RNA <50 Kop./ml) für Patienten im Raltegravir- und Efavirenz-Arm nicht signifikant verschieden (15,5 versus 18,3 Tage, p=0,2). Zu Beginn der 2. Phase lag die HI-Viruslast in der kombinierten Raltegravir-Gruppe jedoch um 70% tiefer als in der Efavirenzgruppe (p<0,0001), was für einen ausgeprägteren Virusabfall in der 1. Phase spricht.

    Dass Raltegravir somit auch eine Reduktion der Virusproduktion in der 2. Phase der HIV-Elimination bewirkt, ist überraschend. Bisher wurden folgende Hypothesen aufgestellt, woher das für die Viruslast in der 2. Phase verantwortliche Virus stammen könnte:

    a) Virusproduktion durch langlebige, infizierte Zellen,
    b) Virusdissoziation von follikulären dendritischen Zellen oder
    c) Virusproduktion durch produktive, infizierte CD4-Zellen, die sich infolge der abfallenden HIV-Antigen-Spiegel dem Immunsystem des Wirts entziehen.

    Keines dieser Modelle, in denen entweder die Ursprungszellen des Virus bereits infiziert sind bzw. Virus bereits produziert, aber an den dendritischen Zellen gebunden vorliegt, ließe sich durch die Wirkungsweise eines Integrasehemmers beeinflussen. Diese blockieren die Integration proviraler HIV-DNA in die DNA der Wirtszelle und verhindern somit - nach bereits erfolgter reverser Transkription der HIV-RNA - eine produktive Infektion der Zelle.

    Um nun die Wirkung von Integrasehemmern auf die Virusproduktion in der 2. Phase der HIV-Elimination erklären zu können, stellten die Autoren 3 neue Hypothesen auf, welche sie testeten, in dem sie entsprechende mathematische Modelle mit der in der Studie beobachten HIV-Kinetik unter Raltegravir-Therapie verglichen.

    Modell 1*:
    Die neue produktive Infektion (I; blaue Linie), welche das Virus (V) der 2. Phase generiert, geht von langlebigen, infizierten Zellen (M; grüne Linie) aus. Letztere weisen die langsame Zerfallsrate auf, welche in dieser Phase beobachtet wird, und übertragen diese Dynamik auf neu infizierte Zellen und das Virus der 2. Phase. Der Integrasehemmer (durchgezogene Linie) hat gegenüber Reverse Transkriptase- und Protease-Hemmern einen zusätzlichen hemmenden Effekt auf die von langlebigen infizierten Zellen ausgehende neue produktive Infektion, so dass er die HI-Viruslast der 2. Phase stärker senkt als Efavirenz (gestrichelte Linie).

    Modell 2:
    Während der Integrasehemmer-Effekt in Modell 1 theoretisch durch potentere Reverse Transkriptase- oder Protease-Hemmer imitiert werden könnte, simuliert Modell 2 einen Infektionsprozess, welcher durch die herkömmlichen HIV-Medikamente nicht beeinflussbar ist. Das Virus der 2. Phase stammt hier von latent infizierten Zellen mit nicht integrierter viraler DNA (D; rote Linie) (DNA = roter Balken), welche aktiviert werden und damit in produktive, infizierte Zellen (I; blaue Linie) konvertieren.

    Sowohl Modell 1 als auch 2 liefern eine konsistente Erklärung für die unter Raltegravir beobachteten Effekte. Die in beiden Fällen resultierende Zunahme von nicht-integrierter HIV-DNA scheint sich auf die Überlebensfähigkeit der Zellen nicht negativ auszuwirken.

    Modell 3:
    Dagegen war das dritte Modell, bei dem die bessere Wirksamkeit des Integrasehemmers auf eine bessere Penetration von "sanctuary site" und Wirkung auf die dortigen produktiven, infizierten Zellen (IS; grüne Linie) zurückgeführt wurde, weniger gut mit der Realität vereinbar. Verglichen mit Efavirenz zeigte dieses Modell für den Integrasehemmer eine kürzere Halbwertszeit bzgl. der Viruselimination in der 2. Phase, welche in der Studie nicht beobachtet werden konnte (dort kein signifikanter Unterschied).

    Unter antiretroviraler Therapie nimmt der Pool latent infizierter Zellen langsam ab, mit einer Halbwertszeit von 6-44 Monaten, woraus für die vollständige Viruselimination Schätzungen zwischen 8 und >60 Jahre resultieren. Die Abnahme des latenten Pools ist dabei von der residuellen viralen Replikation abhängig. Indem der Integrasehemmer Raltegravir auf virale Komponenten wie die nicht-integrierte HIV-DNA wirkt, welche durch die bisherigen HIV-Medikamente nicht beeinflusst werden konnte, erhöht er die Effektivität der antiretroviralen Therapie und könnte somit den Zerfall des latenten Pools beschleunigen. Immerhin übertrifft in ruhenden CD4 T-Zellen die Gesamt-HIV-DNA die integrierte HIV-DNA um das 100fache.

    Raltegravir wurde am 12. Oktober 2007 im Fast-track Verfahren in den USA durch die FDA zugelassen.

    Quelle: Murray et al, AIDS 2007

    * Die Grafiken finden Sie auf der Seite unter: http://www.infekt.ch/index.php?artID=1353

    Infektiologie St. Gallen - Meldung vom 5. November 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV- und Tuberkulose-Epidemie bedroht Afrika

    90 Prozent der Betroffenen sterben nach wenigen Monaten

    Kapstadt - Eine steigende Anzahl von Doppelinfektionen mit HIV und Tuberkulose hat zu einer epidemischen Ausbreitung der beiden Krankheiten in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara geführt. Laut dem Forum for Collaborative HIV Research http://www.hivforum.org ist die Gesundheitsversorgung nicht in der Lage, die Epidemie einzudämmen. Weiter verschlimmert wird die Lage dadurch, dass die Resistenz gegen Tuberkulose-Medikamente in Regionen mit einer hohen HIV-Infektionsrate immer weiter ansteigt. Veronica Miller, Direktorin des Forums, berichtete, dass die Hälfte aller neuen Tuberkulose-Erkrankungen in dieser Region in Kombination mit einer HIV-Infektion auftreten.

    Tuberkulose ist nicht selten. Rund 20 Prozent der Weltbevölkerung ist betroffen. Häufig bricht die Krankheit laut BBC jedoch nicht aus. In den afrikanischen Slums ist die Krankheit laut der Studie weit verbreitet. Da HIV in manchen Regionen das Immunsystem von mindestens einem Viertel der Bevölkerung zerstört hat, erkranken viele an Tuberkulose und stecken gleichzeitig ihre ansonsten gesunden Nachbarn an. Laut dem BBC-Journalisten Peter Greste gehören die Bezirke rund um Kapstadt zu den am stärksten betroffenen.

    In einer im Westen der Stadt gelegenen Gemeinde erkrankt ein Kind 100 Mal wahrscheinlicher an Tuberkulose als jeder Mensch in den Entwicklungsländern. Der in Kapstadt arbeitende Wissenschaftler Stephen Lawn erklärte, dass die vorhandenen Tests eine Erkrankung häufig erst zu spät erkennen und dass das Gesundheitswesen dem nichts entgegensetzen kann. Ohne eine entsprechende Behandlung sterben 90 Prozent der Menschen mit HIV wenige Monate nachdem sie sich mit Tuberkulose angesteckt haben.

    Orginaltext unter: http://www.hivforum.org/uploads/TB/110207%20HIV%20TB%20final.pdf

    Pressetext Austria vom 2. November 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Geplante Vorrats-Datenspeicherung gefährdet Online-Beratung der Aids-Hilfen

    Berlin - Voraussichtlich am 8. oder 9. November 2007 soll der Bundestag den Gesetzentwurf zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung verabschieden, den Bundesjustizministerin Zypries vorgelegt hat.

    Bislang hatten alle Bürger/innen die Möglichkeit, die unverzügliche Löschung der eigenen Telefonnummer nach Beendigung eines Gespräches zu verlangen. Dem Entwurf zufolge sollen zukünftig nicht nur die Daten der Telefongespräche für sechs Monate "auf Vorrat" gespeichert werden, sondern auch alle E-Mails und alle Internetaktivitäten. Die Deutsche AIDS-Hilfe kritisiert diesen Gesetzentwurf, da sich über die Speicherung von Daten faktisch das gesamte elektronische Kommunikationsverhalten des Einzelnen analysieren lässt.

    Auch wenn der Inhalt der Gespräche oder der Chats geschützt bleibt, wirkt das Wissen um die Protokollierung abschreckend auf Ratsuchende - gerade dann, wenn es um sehr persönliche Themen wie Sexualität, Gesundheit oder Drogengebrauch geht. Für die Aidshilfen bedeutet dies eine konkrete Gefährdung ihrer Arbeit im Online-Bereich: Die individuelle Beratung zu sensiblen Themen ist nur dann effektiv, wenn die Ratsuchenden den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Online-Beratung vertrauen und sich darauf verlassen können, dass ihre Kontakte zu den Beraterinnen und Beratern anonym bleiben.

    Dies ist jedoch gefährdet, wenn die Speicherung der Kommunikationsumstände Rückschlüsse auf persönliche Problemlagen der Ratsuchenden zulässt. "Aus Sicht der Deutschen AIDS-Hilfe brauchen Themen wie Sexualität, Gesundheit und Drogen einen besonders geschützten Raum. Gerade für Menschen, die sich um ihre Gesundheit sorgen oder befürchten, sich infiziert zu haben, ist es wichtig, dass ihr Kontakt zur Aidshilfe ihre ganz persönliche Angelegenheit bleibt", betont DAH-Bundesgeschäftsführer Dr. Luis Carlos Escobar Pinzón. Auch Karl Lemmen, DAH-Referent für Psychosoziales und Qualitätsentwicklung, fordert: "Hier müssen nicht nur Inhalte geschützt werden, sondern allein schon die Information, wer mit welcher Organisation in Kontakt tritt."

    Die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. schließt sich deshalb dem Aufruf des Arbeitkreises Vorratsdatenspeicherung zu dezentralen Kundgebungen am 6. November 2007 an und fordert eine Aussetzung des Gesetzgebungsverfahrens, bis alle rechtlichen Fragen im Sinne der informationellen Selbstbestimmung geklärt sind.

    Deutsche AIDS-Hilfe e.V. Pressemeldung vom 2. November 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Trizivir funktioniert als Erhaltungstherapie für HIV

    von Pietro Vernazza

    Trizivir - eine Kombinationstablette aus AZT, 3TC und ABV vermag die Viruskonzentration zu unterdrücken. Eine Studie der SHCS bestätigt frühere Resultate.

    Vor vielen Jahren hat die Swiss Maintenance Study (SMT, eigentlich SimplifiedMS) gezeigt, dass eine einfache Therapie mit 2x1 Tablette Trizivir genügt, um eine einmal supprimierte Virusvermehrung stabil unterdrückt zu halten (Opravil, JID, 2002).

    Nun hat eine erneute Analyse der Kohortendaten der Schweizer Kohorte die guten Ergebnisse der SMT bestätigt. Patienten, welche zuvor nie ein Therapieversagen hatten, können eigentlich sorglos von einer gut wirksamen HIV-Therapie mit nicht nachweisbarer Viruslast im Blut auf Trizivir umgestellt werden.

    Allerdings zeigte sich in der Studie auch, dass 8 Jahre nach Beginn der Trizivir-Therapie die Hälfte Patienten von Trizivir auf eine andre Therapie umgestellt wurden. Nur selten waren ein Therapieversagen Grund dafür: Meist dürften es Gründe der Verträglichkeit oder der Furcht vor AZT-Nebenwirkungen gewesen sein. Viele Patienten ziehen auch eine einmal tägliche Therapie vor und nehmen dafür lieber einmal täglich zwei oder drei Tabletten.

    Die Analyse zeigt noch etwas. Es kommt drauf an, ob man eine Therapie als Induktionsthereapie einleitet (also zu Beginn bei hoher Viruskonzentration im Körper) oder als Erhaltungstherapie (wenn die Viruskonzentration bereits auf nicht nachweisbare Werte gesunken ist. Denn Trizivir hat in der ACTG-Studie, wo sein Einsatz mit EFV+CBV in der Induktionstherapie verglichen wurde, versagt. Die Tatsache, dass eine optimale Suppression unter Trizivir-Erhaltungstherapie auch über acht Jahre anhält bedeutet, dass für die Suppression eine weniger potente Therapie genügt. Genau dieses Prinzip wenden wir ja auch bei der PI-Monotherapie an.

    Quelle: Wolbers et al, AIDS, 2007; 21:2201-7

    Infektiologie St. Gallen - Meldung vom 31. Oktober 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Nelfinavir ist jetzt wieder zugelassen

    Basel - Die Europäische Kommission hat die Marktzulassung von Viracept® wieder erteilt. Das hat das Unternehmen Hoffmann-La Roche in Basel mitgeteilt.

    Die Zulassung des Arzneimittels war im August dieses Jahres aufgehoben worden, nachdem in einigen Chargen eine Verunreinigung festgestellt worden war. Es handelte sich um die Substanz Ethylmesylat (Methansulfonsäureethylester).

    Daraufhin hatte das Unternehmen im Einvernehmen und in Kooperation mit den Gesundheitsbehörden (EMEA und Swissmedic) in Europa und einigen anderen Regionen alle Chargen Pulver und Tabletten vom Markt zurückgerufen. Die USA, Kanada und Japan waren von diesem Rückruf nicht betroffen.

    Nach einer Mitteilung ist das Unternehmen jetzt fest entschlossen, die Versorgung mit dem Medikament so bald wie möglich wiederherzustellen. Der Zeitpunkt der Wiedereinführung werde von Land zu Land unterschiedlich sein. Viracept®, das den Wirkstoff Nelfinavir enthält, ist ein Proteasehemmer zur Behandlung von HIV-Patienten. Erstmals wurde es 1999 auf den Markt gebracht.

    Ärzte-Zeitung vom 31. Oktober 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Vor 25 Jahren: Erste Aids-Fälle in Deutschland

    Behandlungskonzepte aus Frankfurt.

    Frankfurt - Vor 25 Jahren wurden in Deutschland die ersten Aids-Fälle beschrieben. Seither hat sich viel verändert: Eine HIV-Infektion ist zwar noch immer nicht heilbar, Aids aber gut behandelbar. „Mit den heutigen Medikamenten ist es möglich, den Patienten ein fast normales Leben zu ermöglichen“, sagt Christoph Josef Stephan, Arzt in der Frankfurter Aids-Ambulanz, einer bundesweit angesehenen Einrichtung, die Entscheidendes zur Aids-Forschung beigetragen hat. Unter anderem wurden dort 1982 die ersten Fälle dieser damals noch unbekannten Krankheit als solche erkannt, beschrieben und im November veröffentlicht.

    Die Statistiken des Berliner Robert-Koch-Instituts weisen für das Jahr 1982 vier Aids-Patienten aus, einer in München, einer in Berlin und zwei in Frankfurt. Die heute 71 Jahre alte Infektions-Expertin Prof. Eilke Brigitte Helm erinnert sich noch gut an die beiden knapp 40 Jahre alten Männer, die in jenem Sommer im Frankfurter Universitätsklinikum behandelt wurden. Der eine litt unter schwerem Durchfall und einer Lungenentzündung, der andere hatte ohne ersichtlichen Grund extrem hohes Fieber. Die Kollegen waren ratlos - nicht aber die Infektiologen. „Wir haben darauf gewartet. Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch bei uns die ersten Patienten auftauchen“, erinnert sich Helm.

    Die damals 46 Jahre alte Oberärztin und ihr damaliger Chef, der inzwischen verstorbene Prof. Wolfgang Stille, kannten die Berichte aus den USA über einen neuartigen rätselhaften Immundefekt mit dem Namen „Aquired Immune Deficiency Syndrome“, kurz Aids. „Als ich diese Patienten sah, wusste ich: Das ist Aids“, erinnert sich Helm. Im November 1982 pubilizierten die Frankfurter Infektiologen die Krankengeschichte zweier Patienten in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift. „Das war die erste Verlaufsbeobachtung dieser neuen Krankheit in Deutschland“, behauptet Helm.

    1983, als Luc Montagnier in Frankreich und Robert Gallo in den USA das für die Krankheit verantwortliche Virus identifizierten, lief am Frankfurter Universitätsklinikum eine große Studie an, die der Klinik Geld einbrachte, mit dem die Aids-Ambulanz aufgebaut und Assistenzarztstellen geschaffen werden konnten. Helm berichtet von Jahren harter Arbeit: „Tagsüber haben wir Patienten behandelt, nachts an den Studien gearbeitet und zwischendurch Anträge geschrieben für Fördermittel.“

    Dabei konnte man den Kranken ja zunächst kaum helfen. Bevor Ende der 80er Jahre die ersten Medikamente auf den Markt kamen, konnten die Ärzte nur die Begleiterkrankungen behandeln und damit das Sterben um einige Monate hinauszögern. „Früher haben wir hier nur schwer kranke, sterbende Patienten gesehen“, berichtet Pflegedienstleiterin Michaela Bracone. „Heute sind die Patienten berufstätig.“ Heute lebt ein HIV-Patient nach dem Ausbruch der Krankheit durchschnittlich zehn Jahre. Für jeden von ihnen wird die heute übliche Kombinationstherapie aus verschiedenen Medikamenten individuell maßgeschneidert, erklärt Dr. Stephan.

    Auch zu diesem Fortschritt hat Frankfurt Entscheidendes beigetragen: „Wir haben zwar keine Medikamente erfunden, aber wir haben die Behandlungskonzepte dafür entwickelt“, sagt Helm. Einer der Pioniere in diesem Bereich ist Prof. Schlomo Staszewski, Leiter des Aids-Schwerpunktes des Uniklinikums und Inhaber des ersten deutschen Aids-Lehrstuhls. Nach einem schweren Autounfall ist er derzeit außer Dienst.

    1.500 Patienten betreut die Ambulanz derzeit, knapp 300 neue Patienten kommen jährlich dazu. Noch reichen die Kapazitäten der Ambulanz aus, sagen die Mitarbeiter. Aber die Zahl der Neuinfektionen steigt und damit könnte es in Zukunft vielleicht auch in der Ambulanz eng werden, befürchtet der Arzt. In der Infektionsstation, in der die schwer kranken Patienten behandelt werden, könne es hingegen schon vorkommen, dass alle 18 Betten belegt seien. „Die finanzielle Ausstattung ist unzureichend, sagt Prof. Helm, „wir müssen immer noch um Geld kämpfen.

    Offenbach-Post vom 30. Oktober 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Mediziner empfehlen "mehr gezielte Tests"

    Um neue Infektionen zu verhindern, sollten künftig deutlich mehr Menschen auf den Virus untersucht werden, ist das Ergebnis der europäischen Aids-Konferenz.

    Die Mediziner haben in Europa deutliche Fortschritte im Kampf gegen Aids erzielt, von einem Sieg über die Immunschwäche-Krankheit sind sie aber noch weit entfernt. Dies ist das Ergebnis der 11. Europäischen Aids-Konferenz, die am Samstag in Madrid zu Ende ging.

    „Bei der medikamentösen Behandlung von Aids-Kranken sind zwar noch weitere Verbesserungen möglich“, sagte der spanische Mediziner Santiago Moreno. „Einen wirklichen Durchbruch wird es aber erst geben, wenn ein Impfstoff entwickelt worden ist.“

    Die in letzter Zeit entwickelten Medikamente hätten dazu beigetragen, die Möglichkeiten zur Aids-Behandlung stark zu verbessern. „Wir sind mittlerweile in der Lage, bei der Behandlung von Infizierten in fast 100 Prozent Erfolge zu erzielen, egal wie weit die Krankheit fortgeschritten ist“, sagte Moreno.

    Infektionen früher erkennen

    Mit Hilfe neuer Medikamente sei die Lebenserwartung von Aids-Kranken verlängert worden. Eine vorrangige Aufgabe bestehe nun darin, Infektionen früher zu erkennen. In Europa leben nach Angaben der Mediziner etwa 2,5 Millionen Menschen, die mit dem Aids-Virus HIV infiziert sind. Aber nur 50 Prozent der Fälle seien diagnostiziert, betonte José Gatell, Präsident der Europäischen Gesellschaft für Aids-Behandlung (EACS).

    Dies bedeute, dass mehr als eine Million Europäer HIV-infiziert seien, ohne davon zu wissen. In den USA werde praktisch jeder Bürger, der mit dem Gesundheitssystem in Kontakt komme, automatisch auf das HIV-Virus getestet, erklärten die Mediziner. In Europa sei ein solch generalisierendes Vorgehen „auf Grund der europäischen Mentalität“ kaum durchsetzbar. In Europa sollten stattdessen mehr „gezielte Aids-Tests“ vorgenommen werden.

    Es sollten zum Beispiel in der Bevölkerung Risikogruppen identifiziert werden. Zudem sei es möglich, Krankheiten zu bestimmen, die auf eine Infektion hindeuteten. An der viertägigen Konferenz in der spanischen Hauptstadt nahmen mehr als 4000 Experten aus 97 Ländern teil. Das nächste Treffen findet in zwei Jahren in Köln statt.

    Süddeutsche Zeitung vom 29. Oktober 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neue europäische Guidelines

    Die europäische Aidsgesellschaft (EACS) hat neue Guidelines herausgegeben: Neben aktualisierten Therapieempfehlungen für HIV-infizierte Erwachsene enthalten die Guidelines das erste Mal auch Empfehlungen zur Prävention und zum Management von metabolischen Erkrankungen bei HIV und Guidelines für die Koinfektion mit Hepatitis B und C.

    Die wichtigsten Neuerungen:

    Früherer Therapiestart

    Ein Therapiebeginn bei asymptomatischen Patienten mit 201-350 CD4-Zellen/µl wird jetzt empfohlen statt ihn nur zu erwägen. Und die europäischen Guidelines sind jetzt die einzigen, nach denen ein Therapiestart bestimmten Patienten auch mit mehr als 350 CD4-Zellen angeboten werden sollte: Bei einer Viruslast >10.000 Kopien/ml und/oder Abfall der CD4-Zellzahl 50-100 µl pro Jahr oder älter als 55 Jahre oder Koinfektion mit Hepatitis C.

    Firstline

    AZT/3TC ist nur noch als Alternative für die initiale Therapie empfohlen und der PI Indinavir sollte gar nicht mehr in der Firstline eingesetzt werden.

    Metabolische Erkrankungen bei HIV

    Neu aufgenommen wurden Empfehlungen für die metabolischen Erkrankungen bei HIV: Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen, Management von Dyslipidämien und Hypertonie, Prävention und Management der Lipodystrophie und Hyperlaktatämie, Therapie des Diabetes Typ II sowie Prävention und Management der Hyperlaktatämie.

    Hepatitis-Koinfektion

    Auch neu sind die Empfehlungen zum Management und zur Therapie der chronischen Hepatitis B und C bei HIV-infizierten Erwachsenen mit allgemeinen Empfehlungen zum Screening, zur Impfung und Prävention sowie detaillierten Therapie-Algorithmen für HBV/HIV und HCV/HIV.

    Die dritte Ausgabe der European Society (EACS) Guidelines gibt es als handliche DIN A 6 Papierversion und die Guidelines können von der Internetseite http://www.eacs.eu/ heruntergeladen werden.

    Quelle: 11th European AIDS Conference; October 24-27, 2007; Madrid, Spain

    HIV&More vom 29. Oktober 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Fortschritte im Kampf gegen Aids

    Die Mediziner haben in Europa deutliche Fortschritte im Kampf gegen Aids erzielt, von einem Sieg über die Krankheit sind sie aber noch weit entfernt. Dies ist das Fazit der 11. Europäischen Aids-Konferenz, die am Samstag in Madrid zu Ende ging.

    «Bei der medikamentösen Behandlung von Aids-Kranken sind zwar noch weitere Verbesserungen möglich», sagte der spanische Mediziner Santiago Moreno. «Einen wirklichen Durchbruch wird es aber erst geben, wenn ein Impfstoff entwickelt worden ist.»

    Die in letzter Zeit entwickelten Medikamente hätten dazu beigetragen, die Möglichkeiten zur Aids-Behandlung stark zu verbessern, sagte Moreno. Mit Hilfe neuer Medikamente sei die Lebenserwartung von Aids-Kranken verlängert worden.

    «Wir sind mittlerweile in der Lage, bei der Behandlung von Infizierten in fast 100 Prozent Erfolge zu erzielen, egal wie weit die Krankheit fortgeschritten ist», sagte Moreno.

    Früherkennung vorantreiben

    Eine vorrangige Aufgabe besteht laut Moreno nun darin, Infektionen früher zu erkennen. In Europa leben etwa 2,5 Millionen Menschen, die mit dem Aids-Virus HIV infiziert sind.

    Aber nur die Hälfte der Fälle sei diagnostiziert, betonte José Gatell, Präsident der Europäischen Gesellschaft für Aids-Behandlung (EACS). Dies bedeute, dass mehr als eine Million Europäer HIV- infiziert seien, ohne davon zu wissen.

    In den USA werde praktisch jeder Bürger, der mit dem Gesundheitssystem in Kontakt komme, automatisch auf das HIV-Virus getestet, erklärten die Mediziner. In Europa sei ein solch generalisierendes Vorgehen «auf Grund der europäischen Mentalität» kaum durchsetzbar.

    Die Forscher schlagen vor, in Europa mehr «gezielte Aids-Tests» vorzunehmen. Zum Beispiel sollten in der Bevölkerung Risikogruppen identifiziert werden. Zudem sei es möglich, Krankheiten zu bestimmen, die auf eine Infektion hindeuteten.

    An der viertägigen Konferenz in der spanischen Hauptstadt nahmen mehr als 4.000 Experten aus 97 Ländern teil.

    20min.ch vom 27. Oktober 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Müssen HIV-Positive zukünftig ihre Therapie selbst bezahlen?

    Von Bernd Vielhaber

    Gesundheitsministerium plant Verschärfung des Verschuldensprinzips in der gesetzlichen Krankenversicherung.

    Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit, hat der Bundestag mit dem Gesetz zur Stärkung des Wettbewerbs in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz - GKV-WSG), Anfang dieses Jahres das Verschuldensprinzips in die gesetzliche Krankenversicherung eingeführt. Die "Gesundheitsreform 2007" eröffnet nunmehr den Krankenkassen die Möglichkeit, die Krankheitskosten auf die Patienten abzuwälzen.

    Seit dem 1. April 2007 gilt:

    "§ 52 Leistungsbeschränkung bei Selbstverschulden
    (1) Haben sich Versicherte eine Krankheit vorsätzlich oder bei einem von ihnen begangenen Verbrechen oder vorsätzlichen Vergehen zugezogen, kann die Krankenkasse sie an den Kosten der Leistungen in angemessener Höhe beteiligen und das Krankengeld ganz oder teilweise für die Dauer dieser Krankheit versagen und zurückfordern.

    (2) Haben sich Versicherte eine Krankheit durch eine medizinisch nicht indizierte Maßnahme wie zum Beispiel eine ästhetische Operation, eine Tätowierung oder ein Piercing zugezogen, hat die Krankenkasse die Versicherten in angemessener Höhe an den Kosten zu beteiligen und das Krankengeld für die Dauer dieser Behandlung ganz oder teilweise zu versagen oder zurückzufordern."[1]

    Nur am Rande: Ebenfalls mit dem GKV-WSG hat der Bundestag - zum Entsetzen aller Fachleute und gegen deren ausdrücklichen Rat - "therapiegerechtes Verhalten" in das SGB V geschrieben[2] und nicht therapiegerechtes Verhalten mit dem Versagen der erniedrigten Zuzahlung bei chronisch Kranken sanktioniert.

    "Die [für die erniedrigte Zuzahlungsbefreiung bzw. Zuzahlungsbefreiung notwendige] jährliche Bescheinigung darf nur ausgestellt werden, wenn der Arzt ein therapiegerechtes Verhalten des Versicherten, beispielsweise durch Teilnahme an einem strukturierten Behandlungsprogramm nach § 137f, feststellt; dies gilt nicht für Versicherte, denen das Erfüllen der Voraussetzungen nach Satz 7 nicht zumutbar ist, insbesondere wegen des Vorliegens von Pflegebedürftigkeit der Pflegestufen II und III nach dem Elften Buch oder bei einem Grad der Behinderung von mindestens 60. Das Nähere regelt der Gemeinsame Bundesausschuss in seinen Richtlinien. Die Krankenkassen sind verpflichtet, ihre Versicherten zu Beginn eines Kalenderjahres auf die für sie in diesem Kalenderjahr maßgeblichen Untersuchungen nach § 25 Abs. 1 und 2 hinzuweisen."

    Der Gemeinsame Bundesausschuss quält sich derzeit mit der Definition des therapiegerechten Verhaltens.

    Leider waren weder Sozialverbände noch Deutsche AIDS-Hilfe in der Lage, die Einführung des Verschuldensprinzips und des therapiegerechten Verhaltens in die gesetzliche Krankenversicherung zu verhindern. Allerdings müssen sie sich aus Sicht der Redaktion vorwerfen lassen, dass ihr Widerstand gegen diesen Gesetzentwurf nicht sehr öffentlich war.

    Nun hat Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt einen in ihrem Hause entstehenden Gesetzentwurf öffentlich gemacht, eine erhebliche (!) und in keinster Weise hinzunehmende Ausweitung der bestehenden Gesetzeslage bedeutet.

    Frecherweise hat sie die Änderungen des SGB V in dem Entwurf eines Gesetzes zur strukturellen Weiterentwicklung der Pflegeversicherung (PfWG-E) versteckt, wo sie eigentlich überhaupt nichts zu suchen haben. Das sieht dann doch sehr nach absichtlicher Verschleierung und bewusster Irreführung der Bevölkerung aus.

    Verfolgt man die derzeit sehr aufgeregt geführte Diskussion über die Verlängerung der Zahlung von ALG I für ältere Arbeitslose, muss man schlicht konstatieren, dass die sozialen und finanziellen Auswirkungen der von Frau Schmidt angestrebten Verschärfungen des SGB V, ungleich einschneidender sind und eine erheblich größere Bevölkerungsgruppe betreffen, als die so emotional und heftig diskutierte Verlängerung der ALG I-Zahlung.

    Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Patienten, die sich "eine selbstverschuldete oder selbst zu verantwortende Krankheit zugezogen haben", für die damit zusammenhängenden Krankheitskosten (also: Diagnostik, Behandlung, Krankengeld) auch selbst zu zahlen haben [3].

    Die Formulierung des Referentenentwurfes weitet den Kreis von vorsätzlich - (oder bei einem Verbrechen oder vorsätzlichen Vergehen) zugezogener Krankheit (siehe oben) auf "selbstverschuldete oder selbst zu verantwortende Krankheit" aus.

    Über die explizit erwähnten ästhetische Operation, eine Tätowierung oder ein Piercing, ließe sich das zum Beispiel auch auf Diabetiker, (teilweise) Organtransplantierte, Raucher, Haushaltsunfälle, Sportunfälle, Verkehrsunfälle, Übergewichtige, sexuell übertragbare Krankheiten und natürlich auch auf HIV-Positive anwenden.

    Damit würde die Privatisierung gesundheitlicher Risiken noch weiter vorangetrieben. Das der endgültige Abschied von der gesetzlichen Krankenversicherung in ihrer heutigen Form - das Ende des Solidarprinzips.

    Darüber hinaus erweist sich offensichtlich nun auch noch die Umsetzung des derzeit geltenden Verschuldensprinzips in der Praxis als schwierig, da die Krankenkassen bislang nicht nachweisen können, dass eine "selbstverschuldete Krankheit" vorliegt. Deshalb sollen nun die Ärzte zum Handlanger der Krankenkassen gemacht werden.

    In diesem Zuge sollen behandelnde Ärzte dazu verpflichtet werden, Informationen über Patienten bzw. deren selbstverschuldete oder selbst zu verantwortende Krankheiten an die Krankenkassen zu melden, die darauf hin entscheiden (können), ob und wenn ja in welchem Umfang der betreffende Patient zur Kasse gebeten wird.

    In den § 294 a SGB V wird dazu ein Absatz 2 eingefügt, der lauten soll:

    "Liegen Anhaltpunkte dafür vor, dass Versicherte sich eine Krankheit vorsätzlich oder bei einem von ihnen begangenen Verbrechen oder vorsätzlichen Vergehen oder durch eine medizinische nicht indizierte Maßnahme, wie zum Beispiel eine ästhetische Operation, eine Tätowierung oder ein Piercing zugezogen haben (§ 52), sind an der vertragsärztlich teilnehmenden Ärzte und Krankenhäuser verpflichtet, den Krankenkassen die erforderlichen Daten mitzuteilen." [4]

    Es ist absolut inakzeptabel, dass die ärztliche Schweigepflicht ausgehöhlt werden soll. Damit wird das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient nachhaltig beeinträchtigt. Die ärztliche Meldepflicht für so genannte selbstverschuldete Krankheiten muss verhindert werden.

    Kommentar

    Wie soll man so etwas kommentieren? Es kommentiert sich eigentlich selbst.
    Eine breite Koalition mit verschiedenen Krankengruppen und lauter und sehr deutlicher (!) Protest scheint zwingend notwendig zu sein.
    Sind Deutsche AIDS-Hilfe und Selbsthilfe dazu in der Lage?

    Quellen:
    [1] § 52 Abs. 2 SGB V zuletzt geändert durch das Gesetz zur Stärkung des Wettbewerbs in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz - GKV-WSG) vom 26. März 2007 - veröffentlicht im Bundesgesetzblatt Jahrgang 2007 Teil I Nr. 11, ausgegeben zu Bonn am 30. März 2007 S 378 ff, hier S. 386. Im Internet zu erreichen unter:
    http://www.bmg.bund.de/cln_040/nn_603214/DE/Gesetze-und-Verordnungen/zur-Gesetzlichen-Krankenversicherung/zur-gesetzlichen-krankenversicherung-node,param=.html__nnn=true bzw. http://frei.bundesgesetzblatt.de/index.php?teil=I&jahr=2007&nr=11 oder http://bundesrecht.juris.de/sgb_5/__52.html
    [2] § 62 Abs. 1, Satz 4 SGB V zuletzt geändert durch das Gesetz zur Stärkung des Wettbewerbs in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz - GKV-WSG) vom 26. März 2007 - veröffentlicht im Bundesgesetzblatt Jahrgang 2007 Teil I Nr. 11, ausgegeben zu Bonn am 30. März 2007 S 378 ff, hier S. 11. Im Internet zu erreichen unter: http://www.bmg.bund.de/cln_040/nn_603214/DE/Gesetze-und-Verordnungen/zur-Gesetzlichen-Krankenversicherung/zur-gesetzlichen-krankenversicherung-node,param=.html__nnn=true bzw. http://frei.bundesgesetzblatt.de/index.php?teil=I&jahr=2007&nr=11 oder http://bundesrecht.juris.de/sgb_5/__62.html
    [3] Entwurf eines Gesetzes zur strukturellen Weiterentwicklung der Pflegeversicherung (PfWG-E) - Referentenentwurf vom 10. September 2007, S. 233. Im Internet zu erreichen unter: http://www.bmg.bund.de/cln_040/nn_603200/DE/Gesetze-und-Verordnungen/Gesetzes-und-Verordnungsentwuerfe/gesetzes-und-verordnungsentwuerfe-node,param=.html__nnn=true
    [4] ebenda, Seite 71

    hivcommunity.net vom Oktober 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    FDA registriert neue HIV-Medikamentenklasse

    von Pietro Vernazza

    Die U.S. Food and Drug Administration (FDA) hat am 12. Oktober 07 in einem fast-track Verfahren den ersten Integrasehemmer zur Behandlung der HIV-Infektion zugelassen.

    Mit Raltegravir (Isentress) wurde der erste Vertreter einer neuen Klasse eines HIV-Medikamentes, den Integrase-Hemmern zuge-lassen. Die Integrase ist ein Enzymkomplex welches vom HIV-Virus unter Zuhilfenahme von Zellbestandteilen aufgebaut wird. Die In-tegrase hat die Aufgabe, die im Zytoplasma aus dem Übersetzungsvorgang von RNA zu DNA (reverse Transkription) entstandene Kopie des Virusgenoms in die zelluäre Erbsubstanz im Zellkern einzuschleusen. Der Import einer DNA (also das Provirus) in den Zellkern ist ein Pro-zess, der in der normalen Zelle nie vorkommt. Daher eignet sich der Angriff auf diese virale Zellstruktur, weil die gezielte Hemmung dieses Schrittes keine zellulären Schritte beeinflusst und somit potentiell wenige Nebenwirkungen verursachen wird.
    Mit der Produktion von Integrase-Hemmern ist es gelungen Substanzen zu produzieren, wel-che ein sehr günstiges Nebenwirkungsspektrum haben. Die ersten Dosisfindungs-Studien zeig-ten nach 16 Wochen solch eindrückliche Resul-tate, dass die Firma Merck die Substanz bereits mit einer relativ bescheidenen Datenlage zur Registrierung eingereicht hat.

    Die FDA ist nun diesem Begehren nachge-kommen. Die Substanz wird vorerst bei vorbe-handelten Patienten eingeführt werden, die nicht mehr viele Behandlungsoptionen offen haben. Sobald weitere Studienresultate verfügbar sind, wird auch diese Substanz vor der Einführung als Ersttherapie nicht halt machen.

    Quelle: The Body Pro

    Infektiologie St. Gallen - Meldung vom 17. Oktober 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Medikament für Kinder zugelassen

    Ein Medikament zur Behandlung von Kindern ab sechs Jahren, die mit dem Virustyp HIV-1 infiziert sind, ist jetzt von der Europäischen Zulassungsbehörde (EMEA) für den europäischen Markt freigegeben worden.

    Dadurch ist das Präparat des Pharmazeuten GlaxoSmithKline mit dem Wirkstoff Fosamprenavir ab sofort auch für Kinder einsetzbar, die Zulassung für Erwachsene gibt es bereits seit 2004. Der Hersteller will das HIV-Medikament in 64 Entwicklungsländern zum Selbstkostenpreis abgeben.

    Yahoo News vom 16. Oktober 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Therapie erreicht viele Aids-Kranke nicht

    Nur 60 Prozent aller Aids-Patienten in Afrika werden zwei Jahre nach Therapiebeginn einer Studie zufolge noch mit den nötigen Medikamenten behandelt. Viele seien in diesem Zeitraum bereits gestorben. In westlichen Ländern setzen nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 80 Prozent der Patienten ihre Behandlung auch nach zwei Jahren noch fort.

    Verschiedene Gründe

    Von denjenigen Erkrankten in Afrika, die nach zwei Jahren nicht länger antivirale Medikamente einnehmen, sei in diesem Zeitraum fast jeder zweite (40 Prozent) gestorben, heißt es in der Studie. Die übrigen Patienten würden Behandlungstermine nicht wahrnehmen, ihre Medikamente nicht abholen oder seien an andere Krankenhäuser überwiesen worden. Einige seien auf andere Behandlungsmethoden umgestiegen.

    "Bedrückendes Ergebnis"

    Die Zahlen spiegelten ein bedrückendes Ergebnis wider, sagte Charlie Gilks von der WHO-Aids-Abteilung, der an der Studie nicht beteiligt war. Angesichts der enormen Herausforderungen sei eine Quote von 60 Prozent allerdings ein ziemlich guter Wert.

    Die WHO wollte bis zum Jahr 2005 drei Millionen HIV-Infizierten in Afrika antivirale Medikamente zur Verfügung stellen. Tatsächlich wurden 1,3 Millionen Menschen behandelt. Bisher bräuchten weitere 4,8 Millionen die Mittel, insgesamt leben rund 25 Millionen in Afrika mit der Immunschwächekrankheit.

    Späte Behandlung, lange Anreise

    Für die Studie wurden 32 Veröffentlichungen zu Aids-Patienten in 13 afrikanischen Ländern zwischen 2000 und 2007 ausgewertet. In der Regel werden Patienten in Afrika erst mit antiviralen Medikamenten behandelt, wenn sie schon wesentlich kränker sind als Patienten in westlichen Staaten.

    Sie würden die Mittel vermutlich länger einnehmen, wenn sie nicht dafür bezahlen müssten, sagte WHO-Sprecher Gilks. Außerdem sei der Betrieb in großen Kliniken mit langen Wartezeiten für die Patientenbindung nicht förderlich, erklärte Gilles van Cutsem von der Organisation Ärzte ohne Grenzen.

    Quelle:
    Die Studie "Patient Retention in Antiretroviral Therapy Programs in Sub-Saharan Africa: A Systematic Review" von Sydney Rosen (Boston University School of Public Health) und Kollegen ist im Open-Access-Journal "PLoS Medicine" erschienen.
    Zur Studie: http://medicine.plosjournals.org/perlserv/?request=get-document&doi=10.1371/journal.pmed.0040298

    Science ORF vom 16. Oktober 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neues Protein blockiert HIV

    Wenn das HI-Virus einen Menschen erst einmal infiziert hat, ist es für die Abwehr zu spät. Der Erreger der tödlichen Immunschwäche Aids baut seine Erbsubstanz fest in die DNA seines Opfers ein, vermehrt sich schnell und löscht einen Teil der Immunzellen aus. Dann ist der Körper zahlreichen anderen Krankheiten schutzlos ausgeliefert. Daher soll dem Virus der Weg in die Zelle verstellt werden.

    Bislang gibt es nur einen Wirkstoff dafür. Dieses Präparat namens Fuzeon bringt allerdings eine ganze Reihe von Nachteilen mit sich. Nun berichtet eine Gruppe um Michael Kay von der Universität von Utah in Salt Lake City von einer Alternative. Die US-Forscher haben ein kleines Protein geschaffen, das den Infektionsmechanismus des Erregers auf neue Weise blockiert, schreiben sie in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS"). Ihr Verfahren sei so weit fortgeschritten, dass mit klinischen Studien begonnen werden könne.

    Blockierter Anker

    Die Hoffnung war groß, als im Jahr 2003 mit Fuzeon erstmals nach sieben Jahren wieder eine neue Klasse von HIV-Präparaten zugelassen wurde. Der Fuzeon-Wirkstoff Enfuvirtide ist ein kleines Protein. Es ist so konstruiert, dass es genau in ein Protein auf der Oberfläche von HIV hineinpasst. Dieses gp120-Protein ist der Anker, mit dem sich HIV an den menschlichen Zellen festhakt. Im zweiten Schritt verändert gp120 seine Form, um Virus und Zelle möglichst nahe zusammenzubringen, um so die Fusion möglich zu machen. Just in diesem Moment bindet sich Fuzeon an gp120 und blockiert es. Die Fusion wird unterbunden. Daher der Name dieser Wirkstoffklasse: Fusions-Inhibitoren.

    Viele Probleme mit Fuzeon

    Das Problem: Fuzeon kostet pro Patient und Jahr etwa 25.000 Dollar (rund 17.000 Euro), es muss zwei Mal am Tag in hoher Dosis gespritzt werden, und es gibt bereits mehrere dagegen resistente Viren, heißt es in "PNAS" Zu allem Überfluss wird das Protein im Körper natürlicherweise von Enzymen abgebaut. Damit ist Fuzeon mehr eine Art letzte Rettung für Patienten, bei denen sonst nichts mehr hilft. Keinesfalls ist das Präparat aber das gesuchte Mittel, um Millionen Menschen vor der Infektion zu bewahren. Ein solcher vorbeugender Schutz ist eines der Hauptziele der Forscher.

    Kay und seine Kollegen haben nun ein neues Protein konstruiert (2K-PIE1), das viele Nachteile von Fuzeon umgeht. Es besteht aus nur acht miteinander verbundenen Aminosäuren. Das Mittel kann geschluckt werden, wird im Körper kaum abgebaut und blockiert das gp120-Protein auf dem Virus ähnlich wie Fuzeon, wenngleich an einer anderen Stelle.

    L- und D-Aminosäuren

    Zwar ist 2K-PIE1 – wie alle Proteine – aus Aminosäuren aufgebaut, die wie in einer Kette aneinander gereiht sind und sich zur Proteinform zusammen knäueln. Aber während die Proteine des Körpers nur aus L-Aminosäuren zusammengesetzt sind, verwendeten Kay und seine Kollegen D-Aminosäuren. Chemisch sind beide kaum voneinander zu unterscheiden, für ein lebendes System sind sie aber so unterschiedlich wie Tag und Nacht. L- und D-Moleküle sind aus den gleichen Atomen zusammengefügt, verhalten sich zueinander aber wie Bild und Spiegelbild. Sie lassen sich nicht zur Deckung bringen. Weil der Körper nicht auf D-Proteine vorbereitet ist, kann er sie bei weitem nicht so schnell abbauen und auch nicht verdauen – sie können daher geschluckt werden, ohne ihre Wirkung zu verlieren.

    Hoffnung auf ein Mikrobizid

    Die Gruppe um Kay testete 2K-PIE1 an zahlreichen HIV-Varianten. Geringe Konzentrationen reichten aus, um sie zu blockieren. Die Forscher suchen derzeit nach neuen, aus einer anderen Abfolge von D-Aminosäuren zusammengefügten Proteinen, deren optimale Länge auch mehr als acht Bausteine betragen könne. Weil das kleine Protein das Virus an anderen Stellen blockiere, könne es in Kombination mit weiteren Wirkstoffen eingesetzt werden. Zudem sei es weniger empfindlich und könne damit vielleicht als Mikrobizid Verwendung finden – als Wirkstoff in einem Gel, das sich Frauen vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide spritzen, um sich vor Infektionen zu schützen.

    Die präsentierten Proteine hätten nun ausreichend Potenzial für vorklinische Studien, heißt es in "PNAS". Möglicherweise könnten ihre besondere Konstruktion und ihre chemischen Eigenarten auch gegen andere Erreger helfen.

    Proceedings of the National Academy of Sciences vom 15. Oktober 2007Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     



     

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