HIV AIDS Infos Online
     

     
      Ausgabe 42
        Jahrgang 13
      November 2008
     
     
    Inhaltsverzeichnis Homepage der Praxis


    Vorbemerkung
    Impressum
    Sponsoren
     
     
     
     
     
     


     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    WHO-Modell: Tests reduzieren Aids-Erkrankungen um 95 Prozent
    Implantierte Funkchips zur AIDS-Bekämpfung
    Viel versprechendes Medikament gegen HIV im Test
    Welt AIDS Tag 2008: Stabilisierung der Zahl der HIV-Infektionen
    Versorgung Aids-Kranker in Hamburg gefährdet
    Rasche Behandlung rettet HIV-infizierte Babys
    Mediziner finden möglichen Auslöse-Mechanismus
    HPV-Impfung verhindert Erkrankungen auch bei Männern
    HIV-Impfstoff von Merck laut STEP-Studie wirkungslos
    HIV- und AIDS-Schwerpunktpraxen nicht gefährdet
    Patient besiegt HI-Virus dank Knochenmarkspende
    Obama fördert Kondome
    Positiv 2008 - länger leben, aber verarmt?
    Neue Studie nährt Hoffnung auf Impfstoff gegen Aids
    Warum Impfstoffe gegen HIV scheitern können
    Zur Infektiosität von Tuberkulosepatienten bei HIV-Koinfektion
    Kunstprotein setzt HIV außer Gefecht
    Diagnostik und Behandlung HIV-betroffener Paare mit Kinderwunsch
    Darunavir/r bei intensiv vorbehandelten Kindern gut wirksam und verträglich
    US-Politik gefährdet das Leben von Tausenden Frauen
    HIV-Infektion und Schwangerschaft
    Früher Therapiebeginn senkt Sterblichkeit
    Müde Kämpfer - Alterungsprozess HIV-spezifischer Killerzellen
    Aids und Malaria nehmen ab
    Raltegravir ist Efavirenz in der Firstline-Therapie nicht unterlegen
    Ergebnisse der weltgrößten Patientenbefragung zur Therapie
    330.000 Todesfälle durch unterlassene HIV-Therapie in Südafrika
    HI-Virus kann sich aus einer einzigen Zelle neu ausbreiten
    Nur 1 von 60 Schnell-Getesteten HIV-positiv
    Basics: HIV-Neudiagnosen
    Forscher glauben nicht an baldigen Impfstoff
    APOBEC-3G - körpereigene Virusabwehr
    ICH WEISS WAS ICH TU!
    AIDS-Patienten sind schmerztherapeutisch unterversorgt
    Erholung des Fettabbaus durch Umstellung der ART?
    Aids-Prävention unter Schwulen hat sich verschlechtert
    Umfrage in China zu HIV/AIDS
    Wissenschaftskrimi um den Aids Erreger
    "Es wird zu viel Aufhebens darum gemacht"
    Deutsche Aids-Hilfe hat neuen Vorstand
    Was Zahnärzte über HIV-Patienten wissen sollten...
    HIV griff mit Verstädterung um sich
    Aids-Beratung per Telefon und Internet
    Gib Gummi!
    Die Viruslast senken
    Warum Geschlechtserkrankungen das HIV Infektionsrisiko steigern
    Studie: Immer mehr Drogensüchtige HIV-positiv
    HIV im Sperma auch unter vollständig suppressiver Therapie
    Wissen hilft (vielleicht)
    Komplementärmedizin kann HIV-Therapie gefährden!
    Wissenschaftler fordern die Freilassung der HIV-Forscher
     
     
     
     
     
     
     
     
     

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    Vorbemerkung
     
    Die HIV AIDS Infos sind eine Zusammenstellung aus Internetquellen, Mail- und Newsgroups und erstreckt sich jeweils über einen Zeitraum von ca. drei bis vier Monaten. Die einzelnen Artikel sind mit einem Link auf die Orginalartikel versehen und chronologisch geordnet. 
    Es wird auf diese Weise schnell über neue Entwicklungen und Änderungen in den Bereichen Epidemiologie, medizinischer Behandlung, ambulanter Pflege und psychosozialer Beratung bei HIV-Infektion und AIDS-Erkrankung informiert. Die HIV AIDS Infos erscheinen in regelmäßigen Abständen und informieren interdisziplinär über Änderungen und Neuerungen auf dem Gebiet von HIV und AIDS.

     

    Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    WHO-Modell: Tests reduzieren Aids-Erkrankungen um 95 Prozent

    Unterschiedliche Qualität der Gesundheitsversorgung als Hemmschuh
     
    Genf - Allgemeine HIV-Tests, gefolgt von sofortiger Behandlung, könnten die Zahl der Aids-Erkrankungen um bis zu 95 Prozent reduzieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO http://www.who.int. Darüber hinaus soll eine derartige Strategie die Übertragung von HIV praktisch unmöglich machen. Die Studie versuchte mittels Computermodellen herauszufinden, was passiert, wenn jeder Mensch über 15 Jahren jährlich einem HIV-Test unterzogen würde. Die WHO räumt aber auch ein, dass die schlechte Gesundheitsversorgung in manchen Ländern bedeute, dass derartig umfassende Tests nicht wirklich realistisch sind, berichtet BBC News.

    Auf den ersten Blick sind die Ergebnisse der Studie ein klares Argument für umfassende Tests. Sie könnten wie Tests für hohen Blutdruck oder Cholesterin zur Routine werden. Diagnose und unmittelbar folgende Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten könnten laut den Wissenschaftlern die Anzahl der Aids-Erkrankungen bei einer generellen Epidemie innerhalb von zehn Jahren von 20 von 1.000 Menschen auf einen von 1.000 Menschen reduzieren. Weiters könnte diese Strategie die Übertragung des Virus und neue Infektionen praktisch komplett verhindern.

    Derzeit sind die HIV-Test und die Behandlung uneinheitlich. Rund drei Mio. Menschen erhalten antiretrovirale Medikamente, weitere 6,7 Millionen würden sie allerdings brauchen. Die WHO steht den Ergebnissen der Studie durchaus positiv gegenüber, warnt aber auch, dass die Durchführbarkeit durch die unterschiedliche Qualität der Gesundheitsversorgung in Frage gestellt werden könnte. Die Behandlung von noch nicht erkrankten Patienten könnte die Resistenz gegen die Medikamente erhöhen. Zudem könnten die Nebenwirkungen einer langfristigen Einnahme dieser Medikamente, die derzeit noch nicht genau erforscht sind, durchaus schwerwiegend sein.

    Pressetext Austria vom 26. November 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Implantierte Funkchips zur AIDS-Bekämpfung

    In der indonesischen Provinz Papua sollen nach einem angeblich von der Mehrheit der Abgeordneten unterstützten Gesetzesvorschlag Menschen, die mit dem HI-Virus infiziert sind, Funkchips implantiert werden. Mit den Regelungen des Gesetzes, das nächsten Monat in Kraft treten könnte, sollen die Ausbreitung der Krankheit überwacht und bekämpft werden.

    Wie die indonesische Tageszeitung Jakarta Post berichtet, soll damit die Bewegung von Personen mit einem "aggressiven Sexualverhalten" kontrolliert werden. Der Abgeordnete John Manangsang begründete die geplante Maßnahme damit, dass die Behörden besser die HIV-Träger identifizieren, verfolgen und bestrafen können, die andere infizieren. Als Strafe vorgesehen sind sechs Monate Haft oder 5.000 US-Dollar Geldstrafe.

    Unklar ist allerdings, wie die geplante Überwachung technisch überhaupt umgesetzt werden soll. Die von dem Abgeordneten Weynand Watari vorgeschlagenen RFID-Chips dürften dafür nicht geeignet sein. Watarie sieht durch die "außergewöhnliche Gesundheitssituation" auch außerordentliche Maßnahmen als notwendig an. In der Provinz gibt es besonders viele HIV-Infizierte, Schätzungen gehen von bis zu 18 Prozent der Bevölkerung aus.

    Ärzte der Welt kritisieren das Vorhaben. Es sein ein "lächerlicher Plan", der die weitere Ausbreitung nicht verhindern könne und die Kranken weiter stigmatisiere. Auch Menschenrechtsgruppen und andere Organisationen lehnen die geplante Maßnahme ab.

    heise newsticker vom 25. November 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren


     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Viel versprechendes Medikament gegen HIV im Test

    Es ist die Nachricht, auf die Millionen Menschen in der ganzen Welt seit Jahrzehnten warten. In den USA wird derzeit ein Medikament getestet, welches gegen HIV immun machen soll. Zurzeit wird die Pille, die täglich eingenommen werden muss, von namhaften Ärzten an mehreren hundert ausgewählten Patienten getestet.

    Geleitet wird der Test von Marcus Conant, einer der ersten Forscher der Welt, die sich mit HIV und Aids beschäftigten und schon 1981 vor den Gefahren warnten. Erste Zwischenergebnisse der Studie werden für Mitte 2009 erwartet.

    Die Probanden, homosexuelle Männer und Prostituierte, werden sich in den kommenden sechs Monaten nicht infizieren, obwohl sie ungeschützten Sex haben, so die optimistische Vorhersage. Im ungünstigsten Fall werde die Pille das Infektionsrisiko um bis zu zwei Drittel senken, heißt es. So gut die Prognosen aber auch klingen mögen. Ein Großteil der Nebenwirkungen ist bereits jetzt bekannt. So wird der Fettstoffwechsel gestört und es kann zu Infarkten und Organversagen kommen.

    Die getestete Pille gehört zu einer Arzneigruppe, die schon seit mehr als zehn Jahren auf dem Markt ist und das Virus blockiert und HIV damit zu einer behandelbaren, chronischen Krankheit gemacht hat.

    PRIDE1 aktuell vom 25. November 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren


     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Welt AIDS Tag 2008: Stabilisierung der Zahl der HIV-Infektionen

    In Deutschland leben nach einer aktuellen Schätzung des Robert Koch-Instituts anlässlich des Welt-AIDS-Tages 2008 rund 63.500 Menschen mit HIV oder AIDS. Von ihnen haben sich geschätzte 3.000 im Jahr 2008 infiziert, ähnlich viele Neuinfektionen waren es im Jahr 2007 gewesen. "Die weiterhin hohe Zahl zeigt, dass Prävention und Forschung unverändert wichtig sind", betont Jörg Hacker, Präsident des Robert Koch-Instituts. Ob es sich nach dem Anstieg der Infektionszahlen zwischen den Jahren 2000 und 2006 um eine dauerhafte Stabilisierung handelt, ist offen. Bei rund 1.100 Menschen haben sich im Jahr 2008 die HI-Viren so stark vermehrt, dass sie an AIDS erkrankt sind. Etwa 650 Menschen mit einer HIV-Infektion sind im Jahr 2008 gestorben.

    Das Epidemiologische Bulletin des Robert Koch-Instituts veröffentlicht in der aktuellen Ausgabe 47/2008 mehrere Beiträge zu HIV/AIDS: eine Analyse der Epidemie in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten, eine Einschätzung zur aktuellen weltweiten Situation, Zwischenergebnisse aus der so genannten HIV-Inzidenz-Studie sowie eine neue Schätzung der "Eckdaten", die im Internet auch für jedes einzelne Bundesland verfügbar ist. Die Eckdaten enthalten eine Schätzung der Zahl der Personen, die mit einer HIV-Infektion leben (HIV-Prävalenz) und der tatsächlich erfolgten HIV-Neuinfektionen im Jahr 2008 (HIV-Inzidenz).

    Unter den 63.500 Menschen, die Ende 2008 mit HIV oder AIDS leben, stellen Männer, die Sex mit Männern haben, mit 38.700 die größte Gruppe. Etwa 8.700 Personen haben sich über heterosexuelle Kontakte infiziert, rund 7.300 Menschen kommen aus so genannten Hochprävalenzregionen und infizierten sich überwiegend in ihren Herkunftsländern und dort bei heterosexuellen Kontakten. Etwa 8.200 HIV-Infektionen gehen auf intravenösen Drogengebrauch zurück.

    Die Schätzung der HIV-Neuinfektionen ist nicht zu verwechseln mit der Zahl der Neudiagnosen. Die Meldungen über Neudiagnosen (die monatlich im Epidemiologischen Bulletin veröffentlicht werden und auch über die Datenbank SurvStat im Internet abrufbar sind) erlauben keinen direkten Rückschluss auf den Infektionszeitpunkt, da HIV-Infektion und -Test zeitlich weit auseinander liegen können. Um das aktuelle Infektionsgeschehen besser bewerten zu können, hat das Robert Koch-Institut die "Inzidenz-Studie" begonnen, die vom Bundesministerium für Gesundheit finanziert wird. Ziele sind die Bestimmung des Anteils aktueller Infektionen an den gemeldeten Diagnosen und die Erhebung von Faktoren, die das Testverhalten beeinflussen. Außerdem sollen Risikofaktoren und -verhalten ermittelt werden, um gezielte, an aktuellen Trends orientierte Präventionsstrategien abzuleiten.

    Das 25-jährige Jubiläum der Deutschen AIDS-Hilfe im Jahr 2008 nimmt das Robert Koch-Institut zum Anlass, einen Blick in die Vergangenheit von HIV zu werfen. Die Ausstellung "Zeitgeist(er) - Skurriles und Nachdenkliches zu HIV" wird am Standort Seestraße 10 in 13353 Berlin gezeigt. Zu sehen ist unter anderem ein Teil der zwischen 1987 und 2002 an das Robert Koch-Institut gerichteten Briefe zu diesem Thema sowie Schlagzeilen der Presse. Die Eröffnung findet am 1.12.2008 um 16.00 Uhr statt. Die Ausstellung kann werktags zu den üblichen Bürozeiten besucht werden.

    Link: Eckdaten BRD und Bundesländer 2008

    Robert Koch-Institut vom 24. November 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Versorgung Aids-Kranker in Hamburg gefährdet

    Die gesetzlichen Krankenversicherungen haben zum 31.12.2008 die Verträge für den besonderen Aufwand bei der Behandlung HIV-Infizierter Patienten in Hamburg gekündigt, obwohl die Gesundheitsreform zum Januar 2009 keine Folgeregelung vorsieht. Diese Kündigung stellt eine große Gefahr für die Versorgung HIV-Infizierter und AIDS-kranker Patienten dar.

    Die Versorgung HIV-Infizierter erfolgt im Wesentlichen durch wenige spezialisierte Institutionen und Praxen, die überwiegend im hausärztlichen Bereich tätig sind. Das Anforderungs- und Leistungsprofil ist jedoch nicht mit dem einer klassischen Hausarztpraxis vergleichbar. Die Aufrechterhaltung einer hohen Behandlungsqualität erfordert eine hochgradige Spezialisierung und eine ständige intensive Weiterbildung. Die Komplexität der Behandlung einer lebensbedrohlichen Erkrankung wie HIV/AIDS geht mit einem hohen Gesprächs- und Beratungsaufwand einher. Diese Umstände wurden bisher mit einer Sonderziffer honoriert. Der Wegfall dieser Sonderziffer bedeutet für eine Schwerpunkteinrichtung die Reduktion der Einnahmen aus der Behandlung aller gesetzlich Versicherten um ca. 40 % und führt unweigerlich zur Insolvenz und zum vollständigen Ende der HIV-Versorgung in Hamburg.

    Die Entscheidung der gesetzlichen Krankenversicherungen (Ausnahme AOK Rheinland / Hamburg) die bisherige HIV-Vereinbarung nicht weiterzuführen, bis eine Nachfolgeregelung gefunden und umgesetzt ist, ist völlig unverständlich. Zumal Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt auf dem Empfang der Deutschen AIDS Hilfe am 13.11.2008 bekräftigt haben, dass Sie sich für den Fortbestand der Versorgung durch niedergelassene Ärzte im bisherigen Umfang einsetzen.

    Die Gesundheit der Patienten und die Ziele der Politik spielen scheinbar keine Rolle mehr, wenn es um die wirtschaftlichen Interessen der gesetzlichen Krankenversicherungen geht. (HAGNAE e. V.)

    blu vom 21. November 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren


     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Rasche Behandlung rettet HIV-infizierte Babys

    Warten auf Symptome verringert Überlebenschancen

    Bethesda - Eine rasche Behandlung von HIV-infizierten Babys kann deren Sterbe- und Erkrankungsrisiko drastisch senken. Zu diesem Ergebnis ist eine internationale Studie gekommen, welche die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu brachte, ihre Richtlinien zu ändern. Bisher wurde empfohlen, mit der Behandlung zu warten, bis Symptome sichtbar werden. Die Studie wies nun nach, dass die Verabreichung der antiretroviralen Therapie (ART) direkt nach der Diagnose das Sterberisiko durch Aids um 76 Prozent verringern kann. Details der Studie wurden im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

    Die Studie mit 377 südafrikanischen HIV-positiven Babys wies nach, dass die Behandlung direkt nach der Diagnose das Sterberisiko durch die Infektion auf nur vier Prozent senkte. Eine Verzögerung der Behandlung, bis die Werte der CD4-Zellen zu fallen begannen oder sich andere Symptome zeigten, erhöhten diesen Wert auf 16 Prozent. Die sofortige Behandlung verringerte auch die Wahrscheinlichkeit des Fortschreitens der Krankheit um messbare 75 Prozent - von 26 auf sechs Prozent. Diese Studienergebnisse waren so eindeutig, dass die Behandlung aller Kinder bereits im Anfangsstadium der Studie entsprechend angepasst wurde.

    Laut der leitenden Wissenschaftlerin Avy Violari vom Comprehensive International Program of Research on Aids (CIPRA-SA) http://www3.niaid.nih.gov/about/organization/daids/CIPRA  bestätigen diese Forschungsergebnisse, dass es keine zuverlässige Möglichkeit der Vorhersage des Krankheitsverlaufes bei so kleinen Kindern gebe. "Die CD4-Werte sagen uns nicht mit ausreichender Genauigkeit, ob ein Kind unter einem Jahr krank werden wird." Alarmierend sei vor allem das schnelle Fortschreiten der Krankheit gewesen. Noch am Morgen habe es Kindern gut gehen können, dann wurden sie plötzlich krank und starben bereits am selben Abend. Manche schafften es laut BBC nicht einmal mehr bis ins Krankenhaus.

    Pressetext Austria vom 20. November 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Mediziner finden möglichen Auslöse-Mechanismus

    Forscher des Universitätsspitals Zürich haben in Tierexperimenten einen Vorgang entdeckt, der erklären könnte, wie bei HIV-Infizierten das Immunschwächesyndrom Aids entsteht.

    Entscheidend ist demnach eine chronische Reizung eines wichtigen Bestandteils des Immunsystems. Laut einer Mitteilung der Universität Zürich vom Dienstag behandelten die Wissenschaftler und Ärzte um Renato Speck über mehrere Wochen Mäuse mit künstlich hergestellten HIV-Teilen und mit Substanzen, die einen Rezeptor namens TLR7 stimulieren. TLR7 hilft dem körpereigenen Abwehrsystem, Viren und Bakterien zu erkennen.

    Die Forscher entdeckten, dass die ständige Stimulation des Rezeptors zu einer ähnlichen Störung des Immunsystems führt, wie sie auch bei HIV-Patienten auftritt. Der Rezeptor sei also wohl ein Schlüsselelement im Mechanismus, der zur fortschreitenden Immunschwäche führe, schreiben die Forscher in der Studie, die im Fachmagazin «Blood» veröffentlicht wurde.

    Selbstaufgabe des Abwehrsystems

    Wissenschaftler gehen schon länger davon aus, dass eine chronische Aktivierung im Immunsystem dazu führt, dass das Abwehrsystem von HIV-Patienten langsam geschwächt wird und dadurch Aids entsteht. Die Zürcher Studie identifizierte nun aber mit TLR7 eine konkrete mögliche Triebfeder.

    Abwehrzellen töten nicht nur Erreger ab, sondern können auch dem eigenen Körper gefährlich werden, erklärte Renato Speck auf Anfrage. Man gehe davon aus, dass bei einer chronischen Aktivierung das lymphatische System angegriffen werde. Weil dieses selbst ein wichtiger Teil des Abwehrsystems ist, wird die Immunabwehr mit der Zeit geschwächt.

    Resultate noch unter Vorbehalt

    Ob die Daten aus dem Experiment mit den Mäusen auf den Menschen übertragbar sind, muss sich laut Speck erst noch zeigen. Immerhin sei eine kürzlich publizierte Arbeit mit Affen zu ähnlichen Resultaten gekommen. Die Blockierung von TLR7 könnte deshalb möglicherweise zu einem neuen Ansatz in der Therapie von HIV-Kranken werden.

    Basler Zeitung vom 18. November 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HPV-Impfung verhindert Erkrankungen auch bei Männern

    Nizza – Der Impfstoff Gardasil®, der derzeit überwiegend bei jungen Mädchen eingesetzt wird, kann auch Jungen und junge Männer vor Infektionen mit dem humanen Papillomavirus (HPV) schützen. In einer Studie des Herstellers, die jetzt auf einem Kongress in Nizza vorgestellt wurde, senkte die Impfung die Rate von Genitalwarzen und präkanzerösen Läsionen.

    Eine HPV-Impfung von Männern dürfte in erster Linie dann sinnvoll sein, wenn diese eine homosexuelle Präferenz (MSM) haben, da hier die Prävalenz von Condylomata hoch ist. An der Phase-IIII-Studie des US-Konzern Merck (in Deutschland MSD) hatten denn auch 600 MSM im Alter zwischen 16 und 26 Jahren teilgenommen.

    Hinzu kamen noch 2.400 heterosexuelle Männer im Alter von 16 bis 23 Jahre. In der Pressemitteilung wird – eine Publikation steht noch aus – keine Unterscheidung zwischen den beiden Gruppen vorgenommen.

    Man darf aber vermuten, dass die meisten der 31 genitalen Läsionen, die im Placebo-Arm der Studie auftraten, bei MSM diagnostiziert wurden. Unter den Geimpften erkrankten nur drei Teilnehmer an dieser Folge einer HPV-Infektion. Dies ergibt eine Effektivität der Impfung von 90,4 Prozent.

    Im Placebo-Arm und wie man vermuten möchte wiederum bei den MSM, kam es auch zu drei Fällen von intraepithelialen Neoplasien an Penis, Perineum oder im Perianalbereich. Diese Präkanzerose trat bei den Geimpften nicht auf. Krebserkrankungen wurden bisher (noch) nicht beobachtet. Die Studie wird jedoch fortgesetzt.

    Der Hersteller kündigte an, noch in diesem Jahr bei der FDA einen Antrag auf Zulassung der Impfung bei Männern im Alter von 9 bis 26 Jahren zu stellen. Ein Analyst von Merrill Lynch fantasierte gegenüber der Wirtschaftspresse bereits von 350.000 Jungen und Männern, die schon im nächsten Jahr geimpft werden könnten.

    Von den weiblichen US-Teenagern soll jede vierte geimpft sein. Hängig ist in den USA ein Antrag des Herstellers auf Erweiterung der Impfung bei Frauen bis zum Alter von 45 Jahren.

    Deutsches Ärzteblatt vom 14. November 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Impfstoff von Merck laut STEP-Studie wirkungslos

    Das Versagen des jüngsten Merck-HIV-Impfstoffs wird in zwei vorab online veröffentlichten Artikeln und einem Kommentar analysiert. Der Impfstoff konnte keinerlei Schutz vor einer HIV-Infektion bieten und stellt daher den Nutzen nicht-humaner Primatenmodelle in der HIV-Impfstoffentwicklung in Frage.

    Im ersten Beitrag beurteilt Dr. Susan Buchbinder von der HIV Research Section am San Francisco Department of Public Health unmittelbar die Wirksamkeit dieses Impfstoffs (Bezeichnung: MRKAd5 HIV-1 gag/pol/nef) anhand der zellvermittelten Immunität, genauer dessen Fähigkeit, vor einer HIV-1-Infektion zu schützen oder die frühe HIV-1-Plasmavirämie zu verringern. Die Ergebnisse zeigten, dass der Impfstoff bezüglich jeder Zielsetzung versagte und dass geimpfte Personen eine höhere HIV-Infektionsrate (4,6 Prozent) als die Kontrollpersonen (3,1 Prozent) hatten, wobei jedoch dieses Ergebnis statistisch nahezu nicht signifikant war. Das erhöhte Infektionsrisiko innerhalb der Impfgruppe trat allerdings nur bei nicht beschnittenen sowie bei jenen Männern auf, die bereits vorab Adenovirus-5-Antikörper besaßen. Dieses Virus war als Basis für den Impfstoff verwendet worden. Geimpfte beschnittene Männer sowie jene ohne vorab vorhandene Adenovirus-5-Antikörper hatten kein erhöhtes Infektionsrisiko. Die Ursachen dieses erhöhten Risikos werden gegenwärtig untersucht. Der Impfstoff selbst kann keine HIV-Infektion auslösen. Die Autoren stellen fest: "Das hohe Maß an befolgten Protokollvorgaben fördert ein tieferes Vertrauen in die Schlussfolgerungen dieser Studie bezüglich des Fehlens jeglicher schützender Wirkung dieses Impfstoffs. Wir konnten in dieser Studie keinen Hinweis darauf finden, dass bei geimpften Personen der frühe Virentiter im Plasma im Vergleich zur Placebogruppe verringert wurde."

    Die Forscher fügen hinzu: "Die STEP-Studie hat zudem unser Verständnis des Potenzials wie auch der möglichen Fallstricke aktueller nicht-humaner Primatenmodelle vertieft." Den Autoren zufolge würden die Ergebnisse dieser Studie außerdem vermuten lassen, dass dieser besondere Typus des nicht-humanen Primatenmodells zur Vorausberechnung einer Verwendung von T-Zell-basierten Impfstoffen beim Menschen nicht sinnvoll erscheint.

    Im zweiten Artikel bewerten Dr. M. Juliana McElrath vom Vaccine and Infectious Disease Institute am Fred Hutchinson Cancer Research Center im US-amerikanischen Seattle und Kollegen die Impfstoff-induzierte Immunität sowie dessen möglichen Beitrag zum Infektionsrisiko. Die Forscher stellten fest, dass die Wirksamkeit der HIV-spezifischen CD8+-Zellen in geimpften Fällen jener passender ungeimpfter Fälle vergleichbar war. Die Autoren bemerken: "Diese Resultate erlauben zwei mögliche Erklärungen der enttäuschenden Versuchsergebnisse: erstens, die Charakteristika der einen HIV-Schutz ermöglichenden T-Zell-Immunität müssten allgemeiner reagieren oder qualitativ von jenen verschieden sein, die der Impfstoff hervorrief. Oder zweitens, die nur durch die T-Zell-basierten Impfstoffe ausgelösten Immunantworten reichen zu einem Schutz vor HIV-Infektion oder Erkrankung nicht aus. Wir meinen, dass wir vor der Heranziehung der zweiten Hypothese die Möglichkeit der ersten Hypothese als plausible Erklärung in der STEP-Studie und weiteren zukünftigen vorklinischen und klinischen HIV-Studien ausschließen müssen."

    Die Forscher folgern: "Eine wirksamer HIV-Impfstoff muss den Schutz vor heterologen Viren ermöglichen. Die enorme Variabilität des HIV-1 stellt dabei eine gewaltige Hürde in der Ausgestaltung eines Impfstoffs dar, der eine ausreichend breite Antwort hervorrufen kann, die auch erkannt wird. Diese Barriere könnte letztendlich die Wirksamkeit T-Zell-basierter Impfstoffe beeinträchtigen. Angesichts der wohl nur durch einen wirksamen Impfstoff zu stoppenden Epidemie gibt es keinen besseren Zeitpunkt, auf Daten und nicht verspäteter Einsicht oder Meinung beruhendes Wissen heranzuziehen, um die nächsten Schritte auf der Suche nach einem vorbeugenden HIV-Impfstoff zu planen."

    In einem begleitenden Kommentar bemerkt Dr. Merlin Robb vom US Military HIV Research Program im US-amerikanischen Rockville: "Die STEP-Ergebnisse haben das Gebiet der HIV-Impfstoffentwicklung tief greifend berührt. Der Vorhersagewert des nicht-humanen HIV-Makakenmodells wird von diesen Ergebnissen nicht unterstützt. Das Versagen bei STEP hat die Tür zum Konzept der T-Zell-basierten Impfstoffe nicht endgültig geschlossen. Die ausgelösten Überlegungen könnten jedoch ein wesentlicher Schritt hin zum HIV-Impfstoff sein."

    Quelle: Susan P Buchbinder and others. Efficacy assessment of a cell-mediated immunity HIV-1 vaccine (the Step Study): a double-blind, randomised, placebo-controlled, test-of-concept trial. Lancet 2008; 372: 10.1016/S0140-6736(08)61591-3

    The Lancet vom 14. November 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV- und AIDS-Schwerpunktpraxen nicht gefährdet

    Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat HIV- und Aids-Patienten in Deutschland eine ärztliche Behandlung auf gleichbleibend hohem Niveau zugesichert. Einschränkungen bei Behandlungen werde es nicht geben, sagte Merkel am Donnerstagabend bei der 25-Jahr-Feier der Deutschen Aids-Hilfe in Berlin. Selbsthilfegruppen hatten zuvor befürchtet, dass mit dem Start des Gesundheitsfonds Anfang 2009 die ambulante Versorgung von HIV- und Aids-Patienten in Schwerpunktpraxen gefährdet sei.

    HIV- und Aids-Schwerpunktpraxen bleiben
    Auch Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) betonte, dass die Versorgung HIV- und Aids-Kranker nicht abgebaut werde. HIV-Schwerpunktpraxen blieben erhalten. Bis es neue Pauschalen gebe, würden die alten Regelungen weitergelten. «Da können Sie mich beim Wort nehmen», sagte Schmidt bei der Feier.

    "Selbsthilfe unverzichtbares Erfolgsmodell"
    Merkel betonte, dass Prävention noch immer der beste Schutz gegen Aids sei. Unwissen, Leichtsinn und Fehleinschätzungen seien der Nährboden für die weitere Ausbreitung der Immunschwächekrankheit. Die Arbeit der Aidshilfe, die vor 25 Jahren in Berlin als Selbsthilfe-Verein gegründet wurde, nannte Merkel ein unverzichtbares Erfolgsmodell im Kampf gegen Aids. In Deutschland seien dadurch Unsicherheiten und Ängste abgebaut worden. Das offene Sprechen über die Krankheit und ihre Risiken müsse aber in jeder Generation neu eingeübt werden.

    Immunschwäche wie chronische Krankheit behandelbar
    Aids ist nach wie vor nicht heilbar. Die Immunschwächekrankheit lässt sich durch Medikamente aber heute wie eine chronische Krankheit behandeln. Seit mehreren Jahren ist in Deutschland allerdings die Zahl der Neuerkrankungen wieder gestiegen - insbesondere unter homosexuellen Männern. 2007 registrierte das Berliner Robert-Koch-Institut 2.752 Neuansteckungen, vier Prozent mehr als im Vorjahr. Für 2008 hofft Schmidt auf eine «stabile Lage». Durch nachhaltige Prävention habe Deutschland die zweitniedrigste Infektionsrate in Westeuropa. «Nur Andorra ist besser», sagte Schmidt.

    Vitanet vom 14. November 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Patient besiegt HI-Virus dank Knochenmarkspende

    Seltene Genmutation des Spenders lässt Infektion verschwinden.

    Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben mit einer gezielten Transplantation von mutierten Stammzellen die HIV-Infektion eines Patienten erfolgreich bekämpft. Der HIV-positive Mann war an Leukämie erkrankt und hatte sich vor drei Jahren in die Behandlung des Teams um Prof. Eckhard Thiel, Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie, begeben. Die Stammzellen des Patienten wiesen eine spezielle HLA-Konstellation auf, die in der Bevölkerung relativ häufig ist. Sie kommt unter weißen Amerikanern und Europäern bei einem von tausend Menschen vor. Der Spenderpool war also verhältnismäßig groß. Die Mediziner suchten gezielt einen Spender aus, der die Mutation Delta 32 auf dem Rezeptor CCR5 aufwies. Diese Genmutation tritt bei etwa einem bis drei Prozent der europäischen Bevölkerung auf. Wenige Jahre vorher hatten Forscher festgestellt, dass Personen, die diese Mutation von beiden Eltern vererbt bekommen haben, zuverlässig gegen eine Übertragung des HI-Virus geschützt sind.

    Tatsächlich fand sich unter den 60 in Frage kommenden Knochenmarksspendern eine Person mit dieser Mutation. „Diesen Spender haben wir mit der Hoffnung ausgewählt, dass nach der Transplantation seiner Stammzellen auch die HIV-Infektion des Patienten verschwinden könnte“, sagt Dr. Gero Hütter, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team von Prof. Thiel. Damit das HI-Virus in die Zellen eines infizierten Patienten gelangen kann, bindet es sich mit dem Rezeptor CCR5. Die Mutation Delta 32 sorgt dafür, dass kein Rezeptor auf der Zelloberfläche vorhanden ist, so dass das HI-Virus nicht in die Zelle gelangen kann.

    Bei dem heute 42 Jahre alten Amerikaner, der in Berlin lebt, war das HI-Virus bereits vor mehr als zehn Jahren festgestellt worden. AIDS war zum Zeitpunkt seiner Behandlung in der Charité – Universitätsmedizin Berlin noch nicht ausgebrochen, die Leukämie-Erkrankung war keine direkte Folge der HIV-Infektion. Nach der Knochenmarkstransplantation wurde die medikamentöse Behandlung des Patienten zunächst eingestellt, da die Mediziner befürchteten, sie könnte zu einer Abstoßungsreaktion des gespendeten Knochenmarks führen. Dennoch wurde der Patient ständig beobachtet, um bei einem erneuten Auftreten des Virus sofort wieder mit der Behandlung zu beginnen. Normalerweise führt die Absetzung der Medikamente innerhalb weniger Wochen zum Ausbruch von AIDS. Bis heute, mehr als 20 Monate nach der erfolgreichen Transplantation, ist kein HIV beim Patienten nachweisbar.

    „Dies ist ein interessanter Fall für die Forschung“, erklärt Prof. Rudolf Tauber, Prodekan für Forschung der Charité. „Wer jetzt jedoch Millionen von HIV-Infizierten Hoffnung auf Heilung verspricht, handelt unseriös.“ Dieser Einzellfall unterstreicht jedoch die Schlüsselrolle des Gens CCR5 in der Übertragung und Erkrankungsentwicklung von HIV“, so Prof. Thiel. Medikamente mittels CCR5 sind bereits zugelassen und werden weiter erprobt.
     

    Link: "Nature"-Publikation zum Thema
     

    Charité – Universitätsmedizin Berlin – Pressemitteilung vom 12. November 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Obama fördert Kondome

    Berater von Barack Obama erklärten, dass der designierte US-Präsident die Förderung von Enthaltsamkeit im weltweiten Kampf gegen Aids einstellen und stattdessen für Kondomgebrauch werben werde.

    Bislang ist ein großer Teil der milliardenschweren Hilfe, die vor allem an afrikanische Länder geht, an Enthaltsamkeits- und Anti-Abtreibungsprogramme gekoppelt. Zwischen 2009 und 2013 wollen die USA 48 Milliarden Dollar für den "President's Emergency Plan For AIDS Relief" ausgeben, der von George W. Bush gegründet wurde.

    Obama-Beraterin Susan F. Wood sagte, dass die Hilfe bisher in eine "falsche Richtung" gegangen sei. Viele Gruppen hätten keine US-Unterstützung erhalten, nur weil sie Kondome als Schutz gegen HIV propagiert haben: "Der alten US-Regierung ist es gelungen, Kondome zu dämonisieren", so Wood in einem "Bloomberg"-Interview. "Wir wollen zeigen, dass sie Teil einer Strategie sind, um ungeplante Schwangerschaften und sexuell übertragbare Krankheiten zu verhindern. Ich habe immer gewitzelt, dass eigentlich die ganze Welt an den US-Wahlen hätte teilnehmen müssen, denn die ganze Welt ist davon betroffen."

    Diskriminierungsschutz im Obama-Team

    Im Übergangsstab von Obama-Biden ist zudem festgelegt worden, dass Anstellungen nicht von der sexuellen Ausrichtung des Bewerbers abhängig gemacht werden sollen und Diskriminierung im Job verboten sei: "Das Obama-Bilden-Übergangsprojekt diskriminiert nicht auf der Basis von Rasse, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, Alter, nationaler Herkunft, Veteranenstatus, sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität und Behinderung", heißt es auf der offiziellen Website. Es wird erwartet, dass Obama eine Präsidentenverfügung erlässt, die diese Regelung für den gesamten Regierungsapparat verpflichtend macht. Eine ähnliche Bestimmung gab es bereits unter Präsident Bill Clinton, der von 1993 bis 2000 im Weißen Haus residierte.

    queer vom 11. November 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Positiv 2008 - länger leben, aber verarmt?

    Die Lebenssituation vieler Menschen mit HIV hat sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. Hierzu trugen und tragen viele Faktoren bei, von der Einführung von Hartz IV über Veränderungen (Verschlechterungen) bei Erwerbsminderungsrenten und sehr niedrigen Rentenerhöhungen in den vergangenen Jahren bis zur Streichung früher bei Sozialhilfe gewährten Mehrbedarfs.

    Die Folge: überall in Deutschland lebt ein nennenswerter Anteil der Menschen mit HIV in Armut oder nahe an der Armutsgrenze.

    Aus Bremen berichtet jetzt die regionale Ausgabe der taz genaueres über die ökonomische Situation von Menschen mit HIV und Aids im Stadtstaat:

    “Als “schwierig” bezeichnet der Senat die soziale Situation von Aidskranken in Bremen. Probleme mit “ökonomischen Druck und unzureichender Tagesstruktur” hätten zwar die meisten chronisch Kranken, die mit wenig Geld auskommen müssten, so der Senat in einer Antwort auf eine Anfrage der Fraktion “Die Linke”. Für Aidskranke beziehungsweise HIV-Positive habe sich aber die Situation in den letzten Jahren wegen der verbesserten Behandlungsmöglichkeiten verschärft. Die PatientInnen würden heute länger leben bei “relativ stabiler Gesundheit”, so der Senat. Die Folge: “Das Zeitfenster vergrößert sich, in dem die Kranken mit relativ geringem Einkommen leben müssen.”"

    Klingt das zynisch? Nun leben sie länger, und dann in Armut? Nein, meint der Vertreter der örtlichen Aidshilfe.

    “Ein solcher Satz sei nicht zynisch, sondern Realität, sagt Thomas Fenkl von der Aids-Hilfe Bremen, die seit 2003 keine öffentlichen Mittel mehr bekommt. Viele Betroffene hätten sich sehr jung angesteckt, deshalb hätten sie kaum Rücklagen noch ausreichend Ansprüche aus den Sozialversicherungen erworben.” (beide Zitate taz Bremen vom 16.10.2008).

    Der Bremer Senat hatte geantwortet auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke ‘Soziale Situation von Menschen mit HIV und Aids’ vom 1.9.2008 (Text der Anfrage der Fraktion Die Linke hier, der Antwort des Bremer Senats als pdf hier).

    In seiner Antwort führt der Bremer Senat weiterhin aus:

    “Ökonomischer Druck und unzureichende Tagesstruktur sind für viele PatientInnen ein häufig genanntes Problem. … Die finanziellen Probleme wachsen und werden sehr schnell spürbar …”
    Bundesweit liegen leider wenige schlüssige Daten zur Armut bei HIV vor. Die Deutsche Aids-Stiftung, eine der wichtigsten Anlaufstellen Positiver für Unterstützung, berichtet:

    “Bei HIV und AIDS ist die materielle Not der Betroffenen besonders ausgeprägt. Dies hat vor allem mit dem Alter – oder besser gesagt mit der Jugend – der Menschen zu tun, die an AIDS erkranken. Die Mehrzahl der HIV-positiven Menschen ist zum Zeitpunkt der AIDS-Diagnose jünger als 40 Jahre. … Die Gesundheitsreform, das Hartz IV-Gesetz und dessen Folgegesetze haben auf die Bezieher von Arbeitslosengeld II und Grundsicherung negative Auswirkungen.”
    In den Anträgen an die Stiftung (DAS), in denen um Einzelfall-Hilfe ersucht wird, spiegelt sich die verschärfte ökonomische Situation. Seit dem Verabschieden von Gesundheitsreform und Hartz IV steigt die Zahl der Anträge auf Einzelfallhilfe deutlich. Der Abschied von der bedarfsorientierten Nothilfe hat die Situation weiter verschärft.

    Erst jüngst beim Meeting ‘HIV kontrovers’ berichtete die DAS darüber, dass sich aus den Anträgen an die Stiftung geradezu ein Trend ergebe, dass die Stiftung für negative Folgen der Gesundheits- und Sozialreformen einspringen müsse.

    Eine Verbesserung, ein Wille zur Änderung scheint derzeit politisch nicht in Sicht.
    Im Gegensatz zu Staaten z.B. südlich der Sahara ist Aids in Deutschland keine Erkrankung der Armen. Aber auch hierzulande ist HIV eine Erkrankung, die oft arm macht.

    Schon 2002 warnte die deutsche Aids-Stiftung “AIDS wurde aber für etliche Erkrankte zu einer Krankheit, die arm macht. Durch geplante Änderungen am System der sozialen Sicherung könnte sich diese Tendenz noch verstärken.”

    Die damals kritisierten Änderungen sind vorgenommen worden. Der “Trend zur Armut” hat sich verschärft. Es wird Zeit, dass Aids-Hilfen und Politik sich dieses Themas annehmen.

    ondamaris vom 8. November 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neue Studie nährt Hoffnung auf Impfstoff gegen Aids

    Für eine der größten Herausforderungen in der modernen Medizin - die Entwicklung eines Impfstoffs gegen die tödliche Immunschwächekrankheit Aids - stehen die Chancen einer neuen Studie zufolge besser als bisher gedacht. Jüngste Versuche mit Rhesusaffen lassen annehmen, dass es möglich ist, mit bestimmten Versuchsimpfstoffen eine schützende Immunität zu erreichen, heißt es in einer von der britischen Fachzeitschrift "Nature" online veröffentlichten Studie.

    Durch die Injizierung einer bestimmten Dosis des SI-Virus bei Affen, eines engen Verwandten des menschlichen HI-Virus, gelang demnach eine Stimulation der körpereigenen T-Zellen, die ihrerseits an einer wirksamen Immunantwort des Körpers gegen Fremdstoffe beteiligt sind. Einmal aktiviert, greifen diese Immunzellen Eindringlinge wie Viren an und tragen so zu deren Zerstörung bei. Auf diese Weise blieben die Versuchsaffen länger als 500 Tage nach der Infektion gesund.

    Nachdem das US-Pharmaunternehmen Merck im vergangen Jahr die Erprobung eines zunächst Erfolg versprechenden Impfstoffes gegen HIV gestoppt hatte, bestehe nun wieder Hoffnung, sagte der Leiter der Studie, Daniel Barouch vom Beth Israel Deaconness Medical Center in Boston. Ein Grund für die immer wieder auftretenden Rückschläge bei der Suche nach Impfstoffen gegen Aids liegt darin, dass das HI-Virus äußerst wandlungs- und anpassungsfähig ist. Seit dem ersten Auftreten des Virus kam es in den verschiedenen Regionen der Erde zur Entstehung verschiedener Abkömmlinge.

    Yahoo News vom 10. November 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Warum Impfstoffe gegen HIV scheitern können

    Montpellier – Trotz jahrelanger Forschung ist es bisher nicht gelungen, einen Impfstoff gegen das humane Immunschwächevirus HIV zu finden. Der Grund könnte nach einer Publikation im Journal of Experimental Medicine (2008; doi: 10.1084/jem.20081786) darin liegen, dass HIV ausgerechnet jene Zellen befällt, die durch die Impfung aktiviert werden.

    Vor genau einem Jahr gab der Hersteller Merck (in Deutschland MSD) das endgültige Scheitern seines Impfstoffs V520 bekannt, der Hochrisikopersonen vor einer HIV-Infektion schützen sollte. Zwei Monate zuvor war die STEP-Studie nach einer Zwischenauswertung vorzeitig beendet worden.

    An dieser Studie hatten 3.000 junge Erwachsene mit erhöhtem Infektionsrisiko aus den USA und Australien teilgenommen. Doch statt eine Infektion zu verhindern, war die Rate der HIV-Neuinfektionen unter den geimpften Personen sogar höher gewesen als im Placeboarm. Besonders häufig waren HIV-Infektionen bei den Probanden mit den höchsten Antikörpertitern.

    Dass ein Impfstoff nicht die erwartete Effektivität zeigt, ist kein ungewöhnliches Ergebnis klinischer Studien, ebenso muss immer mit dem Auftreten von Komplikationen gerechnet werden. Dass aber ein Impfstoff die Infektion, die er verhindert soll, sogar noch fördert, erscheint unlogisch.

    Schon bald wurde dem Adenovirus, welches das Rückgrat des Impfstoffs bildete (es war Transportvehikel für die HIV-Antigene), die Schuld zugeschoben. Adenoviren sind Auslöser von Erkältungskrankheiten und einige Probanden könnten eine Immunität gegen diese Viren gehabt haben. Der Impfstoff könnte dann vom Immunsystem beseitigt worden sein, bevor er eine schützende Wirkung erzielte.

    Doch warum erhöhte die Immunität gegen Adenoviren das Risiko der Geimpften sich mit HIV zu infizieren? Die Antwort geben in-vitro-Experimente der Arbeitsgruppe um Eric Kremer vom Centre National de la Recherche Scientifique in Montpellier. Die Forscher fanden heraus, das sich HIV dreimal so schnell in sogenannten dendritischen Zellen des Immunsystems vermehrt, wenn die Forscher Adenoviren (wie im Impfstoff) und ein neutralisierendes Antiserum (wie im Blut der gegen Erkältungen immunisierten Personen) hinzufügten.

    Dies hatte zwei ungünstige Auswirkungen. Zum einen kam es zu einer Aktivierung von CD4-Zellen, die das Angriffsziel von HIV sind. Im Fall einer HIV-Infektion könnten sich die Viren, die ja D4-Zellen angreifen, schneller vermehren. Zum anderen wurden CD8-Zellen aktiviert, welche die infizierten dendritischen Zellen angreifen. Die dendritischen Zellen sind für die Entstehung eines Impfschutzes von großer Bedeutung. Ein Mangel dieser Zellen würde die Wirkung der Impfung verhindern.

    Die Experimente liefern eine plausible Erklärung für das Scheitern der STEP-Studie. Wie alle in-vitro-Experimente sind sie aber mit Fragezeichen zu versehen. Der nächste Schritt dürfte darin bestehen, die Ergebnisse an Versuchstieren zu reproduzieren. Sollte Kremer Recht behalten, dann könnten künftigen Impfstoffen, die nicht auf Adenoviren basieren, mehr Erfolg beschieden sein.

    Deutsches Ärzteblatt vom 7. November 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zur Infektiosität von Tuberkulosepatienten bei HIV-Koinfektion

    von Patrick Schmid

    Gibt es Neues zum Risiko einer Tuberkulose-Übertragung?

    Das heutige Wissen zum Risiko einer Tuberkuloseübertragung stammt hauptsächlich von Studien aus den 1950er-Jahren. Folgende Faktoren sind mit einem erhöhten Transmissionsrisiko verbunden:

    • hohe Mykobakterienkonzentration im Sputum
    • starker Husten/Auswurf
    • Nachweis von Kavernen, Larynxbefall
    • lange Dauer bis zum  Beginn einer antituberkulösen Therapie
    • lange Kontakt-Dauer und sehr naher Kontakt mit der erkrankten Person

    Eine Studie aus Lima, Peru, untersucht, ob bei HIV-Koinfizierten Patienten andere Faktoren hinzukommen. Insbesondere interessierte auch, ob Resistenzen gegen Tuberkulostatika einen Einfluss auf die Infektiosität haben.

    Dazu verwendeten Rod Escombe und seine Kollegen ein Meerschweinchendetektionssystem: Die Abluft aller Tb-HIV-Koinfizierten Patienten wurde über ein auf dem Dach des Spitals lokalisiertes Meerschweinchen-Gehege geleitet. Die Meerschweinchen wurden monatlich mit einem Tuberkulin-Hauttest auf Tb untersucht. Die Mycobakterium tuberculosis-Stämme der Patienten und der TST-positiven Tiere wurden analysiert (Empfindlichkeitstestung und DNA-Fingerprinting) und mit denjenigen der Patienten verglichen. Somit konnte herausgefunden werden, welches Meerschweinchen durch welchen Patienten infiziert worden war.

    Von 292 exponierten Meerschweinchen zeigten 144 Zeichen einer Tuberkuloseerkrankung, 30 waren lediglich Tuberkulintest positiv. Das Risiko einer Tb-Übertragung auf die Versuchstiere war damit deutlich höher als in den Experimenten der 50er-Jahre. Es zeigte sich aber, dass von insgesamt 97 HIV/Tb-Patienten nur gerade 10 für die Übertragung der Tb auf die Meerschweinchen verantwortlich waren. 7 davon hatten eine medikamenten-resistente (MDR-) Tuberkulose und waren nicht adäquat therapiert.

    Konklusion: Neben der Isolation ist der rasche Beginn einer adäquaten Tb-Therapie ist zur Verhinderung von Sekundärfällen ganz entscheidend. Die Studie unterstreicht die Wichtigkeit einer raschen Resistenzprüfung bei allen neu diagnostizierten Tb-Fällen. Für Rifampicin ist eine rasche Resistenzprüfung mit molekularbiologischen Methoden (Nachweis der Punktmutation auf rpoB-Gen) möglich.

    Link zum Abstract

    Infektiologie St. Gallen vom 5. November 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Kunstprotein setzt HIV außer Gefecht

    Lang anhaltend wirksames Medikament gibt Hoffnung für Aids-Kranke.

    Siena - Wissenschaftler des Dipartimento di Chimica Farmaceutica an der Universität von Siena http://www.farm.unisi.it und des Laboratorio di Virologia am Istituto di Genetica in Pavia http://www.igm.cnr.it haben ein synthetisches Molekül zur indirekten Bekämpfung des HI-Virus entwickelt. Dank der bei zweijährigen Labortests mit Hilfe von Computertechniken gemachten Entdeckung ergeben sich neue Hoffnungen für Aids-Kranke.

    "Es handelt sich um ein pharmakologisch aktives Molekül, dessen Wirkung sich im Gegensatz zu den herkömmlichen Therapien nicht gegen das Virusenzym direkt, sondern gegen das bei der Virusverbreitung mitbeteiligte Zellenzym richtet", erläutert Projektleiter Maurizio Botta. "Die Virusenzyme haben die Neigung, im Verlauf einer Behandlung ihre Struktur zu verändern und damit gegen Medikamente resistent zu werden. Unser Molekül hingegen hat ein noch weitaus größeres Mutationsvermögen und kann deshalb seine Wirksamkeit auch über längere Zeiträume aufrechterhalten."

    Das am Institut für Pharmachemie in Siena entworfene Kunstprotein orientiert sich an den strukturellen Eigenschaften des im menschlichen Organismus vorkommenden Proteins DDX3, das bei der Bildung von Zellprotein und auch als wesentlicher Co-Faktor bei der Vermehrung der Viruszellen beteiligt ist. "Durch eine Interaktion mit dem DDX3 blockiert unser Molekül den Zerstörungsvorgang und verhindert die Verbreitung neuer Erreger, ohne dabei gesundes Zellgewebe zu beschädigen", erklärt der CNR-Mitarbeiter Giovanni Maga.

    Die bereits von vielen Kollegen in den Vereinigten Staaten anerkannte Entdeckung sei wichtig, da sie die Entwicklung und Anwendung innovativer Pharmazeutika in relativ kurzer Zeit ermögliche. Falls es gelinge, ihren Nutzen anhand von Lebendversuchen zu verifizieren, könne HIV künftig mit einer Zweifachstrategie aus direkter und indirekter Aktion bekämpft werden. Die Einzelheiten der Entdeckung der italienischen Forschergruppe sind im "Journal of Medicinal Chemistry" der American Chemical Society veröffentlicht worden.

    Pressetext Austria vom 4. November 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Diagnostik und Behandlung HIV-betroffener Paare mit Kinderwunsch

    In Deutschland sind derzeit mehr als 56.000 Menschen mit HIV infiziert, davon etwa 19 Prozent Frauen. Seit 1996 haben die verbesserten Therapiemöglichkeiten die Lebenserwartung deutlich erhöht, so dass Menschen mit HIV eine annähernd normale Lebenserwartung haben. Dies bringt für viele Menschen auch die Möglichkeit der Entwicklung langfristiger Lebensplanungen in Bezug auf Ausbildung, Beruf und Familie mit sich.

    Da 75 Prozent der Infizierten zwischen 20 und 40 Jahre alt sind, gehört dazu oft auch der Wunsch nach einem Kind. Weltweit weisen Studiendaten auf Bedeutung und Häufigkeit des Kinderwunsches bei Menschen mit HIV hin, die z.B. in der Schweiz der Häufigkeit in der Normalbevölkerung entsprechen kann.

    Bei der Verwirklichung des Kinderwunsches bei Menschen mit HIV müssen der Verlauf der HIV-Infektion, das Infektionsrisiko für die HIV-negative Partnerin bzw. den gesunden Partner und für das entstehende Kind berücksichtigt werden. Der Fertilitätsstatus und einige soziodemographische Faktoren wie z.B. Alter und Familienstand spielen ebenfalls eine Rolle.

    Link zu den aktuellen Leitlinien: http://www.rki.de/cln_091/nn_208878/DE/Content/InfAZ/H/HIVAIDS/Empfehlungen/Empfehlungen__node.html?__nnn=true

    Robert Koch-Institut - Meldung vom 3. November 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Darunavir/r bei intensiv vorbehandelten Kindern gut wirksam und verträglich

    Fast die Hälfte der schwer vorbehandelten Kinder und Jugendlichen erreichte mit gewichtsbasiertem Darunavir/r nach 48 Wochen eine Viruslast von <50 Kopien/ml. Nur ein Kind musste die Studie wegen einer Nebenwirkung, die allerdings nicht mit Darunavir/r im Zusammenhang steht.

    In der offenen Phase-II-Studie DELPHI wurden insgesamt 80 Kinder und Jugendliche zwischen 6-17 Jahren mit Darunavir/r und zwei NRTIs behandelt. Insgesamt 30% der Patienten war 6-11 Jahre alt, 78% wurden während der Geburt infiziert und die Hälfte befand sich bereits im Stadium AIDS. Zu Studienbeginn betrugen mittlere Viruslast fast rund 45.000 Kopien/ml, mediane CD4-Zellzahl 330 Zellen/µl und medianer CD4-% 17%. Die Kinder und Jugendlichen waren im Median mit neun HIV-Medikamenten vorbehandelt: 96% mit mindestens einem PI, 79% mit mindesten einem NNRTI, alle mit mindestens zwei NRTIs und 10% mit Enfuvirtid. Bei allen Studienteilnehmern konnten im Median 11 PI-assoziierte Mutationen, davon drei PI-Resistenzmutationen, zwei NNRTI- und vier NRTI-Mutationen nachgewiesen werden.

    Die Kinder und Jugendlichen erhielten Darunavir/r je nach Gewicht:

    • 20-<30 kg: 375/50mg DRV/r 2xtäglich (n=20)
    • 30-<40kg: 450/60mg DRV/r 2xtäglich (n=24)
    • 40kg und mehr: 600/100mg 2xtäglich (n=36).

    Mit diesen gewichtsadaptierten Dosierungen wurden vergleichbare Plasmaspiegel erreicht wie bei vorbehandelten erwachsenen HIV-Patienten mit der Dosis für vorbehandelte Erwachsene (2xtäglich 600/100mg).

    Nach 48 Wochen sank die Viruslast bei 65% der Patienten um mehr als 1 log10 Kopien/ml, bei 59% unter 400 Kopien/ml und bei 48% unter 50 Kopien/ml. Je nach Anzahl der vorbestehenden Darunavir-assoziierten Resistenzmutationen stieg die virologische Ansprechrate von 22% (=3 Resistenzmutationen) auf 60% (2 Resistenzmutationen), 71% (1 Resistenzmutationen) und 74% (keine Resistenzmutation). Die CD4-Zellzahl erhöhte sich im Verlauf der Studie durchschnittlich um 147 Zellen/µl. Bei jeweils einem Kind (je 1%) trat Diarrhöe und Hautausschlag aus. Ein Kind musste die Studie wegen Angstgefühl abbrechen, ein Zusammenhang mit Darunavir wurde nicht angenommen. Die Triglyzeride sanken signifikant von einem Wert über dem Normalwert zu Studienbeginn (170mg/dl) auf 110mg/dl zu Woche 48. Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin und HDL-Cholesterin veränderten sich kaum.

    Blanche S et al. 48-Week Safety and Efficacy of Darunavir / Ritonavir (DRV/r) in Treatment-Experienced Children and Adolescents in DELPHI. 48th ICAAC/46th IDSA 2008, Oral Session 80, Abstract H-894

    HIV&More vom 1. November 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    US-Politik gefährdet das Leben von Tausenden Frauen

    USAID schneidet einer der weltweit wichtigsten Familienplanungsorganisationen die Versorgung mit Verhütungsmitteln ab.

    Die US-amerikanische Entwicklungsagentur USAID hat einer der weltweit größten Familienplanungsorganisationen ihre Unterstützung entzogen. Wie die Agentur Anfang Oktober bekannt gab, wird sie mehreren afrikanischen Regierungen untersagen, aus amerikanischen Hilfsgeldern finanzierte Verhütungsmittel an die Nichtregierungsorganisation Marie Stopes International (MSI) weiterzugeben.

    Ein Sprecher von USAID rechtfertigte die Entscheidung damit, dass MSI mit der chinesischen Regierung zusammenarbeite, die wiederum Zwangsabtreibungen befürworte. MSI-Direktorin Dana Hovig betonte daraufhin, dass ihre Organisation zwar in China tätig sei, jedoch weder dort noch in anderen Ländern erzwungene Schwangerschaftsabbrüche durchführe.

    MSI setzt sich in Entwicklungsländern für die sexuelle und reproduktive Gesundheit insbesondere von Frauen ein. Neben der Beratung von Schwangeren verteilt die Organisation dort Kondome und Kontrazeptiva. Die Entscheidung von USAID wird MSI zufolge vor allen Dingen in Ghana, Malawi, Sierra Leone, Uganda und Tansania die Versorgung mit Verhütungsmitteln dramatisch verschlechtern.

    DSW: Die USA handeln unverantwortlich

    "Das Vorgehen von USAID ist absolut unverantwortlich", kritisiert DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr die Entscheidung der US-amerikanischen Entwicklungsagentur. "In armen Ländern besteht ohnehin schon eine riesige Lücke bei der Versorgung mit Verhütungsmitteln. Jedes Jahr werden hier 76 Millionen Frauen ungewollt schwanger, unter anderem weil sie nicht verhüten können." Viele dieser Frauen sehen keinen anderen Ausweg als eine Abtreibung. Doch die ist in vielen armen Ländern illegal und wird häufig unter prekären hygienischen Umständen vorgenommen. Ein solcher Eingriff kann lebensgefährlich sein. Die Vermeidung ungewollter Schwangerschaften ist daher von großer Bedeutung für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Frauen.

    In Entwicklungsländern sterben jährlich noch immer mehr als eine halbe Million Frauen an den Folgen einer Schwangerschaft oder bei der Geburt ihres Babys. Erst Ende September hatte die internationale Gemeinschaft daher auf einem UN-Gipfel in New York mehr Unterstützung zur Verbesserung der Müttergesundheit zugesagt. "Dafür aber brauchen Frauen besseren Zugang zu Verhütungsmitteln und Informationen über Familienplanung", mahnt Bähr. In den afrikanischen Ländern, in denen USAID nun die Gelder für Verhütungsmittel einfriert, dürfte dies zukünftig immer schwerer werden. "Mit diesem Vorgehen setzen die USA das Leben von Tausenden afrikanischen Frauen aufs Spiel", mahnt die DSW-Geschäftsführerin.

    Baldiges Ende der konservativen Politiklinie in den USA?

    Bereits seit Jahren verfolgen die USA einen streng konservativen Kurs in der Entwicklungszusammenarbeit. So dürfen etwa Organisationen, die US-amerikanische Hilfsgelder erhalten, keine Schwangerschaftsabbrüche durchführen oder Frauen zu diesem Thema beraten. Der scheidende US-Präsident George W. Bush hatte die so genannte Mexico-City-Policy wiederbelebt, nachdem sie von seinem Vorgänger Bill Clinton außer Kraft gesetzt worden war.

    Es bleibt abzuwarten, ob der neue US-Präsident im kommenden Jahr wiederum einen Kurswechsel in der Familienplanungspolitik einschlagen wird. Senat und Repräsentantenhaus haben hierfür bereits die Basis geschaffen und im Sommer Gesetzentwürfe auf den Weg gebracht, die vorsehen, die Hilfsmittel für internationale Familienplanungsprogramme deutlich zu erhöhen. Endgültig wird darüber erst nach den Präsidentschaftswahlen entschieden.

    Quelle: Marie Stopes International (MSI), 1. Oktober 2008.

    Deutsche Stiftung Weltbevölkerung - DSW news vom 31. Oktober 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Infektion und Schwangerschaft

    von Pietro Vernazza

    Am ICAAC 2008 wurden auch ein paar wenige Posters zu Themen rund um die Schwangerschaft bei HIV-Infektion gezeigt. Einige haben es auch in unser Summary geschafft.

    Schwangerschaft und vaginale Entbindung
    Die Schweizer Fachkommission Klinik und Therapie hat 2004 die erste Empfehlung herausgegeben, in der eine vaginale Entbindung bei guter Virussuppression als mögliche Alternative zum Kaiserschnitt dargestellt wurde (s. Empfehlung 2004 ). Nun ziehen viele Länder nach. Die Therapie senkt das Übertragungsrisiko sehr effizient, wie wir das ja auch für den Fall der sexuellen Übertragung beobachten.

    Eine Französische Fall-Kontroll Studie hat nun die Erfahrungen mit vaginaler Entbindung zwischen 2000 und 2005 untersucht indem sie insgesamt 146 Fälle von vaginaler Entbindung (alle mit vollständig supprimierter Viruslast) mit solchen bei HIV-negativen Frauen verglichen hat (matched für Anzahl SS, frühere Sectio, Alter).

    Die beiden Gruppen zeigten praktisch einen identischen Geburtsverlauf mit gleicher Rate von assistierten Geburten oder sekundärer Sectio. Obwohl das Gestationsgewicht in beiden Gruppen gleich war, wurde bei HIV-positiven Frauen signifikant seltener ein Dammschnitt angelegt (27% vs. 46%, p<0.01). In keinem Fall kam es zur HIV Infektion des Kindes.

    Quelle: Azria et al, ICAAC 2008, Washington 25.-28. Oct, H-454

    Tenofovir in der Schwangerschaft
    Ein Poster von Gilead hat die gesammelten Erfahrungen von Tenofovir-Behandlung während der Schwangerschaft analysiert. Die Daten werden in einem prospektiven Register (APR) gesammelt. Insgesamt wurden 8483 Behandlungen mit Tenofovir erfasst. Die Prävalenz von Geburtsgebrechen war mit 2.8/100 Lebendgeburten unter allen antiviralen Therapiekombinationen gleich wie in der Normalbevölkerung (2.7/100 LG). Die Prävalenz war unter der Behandlung mit dem Standardmedikament für eine Schwangerschaft (AZT) 2.9% (2.2-3.8) und für eine Tenofovir-Exposition im ersten Trimester 1.6% (0.6-3.4, 6 von 380) ebenfalls tief.

    Die HIV-Therapie ist eine hochwirksame Prävention zur Verhinderung einer HIV-Infektion beim Kind. Die vorhandenen Daten bestätigen, dass das Risiko für das Kind durch die HIV-Therapie selbst minimal ist.

    Quelle: Olmscheid et al, ICAAC 2008, Washington 25.-28. Oct, H-456

    Mutter Kind Transmission: Vier Wochen HIV-Therapie postpartal genügt
    Auch heute noch empfehlen die meisten Richtlinien eine HIV-Therapie beim Neugeborenen während 6 Wochen durchzuführen. Diese Empfehlung stammt noch von der Ersten PACTG 076 Studie, in der die Wirksamkeit einer medikamentösen Prävention durch AZT Monotherapie bewiesen wurde. Doch in der heutigen Zeit ist es überhaupt fraglich, ob diese „Post-Expositionsprophylaxe“ beim Kind überhaupt noch notwendig sei. In der Schweiz haben wir diese Behandlung auch bereits 2004 auf 4 Wochen gekürzt.
    Irische Autoren haben nun die verabreichten Therapien untersucht und fanden bei 874 Lebendgeburten keinen Unterschied in der Transmissionsrate, wenn 4 oder 6 Wochen behandelt wurde. Infiziert wurden nur solche Kinder, bei welchen die HIV-Infektion bei den Müttern erst spät in der Schwangerschaft oder bei der Geburt diagnostiziert wurde.

    Quelle: Ferguson et al, ICAAC 2008, Washington 25.-28. Oct, H-459

    Infektiologie St. Gallen vom 29. Oktober 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Früher Therapiebeginn senkt Sterblichkeit

    Seattle – Ein frühzeitiger Beginn der hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) verbessert bei HIV-Infizierten die langfristigen Überlebenschancen. Zu diesem Ergebnis kommt eine US-Studie, die auf der Interscience Conference on Antimicrobial Agents and Chemotherapy in Washington vorgestellt wurde.

    Der ideale Therapiebeginn bei einer asymptomatischen HIV-Infektion ist umstritten. Einig sind sich die Experten nur, dass nicht bis zu einem Abfall der CD4-Lymphozyten unter 200 Zellen/µl gewartet werden darf, da dann mit einer deutlich erhöhten Morbidität und Mortalität zu rechnen ist. Diese Indikationsgrenze wurde in den letzten Jahren hin zu einem früheren Therapiebeginn verschoben.

    In Deutschland raten viele Experten zur Therapie, wenn die CD4-Zellen auf 200-350 Zellen/mm3 abgefallen sind (BII-Empfehlung in der Leitlinie). Die neuesten US-Leitlinien vom August diesen Jahres (JAMA 2008; 300: 555-570) halten 350 Zellen/mm3 für zu spät. Die Therapie sollte bei Werten zwischen 500 und 350 Zellen/mm3 einsetzen, fordern sie. Diese Ansicht wird jetzt durch eine Untersuchung von Mari Kitahata von der Universität von Washington in Seattle unterstützt.

    Grundlage ist eine Auswertung der Daten aus 22 prospektiven HIV-Kohorten aus den USA und Kanada an 8.374 Patienten mit neu diagnostizierter asymptomatischer HIV-Infektion und CD4-Werten zwischen 351 und 500 Zellen/mm3 (Abstract H-896b). Ein Drittel der Patienten entschied sich für eine sofortige Therapie, die anderen zögerten den Beginn hinaus, bis die CD4-Werte auf unter 350 Zellen/mm3 abgefallen waren.

    Diese abwartende Haltung sollte jedoch nicht belohnt werden. 221 der 2.473 Patienten (8,9 Prozent) mit spätem Therapiebeginn sind inzwischen gestorben gegenüber 446 von 5.901 Patienten (7,6 Prozent) nach frühem Beginn. Kitahata errechnet – nach Berücksichtigung von Kohorte und Kalenderjahr – ein um 71 erhöhtes relatives Sterberisiko (Hazard Ratio 1,71; p < 0,001). Jeder Abfall der CD4-Zellen um 100 Zellen/mm3 steigerte die Sterblichkeit um etwa zehn Prozent. Einen Einfluss der Viruslast bei der Diagnose auf die spätere Prognose bestand nicht.

    Die Ergebnisse sprechen nach Ansicht der Autorin für eine Rückkehr zu der “hit early, hit hard-Strategie“. Sie war Ende der 90er-Jahre, als die HAART erstmals die Prognose der Patienten signifikant verbesserte, schon einmal verfolgt worden.

    Sie trat aber wieder in den Hintergrund, als man feststellen musste, dass die Viren auch durch einen frühen Therapiebeginn nicht eradiziert werden können. Danach bestand die Tendenz den Therapiebeginn hinauszuzögern und den Patienten unter Umständen sogar Therapiepausen zu gönnen, was wie man inzwischen weiß, die langfristige Prognose ebenfalls schmälert.

    Deutsches Ärzteblatt vom 28. Oktober 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Müde Kämpfer - Alterungsprozess HIV-spezifischer Killerzellen

    von Christian Kahlert

    Der unterschiedliche Verlauf einer HIV-Infektion (progressiv versus nicht-progressiv) bleibt weiterhin ein spannendes Forschungsthema.

    Einige Faktoren sind bekannt: genetische Faktoren, Eigenschaften der verschiedenen HI-Virustypen und Unterschiede in den Abwehrmechanismen des Immunsystems. Vieles bleibt ungeklärt.

    Wissenschaftler aus Baltimore haben nun die Regenerationsfähigkeit HIV-spezifische CD8+ T-Zellen untersucht und zeigen, dass die Aktivität der Telomerase und damit auch die Telomerlänge der Chromosome zwischen progressiver und nicht-progressiver HIV-Infektion unterschiedlich ist.

    Ursächlich beteiligt erscheint ein Bremsmechanismus des Immunsystems: die Expression von PD-1 auf der Zelloberfläche. Ein deutliches Zeich für die Erschöpfung ("Exhaustion") der entsprechenden Immunzellen.

    HIV-spezifische Killerzellen (Synonym: zytotoxische Zellen, CD8+-T-Zellen) sind das wesentliche Abwehrbollwerk im Kampf des Körpers gegen HIV.

    Mathias Lichterfeld und seine Kollegen haben die Aktivität der Telomerase dieser Zellen untersucht. Diese körpereigene reverse Transkriptase regeneriert Telomere, die bei Zellteilungen verloren gehen und zur Stabilisierung der Chromosomen beitragen.

    Telomere werden auch mit der Zellalterung in Verbindung gebracht: je kürzer die Telomere, desto älter die Zelle und damit näher an ihrem Zelltod. Im Zusammenhang mit dem Immunsystem spricht man auch von Immunosenescence.

    Verständlich erscheinen demnach die Resultate aus Baltimore:

    Killerzellen von Patienten mit nicht-progressiver HIV-Infektion (N=13) haben eine höhere Aktivität der Telomerase und längere Telomere verglichen mit Killerzellen von Patienten mit progressiver HIV-Infektion (N=9). Diese Parameter sind sogar vergleichbar der Situation bei frischer (akuter) HIV-Infektion (N=6). Mit anderen Worten: die Killerzellen behalten ihre Jugend!

    Die Jugendlichkeit der Zellen wurde über den direkten Zusammenhang zwischen Effektorfunktion der Killerzellen und Telomerlänge gezeigt.

    Natürlich stellt sich die Frage nach dem Jungbrunnen?

    Schon länger bekannt ist, dass HIV-spezifische zytotoxische T-Zellen häufiger Erschöpfungszeichen zeigen, d.h. verstärkt den Marker PD-1 an ihrer Oberfläche exprimieren. Die Blockade der Bindung von PD-1 an die entsprechenden Liganden auf den dendritischen Zellen (Antikörper gegen PD-L1) führte in den Experimenten der Wissenschaftler zu einer Zunahme der Telomeraseaktivität und damit auch der  Telomerlängen bei progressiver HIV-Infektion.

    Die vorliegenden in vitro Daten zeigen nicht zum ersten Mal, dass die Blockade der Bindung von PD-L1 an PD-1 auf den ermüdeten Killerzellen einerseits die Apoptose dieser wichtigen Zellen verhindert und andererseits die ermüdeten Krieger wieder erweckt.

    Interessanterweise steht ein Medikament (MDX-1105) bereits kurz vor der Untersuchung in einer klinischen Phase 1-Studie von Patienten mit soliden Tumoren (Niere, Lunge, Haut, Ovar) -> siehe Phase 1 Open Label Study of MDX-1105 in Subjects With Solid Tumors

    Quelle: Lichterfeld et al, 2008, Blood

    HIV&More vom 28. Oktober 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aids und Malaria nehmen ab

    Bis 2030 mehr Krebs und Verkehrstote.

    Die Zahl der Todesfälle wegen Aids und Malaria wird zurückgehen, ansteigen werden aber Krebs und Verkehrsunfälle. Dies zeigen die Voraussagen für das Jahr 2030, welche die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf präsentierte.

    In den fünf kommenden Jahren werden durch das HI-Virus verursachten Todesfälle laut der WHO weiter ansteigen, bevor dann der Rückgang einsetzen wird. Den Höchststand erwartet die WHO für 2012 mit 2,4 Millionen Todesfällen (2030: 1,2 Millionen Todesfälle). Die Experten gehen dabei davon aus, dass sich der Zugang zu antiretroviralen Therapien in den Entwicklungsländern weiter verbessern wird. Frühere Schätzungen gingen davon aus, dass 2030 6,5 Millionen Menschen an Aids sterben werden.

    Ein Rückgang der Sterblichkeit wird für alle ansteckenden Krankheiten erwartet, also auch Malaria und Tuberkulose. Ebenfalls mit weniger Todesfällen rechnet die WHO aufgrund von Lebensmittelerkrankungen, Durchfall, Kindbett- und Säuglingssterblichkeit.

    Da die Menschen immer älter werden, werden laut WHO-Prognose in den kommenden 25 Jahren die nicht ansteckenden Krankheiten als Todesursache zunehmen: Die Zahl der Krebstoten wird von derzeit 7,4 Millionen auf 11,8 Millionen Menschen ansteigen, diejenige der Todesfälle wegen Herzkreislauferkrankungen von 17,1 Millionen auf 23,4 Millionen.

    In der Schweiz sind derzeit laut Bundesamt für Statistik gut ein Drittel aller Todesfälle auf Herzkreislaufkrankheiten, ein Viertel auf Krebs zurückzuführen. Weltweit wird laut WHO auch die Zahl der Verkehrstoten ansteigen: von 1,3 Millionen 2004 auf 2,4 Millionen im Jahr 2030. Die Sterblichkeit wegen Tabak wird ebenfalls zunehmen, in 25 Jahren ist laut der Studie Tabakkonsum für 10 Prozent der Todesfälle verantwortlich.

    Sonntagszeitung vom 27. Oktober 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Raltegravir ist Efavirenz in der Firstline-Therapie nicht unterlegen

    Auf der Welt-Aids-Konferenz in Mexiko wurden bereits die 96-Wochen-Daten der Phase-II-Studie bei therapienaiven Patienten vorgestellt. Auch in der aktuellen Auswertung der doppel-blinden Phase-III-Studie STARTMRK konnte nach 48 Wochen bei mehr als 80% der bisher nicht behandelten Patienten die Viruslast nicht mehr nachgewiesen werden: Raltegravir und Efavirenz - jeweils kombiniert mit Tenofovir/Emtricitabin - waren virologisch vergleichbar wirksam. Immunologisch war Raltegravir wirksamer und der Integrasehemmer wurde besser vertragen.

    In STARTMRK erhielten bisher nicht behandelte HIV-Patienten doppelblind entweder 2x täglich 400mg Raltegravir (n=281) oder 1x täglich 600mg Efavirenz (n=282) und jeweils 1x täglich den N(t)RTI-Backbone Tenofovir/Emtricitabin. Die Haupt-Einschlusskriterien waren keine Vorbehandlung, Viruslast >5.000 Kopien/ml und Viren, die empfindlich auf Efavirenz, Tenofovir und Emtricitabin reagierten. Zu Studienbeginn betrug das mittlere Alter 37 Jahre, 81% der Patienten waren Männer, die mittlere Viruslast lag bei 100.000 Kopien/ml, die Hälfte der Patienten hatte mehr als 105 HIV-RNA-Kopien/ml, die mittlere CD4-Zellzahl betrug 219/µl und fast die Hälfte der Patienten hatte weniger als 50 CD4-Zellen/µl.

    Raltegravir vergleichbar wirksam ....

    Nach 48 Wochen hatten unter Raltegravir 86% und unter Efavirenz 82% der Patienten eine Viruslast von <50 Kopien/ml. Die Zeit bis die Viruslast nicht mehr nachgewiesen werden konnte, war in der Raltegravir-Gruppe kürzer (p<0,001). Unter Raltegravir stieg die CD4-Zellzahl höher (189 versus 163 Zellen/µl).

    ... und besser verträglich

    Weniger Patienten aus der Raltegravir-Guppe berichteten über Medikamenten-assoziierte unerwünschte Ereignisse (44% versus 77%; p<0,01, davon Schweregrad 2 und 3: 16% versus 32%; p<0,01). Erwartungsgemäß traten unter Efavirenz vor allem mehr ZNS-Nebenwirkungen auf (zu Woche 8: 10% versus 18%; p=0,015); der Unterschied blieb während der doppel-blinden Beobachtungszeit von 48 Wochen bestehen. Im Vergleich zu Efavirenz hatte Raltegravir nur einen geringen Einfluss auf die Lipidwerte. Die Anzahl der schwerwiegenden Ereignisse war vergleichbar (10% versus 9,6%, p=0,888). Ein bösartiger Tumor trat unter Raltegravir bei einem und unter Efavirenz bei neun Patienten auf.

    Bekannte Resistenzmutationen

    Genotypische Resistenzanalysen der Patienten mit einer Viruslast von >400 Kopien/ml (12 versus 8 Patienten) ergaben keine unerwarteten Resistenzmutationen.

    Lennox J et al. STARTMRK, A Phase III Study of the Safety & Efficacy of Raltegravir (RAL)-based versus Efavirenz (EFV)-Based Combination Therapy in Treatment-Naïve HIV-Infected Patients. 48th ICAAC/46th IDSA 2008, Slide Session 80, Late Breaker Abstract H-896a

    HIV&More vom 26. Oktober 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Ergebnisse der weltgrößten Patientenbefragung zur Therapie

    Die Ergebnisse der bahnbrechenden Befragung ATLIS (AIDS Treatment for Life International Survey) an knapp 3.000 HIV-Patienten aus 18 Ländern, zeigen eine globale Notwendigkeit einer verbesserten Kenntnisse über HIV und eines verstärkten Dialogs über die Lebensqualität. Obwohl große Fortschritte bei der Aus- und Weiterbildung zu HIV gemacht worden sind, zeigt die Befragung, dass Menschen, die mit HIV und Aids leben, weltweit immer noch in Angst vor dem sozialen Stigma leben, das die Krankheit umgibt. Und einige sind derart besorgt über Nebenwirkungen, dass sie es vorgezogen haben, die Medikamente abzusetzen.

    Diese und andere Ergebnisse der ATLIS-Befragung wurden am 4. August auf der 17. Internationalen AIDS-Konferenz in Mexiko Stadt durch die Internationale Vereinigung der Ärzte in der HIV-Versorgung (IAPAC - International Association of Physicians in AIDS Care) veröffentlich und zeitgleich in der Juli / August-Ausgabe des Fachblatts Journal of the International Association of Physicians in AIDS Care (JIAPAC) publiziert

    Angesichts der Ergebnisse der ATLIS-Befragung, ruft die IAPAC zu einem globalen Aktionsplan auf und drängt die HIV-Community,
     

    1. die Aus- und Weiterbildung und die Diskussion zu verstärken, um sicherzustellen, dass Patienten über ihre Behandlung besser informiert sind und bei der Entscheidungsfindung über ihrer HIV-Therapie mitwirken können;
    2. die Auseinandersetzung über die Lebensqualität von Patienten zu fördern, da sie in Wechselbeziehung zur Wirksamkeit der Therapie, dem Dosierungsschemata, Nebenwirkungen und Verträglichkeit steht;
    3. nicht-klinische Barrieren für den Beginn einer HIV-Therapie und für die Therapietreue – einschließlich Stigma, Diskriminierung und Kosten – anzusprechen und
    4. die kulturelle Sensibilität der HIV-Präventionsprogramme zu erhöhen.


    Immer noch legen Menschen ihren HIV-Status wegen Diskriminierung und Stigmatisierung nicht offen

    Die ATLIS-Ergebnisse legen nahe, dass das Stigma nach wie vor ein Thema für HIV-positive Patienten ist – insbesondere, wenn es um die Offenlegung ihrer HIV-Status geht. Mehr als die Hälfte der im Zuge der ATLIS-Befragung antwortenden Personen (54%) gaben an, „sehr“ oder „ein wenig“ besorgt darüber zu sein, dass andere ihren HIV-Status kennen. 83% gaben an, dass sei überwiegend auf ihre Angst vor sozialer Diskriminierung und Stigmatisierung zurückzuführen. Sie sind ebenfalls über spezifische Auswirkungen einschließlich des Verlusts der Familie und Freunde (41%), der Auswirkungen auf ihre Möglichkeiten, eine Partnerschaft einzugehen (37%), des Risikos, den Arbeitsplatz zu verlieren (36%) und der Auswirkungen auf ihre Reputation (36%) besorgt.

    Afrikanische Befragungsteilnehmer hatten weniger Angst davor, ihren Serostatus offen zu legen, als Befragungsteilnehmer anderer Gegenden der Welt. Befragte aus Asien und der Pazifikregion waren besorgter darüber, ihre Familien und Freunde zu verlieren und über die möglichen Auswirkungen auf ihre derzeitige Partnerschaft. Befragte aus Nordamerika waren am besorgtesten darüber, dass ihr HIV-positiver Serostatus ihren Ruf / ihre Reputation beschädigen könnte.

    Die Fortschritte der Therapie werden begrüßt, aber die Nebenwirkungen bleiben eine erhebliche Herausforderung

    Die Befragungsergebnisse zeigen, dass Ängste / Befürchtungen über Nebenwirkungen Patienten davon abhalten können, unter Therapie zu gehen. Insgesamt gaben 26% der Befragten an, sie hätten sich entschieden, keine Therapie einzunehmen, weil sie der Überzeugung sind, dass die antiretrovirale Therapie (ART) zu viele Nebenwirkungen verursacht – bei Befragten aus Europa mit 42% am weitesten verbreitet, gefolgt von Südafrika mit 29%.

    „Als die HIV-Pandemie in den frühen 1980er Jahren begann, war das allumfassende Ziel der Aus- und Weiterbildung, den Menschen Hoffnung zu geben und das Ziel der Behandlung war die Lebensverlängerung“, erklärt José M. Zuniga, geschäftsführender Vorstandvorsitzender der IAPAC. „Unabhängig von den unglaublichen Fortschritten die wir gemacht haben, zeigt uns diese Befragung, dass einige Menschen diese lebensrettende Therapie zurückweisen, weil sie Angst vor den Nebenwirkungen der Medikamente haben, die ihnen wirklich das Leben retten können – während andere unnötigerweise resigniert haben und in einem Zeitalter, in dem weniger toxische Therapieoptionen verfügbar sind, mit Nebenwirkungen und schlechter Verträglichkeit leben. Patienten sollten mehr von ihrer HIV-Behandlung erwarten und können das auch.“

    Während die ATLIS-Ergebnisse zeigen, dass mit HIV und Aids lebende Menschen glauben, dass die Stärke und Wirksamkeit der ART Patienten nachweislich hilft, ein längeres Leben zu leben, stehen im Mittelpunkt ihrer Besorgnisse eine Reihe von Kurzzeit- und Langzeitnebenwirkungen. 34% der therapieerfahrenen Befragten haben ihre Therapie unter- oder abgebrochen, primär weil sie der Überzeugung waren, sie verursache zu viele Nebenwirkungen.

    ATLIS ergab, dass mehr als die Hälfte aller Befragten Angst hatten, dass ihre Medikamente eine oder mehrere der folgenden Nebenwirkungen verursachen könnte: Veränderungen des Gesichts oder des körperlichen Aussehens (58%), Magen / Darm-Probleme (54%), Müdigkeit und Blutarmut (54%) und Leberschäden (54%). Befragte in Lateinamerika und Nordamerika waren signifikant besorgter über viele mögliche Nebenwirkungen, als Befragte aus anderen Regionen (p < 0,05). Dahingegen äußerten afrikanische Befragte signifikant weniger Befürchtungen (p <0,05). Weibliche Befragte in den meisten Regionen – insbesondere in Europa – waren besorgter über einen Verlust der Knochendichte, Veränderungen des Gesichtes und des körperlichen Aussehens, als männliche Befragte in ihrer jeweiligen Region.

    Verbesserung in der weltweiten Kenntnis über HIV notwendig

    Basierend auf den Ergebnissen der ATLIS-Befragung, ergibt sich weltweit eine starke Notwendigkeit einer kontinuierlichen Aus- und Weiterbildung über wichtige HIV und Aids-Themen. 69% der Befragten gaben an, sie würden gerne mehr über die HIV-Erkrankung und ihre Therapie wissen – ein Wunsch, der von Befragten aus Lateinamerika (78%) und Afrika (71%) am vehementesten geäußert wurden.

    Wurden die Befragten gebeten zu beschreiben, wie HIV eine Medikamentenresistenz entwickelt, waren nur 17% in der Lage, die Frage genau zu beantworten. 55% antworteten falsch oder kannten die Antwort nicht und 29% konnten nur eine teilweise richtige Antwort geben. Befragte aus Nordamerika (38%) und Asien/dem Pazifischen Raum (20%) wählten mit höchster Wahrscheinlichkeit die richtige Antwort auf die Frage, wohingegen Befragte aus Afrika (79%) mit der höchsten Wahrscheinlichkeit die falsche Antwort wählten oder die Antwort nicht kannten, gefolgt von Befragten aus Lateinamerika (58%) und Europa (54%).

    Vorherige Studien haben eine starke Korrelation zwischen einem guten Verständnis der HIV-Medikamentenresistenz und einer verbesserten Therapietreue gezeigt. „Die Ergebnisse von ATLIS zeigen, dass es nach wie vor einen großen Bedarf gibt, HIV-positive Patienten und die Welt in der sie leben, aus- und weiterzubilden. Die Ergebnisse fordern deutlich eine weltweite Verbesserung des Kenntnisstandes über HIV,“ meint Zuniga. „Menschen mit HIV und Aids zu empowern, einen aktiven Part im Management ihrer eigenen Erkrankung zu übernehmen, ist von erheblicher Bedeutung. Sie müssen aufgeklärt werden über die Bedeutung der Therapietreue für den Erfolg ihrer Therapie und ausgebildet werden, einzuschätzen, wie sie ihre gesamte Lebensqualität verbessern können.“

    ATLIS

    ATLIS ist die größte internationale vergleichende Befragung über die Einstellungen, Haltungen und das Bewusstsein zur HIV-Therapie bei Menschen mit HIV und Aids. IAPAC hat mit der unabhängigen Marktforschungsfirma Ipsos Insight Health zusammengearbeitet, um HIV-positive Erwachsene aus fünf Regionen der Welt (Nordamerika (USA); Lateinamerika (Argentinien, Brasilien, Mexiko und Karibik); Europa (Frankreich, Deutschland, Italien, Russland, Spanien und Großbritannien); Asien/Pazifik (Japan, Korea, Malaysia, Neuseeland und Singapur) und Afrika (Südafrika)) in einem Convenience Sample zu befragen. ATLIS wurde zwischen März 2008 und Ende Mai 2008 mittels einer Kombination aus Internet-, Telefon- und persönlichen Rekrutierungsmethoden durchgeführt. Es wurden insgesamt 2.968 HIV-positive Erwachsene (2.094 Männer und 919 Frauen) befragt.

    Um die aktuelle mit HIV lebende Population abzubilden, wurden spezifische Anstrengungen unternommen, sowohl therapieerfahrene, als auch therapienaive Personen zu rekrutieren. Alle Befragten unterzeichneten, bevor mit der Befragung begonnen wurde, eine Verschwiegenheitsvereinbarung, um sie zu versichern und sicherzustellen, dass in Übereinstimmung mit den jeweiligen lokalen Gesetzen, alle Informationen, die sie im Zuge der Befragung offen legten, auch vertrauliche behandelt wurde. Der Fragebogen wurde in die jeweilige lokale Sprache übersetzt und wurde für jedes Land leicht angepasst, um sicherzustellen, dass eine sozial akzeptable Sprache verwendet wurde.

    ATLIS ist eine quantitative Befragung gewesen. Die Ergebnisse basieren auf einem Convenience Sample HIV-positiver Menschen der jeweiligen interessierten Länder. Die Ergebnisse wurden zusammengefasst und als Prozentanteile angegeben. Konfidenzintervalle sind nicht angegeben. Allerdings würden 95% Konfidenzintervalle individueller Anteile des globalen Samples (n=2.968) einen Fehlerbreite von ±0,02 aufweisen. 95% Konfidenzintervalle von Anteilen spezifischer Segmente würden größere Fehlerbreiten aufweisen (etwa ±0,07 für n=200 und ± 0,10 für n=100). ATLIS wurde von Merck & Co. Inc. finanziert.

    Quelle: Pressemitteilung IAPAC, 4. August 2008, Mexico Stadt

    Deutsche AIDS-Hilfe e.V. - HIV-Report 10 / 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    330.000 Todesfälle durch unterlassene HIV-Therapie in Südafrika

    Boston – Die Weigerung der früheren Regierung Südafrikas, die Behandlung von Aids-Patienten mit antiretroviralen Medikamenten (ARV) zu fördern, hat in den Jahren 2000 bis 2005 schätzungsweise 330.000 Menschenleben gefordert. Hinzu kommen nach einer Studie im Journal of Acquired Immune Deficiency Syndromes (2008; doi: 10.1097/QAI.0b013e31818a6cd5) noch 35.000 HIV-infizierte Neugeborene, denen eine Prophylaxe mit Nevirapin vorenthalten wurde.

    Südafrika gehört zu den am stärksten von der HIV-Epidemie betroffenen Ländern. Nach Angaben von UNAIDS sind 5,5 Millionen Einwohner oder 19 Prozent der Erwachsenen HIV-Infiziert. Die Regierung wollte das Problem lange Zeit nicht wahrhaben.

    Präsident Mbeki (1999 bis 2008) bestritt sogar sogar öffentlich, dass HIV die Ursache von Aids ist. Seine Gesundheitsministerin Tshabalala-Msimang empfahl Olivenöl und Rote Beete zur Stärkung des Immunsystems. Auch die Vitamintherapie des deutschen Alternativmediziners Mathias Rath stieß auf offene Ohren.

    Das Angebot der Pharmafirma Boehringer Ingelheim im Jahr 2000, über fünf Jahre das HIV-Medikament Nevirapin zur Prophylaxe der Mutter-Kind-Übertragung kostenlos zur Verfügung zu stellen, wurde dagegen dankend abgelehnt. Nur zwei Pilotprojekte wurden genehmigt.

    Auch die Spenden des Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis, and Malaria für die Provinz KwaZulu Natal wurden über mehr als ein Jahr blockiert, berichtet Pride Chigwedere, der vor seiner Tätigkeit an der Harvard School of Public Health in Boston als Arzt HIV-Patienten in Simbabwe behandelt hatte.

    Chigwedere geht bei seinen Berechnungen von der realistischen Prämisse aus, dass ein nationales ARV-Programm bereits im Jahr 2000 etwa fünf Prozent der Infizierten erreicht haben könnte. Bis 2005 hätte der Anteil auf 50 Prozent gesteigert werden können. In den Nachbarländern Botswana und Namibia war der Versorgungsgrad höher.

    Tatsächlich wurden in Südafrika vor 2003 weniger als drei Prozent der Erkrankten erreicht. Bis 2005 stieg der Anteil auf nur 23 Prozent. Diese Verzögerung hat nach den Berechnungen Chigwederes 330.000 Aids-Patienten das Leben gekostet. Der Verlust an Lebensjahren (Person-Years Lost) betrug sogar 2,2 Millionen.

    Als katastrophal betrachtet Chigwedere auch die Weigerung der südafrikanischen Regierung, die Ergebnisse des HIV Network for Prevention Trials 012 Trial zur Kenntnis zu nehmen. Sie hatte ergeben, dass eine einzige Tablette Nevirapin das HIV-Übertragungsrisiko von der Mutter auf das Kind um 47 Prozent senkt (bei stillenden Müttern im Vergleich zur oralen Behandlung mit Zidovudin).

    Wäre die Regierung auf das Angebot des Herstellers eingegangen, hätten dies vielen der 35.000 Kinder, die sich während der Jahre mit HIV infizierten, eine lebenslange Infektion erspart. Chigwedere geht von (bisher) 1,6 Millionen verlorenen Lebensjahren aus.

    Inzwischen ist die Verwendung von ARV in Südafrika angestiegen. Ob die Ignoranz überwunden werden konnte, bleibt abzuwarten. Jacob Zuma, Präsident des African National Congress (ANC), der stärksten Partei des Landes, und designierter Staatschef, hatte in einem Gerichtsverfahren – er war der Vergewaltigung einer HIV-infizierten Aids-Aktivistin angeklagt – ausgesagt, dass für ihn selbst kein Infektionsrisiko bestanden habe, da er sich nach dem Geschlechtsverkehr geduscht habe….

    Link zum Abstract: http://www.jaids.com/pt/re/jaids/abstract.00126334-900000000-99419.htm

    Deutsches Ärzteblatt vom 22. Oktober 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HI-Virus kann sich aus einer einzigen Zelle neu ausbreiten

    Bei HIV-Patienten, die ihre Medikamente absetzen, können sich die Viren aus einer einzigen infizierten Zelle neu ausbreiten. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Forschern um Beda Joos und Huldrych Günthard vom Universitätsspital Zürich.

    Die Forscher untersuchten 20 Patienten, die bereits über lange Zeit Medikamente gegen HIV eingenommen hatten. Die Therapie kann den Aids-Erreger so weit zurückdrängen, dass keine Viren mehr im Blut gefunden werden. Werden die Medikamente aber abgesetzt, vermehren sich die Viren rasch wieder - sie überdauern also im Körper.

    Auf welche Weise die Viren die Medikamentenkeule überleben, ist unter Forschern aber umstritten. Es gebe zwei Theorien, sagte Beda Joos auf Anfrage: Das HI-Virus könnte sich entweder - auf tiefem Niveau - weiter vermehren. Oder aber es baut sich im Zellkern einer oder weniger Zellen in die menschliche DNA ein und gibt gar keine Kopien mehr ab.

    Ähnliche Virentypen

    Um die Frage zu untersuchen, unterbrachen die Ärzte die Therapie der Patienten für zwei Wochen und gaben danach wieder acht Wochen lang Medikamente. Diese Abfolge wurde vier Mal wiederholt. Am Schluss setzten die Patienten, falls der Gesundheitszustand es zuließ, die Therapie für längere Zeit ab.

    Die Forscher schauten nun, wie rasch sich die HI-Viren nach dem Absetzen der Medikamente wieder im Körper vermehrten, und um was für genetische Typen es sich handelte. Die in der neuesten Ausgabe des Fachmagazins «PNAS» publizierten Resultate zeigen, dass sich die Viren, die während der verschiedenen Behandlungsunterbrüche auftauchten, sehr ähnelten.

    Geringe Diversität

    Zudem hatten sie fast dasselbe Erbgut wie Viren, die vor dem Beginn der Medikamententherapie im Blut des Patienten aufgetreten waren. Beides deute darauf hin, dass die sich neu entwickelnden Viren von einer oder ganz wenigen infizierten Zellen abstammten, sagte Joos.

    Wären im Körper auch während der Therapie Viren produziert worden, hätten die Forscher rasch viele, genetisch unterschiedliche Viren finden müssen. Beim Therapieabbruch am Schluss der Studie stellten die Forscher aber fest, dass es zweieinhalb Jahre dauerte, bis im Blut des Patienten wieder so viele unterschiedliche Virentypen zu finden waren, wie vor Beginn der Therapie.

    Für Joos zeigt die Studie, dass die antiretroviralen Medikamente sehr wirksam sind. Sie bringen die Virenproduktion im Körper vollständig zum Erliegen. Das könne bei infizierten Menschen, die diese Medikamente einnehmen sollten, für eine gewisse Beruhigung und Zuversicht sorgen.

    20min.ch vom 21. Oktober 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Nur 1 von 60 Schnell-Getesteten HIV-positiv

    Drei Monate nach der Einführung eines HIV-Schnelltest-Angebotes im Dortmunder Schwulenzentrum KCR ziehen die Verantwortlichen eine zufriedene Bilanz.

    Seit August bietet das Zentrum zweimal im Monat für schwule und bisexuelle Männer einen kostenlosen HIV-Test an, bei dem das Ergebnis nach nur 20 Minuten vorliegt. Die Testung ist mit einer Beratung verbunden, die Aufschluss über individuelle Schutzstrategien vermittelt.

    Die sechs Test-Termine, die bisher im KCR stattgefunden haben, wurden von 60 Männern besucht. Großen Zuspruch findet das Angebot vor allem bei jüngeren Schwulen. Mehr als die Hälfte aller Probanden waren jünger als 30 Jahre. Als Grund für den Testbesuch wird mehrheitlich eine Risikosituation in der Vergangenheit genannt, außerdem kommen häufig junge Paare zum "Bilanztest". Nur ein Proband wurde bisher HIV-positiv getestet.

    Das Schnelltest-Projekt im KCR wird durch ehrenamtliche Mitarbeiter bewerkstelligt und fachlich von der AIDS-Hilfe NRW begleitet. Die ärztliche Betreuung hat der Dortmunder Infektiologe Dr. Andreas Bellmunt übernommen. Der Projektstart in der Ruhrgebietsmetropole fand in Fachkreisen bundesweit Beachtung, weil erstmals ein kostenloser HIV-Schnelltest in einem Schwulenzentrum umgesetzt wurde. Im nächsten Jahr werden weitere Angebote dieser Art in bundesdeutschen Städten entstehen, um der Aids-Prävention neuen Schwung zu verleihen.

    queer vom 21. Oktober 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Basics: HIV-Neudiagnosen

    HIV-positive Testergebnisse müssen in Deutschland von Laboren und Ärzten pseudonymisiert an das Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet werden (Meldung gemäß §7(3) Infektionsschutzgesetz). Anhand der Pseudonymisierung werden Doppel-Meldungen (z.B. Labor und Arzt melden den gleichen Patienten an das RKI) weitgehend bereinigt.

    Dies bedeutet: die Zahl der HIV-Neudiagnosen wird gezählt!

    Die Zahl der HIV-Neudiagnosen wird vom RKI regelmäßig publiziert im ‘Epidemiologischen Bulletin’ (z.B. der Jahresbericht ‘HIV-Infektionen und AIDS-Erkrankungen in Deutschland’ 2007 im Epidemiologischen Bulletin Sonderausgabe A / 2008, 2. Mai 2008.)

    HIV-Infektion und HIV-Diagnose können zeitlich weit auseinander liegen. Aus diesem Grund erlaubt die Zahl der HIV-Neudiagnosen keinen direkten Rückschluss auf das aktuelle Infektionsgeschehen. Zudem wird die Zahl der HIV-Neudiagnosen z.B. beeinflusst von Faktoren wie das Meldeverhalten der Ärzte oder Angebot und Inanspruchnahme von HIV-Tests (ein massives Bewerben des HIV-Tests in Schwulenszenen einiger Städte führt z.B. fast ‘natürlich’ auch zu einem Anstieg der Tests und damit der Neudiagnosen).

    Für Deutschland wurden dem RKI für das Jahr 2007 (Stand 01.03.2008) 2.752 neu diagnostizierte HIV-Infektionen gemeldet (für 2006: 2.643; Zunahme 2007 zu 2006: 4%). Die Zahl der HIV-Neudiagnosen publiziert das RKI im April (gesamt Vorjahr). Der bisher jeweils im Oktober vorgelegte Halbjahresbericht entfällt seit diesem Jahr; allerdings wird das RKI auch dieses jahr wieder ein Welt-Aids-Tag - Bulletin veröffentlichen (im November; siehe ‘HIV-Neuinfektionen’).

    Im Gegensatz zu HIV-positiven Testergebnissen (pseudonymisierte Meldepflicht) wird die Zahl der Aids-Erkrankungen und Aids-Todesfälle nur freiwillig weitergegeben und vom RKI in einem zentralen Fallregister ausgewertet. Bei weitem nicht alle Staaten weltweit zählen ihre HIV-Neudiagnosen. Aus diesem Grund werden von internationalen Organisationen wie UNAIDS (der Aids-Organisation der Vereinten Nationen) oftmals keine Daten zu HIV-Neudiagnosen veröffentlicht.

    HIV-Neuinfektionen
    Das eigentliche Ziel der Überwachung von Infektionskrankheiten ist weniger das Zählen neuer Diagnosen, als das Erkennen aktueller Entwicklungen. Das aktuelle Infektionsgeschehen spiegeln die Zahlen der HIV-Neudiagnosen aus verschiedenen Gründen (s.o.) jedoch nicht direkt wieder.

    Da es für die Zahl der HIV-Neuinfektionen keine Zahlen gibt (geben kann), kann diese nur geschätzt werden. Das RKI schreibt selbst hierzu: “Die Bestimmung der Anzahl der HIV-Neuinfektionen pro Zeiteinheit (HIV-Inzidenz) ist methodisch schwierig und aufwändig.” Dies bedeutet: die Zahl der HIV-Neuinfektionen wird geschätzt!

    Anlässlich des Welt-Aids-Tags 2007 berichtete das RKI im November 2007 über Stand und Entwicklung der HIV-Infektion in Deutschland und schätzte damals die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland für das Jahr 2007 auf “etwa 3.000” (Epidemiologisches Bulletin Nr. 47/2007.

    Die Schätzung der HIV-Neuinfektionen 2008 wird das RKI etwa Ende November 2008 veröffentlichen.

    HIV-Prävalenz
    Die HIV-Prävalenz gibt die Gesamtzahl der lebenden HIV-Infizierten an.

    Mitte der 1990er Jahre hatte sich in Sachen HIV-Prävalenz eine Art ‘Gleichgewichtszustand’ etablierte: die Zahl der Aids-Neumanifestationen und -Todesfälle hielt sich in etwa die Waage mit der Zahl der HIV-Neuinfektionen. Die Einführung hochwirksamer Therapien beendete dieses ‘Gleichgewicht’. Die Zahl der Aids-Neumanifestationen und -Todesfälle sinkt; seit etwa 2000 steigt zudem die Zahl der HIV-Neuinfektionen. Dies führt im Ergebnis dazu, dass seit 1995 die Zahl der mit HIV lebenden Menschen in Deutschland langsam zunimmt. Für Ende 2007 schätzt das RKI die Zahl der in Deutschland lebenden HIV-Positiven auf “um 59.000” (Epidemiolog. Bulletin Nr. 47/2007, s.o.). Die Schätzung für 2008 wird etwa Ende November 2008 veröffentlicht werden. Diese Schätzung beinhaltet auch die so genannte ‘Dunkelziffer’ (diejenigen Menschen, die noch nichts von ihrer HIV-Infektion wissen).

    HIV-Inzidenz
    Die HIV-Inzidenz gibt die Zahl der HIV-Neudiagnosen pro Zeiteinheit an (s.o.).

    ondamaris vom 20. Oktober 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Forscher glauben nicht an baldigen Impfstoff

    Experten äußern die Befürchtung, dass durch die weltweite Finanzkrise die Mittel gekürzt werden.

    Kapstadt - Führende HIV-Wissenschafter halten es für unwahrscheinlich, dass ein Durchbruch bei der Forschung an einem Impfstoff gegen Immunschwächekrankheit in greifbarer Nähe liegt. Schlimmer noch: Niemand könne garantieren, ob ein solcher jemals entdeckt würde, sagte der Direktor des US-Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten, Anthony Fauci.

    Zudem äußerten mehrere Forscher auf einer internationalen Aids-Konferenz in Kapstadt am Dienstag die Befürchtung, dass die Forschungsförderung infolge der weltweiten Finanzkrise gekürzt werden könnte.

    Wechsel in der südafrikanische Gesundheitspolitik

    Die neue südafrikanische Gesundheitsministerin Barbara Hogan hatte Wissenschafter am Montag zu verstärkten Anstrengungen bei der Entwicklung eines Impfstoffs aufgefordert. Die Rede der Gesundheitsministerin markierte einen radikalen Bruch mit der Politik ihrer Vorgängerin Manto Tshabalala-Msimang, die mit fragwürdigen Einstellungen zum Thema Aids von sich reden machte und etwa Knoblauch als Heilmittel gegen die tödliche Krankheit anpries.

    Der Standard vom 15. Oktober 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    APOBEC-3G - körpereigene Virusabwehr

    von Christian Kahlert

    Wissenschaftlern aus Kalifornien ist gelungen, ein schon länger bekanntes Enzym (eine Cytidin-Deaminase), welches in jeder Körperzelle vorhanden ist (APOBEC-3G) in seiner Kristallstruktur zu charakterisieren. Wieso ist das spannend?

    APOBEC-3G ist spannend, weil dieses Enzym die Eigenschaft besitzt, die Vermehrung von HIV vollständig zu verhindern. Das Enzym bindet und zerstört die virale DNA, wahrscheinlich über eine Enzym-unabhängige und eine Enzym-abhängige Funktion. Letztere führt zur Mutation und dem Abbau der DNA. Nebenbei bemerkt hemmt APOBEC-3G auch das Hepatitis B Virus.

    Wenn der Körper ein so potentes HIV-Medikament selbst herstellt, wieso ist dann HIV so erfolgreich?

    Die Frage ist berechtig! Die Antwort einfach: HIV ist auf APOBEC-3G vorbereitet. Es bringt ein Protein mit (Vif = viral infectivity factor), der APOBEC-3G hemmt. Dies ist schon seit einigen Jahren bekannt. Auch, dass dieser Effekt wohl durch die körpereigene Produktion von IFNalpha teilweise aufgehoben werden kann (siehe Peng G et al, 2006, J. Exp. Med ).

    Neu hingegen ist die Aufklärung der 3-D-Struktur und insbesondere auch der Bindungsstellen an die virale DNA (ssDNA). Die Spezifität der identifizierten Bindungsstellen wurde über das Einbringen von Mutationen aufgezeigt.

    Für die Entwicklung eines Medikaments, welches die gleichen Bindungseigenschaften wie APOBEC-3G besitzt, ist dies enscheidend. Denn weitere Mitglieder der APOBEC-Familie haben wesentliche andere Funktionen im Körper inne und sollten von einem Therapieansatz unbeeinflusst bleiben.

    Gleichzeitig gibt es auch Bestrebungen, Vif mit niedermolekularen synthetischen Molekülen (small molecules) zu inhibieren (siehe: Small-molecule inhibition of HIV-1 Vif / http://www.ncbi.nlm.nih.gov/sites/entrez/18806783).

    Bis in die Klinik bleibt so oder so ein langer Weg.

    Quelle: Crystal structure of the anti-viral APOBEC3G catalytic domain and functional implications / http://dx.doi.org/10.1038/nature07357

    Infektiologie St. Gallen vom 13. Oktober 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    ICH WEISS WAS ICH TU!
     

    Deutsche AIDS-Hilfe startet bundesweite HIV-Präventionskampagne "ICH WEISS WAS ICH TU"

    Die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. (DAH) startet am heutigen Montag eine bundesweite zielgruppenspezifische Kampagne zur Intensivierung der HIV-Prävention und Gesundheitsförderung bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM): "ICH WEISS WAS ICH TU". Zu der Kampagnenzielgruppe der MSM zählen Schwule, Bisexuelle und andere Männer, die Sex mit Männern haben.

    Die Kampagne wird von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unterstützt. Sie ist ein wichtiger Beitrag zur Umsetzung des nationalen Aktionsplans der Bundesregierung zur HIV- und AIDS-Bekämpfung. "ICH WEISS WAS ICH TU" soll die Zielgruppe dabei unterstützen, sich vor einer HIV-Infektion zu schützen und sich insgesamt selbst- und gesundheitsbewusst zu verhalten. In dem gemeinsam mit den DAH-Mitgliedsorganisationen und weiteren (Präventions-)Projekten entwickelten Maßnahmenpaket werden differenzierte Informationen zielgruppengerecht kommuniziert, damit die Männer ihr individuelles Risiko, sich mit HIV oder anderen sexuell übertragbaren Erregern zu infizieren, realistisch einschätzen und gegebenenfalls ihr Schutzverhalten anpassen können.

    Auf der Pressekonferenz in Berlin erläuterte Winfried Holz, Bundesvorstand der DAH, das Kampagnenkonzept:
    "Wir möchten das Informations- und Schutzverhalten der Männer stärken und stabilisieren. Unsere Kampagne stützt sich dabei auf drei Säulen: Medien der MSM-Community (z.B. Printmedien wie Zeitschriften und Infoblätter, Internetportale), Beratung (vor Ort, am Telefon und im Internet) und personalkommunikative Vor-Ort-Aktionen (z.B. Präventionsteams mit Aktionen wie z.B. auf CSDs und andere Events). Für diese Aktionen stellt die DAH im Rahmen der Kampagne eine Million Cruising-Packs (Kondom und Gleitgel) zur Verfügung. Anzeigenmotive und weitere Kampagnenmodule (z.B. Infofaltblätter, Aktionen der Präventionsteams, Kooperation mit Medienpartnern) thematisieren verschiedene MSM-Lebenswelten und verweisen immer auf das Gesundheits- und Präventionsportal http://www.iwwit.de ."

    Dr. Dirk Sander, DAH-Abteilungsleiter Strukturelle Prävention MSM:
    "Die HIV-Neudiagnoseraten steigen seit 2001 in der MSM-Zielgruppe in allen westlichen Industrienationen. Aktuelle Studien (z.B. Bochow et al., "Wie leben Schwule heute?" Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, 8. Wiederholungsbefragung zum MSM-Schutzverhalten) stellen aber fest, dass der Wille, sich vor HIV zu schützen, in der Zielgruppe der MSM auch nach über 20 Jahren Präventionsarbeit ungebrochen hoch ist. Die Grundstandards des Safer Sex sind von der Zielgruppe gelernt. Sie erfordern allerdings heute eine Erweiterung, die auf authentische Weise die Lebenswirklichkeiten der Zielgruppe aufgreift. Es werden unterschiedliche Schutzbotschaften platziert (z.B. für Männer in Paarbeziehungen oder für positiv getestete Männer), die HIV-Negative, HIV-Positive und Männer, die nicht wissen, ob sie positiv oder negativ sind, auch erreicht. So können wir die Kontexte thematisieren, die zu einem risikoreichen Verhalten beitragen. Und wir binden HIV-Positive in die Prävention ein: Die HIV-Positiven können in der Prävention die Aufgabe übernehmen, falsche Bilder vom Leben mit HIV aufzuweichen, falsche Risikostrategien entlarven und falsche Bilder von HIV-Positiven selbst korrigieren helfen. Das ist auch deshalb wichtig, um einer Stigmatisierung von HIV-Positiven entgegen zu wirken."

    Link zur Homepage: http://www.iwwit.de/

    Deutsche AIDS-Hilfe e.V. – Pressemeldung vom 13. Oktober 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    AIDS-Patienten sind schmerztherapeutisch unterversorgt

    Deutscher Schmerzkongress: Schmerzen und Depressionen bei HIV-Infektion.

    Abhängig vom Krankheitsstadium leiden bis zu 97 Prozent aller HIV- und AIDS-Patienten unter Schmerzen - hervorgerufen durch die Krankheit selbst und häufig auch durch damit verbundene Depressionen. 85 Prozent von ihnen erhalten keine ausreichende Schmerztherapie. Diese Zahlen stellte Prof. Dr. Ingo W. Husstedt (Universität Münster) jetzt beim Deutschen Schmerzkongress in Berlin vor.

    Unzureichend behandelte Schmerzen und Depressionen - nur die Hälfte aller depressiven Episoden bei HIV-Patienten werden diagnostiziert - führten unter anderem dazu, dass HIV-Patienten ihre antiretroviralen Medikamente nicht mehr einnähmen. "Depressionen und Schmerz müssen bei allen HIV-Patienten adäquat behandelt werden", sagte Prof. Husstedt. "Dabei ist es besonders wichtig, mögliche Wechselwirkungen mit HIV-Medikamenten zu kennen und durch die richtige Auswahl der Wirkstoffe zu vermeiden."

    Jeder zweite leidet unter Kopfschmerzen

    Schmerzen sind mit Abstand der häufigsten Grund für die Krankenhaus-Einweisung von AIDS-Patienten. Bis zu 60 % der stationären, 70 % der ambulanten und 97 % der Patienten im Finalstadium leiden unter Schmerzen. Am häufigsten sind Kopfschmerzen (55 %), Nervenschmerzen und Speiseröhrenschmerzen (je 30%), Schmerzen in der Mundhöhle (28%), sowie Schmerzen im Brustraum (22 %) und Bauchschmerzen (20%). Auf einer Skala von 1 bis 10 wird die Schmerzstärke im Mittel mit 7,4 angegeben, jeder Patient leidet im Durchschnitt unter Schmerzen an zwei bis drei verschiedenen Organsystemen. In Ländern ohne Zugang zur hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) sind 98% aller Patienten von Schmerzen betroffen.

    Frauen und Drogengebraucher werden schlechter behandelt

    Ca. 85 % der Patienten mit Schmerzen bei HIV und AIDS erhalten eine unzureichende Schmerztherapie. Während bei 20% der HIV-Infizierten keinerlei Medikamente eingesetzt werden, erhalten 41% NSAR (wie zum Beispiel Aspirin oder Diclophenac), 26% Opioide. Die Patienten, die die HIV-Infektion durch Drogengebrauch akquiriert haben, werden - wie auch Frauen und Patienten mit niedrigem Bildungsstand - schlechter schmerztherapeutisch versorgt. "Häufige Barrieren einer adäquaten Schmerztherapie HIV-Infizierter sind auf Seiten der Therapeuten nicht ausreichendes Wissen, fehlende Ausbildung, der Wunsch, keine Opioide zu verschreiben und die Angst vor Medikamentenmissbrauch durch die Patienten", stellt Prof. Husstedt fest. "Hier müssen Vorurteile ab- und schmerztherapeutisches Wissen aufgebaut werden."

    Hintergrund: Schmerz durch HIV

    Die HIV-Infektion selbst verursacht im Gehirn und Rückenmark über direkte und indirekte Mechanismen umfassende immunologische Veränderungen, die z.B. zu neurokognitiven Störungen, zu Nervenschmerzen und depressiven Episoden führen. Die Invasion und Vermehrung des HI-Virus ruft durch eine Aktivierung bestimmter Hirnzellen entzündliche Prozesse hervor. Das HI-Virusprotein gp120 ist ein starkes Nervengift und kann eine mechanische Schmerzüberempfindlichkeit auslösen, die durch neutralisierende Antikörper blockiert werden kann. Bestimmte Botenstoffe (Neurotransmitter) werden vermehrt ausgeschüttet und verändern die Weiterleitung von Schmerzreizen.

    Oft gekoppelt: Schmerz und Depression

    Schmerzen und depressive Erkrankungen sind oft miteinander gekoppelt. Die HIV-Infektion des Gehirns ruft nun zum einen neurokognitive Störungen unterschiedlichen Ausmaßes hervor, die das Vollbild einer Demenz erreichen können. Depressivität ist ein Bestandteil dieser Entwicklung. "Besonders sensibel ist der Zeitraum nach Mitteilung einer HIV-Infektion, in dem die Hälfte der Betroffenen eine depressive Episode erleben, 5% Selbstmordgedanken haben und 2% einen Selbstmordversuch unternehmen", so Prof. Husstedt. Studien ergaben eine Häufigkeit depressiver Episoden bei HIV-Patienten von 57 % und von Angststörungen von 34 %. Oft besteht zusätzlich ein Alkohol- und Drogenmissbrauch. Nur 50 % der depressiven Episoden HIV-Infizierter werden korrekt diagnostiziert und nur 10 % adäquat behandelt. "Eine Ursache dafür ist, dass HIV-Patienten körperliche Beschwerden in den Vordergrund stellen", erklärt Prof. Husstedt. "Bei bis zu 40 % der HIV-Infizierten verbirgt sich hinter Schmerzen eine depressive Episode. Ärzte sollten bei der Schilderung von Beschwerden wie verminderte körperliche Leistungsfähigkeit, diffuse, schlecht lokalisierbare Schmerzen in Bauch, Brust und Kopf, Muskel- und Gelenkbeschwerden, Verdauungsbeschwerden, Schlafstörungen und Schwindel hellhörig werden."

    Herausforderung an die Schmerztherapeuten

    Aufmerksamkeit gegenüber Depressivität sei vor allem deshalb wichtig, weil sie der häufigste Grund für Patienten ist, die antiretroviralen Medikamente nicht einzunehmen und somit die Langzeitprognose wesentlich zu verschlechtern. Auch haben Patienten mit einer zusätzlichen Hepatitis-Infektion, die mit Interferonen behandelt wird, ein besonders hohes Risiko, an Depressionen zu erkranken. "Schon die Verdachtsdiagnose einer depressiven Episode bei einem HIV-Patienten rechtfertigt eine Therapie mit Medikamenten und psychotherapeutischen Verfahren", unterstreicht Husstedt. Aufgrund der komplexen Interaktionen mit den Retrovirustatika müsse das Antidepressivum sorgfältig ausgewählt werden. Günstig seien auch wegen geringer Interaktionen mit HAART die Wirkstoffe Citalopram, Duloxetin und Venlafaxin auf. "Die erheblich verlängerte Überlebenszeit im AIDS-Stadium von bis zu zehn Jahren und mehr unter HAART führt zu einer Zunahme akuter und chronischer Schmerzsyndrome sowie depressiver Episoden. Die Verbesserung der Situation von HIV-Infizierten mit Schmerzen und depressiven Episoden stellt eine der Herausforderungen in Zukunft für Schmerztherapeuten auch in Deutschland dar", sagte Prof. Husstedt in Berlin.

    Universitätsklinikum Münster - Pressemeldung vom 11. Oktober 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Erholung des Fettabbaus durch Umstellung der ART?

    von Christine Gutmann

    Die HIV-Therapie war früher oft mit einem ästhetisch störenden Abbau des Fettgewebes im Gesicht und an den Extremitäten verbunden (Lipoatrophie). Für diese Nebenwirkung sind die gewisse Nukleosid-Analoga (NRTI) verantwortlich. In einer interessanten Studie, dem NoNuke Trial, wurde untersucht, ob ein NRTI sparendes Konzept eine Änderung im subkutanen Fettgewebe bewirkt.

    Die Ursache für die Lipoatrophie sind Nebenwirkungen der NRTI an den Mitochondrien, wobei die neueren NRTI (3TC, ABV, TDF) kaum noch Mitochondrien-schädigende Wirkungen zeigen. Neben der Lipodystrophie können die NRTI auch einige Stoffwechselstörungen, wie Diabetes oder ein vermindertes Ansprechen auf Insulin (Insulin-Resistenz) verursachen. Die Mitochondrien sind Energiebausteine der Zellen, daher kann ein Schaden diverse Konsequenzen haben, wie Laktatazidose (Anstieg von Milchsäure wegen Energiemangel im Gewebe), Nerven- und Leberschäden und weitere Symptome.
    Die genannte Studie hat bei Personen mit Lipoatrophie untersucht, ob sich ein Jahr nach Absetzen der NRTI das Fettgewebe wieder erholen kann.

    Es wurden 100 Patienten rekrutiert, wovon 50 ihre Therapie fortsetzten und die anderen 50 eine Therapie ohne NRTI (meist Nevirapine oder Efavirenz) erhielten. Die Patienten waren durchschnittlich 6.6 Jahre unter Therapie. 71% wurden mit sog. Thymidin Analoga (Stavudine 37%, Zidovudin, 34%) behandelt. Die Dicke des Fettgewebes wurde mittels CT Untersuchung gemessen.

    Veränderungen der Dicke des subkutanen Fettgewebes

    Nach einem Jahr hatte die Gruppe ohne NRTI signifikant mehr Unterhaut-Fettgewebe (Differenz 34ml). Diese Erhöhung war am deutlichsten bei den Patienten, die zuvor mit Stavudin oder Zidovudin therapiert wurden. Das Unterhaut-Fettgebwebe ist von der Mitochondrialen Toxizität am stärksten betroffen.

    Veränderung im abdominalen subkutanen Fettgewebe, bzw. viszeralem Fettgewebe:
    Das abdominale subkutane Fettgewebe erhöhte sich ebenfalls signifikant. Hingegen zeigte sich beim viszeralen Fettgewebe ("Fettbauch") kein Unterschied in den beiden Gruppen.

    Metabolische Veränderungen:
    In der NRTI sparenden Gruppe fand sich ein signifikanter Anstieg der Triglycerid- (Blutfett-) Werte nach einem Jahr doch dieser Unterschied war nach 2 Jahren verschwunden. Der LDL Spiegel, der "ungünstige Anteil des Cholesterins", war nach 2 Jahren tiefer in der NRTI Gruppe, während das "gute" HDL-Cholesterin signifikant anstieg in der NRTI sparenden Gruppe. Auch der Glukosetoleranztest (Zuckerbelastung zur Früherkennung einer Insulinresistenz) war in Woche 48 waren in der NRTI sparenden Gruppe besser, es zeigte sich keine Änderung in den nüchtern Blutzuckerwerte.

    Viral load und CD 4 Zellzahl:
    Die Wirkung der Therapie (Virussuppression und Anstieg der CD4 Helferzellen) blieb bei beiden Gruppen stabil.

    Nebenwirkungen
    Elf schwere unerwünschte Ereignisse fanden sich im ersten Studienjahr; 2 in der NRTI Gruppe (Myokardinfarkt und arteriell Erkrankung, 9 in der NRTI sparenden Gruppe (Ovarialcarcinom, KHK, Perikarditis, Pneumonie, Malaria, Erhöhung der Transaminasen, Hypertriglyceridämie). Zehn schwerwiegende Zwischenfälle im zweiten Jahr: 2 in der NRTI Gruppe (Arthroplastie, Drogenkriminalität), 8 in der NRTI sparenden Gruppe (Hypertriglyceridämie, grippale Symptome, Pneumonie, HCV, HAV, Nephrolithiasis, Herpesvirusinfektion)

    Diskussion:

    Eine Erholung des subkutanen Fettgewebes ist durch einen Stop der NRTI Medikation möglich. In dieser Studie zeigte sich eine kontinuierliche Erhöhung des Fettgewebes von 12% nach einem Jahr, respektive 30% nach zwei Jahren. Der Gewinn an Fettgewebe war auf die Regionen beschränkt, wo vorgängig eine Lipoatrophie beobachtet wurde, d.h. an den Extremitäten und am Abdomen. Leider wird nicht erwähnt, wie es sich mit der Lipoatrophie im Gesicht verhält. Es kommt nicht zu einer Zunahme des viszeralen Fettgewebes, dies wurde auch mit einem stabilen BMI und Gewichtsverlauf dokumentiert.

    Die Erholung des subkutanen Fettgewebes ist vor allem auch abhängig davon, wann die NRTI gestoppt werden. Sie sei am besten, wenn die NRTI im ersten Jahr gestoppt werden. Es wird aber auch betont, dass ABC und Tenofovir weniger Risiko einer Lipoatrophie haben.

    Die deutlich erhöhte Anzahl an unerwünschten Nebenwirkungen erklären sich die Autoren damit, dass ein Wechsel eines "altbekannten" Therapie-Regimes häufig mit biologischen Nebeneffekten behaftet ist.

    Wichtig ist die Tatsache, dass es bei optimal supprimierter Viruslast, auch nach Umstellung zum NRTI sparenden Regimen, zu keinem virologischen failure gekommen ist. Dies im Gegensatz zu einer anderen Studie, wo ART naive Patienten in eine NRTI sparende Gruppe randomisiert wurde und eine schlechtere virale Suppression hatten, als mit NRTI. Eine Erklärung hierfür sei möglicherweise eine tiefere Potenz, Wirksamkeit, und/oder ein geringerer "Entschuldigungsfaktor" bei nicht optimaler Adherence.

    Die Langzeitresultate der Studie legen einen Wechsel zu einem Thymidin Analoga sparendem Therapieregime nahe um eine bereits bestehende Lipoatrophie zu verbessern. Der Gebrauch von d4T und ZDV ist weit verbreitet in den Entwicklungsländern. Der Zugang zu ABC oder Tenofovir ist limitiert, so dass Patienten mit vollständig supprimierter Viruslast mit Lipoatrophie, oder um eine solche zu vermeiden, von einem NRTI sparendem Konzept profitieren könnten.

    Eine interessante Arbeit, die wiedereinmal zeigt wie viele Möglichkeiten einer Kombinationstherapie bestehen, insbesondere im Augenmerk auch auf die diversen möglichen Nebenwirkungen. Auch hier führen eben viele Wege nach Rom...

    Quelle: Valantin et al, HIV Medicine, 20.6.2008

    Infektiologie St. Gallen vom 10. Oktober 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aids-Prävention unter Schwulen hat sich verschlechtert

    Immer mehr Schwule verzichten bei Gelegenheits-Sex auf das Präservativ. Dies geht aus einer Studie der Universität Lausanne hervor.

    Für die Studie "Gay Survey 2007" wertete das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Lausanne (IUMSP) 2.953 Fragenbogen auf Papier (1.047) und über Internet (1.906) aus.

    Die Aids-Prävention von homosexuellen Männern in der Schweiz verschlechtert sich seit Mitte der neunziger Jahre zunehmend, wie aus den Antworten hervorgeht. Immer mehr Schwule jeden Alters verzichten bei Analverkehr mit Gelegenheits-Partnern auf das Kondom.

    24,2 Prozent der Befragten gaben 2007 an, bei Gelegenheits-Sex nie oder nur ab und zu ein Kondom zu benutzen. 1994 waren es nur 8,9 Prozent gewesen. Besorgniserregend sei die mangelnde HIV-Prävention bei jungen homosexuellen Männern, schreibt das Institut für Sozial- und Präventivmedizin.

    Ein Drittel der Befragten weiss nicht, ob der Partner HIV-positiv oder HIV-negativ ist. Und eines von sechs schwulen Paaren verzichtet auf das Kondom, ohne je eine HIV-Abklärung gemacht zu haben. Eine starke Zunahme von HIV-Positiven bei homosexuellen Männern seit 2003 gehe mit den Feststellungen der Studie einher, heißt es in der Auswertung.

    Die Umfrage zeigt auch, dass die Mehrheit der befragten homosexuellen Männer sich immer noch mit Präservativen gegen eine HIV-Infektion schützt. Erstmals wird durch die Umfrage auch deutlich, dass homosexuelle Männer mit niedrigem Bildungsstand und ausländischer Nationalität größere Risiken eingehen.

    Punkt.CH vom 9. Oktober 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Umfrage in China zu HIV/AIDS

    Auf der Welt AIDS Konferenz 2008 standen Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit HIV/AIDS an oberster Stelle. Das folgende Beispiel zeigt auf, wie enorm essentiell diese Themen sind.

    Vor einigen Tagen veröffentlichte UNAIDS (das Programm der Vereinten Nationen gegen HIV/AIDS) die Daten einer Umfrage in China. Befragt wurden 6.000 Menschen in mehreren Großstädten Chinas. Das Ergebnis:
     

    • 30% wissen nicht, wie ein Kondom benutzt wird
    • 44% hatten noch niemals ein Kondom benutzt
    • 48% glauben, sich auch über Mückenstiche infizieren zu können
    • 18% glauben, sich über Husten und Niesen anstecken zu können
    • 83% haben sich noch nie selbstständig über HIV/AIDS informiert
    • 88% sehen für sich selber kein Infektionsrisiko
    • 65% würden nicht mit einer HIV-positiven Person in einem Haushalt leben
    • 41% würden nicht mit einer HIV-positiven Person zusammen arbeiten
    • 30% würden HIV-positiven Kindern den Zugang zu einer öffentlichen Schule verweigern
    • 20% würden eine HIV-positive Person nicht berühren
    • 33% sagen, dass eine HIV-positive Person "die Krankheit wegen seines Sexualverhaltens oder Drogenmissbrauchs verdient habe“


    Und die Realität unterstreicht diese Umfragedaten: Die Zahl der offiziell bestätigten HIV-Infektionen in China stieg im vergangenen Jahr um 22 Prozent an. Nach Schätzungen von UNAIDS und der chinesischen Regierung sind heute zwischen 650.000 und 700.000 ChinesInnen mit dem HI-Virus infiziert.

    Quelle: http://www.unaids.org.cn

    med update Nr. 09/08 September 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Wissenschaftskrimi um den Aids Erreger

    Die Nobelpreise für Medizin 2008 gehen an drei Forscher, die sich um die Entdeckung von Viren verdient gemacht haben – Harald zur Hausen für die Entdeckung, dass Papilloma-Viren Gebärmutterhalskrebs auslösen, sowie Francoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier für die Entdeckung von HIV. Hinter der Auszeichnung der HIV-Entdecker verbirgt sich ein Wissenschafts-Krimi um Intrigen, Prozesse und Profite.

    Anfang der 1980er Jahre. Zunächst ohne erkennbare Ursachen erkranken junge Männer an einer seltenen Form von Lungenentzündung. Die Zahl der Erkrankten wächst ab 1981, vor allem Homosexuelle erkranken. Bald wird eine Immunschwäche als hinter den Erkrankungen liegende Konstellation erkannt. Sie wird mit „GRID“ benannt - „gay related immune deficiency“. Ihre Ursache bleibt zunächst im Dunkel.

    1983 – am Institut Pasteur, seit 1972 geleitet von Luc Montagnier, kann Francoise Barré-Sinoussi nach bereits im Dezember 1982 begonnenen Arbeiten in Zellen, die aus den Lymphknoten von Erkrankten stammen, ein Virus nachweisen. Bald schon vermuten sie, dass dieses Virus der Auslöser der seltsamen Immunschwäche sein könnte. Sie zeigen auf, wie das von ihnen entdeckte Virus in menschlichen Zellen wirkt und legen damit den Grundstein für die Entwicklung von Therapien. Beide beantragen ein Patent – auf einen von ihnen am Institut Pasteur entwickelten Test zum Nachweis dieses Virus. Sie benennen dieses Virus LAV (Lymphadenopathie-assoziiertes Virus).

    Ebenfalls 1983 – in den USA. Der Italo-Amerikaner Robert Gallo ist Wissenschaftler der National Institutes of Health (NIH), nach der Entdeckung von HTLV I und II bereits sehr bekannt und nicht minder ehrgeizig als Montagnier. Auch in seiner Forschergruppe wird untersucht, warum manche Menschen plötzlich eine Immunschwäche aufweisen. Gallos Gruppe findet bald – ein Virus, das auch diese Gruppe als Ursache der Immunschwäche erkennt. Gallos Gruppe bezeichnet dieses Virus als HTLVIII, da es der Gruppe der bereits bekannten Humanen T-Zell-Leukämie verursachenden Viren verwandt ist. Auch Gallo beantragt ein Patent – sechs Monate, nachdem dies die französische Gruppe beantragt hat.

    1984 – auf einer Pressekonferenz in Washington am 23. April 1984 erklärt Margaret Heckler, Leiterin des HHS (US-Gesundheitsbehörde), Robert Gallo publicityträchtig zum Entdecker des Aids-Erregers, die Arbeiten der französischen Kollegen völlig ignorierend. Gallo wird schon bald ein US-Patent zugesprochen – noch vor den Franzosen.

    Montagnier und seine Gruppe waren wohl mehr als irritiert – zumal gerade dieser Herr Gallo im Jahr 1983 eine Probe zu Forschungszwecken aus eben dem Labor des Herrn Montagnier erhalten hat. Hat Gallos Gruppe also nur entdeckt, was Montagniers Gruppe längst gefunden hatte?
    Alles purer Zufall, rechtfertigt sich Gallo. Auch als offenbar wird, dass das Virus, mit dem seine Gruppe arbeitet, aus dem Pariser Labor stammte, rechtfertigt er sich, die Pariser Probe habe nur seine Probe verunreinigt.

    Bis weit ins Jahr 1987 streiten beide Seiten vor Gericht und in den Medien heftigst um die Frage, wer von ihnen den Aids-Erreger entdeckt hat. Erst Frankreichs Präsident Chirac und US-Präsident Reagan finden im März 1987 zu einer Einigung des Streits – beide werden zu Ko-Entdeckern erklärt, Montagnier in Gallos Patent mit eingetragen und die Patent-Einnahmen geteilt.

    Doch Zweifel bleiben, immer wieder wird vermutet, Montagniers Gruppe sei mit ihrem LAV der eigentliche Entdecker des Aids-Erregers, nicht Gallos Gruppe mit ihrem HTLVIII.

    Inzwischen gilt in Wissenschaftskreisen längst als weitgehend unbestritten, dass Montagniers Gruppe das alleinige Verdienst zustehe, 1983 den Erreger der Immunschwäche Aids entdeckt zu haben.

    Insofern bringt die Verleihung des Nobelpreises für Medizin auch ein Stück Wissenschafts-Krimi zum Abschluss. Montagnier und Barré-Sinoussi werden geehrt, Gallo erhält eine öffentliche Ohrfeige. Nicht vergessen werden sollte bei den vergangenen wechselseitigen Auseinandersetzungen allerdings, dass es neben einem bedeutenden Preis für eine bedeutende praxisnahe medizinische Forschung, neben viel Ruhm und Ehre auch um finanzielle Interessen, um viel Geld geht – die Patentrechte aus HIV-Antikörper-Tests.

    Und der Name? HIV? Nicht LAV oder HTLVIII?
    Ja, HIV – das Humane Immundefizienz Virus. Die Namensverwirrung um zwei Namen für ein identisches Virus hält nicht lange an. Eine einheitliche Benennung des Aids auslösenden Virus wird im Mai 1986 beschlossen. Das Internationale Kommittee für Virus-Taxonomie (ICTV) benennt LAV und HTLV III während eines AIDS-Kongresses in Paris um in “Human Immuno Deficiency Virus” (HIV).

    ondamaris vom 8. Oktober 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    "Es wird zu viel Aufhebens darum gemacht"

    Bernd Aretz von der Offenbacher Aids-Hilfe plädiert für einen angstfreien Umgang mit der Krankheit.

    Herr Aretz, Sie sind HIV-positiv. Sind alle in der Aids-Hilfe mit dem Virus infiziert?

    Nein, wir sind ein bunt gemischter Haufen.

    Und wie viele Aidskranke gibt es in Offenbach?

    Das kann kein Mensch seriös beantworten, denn erfasst wird nur die Zahl der Neudiagnosen. Das sind in Stadt und Kreis Offenbach etwa zehn pro Jahr. Auf die Bevölkerung gerechnet ist der Wert - wie in Frankfurt - drei Mal so hoch wie der Bundesschnitt.

    Woran liegt das?

    Das ist das alte Phänomen der Ballungsräume wie in Berlin, Hamburg oder Köln. Im Rhein-Main-Gebiet kommt der Flughafen dazu. Hier landen viele Leute aus Regionen, die stark betroffen sind.

    Haben die Einreisenden denn öfter Aids?

    Der Virus macht keinen Unterschied bei Aussehen, Alter, Geschlecht oder Nation. Prinzipiell betrifft es alle.

    Aber ...

    ... bei den Menschen, die sich in der Aids-Hilfe versammeln und wenn man sich anschaut wie Aids weltweit verteilt ist, gilt der alte Grundsatz, dass Armut Krankheiten befördert. Besonders betroffen sind auch ausgegrenzte Gruppen. Als Schwulsein noch geächtet wurde, haben Männer die ihre Homosexualität entdeckten, häufig suizidale Tendenzen entwickelt. Da macht einem Aids auch keine Angst, da kommt das gerade recht.

    Wie belastet Sie ihre Infektion?

    Altersbeschwerden beschäftigen mich mehr als HIV.

    Wie bitte?

    Es hat sich Mitte der 1990er mit dem medizinischen Fortschritt viel geändert. Heute ist HIV eine lebenslang behandlungsbedürftige chronische Erkrankung, bei der die meisten wenn sie ihre Therapie diszipliniert verfolgen eine fast normale Lebenserwartung haben.

    Also ist alles halb so wild?

    Individuell ist es eine schwere Erkrankung, die es zu verhüten gilt. Gesellschaftspolitisch lässt sich nicht verstehen, was für ein Aufheben darum gemacht wird. 60.000 HIV-Infizierte in Deutschland stehen eine Million Hepatitis-C-Kranke gegenüber, von denen ein Drittel eine Leberzirrhose erleiden wird. Wenn man sich anschaut, wie über beide Krankheiten gesprochen wird, dann gibt es da ein großes Missverhältnis.

    Liegt das nicht auch an der starken Aidsbewegung?

    Prävention braucht Aufmerksamkeit. Aber wir wünschen uns realistischere Bilder. Ich bin ein schwuler Mann. Mich interessieren Sachen, die mit Schwulsein oder HIV zusammenhängen. HIV konzentriert sich im Wesentlichen auf Gruppen wie Drogengebraucher, Schwule und Migranten aus Ländern mit hohen HIV-Raten wie etwa in Afrika. Anfangs hatten wir die gemeinsame Angst, dass es im Zuge der Aidsbekämpfung Schwulen an den Kragen gehen sollte. Wir konnten uns besser organisieren und haben uns gleich auch für die anderen Betroffenengruppen, wie etwa die Drogengebraucher eingesetzt. Hepatitis C ist so etwas wie eine Volkskrankheit, da gibt es unter den Infizierten kaum Gemeinsamkeiten. Aber in unserer Beratung spielen heute alle Geschlechtskrankheiten eine Rolle. Da geht keiner, ohne dass er auf Hepatitis-Impfung aufmerksam gemacht wurde.

    Interview: Sebastian Weissgerber

    Zur Person: Bernd Aretz (60) weiß seit 1984 von seiner HIV- Infektion. Der Anwalt im Ruhestand saß ehemals im Vorstand der Deutschen Aidshilfe, seit 2005 in dem der Aids-Hilfe Offenbach. Die Offenbacher Aids-Hilfe feiert im November ihr 20-jähriges Bestehen. Der Verein hat rund 45 Mitglieder und unterhält 16 Plätze im betreuten Wohnen für aidskranke Menschen. Adresse: AIDS-Hilfe Offenbach, Frankfurter Straße 48, 63065 Offenbach. Telefon: 069 / 883688. http://www.offenbach.aidshilfe.de

    Frankfurter Rundschau vom 9. Oktober 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Deutsche Aids-Hilfe hat neuen Vorstand

    Kampf gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz

    Erfurt – Die Deutsche AidsHilfe will künftig verstärkt gegen die Stigmatisierung und Diskriminierung von HIV-positiven Menschen am Arbeitsplatz kämpfen. Da sei in den vergangenen Jahren zu wenig geschehen, sagte der neue Sprecher des Vorstandes, Carsten Schatz, am Sonntag in Erfurt.

    Der Verband hatte bei seiner Mitgliederversammlung in Erfurt fast komplett den Vorstand ausgewechselt. Die Aids-Hilfe wurde vor 25 Jahren gegründet. Sie versteht sich sowohl als Interessenvertreter Betroffener und ist zugleich der Dachverband von 120 Mitgliedsorganisationen.

    Die ehemalige Vorstandssprecherin Maya Czayka hatte am Samstag davor gewarnt, die Gefahren beim Umgang mit HIV-infizierten Menschen übertrieben darzustellen. So senke eine funktionierende Therapie dieser Menschen die Ansteckungsgefahr erheblich. Am 13. Oktober werde die Aids-Hilfe in Berlin die bundesweite Kampagne "Ich weiß, was ich tu" starten. Dabei gehe es um den verantwortlichen Umgang mit Sexualität, die sexuelle Gesundheit schlechthin.

    Derzeit leben laut Robert Koch-Institut 44.000 mit HIV infizierte Menschen in der Bundesrepublik, jedes Jahr kämen 2.700 Neuinfektionen hinzu. Zu 16 Prozent seien Frauen betroffen. Die Zahl der neu diagnostizierten HIV-Infektionen bei homosexuellen Männern steigt deutlich an.

    Ärzte Zeitung vom 7. Oktober 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Was Zahnärzte über HIV-Patienten wissen sollten...

    Zahnärzte-Stiftung Apollonia zeichnet Arzt der Universität Witten / Herdecke für Grundlagenforschung zur Behandlung von HIV-Patienten aus.

    Im September 2008 wurde Dr. Rainer A. Jordan mit dem Förderpreis der Apollonia zu Münster, der Stiftung der Zahnärzte in Westfalen-Lippe, ausgezeichnet. Der Oberarzt an der Zahnklinik der Universität Witten / Herdecke erhält den Nachwuchspreis für seine Grundlagenarbeit zur zahnärztlichen Behandlung von HIV-Patienten. "Durch die Vermittlung einer zeitgemäßen Übersicht zahnmedizinisch-relevanter Aspekte der chronischen HIV-Infektion leistet Kollege Jordan einen erheblichen Beitrag zur Optimierung der (zahn)ärztlichen Versorgung dieser Bevölkerungsgruppe", erläutert der Stiftungsvorsitzende und Präsident der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Walter Dieckhoff.

    In mehreren wissenschaftlichen Veröffentlichungen hat der Oberarzt der Wittener Universitätszahnklinik seine Forschungen für den praktisch tätigen Zahnarzt zugänglich gemacht. Darin betont Jordan vor allem: "Den medikamentös gut eingestellten HIV-Patienten kann der niedergelassene Zahnarzt gut versorgen, überwiegend sogar wie jeden anderen Patienten; man muss allerdings die möglichen Wechselwirkungen mit den HIV-Medikamenten berücksichtigen." Denn die Immunschwäche wird seit Mitte der 90er Jahre mit einem Mix aus unterschiedlichen Medikamenten behandelt. Diese antiretroviralen Medikamente unterdrücken die ansonsten tödlich verlaufende Infektion. "Für den Zahnarzt ist wichtig, dass diese Medikamente bei HIV-Patienten auch die typischen, in der Regel hochakuten Veränderungen in der Mundhöhle beeinflussen und in eher chronische Verlaufsformen verwandeln. Erkrankungen des Zahnhalteapparates, überhaupt Probleme mit dem Zahnfleisch können häufig wie bei nicht-infizierten Patienten behandelt werden. Aber der Zahnarzt kann am Zahnfleisch seiner HIV-Patienten erkennen, wenn die Medikamente beginnen zu versagen, wann sich eine Resistenz anbahnt. Spätestens dann ist es Zeit, beratenden Kontakt zum HIV-Spezialisten aufzunehmen", erklärt Jordan die Ergebnisse seiner Forschung.

    Außerdem gibt es immer noch Menschen, die von ihrer Infektion nichts wissen. Wenn der Zahnarzt die HIV-typischen Veränderungen feststellt, sollte er behutsam das Gespräch mit dem Patienten suchen. "Dies ist eine sensible Situation im Arzt-Patienten-Verhältnis, und der Zahnarzt muss mit dem Patienten weitere Untersuchungen durch einen HIV-Spezialisten beraten", nimmt Jordan die Zahnärzte in die Pflicht.

    Die auf den Patienten abgestimmte Kombinationstherapie aus mehreren HIV-Medikamenten erzeugt aber auch unerwünschte Arzneimittelwirkungen in der Mundhöhle und schlecht vorhersagbare Wechselwirkungen mit den Medikamenten, die ein Zahnarzt verwendet. Die Auswirkungen auf die Mundhöhle umfassen Geschmacksveränderungen, Taubheitsgefühl und Schleimhautwucherungen. Bei Angst-Patienten werden Beruhigungsmittel verwendet, die in der Wechselwirkung lebensgefährlich sein können. Pilz- oder andere Infektionen werden häufig mit Medikamenten behandelt, die die Wirkung der HIV-Medikamente verändern können.

    Auch starke Unverträglichkeitsreaktionen können vorkommen. Schließlich kommen in der Zahnmedizin kortisonhaltige Medikamente zum Einsatz: Die können bei HIV-Patienten die typischen allgemeinen Symptome einer Kortisonbehandlung auslösen, die als Cushing-Syndrom bekannt sind. "Das sind Besonderheiten in der Betreuung von HIV-positiven Patienten, die der Zahnarzt bei der Behandlung einplanen sollte. Eine gute Abstimmung mit dem behandelnden Arzt ist ohnehin eine Voraussetzung, um den Therapieerfolg zu sichern", macht Jordan den Niedergelassenen Mut.

    Literatur:
    Jordan RA, Raetzke P, Gängler P, Prävalenz oraler Manifestationen bei HIV-seropositiven Patienten unter dem Einfluss der hochaktiven antiretroviralen Therapie, Dtsch Zahnärztl Z 2007; 62: 376-385 / http://www.zahnheilkunde.de/beitragpdf/pdf_4980.pdf
    Jordan RA, Gängler P, Jöhren HP, Parodontalbehandlung bei HIV-seropositiven Patienten unter dem Einfluss der antiretroviralen Therapie, Parodontologie 2007; 18: 365-374 / http://www.quintessenz.de/index.php?nav=zsn&col=2&middle=journal_abrowse...

    MedAustria News vom 3. Oktober 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HI-Virus griff mit Verstädterung um sich

    Dass Infektionen mit dem HI-Virus epidemische Ausmaße annehmen konnten, hängt eng mit der Entstehung von Großstädten in Westafrika zusammen, stellt ein internationales Team von Wissenschaftlern fest. Zwischen 1884 und 1924 habe sich erstmals HIV-1 unter Menschen ausgebreitet - zu dieser Zeit entstanden auch die ersten Großstädte wie Kinshasa, die heutige Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo.

    Den Forschern ist es gelungen, durch den Vergleich von zwei Gewebeproben aus den Jahren 1959 und 1960 einen Stammbaum des damals bereits verbreiteten HIV-1 zu erstellen. Die Analyse habe ergeben, dass das Virus schon Ende des 19. Jahrhunderts entstanden sein muss, und nicht erst 1930, berichteten sie schon im Juni 2008 auf einer Konferenz. Nun ist die entsprechende Publikation mit zusätzlichen Daten und Fakten erschienen.

    Weiteres Puzzleteilchen

    Die größte Schwierigkeit bei der Suche nach den Ursprüngen von HIV sind die fehlenden Proben. Dabei wäre gerade bei HIV-1, der am weitesten verbreiteten und hoch-ansteckenden Variante des HI-Virus, das Wissen über Entstehung und Verbreitungsgeschwindigkeit wichtig, um bei der Suche nach Gegenmaßnahmen weiterzukommen. Die Forscher um Michael Worobey und Marlea Gemmel fügen nun ein weiteres Puzzleteilchen zu dem Bild von HIV-1 hinzu, an dem seit seiner Identifikation als wichtigster AIDS-Verursacher vor 25 Jahren über 60 Millionen Menschen gestorben sind.

    27 Gewebeproben analysiert

    Den Forschern gelang es, zusätzlich zu der ältesten bekannten Virensequenz aus dem Jahr 1959, die von einem Mann aus Kinshasa stammt, in einer weiteren Probe das HI-Virus 1 zu isolieren. Als Untersuchungsmaterial zogen sie 27 Gewebeproben - acht Lymphknoten, neun Leber- und zehn Plazentaproben - heran, die zwischen 1958 und 1962 in Kinshasa durch Paraffin haltbar gemacht worden waren (siehe Bild oben). In einem Lymphknoten, der von einer in Kinshasa verstorbenen Frau stammt, fanden sie RNA des HI-Virus 1.

    Kann nicht erst 1930 entstanden sein

    Auf Basis der genetischen Ausstattung der beiden Virenproben erstellten die Wissenschaftler Stammbäume und erkannten, dass die bisherige Annahme, wonach HIV in den 1930er Jahren entstanden ist, korrigiert werden muss: Es gehe sich nicht aus, die höchst unterschiedlichen Erreger in so kurzer Zeit auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückzuführen.

    Großstädte förderten Ausbreitung

    Wahrscheinlicher sei deshalb, dass HIV-1 schon zwischen 1884 und 1924 entstanden ist und erst durch die Entstehung der ersten großen Städte in Westafrika um sich griff. Kinshasa etwa bestand noch 1884, als das obige Bild entstand, aus wenigen Häusern, bis zur Mitte der 1930er Jahre explodierte es auf mehr als 40.000 Einwohner.

    Außergewöhnlich vielfältig und flexibel

    Jede Information über Ursprung und Diversifikation von HIV-1 sei wertvoll bei der Suche nach effektiven Gegenmitteln, hält Dan Barouch von der Harvard Medical School in Boston in einem die Studie begleitenden Kommentar fest. Denn das Grundproblem bei der Entwicklung etwa einer HIV-Impfung seien die außergewöhnliche Vielfalt und die hohe Mutationsrate des Erregers: Allein die Hauptgruppe von HIV-1 mit Bezeichnung "M" (für englisch "main") hat sich in neun Stämme aufgespalten mit zahllosen rekombinanten Variationen.

    Zwei Impfstrategien, beide bisher erfolglos

    Nicht zuletzt deshalb sind bisherige Versuche, einen Impfstoff gegen HIV-1 zu entwickeln, gescheitert. Zwei Strategien wurden bisher verfolgt, wie Barouch beschreibt: Zum einen wird mit der Infektion durch das Virus selbst gearbeitet. Das zeigte zwar bei Affen gute Erfolge, Versuche am Menschen mit dem lebenden Virus sind jedoch undenkbar. Und die abgetötete Variante war nur teilweise erfolgreich.

    Die zweite Möglichkeit ist die lapidar so genannte "DNA-Impfung": Durch die Injektion von in ihrem Erbgut modifizierten Viren könnte die Produktion von Antikörpern angeregt werden. Diese Technologie stecke aber noch in den Kinderschuhen, denn noch könnte nicht garantiert werden, dass die modifizierten Viren tatsächlich an ihren Bestimmungsort gelangen.

    Mehr Geld und "frische" Ideen

    Angesichts dieser Probleme sprachen viele Forscher bereits von einem "Scheitern der HIV-Forschung". Das sei aber überstürzt, so Harvard-Experte Barouch. Vielmehr brauche es mehr Geld für Grundlagenforschung und vermehrt junge Forscher, die die Probleme mit neuen Ideen angehen.

    Die Studie "Direct evidence of extensive diversity of HIV-1 in Kinshasa by 1960" von Michael Worobey, Marlea Gemmel (beide Universität Arizona) und Kollegen ist am 2. Oktober 2008 in "Nature" erschienen (Band 455, S. 661-665, DOI:10.1038/nature07390).

    Link: http://dx.doi.org/10.1038/nature07390

    Sciene ORF vom 2. Oktober 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aids-Beratung per Telefon und Internet

    Am 1. Oktober startet die Telefonberatung der Aids-Hilfen unter einer neuen bundeseinheitlichen Telefonnummer.

    Unter 0180 / 33 19411 (9 Cent/Min. aus dem deutschen Festnetz) ist ab 1. Oktober 2008 die telefonische Aids-Beratung zu erreichen.

    Die telefonische Beratung ist unter der neuen Rufnummer nun 62 Stunden pro Woche erreichbar: Montag bis Freitag von 9 bis 21 Uhr sowie Sonntag von 12 bis 14 Uhr.
    28 Aids-Hilfen entschlossen sich, ab diesem Datum ihre Telefonberatung zusammenzuführen und dadurch gemeinsam ein breiteres Angebot mit besserer Erreichbarkeit und langfristig gesicherter Qualität zur Verfügung stellen zu können.

    Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen aus folgenden Aids-Hilfen: Augsburg, Berlin, Bielefeld, Bochum, Dortmund, Dresden, Duisburg/Kreis Wesel, Frankfurt am Main, Hagen, Halle, Hamburg, Kassel, Kiel, Köln, Olpe, Sachsen-Anhalt/Magdeburg, München, Münster, Oberhausen, Bodensee/Oberschwaben, Schwäbisch-Gmünd, Stuttgart, Rhein-Sieg, Unna, Weimar, Westküste und dem Aids-Zentrum Rostock.

    Parallel läuft seit langem auch bundesweit die erfolgreiche Internet-Beratung der Aids-Hilfen unter http://www.aidshilfe-beratung.de.

    Online-Beratung der Aidshilfen vom 1. Oktober 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Gib Gummi!

    Ein Streifzug durch Berlin mit Mitarbeitern der Deutschen Aids-Hilfe, die jetzt 25 Jahre alt ist. Erkenntnis: Der Sex wird wieder leichtsinniger.

    Ohne Gummi gehen Wolfgang, Tom und Daniel nie auf Tour. Auf ihren Streifzügen durchs nächtliche Berlin haben sie gleich eine ganze Tasche voll Kondome dabei. Die Drei gehören zu "Man Check", dem "Vor-Ort-Gesundheitsteam für Männer mit schwulem Sex". Ihre Mission: In der Szene aufklären und informieren, um die Ausbreitung von HIV/Aids und anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen zu verhindern.

    Doch muss da wirklich noch aufgeklärt werden? "Klar, hier weiß eigentlich jeder über Aids Bescheid", sagt Tom, während er in der Bar "Le Moustache" in Berlin-Mitte die "Cruising Packs" mit Kondom und Gleitgel verteilt. "Aber die Leute werden wieder leichtsinniger, vor allem bei den Jüngeren ist das zu beobachten."

    Tatsächlich hat sich die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland in den vergangenen Jahren fast verdoppelt. Die Angst vor Aids hat nachgelassen, seit es Medikamente gibt. "Bei einigen ist da schon die Denke: Es gibt ja Tabletten", weiß Tom. Dass die Therapie zwar das Leben rettet, die Lebensqualität aber durch die Nebenwirkungen auch erheblich einschränken kann, wird verdrängt.

    Tom weiß, wovon er redet – er ist HIV-positiv. Zum Thema macht er das jedoch nur, wenn einer aggressiv oder besonders uneinsichtig reagiert, was aber selten vorkommt. Denn das Konzept der "Man Checker" (insgesamt sind es etwa zwanzig, die meisten Ehrenamtler) ist es, die "Safer-Sex-Lektionen" entspannt rüberzubringen. Etwa durch ein themenbezogenes Quiz. "Mit trockener Aufklärung wird man kaum einen erreichen", sagt Wolfgang: "Und wir wollen den Leuten ja nicht den Abend verderben."

    "Man Check" gehört zu den 120 Beratungszentren und Präventionsteams, die von der Deutschen Aids-Hilfe direkt oder indirekt finanziert und unterstützt werden. Vor 25 Jahren, als Aids bei der Allgemeinbevölkerung noch kaum Thema war, wurde in Berlin die Aids-Hilfe von schwulen Männern und einer Krankenschwester gegründet. Ziel war, die Ausbreitung einer Epidemie zu stoppen und Betroffenen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.

    Den größten Teil der Anti-Aids-Arbeit teilt sich die Aids-Hilfe seit 1985 mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Während sich diese mit ihren Kampagnen ("Gib Aids keine Chance!") in erster Linie an die heterosexuelle Mehrheit der Gesellschaft richtet, kümmert sich die Aids-Hilfe gezielt um Risikogruppen, um homo- und bisexuelle Männer, Drogenabhängige, um Frauen und Männer, die in der Sexindustrie arbeiten.

    Die Arbeitsteilung hat sich als erfolgreich herausgestellt. Auch wenn in Deutschland noch immer bei etwa 3000 Menschen jährlich die Diagnose "HIV-positiv" gestellt wird – europaweit ist das eine der niedrigsten Raten. Nicht zuletzt auch, weil die Aids-Hilfe vor Ort Präventionsarbeit leistet, da, wo sich sexuelle Kontakte anbahnen. "Wir müssen die Menschen dort erreichen, wo sie ihre Sexualität leben", sagt Diplom-Psychologe Karl Lemmen vom Beratungs-Team der Deutschen Aids-Hilfe. "Wir haben die Orte des schnellen Sexes zu Orten der Prävention gemacht."

    Mit der Botschaft "Kondome schützen" ist es da nicht immer getan. "Es gibt viele sexuelle Praktiken, bei denen Kondome nicht reichen", sagt Karl Lemmen. "Deshalb ist es wichtig, dass die Präventionsteams die Lebensweise der Zielgruppen kennen. Wer etwa in der Leder-Szene oder der Sado-Maso-Szene den Leuten sagen will, wie sie sich schützen können, sollte schon wissen, was da so läuft."

    Fast fünf Millionen Euro im Jahr stehen der Aids-Hilfe zur Verfügung, etwa 80 Prozent kommen vom Bundesgesundheitsministerium, der Rest sind Spenden und Mitgliedsbeiträge.

    Mit der Einführung effektiver Medikament Mitte der 90er-Jahre hat sich die Arbeit der Aids-Hilfe verändert. Die HIV-Diagnose ist kein Todesurteil mehr, wer sich infiziert hat, hat durchaus Chancen, alt zu werden. Jedoch mit teils erheblichen Einschränkungen durch die Nebenwirkungen der Medikamente. Nicht selten droht HIV-positiven Menschen der soziale Abstieg.

    "Mittlerweile geht es bei unserer Arbeit verstärkt darum, Betroffenen Information zum Umgang mit ihrer Infektion zu geben", sagt Lemmen. "Also: Nicht wie überlebt man HIV, sondern wie lebt man mit HIV."

    Berliner Kurier vom 29. September 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Die Viruslast senken

    Kampf gegen HIV: "Dr.-Ernst-Wiethoff-Preis" für Professor Münch.

    Der Dr.-Ernst-Wiethoff-Preis 2008 für innovative klinische Forschung wurde in diesem Jahr an Prof. Dr. Jan Münch vom Institut für Virologie des Universitätsklinikums Ulm vergeben. Die Verleihung erfolgte am 6. September im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter in Köln.

    Neue Klasse antiviraler Medikamente?

    Professor Münch erhielt das Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro in Anerkennung seiner Forschung zur Entdeckung eines neuen Eiweißstoffes, der das Eindringen des HI-Virus in die T-Helfer-Zellen der menschlichen Immunabwehr verhindert. Hierdurch kann sich das Virus im Körper nicht mehr weiter vermehren und das Immunsystem schädigen. Den hemmenden Effekt des natürlich im Blut vorkommenden Eiweißes konnten Münch und sein Team sogar noch weiter steigern, indem sie dessen Molekülstruktur biotechnologisch veränderten. Der so entstandene, neue HIV-Hemmstoff könnte möglicherweise eine neue Klasse antiviraler Medikamente im Kampf gegen AIDS begründen.

    Medikament bereits in klinischer Phase

    „Dieses HIV-Medikament befindet sich zurzeit in der klinischen Phase“, sagt Professor Münch, der hofft, dass die Neuentwicklung dazu beitragen kann, die Viruslast bei betroffenen Patienten zu senken. Er sei sehr stolz auf die Anerkennung seiner Arbeit und nehme den Preis stellvertretend für ein großes Forscherteam an.

    Professor Münch wurde 1972 in Oldenburg geboren und promovierte nach seinem Biologiestudium mit summa cum laude am Institut für Virologie der Universität Erlangen-Nürnberg. Nachdem er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Universitätsklinikum Ulm tätig war, wurde er am 1. Mai 2005 zum Juniorprofessor berufen.

    27 Bewerber um Wissenschaftspreis

    Der 2008 im sechsten Jahr verliehene „Dr.-Ernst-Wiethoff-Preis“ für innovative klinische Forschung trägt den Namen des langjährigen medizinischen Direktors von Abbott Deutschland, der von 1967 bis 1993 für klinische Forschung verantwortlich war und zudem den wissenschaftlichen Austausch in Deutschland förderte. Der Preis richtet sich speziell an junge Wissenschaftler bis zum Alter von 38 Jahren, die eine klinisch bedeutsame, medizinische Innovation geschaffen haben. In diesem Jahr hatten sich 27 Wissenschaftler aus ganz Deutschland um den Preis beworben. Die Auswahl des Preisträgers erfolgte durch ein unabhängiges Gremium aus allen Bereichen der Medizin.

    Universitätsklinikum Ulm – Pressemeldung vom 26. September 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Warum Geschlechtserkrankungen das HIV Infektionsrisiko steigern

    Amsterdam – Das erhöhte HIV-Infektionsrisiko bei bestehender Geschlechtserkrankung ist vermutlich auf die Funktionsweise von Langerhanszellen zurückzuführen. Dies geht aus einer Studie von Wissenschaftlern des VU Medisch Centrum der Universitaet van Amsterdam hervor. Sie publizieren sie im Journal of Clinical Investigation (doi:10.1172/JCI34721).

    Es war bereits bekannt, dass Patienten mit sexuell übertragbaren Erkrankungen wie Genitalherpes, Gonorrhoe, Syphilis oder Chlamydieninfektionen bei Exposition mit dem HI-Virus durch sexuellen Kontakt ein erhöhtes Infektionsrisiko haben. Gleiches gilt für Frauen mit bakteriellen oder pilzbedingten Infekten der Vagina. Jedoch war es bisher unklar, weshalb diese Erkrankungen eine HIV-Infektion begünstigen.

    Nun hat die Arbeitsgruppe von Teunis Geijtenbeek an der VU Medisch Centrum der Universitaet van Amsterdam in Versuchen an einem menschlichen ex vivo Explantatmodell eine mögliche Erklärung für diesen Zusammenhang gefunden. Die Wissenschaftler konnten im Modell beobachten, dass unreife Langerhanszellen der Haut das Virus zwar aufnahmen, aber nur zögerlich oder gar nicht an T-Zellen weitergaben.

    Dieser Schritt ist für das Virus jedoch entscheidend, um sich im menschlichen Körper zu vermehren. Waren die antigenpräsentierenden Langerhanszellen jedoch durch einen inflammatorischen Stimulus aktiviert, funktionierte die Übertragung des Virus an T-Zellen.

    Da Candidiasis und Gonorrhoe dieselben Stimuli wie im beobachteten Haut- und Vaginalschleimhautmodell triggern, schließen die Forscher daraus, dass die Aktivierung der Langerhanszellen ursächlich für das erhöhte HIV-Infektionsrisiko bei bestehender sexuell übertragbarer Erkrankung ist.

    Deutsches Ärzteblatt vom 26. September 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Studie: Immer mehr Drogensüchtige HIV-positiv

    Gemeinsame Benutzung von Nadeln als größtes Infektionsrisiko.

    Sydney – Die Zahl der HIV-Infektionen bei Drogensüchtigen, die an der Nadel hängen, scheint immer weiter zu steigen. Wissenschaftler der University of New South Wales http://www.unsw.edu.au gehen davon aus, dass weltweit bereits rund drei Millionen injizierende Drogensüchtige HIV-positiv sein könnten. In elf Ländern sind demnach mehr als 40 Prozent der Süchtigen infiziert. Die Autoren der Studie zeigen sich zudem über die fehlenden Daten aus Afrika besorgt. Ihrer Meinung nach gibt es auch dort jene Risikofaktoren, die die Verbreitung gefördert haben. Es bestehe absolut dringender Handlungsbedarf. Für die aktuelle Studie wurde eine Vielzahl an bereits publizierten Daten ausgewertet. Details der Studie wurden in The Lancet veröffentlicht.

    Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass sowohl die Anzahl der Drogensüchtigen, die Nadeln benutzen als auch die Anzahl der HIV-Infektionen im Ansteigen begriffen ist. Das Virus wird vor allem durch die gemeinsame Benutzung der Injektionsnadeln übertragen. In manchen Ländern Südostasiens, Lateinamerikas und Osteuropas liegt die Infektionsrate bei über 40 Prozent. In Estland sind mehr als 72 Prozent der Süchtigen infiziert. In manchen Ländern wie Großbritannien ist die Infektionsrate mit 2,3 Prozent vergleichsweise niedrig. In Neuseeland und Australien sind nur 1,5 Prozent der Süchtigen infiziert.

    Verantwortlich für diese positiven Zahlen ist laut den Wissenschaftlern die Einführung von Austauschprogrammen für Nadeln in den 1980er Jahren. Die Studie belegt ganz deutlich, dass HIV-Prävention das Gebot der Stunde ist. Dazu gehören saubere Nadeln und Behandlungsmöglichkeiten mit Ersatzmedikamenten. Es besteht auch ein dringender Bedarf an Informationen, um zu verhindern, dass sich die Infektionen in Ländern ausbreiten, in denen zwar das Injizieren von Drogen weit verbreitet ist, aber das Virus noch nicht. Die Autoren der Studie betonen, dass die hohen Infektionsraten eine ernste Bedrohung für die Weltgesundheit bedeuten.

    Pressetext Austria vom 24. September 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV im Sperma auch unter vollständig suppressiver Therapie

    von Pietro Vernazza

    Eine Gruppe aus Frankreich präsentiert eine Arbeit im "AIDS" wonach HIV-positive Männer unter hochwirksamer Therapie auch dann noch HIV-Virus im Sperma haben, wenn sie schon längst kein nachweisbares Virus im Blut hätten und keine Geschlechtskrankheiten vorliegen. Ein Widerspruch mit unseren Daten?
    Vielleicht ein Widerspruch, doch unsere Daten werden auch von anderen Autoren bestätigt. Worum geht es?

    In Frankreich werden seit einigen Jahren mit großem Engagement und finanziert durch die Krankenkasse reproduktionsmedizinische Maßnahmen bei HIV-positiven Paaren durchgeführt. Das ist eigentlich sehr positiv und wir hatten ja selbst in diesem Gebiet eine Pionierrolle übernommen.

    Seit einigen Jahren haben wir nun begonnen, aufgrund des sehr geringen Risikos einer HIV-Transmission unter Therapie ein alternatives Angebot mit Präexpositionsprophylaxe vor gezieltem Geschlechtsverkehr zu diskutieren. Die Paare haben praktisch nur noch diesen natürlichen Weg der Konzeption gewünscht, der übrigens auch viel höhere Empfängnisraten hatte (s. auch Ungeschützter GV bei HIV und Kinderwunsch).

    Nun haben die Französischen Autoren in einem Kollektiv von 145 Patienten HIV im Sperma bei 5% der Untersuchten gefunden. Nun muss man sagen, dass die Viruskonzentration, die nachgewiesen wurde, auch sehr tief war, doch die Resultate stehen im Widerspruch mit unseren publizierten Ergebnissen und auch mit unseren Erfahrungen. Seit wir Spermaproben von Männern mit HIV unter Therapie messen, und das sind nun schon mehrere Hundert Proben, finden wir praktisch nie HIV-RNA im Sperma. Einzelne Ausnahmen waren bei Proben unter HIV-Monotherapie aufgetreten, doch dort war die Viruslast in der Größenordnung von 50-150 Kopien/ml, also verschwindend klein und innerhalb der Fehlergrenze von einer Messung von 50 Kop./ml.

    Woran können die Unterschiede liegen? Die wahrscheinlichste Ursache dürfte bei der Probenaufbereitung liegen. Wird nicht eine Kontamination mit Zellen ausgeschlossen, kann es schon einmal zu einem Nachweis von zellassoziertem HIV kommen. Sehr unwahrscheinlich scheint uns, dass es sich um eine Kontamination handelt.

    Doch die Diskussion läuft sehr aktiv. Die Französischen Kollegen wollen einerseits das Schweizer EKAF Statement (s. HIV-Therapie wirkt auch präventiv) hinterfragen, doch muss man auch feststellen, dass sich die Reproduktionsmediziner sehr engagiert um die Beibehaltung einer Indikation bemühen. Doch auch hier muss fairer weise eingestanden werden, dass es auch hier vielleicht nur eine Minderheit ist, die hier möglicherweise eigennützige Motive verfolgt. Denn gerade für die HIV-Betroffenen ist es wichtig, dass es gute Reproduktionsmediziner gibt, die sich mit den besonderen Problemen der HIV-betroffenen Paare kümmert. Denn Fertilitätsprobleme sind leider bei von HIV betroffenen häufiger als in der übrigen Bevölkerung.

    Quelle: Marcelin et al, AIDS 20.8.08; 22:1677-9

    Infektiologie St. Gallen vom 21. September 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Wissen hilft (vielleicht)

    Präsident der Deutsche AIDS-Gesellschaft DAIG lädt Fürstin Gloria von Thurn und Taxis zum Europäischen AIDS-Kongress 2009 ein.

    Bonn - Als Reaktion auf die Äußerung der Fürstin von Thurn und Taxis in der ARD-Sendung Menschen bei Maischberger vom 9. September 2008 "Kondome gegen AIDS helfen nicht." und "AIDS ist eine Krankheit, die man kriegt, wenn Blut und Körperflüssigkeit zusammen kommt, so, und dann nützt ihnen ein Kondom herzlich wenig", hat sich Prof. Dr. med. Jürgen Rockstroh dazu entschlossen, sie persönlich zum nächsten Europäischen AIDS-Kongress (EACS) 2009 nach Köln einzuladen.

    "Ich fühle mich als Präsident der Deutschen AIDS-Gesellschaft, DAIG persönlich in die Pflicht genommen, gegen dieses offensichtlich eklatante Wissensdefizit in Punkto potentieller HIV-Transmissionwege als auch effektiver HIV-Prävention etwas zu unternehmen.", so Prof. Dr. Rockstroh, der 2009 Co-Chairmen der 12th European AIDS Conference / EACS (http://www.eacs-conference2009.com) ist.

    "Ich möchte Fürstin Gloria von Thurn und Taxis mit dieser persönlichen Einladung zum EACS 2009 die Möglichkeit geben, sich - auch im Austausch mit über 4.000 HIV/AIDS Wissenschaftler und Experten - über den derzeitigen Stand der Wissenschaft zu den Themenfeldern Wege der HIV-Transmission / HIV-Therapie / HIV-Prävention und hier insbesondere zur Rolle und Effektivität des Kondoms in internationalen HIV-Präventionsstrategien zu informieren." "Es kann doch nicht sein", so der Präsident der Deutschen AIDS-Gesellschaft weiter "dass die Fürstin von Thurn und Taxis weiter solche wissenschaftlich bewiesenen Unwahrheiten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen verbreitet."

    In der Einladung teilte Prof. Dr. Jürgen Rockstroh der Fürstin Gloria von Thurn und Taxis auch mit, dass er selbstverständlich persönlich für ihre Kongressgebühren sowie Hotel- und Reisespesen aufkommen wird.

    NewsAktuell vom 19. September 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Komplementärmedizin kann HIV-Therapie gefährden!

    von Pietro Vernazza

    Viele HIV-Patienten, die eine hochwirksame HIV-Therapie einnehmen, versuchen durch weitere Maßnahmen ihre Gesundheit zu unterstützen. Doch Vorsicht: Nicht alles da gesund tönt ist tatsächlich sinnvoll, wie eine jüngste Arbeit aus England zeigt.

    Die Londoner Gruppe hat 293 HIV-positive Patienten von drei HIV-Spezialisten in London befragt über deren Gewohnheit pflanzliche Produkte oder andere Ergänzungsstoffe einzunehmen. Dabei hatten fast zwei Drittel aller Patienten angegeben, dass Sie pflanzliche Medikamente einnehmen würden und ein Drittel dieser zusätzlichen Medikamente (also 20% aller befragten Patienten) hatten ein Medikament für welches eine Wechselwirkung mit einem HIV-Medikament bekannt war. Bei 10% aller Patienten musste die Zusatztherapie gestoppt werden.

    Die Resultate dieser Umfrage haben mich sehr überrascht und es ist nicht sicher, dass es sich um ein repräsentatives Kollektiv handelt. Doch so oder so dürfen wir davon ausgehen, dass die Möglichkeiten von Wechselwirkungen mit pflanzlichen Mitteln viel zu wenig bekannt sind. Laien stufen pflanzliche Mittel grundsätzlich als harmloser ein als "chemische" resp. pharmakologisch zubereitete Substanzen. Dabei wissen wir, dass pflanzliche Substanzen nichts anderes sind als chemische Stoffe, die zwar in der Natur entstanden sind, doch die genauso das Potential haben, in unserem Körper in die biologischen Abläufe einzugreifen und somit jedes beliebige Organ angreifen können. Ein pflanzlicher Ursprung einer Substanz sollte auf keinen Falls als Persilschein für eine Einnahme gelten.

    Achtung Johanniskrautpräparate: Auch ohne HIV-Therapie möglicherweise schädlich! Am häufigsten sehen wir selbst Wechselwirkungen mit Johanniskraut-Präparaten, welche sehr oft eingenommen werden. Aber auch die Vorstellung, Johanniskraut würde das Immunsystem stärken und daher gerade für HIV-positiven Menschen günstig sein, ist gänzlich verfehlt. Johanniskraut hat eine eindeutige Wirkung auf das Immunsystem. Es stimuliert die Abwehrzellen. Heute wissen wir aber, dass es gerade die Stimulation des Immunsystems ist, welche zur Zerstörung des Immunsystems durch HIV führt. HIV kann nur aktivierte Zellen angreifen. Die Zellen also künstlich in einen Aktivierungszustand zu versetzen, ist somit gerade die falsche Maßnahme.

    Quelle: Ladenheim et al, HIV Medicine, 2008; 9:653-659

    Infektiologie St. Gallen vom 18. September 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Wissenschaftler fordern die Freilassung der HIV-Forscher

    Iran steht unter zunehmendem Druck, den Aufenthaltsort zweier HIV-Forscher des Landes bekannt zu geben, die seit Ende Juni ohne Anklage festgehalten werden.

    Die Brüder Arash und Kamiar Alaei haben internationale Anerkennung für ihr fortschrittliches HIV-Präventionsprogramm erlangt und sollten auf der 17. Internationalen AIDS-Konferenz in Mexiko-City im Juli darüber berichten. Beide wurden verhaftet, bevor sie das Land verließen. Beide hatten mit anderen Wissenschaftlern weltweit zusammengearbeitet und galten nicht als politisch aktiv.

    Während der Konferenz wurde Protest zu ihrer Unterstützung laut. Seitdem haben mehrere Menschenrechtsorganisationen - darunter Physicians for Human Rights und Amnesty International - Iran aufgefordert, sich an international geltende rechtliche Verpflichtungen zu halten und die Inhaftierung zu begründen, den Männern einen Anwalt sowie das Recht, sich vor einem Richter zu verteidigen, zuzugestehen.

    Die Forderung wurde von zahlreichen wissenschaftlichen Einrichtungen übernommen, darunter die International AIDS Society, die Fundation for AIDS Research und die American Association for the Advancement of Science (AAAS), und tausende Wissenschaftler und Ärzte unterzeichneten eine Online-Petition unter http://www.iranfreethedocs.org. Barry Bloom, Dekan der Harvard School of Public Health in Boston, Massachusetts, brachte darüber hinaus seine "tiefe Besorgnis" über die Festnahme der Brüder zum Ausdruck.

    Kamiar, der jüngere der Brüder, besitzt einen Master-Abschluss der Harvard School of Public Health und wollte sein Doktorandenstudium an der University of Albany's School of Public Health in New York fortsetzen. Arash war früher Leiter der Forschungskooperation am Forschungsinstitut für Tuberkulose und Lungenkrankheiten des Iran und führte zuletzt eine Klinik in Teheran.

    HIV ist in weiten Teilen des Mittleren Ostens ein Tabuthema, so auch im Iran, doch beide Brüder waren an beeindruckenden Präventions- und Behandlungsprogrammen beteiligt - das Land ist derzeit zum Beispiel eines von wenigen, in dem in Gefängnissen Kondome und Spritzen zur Verfügung gestellt werden.

    Quelle: news@nature.com / Iran holds AIDS doctors, doi: 10.1038/455269a.

    The Nature vom 17. September 2008 | Nature 455, 269 (2008)Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

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