HIV AIDS Infos Online
     

     
      Ausgabe 43
        Jahrgang 14
      Februar 2009
     
     
    Inhaltsverzeichnis Homepage der Praxis


    Vorbemerkung
    Impressum
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    HIV-Transmission – Wird das EKAF Statement widerlegt?
    HIV im Sperma trotz optimal supprimierter Viruslast im Blut
    Adherence auch bei Hepatitis C Therapie wichtig!
    Das Immunsystem "heruntergeregelt"
    Vaginalgel könnte HIV-Infektion vorbeugen
    CROI Kongressinformation zu Raltegravir
    HIV und älter werden: Die Kehrseite der Medaille
    HIV-Elite-Controller
    Antikörper gegen HIV entstehen durch Oral-Sex
    Sparkurs bei der Aids Stiftung
    Neue Gentherapie gegen Aids soll Immunität stimulieren
    Zulassung für hitzestabiles Norvir beantragt
    Preis für Forschung zu HIV-Infektion
    Unter HAART Schilddrüsenfunktion kontrollieren
    Es liegt in den Genen: Risiko für Aids
    80 Prozent der HIV-Infizierten wollen zurück in Beruf
    Medikamente kommen bei Aids-Patienten nicht an
    Offizielle Zahl von HIV-Infizierten in 2008 um 15 Prozent zugenommen
    Die HIV Inzidenzstudie
    Mehr als 250.000 unwissentlich mit HIV infiziert
    Neues zur Superinfektion
    Beschneidung verringert auch HPV-Infektionsrisiko
    HIV-Therapie und Prävention
    HIV-Positiv durch Komasaufen?
    Versorgung von HIV/AIDS-Patienten
    Krankenversicherungen 2009: Viele Neuerungen
    Online Einreiseerlaubnis erforderlich - mit Frage nach HIV
    Gel gegen HIV
    Neuer Test für Blutspenden zugelassen
    Mit Nano-Goldpartikeln gegen Krebs und Aids
    6.751.643.600 Menschen auf der Erde
    UNAIDS-Vorsitzender Peter Piot verabschiedet – was bringt die Zukunft?
    Zellen beschleunigen Freisetzung von HIV
    Anale intraepitheliale Neoplasien bei HIV-infizierten Frauen
    Neuer Test auf Herpesviren
    Experimentelle Substanz mit neuem Wirkansatz
    HIV Risiko für Frauen größer als angenommen
    Safer sex stabil auf hohem Niveau
    Ambulante Aids-Behandlung gesichert
    Bleiberecht für HIV-positive Flüchtlinge gefordert
    Mikrobizid bietet keinen Schutz vor HIV
    Leibniz Preis für Aids Forscher
    DVD zum Thema Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung
    Der Iran hat eine Aids-Statistik vorgelegt
    Südafrika: Umorientierung in der Aids-Politik
    Bericht zur 9. Glasgow HIV Konferenz
    Restrisiken maximal wie bei Safer Sex
    Täglich sterben weltweit 800 Kinder an den Folgen von AIDS
    Zahl der AIDS-Toten in Deutschland tendenziell rückläufig
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Transmission – Wird das EKAF Statement widerlegt?

    von Pietro Vernazza

    CROI 2009 - Eine gesamte Session war den Fragen der sexuellen Übertragung der HIV-Infektion gewidmet. Eigentlich wenig neue Daten, wie wir meinen.

    Es scheint, dass das EKAF Statement eine Vielzahl von Autoren zu neuen Arbeiten über verschiedene Aspekte der HIV-Transmission stimuliert hat. Nachdem nun einige Jahre in Bezug auf HIV in Genitalsekreten wenig zu hören war, wird das Feld wieder aktiv. Doch letztendlich sind es wenig neue Daten zum Thema.

    HIV-RNA im Sperma nachweisbar unter Therapie

    Gleich zwei Arbeiten habe sich mit dem HIV Nachweis im Sperma unter Therapie befasst. Ein interessanter Beitrag kam aus Kanada (Seth et al, #50). Die Autoren haben zwei Populationen untersucht. Eine Longitudinalstudie bei 25 Männern, welche eine Therapie anfingen und eine Querschnittstudie bei 13 chronisch infizierten Männern.

    Die Resultate sind in der Tat überraschend und decken sich kaum mit bisherigen Arbeiten: In der ersten Gruppe, welche monatlich eine Spermaprobe abgab, fand sich ein klarer Abfall der HIV-RNA im Sperma unter Therapie und praktisch alle hatten nach 24 Wochen keine Nachweisbare Viruslast.

    Allerdings fand sich bei drei Personen eine nachweisbare Viruslast im Sperma als das Virus im Blut bereits supprimiert war. Ein Patient hatte eine einmalige Erhöhung auf tiefem Niveau. Einer hatte einmalig eine Viruskonzentration über 5000 Kopien/ml und der dritte hatte mehrmals eine solche Erhöhung. Bei letzterem habe man auch eine positive HIV-Kultur aus dem Sperma gefunden, allerdings wurden die Details der Methodik nicht erwähnt.

    In der zweiten Gruppe der chronisch infizierten Personen hatten 4 von 13 Männern eine nachweisbare Viruslast im Sperma. Allerdings waren alle Konzentrationen unter 1.000 Kopien /ml.

    Diese Arbeit muss sich einige Kritik gefallen lassen und Steve Taylor aus Birmingham hat auch den wunden Punkt direkt angesprochen. Weshalb findet diese Gruppe eine viel höhere Viruskonzentration als eine Vielzahl von früheren Untersuchungen, die dies bisher nicht nachweisen konnten. Die Gruppe verwendete eine Nachweismethode (branched DNA-assay), welche bisher nicht für Sperma validiert wurde. Die Kontamination mit zellulären Bestandteilen dürfte aber ebenfalls ein wesentliches Problem dargestellt haben. Wird Sperma nicht mit hoher Zentrifugalkraft und genügend lange zentrifugiert, bleiben nach unseren Erfahrungen immer wieder Zellen im zähflüssigen seminal plasam hängen. Dies kann zur Kontamination mit zell-assozierter mRNA führen. Ebenfalls ungeklärt ist, ob bei den Patienten in der ersten Kohorte während Therapiebeginn Geschlechtskrankheiten ausgeschlossen wurden. Solche hohen HIV-RNA Konzentrationen sind eigentlich typisch für Situationen mit STDs.

    Auch Reproduktionsmedizin meldet sich zu Wort

    In der zweiten Arbeit aus Paris (Marcelin et al, #51) wurden die Proben aus einer Reproduktionsmedizinischen Einheit untersucht. Die Arbeit wurde allerdings bereits publiziert (Marcellin et al, AIDS Aug 2008). Es handelte sich um Paare (Mann positiv), welche bei Kinderwunsch eine Inseminationsbehandlung hatten. Insgesamt wurden 264 Proben untersucht. In 234 war die HIV-RNA im Sperma negativ. Unter den positiven waren sieben von Männern, die im Blut keine nachweisbare HIV-RNA hatten. Allerdings hat die Autorin nicht gezeigt, wie die früheren HIV-RNA Werte waren, also ob die Viruslast im Blut erst kurz zuvor supprimiert wurde. Alle sieben Proben hatten RNA-Werte im Bereich in einem tiefen Bereich (unter 1000 Kopien/ml). Wir wissen aus früheren Arbeiten (Coombs et al, 1999), dass infektiöses Virus erst bei höheren Viruskonzentrationen im Sperma nachzuweisen ist.

    Die Resultate weichen deutlich ab von früheren Arbeiten verschiedener Autoren (Vernazza, Chen, Sadiq). Auch hier konnte die Referentin nicht genau sagen, wie die Proben vorbereitet (Zentrifugation!) wurden.

    Ist EKAF Statement widerlegt?

    Die gezeigten Arbeiten sind interessant und wichtig. Doch sie sind kein Hinweis für eine gesteigerte Infektiosität im Sperma, mit Ausnahme der ersten Kohorte, wo die Patienten noch früh unter der antiviralen Therapie untersucht wurden. Es wird interessant sein, diese Kohorte auch noch weiter zu beobachten. Wir gehen davon aus, dass die Autoren dies tun werden.

    Doch der biologische Nachweis von HIV-RNA im Sperma widerlegt die Beobachtung einer kaum nachweisbaren Transmission unter HAART nicht. Was es letztendlich braucht sind längerfristige epidemiologische Daten, welche die Transmission unter HAART belegen. Und wir müssen es immer wieder wiederholen: Das EKAF Statement besagt, dass das Transmissionsrisiko im Bereich des Risikos von Sex mit Kondom ohne Therapie ist. Auch dort gibt es einzelne dokumentierte Übertragungen und dennoch erachten wir Kondom-geschützten Sex als sicher.

    Zell-freies Virus Hautquelle bei sexueller Übertragung

    Eine weitere Studie in dieser Session hat noch Beachtung verdient (Butler et al, #49LB). David Butler stellte eine sorgfältige Analyse von 4 homosexuellen Transmissions-Paaren vor, bei welchen Spermaproben des Index-Partner unmittelbar nach der Infektion (72 Tage) und Blutproben des frisch infizierten Partners (um 59 Tage nach Infektion) verglichen wurden. Dabei konnte er mit phylogenetischer Analyse zeigen, dass die Infektion in allen 4 Fällen durch das freie Virus im Sperma zustande kam.

    Wir würden hier aber noch vor voreiligen Schlüssen warnen. Frühere Untersuchungen weisen darauf hin, dass insbesondere beim Vorliegen von sexuell übertragbaren Krankheiten auch zell-assoziertes Virus übertragen werden dürfte.

    Infektiologie St. Gallen vom 12. Februar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV im Sperma trotz optimal supprimierter Viruslast im Blut

    In zwei Studien wurde parallel die Viruslast in Blut und Sperma untersucht. Dabei zeigte sich, dass bei rund 5% der Patienten ohne Viren im Blut HIV im Sperma nachgewiesen wurde. Die Viruslast im Sperma schwankte erheblich und erreichte bei einem Patienten sogar 16.000 Kopien/ml.

    In Rahmen der Kinderwunschsprechstunde am Hospital Pitie-Salpetriere wurde 264 Blut/Sperma-Proben von 145 Männern untersucht. Die Nachweisgrenze lag bei 50 Kopien/ml im Blut und bei 200 Kopien/ml im Sperma. Bei sieben Patienten wurde HIV im Sperma nachgewiesen, obwohl die Viruslast im Blut mindestens 6 Monate unter der Nachweisgrenze lag und keine Geschlechtskrankheiten vorlagen. Bei den Patienten, die Lamivudin, Tenofovir und Indinavir einnahmen, konnten diese Substanzen auch im Sperma nachgewiesen werden. Resistenzmutationen bei HIV im Sperma wurden nicht beschrieben.

    Eine kanadische Studie untersuchte bei 25 Männern die Viruslast in Plasma und Sperma 6 Monate nach Einleiten einer HAART prospektiv. Zu Woche 16 lag die Viruslast im Blut bei allen Patienten unter der Nachweisgrenze. Im Sperma war jedoch im weiteren Verlauf bei 12/25 (48%) nachweisbar. 4/25 (16%) hatten >5000 Kopien/ml im Sperma, ein Mann hatte sogar 16.000 Kopien/ml. In der Regel war HIV bei den Männern nur sporadisch nachweisbar, bei einem Patienten allerdings in jeder Probe.

    Marcelin A-G et al: Detection of HIV-1 RNA in seminal plasma samples from treated patients with undetectable HIV-1 RNA in blood plasma, Abstract 51
    Sheth P et al: Persistent HIV RNA shedding in semen dispite effective ART. Abstract 51 / 16. CROI - Montreal 8.-11. Februar 2009

    HIV&More vom 11. Februar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Adherence auch bei Hepatitis C Therapie wichtig!

    von Patrick Schmid

    Was bei der HIV-Therapie längst klar ist, wurde nun auch für die Hepatitis C-Behandlung gezeigt.

    Aus den Zulassungsstudien von PegInterferon und Ribavirin bei Hepatitis C wissen wir bereits: Wenn die kumulative Dosis dieser Medikamente reduziert ist, ist mit einem schlechteren Therapieansprechen (SVR = Sustaned Virologic Response) zu rechnen. Die Ursache für eine Dosisreduktion in diesen Studien war meist Arzt-bedingt, d.h. die PegInterferon- und Ribavirindosierung wurde wegen Nebenwirkungen nach unten angepasst.

    Weniger Daten gibt es zur Patienten-bedingten suboptimalen Exposition gegenüber den HCV-Medikamenten.

    Vincent Lo Re et al. haben genau das untersucht und zwar bei 188 Patienten, die die Behandlung mit PegInterferon und Ribavirn zuhause durchführten. Die Patienten erhielten ihre verordneten Medikamente jeweils für einen Monat in der Apotheke, dafür mussten sie sich selber bei der Apotheke melden. Die bezogene Medikamentenmenge (refill) in Bezug auf die verordneten Menge wurde als Adherence angenommen (Wenn also ein Patient seine Medikamente vorzeitig bezog, war eine Adherence von >100% möglich). Verglichen wurde die so geschätzte Adherence mit dem Abfall der Viruslast in den ersten 12 Behandlungswochen. Denn es ist bekannt, dass ein rascher Abfall der Viruslast zu Beginn der Therapie gut mit einem anhaltenden Therapieerfolg (SVR) korreliert.

    Resultate:
    Der mittlere Abfall der HCV RNA bei Woche 12 war 0.66 Log IU/mL größer bei den Patienten mit einer Adherence von >= 85% verglichen mit jenen, die eine Adherence von <85% aufwiesen (3.23 vs. 2.57 Log IU/mL; P = 0.04).

    Wenn Patienten, die eine suboptimale Ribavirindosis (keine Gewichtsadaptation) erhielten, ausgeschlossen wurden, war der Viruslast-Abfall sogar 1.0 Log IU/ml für die Patienten mit einer Adherence von >= 85% (3.32 vs 2.32 log IU/mL; P = 0.01).
    Patienten mit einer Adherence von >= 85% erreichten deutlich häufiger einen EVR (Early Virological Response): 73% vs 29% (P = 0.02) für PegInterferon und 73% vs 55% (P = 0.08) für Ribavirin.

    Für uns sind diese Resultate keineswegs überraschend. Eine Subgruppenanalyse von HIV-HCV-Koinfizierten Patienten zeigte bei diesen eine bessere Adheränz, als bei den HCV-Monoinfizierten. Dies weißt darauf hin, dass HIV-Patienten sich der Wichtigkeit der zuverlässigen Medikamenteneinnahme eher bewusst sind, weil sie entsprechend geschult sind und häufig schon ein "Training" im Medikamente einnehmen hinter sich haben.

    Diverse Studien haben gezeigt, dass gute oder schlechte Adherence von den Ärzten nicht zuverlässig vorausgesagt werden kann. Aus diesem Grund offerieren wir in St. Gallen allen Patienten mit Hepatitis C-Behandlung ein MEMS-Training (Medication Event Monitorin System).

    Mit dem Einsatz der neuen Proteasehemmer (Boceprevir, Telaprevir), die sich zur Zeit in Phase III-Studien befinden, wird die Unterstützung der Adherence noch wichtiger werden: Aufgrund der Pharmakologischen Daten dieser Medikamente wird voraussichtlich eine 3x-tägliche Dosierung nötig sein. Diese Herausforderung kennen von den ersten Proteasehemmer-Therapien in der HIV-Therapie mit Indinavir. Leider: Ein Ritonavir-boosting wird bei den oben genannten HCV-Proteasehemmern voraussichtlich nicht viel bringen.

    Vincent Lo Re III et al., CID 2009: 48 (15. Jan.) http://www.journals.uchicago.edu/doi/abs/10.1086/595685

    Infektiologie St. Gallen vom 11. Februar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Das Immunsystem "heruntergeregelt"

    Judith Mandl erforscht, warum Tiere mit dem HI-Virus leben, ohne zu erkranken

    Viele Viren, so zu Beispiel die Erreger von Ebola, Influenza, Sars und Aids, sind nachweislich von tierischen Wirten auf den Menschen übergesprungen. Während Fledermaus, Vogel oder Affe in der Regel ohne Symptome mit diesen Viren leben, verursachen ihre Erreger im Menschen oft schwere Krankheiten, die tödlich enden können. "Wir wollen wissen, warum Tiere, die Reservoirwirte für Viren sind, trotz ihrer Infektion nicht erkranken", beschreibt Judith Mandl ihr Ziel. Die 27-jährige Wienerin hat an westafrikanischen Affen erforscht, warum deren Variante von HIV - genannt SIV (für Simianes Immundefizienz-Virus) - nicht zum Ausbruch von Aids führt. Ihr Zugang ist, "von Affen zu lernen, die mit diesem Virus zusammenleben". Einen Teil ihrer Dissertation an der Emory University in Atlanta publizierte sie Anfang Oktober 2008 in "Nature Medicine", was für einiges Aufsehen in der Fachwelt sorgte.

    Die am Primatenzentrum in Georgia, USA, lebenden Sooty Mangaben sind gesund und beschwerdefrei trotz SIV-Infektion. Ihr Immunsystem wird nicht hyperaktiv, wie es bei chronisch HIV-infizierten Menschen der Fall ist, sondern "heruntergeregelt". Eine effektive Antwort auf ein Virus, an dem antivirale Strategien des Immunsystems abprallen.

    Johanna Mandl und ihre Kollegen haben dabei herausgefunden, dass die dendritischen Zellen der Mangaben, die eine Immunantwort starten, das Virus anders "sehen".

    Die Wissenschaftssprache Englisch ist bei der Immunologin solid verankert. Sie besuchte bereits den Kindergarten der Vienna International School. Aufgrund ihrer ausgeprägten Interessen - Viren und Mathematik - belegte sie an der University of Warwick in Großbritannien das Fach Computational Biology. Die mathematische Beschreibung von komplexen biologischen Systemen brachte sie auch im Labor der Emory University erfolgreich zum Einsatz. Im September des vergangenen Jahres fing sie ihren Postdoc im Immunologie Labor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) in Washington an.

    "Dinge unter einem anderen Gesichtspunkt zu betrachten ist für mich der Beginn neuer Ideen" - also führt die Biologin gern interdisziplinäre Gespräche und wird weiterhin Experimente im Labor mit mathematischen Modellen verknüpfen, um immunologische Prozesse nach viralen Infektionen zu verstehen. Forschung ist für sie eine Tätigkeit, in der "man ständig Neues lernt, dauernd auf Herausforderungen stößt, ungehindert seinen Interessen nachgehen kann und die Chance hat, Wissen beizutragen, das einen Unterschied macht - im konkreten Fall vielleicht wichtige Grundlagen zur Entwicklung eines HIV-Impfstoffs".

    Zu ihrer Publikation meint sie: "An dieser Studie waren viele beteiligt, ohne die diese Studie kaum möglich gewesen wäre. Man braucht auch Glück und Geduld, um den verschiedenen Ideen und Hypothesen nachzugehen."

    Link: Why Some Primates Can Live with Immunodeficiency Viruses and Not Progress to AIDS - Emory University http://www.whsc.emory.edu/press_releases2.cfm?announcement_id_seq=15644

    Der Standard vom 10. Februar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Vaginalgel könnte HIV-Infektion vorbeugen

    Durban – Erstmals hat ein Vaginalgel in einer randomisierten klinischen Studie zur HIV-Prävention nicht enttäuscht. Die Rate von Neuinfektionen wurde um 30 Prozent gesenkt. Die jetzt auf der 16. Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections in Montréal vorgestellten Ergebnisse verfehlten allerdings das Signifikanzniveau, sodass eine endgültige Beurteilung einer weiteren Studie vorbehalten bleibt.

    In den Hochendemieregionen Afrikas sind 60 Prozent aller HIV-Patienten Frauen. Sie infizieren sich zumeist beim Geschlechtsverkehr mit dem tödlichen Immunschwächevirus. Die Verwendung von Kondomen bietet den besten Schutz, doch in vielen Kulturen ist es Frauen nicht möglich, Männer von dieser Vorsichtsmaßnahme zu überzeugen, meint Salim Abdool Karim vom Center for the AIDS Program of Research in Durham in Südafrika.

    Der Epidemiologe war Leiter der Studie HPTN 035, die seit 2005 die Wirksamkeit zweier Vaginalgele untersucht, die den Frauen die Möglichkeit geben soll, sich auch dann vor HIV zu schützen, wenn der Partner ein Kondom verweigert. An der Studie beteiligten sich an sechs Zentren in Afrika und einem in den USA 3.099 Frauen mit einem erhöhten HIV-Infektionsrisiko.

    Die Studie verglich in vier Studienarmen die Effektivität von „PRO 2000“ oder „BufferGel“ mit einem Placebo-Gel oder keiner Behandlung. Die Frauen wurden gebeten, das Gel etwa eine Stunde vor dem Verkehr mit einem speziellen Applikator anzuwenden, was sie auch zu 81 Prozent taten.

    Die Partner wurden gebeten, ein Kondom zu benutzen. Die Akzeptanz lag mit 74 Prozent in der Studie zwar über den Erwartungen. Dies verhinderte jedoch nicht, dass sich 194 Frauen während der durchschnittlichen Studiendauer von 20 Monaten mit HIV infizierten.

    Davon entfielen 53 Infektionen auf Frauen, die kein Gel anwendeten. Etwa gleich viele, nämlich 51 Infektionen traten in der Placebo-Gruppe auf. Nicht besser war das Ergebnis nach Anwendung von „BufferGel“. Hier kam es zu 54 Infektionen. Damit muss der Versuch, die Infektion durch eine Absenkung des pH-Werts in der Vagina zu verhindern, als gescheitert betrachtet werden.

    In der vierten Gruppe kam es dagegen nur zu 36 Infektionen. Hier hatten die Frauen „PRO 2000“ angewendet. Das Gel enthält zu 0,5 Prozent einen „entry / fusion“ Inhibitor. Er soll die Fähigkeit von HIV herabsetzen, an gesunde Zellen zu binden und in diese einzudringen.

    Das Risiko einer HIV-Infektion wurde in der HPTN 035-Studie um 30 Prozent gesenkt (Hazard Ratio 0,70). Bewiesen ist die protektive Wirkung damit aber nicht, da das weite 95-Prozent-Konfidenzintervall (0,46-1,08) ein Zufallsergebnis nicht ausschließt, was natürlich allen Beobachtern auf der Tagung bewusst war.

    Dennoch wurden die Ergebnisse der 90 Mio. US-Dollar teuren Studie in Montréal positiv bewertet, was sicherlich damit zusammenhängt, dass alle früheren Versuche mit Vaginalgelen gescheitert waren. Im Jahr 2007 musste eine Studie zu einem Zellulosesulfat-Gel sogar abgebrochen werden, weil die HIV-Infektionsrate unter den Anwenderinnen erhöht war.

    Das US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases kündigte für August 2009 den Beginn einer Phase-III-Studie an, die den betroffenen Frauen (nicht nur in Afrika) eine definitive Antwort geben soll. Eine weitere Studie des britischen Medical Research Council (MRC) läuft bereits.

    Links zum Thema:
    Vortrag auf der CROI 2009
    Pressemitteilung des US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases
    Fragen und Antworten zur Studie

    Deutsches Ärzteblatt vom 10. Februar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    CROI Kongressinformation zu Raltegravir

    Informationen rund um den ersten Integrasehemmer Raltegravir (ISENTRESS®, MSD) werden vom 8.-11. Februar 2009 präsentiert.
    Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse:

    BENCHMRK-Studien-1 & -2 (PN018 & PN019): Die 96-Wochen-Daten (Langzeitdaten) der Phase-III-Studien an vorbehandelten (therapieerfahrenen) Patienten, die Raltegravir in Kombination mit einer optimierten Hintergrundtherapie (OBT) erhielten, zeigten im Vergleich zu Plazebo eine dauerhafte Wirksamkeit sowie die anhaltend gute Verträglichkeit von Raltegravir. Die Reduktion der Viruslast, auch bei Dreiklassenresistenzen, blieb konstant gut. (Poster 571b)

    Raltegravir ist zur Anwendung in einer antiretroviralen Kombinationstherapie zur Behandlung einer Infektion mit dem Humanen Immundefizienzvirus (HIV-1) bei vorbehandelten Patienten mit nachgewiesener HIV-1-Replikation trotz antiretroviraler Therapie zugelassen.

    Neue Subgruppenanalyse der STARTMRK-Studie (PN021): Raltegravir in Kombination mit zwei Nukleosidalen Reverse Transkriptase Inhibitoren (NRTI), zeigte - im Vergleich zu den therapienaiven Patienten, die mit Efavirenz plus zwei NRTI behandelt wurden - in der Phase-III-Studie auch nach 48 Wochen eine vergleichbar konstante Wirksamkeit bezüglich der Reduktion der Viruslast über verschiedene unbehandelte (therapienaive) Patientensubgruppen hinweg. (Poster 573)

    SWITCHMRK-Studien-1 & -2 (PN032 & PN033): 24-Wochen-Daten der Phase-III-Studie, die den Wechsel von einem stabilen Kaletra® (Lopinavir/Ritonavir)-Behandlungsregime auf ein stabiles Regime in Kombination mit Raltegravir untersuchten. (oral session)

    Die Ergebnisse:
    Der Wechsel von einem Lopinavir/Ritonavir-basierten Therapieschema auf eine antiretrovirale Behandlungskombination mit Raltegravir zeigte in Woche 12 eine signifikante Verbesserung des Gesamtcholesterins, der Triglyzeride und des LDL-Cholesterins.

    Der Wechsel von einem Lopinavir/Ritonavir-basierten Therapieschema auf eine antiretrovirale Behandlungskombination mit Raltegravir zeigte keine Nicht-Unterlegenheit bezüglich der Reduktion der Viruslast.

    Die Studie wurde planmäßig beendet und eine genaue Untersuchung der Subgruppen und Datenauswertung wird umgehend erfolgen.

    Mehr zur CROI unter: http://www.retroconference.org/2009/

    Vollständige Presseerklärungen engl.: BENCHMRK / SWITCHMRK

    MSD SHARP & DOHME GMBH Pressemeldung vom 10. Februar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV und älter werden: Die Kehrseite der Medaille

    von Pietro Vernazza

    Die Erfolge der HIV-Therapie sind ein Segen für die von HIV betroffenen Menschen. Doch mit der verlängerten, annähernd normalisierten Lebenserwartung kommen neue Fragen des Älter werden auf Betroffene und deren Betreuer zu.

    Steven Deeks und Adrew Philipps haben in einer aufwändigen Literaturübersicht die mannigfachen Probleme der älter werdenden Menschen mit HIV Infektion zusammengefasst. Dabei sieht man, dass die klassischen HIV-assoziierten Erkrankungen deutlich am Verschwinden sind, doch es stellen sich neue Fragen, welche entweder mit möglichen Langzeit-Nebenwirkungen der Therapie oder mit den Folgen der HIV-Infektion selbst zu tun haben könnten.

    Die Autoren behandeln in ihrer Übersicht folgende Themenkreise:
     

    • Folgen der unbehandelten HIV-Infektion auf Herz-Kreislauf-/Nieren-/Lebererkrankungen (alle drei treten gehäuft auf, alleine aufgrund der HIV-Infektion)
    • Effekt der HIV-Therapie auf Lebenserwartung („Normalisierung“ vermutlich nur wenn Therapie rechtzeitig eingesetzt und CD4 Werte sich vollständig erhole)
    • Rolle von tiefen CD4-Werten unter einer HIV-Therapie (auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind häufiger, wenn sich CD4-Werte unter Therapie nicht auf normalwerten stabilisieren, aber ein Drittel der Behandelten, welche die Therapie mit CD4 unter 200 angefangen hatten, wird selbst nach 10 Jahren keine normalen CD4 Werte erreichen)
    • Welche nicht HIV-assozierten Erkrankungen werden gehäuft beobachtet? (Herz- und Hirninfarkt, allerdings deutlich seltener unter Therapie, Krebs, und zwar verschiedene Formen inklusive Lymphome, Lungen-, Prostata- Darmkrebs und  Nieren- und Lebererkrankungen, letztere vor allem wegen Hepatitis-Infektionen, aber auch andere Erkrankungen sind gehäuft, so z.B. pulm. Hypertonie, Osteoporose, neurologische Erkrankungen und auch die Alterung des Immunsystems infolge der HIV-Infektion lässt sich meist auch mit Therapie nicht mehr rückgängig machen)
    • Gründe für die erhöhte Morbidität (vermutlich weitgehend wegen persistierender Aktivierung des Immunsystems)
    • Konsequenzen für das korrekte HIV-Management


    Gerade der letzte Punkt verdient unsere Aufmerksamkeit. Die Konsequenzen aus diesen zahlreichen Daten für die HIV-Behandlung könnte man wie folgt zusammenfassen:
     

    1. Die HIV-Therapie sollte frühzeitig eingesetzt werden. Sicher bevor die CD4 Zahl unter 350 fällt, doch es ist wahrscheinlich, dass der Nutzen schon sehr früh einsetzt, auch bei CD4-Werten über 500. Dazu kommt, dass eine Behandlung während der Primoinfektion vermutlich sogar die Zerstörung des Immunsystems des Darmes (MALT: Mucosa Associated Lymphoid Tissue) verhindern kann.
    2. Das erhöhte Komplikationsrisiko sollte uns dazu zwingen, schon frühzeitig nach Komplikationen zu suchen und diese zu verhindern (z.B. Kalzium / Vit-D Substitution, Überwachung der Nierenfunktion, der kardiovaskulären Risikofaktoren, Karzinome, etc.).
    3. Die komplexen HIV-Therapien mit möglichen Interaktionen fordern eine lebenslange Kontrolle aller Komedikationen, am besten unterstützt durch Internet oder Handheld-basierte Applikationen.


    Insgesamt ein sehr lesenswerter Review für interessierte Personen.

    Quelle: Deeks & Philipps, BMJ 2009;338:a3172 unter: http://dx.doi.org/doi:10.1136/bmj.a3172

    Infektiologie St. Gallen vom 9. Februar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Elite-Controller

    Warum leben einige Menschen fast ‘normal’ mit HIV?

    Einigen wenigen HIV-Infizierten gelingt es, HIV auch ohne Medikamente langfristig unter Kontrolle zu halten. Warum? Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle? Und kann von ihnen für HIV-Therapie und -Impfung gelernt werden? HIV-Elite-Controller - ein spannendes Randgebiet der Aids-Forschung.

    Die Frage, warum leben einige Menschen länger mit HIV, erkranken nicht oder erst nach sehr viel längerer Zeit, diese Frage beschäftigt Aids-Forscher wie auch HIV-Positive schon seit Beginn der HIV-Epidemie. Viele Namen wurden schon verwendet, Langzeit-Überlebende, Long-Term Non-Progressors, Langzeit-Positive, und nun ‘HIV-Elite-Controller‘.

    Doch – HIV-Elite-Controller, dieser Begriff bezeichnet mehr als ‘nur’ einen Langzeit-Positiven. Mit ‘Elite-Controller’ werden HIV-Infizierte bezeichnet, deren Immunsystem die HIV-Infektion über einen langen Zeitraum unter Kontrolle halten kann, die in dieser Zeit eine sehr niedrige oder auch eine nicht nachweisbare HIV-Viruslast haben, und das ohne antiretrovirale Medikamente einzusetzen.

    Denn ganz offensichtlich sind nicht alle Immunsysteme gleich. Während die Mehrzahl der HIV-Positiven ohne den Einsatz von Medikamenten nach gewisser (manchmal größerer, manchmal geringerer) Zeitspanne schwer erkrankt, schafft es bei einem sehr geringen Anteil der Positiven das Immunsystem, die HIV-Infektion langfristig unter Kontrolle zu halten. Positive, die langfristig trotz HIV-Infektion eine fast normale Gesundheit haben, fast normale CD4-Werte – und eine Viruslast unter 50 Kopien, ohne Medikamente. Weit unter ein Prozent der HIV-Positiven haben dieses ‘andere’ Immunsystem, schätzen Forscher.

    Schon bald, nachdem dieses Phänomen erstmals beschrieben wurde, widmeten sich Forscher weltweit der Frage nach dem ‘warum’. Was befähigt einige Menschen, nahezu normal mit HIV zu leben? Inzwischen werden internationale Forschungsanstrengungen von einer eigenen Organisation koordiniert, dem ‘HIV Elite Controllers Consortium‘.

    Die Forscher gehen vielen Spuren, Konzepten nach. Liegt es am infizierenden Virus, vielleicht einem besonders ’schwachen HIV-Stamm? Oder eher an Faktoren des Menschen, der infiziert wurde? Weist sein Immunsystem besondere Eigenschaften, Fähigkeiten auf? Gibt es genetische Besonderheiten?

    Auch wenn keiner sich ’sein Virus ‘aussuchen’ kann, und erst Recht nicht sein Immunsystem – die Forscher hoffen, Antworten auf das ‘warum’ zu finden. Antworten, die sich irgendwann in Zukunft vielleicht in konkreten Nutzen umsetzen lassen. Wenn Ursachen gefunden wären, stünde als erstes die Frage an, wie diese ’schützenden Besonderheiten’ anderen zugänglich, nutzbar gemacht werden könnten. Lassen sich hieraus neue Ansätze für die HIV-Impfstoff-Forschung gewinnen, vielleicht auch in Richtung therapeutischer Impfung? Lassen sich ‘normale’ Positive in ‘HIV Elite Controller’ verwandeln?
    Viele Frage beschäftigen die Forscher, und bisher gab es viele Spekulationen jedoch kaum Antworten.

    Eine allerdings schon: selbst die ‘HIV-Elite-Controller’ sind vermutlich nicht „the lucky few“, die wenigen Glücklichen. Neuere Studien ergeben, dass auch bei ihnen ein hohes Maß an Aktivierung des Immunsystems gezeigt werden kann. Einer Aktivierung, die von HIV verursacht ist, einer Aktivierung, die das Immunsystem schwächt. Einer Immunaktivierung, die bei HIV-Positiven mit erfolgreicher Medikamenten-Therapie deutlich geringer ist.

    Was das Ziel ist? Einer der Forscher, die sich seit langem mit ‘HIV-Elite Controllern’ beschäftigt, der Londoner Prof. Frances Gotch, erklärt es einfach „Unser Ziel ist, dass chronisch mit HIV Infizierte eher wie ‘HIV Elite Controller’ leben. Unsere Hoffnung ist, dass wir in Zukunft in die Lage kommen, die antiretrovirale Therapie deswegen absetzen zu können.“

    ondamaris vom 7. Februar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Antikörper gegen HIV entstehen durch Oral-Sex

    Eine neue schwedische Studie legt nahe, dass HIV-negative Männer durch Oralsex mit HIV-positiven Männern Antikörper entwickeln, die eine Virus-Infektion verhindern.

    Forscher des angesehenen Karolinska Institutet in Stockholm veröffentlichen ihre Ergebnisse nun im Fachmagazin "AIDS". Demnach haben die Wissenschaftler die Speichelflüssigkeit von 25 HIV-negativen Männern untersucht, die eine sexuelle Beziehung mit HIV-Positiven führten. Von ihnen berichteten 24, dass den Penis ihres Partners ungeschützt mit dem Mund stimulierten. Als Kontrollgruppe untersuchten die Forscher auch den Speichel von 22 HIV-negativen Männern, die Oralsex mit ihrem HIV-negativen Partner betrieben.

    Der Speichel von 15 der Männer in Beziehung mit HIV-Positiven konnten den Virus bei Tests neutralisieren – bei der Kontrollgruppe waren es nur sechs, was darauf schließen lässt, dass Speichel generell eine schützende Wirkung zukommt. Bei weiteren Tests konnten die Forscher bestimmte Antikörper isolieren: Sie fanden bei 13 Proben der Männer in Beziehung mit HIV-Positiven Autoantikörper der Klasse IgA1. Bei der Kontrollgruppe konnten sie diese bei keinem einzigen Probanden feststellen.

    Zwei Jahre nach diesen Tests haben die Forscher erneut Speichel der 25 Männer untersucht. Sie erhielten fast genau die gleichen Ergebnisse. Alle Männer blieben zudem in diesem Zeitraum HIV-negativ.

    Es ist das erste Mal, dass eine solche Reaktion in der Speichelflüssigkeit festgestellt wird. Dies könnte auch erklären, warum von einer Infektion durch Oralsex nur äußert selten berichtet wird.

    Queer vom 6. Februar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Sparkurs bei der Aids Stiftung

    Die deutsche Aids-Stiftung, die bisher auch in Notlagen zahlreiche Menschen mit HIV und Aids unterstützt, leidet unter deutlich zurück gehendem Spendenaufkommen. Ein Sparkurs mit Reduzierungen und Einschränkungen bei Bewilligungen ist die Folge.

    Die Deutsche Aids-Stiftung, 1996 hervorgegangen aus einer Fusion der 1987 gegründeten Deutschen Aids-Stiftung ‘Positiv leben’ und der ebenfalls 1987 gegründeten Nationalen Aids-Stiftung, ist gerade für finanziell weniger gut gestellte Menschen mit HIV und Aids ein wichtiger, oftmals der einzige Ansprechpartner in finanziellen Notlagen.

    Ob Geld für eine Heizkosten-Nachzahlung, die Teilnahme an einem Positiventreffen, eine krankengerechte Matratze oder den notwendigen Zahnersatz, gerade für HIV-Positive, die von Grundsicherung oder Hartz IV leben, ist die Einzelfallhilfe der Deutschen Aids-Stiftung oftmals der letzte Rettungsanker.

    Doch nun kommt die Stiftung selbst in finanzielle Bedrängnis. “Wir haben leider sehen müssen, dass das freie Spendenaufkommen der Deutschen AIDS-Stiftung im zurückliegenden Jahr deutlich hinter den notwendigen Ergebnissen zur Aufrechterhaltung aller bisherigen Hilfsleistungen zurück geblieben ist”, schrieb die Stiftung Mitte Januar 2009 in einem Brief an alle Aids-Beratungsstellen.

    Leider sei auch für 2009 “keine seriöse Prognose über das freie Spendenaufkommen” möglich, so die Stiftung weiter. Erst im vierten Quartal des Jahres würden wieder (Spendenaufkommen trächtige) Benefize stattfinden. Bis dahin müsse die Stiftung daher “mit einem deutlichen Sparkurs auch in der Mittelvergabe auf die unsichere Situation reagieren”.

    Was dies für Menschen mit HIV bedeutet, erläutert die Stiftung ebenfalls: “ab sofort und bis auf weiteres [würden] keine Bewilligungen mehr für Reisen” ausgesprochen. “Auch bei anderen Antragsgegenständen ist mit deutlichen Reduzierungen in den Bewilligungssummen bzw. einer zurückhaltenden Bewilligungspraxis zu rechnen.”

    Zudem diskutiere die Stiftung derzeit weitere Einschränkungen, so z.B. “regionale Schwerpunktsetzungen entlang der Zustiftungsentscheidungen der Länder”.

    Stiftungen finanzieren üblicherweise einen überwiegenden Teil ihrer Ausgaben aus Zinserträgen des angelegten Stiftungsvermögens (das selbst nicht angetastet werden darf). Ob auch die Deutsche Aids-Stiftung in der Anlage ihres Stiftungsvermögens von Auswirkungen der internationalen Finanzkrise betroffen ist, teilte die Stiftung nicht mit.

    ondamaris vom 5. Februar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neue Gentherapie gegen Aids soll Immunität stimulieren

    Eine US-Firma will eine neue Therapie anwenden, die eine Immunität gegen HIV über Genmanipulation bewirken soll. An Mäusen bereits getestet, jetzt starten Menschenversuche.

    Das US-Unternehmen Sangamo Biosciences will nach eigenen Angaben mittels Gentherapie einen dauerhaften Schutz gegen die Immunschwäche-Krankheit Aids entwickeln. In Kooperation mit der Universität von Pennsylvania wollen noch diese Woche erste klinische Studien an Aids-Patienten beginnen, denen herkömmliche Medikamente nicht mehr helfen.

    Jedem der Teilnehmer wird Blut abgenommen und daraus eine bestimmte Immunzellen-Sorte gezogen, in denen sich HI-Viren einnisten, und die normalerweise die Abwehr gegen Erreger ankurbeln. Aus den isolierten Immunzellen wollen die Forscher ein Gen namens CCR5 entfernen, das für die HIV-Anfälligkeit mitverantwortlich ist.

    Menschen mit einer mutierten CCR5-Variante sind natürlicherweise immun gegen die Krankheit: Weil ihre CCR5-Rezeptoren nicht funktionieren, kann sich das Virus bei ihnen nicht einnisten, und damit auch nicht weiter vermehren. Als nächstes sollen die genetisch veränderten Zellen vermehrt und den Patienten etwa 10 Milliarden von ihnen wieder injiziert werden. Auf diese Weise hoffen die Forscher eine ähnliche Immunität hervorzurufen werden, wie sie nur selten in der Natur vorkommt. An Mäusen wurde diese Methode bereits erfolgreich getestet.

    Pressemeldung Sangamo Biosciences: http://investor.sangamo.com/releasedetail.cfm?ReleaseID=363201

    Die Presse vom 4. Februar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zulassung für hitzestabiles Norvir beantragt

    Der Pharmakonzern Abbott hat in den USA die Zulassung für eine neue Form des Aids-Medikaments Norvir beantragt, die hitzestabil ist und keine Kühlung mehr erfordert.

    Das Aids-Medikament Norvir® ist schon seit August 1996 zugelassen. Seit vielen Jahren wird es vornehmlich nicht mehr direkt als Medikament gegen HIV eingesetzt, sondern als sog. Booster. Hier wird die Eigenschaft der Wirksubstanz Ritonavir genutzt, bestimmte Abbau-Prozesse in der Leber zu beeinflussen, um den Wirkstoff-Spiegel anderer Substanzen zu erhöhen. Doch Norvir® hat u.a. in seiner derzeitigen Formulierung einen wesentlichen Nachteil - es muss gekühlt werden, da die Kapsel nicht hitzestabil ist.

    Was für HIV-Positive in Industriestaaten zunächst nur wie ein ‘Komfort-Faktor’ erscheinen mag, stellt für viele HIV-Infizierte in weniger entwickelten Staaten ein großes Problem dar. Die Notwendigkeit, Norvir® zu kühlen, stellt z.B. in vielen Staaten des südlichen Afrikas ein großes praktisches Problem dar - und hat (da die Substanz bisher der einzige verfügbare Booster ist) so alle geboosterten Therapien gegen HIV stark erschwert und Therapiechancen massiv reduziert.

    Die neue Formulierung als Tablette, für die nun Ende Januar 2009 die Zulassung bei der US-Medikamentenbehörde FDA (Food and Drug Administration) sowie der Europäischen Medikamentenbehörde EMEA beantragt wurde, ist hitzestabil und erfordert keine Kühlung mehr.

    Über den zukünftigen Preis des hitzestabilen Norvir® hat sich der Pharmakonzern Abbott noch nicht geäußert. In den USA hatte die Erhöhung des Norvir®-Preises auf das Fünffache vor einigen Jahren zu starken Protesten geführt. Allerdings befinden sich andere Booster-Substanzen in der Entwicklung, so dass die Wettbewerbs-Situation für Norvir® sich ändert und ein Ende des Norvir®-Monopols’ naht.

    ondamaris vom 2. Februar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Preis für Forschung zu HIV-Infektion

    Wissenschaftspreise der GSK-Stiftung auch für Erkenntnisse zur Blutgerinnung

    München - Drei Forscher sind mit den Wissenschaftspreisen 2008 der GlaxoSmithKline Stiftung ausgezeichnet worden. Prämiert wurden neue Erkenntnisse zur Blutgerinnung sowie zur HIV-Infektion.

    Professor Bernhard Nieswandt vom Rudolf-Virchow-Zentrum der Uni Würzburg erhielt den mit 15.000 Euro dotierten Preis für medizinische Grundlagenforschung. Der Preis für klinische Forschung - ebenfalls 15 000 Euro - ging an Professor Frank Kirchhoff und Dr. Jan Münch vom Institut für Virologie der Uni Ulm.

    Nieswandt hat zwei Proteine untersucht, die die Aktivierung und die Verklumpung von Thrombozyten regulieren und die mögliche Angriffspunkte einer Therapie sein könnten. So aktiviert das Protein Talin-1 Integrine, die auf der Oberfläche von Thrombozyten für das Anheften an die Gefäßwand wichtig sind. Durch die Hemmung von Talin-1 könnten Verklumpungen in erkrankten Gefäßen aufgelöst werden.

    Ein zweites von Nieswandt untersuchtes Protein STIM1 steuert die Kalziumfreisetzung in den Zellen und ist essenziell für die Zusammenlagerung von Thrombozyten. Mäuse, denen STIM1 fehlt, sind vor Schlaganfällen geschützt, ohne dass deshalb die normale Blutstillung beeinflusst ist. Die beiden Virologen Kirchhoff und Münch haben im menschlichen Sperma Faktoren entdeckt, die die Infektiosität des HI-Virus erhöhen: Fibrillen, die als semen-enhancer of virus infection (SEVI) bezeichnet werden und die für die sexuelle Übertragung von HIV wichtig sind, verstärken die Anheftung von HIV-Partikeln an Zielzellen.

    So fanden die beiden Forscher heraus, dass in Gegenwart von SEVI ein Tausendstel der Menge an Viruspartikeln ausreichend ist, um Zellen zu infizieren. Die Fähigkeiten der Fibrillen beschränken sich offenbar nicht auf HIV. Fibrillen sind auch in der Lage virale Infektionen zu verstärken. Derzeit sind etwa 30 Krankheiten bekannt, die im Zusammenhang mit Fibrillen stehen.

    Ärzte Zeitung vom 2. Februar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Unter HAART Schilddrüsenfunktion kontrollieren

    Die HAART kann die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen, wobei Proteasehemmer mit einer Hypothyreose und NNRTI mit einer Hyperthyreose assoziiert sind. Die regelmäßige Kontrolle der Schilddrüsenparameter erscheint empfehlenswert.

    In der retrospektiven Untersuchung wurden die Daten von 2437 Patienten ausgewertet, die zwischen 1995 und Mitte 2006 am Chelsea and Westminster Hospital in London betreut wurden und bei denen mindestens eine Messung der Schilddrüsenfunktion vorlag. Die Indizenz der Überfunktion lag bei 3,4 und der Unterfunktion bei 10,7 per 10.000.

    Insgesamt hatten 54/2437 Patienten (2,4%) keine normale Schilddrüsenfunktion. 26 Patienten hatten eine Hyperthyreose, 28 eine Hypothyreose. Die Prävalenz beider Erkrankungen in der Kohorte lag bei jeweils rund 1%.

    Bei den weiter untersuchten Patienten wurde im Fall einer Hyperthyreose bei 67%, im Fall einer Hypothyreose bei 40% Antikörper gefunden, was von den Untersuchern als Zeichen der Immunrestauration nach Einleiten einer antiretroviralen Therapie interpretiert wurde.

    Assoziation mit ART

    Die Schilddrüsenunterfunktion war dabei mit Proteasehemmern (p = 0.002), die Überfunktion eher mit NNRTI (p = 0.025), insbesondere Efavirenz assoziiert. Fazit: Die Arbeitsgruppe um Mark Nelson, London, empfiehlt unter einer HAART auch die Schilddrüsenfunktion routinemäßig zu untersuchen.

    Quelle: Nelson M et al. Thyroid dysfunction and relationship to antiretroviral therapy in HIV-positive individuals in the HAART era. J Acquir Immune Defic Syndr 50: 113-14, 2009

    HIV&More vom 31. Januuar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Es liegt in den Genen: Risiko für Aids

    In welcher Form ein Mensch auf eine Infektion mit dem HI-Virus reagiert, ist schon in seinen Genen festgelegt. Das berichten die Wissenschaftler um Dr. Djin-Ye Oh und Prof. Ralf Schumann vom Institut für Mikrobiologie der Charité - Universitätsmedizin Berlin, gemeinsam mit den Forschern um Dr. Osamah Hamouda vom Robert-Koch-Institut in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift AIDS.

    Eine entscheidende Rolle kommt dabei den so genannten Toll-like Rezeptoren zu. Sie sind für das Erkennen und die Abwehr von Bakterien und Viren im Körper zuständig. Das HI-Virus aktiviert diese Rezeptoren, welche als Reaktion verschiedene interzelluläre Botenstoffe freisetzen. Manche dieser Stoffe bekämpfen das Virus. Andere tragen jedoch auch zu dessen Verbreitung im Körper bei. Die Studie zeigt, dass eine bestimmte Mutation des Toll-like Rezeptors 7 die Freisetzung der Botenstoffe entscheidend beeinflusst.

    Der Stoff Interferon Alpha ist für die Bekämpfung der Viren zuständig und wird bei Vorliegen dieser Mutation in deutlich geringerem Maße freigesetzt, die Ausschüttung der anderen Botenstoffe bleibt gleich. Die Folge: Die HIV-Infektion kann sich auf Grund der verringerten Interferonfreisetzung schneller ausbreiten und die Krankheit erreicht wesentlich früher das Endstadium.

    Die Wissenschaftler haben in Zusammenarbeit mit einer großen Berliner HIV-Schwerpunktpraxis insgesamt 1.279 Studienteilnehmer untersucht, 734 davon waren HIV-positiv. Ein Viertel aller Probanden wies die spezielle Mutation des Toll-like Rezeptors 7 auf. Diejenigen, die das Virus in sich trugen und die Mutation aufwiesen, hatten einen deutlich beschleunigten Krankheitsverlauf und eine höhere Viruslast.

    Es ist bereits länger bekannt, dass die HIV-Infektion bei Männern und Frauen unterschiedlich verläuft. Da das Gen des hier beschriebenen Rezeptors auf dem X-Chromosom liegt, von dem Männer nur eines und Frauen zwei haben, könnten die Ergebnisse wichtig für die weitere Erforschung dieses Phänomens sein.

    Auffällig ist, dass in der Studie 44,4 Prozent der HIV-positiven, jedoch nur 17,9 Prozent der HIV-negativen Frauen das veränderte Gen in sich trugen. Das könnte bedeuten, dass die Träger der Mutation empfänglicher für die Infektion sind. Um dieses Ergebnis zu bestätigen, müssen jedoch noch weitere Studien durchgeführt werden.

    Dass Toll-like Rezeptoren bei anderen Infektionskrankheiten die Immunreaktion und den Verlauf der Erkrankung stark beeinflussen, ist bereits seit längerem auch durch Arbeiten dieser Charité-Arbeitsgruppe bekannt. So weiß man, dass zum Beispiel bei Hepatitis C oder Tuberkulose genetische Variationen dieses oder des eng verwandten Toll-like Rezeptors 8 entscheidend für die Erkrankungshäufigkeit und den klinischen Verlauf sind.

    Neue Perspektiven für HIV-Patienten

    Die neuen Ergebnisse eröffnen jetzt neue Perspektiven für HIV-Patienten: »Mit diesen Erkenntnissen können Risikopatienten rechtzeitig erkannt und eventuell effektiver behandelt werden«, erläutert Prof. Schumann. »Möglicherweise können die Toll-Like Rezeptoren auch potentieller Angriffspunkt für eine Impfung gegen das HI-Virus sein.«

    *Djin-Ye Oh; Konstantin Baumann; Osamah Hamouda; Jana K Eckert; Konrad Neumann; Claudia Kücherer; Barbara Bartmeyer; Gabriele Poggensee; Nari Oh; Axel Pruss; Heiko Jessen; Ralf R Schumann: »A frequent functional toll-like receptor 7 polymorphism is associated with accelerated HIV-1 disease progression.« in: AIDS, January 2009, Vol. 23, Issue 3,297-307.

    Berlin-Magazin vom 30. Januar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    80 Prozent der HIV-Infizierten wollen zurück in Beruf

    Viele Menschen mit dem Aids-Erreger HIV im Blut wollen nach Angaben der Deutschen Aids-Hilfe (DAH) trotz ihrer Diagnose wieder arbeiten.

    Stuttgart - Laut einer Schätzung der Aids-Hilfe ist die Hälfte der rund 63.500 Infizierten in Deutschland in Lohn und Brot. Eine Studie belege aber, dass 80 Prozent arbeiten wollen. Aus Furcht vor Diskriminierung, Mobbing oder Entlassung würden zudem nur sehr wenige am Arbeitsplatz über ihre Infektion sprechen, sagte DAH-Referent Stefan Timmermanns am Mittwoch in Stuttgart. In Stuttgart startet am Donnerstag die nach DAH-Angaben größte Selbsthilfekonferenz Europas mit gut 400 Teilnehmern (bis 1. Februar).

    An ihrem Arbeitsplatz müssten HIV-Infizierte nicht selten ein Doppelleben führen, sagte Timmermanns. Alle Anstrengungen, sich nicht vollends "enttarnen" zu müssen, würden "ganz viel Energie fressen". Schließlich führten ärztliche Kontrollen des Therapieerfolgs und Untersuchungen zu Fehlzeiten. Außerdem würden Medikamente immer wieder Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall und Hautausschläge verursachen. "Neben einer wirksamen Therapie ist ein stabiles, unterstützendes Arbeitsumfeld die beste Voraussetzung, um als Mensch mit HIV im Arbeitsleben zu bestehen."

    Nach wie vor gebe es bei Arbeitgebern hohe Vorbehalte gegen die Beschäftigung von Infizierten, sagte Timmermanns. Es gebe aber auch positive Beispiele: Die Daimler AG etwa habe sich 2005 in einer Richtlinie gegen die Diskriminierung infizierter Mitarbeiter ausgesprochen. Sie sichere Betroffenen Vertraulichkeit zu und setze sich für Prävention ein. HIV/Aids werde als chronische Krankheit behandelt, teilte die Aids-Hilfe mit.

    Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (Berlin) leben in Deutschland rund 63 500 Menschen mit dem Aidserreger im Blut. Etwa 3.000 Deutsche stecken sich in jedem Jahr neu an.

    Ärzte-Zeitung vom 29. Januar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Medikamente kommen bei Aids-Patienten nicht an

    Reformen im Beschaffungswesen sollen helfen, die Versorgung von HIV-Infizierten mit lebenswichtigen Medikamenten zu verbessern.

    Die Regierung in Uganda hat massive Schwierigkeiten, Aids-Patienten mit lebenswichtigen Arzneimitteln zu versorgen. Obwohl ausreichend antiretrovirale Medikamente (ARVs) vorhanden sind, wird derzeit nur die Hälfte aller HIV-Infizierten und Aids-Kranken damit behandelt.

    Ein Sprecher des National Medical Store (NMS), wichtigster Medikamenten-Zulieferer der Regierung, erklärte, die Hauptursache für die Versorgungsschwierigkeiten liege darin, dass das Beschaffungswesen im Gesundheitsbereich Ugandas weitestgehend unkoordiniert sei. Tatsächlich gibt es momentan zu wenige Gesundheitseinrichtungen, in denen die ARVs an die Patienten weitergegeben werden können.

    Immer wieder haben ugandische Medien in der Vergangenheit berichtet, dass die Aids-Medikamente in den Vorratsräumen der Regierung liegen bleiben, bis sie abgelaufen sind und nicht mehr verwendet werden können.

    Regierung will Versorgungskette überprüfen

    Das NMS hat nun angekündigt, seine internen Prozesse zu überprüfen, um die Verteilung der Medikamente effektiver zu gestalten. Vorerst sollen keine weiteren ARVs von Gebern eingelagert werden, es sei denn, es bestehe eine tatsächliche Versorgungslücke, erklärte der Sprecher. Außerdem werden ab sofort alle Aids-Mittel, die nur noch drei Monate haltbar sind, an staatliche Krankenhäuser ausgeliefert. Und um den Informationsfluss zwischen allen Beteiligten zu verbessern, soll eine Website eingerichtet werden, die über den aktuellen Vorrat an Medikamenten informiert.

    Zivilgesellschaft bleibt skeptisch

    Die Zivilgesellschaft sieht diesen Reformansätzen mit gemischten Gefühlen entgegen. Einige sind erleichtert, dass die Regierung nun ihre Logistik überprüfen und verbessern will. Andere warnen vor voreiligen Schritten. So wie Beatrice Were, führende Aids-Aktivistin in Uganda, die den Entschluss des NMS, zunächst keine ARVs von Gebern mehr anzunehmen, für überstürzt hält. "Viele Menschen werden im Moment noch nicht behandelt, vor allen Dingen in den ländlichen Regionen", erklärt Were und mahnt: "Die Infiziertenzahlen steigen im Moment. Was passiert, wenn wir viele Menschen haben, die Medikamente brauchen, sie aber nicht bekommen können?"

    Seit 2003 werden in Uganda ARVs kostenlos an Aids-Patienten verteilt. Derzeit erhalten etwa 106.000 Menschen die lebensverlängernden Medikamente.

    Quelle: Plusnews, 22. Januar 2009

    Deutsche Stiftung Weltbevölkerung vom 27. Januar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Offizielle Zahl von HIV-Infizierten in 2008 um 15 Prozent zugenommen

    Die Zahl der offiziell registrierten HIV-Infizierten in der Ukraine ist um 15 Prozent in 2008 gegenüber dem vorvergangenen Jahr gestiegen. Das geht aus dem letzten Bericht des ukrainischen Zentrums für AIDS/HIV-Bekämpfung hervor, den am heutigen Freitag veröffentlicht wurde. Dem Bericht zufolge werden landesweit 1.600 Ukrainer als HIV-positiv monatlich getestet. Laut dem Bericht ist die Ukraine der traurige Spitzenreiter europaweit in Bezug auf die Verbreitung von HIV und AIDS.

    Die ukrainischen HIV-Infizierten klagen über eine mangelhafte Finanzierung der AIDS-Bekämpfung in der Ukraine und fordern mehr Geld im Haushalt für dieses Programm vorzusehen. Die schon vorgesehene Summe in Höhe von 404 Mio. US-Dollar sei ungenügend, meinen die HIV-Infizierten. Demnach fordern sie die benötigten Haushaltsänderungen im Parlament zu verabschieden.

    NRCU–Ukraine vom 23. Januar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Die HIV Inzidenzstudie

    Wie viele Menschen infizieren sich in Deutschland jährlich mit HIV? Bisherige Zahlen basieren auf Schätzungen - mit einer derzeit laufenden Studie will das Robert-Koch-Institut Daten zu frischen HIV-Infektionen sammeln.

    Wie viele Menschen infizieren sich jährlich mit HIV? Zwar publiziert das Robert-Koch-Institut jährlich Fragen hierzu, diese basieren jedoch auf Schätzungen.

    Gemessen wird bisher, wie viele HIV-Infektionen in einem Jahr neu diagnostiziert werden. Dies sagt jedoch zunächst nichts darüber aus, wann sich die Person mit HIV infiziert hat (sondern nur über den Zeitpunkt des positiven HIV-Tests). Gemessen werden die Neu-Diagnosen, nicht die Neu-Infektionen.
    Eine interessante Basis zur Beurteilung der Situation, aber auch für die HIV-Prävention wäre jedoch auch eine bessere Kenntnis des aktuellen Infektionsgeschehens - sprich der Zahl derjenigen Menschen, die sich in einem Zeitraum frisch mit HIV infizieren (HIV-Neuinfektionen). Die Zahl der HIV-Neudiagnosen pro Zeiteinheit wird als HIV-Inzidenz bezeichnet.

    Das Robert-Koch-Institut führt hierzu seit November 2007 eine Studie zur Bestimmung der Inzidenz von HIV-Infektionen in Deutschland durch. Ziel dieser HIV-Inzidenz-Studie ist insbesondere die “Ermittlung des Anteils frischer (inzidenter) HIV-Infektion unter den neu diagnostizierten HIV-Infektionen über einen Zeitraum von zweimal 12 Monaten in Deutschland”.

    Diese HIV-Inzidenz-Studie wird seit dem 1. November 2007 durchgeführt. Sie wird durch das Bundesministerium für Gesundheit gefördert. Die Laufzeit der Studie beträgt drei Jahre. Der jetzigen HIV-Inzidenz-Studie ging eine Pilotphase voran, die von November 2005 bis Februar 2007 in Berlin stattfand.

    Zum Hintergrund der Inzidenzstudie erläutert das RKI:

    “Diese Fallmeldungen der neu diagnostizierten HIV-Infektionen spiegeln jedoch nicht die tatsächliche HIV-Inzidenz, also die Anzahl der neu erworbenen Infektionen wieder, sondern sie stellen die Summe aus frischen und länger zurückliegenden, erstmalig diagnostizierten HIV-Infektionen dar. Die Qualität dieser Daten hängt vom Meldeverhalten der Labore und Ärzte ab. Weitere Faktoren, die die Meldedaten beeinflussen können, sind das Angebot von Testmöglichkeiten und die Inanspruchnahme solcher Testangebote. Insbesondere Veränderungen dieser Parameter im Zeitverlauf können die Interpretation der Daten erschweren.

    Die Anzahl frisch erworbener Infektionen (inzidenter Fälle) ist ein sehr aktueller Indikator, der auf eine veränderte epidemiologische Situation hinweisen kann und dadurch eine zeitnahe Anpassung von Präventionsprogrammen ermöglicht. Durch Bestimmung der Inzidenz kann z.B. das Übertragungsniveau und dessen Änderung bzw. Dynamik in bestimmten Risiko- oder Altersgruppen erfasst werden.”

    Das RKI über die Studie:

    “Nach Abschluss einer Pilotphase in Berlin sollen jetzt in der HIV-Inzidenzstudie bundesweit Daten zum Anteil frischer HIV-Infektionen und zu Wissen, Einstellungen, Verhalten und Praktiken bezüglich HIV/AIDS gesammelt werden. Die Datensammlung erfolgt anonym und unverbunden. Die Studie wird in Kooperation mit etwa 90 Laboren sowie Praxen, Kliniken, Gesundheitsämtern und Beratungsstellen in sechs Regionen in Deutschland durchgeführt.”

    Weitere Informationen:
    Epidemiologisches Bulletin 47 / 2006: RKI-Pilotstudie zu inzidenten HIV-Infektionen in Berlin  (pdf)
    Epidemiologisches Bulletin 1/2008: Zur Bestimmung der Inzidenz von HIV-Infektionen in Deutschland  (pdf)
    Robert-Koch-Institut: HIV-Inzidenzstudie

    ondamaris vom 23. Januar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Mehr als 250.000 unwissentlich mit HIV infiziert

    Anti-Aids-Cocktail weiterhin teuer

    Brasília - In Brasilien sind mehr als 250.000 Personen mit dem HI-Virus infiziert, ohne selbst davon zu wissen. Diese Schätzung wurde in den vergangenen Tagen seitens des brasilianischen Gesundheitsministeriums veröffentlicht. Die Betroffenen hätten, so die Behörde, bislang keinen der "einfachen, schnellen und kostenfreien Tests" durchgeführt, die landesweit angeboten werden.

    Bei dem Test wird lediglich ein Tropfen Blut an den Fingerkuppe entnommen und das Ergebnis steht bereits nach 15 Minuten zur Verfügung. Doch Angst, Scham sowie unzureichende Informationen und fehlendes Vertrauen veranlassen gerade die Risikogruppen, sich selbst weiterhin über eine mögliche Infektion im Unklaren zu lassen.

    Millionen Brasilianer mit einem aktiven Sexualleben haben sich zudem bislang noch nie auf den Virus überprüfen lassen. Im Jahr 1998 hatte gerade einmal ein Viertel der Bevölkerungsgruppe zwischen 15 und 54 Jahren den Test durchgeführt. Bis zum vergangenen Jahr stieg der Anteil zwar auf 40%, für das Gesundheitsministerium ist dies aber immer noch zu wenig. Aus diesem Grund werden alleine in diesem Jahr 3,3 Millionen Testeinheiten an die Gesundheitsposten in allen 26 Bundesstaaten und dem Hauptstadtdistrikt verteilt.

    Für die Gesundheitswächter ist vor allem eine frühe Erkennung der Krankheit wichtig. So können die Betroffenen ihr Sexualleben zukünftig darauf abstimmen, für ausreichenden Schutz sorgen und dadurch auch keine weiteren Personen mehr infizieren. Zudem kann heute durch eine entsprechende Behandlung die Lebenserwartung signifikant gesteigert werden.

    Schätzungsweise 630.000 Menschen sind in Brasilien an Aids erkrankt. Rund 185.000 Menschen sind derzeit in medizinischer Behandlung. Die Abgabe des Medikamenten-Cocktails erfolgt kostenfrei über das staatliche Gesundheitssystem, welches in dieser Beziehung weltweit als Vorbild gilt. Aufgrund zu hoher Lizenzpreise hatte die Regierung als erstes Land weltweit ein Medikamentenpatent gebrochen, um das Mittel kostengünstiger im eigenen Land herstellen zu können.

    Dies hat sich allerdings bislang nicht bewahrheitet. Erst im Dezember wurde bekannt, dass die in Brasilien hergestellten Generika bis zu sieben mal mehr kosten als die in anderen Ländern produzierten antiviralen Medikamente. Laut dem Gesundheitsministerium sind die geringere Produktionsmenge, Schwierigkeiten bei der Beschaffung der notwendigen Rohstoffe und die in der Vergangenheit nicht vorhandene Politik zur Förderung und Entwicklung der pharmazeutischen Industrie dafür verantwortlich.

    Die hohen Preise werden jedoch auch zum Teil durch die Bequemlichkeit der Hersteller verursacht, die in diesem Bereich weiterhin mit größter ökonomischer Vorsicht agieren und keine der notwendigen Maßnahmen ergreifen wollen, um in diesem Bereich einen echten Wettbewerb einzuleiten, welcher Preissenkungen zur Folge hätte. So sieht es zumindest Lia Hasenclever, Spezialistin im Bereich Gesundheitswirtschaft der staatlichen Universität von Rio de Janeiro.

    Während die Preise z.B. für in Indien hergestellte Aids-Medikamente in den letzten drei Jahren um über die Hälfte gefallen sind, war in Brasilien im gleichen Zeitraum sogar eine leichte Steigerung zu verzeichnen. Trotzdem hält die Regierung an der Notwendigkeit einer nationalen Produktion fest, um sich gegenüber dem Ausland und den multinationalen Pharmakonzernen unabhängig zu zeigen.

    In Brasilien werden mittlerweile 9 der 17 gängigsten Medikamente des Anit-Aids-Cocktails produziert. Diese machen jedoch nur einen geringen Anteil der Kosten der von der staatlichen Gesundheitsbehörde ausgegebenen Aids-Medikamente aus. Rund 72% aller Betroffenen müssen Medikamente zu sich nehmen, die weiterhin durch Patente geschützt sind.

    Daher ist neben einer Früherkennung der Krankheit auch die Prävention ein wichtiges Ziel der derzeitigen Regierung unter Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva. Besonders bei der Ausgabe von Verhütungsmitteln ist das bevölkerungsmäßig katholischste Land der Erde Spitzenreiter. 1,2 Milliarden Kondome sollen in diesem Jahr kostenlos verteilt werden, fast dreimal soviel wie im vergangenen Jahr. Auch hier setzt das größte südamerikanische Land zum Teil auf eigene Produktion. Seit einigen Monaten ist im Bundesstaat Acre die erste Kondomfabrik Brasiliens in Betrieb, welche Präservative aus Naturlatex herstellt. Der natürliche Rohstoff wird dort im Amazonasgebiet aus den in der Region ansässigen Kautschukbäumen gewonnen.

    BrasilienPortal vom 21. Januar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neues zur Superinfektion

    Keine Hinweise bei Sex ohne Kondom zwischen langjährigen Partnern.

    Eine Studie bei langjährigen HIV-positiven Paaren, die beim Sex keine Kondome benutzen, hat keine Hinweise auf HIV-Superinfektionen erbracht. Im Gegenteil, eine häufige Auseinandersetzung mit dem Virus des Partners stand in klarer Beziehung zu einer deutlichen Immunantwort gegen dieses Virus.

    Seit langem ist eine der Gefahren, mit denen sich HIV-Positive konfrontiert sehen, die Gefahr einer Superinfektion. Superinfektion bedeutet, dass zu der schon vorhandenen HIV-Infektion noch eine Infektion mit einem weiteren HIV hinzukommt. Neben einer zusätzlichen Schwächung des eigenen Immunsystems könnte hier eine besondere Gefahr darin liegen, dass mit der zusätzlichen HIV-Infektion auch Resistenzen gegen Medikamente ‘übertragen’ werden.

    Superinfektion - was ist dran?, fragen sich immer wieder Positive.

    Doch immer mehr Daten deuten darauf hin, dass diese Superinfektion für viele HIV-Positive nicht viel mehr als eine vermeintliche, theoretische aber nicht reale Gefahr ist.

    Zwar berichten Wissenschaftler gelegentlich über Fälle von Superinfektionen, sowohl bei frischer erster HIV-Infektion, als auch bei chronischer HIV-Infektion. Hierbei scheint es sich jedoch -gerade wenn es um die Konstellation einer chronischen HIV-Infektion geht- um Einzelfälle zu handeln. Allerdings gab es bisher kaum zuverlässige Daten darüber, in welchen Konstellationen es wie häufig Superinfektionen kommt (geschweige denn, wie riskant die Auswirkungen in der Praxis sind). Dies hat sich nun geändert.

    In der Ausgabe der online-Fachzeitschrift Plos Pathogens (24. Oktober 2008) berichten Willberg und seine Mitarbeiter (University of California, San Francisco) über eine Studie, in der sie an 49 HIV-Positiven, die alle aufgrund erfolgreicher antiretroviraler Therapie eine Viruslast unter der Nachweisgrenze hatten, deren HIV-spezifische Immunantwort untersuchten.

    Die (kleine) Gruppe wurde für die Datenanalyse unterteilt: in eine von 29 HIV-Positiven, bei denen auch der Partner eine Viruslast unter der Nachweisgrenze hatte, und eine Gruppe von 20 Positiven, bei deren Partner Viruslast nachweisbar war. Hinsichtlich Beziehungsdauer, Alter, Infektionsdauer, Zeit antiretroviraler Behandlung und CD4-Wert bestand zwischen beiden Gruppen kein signifikanter Unterschied.

    Es gab bei der Analyse keine Zeichen einer Superinfektion. Allerdings konnte in der Gruppe der Positiven, die einen Partner mit Viruslast hatten, eine deutlich stärkere Immunantwort gegen HIV-Bausteine festgestellt werden. Dabei war die Immunantwort umso ausgeprägter, je häufiger Sex ohne Kondom stattfand, insbesondere je häufiger rezeptive Aufnahme erfolgte (sprich: er der ‘passive’ Sexpartner war).

    Die Autoren der Studie vermuten, dass die verbesserte Immunantwort darauf zurückzuführen sei, dass zwar eine gewisse Form von Superinfektion stattfinde (die dann die Auseinandersetzung des Immunsystems mit HIV mit sich bringe), diese sich aber auf die Schleimhäute beschränke.

    Die Studie scheint nahe zu legen, dass selbst bei Personen mit nachweisbarer Viruslast und mit  HIV, das Medikamentenresistenzen hat, das Risiko, den HIV-positiven Partner mit diesem ‘resistenten HIV’ zu infizieren (Superinfektion) sehr gering ist, selbst wenn dieser der ‘passive’ Sexpartner ist, resümiert aidsmap.

    Ob die Studienergebnisse auch bei wechselnden Sex-Partnern gelten, dazu gebe es keine Informationen. Die Forscher vermuteten, dass für die beobachtete Immunantwort die häufige Auseinandersetzung mit dem gleichen HIV (des Partners) verantwortlich sei. Der Studie kommt besondere Bedeutung auch zu angesichts der häufigen Praxis des Serosortings - Menschen suchen sich einen Sexpartner mit gleichem HIV-Status, um dann Sex ohne Kondom haben zu können.

    Willberg CB et al. “Immunity to HIV-1 is influenced by continued natural exposure to exogenous virus.” PLoS Pathogens 4 (10): e1000185, 2008.
    Artikel (in englischer Sprache) online hier: http://www.plospathogens.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.ppat.1000185

    Ondamaris vom 19. Januar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Beschneidung verringert auch HPV-Infektionsrisiko

    Die Vorhaut zu entfernen könnte dazu beitragen, dass Männer sich und damit ihre Sexualpartnerinnen seltener mit potentiell krebsauslösenden Humanen Papillomviren (HPV) anstecken. „Zwei neue Studien belegen, dass beschnittene Männer ein geringeres Risiko für HPV-Infektionen im Genitalbereich haben. Die Studienautoren schließen daraus, dass damit auch geringeres Übertragungsrisiko der Viren auf deren Sexualpartnerinnen einhergeht wodurch das Risiko für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs bei diesen Frauen verringert werden könnte", berichtet Dr. Klaus König, zweiter Vorsitzender des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF) und bezieht sich dabei auf die Untersuchungen von Carrie Nielson, von der Oregon Health and Science University in Portland und Bertran Auvert, vom Institut National de la Santé Et de la Recherche Médicale in Frankreich.

    Bei der amerikanischen Studie untersuchten die Mediziner 463 Männer im Alter von 18 bis 40 Jahren, von denen 16 Prozent unbeschnitten waren. Mit Hilfe von Sperma- und Tupferproben aus dem Intimbereich ermittelten die Wissenschaftler, dass die beschnittenen Studienteilnehmer nur halb so oft mit HP-Viren infiziert waren wie unbeschnittene Männer.

    Die Untersuchung um Bertran Auvert war in Südafrika angesiedelt und sollte in erster Linie den Zusammenhang zwischen dem Vorteil von Beschneidung und der Infektion mit HI-Viren klären. Hierfür untersuchten die Mediziner Männer im Alter von 18 bis 24 Jahren. Bei einem Teil der Studienteilnehmer wurde die Vorhaut entfernt, während die anderen unbeschnitten blieben. Über die Beobachtungszeit von 21 Monaten wurde die Harnröhre der Probanden auch auf das Vorkommen von besonders gefährlichen HP-Viren untersucht. Die Analyse der Daten zeigte, dass von den beschnittenen Männern nur 14,8 Prozent mit so genannten High-Risk-HPV-Typen infiziert waren. Dabei handelt es sich um Viren-Typen, die mit einem größeren Risiko für Krebsentstehung assoziiert sind. Dem gegenüber hatten sich 22,3 Prozent der nicht beschnittenen Männer mit Hochrisikotypen angesteckt.

    Insgesamt ist die Studienlage zu dem Zusammenhang zwischen der männlichen Beschneidung und einem verringerten Risiko für HPV-Infektionen jedoch nicht eindeutig. Einige frühere Untersuchungen konnten keinen Vorteil dieser Maßnahme zu Gunsten einer reduzierten HP-Viruslast herstellen, während andere ihn nachwiesen. „Trotz der aktuellen Studien ist es daher noch verfrüht, dahingehend eine Empfehlung auszusprechen, dass etwa Eltern darüber nachdenken sollten, ihre neugeborenen Söhne beschneiden zu lassen, um später das HPV-Ansteckungsrisiko für die Kinder und deren Sexualpartnerinnen zu senken. Zunächst müssen weitere Studien abgewartet werden", kommentiert der Gynäkologe.

    Hinsichtlich einer Infektion mit HI-Viren, dem Erreger von Aids, konnte jedoch mehrere Studien ein verringertes Ansteckungsrisiko nach Beschneidung feststellen. Die WHO empfiehlt daher inzwischen die Beschneidung, als eine Strategie gegen die weitere Ausbreitung von HIV.

    Weltweit ist etwa ein Viertel aller Männer beschnitten. Bei dieser so genannten Zirkumzision ist die Vorhaut teilweise oder vollständig entfernt. Neben medizinischen Notwendigkeiten sind die Gründe für diese Maßnahme auch kulturell bedingt.

    Frauenärzte im Netz vom 16. Januar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Therapie und Prävention

    Stellungnahme der Deutschen Aids-Hilfe

    In der Debatte um die Infektiosität bei erfolgreicher HIV-Therapie und das Statement der EKAF (’keine Infektiosität bei erfolgreicher HIV-Therapie ohne andere STDs‘) hat sich die Deutsche Aids-Hilfe positioniert. Im folgenden die Position der Deutschen Aids-Hilfe, beschlossen vom Vorstand am 18.12.2008, als Dokumentation:

    HIV-Therapie und Prävention

    Die antiretrovirale Therapie hat die Lebenserwartung von Menschen mit HIV deutlich erhöht und die Lebensqualität vieler Positiver wesentlich verbessert. Sie hat darüber hinaus einen wichtigen präventiven Nebeneffekt: das Ansteckungsrisiko wird deutlich vermindert.

    Eine Übertragung bei sexuellen Kontakten ohne Kondom ist unwahrscheinlich, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:
     

    • die Viruslast des HIV-positiven Partners / der HIV-positiven Partnerin ist seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze,
    • die antiretroviralen Medikamente werden konsequent eingenommen,
    • bei den Sexualpartnern/partnerinnen liegen keine Schleimhautdefekte z.B. als Folge sexuell übertragbarer Infektionen vor.


    Das heißt: Das Risiko einer HIV-Übertragung ist unter den oben genannten Bedingungen so gering wie bei Sex unter Verwendung von Kondomen.

    Unsere bisherigen Safer-Sex-Botschaften werden dadurch sinnvoll und wirksam ergänzt; in der Prävention eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten.

    Diese erste Stellungnahme werden wir weiter im Verband diskutieren und bis Ende März eine breit getragene Position der DAH veröffentlichen.

    Ondamaris vom 16. Januar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Positiv durch Komasaufen?

    Betrunkene haben mehr Sex und verwenden weniger Kondome.

    Zu erschreckenden Ergebnissen kommt eine Studie der New Yorker Gesundheitsbehörde: Sie findet einen Zusammenhang zwischen Komasaufen und erhöhten HIV-Infektionsraten bei Schwulen. Die Behörde definiert Komasaufen dabei mit mindestens fünf Alkoholeinheiten, also mindestens einer halben Flasche Wodka.

    Während sich nur einer von sieben Heteros im Monat vor der Befragung knapp vors Delirium gesoffen hat, waren es bei Schwulen jeder vierte. Und unter Alkoholeinfluss haben Schwule der Studie zufolge öfter Sex: 27 Prozent der Befragten waren bei ihrem letzten Sex besoffen, 12 Prozent hatten zusätzlich noch andere Drogen konsumiert. Außerdem würden Alkoholisierte eher auf ein Kondom verzichten: Während 86 Prozent der Nüchternen Analsex nur mit Kondom praktizieren, waren es bei den Betrunkenen nur mehr 65 Prozent.

    Die Schlussfolgerung der Studie: Wer öfter Sex hat und dabei eher auf ein Kondom verzichtet, hat ein höheres Risiko, sich mit HIV zu infizieren. Sie empfiehlt deshalb, das Mindestalter für Alkoholkonsum bei 21 Jahren zu belassen, gegen Trinkgelage unter Jugendlichen vorzugehen und die Steuern auf Alkohol zu erhöhen.

    GGG.at - Verein zur Förderung lesbischwuler Kommunikation vom 14. Januar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Versorgung von HIV/AIDS-Patienten

    Berlin - Die Bundesregierung unterstützt die gemeinsame Selbstverwaltung von Ärzten und Krankenkassen auf Bundesebene in dem Bemühen, die ambulante Versorgung von HIV/AIDS-Patienten in Schwerpunktpraxen künftig durch bundeseinheitliche Regelungen mit Wirkung ab April 2009 besonders zu fördern.

    Das versichert die Regierung in ihrer Antwort (16/11345) auf eine Kleine Anfrage (16/11122) der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Darin verweist sie zugleich auf die Zusage der Selbstverwaltung der Ärzte und Krankenkassen, dass Versorgungsengpässe bei der Betreuung von HIV-Patienten in jedem Fall vermieden werden.

    Deutscher Bundestag - Pressemeldung vom 14. Januar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Krankenversicherungen 2009: Viele Neuerungen

    Broschüre der Verbraucherzentralen informiert.

    Mit Beginn des Jahres 2009 sind bei den Krankenversicherungen viele Änderungen in Kraft getreten. Eine aktuelle Broschüre der Verbraucherzentralen informiert zu deren Auswirkungen auf die Verbraucher und gibt wichtige Tipps. Von Bedeutung sind insbesondere für privat Versicherte das Recht zu anderen privaten Krankenversicherungsunternehmen zu wechseln, die allgemeine Versicherungspflicht und der einheitliche Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Broschüre (DIN lang, 16 Seiten) ist in allen Beratungsstellen der Verbraucherzentralen kostenfrei erhältlich.

    Besonders für privat Versicherte bringt der Jahreswechsel zahlreiche Änderungen. Sie können erstmals ihren Versicherungsanbieter wechseln, ohne dass ihnen dabei sämtliche Alterungsrückstellungen verloren gehen. Für den Wechsel ist eine Frist bis zum 30. Juni dieses Jahres zu beachten. Versicherte sollten prüfen, ob ein Wechsel für sie Vorteile verspricht. Zudem wurde der Basistarif eingeführt, dessen Leistungen gegenüber dem bisherigen Standardtarif ausgeweitet wurden und dem der gesetzlichen Krankenversicherung entsprechen.

    Seit Jahresbeginn besteht für alle Bürger eine umfassende Versicherungs- und Beitragspflicht. Jeder, der nicht versichert ist und sich nicht gesetzlich versichern kann, sollte sich jetzt privat versichern. Wer dies erst später tut, muss Beiträge nachzahlen und Säumniszuschläge entrichten.

    In der gesetzlichen Krankenversicherung gilt ab Januar ein einheitlicher Beitragssatz von 15,5 Prozent. Krankenkassen erhalten ihre finanziellen Mittel aus einem Gesundheitsfonds zugewiesen. Reicht dieses Geld nicht aus, können die Kassen einen Zusatzbeitrag erheben. Dieser ist begrenzt auf maximal ein Prozent des beitragspflichtigen Einkommens. Auch ein Pauschalbeitrag von bis zu acht Euro ist möglich. Den Zusatzbeitrag tragen alleine die Versicherten. Eine Beteiligung der Arbeitgeber ist nicht vorgesehen. Versicherte haben ein außerordentliches Kündigungsrecht, wenn ihre Kasse einen Zusatzbeitrag erhebt.

    Die Informationsbroschüre ist kostenlos und kann in sämtlichen Beratungsstellen Ihrer Verbraucherzentrale abgeholt oder auf deren Internetseite heruntergeladen werden.
    Verbraucherzentrale Bundesverband: “Krankenversicherungen - was ändert sich ab Januar 2009?” kostenlose Broschüre, als pdf hier: Broschüre

    Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. - Pressemeldung vom 14. Januar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Online Einreiseerlaubnis erforderlich - mit Frage nach HIV

    USA: seit 12.1.2009 online-Einreiseerlaubnis erforderlich - mit HIV-Frage

    Bei Flug- und Schiffs-Reisen in die USA ist seit 12.01.2009 eine vorherige Online-Reiseerlaubnis (ESTA) Pflicht. Diese umfasst auch die Frage ob eine HIV-Infektion vorliegt. De facto wird das (eigentlich aufgehobene) HIV-Einreiseverbot immer noch angewandt.

    Seit Montag, 12. Januar 2009 ist vor einer Einreise in die USA per Schiff oder Flugzeug (nicht bei Land-Einreise aus Mexiko oder Kanada) eine Online-Reiseerlaubnis (ESTA) Pflicht. Diese beinhaltet die gleichen Fragen, die auch schon von den Einreisekarten (’I-94W’) bekannt sind, die früher an Bord des Flugzeugs vor der Landung verteilt wurden.

    Die Online-Einreiseerlaubnis, die nun vor Flugantritt eingeholt werden muss, umfasst u.a. personenbezogene Daten wie der Name, das Geburtsdatum und die Reisepassnummer sowie auf freiwilliger Basis Angaben über den Abflugort, die Reisedaten und das Ziel in den USA.

    Doch das ist nicht alles. Das Formular beinhaltet auch sieben “Sicherheitsfragen”. Unter ihnen befindet sich neben Einreise-Grund oder Kriminalität und Sabotage auch die Frage nach ansteckenden Krankheiten:

    “A) Leiden Sie an einer ansteckenden Krankheit, an einer körperlichen oder geistigen Erkrankung, oder betreiben Sie Drogenmissbrauch oder sind drogenabhängig?”

    Die Erläuterungen zu “ansteckende Krankheiten” machen deutlich, worum es geht. So heißt es dort u.a. “Ansteckende Krankheiten: Nach geltendem U.S.-Recht gehören zu den ansteckenden Krankheiten, die ein Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung darstellen: … * Infektion mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) …”.

    Damit wird das eigentlich abgeschaffte HIV-Einreiseverbot auch bei der Online-Einreiseerlaubnis immer noch angewandt.

    1987 erließen die USA (u.a. auf Bestrebungen des jüngst verstorbenen Jesse Helms hin) erstmals Bestimmungen, die Menschen mit HIV die Einreise verweigern. Dieses HIV-Einreiseverbot ist eigentlich (formaljuristisch) mit der Unterzeichnung des PEPFAR-Gesetzes durch US-Präsident Bush am 24. Juli 2008 aufgehoben worden. Doch die entsprechende erforderliche Änderung der Durchführungsbestimmungen lässt weiterhin auf sich warten.

    De facto befindet sich (wie auch jetzt bei der Online-Einreiseerlaubnis wieder ersichtlich) das HIV-Einreiseverbot administrativ weiterhin in Anwendung. Als Zwischenlösung können die US-Botschaften US-Visa für HIV-Positive erteilen (wenn diese dies vorher angeben).

    Immer wieder war es auch in jüngster Zeit zu Protesten gegen das HIV-Einreiseverbot der USA gekommen. UNAIDS und IAS haben eine internationale Arbeitsgruppe zu HIV-Einreiseverboten eingesetzt. Für die Umsetzung des PEPFAR (President’s Emergency Plan for Aids Relief) ist der ‘globale Aids-Koordinator’ verantwortlich, seit August 2006 Mark Dybul, offen schwul lebend, der zunächst auch unter der neuen Regierung Obama im Amt bleiben soll.

    Die Online-Reiseerlaubnis muss auch von Bundesbürgern für touristische oder Geschäftsreisen bis 90 Tagen ausgefüllt werden, obwohl Deutschland im Programm ‘Visumfreies Reisen’ der USA läuft - sie ist eine zusätzliche Maßnahme über das (für Deutsche i.d.R. nicht erforderliche) Visum hinaus. Ohne vorhandene Online-Reiseerlaubnis ist es nicht möglich, ohne Visum in die USA zu reisen.

    Spätestens 72 Stunden vor Abflug müssen die Daten dem US-System vorliegen. Nach Eingabe der Daten wird meistens sofort eine Antwort (Einreiseerlaubnis) erteilt, spätestens jedoch innerhalb von 72 Stunden. Gültig bleibt ein ‘okay’ für einen Zeitraum von zwei Jahren.

    Die Daten werden via Internet auf ein System der US-Regierung eingegeben - die Daten unterliegen damit den US-Bestimmungen (auch des Datenschutzes). Presseberichten zufolge werden die Daten 15 Jahre gespeichert. Datenschützer wiesen darauf hin, dass neben den bisher schon manuell erfassten Daten nun auch Telefonnummer und Email-Adresse angegeben werden müssen. Zudem seien die Daten, da alle elektronisch erfasst, nun wesentlich leichter zu verknüpfen und auszuwerten.

    Auch weiterhin gilt für Menschen mit HIV und Aids, die in die USA einreisen wollen: sich rechtzeitig vorher informieren und vorbereiten kann Probleme vermeiden helfen. Dass die USA auch nach nahezu einem halben Jahr noch nicht in der Lage sind, die Aufhebung des Einreiseverbots auch in Verwaltungspraxis umzusetzen, befremdet. Es ist zu befürchten, dass diese Grauzone der Unsicherheit für HIV-Positive noch einige Zeit andauert …

    Weitere Informationen:
    Seite des kostenlosen “Elektronischen Reisegenehmigungssystems” ESTA (Electronic System for Travel Authorization, deutsch)
    http://hivtravel.org zu HIV-Einreisebestimmungen der USA

    ondamaris vom 13. Januar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Gel gegen HIV

    Die Studie erschien am bereits 6. Mai 2008 in frei zugänglichen Fachblatt PLoS und blieb damals weitgehend unbeachtet: Ein neuartiger HIV-Schnelltest mit Speichelproben kann dank eines enormen Zeitgewinns die Übertragung des Virus durch Mütter an ihre Kinder deutlich reduzieren. Was Anfang 2009 noch mehr zählt: Nach nahezu drei Jahrzehnten Wirkstoffsuche setzen Mediziner auf eine neue Strategie für betroffene Länder vor allem in der Dritten Welt – schon die Übertragung der Erreger soll effektiv gestoppt werden, um die weitere Ausbreitung der Seuche zu verhindern.

    Es ist der Alltag in einem ganz normalen indischen Landkrankenhaus: Herkömmliche HIV-Tests erfolgen durch venöse Blutabnahme, die Auswertung erfordert Tage. Für Ärzte ein Debakel. Denn jede Stunde, in der sie im Fall einer detektierten HIV-Infektion der Mutter verlieren, bedeutet eine kürzere Lebenserwartung für das Kind. Der jetzt vorgestellte Schnelltest auf Basis einer Speichelprobe liefert die Ergebnisse innerhalb von 20 Minuten – und ist genauer, als viele Ärzte zunächst erwarteten. 1200 Frauen unterzogen sich dem neuen Verfahren, 15 Patientinnen erweisen sich dabei als HIV-positiv. Zwar lieferte der Speicheltest zunächst nur 14 positive Ergebnisse, die nachträgliche Neuinterpretation brachte letztendlich auch die letzte korrekte Diagnose zustande.

    Molekulardiagnostisch betrachtet ein glatter Durchmarsch. Denn die Ergebnisse von Blut- und Speicheltest stimmten zu 100 Prozent überein. Ebenso schnell wie die Ergebnisse kamen die Kommentare der Autoren: Die Studie belege das Einsatzpotenzial des oralen HIV-Tests gerade in ländlichen Gebieten der Dritten Welt. Dass sich die Durchseuchungsrate in jenen Regionen durch die fehlende Virusübertragung bei der Geburt senken ließe, wissen Epidemiologen seit langem, und Eile scheint geboten.

    Weltweit infizieren sich täglich mehr als 1.000 Kinder mit HIV, nach Angaben von UNICEF sind insgesamt 2,5 Millionen Jungen und Mädchen betroffen. Man kann die Zahlen auch so interpretieren: Kondome allein bewirken in der Dritten Welt zu wenig – weil sie kaum jemand wirklich benutzt.

    Angesichts solcher Dimensionen setzen Fachleute auf eine neue Strategie: Die direkte Kooperation mit betroffenen Ländern und frisches Geld für innovative Präventionsmaßnahmen sollen der rasanten Verbreitung des Virus den Garaus machen. Die Zeichen stehen gut. Im November vergangenen Jahres kündigte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Unterstützung der europäischen Initiative EDCTP (European and Developing Countries Clinical Trials Partnership) an. Die soll klinische Studien zur Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen gegen Aids sowie Tuberkulose und Malaria vorantreiben. Wesentliches Ziel sei dabei "die Stärkung der Wissenschaft in Afrika", wie das Ministerium betonte.

    Dabei geht es nicht um Imagepflege, es geht um die Zukunft der betroffenen Kinder – und somit um alles. Insgesamt sieht das Programm EDCTP Investition von 600 Millionen Euro vor, die zu gleichen Teilen von der EU-Kommission, von den beteiligten Staaten und aus weiteren öffentlichen und privaten Mitteln stammen. Doch anders als bisher geht es nicht primär um neue Vakzine oder Wunderpillen – mit dem Programm sollen „verbesserte Möglichkeiten für die Behandlung von Aids in Entwicklungsländern“ erforscht werden.

    Mikrobiozide gegen HIV

    Die Durchseuchungswelle zu stoppen ist auch Anliegen der Europäischen Union. Die Suche „nach einem sicheren und effektiven Mikrobizid zur Verhinderung einer HIV-Übertragung bei Frauen“ lässt ist der EU eine Subvention in Hohe von 4,2 Millionen Euro wert. Die vaginal angewendeten Substanzen könnten, so die Hoffnung der Mediziner, „zur Verminderung der HIV-Übertragung durch Geschlechtsverkehr“ beitragen. Der Clou: Mikrobizide können in Form eines Gels, einer Creme, eines Films, eines Zapfchen oder Schwamms oder auch eines Vaginalrings, der den aktiven Wirkstoff allmählich freisetzt, angewendet werden - und vor allem in Afrika zum Einsatz kommen.

    Denn dort sind 74 Prozent der mit dem HIV-Virus infizierten jungen Erwachsenen im Alter von 15-24 Jahren Frauen. Laut einem im November 2006 von UNAIDS veröffentlichten Bericht sind derzeit weltweit so viele Frauen ab 15 Jahren mit dem HIV-Virus infiziert, wie nie zuvor. Noch bis 2009 fließen die 4,2 Millionen Euro der EU, acht klinische Versuchsstandorte in Kenia, Ruanda, Südafrika und Zimbabwe sollen der neuen Strategie zum Durchbruch verhelfen. Das in Belgien ansässige Institut für Tropenmedizin wiederum führt im Rahmen des Vorhabens in Afrika Schulungen im Bereich klinischer Versuche durch. Prävention, scheint die Botschaft, kann Leben retten – aber dieses Mal geht es um die Etablierung klinischer Präventionsmaßnahmen. Die diagnostischen Erfolge aus Indien erscheinen daher in einem ganz anderen Licht: Der Schnelltest könnte auch den afrikanischen Krankenhausstationen zu Gute kommen.

    lifegen vom 12. Januar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neuer Test für Blutspenden zugelassen

    Basel - Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat einen neuen Nukleinsäuretest von Hoffmann-La Roche zugelassen. Mit dem Test kann aus dem Spenderblut in einem einzigen, automatisierten Testverfahren auf HIV-1-Gruppe-M-RNA, Hepatitis-C-RNA und Hepatitis-B-DNA untersucht werden.

    Der für das Analysensystem cobas s 202 entwickelte Test namens cobas TaqScreen MPX Test ist ein qualitativer In-vitro-Test für den kombinierten Nachweis von HIV-1-m und O, HIV-2, Hepatitis-C und Hepatitis-B in humanplasma. Er soll die Sicherheit von Blutkonserven weiter erhöhen.

    Ärzte-Zeitung vom 7. Januar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Mit Nano-Goldpartikeln gegen Krebs und Aids

    Mit winzigen Goldpartikeln und Infrarotlicht wollen US-amerikanische Forscher wirksame Medikamente gegen schwere Krankheiten wie Krebs und Aids entwickeln. Am Massachusetts Institute of Technology (MIT) wird derzeit daran geforscht, die Nanopartikel so aufzubauen, dass sie mit mehreren medizinischen Wirkstoffen "beladen" werden können. Sie sollen von außen gesteuert werden können, um den Zeitpunkt für die Freisetzung der einzelnen Medikamente nach Bedarf einzuleiten. Auf diese Weise könnten sich möglicherweise unerwünschte Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten umgehen lassen, weil die einzelnen Wirkstoffe im Körper zu festgelegten Zeiten und nicht gleichzeitig freigesetzt würden. Diesen Artikel weiter lesen

    Die Idee, solche Nanostrukturen zu bauen und sie für die Verabreichung der Medikamente im Körper einzusetzen, ist nicht neu. Derzeit existieren bereits solche Transportmittel für Medikamente, die im Körper zwei Präparate freisetzen können. Bei ihnen ist durch die Bauweise festgelegt, wann sie die Wirkstoffe abgeben, eine Steuerung von außen ist nicht möglich. Das von dem MIT-Team um Professor Kimberly Hamad-Schifferli nun entwickelte Verfahren soll nicht nur von außen steuerbar sein, sondern theoretisch drei oder sogar vier verschiedene Medikamente verabreichen können.

    Um dies zu erreichen, setzen die Wissenschaftler auf eine bestimmte Eigenschaft von Gold-Nanopartikeln: Werden sie Infrarotlicht, also Wärmestrahlung, ausgesetzt, schmelzen sie und geben die eingeschlossenen Präparate frei. Indem verschiedene Nanostrukturen hergestellt werden, die sich bei unterschiedlichen Frequenzen des Infrarotlichtes auflösen, lässt sich die Medikamentenverabreichung gemäß den Experten steuern. Wann das Verfahren für die Herstellung von Medikamenten tatsächlich marktreif sein wird, ist derzeit noch nicht bekannt.

    Yahoo News vom 2. Januar 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    6.751.643.600 Menschen auf der Erde

    Hannover - Nach Angaben der Deutschen Stiftung wird die Weltbevölkerung mit 31.12.09 sich auf 6.751.643.600 Menschen belaufen. Rund 80 Millionen Menschen mehr als voriges Jahr.

    Besonders rasant wächst die Bevölkerung in den ärmsten Staaten der Welt, wo Millionen Frauen keinen Zugang zu Aufklärung und Verhütung haben und oft ungewollt schwanger werden.

    Durch Familienplanung Armut bekämpfen

    "Wenn wir die Armut an ihrer Wurzel bekämpfen wollen, müssen wir Frauen helfen, ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden. Deshalb müssen Investitionen in Aufklärung und Verhütung dringend erhöht werden", fordert Renate Bähr, Geschäftsführerin der DSW. "Die Bundesregierung ist hier zwar auf gutem Weg, doch angesichts der weltweiten Finanzkrise darf die Bundesregierung nicht in ihren Bemühungen nachlassen, genügend Mittel für Familienplanung in Entwicklungsländern bereitzustellen." Ohne Zweifel einer der vielen richtigen Hebeln, die man in Bewegung setzen muss, um Armut zu verhindern.

    HIV und Armut

    Für junge Menschen ist die Gefahr einer Ansteckung mit HIV besonders hoch: 40 Prozent aller 2,5 Millionen Neuinfektionen weltweit treffen junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren. Der wesentliche Grund für die rasche Ausbreitung des HI-Virus unter Jugendlichen in Entwicklungsländern: Die meisten jungen Menschen können sich nicht vor einer Ansteckung schützen, weil sie nicht ausreichend aufgeklärt sind und weil sie kaum Zugang zu Verhütungsmitteln haben.

    "Jeden Tag infizieren sich weltweit nach wie vor 2.800 junge Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren mit HIV, vor allem weil sie zu wenig über das Virus wissen", erklärt Renate Bähr, Geschäftsführerin der DSW. Den Vereinten Nationen zufolge weiß nur etwa jeder Dritte Jugendliche alles Wichtige über HIV/Aids und wie man sich vor einer Ansteckung schützt.

    Das ist noch weit von dem Ziel der Vereinten Nationen entfernt, demzufolge bis zum Jahr 2010 95 Prozent aller Jugendlichen über umfassendes Wissen über HIV/Aids verfügen sollen. "Wenn wir die Ausbreitung der Aids-Epidemie stoppen wollen, müssen vor allem Jugendliche Zugang zu Aufklärung und Verhütung bekommen. Denn im Kampf gegen Aids ist Vorbeugung immer noch das beste Rezept", betont Bähr.

    Steigende HIV-Infektionen in Afrika bis 2030

    Die Verbreitung von HIV/Aids hat sich auf hohem Niveau stabilisiert: Weltweit sind etwa 33 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert, mehr als zwei Drittel von ihnen leben in Afrika südlich der Sahara. Jüngsten Studien zufolge wird in Afrika südlich der Sahara die Zahl der HIV-Infizierten noch bis zum Jahr 2030 weiter steigen. Einer der Gründe dafür ist das rasante Bevölkerungswachstum in dieser Region.

    Deutsche Stiftung Weltbevölkerung vom 26. Dezember 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    UNAIDS-Vorsitzender Peter Piot verabschiedet – was bringt die Zukunft?

    UNAIDS-Direktor Peter Piot wird gegen Ende des Jahres 2008 seine insgesamt 11-jährige Amtszeit beenden. In einem aktuellen Sonderbericht betrachten Pam Das und Udani Samarasekera von 'The Lancet' das von Piot hinterlassene Erbe und die Richtung, die der designierte neue Direktor Michael Sidibé einschlagen sollte.

    Ein leitender UNAIDS-Mitarbeiter meint, dass die während der Amtszeit Piots gezeigte beständige Zusammenarbeit zwischen UNAIDS und dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria eines Tages in eine Fusion münden könnte, möglicherweise mit der 'Global Alliance of Vaccines and Immunisations' (GAVI). Einige Experten denken, dass durch die Berufung eines neuen Direktors die Zeit für eine Bestandsaufnahme gegeben sei, und dass Sidibé UNAIDS weiterentwickeln und den gegenwärtigen weltweiten gesundheitsbezogenen Fragestellungen anpassen müsse, damit die Organisation überlebe. Andere hingegen geben zu bedenken, dieses Aids-Bekämpfungsprogramm der Vereinten Nationen einzustellen und in die Weltgesundheitsorganisation WHO zu integrieren, denn dort hätte die Koordination der weltweiten Reaktion auf HIV/Aids schließlich begonnen. Devi Sridhar, promovierte Politikwissenschaftlerin in Oxford, stellt fest, dass sich seit der Gründung von UNAIDS 1996 vieles verändert habe. Sie bemerkt: "Die weltweiten gesundsbezogenen Umstände des Jahres 2008 unterscheiden sich grundlegend von denen der Gründungsjahre, und UNAIDS muss sich in Übereinstimmung mit diesen Änderungen weiterentwickeln, um ihre Bedeutung zu behalten."

    Der Sonderbericht beschreibt, wie UNAIDS ursprünglich als Experiment auf Grund der von der WHO im Bereich HIV/Aids erlittenen Fehlschläge gestartet wurde. Doch die gerade flügge gewordene Organisation brachte sich bereits frühzeitig selbst in Schwierigkeiten, insbesondere bezüglich der Durchführung der finanziellen Unterstützung einzelner Länder. Den Ländern bereitzustellende technische Unterstützung und zu fachliche Betreuung verursachten ebenfalls erhebliche Probleme. Michael Merson, Direktor des Global Health Institute an der Duke University im US-amerikanischen Durham stellt fest: "Alle diese Faktoren erschwerten die Situation für UNAIDS bereits zu Beginn und genau zu dem Zeitpunkt, da sich die Pandemie dramatisch ausweitete und ihren Höhepunkt erreichte."

    Letztendlich etablierte sich UNAIDS dann jedoch. In der Geschäftsstelle in Genf sind 280 Mitarbeiter, in sieben Regionalteams und 81 Länderbüros weitere 621 Mitarbeiter beschäftigt. Das Budget des Programms umfasst für 2008/09 469 Millionen US-Dollar. Unter Peter Piots Führung konnte UNAIDS einige Erfolge verzeichnen. Die Organisation wurde dafür gelobt, dass sie Nichtregierungsorganisationen in ihren Verwaltungsrat integrieren konnte und dass sie mit Gruppierungen der bürgerlichen Gesellschaft zusammenarbeitete, um die Preise antiretroviraler Medikamente senken zu können. Dr. Sridhar bemerkt: "Das Programm brachte HIV/Aids in den Bereich der Sicherheitsfragen, was schließlich die Resolution 1308 des UN-Sicherheitsrats wie auch die Sondersitzungen der UN-Generalversammlung (UNGASS) zu HIV/Aids zur Folge hatte." Die meisten werden zustimmen, dass UNAIDS ihre größten Erfolge ihrer ureigentlichen Aufgabe gemäß als Beratungsinstitution erzielte, indem sie für eine starke weltweite Antwort auf HIV/Aids argumentierte, diese förderte und das gesamte Spendenaufkommen für die Krankheit bis zum Jahr 2007 auf immerhin 10 Milliarden US-Dollar angehoben hatte. Piot hat entscheidend zu diesen Errungenschaften beigetragen.

    Andere sehen Piots Erfolge mit gemischten Gefühlen. Sein Aids-Exzeptionalismus, das heißt, die Krankheit Aids über andere gesundheitsbezogene Fragen zu stellen, brachte ihm Lob und Kritik ein. Einige sind der Meinung, Piot hätte während seiner Amtszeit nicht ausreichend politisch agiert. Genauer genommen gibt es die Kritik, dass UNAIDS in der Bekämpfung einer auf Ideologie statt Beweisen gegründeten HIV/Aids-Politik zu passiv geblieben wäre, und dass die Rechte der Hochrisikogruppen nicht vertreten wurden. Dazu gehören die Kriminalisierung der Homosexualität, der Ausschluss von Prostituierten und Konsumenten verbotener Drogen von Gesundheitsdiensten, dazu gehört auch, dass ein erheblicher Prozentsatz der Mittel Programmen zur Enthaltsamkeit gewidmet wurde wie auch die Wiedereinführung der gegen Schwangerschaftsabbrüche gerichteten 'Global Gag Rule', was die Integration von HIV/Aids in reproduktive Gesundheitsprogramme schwieriger gestaltete.

    Die in den späten 1990er Jahren für UNAIDS arbeitende HIV-Epidemiologin und Journalistin Elisabeth Pisani meint, die größte Schwäche des UNAIDS-Programms sei seine unausgereifte Struktur. Sie stellt fest: "Es ist seinen Ko-Sponsoren verpflichtet. Es hat versäumt, seine Ko-Sponsoren zu koordinieren, da diese keinen Wunsch nach Koordination haben." Darüber hinaus stellten viele Experten über Jahre hinweg die wissenschaftliche Basis der jährlichen epidemiologischen UNAIDS-Schätzungen in Frage, indem sie beanstandeten, dass die weltweite Belastung durch HIV/Aids überschätzt würde. Der größte Fehler in der Reaktion auf HIV/Aids jedoch mag in der HIV-Prävention liegen. Piot räumt ein, dass er vorbeugende Maßnahmen frühzeitiger hätte fördern sollen, fügt allerdings hinzu: "In den ersten Jahren waren Tausende von Toten täglich derart überwältigend und verlangten nach unmittelbaren Maßnahmen, die Behandlung musste einfach Vorrang haben."

    Andere Kritik besteht auch in der Meinung einiger Experten, UNAIDS habe der Epidemie bei homosexuellen Männern zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Viele denken, dass die Verantwortung für HIV/Aids-Abschätzungen und Kontrollen der WHO oder einem vollkommen unabhängigen und objektiven wissenschaftlichen Team übergeben werden sollte, das nicht von UNAIDS nominiert wurde. Ein Fachmann berichtete 'The Lancet', dass diese Daten nicht der routinemäßigen genauen Überprüfung unterliegen, wie sie ein berufsmäßiger Epidemiologe anwenden würde. Der Experte bemerkt: "Die UNAIDS-Mitarbeiter kommunizieren nicht mit Vertretern anderer Krankheiten, werden dadurch zunehmend engstirnig und sektiererisch und betrachten Verfechter anderer Meinungen als Dissidenten. Würden beispielsweise die Abschätzungen durch die WHO begleitet, so wären sie durch Experten und Vertreter anderer Krankheiten begutachtet und hinterfragt worden, die auf grundlegende Fehler aufmerksam gemacht hätten."

    Was nun wird die Zukunft bringen? Es gibt Diskussionen, dass die Organisation einer grundlegenden Überarbeitung bedürfe – das heißt, sie müsse kleiner, schlanker und weit besser verwaltet werden. Ein weiterer Experte äußert: "Es besteht eine weit verbreitete Auffassung, dass frühere Berufungen und Ernennungen weit gehend dem scheidenden Direktor gegenüber aufgebrachter individueller Loyalität zu verdanken seien." Er schlägt vor, dass in einem offenen Auswahlprozess und mit der Gewichtung, die besten, qualifiziertesten und objektivsten wissenschaftlichen Spezialisten zu berufen, alle wichtigen Posten den Leistungen entsprechend neu vergeben werden müssten. Piot selbst ist der Meinung, dass die grundlegenden Herausforderungen für seinen Nachfolger darin bestünden, Aufmerksamkeit, Finanzmittel und Führerschaft der Organisation im Kampf gegen die Krankheit Aids zu erhalten. Er meint: "Dies wird eine sehr geschickte Kombination politischer Maßnahmen erfordern, und dabei müssen jegliche Kompromisse gegenüber wissenschaftlichen Hinweisen und den Menschenrechten ausgeschlossen sein."

    Quelle: Pam Das , Udani Samarasekera . What next for UNAIDS?. Lancet 2008; 372: 2099

    The Lancet vom 19. Dezember 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zellen beschleunigen Freisetzung von HIV

    Zellaustritt von HI-Viren erstmals dreidimensional auf Nanoebene dargestellt / Heidelberger und Münchner Wissenschaftler veröffentlichen in "Cell Host & Microbe"

    HI-Viren befallen Immunzellen, um sich im menschlichen Körper zu vermehren. Doch wie kommen die neu gebildeten Viren aus der Wirtszelle raus? Und welche Rolle spielt die Zelle selbst dabei? Diesen Fragen gehen Wissenschaftler des Hygiene-Instituts am Universitätsklinikum Heidelberg gemeinsam mit Kooperationspartnern vom Max Planck Institut für Biochemie in Martinsried mit Hilfe eines neuen hochauflösenden Verfahrens, der Kryo-Elektronentomographie, auf den Grund. Die ersten dreidimensionalen Bilder im Nanometerbereich zeigen: Die Wirtszelle selbst ist an der Freisetzung des AIDS-Erregers früher beteiligt und spielt vermutlich eine wichtigere Rolle als bisher angenommen.

    Die Ergebnisse tragen dazu bei, die komplizierten Wechselwirkungen zwischen Zelle und Virus zu verstehen - ein wichtiger Ansatzpunkt für zukünftige Therapien gegen AIDS. "Wenn wir bereits innerhalb der Wirtszelle die Virusbildung stören, also in einem sehr frühen Stadium angreifen, dann ist das Virus möglicherweise empfindlicher", erklärt Professor Dr. Hans-Georg Kräusslich, Geschäftsführender Direktor des Hygiene-Instituts und Seniorautor der wissenschaftlichen Arbeit, die im Dezember 2008 in der Fachzeitschrift "Cell Host & Microbe" veröffentlicht wurde.

    Zelle kappt Verbindung zu Viruskapsel

    Befallen HI-Viren Zellen des Immunsystems, programmieren sie diese auf "Virusvermehrung" um. Dazu schleusen sie ihr Erbgut mit allen notwendigen Informationen in die Zelle ein: Von nun an vervielfältigen die Zellen das Erbgut des AIDS-Erregers und produzieren die Bausteine der Virushülle. Schließlich verlassen die neu gebildeten Viren als kugelförmige Kapsel die Zelle. Dabei kappen zelleigene Proteine - der so genannte Proteinkomplex ESCRT (sprich: escort) - die Verbindung zwischen Viruskapsel und Zelloberfläche. "Unsere Aufnahmen mit der Kryo-Elektronentomographie zeigen, dass die Kapseln erst zu ca. 60 Prozent fertig gestellt sind, wenn die Viren abgeschnürt werden", erklärt Professor Kräusslich. Die ESCRT-Proteine greifen also offenbar schon in einem frühen Stadium der Partikelbildung ein. Eine Schwachstelle ist die scheinbar unvollständige Hülle des Virus nicht: Ist das Virus freigesetzt, ordnen sich die vorhandenen Proteine zu einem vollständigen konusförmigen Kapsid um.

    Kryo-Elektronentomographie erlaubt spektakuläre Momentaufnahmen

    Momentaufnahmen dieser molekularen Vorgängen sind in dieser Form nur mit der Kryo-Elektronentomographie möglich: Durch das blitzartige Einfrieren auf minus 196 Grad Celsius bleibt die räumliche Struktur und Anordnung aller Zellbestandteile vollständig erhalten. Die Untersuchungsobjekte bleiben unverfälscht - chemische Vorbehandlungen, Anfärben oder Dünnschnitte sind nicht notwendig. Im Elektronenmikroskop wird das Objekt aus verschiedenen Richtungen durchstrahlt; ein dreidimensionales Struktur-Modell mit einer Auflösung von wenigen Nanometern, also Millionstel Millimetern, entsteht. Die Kryo-Elektronentomographie für diese Arbeit wurde unter der Leitung von Dr. Kay Grünewald vom Max Planck Institut für Biochemie in Martinsried durchgeführt.

    Literatur: Lars-Anders Carlson, John A.G. Briggs, Bärbel Glass, James D. Riches, Martha N. Simon, Marc C. Johnson, Barbara Müller, Kay Grünewald, Hans-Georg Kräusslich: Three-Dimensional Analysis of Budding Sites and Released Virus Suggests a Revised Model for HIV-1 Morphogenesis. Cell Host & Microbe. Volume 4, Issue 6, 11 December 2008, Pages 592-599 . doi:10.1016/j.chom.2008.10.013

    Universitätsklinikum Heidelberg – Pressemeldung vom 19. Dezember 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Anale intraepitheliale Neoplasien bei HIV-infizierten Frauen

    Anale intraepitheliale Neoplasien bei HIV- infizierten Frauen: wie häufig? Konsequenzen?

    von Barbara Bertisch

    Eine aktuelle amerikanische Studie weist eine hohe Zahl von analen HPV-Infektionen bei HIV- positiven Frauen auf. Das wirft Fragen auf. Sind die Zahlen so generalisierbar? Was sind die Konsequenzen?

    Die Inzidenz von Analkrebs bei HIV- Infizierten nimmt zu, insbesondere unter homosexuellen Männern (dazu auch der Infektweb-Artikel vom 9.9.08: Analkrebs bei HIV: Screening von Frühformen - sinnvoll? bei wem? und wie durchgeführt?)

    Aber auch bei HIV-infizierten Frauen ist die Inzidenz von invasivem Analkrebs 7-28mal größer als in der allgemeinen Bevölkerung. Eine amerikanische Studie ist den Ursachen nachgegangen (Hessol et al: Anal intraepithelial neoplasia in a multisite study of HIV-infected and high-risk HIV-uninfected women; AIDS 2009). Dabei wurden aus einer grossen Kohorte HIV-infizierter Frauen 470 Frauen rekrutiert, die keine Vorgeschichte von "high grade" analen intraepithelialen Läsionen oder Analkrebs hatten. Es wurden halbjährlich eine Befragung, externe anale Untersuchung, anale Zytologie und bei auffälligen Befunden eine Anoskopie und Biopsie durchgeführt. Sie wurden mit einem bezüglich der Vorgeschichte vergleichbaren Kollektiv HIV-negativer Frauen verglichen:

    47% der HIV-positiven bzw. 46% der HIV-negativen Frauen hatten über früheren analen Geschlechtsverkehr berichtet.
    HIV-positive Frauen zeigten deutlich häufiger eine abnormale Zytologie des Analbereichs (31% versus 9% bei den HIV-negativen Frauen).
    Sie wiesen in 80% (versus 50%) einen analen HPV-Befall auf, darunter in 44% mit onkogenen HPV- Subtypen (versus 17%).
    Damit lag die anale HPV- Infektrate deutlich über der cervicalen HPV-Infektrate, die bei den HIV-positiven Patientinnen 45% betrug (versus 15%).

    Wie erklärt sich diese hohe anale HPV-Befallszahl, zumal sich zeigte, dass eine anale HPV-Infektion auch ohne früheren analen Geschlechtsverkehr stattfinden kann? Entweder ist eine anale HPV- Infektion tatsächlich häufiger, oder sie ist ausgeprägter und damit einfacher zu diagnostizieren. Dabei ist die "Autoinfektion", also Übertragung von der cervicovaginalen Schleimhaut zur analen Schleimhaut, sicherlich möglich.

    Die analen intraepithelialen Neoplasien (AIN) wurden in "Low grade" (LGAIN) und "high grade" (HGAIN) eingeteilt. Dabei waren LGAIN sowohl mit onkogenen, wie auch nicht-onkogenen HPV-Subtypen assoziiert, HGAIN hingegen mit onkogenen HPV-Stämmen. Bei HIV-positiven Frauen errechnete sich, dass ein analer HPV-Befall 7.6 mal häufiger zu einer HGAIN führt als ohne HPV-Befall.

    Weder eine antiretrovirale Therapie, noch die HI-Viruslast zeigten Auswirkungen auf das Risiko einer AIN; allerdings könnte durch Anpassung auf die aktuellen CD4- Werte der positive Einfluss der HAART eingeschlossen worden sein.

    Kommentar:

    - das routinemäßige gynäkologische Screening von HIV-positiven Frauen ist etabliert. Die oben genannten Zahlen bezüglich der cervikalen HPV- Prävalenz unterstreichen einmal mehr dessen Wichtigkeit.

    - Sind die genannten Zahlen über analen HPV-Befall bei (US-amerikanischen) Frauen so generalisierbar? Könnten unterschiedliche HPV-Prävalenzen wie auch u.U. Unterschiede in den Sexualpraktiken diese hohe HPV-Rate des US-Kollektives erklären? (Müssten wir andernfalls nicht in der Schweiz bereits deutlich häufiger Fälle von Analkrebs bei HIV- pos. Frauen gesehen haben??)

    - welche offiziellen Schlussfolgerungen bezüglich Risikomanagements des analen HPV- Befalls bei Frauen gezogen werden, ist nach unserem Kenntnisstand noch offen. Zu diskutieren ist, ob analog zum Screening bei HIV- positiven Männern auch HIV-positive Frauen  bei Eintritt und möglichst einmal jährlich "routinemäßig" folgende Untersuchungen haben sollten: Fragen nach vorbekannten/vorbehandelten analen intraepithelialen Läsionen und nach Beschwerden am Analkanal wie Schmerzen, Brennen oder Blutabgang; perianale Inspektion; regionale Lymphknotenkontrolle; rektale Palpation. Der Stellenwert eines Bürstenabstrichs im Analkanal ist unklar; daher dürfte das verlässlichste Ergebnis erreicht werden, wenn bei auffälligem Untersuchungsbefund u/o auffälliger Anamnese eine Anoskopie mit ggf. Biopsie durchgeführt wird.

    Infektiologie St. Gallen vom 16. Dezember 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neuer Test auf Herpesviren

    Erlangen-Nürnberg - Wissenschaftler vom Virologischen Institut der Universität Erlangen-Nürnberg haben einen Test entwickelt, mit dem man ein Herpesvirus nachweisen kann, das als Auslöser des Kaposi-Sarkoms gilt. Mit Unterstützung der Bayerischen Patentallianz GmbH konnte die Universität Erlangen-Nürnberg das Patent jetzt an das amerikanische Biotechnologieunternehmen Epiphany Biosciences übertragen.

    Das Protein, das die Forscher um den Virologen Privatdozent Frank Neipel entdeckten, ist ein Bestandteil des Humanen Herpesvirus 8 (HHV-8). Fast alle Patienten, die an einem Kaposi-Sarkom erkranken, sind mit diesem Herpesvirus infiziert. Das Sarkom kommt häufig bei Menschen vor, die Aids haben.

    "Das menschliche Immunsystem reagiert sehr sensibel auf das Protein und bildet Antikörper dagegen", so Neipel in einer Mitteilung der Uni. "Wenn wir dieses Protein beziehungsweise die Antikörper im Blut nachweisen, sind wir in der Lage, sehr genau zu sagen, ob der Patient mit dem HHV-8 Virus infiziert ist und am Kaposi-Sarkom erkranken könnte oder schon erkrankt ist."

    Die Entdeckung der Erlanger Forscher könnte dazu beitragen, Therapien gegen die Virusinfektion oder sogar das Kaposi-Sarkom zu finden. Denkbar ist auch, Blut- und Organspenden zum Schutz der Empfänger auf das Herpesvirus zu testen.

    Die Bayerische Patentallianz GmbH bewertet und vermarktet Erfindungen von mehr als 16.000 Wissenschaftlern in Bayern. Sie zählt zu den größten und erfolgreichsten Patent- und Vermarktungsagenturen in Deutschland.

    Ärzte-Zeitung vom 16. Dezember 2008Inhaltsverzeichnis |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Experimentelle Substanz mit neuem Wirkansatz

    Wissenschaftler der Universität von Michigan haben eine Substanz entwickelt, von der sie glauben, dass die nach fast 20jähriger Geschichte der Protease-Inhibitoren zu der Entwicklung einer neuen PI-Klasse in der antiretroviralen Therapie führen könnte.

    Die Arbeitsgruppe um Prof. Heather Carlson hat die Substanz am Computer entwickelt und in Zellkulturen deren antiretrovirale Wirksamkeit bestätigen können. Carlson betont, dass es sich hierbei um sehr frühe und vorläufige Ergebnisse handele, sie seien aber durchaus bedeutsam. „Es ist sehr einfach einen Inhibitor zu entwickeln, aber sehr schwierig, daraus ein Medikament zu machen“, so Carlson. „Diese Substanz ist zu schwach wirksam, um im menschlichen Körper zu wirken. Der Schlüssel wird sein, weitere Substanzen zu identifizieren, die denselben Wirkmechanismus haben.“

    Das spannende ist der – im Vergleich zu den bisherigen Protease-Inhibitoren – unterschiedliche Wirkmechanismus, erklärte sie. Die derzeitigen Medikamente wirkten, indem sie die HIV-1-Protease daran hindern, zu arbeiten. Ihre Substanz mache im Grunde dasselbe. Die Protease ist ein Enzym, das Proteine auseinanderschneidet. Im Fall der HIV-Medikamente kann die inhibierte Protease die Proteine nicht verarbeiten, die benötigt werden, um ein neues, aktives Virus zusammenzubauen.

    Die zugelassenen Substanzen sind größere Moleküle, die an das aktive Zentrum des Enzyms binden und es so „einfrieren“. Der neue Wirkmechanismus greift an einer anderen Stelle der Protease an, die „flap recognition pocket“ genannt wird und hält sozusagen die beiden Schenkel der Schere offen. Wissenschaftler wissen seit langem, dass diese beiden Schenkel sich öffnen und schließen, hatten aber bislang keine Möglichkeit, diesen Mechanismus zu attackieren, erklärte Carlson. Die Arbeitsgruppe um Carlson hat herausgefunden, dass, wenn die Schenkel mittels eines sehr kleinen Moleküls – etwa halb so große, wie die bisherigen Protease-Inhibitoren – offen gehalten werden, das die Protease ebenfalls an der Arbeit hindert.

    Zusätzlich zu einer neuen Medikamentenklasse würde diese Substanz ein Fortschritt sein, denn kleinere Moleküle haben bessere Eigenschaften und werden vom Körper sehr viel leichter aufgenommen. „Diese neue Klasse kleiner Moleküle könnte bessere Medikamenteneigenschaften haben und die bisherigen Nebenwirkungen
    umgehen“, so Carlson. „Kelly Damm, ein ehemaliger Student, und nun bei Johnson & Johnson, hatte die ursprüngliche Idee, diese Schenkel in dieser neuen Weise anzugreifen.“ „In gewisser Weise arbeitet man an einer Türblockade. Wenn man sich die Tür anschaut, wenn sie geschlossen ist, weiß man nicht, dass man sie blockieren kann, damit sie sich nicht schließt“, meinte sei.

    „Wir haben eine Stelle gefunden, an der wir das Schließen blockieren können. Da aber alle anderen mit der geschlossenen Form gearbeitet haben, haben sie sie nicht sehen können.“

    Quelle: Pressemitteilung der University of Michigan vom 14. Mai 2008

    Deutsche Aids-Hilfe - hivreport 12 / 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV Risiko für Frauen größer als angenommen

    Virus durchdringt sogar gesundes Vagina-Gewebe.

    Chicago - Frauen, die ungeschützten Sex haben, könnten einem höheren HIV-Risiko ausgesetzt sein als bisher angenommen. Tests von Wissenschaftlern der Northwestern University http://www.northwestern.edu haben ergeben, dass das Virus sogar gesundes Scheidengewebe durchdringen kann. Es wurde bisher davon ausgegangen, dass nur eine Beschädigung der Haut in der Vagina eine Infektion ermöglicht. Jetzt zeigte sich jedoch, dass HIV diese Barriere innerhalb von Stunden überwinden kann.

    Der Innenseite der Scheide, dem Plattenepithel, wurde bisher die Fähigkeit zugesprochen, das Virus fernzuhalten. Die Wissenschaftler nahmen an, dass das Virus am ehesten durch kleine Wunden oder Verletzungen in der Scheide in den Körper gelangt. Als weitere Möglichkeit wurden immer wieder die viel dünneren Hautschichten tiefer im Inneren des Körpers genannt. Jetzt stellte sich jedoch heraus, dass die Wahrheit völlig anders aussieht: Das Virus bewegt sich sehr rasch zwischen den Hautzellen selbst.

    Der Schwachpunkt ergibt sich in dem Augenblick, in dem die Hautzellen abgebaut werden. Dann sind sie nicht mehr so eng miteinander verbunden. Das Team um Thomas Hope versah das Virus mit einem leuchtenden Marker. Es zeigte sich, dass es innerhalb von vier Stunden bereits einen Bruchteil eines Millimeters unter die Hautoberfläche gelangt war. In dieser Tiefe könnte das Virus auf die Immunzellen treffen, die es benötigt um sich im Körper festzusetzen.

    Hope betonte, dass diese unerwarteten Ergebnisse neue Erkenntnisse darüber erlaubten, wie HIV sich in der Scheide verhält. "Wir brauchen dringend neue Präventionsstrategien oder Behandlungsansätze, die diesen Vorgang blockieren." Die Übertragung des Aids-Erregers vom Mann auf die Frau durch ungeschützten Sex ist laut BBC in vielen Teilen der Welt weit verbreitet. Der Einsatz von Kondomen werde bedauerlicherweise immer wieder aus den verschiedensten Gründen abgelehnt.

    Pressetext Austria vom 17. Dezember 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Safer sex stabil auf hohem Niveau

    Studie ‘Wie leben schwule Männer heute?’

    Männer, die Sex mit Männern haben, praktizieren seit Jahren stabil zu einem sehr hohen Anteil safer sex. Und immer mehr schwule Männer machen regelmäßig einen HIV-Test. Dies sind wesentliche Ergebnisse der 8. Wiederholungsbefragung “Schwule Männer und AIDS”.

    Der Gesamtbericht zur 8. Wiederholungsbefragung “Schwule Männer und AIDS” unter dem Titel “Wie leben schwule Männer heute? - Lebensstile, Szene, Sex, AIDS 2007? von Bochow / Schmidt / Grote präsentiert eine Fülle an Informationen über das Leben von Männern, die Sex mit Männern haben - und bietet damit auch zahlreiche Ansätze, HIV-Prävention in Deutschland weiter zu optimieren.

    Bochows Studie ist keine Repräsentativbefragung (dies ist nicht möglich, da die Grundgesamtheit der MSM nicht bekannt ist), aber ein ‘conveniance sample’ mit exemplarischer Bedeutung. 9.024 Fragebögen konnten ausgewertet werden, davon 8.170 aus Deutschland. 76% der Fragebögen wurden online ausgefüllt, insbes. über gayroyal und gayromeo. 85% der Befragten bezeichneten sich als schwul oder homosexuell, 11% als bisexuell.

    Etwa die Hälfte der Befragten lebte zum Zeitpunkt der Untersuchung mit einem festen Partner zusammen. 6% leben in einer eingetragenen Partnerschaft, weitere 18% erwägen dies.
    Dabei betont Bochow einen bemerkenswerten Zusammenhang: “Mit steigendem Bildungsniveau und sozioökonomischem Status nimmt der Anteil der MSM ab, die als Singles leben” (S.27). Und “der Anteil der offenen Beziehungen steigt mit zunehmendem Alter und zunehmender Beziehungsdauer”.

    “Der Anteil schwuler Männer, die in Deutschland Opfer antischwuler Gewalt wurden, ist im Zeitraum der Wiederholungsbefragungen relativ konstant geblieben” (S.29):

    - verbale Gewalt: 2007 13%, 2003 11%, 1999 13%, 1996 12%,.
    - physische Gewalt: 2007 2%, 2003 2%, 1999 3%, 1996 4%.

    Drei Viertel der befragten Teilnehmer hatten im Jahr vor der Befragung weniger als zehn Sexpartner (S. 31). Im Median belief sich die Zahl der angegebenen Sexpartner auf 4. Ab einem Lebensalter von 30 Jahren nimmt der Anteil der Befragten, die mehr als 10 Sexpartner angaben, deutlich zu (höchste Partnerzahlen in der Altersgruppe von 30 bis 44 Jahren). In den ‘Schwulenmetropolen’ haben MSM mehr Sexpartner als in den Regionen und kleineren Städten.
    Die häufigsten angegebenen Sexpraktiken sind Wichsen (Masturbation) und Blasen (Oralverkehr). Analverkehr ist in festen Partnerschaften mit 21% bedeutender als bei Sexkontakten mit anderen Männern (14%). Die meisten der befragten MSM praktizieren beim Analverkehr beide Positionen (aktiv und passiv, versatil; S.43). Mit steigendem Alter erhöht sich der Anteil der Männer, die keinen Analverkehr haben (S.34). Fisten oder SM wird in festen Partnerschaften von 89%, mit anderen Sexpartnern in 85% nie praktiziert.

    Zahlreiche Angaben liefert Bochow zum Safer Sex - Verhalten. “Der Anteil schwuler Männer, die beim Analverkehr -vor allem mit Sexpartnern außerhalb fester Beziehungen- durchgängig Kondome verwenden, ist über einen Zeitraum von 17 Jahren mit 70% gleichbleibend hoch” (S.151).

    Kondom dabei - für die meisten kein Problem. Von den Männern, die angaben innerhalb des letzten Jahres Analverkehr gehabt zu haben, machten 87% aller zuletzt HIV-negativ getesteten oder ungetesteten Männer die Angabe, “ein Kondom in der Tasche oder zuhause” zu haben (S.38). Bei HIV-Positiven lag dieser Anteil bei 94%. Bei Männern aus höheren Bildungsschichten lag der Anteil von genereller Kondomverfügbarkeit höher; niedriger lag er insbes. bei Männern unter 20 Jahren.

    69% der Männer, die Sex mit nicht-festen Partnern haben, haben dabei immer ein Kondom verwendet, weitere 17% häufig. Mit dem festen Partner lag diese Zahl nur bei 30% (’immer’) bzw. 8% (’häufig’). Bochow: “Allgemein lässt sich sagen, dass umso eher auf ein Kondom verzichtet wird, je länger die feste Partnerschaft andauert” (S.40; siehe auch weiter unten ‘Risikomanagement’).

    Ist der HIV-Test ein heute gängigerer Weg sich Klarheit zu verschaffen?
    “Immer mehr MSM machen regelmäßig einen HIV-Test” (S. 151). Zwar haben 36% aller Teilnehmer noch nie einen HIV-Test durchführen lassen. Mit steigendem Lebensalter aber steigt der Anteil der MSM, die sich bereits auf HIV haben testen lassen - und die Häufigkeit des Tests: 55% der 30- bis 44Jährigen hat sich bereits mehr als zweimal testen lassen. Bochow konstatiert einen “Hinweis darauf, dass sich ein bedeutsamer Anteil von MSM regelmäßig, d.h. etwa in ein- bis zweijährlichem Abstand testen lässt” (S.73). Dabei lassen sich MSM in den ‘Schwulenmetropolen’ besonders häufig testen; eine deutlich höhere Testfrequenz haben ebenfalls Männer mit einer Frequenz von mehr als 5 Sexpartnern. Zudem sieht Bochow deutliche Hinweise auf eine “zunehmende Durchtestungsrate bei MSM in festen Beziehungen” (S.82).

    Überwiegendes Motiv zum HIV-Test ist mit 78% ‘eigener Antrieb’, in 11% der Arzt. Bochow sieht im kontinuierlichen Zunehmen der Testbereitschaft und -intensität “ein weiteres Indiz dafür, dass der beobachtet Anstieg der HIV-Neudiagnosen bei MSM teilweise über die Zunahme der Testhäufigkeit in dieser Gruppe zu erklären ist” (S.145). Angesichts weiterer Intensivierungen und Ausweitungen von Testkampagnen dürfte auch für 2009 und 2010 steigende HIV-Neudiagnosezahlen zu erwarten sein.

    Insbesondere bei der Häufigkeit von HIV-Test besteht eine Korrelation zur ökonomischen Situation (MSM mit höherem Nettoeinkommen haben zu höherem Anteil mehr als zwei HIV-Tests; S.75).
    Noch deutlicher ist dieser ökonomische Unterschied beim Anteil HIV-positiv Getesteter: “In jeder Altersgruppe ist der Anteil Positiver in der untersten sozialen Schicht … mindestens doppelt so hoch wie in der höchsten sozialen Schicht …Besonders ausgeprägt ist der Unterschied in der Altersgruppe der 20- bis 29Jährigen” (S. 76).

    Risikomanagement ist schon jetzt eine weit verbreitete Strategie unter MSM. Das Konzept der ‘ausgehandelten Sicherheit’ (negociated safety) scheint dabei bereits heute weit verbreitet zu sein - beide Partner sind zeitnah konkordant HIV-negativ getestet, verzichten innerhalb der Partnerschaft auf Kondomverwendung und halten außerhalb der Partnerschaft strikt die Regeln des safer sex ein.

    Männer innerhalb fester (konkordant negativer offener) Partnerschaften geben nur zu 4% an, mit anderen Partnern grundsätzlich auf ein Kondom zu verzichten, jedoch 80% äußern eine konsequenten Anwendung von Kondomen mit anderen Partnern. Innerhalb ihrer festen Partnerschaft hingegen verzichten ihren Angaben zufolge 63% auf ein Kondom.

    Zur Frage, wie reflektiert dieser Kondomverzicht in Bezug zur Partnerschaftsdauer ist, bemerkt Bochow “Gerade in Partnerschaften von kurzer Beziehungsdauer wird somit bereits häufig auf Kondome verzichtet, ohne dass der Befragte über ein aktuelles negatives HIV-Testergebnis verfügt. Dieser vorschnelle Kondomverzicht in noch nicht lange bestehenden Partnerschaften sollte daher einen wichtigen Fokus zukünftiger Präventionskonzepte bilden.”

    Für die Weiterentwicklung der HIV-Prävention besonders interessant scheinen zahlreiche Angaben zu von Bochow beschriebenen ‘Kernbereichen sexueller Interaktion‘ (in Anlehnung an Kabasti). “Insbesondere die 30- bis 44Jährigen bzw. MSM aus den Städten Berlin, Hamburg, Köln, München und Frankfurt am Main sind in den Kernbereichen sexueller Interaktion deutlich überrepräsentiert”.

    Bochow betont dass (auf die Studie bezogen) “35% aller HIV-Neudiagnosen seit 2005 auf diejenigen 7% aller Befragten entfallen, die Kernbereichen sexueller Interaktion zugerechnet werden können” (S.51). “Hohe Partnerzahlen, häufiger Analverkehr und bestimmte -teils wenig effektive- Risikominimierungsstrategien bei gleichzeitig schwacher Orientierung an den Normen des Safer Sex ergeben bei der vergleichsweise hohen HIV-Prävalenz in dieser Gruppe eine Gemengelage, die den überproportional hohen Anteil neuer HIV-Diagnosen plausibel erklären kann” (S. 53).

    In diesen Kernbereichen seien “anhand nur weniger Informationen MSM mit besonders hohem HIV-Risiko zu identifizieren”. Bochow fordert, gerade hier “individuelle Beratungen zu Übertragungswegen (und entsprechenden Schutzmöglichkeiten) und Symptomen” anzubieten, nicht nur zu HIV, sondern auch zu anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen. Zwei Berufsgruppen seien hier besonders bedeutend, die ‘Vor-Ort-Präventionisten’ sowie die Hausärztinnen und -ärzte.

    Besondere Aufmerksamkeit widmet die Studie auch MSM mit Migrationshintergrund. Ein bedeutendes Thema, hatte doch die SMA-Befragung 2003 (auf die Bochow hinweist) gezeigt, dass “nicht-deutschstämmige“ MSM mehr Sexualpartner hatten, häufiger sexuelle Risikokontakte eingingen, sich seltener auf HIV testen ließen, aber deutlich stärker von sexuell übertragbaren Infektionen und HIV betroffen” waren (S.127).

    MSM mit Migrationshintergrund lebten häufiger in offenen Partnerschaften und hatten mehr Sexualpartner. Bei Kondomgebrauch bei Analverkehr hingegen zeigte sich kein Unterschied, ebenso nicht beim Aussetzen eines sexuellen HIV-Übertragungsrisikos (S.131).
    An der Studie nahmen 280 MSM mit nichtdeutscher Staatsbürgerschaft teil (3,5%). Auch bei Erweiterung auf das Konzept ‘Migrationshintergrund’ zeigte sich eine deutliche Unterrepräsentierung dieser Gruppe in der Studie. Vertiefende Studien zu diesem Bereich scheinen dringend geboten.

    Die Studie bietet zahlreiche weitere Informationen - über ’strategische Positionierung’ und ‘coitus interruptus’ (’dipping’, ‘raus bevor’s kommt’) oder Drogenkonsum und sexuell übertragbare Infektionen bis zu zahlreichen besonders interessanten Angaben zu ‘Bereichen sexueller Interaktion’ oder Idee und Lebensrealität von Serosorting und (besonders für die Debatte zu Auswirkungen des EKAF-Statements auf die Prävention interessante) Ausführungen zur ‘Auswirkung der ART bei HIV-Positiven auf das präventive Verhalten’.

    Die Befragung “Schwule Männe rund Aids” wird bereits seit 1991 durchgeführt. Über den Hintergrund der Studie schreibt das WZB: “In den Jahren 1991, 1993, 1996, 1999 und 2003 wurden im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) von Dr. Michael Bochow (2003 zusammen mit Dr. Michael Wright) Befragungen zum präventiven Verhalten homosexueller Männer durchgeführt. 1987 und 1988 waren analoge Befragungen im Auftrag der Deutschen Aids-Hilfe durchgeführt worden. Diese Erhebungen wurden durch die Schaltung eines vierseitigen Fragebogens in den wichtigsten Monatszeitschriften für homosexuelle Männer in der Bundesrepublik ermöglicht.

    Ziel der Untersuchungen ist die langfristige Beobachtung der Entwicklung von Wissen und Einstellungen von homosexuellen Männern in Hinblick auf HIV und AIDS und ihr präventives Verhalten bzw. Risikomanagement. … Erstmalig wurde zeitgleich mit der deutschen Erhebung im Mai 2007, in Kooperation mit der AIDS-Hilfe Wien, eine Befragung in Österreich durchgeführt.”

    Bochow / Schmidt / Grote (WZB Berlin): “Wie leben schwule Männer heute? - Lebensstile, Szene, Sex, AIDS 2007? - Gesamtbericht zur 8. Wiederholungsbefragung “Schwule Männer und AIDS” im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln (als pdf hier)

    Bochows Studie zeigt einmal mehr, dass die Realität des (Sex- und Beziehungs-) Lebens von Männern, die Sex mit Männern haben, die regierungsamtliche Wahrnehmung und auch die Präventionsrealität bereits überholt hat. Was die Frage von Kondomverzicht, Partnerschaft und Konzepte des Risikomanagements angeht, haben viele MSM; bereits längst ihre individuellen Modelle des Umgangs mit veränderten Realitäten gefunden - mit zahlreichen realistischen Risikoabwägungen, aber auch vielen Risiken von Fehlinterpretationen, Missverständnissen und Falschwahrnehmungen. Prävention wäre gut beraten, sich hierauf (zukünftig möglichst proaktiv) einzustellen, Behörden und Politik gut beraten, hier zu fördern statt zu verhindern.

    Dennoch stellen sich im Detail einige Fragen (die die Autoren teils bereits selbst aufwerfen). Bei den betrachteten Sexpraktiken erstaunt z.B. die Zusammenlegung von Fisten und SM - auch wenn diese epidemiologisch begründet wird (’erhöhtes Verletzungsrisiko’). Gerade hinsichtlich z.B. Hepatitis C dürften hier Unterschiede bestehen. Auch die Verwendung des Begriffs einer ‘Lederszene’ scheint (wenn auch der Daten-Kontinuität geschuldet) heutzutage angesichts der Szene-Realitäten veraltet, und durch ‘Fetischszene’ nur unzureichend ‘ersetzt’. Ebenso überrascht die Behandlung von Produkten wie ‘Viagra’ unter der Überschrift ‘Drogenkonsum’.

    Bestürzender aber sind einige der vielen Detail-Ergebnisse. So muss z.B. erschrecken, wie sehr HIV-Test und vor allem positiver HIV-Status inzwischen auch in Deutschland eine Frage des sozioökonomischen Status sind. HIV und Armut - bei weitem nicht nur ein Problem dessen, was wir ‘gönnerhaft’ als “Dritte Welt” zu bezeichnen belieben. Sozioökonomischer Status, Bildung, HIV-Risiko und Armut - ein Handlungsfeld, dem sich Aidshilfe weit stärker als bisher widmen sollte.

    “Die bisherigen Berichte wurden breit rezipiert. Die AutorInnen hoffen, dass dieser Bericht auf ein ähnliches Interesse stoßen wird.” Diesem Wunsch kann ich mich nur anschließen. Downloaden (als pdf hier) und in Ruhe lesen, stöbern, Anregungen bekommen …

    Besonders zur Lektüre empfohlen sei Bochows Studie all jenen, ob Politiker, Journalisten oder auch in Aids Engagierten, die immer wieder von einer ‘neuen Sorglosigkeit’ lamentieren. Informieren statt spekulieren oder stigmatisieren …

    ondamaris vom 12. Dezember 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Ambulante Aids-Behandlung gesichert

    Berlin – Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin sieht die ambulante medizinische Versorgung von Aids-Patienten in der Hauptstadt als gesichert an. Die Krankenkassen müssten im ersten Quartal 2009 die Behandlung aller Aids-Kranken finanziell fördern. „Damit ist die haus- und fachärztliche Betreuung der Patienten weiterhin flächendeckend gewährleistet“, betonte der stellvertretende KV-Vorsitzende Uwe Kraffel am Donnerstag.

    Nach der jetzt erzielten Einigung erhalten niedergelassene Haus- und Fachärzte für jeden Aidspatienten 45 Euro im ersten Quartal 2009. Das unter der Moderation von Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher entwickelte Vertragsangebot der Krankenkassen sah dagegen einen Zuschlag nur für Hausarztpraxen vor, die mehr als 100 Aids-Patienten behandeln.

    Außerdem sollte die Pauschale nur noch einmalig je Patient und nicht wie gewohnt auch für jeden weiterbehandelnden Arzt bezahlt werden. „Auch hier konnte sich der KV-Vorstand mit Hinweis auf den umfangreichen Versorgungsumfang der häufig an multiplen Erkrankungen leidenden Aids-Kranken durchsetzen“, hieß es aus der KV.

    In Berlin werden rund 20 Prozent der in Deutschland an HIV infizierten Menschen medizinisch versorgt. Ab April 2009 ist eine bundesweite Lösung zur Förderung ambulanten Aids-Behandlungen geplant.

    Deutsches Ärzteblatt vom 11. Dezember 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Bleiberecht für HIV-positive Flüchtlinge gefordert

    Deutsche AIDS-Hilfe fordert Bleiberecht für HIV-positive Flüchtlinge.

    Berlin - Anlässlich des heutigen internationalen Tages der Menschenrechte startet die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. (DAH) eine Postkartenaktion an Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, um auf die schwierigen Lebensbedingungen von Flüchtlingen mit HIV und anderen chronischen Erkrankungen in Deutschland aufmerksam zu machen.

    Mit vier Postkarten-Motiven illustrieren die drei Initiatoren – DAH, bundesweite Arbeitsgruppe „Aids und Migration/Aids & Mobility“ und die „Positive Aktion“ – die Bedrohungen für chronisch kranke Flüchtlinge: eingeschränkter Zugang zu medizinischer Versorgung, zu Wohnraum und zu Sozialleistungen und häufig die Angst vor Abschiebung. Auf Grund der mangelhaften Versorgung mit antiretroviralen Medikamenten haben in den vergangenen Jahren HIV-positive Migrantinnen und Migranten zum Beispiel in vielen Ländern Subsahara-Afrikas bei Behandlungsbedürftigkeit der HIV-Infektion eine Duldung wegen eines zielstaatenbezogenen Abschiebehindernisses erhalten. In der gegenwärtigen Rechtspraxis werden jedoch immer häufiger auch Menschen mit einer behandlungsbedürftigen HIV-Infektion abgeschoben. Höchst bedenklich ist dabei, dass zur Begutachtung der individuellen Situation eines Flüchtlings nur die Auskünfte der Botschaft im Heimatland akzeptiert werden. Weder Gutachten von großen Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen noch Stellungnahmen von NGOs vor Ort finden Berücksichtigung.

    Dazu erklärt Silke Klumb, Referentin für Migration der DAH: „Ziel unserer gemeinsamen Postkartenaktion ist es, auf die verheerende Situation von Migrantinnen und Migranten unter dem Asylrecht aufmerksam zu machen. Am 60. Gedenktag zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte haben immer noch nicht alle Menschen in Deutschland einen Anspruch auf Zugang zu Gesundheits-Prävention und Versorgung.“

    Carsten Schatz, Mitglied im Bundesvorstand der DAH: „Wir fordern die Bundesregierung auf, ein Bleiberecht für HIV-positive Flüchtlinge in Deutschland zu schaffen. Das Menschenrecht auf Gesundheit muss für alle gelten – unabhängig von der Herkunft des einzelnen. Die aktuelle Rechtspraxis verstößt gegen die Menschenrechte. Wir fordern die Bundesregierung auf, diese gravierenden Mängel im Verwaltungsvollzug abzustellen und eine humane Gesundheitsversorgung der Flüchtlinge in Deutschland zu gewährleisten.“

    Deutsche AIDS-Hilfe - Pressemeldung vom 10. Dezember 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Mikrobizid bietet keinen Schutz vor HIV

    Anti-HIV-Mikrobizid Carraguard bietet keinen Schutz vor HIV-Infektion.

    Das in Versuchsreihen getestete mikrobizide Vaginalgel Carraguard schützt Frauen nicht vor einer HIV-Infektion, wie ein aktueller, von Stephanie Skoler-Karpoff und Barbara Friedland vom Population Council in New York sowie Kollegen verfasster Artikel darlegt.

    Weltweit leben etwa 33,2 Millionen Menschen mit einer HIV-Infektion, 68 Prozent davon im südlich der Sahara gelegenen Afrika. Frauen und Mädchen sind in diesem Gebiet mit 61 Prozent der Infektionen überproportional häufig betroffen. Darüber hinaus ereignen sich 90 Prozent der Neuinfektionen in der Altersgruppe der 15- bis 24-jährigen Mädchen und Frauen. Von den Frauen kontrollierbare, HIV vorbeugende Mittel wie Mikrobizide werden daher dringend benötigt. In dieser randomisierten, Placebo-kontrollierten Studie bewerteten die Autoren das vom Population Council entwickelte, das natürliche Algenderivat Carrageenan enthaltende Carraguard.

    Die Studie wurde an drei Orten in Südafrika durchgeführt und umfasste 6.202 sexuell aktive HIV-negative Frauen, von denen 3.103 Carraguard und 3.099 ein Methylzellulose-Gel als Placebo erhielten. Die Frauen wurden angewiesen, bei jedem Geschlechtsverkehr den speziellen, eine einzelne Dosis enthaltenden Einweg-Applikator, wie auch ein Kondom zu benutzen. Die Nachuntersuchungen der Teilnehmerinnen erstreckten sich über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren. Die Frauen besuchten alle drei Monate eine Klinik, wobei die dortigen Maßnahmen HIV- und Schwangerschaftstests, gynäkologische Untersuchungen, Beratungen zur Risikominderung und Behandlungen sexuell übertragener, heilbarer Infektionen sowie symptomatischer Scheideninfektionen beinhalteten. Primärergebnis der Studie war die zeitliche Spanne bis zur Serokonversion (HIV-Infektion).

    Den Ergebnissen der Forscher zufolge lag die HIV-Häufigkeit in der Carraguard-Gruppe bei 3,3 pro 100 Frauenjahren (134 Infektionen) und in der Placebogruppe bei 3,8 pro 100 Frauenjahren (151 Infektionen). Bezüglich des Zeitraums bis zur Serokonversion wurde kein signifikanter Unterschied festgestellt. Die selbstberichteten Raten der Gel-Verwendung (96,2 Prozent Carraguard-Gruppe, 95,9 Prozent Placebogruppe) und des Kondomgebrauchs (64,1 Prozent in beiden Gruppen) bezüglich der letzten Geschlechtsverkehre schienen in beiden Gruppen vergleichbar. Ein Test der Gel-Applikatoren ergab jedoch, dass die Gele tatsächlich nur in durchschnittlich 42,1 Prozent der Geschlechtsverkehre verwendet wurden (41,1 Prozent Carraguard-Gruppe, 43,1 Prozent Placebogruppe). Nachteilige Ereignisse waren in beiden Gruppen ähnlich, auf die Gelverwendung zurückzuführende unerwünschte Ereignisse und auch schwerwiegende Vorkommnisse waren in beiden Gruppen ebenfalls vergleichbar.

    Die Autoren folgern: "Die Studie konnte eine wirksame Vermeidung der HIV-Übertragung vom Mann zur Frau mittels Carraguard nicht nachweisen, Bedenken bezüglich der Sicherheit wurden allerdings auch keine geäußert. Die nur geringe Verwendung der Gele könnte den möglichen Nachweis eines signifikanten schützenden Effekts beeinträchtigt haben. Obwohl die Ergebnisse dieser und anderer abgeschlossener Studien zur Wirksamkeit mikrobizider Gele enttäuschend ausfielen, muss die Suche nach von Frauen kontrollierbaren, HIV-vorbeugenden Methoden fortgesetzt werden."

    In einem begleitenden Kommentar bemerken Dr. Willard Cates und Dr. Paul Feldblum von Family Health International in North Carolina: "Wann auch immer wir neue wirksame Mittel zur HIV-Prävention entwickeln, ein einzelner vorbeugender Ansatz wird nicht ausreichen. Eher wird eine Kombination teilweise effektiver vorbeugender Methoden zu Maßnahmenpaketen gebündelt, die auf spezifische Bevölkerungsanteile zugeschnitten sind. Diese Bündel werden aus Maßnahmen zum Verhalten bestehen sowie biomedizinische und strukturelle Eingriffe beinhalten. Sie alle werden derart gestaltet sein, dass sie den Effekt der jeweils anderen verstärken. Im allmählich zunehmenden Einfluss dieser kombinierten Präventionen liegt unsere Hoffnung, der Ausbreitung von HIV entgegen zu wirken."

    Quelle: Stephanie Skoler-Karpoff and others. Efficacy of Carraguard for prevention of HIV infection in women in South Africa: a randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Lancet 2008; 372: 1977

    The Lancet vom 6. Dezember 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Leibniz Preis für Aids Forscher

    Prof. Dr. Frank Kirchhoff (Uni Ulm) ist mit dem Leibniz-Preis 2009 ausgezeichnet worden.

    Der Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) benannte am 4.12.2008 in Bonn eine Wissenschaftlerin und zehn Wissenschaftler für die Auszeichnung mit dem bedeutendsten deutschen Forschungspreis, unter ihnen den Virologen Prof. Frank Kirchhoff (Universität Ulm Institut für Virologie, Leiter Forschungsbereich HIV).

    Die DFG betont in ihrer Pressemitteilung: Mit Frank Kirchhoff erhält einer der weltweit führenden AIDS-Forscher den Leibniz-Preis. Der Virologe hat in den letzten zwei Jahrzehnten entscheidend dazu beigetragen, dass die Entstehung von AIDS und insbesondere die Evolution des HI-Virus immer besser verstanden werden. Kirchhoff konzentrierte seine Forschungen höchst erfolgreich auf eine der wichtigsten Proteinkomponenten des HI-Virus, das Nef-Protein, das vielfältige und ganz unterschiedliche Wirkungen hat: Beim Primaten verringert es die Pathogenese der HI-Viren, beim Menschen geht sein immunmodulierender Effekt dagegen verloren, sodass sich das Virus stark vermehren kann und hochpathogen ist. Weitere bedeutende Entdeckungen Kirchhoffs gelten einem Peptid im menschlichen Blut, das aus 20 Aminosäureresten besteht und die Virusvermehrung blockiert, sowie einem Protein in der Samenflüssigkeit, das mit seinen Fasern HI-Viren einfängt, in Zellen eindringen lässt und damit die Infektionsrate erhöht. Diese Befunde können die hohen Raten der sexuellen Übertragung bei AIDS miterklären und gleichzeitig neue Ansätze zur Vermeidung der Übertragung aufzeigen. Mit diesen Arbeiten hat Kirchhoff der deutschen AIDS-Forschung international zu hohem Ansehen verholfen.

    Frank Kirchhoff studierte Biologie in Göttingen und promovierte am Deutschen Primatenzentrum über einen neuen HI-Virus-2-Klon. Als Postdoktorand an der renommierten Harvard Medical School in Boston/Massachusetts befasste er sich erstmals mit dem Nef-Protein des HI-Virus, der auch im Fokus seiner Arbeiten blieb, als Kirchhoff 1994 nach Deutschland zurückkehrte. Hier arbeitete er zunächst als Assistent, Privatdozent und Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg, bevor er 2001 einem Ruf nach Ulm folgte.”
    Bereits 2007 war Prof. Kirchhoff zusammen mit Prof. Münch für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Aids-Forschung mit dem Merckle Preis ausgezeichnet worden.

    Universität Ulm - Pressemitteilung der Deutschen Forschungsgemeinschaft vom 4. Dezember 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    DVD zum Thema Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung

    Deutsche AIDS-Stiftung stellt DVD zum Thema Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung von HIV für die Jugend- und Erwachsenenbildung vor.

    Bonn / Berlin / Ingelheim - Die Deutsche AIDS-Stiftung stellte in Berlin eine neue Informations-DVD zum Thema HIV-Mutter-Kind-Übertragung vor. Die DVD enthält einen umfassenden Filmbericht über den Besuch von Hape Kerkeling in einer Gesundheitsstation des Hilfsprogramms DREAM in Maputo/Mosambik (Afrika) sowie detaillierte Informationen über HIV und AIDS. Das von der christlichen Glaubensgemeinschaft Sant'Egidio in mehreren afrikanischen Staaten getragene Hilfsprogramm DREAM bietet medizinische Behandlung von AIDS auf hohem Niveau. Es steht für einen umfassenden Ansatz zur Bekämpfung von Aids in Afrika. Ein Programmschwerpunkt liegt in der Verhinderung der Übertragung des HI-Virus von HIV-positiven Schwangeren auf ihre Babys durch die Behandlung mit einem Aids-Präparat während und nach der Geburt.

    Weltweit steckten sich 2007 laut UNAIDS rund 330.000 Babys im Verlauf der Schwangerschaft, bei der Geburt oder während der Stillzeit mit dem HI-Virus an. In den Entwicklungsländern, insbesondere in den Ländern Afrikas südlich der Sahara, stirbt etwa die Hälfte von ihnen in den ersten zwei Lebensjahren. Die Deutsche AIDS-Stiftung finanziert einen Großteil der Kosten für die Gesundheitsstation Matola 2 von DREAM in Maputo. Dort infizieren sich inzwischen weit weniger als zwei Prozent der Neugeborenen mit dem HI-Virus. Üblicherweise liegt die Quote in Afrika bei bis zu 40 Prozent.

    "Der Film zeigt, dass wir mit überschaubaren Mitteln vielen Tausend Babys eine gesunde Zukunft und ein Aufwachsen mit ihren infizierten Müttern ermöglichen können", sagt Ulrich Heide vom Vorstand der Deutschen AIDS-Stiftung. Die AIDS-Stiftung möchte das Wissen über diesen Übertragungsweg und deren Verhinderung auch in die Jugend- und Erwachsenenbildungsarbeit weitergeben. "Wir freuen uns, dass unser Kuratoriumsmitglied Hape Kerkeling sich für dieses Projekt besonders engagiert", so Heide. "Er wird bei Jugendlichen und Erwachsenen eine hohe Aufmerksamkeit für die notwendige Hilfe in Afrika und für das Thema HIV/AIDS generell wecken." Die DVD kann kostenlos bei den Landesfilmdiensten ausgeliehen oder kostenpflichtig über die Deutsche AIDS-Stiftung bezogen werden.

    Das Bildungsmaterial konnte dank der finanziellen Unterstützung des Unternehmens Boehringer Ingelheim produziert werden. "Boehringer Ingelheim leistet seit Jahren mit seinen HIV-Medikamenten einen Beitrag im Kampf gegen HIV/AIDS mit dem Ziel, kranken Menschen zu helfen", betonte der stellvertretende Sprecher der Unternehmensleitung von Boehringer Ingelheim, Dr. Dr. Andreas Barner. "Mit Initiativen wie dem Viramune®-Spenden-Programm zur Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung des HI-Virus sowie der Verbesserung des Zugangs zu Aids-Medikamenten in Entwicklungsländern, stellen wir uns darüber hinaus unserer besonderen Verantwortung als forschungsgetriebenes Pharmaunternehmen im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit".

    Deutsche AIDS-Stiftung – Pressemeldung vom 4. Dezember 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Der Iran hat eine Aids-Statistik vorgelegt

    Mit unerwartet detaillierter Offenheit.

    18.320 Menschen sind der offiziellen Statistik zufolge im Iran HIV-positiv. Die reale Zahl dürfte weitaus höher sein, räumte ein Vertreter des Gesundheitsministeriums ein. UNAIDS schätzt die zahl der HIV-Infiziertem im Iran auf ca. 86.000. 69% der HIV-Positiven seien Drogengebraucher. Die verbleibenden 30% seien auf “illegale sexuelle Kontakte” zurückzuführen.

    Homosexualität ist im Iran (ebenso wie Prostitution und außerehelicher Sex) gesetzlich verboten (Höchststrafe Todesstrafe), Schwulenverfolgung im Iran alltäglich. Immer wieder kommt es zu Prozessen, Verurteilungen, Hinrichtungen Homosexueller im Iran. Asyl im Ausland scheint für viele homosexuelle Iraner der einzig gangbare Weg.

    Angesichts der Tatsache, dass die Mehrheit der iranischen Bevölkerung sehr jung sie, befürchte er eine dritte Welle der HIV-Epidemie, äußerte Gesundheitsminister Lankarani. Mehr als die Hälfte der ca. 70 Millionen Iranerinnen und Iraner sind jünger als 25 Jahre.

    Iran, so überraschend es scheinen mag, ist andererseits unter Experten bekannt für eine bemerkenswert pragmatische Aids-Politik. Der scheidende UNAIDS-Direktor Peter Piot hat Iran schon vor einiger Zeit als ‘Musterland’ bezeichnet. Piot sagte bereits 2006:

    „Im Iran gibt es eine wachsende Zahl junger Menschen, die Drogen injizieren. Das Rauschgift stammt aus dem Nachbarland Afghanistan und ist beliebt, weil es billig zu haben ist. Die Gefängnisse im Iran sind voll mit jungen Drogenkonsumenten. Die Regierung im Iran geht allerdings pragmatisch mit dem Problem um: In allen Provinzen werden Methadon-Programme angeboten, auch in den Gefängnissen. Spritzen und Nadeln werden ausgetauscht. Und überall stehen Kondome unentgeltlich zur Verfügung. Ich wünschte, alle Länder der Region wären dazu bereit.“

    ondamaris vom 3. Dezember 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Südafrika: Umorientierung in der Aids-Politik

    Pretoria – Ärzte und Patienten in Südafrika haben mit Erleichterung auf Ankündigungen des südafrikanischen Gesundheitsministeriums reagiert, wonach das Land mit einer der weltweit höchsten Anzahl HIV-infizierter Patienten in Zukunft „neue Wege im Kampf gegen die Immunschwäche“ gehen wird. Anstatt wie bisher den Kopf in den Sand zu stecken und einen Zusammenhang zwischen HIV-Infektionen und Aids zu bestreiten, werde Südafrika zukünftig „mit internationalen Hilfsorganisationen zusammenarbeiten“, um Patientenleben zu retten, hieß es aus Regierungskreisen in Pretoria.

    Bislang sind in Südafrika laut Schätzungen der US-amerikanischen Havard Universität „mehr als 2,5 Millionen Patienten an Aids gestorben“. Täglich kommen schätzungsweise rund 600 neue Aids-Tote hinzu. Der ehemalige Regierungschef Thabo Mbeki hatte einen Zusammenhang zwischen HIV-Infektionen und AIDS bestritten. Stattdessen hatte Mbekis Gesundheitsminister Manto Tshabalala-Msimang Ärzte und Patienten aufgefordert, Pflanzensäfte zu trinken und sich traditionellen Geisterheilern anzuvertrauen. Kombinationstherapie war nach Ansicht der Regierung Mbeki der falsche Ansatz. Das kostete nach Ansicht ärztlicher Berufsverbände rund 365.000 Patienten zusätzlich das Leben, die mit Kombinationstherapie heute hätten noch leben können. Seit dem Regierungswechsel im September 2008 zeichnet sich jetzt eine Umorientierung an. In Südafrika, das mit rund 5,5 Millionen Infizierten die weltweit höchste HIV-Rate hat, beendete die Regierung am Montag demonstrativ ihre bisherige Strategie des Verschweigens und Verharmlosens. Gesundheitsministerin Barbara Hogan rief die Bevölkerung auf, traditionelle Bedenken zu überwinden und sich freiwillig auf HIV testen zu lassen. Nur gemeinsam lasse sich der Kampf gegen Aids gewinnen, sagte Hogan.

    Krankenhäuser erhalten Geld, um Kombinationspräparate zu beschaffen und seropositive Patienten damit zu therapieren. Kürzlich versprach Großbritannien Südafrika umgerechnet rund 18 Millionen Euro Finanzhilfe, um das neue Kombitherapie-Programm der Regierung zu unterstützen. Mit dem Geld sollen unter anderem Arzneimittel gekauft und Präventivmaßnahmen finanziert werden.

    Ärzte Zeitung vom 1. Dezember 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Bericht zur 9. Glasgow HIV Konferenz

    von Pietro Vernazza

    Es ist geschafft! Der Bericht vom 9. International Congress on Drug Therapy in HIV Infektion, der vom 9.-13. November in Glasgow stattgefunden hat, ist nun online für Sie verfügbar.

    Download hier klicken.

    Infektiologie St. Gallen vom 1. Dezember 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Restrisiken maximal wie bei Safer Sex

    Positionspapier der Aids-Hilfe Hessen zu EKAF
    Im Folgenden als Dokumentation ein “Positionspapier der AIDS-Hilfe Hessen zur Veröffentlichung der Eidgenössischen Kommission für Aids-Fragen (EKAF)” [ siehe 'keine Infektiosität bei erfolgreicher HIV- Therapie ohne andere STDs'] vom 30. Januar 2008

    HIV-Infektiosität unter einer stabilen und wirksamen antiretroviralen Therapie (sART)
    Positionspapier der AIDS-Hilfe Hessen zur Veröffentlichung der Eidgenössischen Kommission für Aids-Fragen (EKAF) vom 30. Januar 2008

    Vorbemerkung:
    In Deutschland wird derzeit darüber diskutiert, wie mit den Empfehlungen der Eidgenössischen Kommission für Aids-Fragen (EKAF) zur Beratung gut behandelter HIV-infizierter Menschen umgegangen werden soll. Die EKAF ist das höchste Beratergremium der Schweizer Regierung zu HIV und Aids. Sie setzt sich zusammen aus VertreterInnen der Wissenschaft und den wesentlichen Akteuren der HIV-Prävention. In ihrer Bedeutung ist sie vergleichbar mit dem Deutschen Nationalen Aids-Beirat der Deutschen Bundesregierung. Die Empfehlungen wurden einstimmig verabschiedet und am 30.01.2008 veröffentlicht.

    Auf Grundlage des aktuellen Standes der Diskussion gehen wir davon aus, dass die Grundaussage des EKAF-Papieres breite fachliche Unterstützung findet.

    Die Kontroverse fokussiert aus unserer Sicht eher die Frage, ob die Aussagen der EKAF veröffentlicht werden sollten und welche Folgen dies für die Prävention von HIV-Neuinfektionen haben würde. Im Einklang mit unseren Leitbildern lehnen wir es ab, der Öffentlichkeit Informationen vorzuenthalten oder Informationen interessengeleitet zu entstellen, auch nicht aus präventionstaktischem Kalkül. Insbesondere das Unterdrücken neuer Erkenntnisse hinsichtlich der Übertragungswege und der Infektiosität von HIV ist in keinem Fall ein legitimes Mittel zur Erfüllung irgendeines Zwecks.

    Position
    Trotz aller Bedenken, die hinsichtlich möglicher Restrisiken in die Diskussion gebracht werden, besteht unserer Kenntnis nach Einigkeit darüber, dass die Restrisiken maximal denen von Safer Sex entsprechen. Da ein weitgehender Konsens in der Fachöffentlichkeit besteht, Safer Sex (unter Verwendung von Kondomen) zu empfehlen, und wir dies - nicht ohne den Hinweis auf Restrisiken - schon immer tun, schließen wir uns der Aussage der EKAF im Grundsatz an.

    Wir leiten daraus die folgende Formulierung ab:

    „Wer seit mindestens 6 Monaten eine Viruslast unter der Nachweisgrenze hat, die Therapie konsequent durchführt und keine anderen symptomatischen STIs hat, überträgt HIV bei Kondomverzicht mit einer Wahrscheinlichkeit, die der von Safer Sex (unter Verwendung von Kondomen) ohne diese Voraussetzungen entspricht.“

    Die in letzter Zeit zunehmende Fokussierung von Risikowahrnehmung und Verantwortung auf Menschen, die von ihrer Infektion wissen, halten wir präventionslogisch für kontraproduktiv. Sie ist falsch angesichts der Erkenntnis, dass Neuinfektionen nicht nur überwiegend von Menschen ausgehen, die von ihrer Infektion nicht wissen, sondern dies vor allem dann geschieht, wenn sich die Träger des Virus gerade selbst erst infiziert haben, und sich somit noch in der Phase der Primärinfektion befinden.

    Wir begrüßen, dass eine Aussage, die von vielen Experten seit längerem außerhalb der Öffentlichkeit getroffen wird, nun die Öffentlichkeit erreicht hat.

    Wir gehen davon aus,dass die Veröffentlichung der EKAF einen wichtigen Beitrag dazu leistet,
     

    • den Wandel des Selbstbildes von Betroffenen zu befördern;
    • eine Normalisierung der gesellschaftlichen Wahrnehmung von HIV/AIDS zu befördern;
    • einen den Realitäten angemessenen Blick auf Übertragungsmöglichkeiten und -wahrscheinlichkeiten zu eröffnen, und so den Abbau von Fehleinschätzungen und daraus resultierenden Ängsten zu befördern;
    • Aushandlungsprozesse in Beziehungen, auch im Hinblick auf Schwangerschaft und Kinderwunsch zu erleichtern;
    • von Infektionsängsten unbelastete sexuelle Begegnungen zu ermöglichen, und selbst bei Safer Sex-Unfällen Ängste abzubauen. In diesem Zusammenhang erwarten wir zudem einen Bedeutungsverlust der PEP.
    • die Angst vor einem positiven HIV-AK-Test mit den daraus resultierenden Folgen abzubauen und so die Motivation zum Test zu stärken (mit den daraus resultierenden Vorteilen für die Sekundärprävention);
    • ein gelingendes individuelles Risikomanagement zu realisieren,
    • indem zum einen Schutzillusionen abgebaut werden (hierzu zählen wir neben dem negativen Serosorting vor allem die Identifikation von Orten/Settings und Partnern, die als „sicher“ phantasiertwerden, was einer fehlgeleiteten subjektiven Sicherheitsvorstellung gleichkommt), und
    • indem zum anderen das Bewusstsein für die Bedeutung der Prävalenz von HIV und anderen STIs bei MSM geschärft wird;
    • unsere Präventionsstrategien weiterzuentwickeln, u.a. auch durch die Festigung bestehender Standards, wie die Stärkung von Selbstbestimmungsprozessen, die Berücksichtigung von Lebensqualität und die Orientierung an der gelebten Wirklichkeit;
    • die Rechtsprechungspraxis zu verändern.


    Implikationen für die Beratungsarbeit und die Prävention
    Die hessischen Aidshilfen verfolgen in ihrer Beratungsarbeit als ein wesentliches Ziel “die Wiederherstellung, Wahrung und Erweiterung der persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten” und “die Ausweitung des Handlungsfeldes und der Handlungsalternativen” der Beratungssuchenden (Leitlinien zur psychosozialen Beratungsarbeit).

    In diesem Sinne unterstützen wir Ratsuchende, auf die die von der EKAF benannten Voraussetzungen zutreffen, in ihrer Auseinandersetzung mit der Frage, in wie weit eingeübte (negative) Selbstbilder angesichts die Neubewertung, die durch Veröffentlichung der EKAF vorgenommen wird, überdacht werden müssen. Wir zielen dabei darauf ab, die entlastenden Aspekte dieser Aussagen wirksam werden zu lassen.

    Wir sind uns jedoch auch der Tatsache bewusst, dass die Aussagen der EKAF nicht ausschließlich eine Entlastung darstellen, denn für die Betroffenen wird die Auseinandersetzung mit der eigenen Infektiosität komplexer.Wir gehen davon aus, dass die Wahrnehmung der Veränderungen in der Viruslast für die betroffenen KlientInnen an Bedeutung gewinnt. In unserer Beratungsarbeit müssen wir uns folglich den medizinischen und psychosozialen Herausforderungen stellen, die durch ein intensiviertes “Therapie-Monitoring” entstehen können. Um den hieraus resultierenden Beratungsbedarfen gerecht werden zu können, aktualisieren wir fortwährend unser medizinisches Fachwissen und setzen uns bei unserem Bundesverband dafür ein, dass entsprechende Fortbildungsmaßnahmen angeboten und Informationsangebote bereitgestellt werden.

    Darüber hinaus unterstützen wir Ratsuchende in ihren Bemühungen, die veränderte wissenschaftliche Bewertung der Infektiosität unter einer wirksamen ART in das eigene Risikomanagement zu integrieren. Auch in dieser Frage schreiben wir gemäß unserem Leitbild niemandem Antworten und Lösungen vor, sondern arbeiten ergebnisoffen. Wir enthalten niemandem Informationen vor und stellen Transparenz her sowohl im Hinblick auf unterschiedliche wissenschaftliche Bewertungen als auch im Hinblick auf unsere eigenen Ziele und Haltungen als BeraterInnen und die fachlichen Diskurse, die diese beeinflussen.

    Diese Haltung in der Beratung entspricht der unserer Präventionsarbeit. Wir stellen uns den Herausforderungen, die aus der zunehmenden Individualisierung der Präventionsstrategien erwachsen sind und bieten unsere Unterstützung in der Gestaltung eines gelingenden Risikomanagements an. Wir bieten Anlass und Informationen, um die individuellen Strategien zu hinterfragen und abzusichern und fördern die individuelle Auseinandersetzung mit Wünschen, Phantasien und Sehnsüchten sowie die Bereitschaft, diese zu kommunizieren. Hierdurch fördern wir die Bereitschaft zur Übernahme von Eigenverantwortung. Gegenüber der Politik und unseren Finanzgebern fordern wir die Unterstützung ein, die für den Ausbau und die Weiterentwicklung unserer personalkommunikativen Angebote notwendig ist.

    Verabschiedet auf demVerbandstag der AIDS-Hilfe Hessen am 12.11.2008

    Das Positionspapier der Aids-Hilfe Hessen steht auf deren Internetseiten auch als Download (pdf) zur Verfügung.

    Aids-Hilfe Hessen, November 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Täglich sterben weltweit 800 Kinder an den Folgen von AIDS

    Neuer UNICEF-Bericht und Bilanz der Kampagne „Du und ich gegen AIDS“ / Tests und Behandlung für Neugeborene können Überlebenschancen um 75 Prozent erhöhen

    Bonn/Köln - Vor dem Welt-Aids-Tag am 1. Dezember ruft UNICEF dazu auf, mehr Test- und Behandlungsmöglichkeiten für von HIV und AIDS bedrohte Neugeborene in Entwicklungsländern zu schaffen. „Jedes zweite Kind, das mit dem Virus geboren wird, stirbt vor seinem zweiten Geburtstag, wenn es keine medizinische Hilfe erhält. Die Überlebenschancen dieser Kinder steigen um 75 Prozent, wenn sie innerhalb der ersten drei Monate medizinisch behandelt werden“, sagte der Leiter der UNICEF-AIDS-Programme im östlichen und südlichen Afrika David Alnwick bei der Vorstellung einer Bilanz der weltweiten UNICEF-Kampagne gegen AIDS in Berlin.

    Täglich sterben rund 800 Kinder an den Folgen von AIDS. Weniger als zehn Prozent der Neugeborenen, deren Mütter HIV-positiv sind, werden auf HIV getestet. Erste Ergebnisse einer neuen UNICEF-Bestandsaufnahme zeigen aber auch Fortschritte bei der Versorgung der von HIV und AIDS betroffenen Kinder in Entwicklungsländern. So erhalten heute deutlich mehr Mädchen und Jungen Medikamente und Behandlung als noch vor drei Jahren. Bessere und preiswertere Medikamente für Kinder und neue Testmethoden stehen zur Verfügung.

    „Beim weltweiten Kampf gegen AIDS wurden Kinder zu lange vergessen. Zwei Millionen Kinder weltweit leben mit HIV - und jedes einzelne von ihnen hat ein Recht auf medizinische Behandlung“, sagte die stellvertretende UNICEF-Vorsitzende Ann Kathrin Linsenhoff. 722.095 Menschen in Deutschland haben die Forderungen von UNICEF nach mehr Schutz und medizinischer Hilfe für von HIV/AIDS betroffene Kinder mit ihrer Unterschrift unterstützt. Damit ist die im November 2005 gestartete Kampagne „Du und ich gegen AIDS“ die größte, die UNICEF in Deutschland jemals durchgeführt hat. Die Bundesbürger spendeten dabei mehr als 11 Millionen Euro für UNICEF-Hilfsprogramme in zwölf Ländern.

    Der neue UNICEF-Bericht „Kinder und AIDS“ - erste Ergebnisse
    Die dritte UNICEF-Bestandsaufnahme im Rahmen der weltweiten Kampagne zu Kindern und AIDS zeigt, dass es insbesondere an Test- und Behandlungsmöglichkeiten für schwangere Frauen und Neugeborene fehlt. Zwar werden in Ländern wie Malawi, Mosambik oder Sambia vermehrt moderne und einfach zu handhabende Testverfahren erfolgreich eingesetzt. Trotzdem hatten 2007 nur 18 Prozent der Schwangeren in Entwicklungsländern die Möglichkeit, sich vor der Entbindung auf HIV testen zu lassen. Weniger als zehn Prozent der Neugeborenen, deren Mütter HIV-positiv sind, wurden auf HIV getestet. Kinder, die sich im Mutterleib mit HIV angesteckt haben, sind im Schnitt bereits zwischen fünf und neun Jahren alt, bevor sie erstmals medizinisch behandelt werden.

    Der UNICEF-Bericht dokumentiert aber auch klare Fortschritte. Die Zahl der HIV-infizierten Kinder, die mit Viren hemmenden Medikamenten versorgt werden, ist seit 2005 um mehr als 150 Prozent gestiegen. Fast 200.000 Mädchen und Jungen in Entwicklungsländern werden jetzt medizinisch versorgt. Verbesserungen verzeichnet der Bericht auch bei der Vorbeugung der Übertragung von der Mutter auf ihr Kind. Im Jahr 2004 erhielten nur schätzungsweise zehn Prozent der HIV-infizierten Schwangeren in Entwicklungsländern eine Prophylaxe mit antiretroviralen Medikamenten. Im Jahr 2007 waren es 33 Prozent. Im südlichen Afrika, wo 90 Prozent der HIV-positiven Kinder leben, hatten 2007 sogar 43 Prozent der HIV-infizierten Schwangeren Zugang zu Medikamenten und entsprechender Beratung.

    Fakten zu Kindern und AIDS

    Zwischen 2005 und 2007 sind mehr als 1,2 Millionen Kinder unter 15 Jahren an den Folgen von AIDS gestorben, davon 290.000 im vergangenen Jahr. 370.000 Kinder wurden in 2007 neu infiziert. 90 Prozent aller infizierten Kinder stecken sich bei der Geburt oder beim Stillen an.
    15 Millionen Kinder hat die Epidemie schon zu Waisen gemacht – genauso viele Kinder, wie in ganz Deutschland leben.
    Täglich infizieren sich etwa 3.000 junge Menschen mit HIV. Der neue UNICEF-Bericht stellt fest, dass 45 Prozent aller Neuinfektionen 16- bis 24-Jährige betreffen.

    Den englischsprachigen UNICEF-Bericht „Children and AIDS – Third Stocktaking Report“ erhalten Sie ab dem 1.12. auch im Internet unter http://www.unicef.de.

    UNICEF - Pressemeldung vom 28. November 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zahl der AIDS-Toten in Deutschland tendenziell rückläufig

    Wiesbaden - Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) zum Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember mitteilt, starben in Deutschland nach den Ergebnissen der Todesursachenstatistik im Jahr 2007 insgesamt 461 Personen an der durch HIV verursachten Erkrankung AIDS. Im Vergleich zum Vorjahr (504 Personen) ist die Zahl der AIDS-Toten damit weiter rückläufig.

    Aufgrund neuester Wirkstoffe und des Einsatzes von Kombinationstherapien (mehrere Medikamente) konnte die Lebenserwartung der HIV-Infizierten weiter erhöht werden. Das Sterbealter lag 2007 bei 50,0 Jahren, wobei Frauen im Schnitt 49,4 Jahre und Männer 50,1 Jahre alt wurden. 1997 lag das Sterbealter noch bei 42 Jahren.

    Betroffen waren insbesondere Menschen zwischen 25 und 65 Jahren: Von den insgesamt 461 an AIDS verstorbenen Personen waren 85,7% in diesem Alter, wobei die Gruppe der 40- bis unter 45-Jährigen den größten Anteil ausmachte (21%). 81% der Verstorbenen waren männlich.

    Im Jahr 2007 wurden bundesweit 1.822 an AIDS erkrankte Patientinnen und Patienten im Krankenhaus behandelt und entlassen. 89% dieser Patientinnen und Patienten waren zwischen 25 und 65 Jahre alt. Auch hier war die Altersgruppe der 40- bis 45-Jährigen am stärksten vertreten (23%).

    Verglichen mit dem Jahr 2000 ist die Zahl der in den Krankenhäusern versorgten HIV-Erkrankten um 4.090 Personen zurückgegangen. Dies entspricht einem Rückgang um fast 70%.

    Im Gegenzug ist jedoch die Zahl der Neuerkrankungen im Vergleich zum Vorjahr um 100 Fälle auf circa 2 800 HIV-Neuinfektionen im Jahr 2007 angestiegen. Dies zeigen die Daten zu den Neuerkrankungen des Robert-Koch-Instituts (AIDS-Fallregister). Insgesamt leben derzeit in Deutschland circa 59.000 Menschen, die an AIDS erkrankt sind. Seit Beginn des ersten dokumentierten Falls in Deutschland im Jahre 1982 wird die Anzahl der an AIDS-Erkrankten auf circa 86.000 geschätzt, von denen bisher circa 27.000 Personen verstorben sind.

    Weltweit schätzte UNAIDS, das Gemeinsame Programm der Vereinten Nationen zu HIV/AIDS, die Zahl der 2007 an AIDS Verstorbenen auf etwa 2 Millionen (Erwachsene und Kinder). Mit dem Virus infiziert waren schätzungsweise 33 Millionen bei 2,7 Millionen Neuinfektionen im Jahr 2007.

    Am schwersten von der Epidemie betroffen ist nach wie vor Afrika. 1,5 Millionen oder 75% der weltweit geschätzten Todesfälle entfielen 2007 allein auf die afrikanischen Länder südlich der Sahara. 22 Millionen oder 67% aller weltweit HIV-infizierten Erwachsenen und Kinder lebten dort. Die Neuinfektionen machten 1,9 Millionen oder 70% der weltweit geschätzten Fälle aus. UNAIDS zufolge trugen im Jahr 2007 in dieser Region rund 5% der erwachsenen Bevölkerung das Virus in sich.

    In West- und Mitteleuropa stellte sich die Lage im internationalen Vergleich weniger schwerwiegend dar. 2007 starben laut UNAIDS 8 000 Menschen an der Immunschwächekrankheit. Die Zahl der Neuinfektionen wurde auf 27.000 Fälle geschätzt. Die Gesamtzahl der HIV-infizierten Erwachsenen und Kinder lag 2007 bei rund 730.000.

    Statistische Bundesamt vom 28. November 2008Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

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