HIV AIDS Infos Online
     

     
      Ausgabe 45
        Jahrgang 14
      Juni 2009
     
     
    Inhaltsverzeichnis Homepage der Praxis


    Vorbemerkung
    Impressum
    Sponsoren
     

         
        Die Online Ausgabe der 
        HIV AIDS INFOS wird von den nachstehenden Firmen unterstützt:



     
     
     
     

    Eine zweite Chance für gefährliche T-Zellen
    Neuer Ansatz gegen HIV
    USA: weiterer Schritt zur Aufhebung des HIV-Einreiseverbots
    In Sachen HIV ist Südafrika noch nicht über den Berg
    Rapider Bevölkerungsrückgang in der Ukraine
    Oralverkehr: “sehr geringes Risiko”
    Mechanismus zur HIV-Eradikation entdeckt
    Erstmalige Verleihung des AAWs-Frauenforschungspreises
    Einheitliche Behandlungsstandards bei HIV/Aids
    Tödliche Grenzen für HIV positive Migranten
    Antivirale Medikation in Schwangerschaft
    Routinetest könnte vielen Kindern das Leben retten
    Schlafende Viren wecken
    Welt-Aids-Konferenz 2012 in Washington?
    Jährliches Bevölkerungsscreening könnte HIV-Epidemie stoppen
    Erste Erfolge im Kampf gegen das Virus in Südafrika
    Kriminalisierung von HIV - aus Angst und Abscheu?
    Perspektiven zur Hemmung von HIV-1
    Auszeichnung für das Nötigste
    ECCMID, Helsinki, 2009
    USA: HIV-Einreiseverbot wird immer noch angewendet
    HCV Therapie bei HIV-Koinfektion - fällt das 48-Wochen-Dogma?
    Gesetz zur Regelversorgung mit Diamorphin
    Kampf gegen Aids im Abschwung
    Antikörperbildung gegen p24 im Mausmodell
    Fixe Dreifach Kombi vereinfacht die Behandlung
    Entwicklung der HIV-Epidemie in Deutschland im Jahr 2008
    Aids ist nicht besiegt - aber Prävention zeigt Erfolge
    HIV/AIDS Kommunikation in Afrika
    Loperamid nicht mehr verordnungsfähig!
    Landkarte zeigt HIV-Ausbreitung in Europa
    Wirkstoff aus Grünem Tee schützt vor HIV-Übertragung aus Samen
    Neuer Schnelltest ermöglicht Nachweis einer akuten HIV-Infektion
    HIV-Infizierte leben fast so lange wie Gesunde
    Deutsche AIDS-Stiftung unterstützt Impfstoffforschung
    Versteckte Aids-Botschaften – demnächst auch bei uns im Fernsehen?
    Rückruf eines nicht zulässigen HIV-Schnelltests
    Großbritannien: Meiste HIV-Neudiagnosen in Westeuropa
    Schweinegrippe und HIV – vorläufige Empfehlungen aus den USA
    Kultur und Kondome: Wie Aids-Prävention funktioniert
    “Man merkt ihr die Krankheit nicht an”
    Hoffnung auf neue AIDS-Politik für Afrika
    Fast 20.000 HIV-Infizierte im Iran
    Wege für die Entwicklung eines Aids-Impfstoffs
    Auch Deutsche AIDS-Hilfe zieht Beteiligung am SÖDAK zurück
    Obama ernennt Professor zum Aids-Koordinator
    Lebertransplantation: HIV-Infizierte haben vergleichbare Überlebensrate
    DAIG zur Frage der Infektiosität unter HIV-Therapie
    HIV-Therapie ein wichtiges Element des Risikomanagements
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Vorbemerkung

    Die HIV AIDS Infos sind eine Zusammenstellung aus Internetquellen, Mail- und Newsgroups und erstreckt sich jeweils über einen Zeitraum von ca. drei bis vier Monaten. Die einzelnen Artikel sind mit einem Link auf die Orginalartikel versehen und chronologisch geordnet.
    Es wird auf diese Weise schnell über neue Entwicklungen und Änderungen in den Bereichen Epidemiologie, medizinischer Behandlung, ambulanter Pflege und psychosozialer Beratung bei HIV-Infektion und AIDS-Erkrankung informiert. Die HIV AIDS Infos erscheinen in regelmäßigen Abständen und informieren interdisziplinär über Änderungen und Neuerungen auf dem Gebiet von HIV und AIDS.
     
     
     

    Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Eine zweite Chance für gefährliche T-Zellen

    Ein Team unter der Leitung des LMU-Immunologen Professor Ludger Klein konnte jetzt zeigen, dass für das weitere Schicksal einer autoreaktiven T-Zelle deren Entwicklungsstadium eine entscheidende Rolle spielt.

    Junge autoreaktive T-Zellen können sehr einfach zu regulatorischen T-Zellen umerzogen werden. Unter identischen Bedingungen werden ältere Zellen dagegen voll aktiviert und könnten Schaden anrichten - sie sind gewissermaßen erziehungsresistent. "Wir wollen jetzt auf molekularer Ebene untersuchen, was eine T-Zelle zugänglich für die Umerziehung macht", sagt Klein. "Denn dann wäre es möglich, auch normale erwachsene T-Zellen umzuwandeln, die einfach und in großer Zahl aus dem Blut gewonnen werden können. Als regulatorische T-Zellen könnten sie dann in der Therapie von Autoimmunerkrankungen wie etwa Typ1-Diabetes und Multiple Sklerose zum Einsatz kommen: Diese Leiden werden durch unkontrollierte autoreaktive T-Zellen ausgelöst." (PNAS, 10. Juni 2009)

    Während ihrer Entwicklung in der Thymusdrüse, einer Art "T-Zellen-Schule", wird jede T-Zelle mit einem individuellen Rezeptor ausgestattet. Diese Rezeptorvielfalt erlaubt es dem Immunsystem, auf nahezu jeden Krankheitserreger reagieren zu können. Da die Konstruktion der T-Zellen-Rezeptoren nach dem Zufallsprinzip erfolgt, entstehen im Thymus allerdings immer auch T-Zellen, die auf körpereigene Strukturen reagieren und diese attackieren. "Die meisten dieser gefährlichen autoreaktiven T-Zellen werden allerdings in einem Ausleseverfahren aussortiert, bevor sie den Thymus verlassen können", berichtet Klein. "Diese negative Selektion, also die Elimination autoreaktiver T-Zellen, die sonst den eigenen Organismus angreifen würden, ist eine wichtige Voraussetzung für die immunologische Toleranz."

    Es werden aber nicht alle autoreaktiven T-Zellen in den Zelltod getrieben. Einige von ihnen werden "umerzogen" zu sogenannten regulatorischen T-Zellen. Sie besitzen dann zwar immer noch einen T-Zellen-Rezeptor, der gegen körpereigene Strukturen gerichtet ist. Sie wurden während ihrer Entwicklung im Thymus aber so umprogrammiert, dass sie keinen Schaden mehr anrichten können. "Ganz im Gegenteil", meint Klein. "Sie halten sogar andere, aus dem Ruder gelaufene T-Zellen in ihrer Nachbarschaft unter Kontrolle. Damit sind die Mechanismen der Entstehung regulatorischer T-Zellen von großem praktischem Interesse. Die Entschlüsselung dieser Prozesse könnte zu neuen Therapieansätzen bei Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose, rheumatische Arthritis und Typ1-Diabetes führen, die durch autoreaktive T-Zellen ausgelöst werden."

    Klein und seine Mitarbeiter beschäftigten sich in einer Studie mit einigen ungeklärten Aspekten der regulatorischen T-Zellen: Wie können sowohl die negative Selektion, also der induzierte Zelltod, als auch die Umprogrammierung zu regulatorischen T-Zellen in der Thymusdrüse und damit am selben Ort stattfinden? Warum treibt der scheinbar selbe Auslöser manche Zellen in den "Selbstmord", während er bei anderen einen "Umerziehungsprozess" auslöst? "Eine unter Immunologen weit verbreitete Hypothese zur Beantwortung dieser Fragen beruht darauf, dass T-Zellen ihre Zielstrukturen nur erkennen können, wenn diese von bestimmten anderen Immunzellen präsentiert werden", sagt Klein. "Da es im Thymus verschiedene Unterarten solcher antigen-präsentierenden Zellen gibt, haben wir getestet, ob ein Teil davon möglicherweise darauf spezialisiert ist, das eine oder andere T-Zellen-Schicksal zu steuern - mit negativem Ergebnis."

    Stattdessen stellte sich heraus, dass das Entwicklungsstadium - gewissermaßen das "Alter" - der T-Zellen eine entscheidende Rolle spielt. Selbst im Reagenzglas ließ sich dies beobachten: Junge T-Zellen können sehr gut in regulatorische T-Zellen umerzogen werden, während ältere T-Zellen unter identischen Bedingungen weitgehend "erziehungsresistent" sind. "Für uns ist entscheidend, diese 'Erziehbarkeit" auf molekularer Ebene zu verstehen", meint Klein. "Denn dann könnten wir möglicherweise auch erwachsene, nicht-autoreaktive T-Zellen entsprechend manipulieren, die man ja zu Millionen aus dem Blut von Patienten gewinnen kann. Junge T-Zellen sind dagegen nur im Thymus vorhanden. Wir werden jetzt untersuchen, ob es sowohl für die negative Selektion als auch für die Umprogrammierung in regulatorische T-Zellen im Leben einer jungen T-Zelle spezielle Zeitfenster gibt. Außerdem versuchen wir, die molekularen Schalter innerhalb der T-Zellen zu entschlüsseln, die diese zellautonome Umschaltung als Antwort auf externe Signale steuert."

    Web: http://immuno.web.med.uni-muenchen.de/research/ag_klein/index.html

    Quelle: PNAS Early Edition, 10. Juni 2009 (doi: 10.1073/pnas.0901877106) 

    MedAustria, Juni 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neuer Ansatz gegen HIV

    Viren verstecken sich in zwei Typen von Immunzellen.

    London - Bei HIV-Patienten könnte die Kombination der bisherigen antiviralen Behandlung mit einer speziellen Chemotherapie möglicherweise zum vollständigen Abtöten aller Erreger führen. Hinweise darauf liefert die Entdeckung eines kanadisch-amerikanischen Forscherteams.

    Versteck

    Die seit den 1990er Jahren gängige antivirale Therapie hat die Prognose von HIV-Patienten deutlich gebessert. Zwar können die Medikamente die Viruslast im Körper bis unter die Nachweisgrenze senken, aber sie tötet nicht sämtliche Erreger. Wissenschafter der Universität Montreal wiesen nun nach, dass sich die Viren in zwei Typen von Immunzellen, den sogenannten Gedächtnis-T-Zellen verstecken und so der antiviralen Therapie entgehen.

    Und in diesen Zellen ändern die Erreger auch ihre Vermehrung. Hier reproduzieren sie sich durch die Teilung der T-Zellen. Ließe sich diese Zellteilung mit einer Chemotherapie verhindern, schrieben die Forscher im Fachjournal "Nature Medicine", so könnten auch diese verbleibenden Erreger abgetötet werden.

    Vorgeschlagene Therapie

    "Wir schlagen den Einsatz von Medikamenten vor, die auf die virale Vermehrung von HIV im Körper abzielen, in Kombination mit Präparaten, die die infizierten Gedächtnis-T-Zellen von der Teilung abhalten", sagt Rafick-Pierre Sékaly. "Indem wir die Krankheit auf diesen beiden unterschiedlichen Wegen gleichzeitig über einen längeren Zeitraum angreifen, können wir die HIV-Vorkommen eliminieren, die derzeit im Körper überdauern, und einen Menschen ohne Krankheit hinterlassen." Die Forscher räumen aber ein, dass zur Entwicklung dieses Vorgehens noch etliche Jahre vergehen dürften.

    Abstract
    Nature Medicine: HIV reservoir size and persistence are driven by T cell survival and homeostatic proliferation

    Der Standard vom 27. Juni 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren


     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    USA: weiterer Schritt zur Aufhebung des HIV-Einreiseverbots

    Die US-Regierung hat einen weiteren Schritt zur Aufhebung des Einreiseverbots für HIV-Positive unternommen: aus einem am Freitag veröffentlichten Hinweis lässt sich schließen, dass HIV von der Liste der übertragbaren Krankheiten gestrichen werden könnte. Seit 1987 besteht es, das Einreiseverbot für HIV-Positive in den USA - und wird, auch wenn formell seit einer entsprechenden Anordnung des früheren US-Präsidenten Bush aufgehoben, bisher weiterhin angewandt.

    Doch nun zeichnen sich erste Schritte der Obama-Regierung ab, das HIV-Einreiseverbot auch de facto abzuschaffen: am 26.06.2009 wurde eine Notiz “Removal of HIV Infection as a Communicable Disease of Public Health Significanc” veröffentlicht. Dies wird als Hinweis gesehen, dass die US-Departments of Health and Human Services HHS demnächst HIV von derjenigen Liste der übertragbaren Krankheiten streichen könnten, die bisher de facto das Einreiseverbot aufrechterhält.

    Bisher handelt es sich nur um einen ersten Hinweis. Erst im Verlauf der kommenden Woche wird die tatsächliche Verwaltungsanweisung erwartet. Erst dann kann geprüft werden, ob tatsächlich HIV von der für die Einreiseerlaubnis bedeutenden Liste gestrichen wird.

    Auch eine entsprechende Verwaltungsanordnung des HHS bedeutet dann keine sofortige Abschaffung des HIV-Einreiseverbots der USA. Nach der Publikation läuft eine 45tägige Frist, in der die Öffentlichkeit Stellung nehmen kann. Nach einer Überarbeitung läuft eine weitere 30- bis 60-tägige Publikations-Frist, bis die Anordnung in Kraft treten könnte.

    Mit einer tatsächlichen Aufhebung des Einreiseverbots in der Praxis wäre also - wenn die derzeitigen Hinwiese zutreffen sollten - frühestens im September oder Oktober 2009 zu rechnen. Erst jüngst hatte die International Aids Society angekündigt, dass nach einer Aufhebung des HIV-Einreiseverbots die Welt-Aids-Konferenz 2012 in Washington stattfinden könnte.

    Die jetzige Veröffentlichung bedeutet noch nicht, dass das HIV-Einreiseverbot nicht mehr angewandt wird. Bisher wird bei der Einreise - auch bei der online Erklärung ESTA- weiterhin nach HIV gefragt. HIV-Positive, die in die USA reisen, sollten sich weiterhin aktuell informieren.

    Weitere Informationen:
    RegInfo.gov: OIRA Conclusion of EO 12866 Regulatory Review 
    advocate 26.06.2009: HIV Travel Ban to Be Lifted.

    ondamaris vom 27. Juni 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    In Sachen HIV ist Südafrika noch nicht über den Berg

    Neuer Bericht des Human Sciences Research Council – Stabilisierung der Krise.

    In keinem andern Land leben so viele HIV-Positive wie in Südafrika – 5,2 Millionen. Nach wie vor zehrt die Epidemie an der sozialen und wirtschaftlichen Substanz des Landes. Ein neuer Bericht deutet auf eine Stabilisierung, aber noch nicht auf die Überwindung der Krise hin.

    In Südafrika hat dieser Tage der Rat für sozialwissenschaftliche Forschung (Human Sciences Research Council, HSRC) seine dritte große Untersuchung zur Verbreitung des Human Immunodeficiency Virus (HIV) vorgelegt. Sie kombiniert die Resultate von Fingerstich-Bluttests mit den Ergebnissen einer repräsentativen Umfrage, welche Verhaltens- und Denkweisen rund um Sexualität, Aids und Aufklärungskampagnen zu erfassen suchte. Über 20 000 Personen standen den Mitarbeitern des HSRC Rede und Antwort, und über 15 000 von ihnen erklärten sich darüber hinaus bereit, eine Blutprobe abzugeben. Nachdem bereits 2002 und 2005 vergleichbare Studien gemacht worden waren, erlaubt die neue Untersuchung – die dazu notwendigen Umfragen wurden 2008 durchgeführt – einen Einblick in den Verlauf der HIV-Epidemie in den letzten sechs Jahren. Zudem ermöglicht sie ein Urteil über den Erfolg der bisherigen Bemühungen, die Epidemie in den Griff zu bekommen. 5,2 Millionen der 49 Millionen Einwohner Südafrikas sind HIV-Träger.

    Einige Lichtblicke

    War der Anteil der HIV-Träger an allen Altersgruppen mit Ausnahme der weniger als 2 Jahre alten Kinder für 2002 noch mit 11,4 Prozent angegeben worden, so errechnete der HSRC für 2008 einen nur geringfügig niedrigeren Anteil von 10,9 Prozent. In der Altersgruppe der 15- bis 49-Jährigen war dagegen eine Zunahme zu verzeichnen, von 15,6 Prozent im Jahr 2002 auf 16,9 Prozent im letzten Jahr. Mit andern Worten: Jeder sechste erwachsene Südafrikaner ist mit dem HI-Virus infiziert. Der HSRC tut sich schwer damit, diesen Trend eindeutig zu interpretieren. Er hält es für wahrscheinlich, dass neben Neuinfektionen auch der vermehrte Einsatz antiretroviraler Medikamente den Kreis der HIV-Träger vergrößert, denn es gibt weniger Aids-Tote. Antiretrovirale Medikamente verhindern die Vermehrung des Virus, schaffen dieses aber nicht aus der Welt.

    Zu den eindeutigen Lichtblicken der Untersuchung zählt die deutliche Abnahme der HIV-Häufigkeit unter Kindern im Alter von 2 bis 14 Jahren. Hatte 2002 die Infektionsrate in dieser Alterskategorie noch 5,6 Prozent betragen, so reduzierte sie sich 2008 auf 2,5 Prozent. Der HSRC nimmt an, dass diese Abnahme auf die Bemühungen zurückzuführen ist, die Übertragung des Virus von der Mutter aufs Kind zu verhindern. Eine etwas geringere Infektionsrate wurde auch bei den 15- bis 24-Jährigen gemessen (9,3 Prozent im Jahr 2002, 8,7 Prozent 2008). Diese Reduktion sei, meint der HSRC, wahrscheinlich auf den vermehrten Gebrauch des Kondoms in dieser Altersgruppe zurückzuführen. Die Forscher hüten sich aber davor, bereits von einer Trendwende im Kampf gegen die Epidemie bei Jugendlichen zu sprechen. «Ein Gezeitenwechsel bei den Teenagern?» heißt der Untertitel der Studie. Das Fragezeichen ist nicht zu übersehen.

    Eine Familie gründen – ein Risiko

    Die optimistisch stimmenden Befunde der jüngsten Studie stehen im Schatten anderer, düsterer Ergebnisse. Als besonders beunruhigend bezeichnen die Autoren des Forschungsberichts die Beobachtung, dass junge Frauen im Alter von 25 bis 29 Jahren im Vergleich zu gleichaltrigen Männern von einer deutlich höheren Infektionsrate betroffen sind und dass sich an diesem Befund seit 2002 nichts geändert hat. Nach wie vor weist jede dritte Südafrikanerin dieser Alterskategorie HI-Viren in ihrem Blut auf. Bei den Männern ist die Alterskategorie der 30- bis 34-Jährigen am meisten gefährdet; jeder vierte Südafrikaner dieses Alters ist HIV-positiv.

    Was «Betroffenheit» angesichts einer so hohen Infektionsrate konkret bedeutet, klingt in der Bemerkung des HSRC an, Frauen und Männer in den Alterskategorien 25 bis 29 beziehungsweise 30 bis 34 kämen um das Risiko einer HIV-Ansteckung nicht herum, wenn sie eine Familie gründen und Kinder haben wollten. Im Bericht wird verlangt, HIV-negativen Personen beiderlei Geschlechts müsse geholfen werden, unter Vermeidung des hohen Ansteckungsrisikos Kinder zu zeugen und zu gebären. Wie das bewerkstelligt werden kann, darüber schweigen sich die Autoren des Berichts allerdings aus.

    «Problem der Schwarzen»

    Die Gruppierung der Umfrageteilnehmer nach ihrer Hautfarbe mag dem Bekenntnis der Regierungspartei African National Congress zum «nonracialism» widersprechen; aus der Mode geraten ist sie auch im demokratischen Südafrika nicht. So erfährt man, dass 13,6 aller Schwarzen, aber nur 0,3 Prozent der Weißen und der Indischstämmigen HIV-positiv sind. Dieses Ergebnis ist Wasser auf die Mühlen jener Weißen und Indischstämmigen, die HIV und Aids als «Problem der Schwarzen» bezeichnen und sich weigern, an Umfragen teilzunehmen und ihr Blut testen zu lassen. Eine solche Schlussfolgerung scheint von extremer Kurzsichtigkeit geprägt zu sein, ignoriert sie doch völlig, dass es sexuelle Kontakte zwischen Angehörigen verschiedener Bevölkerungsgruppen gibt und selbst schon zu Zeiten gab, da die burischen Nationalisten Sturm dagegen liefen und Ehen über die Rassenschranken hinweg verboten.

    Starke Zunahme des Kondomgebrauchs

    Bei der Diskussion über die Ergebnisse der Umfrage wagen sich die Autoren des Untersuchungsberichts auf das heikle Terrain der Sexualmoral vor. Sie sind der Ansicht, dass ein zu großer Anteil der 15- bis 24-Jährigen zu früh sexuelle Erfahrungen mache. Bei den Mädchen hätten 5,9 Prozent angegeben, bereits vor dem Alter von 15 Jahren sexuell aktiv geworden zu sein, bei den männlichen Teilnehmern 11,3 Prozent. Sexuelle Kontakte in so jungen Jahren könnten gleichgesetzt werden mit einem höheren Ansteckungsrisiko, denn sie seien gekoppelt an häufigeren Geschlechtsverkehr, häufigere Geschlechtskrankheiten, an einen weniger konsistenten Gebrauch des Präservativs und an häufigere Partnerwechsel. Ohne den Begriff «Abstinenz» explizit auszusprechen, tritt der Forschungsrat für Kampagnen ein, die Mädchen zum Zuwarten mit ihren ersten sexuellen Erfahrungen auffordern. Männliche Jugendliche müssten dazu gebracht werden, ihre maskuline Identität anders auszubilden als durch eine verfrühte Aufnahme von Sexualbeziehungen.

    Als besorgniserregend bezeichnet der HSRC auch den Umstand, dass – laut der repräsentativen Umfrage – ein wachsender Prozentsatz junger Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren sexuelle Beziehungen zu Männern unterhält, die fünf oder mehr Jahre älter sind als sie. Die jungen Frauen strebten mit solchen Partnerschaften, gelegentlich auch mit der Billigung der Eltern, eine materielle Besserstellung an, setzten sich dadurch aber auch einem höheren Ansteckungsrisiko aus. Junge Frauen müssten davon abgehalten werden, solche Partnerschaften einzugehen.

    Mit der Propagierung eines schärferen Risikobewusstseins will der HSRC auch die Folgen der Promiskuität bekämpfen, der laut den Umfrageergebnissen die Südsotho in der Freistaat-Provinz besonders stark zuneigen. 10,6 Prozent der in ganz Südafrika Befragten, aber 14,6 Prozent der Umfrageteilnehmer in der Provinz Free State gaben an, während der vergangenen zwölf Monate mehrere Sexualpartner gehabt zu haben. Der Rat für sozialwissenschaftliche Forschung enthält sich jeglicher direkter Werbung für Treue und Monogamie; offensichtlich gibt er der Propagierung von Kondomen den Vorzug gegenüber dem Versuch, die Zahl der Partner zu limitieren. Der Erfolg scheint ihm recht zu geben: Seine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass 2008 sehr viel mehr Südafrikaner, Männer wie Frauen, das Kondom gebrauchten als noch vor drei Jahren.

    Neue Zürcher Zeitung vom 23. Juni 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Rapider Bevölkerungsrückgang in der Ukraine

    Die Bevölkerungszahl der Ukraine geht seit 1989 unentwegt zurück und hat in diesem Jahr die 46 Millionengrenze unterschritten. Wie das ukrainische Staatliche Statistikamt berichtet, hat die Bevölkerungszahl per 1. Januar 2009 insgesamt 45.963.000 betragen. Am 1. Januar 2008 hatte sie noch bei 46.192.000 gelegen. 1989 zählte die Ukraine noch mehr als 52 Millionen Einwohner. Nach Expertenschätzungen kann sich die Einwohnerzahl zum Jahr 2050 auf 30 Millionen verringern.

    Eine der Ursachen für den Bevölkerungsschwund ist die laut der europäischen Norm niedrige Lebenserwartung, vor allem bei Männern. In der Ukraine gibt es bereits um 3,6 Millionen weniger Männer als Frauen.

    Eine weitere Ursache ist die hohe Zahl der an AIDS Verstorbenen. Die HIV-Epidemie in der Ukraine ist die schwerste Europas und eine der am schnellsten wachsenden weltweit. In der Ukraine lebten am 1. Januar 2008 122.674 Menschen, die offiziell als HIV-positiv registriert waren. Nach Schätzungen von UNAIDS/WHO wie auch der ukrainischen Regierung deutet das auf eine Gesamtzahl von etwa 440.000 Infizierten hin. Das entspricht einer Infektionsrate von 1,63 % der Erwachsenenbevölkerung. Zudem steigt die Neuinfektionsrate laut dem Staatlichem AIDS-Zentrum der Ukraine derzeit jährlich um 10 %.

    Schweiz Magazin vom 19. Juni 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Oralverkehr: “sehr geringes Risiko”

    Oralverkehr ist nicht risikofrei, sagen die CDC in einer neuen Publikation. Oralverkehr bedeutet hinsichtlich HIV ein “sehr geringes Risiko”, betont die DAH. “Blasen - raus bevor’s kommt” gelte weiterhin.

    Die us-amerikanischen Centers for Disease Control CDC haben eine neue Stellungnahme zu Oralverkehr und HIV-Risiko herausgegeben. Sie beginnt mit den Worten “Oral Sex Is Not Risk Free” und stellt kurz darauf fest “numerous studies have demonstrated that oral sex can result in the transmission of HIV and other sexually transmitted diseases (STDs)”.

    Oraler Sex könne zu HIV-Übertragung führen, hätten zahlreiche Studien gezeigt, sagt das CDC. Oral-Sex sei eine häufige sexuelle Praktik, ergänzen die CDC.

    Die CDC berufen sich in ihrem aktuellen Paper insbesondere auch auf eine Studie von di Campo. Eine Studie, die er selbst schon unter dem Titel “Oral transmission - reality or fiction?” publiziert hat.

    “Beim Blasen raus bevor’s kommt” - auf diese leicht verständliche Formulierung hat die Deutsche Aids-Hilfe bisher ihre Haltung zu Oralverkehr und HIV-Risiko zusammengefasst.


    Raus bevor's kommt (c) DAH

    Hat sich hieran etwas geändert, etwa durch neue Studiendaten? Nein.

    Armin Schafberger, Medizinreferent der Deutschen Aids-Hilfe, hat die wesentlichen Informationen zu Oralverkehr und HIV-Risiko zusammengefasst:

    Studien im Überblick
    In seiner Literaturstudie (Review) stieß Campo zwar auf Studien, in denen einige HIV-Übertragungen durch Oralsex vorkamen, aber er bezeichnet das Risiko als sehr gering. Er beschreibt unter anderem eine große Studie von del Romero. Dieser untersuchte 135 heterosexuelle diskordante Paare und deren Handlungen bezüglich Oralsex. In den mehr als zehn Jahren Beobachtungszeit waren viele andere Paare ausgeschieden, da sie andere, meist größere Risiken eingegangen waren (etwa durch ungeschützten Analverkehr). Die übrig gebliebenen 135 Paare ergaben 19.000 Expositionen durch oralen Sex (Cunnilingus sowie Fellatio ohne und in circa einem Drittel der Fälle mit Ejakulation), was zu keiner einzigen HIV-Übertragung geführt hatte. Knapp 40 Prozent der HIV-positiven Partner nahmen eine antiretrovirale Therapie ein (1989 bis 2000, also auch vor der hochwirksamen Kombitherapie).

    Es gibt aber auch Einzelfallberichte und einzelne Studien, die Übertragungen durch Oralverkehr belegen, z.B. eine kleine Studie von Dillon mit 120 Personen mit frischen HIV-Infektionen, die zu 6,6 Prozent wahrscheinlich auf Oralverkehr zurückgehen. Damit ist das Risiko bei Oralverkehr bezifferbar, liegt aber immer noch weit hinter anderen Risiken (ungeschützter Anal- oder Vaginalverkehr) zurück.

    Schwierigkeiten der Risikokalkulation
    Warum ist es so schwer, das Risiko für Oralverkehr eindeutig zu bestimmen? Ein Grund liegt darin, dass das niedrige Risiko bei Oralverkehr von dem hohen Risiko bei Vaginal- und Analverkehr überlagert wird (und die meisten Menschen sich nicht nur auf eine Sexualpraktik beschränken). Problematisch ist andererseits, dass in den Studien nicht immer sauber zwischen Oralverkehr mit bzw. ohne Ejakulation unterschieden wird.

    Fazit
    Was schließt man aus der Studienlage? Campo und Kollegen, die in ihrem Literaturreview die wichtigsten zehn Studien zu Oralverkehr zusammenfassen, schlussfolgern, dass das HIV-Übertragungsrisiko durch Oralverkehr „sehr gering“ ist. Die Mundschleimhaut bietet eben doch einen besseren Schutz als Vaginalschleimhaut, Vorhaut oder Darmschleimhaut. Und man sieht, dass Ergebnisse von Studien mit festen (heterosexuellen) Paaren etwas anders ausfallen als Ergebnisse von Studien mit Gelegenheitspartnern. Denn der/dieHIV-positive Partner/in in der Partnerstudie hat die akute Infektion schon hinter sich, wenn das Paar in die Studie eintritt und hat eher keine relevante STD. Denn bei hoher Viruslast durch akute HIV-Infektion, eventuell zusammen mit einem syphilitischen Geschwür, kann auch aus einem sonst geringen Risiko die eine oder andere Übertragung resultieren - eine Situation, die in einer Partnerstudie praktisch nicht vorkommt.

    Insgesamt aber scheint in der Prävention der Oralverkehr im Vergleich zu ungeschütztem Anal- oder Vaginalverkehr eher überbewertet worden zu sein. Die bisherigen Empfehlung „Raus bevor es kommt“ bei Oralverkehr ist weiterhin gültig, HIV-haltige Flüssigkeiten sollten nicht mit Schleimhaut in Kontakt kommen. Der Fokus der Prävention sollte allerdings deutlicher auf der Vermeidung der großen Risiken liegen, also auf den Schutz beim Anal- und Vaginalverkehr.

    Literatur zu den genannten Studien:
    Campo J, Perea MA, del Romero J, Cano J, Hernando V, Bascones A (2006). Oral transmission of HIV. Reality of fiction? An update. Oral Diseases 12: 219 – 228
    del Romero J, Marincovich B, Castilla J et al. (2002). Evaluating the risk of HIV transmission through unprotected orogenital sex. AIDS 16: 1296–1297
    Dillon B, Hecht F.M., Swanson M. (2000). Primary HIV Infections Associated with Oral Transmission. Abstract473. 7th Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections (CROI).”

    Weitere Informationen:
    CDC Juni 2009: Oral Sex and HIV Risk (pdf)

    ondamaris vom 22. Juni 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Mechanismus zur HIV-Eradikation entdeckt

    Zytostatikum kombiniert mit antiretroviraler Therapie

    St. Lucie - Mit einem neuen Verfahren soll es gelingen, HIV aus dem Körper Infizierter zu entfernen. Entwickelt haben die Methode nordamerikanische Wissenschaftler.

    Die Forscher um Dr. Rafick-Pierre Sekaly vom Institut VGTI in St. Lucie in Florida und Kollegen aus Montreal haben zwei Untergruppen von T-Zellen identifiziert, in denen es HIV gelingt, den gängigen antiretroviralen Therapien zu entkommen. Die T-Zellen sind ja Bestandteil des Immunsystems. Durch Infektion dieser Zellen gelingt es HIV, sich vor der antiretroviralen Therapie zu schützen, da es in diesen Zellen nicht wie in anderen repliziert. In diesen Zellen persistiert HIV durch Zellteilung.

    Damit ergebe sich ein neuer Ansatz zur Eradikation von HIV, wenn es gelänge, mit Zytostatika die Teilung infizierter T-Zellen zu verhindern und zusätzlich die Replikation auf herkömmliche Weise verhindert werde, hoffen die Wissenschaftler. Sie haben ihre experimentellen Ergebnisse jetzt online in "Nature Medicine" vorgestellt.

    Abstract der Studie "HIV reservoir size and persistence are driven by T cell survival and homeostatic proliferation"

    Ärzte Zeitung vom 22. Juni 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Erstmalige Verleihung des AAWs-Frauenforschungspreises

    Forschung von Frauen für Frauen.

    St. Gallen - Im Rahmen des SÖDAK 2009 werden zum ersten Mal die von der Sektion AAWs der DAIG und der Ärztinnengruppe 3A ausgeschriebenen Frauenforschungspreise verliehen.

    Ziel der gemeinsamen Initiative der beiden Arbeitsgruppen war, frischen Wind in die Frauenforschung zu bringen und Frauen zu motivieren, ihre wissenschaftlichen Arbeiten und Projekte einem großen Kongresspublikum vorzustellen. Die Verleihung der beiden AAWs-Preise, die jeweils mit einem Preisgeld von 1.000 Euro dotiert sind, erfolgte am Donnerstag, dem 25. Juni 2009.

    Ausgezeichnet wurden Margret Jöchl von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, Wien, für ihre im Rahmen der Österreichischen HIV-Kohortenstudie durchgeführte Analyse „Frauenspezifische Risikofaktoren für „frühe“ und „späte“ HIV-Diagnosen in Österreich“ und Heidrun Nitschke vom Gesundheitsamt der Stadt Köln für ihren Beitrag “Hard to reach oder How to reach – Anonymer HIV-Test für Migrantinnen in unterschiedlichen Settings“.

    „Beide Arbeiten lenken den Blick auf wichtige Problembereiche, die bisher wenig Öffentlichkeit fanden, und bieten Ansätze zu Verbesserung von Test- und Beratungsstrategien“, so AAWs-Sektionsvorsitzende Ulrike Sonnenberg-Schwan.

    Margret Jöchl stellte bei ihrer Analyse Daten aus sechs österreichischen Behandlungszentren fest, dass der Anteil von Patientinnen mit einem fortgeschrittenen Krankheitsbildes bei der HIV-Diagnose signifikant höher ist als bei Männern. Solche „späten“ Diagnosen finden sich häufiger bei Frauen über 40, bei heterosexuellem Übertragungsweg und bei Herkunft aus einem Hochprävalenzgebiet.

    Auch Migrantinnen erfahren häufig erst spät – bei einer fortgeschrittenen Erkrankung oder im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge – von ihrer HIV-Infektion. Heidrun Nitschke verglich unterschiedliche Test- und Beratungssettings für Migrantinnen in der STD/Aids-Beratungsstelle des Gesundheitsamtes Köln und zeigt damit Möglichkeiten zu einer Verbesserung der Angebote auf. So motivierte die Einbettung des HIV-Tests in ein allgemeines Angebot zur sexuellen Gesundheit auch Frauen, die sonst als schwer erreichbar gelten.

    Die Arbeiten wurden aus über 160 von Frauen für den SÖDAK 2009 eingereichten Abstracts ausgewählt. Eine siebenköpfige Jury bewertete über vierzig der von Frauen aus mehreren europäischen Ländern vorgestellten Studien und Projekte aus den Bereichen Medizin, Psychologie, Sozialwissenschaften, Prävention und Community. Voraussetzung war, dass Frauen- oder Genderaspekte im Mittelpunkt standen. Bewertet wurde – wo möglich – auch die Communitybeteiligung, also die Mitwirkung von Frauen mit HIV und  ihrer Netzwerke oder NGOs bei der Planung und Durchführung der Studien und Projekte.

    Die Jury bestand aus Andrea Gingelmaier, Frauenklinik der Ludwig-Maximilian-Universität, München, Heidemarie Kremer, AAWS, Miami/USA, Harriet Langanke, GSSG - Gemeinnützige Stiftung Sexualität und Gesundheit, Köln, Birgit Mumelter, Universitätsklinik für Medizinische Psychologie und Psychotherapie, Innsbruck, Marianne Rademacher, Frauenreferentin der Deutschen Aidshilfe, Berlin, und Gaby Wirz vom Bundesweiten Netzwerk Frauen und Aids, Ludwigshafen, unter dem Vorsitz von Ulrike Sonnenberg-Schwan, Vorsitzende der Sektion AAWs.

    Geplant ist, die Verleihung des AAWs-Forschungspreises in Zukunft jährlich vorzunehmen, um weitere Anreize für die Forschung von, für und mit Frauen zu bieten.

    Deutsche AIDS Gesellschaft e.V. – Pressemeldung vom 25. Juni 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Einheitliche Behandlungsstandards bei HIV/Aids

    Berlin – Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben sich am Mittwoch im Bewertungsausschuss auf bundesweit einheitliche Standards für die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit HIV/Aids geeinigt. Über die Finanzierung wurde ebenfalls eine Einigung erzielt, wie die beiden Organisationen mitteilten.

    Danach wird vom 1. Juli an ein neuer Abschnitt 30.10 für Leistungen der spezialisierten Versorgung HIV-infizierter Patienten in den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) aufgenommen. Darunter fällt unter anderem eine Zusatzpauschale für die qualitätsgesicherte Behandlung von HIV-Patienten in Höhe von 45,50 Euro.

    Wird der Patient mit antiretroviralen Medikamenten behandelt, können als Zuschlag zur Zusatzpauschale noch einmal 30,63 Euro abrechnet werden. Alternativ können zusätzlich zur Zusatzpauschale 61,25 Euro berechnet werden, wenn eine HIV-assoziierte Erkrankung oder eine Koinfektion vorliegt. Allerdings müssen bestimmte Bedingungen wie ein oder mehrere persönliche Kontakte zwischen Arzt und Patient erfüllt sein. Zusatzpauschale und Zuschläge können jeweils einmal im Behandlungsfall abgerechnet werden.

    Voraussetzung dafür, dass ein Arzt die Leistungen dieses Abschnitts zulasten der gesetzlichen Krankenkassen erbringen darf, ist die Genehmigung seiner Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Die KV entscheidet anhand der Qualitätssicherungs-Vereinbarung zur spezialisierten Versorgung von Patienten mit HIV-Infektion, die zeitgleich in Kraft tritt (§ 135 Absatz 2 SGB V).

    „Die Betroffenen haben nun die Sicherheit, dass sie in ganz Deutschland nach einheitlichen hohen Qualitätsstandards versorgt werden“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der KBV, Andreas Köhler. „Das Ergebnis zeigt, dass die gemeinsame Selbstverwaltung funktioniert“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen, Johann-Magnus von Stackelberg.

    Deutsches Ärzteblatt vom 18. Juni 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Tödliche Grenzen für HIV positive Migranten

    Menschenrechte sollen im Zentrum der UNAIDS-Sitzung über Migranten stehen.

    „Diskriminierende Gesetze und Richtlinien, die Flüchtlingen den Zugang zu HIV-Prävention und -Behandlung verwehren, gefährden die weltweiten Fortschritte im Kampf gegen AIDS.“ Joseph Amon, Direktor der Abteilung Gesundheit und Menschenrechte bei Human Rights Watch.

    New York – Internationale Organisationen, Einzelstaaten und Geber weltweit sollen HIV-Prävention und die medizinische Versorgung für Migranten verbessern, so Human Rights Watch in einem heute veröffentlichten Bericht. Dieser erscheint zur Sitzung des UNAIDS-Koordinationsrates am 22. Juni 2009 in Genf.

    Der 22-seitige Bericht „Discrimination, Denial, and Deportation: Human Rights Abuses Affecting Migrants Living with HIV“ beschreibt, wie Diskriminierung und Menschenrechtsverletzungen gegen Flüchtlinge dazu führen, dass Migranten einem erhöhten Risiko einer HIV-Infektion ausgesetzt sind und nur schwer Zugang zu medizinischer Behandlung erhalten.

    „Diskriminierende Gesetze und Richtlinien, die Flüchtlingen den Zugang zu HIV-Prävention und -Behandlung verwehren, gefährden die weltweiten Fortschritte im Kampf gegen AIDS“, so Joseph Amon, Direktor der Abteilung Gesundheit und Menschenrechte bei Human Rights Watch. „Unterbrechungen einer HIV-Behandlung können Medikamente wirkungslos werden lassen, zur Übertragung des Virus und sogar zum Tod des Infizierten führen.“

    Hunderte Millionen Menschen überqueren jedes Jahr eine Grenze. Die Gründe sind vielfältig: Sie reisen, suchen bessere Berufs- oder Bildungschancen, folgen ihrer Familie oder fliehen vor Verfolgung oder Naturkatastrophen. Millionen Menschen migrieren auch innerhalb von Landesgrenzen. Obwohl die meisten Staaten sich zu dem Ziel bekennen, bis 2010 einen allgemeinen Zugang zu Prävention, Behandlung und Betreuung für HIV-Infizierte zu schaffen, haben sie immer noch nicht dafür gesorgt, dass Flüchtlinge und Binnenvertriebene Zugang zu diesen Leistungen haben. Im Gegenteil: Viele Länder haben diskriminierende Gesetze und Richtlinien, die die Einreise und den Aufenthalt von HIV-Infizierten einschränken, und begrenzen den Zugang zu medizinischer Behandlung für Flüchtlinge und Binnenvertriebene. Zahlreiche Staaten schieben HIV-positive Flüchtlinge ab, ohne zu prüfen, ob sie im Herkunftsland angemessen behandelt werden können.

    Human Rights Watch appelliert an alle Staaten, internationale Organisationen, Geber und Nichtregierungsorganisationen, sich gemeinsam für Gesetzesreformen und die Bereitstellung von Hilfsmaßnahmen einzusetzen, um HIV-positive Flüchtlinge weltweit vor Diskriminierung zu schützen und ihre medizinische Behandlung zu garantieren.

    Diskriminierende Gesetze und Richtlinien können verheerende Folgen haben:
     

    • Saudi Arabien schiebt Flüchtlinge ab, wenn ein HIV-Test positiv ausfällt;
    • veraltete staatliche Meldesysteme in China und Russland erschweren Binnenflüchtlingen den Zugang zu kostenloser medizinischer Versorgung;
    • Versprechungen der südafrikanischen Regierung, Asylsuchende und illegale Einwanderer kostenlos medizinisch zu versorgen, stehen in krassem Gegensatz zum bitteren Alltag der Betroffenen;
    • HIV-positive Migranten, die von den USA abgeschoben wurden, leben in ihren Herkunftsländern unter schwierigen Bedingungen und leiden unter mangelnder medizinischer Versorgung.


    Einzelstaaten, internationale Organisationen, Geber und NGOs sollen Länder, in denen Einreise- und Aufenthaltsbeschränkungen für HIV-infizierte Migranten gelten, nachdrücklich auffordern, diese unverzüglich und vollständig abzuschaffen. Einschränkungen der HIV/AIDS-Behandlung aufgrund der Herkunft oder Staatsangehörigkeit sollen umgehend beseitigt werden. Zudem sollen Abschiebegesetze geprüft werden, unter denen HIV-Infizierte in Länder zurückgeschickt werden, in denen sie nicht angemessen behandelt werden können.

    „Seit dem Ausbruch der Epidemie ist bekannt, dass Flüchtlinge in besonderem Maße durch das HI-Virus gefährdet sind“, so Amon. „Doch Regierungen und Geber unternehmen nicht genug, um ihnen den Zugang zu HIV-Präventionsmaßnahmen zu ermöglichen. Sie ignorieren den dringenden Bedarf an medizinischer Versorgung. Statt umfassenden Zugang Hilfsmaßnahmen zu erhalten, stoßen Migranten auf Zurückweisung und Abschiebung.“

    Human Rights Watch vom 18. Juni 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Antivirale Medikation in Schwangerschaft

    von Katia Boggian

    Wir wissen, dass die Grippe vor allem bei schwangeren Frauen schwerer verläuft, und dies gilt auch für den neuen Grippevirus H1N1. Auch der erste Todesfall an H1N1 in Europa betraf eine junge schwangere Frau. Nun haben japanische Forscher ihre Beobachtungen zur antiviralen Medikation in der Schwangerschaft publiziert.

    Die Japaner haben über die Literaturdatenbanken MEDLINE und EMBASE und OVID verschiedene Berichte über Tamiflu (Oseltamivir) und Relenza (Zanamivir) bei schwangeren oder stillenden FRauen gesucht. Viele Informationen stammen auch aus einer japanischen Datenbank, wo schon vor der jetzigen H1N1 Pandemie relativ häufig bei bestätigter Influenza bei schwangeren Frauen Oseltamivir oder Zanamivir eingesetzt wurde.

    In postmarketing Überwachungen wurden 61 schwangere Frauen mit Oseltamivir behandelt. Bei diesen 61 Frauen kam es zu 10 Schwangerschaftsabbrüchen, wobei 6 dieser Schwangerschaftsabbrüche medizinisch gewollt waren, in einem der 61 Fälle kam ein Kind mit Trisomie 21 auf die Welt und ein Kind mit Anencephalie.

    In Japan wurden 90 schwangere Frauen, welche Oseltamivir im ersten Trimester therapeutisch erhalten hatten überwacht und hier kam es zu einer Malformation. Dies ist in etwa die normale Inzidenz von Malformationen in der Bevölkerung.

    Bei Zanamivir gibt es viel weniger Daten. Hier fanden die Autoren 3 Frauen, welche unabsichtlich mit Zanamivir behandelt wurden, bei einer kam es zu einem Spontanabort, eine Frau wollte einen Schwangerschaftsabbruch, und bei der dritten Frau kam das Baby gesund zur Welt. Auch in Japan gibt es nur eine Aufzeichnung einer Frau welche in der 4. SSW mit Zanamivir behandelt wurde, und später ein gesundes Baby zur Welt brachte.

    Die Autoren folgern, dass vermutlich beide antivirale Medikamente in der Schwangerschaft eingesetzt werden können. Die momentane Datenlage befürwortet aber eher eine Therapie mit Oseltamivir in der Schwangerschaft, da hier mehr Daten vorhanden sind, welche zeigen, dass es in der Schwangerschaft gut ertragen wird und so weit bisher erkennbar keine teratogene Wirkung vorhanden ist.

    Die Datenlage zeigt auch, dass stillende Mütter, welche Oseltamivir erhalten weiter stillen können, es geht zwar ein kleiner Prozentsatz des Medikamentes in die Milch über, aber es ist nur ein kleiner Prozentsatz, und falls das Kind einer Grippebehandlung bedarf, so muss es separat behandelt werden, da das wenige Medikament in der Muttermilch für das Kind nicht genügend ist. (Das gleiche gilt hier auch für Zanamivir)

    Beurteilung:
    Diese Daten erscheinen gerade zur richtigen Zeit, denn bisher zeigt sich auch bei dieser Pandemie, dass das H1N1 vor allem bei schwangeren Frauen schwerer verläuft, und gerade hier soll man mit der antiviralen Medikation nicht zurückhaltend sein, denn die schwangeren Frauen profitieren am meisten von einer frühzeitigen Behandlung.

    Wie wir schon berichtet haben ist es wichtig die Behandlung so früh wie möglich zu beginnen, am besten in den ersten 12 Stunden, denn hier profitiert man am meisten von der Therapie.

    Link: CMAJ Juni 2009 (Canadian Medical Association Journal)

    Infektiologie St. Gallen vom 17. Juni 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Routinetest könnte vielen Kindern das Leben retten

    Johannesburg – Mehr als 3.000 Kinder, die im Krankenhaus von Lusaka, der Hauptstadt Zambias, 18 Monate lang Routine-Test für HIV machten, haben sich als HIV-positiv erwiesen. Das HIV breitet sich sehr schnell unter Kindern aus und sie sterben daran, bevor es überhaupt diagnostiziert wird und sie antiretrovirale Pharmaka zur Lebensverlängerung erhalten können.

    Im Rahmen einer Studie haben Forscher des University Teaching Hospital von Lusaka eine Unterstützungs- und HIV Test-Politik erstellt, die sich an die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten der zwischen Januar 2006 und Juni 2007 hospitalisierten Kinder richtet.

    Von den 11.571 getesteten Kindern erwiesen sich 29% HIV-positiv. Die Kleineren sind der Ansteckung vermehrt ausgesetzt; von Kindern die jünger als 18 Monate sind, sind zwei Drittel positiv. In Zambia, wo 25% der schwangeren Frauen HIV-positiv sind, gibt es bereits eine Politik der HIV-Routinetests für Mütter die in pränatalen Kliniken liegen, aber man nimmt an, dass dennoch mehr als 28.000 Kinder jedes Jahr angesteckt werden.

    Die im Juni-Heft des Journal of Acquired Immune Deficiency Syndromes veröffentlichten Forschungsergebnisse heben die Notwendigkeit der Test für noch Kleinstkinder hervor. Die Forscher haben angemerkt, dass Routineuntersuchungen bei Kindern HIV-positive pädiatrische Patienten in den am meisten von HIV heimgesuchten Ländern herauszufinden helfen können.

    Fides vom 13. Juni 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Schlafende Viren wecken

    Wie könnte HIV eines Tages wieder aus dem Körper entfernt werden? Auf dem Weg zu einer Antwort auf diese große Frage ist die Wissenschaft wieder ein kleines Stückchen vorangekommen.

    HIV ist schwer aus der Reserve zu locken.

    Forscher des italienischen Gesundheitsinstituts Istituto Superiore di Sanità (ISS) haben eine Wirkstoffkombination entwickelt, die latente HI-Viren aus ihren Reservoirs lockt – und gemeinsam mit einer Antiretroviralen Therapie (ART) unschädlich machen könnte. Bisher erwischt die Methode allerdings nur einen Teil der Viren, und das auch nur im Reagenzglas. Die Ergebnisse ihrer Versuche haben die Wissenschaftler gerade in der Fachzeitschrift Retrovirology veröffentlicht.

    Das Problem, das die Forschung zu lösen hat, ist knifflig: Bisher lässt sich mit einer ART zwar die Virusvermehrung stoppen. Doch selbst wenn keine Viren im Blut mehr nachweisbar sind, bleibt HIV in vielen verschiedenen Körperzellen erhalten, es schlummert gewissermaßen und kann sich von dort aus jederzeit wieder vermehren, wenn nicht mehr genügend antiretrovirale Substanzen im Blut sind.

    Setzt man zum Beispiel die ART irgendwann ab, schießt die Viruslast wieder in die Höhe.

    Wie also bekommt man die „Schläfer“ zu fassen? Schon länger gibt es die Idee, diese HIV-infizierte Zellen künstlich zu aktivieren, damit sie dann einfach, wie alle Körperzellen, irgendwann eines natürlichen Todes sterben. Die ART würde dabei verhindern, dass sich das Virus nach der Aktivierung vermehren könnte. „Shock and kill“ nennen Wissenschaftler dieses Verfahren.

    “Shock and kill” könnte eine Lösung sein.

    So lassen sich die Viren zum Beispiel mit so genannten Histon-Deacetylase-Hemmern aus der Reserve locken. Histon-Deacetylasen (HDACs) sind körpereigene Enzyme, die HIV benötigt, um in der Latenz zu verharren. Blockiert man das Enzym, wird das Virus freigesetzt.

    Die Idee ist gut, aber leider haben HDACs mehrere wichtige Funktionen bei der Steuerung des Zellwachstums. Der HDAC-Hemmer ist darum nicht nur für HIV schädlich, sondern auch für den Patienten.

    Die Italiener haben nun möglicherweise einen Weg gefunden, dieses Problem zu umgehen. Sie verwendeten nur geringe, weniger toxische Dosen eines bestimmten HDAC-Hemmers und fügten einen weiteren Wirkstoff hinzu: Buthionin-Sulfoximin. Dieser Stoff reduziert einen anderen Stoff in den Körperzellen, Gluthation, und regt so die Vermehrung des Virus zusätzlich an.

    Und siehe da: Die Medikamente erwischten in den Laboren des ISS trotz der geringen Dosis eine erkleckliche Anzahl Viren (wenn auch nicht alle). Dabei starben die HIV-infizierten Zellen tatsächlich ab, die gesunden hingegen lebten weiter. Die Ergebnisse der Italiener könnten somit eines Tages ein Baustein zur lang erhofften Eradizierung (Entfernung) von HIV werden.

    “Vorerst nur eine Hoffnung aus dem Reagenzglas.”

    Experten warnen allerdings vor Überschwang. „Die Frage ist immer: Klappt das auch beim Menschen und gelingt es wirklich, HIV aus jeder Zelle herauszulösen – im Knochenmark, im Gehirn, im zentralen Nervensystem insgesamt“, sagt Professor Jürgen Rockstroh, Präsident der Deutschen Aids-Gesellschaft. „Der Sprung von einem gelungenen Experiment in der Grundlagenforschung zu einem Medikament ist gewaltig groß.“

    Gerade erst im letzten Jahr hatte eine andere Methode zur Eradizierung für Aufsehen gesorgt: Deutsche Forscher hatten eine „molekulare Schere“ entwickelt, die HIV aus infizierten Zellen wieder herausschneiden kann. Allerdings funktioniert auch das bisher nur im Labor. Bei diesem Verfahren lautet die große Frage: Wie bekommt man den Wirkstoff in die Zellen hinein?

    „Es gibt die Möglichkeit der Heilung“, resümiert Rockstroh, „aber im Juni 2009 bleibt sie vorerst eine Hoffnung aus dem Reagenzglas.“

    Deutsche Aids-Hilfe e.V. blog vom 13. Juni 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Welt-Aids-Konferenz 2012 in Washington?

    Welt-Aids-Konferenz 2012 nach Aufhebung des Einreiseverbots in Washington?

    Findet die Welt-Aids-Konferenz 2012 nach vielen Jahren erstmals wieder in den USA statt? Es hänge nur noch an der Aufhebung des US-Einreiseverbots für HIV-Positive, berichten US-Medien.

    “2012: Internationale Aids-Konferenz trotz Einreiseverbot in den USA?“, schon Anfang April 2009 stand diese Frage überraschend erstmals im Raum. Erste Vermutungen scheinen sich nun zu bestätigen.

    Inzwischen bestätigt die IAS (International Aids Society), sie habe Washington als Austragungsort der Welt-Aids-Konferenz 2012 ins Auge gefasst. Die endgültige Entscheidung hänge nur noch vom endgültigen Aufheben des noch angewendeten US-Einreiseverbots für HIV-Positive ab.

    “Washington D.C. could be the host city of the world’s largest conference in the field of health and development if the United States drops its ban on the entry of HIV-positive people.”

    IAS-Präsident Julio Montaner äußerte dazu: “A fundamental principle of the IAS is that people living with HIV should be able to participate fully and without restrictions at HIV conferences. Hence, the conference has not been held in the U.S. since 1990 because of the ban on entry of people living with HIV.”

    Seit 1987 ist in den USA die Einreise für Menschen mit HIV und Aids verboten. Dies hatte zu internationalen Protesten geführt. Spätestens seit 2007 ist es offizielle Politik der IAS International Aids Society, die Internationalen Aids-Konferenzen nicht in Staaten abzuhalten, die die kurzzeitige Einreise HIV-Positiver untersagen oder eine Offenlegung des HIV-Status verlangen.

    Montaner bezeichnete das US-Einreiseverbot als den größten Schwachpunkt der US-Aids-Politik: “This long-standing law, which is contrary to all scientific evidence and human rights principles, is one of the U.S.’s weakest spots in HIV policy.”

    Die nächste Welt-Aids-Konferenz findet 2010 in Wien statt.

    Weitere Informationen:
    POZ 11.06.2009: Washington, DC, May Host 2012 International AIDS Conference http://www.poz.com/rssredir/articles/dc_aids_conference_2012_1_16767.shtml
    IAS 11. Juni 2009: IAS investigates Washington D.C. as host of 2012 International AIDS Conference http://www.iasociety.org/Default.aspx?pageId=345

    ondamaris vom 12. Juni 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Jährliches Bevölkerungsscreening könnte HIV-Epidemie stoppen

    Bethesda – Die US-Behörden wollen prüfen, ob jährliche HIV-Tests bei Jugendlichen und Erwachsenen die HIV-Epidemie stoppen könnten. Das teilten Leiter des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2009; 301: 2380-2382) mit.

    Anfang des Jahres hatten Mathematiker der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Lancet (2009; 373: 48-57) vorgerechnet, dass jährliche HIV-Tests der gesamten Bevölkerung (ab einem Alter von 15 Jahren) die HIV-Inzidenz und Mortalität in Hochendemieländern wie Südafrika innerhalb von zehn Jahren um mehr als den Faktor 20 senken könnten, vorausgesetzt alle HIV-Positiven würden danach eine antiretrovirale Therapie erhalten.

    Innerhalb von 50 Jahren könnte die Epidemie erfolgreich eingedämmt werden, hatte Reuben Granich von der HIV/Aids Abteilung der WHO in Genf prognostiziert. Diese Studie löste eine intensive Diskussion in der Fachwelt aus.

    Die Skepsis überwog, doch nach Ansicht von Anthony Fauci, dem Leiter des NIAID und Carl Dieffenbach, der die Aids-Abteilung der Behörde leitet, sollten die Vorschläge weiter geprüft werden. Zu überlegen sei, ob eine universelle HIV-Testung überhaupt umsetzbar ist, was gerade in vielen Ländern Afrikas zweifelhaft ist.

    Wichtig für die Beurteilung der Erfolgschancen einer Test-and-Treat-Strategie sei auch, wie infektiös die Patienten während unterschiedlicher Stadien der HIV-Erkrankung sind und in welchem Ausmaß eine antiretrovirale Therapie das Übertragungsrisiko senke. Zu bedenken sei ferner, dass eine frühe Therapie die Zahl der Resistenzen erhöhen könnte und die Tests auch zu einer Zunahme von Risiko-Sex (“Behavioral disinhibition”) führen könne.

    Dann müssten die HIV-Infizierten davon überzeugt werden, dass die antiretrovirale Therapie für sie von Vorteil ist. Und schließlich dürfte auch die Frage der Kosteneffektivität eine Rolle spielen. Alle diese Fragen sollen jetzt im Rahmen einer neuen Strategie überprüft werden, die noch zwei weitere Komponenten umfasst.

    Das NIAID untersucht, ob Hoch-Risiko-Patienten durch eine Präexpositionsprophylaxe mit antiretroviralen Medikamente vor einer Ansteckung geschützt werden könnten. Schließlich geht die Behörde der Frage nach, wie es den HI-Viren gelingt, eine latente Infektion aufrechtzuerhalten.

    Argumente für eine generelle Testung der Bevölkerung sieht auch das American College of Physicians. In einer Stellungnahme fordert es jüngst die US-Ärzte auf, alle ihre Patienten auf freiwilliger Basis zu testen mit der Aussicht auf eine rechtzeitige antiretrovirale Therapie. Bei einigen Patienten sollten nach einem Negativergebnis die Tests regelmäßig wiederholt werden.

    Abstract der Studie im Lancet: http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(08)61697-9/abstract

    Deutsches Ärzteblatt vom 10. Juni 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Erste Erfolge im Kampf gegen das Virus in Südafrika

    Studie: Häufigkeit von HIV bei Kindern und Jugendlichen nahm deutlich ab

    Johannesburg - Die Häufigkeit von HIV bei Kindern und Jugendlichen hat in Südafrika deutlich abgenommen. Das belegen neue Zahlen, die am Dienstag in der Hafenstadt Durban vorgelegt wurden. Sie sind Teil einer Studie im Auftrag mehrerer medizinischer Institutionen, für die 23.369 Menschen untersucht und befragt wurden.

    Demnach waren 2008 etwa 2,5 Prozent aller Kinder in Südafrika von zwei bis 14 Jahren mit dem Aids-Erreger infiziert. Im Jahr 2002 waren es 5,6 Prozent gewesen. Die Zahlen lassen hoffen, dass in Südafrika eine Trendwende im Kampf gegen HIV bevorsteht. "Die sinkende Zahl HIV- infizierter Kinder verdanken wir wahrscheinlich der besseren Behandlung HIV-positiver schwangerer Frauen", sagt Shawn Jooste, der an der Studie beteiligt war.

    Mehr Kondome

    Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Es verwenden viel mehr Jugendliche Kondome als noch vor sechs Jahren. 2002 gaben 57,8 Prozent der Männer im Alter zwischen 15 und 24 Jahren an, Kondome zu nutzen. 2008 waren es 87 Prozent. Bei weiblichen Jugendlichen stieg die Zahl im selben Zeitraum von 46 auf 73 Prozent. Jooste führt den Anstieg vor allem auf gezielte Werbekampagnen zurück.

    Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi nannte die Ergebnisse "ein Licht am Ende des Tunnels". Er glaube, dass Südafrika mehr tun könne, als es bisher getan habe. "Zu viel Zeit ist darauf verschwendet worden, sich gegenseitig zu bekämpfen, anstatt das Virus", sagte Motsoaledi, der erst im vergangen Monat zum Gesundheitsminister ernannt wurde. Nicht alle Zahlen des Berichtes machen allerdings Mut. So stieg zum Beispiel in der Provinz Kwa-Zulu-Natal im Osten des Landes die Zahl der Infizierten im Alter zwischen 15 und 49 Jahren um 10,1 Prozent. Die Gesamtzahl der Infizierten in Südafrika hat sich außerdem kaum geändert. Sie steht bei etwa 10,6 Prozent der Bevölkerung. Das entspricht 5,2 Millionen Menschen. (APA/dpa)

    Der Standard vom 9. Juni 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Kriminalisierung von HIV - aus Angst und Abscheu?

    Was bewegt gerade schwule Männer, eine Kriminalisierung von HIV zu fordern? Eine britische Studie kam zu aufschlussreichen Ergebnissen, bis zu “Angst und Abscheu”.

    Die fahrlässige HIV-Infektion eines Sexpartners müsse auch mit Mitteln des Strafrechts verfolgt werden, diese Meinung ist immer wieder häufig zu hören. Gerade in Zeiten von Medienhypes wie jüngst nach der Verhaftung einer Sängerin sind oftmals sogar Rufe nach Verschärfungen bestehender Gesetze zu hören.

    Gegen die Verbreitung von HIV müsse auch mit den Mitteln des Strafrechts vorgegangen werden, diese Haltung vertreten gerade auch Homosexuelle nicht nur gelegentlich. In Großbritannien ist sogar die Mehrzahl der Homosexuellen dieser Ansicht, wie eine britische Studie zeigte.

    Experten verschiedenster Organisationen von Aidshilfe bis UNAIDS betonen seit langem, dass das Strafrecht nicht als Mittel der HIV-Prävention taugt. Woher also diese Haltung, in dieser Häufigkeit?

    Der Studie “sexually charged” zufolge befürworteten 57% der Befragten die Strafverfolgung und Inhaftierung von Menschen, die leichtsinnig einen Sexpartner mit HIV infizieren.

    Die Studie zeigte, dass Männer, die sich noch nie auf HIV testen ließen, diese Ansicht besonders häufig vertreten (63,5%). Männer, die angaben HIV-negativ zu sein, befürworteten diese Ansicht zu 56,3%. Besonders hoch war die Zustimmung zu Strafverfolgung bei Menschen unter 30 Jahren; bei Menschen mit höherer Bildung (Universität) war die Zustimmung zu Strafverfolgung niedriger als bei Menschen mittlerer oder schlechterer Bildung.

    Hingegen zeigten sich kaum Unterschiede hinsichtlich ethnischer Kriterien. Allerdings war eine Befürwortung von Kriminalisierung häufiger als Einstellung anzutreffen bei Männern, die Sex mit Männern und Frauen haben, als bei Männern, die angaben ausschließlich homosexuell zu sein. Je mehr Sexpartner ein Mann im letzten Jahr hatte, desto eher lehnte er eine Kriminalisierung ab.

    Männer, die Kriminalisierung befürworteten, waren oftmals auch der Ansicht, der HIV-Positive sei in der alleinigen Pflicht, eine HIV-Übertragung zu verhindern. Einer der Befragten brachte seine Ansicht auf den Punkt “wenn du einmal HIV hast, ist es von da an deine Pflicht dafür zu sorgen, dass du es nicht weitergibst”.

    Zudem zeigten die Kriminalisierungs-Befürworter überwiegend deutlich stigmatisierende Ansichten über HIV und hatten kaum zutreffende Ansichten über die Wirksamkeit moderner antiretroviraler Therapien. Viele Befragte gaben als Grund für ihre Ansichten an, eine HIV-Infektion sei immer noch tödlich; einige bezeichneten die Übertragung von HIV als Mord.

    Im Rahmen des jährlichen “Gay Men’s Sex Survey” wurden die Teilnehmer im Jahr 2006 unter anderem auch zu ihren Einstellungen zur Strafverfolgung bei HIV-Übertragung befragt. Insgesamt 8.152 Männer beantworteten die diesbezüglichen Fragen.
    Eine Mehrheit dieser Männer (57%) äußerte, es sei “a good idea to imprison people who know they have HIV [and] pass it on to sexual partners who do not know they have it”. Nur 26% lehnten diese Aussage ab, und 18% hatten keine Meinung.

    Die Autoren der Studie betonten, aus der Studie ließen sich wichtige Konsequenzen für die weitere HIV-Prävention ableiten. Insbesondere wiesen sie darauf hin, dass die überwiegende Mehrheit der Männer, die eine Kriminalisierung von HIV befürworteten, der Ansicht seien, HIV sei unabwendbar tödlich.
    Die Forscher äußerten die Befürchtung, dass ein Aufrechterhaltend dieses Bildes vom “tödlichen Aids” dazu beitrage, die Stigmatisierung von HIV aufrecht zu erhalten. Dies wiederum beeinträchtige das Umfeld, in dem Prävention stattfinde.

    Zudem wiesen die Forscher darauf hin, dass ein Großteil der Männer, die Kriminalisierung befürworten, auch der Ansicht seien, der HIV-Positive sei verpflichtet, dem Sexpartner seine HIV-Status offen zu legen. Angesichts der Tatsache, dass etwa ein Drittel der HIV-Infizierten nicht von ihrer eigenen Infektion wüssten, zudem viele Positive vor einem Offenlegen zurückschreckten, erweise sich diese Meinung als unrealistisches Modell.

    Die Autoren der Studie kamen zu dem Schluss, die Realität des Lebens mit HIV werden vielfach immer noch falsch wahrgenommen. Angst und Abscheu, mit der Männer, die Kriminalisierung befürworten, diese “anderen Schwulen” betrachten, seien offensichtlich. Die Veränderung von HIV und Leben mit HIV sei und bleibe eine der großen gegenwärtigen Herausforderungen.

    Die Ansichten, die die Forscher in Großbritannien untersuchten, sind auch bei uns zu finden, ob bei Homo- oder Heterosexuellen. Bedeutender noch, sie sind auch bei Staatsanwälten, Richtern und Politikern zu finden, wie Ermittlungsverfahren und Gesetzesinitiativen immer wieder zeigen.

    Ein Grund mehr also, dass sich auch Aids-Hilfen und HIV-Positive mit der Frage beschäftigen sollten, welche Haltungen Menschen dazu bringen, eine Kriminalisierung von HIV zu fordern.

    Einen der Wege, mit dieser Situation umzugehen, sie vielleicht aufzubrechen, haben die Forscher implizit aufgezeigt: Bilder des Lebens mit HIV zeigen. Bilder eines Lebens, das inzwischen facettenreicher, vielfältiger geworden ist - und bei weitem nicht nur von Tod und Leid geprägt ist. Bilder vom Leben mit HIV - wer könnte sie treffender zeigen als HIV-Positive selbst?

    Weitere Informationen:
    aidsmap 26.01.2009: Ignorance and stigma provide foundation for gay men’s support of criminalisation of HIV transmission
    sigma research: Sexually charged: the views of gay and bisexual men on criminal prosecutions for sexual HIV transmission (pdf).

    ondamaris vom 9. Juni 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Perspektiven zur Hemmung von HIV-1

    Die Pandemie AIDS wird durch das Humane Immundefizienz-Virus-1 (HIV-1) ausgelöst und stellt nach wie vor ein globales Gesundheitsproblem dar. In neuen Arbeiten, die jetzt im Journal of Virology veröffentlicht wurden [Jochmann et al., J. Virol. 83, 3704 - 3718 (2009)], entdeckte die Abteilung Molekulare und Experimentelle Chirurgie (Leitung: Prof. Dr. Michael Stürzl) der Chirurgischen Klinik zusammen mit Arbeitsgruppen der Hautklinik, des Virologischen Instituts und der Medizinischen Klinik 3 des Universitätsklinikums Erlangen, dass der Zuckerstoffwechsel der Zelle die Vermehrung von HIV-1 unterdrücken kann.

    Grundlage hierfür ist ein Enzym, das die Fachbezeichnung O-GlcNAc-Transferase (OGT) trägt. OGT wird durch erhöhte Zuckerkonzentrationen aktiviert und hemmt die Vermehrung der AIDS-Viren. "Die klinische Perspektive dieser Entdeckung könnte darin liegen, dass Medikamente, die OGT aktivieren, bereits für die Behandlung anderer Erkrankungen eingesetzt werden und somit eine Erprobung zur unterstützenden Behandlung von AIDS-Patienten möglich sein könnte", sagt Prof. Stürzl.

    Der Wissenschaftler betont, dass es sich bisher ausschließlich um Ergebnisse der Grundlagenforschung handelt. "Diese Ergebnisse müssen jetzt sorgfältig in der Praxis überprüft werden." Derzeit gebe es noch keine Alternative zur hoch-aktiven antiretroviralen Therapie (HAART), die gegenwärtig sehr erfolgreich zur Behandlung der AIDS-Erkrankung eingesetzt wird. "Sollte sich der antiretrovirale Effekt von OGT in klinischen Studien bestätigen, so könnte eine stoffwechselbezogene Therapie jedoch eine wirksame Unterstützung zur HAART darstellen", ist Prof. Stürzl überzeugt.

    Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg - Pressemeldung vom 8. Juni 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Auszeichnung für das Nötigste

    Manchmal muss man Selbstverständlichkeiten belohnen, damit sie sich langsam durchsetzen. Darum vergibt die Deutsche AIDS-Hilfe jetzt eine Präventionsurkunde an Justizvollzugsanstalten. Gefängnisse, die bei der Gesundheitsvorsorge für ihre Inhaftierten bestimmte Mindeststandards erfüllen, dürfen sich das gute Stück schick gerahmt in die Anstalt hängen und ein Gütesiegel auf ihre Homepage montieren.

    Das Mindeste zu tun ist dabei eigentlich nicht schwierig. „Unsere Anforderungen kann jeder Justizvollzug erfüllen, sie sind leicht umzusetzen“, sagt Bärbel Knorr, bei der DAH zuständig für Menschen in Haft. „Teilweise verbergen sich dahinter sogar Gesetze und Empfehlungen staatlicher Stellen, die bisher aber nicht eingehalten werden.“

    Es geht um das Mindeste: Substitution, Impfung und Kondome.

    So fordert die Deutsche AIDS-Hilfe die Haftanstalten auf, intravenös Drogen Gebrauchenden eine Substitutionsbehandlung zu ermöglichen – und damit die gleichen Gesundheitschancen einzuräumen wie Drogengebrauchern draußen. Häftlinge sollen außerdem eine Hepatitis B Impfung angeboten bekommen, wie es die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts ausdrücklich empfiehlt.

    Die weiteren Standards: Alle Inhaftierten müssen Zugang zu Informationen über HIV und Hepatitis bekommen und über Hilfsangebote innerhalb und außerhalb der Anstalt informiert werden. Die medizinischen Abteilungen der Anstalten müssen Tests auf HIV und Hepatitis anbieten – inklusive der entsprechenden Beratung. Nicht zuletzt steht freier Zugang zu Kondomen und Gleitgel auf der Liste.

    Das alles klingt nicht gerade hoch gegriffen – doch Knorr geht davon aus, dass nur wenige Anstalten die Anforderungen erfüllen. „Der Knackpunkt ist die Substitution“, weiß sie. Derzeit wird nur ein minimaler Bruchteil der Inhaftierten, die Heroin konsumieren, substituiert. Der Grund: Die Substitutionsbehandlung ist personalintensiv und würde die Gefängnisse Geld kosten, denn Häftlinge sind nicht krankenversichert, sondern bekommen ihre medizinische Versorgung von den Justizvollzugsanstalten.

    Spritzenvergabe ist im Moment nicht durchsetzbar.

    Rund 20.000 Gefangene in Deutschland konsumieren Heroin, schätzen Experten. Das sind 20 Prozent aller Inhaftierten. Auf das heikle Thema Spritzenvergabe hat man bei der Präventionsurkunde trotzdem lieber verzichtet: Sie ist im Moment politisch nicht durchsetzbar – obwohl die entsprechenden Modellversuche in den letzten Jahren allesamt gut gelaufen sind. „Deutschland ist das einzige Land der Welt, dass Spritzenvergabe eingeführt und wieder abgeschafft hat“, resümiert Knorr. „Wenn diese Präventionsmaßnahme zu unseren Minimalstandards gehören würde, könnte nur die JVA Lichtenberg in Berlin eine Urkunde bekommen.“

    Bärbel Knorr setzt nun darauf, das Thema Drogengebrauch in Haftanstalten immer wieder auf anderen Wegen zu thematisieren: über die Substitution und über die Frage, warum in Haftanstalten keine Desinfektionsmittel zugänglich sind, um Tätowiernadeln und Spritzbestecke zu reinigen. Tatsächlich hat die Präventionsurkunde schon erste Erfolge gezeitigt: Als die DAH das Projekt im April auf der 4. Europäischen Konferenz zur Gesundheitsförderung in Haft vorstellte, zeigte gleich die JVA Vechta für Frauen Interesse und stellte fest: Es fehlt eigentlich nur noch das Gleitgel. Das gibt es jetzt – und die JVA darf sich mit dem Zertifikat schmücken.

    Es funktioniert: Die ersten Urkunden sind vergeben.

    Auch Baden-Württembergs Justizministerium ist von der Aktion angetan und hat seine Haftanstalten aufgefordert, sich um die Auszeichnung zu bemühen. Bei der JVA Schwäbisch Hall hat das schon geklappt, wie das Justizministerium groß auf seiner Homepage vermeldet, Logo inklusive. Anstalten, die die Präventionsurkunde nicht bekommen, sollen darlegen, woran es hapert. Das Konzept, positive Anreize zu setzen, scheint also aufzugehen.

    Nicht zuletzt spekuliert Bärbel Knorr darauf, dass auch die Inhaftierten durch die Aktion beflügelt werden könnten: „Wenn die Urkunden aufgehängt werden, werden sie auf die Angebote ihrer Anstalt aufmerksam gemacht. Dann können sie sagen: ‚Mensch, ihr hab hier Informationen – die hätte ich jetzt gerne mal.“

    Deutsche AIDS-Hilfe e.V. - blog vom 4. Juni 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    ECCMID, Helsinki, 2009

    von Katia Boggian

    Eine Zusammenfassung des 19ten European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases kann man unseren Kurzbericht nicht nennen. Das wissen wir auch! Aber, vielleicht finden Sie doch das eine oder andere Thema darin spannend?

    Auch dieses Jahr bot der ECCMID nämlich auf dem gesamten Gebiet der Infektiologie, Epidemiologie, Mikrobiologie und Tropenmedizin spannende Vorträge, Kurzpräsentationen und Posters. Wir mussten uns auf einige wenige beschränken.

    Bericht vom ECCMID, Helsinki, 2009 unter: http://www.infekt.ch/updown/documents/ECCMID_Helsinki.pdf

    Infektiologie St. Gallen vom 3. Juni 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    USA: HIV-Einreiseverbot wird immer noch angewendet

    Das Einreiseverbot für Menschen mit HIV und Aids in die USA wird derzeit trotz zahlreicher anderweitiger Berichte immer noch praktiziert. Bei Reisen in die USA wird immer noch nach dem HIV-Status gefragt. Menschen mit HIV, die ihren HIV-Status offen legen, wird die Einreise verweigert. Daran hat sich bisher trotz der vermeintlichen (!) Lockerung des Einreiseverbots nichts geändert.

    Erst vor wenigen Tagen wurde einer Gruppe HIV-Positiver die Einreise in dien USA verwehrt (und das sogar, obwohl sie an einer Konferenz zu HIV/Aids teilnehmen wollten): “HIV-Positive Canadian Delegates Barred Entry to the U.S.“, meldete POZ am 29. Mai 2009.

    Seit 1987 existieren in den USA Bestimmungen, die Menschen mit HIV und Aids bis auf konkret benannte Ausnahmefälle die Einreise verwehren. Zwar unterschrieb der damalige US-Präsident Bush im Juli 2008 eine Anordnung, das Einreiseverbot aufzuheben, die Bestimmungen werden jedoch bisher immer noch angewendet. Aktivisten und Positive hoffen nun auf die neue Cheffin des DHHS und eine baldige Umsetzung der neuen Bestimmungen.

    US-Kolumnisten und Aids-Aktivisten kritisieren die neue US-Administration unter Präsident Obama zunehmend dafür, dass das Einreiseverbot mit HIV weiterhin angewendet wird. So formulierte Andrew Sullivan erst jüngst im ‘Atlantic’ (13.05.2009) in seinem sehr lesenswerten Beitrag The Fierce Urgency Of Whenever:

    “There’s a ban on HIV-positive tourists and immigrants? Really? Thanks for letting us know. Would you like to join Joe Solmonese and John Berry for cocktails?”

    Konkret kritisiert und entlarvt er die Untätigkeit der Administration bezüglich des Einreiseverbots und der Ankündigung, Vorschläge für eine Neuregelung sollten nun erarbeitet werden: “Translation: we’re doing the bare minimum to make us look no worse than Bush, but we have no real interest in this and are letting the bureaucracy handle it and we guarantee nothing.”

    1987 erließen die USA (u.a. auf Bestrebungen des jüngst verstorbenen Jesse Helms hin) erstmals Bestimmungen, die Menschen mit HIV die Einreise verweigern. Das HIV-Einreiseverbot ist zwar (formaljuristisch) mit der Unterzeichnung des PEPFAR-Gesetzes durch US-Präsident Bush am 24. Juli 2008 aufgehoben worden. Doch die Bestimmung von 1987 gelten weiterhin. Die entsprechende erforderliche Änderung der Durchführungsbestimmungen lässt weiterhin auf sich warten - trotz Protesten von Aktivisten, trotz anderslautender Ankündigungen der Obama-Regierung.

    Zudem ist seit Montag, 12. Januar 2009 vor einer Einreise in die USA per Schiff oder Flugzeug (nicht bei Land-Einreise aus Mexiko oder Kanada) eine Online-Reiseerlaubnis (ESTA) Pflicht. Diese beinhaltet die gleichen Fragen, die auch schon von den Einreisekarten (’I-94W’) bekannt sind, die früher an Bord des Flugzeugs vor der Landung verteilt wurden - darunter auch die “Sicherheitsfragen”, auch HIV. Damit wird das eigentlich abgeschaffte HIV-Einreiseverbot auch bei der Online-Einreiseerlaubnis weiterhin immer noch angewandt.

    Zuständig für die Umsetzung der Aufhebung des Einreiseverbots ist das Department for Homeland Security. Dies muss neue Durchführungsbestimmungen für die Beamten an den Einreisestellen und Grenzkontrollen erlassen.

    Der eigentliche Schlüssel aber liegt bei der US-Gesundheitsbehörde DHHS Department of Health and Human Services. Dies könnte die HIV-Infektion von der Liste derjenigen Erkrankungen streichen, die für die öffentliche Gesundheit der USA besonders bedrohlich sind. In diesem Fall könnte bei Beibehaltung der bisherigen Formulierungen eine Anwendung der Bestimmungen von 1987 auf HIV entfallen.

    Seit 29. April 2009 ist das DHHS neu besetzt. Kathleen Sibelius übernahm die Leitung der Behörde. Aktivsten hoffen nun, dass dieser Wechsel auch frischen Wind in das Thema HIV-Einreiseverbote bringt. Allerdings weisen Aktivisten darauf hin, dass weiterhin kritische Fragen im Raum stehen, wie die Einreisebestimmungen zukünftig formuliert sein werden.

    Alles besser unter Obama? Bisher nicht für Menschen mit HIV, erst recht nicht, wenn sie in die USA einreisen wollen. Einreise- und Aufenthaltsbeschränkungen für Menschen mit HIV und Aids entbehren jeglicher vernünftigen Grundlage - dies betont nicht nur die Aids-Organisation der Vereinten Nationen UNAIDS immer wieder.

    Umso mehr wird es Zeit, dass das anachronistische Einreiseverbot in die USA endlich abgeschafft wird - völlig, de facto, nicht nur auf dem Papier. Es ist an der Zeit, dass die neue US-Regierung handelt.

    Weitere Informationen: Aktuelle Informationen zu weltweiten Einreise- und Aufenthaltsbeschränkungen für Menschen mit HIV und Aids auf http://www.hivtravel.org.

    Ondamaris vom 1. Juni 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HCV Therapie bei HIV-Koinfektion - fällt das 48-Wochen-Dogma?

    von Andrea Witteck

    HCV-Genotyp 2 + 3 = 24 Wochen, HCV-Genotyp 1 + 4 = 48 Wochen, HIV-Koinfektion (unabhängig vom HCV-Genotyp) = 48 Wochen HCV-Therapie - das war einmal. Das neue Schlagwort heißt "response-guided therapy".

    Pegyliertes Interferon plus Ribavirin ist die Standardtherapie der chronischen Hepatitis C sowohl bei HCV-Mono- als auch bei HCV-HIV-Koinfizierten. Bei der HCV-Monoinfektion richtet sich die Therapiedauer nach dem Genotyp. Für Genotyp 2 und 3 werden 24 Wochen und für Genotyp 1 und 4 48 Wochen empfohlen. Bei Vorliegen einer HIV-Koinfektion ist das Therapieansprechen grundsätzlich um 10-15% schlechter (Matthews, J Gastroenterol Hepatol 2008), weshalb bislang unabhängig vom HCV-Genotyp eine 48wöchige Therapie propagiert wurde.

    Die Kinetik des virologischen Ansprechens (Zeit bis zur vollständigen Viruselimination) hat sich als bester prognostischer Faktor für den Behandlungserfolg herausgestellt. Das Nichterreichen einer "early virologic response" (EVR) in Therapiewoche 12 (definiert als Abfall der HCV-RNA um mindestens 2 log gegenüber dem Ausgangswert bei Therapiestart) gilt als Therapie-Abbruch-Kriterium ("12 week-stopping rule"), da in diesem Fall nur noch in 0-3% mit einem dauerhaften Therapieansprechen ("sustained virologic response" (SVR) = HCV-RNA 6 Monate nach Therapieende unverändert nicht nachweisbar) zu rechnen ist (Fried, NEJM 2002).

    Für HCV-Monoinfizierte konnte in mehreren Studien gezeigt werden, dass im Falle einer "rapid virologic response" (RVR = HCV-RNA bereits nach 4 Wochen HCV-Therapie nicht mehr nachweisbar) die Therapiedauer für Genotyp 2 und 3 auf 12-16 Wochen und für Genotyp 1 und 4 auf 24 Wochen verkürzt werden kann. Umgekehrt profitieren schwierig zu behandelnde Patienten, welche das Virus erst nach Therapiewoche 12 eliminieren, von einer Verlängerung der Therapiedauer von 48 auf 72 Wochen.

    Warum soll eine auf die Zeit bis zur vollständigen Viruselimination zugeschnittene Therapiedauer ("response-guided therapy") nicht auch bei HCV-HIV-Koinfizierten möglich sein?

    In einer unkontrollierten Single-Center-Studie in einem tertiären Zentrum in Barcelona (Spanien) sind van den Eynde et al. dieser Frage nachgegangen.

    Zwischen Januar 2005 und Dezember 2006 wurden 60 HCV-HIV-koinfizierte (CD4 >=200/ul; HIV-RNA <50 Kop./ml falls unter HAART (78,3%); HIV-RNA <10.000 Kop./ml, falls HAART-naiv; 78,3% Männer; 86,7% ehemalige iv. Drogenkonsumenten; Genotyp 1 42%, Genotyp 4 18%, Genotyp 3 40%)), HCV-Therapie-naive Patienten eingeschlossen und mit pegyliertem Interferon alpha-2b (Pegintron) (1x/Woche 1,5 ug/kg s.c.) und gewichtsadaptiert Ribavirin (800-1400mg/d p.o.) behandelt. Bei Nebenwirkungen bzw. wenn die Laborwerte dies erforderten, durfte die Ribavirin-Dosis schrittweise um 200mg/d und die PegInterferon-Dosis auf 1,0, 0,75 und 0,5 ug/kg reduziert werden. Bei signifikanter hämatologischer Toxizität war der Einsatz von Erythropoetin erlaubt.

    Die Therapiedauer wurde unabhängig vom HCV-Genotyp entsprechend dem virologischen Ansprechen nach 4, 12 bzw. 24 Wochen individuell festgelegt:

    A) Therapiewoche 4: HCV-RNA <50 U/ml = "Rapid virologic response" (RVR) => 24 Wochen
    B) kein RVR, aber Therapiewoche 12: HCV-RNA <600 U/ml = "complete early virologic response" (cEVR) => 48 Wochen
    C) kein RVR, kein cEVR, aber >= 2 log HCV-RNA-Abfall nach 12 Wochen und Therapiewoche 24: HCV-RNA <50 U/ml ("partial early virologic response" (pEVR) => 60 Wochen
    D) HCV-RNA-Abfall < 2 log nach 12 Wochen oder nachweisbare HCV-RNA Therapiewoche 24 = "null virologic response" (NVR) => Therapieabbruch (Non-Responders)

    Sämtliche Patienten wurden nach Therapieende noch für 24 Wochen nachkontrolliert. Bei 7 Patienten (11,7%) wurde die Therapie nebenwirkungsbedingt abgebrochen. Eine Dosisreduktion von PegInterferon war bei 25 Patienten (41,7%), von Ribavirin bei 7 Patenten (11,7%) und von beiden Medikamenten bei 3 Patienten (5%) nötig. Erythropoetin kam bei 5 Patienten (8,3%) mit symptomatischer Anämie zum Einsatz.

    Der primäre Endpunkt war das Erreichen eines dauerhaften Therapieansprechens ("sustained virologic response" (SVR)), d.h. eine 24 Wochen (6 Monate) nach Therapie-Ende nicht nachweisbare HCV-RNA.

    Insgesamt erreichten 33/60 Patienten (55%) eine SVR: 11/25 (44%) mit Genotyp 1, 3/11 (27%) mit Genotyp 4 und 19/24 (79%) mit Genotyp 3. Bei Therapieende waren 40/60 (66,7%) der Patienten HCV-RNA negativ. Bei 7/40 (17,5%) kam es jedoch zum Relapse. Die SVR-Rate war bei Patienten mit Genotyp 3 (OR 4,9) und tiefer HCV-RNA (<800.000 U/ml) bei Therapiestart (OR 14,8) signifikant höher.

    A) 1/3 aller Patienten zeigte nach 4 Wochen eine RVR, so dass die Therapiedauer von 48 auf 24 Wochen verkürzt wurde (4/25 (16%) mit Genotyp 1, 1/11 (9%) mit Genotyp 4 und 14/24 (58%) mit Genotyp 3). Von den 19 Patienten mit RVR eradizierten 17 (89,5%) das Virus nach der nur 24wöchigen Therapie (SVR bei 5/5 Patienten mit Genotyp 1 bzw. 4 und 12/14 (85,7%) Patienten mit Genotyp 3).

    B) 24 der 41 Patienten, welche nach 4 Wochen keine RVR erreicht hatten, zeigten nach 12 Wochen eine cEVR (40% der 60 Studienteilnehmer) und erhielten eine 48wöchige Therapie. In dieser Behandlungsgruppe lag die SVR-Rate bei 58,3% (5/11 (45,5%) mit Genotyp 1, 2/4 (50%) mit Genotyp 4 und 7/9 (77,8%) mit Genotyp 3). Bei Patienten mit Genotyp 1 und 4, welche erstmals nach 12wöchiger Therapie eine nicht nachweisbare HCV-RNA hatten (cEVR) und während 48 Wochen behandelt wurden, fand sich mit 46,2% (6/13 Patienten) eine hohe Relapse-Rate. Die Nachtestung kryokonservierter Serum-Proben der Therapiewoche 12 mit einer Realtime-PCR (COBAS AmpliPrep-COBAS-TaqMan 48) mit Detektionsschwelle 15 U/ml ergab bei 3 der 11 verfügbaren, zuvor mit HCV-RNA <600 U/ml getesteten Proben eine residuelle Virämie und alle 3 dazugehörigen Patienten erfuhren einen Relapse.

    C) 3/25 (12%) der Patienten mit Genotyp 1 zeigten nach 12 Wochen eine partielle EVR und nach 24 Wochen eine nicht mehr nachweisbare HCV-RNA, so dass sie während 60 Wochen therapiert wurden. Von diesen 3 Patienten kam es bei einem zum virologischen Versagen bei Therapieende, während die anderen beiden das Virus erfolgreich eliminierten.

    D) 14 der insgesamt 60 Patienten (23,3%) waren Non-Responder und zeigten nach 12 Wochen einen Abfall der HCV-RNA von <2 log U/ml, so dass die HCV-Therapie wegen Nichtansprechens abgebrochen wurde (8 mit Genotyp 1 und 6 mit Genotyp 4).

    Conclusion
    Eine "response-guided therapy" (Ansprechen-gesteuerte Therapie) scheint für die Optimierung der HCV-Therapie bei HIV-Koinfizierten nützlich zu sein. Die beobachteten SVR (sustained virologic response)-Raten sind verhältnismässig hoch (allerdings keine mit dem gegenwärtigen "standard of care" therapierte Vergleichsgruppe) und eine immerhin bei 1/3 der Patienten auf die Hälfte (24 statt 48 Wochen) reduzierte Therapiedauer dürfte die Hemmschwelle, bei HIV-Koinfizierten mit einer HCV-Therapie zu beginnen, bei Ärzten und Patienten erheblich senken.

    Quelle: Van den Eynde, CID 2009;48:1152-1159

    Infektiologie St. Gallen vom 31. Mai 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Gesetz zur Regelversorgung mit Diamorphin

    Deutsche AIDS-Hilfe: Gesetz ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer praxisnahen Versorgung Heroinabhängiger.

    Berlin - Der Deutsche Bundestag hat heute mit deutlicher Mehrheit einer Veränderung des Betäubungsmittelgesetztes zugestimmt: Damit ist die seit Jahren von der Deutschen AIDS-Hilfe geforderte gesetzliche Grundlage geschaffen, um die Behandlung mit Diamorphin in den Katalog der Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung bundesweit aufzunehmen. Mehrjährige wissenschaftliche Studien in sieben Städten haben belegt, dass es Heroinabhängigen besser geht und sie stabilisiert, wenn sie unter strengen Auflagen regelmäßig mit künstlich hergestelltem Heroin (sog. Diamorphin) behandelt werden.

    Dazu erklärt Hansmartin Schön, Bundesvorstand der Deutschen AIDS-Hilfe e.V. (DAH):
    "Die Veränderung des Betäubungsmittelgesetzes und die hiermit verbundene Einstufung von Diamorphin als verschreibungsfähiges Medikament rettet Menschenleben. Der entscheidende Durchbruch ist die Umwandlung eines Straftatbestandes in eine verschreibungspflichtige Behandlung. Gerade die Heroinabhängigen, bei denen alle anderen Behandlungsoptionen nicht den gewünschten Erfolg brachten und die bisher unter menschenunwürdigen Bedingungen leben mussten, bekommen nun eine Möglichkeit, den Ausstieg aus dem Kreislauf von Illegalität und Beschaffungskriminalität zu finden. Nun gilt es, zügig im gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) die Kriterien für die Abrechenbarkeit der heroingestützten Substitutionsbehandlung festzulegen, damit weitere Städte Anträge bei den entsprechenden Landesbehörden stellen können."

    "Dieser Schritt war längst überfällig", ergänzt Dirk Schäffer, Referent Drogen und Strafvollzug in der DAH: "Im Sinne schwerkranker Menschen haben fachliche und ethische Überlegungen nun Vorrang vor Parteitaktik und ideologischen Schranken gewonnen. Die DAH bedankt sich bei allen Bundestagsabgeordneten, die dazu beigetragen haben, dass sich nun endlich eine Parlamentsmehrheit für das seit Jahren von uns geforderte Gesetz gefunden hat."

    Deutsche AIDS-Hilfe e.V. – Pressemeldung vom 28. Mai 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Kampf gegen Aids im Abschwung

    Der globale Kampf gegen HIV und Aids wird durch die Finanzkrise dramatisch geschwächt. Das geht aus einem Bericht der Weltbank hervor. Die Weltgesundheitsorganisation WHO meldet derweil in einem Bericht zu ihren “Milleniumszielen” deutliche Verbesserungen bei der Behandlung von Menschen mit HIV weltweit – vor der Krise.

    1,7 Millionen Menschen sind aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Verwerfungen von Therapieunterbrechungen bedroht, warnt die Weltbank. Viele weitere könnten gar nicht erst mit einer dringend benötigten antiretroviralen Therapie (ART) beginnen. Betroffen seien HIV-Positive in Afrika, Osteuropa, der Karibik und Asien.

    Millionen Menschen mit HIV könnten ihre Therapie verlieren.

    Besonders schlimm ist die Lage im östlichen und südlichen Afrika: Dort könnten bis zu 70 Prozent der Menschen, die ART bekommen, diese verlieren, fürchtet die Weltbank. Auch die Präventionsprogramme vieler Länder seien gefährdet, vor allem in Osteuropa und Zentralasien.

    Die Weltbank hatte im März dieses Jahres die Aids-Programme von 69 Entwicklungsländern unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse sind publiziert in dem umfangreichen Bericht „Averting the Human Crisis during the global downturn“ („Die menschliche Krise im globalen Abschwung vermeiden“).

    Der Grund für die drohenden Rückschläge im Kampf gegen HIV/Aids: Die meisten Länder sind auf Unterstützung der Weltgemeinschaft angewiesen. Zusagen des Globalen Fonds gegen HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria laufen jedoch in vielen Fällen in diesem oder im nächsten Jahr aus. Der Fonds selber erwartet für 2010 krisenbedingt ein Defizit von 4 Milliarden US-Dollar und hat seine aktuelle Acquise-Phase gerade bis November verlängert.

    Ganze Gesundheitssysteme werden beschädigt.

    Mit dem Wegfall der Mittel gegen HIV würden ganze Gesundheitssysteme stark beschädigt. So hat beispielsweise Tansania sein HIV/Aids-Budget bereits um 25 Prozent gekürzt, Kenia hat seinen Gesundheitshaushalt insgesamt zurückgefahren.

    „Die internationale Gemeinschaft steht in der Pflicht, die Leute weiter zu versorgen, die sie zu einer antiretroviralen Therapie gebracht hat“, proklamiert die Weltbank. Man habe eine eindeutige Zusage gemacht, Menschen mit HIV, die eine Therapie benötigen, diese zu ermöglichen.“

    Der Bericht betont die schwerwiegenden Folgen, die aus Therapieunterbrechungen resultieren können: „Therapien zu beenden ist tödlich und führt zu anderen gesellschaftlichen Kosten.“ Es drohe die Gefahr von Resistenzbildungen, außerdem würden teure Second-Line-Therapieregimen notwendig. Die Zahl der Neuinfektionen könnte steigen, weil Infizierte ohne Therapie infektiöser seien.

    Gemeint ist aber auch: Familien verlieren ihre Ernährer, die Gesellschaften qualifizierte Arbeitskräfte. Die Folgen der Finanzkrise gefährden damit die wackeligen Erfolge der weltweiten Bemühungen im Kampf gegen das Virus – die es durchaus gibt.

    Vor der Krise: Immer mehr Menschen erhielten Therapien.

    Immer mehr Menschen haben in den letzten Jahren nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO Zugang zu antiretroviralen Therapien (ART) erhalten: Von den knapp 10 Millionen Menschen in Entwicklungsländern, die eine ART benötigen, hat immerhin ein gutes Drittel sie laut WHO im Jahr 2007 auch bekommen. 3,4 Millionen Menschen wurden behandelt – eine Million Menschen mehr als im Jahr zuvor.

    Die Zahl der Erwachsenen, die mit HIV/Aids leben, ist in den letzten Jahren weitgehend stabil geblieben. 33 Millionen Menschen lebten nach Schätzungen von UNAIDS im Jahr 2007 mit dem Virus. In Teilen Afrikas, vor allem im Osten und im Süden des Kontinents, stieg jedoch die Zahl der Todesfälle weiter an. 2,7 Millionen Menschen infizieren sich jährlich weltweit mit HIV, zwei Millionen sterben an den Folgen von Aids.

    Deutsche Aids-Hilfe blog vom 28. Mai 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Antikörperbildung gegen p24 im Mausmodell

    Einem Forscherteam der Universiät Örebro, Schweden, ist es gelungen, Pflanzengene so zu verändern, dass sie als Vakzine gegen HIV funktionieren. Die genmodifizierten Pflanzen produzierten das Protein p24, das Teil des Virus ist. Mäuse, an die diese Pflanzen verfüttert wurden, bildeten Antikörper gegen dieses Protein.

    „Ein Hauptproblem bei HIV ist die schnelle Mutationsrate, es existiert in verschiedenen Varianten. Daher ist es nicht möglich, ein effektives Vakzin auf Basis des ganzen Virus zu entwickeln. Dies wäre auch zu riskant. Stattdessen haben wir das Protein p24 selektiert, das in allen Subtypen unverändert vorkommt“, so Ingrid Lindh, Autorin der Dissertation. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch das menschliche Immunsystem Antikörper gegen das Protein bildet, womit jedoch noch kein ausreichender Immunschutz sichergestellt wäre.“

    Um die Potenz der Vakzine zu steigern, werden daher mehrere HIV-Proteine zusammen mit anderen Komponenten zusammengebracht, die die Immunantwort auf HIV-spezifische Proteine verstärken. Als Pflanze wurde die Ackerschmalwand verwendet (Arabidopsis thaliana), es käme aber auch beispielsweise die Karotte in Frage, so Lindh: „Sie kann roh gegessen werden, sodass das Protein nicht durch Erhitzen zerstört werden würde.“

    Quelle: Schwedischer Forschungsrat (http://www.vr.se/)

    journalmed vom 25. Mai 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Fixe Dreifach Kombi vereinfacht die Behandlung

    Chance auf Therapietreue und Vermeidung von Resistenzen steigt / Umstellung verringert Rate unerwünschter Wirkungen.

    München - Seit einem Jahr gibt es für HIV-Infizierte die fixe Dreifachkombination aus Efavirenz, Emtricitabin und Tenofovir DF. Diese komplette HIV-Therapie in einer einzigen Tablette muss nur einmal am Tag eingenommen werden.

    Die fixe Dreier-Kombination kann nach Angaben von Dr. Knud Schewe die in der HIV-Behandlung notwendige Therapietreue verbessern. Das erhöht die Chance, dass sich keine Resistenzen entwickeln und die Therapie dauerhaft wirkt. Die Kombinationstablette Atripla® enthält den nicht-nukleosidischen Reverse Transkriptasehemmer (NNRTI) Efavirenz (EFV/Sustiva® von Bristol-Myers Squibb) und die beiden nukleosidischen oder nukleotidischen Reverse Transkriptasehemmer (N(t)RTI) Emtricitabin und Tenofovir DF (FTC/Emtriva® und TDF/ Viread® als Einzelsubstanzen sowie Truvada® als fixe Zweierkombination von Gilead).

    Patienten, bei denen HIV unter einer initialen HIV-Therapie seit mindestens drei Monaten nicht mehr nachweisbar ist, können auf die fixe Dreier-Kombi umgestellt werden. Dass dieses Konzept der Therapievereinfachung erfolgreich ist, belegen aktuelle Studienergebnisse, wie Schewe auf einer Veranstaltung von Bristol-Myers Squibb und Gilead in München berichtete.

    Insgesamt 286 Patienten, die zuvor 144 Wochen lang entweder EFV plus FTC/TDF oder EFV plus AZT/3TC erhielten, wurden auf die Kombinationstablette umgestellt. Nach 48 Wochen war die Virusmenge bei 94 Prozent (Wechsel von EFV plus TDF/FTC auf die Fixkombination) und bei 90 Prozent (Wechsel von EFV plus AZT/3TC auf die Fixkombination) der Patienten weiterhin unter der Nachweisgrenze.

    In einer US-Phase-IV-Studie wurden 300 Patienten von einer stabilen HIV-Therapie (NNRTI- oder Proteasehemmer (PI) plus 2 NRTI) im Verhältnis zwei zu eins auf die fixe Dreifachkombination umgestellt. Nach 48 Wochen war bei ähnlich vielen Patienten HIV nicht mehr nachweisbar (87 Prozent mit Wechsel auf die Fixkombination und 85 Prozent mit Beibehaltung der Therapie).

    Nach Angaben des Hamburger Experten wirkt sich die Fixkombi auch auf die Nebenwirkungen günstig aus, etwa Diarrhöe, Schmerzen, erhöhte Triglyzerid- und Cholesterin-Werte.

    Ärzte-Zeitung vom 26. Mai 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Entwicklung der HIV-Epidemie in Deutschland im Jahr 2008

    Nach wie vor hohe HIV-Fallzahlen in der Bundesrepublik Deutschland.

    Für das Jahr 2008 sind dem Robert Koch-Institut insgesamt 2.806 HIV-Neudiagnosen gemeldet worden. Gegenüber dem Jahr 2007 (2.774 Neudiagnosen) bedeutet dies keine nennenswerte Veränderung. „Die nach wie vor hohe Zahl zeigt, dass Prävention und Forschung weiterhin wichtig sind“, meint Jörg Hacker, Präsident des RKI. Allerdings gibt es regional abweichende Entwicklungen. Der neue Jahresbericht mit umfangreichen Daten zu HIV-Infektionen und AIDS-Erkrankungen ist im Epidemiologischen Bulletin 21/2009 veröffentlicht worden und auf den RKI-Internetseiten abrufbar.

    Angaben zum Infektionsweg lagen für 85% der im Jahr 2008 neu diagnostizierten HIV-Infektionen vor. Darunter stellen Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), mit 65% unverändert die größte Gruppe. Hier ist die Zahl der Neudiagnosen im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr (2007) praktisch unverändert - 1.555 beziehungsweise 1.552 (im Jahr 2007 musste bei den MSM noch ein Anstieg um 12% gegenüber 2006 registriert werden).

    Abweichend musste für Berlin von 2007 auf 2008 eine Zunahme der HIV-Neudiagnosen bei Männern insgesamt festgestellt werden, um 7 %. Im Jahr zuvor war bei Männern in Berlin die Zahl der Syphilis-Fälle erheblich gestiegen (um 46 % von 2007 auf 2008). Auch in Hamburg war im vergangenen Jahr eine solche Syphiliswelle zu beobachten. Steigende Syphilis-Zahlen gelten als Hinweis für einen möglichen Anstieg der HIV-Neudiagnosezahlen. Syphilis-Bakterien und andere sexuell übertragbare Erreger führen über die Förderung entzündlicher Prozesse dazu, dass daran Erkrankte sich leichter mit HIV anstecken oder das Virus leichter weitergeben.

    Der Anteil derjenigen, die ihre HIV-Infektion durch heterosexuellen Kontakt erworben haben, bleibt unverändert bei 17% (403 Fälle). Der Anteil der Personen aus Staaten mit sehr vielen HIV-Infizierten in der allgemeinen Bevölkerung (Hochprävalenzländer) stieg im Jahr 2008 leicht auf 12% der HIV-Neudiagnosen (296 Fälle). Der Anteil der Personen, die eine HIV-Infektion wahrscheinlich über (intravenösen) Drogengebrauch erworben haben, geht leicht zurück, auf 5% (123 Neudiagnosen).

    Im Jahr 2008 wurden 21 HIV-Infektionen (1%) bei Kindern und Neugeborenen diagnostiziert, die sich über ihre Mutter infiziert haben. Davon wurden elf in Deutschland geboren (Schwangerschaften in 2006, 2007 und 2008). Bei sechs dieser Kinder war kein HIV-Test in der Schwangerschaft durchgeführt worden, obwohl die betreuenden Ärzte seit Jahren den HIV-Test im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen anbieten sollen und seit Ende 2007 zu dem Angebot verpflichtet sind.

    Die Zahl der Neudiagnosen ist seit dem niedrigsten Wert (1.443) im Jahr 2001 stetig gestiegen, zum Teil auch durch eine verbesserte Erkennung von Erstdiagnosen und eine höhere Inanspruchnahme von HIV-Tests. Die Zahl der HIV-Neudiagnosen ist nicht identisch mit der Zahl der Neuinfektionen in einem Zeitraum (HIV-Inzidenz). HIV-Infektion und -Test können zeitlich weit auseinander liegen. Eine vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Studie des RKI zur Bestimmung des Anteils der kürzlich erworbenen HIV-Infektionen unter den HIV-Neudiagnosen ist 2008 angelaufen, vorläufige Ergebnisse werden voraussichtlich Mitte 2009 vorliegen.

    Der detaillierte Jahresbericht mit Daten zu HIV-Infektionen und AIDS-Erkrankungen ist auf den RKI-Internetseiten abrufbar. Download: Epidemiologisches Bulletin 21 / 2009

    Robert Koch-Institut – Pressemeldung vom 25. Mai 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aids ist nicht besiegt - aber Prävention zeigt Erfolge

    Die neuen Daten der Repräsentativerhebung "Aids im öffentlichen Bewusstsein 2008" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigen einen weiteren Anstieg des Schutzverhaltens in der Bevölkerung. Auch die Kondomabsatzzahlen liegen im Jahr 2008 auf dem Rekordniveau von 215 Millionen Stück. Dennoch muss der Kampf gegen die HIV-Ausbreitung in Deutschland mit aller Kraft weitergeführt werden, um die positive Entwicklung zu festigen und idealerweise weiter zu verbessern.

    Die neuen Daten der Repräsentativerhebung "Aids im öffentlichen Bewusstsein 2008", mit der die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) regelmäßig Wissen, Einstellungen und Verhalten der Bevölkerung im Hinblick auf HIV/Aids sowie die Reichweiten der Aufklärungsmaßnahmen untersucht, zeigen einen weiteren Anstieg des Schutzverhaltens in der Bevölkerung.

    Nach einem Rückgang der Kondomnutzung im Zeitraum 2000 bis 2004 steigt bei Befragten mit mehreren Sexualpartnerinnen und Sexualpartnern das Schutzverhalten wieder an und hält seit 2007 den Anteil von 85 Prozent (2004: 77 Prozent). Auch die Kondomnutzung zu Beginn neuer Beziehungen hat sich weiter erhöht. Im Jahr 2008 verwendeten 81 Prozent derer, die in den vergangenen zwölf Monaten eine neue Partnerschaft begonnen haben, zu Beginn dieser Beziehung Kondome, 2004 waren es 70 Prozent.

    Die zunehmende Kondomnutzung findet auch ihren Ausdruck in der Entwicklung der Kondomabsatzzahlen, die die Deutsche Latex Forschungsgemeinschaft Kondome e.V. jährlich veröffentlicht. Nach 207 Millionen verkaufter Kondome im Jahr 2000 gingen die Zahlen in 2003 auf 189 Millionen zurück. Seit 2004 steigen die Absatzzahlen wieder und liegen im Jahr 2008 auf dem Rekordniveau von 215 Millionen Stück.

    Schließlich zeigen die epidemiologischen Daten des Robert Koch-Instituts zu HIV-Infektionen und AIDS-Erkrankungen in Deutschland im Jahr 2008, dass erstmals seit dem Jahr 2000 die Neudiagnosen nicht nennenswert gestiegen sind, sondern sich annähernd auf dem Niveau des Vorjahres bewegen.

    "Die Einschätzung der aktuellen Situation zeigt, dass Aids nicht besiegt ist, dass es aber Erfolge im Kampf gegen HIV gibt", betont Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. "Die Kondomnutzung der Deutschen ist so hoch wie nie zuvor und die Anzahl der geschätzten Neuinfektionen ist im Jahr 2008 erstmals wieder stabil. Dieses Ergebnis ist maßgeblich auf die nach dem Anstieg der Infektionszahlen intensivierte Aidspräventionsarbeit mit neuen Konzepten zurückzuführen." Damit das auch weiterhin gewährleistet ist, hat das Bundesministerium für Gesundheit die finanziellen Mittel für die Aids-Prävention im Jahr 2009 noch einmal um 1 Million Euro auf 13,2 Millionen Euro erhöht. Außerdem stehen aufgrund der finanziellen Unterstützung durch den Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. zusätzliche Mittel von jährlich 3,4 Millionen Euro für die Aids-Prävention zur Verfügung.

    "Der Kampf gegen die HIV-Ausbreitung muss in Deutschland mit aller Kraft weitergeführt werden, um die positive Entwicklung zu festigen und idealerweise weiter zu verbessern"; so die Direktorin der BZgA. Die Rahmenbedingungen und Herausforderungen für die Prävention haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert. So gilt es, sehr unterschiedliche Zielgruppen mit auf sie zugeschnittenen Botschaften und Medien zu erreichen.

    Die BZgA hat auf diese Herausforderung mit ihrer neuen Kampagne "Liebesorte" reagiert. Mit einem Bündel von Plakat- und Anzeigenmotiven, TV- und Kinospots, Ausstellungselementen und dem Internet hat sie innovative Präventionsangebote entwickelt, die sich an den Lebenswelten ihrer Zielgruppen orientieren. Dabei geht es heute nicht mehr nur um die Erhöhung der Bereitschaft, Kondome zu nutzen. Es geht vor allem darum, Menschen darin zu bestärken, gemeinsam mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin gut informierte, verantwortliche Entscheidungen zu treffen. Die deutsche AIDS-Hilfe (DAH), die vor allem die hauptsächlich betroffenen und gefährdeten Gruppen anspricht, setzt mit ihrer Kampagne "ICH WEISS WAS ICH TU" wichtige neue, präventive Impulse.

    Die im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit durchgeführte Kampagne der BZgA für die Allgemeinbevölkerung und die der DAH für die Hauptbetroffenengruppen tragen entscheidend dazu bei, die bis heute erreichten Präventionserfolge auch künftig zu sichern.

    Ergebnisse der Studie "Aids im öffentlichen Bewusstsein" unter: http://www.bzga.de

    Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – Pressemeldung vom 25. Mai 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV/AIDS Kommunikation in Afrika

    Linguistische Fallstudien der Bayreuther Romanistik

    Die Auseinandersetzung mit HIV/AIDS stellt in traditionsverhafteten Gesellschaften Afrikas eine besondere Herausforderung dar. Am Beispiel von Burkina Faso befassen sich Fallstudien der Bayreuther Romanistik mit den sprachlichen und kulturellen Aspekten einer auf Prävention abzielenden Kommunikation. Dabei geht es u.a. um die Frage, wie Emotionen und Tabus ineinander greifen und in Ausbildungskursen für diejenigen Personen wirksam werden, die als Multiplikatoren für medizinische und präventionsbezogene Kenntnisse tätig werden sollen. Empirisch-linguistische Gesprächsanalysen tragen dazu bei, wesentliche Voraussetzungen einer erfolgreichen HIV/AIDS-Kommunikation bewusst zu machen.
    Bayreuth (UBT). Aufklärung hat in den am stärksten von HIV/AIDS betroffenen Ländern Afrikas höchste Priorität. Für die traditionsverhafteten Gesellschaften Afrikas stellt die Auseinandersetzung mit dieser Krankheit, die an fundamentale, durch Tabus geschützte menschliche Lebensbereiche rührt, eine besondere Herausforderung dar. Professorin Dr. Martina Drescher, Romanistin und Sprachwissenschaftlerin an der Universität Bayreuth, befasst sich seit mehreren Jahren mit Kommunikationsprozessen, die unter diesen kulturellen Voraussetzungen medizinisches Wissen über HIV/AIDS vermitteln. Zu dieser Thematik hat sie erneut einige Forschungsarbeiten veröffentlicht.

    HIV/AIDS-Prävention in Burkina Faso

    Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht die auf Prävention abzielende Gesundheitserziehung in Burkina Faso, einem westafrikanischen Binnenland, das bis 1960 französisches Kolonialgebiet war. Nach den Schätzungen von UNAIDS sind gegenwärtig 2,7% der rund 13 Millionen Einwohner mit dem HI-Virus infiziert. Aufklärungsinitiativen finden zu einem großen Teil in der Amtssprache Französisch statt. Angesichts der mehr als 60 lokalen afrikanischen Sprachen, die in Burkina Faso gesprochen werden, ist das Französische ein unentbehrliches überregionales und interethnisches Verständigungsmittel.

    Ein besonders aufschlussreiches Feld für die Untersuchung von kommunikativen Prozessen im Bereich der HIV/AIDS-Prävention bilden Ausbildungskurse für Personen, die später in ihrem jeweiligen sozialen und ethnischen Umfeld als Multiplikatoren wirken sollen. Diese so genannten "Peer Educators" dienen nicht nur als Rollenmodell, sondern sie sollen auch ihr medizinisches Wissen und ihre Kenntnisse bezüglich geeigneter Präventionsmaßnahmen aktiv weitergeben. In der Regel sprechen sie eine umgangssprachliche lokale Form des Französischen, während ihre Ausbilder ein eher standardnahes Französisch verwenden. Verständigungsschwierigkeiten sind daher nicht selten. Dennoch ist das Standardfranzösische als Medium des Wissenstransfers vorteilhaft: Zum einen stellt es eine hinreichend differenzierte Begrifflichkeit für die Erklärung biomedizinischer Zusammenhänge zur Verfügung; und zum anderen erleichtert der Abstand, der mit der Verwendung einer anderen als der eigenen Muttersprache einhergeht, ein offeneres Sprechen über tabubeladene Themen.

    Im Spannungsfeld zwischen Emotion und Tabu

    Die Frage, wie Emotionen und Tabus ineinander greifen und dabei kommunikative Prozesse in den Ausbildungskursen beeinflussen, bildet einen Schwerpunkt in den Arbeiten von Professorin Drescher. Gespräche zwischen Ausbildern und den künftigen "Peer Educators" wurden von ihrem Forscherteam mit Video aufgezeichnet und anschließend verschriftlicht. Die so erhobenen Daten wurden dann im Detail analysiert - und zwar sowohl mit empirisch-linguistischen Methoden als auch in Hinblick auf neuere theoretische Konzepte aus der Tabuforschung. Zentral ist dabei der Gedanke, dass Tabus nicht bloß als vorab bestehende Verbote aufzufassen sind, sondern als das Ergebnis des sprachlichen und kommunikativen Handelns der an einem Gespräch beteiligten Personen. Diese handeln gleichsam miteinander aus, was in der gegebenen Situation ein Tabu darstellt und was nicht. Und sie verdeutlichen sich dies auch und gerade im Medium der Sprache.

    Das Hauptinteresse gilt daher dem sprachlichen Umgang mit "heiklen" Themen wie Sexualität und Krankheit. Dabei richtet sich das Augenmerk einerseits auf die sprachlichen Ausdrucksformen und andererseits auf typische Gesprächsstrategien. Diese lassen vorsichtige Rückschlüsse auf mögliche emotionale Reaktionen beim Reden über Tabus zu. Dabei muss die Interpretation sprachlicher Phänomene - wie z.B. die Verwendung von Euphemismen, unspezifischen Pronomina oder Ausdrücken der Vagheit - grundsätzlich deren Einbettung in den jeweiligen Gesprächskontext mit seinen kulturellen Prägungen und sozialen Normen berücksichtigen.

    HIV/AIDS-Kommunikation als interkultureller Prozess

    Solche Fallstudien sind, wie Professorin Drescher hervorhebt, von hoher praktischer Relevanz. Zwar spricht vieles dafür, dass die Behandlung von Themen wie Sexualität und Krankheit im Rahmen von HIV/AIDS-Präventionsprogrammen deutlich erleichtert wird, wenn emotionale und irrationale Aspekte ausgeblendet werden. Aber ebenso stützen neuere Forschungen die Annahme, dass diese Programme ihre angestrebte Wirkung verfehlen, wenn sie sich auf einen rational ausgerichteten Wissenstransfer beschränken und die emotionale Dimension dauerhaft ausblenden. Denn als Multiplikatoren sollen die "Peer Educators" ihr Wissen und ihre dadurch veränderten Gewohnheiten in den jeweiligen lokalen Kontext so hineintragen, dass sie möglichst nachhaltige Veränderungen im Sexualverhalten auslösen. Dies erreichen sie aber nur dann, wenn sie ihr Kommunikationsverhalten auf die lokalen sprachlichen Normen und die kulturellen Prägungen ihrer Zielgruppen abstimmen. Auch die emotionale Seite des menschlichen Verhaltens ist dabei nicht zu vernachlässigen. Die "Peer Educators" stehen damit vor der Herausforderung, einen komplexen und zudem interkulturell geprägten Prozess des Wissenstransfers zu gestalten. Empirisch-linguistische Gesprächsanalysen tragen dazu bei, diese Voraussetzungen einer erfolgreichen HIV/AIDS-Kommunikation bewusst zu machen.

    Literatur:
    Drescher, Martina (im Druck): Contextualizing local knowledge. Reformulations in HIV/AIDS prevention in Burkina Faso. In: Higgins, Christina / Norton, Bonny (ed.), Applied linguistics in the field: Local knowledge and HIV/AIDS, Multilingual Matters, Clevedon.
    Drescher, Martina (2008a): La reformulation dans la prévention contre le VIH/Sida: l'exemple du Burkina Faso. In: Schuwer, Martine / Le Bot, Marie-Claude / Richard, Elisabeth (ed.), Pragmatique de la reformulation. Types de discours - Interactions didactiques. Presses Universitaires de Rennes, Rennes, 39-54.
    Drescher, Martina (2008b): Im Spannungsfeld von Emotion und Tabu: Das Beispiel der HIV/AIDS-Prävention in Burkina Faso. In: Bulletin Suisse de Linguistique Appliquée (VALS-ASLA) 88, 115-141.
    Drescher, Martina (2007): Global and local alignments in HIV/AIDS prevention trainings: A case study from Burkina Faso. In: Communication & Medicine 4-1, 3-14.
    Drescher, Martina / Klaeger, Sabine (eds.) (2006): Kommunikation über HIV/Aids. Interdisziplinäre Beiträge zur Prävention im subsaharischen Afrika. LIT Verlag, Münster.

    Universität Bayreuth – Pressemeldung vom 25. Mai 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Loperamid nicht mehr verordnungsfähig!

    Am 1. April 2009 ist eine neue Arzneimittelrichtlinie in Kraft getreten. In Anlage III ist zu lesen, dass Antidiarrhoika, d.h Loperamid, nur noch zur Motilitätshemmung bei Kolektomie in der post-operativen Phase verordnungsfähig ist.

    In der Arzneimittelrichtlinie selbst heißt es im Abschnitt II Besonderer Teil - Verordnungsausschlüsse in der Arzneimittelversorgung durch Gesetz und zugelassene Ausnahmen:

    (2) Die Verordnung dieser Arzneimittel ist nach § 34 Abs. 1 Satz 2 SGB V ausnahmsweise zulässig, wenn die Arzneimittel bei der Behandlung schwerwiegender Erkrankungen als Therapiestandard gelten.

    (3) Eine Krankheit ist schwerwiegend, wenn sie lebensbedrohlich ist oder wenn sie aufgrund der Schwere der durch sie verursachten Gesundheitsstörung die Lebensqualität auf Dauer nachhaltig beeinträchtigt.

    (8) Nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel, die zur Behandlung der beim bestimmungsgemäßen Gebrauch eines zugelassenen, im Rahmen der vertrags-ärztlichen Versorgung verordnungsfähigen Arzneimittels auftretenden schädlichen unbeabsichtigten Reaktionen (unerwünschte Arzneimittelwirkungen; UAW) eingesetzt werden, sind verordnungsfähig, wenn die UAW schwerwiegend im Sinne des Absatzes 3 sind.
    Erstattung oder Regress?

    Ob diese Ausnahmen auch auf Loperamid zutreffen, ist derzeit unklar. Eine verbindliche Auskunft von der KV Bayern war in einem persönlichen Gespräch nicht zu bekommen und dürfte sich auch bei anderen KVen ebenso schwierig gestalten. Fest steht allerdings, dass die Kassen bei Verordnung auf Kassenrezept zunächst einmal nicht erstatten werden. Der schwarze Peter bleibt also mal wieder an den Ärzten hängen.

    Quelle: http://www.g-ba.de

    HIV&More vom 21. Mai 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Landkarte zeigt HIV-Ausbreitung in Europa

    Mobilität der Menschen spielt entscheidende Rolle

    Athen - Wissenschaftler der Universität Athen http://uoa.gr/uoauk/uoaindex.htm haben die Ausbreitung von HIV in Europa auf einer Karte abgebildet. Das Team um Dimitrios Paraskevis hat nachgewiesen, dass vor allem Urlauber, die sich im Ausland infiziert haben, verantwortlich für die Verbreitung der Krankheit sind. Durch die Analyse von Proben aus 17 europäischen Ländern konnte die Wanderung des Virus über den Kontinent nachgezeichnet werden. Die HIV-Landkarte zeigt, dass Griechenland, Portugal, Serbien und Spanien große Exporteure des Virus sind. Viele Reisende in diese Länder und Migranten verlassen sie mit einer Infektion. Großbritannien gilt als Importeur aber auch als Exporteur. Details der Studie wurden in dem Fachmagazin Retrovirology veröffentlicht.


    Die Karte zeigt die Wanderwege von HIV durch Europa / Paraskevis et al, Retrovirology 2009

    Auch Israel, Norwegen, die Niederlande, Schweden und die Schweiz sind Exporteure und Importeure. Länder wie Österreich, Belgien, Dänemark, Deutschland und Luxemburg sind laut Studie vor allem Importeure. In Polen ist HIV in sich abgeschlossen. Seine Ausbreitung innerhalb des Landes findet vor allem über die von Drogensüchtigen benutzten Nadeln statt. Für die Erstellung der Landkarte konzentrierten sich die Wissenschaftler auf die in Europa am meisten verbreitete HIV-Form, auf den HIV-1 Subtyp B.

    Die Wissenschaftler zeichneten seine Verbreitung durch einen Stammbaum des Virus nach. Dabei konzentrierten sie sich auf die detaillierten genetischen Charakteristiken, die zeigen, wie sich das Virus im Laufe der Zeit entwickelt hat. Paraskevis erklärte, dass sich Viren mit den Reisenden weiter verbreiten. Aus diesem Grund sollten die Gesundheitsprogramme in diesen Ländern sich nicht nur auf die lokale Bevölkerung konzentrieren. Präventionsprogramme sollten auch Migranten, Reisende und Touristen erfassen. Sie seien Hauptquellen und Hauptziele des Virus.

    Pressetext Austria vom 20. Mai 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Wirkstoff aus Grünem Tee schützt vor HIV-Übertragung aus Samen

    Hamburger Forscher entdeckten, dass ein Wirkstoff aus Grünem Tee die Infektiosität von HIV-1 im Laborexperiment drastisch senkt. Ilona Hauber und ihre Kollegen vom Heinrich-Pette-Institut (HPI) in Hamburg postulieren, dass dieser Hemmstoff, wenn er in konzentrierter Form in mikrobiziden Vaginalcremes enthalten ist, vor der sexuellen Übertragung von HIV schützen könnte. Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten die Virologen jetzt im renommierten Fachjournal PNAS (online Early Edition 18. Mai 2009).

    Ulmer Wissenschaftler hatten vor 2 Jahren erkannt, dass im menschlichen Samen feinste Fäden, so genannte amyloide Fibrillen, enthalten sind, die mit HIV und der Zelloberfläche wechselwirken. Dies geschieht, in dem sich HIV in das Proteinnetz der Fibrillen einlagert, dadurch nah an die Zelloberflächen gelangt und so eine effektive Infektion von Zellen ermöglicht wird. Die Fibrillen heißen abgekürzt SEVI (Semen-derived Enhancer of Viral Infection) und sind Abbauprodukte eines Proteins, das in hohen Mengen im Samen enthalten ist. Mit Hilfe von SEVI erhöht sich die Infektiosität von HIV drastisch. Ein Hemmstoff, der SEVI im Samen abbaut und unschädlich macht, könnte somit auch die Ansteckung mit HIV bei der sexuellen Übertragung verringern, so war die Idee der Hamburger Forscher.

    Ilona Hauber wurde hellhörig, als sie Studien über einen Wirkstoff im Grünen Tee las, der Proteinablagerungen und feinste Fibrillen in Blutgefäßen abbauen kann. „Wir testeten diesen Wirkstoff in hochreiner und konzentrierter Form an Zellen in Anwesenheit von SEVI und stellten fest, dass die Infektion von Zellen mit HIV-1 dramatisch sank“, erklärt Hauber. Das Catechin EGCG, so heißt der Wirkstoff im Grünen Tee, verhindert die Bildung der Fibrillen und baut diese auch innerhalb mehrerer Stunden ab. Mit dem Elektronenmikroskop konnten die Hamburger Kollegen am Heinrich-Pette-Institut diese dynamischen Prozesse verfolgen.

    Ilona Hauber warnt jedoch vor falschen Vorstellungen: „Es nutzt nichts, große Mengen an Grünem Tee zu trinken und dann zu glauben, damit sei man vor HIV geschützt! Der Wirkstoff EGCG muss in höherer Konzentration mit Samen in Berührung kommen, und das ist als Wirkstoff in Vaginalcremes vermutlich am besten zu erreichen. Wir hoffen, dass sich so vielleicht verbesserte Cremes entwickeln lassen, die auch für den afrikanischen Markt als kostengünstige Prophylaxe geeignet wären!“

    Heinrich-Pette-Institut - Pressemeldung vom 19. Mai 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neuer Schnelltest ermöglicht Nachweis einer akuten HIV-Infektion

    Bereits auf der internationalen AIDS-Konferenz in Mexico hatte Inverness Medical den neuen HIV-Schnelltest Determine HIV 1/2 Ag/Ab Combo vorgestellt. Ab sofort ist der Test der 4ten Generation in Deutschland erhältlich. Als weltweit einziger Schnelltest weist er nach eigenen Angaben HIV-Infektionen mehrere Tage früher als die gängigen HIV-Antikörper-Schnelltests nach. Er ermöglicht den gleichzeitigen separaten Nachweis des HIV p24-Antigens (Ag) sowie der Antikörper (Ab) gegen HIV-1 und HIV-2 in menschlichem Serum, Plasma oder Vollblut (auch aus Kapillarblut aus der Anzeige aus der Fingerbeere).

    Frühinfektionen, die für die Mehrzahl der Übertragungen verantwortlich sind, können nur mit einem Antigen-Test nachgewiesen werden. Das p24-Antigen wird in den ersten Wochen einer HIV-Infektion produziert und ist bereits nachweisbar, noch bevor HIV-Antikörper gebildet werden. Ein Meilenstein, denn durch den gleichzeitigen Nachweis von p24-Antigen und HIV-Antikörper verbessert der Determine HIV-1/2 Ag/Ab Combo die Möglichkeiten der Schnelldiagnostik einer primären HIV-Infektion.

    Der qualitative Lateral-Flow-Test von Inverness Medical liefert nach eigenen Angaben klare, visuell ablesbare Patientenergebnisse innerhalb von 20 Minuten. Determine kann auch Vorteile im Vergleich zu Labor-basierten EIA und ELISA der 4ten Generation bieten, denn er benötigt keine weitere Laborausstattung und ist sehr einfach durchführbar. Der Test erkennt alle bekannten HIV-Subtypen und unterstützt weltweit Mitarbeiter im Gesundheitswesen dabei, HIV-Infektionen zu diagnostizieren, eine Mutter-Kind-Infektion zu verhindern, die HIV-Ausbreitung zu überwachen und Blutspenden zu überprüfen.

    bionity vom 19. Mai 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Infizierte leben fast so lange wie Gesunde

    HIV-Kranke in der Schweiz leben dank modernen Medikamenten immer länger. Trotz verbesserter Chancen auf ein längeres Leben gibt es keinen Grund zur Entwarnung.

    Patienten mit HIV hätten heute eine fast normale Lebenserwartung, teilt die Schweizerische Gesellschaft für Innere Medizin (SGIM) mit. Dies zeige die seit 1998 laufende Langzeitstudie «Swiss HIV Cohort Study».

    «Ein 20-Jähriger mit einer HIV-Infektion profitiert heute dank modernster antiretroviraler Therapien im Idealfall von einer Lebensverlängerung von über 40 Jahren», wurde Professor Manuel Battegay vom Basler Universitätsspital in der Mitteilung zitiert.

    In der Schweiz gibt es 20.000 HIV-Infizierte

    Battegay hatte an der Jahresversammlung der Internisten in Basel die aktuellen Daten der Schweizer HIV-Kohortenstudie präsentiert. Im Rahmen dieser Kohorte werden derzeit 7300 HIV-Infizierte im Alter von 16 bis 82 Jahren betreut. Die größte Zunahme bei den Teilnehmern der HIV-Kohorte habe man in den letzten Jahren bei der Gruppe der 41- bis 50-Jährigen registriert, sagte der Infektiologe.

    In der Schweiz leben laut SGIM derzeit rund 20'000 Menschen mit HIV. Allein im vergangenen Jahr infizierten sich laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) in der Schweiz 766 Personen neu mit dem Immunschwäche-Virus, wobei das Durchschnittsalter gemäss SGIM bei 35 Jahren lag.

    Kein Grund zur Entwarnung

    Eine zusehends einflussreichere Rolle bezüglich der Lebenserwartung bei stabil alternden HIV-Patienten spielen laut Battegay andere Erkrankungen wie Tumore oder Hepatitis-Infektionen sowie Interaktionen zwischen den hierfür erforderlichen Medikamenten und der Anti-HIV-Therapie.

    Hinzu komme, dass HIV ein wichtiger Risikofaktor für Herzkreislauf-Krankheiten sei, so wie dies hohe Cholesterinwerte, Rauchen und Diabetes auch seien, sagte Battegay. Trotz verbesserter Chancen auf ein längeres Leben mit HIV gibt es keinen Grund zur Entwarnung. Die Prävention von HIV müsse zentral bleiben.

    Basler Zeitung vom 18. Mai 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Deutsche AIDS-Stiftung unterstützt Impfstoffforschung

    Bonn – Weltweit leben mehr als 33 Millionen Menschen mit HIV, 7.000 Menschen infizieren sich jeden Tag neu. Auf je zwei Patienten, die in Behandlung gekommen sind, werden fünf neue HIV-Infektionen gezählt. Trotz der positiven Entwicklung der Therapien ist AIDS nach wie vor nicht heilbar. Die Experten sind sich darüber einig, dass die AIDS-Pandemie nur mit einem Impfstoff besiegt werden kann. "Aus diesem Grund ist es dringend notwendig, die Impfstoffforschung voranzutreiben", betonte der geschäftsführende Vorstand der Deutschen AIDS-Stiftung, Dr. Ulrich Heide, anlässlich des diesjährigen Welt-AIDS-Impfstofftages.

    Daher engagiert sich die Deutsche AIDS-Stiftung auch selbst in der Forschungsförderung, z.B. unterstützt sie ein Projekt am Robert-Koch-Institut in Berlin. Unter der Leitung von Dr. Joachim Denner forscht dort eine Arbeitsgruppe zu neutralisierenden Antikörpern, die eine HIV-Infektion verhindern könnten. Sie wirken gegen das Eiweiß auf der Oberfläche des HIV-1, das eine wichtige Rolle beim Eindringen des Virus in die Zielzellen spielt. Bisher ist es allerdings nicht gelungen, derartige Antikörper in Impfversuchen an Labortieren zu generieren. Der Weg über neutralisierende Antikörper ist eine der wenigen Möglichkeiten, einen HIV-Impfstoff zu entwickeln.

    Die Stiftung bezuschusst das Projekt mit 60.000 Euro. Dank dieser Förderung konnten in der Arbeitsgruppe nun neue Erkenntnisse über das Hülleiweiß gp41 gewonnen werden. Die Untersuchungen ergaben, dass zwei Regionen von gp41 aneinander binden müssen, um dann wiederum die Bindung der neutralisierenden Antikörper an diese Regionen zu erhöhen. Auf der Basis dieser Erkenntnis werden nunmehr beide Regionen von gp41 als Impfantigen verwendet. Die ersten Impfversuche an Labortieren haben bereits begonnen.

    Mit der direkten Förderung von Forschungsprojekten unterstreicht die Stiftung die Wichtigkeit der AIDS-Impfstoffforschung. Gleichzeitig appelliert die Stiftung an Politik und Wirtschaft, sich stärker als bisher in der Impfstoffforschung zu engagieren und diese auch finanziell zu unterstützen. Seit dem Jahr 2000 kooperiert die Deutsche AIDS-Stiftung mit der International AIDS Vaccine Initiative (IAVI). IAVI führt als gemeinnützige Organisation seit 1996 staatlichen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Sachverstand zusammen, um Forschungsprozesse zu beschleunigen.

    Vor zwölf Jahren rief der frühere US-Präsident Bill Clinton den Welt-AIDS-Impfstofftag ins Leben und forderte die Welt auf, innerhalb einer Dekade einen Impfstoff gegen AIDS zu entwickeln - ein Durchbruch ist heute noch nicht in Sicht.

    Deutsche AIDS-Stiftung - Pressemeldung vom 15. Mai 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Versteckte Aids-Botschaften – demnächst auch bei uns im Fernsehen?

    Schleichwerbung im Fernsehen, nicht nur für Kaffee und Cola, sondern auch für Gesundheits-Themen, ist längst Realität. Die Bill und Melinda Gates Stiftung will diese unterschwellige Gesundheits-Werbung nun massiv ausweiten – auch im Aids-Bereich.

    Die ‘Bill and Melinda Gates Foundation’ ist eine Stiftung, die sich insbesondere aus den Mitteln ihrer beiden Namenspatrone Bill und Melinda Gates sowie aus dem Vermögen des Investors Warren Buffett speist. Die im Jahr 2000 gegründete Stiftung ist inzwischen die größte Stiftungen weltweit, kontrolliert ein Vermögen von geschätzten 37 Milliarden US-$.

    Die ‘Bill and Melinda Gates Stiftung’ unterstützt viele Projekte weltweit, oftmals mit dem Ziel der Förderung von Gesundheit und Bildung. Eines der bedeutendsten Arbeitsfelder der Stiftung ist HIV/Aids.

    Weniger bekannt ist, dass diese Stiftung auch ‘hinter den Kulissen’ sehr aktiv ist. Aktiv, um Einfluss zu nehmen. Einfluss zum Beispiel auch darauf, welche Geschichten (und wie) in erfolgreichen TV-Serien erzählt werden. Aktiv, um hier ihre Botschaften unterzubringen.

    Längst ist es der Stiftung gelungen, dafür zu sorgen, dass die ihrer Ansicht nach wichtigen Botschaften auch zu Gesundheitsthemen in TV-Serien wie „ER“, „Law and Order: SUV“ oder „Private Practice“ auftauchen. Serien, die teils auch im deutschsprachigen Fernsehen laufen. Auch Botschaften zur HIV-Prävention haben so ihren Weg auf Millionen heimische Bildschirme weltweit gefunden.

    Doch damit nicht genug. Die ‘Bill und Melinda Gates Stiftung’ möchte mehr, möchte ihren Einflussbereich weiter ausdehnen. Dazu wurde eine Vereinbarung geschlossen mit dem Medienkonzern Viacom, zu dessen Imperium unter anderem Sender wie MTV, VH1 oder Nickelodeon gehören.

    Gegenstand des Vertrags: ‘message placement’, die Platzierung von Botschaften. Wo bisher Konsumgüter-Konzerne bezahlen, damit die ‘richtige’ Cola-Marke auf dem Tisch, der ‘richtige’ Burger in der Hand des Moderators ist, zahlt nun die Stiftung, damit die ‘richtigen’ Gesundheits-Botschaften verbreitet werden. Auch zu Themen wie HIV und Aids.

    Der Zweck scheint gut – allein, heiligt der Zweck alle Mittel?

    Gewiss, es wäre naiv zu glauben, wir unterlägen im Alltag keinerlei Manipulationen. Versteckte Botschaften, unterschwellige Nachrichten sind längst Gang und Gäbe. Die alltägliche Einflussnahme, vor allem der Werbeindustrie.

    Aber wenn schon Einflussnahme, dann offen – vor allem bei Einflussnahme auf so wichtige Themen wie Gesundheit. Welche Cola getrunken, welcher Kühlschrank in der TV-Küche steht, da mag verdeckte Einflussnahme letztlich vielleicht hinnehmbar (und unter dem Begriff ‘Schleichwerbung’ längst Usus) sein. Bei Gesundheit allerdings geht es um etwas mehr als nur banale Konsumprodukte.

    Die ‘Bill and Melinda Gates Foundation’ ist erst jüngst ins Gerede gekommen, u.a. wegen des Vorwurfs mangelnder Transparenz (siehe The Lancet 11. Mai 2009: ‘What has the Gates Foundation done for global health?’, im Volltext online hier http://lemegalodon.net/a9004-what-has-the-gates-foundation-done-for-globa.html). Transparenz - auch eine Frage, die hier aufgeworfen wird.

    Wenn ein beliebter TV-Star in einer beliebten Arzt-Serien so ganz banal nebenbei erwähnt, er habe jetzt einen Organspende-Ausweis – wer würde da nicht denken, wie sympathisch, das mach ich jetzt auch? Und wenn das junge Mädchen, der gut aussehende Held der Teenie-Serie (ganz nach der Doktrin der letzten US-Regierung) sagen würde, ich mach mal schnell einen HIV-Test, zuhause, so eben nebenbei? Oder gar (als TV-Sternchen) laut denkt ‘ich möchte als Jungfrau in die Ehe gehen – kein Sex vorher’, wie viele junge Mädchen eifern ihr dann nach? Mit womöglich gravierenden Folgen? Wie zahlreiche Studien über das Scheitern von Abstinenz-Programmen gezeigt haben?

    Nicht jede Gesundheits-Botschaft ist gleich eine sinnvolle Botschaft. Und erst recht nicht jede unterschwellige Botschaft befördert eine freie, und vor allem informiert und überlegt getroffene Entscheidung.

    Zudem stellt sich die Frage, ob eine ‘philanthropische’ Stiftung nicht anders, mit anderen, eher vertretbaren Mitteln agieren sollte, als profitorientierte Konzerne und ihre Marketing- und Werbeindustrien?

    Wenn schon Einflussnahme, wenn schon Gesundheits-Botschaften in TV-Serien, dann bitte schön nicht verdeckt, im Verborgenen, mit herunter gelassenem Visier – sondern offen, be- und hinterfragbar, offen zur Diskussion.

    Weitere Informationen:
    SZ (NYT Beilage) 14.04.2009: „Messages With a Mission, Now in Television Shows“
    New York Times 02.04.2009: “Messages With a Mission, Embedded in TV Shows“ http://www.nytimes.com/2009/04/02/arts/television/02gates.html

    ondamaris vom 13. Mai 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Rückruf eines nicht zulässigen HIV-Schnelltests

    Das saarländische Ministerium für Justiz, Arbeit, Gesundheit, Soziales weist auf den Rückruf eines über das Internet erhältlichen, aber nicht verkehrsfähigen HIV-Schnelltests hin.
     

    Die Gesundheitsbehörden in Malta haben europaweit darüber informiert, dass die dort ansässige Firma AF Medical Health Services & Supplies Ltd. als europäische Bevollmächtigte des indischen Herstellers Divine Medical Group alle Chargen des HIV-Schnelltests „ImmunoCheck HIV 1 & HIV 2 Rapid Test" zurückgerufen hat. Hintergrund für den Rückruf ist die Nichteinhaltung der bestehenden Regelungen zum Nachweis der Verkehrsfähigkeit im Europäischen Wirtschaftsraum. Es ist nicht sichergestellt, ob der HIV-Bluttest zu einem korrekten Ergebnis führt. Der Test trägt nicht die für Medizinprodukte erforderliche CE-Kennzeichnung. Er darf deshalb in Deutschland und anderen Mitgliedsstaaten des Europäischen Wirtschaftraumes nicht verkauft oder angewendet werden.

    Es kann allerdings nicht ausgeschlossen werden, dass die betroffenen HIV-Schnelltests auch außerhalb der bekannten Vertriebswege in Deutschland in Umlauf gelangt sind. Die Zollbehörden sind deshalb ebenfalls in Kenntnis gesetzt.

    In diesem Zusammenhang empfiehlt das Gesundheitsministerium grundsätzlich, HIV-Tests immer nur von einem Arzt oder einer Ärztin oder in einer öffentlichen Gesundheitseinrichtung wie einer Klinik oder einem Gesundheitsamt durchführen zu lassen. Im Gegensatz zu Selbsttests sei so sichergestellt, dass entsprechende Bestätigungstests Gewissheit über eine tatsächliche HIV-Infektion liefern und auch eine geeignete medizinische Beratung erfolgt. Allgemeinen Rat und Informationen zu den Themen HIV und AIDS bieten vor allem die örtlichen AIDS-Beratungsstellen und die AIDS-Hilfe-Vereinigungen.

    Europaticker vom 11. Mai 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Großbritannien: Meiste HIV-Neudiagnosen in Westeuropa

    Unicef hat erklärt, dass sich in Großbritannien mehr Menschen mit HIV infizieren als irgendwo sonst in Westeuropa; fünf Prozent der Schwulen sollen auf der Insel positiv sein.

    Nach offiziellen Zahlen gab es 2007 über 7.700 Neudiagnosen in Großbritannien – und damit doppelt so viele wie noch Anfang des Jahrtausends. Im einwohnermäßig gleich großen Frankreich gab es im gleichen Zeitraum stattdessen lediglich 4.100 Neudiagnosen, im wesentlich größeren Deutschland sogar "nur" 2.750 Fälle. Weil sich vermehrt Jugendliche antsteckten, fordert Unicef, dass die britische Regierung vermehrt Präventionsarbeit in dieser Gruppe leisten müsse.

    "Einer von 20 schwulen oder bisexuellen Männern im Vereinigten Königreich ist HIV-positiv", erklärte Deborah Jack von der Aidshilfe-Organisation National AIDS Trust. Auch sie forderte mehr Aufklärungsarbeit bei Jüngeren: "Wir müssen junge Menschen aufklären, denn Verhaltensweisen, die sich in jungen Jahren herausbilden, halten sich oft sehr lange. Zum Beispiel muss im Unterricht das Thema Sex und Beziehungen auch stets das Thema gleichgeschlechtliche Partnerschaften enthalten."

    Bis 2003 war es in England noch grundsätzlich verboten, über Homosexualität in der Schule zu sprechen. Das von Margaret Thatcher in Zeiten der Aids-Panik in den 1980er Jahren eingeführte Gesetz "Section 28" wurde schließlich von der Labour-Regierung nach langem Streit abgeschafft.

    queer vom 11. Mai 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Schweinegrippe und HIV – vorläufige Empfehlungen aus den USA

    Schweinegrippe: Vorläufige Empfehlungen für HIV-Positive

    Zwar gibt es noch keine Daten, die belegen, wer ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem A H1N1 Virus trägt. Jedoch ist bekannt, dass eine HIV-Infektion, vor allem bei niedriger CD4-Zellzahl, das Risiko einer bakteriellen oder viralen Atemweginfektion erhöht. Die Infektionen verlaufen auch schwerer bzw. mit mehr Komplikationen. Aufgrund dieser Analogie raten die Centers for Disease Control and Prevention (DCD) zum Einsatz von Oseltamivir (Tamiflu®) oder Zanamivir (Relenza®) bei HIV-positiven Patienten
    • mit Verdacht auf oder Nachweis von A H1N1 Infektion
    • mit engem Kontakt zu Patienten mit Verdacht auf oder Nachweis von A H1N1 Infektion.
    Unerwünschte Nebenwirkungen von Oseltamivir und Zanamivir bei HIV-positiven Personen sowie Kontraindikationen gegen HIV-Medikamente sind nicht bekannt.

    Link: Interim Guidance — HIV-Infected Adults and Adolescents: Considerations for Clinicians Regarding Swine-Origin Influenza A (H1N1) Virus

    HIV&More vom 3. Mai 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Kultur und Kondome: Wie Aids-Prävention funktioniert
     

    Aids-Prävention in Entwicklungsländern ist nur wirksam, wenn kulturelle und traditionelle Werte berücksichtigt werden. An einer Tagung in Bern haben Fachleute von ihren Erfahrungen berichtet.

    Nicht Aids, sondern die Schweinegrippe steht derzeit im Fokus der Aufmerksamkeit. Das neue Grippe-Virus hat bisher vor allem Mexiko getroffen, ein Schwellenland.

    Sollte es dereinst zu einer Grippe-Pandemie kommen, wären die Folgen für Entwicklungsländer besonders gravierend. Zum einen, weil in diesen Ländern die Gesundheitsversorgung nicht gewährleistet ist. Zum andern, weil viele Menschen bereits durch andere Krankheiten geschwächt sind, zum Beispiel Aids.

    Während eine Grippe-Pandemie erst eine mögliche Bedrohung darstellt, ist die Aids-Pandemie längst Realität. In der Schweiz stagniert die Zahl der Neuinfektionen, doch in vielen Entwicklungsländern steigt sie weiter an. Laut der UNO sind heute rund 33 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. 67% aller Infizierten leben in Afrika südlich der Sahara.

    Aufklärung mit Gesang
    Das Scheitern von Präventionsprogrammen in Afrika wird oft auf traditionelle und kulturelle Werte zurückgeführt. In den Augen von Fachleuten greift diese Erklärung aber zu kurz: "Kultur ist nicht primär ein Problem, sondern Teil der Lösung", sagt Helena Zweifel, Geschäftsführerin von Medicus Mundi. Ein Problem sei der "Faktor Kultur" nur dann, wenn er bei Präventionskampagnen nicht berücksichtigt werde.

    An einer Tagung unter dem Titel "Kultur und Kondome" in Bern haben sich Fachleute mit Möglichkeiten kultursensibler Prävention beschäftigt. Das Spektrum ist weit: Aids-Aufklärung kann in traditionelle Riten, Tänze, Geschichten oder Lieder integriert werden. In Mali etwa vermitteln Theatergruppen die Botschaft, dass Kondome vor einer Ansteckung schützen.

    Heiler integrieren
    "Kultursensibel" kann aber auch bedeuten, mit Dorfältesten, Heilerinnen und religiösen Würdenträgern zusammenzuarbeiten. Damit hat das Schweizerische Rote Kreuz in Swaziland gute Erfahrungen gemacht. Und auch in Bangladesch zeigte dieser Ansatz Wirkung.

    Eine Umfrage hatte gezeigt, dass viele traditionelle Heiler ihren Patientinnen und Patienten zur Aids-Prävention Kräuter empfahlen. Nach einem dreitägigen Workshop propagierten die meisten den Gebrauch von Kondomen.

    Die Menschen hätten mehr Vertrauen in traditionelle Heiler und suchten zuerst diese auf, gab Shariful Islam von der Organisation "Partners in Population and Development" zu bedenken. Oft stehe ihnen auch gar keine Alternative zur Verfügung. Die Zusammenarbeit mit Heilern sei deshalb unabdingbar. "Wir können nicht so tun, als ob die Heiler nicht existierten."

    Migranten erreichen
    Dass der Versuch der kultursensiblen Prävention auch schief laufen kann, zeigten die Ausführungen von Noël Tshibangu. Er schilderte seine Erfahrungen mit einer Präventionskampagne in der Schweiz, die sich speziell an Menschen afrikanischer Herkunft richtete.

    Für die Kampagne suchten die Experten nach typisch afrikanischen Symbolen und Redewendungen - und kamen auf die Kolanuss. Diese wird in westafrikanischen Gesellschaften als Zeichen der Freundschaft überreicht und gilt als Aphrodisiakum.

    Der Haken an der Sache: Das afrikanische Zielpublikum in der Schweiz weiss nichts davon, wie sich zeigte. Viele Afrikanerinnen und Afrikaner sind städtischer Herkunft oder in der Schweiz aufgewachsen und kennen die Bedeutung der Kolanuss in ihrem Herkunftsland nicht. Die Kampagne der Aids-Hilfe Schweiz sei deswegen aber nicht gescheitert, betonte Tshibangu.

    Wegen der Kolanuss-Abbildungen hätten sich an den Informationsständen Gespräche über Herkunft, Identität und soziale Beziehungen ergeben. "So konnten wir fast beiläufig über sexuelle Beziehungen, HIV und Kondome sprechen", sagte Tshibangu. "Die Kolanuss hat sich als wirksames Vehikel erwiesen für eine Auseinandersetzung mit HIV und Aids, wenn auch anders als geplant."

    Charlotte Walser, InfoSüd / swissinfo.ch

    Swissinfo vom 7. Mai 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    “Man merkt ihr die Krankheit nicht an”

    Plaudereien einer “Aids-Betreuerin“

    Aids-Beratung - kompetent, verlässlich, vor allem: vertraulich. Eigentlich selbstverständlich. Außer wenn. Zum Beispiel wenn es um Prominente geht. Oder wenn “Aids-Betreuer” in der Presse plaudern. Beratung sollte unabhängig, kompetent und vor allem vertraulich erfolgen. Ganz selbstverständlich erscheint vielen, dass kompetente Aids-Beratung diese Kriterien erfüllt und diesen Ansprüchen auch in der praktischen Arbeit gerecht wird.

    Doch - was für Aids-Berater der Aids-Hilfen selbstverständlich gilt (und durch umfangreiche Qualitätssicherungs-Maßnahmen auch fortlaufend sichergestellt und optimiert werden soll), ist noch lange nicht in jeder anderen Aids-Organisation üblich. So gibt es auch “Aids-Betreuer” und “Aids-Betreuerin”.

    ‘Aids-Betreuerin’ mag keine gängige Bezeichnung sein - aber scheinbar eine, deren Standards zumindest andere, vermutlich weit lockerere als die professionellen Standards der Aidshilfe sind. Wie sonst ist es zu erklären, dass -angesichts der von der Deutschen Aids-Hilfe kritisierten Verhaftung einer Sängerin- eine ‘Aids-Betreuerin’ in der Boulevard-Presse freimütig über ihre Arbeit plaudert?

    “Sie hat einen völlig gesunden Eindruck gemacht, man merkt ihr die Krankheit nicht an”, so die Ärztin, die sich seit 22 Jahren um HIV-Patienten kümmert. “Es gibt auch einen Arzt, der sie im Gefängnis behandelt. Trotzdem war sie ganz dankbar dafür, dass ich ihr mein Wissen angeboten habe.”

    So berichtet eine ‘Aids-Betreuerin’ über die gesundheitliche Situation und Versorgung der verhafteten Sängerin, und ergänzt direkt zu deren psychischer Verfassung. “Sie schien mir nicht stabil zu sein und auch nicht zuversichtlich. Verständlich in dieser Situation. Ich konnte nur versuchen, sie zu trösten.” Damit ist das Ende der Indiskretionen noch nicht erreicht, so wird auch über Kleidung, Körperpflege, Haftbedingungen berichtet.

    Das ganze nicht bei einer Berater-Schulung, z.B. um eine Weiterbildung mit einem Fallbeispiel anonym zu illustrieren. Sondern in der Boulevard-Presse, mit Nennung des Namens der ‘betreuten’ Person, unter dem Titel “Aids-Beraterin X hat sie in der Zelle besucht und berichtet in der Y” [Name der 'Betreuerin' mit X und der Zeitung mit Y ersetzt].

    “Alle Beraterinnen und Berater verfügen über ausreichende Erfahrung, wurden speziell für die Online-Beratung geschult und dem Datenschutz verpflichtet”  - der Anspruch, der selbstverständlich ist für Beraterinnen und Berater der Aidshilfen (hier am Beispiel der Online-Beratung), scheint für andere Organisationen so nicht uneingeschränkt zu gelten.

    Danke an K. für den Hinweis!

    “Mit HIV vogelfrei für die Medien” - schade, dass sich auch manche “Aids-Betreuer” an dieser fragwürdigen Inszenierung beteiligen.

    “vertraulich - verlässlich - kompetent”, unter diesem Motto wirbt die Online-Beratung der Aids-Hilfen für ihre Angebote. Und skizziert damit kurz gefasst den Standard, der für jegliche Gesundheitsberatung gelten sollte. Vertraulichkeit steht dabei nicht grundlos an erster Stelle. Dass Privates z.B. zu Gesundheit und Psyche in den Medien ausgeplaudert wird, ist bei diesen Standards nicht vorgesehen.

    Leider halten sich nicht alle, die im Aids-Bereich aktiv sind, an diese Standards. Ein Grund mehr, genau hinzuschauen, von wem man sich beraten lässt. Und im Zweifelsfall sich auf die bewährte Arbeit derjenigen Organisationen zu verlassen, die sich verpflichtet haben diese Standards einzuhalten: die in der Deutschen Aids-Hilfe zusammengeschlossenen Aids-Hilfen.

    ondamaris vom 6. Mai 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Hoffnung auf neue AIDS-Politik für Afrika

    Der PEPFAR-Programm für die weltweite Bekämpfung von HIV/AIDS war das Vorzeige-Projekt von Ex-US-Präsident George W. Bush. Besonders die Durchführung in Afrika war aber umstritten. Kommt unter Barack Obama der Wandel?

    George Bush hatte PEPFAR, den "President's Emergency Plan for AIDS Relief" 2003 mit einem Etat mit 15 Milliarden US-Dollar für fünf Jahre ausgestattet. 2008 erhöhte er das Budget auf 48 Milliarden Dollar. Damit sollen bis 2013 in insgesamt 15 meist afrikanischen Ländern HIV-Infizierte und AIDS-Kranke medizinisch behandelt und gepflegt werden. Außerdem finanziert PEPFAR Präventionsmaßnahmen, die Neuinfektionen mit HIV verhindern sollen. Und genau da liegt der Knackpunkt: Hilfsorganisationen und Wissenschaftler kritisieren die von der alten US-Regierung propagierten Maßnahmen scharf. Die Präventionsmaßnahmen von PEPFAR setzten auf Abstinenz statt auf Kondome. "Das hat großen Schaden angerichtet. Sexuell aktive Jugendliche sind weit von Abstinenz entfernt, und in der Ehe kann man keine Abstinenz praktizieren. Das war eine absurde Präventionspolitik", sagt Stephen Lewis. Er war unter Kofi Annan UN-Sonderbeauftragter für HIV/AIDS in Afrika.

    Abstinenz statt Kondome
    Offiziell verfolgt die Präventionspolitik von PEPFAR zwar den so genannten ABC-Ansatz: "Abstinence, Be Faithful, use Condoms" also Abstinenz, Treue und das Benutzen von Kondomen. Doch de facto bevorzugte die konservative US-Regierung bei der Vergabe von Fördergeldern meistens religiöse Organisationen, die ausschließlich Abstinenz und Treue predigten und Kondome ablehnten.

    An den Bedürfnissen vorbei

    Wozu diese Politik zum Beispiel in Sambia geführt hat, weiß William Smith von der US-Organisation Siecus, die sich für sexuelle Aufklärung und gegen Abstinenz-Politik einsetzt. "Ich glaube nur zwei der Organisationen, die von PEPFAR finanziert werden, werben für den richtigen Einsatz von Kondomen. Dabei ist PEPFAR mit Abstand der größte Geldgeber in der AIDS-Prävention in Sambia. Alle anderen von PEPFAR finanzierten Organisationen setzen auf Abstinenz und Treue. Das ist schrecklich und entspricht auf keinen Fall den Bedürfnissen in diesem Land."

    Ausgrenzung von Prostituierten
    Eine aktuelle Studie der kalifornischen Stanford-University gibt den Kritikern Rückenwind. Diese zeigt zwar einen riesigen Erfolg von PEPFAR im Hinblick auf die Zahl der AIDS-Toten: Mehr als einer Million Menschen konnte das Leben gerettet, die Todesrate um 10,5 Prozent gesenkt werden. Aber PEPFAR hatte bislang keine Wirkung auf die Zahl der Neuinfektionen. Die konservative Ausrichtung scheint die Präventionspolitik ineffizient zu machen. Das zeigt auch der so genannte "Prostitution Loyalty Oath", der Prostitutions-Treueeid, den Organisationen unterzeichnen müssen, um PEPFAR-Gelder zu bekommen. Demnach dürfen sie Prostitution nicht billigen – und damit Prostituierte auch nicht behandeln. "Es geht kaum Geld in die Präventionsarbeit mit Prostituierten. Dabei tragen gerade sie auf dem ganzen Kontinent zu einem großen Teil zur Verbreitung von HIV bei", sagt Smith.

    Der neue Mann an der Spitze
    Wegen Richtlinien wie dieser fordern Aids-Aktivisten schon lange die Reform von PEPFAR. Dabei hoffen sie nun auf den Mann, den US-Präsident Obama als Chef von PEPFAR nominiert hat: Eric Goosby. Goosby engagiert sich seit 25 Jahren wissenschaftlich, politisch und praktisch in der Bekämpfung von HIV und AIDS. In früheren Reden hat er offen die konservativ-restriktiven Grundlagen von PEPFAR kritisiert. Dies nährt die Hoffnung, dass Goosby einen Richtungswechsel einleiten will. "PEPFAR war von einer sehr fundamentalistischen Führung beeinflusst. Das Gute an Eric Goosby ist, dass er unter einer neuen Führung arbeiten wird. Und er selbst ist viel fortschrittlicher. Wahrscheinlich wird Afrika von allem, was PEPFAR tun wird viel mehr profitieren als vorher", sagt Stephen Lewis.

    Aber trotz aller Zuversicht treibt eine Sorge die Anti-AIDS-Gruppen weiter um: Sie befürchten, dass die 48 Milliarden für PEPFAR nicht wie versprochen in den nächsten 5 Jahren gezahlt werden, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg. Das zeichnet sich als Folge der Finanzkrise derzeit im Kongress ab. Auch das, fordern die NGOs, soll Eric Goosby verhindern.

    Deutsche Welle vom 5. Mai 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Fast 20.000 HIV-Infizierte im Iran

    Fast 20.000 Iraner sind HIV-positiv. Das meldet die staatliche Nachrichtenagentur INSA unter Berufung auf das iranische Gesundheitsministerium. Mehr als 1.000 Menschen haben sich seit Dezember 2008 infiziert, bei mehr als 1.800 Infizierten ist die tödliche Immunschwäche AIDS bereits diagnostiziert worden, über 3.000 Menschen sind im Iran bereits an den Folgen von AIDS gestoben. 93 Prozent aller positiv Getesteten sind Männer, fast drei Viertel der Infektionen erfolgt durch intravenösen Drogenkonsum.

    40 Prozent der Neuinfizierten sind zwischen 25 und 34 Jahre alt. Da ein Großteil der iranischen Bevölkerung in dieser Altersgruppe ist, befürchtet das Gesundheitsministerium, dass die HIV-Infektionen durch sexuelle Übertragung in den nächsten Jahren epidemische Ausmaße annehmen könnten. 13 Prozent der Infektionen wurden durch Sex übertragen. Aufklärung ist praktisch unmöglich, da außerehelicher Geschlechtsverkehr im Iran verboten ist und auf homosexuelle Kontakte die Todesstrafe steht. Deswegen ist auch die Bereitschaft, sich testen zu lassen, äußerst gering. Deshalb geht das iranische Gesundheitsministerium von einer viermal höheren Dunkelziffer aus, demnach gäbe es in dem arabischen Land etwa 100.000 Infizierte.

    GGG.at – Verein zur Förderung lesbischwuler Kommunikation vom 4. Mai 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Wege für die Entwicklung eines Aids-Impfstoffs

    Europäische Forscherkooperation weist Wege für die Entwicklung von Aids-Impfstoff auf. Publikation in Nature Immunology zeigt, wie Immundominanz entsteht und welche Bereiche in der infizierten Zelle dafür wichtig sind.

    Mainz - In einem gemeinsamen Forschungsprojekt haben Wissenschaftler aus vier europäischen Ländern neue Erkenntnisse über die HIV-Infektion gewonnen und damit aufgezeigt, in welche Richtung die Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Immunschwäche künftig gehen könnte. "Wir haben zusammen mit unseren Kollegen aus Großbritannien, Frankreich und Dänemark entdeckt, wie die HIV-infizierte Zelle diese ganz spezifischen Andockstationen herstellt, an denen das menschliche Immunsystem ankoppeln kann, um sich gegen den Eindringling zu wehren", erklären Dr. Stefan Tenzer und Univ.-Prof. Dr. Hansjörg Schild von der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Die Arbeit wurde nun von dem Fachjournal Nature Immunology online veröffentlicht.

    Die Wissenschaftler haben bei ihren Untersuchungen die Proteinfragmente von infizierten Zellen unter die Lupe genommen, die von den Abwehrzellen des Körpers besonders gut erkannt werden. Diese Bereiche, Epitope genannt, spielen eine ganz wesentliche Rolle bei der Bekämpfung der Erkrankung, sei es durch körpereigene Abwehrkräfte, sei es mit Hilfe von Impfungen. Doch gerade bei der HIV-Infektion war bislang nicht bekannt, nach welchen Regeln die Epitope in der erkrankten Zelle hergestellt werden und wie Mutationen im Virus diese Vorgänge beeinflussen. "Wenn man dies kennt, kann die Immunisierung verbessert werden", erklären Tenzer und Schild.

    Schild, Leiter des Instituts für Immunologie, hat mit seinen Forscherkollegen drei Schritte ausgemacht, wie die Epitope genau produziert werden. Im ersten Schritt werden Virusproteine von Enzymen zerstört und in kleinere Einheiten, Peptide, zerlegt. Dann werden zweitens diese Bruchstücke in der Zelle abtransportiert. Zu guter Letzt kommt es zu einer Interaktion zwischen den Peptiden und einem Proteinkomplex, der auf der Oberfläche fast aller Zellen sitzt und der unter anderem dafür zuständig ist, die Virus-Peptide den Abwehrzellen zu präsentieren. Die Peptidfragmente alleine würden von den zytotoxischen T-Zellen, landläufig auch T-Killerzellen genannt, nicht erkannt werden.

    "Wir verstehen jetzt besser, wie Immundominanz, das heißt die bevorzugte Erkennung bestimmter Bereiche des Virus durch das Immunsystem, zustande kommt", so Tenzer. Mit am wichtigsten, auch das haben die Forscher herausgefunden, ist dabei der erste Schritt. "Wenn wir wissen, nach welchen Regeln die Peptide hergestellt werden, dann können diese Regeln auch für die Herstellung von Vakzinen angewendet werden." Das heißt, unter Umständen ist es sinnvoll, Impfstoffe nicht aus ganzen Proteinen herzustellen, sondern nur aus den kleineren Peptiden. Sogenannte epitopbasierte Vakzine würden den Wildtyp und Mutationen der Viren enthalten, damit eine effiziente Aktivierung von zytotoxischen T-Zellen erfolgen kann. Kommt es dann später tatsächlich zu einer Infektion mit HIV, wäre das Abwehrsystem darauf optimal vorbereitet.

    Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO waren 2007 schätzungsweise 33 Millionen Menschen an Aids erkrankt. Zwei Millionen sind 2007 an der Immunschwäche gestorben. In Deutschland ist die Zahl der Aids-Toten zuletzt gesunken. Jedoch ist die Anzahl der Neuinfektionen zwischen 2000 und 2006 gestiegen, hat sich seitdem aber stabilisiert. Die Erkrankung kann medikamentös behandelt werden, um ihr Fortschreiten zu verlangsamen. Ein Impfstoff ist jedoch noch nicht in Sicht.

    Außer den Wissenschaftlern vom Institut für Immunologie der Mainzer Universitätsmedizin waren an der Studie sieben Forschergruppen aus Oxford, Paris und Kopenhagen beteiligt, darunter mit Andrew McMichael einer der renommiertesten Aids-Forscher in Großbritannien.

    Originalveröffentlichung: Antigen processing determines HIV-specific CTL immunodominance, Nature Immunology, Online-Veröffentlichung vom 3. Mai 2009, doi 10.1038/ni.1728

    Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz - Pressemeldung vom 4. Mai 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Auch Deutsche AIDS-Hilfe zieht Beteiligung am SÖDAK zurück

    Berlin – Die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. (DAH) wird sich in diesem Jahr nicht am Deutsch-Österreichischen-Schweizer Aids-Kongress (SÖDAK) in Sankt Gallen/Schweiz beteiligen und stellt die Mitarbeit am Kongress mit sofortiger Wirkung ein.

    Dazu erklärt Carsten Schatz, Bundesvorstand der Deutschen AIDS-Hilfe e.V.: "Unserer Entscheidung ist ein gründlicher Abwägungsprozess vorangegangen: Die DAH sieht die Grundlagen der diesjährigen Konferenzausrichtung, wie sie seit 1998 erfolgreich im sog. Genfer Prinzip auf internationaler und mit dem Essener Prinzip (1999) auf nationaler Ebene eingeführt wurden, als nicht gegeben an. Die DAH bedauert insbesondere, dass die Einbindung von Menschen mit HIV/Aids nicht im notwendigen Maße stattgefunden hat. Nicht über, sondern mit den Menschen mit HIV/Aids und deren Communities als die Experten in eigener Sache zu sprechen, halten wir für ein unverzichtbares Qualitätskriterium für eine zukunftsfähige Präventionsarbeit."

    Die DAH befürwortet den solidarisch geschlossenen Rücktritt des SÖDAK 2009 Community Board (CB) von der Mitarbeit am SÖDAK und schließt sich dieser Konsequenz an. Mit dem Rückzug verbindet der Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe zugleich die Forderung, dass bei zukünftigen Kongressen wieder an die bewährte Zusammenarbeit nach dem Genfer Prinzip angeknüpft und eine Teilnahme der Menschen mit HIV/Aids aktiv - zum Beispiel durch eine höhere Investitionsbereitschaft für Stipendien - ermöglicht wird.

    Die DAH wird die zukünftige Kongressorganisation gerne dabei unterstützen, ein Konzept zu entwickeln, das den Rahmenbedingungen, Bedürfnissen und Erwartungen aller Beteiligten Rechnung trägt.

    Informationen zum Genfer Prinzip: http://www.icaso.org/aids2008community/history.html#geneva

    Deutsche AIDS-Hilfe e.V. - Pressemeldung vom 28. April 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Obama ernennt Professor zum Aids-Koordinator

    Washington – US-Präsident Barack Obama hat einen erfahrenen Experten zu seinem Beauftragten im Kampf gegen HIV und Aids ernannt. Eric Goosby, Professor an der University of California in San Francisco, solle das US-Programm gegen Aids (PEPFAR) koordinieren, teilte das Weiße Haus am Montag in einer Erklärung mit. PEPFAR stehen mehr als 25 Milliarden Dollar (19 Milliarden Euro) zur Verfügung, um die tödliche Immunschwächekrankheit in aller Welt zu bekämpfen.

    Goosby leitet seit 2001 die Stiftung Pangaea Global Aids und war nach Angaben des Weißen Hauses maßgeblich an der Ausarbeitung der nationalen Anti-Aids-Programme in Südafrika, Ruanda, China und der Ukraine beteiligt.

    Während der Präsidentschaft von Bill Clinton war Goosby den Angaben zufolge Vize-Direktor der Anti-Aids-Abteilung des Weißen Hauses. Zu wichtigen internationalen Institutionen wie dem UN-Aidsprogramm (UNAIDS) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) baute er gute Kontakte auf.

    Google News vom 28. April 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Lebertransplantation: HIV-Infizierte haben vergleichbare Überlebensrate

    Die Überlebensrate von HIV-Infizierten nach Lebertransplantation ist mit der von Patienten ohne HIV vergleichbar. Eine schlechter Prognose haben lediglich Patienten mit HIV/HCV-Koinfektion.

    Englische Forscher analysierten die Daten von 6.315 erwachsenen Patienten der UK Transplant Database, die zwischen März 1994 und April 2008 erstmals eine neue Leber erhielten. Es wurden drei Patientengruppen verglichen:

    a) HIV-Infizerte HCV- und HBV-negativ
    b) Patienten mit chronischer Hepatitic ohne HIV
    c) HIV-Infizierte mit chronischer Hepatitis C

    Die Patienten hatten einen vergleichbaren MELD (Model End Stage Liver Disease)-Score. Die HIV-Patienten waren insgesamt allerdings jünger (42,2 vs 51,2 Jahre, p=0.001) ebenso die HIV-Patienten mit chronischer Hepatitis C (39,9 vs 51,8 Jahre; p=0.0001).
    Ergebnisse

    Die Überlebensraten von HIV-negativen und HIV-positiven Patienten nach 1 und 5 Jahren waren vergleichbar (86,5% und 74% vs 87,1% and 78%, p=0.843). HIV-Infizierte mit chronischer Hepatitis C schnitten jedoch schlechter ab als HIV-negative mit chronischer Hepatitis C. Die 1- und 5-Jahresüberlebensrate betrug hier 73% und 53% im Vergleich zu 87% und 69% (p=0.047).

    Joshi D et al: Abstract 52 / 44. EASL in Kopenhagen 22.-26. April 2009

    HIV&More vom 25. April 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    DAIG zur Frage der Infektiosität unter HIV-Therapie

    Stellungnahme der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG) zur Frage der Infektiosität von Patienten unter HIV-Therapie.

    Bonn - Die geringe Infektiosität von HIV-Patienten, die durch eine erfolgreiche antiretrovirale Therapie (ART) erreicht werden kann, ist eine gute Nachricht für Betroffene und für die Gesellschaft insgesamt. Das Wissen um diese geringe Ansteckungsmöglichkeit kann Menschen mit HIV in mehrerer Hinsicht entlasten, z.B. in ihrer angstfrei gelebten Sexualität oder dem Wunsch nach Kindern. Die besonderen Bedürfnisse von HIV-Betroffenen müssen ernst genommen werden. Insbesondere die individuellen seelischen Nöte und Ängste vor Offenlegung der Infektion gegenüber Sexualpartnern und der Öffentlichkeit müssen in der Diskussion um die Informationspflicht über HIV ausdrücklich berücksichtigt werden.

    Es stehen heute verschiedene Möglichkeiten zum eigenverantwortlichen Schutz vor einer HIV-Infektion zur Verfügung. Ein breites niedrigschwelliges Angebot zur HIV-Testung stellt eine wichtige Maßnahme der HIV-Prävention dar. Die HIV-Testung wird allerdings nur dann angenommen, wenn sie ohne Befürchtung von gesellschaftlichen Sanktionen bei positivem Testergebnis angeboten wird. Wer von seiner Infektion weiß, kann sich und andere besser schützen und persönlich von einer Behandlung profitieren. Er darf aber keinesfalls stigmatisiert und diskriminiert werden.

    Das Übertragungsrisiko kann durch die Verwendung von Kondomen und die Vermeidung hochriskanter Sexualpraktiken erfolgreich vermindert ("safer sex") werden. Auch durch die erfolgreiche Unterdrückung der Virusvermehrung mittels wirksamer antiretroviraler Therapie wird die Übertragung von HIV deutlich reduziert. Schließlich kann in Ausnahmefällen nach einem Hochrisikokontakt durch eine rechtzeitige prophylaktische Therapie die Infektion zumeist noch verhindert werden. Die gemeinsame Nutzung dieser Präventionsmaßnahmen bietet einen weitgehenden Schutz vor einer sexuellen HIV-Übertragung. Die DAIG hofft, dass künftig der zunehmende Einsatz erfolgreicher HIV-Therapien zu einer Abnahme der Neuinfektionsraten beiträgt. Sie weist jedoch darauf hin, dass diese Annahme überwiegend auf Modellrechnungen beruht und für den einzelnen Menschen weiterhin ein fassbares Risiko der HIV-Infektion besteht. Darüber hinaus hängt der präventive Effekt der antiretroviralen Therapie von einer konsequenten Einnahme der Medikamente ab. Die Infektiosität kann bei Therapieunterbrechung, Resistenzentwicklung oder begleitenden Geschlechtserkrankungen unbemerkt rasch ansteigen und dadurch zu einer Fehleinschätzung des Übertragungsrisikos führen.

    Zusammenfassend befürwortet die DAIG eine aufrichtige wechselseitige Information und Diskussion über eine eventuelle oder tatsächliche HIV-Infektion durch gemeinsam verantwortungsbewusst handelnde Sexualpartner. Diese offene Kommunikation der Sexualpartner führt zu einem Konsens über die zu treffenden Präventionsmaßnahmen für HIV und andere sexuell übertragbare Erkrankungen. Eine solche gleichberechtigte Entscheidung liegt im Interesse beider Partner und beugt jedem unterstellten oder realen kriminellen Charakter der HIV-Übertragung durch einen sexuellen Kontakt vor. In Abwägung der bezifferbaren Restrisiken der einzelnen beschriebenen Präventionsmaßnahmen befürwortet und empfiehlt die DAIG auch in Situationen einer effektiven HIV-Therapie den konsequenten Gebrauch von Kondomen, um das Risiko einer Übertragung im Einzelfall so weit wie möglich zu verringern

    Aus Sicht der DAIG lässt sich das Problem der HIV-Übertragung nicht strafrechtlich lösen. HIV-Prävention kann nur in einer Gesellschaft erfolgreich sein, in der Menschen mit HIV und ihre Partner mit ihren besonderen Bedürfnissen und Ängsten akzeptiert und unterstützt werden. Die Deutsche AIDS-Gesellschaft wird sich auf dieser Basis weiterhin für eine erfolgreiche HIV-Prävention einsetzen.

    Die Deutsche AIDS-Gesellschaft (DAIG) ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft. Sie fördert die nichtkommerzielle und universitätsnahe Forschung zur Optimierung der HIV-Therapie, den wissenschaftlichen Austausch und engagieren sich in Projekten zur HIV-Prävention. Handlungsleitend sind die effektive Vermeidung von Neuinfektionen und die längstmögliche Lebensdauer bei höchstmöglicher Lebensqualität für die Menschen, die mit HIV und AIDS leben.

    Deutsche AIDS-Gesellschaft e.V. - DAIG vom 23. April 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Therapie ein wichtiges Element des Risikomanagements

    Deutsche AIDS-Hilfe bekräftigt: Wirksame HIV-Therapie ist ein wichtiges Element des Risikomanagements.

    Roger Pebody

    Die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH), die größte HIV/Aids-Selbsthilfeorganisation in Deutschland, hat ein Positionspapier zur Rolle der HIV-Therapie in der HIV-Prävention veröffentlicht, das die bahnbrechende Veröffentlichung der Schweizer Eidgenössischen Kommission für Aidsfrage (EKAF) vom Januar 2008 zur Senkung des HIV-Übertragungsrisikos durch eine effektive HIV-Therapie aufgreift und unterstützt.

    Während die Schweizer aber formulierten, dass Menschen unter einer wirksamen Kombinationstherapie und ohne sexuell übertragbare Infektionen "sexuell nicht infektiös" sind, also das Virus nicht weitergeben, spricht die DAH davon, dass eine HIV-Übertragung unter den genannten Bedingungen "unwahrscheinlich" ist bzw. dass das Risiko "so gering wie bei Sex unter Verwendung von Kondomen" ist.

    Darüber hinaus verweist die DAH darauf, dass es nicht nur bei sexuell übertragbaren Infektionen, sondern auch aufgrund anderer Ursachen zu Schädigungen der Schleimhaut kommen kann, die das Risiko einer HIV-Übertragung erhöhen.

    Das im Januar 2008 veröffentlichte Papier führender Schweizer HIV-Spezialisten argumentiert, dass HIV-Positive unter antiretroviraler Therapie mit nicht nachweisbarer Virusmenge im Blut und keinerlei weiteren sexuell übertragenen Infektionen HIV nicht auf ihre Sexualpartner übertragen.

    Der Deutschen AIDS-Hilfe zufolge ist eine sexuelle Übertragung von HIV unwahrscheinlich, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

    • Die Viruslast des HIV-positiven Partners ist seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze.
    • Die antiretroviralen Medikamente werden konsequent eingenommen.
    • Bei den Sexualpartnern liegen keine Schleimhautdefekte vor.

    Unter diesen Bedingungen sei das Risiko einer HIV-Übertragung vergleichbar gering wie bei konsequenter (100%ige) Verwendung von Kondomen: Beide Strategien böten eine ausreichende Sicherheit zur Vermeidung einer HIV-Infektion, das Restrisiko sei vernachlässigbar gering (und gehe bei Kombination beider Methoden sogar gegen Null).

    Wie die Schweizer Eidgenössische Kommission für Aidsfragen erachtet auch die Deutsche AIDS-Hilfe diese Information als besonders wichtig für feste Partnerschaften, in denen einer der Partner HIV-positiv ist. Die DAH empfiehlt - nach einer gemeinsamen informierten Entscheidung [auf Kondome zu verzichten] - regelmäßige Arztbesuche, um die Wirksamkeit der Medikamente und die Abwesenheit von Schleimhautdefekten zu überprüfen.

    Sexuell übertragbare Infektionen erhöhen das Risiko einer HIV-Übertragung, indem sie die Viruslast (= Menge der Viren) beim HIV-positiven Partner erhöhen oder Geschwüre und Verletzungen verursachen, die es HIV erleichtern, in den Blutstrom einzudringen. Die Deutsche AIDS-Hilfe verweist aber darauf, dass nicht nur sexuell übertragbare Infektionen wie Syphilis oder Herpes, sondern auch andere Ursachen die Schleimhäute am Penis, im Darm oder in der Scheide schädigen können, z. B. eine geschwürige Darmentzündung, Morbus Crohn oder Fisteln von Scheide oder Darm/Anus.

    Zwar geht das Papier auch auf Fälle ein, in denen bei HIV-Positiven trotz nicht nachweisbarer Viruslast im Blutplasma HIV im Sperma nachgewiesen werden konnte, und erwähnt den im August 2008 aus Deutschland berichteten Fall eines Mannes, der HIV auf seinen festen Partner übertragen hatte, obwohl seine Viruslast unter der Nachweisgrenze lag und bei keinem der Partner eine sexuell übertragbare Infektion vorlag.

    Nichtsdestotrotz plädiert die Deutsche AIDS-Hilfe für einen realistischen Ansatz der HIV-Prävention, der davon ausgeht, dass der Einzelne nicht notwendigerweise "maximal präventiv" ist, also alle Risiken komplett ausschalten will, sondern im Risikomanagement die Folgen einer möglichen Infektion z. B. mit dem Lustgewinn (also sexuellen Wünschen) ausbalanciert und je nach Situation und Prioritäten seine eigenen Entscheidungen trifft.

    Darüber hinaus erkennt die DAH zwar an, dass es zur Frage "Viruslast und Infektiosität" für Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), kaum Daten gibt und dass sich daran in den nächsten Jahren voraussichtlich nichts ändern wird. Sie argumentiert aber, es sei logisch naheliegend, dass auch bei HIV-positiven MSM unter erfolgreicher Therapie die Infektiosität drastisch reduziert sei und man bei der beschriebenen Strategie [Verzicht auf Kondome bei seit mindestens sechs Monaten nicht nachweisbarer Viruslast, regelmäßiger Medikamenteinnahme und Abwesenheit von Schleimhautdefekten bei beiden Partnern] mit einer vergleichbaren oder besseren Risikosenkung wie bei der Verwendung von Kondomen rechnen könne.

    Das Papier stellt auch die Vor- und Nachteile des Kondomgebrauchs und der "Viruslastmethode" einander gegenüber: Kondome können auch ohne Abklärung von Vorbedingungen eingesetzt werden, reduzieren darüber hinaus das Risiko für andere sexuell übertragbare Infektionen und bieten gleichzeitig einen Schutz vor ungewollter Schwangerschaft. Auf der anderen Seite sind Anwendungsfehler möglich, und ihre Effektivität sinkt bei nicht durchgehender Verwendung.

    Die "Viruslastmethode" hat den Vorteil, dass sie auch "kleine Risiken" abdeckt, die sich durch das Kondom nicht reduzieren lassen oder bei denen Kondome normalerweise nicht verwendet werden (z. B. Spermaspiele mit Schleimhautkontakt). Außerdem ist eine Schwangerschaft möglich (falls gewünscht). Zu den Nachteilen dieser "Methode" gehört, dass sie keinen Schutz vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten bietet, dass die Bedingungen für ihren Einsatz komplex sind und dass die Viruslast unbemerkt ansteigen kann, z. B. infolge eines Therapieversagens.

    Quelle: NAM: http://www.aidsmap.com/en/news/0257C267-B067-4220-9285-5E3D5957C1B2.asp

    Deutsche AIDS-Hilfe e.V. – Pressemeldung vom 21. April 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

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