HIV AIDS Infos Online
     

     
      Ausgabe 46
        Jahrgang 14
      September 2009
     
     
    Inhaltsverzeichnis Homepage der Praxis


    Vorbemerkung
    Impressum
    Sponsoren
     

         
        Die Online Ausgabe der 
        HIV AIDS INFOS wird von den nachstehenden Firmen unterstützt:



     
     
     
     
     

    Wer soll wie getestet werden?
    Zulassungserweiterung von Isentress bei erwachsenen Patienten mit HIV
    Todesursachen von jungen Menschen
    Und sie bewegen sich doch!
    HIV-Blockade mit künstlichem Gen
    Wie HIV die Immunzellen lähmt
    Modernste Biobank der Welt ist im Saarland
    Antikörper finden Achillesferse von HIV
    Etappensieg für Aktionsbündnis gegen Aids - Patentantrag abgelehnt!
    Immer mehr Frauen in Asien HIV-positiv
    HIV Subtyp C besser sexuell übertragbar
    Methadon-Therapie: muss Krankenkasse zahlen - oder nicht?
    Demenz kommt bei bestimmten Aids-Formen häufiger vor
    Tibotec verschärft Warnhinweis bei Intelence
    mTORC1-Signalweg bei AIDS-assoziierten Lymphomen aktiviert
    Nadja Benaissa: war Outing durch Staatsanwaltschaft unzulässig
    Veränderte Gefäße und erhöhter Blutdruck bei HIV-Infizierten
    Das Fett abbekommen
    „Ich weiß was ich tue“: HIV-Testwochen
    HIV-Impfung reduziert Infektiosität im Tierversuch
    Zusammenfassung IAS Cape Town 2009 ist online
    DART - Development of Anti-Retroviral Treatment in Africa
    Studien zur HIV-Prävention mit Impfung und Bioziden enttäuschen
    Isentress® bei therapienaiven HIV-Patienten in Kombination gut wirksam
    Stagnierende Finanzierung und suboptimale Behandlung gefährden Patienten
    Impfen gegen "Schweinegrippe" bei HIV/Aids
    «Ich bin nicht krank – nur infiziert»
    Auch beschnittene Männer übertragen HIV
    Aids gehört zu den Haupttodesursachen bei werdenden Müttern
    Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige
    HI-Virus kurbelt Abwehrsystem bei Frauen stärker an
    Gekrümmtes Gitter aus Proteinen
    Finanzkrise schwächt Kampf gegen HIV
    Jemen: Gesetzentwurf soll HIV-Infizierte schützen
    Darunavir Spiegel im Blut sinken nur langsam
    Viruslast Methode ist Mist - sagt ACT UP Paris
    Workshop zu Impfstoff- und Mikrobizid-Entwicklung
    Marathon trotz HIV-Infektion
    Zunahme der Inzidenz nicht AIDS definierender Erkrankungen
    HIV/Aids unter südafrikanischen Jugendlichen rückläufig
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Vorbemerkung

    Die HIV AIDS Infos sind eine Zusammenstellung aus Internetquellen, Mail- und Newsgroups und erstreckt sich jeweils über einen Zeitraum von ca. drei bis vier Monaten. Die einzelnen Artikel sind mit einem Link auf die Orginalartikel versehen und chronologisch geordnet.
    Es wird auf diese Weise schnell über neue Entwicklungen und Änderungen in den Bereichen Epidemiologie, medizinischer Behandlung, ambulanter Pflege und psychosozialer Beratung bei HIV-Infektion und AIDS-Erkrankung informiert. Die HIV AIDS Infos erscheinen in regelmäßigen Abständen und informieren interdisziplinär über Änderungen und Neuerungen auf dem Gebiet von HIV und AIDS.
     
     
     

    Inhaltsverzeichnis


     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Wer soll wie getestet werden?

    von Pietro Vernazza
    Das erste Referat in der Session 34 HIV-Management vom Samstag 12.9. war ein wahrer Genuss. Berhard Branson hat in seinem Vortrag (399: Expanding HIV Testing) eine hervorragende Übersicht über die Entwicklung von HIV Testfragen geliefert.
    Branson ist dabei auch auf die umstrittene Amerikanische Strategie der Opt-out Teststrategien eingegangen und hat die Erfahrungen derselben kurz präsentiert. Eine entsprechende Publikation ist in press. Das CDC hat vor 3 Jahren eine neue Teststrategie propagiert (MMWR-RR, 22.9.06). Ausgangslage für diesen Schritt war die Erkenntnis, dass 30-40% aller frischen HIV-Diagnosen bei Personen gestellt wurden, die bereits eine fortgeschrittene Infektion hatten und bei denen innerhalb eines Jahres auch eine AIDS-Diagnose gestellt wurde.
    HIV-Diagnosen oft verpasst

    Tatsächlich ist es so, dass mit den heute zur Verfügung stehenden Therapien eigentlich niemand mehr eine AIDS definierende Krankheit entwickeln sollte. Denn wenn die Infektion rechtzeitig erkannt und behandelt wird, kann die fortschreitende Schwächung des Immunsystems verhindert werden. Auch in der Schweiz haben wir eine ähnliche Situation. Es werden rund 5% der Schweizer Bevölkerung jedes Jahr getestet, aber offenbar nicht die Richtigen. Denn immer noch werden HIV-Diagnosen in mindestens 30% sehr spät gestellt. Und verglichen mit anderen Krankheiten, die wir täglich routinemäßig suchen, gibt es wohl keine chronische Krankheit, die so gut behandelt werden kann wie HIV (Wolensky, 2006 JID).  Die nebenstehende Abbildung aus dieser Publikation zeigt den Überlebensvorteil unter einer Behandlung bei HIV verglichen mit anderen Erkrankungen.

    Die Falschen werden getestet

    Branson zeigte für die USA dass jedes Jahr 18 Millionen Menschen zwischen 18 und 65 Jahren auf HIV getestet werden. Dies entspricht gut 10%. Doch interessanterweise bleibt der Anteil der Personen in diesem Alter, die je einmal getestet wurden, seit einigen Jahren immer stabil auf einem Plateau um 40%. Das bedeutet, dass sich immer die gleichen regelmässig testen.

    Die umstrittene US-Strategie

    Die genannte neue Teststrategie der USA wurde bisher stark kritisiert. Branson hat dargestellt, dass die opt-out Strategie (Testung bei jedem Notfalleintritt ohne vorgängige Information des Patienten) nicht im Zentrum der US-Strategie war. Ein Paradigmenwechsel war notwendig, weil bis vor 3 Jahren noch die Mehrzahl der US-Staaten eine schriftliche Einwilligung des Patienten forderten, damit ein Test durchgeführt werden kann. Das ist natürlich völlig überrissen. Auch hat die Strategie nicht die Testberatung abgeschafft, wie manche glaubte, sondern lediglich betont, dass es auch eine Testung ohne Beratung geben darf, wie wir dies momentan auch in der Schweiz einführen.

    Konkret hat die neue Strategie gefordert:
     

    • Testung aller 18-65-jährigen bei einer Notfallaufnahme / Hospitalisation
    • Testung von allen Patienten mit Tuberkulose oder Geschlechtskrankheiten
    • Jährlicher Test bei allen Personen mit erhöhtem Risikoverhalten
     

    Postives Testresultat zeigt positive Auswirkungen

     
    Nicht nur die positiv getestete Person selbst profitiert von einer Diagnose. Wie Marks et al (AIDS, 2006) zeigten, führt die Kenntnis der Diagnose auch dazu, dass zwei Drittel der Infizierten nach dem Test ihr Risikoverhalten ändern, und andere Personen vor einer weiteren Infektion schützen. In dieser Arbeit wurde auch berechnet, dass etwa 25% der HIV-infizierten Personen in den USA nicht diagnostiziert sind und dass von diesen bis zu 70% aller neuen Infektionen ausgehen könnten.
     
    Haltung zum Test muss verändert werden
    Tatsächlich scheinen die Amerikaner die gleichen Probleme zu sehen wie wir in der Schweiz. Eine Erhebung in den USA ergab, dass die meisten Amerikaner gegenüber einem Test offen sind, aber dass es die Ärzte sind, die große Zurückhaltung beim Testen anwenden. Es ist auch so, dass viele Patienten glaubten (auch vor Strategieänderung), dass die HIV-Testung bei jeder Hospitalisation durchgeführt wurde. Eine Beobachtung, die wir auch in der Schweiz machen.

    Hat die neue Strategie schon etwas bewirkt: Brenson hat gezeigt, dass mit der Einführung der Strategie und auch den Schnelltests mehr Personen früh diagnostiziert wurden und dass pro Jahr etwa eine Million Menschen mehr auf HIV getestet werden als früher. Etwa 100'000 mehr als früher haben einen Test zum ersten Mal durchgeführt. Eine große Hürde ist in den USA noch die Finanzierung des Tests, aber seit diesem Monat werden nun auch in den USA HIV-Testungen durch Medicare übernommen.

    Abstract: Branson B, Expanding HIV Testing 49th ICAAC 2009, Abstract 399

    Infektiologie St. Gallen vom 15. September 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zulassungserweiterung von Isentress bei erwachsenen Patienten mit HIV

    Haar - MSD erhielt am 14. September 2009 von der European Medicines Agency EMEA die Zulassungserweiterung für ISENTRESS® (Raltegravir, MSD) zur Anwendung in Kombination mit anderen antiretroviralen Medikamenten zur Behandlung von HIV-1-Infektionen bei Erwachsenen. Das bedeutet, dass nun sowohl therapienaive erwachsene Patienten, die erstmals mit der antiretroviralen HIV-1-Therapie beginnen, als auch therapieerfahrene erwachsene Patienten mit Raltegravir behandelt werden dürfen. Verträglichkeit und Wirksamkeit von Raltegravir wurden bei Patienten unter 16 Jahren noch nicht ausreichend untersucht. Die Entscheidung der EMEA gilt für die 27 EU-Mitgliedsstaaten, darunter Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien, sowie für Island und Norwegen.

    Die Entscheidung der EMEA stützt sich auf die positive Bewertung des Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP) und basiert auf Daten aus drei doppelblinden, kontrollierten Phase-III-Studien. Zwei dieser Studien wurden an therapieerfahrenen Erwachsenen im klinisch fortgeschrittenen Stadium durchgeführt, die zuvor bereits mit drei Klassen antiretroviraler Medikamente (NNRT*, NRTI*, PI*) behandelt worden waren; in der dritten Studie wurden therapienaive erwachsene Patienten untersucht. Die Studie an therapienaiven Patienten (STARTMRK*) ergab, dass Raltegravir hinsichtlich Unterdrückung der Viruslast und Wiederherstellung der Funktion des Immunsystems über 48 Wochen bei therapienaiven Patienten eine vergleichbare Wirksamkeit wie Efavirenz (eines der antiretroviralen Standardmedikamente für therapienaive Patienten) hatte. Beide Medikamente wurden in Kombination mit Tenofovir und Emtricitabin verabreicht.

    „Eine therapeutische Option wie Raltegravir mit einem in klinischen Studien nachgewiesenen Wirksamkeits- und Verträglichkeitsprofil eröffnet erwachsenen Patienten, die gerade mit der Behandlung beginnen, eine neue Möglichkeit zur Bekämpfung des Virus“, so Dr. Adriano Lazzarin, Professor für Infektionskrankheiten an der Universität Vita-Salute San Raffaele, Mailand, Italien. „Neue Behandlungsmöglichkeiten in der EU können den Ärzten dabei helfen, die Behandlungsregime noch besser zu individualisieren, was angesichts der Komplexität von HIV und der immer spezielleren Patientenanforderungen von großer Bedeutung ist.“

    Obwohl Medikamente zur Behandlung von HIV und AIDS zur Verfügung stehen, setzt sich die Epidemie weiter fort. In der EU wurden nach Angaben des European Centre for the Epidemiological Monitoring of HIV and AIDS seit 2002 nahezu 270.000 HIV-Fälle gemeldet. 1 Weltweit sind Schätzungen zufolge etwa 33 Mio. Menschen mit HIV infiziert bzw. an AIDS erkrankt, und 2007 traten weltweit etwa 2,7 Mio. Neuinfektionen mit HIV auf. 2

    „MSD setzt sich dafür ein, jenen Patienten innovative Therapien zur Verfügung zu stellen, die diese am dringendsten benötigen. Wir freuen uns sehr, dass Raltegravir nun einem breiteren Spektrum von erwachsenen HIV-Patienten zugänglich ist. Die Zulassungserweiterung ist von großer Bedeutung, weil sie erwachsenen Patienten, die gerade mit der HIV-Therapie beginnen, eine zusätzliche Behandlungsoption eröffnet“, sagte Patrick Bergstedt, Senior Vice President und General Manager of Infectious Diseases bei Merck & Co., Inc., N.J. (USA).

    Anwendung bei Therapienaiven von doppelblinder, kontrollierter Raltegravir-Studie gestützt

    Das Anwendungsgebiet von Raltegravir bei Therapienaiven in Kombinationstherapie basiert auf Analysen von 563 therapienaiven, HIV-1-infizierten Patienten über 48 Wochen in einer laufenden multizentrischen, doppelblinden, randomisierten, aktiv kontrollierten Phase-III-Studie mit dem Titel STARTMRK. Die an der Studie teilnehmenden Patienten erhielten entweder zweimal täglich oral 400 mg Raltegravir oder einmal täglich oral 600 mg Efavirenz, eines der am häufigsten verwendeten antiretroviralen Medikamente für therapienaive Patienten. Raltegravir und Efavirenz wurden in Kombination mit Tenofovir/Emtricitabin eingenommen.

    Unterdrückung der Viruslast und Erhöhung der CD4-Zellzahl blieben über 48 Wochen erhalten

    Die STARTMRK-Studie zeigte, dass das Regime mit Raltegravir die HIV-1-Viruslast vergleichbar wirksam unter die Nachweisgrenze (weniger als 50 Kopien/ml) wie das Regime mit Efavirenz (bei 86 Prozent der mit Raltegravir behandelten Patienten gegenüber 82 Prozent der mit Efavirenz behandelten Patienten; jeweils in Kombinationstherapie) senken konnte; der Unterschied in der Reduktion der Viruslast zwischen den beiden Behandlungsgruppen über 48 Wochen lag bei 4,2 Prozent (95%-KI; -1,92, 10,3). Die CD4-Zellzahl stieg im Schnitt mit Raltegravir in Kombinationstherapie stärker an (189 Zellen/mm3) als mit Efavirenz in Kombinationstherapie (163 Zellen/mm3); der Unterschied bei der mittleren Änderung der CD4-Zellzahl gegenüber dem Ausgangswert lag zwischen den beiden Behandlungsgruppen über 48 Wochen bei 25,8 (95%-KI; 4,4, 47,2). Diese Wirksamkeitsdaten wurden mit der 96-Wochen-Analyse einer randomisierten, doppelblinden, kontrollierten Dosisfindungsstudie (Protokoll 004) an ARV-therapienaiven, HIV-1-infizierten erwachsenen Studienteilnehmern bestätigt, bei der Raltegravir und Efavirenz, jeweils in Kombination mit Tenofovir und Lamivudin, verglichen wurden.

    * NNRT = nicht-nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren; NRTI = nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren; PI = Protease-Inhibitoren; STARTMRK = Safety and efficacy of raltegravir-based versus efavirenz-based combination therapy in treatment-naive patients with HIV-1 infection: a multicentre, double-blind randomised controlled trial

    Quellen:

    1. EuroHIV. HIV/AIDS Surveillance in Europe. End-year report 2006. Saint-Maurice: Institut de veille sanitaire, 2007. No. 75. Verfügbar unter: http://www.eurohiv.org/reports/report_75/pdf/report_eurohiv_75.pdf. Zugriff am 12. Mai 2009.
    2. UNAIDS. 2008 Report on the Global AIDS Epidemic. Verfügbar unter: http://www.unaids.org/en/KnowledgeCentre/HIVData/GlobalReport/2008/2008_Global_report.asp
    Zugriff am 30. Januar 2009.
    MSD SHARP & DOHME Gmbh – Pressemeldung vom 15. September 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren




     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Todesursachen von jungen Menschen

    Genf - Jedes Jahr sterben rund 2,6 Millionen junge Menschen zwischen zehn und 24 Jahren einen vorzeitigen Tod, 97 Prozent von ihnen in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen. Eine von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützte Studie listet jetzt erstmals die wichtigsten Todesursachen auf: Unfälle im Straßenverkehr, Komplikationen bei Schwangerschaft oder Geburt, Selbstmord, Gewalttaten, Aids und Tuberkulose. Die meisten Todesfälle könnten vermieden werden.

    Die Studie, die in der angesehenen Medizin-Zeitschrift "The Lancet" erschienen ist, verweist darauf, dass mehr junge Menschen als jemals zuvor auf der Erde leben: 1,8 Milliarden oder 30 Prozent der Weltbevölkerung. Die Untersuchung soll dabei helfen Programme zu entwickeln, die einen frühzeitigen Tod verhindern helfen.

    Die Autoren der Studie kommen zu dem Ergebnis, von den 2,6 Millionen Menschen zwischen zehn und 24 Jahren, die im Jahr 2004 starben, seien 2,56 Millionen in Entwicklungsländern ums Leben gekommen und fast zwei Drittel davon (1,67 Millionen) in Subsahara-Afrika und Südostasien. 15 Prozent der Todesfälle unter jungen Mädchen und Frauen waren auf die Schwangerschaft zurückzuführen. HIV/Aids und Tuberkulose waren für elf Prozent aller Todesfälle verantwortlich.

    Die meisten Todesfälle - 14 % bei männlichen und 5 % bei weiblichen Toten - wurden jedoch durch Unfälle im Straßenverkehr hervorgerufen. Andere wichtige Todesursachen waren Gewalttaten (bei 12 % der männlichen Toten) und Selbstmord (sechs Prozent aller Todesfälle).

    Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass die gegenwärtige Prioritätensetzung bei der Prävention von Todesfällen unter Heranwachsenden zu kurz greift, weil sie sich auf HIV/Aids und Müttersterblichkeit konzentriert. Mehr als zwei von fünf Todesfällen in der Altergruppen zwischen zehn und 24 Jahren seien jedoch auf gewollte oder ungewollte Verletzungen zurückzuführen.

    Quelle: George C. Patton, Carolyn Coffey, Susan M. Sawyer, Russell M. Viner, Dagmar M. Haller, Krishna Bose, Theo Vos, Jane Ferguson, Colin D. Mathers: Global patterns of mortality in young people: a systematic analysis of population health data. The Lancet 2009; 374: 881–92

    http://www.thelancet.com – The Lancet vom 11. September 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Und sie bewegen sich doch!

    Gastautor Peter Wiessner berichtet über die aktuellen Änderungen bei den Einreisebestimmungen von Südkorea und der Tschechischen Republik. Diskriminierende Einreisebestimmungen in Südkorea und der Tschechischen Republik nach internationalen Protesten vor dem Aus.
    Während in den USA derzeit noch um die Abschaffung der für Menschen mit HIV/Aids diskriminierenden Einreisebestimmungen gefeilscht wird, sind in den vergangenen Tagen in zwei Ländern Entscheidungen getroffen worden, die bezeugen, wie wichtig die Einforderung der Menschenrechte und wie hilfreich internationale Proteste sein können. Eines dieser Länder zählt zu unseren direkten Nachbarn.
     
    TSCHECHISCHE REPUBLIK
    Im Mai 2009 kündigte der Außenminister der Tschechischen Republik Herr Jan Kohout an, dass ab dem 01. Juni 2009 VISA-Antragsteller aus den 10 Ländern einen HIV-Test vorlegen müssen, um in das Land einreisen zu können. Die 10 Länder betrafen Kongo, Kenia, Moldau, die Mongolei, Nigeria, Pakistan, Tadschikistan, Turkmenistan, die Ukraine und Vietnam. Der populistische Vorschlag (die Tschechische Republik stand damals vor den Wahlen) und die Liste der Länder legen politisch-rassistische Motive nahe.

    Dass die Tschechische Republik zu dem Zeitpunkt die EU Ratspräsidentschaft inne hatte, macht die Angelegenheit noch peinlicher (andere Länder haben sich im Rahmen der EU Ratspräsidentschaft in Bezug auf die Belange von Menschen mit HIV/Aids durchaus positiv profiliert). Im Rahmen der EU Gesetzgebung ist ein entsprechend diskriminierendes Gesetz schlichtweg kaum durchsetzbar. Nach zahlreichen internationalen Protesten, bspw. durch den offenen Brief der EATG, hat die tschechische Regierung nun ihr diskriminierendes Horror-Vorhaben klanglos fallen lassen.

    Wie Kollegen aus Prag mitteilten, ging es zuletzt nur noch um die Begrenzung des „Gesichtsverlustes“ der involvierten Politiker.

    SÜDKOREA

    Seit vielen Jahren zählt Südkorea in Bezug auf die Einreise von Menschen mit HIV/Aids zu den restriktivsten Länder. Das Koreanische Immigrationsgesetz verbietet die Einreise von Ausländern mit übertragbaren Infektionen und HIV/Aids. Dies betrifft meist nur längerfristige Aufenthalte, vorausgesetzt, dass bei kurzfristigen reisen die HIV-Infektion unbekannt bleibt. Zudem erlaubte das Einwanderungsgesetz die Deportation von HIV infizierten Ausländern. Davon ist, wie Berichte nahe legen, in der Vergangenheit im großen Stil Gebrauch gemacht worden, eine Katastrophe für betroffene Arbeitnehmer aus dem Ausland. (vgl. http://eforums.healthdev.org). Meist wird hierfür der Begriff des „Arbeitsmigranten“ gebraucht. Ein Begriff, der verschleiert, dass diese Regelungen durchaus auch im Ausland arbeitende Deutsche betreffen können.

    Nach Protesten durch Menschenrechtsexperten und einen Gerichtsprozess im letzten Dezember, durch den die drohende Deportation eines HIV positiven Arbeitsnehmers ausgesetzt werden konnte, stehen die gesetzlichen Regelungen in Südkorea nun vor einer Revision. Mehr Informationen dazu in einem Artikel der Koran Times.

    Es ist gut zu sehen, dass sich internationaler Protest lohnt und das Menschenrechtsargument greift. Dass die gesammelten Daten und Positionen der DAH in der Umsetzung dieser Rechte dabei immer auch berücksichtigt werden ist ebenfalls gut.

    Die Deutsche AIDS-Hilfe hat ab 1999 die weltweit größte Datensammlung zu diesem Thema zusammengestellt, deren Ergebnisse unter www.hivtravel.org abgefragt werden können. Diese erschreckenden Beispiele der Ausgrenzung von Menschen mit HIV haben dazu beigetragen, dass sich zunehmend mehr internationale Organisationen des Themas angenommen haben. Dieser stetige Druck internationaler Organisationen (WHO, IAS, UNAIDS, Global Fund usw.) scheint nun am Beispiel Südkoreas erste Wirkungen zu zeigen.

    Deutsche Aids-Hilfe blog vom 10. September 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Blockade mit künstlichem Gen

    Schweizer Forscher haben ein künstliches Gen hergestellt, das HIV bei Labormäusen und in menschlichen Zellen wirksam hemmt. Langfristig könnte der Ansatz zur Entwicklung einer Gentherapie führen.
     
    Vorbild: Affen-Doppelgen
     
    Inspiriert wurden die Versuche durch die Entdeckung, dass bei Nachtaffen zwei bestimmte Gene miteinander verschmolzen sind. Aus dem Doppelgen bilden die kleinen, in Mittel- und Südamerika beheimateten Primaten ein Eiweiß, das sie vor gewissen Retroviren schützt, zu denen auch HIV gehört.
    Auch der Mensch verfügt über diese beiden Gene. Allerdings sind sie nicht verschmolzen - das schützende Eiweiß (mit zweifacher genetischer Basis) wird in unserem Körper nicht hergestellt. Ein Team um Jeremy Luban von der Uni Genf fabrizierte deshalb aus den zwei menschlichen Genen nach dem Affenvorbild ein Doppelgen.
    HIV-Infektion verhindert

    Die Forscher testeten daraufhin die Substanz in menschlichen Zellen. Wie sie im Fachmagazin "The Journal of Clinical Investigation" (online) berichten, stoppte das vom künstlichen Gen produzierte Eiweiß etwaige HIV-Infektionen, ohne die normalen Zellfunktionen zu zerstören. Es bildeten sich auch keine Resistenzen von HIV.

    Die Forscher schleusten auch menschliche Blutzellen, die das neue Gen enthielten, in HIV-infizierte Mäuse ein. Das künstliche Gen verhinderte in diesen Mäusen die Vermehrung der Viren stark - die Wirksamkeit sei ebenso hoch gewesen, wie jene des ursprünglichen Gens bei den Nachtaffen, hieß es in einer Aussendung.

    Weiter Weg zur Gentherapie

    Laut Luban und seinen Kollegen ist das von ihnen geschaffene Gen ein vielversprechender Kandidat, um Aids mit Hilfe einer Gentherapie zu bekämpfen. Dabei würde das Gen in Zellen von infizierten Menschen eingeschleust und sollte dort - so der Plan - HIV stoppen.

    Der Weg zu einer solchen Behandlung ist allerdings weit - und die Gentherapie ist nur eine von vielen Strategien, mit denen Wissenschaftler Aids endlich zu besiegen versuchen. Die verlockendste Möglichkeit, die heute verwendeten Virus- unterdrückenden Medikamente zu ersetzen, wäre eine Impfung.

    Erst vor ein paar Tagen hatten US-Forscher von der Entdeckung zweier Antikörper berichtet, die für die Herstellung eines Impfstoffes taugen könnten. Bisher waren Impfbemühungen stets gescheitert, weil sich das HI-Virus unablässig verändert und so dem Impfstoff entkommt.

    ORF ON Science vom 9. September 2009 Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Wie HIV die Immunzellen lähmt

    Krankheitsmechanismus bei Infektion mit HIV entschlüsselt / Heidelberger Virologen veröffentlichen in "Cell Host & Microbe".

    Um Krankheitserreger abwehren zu können, müssen Immunzellen beweglich sein und Kontakt zueinander aufnehmen. Die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Oliver Fackler, Abteilung Virologie des Hygiene Institutes vom Universitätsklinikum Heidelberg, hat im Tiermodell einen Mechanismus entdeckt, wie der Aids-Erreger HIV die Immunzellen lähmt: Die Zell-Beweglichkeit wird durch das Nef-Protein des HIV gehemmt. Die Studie wurde in der hochrangigen Zeitschrift "Cell Host & Microbe" veröffentlicht. Möglicherweise wurde damit ein neuer Ansatz für eine Therapie gefunden.
     
    Das Aktin Zytoskelett humaner T Lymphozyten (rot) in der Gegenwart des Stimulus CCL-19. Die Infektion mit HIV-1 (grüne Färbung des HIV-1 Proteins CA) führt zum Verlust der Reorganisation von Aktin und damit der Zellmotilität.
    Quelle: Hygiene Institut, Universitätsklinikum Heidelberg.

    ber 30 Millionen Menschen weltweit sind mit HIV infiziert. Typischerweise vergeht nach der Erstinfektion mit akuten Symptomen eine mehrjährige Latenzzeit, bevor sich das erworbene Immundefektsyndrom (AIDS) manifestiert. Das HI-Virus hat zahlreiche Strategien entwickelt, um sich der körpereigenen Abwehr und den verabreichten Medikamenten zu entziehen. Voraussetzung für eine effiziente Virusvermehrung im Patienten ist das viruseigene Nef-Protein. Ohne Nef ist die Entwicklung von AIDS deutlich verlangsamt oder sogar komplett gestoppt. Der zugrundeliegende Mechanismus für diese Beobachtung war aber bisher völlig ungeklärt.

    HIV modifiziert das Zellstruktursystem der Wirtszellen

    Viren verändern die Stützstrukturen der befallenen Zellen, um besser in die Zelle eindringen zu können. Das Zellstrukturelement Aktin, das auch der Muskulatur ihre Beweglichkeit verleiht, verhilft den Immunzellen zu ihrer Motilität. Diese ist notwendig, damit die Abwehrzellen miteinander in Kontakt treten und das Virus bekämpfen können. Nach jeder Bewegung muss das Aktin wieder in seinen Ursprungszustand zurückversetzt werden, um erneut zur Verfügung zu stehen. HIV greift bevorzugt Immunzellen vom Typ der T-Helferzellen an. Diese unterstützen nicht nur die direkte "Feindabwehr", sondern sind auch notwendig, um ausreichend Antikörper gegen den Eindringling ausbilden zu können. Dazu sind sie auf ihre Beweglichkeit angewiesen.

    Kurzschluss zweier verschiedener Signalwege in der Zelle durch Nef

    Die Wissenschaftler untersuchten die Wanderung von Zellen bei lebenden Zebrafisch-Embryonen und konnten nachweisen, dass die Zell-Beweglichkeit durch das HIV Protein Nef gehemmt wird. In weiterführenden Versuchen an Zellkulturen klärten sie den zugrundeliegenden Mechanismus auf: Nef bringt ein Enzym, das sonst nichts mit der Zellbeweglichkeit zu tun hat, dazu, einen Regulator für die Aktin-Wiederherstellung zu inaktivieren. Nef sorgt also für einen Kurzschluss zweier zellulärer Maschinerien und verhindert damit, dass das Zellstrukturelement Aktin reorganisiert wird, und die Zelle sich bewegen kann. So können die betroffenen Immunzellen ihre Funktion nicht mehr wahrnehmen.

    "Wir spekulieren, dass der negative Effekt von Nef auf die Beweglichkeit von T-Helferzellen weitreichende Konsequenzen für eine effiziente Antikörperbildung durch B-Lymphozyten im Patienten hat. Der von uns beschriebene Mechanismus könnte wesentlich an der bei AIDS-Patienten zunehmend stärker beachteten Fehlfunktion von B-Lymphozyten beteiligt sein", erklärt Professor Fackler. Bisher ist Nef noch kein Ziel antiviraler Therapiemaßnahmen. Da ein erster molekularer Mechanismus aber nun entschlüsselt ist, und die Bedeutung von Nef für die Erkrankung deutlicher wird, könnte sich das in Zukunft ändern.

    Literatur:
    HIV-1 Nef Interferes with Host Cell Motility by Deregulation of Cofilin. Bettina Stolp, Michal Reichman-Fried, Libin Abraham, Xiaoyu Pan, Simone I. Giese, Sebastian Hannemann, Polyxeni Goulimari, Erez Raz, Robert Grosse, Oliver T. Fackler. Cell Host & Microbe, 2009 Aug 20;6(2):174-86. / Doi:10.1016/j.chom.2009.06.004 http://www.cell.com/cell-host-microbe/abstract/S1931-3128(09)00216-9

    Weitere Informationen: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Fackler.6555.0.html?&FS=0&L

    Universitätsklinikum Heidelberg - Pressemeldung vom 7. September 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Modernste Biobank der Welt ist im Saarland

    Vor drei Jahren erhielt das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik (IBMT) ein Projekt der Bill & Melinda Gates Foundation zum Aufbau einer beispielhaften HIV-Biobank für die Impfstoffentwicklung gegen AIDS (Collaboration for AIDS Vaccine Discovery - CAVD). Dass das Projekt nach Deutschland und ins Saarland kam, war zweifellos das Ergebnis einer kontinuierlichen Biotechnologieförderung durch die Landesregierung, die Fraunhofer-Gesellschaft sowie der innovativen Kryotechnologie-Entwicklungen am Fraunhofer IBMT.

    Das Saarland beherbergt nun die wohl modernste Biobank der Welt, mit elektronischer Identifizierung der Proben, tieftemperaturtauglichen Speicherchips an jedem Probenröhrchen und einem hohen Grad an Automatisierung. Am 31. Juli 2009 wurde das Projekt unter der Koordination des Fraunhofer IBMT, dem Virologen und Immunologen Priv.-Doz. Dr. H. von Briesen, in enger Zusammenarbeit mit den 11 internationalen Partnern, insbesondere aber auch der Universität des Saarlandes (Prof. Dr. A. Meyerhans), in allen Punkten erfolgreich abgeschlossen. In einem letzten Schritt wurde in diesem Jahr die Biobank mit den angegliederten Laboren nach den europäischen als auch amerikanischen GCLP-Richtlinien (Good Clinical Laboratory Practice) zertifiziert. "Wir betrachten den erfolgreichen Aufbau dieser Bank als Pionierleistung. Es ist unser größter Erfolg, den Prozess der Abnahme im ersten Anlauf bestanden zu haben", so der Direktor des IBMT, Professor Fuhr.

    Unmittelbar nach Abschluss des Projektes erhielt das Saarland mit dem IBMT nun den Zuschlag für ein zweites Projekt, in dem einmal die Erweiterung der Forschungsbank und deren internationale Vernetzung vorangetrieben werden soll, zum anderen dringend benötigte Laborautomaten, die die Impfstoffentwicklung beschleunigen werden, aufzubauen sind. Das Gesamtbudget für das Zweijahresprojekt liegt bei 5 Mio US$, wovon die Gates Foundation mit den angegliederten Forschergruppen 3,2 Mio, das Saarland 0,5 Mio und die Fraunhofer-Gesellschaft 1,3 Mio US$ beisteuern.

    "Wir unterstützen dieses Projekt im Rahmen unserer Innovationsstrategie nachdrücklich. Denn neben der internationalen Ausstrahlung wird nun auch die Laborgeräteentwicklung und Medizintechnik im Saarland gestärkt. Dieser Ausbau der saarländischen Biobanktechnologie kann auf viele klinische und biotechnologische Anwendungen übertragen werden", erläutert der Minister für Wirtschaft und Wissenschaft des Saarlandes, Joachim Rippel. Auch dieses Projekt wird vom Fraunhofer IBMT koordiniert, in enger Kooperation mit der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes, der Weltgesundheitsorganisation (WHO, Genf), den National Institutes of Health (NIH, USA), dem National Institute for Biological Standards and Control (NIBSC, Großbritannien), der Universität in Lund (Schweden) und dem San Raffaele Scientific Institute (DIBIT, Italien) sowie einem Netzwerk von medizinischen Einrichtungen in Entwicklungsländern.

    Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik - Pressemeldung vom 4. September 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Antikörper finden Achillesferse von HIV

    Das erste Mal seit 20 Jahren haben US-Forscher natürliche Breitband-Antikörper gegen das HI-Virus eingesetzt. Die Versuche zeigen einen möglichen Schwachpunkt des Aids-Erregers auf.

    Screening an Infizierten

    Seit langem forschen Wissenschaftler in aller Welt nach Antikörpern, die sich nicht nur an bestimmte, sondern an eine Vielzahl der sehr variablen Virusstämme binden und diese neutralisieren. Solche "broad neutralizing antibodys" (bNAbs) treten in seltenen Fällen spontan bei infizierten Personen auf.

    Nach der Untersuchung von Blutproben von mehr als 1.800 Infizierten aus Afrika, Asien, Großbritannien und den USA fanden Forscher zwei Antikörpertypen, die nicht nur diese gesuchte Breitband-Wirkung zeigen, sondern auch stärker auf die Viren reagieren als die besten bisher gefundenen bNAbs (Science, Online-Veröffentlichung).

    "Schritt in Richtung Impfstoff"

    Die neuen Antikörper mit der Bezeichnung "PG9" und "PG16" binden sich wahrscheinlich an einen Teil der Virushülle, der bei HIV relativ konstant bleibt, berichten Laura Walker vom Scribbs Forschungsinstitut in La Jolla und Sanjai Phogat von der International Aids-Impfinitiative in New York.

    Die neuen biochemischen Testmethoden, die es erlaubten, schnell große Probenmengen zu untersuchen und die zu diesem Fund führten, lassen nach Ansicht der Forscher hoffen, dass bald noch weitere, ähnliche Antikörper entdeckt werden.

    "Das ist ein aufregender Schritt in Richtung auf einen möglichen zukünftigen Aids-Impfstoff", kommentiert Wayne Koff vom Internationalen Aids-Impfinitiative. "Es wurde ein neues Angriffsziel am HI-Virus identifiziert, und wo wir eines gefunden haben werden wir auch noch mehr finden."

    Science

    Grundlage für HIV-Impfstoff?
    Neu entdeckte Antikörper könnten als Grundlage für einen Aids-Impfstoff dienen. Zum ersten Mal seit 20 Jahren habe man zwei sogenannte natürliche Breitband-Antikörper gefunden, die an eine Vielzahl der sehr variablen Virusstämme binden und sie unschädlich machen, berichten amerikanische Virologen im Fachjournal Science (online). Ein Problem bei der Entwicklung eines HIV-Impfstoffes ist, dass es sehr viele verschiedene Virusstämme gibt. Die jetzt gefundenen Antikörper binden jedoch an einen Teil der Virushülle, der in allen Stämmen weitgehend identisch ist. Bislang waren vier solcher Antikörper bekannt, die einige Infizierte spontan bilden. Die neuen Antikörper, die die Forscher nach Blutuntersuchungen von mehr als 1800 Infizierten gefunden haben, reagieren zudem stärker als die bisher bekannten Typen auf die Viren.

    science ORF vom 4. September 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Etappensieg für Aktionsbündnis gegen Aids - Patentantrag abgelehnt!

    Tübingen - Indien hat den Patentantrag der Firma Gilead auf das unentbehrliche Aids-Medikament Tenofovir abgelehnt. Tenofovir wird von der Weltgesundheitsorganisation als Aids-Medikament der ersten Wahl empfohlen, da es ältere, nebenwirkungsreichere Medikamente ersetzen kann. Das Aktionsbündnis gegen Aids hatte Gilead aufgefordert, seinen Patentantrag in Indien zurückzuziehen. Die Entscheidung der indischen Regierung wurde damit begründet, dass es sich hier nicht um ein wirklich neues Medikament handelt. Denn die Substanz Tenofovir wurde bereits 1995 entwickelt. Gilead wollte diese nun geringfügig geändert patentieren lassen, was das neue indische Patentrecht (§ 3d) jedoch untersagt. Denn ein Anrecht auf Patente gilt nur auf völlig neue Arzneistoffe.

    Das Aktionsbündnis gegen AIDS hatte von Gilead verlangt, den Patentantrag freiwillig zurückzunehmen. Der Pharmakonzern hatte nicht reagiert, aber die indische Regierung entschied nun zum Wohle der PatientInnen.

    "Das ist ein toller Erfolg für das Aktionsbündnis gegen AIDS", freut sich Christiane Fischer von der BUKO Pharma-Kampagne als Sprecherin des Aktionsbündnisses. Gemeinsam mit anderen internationalen Organisationen wurde die indische Regierung bestärkt, von dem 3d Paragraphen nicht abzuweichen.

    Eine Patentierung dieses Arzneistoffes hätte die Produktion in Indien und den Export als Generika in ärmere Länder dramatisch erschwert. Insofern ist die jetzt getroffene Entscheidung für alle PatientInnen, die auf dieses Präparat angewiesen sind, von entscheidender Bedeutung.

    Aktionsbündnis gegen AIDS - Pressemeldung vom 3. September 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Immer mehr Frauen in Asien HIV-positiv

    Eine UNAIDS-Studie zeigt, dass sich neun von zehn HIV-positiven Frauen bei ihren Lebensgefährten angesteckt haben.

    Rund 50 Millionen Frauen in Asien sind einer UN-Studie zufolge gefährdet, sich mit HIV zu infizieren. Die größte Gefahr komme aus dem nächsten sozialen Umfeld: Oft seien es die Ehemänner oder langjährige Lebenspartner, bei denen sich die Frauen anstecken, teilte Mitte August UNAIDS mit, die UN-Organisation zur Bekämpfung von HIV/Aids. Die Studie geht davon aus, dass mehr als 90 Prozent der 1,7 Millionen HIV-positiven Asiatinnen sich bei ihren Lebensgefährten infiziert haben.

    Laut UNAIDS ist es unter asiatischen Männern verbreitet, beim sexuellen Kontakt mit Prostituierten keine Kondome zu benutzen. Dadurch steckten sie sich mit dem HI-Virus an und gäben ihn an andere Frauen weiter. In der Regel sei es weder den Prostituierten noch den Lebenspartnerinnen der Männer möglich, die Benutzung eines Kondoms einzufordern. Zudem fehle es oft an Wissen: "Programme zur HIV-Prävention, die auf die Partnerinnen von Männern mit hochriskantem Sexualverhalten abzielen, werden in den HIV/Aids-Strategien asiatischer Länder noch immer nicht berücksichtigt", sagte Prasada Rao, Direktor der UNAIDS-Abteilung für Asien und Pazifik. Der Schlüssel zur Reduzierung von HIV-Übertragungen zwischen Intimpartnern sei die Verbindung reproduktiver Gesundheitsprogramme mit Programmen gegen HIV/Aids.

    Anteil von HIV-infizierten Frauen hat sich verdoppelt

    Das Ausmaß der Aids-Epidemie fällt in den asiatischen Staaten unterschiedlich aus. Generell bestimmen laut dem Bericht von UNAIDS die Männer darüber, ob Kondome benutzt werden oder nicht. Während von Frauen erwartet werde, vor der Ehe abstinent und in der Ehe monogam zu leben, gebe es eine gesellschaftliche Toleranz dafür, dass Ehemänner auch andere sexuelle Kontakte haben. Die Folge ist, dass sich der Anteil von Frauen bei den HIV-Infizierten in Asien seit 1990 verdoppelt hat, wie UNAIDS schreibt; 2008 seien 35 Prozent der Infizierten Frauen gewesen.

    In Kambodscha, Indien und Thailand führe die Achtlosigkeit der Männer dazu, dass die meisten HIV-Neuinfizierten verheiratete Frauen sind. Auch in Indonesien verbreite sich das HI-Virus mittlerweile unter Prostituierten und ihren Kunden. Generell trage Gewalt zur schnelleren Verbreitung bei, wie Studien aus Bangladesch, Indien und Nepal belegen. Eine Untersuchung aus Vietnam bestätigte, dass sexuell riskantes Verhalten männlicher Wanderarbeiter die Lebenspartnerinnen einem besonders hohen HIV-Infektionsrisiko aussetzt.

    Reproduktive Gesundheitsprogramme müssen auch Männer erreichen

    Die UNAIDS-Studie gibt vier grundsätzliche Empfehlungen, um die Ausbreitung von HIV-Infektionen zukünftig zu verringern: Präventionsmaßnahmen müssten ausgeweitet und der Schutz von Frauen stärker betont werden. Es sollten mehr Programme zur reproduktiven Gesundheit eingerichtet werden, die zudem auch Männer erreichen. Darüber hinaus müsse die HIV-Prävention Wanderarbeiter stärker einbeziehen als bisher, und nicht zuletzt sei es erforderlich, zur Verbreitung von HIV/Aids bei Intimpartnern in Asien mehr zu forschen.

    Quelle: UNAIDS, 11. August 2009.

    Deutsche Stiftung Weltbevölkerung - Newsletter August 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV Subtyp C besser sexuell übertragbar

    von Pietro Vernazza

    Die HIV Epidemie in Afrika scheint sich unter heterosexuellen Menschen leichter auszubreiten als in Europa. Möglicherweise sind unterschiedliche Subtypen dafür verantwortlich.

    Bereits zu Beginn der HIV-Epidemie in den 80-er Jahren war auffällig, dass sich HIV in Afrika deutlich rascher unter heterosexuellen Menschen ausbreitet als in Europa und den USA. Bisher nahm man an, dass die Häufung von Geschlechtskrankheiten in Afrika Ursache des erhöhten Mann-zu-Frau und Frau-zu-Mann Risikos sei. Möglicherweise ist dies aber nicht die einzigen Erklärung für das Phänomen, wie eine Untersuchung vom NIH vermuten lässt.

    In Afrika Subtyp C dominant

    Die Autoren haben das HIV vom Subtyp C untersucht. Dieses Virus ist vor allem in Afrika verbreitet. Weltweit werden 56% aller heterosexuell übertragenen Infektionen durch Subtyp C verursacht. Bei uns, wo die Epidemie sich anfangs durch Nadeltausch und Analverkehr verbreitet hat, sind ca. 70% der Personen mit Subtyp B infiziert.

    In dieser in vitro Untersuchung wurde ein Virus mit einem Subtyp A/C Gemisch (Chimäre) von einer Frau untersucht, bei der man eine hohe Virusvermehrung in Genitalsekreten fand. Weiter wurden Virussequenzen von 37 heterosexuell mit Subtyp C infizierten Frauen untersucht.

    Häufung von hoch infektiösen Virussequenzen

    Die Autoren fanden eine Häufung von genetischen Auffälligkeiten im Virusgenom dieser mit Subtyp C infizierten Frauen. Insbesondere fand sich bei den mit Subtyp C infizierten Frauen eine deutliche Verkürzung eines variablen Genanteils des Virusanteils, welcher die Außenhülle des Virus ausmacht (V1-2-loop von gp120). Viren mit dieser genetischen Auffälligkeit weisen in vitro eine erhöhte Infektiosität auf.

    Möglich, dass diese genetische Auffälligkeit im Genom von HIV Subtyp C tatsächlich mit verantwortlich ist, dass sich dieser Subtyp in subsahara Afrika besonders stark heterosexuell übertragen lässt.

    Quelle: Walter et al, AIDS, 1.6.09; 23:1047-57

    Infektiologie St. Gallen vom 1. September 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Methadon-Therapie: muss Krankenkasse zahlen - oder nicht?

    Die Krankenversicherung muss nicht für die Methadon-Behandlung eines Drogengebrauchers aufkommen, urteilt das Landgericht Nürnberg-Fürth.

    Ein Drogengebraucher genießt für die Methadon-Behandlung keinen Versicherungsschutz seiner Krankenkasse. Schließlich nehme er seine Abhängigkeit bewusst in Kauf. So urteilte Ende 2008 das Landgericht Nürnberg-Fürth. Die Krankenversicherung müsse die Kosten für eine Methadon-Behandlung nicht übernehmen.

    Auf ein entsprechendes jüngst publiziertes Urteil weist die Arbeitsgemeinschaft Medizinrecht des Deutschen Anwaltsvereins hin:

    “Wer seine Abhängigkeit von Heroin bewusst in Kauf nehme, führe den Versicherungsfall der möglichen späteren Methadon-Behandlung vorsätzlich herbei. In solchen Fällen müsse die Krankenkasse nicht zahlen.”

    Das Urteil gilt für eine Private Krankenversicherung. In der Gesetzlichen Krankenversicherung werden die Kosten einer Substitutions-Behandlung mit Methadon übernommen - auf Antrag:
     

      “Die Kosten der Methadonbehandlung werden bei entsprechender medizinischer Indikationsstellung vom substitutionsberechtigten Arzt durch die gesetzliche Krankenkasse übernommen. Dies klärt der Arzt mit Ihnen beim ersten Untersuchungs-/ Vorstellungstermin in der Substitutionspraxis. Danach wird der Antrag zur Kostenübernahme vom behandelnden Arzt bei der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) gestellt. Erst mit der Erteilung des Genehmigungsbescheides durch die KV werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen.” (midames - Münchner Informationssystem Drogen Alkohol Medikamente Essstörungen Sucht)


    In der Privaten Krankenversicherung können die Kosten für eine Methadon-Therapie auch weiterhin aus Kulanz vom Versicherer übernommen werden. Es verwundert, warum der Deutsche Anwaltsverein jetzt auf dieses Urteil hinweist OHNE den Hinweis, dass es für die private Krankenversicherung gilt - und eine Debatte anstößt.

    In der Privaten Krankenversicherung gilt zunächst Vertragsfreiheit - ein Grund mehr, sich diesen Schritt genau zu überlegen. Der Fall der Methadon-Behandlung zeigt mögliche Konsequenzen …

    Viel wichtiger aber ist die Frage nach Konsequenzen, wenn sich der Grundgedanke dieses Urteils auch generell durchsetzen sollte. Denn - welcher Gedanke steht hinter diesem Urteil? Wieder der des Schuldprinzips. Wer für ein gesundheitliches Problem selbst verantwortlich ist, für den solle die Krankenversicherung auch nicht aufkommen, so diese Denkweise.

    Eine gefährliche Denkweise, die an den Grundfesten unseres Versicherungssystems kratzt - nämlich dem der Solidargemeinschaft. Alle Versicherten stehen gemeinsam für alle Probleme aller ein. Durch die Verteilung der Kosten auf alle muss niemand existentielle Probleme aufgrund eines gesundheitlichen Problems befürchten - egal aus welchem Grund.

    Wer dieses Prinzip aushöhlt - besonders, indem er das Schuldprinzip einführt -, legt damit die Axt an eines der Grundprinzipien unserer Gesellschaft, gefährdet den sozialen Frieden. HIV-Positive sollten hellhörig werden: wer so denkt, wird irgendwann auch die Frage stellen, wie weit jemand für seine HIV-Infektion “selbst schuld” sei - und die Übernahme Behandlungskosten durch die Gesetzliche Krankenversicherung in Frage stellen.

    Weitere Informationen:
    Landgericht Nürnberg-Fürth 11. Dezember 2008 (AZ: 8 O 3170/07) (publiziert u.a. in VersR Heft 20, 5. Juli 2009)
    Ärzte-Zeitung 17.07.2009: PKV muss nicht aufkommen für die Methadonbehandlung
    Deutscher Anwaltverein 28.08.2009: Krankenkasse muss Methadon-Behandlung nicht zahlen
    Deutsches Ärzteblatt 28.08.2009: Urteil: Krankenkasse muss Methadon-Behandlung nicht zahlen

    ondamaris vom 31. August 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Demenz kommt bei bestimmten Aids-Formen häufiger vor

    Baltimore. Patienten mit einem bestimmten Subtyp des HI-Virus entwickeln häufiger eine Demenz als andere HIV-Patienten.

    Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler nach einer Untersuchung an HIV-Patienten in Uganda. Damit könnten Gedächtnisverluste, die mit HIV-Typ D einhergehen, zu den häufigsten Demenzformen weltweit gehören, schreiben die Forscher um Ned Sacktor von der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore (USA) in der Fachzeitschrift «Clinical Infectious Diseases» (Ausgabe 1. September, doi: 10.1086/605284). Allerdings seien weitere Studien notwendig, um das Ergebnis eindeutig zu bestätigen.

    Das HI-Virus tritt in verschiedenen Formen auf, die mit den Buchstaben A bis K bezeichnet werden und sich jeweils durch kleine Abschnitte in ihrem Erbgut unterscheiden. Bestimmte Subtypen kommen in einigen Gegenden der Welt gehäuft vor. So herrschen in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara die Subtypen A, C und D vor, in den USA ist dagegen Typ B am häufigsten. Verschiedene Subtypen werden außerdem mit einem schnelleren oder langsameren Ausbruch der Krankheit Aids in Verbindung gebracht.

    Die Neurologen um John Sacktor verglichen nun erstmals, wie das Risiko für eine Demenz mit verschiedenen HIV-Subtypen zusammenhängt. Dazu führten sie mit 60 Aids-Kranken in einer Klinik in Uganda verschiedene neurologische und psychologische Tests durch, mit denen sie das Gedächtnis und die geistige Leistungsfähigkeit der Patienten überprüften. Diese befanden sich in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium und nahmen an einer Studie teil, in der die Wirkung von Aids-Medikamenten untersucht wurde. Zum Testzeitpunkt hatten sie jedoch noch nicht mit der Einnahme der Medikamente begonnen.

    Die meisten der 60 untersuchten Patienten trugen den HIV-Subtyp A oder D in sich. Dabei war bei 89 Prozent der Patienten mit Subtyp D eine Demenz zu beobachten, während dies bei Subtyp A nur bei 24 Prozent der Fall war. «Dieser dramatische Unterschied war für uns sehr überraschend», sagt Sacktor. «Wenn Ähnliches in ganz Schwarzafrika gelten würde, könnte durch HIV verursachte Demenz eine der häufigsten Demenzformen weltweit sein.» Allerdings seien die Ergebnisse noch als vorläufig anzusehen und müssten in weiteren Studien überprüft werden.

    In Zukunft wollen Sacktor und sein Team auch den Ursachen der höheren Demenzhäufigkeit auf den Grund gehen. Die Forscher vermuten, dass der HIV-Subtyp D im Vergleich zu anderen Subtypen stärker zu Entzündungen und Schädigungen im Gehirn führen könnte.

    Artikel in: Clinical Infectious Diseases

    Aachener Nachrichten vom 31. August 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Tibotec verschärft Warnhinweis bei Intelence

    Der Pharmakonzern Johnson und Johnson (bzw. seine Pharma-Geschäftseinheit Tibotec) hat in den USA einen Warnhinweis für das Aids-Medikament Intelence® (Wirkstoff Etravirin, früher TMC125) wegen möglicherweise lebensbedrohlicher Nebenwirkungen verschärft.

    Es könne bei Intelence® zu schweren Hautreaktionen kommen, so nun der neue Warnhinweis. Auch eine Nekrolyse (Lyell-Syndrom) sowie Leberversagen sei möglich.

    Intelence® gehört zur Gruppe der sog. NNRTIs (nicht-nukleosidale reverse Transkriptase Inhibitor (Hemmer)). Die Substanz wurde Ende August 2008 in der EU zugelassen. In den USA war das Medikament bereits am 18. Januar 2008 im beschleunigten Verfahren zugelassen worden.

    Johnson & Jonsohn konkretisiert die Warnung

    “Specifically, the existing Warning and Precaution regarding Severe Skin Reactions has been strengthened to reflect that there have been postmarketing reports of:
    - fatality due to toxic epidermal necrolysis
    - hypersensitivity reactions, sometimes accompanied by hepatic failure”

    Eine Tibotec-Sprecherin bestätigte, dass es im Vorfeld der Verschärfung des Warnhinweises zu zwei Fällen von Lyell-Syndrom nach Einsatz von Intelence, davon ein Todesfall, sowie einem Fall von Leberversagen gekommen sei.

    Weitere Informationen:
    Johnson & Johnson August 2009: important drug warning (pdf)
    Reuters 26.08.2009: J&J strengthens warning on HIV drug
    bloomberg 26.08.2009: J&J Unit Warns of Deadly Skin Reaction With HIV Drug (Update1)
    EMEA: Intelence (Etravirin) - Zusammenfassung des EPAR für die Öffentlichkeit (pdf)
    EMEA: Intelence European Public Assessment Report
    aidsmap 21.01.2008: Etravirine (TMC125, Intelence) granted accelerated approval in US
    aidsmap 02.09.2008: Etravirine (Intelence) approved in Europe for treatment-experienced patients.

    ondamaris vom 27. August 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    mTORC1-Signalweg bei AIDS-assoziierten Lymphomen aktiviert

    In 29 Fällen AIDS-assoziierter Lymphome konnte immunhistochemisch die Aktivierung des mammalian target of rapamycin (mTORC)1-Signalwegs identifiziert werden. 24 dieser Fälle waren Non-Hodgkin-Lymphome, 5 klassische Hodgkin-Lymphome. mTORC1 war außerdem auch in 8 Fällen von HIV-assoziierter Lymphadenopathie in den Follikeln aktiviert, was den Schluss nahelegt, dass mTORC1-Aktivierung ein häufig vorkommendes Phänomen in transformierten Lymphozyten darstellt, unabhängig davon, ob ihr Phänotyp reaktiv oder maligne ist.

    Die Autoren stellten fest, dass sich in B-Zelllinien, die B-Zell-Lymphome, Burkitt-Lymphome, Epstein-Barr-Virusinfizierte Lymphozyten und humane Herpesvirus-8-positive Lymphome repräsentierten, mittels Syk-, MEK- und Phosphoinositide-3- Kinase-Inhibitporen die mTORC1-Aktivierung unterdrückt wurde, besonders, wenn die Inhibitoren in Kombination eingesetzt wurden.

    Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass Aids-assoziierte Lymphome und andere, histologisch ähnliche Lymphomarten, die sich aus transformierten B-Lymphozyten entwickeln, möglicherweise klinisch auf Inhibitoren ansprechen, die direkt den mTORC1-Signalweg als Target haben.

    Activation of mTORC1 Signaling Pathway in AIDS-Related Lymphomas
    Mouna El-Salem, Puthiyaveettil N. Raghunath, Michal Marzec,
    From the Department of Pathology and Laboratory Medicine, University of Pennsylvania, Philadelphia, Pennsylvania
    American Journal of Pathology. 2009;175:817-824
     

    Journalmed vom 26. August 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Nadja Benaissa: war Outing durch Staatsanwaltschaft unzulässig?

    Mitte April 2009 wurde die Popsängerin Nadja Benaissa ohne ihr Wissen und Wollen durch die Staatsanwaltschaft Darmstadt als HIV-positiv geoutet. War dies zulässig? Nein, meint eine juristische Seminararbeit.

    Mitte April 2009 wurde Nadja Benaissa, Sängerin der Pop-Band ‘No Angels’, unter dem Vorwurf der fahrlässigen HIV-Übertragung verhaftet. Die Staatsanwaltschaft wandte sich mit Informationen zu dem Fall, insbesondere auch zur HIV-Infektion von Frau Benaissa, an die Presse und Öffentlichkeit.

    War dieses ‘Outing’ durch die Staatsanwaltschaft zulässig?

    War das Verhalten, die Medien proaktiv zu informieren, vom Informationsrecht der Medien gedeckt?
    Oder kollidierte es mit dem höher einzuschätzenden Recht auf Privatsphäre, gerade in einer solch stark die Privatheit angehenden Angelegenheit wie eine HIV-Infektion?

    Die Staatsanwaltschaft geriet bald in Kritik, und auch der hessische Justizminister Jörg-Uwe Hahn - der die Vorwürfe jedoch als “unbegründet” zurück wies.

    Die grundlegende Frage, gerade im aktuellen Fall, wie steht es um das Verhältnis von Informationsrecht der Öffentlichkeit und Recht der Person auf Privatsphäre ist damit jedoch weiterhin nicht beantwortet.

    Eine Seminararbeit an der Juristischen Fakultät der Universität Rostock fragt nun dazu, wie es um die “Rechtliche Zulässigkeit der staatsanwaltschaftlichen Offenlegung der HIV-Infektion im Fall Nadja Benaissa” steht.

    Die 17seitige Seminar-Arbeit beschäftigt sich mit Ansprüchen und Grenzen der Öffentlichkeitsarbeit der Ermittlungsbehörden sowie den Grundrechten der Pressefreiheit und den allgemeinen Persönlichkeitsrechten der Beschuldigten.

    Bei der Abwägung von Pressefreiheit und Persönlichkeitsrechten betont der Autor:
     

      “Der freiwillig Auskunft gebende Staatsanwalt kann sich nicht ohne weiteres auf den Informationsauftrag der Presse oder das Informationsinteresse der Öffentlichkeit berufen. Eine vom Leiter einer Staatsanwaltschaft veranstaltete Pressekonferenz mit der Preisgabe persönlichkeitsbezogener Daten kann nicht ohne weiteres mit dem Grundrecht der Pressefreiheit gerechtfertigt werden, das eine offensive Informationspolitik fordere.”


    Er betont den (höheren) Rang der Persönlichkeitsrechte der Beschuldigten und konstatiert eine
     

      “Ungleichrangigkeit der widerstreitenden Rechtsgüter…: während das Allgemeine Persönlichkeitsrecht der Beschuldigten Verfassungsrang genießt, ist ein solcher für einen Informationsanspruch der Presse gegen die Staatsanwaltschaft nicht gegeben”. Und später: “Vielmehr setzt sich das Allgemeine Persönlichkeitsrecht als gegenüber dem Informationsinteresse der Presse höherrangiges Gut regelmäßig durch.”


    Der Autor kommt nach mehrfachen Abwägungen und unter Beachtung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit zu dem Schluss
     

      “Deshalb sei hier abschließend betont, dass es sich bei der Meldung der Darmstädter Staatsanwalt bezüglich der HIV-Infektion einer jungen Frau um eine jener grundrechtliche geschützten Information handelt, die niemals ein so hohes öffentliches Interesse hervorrufen können, dass sie in der Abwägung zum Allgemeinen Persönlichkeitsrecht zulässig sind. Frau Benaissa stünde damit ein verfassungsrechtliches Auskunftsverbot seitens der Staatsanwaltschaft zu.”


    Weitere Informationen:
    “Rechtliche Zulässigkeit der staatsanwaltschaftlichen Offenlegung der HIV-Infektion im Fall Nadja Benaissa”, Seminararbeit zum Kommunikationsrecht am Juristischen Seminar der Universität Rostock (Prof. Dr. Gersdorf, Sommersemester 2009)
    (Hier als pdf)

    ondamaris vom 19. August 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Veränderte Gefäße und erhöhter Blutdruck bei HIV-Infizierten

    HIV-Infizierte, die eine hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) - eine Kombi-Therapie - erhalten, haben im Vergleich zu Patienten ohne HAART erhöhte Lipidwerte, einen erhöhten diastolischen Blutdruck sowie einen erhöhten Wert für die Pulswellengeschwindigkeit (PWV, puls wave velocity).

    Dieser Parameter ist ein Maß für die Rigidität der Gefäße und hat einen prognostischen Wert bei kardiovaskulären Erkrankungen. Auch HIV-Infizierte ohne HAART haben im Vergleich zu Gesunden erhöhte PWV-Werte.

    Die Veränderungen während der antiretroviralen Therapie werden durch die Ergebnisse einer griechischen Studie mit mehr als 100 Teilnehmern bestätigt (Am J Hypertension online). Aus den Ergebnissen geht darüber hinaus hervor, dass bei HIV-Infizierten Cholesterin-Spiegel und Blutdruck unabhängig voneinander mit der PWV assoziiert sind. Die Kardiologen vermuten, dass eine Endotheldysfunktion, die durch erhöhte Cholesterin- und / oder Blutdruckwerte induziert ist, die in der Studie beobachtete enge Verbindung zwischen Cholesterin-Spiegel, Blutdruck und PWV erklären könnte.

    Der Parameter PWV könnte dazu beitragen, jene HIV-Infizierten zu entdecken, die ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen haben. Einen kausalen Zusammenhang zwischen erhöhtem PWV-Wert und etwa einer HAART lässt sich mit der Studie nicht belegen oder ausschließen.

    Ärzte Zeitung vom 18. August 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Das Fett abbekommen

    Bei Nicole S. verteilt sich unter der antiretroviralen Therapie das Fettgewebe um. Die Medikamente bescheren ihr einen dicken Bauch. Mit dieser Nebenwirkung kämpft Nicole S. nicht allein, allerdings kommt sie heute bei HIV-Patienten immer seltener vor.

    Nach vier Jahren Kombinationstherapie hat sich Nicole S. wieder gesund gefühlt, kerngesund. Der eiserne Wille, eine Drogentherapie und die Behandlung mit den neuen Medikamenten hatten sich ausbezahlt: Sie wog satte 75 Kilo, doppelt so viel wie früher. Dann allerdings geschah etwas Unangenehmes: Als sie ein paar Pfunde abnehmen wollte, schrumpfte ihr Körper überall, außer am Bauch. Der blieb gleich groß, ja vergrößerte sich sogar. Die zierliche Frau hatte ein flaches Gesäß, kaum Oberschenkel, dafür einen Bauchumfang von 97 cm, dicke Oberarme und Brüste. «Ich erhielt Gratulationen zu meiner zweiten Schwangerschaft», erinnert sich die Mutter einer heute achtjährigen Tochter.

    Nicole S. leidet an einer Umverteilung des Fettgewebes, auch Lipodystrophie genannt, einer bekannten Stoffwechselstörung unter der HIV-Therapie. Die Auswirkungen sind individuell verschieden und zeigen sich tendenziell so: Im Gesicht, an Oberschenkeln und am Gesäß verschwindet Fett, die Minus-Variante. In der Bauchmitte, im Nacken und bei Frauen in den Brüsten lagert sich Fett ein, die Plus-Variante. «In extremen Fällen machen solche Veränderungen jemanden als HIV-positiv sichtbar», erklärt der Arzt René Jaccard, Mitglied von HIV-Pract Zürich, «was die Betroffenen enorm belastet.»

    Dank neuen Medikamenten immer seltener

    Lipodystrophie kommt häufig vor: Laut der Schweizer HIV-Kohorten-Studie leiden etwa ein Drittel der Patientinnen und Patienten, die im Jahr 2000 mit einer HIV-Therapie begonnen haben, an einer Fettumverteilung. Bei Erstbehandlungen ab 2003 ist es nur noch jeder/e Fünfte, weil unterdessen die Zusammensetzung der Medikamente geändert worden ist: So verwendet man den Wirkstoff d4T, bekannt als Zerit, wegen seiner besonders ungünstigen Wirkung auf die Fettverteilung nicht mehr zur Erstbehandlung. «Lipodystrophie ist vor allem ein Problem aus der Vergangenheit», meint Jaccard und ist überzeugt, dass die gegenwärtigen Schemen zur Erstbehandlung das Problem noch weiter verringern.

    Betroffenen rät Jaccard, das für die Fettumverteilung am stärksten verantwortliche Medikament auszutauschen. Weitere Veränderungen werden dadurch gestoppt, sie verschwinden aber nicht. «Umverteiltes Fett bringt man nicht mehr an die ursprüngliche Stelle zurück», so der Arzt. Mit viel Geduld, einer Gewichtsreduktion und Sport kann die Plus-Variante angegangen werden, wenn nötig auch mit Fettabsaugen. Schwieriger wird es bei der Minus-Variante. Das Auffüllen von entstellten Gesichtspartien bringt längerfristig keine befriedigenden Resultate.

    Dann doch absaugen

    Unten Größe 34, oben XXL, Nicole S. fühlte sich immer unwohler. Ihr Arzt empfahl ihr, das Medikament Zerit zu ersetzen und häufiger ins Fitness zu gehen. «Ich war überhaupt nicht motiviert, mich abzustrampeln für ein paar versprochene Zentimeter weniger Bauch.» Sie suchte sich einen Schönheitschirurgen und geht in ein Beratungsgespräch. Einen Heidi-Klum-Bauch dürfe sie nicht erwarten, so der Arzt. Mit gemischten Gefühlen entschied sie sich fürs Fettabsaugen.

    Das Absaugen erwies sich als relativ unkomplizierte Angelegenheit, ein paar Stunden später war Nicole S. wieder auf dem Nachhauseweg. Nach 40 Tagen harter Fettverbrennungsdiät dann das Resultat: Zusätzlich zu den zwei Litern abgesaugtem Fett verschwanden weitere 8 Kilo am Bauch; Arme und Brüste waren schlanker und Nicole S. insgesamt 14 Kilo leichter. «Ich war happy, ein anderer Mensch», berichtet sie. Sie getraut sich nun wieder in die Badi, kauft ihre Kleider nicht mehr in der Abteilung für werdende Mütter. Jetzt will sie ihr Gewicht behalten, vernünftig essen und mehrmals wöchentlich auf den Crosstrainer. «Ich kann mir eine weitere Operation nicht leisten», meint sie. Die Krankenkasse zahlt ihr nichts an den 7500 Franken teuren Eingriff, obwohl die Fettumverteilung klar das Resultat der medikamentösen Therapie ist.

    Mit einem Fuß im Grab

    Doch jammern mag Nicole S. nicht, sie hat schon mit schwierigeren Umständen zu kämpfen gehabt. 1996 lag sie, auf 38 Kilo abgemagert, im Universitätsspital Zürich, mit einer Lungen- und Herzklappenentzündung und vergiftet mit Strychnin aus gestreckten Drogen. Bei ihr wurden noch zwei CD4 Helferzellen pro Mikroliter Blut gezählt, hingegen etwa eine Million HI-Viren. Die Ärzte diagnostizierten Aids im Endstadium und wunderten sich, dass sie noch auf zwei Beinen stehen konnte.

    Gleich daraufhin begann sie eine Therapie mit den damals neuen, hochwirksamen HIV-Medikamenten. Kein einfaches Unterfangen: Täglich 35 Tabletten im Abstand von genau acht Stunden, für eine drogenabhängige Frau fast ein Ding der Unmöglichkeit. Doch sie hatte keine andere Wahl. Entweder du machst das jetzt, oder du kannst gleich den Sarg bestellen, sagte sie sich damals. «So ist das Leben», resümiert Nicole S. ihre Geschichte heute, «sobald es dir gesundheitlich wieder besser geht, fangen dich andere Probleme an zu plagen.»

    Mehr Informationen:
    - Lipodystrophie auf HIV-Leitfaden.de
    - Lipodystrophie auf HIV-und-Aids.de

    Aids-Hilfe Schweiz - Newsletter Nr. 3 – 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    „Ich weiß was ich tue“: HIV-Testwochen

     „Ich weiß was ich tue“ oder kurz IWWIT heißt die neue Kampagne der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH). HIV-positive, HIV-negative und ungetestete Männer sprechen auf der interaktiven Kampagnen-Homepage offen über ihre Erfahrungen. Mehr als 20 schwule „Rollenmodelle“ werden bis 2010 in Anzeigen, auf CSDs und Veranstaltungen sowie auf der Website www.iwwit.de ihre ganz persönlichen Geschichten erzählen.

    Die Sprache ist deutlich und will der neuen Sichtweise auf HIV als schwerer, aber behandelbarer chronischer Erkrankung gerecht werden. Das Ziel: vor allem Männer wieder untereinander ins Gespräch zu bringen, über HIV und wie man sich davor schützt. Die Website bietet neben News und Infos zu Gesundheit, HIV, Lust und Liebe auch Kontakte, Termine von CSD bis HIV-Testberatung, eine Community sowie Specials wie Videos oder E-Cards. Jeder kann sein eigenes Profil anlegen, mitreden und seine Erfahrungen einbringen.

    Ein Schwerpunkt der Kampagne sind die IWWIT-Testwochen vom 1.9. bis 30.11.09. Mehr als 50 Projekte in verschiedenen Städten wurden vor allem von lokalen AIDS-Hilfen speziell für Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben, entwickelt. Jede Beratungsstelle bringt ihre eigenen Erfahrungen in ihr Angebot ein, und neue Projekte wie „Testmobile" auf Cruising-Parkplätzen versuchen, noch mehr Männer zu erreichen. Gute Beratung und Risikoabklärung zu HIV und sexuell übertragbaren Krankheiten (STDs) sind bei allen Testangeboten oberstes Gebot. Jedes Projekt verpflichtet sich, gemeinsam entwickelte Standards zu Beratungs- und Testdurchführung einzuhalten (http://www.iwwit.de/).

    Deutsche AIDS-Hilfe e.V. – IWWIT Pressemeldung vom August 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Impfung reduziert Infektiosität im Tierversuch

    von Pietro Vernazza

    Impfungen, welche eine HIV-Infektion verhindern, sind kaum in den nächsten Jahren zu erwarten. Neue Resultate aus Tierversuchen lassen jedoch aufhorchen - vielleicht ein kleiner Teilerfolg.

    Wenn wir schon nicht erreichen können, dass eine Impfung uns vor HIV für immer schützt, so wäre es doch denkbar, dass wir mit einer Impfung auch bei infizierten Personen den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflussen können. Daher arbeiten sehr viele Forschungsgruppen an so genannten "therapeutischen Impfungen".

    Nun haben Forscher der Harvard Medical School einen neuen Ansatz gewählt. Sie haben sich überlegt, wie man den größten Effekt auf die HIV-Infektion haben könnte. Tatsächlich wissen wir, dass etwa die Hälfte aller frischen HIV-Infektionen von einem Partner übertragen werden, der gerade in der Frühinfektionsphase steht. Wir wissen, dass in dieser Zeit die HIV-Konzentration im Blut und besonders lange auch im Sperma erhöht ist.

    Die Autoren haben eine HIV-Impfung (mit gag/pol-DNA) bei Rhesusaffen eingesetzt und haben die Tiere nach der Impfung intravenös mit einer hohen Virusdosis (SIV) infiziert. Doch was die Forscher interessierte war nicht der Effekt auf die Blutbahn. Dort wissen wir, dass die Infektion durch die Impfung nicht verhindert werden kann. Die Autoren haben untersucht, ob die Virusausscheidung im Sperma bei den Geimpften reduziert wird.

    Und in der Tat: bereits 4 Wochen nach der Infektion konnte ein deutlicher Unterschied in der Viruskonzentration im Sperma nachgewiesen werden. Wenn diese Wirkung der Impfung beim Menschen auch nachweisbar ist und der Effekt lange genug anhält, dann ist dieser Effekt - auch wenn er dem Geimpften nichts nützt - für die gesamte Population doch signifikant. Denn eine Senkung um mehr als ein log (Faktor 10!) hat auf die weitere Übertragung der Infektion einen starken Effekt.

    Quelle: Whitney et al, JVI 2009

    Infektiologie St. Gallen vom 1. August 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zusammenfassung IAS Cape Town 2009 ist online

    von Pietro Vernazza

    Pünktlich mit dem Abschluss der 5. International AIDS Conference in Cape Town ist auch unsere Zusammenfassung online. Allerdings dieses Jahr in einer ganz neuen Form. Lassen Sie sich überraschen.

    Zum ersten Mal haben wir ein ganz neues Experiment gestartet. Wir finden, mit Erfolg. Anstatt uns durch all die Reisen, Busfahrten, Warteschlangen und von Session zu Session zu quälen, haben wir für einmal versucht, den Kongress online über das Internet zu konsumieren. Gemütlich zurückgezogen in der Stille des Toggenburgs. Wir haben viel diskutiert, gelernt, und wie wir meinen auch gut zusammengefasst.

    Wenn Sie sich für einen solchen Anlass in Zukunft auch interessieren, finden Sie am Schluss der Zusammenfassung eine Möglichkeit sich für den CROI 2010 irgendwo in der Schweiz anzumelden.

    Die Zusammenfassung des diesjährigen IAS finden Sie hier als pdf-file

    Infektiologie St. Gallen vom 23. Juli 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    DART - Development of Anti-Retroviral Treatment in Africa

    Fünfjahresstudie in Afrika setzt Meilenstein und zeigt, dass HIV-Therapie in ressourcenarmen Milieus ohne routinemäßige Laborkontrolle durchgeführt werden kann.

    Gilead Sciences zeigte heute Ergebnisse einer Studie auf, die unter dem Namen DART (Development of Anti-Retroviral Treatment in Africa, Entwicklung von antiretroviraler Behandlung in Afrika) bekannt ist und die den Bedarf an routinemäßiger Laborkontrolle für Erwachsene in antiretroviraler Behandlung in Afrika ausgewertet hat. Die DART-Prüfung war eine offene randomisierte Studie, die klinische und Laborkontrolle mit nur klinischer Kontrolle hinsichtlich Wirksamkeit und Toxizität verglichen hat. In dieser Studie erhielten 74 Prozent der Patienten eine Behandlung mit Viread® (Tenofovirdisoproxilfumarat). Zu Beginn der Studie hatten über 50 Prozent der Patienten eine reduzierte Nierenfunktion. Die Ergebnisse zeigten an, dass Viread gut verträglich ist und das Auftreten negativer Auswirkungen auf die Nierenfunktion selten war. DART-Forscher kamen zu dem Schluss, dass die Ergebnisse von Nierenfunktionstests in beiden Zweigen des Versuchs für bis zu fünf Jahre ähnlich waren, was nahe legt, dass eine routinemäßige Kontrolle in ressourcenarmen Milieus nicht notwendig sein könnte, wenn das Produkt als Teil einer First Line HIV-Therapie verwendet wird. Die Ergebnisse der Studie wurden heute bei der 5. Konferenz der International AIDS Society über HIV-Pathogenese, Behandlung und Verhütung (IAS 2009) in Kapstadt, Südafrika, vorgestellt.

    DART, die das Medical Research Council Großbritannien gefördert hat und die an Standorten in Uganda und Simbabwe durchgeführt wurde, untersuchte, ob eine HIV-Therapie einschließlich Viread effektiv und sicher in Milieus durchgeführt werden kann, in denen die Verfügbarkeit von Laborkontrollen begrenzt ist. Die Forscher schätzten, dass ohne Therapie ungefähr 80 bis 90 Prozent der DART-Patienten innerhalb von fünf Jahren verstorben wären. Nach fünf Jahren in einer Kombinations-HIV-Therapie waren 88 Prozent der DART-Teilnehmer noch am Leben. Dies ist eine der besten Überlebensraten, die jemals in einem in Afrika durchgeführten HIV-Therapieprogramm oder einer Studie beobachtet wurde.

    "Die DART-Studie erbringt wichtige klinische Belege, dass eine HIV-Therapie unter Verwendung von Viread hilft, die Lebensdauer in Entwicklungsländern zu verlängern, die von der AIDS-Pandemie am härtesten getroffen wurden", so John Martin, PhD, Vorsitzender und Hauptgeschäftsführer von Gilead Sciences. "Außerdem freuten wir uns zu sehen, dass die Patienten Viread in der Studie gut vertragen haben und dass es sich herausstellte, dass Nierentests in ressourcenarmen Milieus nicht notwendig sind, wenn das Produkt als Teil einer First Line HIV-Therapie verwendet wird. Wir gratulieren dem DART-Team zu ihrem Erfolg in dieser wichtigen Forschungsbestrebung."

    Über die DART-Studie

    DART war ein fünfjähriger offener randomisierter Versuch unter 3.316 nicht vorbehandelten Erwachsenen mit fortgeschrittener HIV-Erkrankung in Uganda und Simbabwe. Alle Versuchsteilnehmer erhielten eine HIV-Therapie. Die Patienten wurden randomisiert (1:1) in eine von zwei Therapiegruppen eingeteilt. In der ersten Gruppe erhielten ihre Hausärzte die Labortestergebnisse der Patienten, um sie bei ihren Therapieentscheidungen zu unterstützen. In der zweiten Gruppe erhielten die Ärzte keine Labortestergebnisse und trafen Entscheidungen über die Behandlung allein aufgrund klinischer Beurteilungen. Zur Sicherheit wurden die Ergebnisse für alle Patienten zur Verfügung gestellt, deren Laborsicherheitsergebnisse ernstlich abnormal waren.

    74 Prozent der Patienten erhielten eine Kombinationsbehandlung von Viread mit Lamivudin/Zidovudin. 16 Prozent der Patienten erhielten Nevirapin/Lamivudin/Zidovudin und 9 Prozent der Patienten erhielten Abacavir/Lamivudin/Zidovudin.

    Ausschlusskriterien für die Anmeldung bei DART waren unter anderem ein Kreatininpegel von mehr als 360 µmol/l (4,1 mg/dl) und/oder ein Harnstoffspiegel von einem Fünffachen des oberen Grenzwerts des Normalbereichs. Fünfundsechzig Prozent der Patienten im DART-Versuch waren weiblich, und das Durchschnittsalter der Versuchsteilnehmer war 37 (18-73). Die durchschnittliche CD4-Zellzählung betrug 86 Zellen/mm3.

    Bei Patienten, deren Ärzte regelmäßig Labortestergebnisse erhielten, lag die Überlebensrate nach fünf Jahren bei 90 Prozent. Bei Patienten, deren Ärzte sich ausschließlich auf klinische Bewertungen verließen, lag die Überlebensrate entsprechend bei 87 Prozent. Es wurden keine Unterschiede beim Auftreten von Nebenwirkungen in Zusammenhang mit den Medikamenten zwischen den beiden Gruppen beobachtet.

    DART-Forscher untersuchten außerdem verschiedene Bemessungsgrundlagen der Medikamentensicherheit einschließlich der Auswirkung von HIV-Medikamenten auf die Nierenfunktion. Zu Beginn der Studie hatten 52 Prozent der DART-Versuchsteilnehmer bei Anmeldung eine eingeschränkte Nierenfunktion, definiert als eine geschätzte Glomerulumfiltrationsrate (eGFR) von weniger als 90 ml/min/1,73m2. Zusätzlich bewerteten die Forscher das Vorhandensein eines chronischen Nierenversagens (CNV) unter Verwendung von zwei Definitionskriterien: Das erste definiert CNV als eine GFR von weniger als 60 ml/min/1,73m2 bei mindestens zwei Messungen für mehr als drei Monate, oder ein Abfall von 25 Prozent der GFR bei Patienten, deren GFR bereits bei Beginn der Studie unter 60 ml/min/1,73m2 lag. Die zweite Definition charakterisierte CNV als vorhanden bei Patienten, die seit Beginn der Studie einen Abfall der GFR von 25 Prozent erlitten hatten.

    Nach 216 Wochen Behandlung wurde ein seltenes Auftreten eines schweren Abfalls der GFR auf weniger als 30 ml/min/1,73m2 bei DART-Teilnehmern beobachtet, die Viread einnahmen. Ein schwerer GFR-Abfall wurde bei 3,1 Prozent der Teilnehmer in Behandlung mit Viread beobachtet, verglichen mit 2,4 Prozent und 1,9 Prozent der Patienten, die eine Studienbehandlung mit jeweils Abacavir und Nevirapin erhielten, was statistisch nicht signifikant war. Eine CNV war etwas häufiger bei Patienten, die eine Behandlung mit Viread erhielten. Abhängig vom verwendeten Kriterium litten entweder 3,4 Prozent oder 5,9 Prozent der Patienten, die Viread erhielten, während der Studie an CNV, im Vergleich zu 2,1 oder 3,1 Prozent von Patienten, die eine Behandlung mit Abacavir erhielten, und 1,1 Prozent oder 2,1 Prozent der Patienten, die eine Behandlung mit Nevirapin erhielten. Unabhängig davon, ob die Patienten Labortests durchliefen, und unabhängig von den Behandlungstherapien der Patienten traten schwerwiegende Abfälle der GFR oder CNV bei den DART-Teilnehmern selten auf.

    Nierenversagen trug zu 16 Todesfällen während DART bei. Die meisten dieser Fälle umfassten auch andere mit HIV verbundene Krankheiten. Nur zwei Todesfälle standen eindeutig oder wahrscheinlich im Zusammenhang mit der antiretroviralen Therapie, unter anderem mit Viread. Drei andere Todesfälle ereigneten sich bei Patienten, die zu Beginn der Studie eine schwerwiegend gesenkte GFR hatten und alle Viread als Teil ihrer Behandlungstherapie erhielten.

    Viread und Truvada®(Emtricitabin und Tenofovirdisoproxilfumarat) werden in den HIV-Behandlungsrichtlinien der World Health Organization (WHO) als First Line und Second Line antiretrovirale Optionen für die Entwicklungsländer empfohlen. Gilead engagiert sich für die Erweiterung des weltweiten Zugriffs auf diese Medikamente. Das Unternehmen hat zahlreiche Partnerschaften mit Herstellern von Generika in Indien hergestellt, um hochqualitative günstige Generikaversionen seiner antiretroviralen Medikamente herzustellen und in 95 Entwicklungsländern zu vertreiben. Außerdem bietet Gilead mit einem gestuften Preissystem in etwa 130 Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen wesentliche Preissenkungen an. Gegenwärtig erhalten über 500.000 Patienten in den Entwicklungsländern Viread oder Truvada.

    Die Stammverbindung von Viread wurde durch eine gemeinsame Forschungsbestrebung von Dr. Antonin Holy, Institut für Organische Chemie und Biochemie, Naturwissenschaftliche Akademie der Tschechischen Republik (IOB) in Prag, und Dr. Erik DeClercq, Rega-Institut für Medizinische Forschung, Katholische Universität in Leuven, Belgien, entdeckt. Die Erfinder haben zugestimmt, auf ihr Recht auf Tantiemen am Verkauf von Produkten, die Tenofivir enthalten, in Entwicklungsländern mit niedrigem Einkommen zu verzichten, die vom Gilead Access Program bedient werden.

    Gilead Sciences - Pressemeldung vom 22. Juli 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Studien zur HIV-Prävention mit Impfung und Bioziden enttäuschen

    Einzig Schutz durch Beschneidung ist belegt / Internationaler Aids-Kongress

    Kapstadt - 20 Jahre Studien zu biomedizinischen Methoden der Prävention der HIV-Infektion seien eine große Enttäuschung. So klar hat sich Professor Ronald Gray beim internationalen Aids-Kongress in Kapstadt in Südafrika geäußert.

    Von 29 Studien hätten nur vier einen signifikanten Effekt in der Intent-to-treat-Analyse belegen können, drei davon seien Studien zur Beschneidung von Männern, hat der US-Forscher von der Johns Hopkins Universität Bloomberg School of Public Health konkretisiert. Fünf Studien insgesamt ließen vermuten, dass sogar eher Schaden angerichtet worden sei.

    Insgesamt betreffen die Studien die Behandlung wegen bakterieller und viraler sexuell übertragbarer Erkrankungen, die Verwendung von Mikrobioziden, die Präexpositionsprophylaxe, Impfungen und die Beschneidung von Männern.

    Besonders enttäuschend seien die fehlgeschlagenen Versuche, durch Behandlung wegen Geschlechtskrankheiten die HIV-Übertragung zu bremsen. Bekannt sei doch, dass Geschlechtskrankheiten die Infektion förderten. Ihre Heilung bringe für die HIV-Übertragung aber nichts. Bei den Mikrobioziden, von denen man sich viel für selbstbestimmte Verhütung von Frauen versprochen habe, habe besonders das Surfactant Nonoxynol-9 enttäuscht.

    Von den drei Studien mit HIV-Vakzinen seien zwei negativ ausgegangen, von einer gebe es sogar Hinweise auf eine möglicherweise erhöhte HIV-Übertragungsrate.

    Ein Lichtblick sind die Studien mit der Beschneidung von Männern. Hier ist die Infektionsrate im Schnitt um 57 Prozent zurückgegangen. Frauen kann die Beschneidung von Männern allerdings nicht schützen, wie jetzt gerade eine Studie in Uganda belegt hat.

    Ganz die Flinte ins Korn werfen möchte der Wissenschaftler die Sache der biomedizinischen Prävention der HIV-Infektion aber noch nicht. Die Studien seien eben schwierig und teuer. Benötigt würden weniger Studien, aber mit verbesserter Qualität und verbesserter Auswahl der Teilnehmer.

    Mehr unter: http://www.ias2009.org

    Ärzte Zeitung vom 22. Juli 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Isentress® bei therapienaiven HIV-Patienten in Kombination gut wirksam

    Isentress® (Raltegravir, MSD) war bei therapienaiven HIV-Patienten in Kombination mit anderen antiretroviralen Medikamenten auch nach 144 Wochen so gut wirksam wie Efavirenz.

    Kapstadt, Südafrika – Daten einer noch laufenden Phase-II-Studie an therapienaiven Patienten zeigten, dass der Integrasehemmer Isentress® über einen Zeitraum von 144 Wochen eine vergleichbar gute Wirksamkeit hinsichtlich der Viruslastunterdrückung unter die Nachweisgrenze (weniger als 50 Kopien/ml) und der Erhöhung der CD4-Zellzahl wie Efavirenz aufwies. Beide Medikamente wurden in Kombination mit zwei weiteren antiretroviralen Medikamenten eingenommen, Tenofovir und Lamivudin. Diese Ergebnisse wurden am 20. Juli 2009 auf der fünften von der International AIDS Society (IAS) veranstalteten HIV-Konferenz in Kapstadt, Südafrika, vorgestellt.

    „Diese Daten zeigen die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Raltegravir über einen Zeitraum von fast drei Jahren bei minimalen Auswirkungen auf die Lipidwerte“, sagte Eduardo Gotuzzo, MD., Prüfarzt der Studie und Leiter des Instituto de Medicina Tropical Alexander von Humboldt in Lima, Peru. „Es ist für Patienten in jeder Phase einer HIV-Infektion wichtig, dass wirksame Behandlungsoptionen mit nachgewiesenem Verträglichkeitsprofil wie Raltegravir zur Verfügung stehen, die einen Beitrag zur Kontrolle der Krankheit leisten können.“

    Raltegravir, der erste und einzige zugelassene Integrasehemmer, ist derzeit weltweit in mehr als 80 Ländern bei therapieerfahrenen erwachsenen Patienten zugelassen*. MSD bereitet gegenwärtig Zulassungsanträge in weiteren Ländern auf der ganzen Welt für die Anwendung von Raltegravir bei therapieerfahrenen und therapienaiven Patienten vor.

    Am 9. Juli 2009 wurde Raltegravir in Kombination mit anderen antiretroviralen (ARV) Arzneimitteln von der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA zur Behandlung von HIV-1-Infektionen bei therapienaiven Erwachsenen zugelassen. In vielen anderen Ländern der Welt befindet sich die Anwendung von Raltegravir bei therapienaiven Patienten noch in der Erforschung.

    Das Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) der europäischen Zulassungsbehörde EMEA wird in Kürze eine Bewertung zur Zulassungserweiterung für Raltegravir herausgeben, und zwar für erwachsene Patienten mit einer HIV-1-Infektion, die erstmals eine HIV-Therapie beginnen, und auch für alle therapieerfahrenen Patienten – jeweils in Kombination mit anderen ARV-Arzneimitteln.

    Raltegravir wurde 144 Wochen an fast 200 therapienaiven erwachsenen Patienten geprüft

    Diese 144-Wochen-Daten stammen aus einer noch laufenden multizentrischen, doppelblinden, randomisierten Dosisfindungsstudie an zuvor unbehandelten erwachsenen Patienten mit HIV-Infektion. Bei dieser Studie erhielten 198 therapienaive HIV-infizierte Patienten entweder Raltegravir zweimal täglich oral in Kombination mit Tenofovir und Lamivudin oder 600 mg Efavirenz einmal täglich oral in Kombination mit denselben Wirkstoffen. In den ersten 48 Wochen der Studie wurden die Patienten zu einem der vier Dosisregime von Raltegravir (100, 200, 400 und 600 mg zweimal täglich) randomisiert. Nach 48 Wochen erhielten alle Raltegravirgruppen zweimal täglich 400 mg.

    Senkung der Viruslast und Erhöhung der CD4-Zellzahlen über 144 Wochen

    Nach 144 Wochen Therapie erreichten mit dem Raltegravir-Regime 78 % der 160 Patienten eine Unterdrückung der Viruslast unter 50 Kopien/ml. Vergleichbare Ergebnisse zeigten sich bei den Patienten, die das efavirenzbasierte Regime einnahmen. 76 % der 38 Patienten erreichten eine Viruslastunterdrückung unter 50 Kopien/ml (95 % Konfidenzintervall). 80 % der Patienten, die das Regime mit Raltegravir erhielten, zeigten eine Viruslastunterdrückung unter 400 Kopien/ml; bei den Patienten, die das Regime mit Efavirenz einnahmen, lag dieser Wert bei 76 % (95 % Konfidenzintervall). Bei den Patienten beider Regime wurde eine Erhöhung der CD4-Zellzahlen beobachtet. Nach 144 Wochen Therapie lag der mittlere Anstieg der CD4-Zellzahl vom Ausgangswert bei den Patienten unter dem Raltegravir-Regime bei 252 Zellen/mm3 und bei den Patienten unter dem Efavirenz-Regime bei 233 Zellen/mm3.

    Günstiges Verträglichkeitsprofil und minimale Auswirkungen auf Lipidwerte

    Beide Behandlungsregime wurden allgemein gut vertragen, wobei die kumulativen Raten der medikamentenbezogenen unerwünschten klinischen Ereignisse in der Raltegravir-Gruppe (54 %) niedriger als in der Efavirenz-Gruppe (76 %) lagen. Raltegravir hatte geringere Auswirkungen auf Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin und Triglyzeride.

    Die am häufigsten berichteten unerwünschten Ereignisse in der Raltegravir- und der Efavirenz-Gruppe waren Durchfall (6,9 vs. 10,5 %), Übelkeit (12,5 vs. 10,5 %), Schwindel (8,8 vs. 26,3 %), Kopfschmerzen (8,8 vs. 23,7 %), abnorme Träume (6,4 vs. 18,4 %), Schlaflosigkeit (8,1 vs. 10,5 %) und Albträume (0,0 vs. 10,5 %). Neuropsychiatrische unerwünschte Ereignisse (darunter insbesondere abnorme Träume und Albträume) wurden beim Regime mit Raltegravir weniger häufig als beim Regime mit Efavirenz berichtet und traten bis Woche 144 bei 35 % bzw. 61 % der Patienten auf.

    * Isentress® ist angezeigt in Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln zur Behandlung einer Infektion mit dem Humanen Immundefizienzvirus (HIV-1) bei vorbehandelten erwachsenen Patienten mit nachgewiesener HIV-1-Replikation trotz antiretroviraler Therapie.

    MSD SHARP & DOHME GmbH – Pressemeldung vom 20. Juli 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Stagnierende Finanzierung und suboptimale Behandlung gefährden Patienten

    Berlin / Kapstadt - Die stagnierende Finanzierung von HIV/Aids-Medikamenten und die hohen Preise neuer Medikamente riskieren das Leben vieler Patienten in armen Ländern. Ärzte ohne Grenzen warnt im Rahmen der 5. Internationalen Aids-Konferenz im südafrikanischen Kapstadt, dass HIV/Aids-Patienten, die neue Präparate benötigen, zum Tode verurteilt sind. Während sieben Millionen Menschen weiterhin keinen Zugang zu antiretroviralen Medikamenten haben, bedroht die unzureichende Finanzierung nun auch noch eine Erweiterung der Behandlungsmöglichkeiten.

    Ärzte ohne Grenzen und das Gesundheitsministerium haben seit vielen Jahren ein HIV/Aids-Behandlungsprogramm in Khayelitsha, einem Township am Stadtrand von Kapstadt. Bei 16 % der dort behandelten Patienten versagt die Behandlung mit Medikamenten der ersten Linie während der ersten fünf Jahre. Bei einem Viertel der Patienten, die zur Behandlung mit Medikamenten der zweiten Linie wechseln, schlägt auch diese Behandlung innerhalb von zwei Jahren fehl. Da in Südafrika, wie auch in vielen anderen armen Ländern, keine Behandlung der dritten Linie verfügbar ist, sind diese Patienten vom Tode bedroht.

    „Was wir derzeit in Khayelitsha sehen, werden wir in Kürze in ganz Afrika erleben, wenn sich nicht schnell etwas ändert“, sagte Eric Goemaere, medizinischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Südafrika. „Wir müssen die widerstandsfähigsten Medikamente der ersten Linie anbieten, um ein Versagen der Behandlung zu vermeiden. Außerdem müssen wir Zugang zu Medikamenten der zweiten und dritten Linie gewährleisten. Da nichts davon bisher passiert, sind Tausende Aids-Patienten zum Tode verurteilt sind.“

    Im Gegensatz zu älteren Medikamenten der ersten Linie sind die meisten Medikamente der zweiten und dritten Linie patentiert. Ihre Preise sind für Patienten in armen Ländern unerschwinglich. In einigen dieser Länder würde ein Wechsel von einem Medikament der ersten Linie zu einem Medikament der zweiten Linie den Preis versiebzehnfachen.

    Um die Kostenspirale zu stoppen, müssen die Länder routinemäßige Maßnahmen anwenden, wie Zwangslizensierungen, die es den Generika-Produzenten ermöglichen, Medikamente zu erschwinglichen Preisen zu produzieren. Medikamentenhersteller sollen ihre Patente daher in den so genannten Patent-Pool geben, der von der internationalen Einrichtung zum Erwerb von Medikamenten UNITAID geschaffen wird. Ärmere Länder könnten so Zugang zu bezahlbaren Medikamenten bekommen. Der Patent-Pool stellt Generika-Produzenten oder Forschern Lizenzen zur Verfügung, für die sie im Gegenzug eine Gebühr an den Urheber zahlen.

    „Für nationale Regierungen und Geberregierungen ist es eine Frage der Wahl. Wollen sie den betroffenen Menschen in armen Ländern nur ein paar Jahre zusätzlichen Lebens zugestehen oder die gleiche Chance auf ein Überleben, wie es die HIV/Aids-Patienten in reichen Ländern haben?“, sagte Tido von Schoen-Angerer, Direktor der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen.

    Ärzte ohne Grenzen – Pressemeldung vom 20. Juli 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Impfen gegen "Schweinegrippe" bei HIV/Aids

    Im Herbst startet in Deutschland eine Massenimpfaktion gegen die so genannten Schweinegrippe: Rund 25 Millionen Menschen erhalten dann einen Impfstoff gegen das Virus H1N1. In einem ersten Durchgang sind Menschen aus Gesundheitsberufen sowie zum Beispiel Feuerwehr- und Polizeibeamte an der Reihe, dann chronisch Kranke wie Asthmatiker oder Diabetiker. So hat es Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) kürzlich der Öffentlichkeit mitgeteilt.

    Auch Menschen mit HIV sollten sich voraussichtlich impfen lassen. Eine entsprechende offizielle Empfehlung gibt es zurzeit zwar noch nicht, Experten gehen aber davon aus, dass sie bald ausgesprochen wird.

    "Es ist sinnvoll, Menschen mit einem Immundefekt zu impfen", sagt Jürgen Rockstroh, Präsident der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG). Man berate sich in dieser Frage zurzeit mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) und werde rechtzeitig auf der Homepage der DAIG über das Thema informieren. Ulrich Marcus vom Robert-Koch-Institut (RKI) möchte der Stellungnahme der Ständigen Impfkommission seines Hauses nicht vorgreifen, glaubt aber auch, dass man die Impfung für HIV-Positive empfehlen wird.

    50 Millionen Impfdosen gegen H1N1 haben die Bundesländer bei Pharmafirmen bestellt, zwei Impfdurchgänge nacheinander sind pro Person notwendig. Die Bundesregierung hat sich außerdem eine Option auf genügend Impfstoff für die gesamte Bevölkerung gesichert. Die Impfung gegen die Schweinegrippe, die auch Neue Grippe genannt wird, ist freiwillig. Die Kosten werden voraussichtlich von den Krankenkassen übernommen.

    Der Impfstoff befindet sich noch in der Entwicklung. In einem komplizierten Verfahren werden abgeschwächte Viren hergestellt, die nicht krank machen können, die körpereigene Abwehr aber in die Lage versetzen, das Virus außer Gefecht zu setzen.

    Deutsche AIDS-Hilfe blog vom 18. Juli 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    «Ich bin nicht krank – nur infiziert»

    Haiti hat Aids überraschend gut im Griff: Die Erfolgsfaktoren heißen Medikamente, Aufklärung und Koordination.

    Als bei Micheline Leon das Aids-Virus HIV diagnostiziert wurde, wollten ihre Eltern schon einen Sarg für sie ausmessen lassen. 15 Jahre später spaziert die Frau in ihrem Zwei-Zimmer-Häuschen umher und sieht ihren drei Söhnen und der Tochter beim Spielen unter den Bäumen zu. Gesund sieht sie aus. Alle vier Kinder wurden nach der Diagnose geboren. Keines wurde infiziert.

    «Ich bin nicht krank», erklärt die 35-jährige Micheline geduldig. «Die Leute sagen, ich bin krank, aber das bin ich nicht. Ich bin infiziert.» In gewisser Weise ist ihre Geschichte auch die Haitis. Als die rätselhafte Krankheit Anfang der 80er Jahre auftauchte, wurde befürchtet, dass sie ein Drittel der Bevölkerung auslöschen könnte. Stattdessen blieb die Infektionsrate im einstelligen Bereich, und sie sank sogar.

    In Gesprächen mit Ärzten und Patienten, Gesundheitsexperten und anderen Fachleuten kristallisiert sich heraus, dass Haiti trotz aller politischen und sozialen Unruhen, trotz Armut und Unterentwicklung Erfolg bei der Aids-Bekämpfung hatte, weil Organisationen zusammenarbeiteten und auf die besonderen Probleme des Landes zugeschnittene Programme entwickelten. Genannt werden vor allem die Pioniere von Partners in Health (PIH), einer von Haitianern und US-Amerikanern gegründeten Hilfsorganisation, und GHESKIO in Port-au-Prince, die mutmaßlich älteste Aids-Klinik der Welt.

    «Allen anderen weit voraus»

    «Die Aids-Gemeinde in Haiti glaubt, dass sie allen anderen weit voraus ist, und das sind sie wohl auch», schätzt die Expertin Judith Timyan von der US-Entwicklungshilfebehörde. «Sie leisten wirklich mit die weltbeste Arbeit.»

    Den Rückgang der Fallzahlen führen Forscher zunächst auf die Schliessung privater Blutbanken und statistisch auf die hohe Sterblichkeitsrate zurück: Ohne Behandlung haben Aids-Kranke in Haiti acht Jahre weniger zu leben als Leidensgenossen in den USA. Der koordinierte Einsatz von Aids-Medikamenten, Aufklärung und Verhaltensänderungen wie zunehmender Gebrauch von Kondomen verhinderten, dass die Zahlen wieder hochschnellten - zumindest bis jetzt.

    Statistiken in Haiti sind nicht gerade zuverlässig. Eine präzise Aufzählung aller Neuinfektionen pro Jahr fehlt. Von 1993 bis 2003 wurden nur Schwangere getestet: Ihre Infektionsrate ging von 6,2 auf 3,1 % zurück. Jetzt werden Männer und Frauen von 15 bis 49 Jahren untersucht: Die Infektionsrate liegt UNAIDS zufolge bei 2,2 %. Das ist höher als in Industrieländern, aber niedriger als auf den Bahamas, in Guyana und Surinam - und deutlich niedriger als in Afrika südlich der Sahara mit durchschnittlich 5 % und Spitzenwerten bis zu 33 %.

    Gefahr noch nicht gebannt

    Doch die Gefahr ist noch nicht vorüber. Im Artibonite-Tal, wo PIH gerade zwei neue Kliniken aufbaut, sind schätzungsweise 4,5 % angesteckt. In derart entlegenen Gegenden suchen viele noch Hilfe bei Voodoo-Priestern. Rund 18.000 Menschen erhalten Aids-Medikamente, zumeist gratis von GHESKIO und PIH. Das sind schätzungsweise 40 % derjenigen, die die Mittel bräuchten. Doch angesichts der Umstände in dem Land, in dem drei Viertel der neun Millionen Einwohner sich keinen Krankenhausbesuch leisten können, hätte sich zu Beginn der Aids-Welle kaum einer vorstellen können, wie weit Haiti es bringen würde.

    Kaum gab es die ersten Fälle in den USA bei Einwanderern aus Haiti, wurde das Land überstürzt als Brutstätte oder gar Wiege des Virus an den Pranger gestellt. Die US-Zentrale für Seuchenkontrolle (CDC) reihte die Herkunft aus Haiti mit Hämophilie (Bluterkrankheit), Homosexualität und Heroin als Hauptrisikofaktoren unter dem Kürzel «die vier H's» ein. Selbst der Dreck der Slums oder Voodoo-Zeremonien wurden als Ursache verdächtigt. Mitte der 80er korrigierte die CDC ihre Risikoeinschätzung, doch der Schaden war angerichtet. Nicht nur war Haiti in seiner Ehre gekränkt, auch der Tourismus als wichtige Einnahmequelle war weggebrochen.

    «Begleiter» helfen Patienten

    Vielleicht habe gerade das Stigma Haiti zum Kampf gegen Aids angestachelt, vermutet Jean Pape, der GHESKIO im Mai 1982 mitgründete. Damals hatte die neuartige Immunschwächekrankheit noch nicht einmal einen Namen. So heisst die Organisation nach der französischen Abkürzung für «Haitische Gruppe zur Erforschung des Karposi-Sarkoms und opportunistischer Infektionen».

    Heute gibt es Aufklärungskampagnen, Kondome werden millionenfach ausgegeben. «Haitianer wissen besser über Übertragungswege Bescheid als Oberschüler in den USA», sagt Pape. Die Organisationen stellen unter anderem «Begleiter» an, oft selbst HIV-Betroffene, die Patienten mit Rat und Hilfe beistehen. Auch Micheline Leon ist Begleiterin geworden. Als 1994 bei ihrer ersten Schwangerschaft das Virus festgestellt wurde, hatte ihre Familie sie schon aufgegeben. Doch Leon bekam Medikamente, Beratung, Fürsorge und Hilfe selbst beim Bau ihres Häuschens. Ihre Eltern brauchten den Sarg nicht zu kaufen.

    Berner Zeitung vom 17. Juli 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Auch beschnittene Männer übertragen HIV

    Beschnittene Männer haben ein um die Hälfte reduziertes Risiko, sich mit HIV anzustecken. Die Übertragungsrate des Virus an Frauen vermindert die Beschneidung indes nicht, wie eine Studie zeigt.

    Auch wenn der Eingriff Frauen nicht unmittelbar zugute komme, hätten sie doch einen indirekten Vorteil, schrieben Wissenschaftler von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health im Fachblatt "The Lancet". Denn je weniger Männer mit dem HI-Virus infiziert seien, umso kleiner sei auch das Risiko einer Ansteckung.

    Studie abgebrochen

    Die US-Forscher untersuchten zwei Jahre lang 922 ugandische Männer, die mit HIV infiziert waren. Eine Hälfte der Probanden ließ sich beschneiden, beim Rest wurde kein solcher Eingriff vorgenommen. In die Untersuchung einbezogen wurden auch 90 Geschlechtspartnerinnen der beschnittenen Männer und 70 Partnerinnen aus der unbeschnittenen Gruppe.

    Alle Teilnehmer wurden gründlich über Aids aufgeklärt und geschult, um eine Ansteckung zu vermeiden. Dennoch sahen die Wissenschaftler sich auf halber Strecke gezwungen, die Studie abzubrechen, weil zu viele Frauen von ihren Partnern angesteckt wurden. Bei den Partnerinnen beschnittener Männer war fast jede Fünfte mit dem Virus infiziert, bei den Frauen unbeschnittener Männer war es jede achte.

    Kondome unerlässlich

    Die Wissenschafter zeigten sich enttäuscht, verwiesen aber darauf, wie wichtig weitere Forschungen seien. Männer, die sich beschneiden ließen, müssten gut beraten werden, damit sie nicht zu früh nach der Operation wieder Sex haben und die Frau durch Wundblut anstecken, hieß es in der Studie. Außerdem müssten auch sie Kondome verwenden, um ihre Geschlechtspartnerinnen zu schützen.

    WHO empfiehlt Beschneidung

    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Aidsprogramm der Vereinten Nationen (UNAIDS) hatten vor gut zwei Jahren die Beschneidung von Männern als zusätzliche Vermeidungsmaßnahme empfohlen.

    Studien in Kenia, Uganda und Südafrika haben gezeigt, dass die Beschneidung die Gefahr einer HIV-Ansteckung bei heterosexuellen Männern um etwa 60 % verringert. Demnach könnten Millionen von Menschenleben gerettet werden, wenn der Eingriff flächendeckend vorgenommen würde.

    Die Vorhaut, die bei der Beschneidung entfernt wird, hat offenbar Eigenschaften, die ein Eindringen des HI-Virus in das männliche Blut bei kleineren Verletzungen erleichtern.

    Quelle: M J Wawer and others. Circumcision in HIV-infected men and its effect on HIV transmission to female partners in Rakai, Uganda: a randomised controlled trial. Lancet 2009; 373: 229

    ORF ON Science vom 17. Juli 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aids gehört zu den Haupttodesursachen bei werdenden Müttern

    Aids gehört zu den Haupttodesursachen bei werdenden Müttern in Simbabwe, gefolgt von Blutungen nach der Entbindung.

    Johannesburg – Wie aus einer jüngsten Untersuchung zur Sterblichkeit bei Müttern hervorgeht, die im Auftrag der Universität Simbabwe in Zusammenarbeit mit den Hilfswerken der Vereinten Nationen durchgeführt wurde, sind HIV-Infektionen und Aids die Todesursache bei einem Viertel der Mütter in Simbabwe.

    Wie aus den zur Verfügung stehenden Daten zur Sterblichkeit während der Schwangerschaft oder bei der Geburt eines Kindes hervorgeht, sterben 725 Frauen von 100.000 an dabei auftretenden Komplikationen. Von den 91% der werdenden Mütter, die sich während der Schwangerschaft untersuchen lassen, wissen nur 4,7% ob sie HIV-infiziert sind oder nicht, und nur 1,8% der HIV-Positiven erhalten antiretrovirale Medikamente (ARV), die einer Übertragung auf das Kind entgegenwirken.

    Die zweite Todesursache sind Blutungen nach der Entbindung infolge von erhöhtem Blutdruck oder eine Infektion. Die Meisten Frauen sterben bei Hausgeburten, wo sie bei Komplikationen nicht medizinisch versorgt werden können. Viele Frauen können sich eine Entbindung im Krankenhaus nicht leisten.

    Das Gesundheitsministerium hat mit Unterstützung der japanischen Regierung das Programm „Mothers Waiting Homes“ auf den Weg gebracht, das werdende Mütter zuhause betreut. Wie aus der Untersuchung hervorgeht, könnten rund die Hälfte der Todesfälle durch eine richtige Vorbeugung oder ein Eingreifen im Falle von Komplikationen verhindert werden.

    Fides vom 16. Juli 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige

    Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige am 21. Juli - Ein Zeichen für Humanität und Miteinander.

    Berlin - Anlässlich des 11. bundesweiten Gedenktages für verstorbene Drogenabhängige am 21. Juli 2009 fordert der "Initiativkreis 21. Juli" (Deutsche Aids-Hilfe e.V., Berliner Aids-Hilfe e.V., Notdienst Berlin e.V., Fixpunkt Berlin e.V. und JES Berlin) mit Nachdruck eine vorurteilsfreie Auseinandersetzung um die gesundheitliche und soziale Situation Drogen gebrauchender Menschen sowie wirksame Maßnahmen zur Reduzierung von Drogentodesfällen.

    Im Gedenken an die verstorbenen Drogenkonsumenten in Berlin führt der Initiativkreis am 21. Juli 2009 um 12:00 Uhr eine Veranstaltung im Oranienpark (Oranienplatz) in Kreuzberg durch. Die Schirmherrin der Veranstaltung ist Frau Katrin Lompscher - Senatorin für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz. Neben Dr. Ingo Michels vom Bundesministerium für Gesundheit werden Knut Mildner-Spindler (Sozialstadtrat Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin) und Kerstin Dettmer (Fixpunkt) reden. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht ein Zeichen zu setzen und den Tod hunderter Menschen nicht schweigend hinzunehmen sowie die Öffentlichkeit über die Belange und Interessen Drogen gebrauchender Menschen zu informieren und zu sensibilisieren.

    "Es ist schmerzhaft und nicht hinzunehmen, dass nach einem Anstieg der Drogentodesfälle in 2007 im Jahr 2008 wiederum ein Anstieg der Zahl der verstorbenen DrogengebaucherInnen auf 1449 Tote zu verzeichnen ist ", so Dirk Schäffer, Referent für Drogen der Deutschen AIDS-Hilfe e.V. Mit 152 Drogentoten in Berlin hat sich die Zahl im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr leicht reduziert. "Gründe für den leichten Rückgang sind auch in den professionellen Angeboten für die Zielgruppe der Schwerstabhängigen zu finden. So gibt es in Berlin wirklich eine Vielzahl von ambulanten und aufsuchenden Hilfen.", erläutert Heike Krause, Pressesprecherin vom Notdienst Berlin e.V.

    "Der Drogenkonsumraum in der Dresdener Straße war nicht Ursache für die Zunahme der drogenszenen-bedingten Belastungen am Kottbusser Tor", so Kerstin Dettmer vom Verein Fixpunkt e. V. "Die Gründe sind vielmehr in unzureichenden bzw. fehlenden Angeboten für Drogen-gebrauchende Menschen zu sehen. Aufgabe der Politik muss es aber sein, dafür Sorge zu tragen, d.h. notwendige Angebote zu schaffen, damit aus Minderheiten nicht unerwünschte Randgruppen werden", so Dettmer weiter.

    "Wenn nicht schnell ein neuer Standort für den Drogenkonsumraum in Szenenähe gefunden wird, könnte dies vermehrte HIV- und Hepatitisinfektionen sowie ein Anstieg der Drogentodesfälle in Berlin zur Folge haben", so Claudia Rey von der Berliner Aids- Hilfe e.V. Auch für die Betroffenen selbst ist diese Schließung nicht nachvollziehbar, und die Mitarbeiter vor Ort werden viel Zeit aufwenden müssen, um Kontakte zu Drogenkonsumenten wieder herzustellen, erläutert ein Mitglied der Berliner JES Gruppe. Um der vielen tausend verstorbenen Freundinnen und Freunden, Bekannten und Angehörigen zu gedenken und zugleich für eine weit reichende Änderung der Drogenpolitik zu demonstrieren, veranstalten Aids- und Drogenhilfen, JES- und Elterngruppen im Rahmen des Gedenktages am 21. Juli in über 40 Städten Mahnwachen, Informationsveranstaltungen, Gottesdienste, Trauermärsche und andere öffentliche Kundgebungen, um damit den dringenden Handlungsbedarf anzuzeigen.

    Deutsche AIDS-Hilfe e.V. - Pressemeldung vom 15. Juli 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HI-Virus kurbelt Abwehrsystem bei Frauen stärker an

    London - Ein Signalmolekül, das an der ganz frühen Erkennung des HI-Virus beteiligt ist, reagiert bei Frauen stärker auf eine Infektion als bei Männern. Frauen haben deshalb in einer frühen Phase der Infektion geringere Viren-Konzentrationen im Blut.

    Die starke Aktivierung des Abwehrsystems wirkt sich jedoch mit dem Fortschreiten der Krankheit negativ aus, und das Virus führt bei Frauen schneller zur eigentlichen Krankheit Aids. Vermutlich ist es die unterschiedliche Konzentration des Sexualhormons Progesteron, die diese Aktivierung beeinflusst, berichten Wissenschaftler um Marcus Altfeld vom Ragon Institute in Boston im Fachmagazin «Nature Medicine» (doi:10.1038/nm2004).

    Der sogenannte Toll-Rezeptor - ein Molekül, das das HI-Virus sehr früh nach der Ansteckung erkennt - reagiert bei Männern und Frauen verschieden stark auf eine Infektion. Das Molekül befindet sich auf den sogenannten pD-Zellen, die zu den ersten Zellen gehören, mit denen das Immunsystem auf HI- und andere Viren reagiert. Die Aktivierung von pD-Zellen löst die Produktion von wichtigen Stoffen im Immunsystem aus, die der Abwehr dienen. Die gleiche Menge des Virus scheint nun bei Frauen mehr pD-Zellen zu aktivieren als bei Männern, zeigen die neuen Ergebnisse. Dadurch werden mehr Abwehrstoffe produziert und Frauen haben im Anfangsstadium der Erkrankung weniger Viren im Blut.

    Der Grund für die unterschiedlich starke Aktivierung des Immunsystems scheint eine hormonelle Ursache zu haben, berichten die Wissenschaftler. Aus früheren Studien ist bekannt, dass das Sexualhormon Progesteron die Aktivität der pD-Zellen beeinflusst. Je mehr Progesteron, desto stärker die pD-Zell Aktivierung, vermuteten die Forscher. Progesteron ist das Hormon, das bei Frauen die Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft vorbereitet. Auch Männer haben dieses Hormon, doch kommt es bei ihnen in viel geringerer Konzentration vor.

    Erst nach der Menopause sind die Progesteron-Konzentrationen bei beiden Geschlechtern etwa gleich hoch. Frauen nach der Menopause produzieren nach einer HIV-Ansteckung tatsächlich etwa gleich viele Immunabwehrstoffe wie Männer, zeigt nun die Studie. Das Ausmaß der pD-Zell-Aktivierung als Antwort auf das HI-Virus spiegelte denn auch direkt die Progesteron-Konzentration bei Frauen nach der Menopause wider: Je höher die Hormonkonzentration, desto stärker war die pD-Zell-Aktivierung als Antwort auf das HI-Virus.

    Diese stärkere Aktivierung des Immunsystems ist in der frühen Phase der Infektion vermutlich günstig, weil sich das Virus auf diese Art weniger stark vermehrt. Sobald sich jedoch das Virus in die Zellen eingenistet und diese manipuliert hat, kehrt sich dieser Effekt um und das Virus verbreitet sich schneller. Es vermehren sich nun nicht mehr gesunde Abwehrzellen, die das Virus bekämpfen können, sondern auch infizierte Abwehrzellen, über die sich das Virus verbreitet. «Wenn wir das Augenmerk stärker auf Prozesse der Immunaktivierung, und nicht auf die Vermehrungsmechanismen des Virus lenken, könnten sich dadurch möglicherweise neue Therapiemöglichkeiten ergeben», kommentiert Altfeld die Ergebnisse.

    Aachener Zeitung vom 14. Juli 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Gekrümmtes Gitter aus Proteinen

    Dreidimensionale Bilder unreifer HI-Viren mit hoher Auflösung / Heidelberger Wissenschaftler veröffentlichen online in PNAS.
     


    Kugelförmige Gitterstruktur, die Proteine um das Erbmaterial des HI-Virus bilden.
    Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg.

    Protein für Protein zum infektiösen Aids-Virus – Ein dreidimensionales Computermodell unreifer HIV-Partikel im Nanometerbereich haben Wissenschaftler des European Molecular Biology Laboratory (EMBL) und des Universitätsklinikums Heidelberg mit Hilfe der hochauflösenden Kryo-Elektronentomographie erstellt: Es zeigt die Gitterstruktur der Viren auf Proteinebene mit bisher nicht erreichter Auflösung und liefert eine Begründung, wie die Krümmung des kugeligen Proteingitters erreicht wird. Ein genaues Verständnis dieses Reifungsprozesses könnte neue Ansätze für zukünftige Therapien gegen AIDS eröffnen. Die Arbeit wurde online in der renommierten Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America“ (PNAS) veröffentlicht.

    Befällt der Aids-Erreger HIV das Immunsystem, so programmiert er diese auf "Virusvermehrung" um. Dazu schleusen sie ihr Erbgut mit allen notwendigen Informationen in die Zelle ein: Von nun an vervielfältigen die Zellen das Erbgut des AIDS-Erregers und produzieren Bausteine der Virushülle, wie das Eiweiß Gag. Die Gag-Proteine bilden um das Erbmaterial des Virus herum eine kugelförmige Gitterstruktur. Schließlich verlassen die neu gebildeten Viren mit Hilfe zelleigener Proteine die Zelle.

    Kugelförmige Wabenstruktur mit Löchern

    Wie dieses Gitter aus Gag-Proteinen aussieht und wie aus einer flachen Wabenstruktur eine Kugel gebildet wird, rekonstruierten die Teams um Dr. John Briggs, Forschungsgruppe Structural and Computational Biology am EMBL, und Professor Dr. Hans-Georg Kräusslich, Geschäftsführender Direktor des Hygiene-Instituts am Universitätsklinikum Heidelberg, aus hochauflösenden elektronenmikroskopischen Bildern. Normalerweise ist eine sechseckige Wabenstruktur flach und weist keine Krümmung auf. Die Gag-Proteine lagern sich jedoch selbständig zu einer gekrümmten Wabenstruktur zusammen. Dadurch entsteht in dem Proteingitter Stress, der durch Löcher im Gitter ausgeglichen wird. Auf diese Weise entsteht eine kugelige Wabenstruktur mit unregelmäßig angeordneten Löchern. Dieser sehr einfache Vorgang spielt möglicherweise eine Rolle für die hohe Toleranz des Virus für genetische Veränderungen. Im weiteren Verlauf werden die Gag-Proteine enzymatisch gespalten, es entsteht das reife, infektiöse Virus mit intakter Schutzhülle.

    Nun wollen die Heidelberger Wissenschaftler ihr Strukturmodell noch weiter verfeinern und weitere Details des Protein-Gitters aufdecken: „Je besser wir den Bildungs- und Reifungsprozess von HIV verstehen, desto eher können wir Schwachstellen ausfindig machen und als Angriffspunkte für gezielte Therapien nutzen“, sagt Professor Kräusslich.

    Kryo-Elektronentomographie erlaubt Momentaufnahmen auf Nanoebene

    Momentaufnahmen der molekularen Vorgänge sind in dieser Form nur mit der Kryo-Elektronentomographie möglich: Durch das blitzartige Einfrieren auf minus 196 Grad Celsius bleibt die räumliche Struktur und Anordnung der Zell- bzw. Virusbestandteile erhalten. Die Untersuchungsobjekte bleiben unverfälscht – chemische Vorbehandlungen, Anfärben oder Schnitte sind nicht notwendig. Im Elektronenmikroskop wird das Objekt aus verschiedenen Richtungen durchstrahlt; ein dreidimensionales Struktur-Modell mit einer Auflösung von wenigen Nanometern, also Millionstel Millimetern, entsteht.

    Literatur:
    J. A. G. Briggs, J. D. Riches, B. Glass, V. Bartonova, G. Zanetti and H.-G. Kräusslich: Structure and assembly of immature HIV. PNAS 2009 106:11090-11095; published online before print June 22, 2009. DOI:10.1073/pnas.0903535106

    Universitätsklinikum Heidelberg - Virologie - Pressemeldung vom 10. Juli 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Finanzkrise schwächt Kampf gegen HIV

    UNAIDS hat die Welt angesichts der Finanzkrise aufgerufen, den Kampf gegen HIV und Aids in den armen Ländern nicht zu vernachlässigen. “Jede Unterbrechung oder Verlangsamung bei der Finanzierung wäre eine Katastrophe für die vier Millionen Menschen, die eine Therapie erhalten und die weiteren Millionen, die zurzeit von Präventionsprogrammen erreicht werden”, sagt UNAIDS Geschäftsführer Michel Sidibé. Die HIV/Aids-Organisation der Vereinten Nationen hat gerade einen neuen Bericht herausgegeben. Titel: „Die globale Wirtschaftskrise, HIV-Prävention und Behandlungsprogramme: Vulnerabilität und Auswirkungen“.

    UNAIDS fordert in diesem Bericht außerdem eine noch effektivere Nutzung der finanziellen Mittel und eine bessere Beobachtung von Maßnahmen gegen HIV und Aids. Nur so könnten Therapien und Prävention trotz der Finanzkrise so gut wie möglich abgesichert werden.

    Angesichts schwindender Budgets, so UNAIDS weiter, müssten Finanzierungslücken rechtzeitig bemerkt und öffentlich gemacht werden. Die Staaten müssten Brückenfinanzierungen zur Verfügung stellen und eng mit den internationalen Geldgebern kooperieren, um Unterbrechungen im Fluss der Mittel so schnell wie möglich ausgleichen zu können. Präventionsprogramme für besonders gefährdete Gruppen dürften nicht gestoppt werden.

    In 22 Ländern hat die Versorgung mit Therapien und Prävention bereits Schaden genommen.

    Gemeinsam mit der Weltbank hatte UNAIDS im März dieses Jahres die Versorgungssituation in 71 Ländern abgefragt. Das erschütternde Ergebnis: In 22 Ländern haben HIV-Behandlung und -Prävention schon heute durch die Finanzkrise Schaden genommen oder werden noch im laufenden Jahr davon betroffen sein.

    In acht Ländern sind die Behandlungsprogramme nach Angaben ihrer Mitarbeiter bereits reduziert worden, weil zum Beispiel nicht mehr genügend Medikamente zur Verfügung stehen. Im Klartext: Viele Menschen mit HIV müssen ihre Therapien unterbrechen oder abbrechen. In den betroffenen Ländern leben mehr als 60 Prozent der Menschen, die weltweit Medikamente erhalten.

    Zurzeit haben in den von UNAIDS untersuchten Ländern knapp vier Millionen Menschen Zugang zu antiretroviralen Therapien. Das ist ohnehin lediglich ein Drittel derjenigen, die eine Therapie benötigen. Für diejenigen, die bisher keine Medikamente erhalten, verschlechtern sich die Chancen durch die Finanzkrise zusätzlich.

    Besonders stark betroffen sind nach dem UNAIDS Bericht Länder im südlichen Afrika, in Asien, in Ost- und Zentraleuropa sowie in der Karibik. Schuld an der Erosion der Therapieprogramme sind dabei sowohl schwindende Unterstützung durch Geldgeber als auch sinkende Haushaltseinkommen durch Arbeitslosigkeit und Lohneinbußen. Teilweise fehlt den Menschen sogar das Geld für die Lebensmittel, die sie zur Einnahme ihrer Pillen benötigen.

    Die Lage wird sich noch weiter verschlechtern, denn die Finanzierungen vieler Programme laufen in diesem oder im nächsten Jahr aus – die Fortsetzung ist vielfach ungewiss.

    Die Folgen dieser Entwicklung sind fatal: Wenn Therapieangebote wegbrechen, erkranken und sterben mehr Menschen. Zugleich infizieren sich mehr Menschen mit HIV, weil ohne antiretrovirale Behandlung das Übertragungsrisiko steigt. Langfristig entstünde so eine sehr viel höhere Belastung der Gesundheitssysteme und höhere Kosten, so UNAIDS.

    Es drohen mehr Neuinfektionen, mehr Erkrankungen, mehr Todesfälle. Die Kosten werden erheblich steigen.

    Noch stärker bedroht als die Behandlungsprogramme ist die Prävention. 34 Länder, in denen 75 Prozent der Menschen mit HIV weltweit leben, gaben in der Untersuchung an, dass sie ihre HIV/Aids-Aufklärung aufgrund der Finanzkrise herunterfahren müssen. Zur Disposition stehen dabei vor allem Maßnahmen für besonders gefährdete Menschen wie Sexarbeiter (innen), Drogengebraucher(innen) und Männer, die Sex mit Männern haben. Kürzungen bei stigmatisierten Gruppen seien politisch oft leichter durchsetzbar, heißt es im UNAIDS Bericht lapidar.

    UNAIDS betont demgegenüber die große Bedeutung von Prävention: Statistisch gesehen kommen demnach zurzeit auf zwei Menschen, die Zugang zu Therapien gewinnen, fünf Menschen, die sich neu mit HIV infizierten.

    Deutsche Aids-Hilfe blog vom 10. Juli 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Jemen: Gesetzentwurf soll HIV-Infizierte schützen

    Das jemenitische Parlament wird in Kürze über einen Gesetzesentwurf abstimmen, der Diskriminierungen gegenüber HIV-Infizierten und an AIDS erkrankten bekämpfen soll. Dies berichtet die jemenitische Zeitung Yemen Times. Ein Entwurf des Abgeordneten Abdul Bari Dughaish beinhaltet 51 Paragrafen, die zum Ziel haben, die Rechte von Infizierten zu stärken und die Bevölkerung aufzuklären.

    Der Entwurf sieht vor, dass auch in Schulen verstärkt über HIV und AIDS aufgeklärt wird, zudem soll das Gesundheitsministerium die Bevölkerung informieren. Auch soll es verhindern, dass HIV-infizierte Arbeitnehmer aufgrund ihrer Diagnose entlassen werden. Können Betroffene aufgrund einer Erkrankung ihrer Arbeit nicht nachgehen, so sieht der Entwurf die Zahlung von Krankengeld vor, dass in bestimmten Fällen bis zum Rentenalter gezahlt werden solle. Ebenfalls vorgesehen sind finanzielle Unterstützung sowie kostenlose medizinische und psychologische Betreuung für HIV- und AIDS-Betroffene

    Der Abgeordnete ist Vorsitzende der parlamentarischen Gruppe zur HIV/AIDS-Prävention, und beklagte, dass Betroffene, die Unterstützung benötigen, im Jemen oft Diskriminierungen ausgesetzt seien. Der Entwurf soll die rechtliche Grundlage bilden, ein normales Leben zu führen. „Der Feind ist die Krankheit nicht der Patient“, zitiert das Blatt den Abgeordneten.

    Dughaish kritisierte mangelndes Wissen über die Krankheit, sowohl in der Gesellschaft als auch im Parlament: In der parlamentarischen Debatte hätten einige Abgeordnete gesagt, das Parlament könne dem Einzelnen nicht vorschreiben, HIV und AIDS Patienten anzunehmen. Daher sei es wichtig diesbezüglich Aufklärungsarbeit zu leisten. Die Infektion solle wie andere chronische Krankheiten angesehen werden.

    Laut dem Blatt gibt es in dem südarabischen Staat derzeit 2.651 registrierte Infektionen. Die Dunkelziffer sei laut Angaben der WHO allerdings bis zu 30-mal höher. Ähnliche Gesetze existierten bereits in Dschibouti und im Sudan.

    Nah-Ost Info vom 7. Juli 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Darunavir Spiegel im Blut sinken nur langsam

    Das Vergessen der Arznei-Einnahme hat bei einer Therapie mit Darunavir weniger negative Konsequenzen als bei anderen Proteasehemmern. Denn aufgrund seiner langen Halbwertszeit sinkt der Spiegel seltener unter die Nachweisgrenze.

    Die lange Halbwertszeit von Darunavir (plus niedrig dosiertes Ritonavir, als Boosterung bezeichnet) von 15 Stunden ist ein wichtiger Faktor, der zu der vergleichsweise guten virologischen Langzeitwirksamkeit dieses Proteasehemmers beiträgt. Die Halbwertszeit des Proteasehemmers liegt bei 15 Stunden.

    Diese Ansicht vertritt Professor Milos Opravil aus Aargau in der Schweiz. Nachdem die Effektivität von geboostertem Darunavir (DRV/r, Prezista®) bei bereits behandelten Patienten belegt werden konnte, hat sie sich in der ARTEMIS-Studie nun auch bei zuvor noch nicht Behandelten bestätigt.

    In dieser Studie wurde die einmal tägliche Einnahme von geboostertem Darunavir mit der ein- bis zweimal täglichen Einnahme des geboosterten Proteasehemmers Lopinavir verglichen - beide kombiniert mit Tenofovir und Emtricitabin. Nach 96 Wochen hatten 79 Prozent der Verumgruppe weniger als 50-HIV-RNA-Kopien pro Milliliter Blut, in der Vergleichsgruppe 71 Prozent, so Opravil bei einer Veranstaltung vom Unternehmen Tibotec beim Aids-Kongress SÖDAK 2009.

    Ärzte Zeitung vom 6. Juli 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Viruslast Methode ist Mist - sagt ACT UP Paris

    Sich seine Sexpartner nach HIV-Status auszusuchen, sei gefährlich, ebenso die Viruslast-Methode, sagt ACT UP Paris - in großflächigen Anzeigen in Paris.

    Rosa und schwarz gehaltene Anzeigen warnen seit Ende Juni in Paris. Seinen Sexpartner nach dem HIV-Status auszusuchen sei nutzlos und gefährlich, sagt dort die
    Aids-Aktionsgruppe ACT UP Paris. Ebenso gefährlich und falsch sei es, seine individuellen Präventionstrategien nach der Viruslast zu richten.
     


    Je baise sans capote ...

    “Ich ficke ohne Kondom, weil … oops, ich bin HIV-positiv! Einzig das Kondom schützt!”
     


    sous tritherapie efficace ...

    “Unter wirksamer Kombinationstherapie … riskiere ich es, meine Sexpartner zu infizieren.”

    Die Propagierung der Viruslastmethode für individuelle Strategien des Schutzverhaltens fördere nur die Bereitschaft, Risiken einzugehen, meint ACT UP Paris.

    Erst jüngst hatte es in Frankreich Wirbel um die Aids-Empfehlungen gegeben: Die französische Gesundheitsministerin widersprach einer Empfehlung ihrer Aids-Experten, Therapie als Mittel der Prävention zu sehen. Nur Kondome schützen, meint die Ministerin - gegen den Rat des französischen Nationalen Aids-Beirats (Conseil national du Sida).
    Dieser war vorher seiner Stellungnahme u.a. zu dem Schluss gekommen, in hochwirksamer antiretroviraler Therapie liege ein hohes Potenzial hinsichtlich HIV-Übertragung und Prävention. Auch antiretrovirale Therapie haben ihren Platz in der individuellen Schutzstrategie.

    ACT UP Paris stellt sich mit seiner neuen Kampagne gegen die Einschätzung des französischen Aids-Expertenrats CNS (Centre National du Sida), sowie zahlreicher internationaler Experten - an die Seite der konservativen französischen Gesundheitsministerin, die bestenfalls meint, nur Kondome schützten.

    Selbst die Welt-Gesundheitsorganisation WHO hingegen hatte erst jüngst betont

    “There is little doubt that ART has preventive effects …”

    Die Deutsche Aids-Hilfe hatte bereits im April 2009 ein Positionspapier veröffentlicht, in dem sie u.a. zu dem Schluss kommt “Unsere bisherigen Safer-Sex-Botschaften werden durch diese Aussage sinnvoll und wirksam ergänzt; in der Prävention eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten.”

    ACT UP Paris versucht, mit grellen Anzeigen die Uhren zurück zu drehen.

    Es ist schon bizarr, immer wieder neu zu erleben, dass eine Organisation, die insbesondere auch als engagierte Interessenvertretung von und für Menschen mit HIV entstand, sich zu einer beinahe stalinistisch anmutenden konservativen Präventionsagentur gewandelt hat.
    Selbst der (von der Gesundheitsministerin zurück gepfiffene) AIDS-Expertenrat Frankreichs kommt zu dem Schluss, eine Viruslast unter der Nachweisgrenze senke die HIV-Übertragung drastisch, und dies müsse auch gesagt werden. Sollte es ACT UP Paris zu denken geben, dass selbst Virologen und Infektiologen inzwischen anders zur Viruslast-Methode denken?

    Nach vorne denken, statt rückwärtsorientiert zu handeln - das sollte eigentlich Ansatz von ACT UP sein …

    Weitere Informationen:
    ACT UP Paris 25.06.2009: Act Up-Paris lance une campagne sur la prévention gay et adresse une lettre ouverte à l’INPES
    tetu 02.07.2009: Prévention, sérotriage… Act Up-Paris contre les idées reçues
    WHO Bulletin Juli 2009: Preventing HIV transmission with antiretrovirals.

    ondamaris vom 6. Juli 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Workshop zu Impfstoff- und Mikrobizid-Entwicklung

    Information und Prävention sind wirksam gegen die Verbreitung von HIV/AIDS. Für ein weltweites, dauerhaftes Zurückdrängen der Virusinfektion ist aber ein Impfstoff unverzichtbar. Auch Mikrobizide könnten Frauen, vor allem in Entwicklungsländern, einen persönlichen Schutz unabhängig vom Verhalten des Mannes ermöglichen. Der Forschungsstand bei Impfstoffen und Mikrobiziden war Thema eines Workshops, der vom 30. Juni bis zum 1. Juli in Berlin stattgefunden hat. Veranstalter waren das Bundesministerium für Gesundheit, das Paul-Ehrlich-Institut, das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, die Internationale AIDS-Impfstoff-Initiative IAVI und das Robert Koch-Institut. Forschung für Impfstoffe und neue Präventionsansätze, darunter Mikrobizide, werden auch im "Aktionsplan zur Umsetzung der HIV/AIDS-Bekämpfungsstrategie der Bundesregierung" als wichtige Bausteine herausgestellt.

    Bislang wurden zwei Impfstoffkandidaten vollständig in klinischen Studien getestet, mit beiden gelang es nicht, eine HIV-Infektion zu verhindern oder zu kontrollieren. Ein wichtiges Hindernis bei der Entwicklung eines Impfstoffs liegt darin, dass HIV genau die Zellen infiziert, die notwendig sind, um eine wirksame Immunantwort zu starten und aufrecht zu erhalten. Die meisten Wissenschaftler vermuten inzwischen, dass ein wirksamer Impfstoff beide "Arme" der Körperabwehr aktivieren muss: einerseits die zelluläre Immunreaktion, bei der die so genannten T-Zellen die Viren bekämpfen, andererseits die humorale Immunreaktion, bei der B-Zellen Antikörper herstellen.

    Auch ein nur teilweise wirksamer Impfstoff würde einen großen Fortschritt bedeuten. IAVI, deren Impfstoff-Aktivitäten auf den speziellen Bedarf von Entwicklungsländer zugeschnitten sind, schätzt, dass z.B. ein zu 50 % wirksamer Impfstoff, der an 30 % der Bevölkerung verabreicht würde, die Zahl der Neuinfektionen in Entwicklungsländern in einem Zeitraum von 15 Jahren mehr als halbieren würde. Auch ein Impfstoff, der die Infektion nicht verhindert, sondern nur die Vermehrung im Körper bremst, könnte die Prognose für den Betroffenen erheblich verbessern und das Ansteckungsrisiko für andere verringern. Derzeit ist eine Reihe von Kandidat-Impfstoffen in der klinischen Prüfung, kurzfristig sind allerdings keine praxisreifen Ergebnisse zu erwarten.

    Angesichts der in Entwicklungsländern zunehmenden Infektionsraten unter Frauen und Mädchen besteht ein hoher Bedarf nach einer Methode, mit der sich Frauen effektiv und von ihrem Partner unabhängig vor HIV schützen können. Deshalb wird neben der Impfstoffentwicklung auch an der Entwicklung eines gegen eine HIV Infektion wirksamen Mikrobizids gearbeitet. Mikrobizide sind chemisch-therapeutische Produkte, die zum Beispiel als Creme oder Vaginalring am Eintrittsort des HI-Virus im Körper, üblicherweise die Vagina, lokal angewendet werden, um dort eine Virusübertragung zu reduzieren oder zu verhindern. Ähnlich wie bei der Impfstoffentwicklung gibt es bislang kein effektives Mikrobizid, das vor der Markteinführung stünde. Allerdings befinden sich mehrere Kandidat-Mikrobizide in verschiedenen Phasen der Sicherheits- und Wirksamkeitsprüfung, die weithin unterstützt werden.

    Weitere Informationen:
    Bundesministerium für Gesundheit zu HIV/AIDS: www.bmg.bund.de > Themen
    Robert Koch-Institut zu HIV/AIDS: www.rki.de > Infektionskrankheiten A-Z
    International Partnership for Microbicides: www.ipm-microbicides.org
    Internationale AIDS-Impfstoff-Initiative IAVI: www.iavi.org.

    Robert Koch-Institut und Bundesministerium für Gesundheit - Pressemitteilung vom 2. Juli 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Marathon trotz HIV-Infektion

    Trainierte HIV-Patienten fühlen sich besser. Positive Auswirkungen auf Körper und Seele.

    Wiesbaden - HIV-Patienten können unter ärztlicher und sportlicher Betreuung das Training für einen Marathon bewältigen und profitieren davon sowohl in physischer als auch psychischer Hinsicht. Dies zeigen die Ergebnisse der Initiative "Die 42 km von Berlin" zum Berlin Marathon 2008, die auf der diesjährigen 5th European Conference on Clinical and Social Research on AIDS and Drugs in Vilnius, Litauen, vom 28. bis 30. April 2009 vorgestellt wurden (1). Selbst bei Patienten, die bereits gut auf ihre Therapie ansprachen, kam es unter einem monatelangen Vorbereitungstraining zu einem weiteren Anstieg der CD4-Zellzahlen, was auf eine Verbesserung des Zustandes des Immunsystems hinweist. Dagegen blieb die Viruslast, d.h. die Anzahl der HI-Viren im Blut, fast ausnahmslos unter der Nachweisgrenze. Die Patienten berichteten zudem über eine Verbesserung ihrer Lebensqualität, vor allem im Hinblick auf Leistungsfähigkeit und Selbstbewusstsein.

    Ob sportliche Aktivitäten und vor allem Extremsport sich vorteilhaft oder ungünstig auf die Gesundheit von HIV-Infizierten auswirken, war lange Zeit umstritten. Das Gesundheitsunternehmen Abbott initiierte daher in Zusammenarbeit mit Ärzten und sportlichen Betreuern unter der Leitung des Teams Joachim Franz die Initiative "Die 42 km von Berlin", bei der sich 19 HIV-positive Patienten, die zuvor keine bis wenig Erfahrung im Marathonlauf hatten, zehn Monate lang auf den Berlin-Marathon 2008 vorbereiteten. Vor Beginn des Trainings sowie vor dem Lauf wurden CD4-Zellzahl, Viruslast und Body-Mass-Index (BMI) bestimmt sowie verschiedene Parameter der Lebensqualität (Energiemangel, Depression, Einschlafstörungen, körperliches Erscheinungsbild) mittels Fragebögen erfasst.

    Von zehn HIV-positiven Läufern, die beim Berlin-Marathon 2008 teilgenommen haben, konnten die Daten vollständig ausgewertet werden: Sie zeigen, dass bei acht Patienten die Anzahl der CD4-Zellen gestiegen war, bei zweien war sie geringfügig gesunken. Die Viruslast sank bei vier Teilnehmern nach der Trainingsphase, bei fünf blieb sie in diesem Zeitraum unverändert unter der Nachweisgrenze, nur bei einem stieg sie leicht an. Ein Großteil der Teilnehmer berichtete zudem über größere Vitalität, höhere Leistungsfähigkeit und gesteigertes Selbstbewusstsein durch das Training. Alle zehn Teilnehmer der Auswertung beendeten den Marathon erfolgreich. "Die Initiative 'Die 42 km von Berlin' hat gezeigt, dass HIV-Patienten unter entsprechender ärztlicher und sportlicher Betreuung durchaus in der Lage sind, extreme sportliche Leistungen zu vollbringen, ohne dass ihnen dadurch gesundheitliche Schäden entstehen", so Dr. Michael Rausch, ärztlicher Betreuer des Projekts. "Eine regelmäßige sportliche Betätigung wäre sicher für viele Patienten von großem Nutzen."

    Startschuss für weitere Marathon-Aktion

    Der Erfolg des Projekts hat Abbott dazu veranlasst, die Initiative unter dem Namen "42 KM of Cologne - be part of it" fortzuführen. Für den Marathon der Gay Games 2010 gibt das Unternehmen 20 HIV-Positiven die Möglichkeit, unter ärztlicher Kontrolle mit Laufexperten des Teams Joachim Franz zu trainieren. Voraussetzung hierfür ist eine erfolgreich bestandene ärztliche Grunduntersuchung.

    "Wir wollen durch unser langfristiges Engagement einen Betrag dazu leisten, dass Menschen trotz HIV-Infektion ihr Leben aktiv gestalten und Vertrauen in ihre eigene Leistungsfähigkeit entwickeln", so Wulff-Erik von Borcke, Sprecher der Geschäftsführung von Abbott Deutschland. "Darüber hinaus möchten wir aber auch gemeinsam mit HIV-Infizierten ein Zeichen setzen und für mehr Toleranz und Integration werben." Der Startschuss für die einjährige Vorbereitungsphase fällt mit einem Treffen aller Läufer im August 2009. Hierbei checken Experten die Fitness der Teilnehmer und entwickeln für jeden einen persönlichen Trainingsplan. Bis zum Frühjahr 2010 werden die Teilnehmer auf die erste große Herausforderung vorbereitet - den Kölner Halbmarathon. Während der gesamten Zeit übernehmen Laufpaten die individuelle Betreuung der Teilnehmer und trainieren mit ihnen an ihren Wohnorten. Die Teilnahme ist für die Läufer kostenlos. Alle Informationen zur Initiative sind unter www.42kmplus.de verfügbar.

    (1) Poster: Changes in Quality of Life and course of HIV-Infection after 10 Month of Intensive Training for a Marathon Race, Rausch M, Hillebrand H, Petry R, König B, Hapke C

    Abbott GmbH - Pressemeldung vom 2. Juli 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zunahme der Inzidenz nicht AIDS definierender Erkrankungen

    Zunahme der Inzidenz nicht AIDS definierender Erkrankungen in der Ära der kombinierten antiretroviralen Therapie.

    Nicht-AIDS definierende Erkrankungen treten seit Einführung der antiretroviralen Kombinationstherapie häufiger auf als AIDS-definierende Erkrankungen.

    Die Risikofaktoren für Nicht-AIDS definierende Erkrankungen hängen zum Teil mit den Lebensgewohnheiten der Betroffenen zusammen, sind teilweise aber auch auf den durch das HI-Virus verursachten Immundefekt zurückführbar. Dies ist das Ergebnis einer europäischen Studie mit 10.341 Patienten.

    Während des Beobachtungszeitraums der Studie waren 684 HIV-Patienten von Nicht-AIDS definierenden Erkrankungen und 641 HIV-Infizierte von AIDS-definierenden Erkrankungen betroffen. Zu den häufigsten Nicht-AIDS definierenden Erkrankungen zählten bösartige Tumore, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Leberversagen. Unter den AIDS-definierenden Erkrankungen dominierten Pilzerkrankungen der Speiseröhre, Lungentuberkulose und Lungenentzündungen. 316 Patienten starben in Folge einer Nicht-AIDS definierenden Erkrankung im Vergleich zu 219, die in Folge einer AIDS-definierenden Erkrankung starben.

    Begleiterkrankungen wie Hepatitis B oder C, Diabetes, Bluthochdruck und Anämien erhöhten das Risiko für Nicht-AIDS definierende Erkrankungen ebenso wie Tabakkonsum. Patienten mit einer doppelt so hohen aktuellen CD4-Zellzahl im Vergleich zu einem anderen HIV-Infizierten hatten ein um 23% niedrigeres Risiko für Nicht-AIDS definierende Erkrankungen. Je länger die CD4-Zellzahl unterhalb von 200/µl Blut lag desto höher stieg das entsprechende Erkrankungsrisiko an.

    Im Gegensatz hierzu erhöhten Diabetes, Bluthochdruck und Hepatitis B oder C-Infektionen das Risiko für AIDS-definierende Erkrankungen nicht. Vielmehr hing das diesbezügliche Erkrankungsrisiko von der gegenwärtigen Viruslast und der aktuellen CD4-Zellzahl ab. Sobald eine niedrige CD4-Zellzahl sich nach Aufnahme der antiretroviralen Behandlung erholt hatte, sank das entsprechende Erkrankungsrisiko.

    Nach Ansicht der Forscher sollten die Risikofaktoren für Nicht-AIDS definierende Erkrankungen noch genauer untersucht werden. (HIV-Info)

    Quelle: CROI 2009, Poster 707 (Mocroft et al)

    MedAustria vom 2. Juli 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV/Aids unter südafrikanischen Jugendlichen rückläufig

    Immer mehr junge Männer in Südafrika verwenden Kondome, doch die Mehrheit von ihnen neigt weiterhin zu riskantem Sexualverhalten.

    Südafrika, eines der am stärksten von HIV/Aids betroffenen Länder der Welt, kann erste Erfolge bei der Bekämpfung der Epidemie verzeichnen. Wie eine in der vergangenen Woche veröffentlichte Studie des South Africa’s Human Sciences Research Council zeigt, ist die Infektionsrate unter Jugendlichen deutlich gesunken. Demnach sind heute mit 0,8 Prozent nur noch halb so viele 18-Jährige infiziert wie 2005. In erster Linie, so der Bericht, sei dies darauf zurückzuführen, dass immer mehr Heranwachsende Kondome benutzten. 87 Prozent der befragten 15- bis 24-jährigen Männer gaben an, sich beim Geschlechtsverkehr mit Präservativen zu schützen. Im Jahr 2002 waren es nur 57 Prozent.

    Die neue südafrikanische Regierung unter Präsident Jacob Zuma begrüßte die Ergebnisse der Studie. Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi sprach von einem "Licht am Ende des Tunnels" und erklärte, er hoffe, dass sich dieser positive Trend in den kommenden Jahren weiter verstärke.

    Zumas Vorgänger Thabo Mbeki hatte den Zusammenhang zwischen HIV und der Immunschwächekrankheit Aids stets bestritten und zudem seinen Gesundheitsminister darin bestärkt, HIV/Aids-Patienten Rote Beete und Olivenöl zur Behandlung der Krankheit zu empfehlen. Zuletzt starben in Südafrika täglich 1.000 Menschen an den Folgen von Aids.

    Riskantes Sexualverhalten unverändert

    Der Studie zufolge waren im letzten Jahr etwa 5,2 Millionen Südafrikaner mit dem HI-Virus infiziert. Am stärksten betroffen sind junge Frauen zwischen 20 und 34 Jahren, fast ein Drittel von ihnen ist HIV-positiv.

    Die staatlichen Präventions-Anstrengungen scheinen in der südafrikanischen Bevölkerung bislang weitgehend wirkungslos zu bleiben. So stellten die Autoren der Studie fest, dass die Mehrheit der Jugendlichen die offiziellen Kampagnen-Botschaften ignoriere, die sie ermutigen sollen, abstinent zu leben, den Zeitpunkt ihrer ersten sexuellen Erfahrungen hinauszuzögern und monogame Beziehungen zu führen.

    Stattdessen habe sich der Anteil der 15- bis 59-jährigen Männer mit mehr als nur einem Sexualpartner seit 2002 verdoppelt. Auch die Zahl junger Mädchen mit älteren Partnern sei stark gestiegen. Der Erhebung zufolge lebt mittlerweile mehr als ein Viertel der 15- bis 19-Jährigen mit einem Mann, der mindestens fünf Jahre älter ist. Die Mädchen, die meist aus armen Verhältnissen stammen, gingen häufig auf Druck ihrer Familien eine solche Beziehung ein, so der Bericht.

    Neue Regierung verspricht stärkeres Engagement gegen Aids

    Motsoaledi versprach, die Kampagnen der Regierung zur Aids-Prävention zu stärken und deutete an, das Budget zur Bereitstellung kostenloser Kondome zu erhöhen. "Wir haben viel Zeit damit zugebracht, uns gegenseitig zu bekämpfen", erklärte der Minister mit Blick auf die konfliktreiche Vergangenheit zwischen der Regierung Mbeki und der Zivilgesellschaft. "Ich bin sicher, dass das jetzt vorbei ist und wir stattdessen die Krankheit bekämpfen werden."

    Quelle: PlusNews und The Seattle Times, 9. Juni 2009.

    Deutsche Stiftung Weltbevölkerung – Newsletter vom 30. Juni 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

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