HIV AIDS Infos Online
     

     
      Ausgabe 47
        Jahrgang 14
      November 2009
     
     
    Inhaltsverzeichnis Homepage der Praxis


    Vorbemerkung
    Impressum
    Sponsoren
     

         
        Die Online Ausgabe der 
        HIV AIDS INFOS wird von den nachstehenden Firmen unterstützt:



     
     
     

    HIV-Leitlinien aktualisiert
    Hepatitis C: ist Blut-Kontakt das Problem?
    Ursachen für erfolgreiche Anpassung von HIV-1 an Menschen
    Management von Patienten mit HIV-Infektion – Zeit zum Umdenken?
    HIV Infektion des Partners
    HIV-Vakzine ist möglich
    Raltegravir im Vergleich mit Efavirenz
    Hohe HIV Dunkelziffer in Europa
    Tabuzonen für das Aids-Virus
    HIV-Test bei Gürtelrose oder oraler Pilzinfektionen ratsam
    10 Jahre Spezialsprechstunde HIV und Schwangerschaft am HIVCENTER
    Hepatitis C: Hoffnung auf neue Medikamente
    Buchtipp: Damit du mich nie vergisst
    HIV: Prävention braucht differenzierte Ansprache
    Gentherapie mit HIV
    Kurzmeldung: Neues HIV-Unternehmen: ViiV Healthcare
    US-Einreiseverbot ab 1. Januar 2010 abgeschafft
    HIV/AIDS ist in der Karibik rückläufig
    Mehr Menschen haben Zugang zu antiretroviralen Medikamenten
    Osteuropa: 70 Prozent der HIV-Infizierten ahnungslos
    Strategie zur HIV/Aids-Bekämpfung in der EU
    Spermien scheinen die HIV-Infektion zu erleichtern
    Aids Kampagne bei Schwulen zeigt Wirkung
    HIV: Elite-Controllers: Die seltenen Glückspilze
    Studie wirft neues Licht auf “Schock- und Abtötungsstrategie” gegen HIV-1
    HIV-Impfstoff: Forscher verteidigen umstrittene Studie
    Wissenschaftler schränken Durchbruch bei Aids-Impfung ein
    EU drängt auf strengere Patentrechte in Ländern des Südens
    Weltweit haben 58% der Positiven keinen Zugang zu Aids-Medikamenten
    Impfen gegen Grippe, Schweinegrippe und Pneumokokken
    HIV am Arbeitsplatz oder 40.000 HIV-positive Menschen in Beschäftigung
    HIV infizierte Kinder nicht ausgrenzen
    Beste Gesundheitsversorgung für HIV-Infizierte
    ART for Prevention: Die Pillen sollen´s richten
    FDA empfiehlt "Selzentry" für Anfangstherapie
    STIKO-Empfehlungen zur Schweinegrippe-Impfung
    Ärzte in die Prävention – wirklich eine gute Idee?
    Ärzte ohne Grenzen ruft Pharmafirmen auf: Geben Sie Ihre Patente in den Pool
    Computerpanne macht Patienten zu HIV-Infizierten
    Bedeutende neue Entdeckung zu HIV-Demenz
    Kinder beim Kampf gegen AIDS weiter benachteiligt
    HIV-Vorfahren befielen schon erste Säugetiere
    HIV-Übertragungsmuster bei Heterosexuellen
    HCV-Therapie für iv. Drogenkonsumenten
    Depressionen verschlechtern die Therapietreue
    Aids Impfung gibt Rätsel auf
    UNAIDS meldet Durchbruch bei AIDS/HIV-Impfstoff
    Neue HIV-Medikamente rennen die Türe ein
    Einmal tägliche Dosierung von Lopinavir/Ritonavir zugelassen
    HIV-Schutz aus Pflanzen
    HIV-Test als Standard in der Schwangerschaftsvorsorge
    Backup Integrase Hemmer: Neues Prinzip in der Medikamentenentwicklung
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Vorbemerkung

    Die HIV AIDS Infos sind eine Zusammenstellung aus Internetquellen, Mail- und Newsgroups und erstreckt sich jeweils über einen Zeitraum von ca. drei bis vier Monaten. Die einzelnen Artikel sind mit einem Link auf die Orginalartikel versehen und chronologisch geordnet.
    Es wird auf diese Weise schnell über neue Entwicklungen und Änderungen in den Bereichen Epidemiologie, medizinischer Behandlung, ambulanter Pflege und psychosozialer Beratung bei HIV-Infektion und AIDS-Erkrankung informiert. Die HIV AIDS Infos erscheinen in regelmäßigen Abständen und informieren interdisziplinär über Änderungen und Neuerungen auf dem Gebiet von HIV und AIDS.
     
     
     

    Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Leitlinien aktualisiert

    Die Therapieleitlinien der European Aids Clinical Society (EACS) sind aktualisiert worden.

    Köln - Die wesentlichen Neuerungen der HIV-Therapieleitlinien sind bei der Europäischen Aids-Konferenz in Köln vorgestellt worden. Wie Professor Nathan Clumeck aus Brüssel berichtet hat, wird auch in den aktualisierten Leitlinien die Bedeutung eines rechtzeitigen Therapiebeginns betont. Dieser richtet sich in erster Linie nach der CD4-Zellzahl, aber auch nach Komorbiditäten.

    Wie schon in der letztjährigen Aktualisierung wird auch jetzt bei allen Patienten mit einer CD4-Zahl unter 350 pro Mikroliter Blut der Beginn einer antiretroviralen Therapie empfohlen. Zwischen 350 bis 500 CD4-Zellen pro Mikroliter werde nun aber noch stärker als bisher die Bedeutung von Komorbiditäten wie Hepatitis B und Hepatitis C sowie einer HIV-assoziierten Nephropathie als Argumente für den Therapiebeginn betont. Allerdings würden derzeit in Europa nur etwa 25 Prozent der HIV-Infizierten, die die Therapiekriterien erfüllten, antiretroviral behandelt, bemängelte Clumeck. Insgesamt werde in der Aktualisierung der Prävention und Therapie von Komorbiditäten bei HIV-Infizierten noch mehr Platz eingeräumt als bisher, ergänzte Professor Jürgen Rockstroh aus Bonn.

    Weitere Informationen:
    EACS European Aids Clinical Society: European Guidelines for treatment of HIV infected adults in Europe
    aidsmap 16.11.2009: New EACS guidelines address co-morbidities and diseases of age

    Ärzte-Zeitung vom 23. November 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Hepatitis C: ist Blut-Kontakt das Problem?

    Ist Blut-Kontakt der entscheidende Faktor für eine Übertragung von Hepatitis C auch im sexuellen Kontext? Studienergebnisse an HIV- und HCV-infizierten schwulen Männern deuten erneut darauf hin.

    Paris, Amsterdam, Schweiz, London, Brighton, Deutschland – auf internationalen Aids-Konferenzen werden seit einiger Zeit immer wieder alarmierende Berichte über Hepatitis C vorgestellt – insbesondere über “Ausbrüche” von Hepatitis C unter schwulen Männern. In San Francisco wurde jüngst angesichts hoher Infektionszahlen von der Stadtverwaltung sogar eine ‘Special Task Force Hepatitis C’ gegründet.

    Bemerkenswerterweise fanden die meisten der Hepatitis-C-Infektionen dieser “Ausbrüche” unter HIV-infizierten schwulen Männern statt. Aber warum infizieren sich insbesondere schwule HIV-positive Männer mit Hepatitis C? Bald schon gerieten verschiedene Sex-Praktiken in Verdacht, ebenso wie eine Beteiligung sexuell übertragbarer Erkrankungen.

    Mit der Frage des ‘warum’, der Risikofaktoren für eine Hepatitis-C-Übertragung bei schwulen HIV-positiven Männern beschäftigten sich Forscher aus Berlin und Bonn im Rahmen einer ‘Case Control’ – Studie. Die Ergebnisse wurden auf dem 12. Europäischen Aids-Kongress in Köln in einem prämierten Poster vorgestellt.

    Die Forscher um Axel J. Schmidt untersuchten zwischen 2006 und 2008 im Rahmen der Studie 34 HIV-Infizierte mit gleichzeitiger Hepatitis-C – Infektion (die im Rahmen einer an der Uniklinik Bonn laufenden Studie zur Behandlung der akuten Hepatitis C behandelt wurden)  sowie 67 Kontroll-Fälle (HIV-positive schwule Männer ohne Hepatitis-C-Infektion).

    Drei Faktoren erwiesen sich dabei unabhängig von einander und signifikant als Risiko-Faktoren für eine Infektion mit Hepatitis C:
     

    • häufige anale Traumata (Verletzungen, Wunden) mit nachfolgendem Bluten beim Sex,
    • häufiges Fisten, sowie
    • eine Kombination von nasalem Drogengebrauch (z.B. Kokain, Amphetamine, Ketamin) und dem Praktizieren von Gruppen-Sex.


    Einige Fälle (3 = 6%) wiesen allerdings keinen der drei genannten Risikofaktoren auf. Bei den untersuchten Fällen war der Risikofaktor “rektales Bluten” stark assoziiert mit früheren rektalen Operationen. Ungeschützter analer Sex hingegen war für sich allein betrachtet kein Risikofaktor für Hepatitis C.

    Schmidt betonte in dem Poster, es gebe zunehmende Evidenz dafür, dass die Übertragung von HCV (Hepatitis-C-Virus) stattfinde zwischen HIV-positiven schwulen Männern in Kontexten einer erhöhten HCV-Prävalenz (Gruppen-Sex, insbesondere wenn mit ‘Serosorting’), und wenn die Integrität der Schleimhaut verletzt sei – sei es durch ausdauernden Sex (wie bei Benutzung von PDE5-Hemmern wie Viagra®) oder bei ‘harten’ anogenitalen Praktiken, oder bei entzündlichen sexuell übertragbaren Erkrankungen, und besonders bei Fisten und sexuell verursachten analen Blutungen.

    Schmidt wies besonders auf die Frage des Schutz-Verhaltens hin: die Übertragung von HCV könne eventuell einer anderen Rationale folgen als bisherige sexuell übertragbare Erkrankungen. Bisher werde davon ausgegangen, dass der Überträger einer Infektion selbst infiziert sein müsse. Bei HCV jedoch könne womöglich der Fall sein, dass der insertive (’aktive’) Partner nicht notwendigerweise mit HCV infiziert sein müsse, um HCV zu übertragen:

    Ähnlich wie beim Handschuh (mit dem der ‘aktive’ Fister sich schütze, aber HCV mit dem Handschuh von einem ‘Passiven’ direkt auf einen weiteren Passiven übertragen könne) oder beim gerollten Geldschein (bei dem, wenn gemeinsam benutzt, Blutpartikel von einem User zum nächsten gelangen könnten) könnte auch bei Kondombenutzung der aktive Sexpartner zwar sich selbst schützen,  aber im Kontext von Gruppensex auch bei Kondom-Benutzung HCV von einer auf eine weitere Person übertragen.

    Dies würde bedeuten, dass Begriffe wie “safer Sex” oder “Risikoverhalten” wenig weiterführend sind im Kontext einer Hepatitis-C-Übertragung, wenn nicht zusätzlich auf wesentliche Details eingegangen wird.

    Schmidt forderte insbesondere vermehrte Prävention zu sexuellen Übertragungswegen von Hepatitis C, die über die Betonung der Bedeutung von Kondom-Benutzung hinaus reichen sollten. Insbesondere sollten die Risiken der Verwendung von Kondomen, Handschuhen oder auch Geldschein-Rollen bei mehreren Partnern gerade bei Risiken rektaler Blutungen klarer kommuniziert werden.

    Betreiber von Orten sexueller Begegnungen sollten darauf achten, Verunreinigungen durch Blut zu vermeiden (z.B. durch die Bereitstellung von Gleitmittel-Spendern statt -Töpfen). Auch die Bereitstellung von nicht verletzungsträchtigen Schläuchen zum nasalen Drogenkonsum (’safer use’) könnte HCV-Infektionsrisiken reduzieren.
    Schwule Männer mit rektalen Operationen (z.B. aufgrund Analfissuren oder Entfernung analer Feigwarzen) sollten sich bewusst sein, dass eine zu schnelle Wiederaufnahme von Analverkehr das Risiko rektaler Blutungen (und damit potentieller HCV-Übertragungsrisiken) erhöht.

    Weitere Informationen:
    Axel J. Schmidt et al.: “The Trouble with Bleeding. Why do HIV-positive Gay Men Get Hepatitis C?” 12. Europäischer Aids-Kongress Köln 2009: Poster BPD 1/7
    aidsmap 12.11.2009: Blood rather than semen mode of HCV transmission in HIV-positive gay men

    ondamaris vom 20. November 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Ursachen für erfolgreiche Anpassung von HIV-1 an Menschen

    In ihrer aktuellen Veröffentlichung zeigt ein internationales Team von Wissenschaftlern, warum sich ein bestimmter HIV-1 Stamm bei der Übertragung von Affen auf den Menschen durchsetzen konnte und sich zur AIDS-Pandemie ausbreitete. Diese erfolgreiche Anpassung und hohe Infektiösität des sogenannten HIV-1 M-Stammes beruht unter anderem auf der Funktion des Virusproteins Vpu. In der renommierten Fachzeitschrift Cell Host & Microbe erschien jetzt die Studie, an der Michael Schindler vom Hamburger Heinrich-Pette-Institut sowie Forscherinnen und Forscher um Frank Kirchhoff (Universität Ulm) beteiligt waren (Sauter, Schindler, Specht et al. (2009), doi.10.1016/j.chom.2009.10.004).

    Die HIV-1 Infektion des Menschen gehört zu den mehr als 200 bisher bekannten Zoonosen, bei denen ein Erreger erfolgreich aus dem Tierreich auf den Menschen übertreten konnte. Übertritte von potentiellen Erregern auf den Menschen erfolgen ständig, sind aber meist ohne Folgen, da das menschliche Immunsystem Schutzmechanismen entwickelt hat. Diese Wirtsbarrieren müssen die Erreger durch Mutationen und andere Anpassungsvorgänge überwinden. Der AIDS-Erreger HIV-1 musste sich unter anderem an bestimmte Proteine anpassen, die die Freisetzung neu gebildeter Viren verhindern. "Wir wissen, dass vor allem das zelluläre Protein Tetherin eine wichtige Barriere beim Übertritt von HIV-1 auf den Menschen darstellte. Tetherin verhindert die Freisetzung neu gebildeter Viren aus infizierten Zellen, in dem es die Virusnachkommen an die Zellmembran "klebt" und so deren Abknospung unterdrückt. Eine zweite Barriere ist der CD4-Rezeptor, der sich auch auf der Oberfläche infizierter Zellen befindet. Wird CD4 während der HI-Virusvermehrung nicht erfolgreich abgebaut, sinkt auch hierdurch die Infektiösität der Viren dramatisch", erklärt Schindler. Um gegen diese Barrieren anzugehen, besitzen HI-Viren und die nahe verwandten SI-Viren der Affen zwei Virusproteine mit überlappender Funktion. Sie heißen Vpu und Nef. Bei SIV Infektionen von Schimpansen schaltet das virale Nef-Protein die "Tetherin-Barriere" aus. Doch welches virale Protein übernahm diese Rolle bei HIV-1 und ermöglichte so eine erfolgreiche Übertragung auf Menschen?

    "Virales Nef kann Tetherin auf menschlichen Zellen nicht ausschalten, stattdessen hat das Vpu-Protein diese Rolle beim HIV-1 M-Stamm sehr effizient übernommen. Zusätzlich baut dieses Vpu den CD4 Rezeptor erfolgreich ab und überwindet so eine zweite Barriere", fasst Michael Schindler zusammen. Im Gegensatz dazu sind die Vpu-Proteine der anderen HIV-1 Stämme entweder schwache Tetherin-Gegenspieler oder nicht dazu in der Lage, den CD4 Rezeptor auszuschalten. Dies könnte erklären, warum sich nur der HIV-1 M-Stamm weltweit verbreitet hat und für die AIDS-Pandemie verantwortlich ist.

    Publikation:
    Daniel Sauter, Michael Schindler, Anke Specht et al., Tetherin-driven adaptation of Vpu and Nef function and the evolution of pandemic and nonpandemic HIV-1 strains. Cell Host & Microbe (2009), doi:10.101016/j.chom.2009.10.004

    Heinrich-Pette-Institut an der Universität Hamburg (HPI) – Pressemeldung vom 19. November 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Management von Patienten mit HIV-Infektion – Zeit zum Umdenken?

    12. European AIDS Conference

    HIV-Infizierte haben heute dank optimierter Therapieregime eine sehr gute Lebenserwartung. Die Infektion scheint aber auch mit einem vorzeitigen Alterungsprozess assoziiert zu sein. Die dadurch bedingten zahlreichen Komorbiditäten erfordern einen multidisziplinären Therapieansatz – ähnlich einer Diabetestherapie. Dies betonten die Experten auf einem Satelliten-Symposium im Rahmen der 12. European AIDS Conference (EACS) in Köln, das unter dem Vorsitz von Professor Dr. Jürgen Rockstroh, Bonn, stattfand.

    War zu Beginn der ART-Ära nur eine kurzfristige Verlängerung des Überlebens der Betroffenen zu erreichen, vermag die hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) die Vermehrung des HI-Virus heute langfristig zu unterdrücken. Die Lebenserwartung HIV-Infizierter entspricht bei einem Menschen, der sich heute infiziert, bei Leitlinien-gerechter Therapie im Grunde fast der eines HIV-negativen Menschen. Das Alter der Betroffenen wird daher weiter ansteigen, betonte Rockstroh: So wird im Jahre 2015 die Hälfte aller HIV-Infizierten in den USA älter als fünfzig Jahre alt sein. (1)

    Altern HIV-Patienten schneller?

    Doch trotz aller therapeutischen Fortschritte liegt die Lebenserwartung vieler HIV-Infizierter – vor allem abhängig davon, wann die HAART begonnen wurde – immer noch unter der nicht-infizierter Personen. (2) Dr. Peter Reiss, Amsterdam, Niederlande, präsentierte Daten, die zeigen, dass HIV-Infizierte ein doppelt so hohes Herzinfarkt-Risiko (3), eine höhere Osteoporose-bedingte Frakturrate (4) sowie vermehrt neurokognitive Störungen aufweisen. Darüber hinaus treten Symptome der Gebrechlichkeit im Alter (z. B. geringere physische Aktivität, nachlassende Griffstärke, unbeabsichtigter Gewichtsverlust) bei HIV-Infizierten früher auf als bei Nicht-Infizierten: 55-jährige Männer, die seit etwa vier Jahren HIV-infiziert sind, entsprechen in Bezug auf ihre altersbedingte Gebrechlichkeit Männern im Alter von 65 Jahren, die nicht mit HIV infiziert sind. (5) Als mögliche Gründe für diese vorzeitige Alterung nannte Reiss virale Faktoren, anhaltende Immundefizienz und Aktivierung des Immunsystems, eine chronische systemische Entzündung sowie therapiebedingte Faktoren. Der therapeutische Ansatz bei einer HIV-Behandlung muss also künftig weit über die reine Virusunterdrückung hinausgehen, so Reiss.

    Multidisziplinäres Management von Diabetes – ein Modell für HIV?

    Professor Dr. Bernhard Ludvik, Wien/Österreich, verglich dementsprechend eine HIV-Infektion mit einem Diabetes mellitus, einer ebenfalls komplexen Erkrankung, die durch Störungen des Kohlenhydrat-, Fett- und Proteinstoffwechsels gekennzeichnet ist, und ebenfalls ein komplexes Management erfordert.

    Auch Dr. Martin Fisher, Brighton / Großbritannien, ging auf die Gemeinsamkeiten zwischen HIV-Infektion und Diabetes ein: So ist bei beiden Erkrankungen eine Langzeittherapie mit zum Teil komplizierten Behandlungsregimen nötig, um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Darüber hinaus treten bei beiden Erkrankungen zahlreiche Komorbiditäten auf. Fisher betonte aber auch die Unterschiede zwischen HIV und Diabetes: So sind die Behandlungsziele bei einer HIV-Infektion weniger flexibel und die Nebenwirkungen einzelner Substanzen können eine erhebliche Adhärenzbarriere darstellen. Bei der Behandlung der Komorbiditäten einer HIV-Infektion ist außerdem besonders auf die umfangreichen Interaktionen mit der antiretroviralen Therapie zu achten. Reiss und Ludvik warfen deshalb die Frage auf, inwieweit HIV-Spezialisten bereit sind, die Begleiterkrankungen ihrer HIV-Patienten allein zu behandeln oder ob – in Anbetracht der Komplexität der Erkrankung – interdisziplinären Ansätzen der Vorzug zu geben ist.

    Einfache und verträgliche Behandlungsregime gefordert

    Beim anschließenden Pressegespräch fasste Dr. Birger Kuhlmann, Hannover, die Ergebnisse zusammen und machte noch einmal deutlich, wie wichtig es ist, die Viruslast dauerhaft unter der Nachweisgrenze zu halten. „Dazu ist ein hohes Maß an Therapietreue vom Patienten erforderlich. Einfache Therapieregime und die Auswahl von Substanzen mit günstigem Nebenwirkungsprofil können hier zu einer wesentlichen Verbesserung beitragen“, so Kuhlmann. Eine besondere Erleichterung der Therapie stellt seit zwei Jahren eine fixe Dreifachkombination dar, die mit Tenofovirdisoproxilfumarat, Emtricitabin und Efavirenz (Atripla®) ein vollständiges HAART-Regime enthält und von der nur eine einzige Tablette pro Tag eingenommen werden muss.

    Quellen:
    Internationales Satelliten-Symposium „Evolving HIV patient care – Is I Time to Think Differently?“ im Rahmen der 12th European AIDS Conference (EACS), Köln, 13. November 2009. Veranstalter: Bristol-Myers Squibb und Gilead Sciences
    Pressegespräch „Herausforderungen in der HIV-Therapie – Zeit zum Umdenken?“, Köln,
    13. November 2009. Veranstalter: Bristol-Myers Squibb und Gilead Sciences
    1) Centers for Disease Control and Prevention. Cases of HIV and AIDS in the United States and Dependent Areas. Available at: HIV/AIDS Surveillance Report 2005.
    2) ART-Cohort Collaboration; Lancet 2008
    3) Triant VA et al. J Clin Endocrinol Metab 2007;92:2506–2512
    4) Triant VA et al. J Clin Endocrinol Metab 2008;93:3499–3504
    5) Desquilbet L et al. J Gerontol 2007;62A:1279–128
    6) Lundgren J et al. CROI 2009, #43LB

    Journalmed vom 18. November 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV Infektion des Partners

    RECHTSREPORT - Urteil des Europäischen Gerichtshofs

    Bis zum Jahr 1999 gab es in Deutschland noch keine gefestigte innerstaatliche Rechtsprechung zu der Frage, ob ein Hausarzt verpflichtet ist, den Partner eines Patienten auch gegen dessen ausdrücklichen Willen über eine HIV-Infektion aufzuklären. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat deshalb die Klage einer infizierten Frau abgelehnt und darauf verwiesen, die deutschen Gerichte hätten das Recht der Beschwerdeführerin auf Leben und körperliche Unversehrtheit hinreichend berücksichtigt.

    Im entschiedenen Fall stellte der Lebenspartner der Klägerin Ende 1992 fest, dass er an Lymphknotenkrebs und Aids erkrankt war. Die letzte Erkrankung verschwieg er seiner Partnerin. Dem gemeinsamen Hausarzt untersagte er, sie zu informieren.

    Der Mann starb Ende 1994. Im März 1995 teilte der Hausarzt der Klägerin mit, dass ihr Partner an Aids verstorben sei. Auch sie war daran mittlerweile erkrankt und wurde behandelt. Sie litt nicht an einer „Full-blown“ Erkrankung.

    Ihre Klage gegen den Hausarzt wurde in erster und zweiter Instanz abgewiesen. Das Oberlandesgericht Frankfurt/Main entschied, dass der Hausarzt zwar seine Sorgfaltspflicht ihr gegenüber verkannt und seine Schweigepflicht gegenüber ihrem Lebenspartner überschätzt habe. Denn nach § 34 Strafgesetzbuch müsse das ärztliche Schweigegebot zum Schutz eines höherwertigen Rechtsguts eingeschränkt oder sogar durchbrochen werden.

    Allerdings habe der Arzt sich nicht über medizinische Standards hinweggesetzt, sondern verschiedene Interessen lediglich falsch bewertet. Folglich liege kein grober Behandlungsfehler vor, der eine Beweislastumkehr zur Folge gehabt hätte. Den Nachweis, dass sie sich nach dem Zeitpunkt mit dem HI-Virus infiziert hatte, an dem der Hausarzt von der Erkrankung ihres Partners erfuhr, konnte die Klägerin nicht erbringen.

    Der Europäische Gerichtshof kam deshalb zu seinem ablehnenden Ergebnis. Die deutsche Rechtsprechung sehe genug Rechtsmittel vor, die den Anforderungen nach Artikel 2 der Konvention (Recht jedes Menschen auf Schutz seines Lebens) genügten. Einer durch die Verletzung der ärztlichen Sorgfaltspflicht geschädigten Partei würden straf- und zivilrechtliche Schadensersatzverfahren ermöglicht. (Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 5. März 2009, Invidiualbeschwerde Nummer 77144/01 und 35493/05) RAin Barbara Berner.

    Deutsches Ärzteblatt vom 17. November 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Vakzine ist möglich

    Nobelpreisträgerin: Françoise Barré-Sinoussi: Impfstudie ist kein Fehlschlag.

    Köln – Die Prävention der HIV-Infektionen gehört zu den unbewältigten Hauptaufgaben im Kampf gegen Aids. Die Entwicklung einer erfolgreichen Impfung ist dabei nur ein Teilaspekt. Ebenso wichtig erscheinen Maßnahmen, die das rechtzeitige Erkennen von Infizierten ermöglichen.

    Große Erfolge konnten in der Entwicklung einer effektiven antiretroviralen Kombinationstherapie erzielt werden, erinnerte die Medizin-Nobelpreisträgerin Professor Françoise Barré-Sinoussi vom Pariser Pasteur-Institut bei der 12. Europäischen Aids-Konferenz in Köln. So erhielten heute weltweit etwa drei Millionen Menschen mit einer HIV-Infektion eine antiretrovirale Therapie. Allerdings kommen immer noch auf zwei neu initiierte Therapien fünf neue Infektionen.

    Als ein wichtiger Weg zur Eindämmung der Aids-Pandemie wurde von Anfang an die Entwicklung einer Impfung angesehen. Die erst vor kurzem publizierte Thailand-Studie ist nach Einschätzung der französischen Virologin ein wichtiger Schritt vorwärts, und nicht - wie zum Teil interpretiert werde - ein Fehlschlag. Zwar wurde mit der in dieser Studie geprüften Impfstrategie, bestehend aus insgesamt sechs Impfungen mit zwei unterschiedlichen Impfstoffen, nur eine 31-prozentige Protektion vor der Neuansteckung mit HIV erreicht. Doch zum ersten Mal konnte tatsächlich eine - wenn auch moderate - Effektivität einer HIV-Vakzine nachgewiesen werden. Und selbst dieser geringe Impferfolg mache deutlich, dass die Entwicklung einer sicheren, effektiven und präventiven HIV-Vakzine möglich ist, betonte Barré-Sinoussi.

    Derzeit sei aber deutlich, dass die Präventivstrategien der Zukunft einen kombinierten Ansatz notwendig machten. Ebenso wichtig wie Grundlagenforschung und klinische Studien sind nach Angaben von Barré-Sinoussi auch Maßnahmen wie die Entstigmatisierung der HIV-Infizierten und der Kampf gegen die Diskriminierung der Betroffenen.
    Denn solche sozialen Faktoren verhinderten häufig eine rechtzeitige Diagnose der HIV-Infektion und begünstigten damit gleichzeitig die weitere Verbreitung der Infektion. Im Unterschied zur Impfung seien die dafür notwendigen Maßnahmen bereits heute schon möglich, betonte die Pariser Virologin.

    Ärzte Zeitung vom 14. November 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Raltegravir im Vergleich mit Efavirenz

    Raltegravir im Vergleich mit Efavirenz als Kombinationstherapie bei therapienaiven HIV-1-Patienten über 96 Wochen.

    Der Integrasehemmer Raltegravir wurde in einer 96-wöchigen Phase-III-Studie mit der Bezeichnung STARTMRK*, die an unbehandelten (therapienaiven) HIV-1-infizierten Patienten durchgeführt wurde, im Hinblick auf die dauerhafte Unterdrückung der Viruslast unter die Nachweisgrenze (weniger als 50 Kopien/ml) und den Anstieg der CD4-Zellzahlen mit Efavirenz verglichen. In der STARTMRK-Studie erhielten die Patienten entweder Raltegravir oder Efavirenz in Kombinationstherapie. Die Daten wurden auf der 49th Interscience Conference on Antimicrobial Agents and Chemotherapy (ICAAC) in San Francisco, Kalifornien, USA, vorgestellt.

    Raltegravir, der erste und einzige zugelassene Integrasehemmer, ist derzeit in mehr als 80 Ländern auf sechs Kontinenten zugelassen. Isentress® ist in Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln zur Behandlung einer Infektion mit dem Humanen Immundefizienzvirus (HIV-1) bei erwachsenen Patienten mit nachgewiesener HIV-1-Replikation trotz antiretroviraler Therapie angezeigt. MSD bereitet derzeit Zulassungsanträge in weiteren Ländern auf der ganzen Welt für diese Anwendung von Raltegravir vor.

    In Märkten außerhalb der USA und der EU ist der Einsatz von Raltegravir bei therapienaiven Patienten noch in der Prüfung und derzeit für diese Patientengruppe nicht zugelassen.

    In Europa und in den USA erhielt MSD kürzlich die erweiterte Zulassung, Raltegravir in Kombination mit anderen antiretroviralen (ARV) Medikamenten zur Behandlung von HIV-1-Infektionen auf erwachsene Patienten auszudehnen. Das bedeutet, dass sowohl therapienaive als auch therapieerfahrene Patienten Raltegravir verordnet bekommen können.
    "Die Ergebnisse der 96-Wochen-Analyse der STARTMRK-Studie zeigten, dass Raltegravir in Kombinationstherapie bei der Unterdrückung der HIV-Viruslast und der Verbesserung der Immunfunktion vergleichbar wirksam wie Efavirenz war", so Dr. Thomas Lang, medizinischer Direktor von MSD Deutschland. "Diese Ergebnisse bestätigen erneut die Erkenntnisse der 48-Wochen-Analyse dieser laufenden Studie."

    Raltegravirstudie über 96 Wochen an 563 unbehandelten erwachsenen Patienten

    Bei dieser laufenden multizentrischen, doppelblinden, randomisierten, aktiv-kontrollierten Phase-III-Studie mit dem Namen STARTMRK erhielten 563 therapienaive erwachsene Patienten entweder 400 mg Raltegravir oral zweimal täglich in Kombination mit Tenofovir/Emtricitabin oder 600 mg Efavirenz oral einmal täglich in Kombination mit denselben Wirkstoffen. Die primären Endpunkte waren die Senkung der HIV-1-Viruslast auf weniger als 50 Kopien/ml und eine Beurteilung der Sicherheit und Verträglichkeit nach Woche 48. Zu den sekundären Endpunkten gehörte die antiretrovirale Aktivität, gemessen anhand des Anteils von Patienten, die eine HIV-Viruslast unter 50 Kopien/ml bzw. weniger als 400 Kopien/ml erreichten, die Änderung der CD4-Zellzahl gegenüber dem Ausgangswert nach Woche 96 sowie Sicherheit und Verträglichkeit bis Woche 96.

    Die Patienten, die in die Studie aufgenommen wurden, mussten eine HIV-Viruslast über 5.000 Kopien/ml aufweisen. Zu Beginn dieser Studie lag der geometrische Mittelwert der Viruslast bei Patienten unter dem Raltegravir-Regime bei 103.205 Kopien/ml (n=281) und bei Efavirenz-Regime bei 106.215 Kopien/ml (n=282). Der durchschnittliche Ausgangswert der CD4-Zellzahl betrug in den Gruppen, die Raltegravir bzw. Efavirenz erhielten, 218,9 Zellen/mm³ bzw. 217,4 Zellen/mm³.

    Senkung der Viruslast und Erhöhung der CD4-Zellzahlen über 96 Wochen

    Nach 96 Wochen Behandlung wurden die HIV-RNA-Werte bei der Mehrheit der Patienten durch das raltegravirbasierte Regime auf unter 50 Kopien/ml gesenkt. Die Raten in beiden Regimen waren vergleichbar (81 % gegenüber 79 %). Der Behandlungsunterschied betrug 2 % zugunsten von Raltegravir mit einem 95-%-Konfidenzintervall (KI) von (-4,3, 9,0) Dieser Unterschied war aber nicht signifikant. Die Ergebnisse zeigten außerdem, dass bei Patienten unter dem Regime mit Raltegravir in Kombinationstherapie ein statistisch vergleichbarer, absolut jedoch geringfügig höherer mittlerer Anstieg der CD4-Zellzahl (240 Zellen/mm3) auftrat als unter dem Regime mit Efavirenz (225 Zellen/mm3). Der Behandlungsunterschied war 15 Zellen/mm3, mit einem 95-%-KI von (-13, 42).

    Auswirkungen von Raltegravir auf die Lipidwerte und Verträglichkeitsprofil

    Nach 96 Wochen zeigte sich bei vorher unbehandelten Erwachsenen unter Raltegravir in Kombinationstherapie eine geringere Auswirkung auf die Lipidwerte, darunter Gesamtcholesterin, LDL- und HDL-Cholesterin sowie Triglyceride, als beim Regime mit Efavirenz. Ferner traten bei 47 % der Patienten, die das raltegravirbasierte Regime erhielten, Nebenwirkungen auf, bei denen ein Zusammenhang mit dem Medikament angenommen wurde. Der Vergleichswert beim efavirenzbasierten Regime lag bei 78 %; p-Wert < 0,001. Im Rahmen der Studie wurden für die Regimes mit Raltegravir bzw. Efavirenz am häufigsten die folgenden unerwünschten Ereignisse (UEs) berichtet:

    * STARTMRK = Safety and efficacy of raltegravir-based versus efavirenz-based combination therapy in treat-ment-naive patients with HIV-1 infection: a multicentre, double-blind randomised controlled trial

    Quelle: MSD

    MSD SHARP & DOHME GMBH Pressemeldung vom 13. November 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Hohe HIV Dunkelziffer in Europa

    Jeder zweite Infizierte weiß nichts von seiner Immunschwäche.

    In Europa weiß laut der Einschätzung von Experten jeder zweite HIV-Infizierte nichts von seiner Immunschwäche. In Osteuropa beträgt die Dunkelziffer gar bis zu 70 Prozent - mit der Folge, dass das Virus unbemerkt weitergegeben wird.

    In Westeuropa wüssten geschätzte 30 Prozent der HIV-Infizierten nicht, dass sie angesteckt seien, sagte Jürgen Rockstroh von der Universitätsklinik Bonn am Mittwoch zu Beginn der 12. Europäischen Aids-Konferenz in Köln mit 4000 Experten. Oft werde erst eine Diagnose gestellt, wenn die Immunschwächekrankheit Aids schon ausgebrochen sei.

    Laut Rockstroh gibt es keinen Grund zu Entwarnung oder Sorglosigkeit. «Auch heute stirbt man noch an Aids, auch in Deutschland, vor allem die, die zu spät kommen, die ihre Diagnose erst erhalten, wenn sie schon unter Organausfällen leiden.»

    Fokus auf Osteuropa

    Die Experten beraten vier Tage lang, wie die Sterblichkeit mit neuen Kampagnen, früherer Diagnose und besserem Zugang zu einer Behandlung verringert werden kann. Nur wer von der eigenen Infektion weiß, kann auch andere schützen. Eine deutliche Senkung der Neuinfektions-Zahlen wäre dann möglich.

    Schwierig ist die Lage vor allem in osteuropäischen Ländern. In Russland wird die Zahl der Infizierten auf eine Million geschätzt, sagte Rockstroh. Dort sei ein besserer Zugang zu Therapien bitter nötig. Auch eine Entkriminalisierung und Entstigmatisierung der Betroffenen müsse einsetzen.

    Kein Impfstoff in Sicht

    Medizin-Nobelpreisträgerin Françoise Barré-Sinoussi (F) kritisierte in der «Frankfurter Rundschau» Äußerungen von Papst Benedikt XVI. vom Frühjahr, Kondome seien keine Lösung für das Aidsproblem, als falsch und «fatal». Die Forscherin hatte den Nobelpreis 2008 zusammen mit ihrem Kollegen Luc Montagnier für die Entdeckung des Aidserregers HIV erhalten.

    Bei der Aids-Konferenz geht es auch um die Suche nach einem Impfstoff. Jüngst veröffentlichte Ergebnisse einer Impfstudie von Forschern aus den USA und Thailand seien «ein erstes Signal, aber nicht mehr», meinte Barré-Sinoussi. Es werde noch sehr lange dauern, bis ein Impfstoff zur Verfügung stehe.

    Neue Zürcher Zeitung vom 12. November 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Tabuzonen für das Aids-Virus

    Das Aidsvirus HIV baut sein Erbgut in das Genom der infizierten Zelle ein. Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum zeigen erstmals, dass die Erreger bestimmte Stellen im Erbgut des Menschen dabei fast gänzlich aussparen. Diese Entdeckung kann die Entwicklung neuer, spezifischer Aidsmedikamente fördern.
    Bisher war die Forschung davon ausgegangen, dass HIV sowie auch die HIV-Gentransporter besonders solche Stellen bevorzugen, an denen das Ablesen der Gene startet. Hier finden sich im Überfluss alle Enzyme, die die Viren benötigen. Die Datenbank-Analysen erbrachten aber ein völlig anderes Bild: Zwar integrieren tatsächlich viele HIV in der Nähe der Ablese-Startpunkte. Überprüften die Forscher jedoch die engste, unmittelbare Nachbarschaft der HIV-Einbaustellen, d. h. jeweils nur 1000 DNA-Bausteine "links" und "rechts" davon, so fanden sie dort nahezu keinen Ablese-Startpunkt.

    "Wir haben damit erstmalig und sehr präzise Bereiche im menschlichen Erbgut definiert, in die sich HIV nicht oder nur sehr ungern einnistet", erklärt Giordano. Die Wissenschaftler sind elektrisiert von dem Ergebnis, denn dass HIV diese Stellen meidet, muss einen Grund haben: "Wir vermuten, dass hier ein bestimmter Mechanismus am Werk ist, der dem Virus den Weg versperrt", erklärt Giordano und fügt hinzu: "Umgekehrt kann natürlich auch genau an diesen Stellen ein Faktor fehlen, den HIV zum Einbau benötigt." Die Forscher wissen bereits, dass es sich dabei nicht um eine unspezifische Zugangssperre handeln kann: "Andere Retroviren bauen ihr Erbgut sogar bevorzugt genau an den Ablese-Startpunkten ein", erläutert Laufs. "Daher können wir davon ausgehen, dass der Mechanismus, der den Ablesestart aktiver Gene vor dem Einbau des HIV-Genoms schützt, ganz spezifisch die HIV-Integration verhindert." Dieser Wirkmechanismus könnte zum Beispiel die Arbeit der so genannten Integrase hemmen, die die Virus-DNS ins Erbgut der Zelle einbaut.

    Dieses Enzym steht derzeit im Mittelpunkt der Suche nach einer verbesserten Aidstherapie. Die heute verfügbare hochaktive Behandlung attackiert das Virus von mehreren Seiten gleichzeitig mit verschiedenen Medikamenten: Reverse Transkriptase-Hemmer verhindern, dass das Viruserbgut kopiert wird. Protease-Hemmer unterbinden das Ausreifen neuer Virusproteine. Als Königsweg bei der Bekämpfung der schweren Immunschwäche gilt jedoch, den Einbau des Viruserbguts in die DNS der Zellen zu verhindern. Substanzen, die dies bewirken - so genannte Integrase-Hemmer - werden erst seit wenigen Jahren eingesetzt, jedoch haben sich die Viren teilweise bereits durch Mutationen ihrer Wirkung entzogen. Daher sind Virusforscher dringend auf der Suche nach neuen Ansätzen, um dieses Schlüsselenzym des Erregers auszuschalten. Der Mechanismus, der HIV daran hindert, sich am Ablese-Startpunkt einzunisten, könnte ein molekulares Vorbild bei der Entwicklung solcher Wirkstoffe sein.

    Artikel: Frank A. Giordano, Jens-Uwe Appelt, Manuela Zucknick, Mohammed Abba, W. Jens Zeller, Stefan Fruehauf, Heike Allgayer and Stephanie Laufs: Cold spots in hot spots: transcription start sites of active genes are spared from HIV vector integration. Link: AIDS 2009, DOI: 10.1097/QAD.0b013e3283336432

    Deutsches Krebsforschungszentrum Pressemeldung vom 12. November 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Test bei Gürtelrose oder oraler Pilzinfektionen ratsam

    Tritt bei jüngeren Patienten eine Gürtelrose auf oder häufig orale Pilzinfektionen, sollte ein HIV-Test durchgeführt werden. Dazu rät Professor Jürgen Rockstroh aus Bonn in der "Ärzte Zeitung". Die Erkrankungen stehen meist in Zusammenhang mit einer oft unentdeckten HIV-Infektion. Dies gilt auch für einen Mangel an Blutplättchen (Thrombopenie) ohne erkennbare Ursache, HIV-typische Tumorerkrankungen wie Lymphome und Kaposi-Sarkom oder auffällige gynäkologische Befunde.

    In Deutschland weiß etwa jeder dritte HIV-Infizierte nichts von seiner Erkrankung. Dadurch wird meist die Chance einer frühzeitigen Therapie verpasst, zudem besteht die Gefahr einer unbewussten Verbreitung von HIV. Zum Arzt gehen die Betroffen meist erst, wenn sich Folgeerkrankungen wie etwa eine Gürtelrose oder Pilzinfektionen im Mund bemerkbar machen. Doch auch nicht jeder Hausarzt, der üblicherweise wegen solcher Erkrankungen aufgesucht wird, assoziiert damit eine Infektion mit dem Aids-Erreger. Daher empfiehlt Rockstroh eine grundsätzliche Sexualanamnese, bei der unter anderem nach der Häufigkeit und Variabilität sexueller Aktivität sowie dem Schutz gegen übertragbare Krankheiten gefragt wird. So könnten nicht nur Erkrankungen leichter auf eine bislang unentdeckte HIV-Infektion zurückzuführen sein, sondern die Infektion an sich aufgedeckt und rechtzeitig behandelt werden.

    Yahoo News vom 11. November 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    10 Jahre Spezialsprechstunde HIV und Schwangerschaft am HIVCENTER

    Klinikum der JW Goethe Universität beherbergt führendes Zentrum für HIV-positive Schwangere in Deutschland.

    Im Januar 1999 wurde am HIVCENTER Frankfurt im Klinikum der JW Goethe-Universität die deutschlandweit erste Spezialsprechstunde für HIV-positive Schwangere ins Leben gerufen. Ziel der Sprechstunde ist es, den besonderen Bedürfnissen der betroffenen Frauen so optimal wie möglich gerecht zu werden. Dabei geht es aus der Sicht des HIV-Behandlers vor allem um die gekonnte Gradwanderung in der medikamentösen Therapie der Infektion: mütterliche und kindliche Interessen müssen während der Schwangerschaft gleichermaßen berücksichtigt werden. Durch den Einsatz von HIV-Medikamenten gelingt es, die Virusmenge von HIV im mütterlichen Blut zu senken und damit das Übertragungsrisiko für das Kind zu reduzieren. Nebenwirkungen für Mutter und Kind sollen dabei möglichst vermieden werden. Das HIVCENTER hat durch die in der Spezialsprechstunde HIV und Schwangerschaft gewonnen Erkenntnisse in den letzten zehn Jahren kontinuierlich dazu beigetragen, die HIV-Therapie von Schwangeren zu verbessern.

    Von Anfang an hat das HIVCENTER im Rahmen seiner Spezialsprechstunde "HIV und Schwangerschaft" eng mit der Frauen- und Kinderklinik zusammengearbeitet. Eine erfolgreiche Kooperation mit niedergelassenen HIV-Schwerpunktpraxen im Rhein-Main-Gebiet ist in den letzten Jahren dazugekommen. Aus der Spezialsprechstunde am HIVCENTER ist die europaweit einzige interdisziplinäre Fachtagung "HIV und Schwangerschaft" hervorgegangen, die einmal im Jahr deutsche und internationale Experten zusammenbringt. Im Januar 2010 feiert auch diese Veranstaltung ihr 10-jähriges Jubiläum. Durch die Spezialsprechstunde und die nachhaltige Betreuung der Mütter ist das HIVCENTER Frankfurt das führende Zentrum für HIV-positive Frauen in Deutschland geworden. Frauenspezifische Forschung im Bereich HIV ist heute ein bedeutender Schwerpunkt am Frankfurter Universitätsklinikum.

    Über die medizinische Versorgung und wissenschaftliche Arbeit hinaus bietet das HIVCENTER HIV-positiven Frauen im Rahmen einer Veranstaltungsreihe die Möglichkeit, sich zu vernetzen und aktiv gegen Stigmatisierung und Diskriminierung zu arbeiten. Die nächste Frauenveranstaltung findet vom 20.-22 November 2009 statt. In Lindenfels bietet das HIVCENTER ein Wochenendseminar zum Thema "Schön sein - Frauenbilder mit HIV" an.

    Weltweit leben derzeit 33 Millionen Menschen mit HIV/AIDS. Die Hälfte der erwachsenen Betroffenen sind Frauen. Für Deutschland wird für die erwachsene Gesamtbevölkerung eine vergleichsweise geringe HIV-Prävalenz von 0,12 Prozent angenommen. Es leben hier aktuell 64.000 Menschen mit HIV/AIDS, darunter 12.000 Frauen, was einem Anteil von 18 Prozent entspricht. HIV-positive Frauen bringen in Deutschland pro Jahr 200 bis 250 Kinder zur Welt, davon allein 25 bis 40 im Universitätsklinikum Frankfurt. Bei optimalem Management liegt die Mutter-Kind-Übertragung von HIV bei unter zwei Prozent.

    Internet:  www.hivcenter.de

    Klinikum der JW Goethe-Universität Frankfurt am Main – Pressemeldung vom 11. November 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Hepatitis C: Hoffnung auf neue Medikamente

    Eine neue Klasse von Medikamenten zur Behandlung der Hepatitis C zeigt sich in klinischen Studien als potentiell hochwirksam, die Proteasehemmer.

    Proteasehemmer ist die Bezeichnung einer Klasse von Wirkstoffen, die aus der HIV-Behandlung seit vielen Jahren bekannt sind. Doch – auch das Hepatitis-C-Virus (HCV) hat eine Protease, und auch die lässt sich hemmen. Nun zeigen klinische Studien mit zwei experimentellen HCV-Proteasehemmern, dass diese Substanzklasse erfolgversprechend bei der Behandlung der Hepatitis C sein könnte.

    In getrennten klinischen Studien wurden die HCV-Proteasehemmer Telaprevir und Boceprevir auf ihre Wirksamkeit untersucht.

    In einer Studie mit Telaprecir erreichten über 80% der Teilnehmer (nur HCV-Infektion, Genotyp 1) eine “sustained viral response” (SVR, andauernde virologische Antwort). Eine andere Studie fand ähnliche Wirkungs-Raten für Boceprevir. Telaprecir wird entwickelt von Tibotec und Vertex; Boceprevir von Schering Plough. Mit den bisher üblichen Therapien gegen Hepatitis C (pegyliertes Interferon plus Ribavirin) wird üblicherweise eine Rate an SVR von etwa 50% erreicht.

    Als SVR wird bezeichnet eine nicht nachweisbare HCV-Viruslast für einen Zeitraum von sechs Monaten nach Beendigung der Therapie. Umgangssprachlich wird dies gleichgesetzt mit einer “Heilung”. 5% der Teilnehmer der Telaprevir-Studie beendeten die Teilnahme vorzeitig aufgrund schwerer Nebenwirkungen (3% Hautausschläge, 2% Anämie).

    In den USA wird inzwischen in manchen Regionen koordiniert gegen Hepatitis C vorgegangen. Schätzungen zufolge sind etwa 4 Millionen US-Amerikaner HCV-infiziert. In San Francisco, einer von Hepatitis C besonders betroffenen Stadt (geschätzt 12.000 Infektionen) richtete Bürgermeister Gavin Newsom jüngst eine Task Force gegen Hepatitis C ein. Aufgabe der 32köpfigen “San Francisco Hepatitis C Task Force”, an der auch Menschen mit Hepatitis C beteiligt sind, soll es sein, eine Hepatitis-C-Politik zu formulieren und Wege zur Finanzierung von Maßnahmen aufzuzeigen.

    Weitere Informationen:
    aidsmap 04.11.2009: New hepatitis C protease inhibitors achieve 80% ‘cure’ rate in patients with genotype 1 infection
    aids treatment update Juli 2009 “combinations and conundrums: the challenges of hepatitis C treatment” (pdf)
    Project Inform 09.11.2009: San Francisco Mayor Convenes Hepatitis C Task Force

    ondamaris vom 11. November 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Buchtipp: Damit du mich nie vergisst

    Afrikas Kinder und die Memory Books.

    Sterbende Eltern, die für ihre Kinder die Familiengeschichte aufschreiben: Memory Books sind berührende Dokumente dafür, wie Afrikas Eltern Abschied nehmen, wie Aids die Kultur eines Kontinents verändert und welche Bedeutung das Erinnern für seine Zukunft hat.

    Memory Books, Erinnerungsbücher, so heißen kleine, bunte Hefte, vollgeschrieben und -gemalt von Menschen, die oft kaum das Alphabet beherrschen. Eltern, die HIV-positiv sind, formulieren darin Gedanken, Bräuche und Wünsche für ihre Kinder, die bald alleine aufwachsen müssen. In Uganda und anderen Ländern Afrikas, wo immer mehr Kinder auf sich gestellt sein werden, sind solche bewegenden Tagebücher oft das einzige Erbe, das erkrankte Mütter hinterlassen können – wie Harriet, die für ihre sechsjährige Tochter festhält, was sonst bald niemand mehr weiß. Monatelang bereiste die engagierte Filmemacherin und Autorin Christa Graf das Land, besuchte Kranke und Waisenkinder, Ärztinnen, Heiler und Sozialarbeiter. Eindrucksvoll macht ihre Reportage deutlich, welch ungeheure Kraft in den Memory Books steckt.

    Christa Graf , Sabine Eichhorst
    Damit du mich nie vergisst
    Afrikas Kinder und die Memory Books
    Mit 67 farbigen Fotos / Erschienen: Oktober 2007 / 256 Seiten
    Preis: 18 € / ISBN: 9783890293356

    Link: Piper VerlagInhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV: Prävention braucht differenzierte Ansprache

    In jedem dritten Fall einer HIV-Neuinfektion ist ein Migrant betroffen. Darauf muss Prävention reagieren.

    Hamburg - "Fast jede dritte Person, die in Deutschland neu mit HIV diagnostiziert wird, ist Migrant", sagte Dr. Hella von Unger vom Wissenschaftszentrum Berlin auf einem Kongress zur HIV-Prävention in Hamburg. Um die Prävention zu verbessern, plädierte sie für mehr ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter mit Migrationshintergrund sowie für eine enge Vernetzung von Hilfseinrichtungen.

    Unger regte auch an, die HIV-Prävention von Migranten nicht isoliert zu betrachten, sondern in ein breiteres Konzept der Gesundheitsförderung für diese Gruppe einzubetten. Differenzierte Botschaften sind nach Ansicht von Axel Schmidt vom Robert-Koch-Institut (RKI) in der Präventionsarbeit für schwule Männer erforderlich. Trotz eines bundesweit leichten Anstiegs der Neudiagnosen im vergangenen Jahr hält Schmidt Hinweise für eine zunehmende Sorglosigkeit unter schwulen Männern für unbegründet.

    Er verwies auf eine Befragung in dieser Gruppe, in der über Zweidrittel von ihnen innerhalb eines Jahres keine Risikokontakte angegeben hatten. Als Risikokontakt gilt ungeschützter Analverkehr mit unbekannten Partnern. Dr. Ulrich Marcus vom RKI führte die gestiegenen HIV-Fallzahlen auf eine verbesserte Erfassung von Erstdiagnosen und auf den Anstieg sexuell übertragbarer Erkrankungen, die eine HIV-Infektion wahrscheinlicher machen, zurück. Nach Angaben der Hamburger Gesundheitsbehörde empfahl er, das Screening auf HIV/Aids vor allem für schwule und bisexuelle Männer zu intensivieren und es für Prostituierte oder Migranten aus Regionen mit vielen HIV-Infizierten auszubauen.

    Ärzte-Zeitung vom 10. November 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Gentherapie mit HIV

    Behandlung mit inaktiviertem HI-Virus.

    Bei zwei Kindern mit der unbehandelt tödlich verlaufenden Nervenkrankheit ALD konnten die Krankheitssymptome mit einer neuen Therapieform aufgehalten werden. Ärzte im Hôpital Saint Vincent de Paul in Paris reparierten den Gendefekt in den Blutstammzellen der Kinder und setzten dabei als Gentransporter erstmals inaktivierte Viren aus der HIV-Familie ein. Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum und dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg begleiten diese Studie mit innovativen Sicherheitsuntersuchungen. Die Studie ist in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Science veröffentlicht.

    Die seltene, tödliche Nervenkrankheit ALD – Adrenoleukodystrophie – hat vor einigen Jahren durch den dramatischen Film „Lorenzos Öl“ Bekanntheit erlangt. Bei der Erkrankung wird das Myelin, die fettartige „Isoliersubstanz“ im Gehirn, zerstört, was einen schnellen körperlichen und geistigen Verfall bewirkt und schließlich zum Tod führt. Als Ursache gilt die Veränderung im Gen eines Transportproteins in der Zellmembran. Die einzig bisher verfügbare Therapie ist eine Übertragung von Blutstammzellen gesunder Spender. Nicht immer jedoch werden Spender mit den passenden Gewebemerkmalen gefunden, außerdem kommt es oft zu Transplantatabstoßung und anderen Komplikationen.

    Nathalie Cartier und Patrick Aubourg vom Hôpital Saint Vincent de Paul in Paris erprobten nun erstmals eine Gentherapie gegen ALD. Christof von Kalle und Manfred Schmidt aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum und dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg überwachen die Sicherheit der neuen Behandlungsform. Wissenschaftler zahlreicher weiterer Forschungseinrichtungen in Frankreich und den USA waren an dem Projekt beteiligt.

    Die Ärzte entnahmen zwei siebenjährigen Jungen, die beide den für ALD verantwortlichen Gendefekt tragen, Stammzellen des blutbildenden Systems aus dem Knochenmark. Diese Blutstammzellen wurden in der Kulturschale mit dem intakten Gen ausgestattet und den beiden Kindern zurücktransplantiert. Da der Effekt dieser Gentherapie jahrelang anhalten soll, mussten als Gentransporter solche Viren verwendet werden, die ihr Erbgut fest in das Genom der Zelle einbauen. Dafür wurde erstmals eine inaktivierte Form des Aidsvirus HIV eingesetzt, das sehr gut Zellen infiziert, die sich nicht teilen.

    Der Einbau des Viruserbguts in die DNA der Zelle ist ein kritischer Schritt, je nach Position können etwa Krebsgene dauerhaft aktiviert werden. „Bei einer früheren Gentherapie zur Behandlung eines Immundefekts war genau das geschehen“, erklärt Christof von Kalle. „Daher mussten wir bei den beiden ALD-Patienten mit Hilfe neuer technischer Verfahren in regelmäßigen Abständen überprüfen, ob das Virus einen bleibenden Schaden in den Blutstammzellen angerichtet hat, der später zu Komplikationen führen kann.“

    Den beiden behandelten Kindern geht es gut: Einige Monate nach der Zellübertragung stoppte der Myelin-Abbau im Zentralnervensystem, körperliche und geistige Beeinträchtigungen traten bis 14 bzw. 16 Monate nach der Zellübertragung nicht auf, auch gab es kaum unerwünschte Nebenwirkungen.

    „Das ist das erste Mal, dass eine Krankheit des Zentralnervensystems mit einer Gentherapie erfolgreich behandelt wurde. Außerdem wurden erstmalig Viren aus der HIV-Familie in einer klinischen Studie eingesetzt und haben sich vorerst bewährt, soweit wir es heute beurteilen können“, freut sich von Kalle über die Ergebnisse der Studie. „Wir hoffen, dass mit diesen neuartigen Gentransportern noch weitere erbliche Gendefekte behandelt werden können.“

    Deutsches Krebsforschungszentrum - Pressemeldung vom 6. November 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Kurzmeldung: Neues HIV-Unternehmen: ViiV Healthcare

    Unter dem Namen ViiV Healthcare ist jetzt eine neue, auf HIV spezialisierte Pharmafirma gegründet worden. Das Unternehmen wurde von den beiden Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline (GSK) und Pfizer ins Leben gerufen.

    Die neue Firma will es sich zur Aufgabe machen, den zunehmend komplexen Bedürfnissen der Menschen mit HIV/AIDS weltweit gerecht zu werden.

    Pressemeldung unter: APA oder: ondamaris

    http://viivhealthcare.com - Pressmeldung vom 3. November 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    US-Einreiseverbot ab 1. Januar 2010 abgeschafft

    Das US-Einreiseverbot für Menschen mit HIV wird ab 1. Januar 2010 Geschichte sein. US-Präsident Obama verkündete am 30. Oktober 2009 in einer Rede im Weißen Haus, seine Administration werde ein entsprechendes Gesetz am Montag, 2. November 2009 vorlegen.

    Am 30. Oktober um 17:00 Uhr MEZ hielt US-Präsident Barack Obama im Weißen Haus eine kurze Rede anlässlich der Unterzeichnung der 4. Verlängerung des Ryan White Care Act. Obama unterzeichnete das Gesetz in Anwesenheit der Mutter von Ryan White. In seiner Rede kündigte Obama die endgültige Aufhebung des US-Einreiseverbots per 1. Januar 2010 an.

    Obama betonte in seiner Rede, er wolle Stigma und Diskriminierung von Menschen mit HIV beenden oder weitest möglich reduzieren. Besucher der USA als Bedrohung zu behandeln, wie es das HIV-Einreiseverbot mache, dies sei nichts anderes als eine Stigmatisierung. Nur ein Dutzend Staaten weltweit hätten derartige Regelungen. Wenn die USA aber auch im Kampf gegen Aids global führend sein wollten, müssten sie sich hier anders verhalten
     

      “The United States is one of a dozen countries that bar people with HIV from entering the country. If we want to be the global leader in HIV, we need to act like it.”


    Deswegen werde seine Regierung eine abschließende Regelung finden, um das HIV-Einreiseverbot abzuschaffen. Hierzu werde seine Administration am kommenden Montag 2. November 2009 ein Gesetz vorlegen, das ab 1. Januar 2010 in Kraft treten werde.
     

      “And that’s why, on Monday my administration will publish a final rule that eliminates the travel ban effective just after the New Year.”


    Mit der nun verkündeten Neu-Regelung werden, so das US-Magazin Advocate, alle Einreise- und Aufenthalts-Beschränkungen beendet, die sich auf den HIV-Status einer Person beziehen.

    Obama hielt eine Rede anlässlich der Unterzeichnung des Ryan White HIV/AIDS Treatment Extension Act. Das Ryan White – Programm ermöglicht derzeit für nahezu eine halbe Million HIV-infizierte US-Amerikaner mit sehr niedrigem Einkommen oder keiner Gesundheitsversicherung Pflege, Behandlung und soziale Dienste. Oft ist das Ryan White  – Programm für diese Menschen die einzige Möglichkeit, überhaupt medizinische Versorgung zu erhalten. Mit dem am 30.10.2009 unterzeichneten Gesetz werden die finanziellen Mittel für das seit über 20 Jahren bestehende Programm für die nächsten fünf Jahre jeweils jährlich um fünf Prozent gesteigert.

    Das Programm ist benannt nach Ryan White, bei dem im Alter von 13 Jahren 1985 Aids diagnostiziert wurde. Er litt an Hämophilie, erhielt Bluttransfusionen und infizierte sich vermutlich auf diesem Weg mit HIV.
    Nach bekannt werden seiner Infektion schloss seine Schule Ryan White vom Unterricht aus. Doch Ryan und seine Eltern nahmen dies nicht hin, klagten vor Gericht – und gewannen. Ryan durfte wieder zum Schulunterricht. In den Folgejahren engagierte er sich öffentlich für Menschen mit HIV und wurde zu einem Symbol.
    Ryan White verstarb am 8. April 1990 an den Folgen von Aids. Der jüngst verstorbene Michael Jackson, mit dem Ryan White u.a. befreundet war, widmete ihm den Song “Gone Too Soon“.

    Das US-Einreiseverbot für HIV-Positive wurde im Dezember 1987 auf Betreiben des 2008 verstorbenen früheren US-Senators Jesse Helms (Republikaner) eingeführt (Amendment vom 31. Mai 1987) und 1993 vom US-Kongress in Gesetzesrang erhoben. Mit dieser Regelung war es HIV-infizierten nicht-US-Bürgern bis auf wenige (und nicht gerade an Konsequenzen arme) Ausnahme-Regelungen unmöglich, in die USA zu reisen.

    Bereits im Sommer 2008 hatte noch der damalige US-Präsident George W. Bush ein Gesetzespaket unterzeichnet, in dessen Rahmen auch die Aufhebung des HIV-Einreiseverbots eingeleitet wurde. Initiatoren der Abschaffung waren die US-Senatoren John Kerry (D-MA) und Gordon Smith (D-OR) sowie das Kongress-Mitglied Barbara Lee (D-CA). Bisher allerdings hatte sich die Umsetzung immer wieder verzögert – de facto war eine Einreise mit HIV bisher weiterhin nicht möglich (bzw. riskant).

    UNAIDS begrüßte inzwischen die Ankündigung Obamas als großen Fortschritt für die Bedeutung von Menschenrechten in der Aids-Politik:
     

      “This policy change is a significant step forward by the United States towards promoting human rights in the AIDS response.”


    In dem zwischenzeitlich bekannt gewordenen Entwurf des am Miontag 2.11. zu veröffentlichenden Gesetzes “Medical Examination of Aliens – Removal of Human Immunodeficiency Virus (HIV) infection from Definition of Communicable Disease of Public Health Significance – final rule” der CDC (siehe unten “weitere Informationen”) heißt es:
     

      “Through this final rule, the Centers for Disease Control and Prevention (CDC), within the U.S. Department of Health and Human Services (HHS), is amending its regulations to remove “Human Immunodeficiency Virus (HIV) infection” from the definition of communicable disease of public health significance and remove references to “HIV” from the scope of examinations for aliens.”


    Im Entwurf des Gesetzestextes selbst heißt es
     

      “Therefore, HHS/CDC amends 42 CFR 34 as follows: HIV infection is removed from the definition of a communicable disease of public health significance as defined in 42 CFR 34.2 (b), and references to HIV are removed from the scope of examinations in 42 CFR 34.3. As a result, beginning on the effective date of this rule, HIV infection will no longer be an inadmissible condition, and HIV testing will no longer be required for those aliens who are required to undergo a medical examination for U.S. immigration purposes.”


    Die CDC erläutern zudem, in der zuvor stattgefundenen öffentlichen Anhörung hätten sich nur 3% der Teilneher der Anhörung gegen die geplante Änderung ausgesprochen.

    Mehr unter: ondamaris

    ondamarisvom 30. Oktober 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV/AIDS ist in der Karibik rückläufig

    In der Karibik ist die Zahl der mit HIV/AIDS infizierten Menschen rückläufig. Laut Aussagen der Behörden ist der Rückgang der Neuinfektionen auf die massiven öffentlichen Aufklärungskampagnen zurückzuführen. Dennoch muss mehr für die Prävention der Krankheit getan werden, teilte die "Pan Caribbean Partnership Against HIV/AIDS" mit.

    Die Zahl der mit HIV/AIDS infizierten Menschen in der Karibik ist rückläufig. Allerdings muss mehr für die Prävention der Krankheit getan werden. Wie die “Pan Caribbean Partnership Against HIV/AIDS” (PANCAP) mitteilte, wird auf der neunten ordentlichen Hauptversammlung vom 28.-30. Oktober 2009, die auf der Karibikinsel Grenada stattfindet, dieses Thema ausgiebig behandelt werden.

    Die “PANCAP”, Teil der karibischen Gemeinschaft (CARICOM), teilte am Vorabend der Hauptversammlung in ihrem Hauptsitz in Guyana mit, dass die Karibik-Region 17.000 Neuinfektionen im vergangenen Jahr zu verzeichnen hatte, im Vergleich zu 20.000 Infektionen im Vorjahr.

    Die Organisation teilte weiter mit, dass 11.000 Todesfälle im Jahr 2009 registriert wurden. Im Jahre 2008 wurden noch 14.000 Todesfälle gemeldet. “Diese Zahlen sind immer noch sehr hoch für eine so kleine Region”, teilte “PANCAP” Direktor Carl Browne, im Vergleich zu den Erhebungen in Afrika, mit.

    Neueste Statistiken zeigen, dass 230.000 Menschen in der Karibik und 22 Millionen in Afrika mit HIV und AIDS leben. Die Prävalenz unter Erwachsenen in Afrika, südlich der Sahara, liegt bei fünf Prozent, gegenüber 1.1 Prozent in der Karibik. Laut Aussagen der Behörden ist der Rückgang der Neuinfektionen auf die massiven öffentlichen Aufklärungskampagnen zurückzuführen. Die geringere Zahl der Todesfälle ist das Ergebnis eines besseren Zugangs zu Bildungs- und Pflegeeinrichtungen.

    latina press vom 30. Oktober 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Mehr Menschen haben Zugang zu antiretroviralen Medikamenten

    UN-Organisationen mahnen jedoch, dass die Vorbeugung gegen HIV-Neuinfektionen weiter unzureichend sei. Auch müssten die politischen Führungen vieler afrikanischer Länder „deutlichere“ Worte sprechen.

    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Aids-Programm der Vereinten Nationen (UNAIDS) und das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) haben Ende September ihren dritten Jahresbericht „Auf dem Weg zu universellem Zugang“ vorgelegt. Dieser beschreibt die Fortschritte hinsichtlich des international vereinbarten Zieles des universellen Zugangs zu Prävention, Behandlung und Pflege von HIV/Aids für alle bis zum Jahre 2010 für 158 Länder. Demnach erhalten jetzt weltweit mehr als vier Millionen HIV-infizierte Menschen lebensverlängernde antiretrovirale Medikamente (ARV) – rund ein Drittel mehr als noch vor einem Jahr. Dieser Erfolg ist, wie Stella Anyangwe, die Länderrepräsentantin der WHO in Südafrika, bei der Vorstellung des Berichts erläuterte, vor allem darauf zurückzuführen, dass die ARV-Präparate in 2008 um bis zu 40 Prozent billiger geworden seien.

    Als ermutigend bezeichnete es Anyangwe darüber hinaus, dass vier Fünftel dieses Zuwachses – 800.000 Menschen – im subsaharischen Afrika erreicht wurde. „Hier stieg die Zahl der HIV-Infizierten in ARV-Behandlung von 2,1 Millionen auf 2,9 Millionen.“ Andererseits müsse festgehalten werden, dass es weltweit insgesamt 9,5 Millionen Menschen gebe, die eigentlich Medikamente bräuchten; derzeit befinden sich also nur rund 42 Prozent aller Betroffenen in Behandlung. In Südafrika haben gar nur rund 700.000 Menschen von insgesamt fünf Millionen Infizierten Zugang zu den ARV-Präparaten. „Schwierigkeiten macht außerdem vor allem der Umstand, dass die Menschen erst zum Testen kommen, wenn sie schon sehr krank sind und sich ihr Immunsystem trotz der lebensverlängernden Therapie nicht mehr erholen kann“, erklärte Anyangwe. Auch hätten viele ARV-Medikamente der ersten Generation ernste Nebenwirkungen.

    Prävention ist das schwächste Glied in der Kette

    „Zwar ist der HIV-Test mittlerweile in 94 von 101 Ländern umsonst, und auch die Mutter-Kind-Übertragungen sind von 90 im Jahr 2004 auf 55 Prozent in 2008 zurückgegangen“, resümierte Mark Stirling, der UNAIDS-Regionaldirektor für das östliche und südliche Afrika den Stand der Bemühungen um die Minderung der Zahl der Neuinfektionen. Dennoch: „Allein in 2007 sind 2,7 Millionen Menschen neu mit dem HI-Virus infiziert worden“, hob Stirling hervor, weshalb dringend mehr Mittel in die Prävention fließen müssten.

    Stirling berichtete, dass die Präventionsprogramme mittlerweile wesentlich ausgefeilter seien, als es die ABC-Kampagnen (Abstinenz, Treue zum Partner, Kondomnutzung) der Vergangenheit je gewesen wären. Allerdings vermisse er „deutliche Worte“ der politischen Führung in vielen afrikanischen Ländern. Viel zu oft seien es gerade die verletzlichsten Gruppen, die an technischen, rechtlichen oder soziokulturellen Hürden scheiterten, wenn sie versuchten, Dienstleistungen zur Prävention von HIV/Aids-Infektion in Anspruch zu nehmen. So hätten 2008 zum Beispiel erst 30 aller untersuchten Staaten Programme aufgelegt, um Drogensüchtige mit sterilen Injektionskanülen und -spritzen zu versorgen. Und die laufenden Programme seien unzureichend, wenn man das international anerkannte Ziel von 200 Spritzen pro Süchtigem und Jahr als Bewertungsmaßstab zu Grunde lege.

    Auch der Bericht selbst schließt mit der Bemerkung, dass „Millionen von Neuinfektionen erfolgen und mehr Leben verloren gehen werden, wenn das Tempo, mit dem die Dienstleistungen erweitert und Menschen erreicht werden, nicht erheblich beschleunigt wird. Dann wird die menschliche und wirtschaftliche Belastung der künftigen Generationen noch zunehmen.“

    Der Report mit dem Titel „Towards Universal Access: Scaling Up Priority HIV/AIDS Interventions in the Health Sector“ kann bei UNAIDS im PDF-Format heruntergeladen werden.

    Quelle: Gemeinsame Pressmitteilung von WHO, UNAIDS und UNICEF am 30. September 2009. IRIN PLUSNEWS, 30. September 2009

    Deutsche Stiftung Weltbevölkerung vom 30. Oktober 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Osteuropa: 70 Prozent der HIV-Infizierten ahnungslos

    Brüssel - Während die Zahlen von Neuinfektionen keinesfalls stagnieren oder zurückgehen, wissen 30 Prozent der Menschen, erkrankt durch HIV oder AIDS aus der Europäischen Union nicht einmal, dass sie infiziert sind. Noch schlimmer ist die Lage in Russland, der Republik Moldawien und der Ukraine, wo die Dunkelziffer der ahnungslos Erkrankten gar 70 Prozent ausmachen soll. Diese schockierenden Zahlen veröffentlichte am Montag die Europäische Kommission in Brüssel. Diese Zahlen sind besorgniserregend, warnte EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou und forderte die Unions-Mitgliedsstaaten und ihre Nachbarländer auf, sich mehr als bisher für den Kampf gegen die Immunschwächekrankheit vor allen Dingen bei der Vorsorge zu engagieren. Aus dem EU-Bericht geht hervor, dass die für die HIV-Infektion anfälligsten Gruppen weiterhin Homosexuelle, diverse Migrantengruppen und Drogensüchtige seien, die Spritzen mit anderen gemeinsam benutzen.

    Die am meisten gefährdeten Menschen in Osteuropa sind die Drogensüchtigen. Hier haben die Fälle von HIV-Neuerkrankungen nach Angaben aus Brüssel erheblich zugenommen. Auch unter den sexuell aktiven homosexuellen Männern stieg die Zunahme der Infektionen und machte zuletzt 40 Prozent der Neuerkrankungen in der EU aus. Eine dritte Gruppe an vorderster Front der Infizierten sind Einwanderer aus Afrika und einigen anderen Regionen der Welt. Und genau auf diesen drei Gruppen, will die EU Kommission sich mit einem erweiterten Vorbeuge-Programm konzentrieren.

    "Wir dürfen auf keinen unsere Anstrengungen im Kampf gegen HIV / AIDS vernachlässigen. Wir müssen die Menschen ermutigen, Verantwortung für sich selbst und ihre Partner zu übernehmen. Man muss über sicheres Sexualverhalten sprechen und die Frage nach einem HIV- Test sollte niemanden mehr brüskieren oder gar schockieren" - erklärte die EU-Kommissarin für Gesundheit Andrulla Wasiliu. Wie sich aus den zur Verfügung gestellten Daten von 2001 bis 2007 ergibt, war die Anzahl der Menschen die mit HIV / AIDS in der Europäischen Union und Russland, der Republik Moldau und der Ukraine infiziert sind von 1,5 auf 2,2 Millionen gestiegen. Ein Drittel von ihnen leben in der EU. Die meisten Neuerkrankungen meldeten Russland und die Ukraine. Ein, bzw. 1,6 Prozent der Bevölkerung sind hier bereits mit dem Virus infiziert.

    Polskaweb News vom 27. Oktober 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Strategie zur HIV/Aids-Bekämpfung in der EU

    Strategie zur HIV/Aids-Bekämpfung in der EU und den Nachbarländern für den Zeitraum 2009-2013

    Die Kommission hat heute ihr Engagement im Kampf gegen HIV/Aids in der EU und den Nachbarländern erneuert und eine Strategie für den Zeitraum 2009-2013 angenommen. HIV ist behandelbar, aber ein Heilmittel oder einen Impfstoff gegen Aids gibt es immer noch nicht. Die Zahl der Menschen, die mit HIV/Aids leben, ist in der EU und den Nachbarländern von 1,2 Millionen im Jahr 2001 auf 2,2 Millionen im Jahr 2007 gestiegen. Ungefähr 730 000 von ihnen leben in der EU. Bei 50 000 allein im Jahr 2007 neu diagnostizierten HIV-Fällen in der EU und den Nachbarländern kann keine Atempause im HIV?Kampf eingelegt werden. Die Anzahl von HIV-Fällen und die Übertragungswege sind von Land zu Land verschieden. Die Strategie greift diese Unterschiede auf und legt den Schwerpunkt auf drei Hauptaspekte: HIV-Prävention und HIV-Testung, prioritäre HIV-Hochrisikogruppen und prioritäre Regionen. Begleitet wird die Strategie von einem Aktionsplan, in dem konkrete Maßnahmen, die Zielgruppen sowie Bewertungsinstrumente zur Messung der Fortschritte dargelegt sind.

    Androulla Vassiliou, EU-Gesundheitskommissarin, meinte: „Wir müssen weiterhin politische Impulse zur HIV/Aids-Bekämpfung geben. Wir müssen an die Menschen appellieren, Verantwortung für sich und ihre Partner zu übernehmen, das heißt Gespräche über risikoarmes Verhalten zu führen, Safer Sex zu praktizieren und sich dem HIV-Test zu unterziehen. Gleichzeitig sind jedoch die Achtung der Menschenrechte und die Nichtdiskriminierung von Menschen, die mit HIV/Aids leben, zu gewährleisten. Zur Behandlung von HIV-Infektionen stehen heute therapeutische Möglichkeiten zur Verfügung, die den Ausbruch von Aids viele Jahre hinausschieben können.“

    Ziele

    Die allgemeinen Ziele dieser Strategie sind (i) die Verringerung der HIV-Neuinfektionen in allen europäischen Ländern bis 2013, (ii) die Gewährleistung eines verbesserten Zugangs zu Prävention, Behandlung, Versorgung und Unterstützung sowie (iii) die Verbesserung der Lebensqualität der Menschen, die mit HIV/Aids leben, davon betroffen oder dadurch besonders gefährdet sind, in der Europäischen Union und ihren Nachbarländern.

    Alle Schlüsselakteure, u. a. die nationalen Behörden und NRO, sind aufgefordert,
     

    • die Aufklärung für alle zu verbessern, vor allem für Jugendliche, die bislang nicht durch die erfolgreichen HIV-Informationskampagnen erreicht wurden;
    • Migranten aus HIV-Hochprävalenzländern anzusprechen, um sie über die Vermeidung der Übertragung, HIV-Testung und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren;
    • die Maßnahmen gezielter auf Hochrisikogruppen, die Achtung der Menschenrechte sowie die Bekämpfung von Diskriminierung und Stigmatisierung in Zusammenhang mit HIV/Aids auszurichten.


    Prioritäre Regionen

    Besonders hoch sind die Zahlen der HIV-Infektionen in den Nachbarländern der Europäischen Union. Der Austausch bewährter Verfahren zu Prävention, Testung, Behandlung und Versorgung zwischen den Ländern ist wichtig, vor allem angesichts der knappen finanziellen Mittel. Die Zusammenarbeit und der Transfer von Knowhow von Ärzten, Pflegepersonal und Fachleuten des Gesundheitswesens sowie der Austausch von Qualitätsdaten sollen dazu beitragen, die evidenzbasierte Prävention, Testung und Behandlung sowie die Überwachung in den Nachbarländern zu verbessern. Dank dieser gemeinsamen Anstrengungen, die für gute nachbarschaftliche Kooperation stehen, soll die Zahl der Neuinfektionen gesenkt und die Lebensqualität der Menschen, die mit HIV/Aids leben, erhöht werden.

    Prioritäre Gruppen: Hochrisikogruppen

    Die Kommission weist erneut darauf hin, dass der Epidemie am wirksamsten mit Maßnahmen begegnet werden kann, die auf die Hochrisikogruppen zugeschnitten sind. In Europa sind dies Männer mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten, die nahezu 40 % aller Neuinfektionen in der EU ausmachen, Migranten aus Hochprävalenzgebieten und intravenös injizierende Drogengebraucher, bei denen bis zu 70 % aller Neuinfektionen in den EU-Nachbarländern festgestellt wurden. Zielgruppengerechte Konzepte sind für eine Eindämmung der Epidemie in Europa wesentlich.

    Frühdiagnose und rechtzeitige Behandlung können lebensrettend sein

    Die hohe Zahl von Menschen, die unwissentlich mit dem Virus infiziert sind – etwa 30 % der HIV-Infizierten in der EU und bis zu 70 % derjenigen in einigen europäischen Nachbarländern –, ist besorgniserregend und stellt die politischen Entscheidungsträger vor ein großes Problem. Bei Spätdiagnosen setzt die Behandlung im Allgemeinen spät ein; die Folgen sind verringerte Lebenserwartung, verminderte Lebensqualität und erhöhtes Risiko einer HIV-Übertragung auf die Partner.

    Hintergrund

    Im Kampf gegen Aids engagiert sich die Europäische Kommission auf europäischer Ebene und weltweit. Die erste Strategie zur HIV/Aids-Bekämpfung in der EU und in den Nachbarländern aus dem Jahr 2005 legte den Grundstein für die neue aktualisierte Strategie. Zu ihren wichtigsten Errungenschaften zählen ein entschlosseneres politisches Engagement, eine stärkere Einbindung der Zivilgesellschaft auf europäischer Ebene, die operative Zentralisierung der HIV/Aids Überwachung durch das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), Bemühungen zugunsten erschwinglicher antiretroviraler Arzneimittel, die Finanzierung von Präventionsprojekten und -programmen, Forschungsinvestitionen sowie eine enge partnerschaftliche Zusammenarbeit.

    Mehr zum Thema:
    http://ec.europa.eu/health/ph_threats/com/aids/aids_en.htm
    http://ec.europa.eu/health-eu/health_problems/hiv-aids/index_de.htm

    EUROPA Press Releases vom 27. Oktober 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Spermien scheinen die HIV-Infektion zu erleichtern

    New York - Forscher haben eine überraschende Vermutung: Spermien könnten bei der Übertragung von HIV eine wichtigere Rolle spielen als bisher gedacht. Die Wissenschaftler haben Forscher gezeigt, dass Spermien an ihrer Oberfläche haftende Viren direkt auf Immunzellen übertragen können und tragen damit stärker zur schnellen Verbreitung der Erreger im Körper bei als angenommen.

    Bislang galten die Samenflüssigkeit und infizierte Immunzellen, die mit der Flüssigkeit transportiert werden, als die Hauptüberträger des Virus. Zusätzlich scheint der direkte Kontakt zwischen den Spermien und den Immunzellen die Abwehrreaktion des Körpers zu dämpfen, so dass die Viren weniger effektiv bekämpft werden. Die Samenzellen sind also weitaus mehr als passive Transportmittel für die HI-Viren, schreiben Ana Ceballos von der Universität von Buenos Aires und ihre Kollegen im Fachmagazin "Journal of Experimental Medicine" (doi: 10.1084/jem.20091579).

    Beim Geschlechtsverkehr mit Männern gibt es vor allem drei Infektionsquellen für HIV: die Samenflüssigkeit, die frei schwimmende Viruspartikel enthält, infizierte Immunzellen und die Samenzellen, an deren Oberfläche ebenfalls Viren angeheftet sein können. Während bereits klar ist, dass sowohl die Samenflüssigkeit als auch die Immunzellen wichtige Überträger der Viren sind, war die Rolle der Spermien bisher eher unklar, ebenso wie der Mechanismus, mit dem sich die Viren an die Samenzellen anheften.

    Ceballos und ihr Team entdeckten nun, dass das Virus an einen bestimmten Vielfachzucker auf der Oberfläche der Spermien andockt. Kommt eine derartig beladene Samenzelle dann in Kontakt mit einer so genannten dendritischen Zelle - einer Immunzelle, die eine Art Wächterfunktion für das Immunsystem innehat -, wird das Virus sofort übertragen und infiziert die Immunzelle.

    Diese gibt den Erreger wiederum an die ebenfalls zum Immunsystem gehörenden T-Zellen ab, in denen er sich dann explosionsartig vervielfältigt. Gleichzeitig bringt der Kontakt mit dem Spermium die dendritische Zelle dazu, beruhigende Botenstoffe auszusenden, die eine aggressive Reaktion des Immunsystems verhindern. Diese Zusammenarbeit funktioniert besonders gut bei leicht sauren pH-Werten, wie sie beispielsweise in der Vagina herrschen.

    Beim Geschlechtsakt gibt es immer wieder kleiner Verletzungen der Schleimhäute in Vagina und am After, erläutern die Forscher. Diese Risse dienen den Spermien vermutlich als Pforte in die Blutbahn, wo sie dann mit den dendritischen Zellen in Kontakt kommen. Die Forscher nehmen an, dass auch andere Zellen, die dem HI-Virus als Wirtszelle dienen können, über die Spermien infiziert werden. Vor allem die immununterdrückende Wirkung, die beim Kontakt zwischen Spermium und Immunzelle angestoßen wird, könnte zur schnellen Ausbreitung des Virus im Körper beitragen, spekulieren die Forscher. Um bessere Strategien gegen die Übertragung von HIV zu entwickeln, sollte dieser Aspekt genauer untersucht werden, empfehlen sie.

    RP ONLINE vom 26. Oktober 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aids Kampagne bei Schwulen zeigt Wirkung

    455 Menschen wurden in der Schweiz in den ersten neun Monaten des Jahres positiv auf das HI-Virus getestet.

    Der Rückgang von HIV-Diagnosen bei schwulen und bisexuellen Männern hat sich im dritten Quartal 2009 bestätigt. Wie das Bundesamt für Gesundheit in seinem Bulletin ausweist, ist 2009 mit 250 HIV-Diagnosen weniger in diesem Segment zu rechnen. Der Trend kehrte 2008. Die Trendumkehr erfolgte damit zeitgleich mit dem Abschluss der dritten Phase einer speziellen Präventionskampagne in der Schwulenszene, heißt es in der Mitteilung des BAG. Insgesamt sahen sich in den ersten neun Monaten 455 Personen in der Schweiz mit der Diagnose «HIV-positiv» konfrontiert. 80 Betroffene waren Schweizerinnen und Schweizer. Das entspricht dem Durchschnitt der letzten Jahre.

    Bei Migrantinnen und Migranten aus Afrika südlich der Sahara nahmen die Diagnosen ab. Gemäß BAG dürfte sich dieser Trend fortsetzen. Der Frauenanteil an allen Infizierten stieg auf 30 Prozent. Seit Meldebeginn 1985 zählte das Bundesamt rund 31'400 positive HIV-Tests. Die Prävention darf trotz des Rückgangs nicht nachlassen, schreibt das BAG. Mit dem Aufkommen antiviraler Medikamente wurden die Mittel für die HIV-Prävention Ende der 1990er Jahre markant gekürzt. Das hatte ab 2002 einen markanten und über Jahre anhaltenden Anstieg der HIV-Meldungen zur Folge.

    Basler Zeitung vom 26. Oktober 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV: Elite-Controllers: Die seltenen Glückspilze

    von Pietro Vernazza

    Seit vielen Jahren sehen wir in allen HIV-Kohorten diese so genannten "Long-Term-Non-Progressors", LTNP. HIV-Infizierte, die über viele Jahre keine Progression der Immunschwäche zeigen. Doch nur die wenigsten haben wirklich keine Zeichen der Erkrankung.

    Die sog. LTNP wurden definiert als HIV-positive Personen, deren Immunsystem auch 7 Jahren nach Infektionsbeginn immer noch CD4-Werte von über 600/µl aufwiesen.  Es gab auch weitere Definitionen, z.B. 10 Jahre >600.

    Doch wir haben in den letzten Jahren erkannt, dass auch diese Personen, wenn man bei Ihnen eine aktive Virusvermehrung findet, zwar langsam, aber doch unübersehbar eine Progression aufweisen. Ihre CD4 Zellen sinken und sie können letztendlich auch AIDS entwickeln.

    In dieser Kohorte von über 4500 HIV-positiven Militärangehörigen aus den USA wurde auch eine kleine Zahl von LTNP untersucht und verglichen mit solchen Patienten, bei denen sich selbst nach vielen Jahren im Blut gar kein HIV-Virus nachweisen lässt. Diese sog. "Elite-Controllers" zeichnen sich durch eine gute Immunantwort gegen das Virus aus und haben hohe und stabile CD4-Werte (Helferzellen).

    In dieser Arbeit wurde nun gezeigt, dass diese Elite Controllers zwar selten sind (ca. 0.5% der aller Patienten) doch dass diese eindeutig einen besseren Verlauf haben. Ja man findet bei diesen auserwählten Personen überhaupt keine Zeichen einer Krankheitsprogression, wie sich in der untenstehenden Abbildung schön zeigt.

    Die Arbeit zeigt auch, dass selbst eine ganz geringe Viruskonzentration zu einer langsamen Zerstörung der CD4 Zellen führt. Es ist offensichtlich das aktivierte Immunsystem, welches in diesem Zustand den Schaden am Immunsystem verursacht.

    Solche "Elite-Controllers" gibt es in jeder größeren Klinik. Es wäre interessant zu verstehen, was es braucht, um ein solcher Elite-Controller zu sein. Vielleicht hilft dies einmal in der Entwicklung einer Impfung oder einer Therapie.

    Quelle: Okulicz et al, JID, Okt 2009, ahead of print
    Editorial: Hunt, JID, 2009

    Infektiologie St. Gallen vom 25. Oktober 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Studie wirft neues Licht auf “Schock- und Abtötungsstrategie” gegen HIV-1

    EU-finanzierte Studie wirft neues Licht auf die “Schock- und Abtötungsstrategie” gegen HIV-1

    Forscher in Italien haben neue Erkenntnisse hinsichtlich der sogenannten “Schock- und Abtötungsstrategie” (shock-and-kill’) gewonnen, mit der latente HIV-Gene in menschlichen Zellen “ausgeräuchert” werden. Die Ergebnisse sind ein wichtiger Fortschritt für die Forschung, die sich mit der Auslöschung des HIV-1-Virus beschäftigt.

    Die in der Zeitschrift Retrovirology veröffentlichten Ergebnisse der vorklinischen Studie sind Bestandteil des EPITRON-Projekts (”Epigenetic treatment of neoplastic disease”), das von der EU mit 1,1 Millionen EUR über das Sechste Rahmenprogramm (RP6) im Themenbereich Medizin, Genetik und Biotechnologie für Gesundheit finanziert wird.

    Die Studie wurde in Teilen auch im Rahmen des Projekts Apo-Sys finanziert (”Apoptosis systems biology applied to cancer and AIDS: an integrated approach of experimental biology, data mining, mathematical modelling, biostatistics, systems engineering and molecular medicine), die von der EU mit 11 Millionen EUR über das Siebte Rahmenprogramm (RP7), Themenbereich Gesundheit, finanziert wird.

    Eines der größten Hindernisse bei der Bekämpfung des HIV-1-Virus bei Patienten ist die von den Forschern so genannte “Latenzbarriere”, die sich auf latent infizierte, vorprogrammierte weiße Blutzellen wie Makrophage und T-Zellen (die andere Immunzellen steuern) bezieht und die das Protein CD4 aufweisen. Eine Zelle kann beispielsweise ein schlafendes HIV-Gen in sich tragen, dass dann Teil des Organismus wird; d. h. die Infektion tritt weiterhin auf, vor allem während antiretroviraler Therapien. Zur Überwindung dieser Latenzbarriere haben Wissenschaftler Möglichkeiten untersucht, wie das HIV-1 aktiviert werden kann, um dadurch eine Selbstabtötung zu bewirken. Dieser Prozess wird mit “Schock und Abtötung” bezeichnet.

    Das italienische Forscherteam setzte Zelllinienmodelle ein, um so verschiedene Komponententypen zu testen, in denen Histon-Deacetylasen vorkommen (HDACs). HDACs sind Enzyme, die die HIV-Latenz erhalten. Zu den HDAC-Inhibitoren zählt zum Beispiel Valproinsäure, die auch aufgrund ihrer Wirkung bei neurodegenerativen Krankheiten untersucht wird. Ein für das Team auftretendes Problem war, dass HDAC-Inhibitoren scheinbar nur dann einen Effekt auf das HIV-Virus haben, wenn sie in toxischen Dosen eingesetzt werden.

    Die Forscher untersuchten 32 Arten von HDAC-Inhibitoren; alle zu einer Klasse gehörend, die auf eine kleine Gruppe von Enzymen wirkt (HDACs der Klasse 1). Sie stellten fest, dass HDAC-Inhibitoren der Klasse 1 bei nicht-toxischer Dosierung dafür sorgen können, dass einige der latent infizierten Zellen aufwachen. Sie wiederholten das Experiment und gaben einen Wirkstoff mit der Bezeichnung Buthionin Sulfoximin (BSO) hinzu, der oxydativen Stress verursacht. Dieser Wirkstoff brachte die HDAC-Inhibitoren der Klasse 1 dazu, auf mehr (allerdings nicht auf alle) latent infizierte Zellen zu wirken. Die ‘erwachten’ infizierten Zellen wurden so ausgelöscht, während die nicht infizierten Zellen unversehrt blieben, obwohl sie der Kombination aus BSO und HDAC-Inhibitor ausgesetzt waren.

    “Die Kombination der Effekte von Klasse 1-selektiven HDAC [Inhibitoren] und [...] BSO lassen auf die Existenz eines Schwachpunkts schließen, der so manipuliert werden kann, dass die ‘Abtötungsphase’ experimenteller HIV-1-Ausrottungsstrategien erleichtert werden kann”, erläutert die Studie.

    “Ich hoffe wirklich, dass diese Studie der Entwicklung von Waffen, die im Kampf gegen HIV-infizierte Zellen des Körpers eingesetzt werden können, neue Türen öffnet”, so Dr. Andrea Savarino, Retrovirologe am Italienischen Nationalen Gesundheitsinstitut. “Solche Waffen, in Kombination mit antiretroviralen Therapien, können Menschen, die mit dem HIV-Virus/AIDS leben müssen, hoffentlich dabei helfen, sich vom Virus zu befreien und zu einem normalen Leben zurückzukehren.”

    Die Ergebnisse sind vielversprechend, doch die Forscher weisen darauf hin, dass die tatsächliche Wirksamkeit des Schock- und Abtötungsansatzes noch stets heftig diskutiert wird. Zum Beispiel weisen sie auf kürzlich errungene Erkenntnisse hin, die besagen, dass “unterschiedliche Zellreservoirs für HIV-1-Latenz existieren und dass jedes dieser Reservoirs einer spezifischen Aktivierungsstrategie bedarf”, sowie auf die Tatsache, dass “virale Faktoren zusammen mit Zellfaktoren zu einer HIV-1-Stillegung beitragen können und dass diese Faktoren möglicherweise nicht durch Strategien kontrolliert werden können, die HDAC [Inhibitoren] einsetzen”.

    Dr. Savarino merkt an, dass prüfbare Wirkstoffkombinationen aus Molekülen entwickelt wurden, die die Phase I der klinischen Tests für den Einsatz beim Menschen bereits durchlaufen haben. “Obwohl diese Art von Herangehensweise in der wissenschaftlichen Gemeinschaft weitestgehend Akzeptanz findet, müssen wir, um ehrlich zu sein, in Betracht ziehen, dass einige Wissenschaftler darauf skeptisch reagieren und andere glauben sogar, dass eine Heilung bei HIV/AIDS nie möglich sein wird. Experimente mit Tierversuchen werden ein neues Licht auf dieses schwierige Problem werfen”, fügt er hinzu.

    Weitere Informationen unter:
    Retrovirologie: http://www.retrovirology.com
    Istituto Superiore di Sanitá http://www.iss.it
    Referenz: Pafilis P., et al. (2009) ‘Shock and kill’ effects of class I-selective histone deacetylase inhibitors in combination with the glutathione synthesis inhibitor buthionine sulfoximine [...]. Retrovirology 6:52; DOI:10.1186/1742-4690-6-52.

    HIV i AIDS - Polen vom 23. Oktober 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Impfstoff: Forscher verteidigen umstrittene Studie

    Rockville – Ein Impfstoff gegen HIV ist weiterhin nicht in Sicht. Die Ergebnisse der RV144-Studie, in der ein kombinierter Impfstoff erstmals in der Lage war, das Risiko einer Ansteckung zumindest leicht zu senken, bietet jedoch neue Ansatzpunkte für die Suche nach einem verbesserten Impfstoff, erklärten US-Wissenschaftler auf der AIDS Vaccine 2009 Conference in Paris, wo Details zu der Studie vorgestellt wurden, die zeitgleich im New England Journal of Medicine (NEJM 2009; doi: 10.1056/NEJMoa0908492) erschienen.

    Die Ergebnisse der RV144-Studie waren bereits Ende September auf einer Pressekonferenz in Bangkok vorgestellt worden. Die Gruppe um Supachai Rerks-Ngarm vom Thailändischen Gesundheitsministerium hatte damals verkündet, dass die kombinierte Impfung mit Avac®-HIV von Sanofi-Aventis-Pasteur gefolgt von einer Boosterung mit Aidsvac® von Vaxgen, das Risiko einer Ansteckung signifikant um 31,2 Prozent senkt.

    Die jetzt publizierten Daten zeigen, dass dieses Ergebnis nur knapp das Signifikanzniveau erzielte (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,1-51,2 Prozent; p= 0,04). Es handelt sich außerdem um eine modifizierte Intention-to-treat-Analyse, bei der nachträglich sieben Rekruten ausgeschlossen wurden, die zu Beginn der Studie bereits HIV-infiziert waren.

    Da bei ihnen eine Schutzwirkung nicht mehr möglich war, erscheint die Datenmanipulation vertretbar. Allerdings muss man sich fragen, warum diese Rekruten überhaupt an der Studie teilnehmen durften. In der ursprünglichen Intention-to-treat-Analyse – sie umfasste alle 16-402 Teilnehmer unabhängig davon, ob sie den Impfstoff auch wirklich erhielten – und in der Per-Protocol-Analyse der 12.453 Teilnehmer, die nach Plan (mit Verum oder Placebo) geimpft wurden, war die Schutzwirkung nicht signifikant, also ein Zufallsergebnisse nicht auszuschließen.

    Aber auch abgesehen von diesen methodischen Bedenken, kennzeichnen die Ergebnisse keinen Durchbruch für die klinische Medizin. Dies hatte das US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), neben der US-Armee und den Herstellern einer der Sponsoren, bereits Ende September klargestellt.

    Denn die Reduktion des Infektionsrisikos um ein Drittel bietet keinen wirklichen Schutz vor einer Infektion, und sie ist kein Ersatz für andere präventive Maßnahmen (Safer Sex), die auch von den Teilnehmern der Studie praktiziert wurden, was die geringe Zahl der Infektionen erklärt: Von den Geimpften steckten sich 51 mit dem Immunschwächevirus an, im Placebo-Arm waren es 74.

    Die geringe Infektionsrate erklärt sich auch daraus, dass die Rekruten keiner Hochrisikogruppe angehörten, wie dies bei den früheren Studien der Fall war, wie der Editorialist Raphael Dolin von der Harvard Medical School in Boston anmerkt (NEJM 2009; doi: 10.1056/NEJMe0909972).

    Dennoch wurden die Ergebnisse jetzt allgemein positiv bewertet. Nach 26 Jahren fruchtloser Versuche gibt es erstmals wieder die Spur einer Hoffnung, dass ein Impfstoff möglich ist. Die US-Armee kündigte weitere Studien an. Die Entwicklung eines Impfstoffes soll jetzt wieder beschleunigt vorangetrieben werden, nachdem es vor kurzem noch so aussah, als seien alle Bemühungen umsonst.

    Den Tiefpunkt erlebte die Forschung 2007, als die Erprobung eines zunächst vielversprechenden Impfstoffs des US-Pharmaunternehmens Merck gestoppt wurde, weil es unter der Impfung zu mehr Infektionen gekommen war als im Placebo-Arm.

    Ob die jetzt neu aufgekeimten Hoffnungen berechtigt sind, ist offen. Auch mit der Publikation bleiben viele Fragen ungeklärt, beispielsweise warum die Impfung bei den Patienten, die sich trotzdem mit HIV infizierten, keinen Einfluss auf das Ausmaß der Virämie oder die Zahl der CD4-Zellen hatte. Dies hätte man eigentlich auch von einem schwach wirkenden Impfstoff erwartet.

    Website der Studie: http://www.primeboost3.org/eng/

    Deutsches Ärzteblatt vom 21. Oktober 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Wissenschaftler schränken Durchbruch bei Aids-Impfung ein

    Paris — Einen Monat nach dem weltweit als Durchbruch gefeierten Fortschritt in der Impfforschung gegen die Immunschwächekrankheit Aids haben Wissenschaftler dessen Bedeutung eingeschränkt. Die vollständigen Ergebnisse der Impfstudie aus Thailand zeigten einen nur "bescheidenen" Erfolg, erklärten Teilnehmer der internationalen Aids-Impf-Konferenz am Dienstag in Paris. Von 16.000 Testpersonen hätten sich ohnehin nur 125 mit dem Aids-Virus HIV angesteckt, davon 51 mit Impfung und 74 ohne Impfung. Dies sei eine vergleichsweise kleine Gruppe, sagten die Wissenschaftler. Die Testteilnehmer seien größtenteils Heterosexuelle mit relativ geringem Ansteckungsrisiko gewesen.

    Hinzu komme, dass die Wirkung des Impfstoffes mit der Zeit nachlasse, sagte Oberst Nelson Michael, der das Aids-Forschungsprogramm der US-Armee leitet und an der Studie der thailändischen Regierung beteiligt war. Er wisse nicht, wie die Langzeitwirkung des Vakzins sei. Für die Wissenschaft sei das Ergebnis der Massenimpfung ein Durchbruch, sagte Michael bei der Fachtagung in Paris - "für das öffentliche Gesundheitswesen aber bestimmt nicht".

    Bei der Konferenz beschäftigen sich hunderte Wissenschaftler, Geldgeber und Entscheidungsträger aus aller Welt mit dem Impftest in Thailand und gehen unter anderem der Frage nach, wieso frühere Impfversuche gegen die Immunschwächekrankheit scheiterten. Die bis Donnerstag dauernde Fachtagung wird von der französischen Aidsforschungsstelle ANRS und dem Global HIV Vaccine Enterprise ausgerichtet, dem die wichtigsten Forschungseinrichtungen weltweit angehören. Der Impfstoff bei dem Massentest in Thailand hatte die Gefahr einer Ansteckung mit dem HI-Virus erstmals deutlich gesenkt, um gut dreißig Prozent.

    Link zur Studie

    Google News vom 20. Oktober 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    EU drängt auf strengere Patentrechte in Ländern des Südens

    Berlin - Die Europäische Union drängt Länder wie Indien oder Ecuador dazu, Patentrechte einzuführen, die deutlich über die Regelungen der Welthandelsorganisation (WTO) hinausgehen. Die EU stelle damit "die Interessen der Pharmakonzerne über die Gesundheit von zwei Milliarden Menschen weltweit, die keinen Zugang zu grundlegenden Medikamenten haben", heißt es in der gemeinsamen Studie "Trading away Access to Medicines" von Oxfam und Health Action International, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

    Indien stelle mehr als 80 Prozent der weltweit eingesetzten, bezahlbaren HIV-Medikamente her, erklärte David Hachfeld, Referent für Handelspolitik bei Oxfam Deutschland. Die von der EU angestrebte Verschärfung des Patentrechts würde bedeuten, dass Millionen HIV/Aids-Patienten in den Entwicklungsländern nicht mehr mit billigen Medikamenten versorgt werden können. "Strengere EU-Patentrechte untergraben die Millennium-Entwicklungsziele, weil sie den Handel mit Generika einschränken und so die Preise für Medikamente in die Höhe treiben", sagte Hachfeld.

    In der Europäischen Union werde die medizinische Forschung und Entwicklung zu Krankheiten, die hauptsächlich in Entwicklungsländern vorkommen, zudem nicht ausreichend gefördert, kritisiert die Studie. "Die EU muss größere Anstrengungen unternehmen, um die diesbezügliche globale Finanzierungslücke zu schließen", sagte Christian Wagner-Ahlfs von der BUKO Pharma-Kampagne, die Mitglied im Netzwerk Health Action International ist.

    Oxfam und Health Action International fordern von der EU einen radikalen Kurswechsel. Sie riefen die EU-Mitgliedsstaaten und das Europäische Parlament dazu auf, ihren Einfluss geltend zu machen, damit die Handelspolitik die Entwicklungsziele im Gesundheitsbereich nicht untergräbt. Zusätzlich sollten alle europäischen Geber ihre Richtlinien überprüfen, um größtmöglichen Zugang zu Medikamenten in Entwicklungsländern zu erreichen.

    "Gefeilsche um den Zugang zu Medikamenten" PDF

    Entwicklungspolitik Online vom 20. Oktober 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Weltweit haben 58% der Positiven keinen Zugang zu Aids-Medikamenten

    Über vier Millionen HIV-Positive in nicht-Industriestaaten erhalten inzwischen antiretrovirale Therapie. Damit sind jedoch immer noch Millionen Positive weltweit von wirksamen Aids-Therapien ausgeschlossen. Dies zeigt ein neuer Bericht von UNAIDS, WHO und UNICEF.

    Ungefähr 33 Millionen Menschen lebten 2007 mit HIV, 2,7 Mio. infizierten sich neu mit HIV. Die Region Afrika südlich der Sahara (Subsahara-Afrika) ist weiterhin die von HIV am stärksten betroffene Region der Welt, zwei Drittel aller HIV-Infizierten leben hier.

    Die Staaten der Welt setzten sich schon auf dem ‘General Assembly High-Level Meeting on AIDS’ im Jahr 2006 das Ziel, bis zum Jahr 2010 allen HIV-Infizierten weltweit Zugang zu wirksamer antiretroviraler Therapie zu ermöglichen.

    Auch wenn sich die Situation der Medikamenten-Versorgung verbessert hat, ein Erreichen des Zieles “Behandlung für alle 2010? scheint äußerst fraglich.

    Ende 2008 hatten vier Millionen HIV-Positive in Staaten, die nicht zu den (finanzstarken) Industriestaaten zählen, Zugang zu antiretroviraler Therapie (im Jahr 2007 erst 3 Mio.).In Industriestaaten erhalten circa 700.000 Positive Aids-Medikamente, so dass die Gesamtzahl der behandelten Positiven weltweit auf ca. 4,7 Mio. geschätzt wird.

    Der größte Fortschritt im Zugang zu antiretroviraler Behandlung wurde in Subsahara-Afrika erzielt: hier steig die Zahl der Positiven unter Therapie um 39% auf 2,9 Mio. (Ende 2008).
    Ein wesentlicher Faktor dabei: sinkende Medikamenten-Preise in den Nicht-Industrie-Staaten. Hier sanken die Preise für antiretrovirale Medikamente in der Erst-Behandlung (first-line) um 10 bis 40 Prozent. Medikamente für Folge-Behandlungen (second-line) bleiben weiterhin teurer.

    Trotz deutlicher Erfolge, das ‘2010-Ziel’ ist weiterhin in weiter Ferne: erst 42% derjenigen HIV-positiven Menschen, die einer antiretroviralen Therapie bedürfen, hatten Ende 2008 auch tatsächlich Zugang zu Medikamenten (2007: 33%). Dies ist das Resümee des gemeinsamen Berichts von UNAIDS, WHO und UNICEF.

    Weitere Informationen:
    Towards Universal Access – September 2009 Progress Report (pdf, englisch, 3,17MB).

    ondamaris vom 19. Oktober 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Impfen gegen Grippe, Schweinegrippe und Pneumokokken

    By Armin Schafberger

    Oktober und November sind die Monate für die Grippe-(Influenza)-Impfung. In diesem Jahr gibt es ausnahmsweise 2 Impfungen: 1. die Impfung gegen die übliche „saisonale“ Grippe und 2. die Impfung gegen die „Schweinegrippe“ (Neue Influenza, H1N1).

    Die Impfung gegen die saisonale Grippe und ggf. eine Pneumokokken-Impfung sind bereits jetzt möglich; eine Impfung gegen die Schweinegrippe soll Ende Oktober zur Verfügung stehen.

    Saisonale Grippeimpfung

    Die Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfohlen für
     

    • Ältere ab dem 60. Lebensjahr
    • chronisch Kranke, z.B. mit HIV-Infektion, Diabetes mellitus…
    • besonders Gefährdete, z.B. Berufstätige, die viel mit Kranken zusammen arbeiten, auch damit die von ihnen betreuten Patienten nicht mit Influenza angesteckt werden. Unter diese Gruppe fallen also Mitarbeiter aus HIV-Pflegeteams und Beraterinnen/Berater in Aidshilfe.


    Der Impfstoff wird im üblichen und bewährten Verfahren hergestellt und ist bereits erhältlich. Die Impfung erfolgt einmalig, am besten vor Beginn der Grippewelle. Sie schützt vor der saisonalen Grippe, nicht vor der Schweinegrippe.

    Pneumokokken-Impfung

    Pneumokokken verursachen eine Lungenentzündung. Für Ältere und chronisch Kranke (Menschen mit HIV/AIDS) empfiehlt die STIKO eine Impfung, die alle sechs Jahre aufgefrischt werden muss. Die Pneumokokken-Impfung kann zusammen mit der Grippeimpfung verabreicht werden.

    Schweinegrippe-Impfung

    Im Frühjahr 2009 ist die Schweinegrippe erstmals aufgetreten. Der Impfstoff wird aufgrund des kurzen Zeitraums nicht im üblichen Verfahren sondern als „Pandemieimpfstoff“ produziert. Der Impfstoff konnte daher noch nicht an großen Kollektiven getestet werden. Die Schweinegrippe selbst scheint im Vergleich zur saisonalen Grippe etwas leichter übertragbar zu sein, verläuft bisher aber eher mild. Allerdings gehen Experten davon aus, dass nur wenige Mutationsschritte reichen, um das Schweinegrippe-Virus gefährlicher werden und die Erkrankung schwerer verlaufen zu lassen. Anders als die saisonale Grippe gelten Ältere über 60 Jahre als weniger gefährdet, sie scheinen von früheren Grippewellen noch eine Restimmunität zu besitzen. Die Schweinegrippe scheint hingegen bei Schwangeren schwerer zu verlaufen als die saisonale Grippe.

    Die STIKO gibt im Epidemiologischen Bulletin vom 12. Oktober 2009 Empfehlungen für die Impfung gegen die Schweinegrippe. Diese Empfehlungen können sich noch ändern, wenn einerseits mehr Erkenntnisse über den Verlauf der Epidemie und die Schwere der Erkrankung bei bestimmten Risikogruppen vorliegen und es andererseits mehr Erfahrungen mit dem Impfstoff gibt.

    Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Schweinegrippe für
     

    • Beschäftigte in Gesundheitswesen und Wohlfahrtspflege mit Kontakt zu Patienten oder infektiösem Material. also z.B. für Ärztinnen/Ärzte, Apotheker, Pflegekräfte, Reinigungskräfte im Krankenhaus, Mitarbeiterinnen der Jugendhilfe, ambulanter Dienste, Beratungsstellen, Kindergärten, Freizeitstätten… Vor der Impfung ist eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung durchzuführen.
    • Personen ab einem Alter von 6 Monaten mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung z.B. infolge HIV-Infektion, chronischer Herz-Kreislauf-Erkrankung, Krebserkrankung, Diabetes,…
    • Schwangere (möglichst ab 2. Schwangerschaftsdrittel) und Wöchnerinnen


    Für andere Bevölkerungsgruppen spricht die STIKO vorerst keine Empfehlung aus, dies kann sich aber -je nach Verlauf der Epidemie- noch ändern.

    Ein- oder zweimal impfen?
    Für den wahrscheinlich am häufigsten eingesetzte Impfstoff „Pandemrix®“ gibt es eine vorläufige Dosierungsempfehlung des RKI: Kinder bis 9 Jahre und Erwachsene über 60 Jahre sollen –anders als bei der saisonalen Impfung- zweimal im Abstand von 3 Wochen geimpft werden. Ob für Kinder über 10 Jahre und Erwachsene unter 60 Jahre auch zweimal geimpft werden sollte, ist noch offen. Hier gilt die Empfehlung, die erste Impfung (wenn eine Indikation vorliegt) durchzuführen und auf die Aktualisierung der Impfempfehlung des RKI Mitte November zu warten. Dann liegen mehr Daten zur Schutzwirkung vor und für die eventuell noch erforderliche zweite Impfung ist es noch nicht zu spät.

    Kontroversen um die Impfung
    In den letzten Monaten gab und gibt es z.T. heftige Kontroversen um den Nutzen und die Risiken der Schweinegrippe-Impfung. Die Erkrankung würde meist nur milde verlaufen, der Impfstoff hingegen sei noch nicht so erprobt, die Adjuvanzien (Hilfsstoffe) im Impfstoff würden die Nebenwirkungen verstärken (die Impfstoffe gegen die saisonale Grippe hingegen enthalten keine Adjuvanzien) …

    Das Robert Koch-Institut und das Paul-Ehrlich-Institut halten die neuen Impfstoffe für sicher. Hintergründe zu den Kontroversen und weiterführende Informationen finden sich im HIVReport vom 09. Oktober 2009. Auch das Epidemiologische Bulletin des RKI vom 12. Oktober 2009 geht auf die Argumente ein. Hier finden sich auch die ausführlichen Impfempfehlungen der STIKO.

    Für Schwangere und die Bundeswehr alles anders?
    Die STIKO empfiehlt, Schwangere möglichst mit einem Impfstoff zu impfen, der keine Adjuvanzien (Wirkverstärker) enthält. Allerdings ist ein solcher Impfstoff momentan noch nicht zugelassen. Bis zur Zulassung empfiehlt das RKI eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung für die Frage, ob ein Impfstoff mit Adjuvanzien (Pandemrix® oder Focetria®) bei Schwangeren eingesetzt wird. Die Bundeswehr hat –anders als die Gesundheitsminister der Länder- einen Imfpstoff ohne Adjuvanzien bestellt.

    Saisonale Grippe- und Schweinegrippe-Impfung an einem Termin?
    Kann man beide Grippeimpfungen an einem Termin wahrnehmen? Diese Frage lässt sich nicht sicher beantworten, denn es gibt ja noch keine Erfahrungen mit der Schweinegrippe-Impfung. Die Fachinformation des Schweinegrippen-Impfstoffs Pandemrix® schließt ein solches Vorgehen nicht aus. Nachteil ist aber, dass man bei Nebenwirkungen nicht weiß, woher sie kommen.

    Zahlt die Krankenkasse?
    Wenn eine Indikation vorliegt, ja!

    Deutsche AIDS-Hilfe blog vom 17. Oktober 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV am Arbeitsplatz oder 40.000 HIV-positive Menschen in Beschäftigung

    München - Nur wenige Krankheiten haben sich in den letzten Jahren so rasant verändert wie Aids. Während früher - leider viel zu viele - Menschen mit HIV an Aids verstarben, hat sich seit Einführung der Kombinationstherapie im Jahr 1996 vieles verändert. Die Lebenserwartung von HIV-positiven Menschen ist mittlerweile annähernd identisch mit der von gesunden Menschen. 2/3 der ca. 63.000 HIV-infizierten Menschen in Deutschland gehen einer Arbeit nach. Dies ist annähernd der gleiche Anteil wie in der gesunden Normalbevölkerung.

    Diese Entwicklung hat das Thema "Aids und Arbeit" nachhaltig verändert. Während früher "Ausstieg aus dem Erwerbsleben" und "Berentung" im Vordergrund unserer Arbeit standen, gilt es heute HIV-positive Menschen über die gesamte Dauer ihres Erwerbslebens zu begleiten. Heute diskutieren wir mit den Ratsuchenden die Frage, ob man sich am Arbeitsplatz outen soll oder besser nicht? Wir begleiten beim Stellenwechsel und bei der Angst vor medizinischen Erstuntersuchungen und helfen einen individuell passenden Umgang am Arbeitsplatz mit der chronischen Erkrankung HIV zu finden. Gegebenenfalls vermitteln wir auch an Rechtsanwälte, wenn es gilt, Diskriminierung und beispielsweise eine ungerechtfertigte, rechtswidrige Kündigung abzuwehren auf Grund von HIV beziehungsweise vorgeschobener andere Gründe.

    Auch Arbeitslosigkeit ist für uns ein Thema. So gibt es für langzeitarbeitslose Menschen mit HIV seit 1997 spezielle Angebote in der Münchner Aidshilfe, um sie bei der Rückkehr in den 1. Arbeitsmarkt zu unterstützen.

    Viel zu wenige Menschen wissen, dass es nahezu keine Einschränkungen für HIV-positive Menschen am Arbeitsplatz gibt. Bei dem Einhalten der selbstverständlichen Hygiene-Schutzbestimmungen besteht für niemanden eine Ansteckungsgefahr. So kann ganz normal beim Friseur, im Service oder Küche eines Restaurants und auch im Krankenhaus in der Pflege gearbeitet werden, steht einer Beschäftigung an sich nichts im Wege. Einzige Einschränkungen sind - aufgrund erhöhter Verletzungsgefahr bei invasiven Tätigkeiten an offenen Wunden - Tätigkeiten im Operationssaal und das gesetzlich festgeschriebene Berufsverbot bei Piloten.

    Das größere Problem - als die real nicht vorhandene Ansteckungsgefahr - stellen die unbegründeten Ängste vor einer Infektion am Arbeitsplatz dar. Die Unaufgeklärtheit der Gesamtbevölkerung und die damit einhergehenden irrationalen Ängste vor einer Infektion sind der Motor der Diskriminierung von HIV-positiven Menschen am Arbeitsplatz.

    Da keine Ansteckungsgefahr besteht, muss in einer Bewerbungssituation niemand sagen, dass sie/er HIV-positiv ist. Auf Nachfrage kann gelogen werden. Lediglich wenn die Arbeitsfähigkeit für die verlangte Tätigkeit eingeschränkt ist besteht Mitteilungspflicht. Ein Beispiel für Mitteilungspflicht wäre die Bewerbung als Busfahrer/in und dass Nebenwirkungen eines Medikamentes Müdigkeit verursacht, so dass die Steuerung eines Fahrzeugs unmöglich ist.

    Für Ärzte besteht bei der medizinischen Erstuntersuchung bei Neueinstellungen übrigens Schweigepflicht, insbesondere auch gegenüber dem Arbeitgeber! Ferner besteht für den Arzt grundsätzlich keine Notwendigkeit nach HIV zu fragen oder eine Testempfehlung abzugeben. Sollte dennoch ein HIV-Test durchgeführt worden sein und dieser positiv ausfallen, empfiehlt sich die selbstbewusste Frage, ob der Arzt gedenke, dies im Widerspruch zur gesetzlichen Regelung (Schweigepflicht) weiterzugeben. Einzige Ausnahme wäre hier eine betriebliche Vereinbarung, aber diese besteht in den allermeisten Fällen nicht, da es an sich keinen gesetzlich verwertbaren Grund gibt, warum eine Firma keinen HIV-positiven Arbeitnehmer beschäftigen sollte.

    Auffällig ist, dass überraschend viele der Betroffenen ihr Testergebnis am Arbeitsplatz erfahren. Dies ist eine sehr schwierige Situation. Da der Betroffene in diesem Schockzustand meist hilfebedürftig ist, kann aus Gründen der Überforderung häufig nicht die notwendige Aufklärung unter den Kollegen geleistet werden. Dies kann dazu führen, dass die Belegschaft in ihrer eigenen Verunsicherung panisch und mit Ausgrenzung reagiert. Für einen HIV-positiven Menschen stellt sich häufig die Notwendigkeit bei einer Offenbarung des Testbefundes, steuernd mit zu agieren. Dies gilt gleichermaßen im privaten wie im beruflichen Kontext. Entfällt diese Fähigkeit zur Mit-Steuerung auf Grund der dargestellten Umstände, entsteht häufig Beratungs- und Unterstützungsbedarf bei den Betroffenen, um ihre Situation am Arbeitsplatz arrangieren zu können. Eine diesbezügliche Unterstützung hat unmittelbar und schnell zu erfolgen, um möglichen größeren Schaden schon frühzeitig abzuwenden und deeskalierend zu wirken. Hier steht die Münchner Aids-Hilfe unterstützend zur Seite.

    Zentrales Thema bei HIV in der Arbeitswelt bleibt die Frage nach der besseren Lösung: Outen am Arbeitsplatz oder lieber nicht? Als Aids-Aktivist der ersten Stunde mache ich keinen Hehl daraus, wie sehr ich es politisch begrüßen würde, wenn sich mehr mutige HIV-positive Menschen zur Sichtbarkeit am Arbeitsplatz entscheiden würden. Ich bin der Überzeugung, dass wir HIV-positive Vorbilder im Erwerbsleben brauchen. Es lässt sich dennoch kein "guter Rat" auf Grundlage der gemachten Erfahrungen von Menschen mit HIV am Arbeitsplatz generieren. Unwiderlegbar bleibt leider auch der Fakt, dass Menschen nach einem Outing - unabhängig, ob gewollt oder fremdbestimmt - rechtswidrig gekündigt werden. Selbsthilfegruppen HIV-positiver Arbeitnehmer und die Münchner Aids-Hilfe sind bei der Entscheidungsfindung gute Gesprächspartner. Umso mehr Sichtbarkeit heute bei diesem Thema erzeugt wird, umso leichter wird es für all diejenigen werden, die nachfolgen wollen. Hier bleibt das politische Selbstverständnis jedes Einzelnen gefragt. Christian Kranich / Leitung Arbeit und Beschäftigung

    Münchner Aids-Hilfe Oktober 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV infizierte Kinder nicht ausgrenzen

    Es ist nicht nur die Infektion mit dem HI-Virus oder die Aids-Erkrankung, die betroffenen Kindern zu schaffen macht. Allzu oft werden sie aufgrund von Angst und Vorurteilen ausgegrenzt. Die 1994 gegründete Michael Stich Stiftung widmet sich deshalb seit 2006 vermehrt der Prävention. Hauptziel war bis dahin die Direkthilfe: Von der finanziellen Unterstützung bei der Baby-Erstausstattung, der Kinderzimmereinrichtung oder Schulmaterialien bis hin zur Erfüllung von persönlichen Wünschen der Kinder.

    Doch das mangelnde Wissen über die Wege der Ansteckung mit dem HI-Virus und das Zusammenleben mit den Infizierten erfordert darüber hinaus ein Gegensteuern. Denn die Uninformiertheit führt zum Teil soweit, "dass diese Kinder mit fadenscheinigen Begründungen aus Kindergärten und Schulen verwiesen werden. Man verweigert ihnen die Teilnahme an Musik- oder Ballettunterricht und schließt sie von Geburtstagsfeiern aus. Immer wieder heißt es, HIV-infizierte Kinder seien eine Gefahr für andere", sagt Michael Stich.

    Dass sie dies aber nicht sind, versucht die Stiftung zu vermitteln, indem sie Jugendliche in Schulen über die Krankheit aufklärt. Es gilt: Bei einem ganz normalen sozialen Miteinander besteht keine Ansteckungsgefahr. "Man bekommt das HI-Virus nicht, man holt es sich und das in erster Linie durch ungeschützten Sex", betont Stiftungsmitarbeiterin Linda von Nerée. Wenn sich etwa ein Kind beim Spielen die Knie aufschlage und die Wunde mit der üblichen Umsicht behandelt werde, passiere gar nichts. Von Nerée: "Vielmehr müsste ein stecknadelgroßer Blutstropfen ausgetauscht werden und in die Blutlaufbahn gelangen, bevor eine Ansteckung droht."

    Michael Stich Stiftung - Pressemeldung vom 15. Oktober 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Beste Gesundheitsversorgung für HIV-Infizierte

    „Die Resultate könnten noch besser sein“

    Der am Dienstag in Brüssel veröffentlichte „Euro HIV Index“ 2009 bescheinigt Luxemburg den Spitzenplatz was die Lebensbedingungen und die Versorgung von Menschen angeht, die mit dem HIV-Virus infiziert sind.

    Laut der ersten Europäischen Bewertungsskala über die Strategien und Praktiken bei HIV-Erkrankungen erhielt Luxemburg 857 von 1000 möglichen Punkten. In der Rangliste, die 29 Länder berücksichtigt, kam Malta auf den zweiten Platz mit 791 Punkten, gefolgt von der Schweiz (775 Punkte), Germany Platz 13.

    Luxemburg biete wirksame Programme zur Aids-Vorbeugung sowie einen guten Zugang zur Gesundheitsversorgung. „Die Resultate könnten noch besser ausfallen“, so Dr. Beatriz Cebolla, Direktorin des „Euro HIV Index“. Die nicht diagnostizierte Bevölkerung müsste besser erreicht werden, da manche Patienten zu spät mit einer Behandlung beginnen würden. Die hohe Anzahl an Immigranten in Luxemburg erschwere die Kontrolle.

    Laut Umfrage herrsche ein allgemeines Defizit in der Handhabung der Krankheit und keine Regierung kenne die genaue Zahl der infizierten Bürger. Während der mit dem Aids-Virus infizierte Bevölkerungsanteil in allen Ländern der EU steigt, werden die Geldmittel gekürzt.

    Randgruppen von der medizinischen Betreuung ausgeschlossen

    Riskante Sexualverhalten sind zur Norm geworden und HIV-Infizierte werden am Arbeitsplatz und in der Schule häufig diskriminiert. Der Zugang zur medizinischen Versorgung für Zugehörige von Randgruppen, wie etwa Einwanderer ohne Ausweispapiere, wird so gut wie nirgends in Europa garantiert. Auch die „Kriminalisierung“ von Aids ist ein Problem in vielen Ländern und es existieren immer noch spezielle Gesetzgebungen für HIV-Träger. Besonders in den Osteuropäischen Ländern gibt es kaum angepasste Programme in Gefängnissen.

    Der „Euro HIV Index“ umfasst 28 Indikatoren, die sich in vier Schlüsselbereiche gliedern: Rechte und Auswirkungen, Zugang, Vorbeugung und Resultate. Der Index spiegelt die Ansichten der Verbraucher wider und stellt sich zusammen aus öffentlichen Statistiken, sowie den Umfragen und den Recherchen der Gesellschaft für Analysen und Information „Health Consumer Powerhouse“ aus Brüssel.

    Link zu: Euro HIV Index 2009 Germany

    Mehr unter: http://www.healthpowerhouse.com/

    Luxemburger Wort vom 13. Oktober 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    ART for Prevention: Die Pillen sollen´s richten?

    Was kann eine wirksame antiretrovirale Therapie alles verhindern? Ein Schwerpunkt der diesjährigen Konferenz der International AIDS-Society über HIV-Pathogenese, Behandlung und Prävention in Kapstadt widmete sich dem Thema der biomedizinischen Prävention.

    Seit der Publikation des EKAF-Statements 1 scheinen die Anreize groß zu sein, die antiretrovirale Therapie (ART) einzusetzen als Präventionsmaßnahme für Personen, bei denen die Safer-Sex-Botschaften versagen, oder überhaupt zur Eindämmung der globalen HIV-Epidemie. Laut einer Modellrechnung, welche Reuben Granich präsentierte, würden universelles VCT (Voluntary councelling and testing) und sofortiger Beginn der Therapie Neuinfektionen innerhalb von zehn Jahren um 95% reduzieren. 2 Wird damit auf Kosten der Patientenautonomie eine Rückkehr zur klassischen Seuchenstrategie der «Old Public Health» eingeläutet, nach welcher möglichst rasch möglichst viele Infektionsquellen ermittelt werden, um diese auszumerzen?

    An der Konferenz in Südafrika wurde aber auch deutlich, dass «Therapie als Prävention» weit über diesen Ansatz hinausgeht. So wird sie zur Verhinderung einer Mutter-Kind-Übertragung während Schwangerschaft und Stillzeit erfolgreich angewandt. Und wie in der letzten SAN zu lesen war, können auch HIV-positive Männer unter ART heute problemlos Kinder zeugen. 3 nach einer Risikosituation wird sie schon seit einigen Jahren als Post-Expositions-Prophylaxe (PEP) eingesetzt. Eine weitere Anwendungsmöglichkeit, die derzeit untersucht und diskutiert wird, ist die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP), bei der Personen vor einer allfälligen Risikosituation die entsprechenden Arzneimittel erhalten. Sind Wirksamkeit und Verträglichkeit einmal nachgewiesen, das Resistenzrisiko auf ein verträgliches Maß reduziert und die Kosten in einem vernünftigen Rahmen, könnte diese Variante der Prävention durchaus zum Einsatz bei bestimmten Zielgruppen gelangen.

    Wieso sollte für HIV nicht gelten, was zur Verhinderung einer Malariaerkrankung seit Jahren breite Anwendung findet? 4 Eine wichtige Erkenntnis ist, dass die Therapie Schäden verhindert, welche das HI-Virus im Körper selbst anrichtet. So zeigte Pedro Cahn, dass die ART sowohl auf individueller als auch Public-Health-Ebene ihre Wirkung zeigt, und kam zum Schluss, dass die Therapie neu definiert werden muss als Mittel zur Verhinderung von Krankheiten, Tod und neuen Infektionen. 5 Steht das Wohl der HIV-positiven Person im Zentrum, so sollte das Ziel sowohl von medizinischen als auch psychosozialen Einrichtungen sein, die Patientinnen und Patienten zu befähigen, informiert, kompetent und autonom zu entscheiden, wann sie mit der Therapie beginnen wollen. Dieses Ziel kann laut Susan Kippax nur erreicht werden, wenn Medizin und Sozialwissenschaften eng zusammenarbeiten. 6 Alles andere würde die Präventionsbotschaften, welche sich im letzten Vierteljahrhundert stets an alle Sexualpartner richteten und die geteilte Verantwortung ins Zentrum rückten, infrage stellen. Ein epidemiologischer Nutzen wird sich dann als Begleiterscheinung von selbst ergeben.

    Anmerkungen:
    1 Vernazza P, Hirschel B, Bernasconi E, Flepp M, «HIV-infizierte Menschen ohne andere STD sind unter wirksamer antiretroviraler Therapie sexuell nicht infektiös», in Schweizerische Ärztezeitung, Nr. 5, 30. Jan. 2008, S. 165–169, www.saez.ch. Siehe auch Swiss Aids News 1, Jan. 2008.
    2 Ganich R, «HAART as Prevention», IAS 2009, Präsentation MOPL101, www.ias2009.org.
    3 Vgl. Swiss Aids News 2, Juni 2009, S. 9 und 16f. «Antiretroviral Therapy for Prevention: The Time has Come?», Session MOSY4, www.ias2009.org.
    4 «Antiretroviral Therapy for Prevention: The Time has Come?», Session MOSY4, www.ias2009.org
    5 Cahn P, «Antiretroviral Treatment in 2009: Successes and Challenges», Präsentation WEPL102, www.ias2009.org.
    6 Kippax S, «Situating the biomedical in the real world: the need for social and political science», Präsentation MOSS210, www.ias2009.org.

    Swiss Aids News Nummer 3 | September 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    FDA empfiehlt "Selzentry" für Anfangstherapie

    Washington - Eine von der amerikanischen Gesundheitsbehörde beauftragte unabhängige Expertenkommission hat der FDA am Donnerstag die Zulassung des Pfizer-Präparats "Selzentry" als Mittel in der Anfangstherapie von HIV-positiv getesteten Patienten empfohlen.

    Selzentry war bereits im August 2007 zugelassen worden, allerdings nur für Patienten, bei denen bereits verfügbare HIV-Medikamente nicht anschlugen. Die Pfizer Inc hatte daraufhin die Zulassung des Arzneimittels als Erstmedikation beantragt.

    Mit zehn zu vier Stimmen attestierten die unabhängigen Experten dem Präparat nun ihre Unbedenklichkeit in punkto Sicherheit und Wirksamkeit auch für bislang nicht behandelte HIV-Patienten. Die endgültige Entscheidung der FDA wird für den 20. November erwartet.

    Selzentry beschreitet einen neuen Weg bei der Bekämpfung der Immunschwächekrankheit AIDS, die vom HI-Virus ausgelöst wird. Im Gegensatz zu anderen Medikamenten verhindert das Präparat ein Eindringen des HI-Virus in gesunde Zellen. Dazu blockiert Selzentry das Rezeptorprotein CCR5. Teilweise fällt das Virus aber auch über einen anderen Rezeptor - bekannt als CXCR4 - in gesunde Zellen ein. In einem solchen Fall wäre Selzentry wirkungslos.

    Wie jüngste Untersuchungen zeigten, hat das HI-Virus bei neuinfizierten Patienten in 80% der Fälle seinen Weg über CCR5 gefunden. Bei Patienten, die bereits intensiv mit HIV-Arzneien behandelt worden seien, sinke die Zahl auf unter 50%, was für einen Einsatz von Selzentry als Mittel erster Wahl spräche.

    Laut einem Bericht, der der FDA von ihrem medizinischen Beirat vorliegt, ist das Pfizer-Präparat gut verträglich. Nur wenige Patienten hätten Abwehrreaktionen gezeigt. In Relation zu dem HIV-Medikament Efavirenz bildeten Selzentry-Patienten allerdings mehr Resistenzen.

    Webseite: http://www.fda.gov

    Pfizer Pressemeldung vom 9. Oktober 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    STIKO-Empfehlungen zur Schweinegrippe-Impfung

    Am 8. 10. 2009 veröffentlichte das Robert Koch-Insitut die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO).
    Die wichtigsten Punkte im Überblick sowie der Link zum Pressetext.

    Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen die Neue Influenza vorrangig für:

    • Personen mit chronischen Erkrankungen
    • Schwangere
    • Medizinisches Personal

    Diese Personengruppen haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf bzw. ein erhöhtes Risiko für eine Ansteckung. Grundsätzlich profitieren aber alle Personen von der Impfung. Bisherige Daten und Analogieschlüsse sprechen gegen eine besondere Nebenwirkungsträchtigkeit der neuen Impfstoffe. Dennoch müssen wie immer Nutzen und Risiko, insbesondere bei Schwangeren, individuell abgewogen werden.

    Die Neue Influenza A (H1N1)ist ansteckender als die herkömmliche saisonale Influenza. Somit könnte es in der Summe zu mehr schweren Verläufen kommen.

    Die Impfung gegen die Neue Influenza ist auch wegen der möglichen Resistenzentwicklungen gegen antivirale Medikamente bedeutsam. Seit Ende Juni 2009 gab es aus mehreren Staaten Meldungen über einzelne Resistenzen gegen Oseltamivir. Das neue Virus hat auch das Potenzial, durch genetische Veränderungen seine krankmachende Wirkung zu verstärken.

    Weitere Informationen, u.a. zu häufig gestellten Fragen zum Impfen gegen pandemische und saisonale Influenza: http://www.rki.de/influenza und http://www.rki.de/impfen

    Mehr unter HIV-Report

    Deutsche Aids-Hilfe blog vom 9. Oktober 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Ärzte in die Prävention – wirklich eine gute Idee?

    Ärzte auch in der Prävention von HIV und anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen mehr einzusetzen – dieses Konzept wird nicht nur im Aidsbereich diskutiert. Es ist auch Thema einer Veranstaltung in der Deutschen Aids-Hilfe vom Mittwoch, 7. Oktober 2009. Ein Kommentar.

    Immer noch wird eine HIV-Infektion bei vielen Menschen sehr spät festgestellt (late diagnosis) – mit vielen möglichen oder sehr realen potentiellen negativen Folgen auch für den oder die Betroffene/n. Gerade hier Ärzte zu sensibilisieren, scheint eine gute Idee. Die schnell weiterführt zum Gedanken, Ärzte doch generell in der Prävention von HIV und anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen einzusetzen.

    Untersuchungen laufen, auch zur Frage, wie weit Patienten eigentlich mit ihren Ärzten über sexuelle Fragen sprechen, sprechen wollen, sprechen können.

    Und die Aids-Hilfe NRW arbeitet an einem Gesprächsleitfaden, der Ärzten helfen soll, mit ihren Patient/innen auch über Fragen des Sexualverhaltens und sexuell übertragbarer Erkrankungen ins Gespräch zu kommen.

    Doch Vorsicht – was schnell plausibel scheint, muss nicht unbedingt im Interesse der Patienten sein.

    Einige Gedanken …

    Die Ausforschung des Sex

    Das harmlos scheinende Gespräch über Fragen des Sexualverhaltens hat potentiell so seine Tücken. Möchte ich als Patient eigentlich, dass mein Arzt auch möglichst alle (Un)Tiefen und Details meines Sexlebens kennt?  Wie freiwillig ist dieses Gespräch, wenn ich anschließend auch “ganz normal” behandelt werden möchte? Was davon wird dokumentiert? Und wer erfährt davon? Oder wie ausgeforscht fühle ich mich, werde ich?

    Diese potentielle Ausforschung hat Konsequenzen. Wir verhält sich der Mediziner, die Medizinerin, die erfährt, dass ihr Patient sich unter Präventions-Gesichtspunkten „kontraproduktiv“ verhält? Wie wirkt sich dieses Wissen aus, wenn der gleiche Arzt, die gleiche Ärztin dann später genau diesen Patienten behandeln muss, z.B. aufgrund einer sexuell erworbenen Erkrankung? Wir leben Ärztinnen und Ärzte mit diesem Spagat? Und wie erst Patientinnen und Patienten? Wohl wissend, ja, der Arzt hat ja gesagt dass … und trotzdem hab ich …

    Was macht dieser Spagat, was machen die potentiell daraus resultierenden Konfliktlinien mit dem Arzt-Patient-Verhältnis?

    Und weiter noch – ärztliche Leistungen wollen dokumentiert sein (nicht nur, aber auch aus Gründen der Abrechnung). Wie steht es um den Datenschutz? Gerade bei derart sensiblen Daten wie zu Sexualverhalten? Natürlich entgegnen Ärzte und Verbände uns, es gebe das Arztgeheimnis, den Datenschutz, die Vertraulichkeit des Arzt-Patient-Verhältnisses. Aber – wie steht es darum in der Praxis? In Zeiten von Internet, elektronischer Gesundheitskarte oder Beschlagnahme von Patientenakten durch Staatsanwaltschaften (wie jüngst im Fall Nadja Benaissa)?

    Die Reglementierung des Sex

    Sexualität, Sexualverhalten ist ein Bereich, der persönlichsten, privatesten Angelegenheiten des Menschen zuzurechnen ist. Oft genug hat der Staat (aus vielfältigsten Interessen) versucht, gerade den Sex zu regulieren – über Normen, Kontrolle, Paragraphen. Gerade in den letzten Jahrzehnten ist es diversen Emanzipationsbewegungen gelungen, den Einfluss des Staates zurück zu drängen, vielfältige Ausdrucksformen menschlicher Sexualität als Bereich rein persönlicher Freiheit zu gewinnen.

    In Zeiten von Aids gab es immer wieder aufscheinenden Bemühungen, Sexualität zu medikalisieren, erneut zu reglementieren. Sie konnten weitgehend abgewehrt werden. Kommen sie nun wieder, im mühsam neue verkleideten Gewand der ‘ärztlichen Prävention’? Dies Konzept könnten sich nur zu schnell als Weg zurück, als Weg zu mehr staatlicher Reglementierung und Kontrolle des Sex erweisen.

    Die Pathologisierung des Sex

    Wie weit wird (dem französischen Philosophen Michèl Foucault folgend) eine stärkere Einbindung von Ärzten in die Prävention zu einer weiteren bzw. erneuten Pathologisierung von Sexualität führen?

    Ist das Vorhaben, Ärzte auch in der Prävention von HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten einzusetzen, nicht letztlich ein weiterer (zudem bedeutender) Baustein dazu, dass Sexualität immer mehr betrachtet wird als etwas zu Regulierendes? Als ein Feld von staatlichem Belang? Letztlich Sex als etwas betrachtet wird, das potentiell gefährlich ist, risikobehaftet, aufgrund z.B. sexuell übertragbarer Erkrankungen gesellschaftlich potentiell schädlich? Sex als (präventiv zu steuernder, regulierunsbedürftiger Störfaktor – statt als Lust und Privatsache?

    Und nun?

    Ärzte, die naturgegeben umfassende Kontakte zu einer großen Anzahl Menschen haben, in die Prävention von HIV und anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen einzubeziehen – dieser Gedanke scheint in seiner Einfachheit und Direktheit naheliegend. Und Ärzte finden ihn geradezu bezaubernd – folgt diesem Gedanken doch direkt die Frage, welche neuen Abrechungs-Ziffer dafür eingeführt werden kann, soll, ja geradezu muss – und wieviel Geld jede ärztliche Präventionsmaßnahme bringt.

    Und doch, viele Argumente lassen Fragezeichen aufscheinen, den Gedanken mehr als fragwürdig erscheinen. ‘Ärzte in die Prävention’ – ein Vorhaben, das sich bald als Weg in die Vergangenheit und nachteilig für Patienten erweisen könnte.

    Staat und Medizin haben im Sexualleben jedes einzelnen zunächst nichts zu suchen. Sexualität ist Privatsache, Sphäre der persönlichen Freiheit – und sollte dies auch bleiben. Eingriffe, zumal Eingriffe tendenziell reglementierender Art, sollten möglichst unterbleiben. Und wenn sie erfolgen, müssen sie durch starke Argumente begründet, legitimiert sein.

    Im Fall von Aids und der Installierung sich im Nachhinein als sehr erfolgreich erweisender Aids-Prävention war dieser Eingriff durch die (reale oder gefühlte) Bedrohung (der Gesamtbevölkerung oder einzelner gesellschaftlicher Gruppen) zunächst legitimiert. Zudem wurde u.a. mit der beispielhaften Arbeitsteilung zwischen Staat (hier: BzgA) und Aidshilfen ein Weg gefunden, Eingriffe und Reglementierungen (auch durch Normsetzungen) weitestgehend einzugrenzen oder wo vermeintlich unabwendbar zumindest betroffenen- und lebensnah zu gestalten.

    Bei den derzeitigen Planspielen, Ärzte in der Prävention sexuell übertragbarer Erkrankungen einzusetzen, wird der Reglementierung und Kontrolle von Sexualität Tür und Tor geöffnet. Besteht ein ausreichender Grund, der diesen Eingriff in persönliche Freiheit rechtfertigen könnte, eine Notlage, eine Gefährdung? Wurden Alternativen angedacht, alle Möglichkeiten ausgeschöpft, bevor Eingriffe des Medizinssystems erfolgen? Wohl nicht.

    Das Themas “Ärzte in der Prävention” wird diskutiert auf einer Veranstaltung der Deutschen Aids-Hilfe am 7. Oktober 2009 im Rahmen der Reihe ‘Salon Wilhelmstraße’:
    “Können Ärzte eine größere Rolle in der Prävention von HIV und anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen einnehmen? Wie weit ist HIV- und STD-Prävention in der Arztpraxis überhaupt möglich? Was wünschen sich die Patient(inn)en? Was die Aidshilfen?”

    Unter der  Moderation von Holger Wicht diskutieren Prof. Dr. Norbert H. Brockmeyer, Ruhr-Universität Bochum; Dr. Christoph Mayr, Vorstand DAGNÄ e.V.;  Dirk Meyer, Geschäftsführer LV AIDS-Hilfe NRW e.V.; Helga Neugebauer, Ärztin in der Aidshilfe Hamburg; Stephan Jäkel, Pluspunkt e.V.; Klaus Stehling, Geschäftsführer LV AIDS-Hilfe Hessen e.V. (angefragt); Stefan, Rollenmodell der MSM-Kampagne “IWWIT” und Steffen Taubert, Deutsche AIDS-Hilfe e.V.

    ondamaris vom 7. Oktober 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Ärzte ohne Grenzen ruft Pharmafirmen auf: Geben Sie Ihre Patente in den Pool

    New York / Berlin - Die internationale medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen fordert in einer Email-Kampagne die neun Hersteller der wichtigsten HIV/Aids- Medikamente auf, ihre Patente in einen Pool zu geben. Damit sollen die Konzerne die Verfügbarkeit neuer Medikamente für Millionen Menschen mit HIV/Aids ermöglichen.

    In einem solchen Patentpool stellen Patentinhaber ihre Patente anderen Herstellern für Produktions- oder Entwicklungszwecke zur Verfügung. Im Bereich der digitalen Telekommunikation hat dieser Mechanismus beispielsweise zu einem Innovationsschub geführt. "Die Idee ist einfach. Unternehmen teilen ihr Wissen, erhalten dafür faire Lizenzgebühren und die Generika-Firmen können günstige Nachahmerpräparate entwickeln", erklärte Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Berlin. "Dieser Kompromiss kann den Zugang zu HIV/Aids-Medikamenten grundlegend verändern."

    Die internationale Einrichtung UNITAID zum Erwerb von Medikamenten gegen HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose errichtet derzeit einen Pool für HIV/Aids-Medikamentenpatente. Für den Erfolg dieses Pools ist die Teilnahmebereitschaft der Patentinhaber ausschlaggebend.

    "Nun liegt es an den großen Pharmafirmen. Wir fordern sie auf, sich für das Wohl der HIV-Patienten zu entscheiden", erklärte Moldenhauer. "Dies ist die Gelegenheit für Pharmafirmen, zu zeigen, dass sie wirklich dazu beitragen wollen, den Zugang zu lebensrettenden Medikamenten für Aids-Kranke in ärmeren Ländern zu ermöglichen. Einige Unternehmen haben bereits Interesse an der Idee bekundet, aber sie müssen noch weiter gehen und die wesentlichen Patente in den Pool geben."

    Für HIV/Aids-Patienten wären die Auswirkungen enorm. Ein Patentpool würde die Verfügbarkeit von kostengünstigeren Versionen der lebensrettenden Medikamente stark verbessern. "Diese Gelegenheit kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt", erklärte Eric Goemaere, medizinischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Südafrika. "Bei vielen unserer Patienten haben sich Resistenzen gebildet. Sie müssen nun zu neueren wirksameren Medikamenten wechseln. Da diese aber für sie entweder nicht verfügbar oder bezahlbar sind, sind die Patienten wieder vom Tod durch Aids bedroht." Ärzte ohne Grenzen behandelt derzeit mehr als 140.000 HIV/Aids-Patienten in rund 30 Ländern weltweit.

    Der Aufruf kann unterstützt werden: www.aerzte-ohne-grenzen.de/emailkampagne. Dort können Interessierte E-Mails an die Unternehmen Abbott, Boehringer Ingelheim, Bristol-Myers Squibb, Johnson&Johnson, Gilead Sciences, GlaxoSmithKline, Sequoia, Merck und Pfizer schicken, damit diese ihre HIV-Medikamente in den Pool geben.

    Unterstützt wird diese Aktion vom Aktionsbündnis gegen Aids, der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW), der Initiative Innovation für alle, Oxfam Deutschland und World Vision Deutschland.

    Ärzte ohne Grenzen vom 5. Oktober 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Computerpanne macht Patienten zu HIV-Infizierten

    Berlin - Ein fehlerhaftes Computerprogramm hat Tausende Patienten fälschlich als HIV-infizierte ausgewiesen. Die Krankenkassen bekamen dafür viel Geld, berichtet der „Spiegel“.

    Die Krankenkassen bekamen deshalb laut “Spiegel“ aus dem Gesundheitsfonds mehrere Millionen Euro für Aids-Infizierte, die es gar nicht gibt. Dies meldete das Hamburger Magazin am Samstag vorab. Eine bei Augenärzten verbreitete Praxis-Software habe vielen Patienten fälschlich eine Kodierziffer angehängt, die auf eine Ansteckung mit dem Aids-Virus HIV hinweise. Auf Grundlage dieser falschen Codierung bekamen die zuständigen Krankenkassen dann Extra-Zuschüsse aus dem Gesundheitsfonds. Diese betragen etwa 10.000 Euro pro Patient und Jahr.

    Fachleute der Hanseatischen Krankenkasse (HEK) schätzen die Höhe der Fehlzuweisungen laut “Spiegel“ für die gesamte gesetzliche Krankenversicherung auf 160 Millionen Euro. Der Hersteller der Praxis-Software spreche von einem “Anwendungsfehler“. Dieser sei zum zweiten Quartal dieses Jahres vollständig behoben worden.

    Die Panne wurde der Meldung zufolge entdeckt, nachdem sich einige Abrechnungsexperten der Kassen über einen sprunghaften Anstieg der HIV-Infektionen gewundert hatten. Auch das Alter der vorgeblich Betroffenen erregte ihr Misstrauen: Fast alle Neuinfizierten waren deutlich älter als 65 Jahre.

    Offenbach Post vom 3. Oktober 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Bedeutende neue Entdeckung zu HIV-Demenz

    Wissenschaftler in Melbourne haben entdeckt, dass die Infektion eines bestimmten Zelltyps im Gehirn bei Patienten mit HIV-assoziierter Demenz sehr verbreitet ist. Die Entdeckung widerlegt frühere medizinische Studien, die nahe legten, dass die HIV-Infektion von Astrozyten (Sternzellen) im Gehirn selten auftritt und dass die Zellen nur eine untergeordnete Rolle bei der Entwicklung dieser Erkrankung spielen.

    Laut Professor Steve Wesselingh, Dean of Medicine, Nursing and Health Sciences an der Monash University und Mitglied des internationalen Forscherteams, sind die neuen Erkenntnisse von großer Bedeutung für die HIV-Forschung. "Wir erhalten einen besseren Einblick in die HIV-assoziierte Demenz; und obwohl diese schneller ausbricht als altersbedingte Demenz oder Alzheimer und durch einen Virus hervorgerufen wird, sind die nun vorliegenden Forschungsergebnisse auch sehr wichtig, um Alzheimer zu verstehen."

    Die HIV-assoziierte Demenz wird durch eine Infektion des zentralen Nervensystems ausgelöst und gilt als Komplikation bei Menschen, die mit HIV oder AIDS leben. Sie ist die am stärksten verbreitete Form von Demenz bei unter 40-jährigen, die Gesundheitssysteme weltweit vor erhebliche Herausforderungen stellt. Obwohl Medikamente zur Behandlung der HIV-Infektion zur Verfügung stehen, berichten Ärzte von einer zunehmenden Zahl HIV-assoziierter Demenz. Hierfür werden zwei Gründe vermutet: Zum einen sterben heutzutage weniger Patienten an AIDS bevor die HIV-assoziierte Demenz ausbricht, zum anderen sind die meisten bestehenden Medikamente für eine Behandlung von Gehirninfektionen nicht geeignet, da sie das Gehirn nicht effektiv durchdringen.

    Astrozyten sind der am häufigsten vorkommende Zelltyp im Gehirn. Sie führen viele wichtige Funktionen aus, die für eine normale Funktionalität des Gehirns entscheidend sind. Eine Hauptaufgabe ist die Aufrechterhaltung einer optimalen Umgebung für Neuronen, die dem Körper Funktionsanweisungen geben.

    Möglicherweise stellen die Astrozyten bei einer HIV-assoziierten Demenz ihre normale Funktionsweise ein. Dies kann dann dazu führen, dass Neuronen absterben oder nicht normal arbeiten. Im Gegensatz zu anderen Körperzellen, die sich fortlaufend regenerieren, sind Astrozyten langlebig und regenerieren sich nicht so leicht. Daher können die Auswirkungen von HIV auf die Astrozyten lang anhaltend oder sogar dauerhaft sein.

    Im Moment liegt ein wesentlicher Fokus in der HIV-Forschung auf der Identifizierung neuer Wege, HIV dauerhaft aus dem Körper, insbesondere aus so genannten HIV-Reservoirs zu löschen und die HIV-Infektion damit zu heilen. Vor allem die HIV-Reservoirs sind für Anti-HIV-Medikamente jedoch schwer zu erreichen. Die nun vorliegende Studie unterstreicht die Bedeutung des Gehirns als Reservoir für HI-Viren. Behandlungen, die HIV aus dem Körper entfernen sollen, müssen daher so ausgerichtet werden, dass die Viren auch aus den Astrozyten im Gehirn gelöscht werden.

    Abstract: "Extensive astrocyte infection is prominent in human immunodeficiency virus-associated dementia"

    Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund / Institut Ranke-Heinemann – Pressemeldung vom 1. Oktober 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Kinder beim Kampf gegen AIDS weiter benachteiligt

    Trotz Fortschritten beim Zugang zu Medikamenten werden Kinder seltener behandelt als Erwachsene

    Die medizinische Hilfe für AIDS-Patienten in den Entwicklungs- und Schwellenländern hat sich im vergangenen Jahr verbessert. Trotzdem sind HIV-positive Kinder beim Zugang zu Medikamenten und Tests weiter benachteiligt. Dies zeigt ein gemeinsamer Bericht von UNICEF, der Weltgesundheitsorganisation WHO und UNAIDS, der heute in Genf vorgestellt wird.

    So erhielten in den Entwicklungs- und Schwellenländern im Jahr 2008 rund vier Millionen HIV-Infizierte antiretrovirale Medikamente - dies sind eine Million mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Kinder in Behandlung stieg von 198.000 (2007) auf 275.000 in 2008. Zudem erhalten heute mehr HIV-positive schwangere Frauen antiretrovirale Medikamente, um die Übertragung des Virus auf ihr Kind zu verhindern. Der Anteil der behandelten Schwangeren wuchs von 35 Prozent in 2007 auf 45 Prozent in 2008.

    Doch immer noch erhalten HIV-infizierte Kinder seltener medizinische Hilfe als Erwachsene. So waren im Jahr 2008 trotz der Fortschritte lediglich rund 38 Prozent der Kinder, die auf antiretrovirale Medikamente angewiesen sind, in Behandlungsprogrammen. Bei den Erwachsenen lag der Anteil bei 43 Prozent.

    „Obwohl Kinder und Frauen beim Kampf gegen AIDS stärker beachtet werden, hat die Krankheit weiter dramatische Auswirkungen auf ihre Gesundheit, ihre wirtschaftliche Existenz und ihr Überleben“, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Ann Veneman.

    Nach Einschätzung von UNICEF belegt der Report „Towards Universal Access“, dass es möglich ist, in den Entwicklungsländern Neuinfektionen bei Kindern zu verhindern und die Überlebenschancen von betroffenen Müttern und Kindern deutlich zu verbessern.

    Gleichzeitig weist UNICEF aber auf die anhaltende skandalöse Unterversorgung von AIDS-Patienten in den ärmsten Ländern hin: Über fünf Millionen Infizierte, die dringend medizinische Hilfe brauchen, haben noch immer keinen Zugang zu lebensrettenden Medikamenten.

    Die Gesundheitssysteme sind vielfach mit der Versorgung der Patienten überfordert. So wurde im vergangenen Jahr in 31 von 91 Ländern die Versorgung mit lebensnotwendigen antiretroviralen Medikamenten wegen Lieferengpässen unterbrochen. Ein großes Problem ist bis heute die Kontrolle von Blutbanken im Hinblick auf HI-Viren, Hepatitis B und C-Viren sowie Syphiliserreger. 41 Länder geben an, dass sie nicht alle Blutkonserven hierauf testen können.

    UNICEF ist besorgt, dass die am stärksten betroffenen Länder bis heute nicht in der Lage sind, die AIDS-Epidemie aus eigener Kraft zu stoppen. Sollten internationale Geldgeber im Zuge der globalen Finanzkrise ihre Finanzierung von Hilfsprogrammen einschränken, käme dies für viele Kranke einem Todesurteil gleich.

    Weltweit leben 33 Millionen Menschen mit HIV/AIDS - darunter sind 15,5 Millionen Frauen und zwei Millionen Kinder. Schätzungsweise 730.000 von ihnen sind auf antiretrovirale Medikamente angewiesen. Zwei Drittel der Infizierten leben in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

    Für den Report „Towards Universal Access“ haben UNICEF, die Weltgesundheitsorganisation WHO und das UN-Programm gegen AIDS Daten aus 158 Ländern ausgewertet - darunter 139 Entwicklungs- und Schwellenländer.

    UNICEF - Pressemeldung vom 30. September 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Vorfahren befielen schon erste Säugetiere

    100 Millionen Jahre alte Relikte komplexer Retroviren in Säugetier-Genom entdeckt.

    Der Kampf zwischen den Vorfahren des Aids-Virus und dem Immunsystem von Säugetieren ist schon seit 100 Millionen Jahren im Gange. Das zeigt die Entdeckung eines HIV-ähnlichen Retrovirus in der DNA des Zweizehenfaultiers. Damit existiert diese spezielle Art des Virus bereits 85 Millionen Jahre länger als bisher angenommen, wie britische Forscher in „Science“ berichten.

    Retroviren sind Meister darin, sich in die DNA ihrer Wirte „einzunisten“. Dies führt sogar so weit, dass sie als Genbestandteile an die Nachkommen vererbt werden und so im Laufe der Evolution Teil des Säugetiergenoms geworden sind. Das menschliche Genom besteht zu acht Prozent aus solchen endogenen retroviralen Sequenzen. Doch bisher waren nur Sequenzen von sehr einfachen Retroviren gefunden worden.

    Komplexer Retrovirus in Faultier-DNA

    Jetzt aber sind Wissenschaftler der Universität Oxford erstmals auf einen deutlich komplexeren Virentyp im Genom des Zweizehenfaultiers Choloepus hoffmanni gestoßen. Sie entdeckten die Relikte eines 100 Millionen Jahre alten „Foamy Virus“, eines Virentyps, der komplexen Lentiviren wie HIV und dem SIV der Affen sehr ähnelt. Damit sind Säugetiere offenbar schon mindestens 85 Millionen Jahre früher in engem Kontakt mit diesem fortgeschritteneren Virentyp gewesen als bisher angenommen.

    Infektionsgeschichte länger als gedacht

    „Die fossilen Relikte eines solchen Virus in diesem Faultier zu entdecken war ein wirklicher Glücksfall”, erklärt Aris Katzourakis, Forscher am Institut für neue Infektionen der Universität Oxford. „In vorherigen Arbeiten haben wir bereits Belege für ähnliche Viren in den Genomen von Kaninchen und Lemuren gefunden, aber die neuen Forschungen deuten darauf hin, dass die Vorfahren der komplexen Retroviren wie HIV uns schon seit Beginn der Säugetier-Evolution begleiten. Weil dieses Faultier so geografisch und genetisch isoliert ist, eröffnet uns sein Genom ein Fenster in die Vergangenheit der Säugetiere, ihrer Immunsysteme und den Virentypen, mit denen sie konfrontiert waren.“

    Hilfe auch für heutige Infektionen

    Das Verständnis des historischen Konflikts zwischen komplexen Viren und dem Immunsystem der Säugetiere könnte auch zu neuen Ansätzen in der Bekämpfung von Infektionen durch gegenwärtige Retroviren wie HIV führen. So verhilft es Wissenschaftlern beispielsweise zu mehr Einblick darin, welche die Artschranke durchbrechende Viren wahrscheinlichere Kandidaten für eine Pandemie sind, wie H1N1, und welche zwar die Artbarriere überwinden, aber keine Pandemie auslösen, wie die Vogelgrippe oder die erst 1971 entdeckten Humanen Foamy Viren (HFV).

    Quelle: NPO,University Of Oxford,29.09.2009

    scinexx - Das Wisssensmagazin vom 29. September 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Übertragungsmuster bei Heterosexuellen

    Britische Wissenschaftler untersuchen HIV-Übertragungsmuster bei Heterosexuellen.

    Einer Auswertung britischer Forscher zufolge unterscheiden sich im Vereinigten Königreich die HIV-Übertragungsmuster bei Heterosexuellen von denen Homosexueller. Wie die kürzlich im Online-Fachblatt " Public Library of Science (PLoS) Pathogens" veröffentlichte Studie hervorhebt, kann eine frühzeitige Diagnose die weitere Ausbreitung von HIV in dieser Personengruppe wirksam eingrenzen.

    Die Forschergruppe von der Universität Edinburgh und dem Medical Research Council (Clinical Trials Unit) im Vereinigten Königreich untersuchte die molekulare Evolution (Phylogenese) des bei britischen Heterosexuellen vorherrschenden HIV-Stamms. Phylogenese beschäftigt sich mit der evolutionären Entwicklung in Verwandtschaftsgruppen von Organismen und rekonstruiert beispielsweise, wie sich virale Sequenzen im Laufe der Zeit verändern. Mit dieser Methode konnten die Forscher bestimmte Übertragungsmuster identifizieren.

    Der Studie zufolge hatten unter den mehr als 11.000 untersuchten Patienten "296 Personen Kontakt mit mindestens zwei anderen Personen im Vereinigten Königreich". Außerdem identifizierte die Arbeitsgruppe 8 Gruppen (cluster), in denen mehr als 10 Menschen miteinander Kontakt gehabt hatten, was 5% der untersuchten Patienten entsprach. Bei Homosexuellen zeigte sich ein derartiges Muster bei 25% der Infizierten.

    Die Übertragung verlief bei Heterosexuellen erheblich langsamer als bei Homosexuellen, so die Studie. 2% der Übertragungen erfolgten in den ersten 6 Monaten nach der Erstansteckung (bei Homosexuellen waren es 25%).

    "Diese phylogenetische Analyse von non-Subtyp B-Sequenzen, die bei mehr als 40% der geschätzten HIV-infizierten britischen Bevölkerung zu finden sind, ergab, dass HIV-Infektionen unter britischen Heterosexuellen zwar innerhalb von Gruppen übertragen werden, dass dies aber langsamer erfolgt und die Gruppen kleiner sind als bei Männern mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten", wie es in der Studie heißt. "Mit effizienten Diagnoseverfahren könnten durchaus bald wirksamere Interventionsmaßnahmen eingeführt werden, um die HIV-Übertragung einzugrenzen."

    "Da sich die Epidemie unter Heterosexuellen vergleichsweise langsamer ausbreitet, könnte hier erfolgreicher interveniert werden. Dies erfordert allerdings eine möglichst frühzeitige Diagnose", fügte Professor Leigh Brown von der Universität Edinburgh als Leiter der Studie hinzu.

    Während die genetische Charakterisierung des Virus in den 1990er Jahren überwiegend Subtyp B ergab - der häufigste in Nord- und Südamerika, Australien, Europa, Japan und Thailand anzutreffende Subtyp - zeigen jüngere Studien einen gegenläufigen Trend. Inzwischen überwiegt der Anteil der non-B Subtypen bei britischen heterosexuellen HIV-Infizierten, "was auf die Einschleppung von Virenstämmen aus Ländern südlich der Sahara hindeutet", erklären die Wissenschaftler.

    Die vergangenen 10 Jahre verzeichneten einen dramatischen Anstieg heterosexueller Infiziertenzahlen im Vereinigten Königreich. AVERT (Averting HIV and AIDS), ein internationaler HIV- und AIDS-Wohlfahrtsverband mit Hauptsitz im Vereinigten Königreich, spricht von insgesamt 44.617 bis Ende 2008 gemeldeten Fällen. Dies übertrifft die offiziell gemeldeten Zahlen infizierter Männer mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten.

    Link PLoS Pathogens

    Cordis Nachrichten vom 29. September 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HCV-Therapie für iv. Drogenkonsumenten

    von Andrea Witteck

    Am 24./25.09.2009 fand in Zürich das 1. Internationale Symposium zur Hepatitis-Therapie bei Drogenkonsumenten statt. Einen Monat zuvor ist von Hellard et al. im CID ein Review-Artikel zu diesem Thema erschienen.

    90% der Hepatitis C (HCV)-Neuinfektionen weltweit und die Mehrzahl der chronischen Infektionen, v.a. in den industrialisierten Ländern, sind dem i.v.-Drogenkonsum zuzuschreiben. Trotz Fortschritten im Management der Hepatitis C und Hinweisen darauf, dass die Therapie einer kürzlich erworbenen Hepatitis C mit SVR-Raten von bis zu 98% einhergeht (SVR = sustained virological response, d.h. HCV-RNA negativ 6 Monate nach Therapieende), werden aktive i.v.-Drogenkonsumenten  kaum je behandelt. Vor 2001 wurde in den Guidelines zum Management der Hepatitis C in vielen industrialisierten Ländern davon abgeraten, i.v.-Drogenkonsumenten (IDUs = injection drug users) zu behandeln. Zwar wird die Therapie von IDUs in den revidierten Guidelines tendentiell befürwortet, die unverändert niedrige Behandlungsquote von <=10% spricht jedoch dafür, dass die Ärzte weiterhin zurückhaltend sind, IDUs zu behandeln. Begründet wird diese Haltung durch Bedenken bzgl.:
     

    • Reinfektions-Risiko,
    • hohe Rate von begleitendem Alkoholabusus und
    • hohe Rate begleitender psychischer Erkrankungen,


    welche alle potentiell die Behandlungs-Compliance und den Behandlungserfolg beeinflussen. In dem erwähnten Review von Hellard et al. wurde untersucht, ob diesen Bedenken irgendeine Evidenz zugrunde liegt. Dabei wurden bis September 2008 Englisch-sprachig publizierte Studien eingeschlossen, welche Angaben zu SVR-Raten, Behandlungs-Komplettierung und/oder -Compliance sowie Reinfektionsraten nach Behandlung bei IDUs enthielten.

    1) Behandlungserfolg:

    a) In Studien zur Behandlung der chronischen Hepatitis C waren die SVR-Raten von IDUs und non-IDUs vergleichbar (teilweise bei den IDUs sogar höher als bei den non-IDUs (a.e. wegen mehr Genotyp 1 (schlechter behandelbar) in der non-IDU-Gruppe)). In denjenigen Studien, in welchen mit Peg-Interferon plus Ribavirin therapiert wurde, lag die mediane SVR-Rate bei den IDUs bei 54,3% (range, 18,1-94,1%), verglichen mit 54%-63% in den grossen Behandlungsstudien.

    b) Betreffend der Behandlung der akuten Hepatitis C gibt es nur wenige Studien, welche über das Outcome bei IDUs berichten. In diesen war die SVR-Rate bei den IDUs 68,5% (n=89), verglichen mit 81,5% bei den non-IDUs (n=65).

    2) Behandlungs-Komplettierung und -Compliance:

    Die Wahrscheinlichkeit, eine SVR zu erreichen, erhöht sich, wenn der Patient einen hohen Prozentsatz der verschriebenen Dosen erhält und nahezu maximal dosiert werden kann.

    a) 70,9% der IDUs (median, 71,9%) führten die Therapie bis zu Ende durch, verglichen mit 79,4% der non-IDUs (median, 92,3%). In 5 Studien wurde die Therapie-Komplettierungsrate in IDUs und non-IDUs formal verglichen und dabei nur in einer ein statistisch signifikanter Unterschied gefunden. In dieser einen Studie (n=81, nur univariate Analyse) war die Wahrscheinlichkeit, dass frühere IDUs die Therapie komplettierten, geringer als bei IDUs im Methadon-Programm bzw. non-IDUs.

    b) In 6 Studien, welche die Compliance von IDUs und non-IDUs verglichen haben, betrug die Non-Compliance-Rate bei IDUs 6,8% (median 12,7%), verglichen mit 4,9% (median, 7,3%) bei non-IDUs (cave: starke Variation in der Definition der Behandlungs-Compliance, Vergleichbarkeit fraglich). Nur in 1/3 Studien, welche die Compliance formal verglichen haben, fand sich ein signifikanter Unterschied zwischen beiden Gruppen. In dieser Studie (n=220, nur univariate Analyse) war bei IDUs mit fortgesetzten Drogenkonsum die Wahrscheinlichkeit eines "lost to follow-up" während der Therapieperiode höher als bei IDUs, welche den i.v.-Drogenkonsum sistiert hatten und Teilnehmern ohne i.v.-Drogenkonsum in der Vorgeschichte.

    3) Zeit der Drogenabstinenz vor Therapiebeginn:

    2 Studien evaluierten den Einfluss einer Drogenabstinenz von >= 6 Monaten vor HCV-Therapiebeginn auf das Erreichen einer SVR. In keiner der beiden konnte ein signifikanter Einfluss gefunden werden.

    4) Fortgesetzter i.v.-Drogenkonsum während der Therapie

    Die SVR-Raten waren bei Patienten mit unter Therapie fortgesetztem i.v.-Drogenkonsum (mind. 1 Injektion während der Behandlungsperiode) mit 14,8-52,6% etwas geringer als bei jenen, welche bzgl. i.v.-Drogenkonsum während des Behandlungszeitraums abstinent waren (34,8-57%) (cave: insgesamt nur 71 non-abstinente und 95 abstinente IDUs in drei verschiedenen Studien, kein signifikanter Unterschied). Bei denjenigen Patienten mit regelmäßigem i.v.-Drogenkonsum (mind. jeden 2. Tag) waren die SVR-Raten mit 0-22% geringer als bei anderen IDUs in den gleichen Studien (30,9% und 65,2%) (nur sehr geringe Fallzahlen: 8/76 bzw. 9/40 mit regelmäßigem i.v.-Drogenkonsum, kein signifikanter Unterschied).

    5) Einschluss in Drogen-Therapie- und multidisziplinäre Behandlungsprogramme:

    Die in solchen Programmen eingeschlossenen Patienten erreichten mediane SVR-Raten von ca. 48% (range, 27-94%). Da die Bestandteile der angebotenen Hepatits C-Programme oftmals nicht genau beschrieben werden und die Anzahl der in Drogen-Therapie-Programme eingeschlossenen Teilnehmer nicht angegeben wird, sind Outcome-Vergleiche mit IDUs in anderen Studien kaum möglich.

    6) Risiko der Reinfektion nach Therapieabschluss:

    Es besteht die Befürchtung, dass sich - selbst nach erfolgreicher HCV-Therapie - aktive i.v.-Drogenkonsumenten infolge fortgesetzter gefährlicher Injektionspraktiken neu mit Hepatitis C infizieren. Der Benefit einer Therapie könnte damit vom kombinierten Risiko von Therapie-Nebenwirkungen und Reeinfektion wettgemacht werden.

    Zwar sind die Reinfektionsraten nach spontaner HCV-Clearance in IDU-Kohorten mit 31-47 Fällen pro 100 Personenjahre relativ hoch, die Reinfektionsraten nach antiviraler Behandlung liegen aber viel tiefer (0,8 Fälle pro 100 Personenjahre in einer Studie, in der 27 ehem. IDUs während 13-28 Monaten nach Therapie beobachtet wurden (9/27 wurden bzgl. i.v.-Drogenkonsum rückfällig, unter diesen Reinfektionsrate von 2,5 Fällen pro 100 Personenjahre) und 0-2 Fälle pro 100 Personenjahre in einer anderern Stude mit 18 ehem. IDUs und einem Follow-up von total 50,8 Personenjahren nach Therapie).

    Conclusion:
     

    • Bei vielen großen Studien, welche die Wirksamkeit der HCV-Therapie gezeigt haben, wurden IDUs (injection drug users) ausgeschlossen.
    • Das vorliegende Review zeigt, dass es mittlerweile aus kleineren Studien, welche IDUs eingeschlossen haben, genügend Evidenz dafür gibt, dass IDUs bzgl. Hepatitis C erfolgreich behandelt werden können (vergleichbare SVR-Raten wie bei non-IDUs). Entsprechend sollte ihnen die HCV-Therapie nicht vorenthalten werden, zumal sie das Hauptreservoir für Neuinfektionen darstellen.
    • Dafür, dass ein während der HCV-Therapie fortgesetzter i.v.-Drogenkonsum die Chancen auf einen Therapieerfolg vermindert, gibt es keine klare Evidenz. Es sollte aufgrund der zu erwartenden Compliance von Fall zu Fall entschieden werden.


    Quelle: Hellard, M, Sacks-Davis R and Gold J, CID 2009;49:561-573

    Links:
    - 1st International Symposium on Hepatitis Care in Substance Users 24./25.09.2009 in Zürich => Vorträge als pdf abrufbar
    - SÄZ-Artikel von Philip Bruggmann
    - Chossegros P et al., Gastroentérologie Clinique et Biologique 2008; 32:850-857: In einer französichen prospektiven Beobachtungsstudie der HCV-Behandlung von Drogenkonsumenten war die SVR unter Buprenorphin-Substitution (n=108) mit 48,1% signifikant besser als unter Methadon-Substitution mit 21,8% (n=55) (p=0,001).

    Infektiologie St. Gallen vom 27. September 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Depressionen verschlechtern die Therapietreue

    Wie stark beeinflussen depressive Verstimmungen die HAART-Adhärenz von HIV-positiven Patienten? In einer Kohorten-Studie werteten Deborah Kacanek, Boston, und Kollegen die Daten von 225 Patienten aus, die an mindestens vier Untersuchungen pro halbem Jahr teilgenommen hatten. Depressive Episoden wurden definiert als zwei Besuchen mit negativem Screening-Test auf Depressionen, gefolgt von zwei positiven Screening-Tests. Die Vergleichsgruppe wies in allen vier Untersuchungsterminen negative Depressionsscreenings auf. Wenn die Medikamentendosis häufiger als 5 Prozent in den vorangegangenen 7 Tagen vergessen worden war, galt die Therapietreue als suboptimal.

    Die Ergebnisse: 22 Prozent der Studienteilnehmer entwickelten Symptome einer Depression. Davon zeigten 45,1 Prozent eine schlechtere Adhärenz im Follow-up (vs. 25,9 Prozent, p<0,01). Wer zu Beginn seine Medikamente höchst regelmäßig einnahm und an depressiven Episoden litt, entwickelte zweimal so häufig eine schlechte Adhärenz im Verlauf der Studie.

    Das Fazit: Da depressive Episoden zu suboptimaler Therapietreue führen können, werden intensive Diagnostik und Therapie von Depressionen mit besseren HAART-Erfolgen belohnt.

    Link: Abstract

    HIV&More vom 28. September 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Aids Impfung gibt Rätsel auf

    Wissenschafter haben eine Impfung entwickelt, die das Infektionsrisiko um rund 30 Prozent reduziert. Sie wissen allerdings nicht warum.

    Aids-Forscher sind einen wichtigen Schritt weiter in Richtung Impfstoff gekommen. Ein in Bangkok neu entwickeltes Medikament gegen die Immunschwächekrankheit soll das Risiko einer Infektion mit dem HI-Virus um 31,2 Prozent reduzieren, so die verantwortlichen Forscher am Donnerstag vor Journalisten. Vorausgegangen sei der bisher weltgrößte Impftest.

    Von einem Durchbruch wollen die Forscher allerdings nicht sprechen, denn der Impfschutz ist zu gering und warum er wirkt, wissen die Wissenschafter auch noch nicht genau, berichtet die New York Times online. Studienchef Dr. Anthony S. Fauci spricht aber trotzdem von einem wichtigen Schritt in der Forschung. An der Studie in Thailand waren mehr 16.000 Testpersonen beteiligt. Der Massentest fand unter Leitung des thailändischen Gesundheitsministeriums statt, gesponsert wurde er von der US-Armee.

    Benutzt wurde ein HIV-Stamm, wie er in dem südostasiatischen Land verbreitet ist. Ob ein derartiger Impfstoff auch gegen Virenstämme wirksam sein wird, die in den USA, Europa, Afrika und anderswo verbreitet sind, ist noch nicht klar, wie Wissenschafter betonen.

    Meilenstein?

    Auch wenn der Erfolg des Impfstoffs zunächst nur marginal sein sollte, könnte er große Auswirkungen haben. Jeden Tag infizieren sich nach Angaben der Vereinten Nationen weltweit 7500 Menschen mit dem Virus. Im Jahr 2007 starben zwei Millionen Menschen an Aids. "Das ist heute ein historischer Meilenstein", erklärte Mitchell Warren von der internationalen Aids-Impfungsforschungsgruppe Aids Vaccine Advocacy Group. "Es wird zwar Zeit und Ressourcen kosten, die Daten vollständig zu analysieren und zu verstehen. Man kann kaum bezweifeln, dass dieses Ergebnis das Thema Aids-Impfung mit neuem Schwung erfüllt und in neue Bahnen lenkt."

    Link: New York Times

    Kurier vom 24. September 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    UNAIDS meldet Durchbruch bei AIDS/HIV-Impfstoff

    “Studienergebnisse sehr ermutigend”

    Hamburg / Genf - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Spezialabteilung der Vereinten Nationen für HIV/AIDS/SIDA (UNAIDS) melden heute einen weiteren Durchbruch in der AIDS-Forschung. Sie äußern sich sehr optimistisch über die Ergebnisse der bislang größten HIV-Impfstoffstudie (16.000 Testpersonen), die jemals geführt wurde. Die Studienergebnisse sind das erste Anzeichen dafür, dass ein Impfstoff eine HIV-Infektion bei Erwachsenen vorbeugen kann und aus diesem Grund  von großer Wichtigkeit.

    Die zwei UN Behörden gratulieren den Hauptermittlern, Sponsoren und den freiwilligen Versuchspersonen, die dieses ermutigende Ergebnis möglich gemacht haben. Die Ergebnisse des “RV144 HIV”- Impftests zeigen, dass die Testpersonen nach der Impfung zu 31,2 % besser gegen das HIV-Virus geschützt waren. Diese Ergebnisse haben neue Hoffnung in das Untersuchungsfeld bezüglich der HIV-Impfung gebracht und versprechen, dass eine sichere und hocheffektive HIV-Impfung möglicherweise bald für die besonders bedürftigen Völker der Welt erhältlich sein könnte.

    Im Jahr 2006 bekam die Hälfte der 16 000 Testpersonen jeweils drei Dosen von zwei verschiedenen Aids-Impfstoffen verabreicht. Der andere Teil der Probanden nahm ein Placebo ein, also nur einen vermeintlicher Impfstoff, ohne jegliche Wirkung. Innerhalb der letzten drei Jahre wurden die Freiwilligen dann regelmäßig auf das HI-Virus untersucht. 125 waren positiv, davon allerdings nur 51 der tatsächlich Geimpften.

    Die UNAIDS fordert, dass jetzt mehr Arbeit von den Forschern und einer weiteren Gruppe internationaler Mitarbeitern in die Analyse investiert werden muss. Das Wirkungen des Impfstoffes müssen sollen nun auch auf ihre Dauerhaftigkeit überprüft werden, fordern die Spezialisten der Vereinten Nationen (UNO). Andere Experten vor zu viel Euphorie. Ein Impfstoff sei natürlich kein wirksamer Schutz gegen AIDS.

    Link: New York Times
    erstepresse – nachrichtenagentur - Meldung vom 24. September 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neue HIV-Medikamente rennen die Türe ein

    von Pietro Vernazza

    Man könnte meinen, der HIV-Markt sei nun mal gesättigt aber es geht immer noch weiter. In einer HIV-Session wurden einige Substanzen vorgestellt, die noch in der frühen klinischen Prüfung stecken. Von all den neuen Substanzen scheint uns der "Backup-Integrase-Hemmer" der Firma GSK am interessantesten, sodass wir diesen separat abhandeln (siehe unten).

    Interleukin 7 - Eine neue Interleukin Studie
    Die bisherigen Versuche, die HIV-Infektion günstig zu Beeinflussen durch Veränderung des Zytokinhaushaltes, haben sehr wenig gebracht. Am letzten CROI haben die negativen Resultate einer siebenjährigen Studie mit Interleukin-2 enttäuscht. Angesichts des riesigen Aufwandes für diese Studie (30 Mio. US$) wird es eine weitere Studie schwierig haben. Und doch, am ICAAC wurde ein interessantes neues Konzept mit IL-7 vorgestellt.

    IL-7 erhöht zwar auch die CD4 Zahl im Blut, unterscheidet sich immunologisch aber grundsätzlich von IL-2. Es stimuliert die Produktion von CD4 Zellen aus dem Thymus. In dieser Phase I/II Studie wurden in zwei verschiedenen Dosisgruppen (10 und 20 ug/kg) je 8 Patienten behandelt (+ je 2 Placebo). Alle Patienten waren unter einer vollständig suppressiven Therapie (VL<50kop/ml) mit CD4-Werten zw. 100-400/ul. Es wurden je 3 Dosen dieses rekombinanten humanen IL-7 in wöchentlichen Abständen subkutan verabreicht.

    IL-7 mobilisiert Thymozyten
    Die Resultate dieser Intervention sind verblüffend. IL-7 zeigte, dosisabhängig, einen deutlichen Anstieg der CD4 Zellen eine Woche nach der letzten Dosis (Verdreifachung in der höheren Dosis!), welche auch noch nach 12 Wochen sichtbar blieb (+135 über Baseline). Besonders bemerkenswert ist aber die Tatsache, dass ein großer Teil zusätzlichen Zellen naive CD4 Zellen sind. Offenbar führt das IL-7 zu einer Mobilisierung von neuen Zellen aus dem Thymus, was sich auch an der (vorübergehend) hohen Zahl an Thymuszellen in der Peripherie nachweisen ließ.

    Auffallend auch die sehr gute Verträglichkeit. Keiner der Patienten hatte eine relevante Nebenwirkung (>Grad 2). Interessant auch, dass die IL-7 Gage nur zur Vermehrung (Proliferation) der CD4 Zellen führte, diese aber nicht in einen höheren Aktivierungszustand versetzte.
    Keine antiretrovirale Therapie zwar, aber eine interessante Erweiterung des Therapieeffektes für diejenigen Patienten, die erst bei fortgeschrittener Immunschwäche eine Therapie erhielten und keinen genügenden Anstieg der CD4 Zellen hatten. Ob die neu gebildeten Zellen auch bezüglich ihrer Funktion einem "frischen" Immunsystem gleich kommen, wird sich erst noch zeigen müssen.

    Levy et al, 49. ICAAC 2009, Abstract H-1230a

    Pro140: Ein neuer Entry inhibitor kämpft sich durch
    Bei diesem neuen Medikament handelt es sich um ein monoklonalen Antikörper, der an die Bindungsstelle des HIV-Hüllenproteins (gp120) am CCR5-Rezeptor bindet. Im Gegensatz zu den konventionellen CCR5 Antagonisten, welche CCR5 inaktivieren indem sie die Struktur des Moleküls verformen, bindet Pro 140 nur an der HIV-Bindungsstelle, behindert aber die Funktion von CCR5 selbst nicht. Es ist auch wirksam bei Maraviroc-resistenten Stämmen und zeigt in vitro einen Synergismus mit den CCR5 Hemmern.

    Somit hätten wir schon mal ein sehr interessantes Wirkkonzept. Doch als Antikörper, muss Pro140 parenteral, iv. oder subkutan verabreicht werden und der Preis für die Herstellung dürften auch höher sein. Somit wird diese Substanz vorerst wohl nur einen Platz in der Behandlung von komplizierten Fällen mit Multiresistenz haben und die Einschränkung für R5 Virus wird auch bleiben. Doch für diese Anwendung hat die FDA bereits eine rasche Zulassung vorbereitet.

    Die Substanz wurde bereits am CROI 2009 in der iv. Anwendung (10mg/kg) gezeigt. Man erreicht nach einer einmaligen Applikation eine Senkung der Viruslast um 1.8 log. Das ist beeindruckend. Am ICAAC wurden nun weitere Daten zur subkutanen Applikation von Pro 140 gezeigt (324mg s.c). Nach drei Anwendungen im Abstand von einer Woche findet sich eine Reduktion der Viruslast um 1.5 log. und die Substanz wird sehr gut vertragen. Die Firma glaubt, dass sich das Medikament für Personen, die Probleme mit täglicher Medikamenteneinnahme haben, gut eignen könnte. Warten wir's ab.

    Jacobson et al,  ICAAC 2009, Abstract H-1229

    Bevirimat - Skepsis angezeigt
    Eher skeptisch bin ich hingegen bei der Substanz Bevirimat-Dimeglumine (MPC-4326). Das Medikament hat einen ganz neuen Wirkungsmechanismus. Das alleine, macht es ja schon mal interessant. Das gag-Protein des HIV muss nach seiner Aufspaltung durch die Protease einen Reifungsprozess durchmachen. Dieser Prozess wird durch das Medikament behindert. Es wirkt daher auch bei allen bekannten Medikamenten-Resistenzen. Dazu wird es sehr gut vertragen und kann gut peroral verabreicht werden. Soviel zum Positiven.

    Die Substanz wurde in einer Phase 2 Studie in zwei dosen (200mg, 300mg bid) während 14 Tagen Monotherapie getestet. 6 der 32 Patienten hatten schon früher eine Therapie gehabt und mussten gegen mindestens eine Substanz eine Resistenz aufweisen. Doch verglichen mit den Resultaten von andere Monotherapien (s. oben oder Integrase-Hemmer) sieht das Resultat kläglich aus: Senkung der HIV-Viruslast um ca. 0.5 - 0.7 log. Tatsächlich ist es so, dass das Medikament bei einigen Personen nicht wirkt, weil das gp120 eine andere Struktur hat. Ein weiteres Medikament, das einen Test braucht um herauszufinden, ob es wohl wirken könnte, und wenn es dann wirkt, so ist die Potenz nicht gerade berauschend - Forget it! würden wir meinen.

    Bloch et al, ICAAC 2009, Abstract H-1230

    Infektiologie St. Gallen vom 21. September 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Einmal tägliche Dosierung von Lopinavir/Ritonavir zugelassen

    Abbott hat von der Europäischen Kommission die Zulassung für die einmal tägliche Dosierung der Tablettenformulierung von Lopinavir/Ritonavir für erwachsene, therapienaive HIV-Patienten erhalten. In Kombination mit anderen antiretroviralen Wirkstoffen ist der Proteaseinhibitor (PI) bei dieser Patientengruppe nun sowohl für die einmal- als auch für die zweimal tägliche Anwendung zugelassen, sodass Ärzten bei der Wahl der am besten geeigneten Dosierung des HIV-Regimes eine weitere Option offen steht.

    „Die Zulassung dieser neuen Dosierungsoption für Kaletra in Europa ist wichtig für erwachsene Patienten, für die es vorteilhaft sein kann, ihr verschriebenes Lopinavir/Ritonavir-Regime nur einmal am Tag einnehmen zu müssen“, sagte Priv.-Doz. Dr. med. Johannes Zahner, Medizinischer Direktor von Abbott Deutschland. „Die einmal tägliche Einnahme des koformulierten Proteaseinhibitors Lopinavir/Ri tonavir ist besonders für Patienten von Bedeutung, deren Lebensumstände ihre Therapietreue negativ beeinflussen können.“

    Die neue Einnahmeoption besteht für solche Patienten, bei denen die einmal tägliche Anwendung von Kaletra als notwendig für die Behandlung erachtet wird. Im Vergleich zur empfohlenen zweimal täglichen Standard-Dosierung kann die einmal tägliche Dosierung von Lopinavir/Ritonavir mit einer geringeren Dauer der viralen Suppression und einem höheren Diarrhoe-Risiko assoziiert sein. Die einmal tägliche Dosierung von Lopinavir/Ritonavir wurde bei antiretroviral vorbehandelten Patienten und bei pädiatrischen Patienten noch nicht ausreichend untersucht. Lopinavir/Ritonavir sollte bei einmal täglichem Gebrauch nicht mit Efavirenz, Nevirapin, Nelfinavir, Amprenavir, Carbamazepin, Phenobarbital oder Phenytoin kombiniert werden.

    Lopinavir/Ritonavir-Tabletten können unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden und benötigen keine Kühlung – zwei wichtige Vorteile bei der HIV-Therapie.

    Journalmed vom 18. September 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Schutz aus Pflanzen

    Tabakpflanzen könnten in einigen Jahren Menschen vor einer Infektion mit dem Aids-Erreger HIV schützen.

    Tabakpflanzen könnten in einigen Jahren Menschen vor einer Infektion mit dem Aids-Erreger HIV schützen. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie IME in Aachen arbeiten zurzeit in dem EU-Projekt “Pharma Planta” an der Herstellung eines entsprechenden Wirkstoffes, der aus gentechnisch veränderten Tabakpflanzen gewonnen wird.

    Es geht dabei um den Antikörper 2G12, der sich an ein Eiweiß (das Protein gp120) auf der Oberfläche des Virus bindet. Dadurch kann der Aids-Erreger nicht mehr an die Immunzellen andocken, eine Infektion wird verhindert. Bislang werden diese Antikörper in Zellkulturen hergestellt, was jedoch aufwendig und teuer ist. Eine Alternative bieten die Tabakpflanzen, in denen sich Wirkstoffe deutlich kostengünstiger als in tierischen Zellen produzieren lassen. Damit sich die Antikörper demnächst aus Pflanzen ernten lassen, haben die Wissenschaftler das Gen für den Wirkstoff in das Erbgut einer Tabakpflanze eingeschleust. “Die gentechnisch veränderte Pflanze produziert beim Wachsen dann das neue Protein mit”, erläutert Dr. Stephan Hellwig, Leiter der Herstellung am IME. Auf der Biotechnica in Hannover (6. bis 10. Oktober) präsentieren die Wissenschaftler erste Ergebnisse.

    Wann der Wirkstoff in welcher Form beim Menschen eingesetzt werden kann, ist derzeit noch nicht absehbar. Aber es wäre der erste medikamentöse Schutz vor der todbringenden Infektion. Jedes Jahr stecken sich weltweit etwa 2,7 Millionen Menschen mit HIV an.

    Fraunhofer Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. – Pressemeldung vom 17. September 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Test als Standard in der Schwangerschaftsvorsorge

    Eine Auswertung von Schwangerschaftsdaten HIV-infizierter Patientinnen der Jahre 2004-2008 in München und Berlin hat ergeben, dass ein Drittel der Frauen ihren positiven HIV-Status durch den routinemäßigen HIV-Test in der Schwangerschaft bei ihrem niedergelassenen Gynäkologen erfahren haben. „Die Zahlen verdeutlichen, wie wichtig es ist, einen HIV-Test im Bereich der Schwangerschaftsvorsorge anzubieten. Nur bei Kenntnis des HIV-Status können die erforderlichen und sehr erfolgreichen medizinischen Prophylaxemaßnahmen zur Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung von HIV ergriffen werden“, erklärt Dr. Andrea Gingelmaier, Oberärztin an der Frauenklinik in der Maistraße.

    Interdisziplinäre Betreuung am LMU-Uniklinikum

    Die HIV-Ambulanz der Frauenklinik am Campus Innenstadt des LMU-Klinikums betreut pro Jahr etwa 500 HIV-infizierte Patientinnen, davon 30-40 Schwangerschaften. Die Betreuung der betroffenen Frauen am Klinikum der Universität München erfolgt interdisziplinär: Die HIV-Ambulanz der Frauenklinik arbeitet eng zusammen mit der HIV-Ambulanz der Medizinischen Poliklinik, der Immundefektambulanz des von Haunerschen Kinderspitals und den HIV-Schwerpunktpraxen Münchens. Diese optimale Versorgung hat sich bewährt – in den letzten 10 Jahren kam es nur noch zu einer HIV-Infektion bei einem HIV-exponierten Kind. „Leider kommt es auch in München immer wieder zur HIV-Übertragung von Müttern auf ihre Neugeborenen, die bei korrekter Betreuung fast in jedem Fall vermeidbar gewesen wären. In der Mehrzahl dieser Fälle wurde es versäumt, den betroffenen Müttern einen HIV-Test zu Beginn der Schwangerschaft anzubieten. Die heute zur Verfügung stehenden, effektiven prophylaktischen Maßnahmen können jedoch nur bei bekannter Infektion greifen“, ergänzt Gingelmaier.

    Kinderwunsch bei HIV-infizierten Frauen steigt

    In Deutschland wünschen sich heute viele HIV-infizierte Frauen bewusst ein Kind. Dieser Wandel im Bereich Kinderwunsch und Schwangerschaft ist zurückzuführen auf die extrem verbesserte Lebensperspektive der Frauen mit einer HIV-Infektion, die durch die Behandlung mit hochaktiven Medikamentenkombinationen erreicht wird. Eine ebenso wichtige Rolle spielt der große Erfolg im Bereich der Verhütung der kindlichen Ansteckung, denn die Mutter-Kind-Übertragung (vertikale Transmission) konnte von 20-25 % auf unter 1% gesenkt werden. Maßgeblich ist hierbei die medikamentöse antiretrovirale Behandlung der Schwangeren während der Schwangerschaft.

    Medizin und Forschung ruhen sich jedoch nicht auf diesen Erfolgen aus: Da die HIV-Therapie immer komplexer wird, sehen sich die HIV-Behandler und betreuenden Gynäkologen ständig mit neuen Problemen in Bezug auf die Anwendung neuer Medikamente in der Schwangerschaft und auch Resistenzentwicklungen gegen diese Medikamente konfrontiert. „Aufgrund dieser Komplexität und der in der Schwangerschaft von HIV-positiven Frauen notwendigen Spezialuntersuchungen sollten alle HIV-positiven Schwangeren daher zumindest in einem spezialisierten Zentrum mitbetreut und auch dort entbunden werden“, fasst Prof. Friese zusammen.

    Klinikum der Universität München - Pressemeldung vom 17. September 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Backup Integrase Hemmer: Neues Prinzip in der Medikamentenentwicklung

    von Pietro Vernazza

    Die Firma GSK hat die Resultate der ersten klinischen Prüfung eines Integrasehemmers vorgestellt. Ein interessantes Konzept: Am IAS 09 wurde der neue Integrase-Hemmer der Firma GSK mit dem einfachen Namen S/GSK1349572 vorgestellt. Und schon kommt ein weiterer Intergrase-Hemmer aus demselben Haus, 1265744. GSK hat offenbar nach der ungenügenden Akzeptanz von Fosamprenavir auf dem Markt und dem Absturz des CCR5-Hemmers in Phase 3 Angst, den Anschluss auf dem HIV-Gebiet zu verlieren. Sicher ein kluger Zug, für den unglücklichen Fall, dass die erste Substanz die Phase III Hürde nicht nehmen sollte.

    Interessant ist dies aber insofern, als dass es aus der Ferne betrachtet eher so aussieht, dass diese Backup-Substanz ihren Vorgänger noch überflügeln könnte. Wir sind gespannt, wie es weiter geht.

    Weshalb so begeistert?

    Der neue Integrase Hemmer (IH), nennen wir ihn "744", hat in dieser Phase I/II Studie eine Wirkung gezeigt, die ich in diesem Ausmaß noch nie gesehen habe: Nach 10 Tagen Monotherapie (einmal täglich 30mg) kam es bei den 8 Patienten zum RNA Abfall um sagenhafte 2.6 log. (Einschluss: >5000 RNA, > 200 CD4). Was aber am meisten auffällt, nebst der guten Verträglichkeit, ist die lange Halbwertszeit von 30 Stunden. In dieser Monotherapie wurde keine Resistenzentwicklung beobachtet und die ersten pharmakokinetischen Studien zeigen keine Kumulation der Substanz, trotz langer HWZ.

    Was besonders auffällt, ist die lange anhaltende Wirkung der HIV-Suppression (s. Abb.). In dieser Studie wurden die 8 Patienten unter 744 (und die drei unter Placebo) anschließend auf eine Kombinationstherapie gesetzt. Aber zuerst hatten sie noch eine Therapiepause. Und in diesen drei Tagen Pause zeigte sich eher noch eine weitere Abnahme der Viruslast als das Gegenteil.

    Lange Wirkdauer - Geringere Ansprüche an die Adherence

    Offenbar ist die minimale Plasmakonzentration weit über der notwendigen Schwelle, um das Virus vollständig zu supprimieren. Dies sagt der Substanz einen sehr hohen Grad an "Forgiveness" voraus. Eine Eigenschaft, die die Therapie in Zukunft einfacher und zuverlässiger machen dürfte. Wir dürfen gespannt sein, ob 744 oder 572 das Rennen macht.

    Und die Nebenwirkungen?

    Natürlich beurteilt man eine Substanz bezüglich Nebenwirkungspotential nicht an 8 Patienten. Doch es ist doch eindrücklich, dass diese Patienten unter der Monotherapie wirklich keine Nebenwirkungen zeigten. Eine Voraussetzung, um überhaupt in das Team der HIV-Therapeutika einzusteigen. Die Langzeiterfahrungen müssen wir zuerst noch machen.

    Shreen Min et al, 49th ICAAC 2009, Abstract 1228

    Infektiologie St. Gallen vom 16. September 2009Inhaltsverzeichnis  |  Text markieren



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

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