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Neue
Daten zu ISENTRESS®
auf der CROI 2010 vorgestellt
"Pssst,
meine Mama ist HIV-positiv"; HIV als Familiengeheimnis
Was
gibt es 2010 Neues zu HIV?
EKAF-Statement:
2 Jahre danach
HIV
und Schwangerschaft: Was empfehlen Experten
Kinder
und Schwangerenmodul etablieren sich im Netz
Kombinations
Impfstoff bewirkt besseren Schutz vor Virusinfektionen
Herpesmedikament
verzögert HIV-Erkrankung
Infizierte
in Russland befürchten Nebenwirkungen von US-Medikamenten
Keine
Therapie mehr wegen der Weltwirtschaftkrise?
Arzneimittelbetrug:
Viramune aus Afrika im Umlauf
Jede
dritte Neudiagnose mit Migrationshintergrund
Hämophilie-Gesellschaft
fordert baldige Sicherheit für Stiftung
Immunzellen
und HIV – Neue Studie zu HIV-Zelltropismus
Hitzestabile
Ritonavir Tablette in Europa zugelassen
HIV:
Ansteckungen stark rückläufig
Schlüsselenzym
nach 20 Jahren „geknackt“
HIV:
BCG Impfstoff senkt Tuberkulose-Fälle
Therapieumstellung
ohne Probleme
48
Wochen Resultate der MONET-Studie
HIV:
Gehirn altert schneller als normal
Leugnung
von AIDS muss geahndet werden
Hepatitis
C: Kaffee verlangsamt die Leberfibrosierung
Westpapua
hat höchste HIV/AIDS Infektionsrate Indonesiens
Schutz
vor Hepatitis C mit den richtigen Genen
Fettverlust
im Gesicht bald über MediCare behandelbar?
Saanen
meeting - zum 20. Mal!
SWITCHMRK
Studie publiziert
Herzinfarktrisiko
durch Aids-Medikamente nur gering erhöht
Lausanner
Forscher wecken schlafende Viren
New
York: Kontroverse um Safer Use
Chinas
HIV-Kranke sollen von der Gesellschaft besser verstanden werden
Sterblichkeit
von HIV-Patienten hat sich halbiert
Kompetenznetz
HIV/Aids kämpft ums Überleben
Proteasehemmer
zur Tumortherapie
DAH
Gutachten zum Datenschutz
Suizidrate
bei HIV-Patienten um die Hälfte gesunken
Vaginalgel
senkt Risiko doch nicht
Antiretrovirale
Therapien auch ohne Laborüberwachung sicher
Ermutigende
Resultate in der Forschung nach Anti-HIV Pille
Stammzellen
können HIV angreifen
10
Kurzfilme: Frauen und Aids
Überwachte
Therapie bei HIV-Patienten nicht besser als Eigenverantwortliche
Was
die Griechen mit HIV gemein haben
Wirkunterschiede
in der Initialtherapie
Wie
viel Kalk erträgt das Herz eines HIV-Patienten?
Krankenversicherung
Änderungen 2010
Zusammenfassung:
12th European AIDS Conference - HIV-Diagnostik und Therapie
Wie
sich das HI-Virus vermehrt
Aids
ist in Westeuropa soziale Krankheit
Jeder
100ste Russe HIV-positiv
HIV-Neuinfektionen
stabilisiert
Die HIV AIDS Infos sind eine Zusammenstellung
aus Internetquellen, Mail- und Newsgroups und erstreckt sich jeweils über
einen Zeitraum von ca. drei bis vier Monaten. Die einzelnen Artikel sind
mit einem Link auf die Orginalartikel versehen und chronologisch geordnet.
Es wird auf diese Weise schnell
über neue Entwicklungen und Änderungen in den Bereichen Epidemiologie,
medizinischer Behandlung, ambulanter Pflege und psychosozialer Beratung
bei HIV-Infektion und AIDS-Erkrankung informiert. Die HIV AIDS Infos erscheinen
in regelmäßigen Abständen und informieren interdisziplinär
über Änderungen und Neuerungen auf dem Gebiet von HIV und AIDS.
Neue Daten zu ISENTRESS® auf der CROI 2010 vorgestellt
San Francisco – Im Rahmen der CROI präsentierte neue Daten zeigten, dass der Integrasehemmer ISENTRESS® (Raltegravir, MSD), bei unbehandelten (therapienaiven) HIV-1-infizierten erwachsenen Patienten in einer laufenden Phase-II-Studie über einen Zeitraum von 192 Wochen hinsichtlich Unterdrückung der Viruslast unter die Nachweisgrenze und einer Erhöhung der CD4-Zellzahl ebenso wirksam war wie Efavirenz.
Die gesamte Pressemeldung hier klicken!
MSD
SHARP & DOHME GMBH - Pressemeldung MSD vom Februar 2010
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10tes Arbeitstreffen HIV und Schwangerschaft in Schlangenbad / Taunus
Dr. Barbara Bertisch vom Kantonsspital
St. Gallen fasst ausgewählte Beiträge der Tagung zusammen.
"Pssst, meine Mama ist HIV-positiv"; HIV als Familiengeheimnis
von Barbara Bertisch
Nina Jann, eine Pädagogin aus Tübingen, hat sich im Rahmen ihrer Diplomarbeit Gedanken gemacht zur Situation von Kindern / Jugendlichen, die erleben, dass Vater/Mutter oder sogar beide Eltern an HIV erkrankt sind.
Die Arbeit erhebt nicht den Anspruch,
repräsentativ zu sein. Das kann sie auch nicht, da lediglich 3 Jugendliche/
Kinder befragt werden konnten (nach, wie von der Referentin geschildert,
sehr langer Suche).
Wohlgemerkt: es handelt sich dabei
nicht um (selbst) HIV positive Kinder! Aber dennoch: die Überlegungen,
die die Autorin anhand der Interviews zur Situation "HIV-betroffener" Kinder
und Jugendlicher entwickelt hat, stimmen nachdenklich:
Grundsätzlich könnten,
so die Ausführungen, elterliche (chronische) Erkrankungen im Familiensystem
das familiäre Gleichgewicht gefährden. Das Selbst- und Weltbild
der Eltern werde durch die chronische Erkrankung erschüttert. Für
die Eltern bedeute dies: Fragen nach dem Sinn der eigenen Existenz würden
gestellt, Wünsche zurückgestellt.
Für Kinder könne diese
Situation eine tiefe existentielle Verunsicherung bedeuten. Die kindliche
Grundannahme, dass die Eltern immer verfügbar seien, werde in Frage
gestellt. Das Kind entwickle u.U. eigene Schuldattributionen, gepaart mit
magischem Denken in Bezug auf die Erkrankung der Eltern (z.B. "ausgelöst
durch eigene böse Gedanken"...).
Grundsätzlich würden solche
Belastungen dieser Kinder unterschätzt. Hinzu könnten erhöhte
Ansprüche der Eltern an ihre Kinder kommen, zum Beispiel im Sinne
von emotionaler Entlastung der Eltern. Natürliche Ablösungsprozesse
der Kinder könnten dadurch erschwert werden.
Im Vergleich zu anderen elterlichen
Erkrankungen sei zusätzlich belastend, dass die HIV-Infektion mit
einer Stigmatisierung/Ausgrenzung verknüpft sei. Oft werde aus dem
Umfeld die elterliche Erkrankung mit einer Frage der Verursachung verknüpft,
verbunden mit meist unausgesprochener Schuldzuweisung.
Das könne zu einem innerfamiliären
"inneren Vertrag zur Geheimhaltung" führen, bzw. zu Ausflüchten
über (erfundene) andere Erkrankungen o.ä.. Kinder müssten
dabei die von Erwachsenen getroffenen Vereinbarungen übernehmen.
Die kindliche Bewältigung dieser
Situation sei in Abhängigkeit von persönlichen, familiären
und externen Ressourcen. Das Fehlen externer Unterstützung (zum Beispiel,
wenn nichts "nach außen" sickern dürfe) könne durch ausreichende
familiäre Ressourcen ausgeglichen werden. Daneben könne aber
auch die Nutzung äußerer Ressourcen wie zum Beispiel psychologische
Unterstützung, Ärzte der Eltern, AIDS-Hilfe, hilfreich sein.
Die angesprochenen möglichen
Hilfeleistungen können grob unterteilt werden in solche, die sich
auf das Kind/den oder die Jugendliche(n) zentrieren (wie spezielle Beratungsmöglichkeiten
für diese Betroffenengruppe; Informationsvermittlung; Peer-Involvement),
oder auch das Familiensetting betreffen (mit Förderung der familiären
Kommunikation / Problemlösefähigkeit...).
Insbesondere auch in der anschließenden
Diskussion zeigte sich:
Der Zeitpunkt, zu dem das Kind eingeweiht
würde, werde in der Realität sehr unterschiedlich gewählt
(womöglich auch je nach Kulturkreis der Betroffenen?). Auch dieser
Zeitpunkt bedinge natürlich stark, dass externe Unterstützungsmöglichkeiten
nur in unterschiedlichem Ausmaß nutzbar seien.
In der Diskussion zeigte sich zudem, dass es zumindest in Deutschland bislang nur wenig Strukturen gebe, die zur Unterstützung betroffener Kinder/Jugendlicher herangezogen werden könnten. Ob wir da in der Schweiz so viel besser dastehen? Sicher ist die Stiftung AIDS und Kind in sehr vielen Bereichen in der Schweiz aktiv.
Zusätzlich stellt sich auch als Problem dar, dass die HIV-betroffenen Kinder/Jugendliche im Medizinalsystem "durch die Maschen" fielen: der Pädiater sei u.U. nicht einmal über das Problem informiert; die HIV-Behandler des Elternteils/der Eltern auch nicht üblicherweise Ansprechpartner; Ansätze zur Familienmedizin bislang noch dürftig.
Infektiologie
St. Gallen vom 17. Februar 2010
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Was gibt es 2010 Neues zu HIV?
von Barbara Bertisch
Persönliche Highlights aus dem Vortrag von Prof. J. Rockstroh, Bonn, mit Hinweisen auf ausführlichere Kommentierung einzelner Themen auf www.infekt.ch.
Bekannte Fakten: mittlerweile sind weit über 85% der HIV-Patienten, die unter Behandlung stehen, mit ihrer Viruslast unter 50 Kopien/ml.
Dank der zahlreichen zur Verfügung stehenden Medikamente können für alle Patienten (mit äußerst seltenen Ausnahmen) geeignete Kombinationen gefunden werden. Die Medikamente der HAART unterscheiden sich dabei nicht massiv in ihrer Wirksamkeit. Stattdessen seien andere Faktoren (meist) für die Therapieauswahl wesentlich, insbesondere Fragen der Resistenz, Adhärenz, Verträglichkeit, des Interaktionspotentials, und auch Komorbiditäten (Hepatitiden; kardiovaskulär), Kinderwunsch und, ja, auch die Kosten.
Ein großes Problem sind aber weiterhin die Patienten, die (zu) spät im Verlauf ihrer Erkrankung diagnostiziert werden, bei einer CD4-Zahl unter 350/µl oder dem Auftreten von einem AIDS definierenden Ereignis. Diese Patienten haben einen Anteil von 40% und mehr, der über die Jahre von 2005 bis 2008 nicht zurückging. Im Rahmen einer HIV-Europa-Initiative werde versucht, diese Patienten früher ausfindig zu machen.
Anmerkung: Zu dieser HIV-Europa-Initiative verweisen wir auf einen ausführlichen Kommentar von Prof. B. Ledergerber auf unserer Homepage: die Diagnose muss früher erfolgen! http://www.infekt.ch/updown/documents/HIV-cup_EACS09_Ledergerber.pdf
Ein größerer Teil des Vortrags befasste sich mit den neuen Richtlinien der EACS. In ausführlicher Form können diese auf unserer Homepage abgerufen werden: EACS-Guidelines 2009. http://www.infekt.ch/updown/documents/HIV-cup_EACS09_Battegay.pdf
Zudem diskutierte J. Rockstroh Argumente pro und contra einen Start der HAART oberhalb von 350 CD4-Zellen/µl, bzw. ggf. oberhalb von 500 CD4-Zellen/µl. Hier möchten wir auf den unseren ausführlichen Kommentar genau dieser Pro-Contra-Abwägung beim diesjährigen Saanen-Meeting verweisen.
Neu ist, dass jetzt auch Prezista (Darunavir) in initialen Therapieregimes eingesetzt werden kann. Isentress (Raltegravir) werde immer mehr zu einer Alternative. Hierzu ein (immer noch gültiger) Überblick über die HIV-Therapie in der Schweiz im Juni 2009 http://www.infekt.ch/index.php?artID=627.
Infektiologie
St. Gallen vom 8. Februar 2010
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EKAF-Statement: 2 Jahre danach
Von Barbara Bertisch
2 Jahre nach Publikation der EKAF-Statements: Bilanz und Ausblick eines der Statement-"Väter".
Zum Zeitpunkt des Vortrages war es genau auf den Tag 2 Jahre her, dass "das EKAF-Statement" publiziert worden war (hier nochmals in der Originalversion http://www.saez.ch/pdf_d/2008/2008-05/2008-05-089.PDF).
In Schlangenbad gab Prof. Pietro Vernazza, St. Gallen, einer der "Väter" des EKAF-Statements, einen Überblick:
- was war Zweck des Statements?
- welche Befürchtungen trafen
ein oder trafen nicht ein? und
- was bleibt noch zu tun?
Im Statement sollte kommuniziert
werden: "es ist okay, über Sex ohne Kondome zu sprechen". Das sollte
sowohl Patienten und ihren Partnern/Partnerinnen signalisiert werden, wie
auch ihren Ärzten.
Fazit dazu: Das EKAF-Statement hatte
einen starken Effekt auf die AIDS-community. Es wurde rasch und breit kommuniziert.
Ob auch das Reden über Sex ohne Kondome dadurch vereinfacht wurde?
Mit großer Wahrscheinlichkeit ja. Es gibt Hinweise, dass auch das
Arzt-Patient-Gespräch dadurch vereinfacht wurde.
Ein weiteres Ziel war, die Diskriminierung von HIV-Patienten zu reduzieren. Einschätzung von P. Vernazza: bezüglich Diskriminierung habe es nicht wirklich eine komplette Änderung gegeben, aber es habe sich etwas bewegt. (Anmerkung der Kommentatorin: zahlreiche Patienten haben mir gesagt wie erleichternd es sei, sich nicht mehr selbst als permanente Gefahr für andere selbst wahrzunehmen. Riesenlasten fielen von vielen ab. Besonders hatten viele in ihrer Partnerschaft große Angst, bei einem Kondomversagen trotz aller Vorsorge den Partner anstecken zu können. Unter Erfüllung aller im Statement genannter Voraussetzungen konnte ihnen diese Angst erstmals seit Erfahren der eigenen HIV-Positivität genommen werden).
Ein weiteres Ziel des EKAF-Statements war gewesen, die in der Schweiz bis dahin recht häufigen Verurteilungen von HIV-Positiven (wegen Gefährdung Anderer trotz Beachtung der genannten Voraussetzungen) zu reduzieren. Dies ist gelungen.
Hatten HIV-Positive zuvor einen Kinderwunsch
gehabt, hatte man beim HIV-positiven Mann über Jahre die Spermien
gewaschen; zuletzt waren auch Möglichkeiten des (nur für die
fruchtbare Phase reservieren) Geschlechtsverkehrs ohne Kondom, aber unter
Präexpositionsprophylaxe (PREP) der Partnerin (d.h. unter Gabe von
zumeist Tenofovir, evtl. kombiniert mit Emtricitabin) eingesetzt worden.
War die Frau positiv, hatte sie sich z.B. geholfen mit Einführen des
umgedrehten Kondoms nach dem Geschlechtsverkehr.
Hat das EKAF-Statement messbar zu
einer Änderung geführt? Bisher gebe es nur einen Trend: bei der
Frage nach Vaterschaft (im Rahmen der schweizerischen HIV-Kohortenbefragung)
seien die Zahlen steigend. Der Einsatz von PREP ist nach Einschätzung
von P. Vernazza rückläufig.
Angesichts des EKAF-Statements waren Befürchtungen geäußert worden, das Risikoverhalten nehme dadurch zu. Tatsache ist, dass bereits lange zuvor die Anzahl neuer Syphilisinfektionen (als Hinweis für Risikoverhalten) steigend war. Die endgültige Einschätzung sei aktuell noch sehr erschwert; ein Gegenargument sei aber, dass jetzt erstmalig seit Jahren in der Schweiz eine Abnahme bei HIV-Infektionen dokumentiert werden konnte (wobei möglicherweise auch andere Faktoren (z.B. das Projekt "mission possible") beteiligt sein könnten).
Dass trotz korrekter Einhaltung der Forderungen des EKAF-Statements ein Restrisiko für eine HIV-Übertragung bestehe, sei von den EKAF-Autoren nicht ausgeschlossen worden. Fälle seien möglich.
Oft werde in den Argumentationen die Befürchtung geäußert, "nicht nachweisbar" gelte ja nicht für ewig. Diesbezüglich zeige sich anhand von Daten der Schweizerischen HIV-Kohorte, dass die Wahrscheinlichkeit erneut nnwb nächster Werte um so höher sei, je häufiger bereits nnwb Viruslastwerte gemessen worden waren.
Infektiologie
St. Gallen vom 17. Februar 2010
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HIV und Schwangerschaft: Was empfehlen Experten
von Barbara Bertisch
Was ist 2010 "State of the Art" bei der Auswahl der HAART bei Schwangeren, was gilt bezüglich peri- und postpartaler Strategien zur Reduktion des Übertragungsrisikos?
In Schlangenbad präsentierten Prof. Jane Anderson, London, Dr. K. Boer, Amsterdam (Gyn.), und Prof. Ch. Rudin, Basel (Päd.) dazu ihre Daten, ergänzt durch pharmakologische Einschätzungen (PD N. von Hentig, Frankfurt am Main).
Zur HAART in der Schwangerschaft:
Bei Erststart würde J. Anderson
bei einer CD4-Zellzahl unter 250/µl Combivir (AZT/3TC) und Viramune
(Nevirapin) empfehlen, über CD4 250/µl Combivir und geboostete
Invirase (Saquinavir/riton.), oder Kaletra (Lopinavir/riton.). Nach Beendigung
der Schwangerschaft würde sie dann ggf. auf "moderne" Kombinationen
umstellen. Therapiestart nach dem 1. Trimenon.
Bei Eintreten einer Schwangerschaft
unter gut laufender HAART gelte für sie: Belassen der Medikation.
Sie würde sogar Stocrin (Efavirenz)
belassen (für das die neueren Daten "immer positiver" bei Einsatz
in der Schwangerschaft würden).
Auch Viread (Tenofovir) würde
sie nicht umstellen (wobei aber Dr. Boer "noch nicht zufrieden" sei bezüglich
Einschätzung eines möglichen Einflusses auf den kindlichen Knochen).
Wirklich problematisch in der Schwangerschaft
sei lediglich Videx (Didanosin).
(Anmerkung der Kommentatorin: Zerit
(Stavudin) wurde nicht eigens erwähnt, aber ist in der Schwangerschaft
heikel (Risiko Laktazidose)).
Ergänzungen durch den Pharmakologen
(v. Hentig):
über neue Substanzen Prezista
(Darunavir), Intelence (Etravirin)) gebe es bislang nur Einzelfallberichte
über Einsätze in der Schwangerschaft, bezüglich Celsentri
(Maraviroc) und Isentress (Raltegravir) keine Daten.
Bei Einsatz von Proteasehemmern
sei eine Spiegelkontrolle nur bei Verdacht auf Toxizität erforderlich;
Ausnahme sei Gabe von ungeboostetem Reyataz (Atazanavir).
Bei Gabe von Viramune (Nevirapin)
seien Spiegelkontrollen sehr wichtig, insbesondere bei Gewichtszunahme.
Unverändert sei das Ziel einer nicht nachweisbaren Viruslast vor dem Entbindungstermin. Eventuell früher Start der ART (= früh im 2. Trimenon) bei hoher Viruslast oder geplanter vaginaler Geburt.
Sectio versus vaginale Geburt:
Bei komplett supprimierter Viruslast
und ohne das Vorliegen geburtshilflicher Risikofaktoren könne die
vaginale Geburt sogar mittlerweile als "Regelfall" angesehen werden (Chr.
Rudin), was sich aber offenbar in unterschiedlichem Ausmaß bislang
durchgesetzt hat.
Gabe von AZT unter der Geburt,
zusätzlich zu einer voll supprimierenden HAART:
Dies hält der Pädiater
(Chr. Rudin) für nicht erforderlich; in Holland (K. Boer) werde dies
allerdings regelhaft gegeben (Argumente u.a.: gute Placentapassage).
Gabe von AZT an das Kind, nach
der Geburt:
Das "Dogma" der AZT-Gabe an das
Kind (bei nicht behandelter Schwangerer bis zu 6 Wochen) scheint gefallen:
nach Angaben von Prof. Rudin könne bei unauffälligem Verlauf
unter voll supprimierter Viruslast darauf verzichtet werden; bislang sei
dies aber schwierig durchzusetzen.
Was gilt bezüglich Stillen?
J. Anderson: Unter den Voraussetzungen,
dass die Beschaffung von Milchersatz kein Problem darstelle, sei das Abstillen
die bessere Variante (Argument insbesondere: das Kind werde so nicht zusätzlich
exponiert bezüglich HAART, mit unterschiedlicher Anreicherung einzelner
Medikamente in der Muttermilch).
Für Länder mit erschwerter Versorgung mit Milchersatz, oder in besonderen Fällen mit "Notwendigkeit" des Stillens (aus verschiedenen Gründen wie Diskriminierung/ Ausgrenzung u.a.) müssten diese "Sondergründe" ausgewogen werden gegenüber einem Übertragungs-Restrisiko und der Medikamentenexposition des Kindes durch die Muttermilch.
Zusätzliche Anmerkung: in Holland wurden von 2004 bis 2007 drei HIV-positive Kinder geboren, weil die Mütter sich nach erstem negativen HIV-Test in der Schwangerschaft/ Stillzeit frisch infiziert hatten! Fazit: der Partner sollte (ebenfalls) getestet werden!!
Infektiologie
St. Gallen vom 15. Februar 2010
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Kinder und Schwangerenmodul etablieren sich im Netz
Durch die sehr gute Kooperation zwischen der Pädiatrischen Arbeitsgemeinschaft AIDS (PAAD) und dem Kompetenznetz HIV/AIDS sowie durch die großzügige finanzielle Unterstützung durch die Firma Abbott ist es gelungen, das Kindermodul als festen Bestandteil der Patientenkohorte zu etablieren.
Bislang wurden 142 HIV-infizierte
und 219 HIV-exponierte Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zwei und
21 Jahren dokumentiert. Im Oktober 2009 wurden die ersten Datensets zu
MITOC (Mitochondrial Toxicity in Children) transferiert, das Kindermodul
ist eng in den europäischen Verbund PENTA eingebunden, erste Studien
zur HIV-Exposition bei Kindern sind in Vorbereitung.
Im Rahmen des Schwangerenmoduls
läuft die Dokumentation seit Herbst 2009, bislang wurden Daten in
zwei Zentren dokumentiert. Im Modul werden Daten zur Schwangerschaft HIV-positiver
Frauen pseudonymisiert erfasst, Blutproben werden gesammelt und analysiert.
Durch den Anschluss an das Basis- und das Kindermodul der Kohorte ist die
longitudinale Beobachtung der Schwangeren und ihrer Kinder, auch vor und
nach der Schwangerschaft möglich.
Kompetenznetz
HIV/AIDS - Newsletter - Januar 2010
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Kombinations Impfstoff bewirkt besseren Schutz vor Virusinfektionen
PNAS: Immunzellen patrouillieren an den Eintrittsorten der Erreger - Bochumer Forscher hoffen auf Impfung gegen HIV
Mit einer Kombinations-Impfung aus einem Proteinimpfstoff und einem Gen-basierten Impfstoff ist es Forschern der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Klaus Überla (Abteilung für Molekulare und Medizinische Virologie der RUB) gemeinsam mit Kollegen der Rockefeller University (New York) gelungen, eine wesentlich verbesserte Immunisierung gegen Virusinfektionen zu bewirken. Im ersten Schritt führte die Proteinimpfung zur Bildung sog. T-Helfer-Zellen. Diese sind in der Lage, Viren zu erkennen und locken T-Zellen des Immunsystems in die Schleimhäute, über die die Viren eindringen. Die T-Zellen können infizierte Körperzellen erkennen und unschädlich machen. Was im Tiermodell mit einem rekombinanten Virus gelang, das Bestandteile eines Pocken- und des HI-Virus enthält, weckt Hoffnungen auf eine wirksame HIV-Impfung. Die Forscher berichten in der aktuellen Ausgabe von PNAS.
Impfen über Umwege
Ein wichtiges Ziel von Impfungen
ist es, das Immunsystem dazu zu bringen, zytotoxische T-Zellen auszubilden.
Diese können Virus-infizierte Zellen zerstören und so die weitere
Ausbreitung der Viren verhindern. „Diese T-Zellen sollten jedoch nicht
nur im Blut zirkulieren, sondern auch gerade an den Eintrittsorten für
Viren patrouillieren“, erklärt Prof. Überla. Der internationalen
Forschergruppe aus Bochum und New York gelang dies nun über einen
kleinen Umweg. Sie impften Mäuse zunächst mit einem Proteinimpfstoff.
Das Protein, ein Bestandteil des schädlichen Virus, wird von Zellen
des Immunsystems erkannt. Diese sog. dendritischen Zellen sind darauf spezialisiert,
schädliche Fremdkörper anderen Immunzellen zu präsentieren.
Das Immunsystem reagiert mit der Bildung von T-Helfer-Zellen, welche in
der Lage sind, das schädliche Protein zu erkennen.
Das Immunsystem lernt
Im zweiten Schritt erhielten die
Mäuse einen Gen-basierten Impfstoff. Er enthält unschädliche
Viren, welche die Erbinformation für bestimmte Bestandteile des schädlichen
Virus enthalten. Sie schleusen diese Information in Körperzellen des
Wirts ein, die daraufhin mit der Herstellung der entsprechenden Viruspartikeln
beginnen. Das Immunsystem lernt so, mit dem schädlichen Virus infizierte
Zellen zu erkennen und zu vernichten.
Mehr Immunschutz in den Schleimhäuten
Spätere Tests ergaben, dass
die Immunisierung mit dem Gen-basierten Impfstoff in Anwesenheit der zuvor
aufgrund des Proteinimpfstoffs hergestellten T-Helferzellen zu einem stark
verbesserten Schutz vor der Infektion mit dem kombinierten Pocken-HI-Virus
führt. Die Forscher nutzten das kombinierte Virus, da Mäuse nicht
mit HIV infizierbar sind. Das Kombinationsvirus wird über die Atemwege
übertragen. „Nach der Impfung waren schnell viele zytotoxische T-Zellen
in den Schleimhäuten der Atemwege, was den Schutz beträchtlich
verstärkt haben dürfte“, erläutert Prof. Überla. „Wir
nehmen an, dass die vorher hergestellten T-Helferzellen, wenn sie auf ein
Virus stoßen, die T-Zellen anlocken.“ Die Forscher gehen davon aus,
dass dieser Prozess auch in anderen Schleimhäuten funktioniert und
schließen indirekt darauf, dass sich so auch eine HIV-Infektion bei
Menschen verhindern lassen müsste. „Was genau das für HIV bedeutet,
müssen natürlich weitere Studien zeigen“, unterstreicht Prof.
Überla.
Godwin Nchinda, David Amadu, Christine Trumpfheller, Olga Mizenina, Klaus Überla, and Ralph M. Steinman: Dendritic cell targeted HIV gag protein vaccine provides help to a DNA vaccine including mobilization of protective CD8+ T cells. In: PNAS Early Edition, 15.-19. Februar 2010, doi:10.1073/pnas.1000621107
Ruhr
Universität Bochum vom 17. Februar 2010
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Herpesmedikament verzögert HIV-Erkrankung
Aciclovir verringert Risiko des Fortschreitens um 16 Prozent
Seattle - Ein häufig gegen Herpes verschriebenes Medikament kann bei Menschen mit beiden Infektionen helfen, den Zeitpunkt der Einnahme von HIV-Medikamenten hinauszuzögern. Eine Studie der University of Washington http://www.washington.edu mit 3.000 afrikanischen Patienten hat ergeben, dass Aciclovir das Risiko des Fortschreitens von HIV um 16 Prozent verringert.
Obwohl es sich um eine "bescheidene" Wirkung handelt, erklärten die Wissenschaftler, dass das billige Medikament eine einfache Möglichkeit sei, HIV-Infizierte länger gesund zu erhalten. Details der Studie wurden in The Lancet http://www.thelancet.com veröffentlicht. Der HIV-Experte Gus Cairns betonte laut BBC, dass es wichtig sei zu bedenken, dass Aciclovir das Risiko einer weiteren Ansteckung nicht zu verringern scheint.
Unterdrückung des Herpes-Virus senkt HIV-Werte
Das Team um Jairam Lingappa konzentrierte sich auf Menschen, die mit HIV-1 infiziert waren, der häufigsten Form der Infektion. Es ist bekannt, dass die meisten HIV-Infizierten auch mit Herpes simplex (HSV2), also genitalem Herpes, infiziert sind. Frühere Studien haben nachgewiesen, dass die Unterdrückung des Herpes-Virus die HIV-Werte ebenfalls senkt. Bisher war jedoch nicht klar, ob sich dadurch auch der Verlauf der Krankheit verlangsamen würde. Die Teilnehmer an der aktuellen Studie erhielten entweder zweimal am Tag Aciclovir oder ein Blindpräparat und wurden zwei Jahre lang beobachtet.
Am Ende der Laufzeit der Studie begannen 284 Personen der Aciclovir-Gruppe entweder HIV-Medikamente zu nehmen, hatten einen Abfall der CD4-Zellzahl, der nahe legte, dass sie Medikamente nehmen sollten oder waren bereits gestorben. Die Vergleichszahl bei der anderen Gruppe lag bei 324. Der Einsatz von Aciclovir verringerte jedoch nicht die Übertragung von HIV auf die heterosexuellen Partner der Studienteilnehmer.
Herpesmedikament zusätzliche Option
Die Wissenschaftler betonten, dass eine Behandlung mit HIV-Medikamenten wahrscheinlich eine größere Wirkung bei der Verlangsamung der Krankheitsverlaufes haben würde. Das Herpesmedikament könnte jedoch eine zusätzliche Option für jene darstellen, die die Grenzwerte für eine antiretrovirale Therapie erreicht haben. Weitere Studien seien erforderlich, um zu untersuchen, ob die Unterdrückung des Herpes-Virus bei der Behandlung von HIV-Patienten eine Rolle spielen kann, die keinen Anspruch auf eine antiretrovirale Therapie haben.
Pressetext
Austria vom 15. Februar 2010
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Infizierte in Russland befürchten Nebenwirkungen von US-Medikamenten
Moskau - Angaben über die Nebenwirkungen einiger US-amerikanischer Medikamente rufen bei HIV-Infizierten in Russland Besorgnis hervor.
„Die in letzter Zeit eingehenden offiziellen Informationen über unerwünschte Nebenwirkungen bei der Einnahme der Präparate Zerit (Stavudin) und Videx (Didanosine) aus US-amerikanischer Produktion rufen Besorgnis der russischen Patientengemeinschaft hervor“, heißt es in einer Pressemitteilung der regionalen gesellschaftlichen Organisation „Gemeinschaft der mit HIV lebenden Menschen“.
Die Organisation nimmt Bezug auf eine Publikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO), in der empfohlen wird, „die Einnahme von Stavudine oder d4T wegen der unumkehrbaren Nebenwirkung einzustellen“.
„Die Position der WHO findet in den Berichten russischer Patienten ihre Bestätigung, die sich über eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes wegen der Einnahme von Stavudine beschweren. Diese Verschlechterung des Zustandes drückt sich in ernsthaften neurologischen Störungen, jähen Schmerzen der Extremitäten, einem deutlichen Gewichtsverlust und ständiger Schwäche aus“, sagte der Chef der Organisation, Andrej Slobin, laut der Pressemitteilung.
Wie der Chef des Föderalen Zentrums für AIDS-Bekämpfung, Wadim Pokrowski, am Donnerstag im Gespräch mit RIA Novosti sagte, werden solche Medikamente in Russland nur eingeschränkt angewendet.
Ihm zufolge kann Russland nicht vollständig auf den Kauf der genannten Medikamente verzichten, denn der Hersteller eines neuen Analog-Präparates, ein transnationales Unternehmen, habe sich geweigert, es in Russland registrieren zu lassen.
„Diese Präparate sind tatsächlich überholt, werden aber noch gekauft“, gestand Pokrowski ein.
„Solche Präparate werden nur in wenigen Fällen und nur dann angewendet, wenn wir keine angemessenere Therapie anbieten können. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit für unerwünschte Nebenwirkungen nicht so hoch“, sagte der Experte.
RIA
Novosti vom 11. Februar 2010
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Keine Therapie mehr wegen der Weltwirtschaftkrise?
Im südlichen Afrika, in Ost- und Mitteleuropa und in der Karibik mussten staatliche Aids- Behandlungsprogramme wegen finanzieller Engpässe reduziert werden oder gar schließen. Dies zeigt eine Studie der Weltbank und der UNAIDS, die im März 2009 in 71 Ländern die Auswirkungen der Weltwirtschaftkrise auf die Aidsprogramme prüfte. Kürzungen bedeuten, dass ÄrztInnen und PflegerInnen HIV-positive PatientInnen abweisen müssen. Viele Menschen, die dringend eine Behandlung brauchen, müssen die Therapie unterbrechen und werden wesentlich früher sterben. Andere werden gar nicht mehr aufgenommen.
Mit dem Milleniumsentwicklungziel 6 soll bis 2010 der weltweite Zugang zu medizinischer Versorgung für alle HIV/AIDS-Infizierten, die diese benötigen, erreicht werden. Auch die Schweiz hat sich diesem Ziel verpflichtet. Heute erhalten über vier Millionen HIV-Positive antiretrovirale Therapie. Trotz beachtlicher Fortschritte sind dies erst 42% der Menschen, die eine Therapie benötigen, die auch tatsächlich behandelt werden.
Weniger Geld für mehr Aids-Therapien? Wie gehen die Schweizer NGOs und ihre Südpartner mit den Folgen der Weltwirtschaftkrise um? Wie können schwindende Gelder für antiretrovirale Behandlungen kompensiert werden? Wie können wir Solidarität zeigen mit Menschen, die mit HIV leben und die gerade Hoffnung auf eine bessere Zukunft schöpften? Dies sind einige der Fragen, die an der Fachtagung von aidsfocus.ch vom 14. April 2010 in Bern aufgegriffen und diskutiert werden.
Aidsfocus Conference, Berne 14 April 2010: „The future of the global AIDS response. Implications for Swiss NGOs”.
Interportal.ch
vom 10. Februar 2010
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Arzneimittelbetrug: Viramune® aus Afrika im Umlauf
Boehringer Ingelheim spendet seit Jahren Viramune® für Afrika. Offensichtlich wurde ein Teil der Orginaltabletten umgepackt und nach Deutschland importiert. Die Patienten sind somit nicht gefährdet, dem Unternehmen und den Apotheken entstand allerdings großer Schaden.
Wie die bisherigen Recherchen ergaben, hat ein in Belgien ansässiger Händler die gespendeten Viramune®-Tabletten irgendwo im afrikanischen Raum gekauft. Die Tabletten wurden umgepackt in gefälschte Blister, auch Beipackzettel und Umkarton wurden gefälscht. Anschließend gelangten die Packungen nach Deutschland zu einem Zwischenhändler, von dem etablierte Pharmagroßhändler die Ware gekauft haben. Und genau hier liegt der Schwachpunkt im deutschen Arzneimittelhandel. Auf dem so genannten Graumarkt des Zwischenhandels ist die Herkunft der Ware nicht immer klar erkennbar.
Den Gewinn mit der gefälschten Ware haben die Fälscher, der Zwischen- und der Großhandel gemacht. Das Nachsehen haben Boehringer Ingelheim und die Apotheken. Das Unternehmen Boehringer musste die gefälschten Produkte zurückrufen und erhält den bereits an die Krankenkassen gezahlten Herstellerrabatt nicht zurück, obwohl die Medikamente nicht zu Lasten der Krankenkassen abgegeben werden. Die Apotheker müssen die Ware zurückschicken und erhalten keine Gutschrift, da es sich ja um Fälschungen handelt. Ein kleiner Trost ist wenigstens, dass keine Patienten durch unwirksame Tabletten geschädigt wurden.
Deutsche
Apothekerzeitung vom 6. Februar 2010
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Jede dritte Neudiagnose mit Migrationshintergrund
Berlin – Während HIV-Infektionen in der Vergangenheit vor allem unter homosexuellen Männern (MSM) und iv. Drogenabhängigen verbreitet waren, ist in den letzten Jahren ein Migrationshintergrund häufiger geworden. Nach aktuellen Angaben im Epidemiologischen Bulletin (5/2010; 39-44) haben ein Drittel aller neu diagnostizierten Patienten einen Migrationshintergrund, darunter viele aus den Hochendemieregionen in Subsahara-Afrika.
Aus Datenschutzgründen wird bei HIV-Meldungen weder das Geburtsland noch die Staatsangehörigkeit erfasst. Registriert wird allerdings das Herkunftsland. Es ist definiert als das Land, in dem der Infizierte den größten Teil des bisherigen Lebens verbracht hat. Dies war bei etwa einem Drittel der seit 2001 gemeldeten Infektionen (bis 30.06.2009) ein Ausland, wie die Gruppe um Ulrich Marcus vom Robert-Koch-Institut in Berlin mitteilt.
Und unter diesen HIV-Infizierten mit einem Migrationshintergrund kam jeder zweite aus einer HIV-Hochprävalenzregion. Dazu zählt das Robert-Koch-Institut im Wesentlichen Subsahara-Afrika, aber auch einige Länder in der Karibik und in Südostasien, besonders Thailand.
Da der Migrationshintergrund nicht immer leicht zu erfassen ist, könnte der Anteil noch höher sein, vermuten die Autoren, zumal viele Menschen aus diesen Communities keinen Zugang zum medizinischen Versorgungssystem in Deutschland haben oder in Anspruch nehmen.
Die HIV-Infizierten aus Subsahara-Afrika sind überwiegend Frauen, die sich zu 90 Prozent in ihrem Heimatland infiziert haben. Da die Gesamtzahl der Migranten aus Subsahara-Afrika relativ gering ist, könnte der relative Anteil der HIV-Infizierten hier ziemlich hoch sein.
Unter den HIV-infizierten Migranten aus anderen Ländern sind Männer in der Mehrzahl, die sich häufig durch MSM-Kontakte (häufig aus Zentraleuropa) oder Drogenkonsum (häufiger aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion) infiziert haben.
Die Drogenabhängigen haben sich eher im Herkunftsland, die MSM überwiegend in Deutschland infiziert. Für einige Migranten aus Südost- und Osteuropa (z.B. Rumänien, Ex-Jugoslawien) ist Deutschland das Land mit der höheren HIV-Prävalenz.
PDF des Epidemiologischen Bulletins
Deutsches
Ärzteblatt vom 8. Februar 2010
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Hämophilie-Gesellschaft fordert baldige Sicherheit für Stiftung
Die Deutsche Hämophilie-Gesellschaft fordert Bundesgesundheitsminister Rösler auf, möglichst bald eine Lösung für die Fortführung der Stiftung “Humanitäre Hilfe für durch Blutprodukte HIV-infizierte Personen” zu finden.
Die Stiftung Humanitäre Hilfe für durch Blutprodukte HIV-infizierte Personen ist eine rechtsfähige Bundesstiftung mit Sitz in Bonn. Sie wurde durch das HIV-Hilfegesetz (HIVHG) vom 24. Juli 1995 als Stiftung des öffentlichen Rechts gegründet und unterliegt der Aufsicht des Bundesministeriums für Gesundheit.
Gemäß § 1 HIVHG ist es Zweck der Stiftung, “aus humanitären und sozialen Gründen und unabhängig von bisher erbrachten Entschädigungs- und sozialen Leistungen an Personen, die durch Blutprodukte unmittelbar oder mittelbar mit dem Human Immundeficiency Virus (HIV) oder infolge davon an Aids erkrankt sind, und an deren unterhaltsberechtigte Angehörige finanzielle Hilfe zu leisten.”
HIV-Infizierte erhalten nach § 16 HIVHG eine monatliche Leistung von 766,94 Euro, AIDS-erkrankte Personen von 1.533,88 Euro ohne Prüfung der Einkommens- oder sonstigen wirtschaftlichen Verhältnisse. Kinder erhalten nach dem Tod der infizierten Person monatlich 511,29 Euro bis zum Abschluss der Berufsausbildung, längstens bis zum Ablauf des 25. Lebensjahres. Ehepartner erhalten monatlich 511,29 Euro, wenn die infizierte Person im Zeitpunkt des Inkrafttretens des HIVHG verstorben ist. Die Zahlungen enden mit Ablauf des fünften Jahres nach Beginn der Zahlungen. (wikipedia)
Die Mittel der Stiftung jedoch sind begrenzt – Anfang 2011 seien alle Mittel verbraucht, so die Deutsche Hämophilie-Gesellschaft DHG. Deswegen wendet sich die DHG in einem Schreiben am 5. Februar 2010 an Bundesgesundheitsminister Rösler mit der Bitte um baldige Klärung der Fortsetzung der Stiftungsarbeit.
Die DHG weist auf die Dringlichkeit und die Situation HIV-infizierter Hämophiler hin:
“Im ersten Quartal 2011 müssen die zugestifteten Gelder zur Verfügung stehen, sonst müsste die Stiftung die Zahlungen an die Betroffenen einstellen. Dies wäre für die Betroffenen eine Katastrophe, da die meisten von ihnen ihren Lebensunterhalt aus den Zahlungen der Stiftung bestreiten müssen.”
Die Lage der noch lebenden HIV-infizierten Hämophilen sei schwierig, betont Werner Kalnins, Vorsitzender des Vorstands DHG, in dem Brief an Rösler:
“Bereits mehr als zwei Drittel der
HIV-infizierten Hämophilen sind an den Folgen der HIV-Infektion verstorben.
Die noch lebenden Betroffenen brauchen
die Gewissheit, dass ihr Lebensunterhalt auf Dauer gesichert ist. Die meisten
können aufgrund der schweren Nebenwirkungen der HIV-Therapeutika und
der HCV-Koinfektion keiner Erwerbsarbeit mehr nachgehen. Aufgrund frühzeitiger
Berentung sind die Rentenansprüche in der Regel minimal. Viele jüngere
Betroffene hatten wegen ihrer Erkrankung nie die Möglichkeit, einen
Beruf auszuüben.”
Rösler solle schnell eine Lösung finden zur Fortführung der Stiftung, die
“den Betroffenen die Angst davor nimmt, ins soziale Abseits gedrängt zu werden, und langfristig ihren Lebensunterhalt sichert.”
Weitere Informationen:
Deutsche Hämophilie-Gesellschaft
05.02.2010: Brief
an Bundesgesundheitsminister Rösler
ondamaris
vom 5. Februar 2010
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Immunzellen und HIV – Neue Studie zu HIV-Zelltropismus
Warum vermehrt oder versteckt sich HIV-1 in bestimmten Immunzellen besser als in anderen? Gibt es natürliche Schutzmechanismen auf Immunzellen, die beeinflussen, wie sich HIV in den Zellen vermehrt? In ihrer aktuellen Studie konnten Wissenschaftler des Heinrich-Pette-Instituts in Hamburg und der Universität Ulm eine wichtige Antwort auf diese Fragen finden. Das zelluläre Eiweiß Tetherin ist eine zentrale Barriere, die beeinflusst in welchen Immunzellen sich HIV-1 vermehren kann und somit den HIV-Zelltropismus lenkt. Das berichten die Forscher jetzt in ihrer Publikation im online-Fachjournal Retrovirology (M. Schindler et al; Retrovirology 2110, 7:1, doi:10.1186/1742-4690-7-1).
„Im letzten Jahr konnten wir bereits einen Faktor identifizieren, der für die optimale Anpassung von HIV-1 an den Menschen wichtig ist und so zur AIDS-Pandemie beitragen konnte. Es ist das virale Eiweiß Vpu, das verschiedene Schutzmechanismen des menschlichen Immunsystems überwinden kann“, erklärt Michael Schindler vom Heinrich-Pette-Institut. Seit langem wird jedoch kontrovers diskutiert, in welche Immunzellen sich HIV-Erreger im Krankheitsverlauf zurückziehen können und wie sie z.B. im Körper die Blut-Hirn-Schranke überwinden können. Die Wissenschaftler interessiert vor allem, welche zellulären und viralen Faktoren für diesen HIV-Zelltropismus verantwortlich sind.
Für die aktuelle Studie untersuchten Schindler und seine Kollegen primäre Immunzellen - also Zellen, die direkt aus menschlichen Blut- und Gewebeproben gewonnen wurden. Neben voll funktionsfähigem HIV-1 wurde außerdem eine Virusmutante verwendet, die einen Defekt im Vpu-Gen hat. Dieser Defekt hat zur Folge, dass die Virusmutante einen wichtigen Schutzmechanismus auf Immunzellen gegen HIV-1, die so genannte Tetherin-Barriere, nicht optimal überwinden kann. Dieses Tetherin-Eiweiß wirkt auf den Immunzellen wie ein Klebstoff, der Virusnachkommen zurückhält, so dass sie nicht freigesetzt werden können.
„Jetzt zeigen wir zum ersten Mal, dass die Unterdrückung der Tetherin-Barriere durch Vpu in primären Immunzellen tatsächlich eine zentrale Rolle spielt“, fasst Michael Schindler zusammen. Die Virus-Mutante konnte diese Barriere auf Makrophagen, den „Fresszellen“ des Immunsystems, nicht überwinden. Der Grund: Makrophagen erzeugen hohe Mengen Tetherin und können deswegen nur durch HIV-1 Stämme mit voll funktionsfähigem Vpu infiziert werden. Im Gegensatz dazu ließen sich primäre T-Zellen jedoch auch durch den HIV-1 Stamm mit einem Defekt in Vpu infizieren und setzten große Mengen neuer Virusnachkommen frei. „Das liegt daran, dass T-Zellen nur wenig Tetherin auf ihrer Zellmembran tragen und diese Barriere somit auch durch die Vpu-Mutanten überwunden werden kann“, erklärt Schindler. Die Fähigkeit von Vpu, die Tetherin-Barriere auf verschiedenen Zelltypen zu überwinden, ist somit eine wichtige Determinante für den HIV-1 Zelltropismus.
Aktuelle Publikation:
Vpu serine 52 dependent counteraction
of tetherin is required for HIV-1 replication in macrophages, but not in
ex vivo human lymphoid tissue
Michael Schindler, Devi Rajan, Carina
Banning, Peter Wimmer, Herwig Koppensteiner, Alicja Iwanski, Anke Specht,
Daniel Sauter, Thomas Dobner and Frank Kirchhoff
Retrovirology 2010, 7:1doi:10.1186/1742-4690-7-1
Abstract der Studie: "Vpu
serine 52 dependent counteraction of tetherin is required for HIV-1 replication
in macrophages, but not in ex vivo human lymphoid tissue"
Heinrich-Pette-Institut
- Pressemeldung vom 5. Februar 2010
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Hitzestabile Ritonavir Tablette in Europa zugelassen
Eine neue Formulierung von Ritonavir (Handelsname Norvir®) als hitzestabile Tablette wurde in Europa zugelassen.
Ritonavir war einer der ersten Aids-Medikamente der Substanzklasse der Proteasehemmer, das zugelassen wurde. Inzwischen wird Ritonavir weit überwiegend nicht mehr direkt gegen HIV eingesetzt, sondern in niedrigerer Dosierung (meist 100 oder 200mg) als Booster, um den Wirkstoffspiegel anderer Medikamente zu erhöhen.
Bisher ist Ritonavir nur als Saft sowie als Kapsel verfügbar, die gekühlt aufbewahrt werden muss. Am 25. Januar 2010 wurde nun, wie Hersteller Abbott mitteilt, von der europäischen Arzneimittel-Agentur EMA eine Formulierung von Ritonavir als Tablette zugelassen. Die 100mg-Tablette, die bei Zimmertemperatur aufbewahrt werden kann, wird nach Angaben von Abbott so dosiert wie die bisherige Formulierung auch.
Weitere Informationen:
abbott.com: New
Heat-Stable Norvir®
(Ritonavir) Tablet Approved in Europe
aidsmap 03.02.2010: New
heat-stable ritonavir tablet approved in Europe
ondamaris
vom 3. Februar 2010
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Ab April 2010 wird Norvir in der
neuen Darreichungsform einer Tablette in Deutschland zur Verfügung
stehen. (Anmerkung: PPB)
HIV: Ansteckungen stark rückläufig
Noch knapp 600 Neuinfektionen im Jahr 2009.
Die Zahl der Ansteckungen mit dem Aids-Virus HIV ist im Jahr 2009 um rund 25 Prozent zurückgegangen, besonders ausgeprägt bei homosexuellen Männern. Insgesamt 591 Neuinfektionen wurden gemeldet.
Nachdem in den letzten Jahren die Zahl der neuen HIV- Diagnosen bei Schwulen stetig angestiegen ist, hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) im Jahr 2009 eine Trendwende festgestellt.
Wie dem am Montag veröffentlichten BAG-Bulletin zu entnehmen ist, gingen die HIV-Diagnosen bei Männern, die mit Männern Sex haben, von 335 auf 242 zurück; das entspricht einem Rückgang um über 25 Prozent. Diese Trendwende sei eindeutig und sehe robust aus, schreibt das BAG.
Die Gesamtzahl der HIV-Diagnosen ging letztes Jahr von 778 auf 591 zurück, ebenfalls um rund 25 Prozent. Es ist damit wieder etwa das Niveau vom Beginn des Jahrzehnts erreicht. Am meisten HIV-Diagnosen hatte es im Jahr 2002 gegeben, mit 794 infizierten Personen.
Laut BAG-Angaben gibt es für den Rückgang der HIV-Diagnosen keine schlüssige Erklärung. Aus dem Verhaltensmonitoring könnten in der Bevölkerung oder in einzelnen Bevölkerungsgruppen keine größeren Änderungen bei Risiko- oder Schutzverhalten festgestellt werden.
Ebenso wenig lasse sich vorläufig ein direkter Zusammenhang mit Präventionsaktivitäten der letzten Jahre herstellen. Dies gilt laut BAG sowohl für Kampagnen in der Schwulenszene als auch für breiter angelegte Kampagnen wie Love Life.
NZZ
Online vom 2. Februar 2010
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Schlüsselenzym nach 20 Jahren „geknackt“
Erste erfolgreiche Kristallisation ermöglicht Entschlüsselung der HIV-Integrase.
Nach 20 Jahren des Versuchens ist es Forschern jetzt gelungen, die Struktur eines wichtigen Enzyms des Aids-Virus zu entschlüsseln. Das Enzym Integrase spielt eine Schlüsselrolle beim Einschleusen der Virengenoms in das Erbgut der Wirtszelle und liefert damit viel versprechende Ansatzstellen für bessere Wirkstoffe. Der jetzt in „Nature“ beschriebene Durchbruch gelang, weil das Enzym erstmals in die Kristallform überführt werden konnte.
Schon seit einiger Zeit existieren neue Wirkstoffe gegen Aids, die das Enzym Integrase blockieren und damit die Vermehrung des Virus verhindern. Wie allerdings diese Blockade funktioniert, war unklar, denn die Struktur des Enzyms war unbekannt. Bekannt war nur, dass die Integrase dafür verantwortlich ist, die genetische Information des Virus in die zelleigene DNA einzufügen. Ohne diesen Schritt ist eine Vermehrung des Virus in der Wirtszelle nicht möglich.
Kristallisation scheiterte bisher
Versuche, die Struktur der Integrase
zu entschlüsseln scheiterten daran, dass es nicht gelang, das Protein
in seine Kristallform zu überführen – nur mit dieser kann eine
Röntgen-Kristallographie durchgeführt werden. Bei dieser erzeugt
die Ablenkung und Streuung der Röntgenstrahlen durch die Bestandteile
des Kristalls ein charakteristisches Muster, aus dem sich die Abstände
und Bindungen der Atome rekonstruieren lassen.
Jetzt ist es Wissenschaftlern vom Imperial College London und der Harvard Universität erstmals gelungen, einen Integrase-Kristall zu erzeugen, mit dem die Röntgen-Kristallographie durchgeführt werden konnte. „Das ist eine wirklich erstaunliche Geschichte”, erklärt Peter Cherepanov, Hauptautor der Studie vom Imperial College. „Als wir anfingen, wussten wir, dass das Projekt schwierig war und das schon viele Tricks von anderen versucht und aufgegeben worden waren. Deshalb gingen wir ganz zurück an den Anfang und begannen neu, indem wir nach einem besser für die Kristallisation geeigneten Modell der Integrase suchten.“
Enzym von verwandtem Virus genutzt
Weil die HIV-Variante des Enzyms
sich als so widerspenstig erwiesen hatte, wichen die Forscher auf die Integrase
eines verwandten Retrovirus aus, dem so genannten Prototype Foamy Virus
(PFV). Da die Funktion des Enzyms in beiden Viren gleich ist, sollte auch
die Struktur gleich oder zumindest extrem ähnlich sein, so die Ausgangshypothese
der Wissenschaftler. Im Laufe von vier Jahren und mehr als 40.000 Versuchen
gelang es ihnen schließlich, sieben verschiedene Integrase-Kristalle
zu erzeugen. Davon erwies sich nur ein einziger als für die Röntgen-Kristallographie
geeignet.
Erfolg nach 40.000 Versuchen
„Trotz der anfangs quälend
langsamen Fortschritte und der vielen Fehlversuche, haben wir nicht aufgegeben
und unsere Mühen zahlten sich schließlich aus“, so Cherepanov.
Mit Hilfe der Synchrotronenstrahl-Anlage in South Oxfordshire führten
sie mit diesem Kristall die Röntgen-Kristallographie durch und gewannen
so Aufschluss über seine Struktur. Überraschenderweise entpuppte
sich diese als deutlich verschieden von den bisherigen Annahmen und Schätzungen.
Weg frei für neue Wirkstoffe
Um herauszufinden, wie das Enzym
arbeitet, gingen die Forscher noch einen Schritt weiter: Sie tauchten die
Integrase-Kristalle in Lösungen der antiretroviralen Wirkstoffe Raltegravir
und Elvitegravir, die beide in der Behandlung HIV-Infizierter eingesetzt
werden. Anschließend führten sie erneut eine kristallographische
Analyse durch. Anhand der Konformationsänderungen konnten sie erstmals
beobachten, wie diese Aids-Medikamente an das Enzym binden und es deaktivieren.
Die Entschlüsselung der Struktur und des Wirkmechanismus des Enzyms ebnen nun den Weg zu einer Verbesserung der bestehenden Wirkstoffe und auch zur Entwicklung neuer, effektiverer und schonender Blockadestoffe für diese Ansatzstelle.
DLO, Imperial College London, 02.02.2010
Scinexx
vom 2. Februar 2010
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HIV: BCG Impfstoff senkt Tuberkulose-Fälle
Erkrankungen bei geimpften Patienten um 39 Prozent niedriger
Hannover - Ein Impfstoff könnte die Anzahl der Tuberkulose-Opfer bei HIV-positiven Afrikanern um fast zwei Fünftel verringern. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der Dartmouth Medical School http://dms.dartmouth.edu gekommen. Die Infektion der Lungen ist laut BBC die am meisten verbreitete Todesursache bei HIV-Patienten auf dem Kontinent. Das Fachmagazin Aids http://journals.lww.com/aidsonline/pages/default.aspx berichtet, dass an der aktuellen Studie 2.000 Menschen teilgenommen haben.
Bei mit BCG geimpften Patienten ist es zu deutlich weniger Tuberkulose-Erkrankungen gekommen. Dieser Impfstoff könnte zumindest theoretisch eine billigere Alternative für jene Länder sein, die bei der Beschaffung von zusätzlichen Mitteln für HIV-Medikamenten Probleme haben.
Anfällig für Tuberkulose
HIV-Patienten sind besonders anfällig für Tuberkulose, da sie ein schwaches Immunsystem haben. Die Wirksamkeit des Impfstoffs beruht auf der Verstärkung der Immunreaktionen bei Patienten, die ihn bereits in der Vergangenheit einmal erhalten haben. Der Impfstoff selbst könnte einen Schutz gegen Tuberkulose bieten. Das ist jedoch alles andere als sicher und der Schutz könnte nach der Immunisierung nur wenige Jahre gegeben sein.
Das Team um Ford von Reyn testete den Impfstoff in Tansania bei HIV-positiven Patienten über einen Zeitraum von sieben Jahren. Die Anzahl der bestätigten TB-Erkrankungen war bei den Geimpften um 39 Prozent niedriger. Von Reyn bezeichnete diese Ergebnisse als einen "wichtigen Meilenstein". Eine Theorie geht jetzt davon aus, dass Patienten direkt nach der Diagnose mit HIV geimpft werden sollten, also noch bevor antiretrovirale Medikamente notwendig sind.
Antiretrovirale Medikamente früher einsetzen
Alvaro Bermejo, geschäftsführender Direktor der HIV/Aids Alliance, http://www.aidsalliance.org argumentierte, dass eine andere Möglichkeit Tuberkulose-Erkrankungen bei HIV-Patienten zu behandeln, darin bestehen könnte, die antiretroviralen Medikamente früher zu verabreichen. Das wäre allerdings im Vergleich mit den Impfungen die kostenintensivere Alternative. Bermejo betonte, dass Tuberkulose bei HIV-Infektionen ein massives Problem sei. "Ein Drittel der HIV-Patienten in Afrika ist infiziert."
Pressetext
Austria vom 1. Februar 2010
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Therapieumstellung ohne Probleme
Anhaltend potente Virushemmung trotz Wechsel der antiretroviralen Behandlung
Basel - Bei HIV-Infizierten wird nach einer Therapie-Umstellung - etwa wegen Unverträglichkeit - langfristig eine fast ebenso gute Virus-Unterdrückung erzielt wie bei Patienten ohne Umstellung.
Dass der Therapieerfolg durch die Umstellung nicht beeinträchtigt wird, geht aus den Ergebnissen einer aktuellen Auswertung der Langzeitverläufe von Patienten der Swiss Cohort Study hervor (Arch Intern Med 170 / 1, 2010, 57). Der Beginn der antiretroviralen Therapie lag im Zeitraum 2005 bis 2008. In der Studie wurden die Häufigkeit unerwünschter Wirkungen, die ein Absetzen oder eine Umstellung der Therapie erforderten, sowie die Auswirkungen einer solchen Therapiemodifikation auf den Therapieerfolg untersucht.
Änderungen der Initialtherapie waren im ersten Jahr häufig notwendig: 41,5 Modifikationen auf 100 Patientenjahre. Unerwünschte Wirkungen der antiretroviralen Medikamente waren die Hauptgründe und verursachten 22,4 nebenwirkungsbedingte Modifikationen auf 100 Patientenjahre. Am besten vertragen wurde - mit nur 11,7 Modifikationen auf 100 Patientenjahre - die Initialtherapie mit Tenofovir, Emtricitabin und Atazanavir (in Kombi mit niedrig dosiertem Ritonavir).
Besonders wichtig war aber nach Einschätzung der Infektiologen um Professor Manuel Battegay aus Basel die Beobachtung, dass sich eine Therapieumstellung auf den Therapieerfolg nicht negativ auswirkte: Auch bei jenen, die wegen Arznei-Nebenwirkungen auf eine andere Kombitherapie umgestellt wurden, lag nach einem Jahr die HI-Virusmenge bei 85 Prozent der Patienten unter der Nachweisgrenze von 50 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter. Bei denen, die die Initialtherapie beibehalten hatten, lag der Anteil bei 87 Prozent.
Dagegen erreichten Patienten mit Therapieunterbrechungen - länger als vier Wochen - mit 47 Prozent signifikant seltener eine solche Virusunterdrückung. Für einen anhaltenden Erfolg sind daher ein engmaschiges Monitoring und - bei Bedarf - die rechtzeitige Therapieumstellung entscheidend, betonen die Forscher.
Ärzte-Zeitung
vom 1. Februar 2010
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48 Wochen Resultate der MONET-Studie
Darunavir/Ritonavir-Monotherapie als Erhaltungstherapie möglich?
von Andrea Witteck
Die 48-Wochen-Resultate der noch weitere 96 Wochen laufenden MONET-Studie, an der auch St. Galler Patienten teilnehmen, zeigen, dass bei Patienten ohne virologisches Versagen in der Vorgeschichte und mit seit >24 Wochen HIV-RNA <50 Kopien/ml eine Erhaltungstherapie mit Darunavir/Ritonavir allein gegenüber Darunavir/Ritonavir + 2 Nukleoside nicht unterlegen ist.
Hintergrund:
Gemäss aktuell geltenden Therapie-Richtlinien (Hammer, JAMA 2008) wird empfohlen, auch nach Erreichen einer vollständig supprimierten Viruslast (HIV-RNA<50 Kopien/ml) eine Kombinationstherapie mit mindestens 3 antiretroviralen Substanzen (2 NRTIs (Nukleosid-Reverse-Transkriptase-Inhibitoren) + entweder 1 Ritonavir-geboosterter Proteasehemmer oder 1 NNRTI (Nicht-Nukleosid-Reverse-Transkriptase-Inhibitor)) lebenslang fortzusetzen. Von einer Erhaltungstherapie mit nur einer antiretroviralen Substanz (sog. Monotherapie-Studien) verspricht man sich eine bessere Verträglichkeit, weniger einzunehmende Tabletten, geringere Kosten und die Vermeidung von Resistenzen gegenüber anderen Klassen von antiretroviralen Medikamenten. Eine Metaanalyse der bisherigen Proteasehemmer-Monotherapiestudien, welche hauptsächlich mit Lopinavir/Ritonavir (LPV/r) durchgeführt wurden, zeigte jedoch unter LPV/r-Monotherapie eine signifikant höhere Therapieversager-Quote als unter einer Dreierkombination (Bierman, AIDS 2009). Nichtsdestotrotz war das Auftreten von Proteasehemmer-Resistenzen unter Monotherapie-Versagen sehr gering und die meisten Patienten, die unter der Proteasehemmer-Monotherapie eine low-level Virämie zeigten, konnten durch Intensivierung der HIV-Therapie mittels Nukleosid-Analoga anschliessend wieder vollständig supprimiert werden.
Der Proteasehemmer Darunavir hat eine hohe genetische Barriere (d.h. geringes Risiko für Resistenzentwicklung), eine relativ lange Eliminationshalbwertzeit von 15h (Boffito, HIV Clin Trials 2008) und scheint verglichen mit anderen Proteasehemmern in der Kombinationstherapie potenter zu sein (ARTEMIS: Darunavir/Ritonavir (DRV/r) 800/100mg 1x tgl. versus LPV/r, jeweils in Kombination mit Emtricitabine + Tenofovir bei therapienaiven Patienten (Mills, AIDS 2009), TITAN und POWER: DRV/r 2x tgl. 600/100mg versus Vergleichs-Proteasehemmer bei therapieerfahrenen Patienten (Madruga, Lancet 2007; Clotet, Lancet 2007)).
Studiendesign:
Die MONET-Studie ist darauf angelegt, die Non-Inferiorität einer einmal täglichen Proteasehemmer-Monotherapie mit Darunavir/Ritonavir (DRV/r) gegenüber einer Dreier-Kombinationstherapie mit DRV/r + 2 Nukleoside zu zeigen (80% Power für eine Non-Inferioritäts-Grenze von -12%). Bei der randomisierten, kontrollierten, open-label Phase IIIb-Studie, wurden zwischen Juni 2007 und März 2008 256 Patienten aus 11 Europäischen Ländern, Russland und Israel eingeschlossen (81% Männer, 91% Kaukasier, mittleres Alter 44 Jahre, mittlere CD4-Zellzahl 574/ul, im Median HIV-Infektion seit 8 Jahren bekannt und seit 6,5 Jahren antiretroviral behandelt). Voraussetzung für den Studieneinschluss war eine seit mindestens 24 Wochen unter der gegenwärtigen Dreierkombinationstherapie vollständig supprimierte Viruslast (HIV-RNA<50 Kopien/ml) sowie dass seit Beginn der antiviralen Therapie kein virologisches Versagen aufgetreten war. Die Randomisierung erfolgte stratifiziert bezüglich NNRTI-basierte (43%) bzw. Proteasehemmer-basierte Therapie (57%) zum Zeitpunkt des Screenings. 127 Patienten wurden auf eine DRV/r-Monotherapie (1x tgl. 800/100mg DRV/r) und 129 Patienten auf eine Dreierkombinationstherapie bestehend aus 1x tgl. 800/100mg DRV/r und 2 Nukleosiden umgestellt. Als Therapieversagen galt eine HIV-RNA >50 Kopien/ml in 2 konsekutiven Messungen (im Abstand von 2 Wochen) bis Woche 48 sowie das Absetzen der Studienmedikation (d.h. DRV/r stopp, der Beginn von Nukleosid-Analoga im Monotherapiearm oder das Absetzen aller Nukleosid-Analoga im Triple-Therapiearm). Ein Toxizitäts-bedingter Wechsel der Nukleoside im Triple-Therapiearm war erlaubt.
Resultate:
Im DRV/r-Monotherapiearm kam es bei 20/127 Patienten zum Therapieversagen (11x bestätigter Anstieg der HIV-RNA, 4x Studienabbruch wegen Nebenwirkungen, 5x Studienabbruch aus anderem Grund). Im Triple-Therapiearm lag die Therapieversagensquote bei 19/129 Patienten (7x bestätigter Anstieg der HIV-RNA, 3x fehlende HIV-RNA-Daten, kein Abbruch wegen Nebenwirkungen, 9x Abbruch aus anderem Grund).
In verschiedenen Vergleichsanalysen zeigte sich die DRV/r-Monotherapie bzgl. des primären Wirksamkeits-Endpunkts "HIV-RNA<50 Kopien/ml bis Woche 48" gegenüber der DRV/r-basierten Triple-Therapie nicht unterlegen:
PP (Per Protocol, Therapiewechsel
= Failure): 86,2% im Mono- versus 87,8% im Triple-Therapiearm (Delta: -1,6%
(95%-CI: -10,1%; +6,8%)
ITT (Intent To Treat, Therapiewechsel
= Failure): 84,3% im Mono- versus 85,3% im Triple-Therapiearm (Delta: -1,0%
(95%-CI: -9,9%; +8,8%)
ITT (Intent To Treat, Therapiewechsel
= Success): 93,5% im Mono- versus 95,1% im Triple-Therapiearm (Delta: -1,6%
(95%-CI:-7,4%; +4,2%)
Die CD4-Zellzahl blieb während der Studie in beiden Therapiearmen stabil. Die meisten HIV-RNA-Anstiege waren transient, im Bereich von 50-200 Kopien/ml und zu Zeiten schlechter Adherence bzw. interkurrenten Infekten.
In der multivariaten Analyse war das Vorliegen einer Hepatitis-Co-Infektion ein signifikanter Prädiktor für einen bestätigten HIV-RNA-Anstieg (p<0,01). Bei Baseline waren im DRV/r-Monotherapiearm mehr Patienten anti-HCV-positiv als im Triple-Therapiearm (17% versus 9%).
Bei 35/61 (57%) der Patienten mit mindestens einer HIV-RNA-Bestimmung >50 Kopien/ml wurden Resistenzbestimmungen durchgeführt (22 Patienten mit Mono- und 13 Patienten mit Triple-Therapie). Klinisch relevante Resistenzen wurden keine gefunden: je 1 Patient pro Therapiearm mit einer bzw. zwei genotypischen Proteasehemmer-Resistenz. Beide HI-Viren blieben jedoch phänotypisch gegenüber DRV/r sensibel.
Conclusion:
Die von Janssen-Cilag gesponserte Studie zeigte für Patienten ohne virologisches Versagen in der Vorgeschichte und mit unter HAART seit >24 Wochen vollständig supprimierter Virämie (HIV-RNA <50 Kopien/ml), dass die Umstellung auf eine 1x tägliche Darunavir/Ritonavir (DRV/r)-Monotherapie einer DRV/r-basierten Triple-Therapie in der Wirksamkeit nicht unterlegen ist.
Diskussion:
Es besteht die Sorge, dass die ZNS-Penetration von Proteasehemmern nicht ausreicht, um die HIV-Replikation in diesem Kompartiment zu unterbinden. Zwar zeigen frühere Untersuchungen, dass Darunavir im ZNS Spiegel über der EC50 erreicht (Yilmaz, AIDS Res Hum Retrovir 2009) und in der vorliegenden MONET-Studie traten neurologische (16%) und psychiatrische Nebenwirkungen (9%) im Mono- und Triple-Therapiearm gleich häufig auf. Im Gegensatz zur MOST-Studie (LPV/r-Monotherapie versus Tripeltherapie), welche wegen unerwartet vielen Therapieversagern im Monotherapiearm vorzeitig abgebrochen werden musste, wurden HIV-RNA-Bestimmungen im Liquor und neuropsychologische Tests in der MONET-Studie jedoch nicht durchgeführt.
Quelle: Arribas et al., AIDS 2010;24:223-230
Infektiologie
St. Gallen vom 1. Februar 2010
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HIV: Gehirn altert schneller als normal
München – Das Gehirn von HIV-Patienten altert deutlich schneller als das von Nicht-Infizierten. Das entdeckten Forscher der Washington University in St. Louis und der University of California-San Diego. Als Ursache der beschleunigten Alterung der Gehirnzellen vermuten die Wissenschaftler entweder das HI-Virus selbst oder die dagegen eingenommenen Medikamente. Möglicherweise sei auch eine Kombination beider Faktoren dafür verantwortlich, schreibt der Erstautor der Studie, Dr. Beau Ances von der Washington University in einer Pressemitteilung der Universität. Die Studie ist als Online-Vorabveröffentlichung auf der Website des Fachmagazins "Journal of Infectious Diseases" nachzulesen und wird in der Printausgabe vom 1. Februar erscheinen (DOI: 10.1086/649899).
Aus einer früheren Untersuchung ist bekannt, dass eine HIV-Infektion den Körper insgesamt schneller altern lässt. Zudem verursacht der Aids-Erreger bei manchen Patienten eine Demenz, die Ähnlichkeiten mit der Alzheimer-Krankheit aufweist. Ances und seine Kollegen wollten daher genauer herausfinden, welchen Effekt eine HIV-Infektion auf den Alterungsprozess des Gehirns ausübt. Dazu untersuchten die Forscher 26 HIV-Patienten und 25 Nicht-Infizierte der gleichen Altersklasse und mit demselben Bildungsstand. Mittels so genannter funktioneller Magnetresonanz-Tomografie (fMRT) wurde bei allen Teilnehmern exakt der Blutfluss im Gehirn gemessen. Dieser nimmt normalerweise mit zunehmendem Alter ab, erlaubt also Rückschlüsse auf den Zustand des Denkorgans zu.
Das Ergebnis der Untersuchung: Der Blutfluss im Gehirn der HIV-Infizierten war im Vergleich zu dem der gesunden Altersgenossen deutlich verringert. Er entsprach etwa dem von Gesunden, die 15 bis 20 Jahre älter sind. Auch bei jungen Patienten, die sich erst kürzlich mit dem Aids-Erreger infiziert hatten, ließ sich bereits ein reduzierter Blutfluss nachweisen.
Die Studienergebnisse sind vor allem deswegen von Bedeutung, weil dank verbesserter Therapien in den letzten Jahren die Lebenserwartung von HIV- und Aids-Patienten deutlich gestiegen ist. "Patienten werden älter und viele von ihnen klagen über Probleme mit dem Gedächtnis und anderen kognitiven Fähigkeiten", sagt Ances.
HIV-Medikamente werden den Patienten normalerweise erst ab einer bestimmten Viruslast verordnet, das heißt, sobald die Anzahl der HI-Viren im Blut eine gewisse Grenze überschreitet. Angesichts der aktuellen Studienergebnisse müsse dieses Vorgehen möglicherweise überdacht werden, meint der Forscher: "Können wir die schädlichen Effekte des Virus verringern, wenn wir früher mit der Therapie beginnen, oder trägt diese selbst zu der Schädigung bei?" Diese Frage müsse dringend geklärt werden, so Ances.
Abstract http://www.journals.uchicago.edu/doi/abs/10.1086/649899
Netdoktor
vom 28. Januar 2010
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Leugnung von AIDS muss geahndet werden
Neue Studie macht erneut deutlich: Verweigerung von HIV-Behandlungen in Südafrika kostete Tausenden das Leben
New York / Heidelberg - Obwohl wissenschaftlich der Nachweis erbracht ist, dass HIV erfolgreich behandelt werden kann, wird dies von AIDS-Leugnern hartnäckig bestritten. In einem im Journal AIDS and Behavior veröffentlichten Paper liefern Professor Myron Essex und Dr. Pride Chigwedere von der Harvard School of Public Health AIDS Initiative in den Vereinigten Staaten weitere Beweise für die katastrophalen Folgen einer Politik, die AIDS leugnet. Die Wissenschaftler zeigen, dass die Verweigerung einer nachweislich erfolgreichen Behandlung von HIV in Südafrika für 330.000 Menschen den Tod bedeutete. Die Studie macht auch deutlich, wie verheerend die Konsequenzen sind, wenn die Leugnung, so wie es in Südafrika nach wie vor der Fall ist, Teil der offiziellen Gesundheitspolitik geworden ist.
Wer die Existenz von AIDS leugnet, streitet auch ab, dass HIV AIDS auslöst, dass antiretrovirale Medikamente sinnvoll sind und letztendlich, dass weltweit Millionen von Menschen an AIDS gestorben sind. Dies ist eine Überzeugung, die – wie sich im Internet verfolgen lässt – immer mehr Anhänger gewinnt. Dennoch ist unbestritten, dass in den Jahren zwischen 2000 und 2005 allein 330.000 Südafrikaner vorzeitig gestorben sind und 35.000 Babys mit HIV infiziert wurden, weil der ehemalige Präsident Thabo Mbeki entschieden hatte, keine antiretroviralen Medikamente auszugeben. Mbeki hatte sich von amerikanischen AIDS-Leugnern beraten lassen.
In ihrer äußerst nachdenklich stimmenden Arbeit stellen Essex und Chigwedere sowohl die positive Wirkung der HIV-Behandlung dar wie auch die verpassten Chancen in Südafrika. Den Argumenten der AIDS-Leugner begegnen sie mit handfesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Am Beispiel Südafrikas wird der Zusammenhang zwischen einer solchen Verleugnungshaltung und der staatlichen Gesundheitspolitik dargestellt. Menschenrechtsverletzungen dieser Art, die mit dem Verlust von Hunderttausenden von Menschenleben einhergehen, müssen geahndet werden. Daher bedarf das Gesundheitswesen einer grundlegenden Reform – so letztendlich die Forderung der Autoren.
„Wo es um das Gesundheitswesen geht, sind Ehrlichkeit und Fachwissen vonnöten. Wenn das Leugnen von AIDS Teil der staatlichen Gesundheitspolitik wird, sind die Folgen tragisch. Eine Reform der Gesundheitspolitik muss nicht nur getragen sein von handfesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, es muss auch möglich werden, Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen,“ so die beiden Wissenschaftler Essex und Chigwedere.
Quelle:
1. Chigwedere P & Essex M (2010).
AIDS denialism and public health practice. AIDS and Behavior, DOI 10.1007/s10461-009-9654-7
Medical
Tribune Schweiz vom 26. Januar 2010
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Hepatitis C: Kaffee verlangsamt die Leberfibrosierung
von Patrick Schmid
Aus Kohortenstudien haben wir Hinweise darauf, dass regelmäßiger Kaffeekonsum zu weniger Lebererkrankungen führt.
Die chronische Hepatitis C Infektion führt zu einer langsam fortschreitenden Entzündungsreaktion in der Leber, welche zu einem langsamen Umbau des normalen Lebergewebes in Narbengewebe führt. Diese Veränderungen bezeichnet man als Leberfibrose. Das Lebergewebe wird durch Bindegewebe (Fibrose) durchsetzt.
Die Beobachtungen aus Kohrtenstudie eines verlangsamten Fortschreitens der Lebererkrankungen wirft die Frage auf, ob Koffein selbst oder ein anderer Inhaltsstoff den Umbau der Leber zur Leberfibrose stoppen kann.
Gemäss einer neuen Studie, im Januar 2010 im Hepatology publizierten Studie, können etwas mehr als zwei Tassen Kaffee täglich die Leberfibrosierung bei chronischer Hepatitis C aufhalten.
177 Patienten, die an chronischen Lebererkrankung litten (121 davon litten an einer chronischen Hepatitis C) und sich einer Leberbiopsie unterziehen mussten, wurden wiederholt ausführlich nach ihrem Koffeinkonsum befragt.
Der durchschnittliche Koffeinkonsum betrug 195mg pro Tag, was etwa eineinhalb Tassen Kaffee (1,4) entspricht. Eine tägliche Einnahme von >308mg Koffein, was etwas mehr als zwei (2,25) Tassen Kaffee entspricht, war mit einer verminderten Leberfibrosierung assoziiert (OR 0.33, 95% CI 0.14-0.80). Dieser günstige Effekt blieb auch bestehen, wenn für Störfaktoren wie Alter, Geschlecht, Rasse, Art der Lebererkrankung, body mass index und Alkoholkonsum statistisch korrigiert wurde (OR 0.19, 95% CI 0.05-0.66). Koffein aus anderen Quellen (Tee, coffeinhaltige Süßgetränke...) zeigte hingegen diesen günstigen Effekt deutlich weniger stark. In der nebenstehenden Abbildung (Vergrößerung durch Klick auf Bild) ist in einem so genannten "Forest plot" die Risikoreduktion einer progredienten Fibrose in Abhängigkeit von unterschiedlichen Messgrößen für den Kaffeekonsum dargestellt.
Da mit den jetzigen Therapien längst nicht bei allen Patienten eine Elimination des Hepatitis C-Virus erreicht werden kann, ist die Frage nach antifibrotischen Substanzen klinisch durchaus relevant. Diese neuen Daten sprechen dafür, dass Kaffee tatsächlich einen antifibrotischen Effekt in der Leber haben könnte. Bereits gibt es auch erste in vitro Studien, die diese Hypothese unterstützen. Eine wirkliche Klärung der Fragestellung wäre aber wohl nur durch eine prospektive Studie möglich.
Quelle: Modi et al.; Hepatology, Vol 51, 2010
Infektiologie
St. Gallen vom 26. Januar 2010
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Westpapua hat höchste HIV/AIDS Infektionsrate Indonesiens
Indonesiens nationale AIDS-Kommission hat letzten Monat bestätigt, dass West Papua noch immer die höchste HIV/AIDS-Rate Indonesiens aufzeigt.
Es wird vermutet, dass die Zahl der HIV/AIDS-Infizierten weit höher liegt als die offiziellen Zahlen darlegen. Die registrierten Fälle der Krankheit machen nur einen kleinen Anteil der Infizierten aus, vor allem in abgelegenen Gebieten.
Die extrem hohe Infektionssrate kann zum Großteil der wachsenden Sexindustrie zugeschrieben werden, die durch die Ansiedlung von Bergbau-, Abholzungs- und Fischunternehmen entstanden ist. Die Stadt Timika, welche nahe des amerikanischen Bergbauunternehmens ‘Grasberg’ liegt, hat die vierthöchste Infektionsrate aller Städte Indonesiens.
Die Versuche der indonesischen Regierung, das Problem durch Bewusstsein schaffende Programme und Behandlungen gegen die Krankheit zu lösen, haben die Papuas nicht erreicht. Negative Stereotypen der Papuas von Seiten der Regierung und Gesundheitsteams haben dazu geführt, dass die meisten Programme auf die Städte ausgerichtet sind, die von Einwanderern aus anderen Teilen Indonesiens dominiert werden.
Die Papuas sind nach jahrelanger Misshandlung und Unterdrückung den Regierungsprogrammen gegenüber misstrauisch, vor allem den Verhütungsprogrammen. Manche Mitglieder beschuldigen das Militär, mit Absicht HIV-positive Prostituierte in die indigenen Gebiete gebracht zu haben. In anderen Fällen haben Soldaten Stammesführern mit Alkohol und Sexarbeiter bestochen, um Zugang zu ihrem Land und Ressourcen zu bekommen.
Survival
- Pressemeldung vom 26. Januar 2010
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Schutz vor Hepatitis C mit den richtigen Genen
Weltweit sind etwa 130 Millionen Menschen mit dem Hepatitis C Virus (HCV) infiziert. Etwa 27% der Leberzirrhosen und 25% der Leberkrebse sind auf Infektionen mit diesem Virus zurückzuführen. Damit stellt die HCV-assoziierte Leberzirrhose in vielen Ländern einschließlich Deutschland die häufigste Indikation zur Lebertransplantation dar. Ein effektiver Impfstoff gegen HCV steht nicht zur Verfügung.
Bei der Erhebung exakter Daten zur Epidemiologie und dem natürlichen Verlauf der HCV-Infektion ergeben sich allerdings erhebliche Schwierigkeiten, da in der akuten Phase das klassische Bild einer Hepatitis mit Gelbsucht und deutlicher Erhöhung der Leberwerte häufig fehlt. Daher ist die Diagnose der akuten HCV-Infektion sehr selten und wird bei asymptomatischen Patienten lediglich im Rahmen von Nachbeobachtungen bei Verdacht auf Exposition zu HCV (z.B. nach Nadelstichverletzung) gestellt. Der klinische Verlauf in der akuten Phase scheint für den späteren Ausgang der HCV Infektion von großer Bedeutung zu sein. Untersuchungen zeigen, dass Patienten mit einem asymptomatischen Verlauf in der akuten HCV Infektion eher eine chronische Erkrankung entwickeln. Im Gegensatz dazu scheinen Patienten mit einem symptomatischen Verlauf eine Disposition zur spontanen Ausheilung der Infektion zu haben. Die Ursachen für den unterschiedlichen Ausgang der akuten HCV-Infektion - komplette Ausheilung oder chronische Hepatitis C - sind nicht hinreichend geklärt. Für verschiedene Komponenten der adaptiven Immunantwort konnte eine Rolle für den Ausgang der Infektion gezeigt werden. Es wird angenommen, dass die adaptive Immunantwort durch zytotoxische T-Zellen ursächlich für den Leberschaden in der akuten Infektion ist. Diese Immunantwort scheint gleichzeitig - zumindest bei einem Teil der Patienten - zu einer Ausheilung der Infektion zu führen.
In dem hier geplanten Projekt soll die Virus-Wirt-Interaktion in Patienten mit ungünstigem Verlauf der HCV-Infektion (chronische Hepatitis) und mit günstigem Verlauf (spontane Ausheilung) untersucht und verglichen werden. Die Komplexität der möglichen Interaktionen zwischen Virus und Wirt im Rahmen einer HCV-Infektion erfordert, dass weitgehend kontrollierte Bedingungen für Untersuchungen geschaffen werden. Gleichzeitig ist es notwendig, diese Untersuchungen an relativ großen Patientenkollektiven durchzuführen, um den Einfluss störender Faktoren auf das Gesamtbild zu minimieren.
Da es kein geeignetes Modell für die HCV Infektion gibt, stellen HCV-Ausbrüche mit einem identischen Virusisolat besonders wertvolle Kohorten für die Untersuchung von Virus-Wirt Interaktionen dar. In den Jahren 1978/79 wurden im Rahmen einer Anti-D-Rhesus-Prophylaxe 2867 Frauen in Ostdeutschland durch eine kontaminierte Impfcharge mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert. Diese Patientengruppe stellt damit ein einzigartiges Kollektiv dar. Da der Infektionszeitpunkt und die Virussequenz der Infektionsquelle bekannt sind, können der natürliche Infektionsverlauf untersucht und verglichen werden. Der natürliche Verlauf der Infektion wurde bereits nach 20 und 25 Jahren untersucht. Dabei zeigt sich, dass 50% der Frauen, denen ein mit HCV verseuchtes Immunglobulin-Präparat verabreicht wurde, eine chronische Infektion mit HCV entwickelt haben. Damit bietet diese "Anti-D Kohorte" ideale Voraussetzungen für die Untersuchung des Einflusses von Virus- und Wirtsfaktoren für den natürlichen Verlauf der Erkrankung. In dem hier geplanten Projekt soll die Virus-Wirt-Interaktion in Patienten mit ungünstigem Verlauf der HCV-Infektion (chronische Hepatitis) und mit günstigem Verlauf (spontane Ausheilung) untersucht und verglichen werden.
Bei der Untersuchung von Wirtsfaktoren, die für den natürlichen Verlauf eine Bedeutung haben können, sind Faktoren, durch die die antivirale Immunantwort beeinflusst wird, von besonderem Interesse. Dazu gehört z.B. der HLA-Genotyp, der darüber entscheidet, welche Bereiche aus dem Virusprotein an der Zelloberfläche den immunkompetenten Zellen wie z.B. T-Zellen präsentiert werden können. Neben dem HLA-Genotyp finden sich weitere wirts-genetische Faktoren, die den Verlauf der HCV-Infektion beeinflussen. Eine wichtige Rolle kommt diesbezüglich möglicherweise Polymorphismen im Zytokin/Zytokin-Rezeptor-System zu. Zytokine umfassen eine heterogene Gruppe multifunktionaler Proteine (Chemokine, Interleukine, Interferone und Mitglieder der Tumor Nekrose Faktor-Familie), die eine zentrale Bedeutung in der Initiierung und Regulation von Immunantworten besitzen. Auf der Seite des Virus ist die Proteinsequenz von entscheidender Bedeutung für die Immunantwort. HCV kann z.B. dem Immunsystem entkommen, indem Mutationen in wichtigen Zielbereichen der Immunantwort selektiert werden, die letztlich dazu führen, dass das Virus nicht mehr erkannt wird.
Ziel dieses Projekts ist es, wirts-genetische Faktoren zu identifizieren, die mit einem günstigen Verlauf der HCV-Infektion assoziiert sind und die immunologischen Grundlagen für eine erfolgreiche Abwehr der Infektion zu charakterisieren. Für die erfolgreiche Entwicklung von prophylaktischen oder therapeutischen Immunisierungen gegen HCV ist die Charakterisierung von wichtigen Zielen der Immunantwort und modulierenden Faktoren von entscheidender Bedeutung. Die Ostdeutsche Anti-D Kohorte bietet die einmalige Möglichkeit, diese Untersuchungen unter weitgehend standardisierten Bedingungen durchzuführen.
Wilhelm
Sander-Stiftung – Pressemeldung vom 25. Januar 2010
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Fettverlust im Gesicht bald über MediCare behandelbar?
Medicare ist das Krankenversicherungsprogramm der USA für ältere und als behindert anerkannte Menschen. Derzeit laufen Bemühungen, die Behandlung des Fettverlusts im Gesicht in den Leistungskatalog von MediCare mit aufzunehmen.
Eine der von vielen HIV-Positiven gefürchteten möglichen Nebenwirkungen von HIV und medikamentöser Behandlung ist der Fettverlust im Gesicht (”facial wasting”). Er führt dazu, dass Positive wieder als HIV-Infizierte erkannt werden können – er macht HIV wieder sichtbar, mit all den potentiell stigmatisierenden und diskriminierenden Folgen.
Dieser Fettverlust im Gesicht kann medizinisch erfolgreich behandelt werden, durch Füllstoffe. In Europa sehr häufig angewandt werden die Produkte Sculptra® (früher: New Fill) und Radiesse®. Das Problem: die Kosten für die Behandlung werden von gesetzlicher wie auch privater Krankenversicherung in der Regel nicht übernommen (im Gegensatz zu einigen europäischen Nachbarstaaten). Nur im Einzelfall konnten HIV-Positive bisher eine Übernahme der Behandlungskosten für New Fill vor Gericht durchsetzen.
In den USA laufen nun Bemühungen, dass die Kosten für die Behandlung des Fettverlusts im Gesicht unter bestimmten Bedingungen von Medicare übernommen werden – dann, wenn der Fettverlust zu Depressionen führt. Derzeit läuft (bis 22.1.2010) ein Anhörungs-Verfahren. Bereits 2009 hatten Anhörungen stattgefunden zu einer möglichen Kostenübernahme der Behandlung des Fettverlusts im Gesicht durch MediCare und MedicAid.
“Medicare ist die öffentliche Krankenversicherung der USA für ältere und/oder behinderte Mitbürger. Medicare wurde am 30. Juli 1965 durch Zusätze zur Social Security Gesetzgebung eingeführt. Jeder Bürger ab dem Alter von 65 Jahren bzw. jeder als “behindert” anerkannte Bürger kann Medicare in Anspruch nehmen. Medicare ist zum Teil steuer- und zum Teil beitragsfinanziert.” (Wikipedia)
In Deutschland werden die Kosten für die Behandlung des Fettverlusts im Gesicht in der Regel nicht von der Krankenversicherung übernommen. Damit wird die Vermeidung der stigmatisierenden Folgen zur Wohlstands-Frage: wer es sich leisten kann, hat ein Gesicht ohne Löcher – und wer kein oder wenig Geld hat, muss u.U, mit dem wieder sichtbaren HIV fertig werden.
Weitere Informationen:
aidsmeds.com 14.01.2010: Proposed
Medicare Coverage for Facial Wasting Treatment
ondamaris
vom 20. Januar 2010
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von Pietro Vernazza
Leider haben wir keine Dokumentation
von allen 20 Saanen-Meetings, doch für das diesjährige Meeting
finden Sie hier eine illustrierte Zusammenfassung unseres Teams.
Die Zusammenfassung können
sie als pdf
(790 KB) runterladen.
Die Themen des diesjährigen Meetings waren:
• Zur Übertragung von Retroviren
auf den Menschen – Die nächste Epidemie?
• HIV bei Kindern in Südafrika
(CK)
• Wann soll die HIV Therapie eingesetzt
werden
• Molekulare Virologie der Hepatitis
C
• HCV-Pipeline- Was bringt die Zukunft?
• Die Eradikation der Masern – Ein
Thema mit Fragezeichen
• Parvoviren und die damit verbundenen
Krankheiten
• Angeborene Immunität – Basis
des Lebens
• H1N1 oder H5N1: Vogelfrei oder
Schwein gehabt?
• H1N1-Pandemie: Die Experten räumen
zusammen
Infektiologie
St. Gallen vom 17. Januar 2010
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Switch von Lopinavir auf Raltegravir: virale Suppression geringer
HIV-Patienten, die auf Lopinavir/Ritonavir stabil eingestellt sind, können durch einen Switch auf Raltegravir ihren Blutfettspiegel senken. Allerdings erreicht nach Umstellung weniger Patienten den Zielwert für die virale Suppression. Dies folgt aus den SWITCHMRK 1 und 2 Studien, so eine Vorabveröffentlichung auf der Website des Lancet.
In den beiden randomisierten und doppelblinden Phase III Studien wurden 707 Patienten entweder auf Raltegravir (400 mg zweimal täglich) umgestellt oder erhielten weiterhin Lopinavir/Ritonavir (zwei 200 mg/50 mg Tabletten zweimal täglich). Die Backbone-Therapie mit mindestens zwei NRTIs wurde beibehalten.
Primäre Endpunkte waren die durchschnittliche prozentuale Reduktion der Blutfettwerte bis zu Woche 12, der Anteil an Patienten mit einer Viruslast unter 50 Kopien/ml sowie die Rate an Nebenwirkungen in Woche 24. Alle behandelten Patienten, die die Studie abbrachen, wurden als therapeutische Misserfolge klassifiziert.
702 Patienten nahmen zumindest eine Dosis der Studienmedikation und wurden in die Wirksamkeits- und Sicherheitsanalyse eingeschlossen. In der Raltegravir-Gruppe (n=350) sanken die Lipid-Werte bis zur 12. Woche stärker als in der Lopinavir/Ritonavir-Gruppe (n=352). In der 24. Woche erzielten 84% der Patienten in der Raltegravir-Gruppe eine Viruslast von unter 50 Kopien/ml im Gegensatz zu 91% in der Lopinavir/Ritonavir-Gruppe. Nebenwirkungen traten in beiden Gruppen vergleichbar auf.
Die Studien wurden in der 24. Woche abgebrochen, da die virologische Wirksamkeit in der Raltegravir-Gruppe nicht den Erwartungen entsprach. Eine Post-Studien-Analyse zur virologischen Wirksamkeit ergab: Patienten, die zum Studienbeginn erstmals auf Therapie waren oder noch kein virologisches Versagen hatten, sprachen in beiden Studienarmen vergleichbar auf die Therapien an. Eine Erklärung: Patienten mit therapeutischem Versagen in der Anamnese könnten partielle Resistenzen gegen die NRTIs im Backbone aufweisen, die nach dem Switch auf Raltegravir zum vermehrten virologischen Versagen beitragen.
The
Lancet vom 13. Januar 2010
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Herzinfarktrisiko durch Aids-Medikamente nur gering erhöht
Kopenhagen – Eine neue Auswertung der D:A:D-Studie im Journal of Infectious Diseases (JID 2010; 201: 318–330) bestätigt, dass einige antiretrovirale Medikamente das Herzinfarktrisiko erhöhen. Die Gefährdung ist jedoch gering und sie bleibt hinter anderen modifizierbaren Risikofaktoren zurück.
Die Data Collection on Adverse Events of Anti-HIV Drugs oder D:A:D-Studie hat Daten zu 33.308 Infizierten gesammelt, von denen 580 in insgesamt 178.835 Personen-Jahren an einem Herzinfarkt erkrankt sind. Das ist eine vergleichsweise geringe Zahl, die meisten Patienten haben aber auch noch nicht das Alter erreicht, in dem Herzinfarkte häufig auftreten.
Da verschiedene Wirkstoffe, vor allem aus der Gruppe der Protease-Inhibitoren, den Lipid- und Glukosestoffwechsel ungünstig beeinflussen, muss infolge der lebenslangen Therapie mit einer erhöhten Zahl von kardiovaskulären Folgekrankheiten gerechnet werden, und frühere Auswertungen der D:A:D-Studie hatten auf ein erhöhtes Herzinfarktrisiko hingewiesen, das nicht allein auf die Protease-Inhibitoren beschränkt war.
Die höchsten Odds Ratios ermitteln Signe Westring Worm von der Universität Kopenhagen und Mitarbeiter jetzt für die nukleosidischen Reverse-Trankriptase-Inhibitoren (NRTI) Abacavir und Didanosin, deren Anwendung kurzfristig mit einem um 73 beziehungsweise um 30 Prozent erhöhten Risiko assoziiert war.
Für die langfristige Anwendung errechnen die Epidemiologen eine Risikosteigerung um 7 Prozent pro Jahr für Abacavir. Für die Protease-Inhibitoren Indinavir und für Lopinavir-Ritonavir nimmt es pro Jahr um 8 Prozent und 9 Prozent zu. Kein signifikanter Effekt wurde für Tenofovir, Zalcitabin, Zidovudine, Stavudin oder Lamivudin gefunden.
Inwiefern diese Daten bei der Auswahl der Wirkstoffe berücksichtigt werden sollten, ist umstritten, zumal die D:A:D-Studie eine Beobachtungsstudie ist und damit Verzerrungen der Ergebnisse nicht auszuschließen sind. Die Herzinfarkte wurden denn auch vor allem bei Patienten beobachtet, die ein ungünstiges kardiovaskuläres Risikoprofil hatten, was aber bei der Risikoberechnung so weit wie möglich berücksichtigt wurde.
Die Editorialisten Judith Aberg, New York University School of Medicine, und Heather Ribaudo, Harvard School of Public Health in Boston, weisen darauf hin, dass der Einfluss des Rauchens (Relatives Risiko 2,33 in einer früheren Auswertung der D:A:D-Studie) sehr viel größer ist als die Wahl des „falschen“ Wirkstoffs (JID 2010; 201: 316-317).
Eine Alarmstimmung werden die Ergebnisse der D:A:D-Studie nicht verbreiten. Es bleibt aber abzuwarten, wie sich die HIV-Therapie auf das im höheren Alter ansteigende Herzinfarktrisiko auswirken wird.
Zum Thema
PDF
der Studie
D:A:D-Studie
Deutsches
Ärzteblatt vom 14. Januar 2010
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Lausanner Forscher wecken schlafende Viren
Das menschliche Erbgut ist voller Überbleibsel von Viren, die einst unsere Vorfahren attackierten. Forscher der ETH Lausanne haben nun herausgefunden, wie der Körper diese Eindringlinge ruhig hält.
Ein Team um Didier Trono von der ETH Lausanne hofft, dass die Erkenntnisse auch im Kampf gegen Aids helfen. Die Forscher fanden ein ganzes Heer von Hilfseiweißen, das die vielen Virenstücke im Erbgut erkennt. Wie die Hochschule am Donnerstag mitteilte, sorgt eine Art Hauptschalter - ein Eiweiß namens KAP1 - dafür, dass die Hilfseiweiße die Viren in den ersten fünf oder sechs Lebenstagen stilllegen.
Entfernten die Forscher KAP1 in Mausembryonen, funktionierte der Ausschaltmechanismus nicht mehr, wie sie im Fachmagazin «Nature» berichten: Die viralen Gene erwachten aus ihrem Schlaf, vermehrten sich und verursachten diverse Veränderungen im Erbgut, sodass die Mausembryonen rasch starben.
HI-Viren wecken und töten
Die Entdeckung ist für die Erforschung neuer Therapien gegen die Immunschwächekrankheit Aids oder gegen Herpes interessant. Er vermute, dass ein solcher Abschaltmechanismus auch dafür verantwortlich sei, dass die Aids auslösenden HI-Viren in einigen Körperzellen überdauern könnten, sagte Trono.
Diese Ruhestadien stellen die Medizin vor große Probleme: Ist das HI-Virus einmal in Zellen eingeschlummert, kann es mit den gängigen Medikamenten nicht mehr bekämpft werden und bleibt eine ständige Gefahr. Die Idee der Forscher ist es nun, die ruhenden HI- Viren zu wecken. So würden sie angreifbar und könnten eliminiert werden.
Evolution besser verstehen
Die Studie trägt aber auch dazu bei, die Evolution der Säugetiere und des Menschen besser zu verstehen. Viele der Viren haben sich nämlich schon vor mehreren hundert Millionen Jahren ins Erbgut von Tieren eingeschleust. Manche Individuen schafften es damals, das beteiligte Virus stillzulegen und dadurch einen Überlebensvorteil zu erlangen.
Ihre Nachkommen erbten diese Fähigkeit. Auf diese Art sammelte sich bis heute eine Unmenge von genetischem Material dieser Viren in unserem Erbgut an. Etwa die Hälfte des menschlichen Genoms besteht laut den Forschern aus Überresten der so genannten endogenen Retroviren.
Viren beschleunigen Evolution
Im Lauf der Jahrmillionen richteten die Viren allerdings nicht nur Schaden an in ihren Wirten. Indem sie dessen Erbgut verändern, beschleunigen sie laut Trono nämlich auch die Evolution. Grosse Wellen von endogenen Retroviren traten denn auch just in Phasen auf, in denen die Evolution einen Sprung vorwärts nahm.
Im Erbgut seien so die Spuren der beiden letzten wichtigen Beschleunigungsphasen der Evolution sichtbar, wird Trono zitiert. Die eine fand vor etwa 100 Millionen Jahren statt, als sich die Säugetiere entwickelten. Die andere datiert vor 50 Millionen Jahren, kurz bevor die ersten menschenähnlichen Primaten auftauchten.
20min.ch
vom 14. Januar 2010
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New York: Kontroverse um Safer Use
Risiken minimieren, HIV-Infektionen vermeiden – auch beim Drogengebrauch? In New York hat sich eine kontroverse um eine safer use – Kampagne entzündet.
Die Stadtverwaltung von New York legte eine Broschüre für Drogengebraucher/innen auf. Ziel sei es, so die Stadt, Menschen die intravenös Drogen konsumieren zu helfen soweit möglich Schäden zu vermeiden.
In der Broschüre informiert die Stadt unter anderem über gesundheitliche Themen im Zusammenhang mit dem intravenösen Gebrauch von Drogen, auch über HIV und Aids. Und darüber, wie durch Techniken des ’safer use’, des sichereren Drogenkonsums, gesundheitliche Probleme vermindert, u.a. auch das Risiko einer HIV-Übertragung deutlich reduziert werden kann.
Die Stadt New York (bzw. deren Department
of Health and Mental Hygiene) ließ im Rahmen einer größeren
Kampagne 70.000 Exemplare der 16-seitigen Broschüre “Take Charge,
Take Care – 10 Tips for safer use” drucken, für insgesamt 32.000$.
Sie wurde gezielt bei drogengebrauchenden Menschen verteilt.
Die Broschüre wurde einem Bericht
von CNN zufolge bereits 2007 erstellt, gerät aber erst jetzt in die
Kritik.
Safer Use - Broschüre der Stadt
New York
Derartige Informationen, um beim Drogengebrauch Risiken zu minimieren, sind im Rahmen von harm reduction international erfolgreich und auch in Deutschland längst akzeptiert. Die Neu-Infektionszahlen mit HIV bei Drogengebraucher/innen wären vermutlich wesentlich höher, gäbe es nicht Kampagnen zu safer use, Spritzentausch und Gesundheitsförderung.
Doch nicht so in den USA. Was selbst UNAIDS empfiehlt, muss nicht in den USA akzeptiert werden, wie die Stadt New York nun merkt: Vertreter der staatlichen Drogenbehörde DEA argumentieren in Medien gegen die Broschüre. Sie hielte niemanden davon ab, Drogen zu konsumieren – die Broschüre sei im Gegenteil eine Art “Gebrauchsanweisung für Drogenkonsum”, so der höchtse New Yorker DEA-Vertreter. Die Boulevard-Presse springt bereitwillig auf, mit ‘Argumenten’ wie ‘Verschwendung von Steuergeldern’ oder ‘Erziehung zum Heroinspritzen’, agitiert mit Schlagzeile wie ‘Heroin für Dummies’.
New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg verteidigte die Broschüre; die Gesundheitsverwaltung müsse ein Interesse daran haben, dass bestimmte Dinge die eh stattfinden so gesundheitsverträglich wie möglich erfolgten. Es gebe keinen sicheren Weg, Heroin zu konsumieren, aber es gebe weniger gefährliche Wege bestimmte Dinge zu tun.
Nachtrag: die Broschüre der Stadt New York, einst online als pdf unter der Adresse http://www.nyc.gov/html/doh/downloads/pdf/basas/drug_use_take_care.pdf, ist inzwischen nicht mehr online verfügbar.
32.000 Dollar – wenn diese pragmatische Kampagne geeignet ist, Leben zu retten, Gesundheit zu verbessern, ist dieser Preis geradezu ein Schnäppchen. Doch – nicht für dogmatische Ideologen.
Das erfolgreiche Konzept harm reduction, zu dem auch safer use – Kampagnen gehören, wird immer noch bekämpft – nicht nur in Russland, auch in den USA. Die Vertreter einer Abstinenz-Politik erheben immer wieder ihre Stimme – einer Abstinenz-Politik auf dem Rücken der Menschen. Einer Abstinenz-Politik, die mit ihrem Dogmatismus Risiko läuft, zusätzliche HIV-Infektionen und gesundheitliche Schäden zu riskieren – allein um der ‘reinen Lehre’ willen.
Weitere Informationen:
Stadtverwaltung New York: drug use
– take care (pdf)
New York Post 03.01.2010: Heroin
for dummies
CNN 04.01.2010: NYC
heroin pamphlet — is it a help or a how-to guide?
Boing Boing 04.01.2010: Guide
to shooting smack published by City of New York
POZ 06.01.2010: Safe
Injection Pamphlet for New York City Drug Users Raises Controversy
harm reduction coalition: getting
off right – a safety manual for injecting drug users (pdf)
Deutsche Aids-Hilfe: Safer Use (Direkt-Link
zur online-Bestellung)
ondamaris
vom 13. Januar 2010
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Chinas HIV-Kranke sollen von der Gesellschaft besser verstanden werden
China startet Radioprogramm mit HIV-Positiven Radiomoderator - Daher sendet die Regierung am Samstag das erste von HIV-Positiven moderierte Radioprogramm.
HIV-Träger werden zusammen mit professionellen Moderatoren ein Radioprogramm für die landesweite Audienz moderieren, das am 16. Januar auf China National Radio (CNR) gesendet werden wird. Das Programm, das Erste seiner Art in China, wird live von 21:00 Uhr bis 22:00 Uhr am Samstag auf dem Wirtschaftskanal des Radiosenders übertragen, und die Audienz kann das Programm auch online auf www.cnr.cn und www.sohu.com mitverfolgen.
Das Programm, “Positive Talks” genannt, enthält Kommunikation zwischen den Gastgebern und der Zuhörerschaft und Experten werden eingeladen, um ihr Wissen über HIV/AIDS und der Vorbeugung und Kontrolle der Krankheit zu verbreiten, erklärte Yang Wenyan, Vizechefeditor von CNR, bei der Eröffnungszeremonie am Samstag.
Yang sagte, dass er erwarte, dass das Programm den HIV-Kranken Menschen in China mehr “Beachtung, Fürsorge und Unterstützung” geben wird. Das Programm, welches von CNR zusammen mit der gemeinnützigen Organisation Marie Stopes International China produziert wird, soll von etwa 300 Millionen Menschen in 60 Städten empfangen werden können. Ein HIV-Infizierter Moderator mit dem Decknamen Ma Binjun erklärte, dass AIDS nicht nur eine Krankheitsart oder eine Statistik sei, sondern das Leben von Zehntausenden HIV-Trägern und deren Verwandten und Freunde beeinträchtige. Ma erklärte, dass er hoffe, dass das Programm das Verständnis zwischen den Infizierten und der breiten Öffentlichkeit fördern und HIV-Infizierte dazu ermutigen werden, ein aktives Leben zu führen.
Subinay Nandy, Landesdirektor des UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) China, erklärte, dass das Radioprogramm ein gutes Zeichen sei und zur HIV/AIDS Prävention und Kontrolle beitragen könne. Es zeige den Aufbau einer langfristigen Zusammenarbeit zwischen HIV-Infizierten, Organisationen und Nationalmedien. UNDP China und das China International Zentrum für wirtschaftlichen und technischen Austausch halfen auch beim Programm mit. In China lebten per Ende 2009 zwischen 560.000 und 920.000 Menschen mit HIV und es gibt 97.000 bis 112.000 AIDS-Patienten, schätzte das Gesundheitsministerium und UNAIDS.
Quelle: CIIC
China
Observer vom 12. Januar 2010
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Sterblichkeit von HIV-Patienten hat sich halbiert
Boston – Die hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) hat HIV-Patienten die Perspektive auf eine normale Lebenserwartung eröffnet. Die Sterblichkeit an der Erkrankung hat sich nach einer Studie in AIDS (2010; 24: 123-137) im letzten Jahrzehnt halbiert.
Die HIV-CAUSAL Collaboration fasst die Daten von 12 prospektiven Kohortenstudien aus den USA und Europa zusammen. Sie ist damit die größte Sammlung von Krankendaten zu HIV-Infizierten. Auf der Basis von 62.760 Patienten und einer Nachbeobachtungszeit von im Mittel 3,3 Jahren kann das Team um Miguel Hernan von der Harvard School of Public Health in Boston recht zuverlässige Aussagen zur Prognose der Patienten machen.
Diese hat sich seit der Einführung der HAART ab 1996 entscheidend gebessert. Die Mortalitätsrate ist um 52 Prozent gesunken. Besonders deutlich war der Effekt für Patienten mit fortgeschrittener Immunschwäche.
Patienten mit CD4-Zellzahlen unter 100/µl hatten vor der HAART-Ära nur noch eine geringe Lebenserwartung. Seit HAART ist die Sterblichkeit um 71 Prozent gesunken. Während sich das Endstadium Aids unter der früheren Therapie nur vorübergehend hinauszögern ließ, können die HIV-Patienten heute langfristig ihr Immunsystem stabilisieren: Die Sterblichkeit der Patienten, die 5 Jahre oder länger medikamentös behandelt werden, ist um 79 Prozent gesunken.
Zum Thema: Abstract der Studie
Deutsches
Ärzteblatt vom 5. Januar 2010
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Kompetenznetz HIV/Aids kämpft ums Überleben
Bochum – Acht Jahre, dann ist Schluss. Als Professor Norbert Brockmeyer 2002 begann, das Kompetenznetz HIV/Aids aufzubauen, war ihm klar, dass es nicht ewig Geld vom Staat geben würde. Nun droht dem Netzwerk das Aus.
Auf dem Schreibtisch des Professors in der Dermatologischen Uni-Klinik im St. Josef-Hospital türmen sich die Papiere. Er hat den Kampf noch nicht aufgegeben. Zu viel steht für die Aids-Forschung, aber auch für die Patienten auf dem Spiel.
Wichtige Arbeit
Das Kompetenznetz HIV/Aids hat sich in den vergangene acht Jahren wichtige Arbeit geleistet. Von Bochum aus wurden Partnerschaften mit deutschen und europäischen Arbeitsgruppen geknüpft, Forschung koordiniert und eine Datenbank mit 15 000 Patienten angelegt. Langfristig wird der Krankheitsverlauf von HIV-Infizierten dokumentiert. Eine Fundgrube für Aids-Forscher.
1,2 Millionen benötigt
Nach acht Jahren will das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ab Mitte 2010 die Förderung von zuletzt jährlich 1,2 Millionen Euro einstellen. "Mehr als acht Jahre gibt es für den Aufbau eines Netzwerkes nicht", sagt Professor Brockmeyer. Er hegt keinen Groll. Er sucht nach Alternativen.
Unabhängigkeit
Die 1,2 Millionen müssten jährlich schon zusammen kommen, um das Netzwerk am Leben zu halten, weitere Daten sammeln zu können. Auf das Geld der Pharmafirmen will der Professor nur bedingt zurückgreifen. Eine Frage der Unabhängigkeit.
Keine akute Wahrnehmung
Doch das Eintreiben von Spenden wird immer schwieriger. "Die Themen HIV und Aids werden nicht mehr so akut wahrgenommen", sagt Brockmeyer, der realistisch einschätzt: "Dafür kenne ich nicht die richtigen Leute." Als Alternative wird die Gründung einer Stiftung in Betracht gezogen. Geldgeber und Projektpartner sind herzlich willkommen.
Umdenken
Doch auch die Bundesregierung hat er noch nicht ganz abgeschrieben. Der Professor erkennt ein Umdenken. Es gebe Überlegungen, dass acht Jahre für die Langzeitforschung zu kurz seien. Ob das Kompetenznetz HIV/Aids von diesem Umdenken jedoch noch profitieren kann, ist mehr als fraglich.
Nicht übertragbar
Außer Frage steht für Brockmeyer, dass das Sammeln von Patientendaten HIV-Infizierter in Deutschland weiter gehen muss. Zwar würden auch andere Länder wie Frankreich oder die Schweiz große Datensätze vorweisen, deren Forschungsergebnisse aber einfach auf Deutschland zu übertragen, sei leider nicht möglich.
Ruhrnachrichten
vom 29. Dezember 2009
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Proteasehemmer zur Tumortherapie
Bei Aids-Patienten, die außerdem eine Krebserkrankung entwickelt hatten, ging durch die Behandlung mit Protease-Inhibitoren in manchen Fällen auch der Tumor zurück. Jetzt wird in einer Phase-I-Studie untersucht, ob diese Wirkstoffe sich zum Einsatz bei Tumorerkrankungen eignen.
Retinolsäure und Arsen-Trioxid wurden ursprünglich für die Behandlung von Akne beziehungsweise Infektionskrankheiten zugelassen und werden jetzt erfolgreich in der Leukämietherapie verwendet. Das ehemalige Schlafmittel Thalidomid hat für die Behandlung einer relativ häufigen Form von Knochenmarkkrebs, dem Multiplen Myelom, einen neuen Therapiestandard begründet.
Auch HIV-Protease-Inhibitoren könnten sich zur Behandlung von Tumorerkrankungen eignen. Immer wieder gab es Beobachtungen, dass bei einzelnen AIDS-Patienten, die außerdem eine Tumorerkrankung entwickelten, durch die Behandlung des Virus mit Protease-Inhibitoren auch der Tumor zurückging. Bisher wurde der Einsatz dieser Wirkstoffe als mögliche Krebsmedikamente nicht systematisch untersucht. Eine Schweizer Arbeitsgruppe konnte jetzt im Laborexperiment zeigen, dass auch Krebszellen die vormals resistent gegenüber Zytostatika waren, durch die gleichzeitige Behandlung mit dem Protease-Inhibitor wieder empfindlich gegenüber der Krebstherapie wurden.
Jetzt soll eine entsprechende klinische Phase-I-Studie ab 2010 in St.Gallen, Chur, Lausanne und Bern durchgeführt werden. Dabei sollen auch die molekularen Grundlagen dieser Wirkung und die Interaktion der HIV-Protease-Inhibitoren mit dem Proteasen-System von Tumorzellen untersucht werden. Die Wilhelm Sander-Stiftung unterstützt nun die weiteren Arbeiten auf diesem Gebiet.
Wilhelm
Sander-Stiftung - Pressemitteilung vom 21. Dezember 2009
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Beschlagnahme von Patientenakten nicht ausgeschlossen.
By Steffen Taubert
Als im April 2009 die No-Angels-Sängerin Nadia Benaissa verhaftet wurde, war der Schock in der HIV-Community und den Aids-Hilfen groß. Der vage Vorwurf, sie habe mindestens einen ihrer Partner mit HIV-infiziert, löste eine öffentliche Hetzjagd aus.
Mehr als ein halbes Jahr danach sind drängende Fragen noch immer unbeantwortet: Wie war es möglich, dass die Medien so unverblümt den HIV-Status einer Person veröffentlichten? Musste die Sängerin tatsächlich zur Klärung der genauen Zusammenhänge medienwirksam in einem Nachtclub verhaftet werden? Und vor allem: Wurden im Ermittlungsverfahren Krankenunterlagen beschlagnahmt, die doch gesetzlich besonders geschützt sind? Oder haben Ärzte diese Unterlagen freiwillig herausgegeben?
Beschlagnahme von Patientenakten ist grundsätzlich nicht zulässig - aber es gibt Ausnahmen.
Die letzten beiden Fragen beunruhigen vor allem Menschen mit HIV. Die meisten gingen bislang davon aus, dass ihre Daten beim Arzt auf Grund der ärztlichen Schweigepflicht vor Beschlagnahmung und „freiwilliger Herausgabe“ geschützt seien. Um zu klären, wie sicher Patientenakten tatsächlich vor staatlichen Zugriff sind, hat die Deutsche AIDS-Hilfe beim Juristen und Kriminologen Kai Baumann ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben. Das Ergebnis liegt nun vor.
Baumann kommt in seiner Expertise zu dem Urteil, dass Patientenakten zwar grundsätzlich nicht beschlagnahmt werden dürfen, es aber einige Ausnahmesituationen gibt, in denen Staatsanwälte oder Polizei durchaus Zugriff auf die enthaltenen Informationen nehmen können.
Rechtliche Grundlage des Zeugnisverweigerungsrechtes ist der Paragraf 53 der Strafprozessordnung (StPO). Es gilt nicht nur für Ärzte, sondern auch für Psychotherapeuten, Anwälte und einige andere Berufsgruppen. Zudem regelt der Paragrafen 203 des Strafgesetzbuches (StGB) die Verschwiegenheitspflicht von Berufsgruppen, die im Rahmen ihrer Arbeit Kenntnis von schützenswerten personenbezogenen Daten erhalten. Neben Ärzten, Psychologen und Juristen sind hier unter anderem Ehe- und Jugendberater, Berater für Suchtfragen, staatlich anerkannte Sozialarbeiter und Sozialpädagogen genannt. Dazu gehören auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Aidshilfen.
Ausnahme: Zugriff auf Daten bei Verfahren gegen den Arzt
Staatsanwaltschaft und Polizei können nicht ohne gewichtigen Grund auf Patientenakten zugreifen. Auch die neue Möglichkeit der Onlinedurchsuchung hat diesen Grundsatz offenbar nicht aufgeweicht. Wird allerdings ein Ermittlungsverfahren gegen einen Arzt geführt, dürfen auch Patientenakten oder elektronische Patientendateien beschlagnahmt werden. Das kann zum Beispiel passieren, wenn gegen den Arzt ein Verdacht auf Abrechnungsbetrug vorliegt.
Finden die Ermittler in diesen Akten nun Hinweise auf Rechtsverletzungen wie Drogenhandel, illegalen Aufenthaltsstatus oder – bei HIV-Positiven – ungeschützten Sex, könnten diese Informationen eventuell zu Ermittlungsverfahren gegen die Patienten genutzt werden.
Ein anderes Szenario besteht, wenn ein Arzt oder Berater Kenntnis von einer (geplanten) Straftat erhält. Hier kann der Arzt selbst tätig werden, wenn er im Rahmen von Nothilfe beziehungsweise Notstand (§§ 32 ff. StGB) den Eindruck hat, dadurch Schaden von einem anderen Menschen abzuwenden. Ob das Nothilfeverhalten eines Arztes tatsächlich gerechtfertigt ist, muss im Streitfall im Nachhinein ein Gericht klären.
Kein Forschungsgeheimnis: Daten aus Studien sind nicht geschützt
Eine weitere Problematik ergibt sich in Bezug auf Forschungsdaten. Werden Daten für Studien oder Befragungen außerhalb der normalen Behandlung erhoben, unterliegen diese Informationen keinem besonderen Schutz, insbesondere keinem Zeugnisverweigerungsrecht. Aus diesem Grund forderte der nationale Ethikrat schon vor Jahren die Einführung eines „Forschungsgeheimnisses“. Die Deutsche AIDS-Hilfe schloss sich dieser Forderung an und kommunizierte diese im Vorfeld der letzten beiden Bundestagswahlen an die politischen Parteien. Ähnliche Forderungen erheben auch Datenschutzbeauftragte. Leider gibt es hier jedoch noch keine positive Entwicklung.
Und noch ein weiteres juristisches Problem beschreibt Bammann in seinem Gutachten: Es dreht sich um die Frage, ob Beweise aus unrechtmäßig durchgeführten Beschlagnahmen von Gerichten verwendet werden dürfen. Der Paragraf 160a der StPO scheint hier Möglichkeiten zu eröffnen. Bammann beschreibt die Lage so: „Kurz gefasst lässt sich festhalten: ein Verstoß gegen das Beschlagnahmeverbot hat zunächst einmal ein Verwertungsverbot zur Folge. [...] Dieses Verwertungsverbot kann [aber] entfallen, wenn nachträglich das Beschlagnahmeverbot wegfällt – dann dürfen die Unterlagen verwendet werden, auch wenn die Beschlagnahme zunächst unzulässig war.“
Patientenakten können unter Umständen auch vor Gericht verwertet werden.
Laut Paragrafen 160a StPO gibt es außerdem bei unzulässigerweise beschlagnahmten Unterlagen kein absolutes Verwertungsverbot mehr. Das Gericht muss sich mit der Frage auseinandersetzen, was höher wiegt: das staatliche Interesse an der Aufklärung einer Straftat oder das Recht des Einzelnen auf umfassenden Schutz seiner Daten. Nur dort, wo höchstpersönliche Lebensbereiche betroffen sind, gilt auch weiterhin ein absoluter Schutz. Wie dies anzuwenden und auszulegen ist, wird aber erst die Zukunft zeigen, da Paragraf 160a StPO noch relativ neu und nicht unumstritten ist.
Bammann befragte für das Gutachten auch Landesärztekammern über bisherige Fälle. Das Ergebnis: Beschlagnahmen kommen zwar vor, scheinen aber nach wie vor eher selten zu sein. Der Rechtsexperte weist allerdings darauf hin, dass die Landesärztekammern möglicherweise nicht über alle Vorgänge informiert sind.
Wie können sich Ärzte verhalten,
wenn die Polizei in ihrer Praxis auftaucht? Wichtig ist vor allem, Ruhe
zu bewahren und die Schweigepflicht auch tatsächlich einzuhalten,
soweit das möglich ist.
Erfahren Patienten, dass sensible,
medizinische Informationen ohne ihre Zustimmung an Polizei, Staatsanwaltschaft
oder Presse weitergeben wurden, können sie Strafanzeige gemäß
Paragraf 203 StGB stellen. Hier können regionale Aidshilfen Unterstützung
bieten.
Wenn die Polizei kommt, sollten Ärzte Ruhe bewahren
Letztlich sollte es jedoch darum gehen, dass Ärzte und Patienten sich gemeinsam gegen Strömungen stellen, den Schutz der Privatsphäre auszuhöhlen. Ein vertrauensvolles Arzt-Patientenverhältnis, das Grundlage jeder guten HIV-Therapie ist, baut sich nur dann auf, wenn keine Informationen aus solchen Gesprächen an Dritte gelangen.
In diesem Zusammenhang gilt es von Politik zu fordern, Unklarheiten bei der Umsetzung des Paragrafen 160 StPO schnellstmöglich zu ändern, Regelungen eines umfassend Forschungsgeheimnisses einzuführen.
Der Fall Nadja Benaissa zeigt außerdem: Nicht zuletzt kommt es darauf an, eine Kultur der Anwendung bestehenden Rechts einzufordern.
Der Autor ist Wissenschaftlicher Projektkoordinator bei der Deutschen AIDS-Hilfe.
Deutsche
AIDS-Hilfe blog vom 17. Dezember 2009
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Suizidrate bei HIV-Patienten um die Hälfte gesunken
Die Suizidrate bei HIV-Patienten in der Schweiz hat sich in den vergangenen 20 Jahren halbiert. Das zeigt eine Studie der Universität Bern. Die Forscher führen die Abnahme auf die neuen HIV-Therapien zurück, mit denen die Infektion in Schach gehalten werden kann.
Olivia Keiser vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern und ihre Kollegen nutzten für die Studie Daten von über 15 000 HIV-positiven Menschen aus der Schweiz, wie die Hochschule am Dienstag mitteilte. Zwischen 1988 und 2008 verübten insgesamt 150 dieser Patienten Suizid.
Hochwirksame Therapie
Wie die Forscher im Fachmagazin «American Journal of Psychiatry» berichten, sank die Suizidrate deutlich, nachdem im Jahr 1996 die sogenannte hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) gegen HIV eingeführt worden war. Mit HAART kann die HIV-Infektion meist in Schach gehalten werden.
Die Studie zeigt laut der Mitteilung der Universität auch, dass die Suizidrate bei HIV-Positiven jene bei der restlichen Bevölkerung noch immer deutlich übertrifft. Vor der Einführung der hochaktiven antiretrovirale Therapie seien die schlechten Heilungschancen und die soziale Stigmatisierung die Hauptgründe für Selbstmord gewesen. Heute litten viele HIV-Patienten an Depressionen, die schließlich zum Suizid führten.
Bessere Betreuung nötig
«Trotzdem erhalten viele Patienten weiterhin keine psychologische Betreuung», wird Olivia Kaiser im Communiqué zitiert. Laut ihr verdeutlichen die Resultate, dass die Anstrengungen in diesem Bereich deutlich verstärkt werden müssen.
Die Daten für die Studie stammen aus zwei vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützten Kohorten: der Schweizerischen HIV- Kohortenstudie und der Schweizerischen Nationalen Kohorte. In der Nationalen Kohorte werden anonyme Gesundheitsdaten aus Quellen wie Volkszählungen oder Sterberegistern zusammenführt und vernetzt. Die Schweizerische HIV-Kohorte ist eine der ältesten HIV- Kohortenstudien weltweit. Sie umfasst etwa 40 Prozent aller HIV- positiven Menschen und 70 Prozent aller Aids-Patienten in der Schweiz.
Neue
Zürcher Zeitung vom 15. Dezember 2009
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Vaginalgel senkt Risiko doch nicht
Forschung sucht dringend nach neuen Ansätzen zur HIV-Prävention.
London - Das Vaginalgel PRO 2000 kann die in seine Wirksamkeit gesetzten Hoffnungen offenbar doch nicht erfüllen. Die groß angelegte Untersuchung eines Mikrobiozids hat jedenfalls keine Beweise dafür erbracht, dass es das Risiko einer HIV-Infektion bei Frauen senken kann. Eigentlich soll das Gel - vor dem Geschlechtsverkehr eingesetzt - helfen, die Anzahl der HIV-Infektionen zu reduzieren. Das Microbicides Development Programme http://www.mdp.mrc.ac.uk führte nun Tests mit 9.385 Frauen in vier afrikanischen Ländern durch. Dabei war Risiko einer Infektion bei Frauen, die das Gel benutzten, nicht deutlich anders als bei Frauen, die ein Plazebogel erhielten.
Kondome allein reichen nicht aus
Die Wissenschaftler hatten gehofft, dass derartige Gels eine effektive Möglichkeit zur Eindämmung der Ausbreitung von HIV wären. Experten räumen laut BBC mittlerweile ein, dass die Forcierung der Verbreitung von Kondomen allein nicht ausreicht, um die Epidemie unter Kontrolle zu bringen. Neue Ansätze zur Eindämmung sind dringend erforderlich. In den afrikanischen Ländern südlich der Sahara sind fast 60 Prozent der Infizierten Frauen. Sie werden häufig zu ungeschütztem Sex gezwungen und sind biologisch gesehen anfälliger für Infektionen als Männer. Theoretisch sollte ein Gel, das sie selbst verwenden können, daher wirksam sein.
Eine frühere, kleinere Untersuchung legte nahe, dass PRO 2000 das Risiko einer HIV-Infektion um 30 Prozent verringern könnte. Die aktuelle Studie des Microbicides Development Programmes, einer Vereinigung von 16 europäischen und afrikanischen Forschungsinstitutionen, konnte jedoch keine positive Wirkung nachweisen. Die Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass die Studie groß genug war, um überzeugende Ergebnisse zu liefern. Die Teilnehmerinnen erhielten das Gel gemeinsam mit Kondomen und dem Zugang zu Informationen über sicheren Sex.
Ergebnisse entmutigend - Neue Behandlungsansätze gesucht
Die leitende Wissenschaftlerin Sheena McCormack vom Medical Research Council http://www.mrc.ac.uk erklärte, dass diese Ergebnisse entmutigend seien. Trotzdem seien sie wichtig, da damit klar sei, dass Tests durchgeführt werden müssen, die groß genug sind, um klare Beweise dafür zu liefern, ob ein Produkt wirksam ist oder nicht. Mitautor Jonathan Weber vom Imperial College London http://www3.imperial.ac.uk betonte, es sei entscheidend, dass die Forschung immer weiter nach neuen Möglichkeiten zur HIV-Prävention suche. Daher werde man sich jetzt auf andere Behandlungsansätze konzentrieren.
Pressetext
Austria vom 15. Dezember 2009
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Antiretrovirale Therapien auch ohne Laborüberwachung sicher
Antiretrovirale Therapien (ART) können auch ohne routinemäßige Laboruntersuchungen, die mögliche toxische Wirkungen überwachen, sicher durchgeführt werden. Unterschiede im Krankheitsverlauf deuten jedoch an, dass die Überwachung der CD4-Zellzahlen ab dem zweiten ART-Jahr sinnvoll erscheinen, um den Wechsel zur Second-line-Therapie einzuleiten. Dies folgert ein aktueller, vorab 'Online First' veröffentlichter Artikel, verfasst vom DART Trial Team, unter Führung von Dr. A. Sarah Walker von der MRC Clinical Trials Unit in London und Kollegen.
In Afrika werden ARTs häufig ohne routinemäßige Laborkontrollen durchgeführt, wobei die Auswirkungen dieses Ansatzes nicht bekannt sind. In dieser Studie untersuchten die Autoren, ob eine Routineüberwachung von Toxizität und Wirksamkeit bei ART-behandelten HIV-infizierten Patienten in Afrika einen entscheidenden langfristigen Effekt auf klinische Ergebnisparameter hatten.
Diese randomisierte Studie fand in drei Zentren in Uganda und einem in Zimbabwe statt und erfasste insgesamt 3321 symptomatische, ART-unerfahrene, HIV-infizierte Erwachsene mit CD4-Zellzahlen unter 200 Zellen pro Mikroliter Blut, die eine ART starteten. Die Patienten wurden per Zufallsverfahren einer labortechnischen und klinischen Überwachung (LCM; n=1659) oder einem klinisch gesteuerten Monitoring (CDM; n=1662) zugeordnet. 3316 der Patienten wurden in die Analyse einbezogen (3 Patientendaten lagen doppelt vor, 2 waren ungeeignet). Hämatologie, Biochemie und CD4-Zellzählungen erfolgten alle 12 Wochen. In der LCM-Gruppe lagen alle Laborergebnisse den Klinikärzten vor. In der CDM-Gruppe konnten die Ergebnisse (außer den CD4-Zellzählungen) nachgefragt werden, wenn es klinisch angezeigt war, und wenn ernste (Grad 4) Toxizitätserscheinungen auftraten.
Nach neuen oder wiederholten Ereignissen des klinischen Stadiums 4 gemäß den WHO-Richtlinien wechselten die Teilnehmer beider Gruppen, oder bei CD4-Zellzahlen unter 100 Zellen pro Mikroliter Blut ausschließlich die LCM-Gruppe zur Second-line-ART über. Zusätzliche primäre Endpunkte waren neue Ereignisse des Stadiums 4 (gemäß WHO) oder Tod, sowie schwerwiegende Nebenwirkungen. Die Autoren stellten fest, dass die 5-Jahres-Überlebensrate in der CDM-Gruppe bei 87 Prozent und in der LCM-Gruppe bei 90 Prozent lag. 7 Prozent der Teilnehmer aus beiden Gruppen starben während der Nachuntersuchungsphase, die im Mittel nahezu fünf Jahre andauerte. 459 (28 Prozent) CDM-Teilnehmer und 356 (21 Prozent) LCM-Patienten erreichten letztendlich das klinische Stadium 4 oder starben (6,94 gegenüber 5,24 pro 100 Personenjahren; absolute Differenz: 1,70 pro 100 Personenjahren). Unterschiede im Krankheitsverlauf traten ab dem dritten ART-Jahr auf, wobei der Wechsel zur Second-line-Therapie in der LCM-Gruppe bereits ab dem zweiten Jahr häufiger erfolgte. 283 (17 Prozent) der CDM-Patienten und 260 (16 Prozent) der LCM-Teilnehmer erlitten ein neues schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis, wobei Anämien hierbei am häufigsten auftraten (76 gegenüber 61 Fällen).
Die Autoren stellen fest: "Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die First-line-ART auch ohne routinemäßige biochemische und hämatologische Überwachung der toxischen Wirkungen sicher durchgeführt werden kann. Eine routinemäßige Überwachung der CD4-Zellzahlen bringt allerdings, möglicherweise auf Grund des etwas frühzeitigeren Wechsels zur Second-line-ART, hinsichtlich Krankheitsverlauf und Sterblichkeit einen kleinen, jedoch signifikanten Nutzen."
Die Forscher fügen hinzu: "Die DART-Ergebnisse halten wesentliche Folgerungen für die ART-Programme in Afrika bereit, zu einer Zeit, da bezüglich langfristiger Finanzierung und Nachhaltigkeit Unsicherheit herrscht, und die meisten Menschen noch immer keine Behandlung erreichen können. Wir konnten zeigen, dass die routinemäßige laborgestützte Überwachung toxischer Auswirkungen bei ART-behandelten HIV-Patienten keinen Nutzen bringt. ART kann mit qualitativ hochwertiger klinischer Fürsorge sicher angewendet werden, was eine Dezentralisierung der Bereitstellung der Behandlung erlaubt."
Die Autoren folgern: "Die kleinen Unterschiede im Krankheitsverlauf deuten einerseits an, dass CD4-Zell-Testverfahren ab dem zweiten ART-Jahr eine Rolle spielen könnten, da sie den Wechsel zur Second-line-ART einleiten können, andererseits sollten sie zur beschleunigten Entwicklung von einfacheren, günstigeren, patientennahen CD4-Tests ermutigen. Mit Blick auf CD4-Zellzählungen und Gegenanzeigen für spezifische Medikamente, wie auch für Diagnose und Behandlung opportunistischer Infektionen und klinischer Toxizität werden die Labore für die Bewertung der Eignung der ART wichtig bleiben. Auf Grund einer reduzierten Notwendigkeit zur Bereitstellung von Routineüberwachungen, insbesondere der Toxizität, kann sich die Finanzierung auf die Beschaffung von Medikamenten, die Stärkung diagnostischer Labordienste, sowie Schulung und Betreuung von Gesundheitsbediensteten konzentrieren, um qualitative klinische Überwachung zu fördern und die Ausweitung der ART-Einführung in die ländlichen Gebiete Afrikas zu unterstützen, wo 60 Prozent der HIV-infizierten Bevölkerung leben."
In einem Begleitkommentar bemerken Dr. Andrew Phillips vom University College London und Dr. Joep van Oosterhout vom University of Malawi College of Medicine in Blantyre: "Die DART-Studie zeigt deutlich, dass die Ausweitung der antiretroviralen Therapien auf alle jene, die ihrer bedürfen, höchste Priorität haben muss. Eine derartige Ausweitung ist logistisch schwierig, dennoch dürfen uns andere Bedenken bezüglich der Durchführung antiretroviraler Therapien nicht davon abhalten, dieser Notwenigkeit nachzukommen."
Quelle: DART Trial Team. Routine versus clinically driven laboratory monitoring of HIV antiretroviral therapy in Africa (DART): a randomised non-inferiority trial. Lancet 2009; 374: 10.1016/S0140-6736(09)62067-5
The
Lancet vom 14. Dezember 2009
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Ermutigende Resultate in der Forschung nach Anti-HIV Pille
Forscher arbeiten seit Jahren an Medikamenten, deren Einnahme vor HIV-Infektionen schützen soll. Aus Deutschland gibt es nun ermutigende Forschungsergebnisse.
Zum Welt-Aids-Tag sind letzte Woche ernüchternde Statistiken veröffentlicht worden. Seit dem Jahr 2000 verdoppelte sich in Europa die jährliche Rate neuer HIV-Infektionen. Gemäß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde 2008 die Infektion bei fast 51.600 Menschen neu diagnostiziert. Insgesamt sind in der europäischen Region der WHO insgesamt 342.768 Infektionen mit dem Aids-Erreger registriert. Das tatsächliche Ausmaß des Problems dürfte größer sein. Die Zahlen zeigen, dass die Bemühungen in der HIV-Prävention nicht nachlassen, ja sogar verstärkt werden müssen.
Als effektivste Maßnahme zur Verhinderung der Übertragung des HI-Virus wird der Gebrauch von Kondomen propagiert. Weil aus verschiedenen Gründen Kondome nicht oder falsch angewendet werden, befasst sich die medizinische Forschung mit der so genannten Präexpostionsprophylaxe. Dabei geht es um die Entwicklung von Medikamenten, die vor dem sexuellen Kontakt mit einer (mutmaßlich) HIV-positiven Person eingenommen werden sollen. In dieser Hinsicht gibt es erfreuliche Nachrichten, wie aus einem Forschungsbericht hervorgeht, der kürzlich in der «Deutschen Medizinischen Wochenzeitschrift» (DMW) veröffentlicht worden ist.
Deutsche Forscher experimentierten mit einem Medikament, in dem die antiretroviralen Wirkstoffe Tenofovir und Emtricitabin enthalten sind. Nach ersten Studien, an denen sich rund 19.00 Personen beteiligten, zeigte sich, dass solche Medikamente die Gefahr einer Ansteckung mit HIV deutlich verringern. Wenn Tenofovir und Emtricitabin in hohen Konzentrationen den Genitalbereich erreichen, wird eine Schutzwirkung ausgelöst. Detaillierte Resultate der Studie sollen nächstes Jahr veröffentlicht werden.
Kein totaler Schutz
Bereits jetzt ist klar: Solche Medikamente bieten keinen 100-prozentigen Schutz vor einer HIV-Infektion. Außerdem schützen sie nicht vor übertragbaren Geschlechtskrankheiten wie Syphilis oder Tripper. Die Anti-HIV-Pillen können bekannte Schutzmassnahmen wie das Benutzen von Kondomen nicht ersetzen, wie die deutschen Forscher betonen. «Möglicherweise steht künftig aber eine weitere prophylaktische Methode zur Verfügung, die bei umsichtigem Einsatz eine sinnvolle Ergänzung in der HIV-Prävention darstellt.» Sinnvoll sei die Tabletteneinnahme vor allem bei Paaren, die sich Kinder wünschen und bei denen ein Partner mit HIV infiziert ist. Geeignet sei das Medikament auch für Personen mit einem hohen Infektionsrisiko oder für Prostituierte.
«Erweist sich die Präexpostionsprophylaxe als effektiv, stünde das Gesundheitssystem vor einer großen Herausforderung.» Man müsse die Empfängergruppen definieren und die Abgabe kontrollieren. Denn es bestehe die Gefahr, dass solche Medikamente missbräuchlich verwendet würden, heißt es im Forschungsbericht. Verantwortlich für die Studien zur Anti-HIV-Pille sind sieben Experten, darunter Mediziner von Kliniken in Köln, Bonn und Düsseldorf.
Berner
Zeitung vom 14. Dezember 2009
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Stammzellen können HIV angreifen
Los Angeles – Menschliche Blutstammzellen können zu Zellen umgeformt werden, die HIV-infizierten Zellen ins Visier zu nehmen und zu töten. Dies ist ein Prozess, der potenziell gegen eine Reihe von chronischen Virenkrankheiten verwendet werden könnte.
Zu diesen Ergebnissen kamen Forscher um Scott G. Kitchen des Aids Instituts der Universität von Los Angeles. Sie publizierten ihre Entdeckungen in der Fachzeitschrift PLoS ONE (doi:10.1371/journal.pone.0007997).
Indem die Forscher CD8 zytotoxische T-Lymphozyten von einer HIV-infizierten Person untersuchten, identifizierten sie den T-Zellrezeptor als das Molekül, das die T-Zelle beim Erkennen und der Tötung von HIV-infizierten Zellen leitet. Diese CD8-Zellen, obwohl fähig, HIV-infizierte Zellen zu zerstören, sind nicht in ausreichender Menge vorhanden, um das Virus aus dem Körper der Betroffenen zu entfernen. Die Forscher klonten den Rezeptor und konstruierten menschliche Blutstammzellen, die sie dann in menschliches Thymus-Gewebe implantierten.
Die konstruierten Stammzellen entwickelten sich zu einer großen Gruppe von reifen, multifunktionalen HIV-spezifischen CD8-Zellen, die HIV-infizierte Zellen spezifisch ins Visier nehmen konnten.
„Wir haben in dieser Studie demonstriert, dass diese Herangehensweise verwendet werden kann, um im menschlichen Immunsystem besonders die T-Zellantwort hervorzurufen, die HIV-infizierte Zellen angreift“, sagte Kitchen. Die Ergebnisse der Studie weisen darauf hin, dass diese Strategie eine wirksame Waffe im Kampf gegen Aids und andere Virenkrankheiten sein könnte, so die Forscher.
Abstract
der Studie
Center
for Aids Research, University of California Los Angeles
Deutsches
Ärzteblatt vom 11. Dezember 2009
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Anlässlich des Welt-Aids-Tags am 1. Dezember strahlte ARTE 10 berührende Kurzfilme aus, die HIV-infizierte Frauen in ihrem Alltag zeigen. Diese Kurzfilme können Sie auf der Arte-Webseite anschauen.
Link:
Arte
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Überwachte Therapie bei HIV-Patienten nicht besser als Eigenverantwortliche
Bei der direkt überwachten antiretroviralen Therapie beobachtet ein Gesundheitsbediensteter oder eine andere Person unmittelbar die Medikamenteneinnahme der HIV-Patienten. Allerdings bewirkt die Methode keinen Unterschied der Ergebnisparameter der Behandlung im Vergleich zur eigenverantwortlichen Medikamenteneinnahme - und zwar in der ganzen Bandbreite von Staatswesen mit niedrigem Einkommensstatus bis hin zu Industrieländern. Dies folgert ein aktueller vorab 'Online First' veröffentlichter, von Dr. Nathan Ford von 'Ärzte ohne Grenzen' im südafrikanischen Kapstadt und Kollegen verfasster Artikel.
Die direkt überwachte Behandlung von Tuberkulose ist die Standardtherapie der WHO, allerdings ist dies kostenintensiv und mit Blick auf ausbleibende Erfolge wurden Bedenken hinsichtlich dieser Methode geäußert. Da die antiretrovirale Therapie gegen HIV lebenslang erfolgen muss, sind Bedenken gegenüber der Kosteneffizienz umso ausgeprägter. Eindeutige Hinweise auf einen Nutzen dieser Strategie sind demnach notwendig.
Die Autoren starteten eine Metaanalyse früherer randomisierter kontrollierter Studien, um jegliche Unterschiede in den Ergebnisparametern berechnen zu können. Die Studien umfassten Hochrisikogruppen in den USA (Drogenkonsumenten, Obdachlose und Inhaftierte) sowie eine Vielzahl von Gemeinden in Afrika. Primärer Ergebnisparameter war die Suppression der Viruslast nach Beendigung der Studie.
Die endgültige Analyse umfasste 10 Studien und 1862 HIV-Patienten, wobei die Autoren keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Behandlungsansätzen entdecken konnten. Sie stellen fest: “Unsere Studie zeigt mit Blick auf die Virussuppression bei HIV-infizierten Personen keinen Vorteil der direkt überwachten gegenüber der selbstverantwortlichen antiretroviralen Behandlung. Trotz der Erwartungen, dass direkt überwachte Therapien eine wirksame Intervention darstellen würden, um die Therapieeinhaltung in der allgemeinen Bevölkerung wie auch bei jenen Risikogruppen zu fördern, die sich nur unzureichend an die Vorgaben halten, konnten wir keine eindeutigen Hinweise finden, die derartige Maßnahmen stützen würden.“
Die Ärzte folgern: "Direkt überwachte antiretrovirale Therapien bieten offensichtlich keinen Vorteil gegenüber einer eigenverantwortlichen Medikamenteneinnahme. Dies stellt den Sinn eines derartigen Ansatzes in Frage, der die Therapiebefolgung in den allgemeinen Patientengruppen unterstützen soll."
In einem begleitenden Kommentar bemerken Dr. Julie E. Myers und Dr. Simon J. Tsiouris von der Mailman School of Public Health an der Columbia University in New York: "Die Folgerung, wonach direkt überwachte Therapien nicht geeignet seien, in den allgemeinen Patientengruppen die Einhaltung von Behandlungsvorgaben zu fördern, ist nachvollziehbar. Selbst wenn die Daten, die solche Interventionen stützen, reichlicher vorhanden wären, eine weltweit verbreitete Einführung direkt überwachter Therapien wäre, ungeachtet weiterer Investitionen, unmöglich."
Quelle: N Ford and others. Directly observed antiretroviral therapy: a systematic review and meta-analysis of randomised clinical trials. Lancet 2009; 374: 10.1016/S0140-6736(09)61671-8
The
Lancet vom 7. Dezember 2009
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Was die Griechen mit HIV gemein haben
von Matthias Hoffmann
Das primäre Ziel der HIV-Prävention ist die Verhinderung der HIV-Übertragung. Daher ist das Verständnis der Übertragung von entscheidender Bedeutung. Ceballos et al. tragen ein weiteres Puzzleteil dazu bei: HIV haftet an Spermien und wird so aktiv von Abwehzellen aufgenommen - der erste Schritt zur systemischen Infektion.
HIV infiziert Abwehrzellen. Dies geschieht beim Geschlechtsverkehr durch Mikroverletzungen in der vaginalen Schleimhaut, durch welche das HI-Virus in Kontakt mit Abwehzellen kommen kann, und wird begünstigt durch andere Geschlechtserkrankungen, welche mit einer Anreicherung von Abwehrzellen in der Schleimhaut vergesellschaftet sind. Die infizierte Abwehrzelle wandert dann aus der Schleimhaut in den Lymphknoten, wo weitere Abwehrzellen infiziert werden, und die Ausbreitung der Infektion nimmt ihren unaufhalsamen Lauf.
Dieser Infektionsmodus setzt die aktive Penetration des HI-Virus durch die vaginale Schleimhaut voraus. Ceballos et al. zeigen in einem sauber konzipierten und kontrollierten Experiment (erschienen im Journal of Experimental Medicine), dass das HI-Virus aber auch noch viel perfider ist: es bedient sich der Spermien als "trojanisches Pferd" und infiziert unter der Schleimhaut gelegene Abwehrzellen so ganz direkt.
Die Autoren zeigen, dass
Abbildung: Spermien (gelb) gebunden
an dendritische Zellen (rot)
Die Spermien sind somit ein "trojanisches Pferd", welche aktiv zu der Infektion mit HIV beitragen. Wie und ob dieses Wissen praktisch angewandt werden kann, ist noch unklar. Klar bleibt auch nach diesem neuen Puzzlestein, dass einzig Kondome vor einer Infektion schützen! Denn klar ist auch, dass die Achillesferse des HI-Virus immer noch nicht gefunden ist, und wohl auch in absehbarer Zeit nicht gefunden werden wird. Konsequent angewandt, wäre vielleicht auch der trojanische Krieg anders ausgegangen ...
Quelle: JEM, November 2009
Infektiologie
St. Gallen vom 3. Dezember 2009
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Wirkunterschiede in der Initialtherapie
Boston – Zur Initialtherapie der HIV-Erkrankung gehören heute zwei Nukleosidische-Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI). Die beiden derzeit bevorzugten NRTI-Kombinationen zeigten in einer randomisierten Vergleichsstudie im New England Journal of Medicine (2009; doi: 10.1056/NEJMoa0906768) bei Patienten mit hoher Viruslast so große Unterschiede, dass ein Studienarm vorzeitig abgebrochen wurde.
Die AIDS Clinical Trials Group, eine Initiative des US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) untersucht in der Studie A5202 verschiedene antiretrovirale Strategien mit Wirkstoffen, die alle einmal täglich eingenommen werden können. Zur Behandlung gehörte bei allen Patienten die Gabe von Efavirenz (ein nicht-nukleosidischer Reverse-Transkriptase-Inhibitor, NNRTI) oder eine Kombination aus Ritonavir plus Atazanavir („geboosteter“ Proteaseinhibitor).
Bezüglich der Wahl dieser beiden Mittel gibt es keine Bedenken. Das Rückgrat der HIV-Therapie bilden jedoch die beiden NRTI. Hier gibt es derzeit zwei bevorzugte Kombinationen: Tenofovir DF plus Emtricitabin oder Abacavir plus Lamivudin. Bei einer Zwischenauswertung stellte die Gruppe um Paul Sax vom Brigham and Women's Hospital in Boston fest, dass es zwischen den beiden Kombinationen Unterschiede in der Wirkung gibt, und zwar bei Patienten, die zu Beginn der Therapie eine hohe Viruslast hatten (100.000 Kopien pro Milliliter oder mehr).
In dieser Gruppe kam es bei 57 von 398 Patienten (14,3 Prozent), die Abacavir plus Lamivudin eingenommen hatten, zu einem virologischen Versagen. Dieser Endpunkt wurde hingegen nur von 26 der 399 Patienten (6,9 Prozent) erreicht, die mit Tenofovir DF plus Emtricitabin behandelt wurden.
Dieses mehr als zweifach und signifikant erhöhte Risiko auf ein frühzeitiges Therapieversagen (Hazard Ratio 2,33; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,46-3,72) unter Abacavir plus Lamivudin veranlasste das NIAID, die Studie für alle Teilnehmer mit einer hohen initialen Viruslast zu stoppen. Zu diesem Zeitpunkt waren die CD4-Zellen unter Abacavir plus Lamivudin (noch) nicht stärker abgefallen, es kam aber häufiger zu Nebenwirkungen (HR 1,89; 1,43-2,50), sodass auch hier die Kombination aus Tenofovir DF plus Emtricitabin im Vorteil ist.
Die Ursache für die schlechteren Ergebnisse unter Abacavir plus Lamivudin sind unklar. Infrage kommen Unterschiede in der Wirkstärke, in der Pharmakokinetik oder auch in der Entwicklung von Resistenzen.
Zum Thema:
PDF
der Studie
Leitlinie
Antiretrovirale Therapie der HIV-Infektion
Deutsches
Ärzteblatt vom 2. Dezember 2009
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Wie viel Kalk erträgt das Herz eines HIV-Patienten?
von Sabine Majer
Das Ausmaß von koronarem Kalk (CAC), kann Auskunft geben über das biologische Alter eines Menschen. Ob die Messung des CAC bei HIV-Patienten von nutzen sein kann, fragten sich die Autoren einer im CID veröffentlichten Studie.
Koronarer Kalk macht die Gefäße am Herzen eng und ist Ausdruck für die arteriosklerotischen Veränderungen im gesamten Organismus und somit indirekt für das «biologische Alter» des Körpers. Mittels Computertomografie kann der Koronarkalk (CAC / coronary artery calc) eines Menschen gemessen werden. Basierend auf verschiedenen Studien wurden Perzentilenkurven errechnet, die die «Normalverteilung» des koronaren Kalkes in Abhängigkeit von Alter, Geschlecht und Herkunft widerspiegeln. Je weiter ein Individuum von der altersentsprechenden CAC-Kurve abweicht, desto mehr streben biologisches und chronologisches Alter auseinander – «sie sind 50 Jahre alt, aber ihr Herz ist 65».
Seit Einführung der hoch aktiven HIV-Therapie (ART) Mitte der Neunzigerjahre ist die HIV-Erkrankung zu einer chronischen Krankheit geworden. Nicht mehr das akute Überleben der Patienten, sondern vielmehr die Langzeiteffekte der chronischen Infektion und die Langzeitnebenwirkungen der ART sind in den Fokus gerückt. Die chronische Immunstimulation durch den (unkontrollierten) Virus und Stoffwechselveränderungen – insbesondere im Lipidhaushalt - können zu einer frühzeitigen Alterung des Organismus und zu kardiovaskulären Komplikationen führen. Es wird allgemein der Begriff «immunosenescence» gebraucht.
HIV-Patienten sind älter
Die Autoren einer im September dieses Jahres im CID veröffentlichten Studie, stellten sich die Frage, ob HIV-Patienten per se ein fortgeschrittenes «CAC-Alter» aufweisen. Und wenn ja, ob es Prädiktoren gibt für ein höheres koronares Alter sowie mögliche kardiovaskuläre Ereignisse in der Zukunft. Es wurden 400 Patienten einer italienischen HIV-Kohorte in mittels Computertomografie untersucht. Die Patienten standen alle unter ART und hatten, falls vorhanden, seit Längerem eine Therapie für Diabetes, arterielle Hypertonie oder Dyslipidämie. Die Resultate zeigten, dass rund 40% der HIV-Patienten ein «koronares Alter» aufwiesen, das über ihrem chronologischen Alter lag. Wie zu erwarten, waren die koronaren Kalkablagerungen umso häufiger, je mehr kardiovaskuläre Risikofaktoren vorlagen (arterielle Hypertonie, Dyslipidämie, Nikotin, Diabetes, BMI etc.). Erstaunlicherweise korrelierte der abgelagerte Kalk mit einer höheren CD4-Zellzahl. Dies ganz im Gegensatz zu anderen Studien, die bei tiefen CD4-Zellen vermehrt arteriosklerotische Veränderungen gefunden hatten. Es fand sich keine Assoziation zur Dauer der ART, Exposition mit PI, CD4-Nadir oder früherem AIDS. Die Autoren postulieren, dass das Risiko für koronare Veränderungen möglicherweise einen U-förmigen Verlauf zeige: Auf der einen Seite erhöhtes Risiko bei schlechter Immunlage, hoher Viruslast und entsprechend ausgeprägter Immunstimulation und auf der anderen Seite die CD4-Rekonstitution mit potenteren T-Zellen, welche durch eine Cytokin-Aktivierung ebenfalls zu einer entzündlichen Stimulation und, als Folge davon, zu einer Veränderung der Gefäßwände führen könnte. Sie schlagen denn auch vor, in künftigen Studien zusätzlich T-Zellfunktionstests durchzuführen und Entzündungsmarker zu messen, um diese Hypothese zu bestätigen.
Vorbehalten und Fragen
Bei der Studie handelte es sich um eine «cross-sectional study», also nur um eine Momentaufnahme, die keine Dynamik aufzeichnen kann, was sicherlich von Interesse wäre. Auch wirft die überraschende Beobachtung, der vermehrten Verkalkung bei höherer CD4-Zellzahl viele Fragen auf bezüglich Ziel der ART, Zeitpunkt eines Therapiestarts und aggressiverem Vorgehen bei bestehenden kardiovaskulären Risikofaktoren. Die Studie war nicht dazu angelegt, diese Fragen zu beantworten. Auch wird nicht ganz klar, ob ein Selection bias besteht, da die Patienten an einer «cardiometric clinic» rekrutiert wurden. Die Messung der koronaren Kalkablagerung als Korrelat zum biologischen Alter, entsprechend einem Surrogat-Marker, kann bei der Beurteilung und Betreuung chronisch kranker HIV-Patienten hilfreich sein. Aus Kosten- und Strahlenschutzgründen ist die routinemäßige Anwendung aber höchst fraglich.
Quelle: Guaraldi G et al. Coronary Aging in HIV-Infected Patients, CID Sept. 2009
Infektiologie
St. Gallen vom 1. Dezember 2009
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Krankenversicherung Änderungen 2010
Ab dem 1. Januar 2010 gibt es ein paar Änderungen in der Krankenversicherung. So steigt die Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung und in der Pflegeversicherung und die Versicherungspflichtgrenze in der Krankenversicherung. Des weiteren gibt es eine Änderung bei der steuerlichen Absetzbarkeit von Beiträgen zur Krankenversicherung.
Die Beitragsbemessungsgrenze steigt ab dem 1. Januar 2010 in der Krankenversicherung und Pflegeversicherung um 75 Euro. Damit liegt die Beitragsbemessungsgrenze in 2010 bei 3.750 Euro monatlich bzw. 45.000 pro Jahr. Neben der Beitragsbemessungsgrenze steigt auch die Versicherungspflichtgrenze. Die Versicherungspflichtgrenze liegt ab dem 1. Januar 2010 bei 49.950 Euro.
Ein weiterer Punkt der sich ab dem nächsten Jahr ändert, ist die steuerliche Absetzbarkeit von Beiträgen zur Krankenversicherung und Pflegeversicherung. So können Beiträge zur Krankenversicherung ab 2010 vollständig steuerlich abgesetzt werden. Dieses gilt aber nur für Beiträge in Höhe der Basis Tarife in der privaten und gesetzlichen Krankenversicherung. Beiträge für Leistungen die über die Basisleistungen hinausgehen, wie zum Beispiel Einzelzimmer im Krankenhaus können nicht abgesetzt werden.
Neben den Beiträgen zur Krankenversicherung können auch die Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung abgesetzt werden. Die Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung können komplett abgesetzt werden.
Krankenversicherung
Nachrichten vom 30. November 2009
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Zusammenfassung: 12th European AIDS Conference - HIV-Diagnostik und Therapie
Die interessante Zusammenfassung
der Infektiologie St. Gallen von der 12. Europäischen AIDS Konferenz
zu den Themen: Harm Reduction, Adoleszenz, Monotherapie unter:
Hier
klicken.
Infektiologie
St. Gallen vom 30. November 2009
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Wie sich das HI-Virus vermehrt
RUB-Virologe untersucht die Details der Erbgut-Verpackung / Förderpreis der Sophia und Fritz Heinemann Stiftung.
Das Aids-Virus HIV nutzt menschliche Zellen, um sich zu vermehren. Am Ende des Prozesses steht dabei die Freisetzung neuer Viruspartikel aus der Wirtszelle. Diese neuen Viren enthalten die komplette Erbinformation, die im Zellkern der Wirtszelle vervielfältigt wird – aber wie genau läuft diese „Verpackung“ des Erbguts ab? Diese grundlegende Frage ergründet Bastian Grewe in der Abteilung für Molekulare und Medizinische Virologie der Ruhr-Universität (Prof. Dr. Klaus Überla). Für seine Forschungsarbeiten erhielt er den diesjährigen Förderpreis der von der Dresdner Bank AG betreuten Bochumer Sophia und Fritz Heinemann Stiftung. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert.
HIV nutzt Zellbestandteile für seine Zwecke
Die Forscher sind den Details der Vermehrung des HI-Virus schon lange auf der Spur. Fest steht, dass neue Viruspartikel an der äußeren Hülle der Wirtszelle, der Plasmamembran, freigesetzt werden. Das Erbgut, das im Zellkern vervielfältigt wird, muss also durch die Zellflüssigkeit (Zytoplasma) zur Membran gelangen und dort in neue Viruspartikel verpackt werden, bevor sie freigelassen werden und weitere Zellen infizieren. Diese Vorgänge funktionieren Studien der Arbeitsgruppe zufolge ausschließlich dann reibungslos, wenn das Virusprotein Rev anwesend ist. „Es ist wahrscheinlich, dass das Virus daneben noch Bestandteile der Wirtszelle für seine Zwecke einspannt“, erklärt Bastian Grewe seinen Forschungsansatz. In den Blickpunkt gerückt sind dabei so genannte miRNA-Moleküle. Diese kleinen Moleküle regulieren normalerweise die Produktion von Proteinen in der Zelle nach dem Bauplan der DNA im Zellkern. „Es gibt aber Hinweise, dass die miRNA auch bei der Entstehung viraler Proteine oder beim Verpackungsprozess bedeutsam ist“, so Bastian Grewe.
Suche nach verdächtigen Überbleibseln
Um das herauszufinden, will er verschiedene Untersuchungen durchführen. „Einerseits interessiert es uns, ob sich in den neuen Viruspartikeln miRNA-Moleküle wiederfinden, die mit verpackt worden sind“, erklärt er. „Wenn ja, ist das ein Zeichen dafür, dass es eine Interaktion mit miRNA-Molekülen beim Verpacken gibt.“ Falls miRNA innerhalb der Zelle bei der Herstellung viraler Proteine eine Rolle spielt, müsste sich das anhand der so genannten Processing Bodies (P-Bodies) nachweisen lassen, wohin miRNA-gebundene Moleküle in der Regel transportiert werden. Dort müssten also auch Virusbestandteile landen, falls sie mit miRNA assoziieren. Daher will Bastian Grewe auch P-Bodies unter die Lupe nehmen und auf virale Bestandteile untersuchen.
Modulares Untersuchungssystem erlaubt Rückschlüsse
Für die Untersuchungen besonders vorteilhaft ist, dass die Forscher über ein modulares System verfügen, das es ihnen erlaubt, die Prozesse jeweils mit dem Protein Rev und ohne es zu überprüfen. „Da die Verpackung von viraler Erbinformation in neue Viruspartikel nur mit Rev funktioniert, erwarten wir, dass wir in Abwesenheit von Rev auch kein Virusgenom in den P-Bodies der Wirtszelle finden werden und keine miRNA in Viruspartikeln“, erläutert Bastian Grewe. „Finden wir dies aber in Anwesenheit von Rev, dann können wir daraus schließen, dass miRNA bei der Vermehrung von HI-Viren eine Rolle spielt.“
Ruhr-Universität
Bochum Pressemeldung vom 26. November 2009
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Aids ist in Westeuropa soziale Krankheit
Diskriminierung Erkrankter aufgrund fehlenden Wissens über Übertragung.
Wien - Ein sichtbares Leben mit Aids ist auch heute noch nicht möglich, denn viele reagieren gegenüber Erkrankten überängstlich oder sogar hysterisch. Das betont Wiltrut Stefanek vom Netzwerk Frauen und Aids und Gründerin des Selbsthilfevereins PulsHIV anlässlich des Welt-Aids-Tages in einer Pressekonferenz. "Menschen mit dem HI-Virus werden weiterhin diskriminiert und stigmatisiert. Ein offener Umgang ist erst möglich, wenn Erkrankte klare Forderungen aufstellen und durchsetzen", so Stefanek, die selbst seit 1996 mit der Diagnose HIV/Aids lebt.
Obwohl Aids dank verbesserter Therapien in Westeuropa einiges an Schrecken verloren hat, gelingt der Gesellschaft weiterhin kein zufrieden stellender Umgang mit Betroffenen. "Man kann zwar heute relativ gut mit Aids leben, doch meist teilt man nur dem engsten Kreis von der Erkrankung mit. Andernfalls drohen noch immer massive Konsequenzen, was Arbeitsplatz, Wohnsituation oder sogar Freundschaften betrifft", betont Dennis Beck von der Aids Hilfe Wien. Mit dem Verlust des Arbeitsplatzes geraten viele in einen finanziellen Teufelskreis. Ein Großteil der Erkrankten, die Sozialarbeit der Aids Hilfe in Anspruch nehmen, beziehen Pension, Notstands- oder Sozialhilfe.
Feingefühl fehlt selbst Ärzten
Fehlende Sensibilität und Unwissen über die Übertragungswege der Krankheit zeigt sich für Stefanek im Alltag einerseits in entwürdigender Wortwahl, andererseits in übertriebener Scheu vor Körperkontakt wie etwa beim Händeschütteln. "Das betrifft jedoch nicht nur die Durchschnittsbevölkerung, sondern auch Menschen, die eigentlich Bescheid wissen müssten, wie Rettungsbedienstete, Pflegende und sogar Mediziner. Noch immer kommt es vor, dass Ärzte Patienten mit HIV/Aids abweisen, manchmal sogar deren gesunde Angehörige", so Stefanek.
Keine Ausnahmefälle seien außerdem Datenschutz-Verstöße von Behörden gegenüber Aids-Erkrankten. "Häufig werden Aktenvermerke über die Erkrankung vorgenommen und man wird an ganz anderer Stelle wie etwa am Arbeitsamt darauf angesprochen, abwertend behandelt oder diskriminiert", so Stefanek. Chance für den Abbau von Vorurteilen und für einen offeneren Umgang könnten bloß klare Forderungen bieten, wie etwa ein gesetzliches Diskriminierungsverbot oder Vorschriften für den Arbeitsbereich.
Zügel in der Hand behalten
In Österreich gibt es derzeit 1.247 Aids-Patienten, die festgestellte Zahl der HIV-Infektionen beträgt rund 15.000. Die Dunkelziffer schätzt Stefanek jedoch viel höher. "Viele in den Risikogruppen wollen nicht wissen, ob sie den HI-Virus tragen und schieben das Thema beiseite. Sie lassen sich erst dann testen, wenn sie krank werden, wenn eine Operation bevorsteht oder wenn es der Arzt verordnet. Anlässlich der öffentlichen Thematisierung wie etwa rund um den Welt-Aids-Tag fassen manche dann doch den Mut und machen einen kostenlosen Test bei der Aids Hilfe."
Bedeute die Diagnose HIV-positiv für die meisten Betroffenen auch Schock und das Zusammenbrechen einer Welt, könne sie laut Stefanek auch positive Effekte mit sich ziehen, sofern bewusste Auseinandersetzung geschehe. "Wichtig ist, dass man sich über die Krankheit genau informiert und medizinische sowie psychologische Hilfe in Anspruch nimmt. Wem es so gelingt, sich selbst zu akzeptieren, kann anders mit dem Leiden umgehen. Um weiter mitten im Leben zu stehen, ist es nötig, die Zügel selbst in die Hand zu nehmen."
Pressetext
Austria vom 26. November 2009
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Jeder 100ste Russe HIV-positiv
UNO / Genf - Mehr als ein Prozent der Einwohner Russlands sind HIV-infiziert. Die Zahl der AIDS-Kranken steigt ständig.
Das geht aus einem Bericht des HIV/AIDS-Programms der Vereinten Nationen und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervor, der am Dienstag in Genf veröffentlicht wurde.
Während die UNO-Experten weltweit einen 17-prozentigen Rückgang der jährlich neu gemeldeten HIV-Fälle gegenüber 2001verzeichnen, wachsen diese Zahlen in Osteuropa und Zentralasien weiter.
Laut dem Bericht wird die Infektion in Russland hauptsächlich über Drogenabhängige verbreitet: Rund 37 Prozent der 1,8 Millionen Drogenabhängigen sind HIV-infiziert. "Bei einer Untersuchung von obdachlosen Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren in Sankt Petersburg wurde festgestellt, dass 37,4 Prozent von ihnen HIV-infiziert sind. Die positiven Proben werden eindeutig auf die mehrfache Anwendung von Injektionsspritzen zurückgeführt", stellen die Experten fest.
"Geschlechtskontakte mit den Drogenabhängigen, die Rauschgift per Injektion konsumieren, erhöht die Gefahr einer HIV-Infizierung auf das 3,6fache." Aus der Studie geht ebenfalls hervor, dass 30 Prozent der Prostituierten in Russland zur Kategorie der Drogensüchtigen gehören. Außerdem sind mehr als sechs Prozent der Homosexuellen HIV-infiziert.
"Die Übertragung der Erkrankung von Mutter zu Kind während der Schwangerschaft spielt eine relativ geringe Rolle bei der Epidemieverbreitung in Osteuropa und Asien, aber angesichts der steigenden Fälle der Übertragung auf dem Geschlechtswege kann das Risiko der Virusübertragung auf die Neugeborenen steigen", so die UNO-Studie. Eine 2008 in Sankt Petersburg vorgenommene Untersuchung ergab einen 6,5-prozentigen Anteil positiver HIV-Proben bei hochschwangeren Frauen.
"Die Russische Föderation und die Ukraine machen besonders drastische und sich ausbreitende nationale Epidemien durch", stellen die Verfasser fest. Die Situation in der Ukraine sei dabei noch schlimmer als in Russland: 1,6 Prozent der ukrainischen Bürger sind HIV-infiziert, was die absolute Spitze in ganz Europa darstellt.
In der Großregion Osteuropa / Zentralasien hat nur noch Estland die Ein-Prozent-Stufe der HIV-Infizierten überschritten.
RIA
Novosti vom 25. November 2009
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HIV-Neuinfektionen stabilisiert
Neueste Zahlen zeigen den Erfolg von Prävention und Aufklärung.
Das Robert Koch Institut hat aktuelle Schätzungen zu HIV/AIDS für das Jahr 2009 veröffentlicht. Rund 3.000 Menschen haben sich neu mit HIV infiziert. Diese Zahl ist seit etwa drei Jahren stabil. Deutschland hat außerdem die niedrigste Neuinfektionsrate in Westeuropa.
Zu den neuen Zahlen des Robert Koch-Instituts sagt Minister Rösler: „Das Infektionsgeschehen hat sich in den letzten Jahren stabilisiert. Das ist ein kleiner Erfolg. Der Weg des Bundesministeriums für Gesundheit, Prävention und Aufklärung zu fördern, ist richtig. Aber wir müssen gemeinsam mit unseren Partnern weiterhin hart daran arbeiten, die Zahl der Neuinfektionen zu senken.“
Zu den Präventionsmaßnahmen,
die das Bundesministerium für Gesundheit fördert und unterstützt
gehören:
Die vollständigen Daten
zu HIV/AIDS in Deutschland finden Sie auf der Website des RKI (http://rki.de)
Bundesministeriums
für Gesundheit - Pressemeldung vom 24. November 2009
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