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Vorbemerkung
Impressum
Sponsoren
Neue
Hoffnung auf Impfstoff gegen HIV
Main
Test? Mein Test! Ja!
Im
Bett mit dem Staatsanwalt?
Ein
Zusammenhang zwischen HPV und HIV
Lymphgranuloma
venereum – warum gehäuft bei HIV-Positiven?
Aids
in der Dominikanischen Republik
Europas
Osten als HIV Krisenregion
Ein
Beschäftigter von 1.000 ist HIV-positiv
FDA
lässt Kaletra einmal täglich bei vorbehandelten Patienten zu
Neue
Untersuchungen zum HIV/Aids-Risiko an Universitäten
Stigmatisierung
immer noch Thema
Kürzungen
bei der AIDS Bekämpfung nicht unterschätzen
Virusvariante
zuverlässig bestimmen
HIV-Verlauf:
Entscheidet das Virus oder das Immunsystem?
Einreisegesetze
könnten sich zur Expo ändern
positiv
versichert – Alternative Großbritannien?
Die
"Apotheke der Armen" ist in Gefahr
Anale
Chlamydieninfektionen bei MSM
Darunavir
einmal täglich bald neue Option für vorbehandelte HIV-Patienten
USA:
Warnung für Gilead
Trotz
HAART: Übertragung bei homosexuellen Männern weiterhin hoch
Medizinische
Unterversorgung kostet in Afrika Millionen Menschenleben
HIV-Therapie
auch für Non Progressoren?
Billiges
Antibiotikum: Hoffnung für HIV-Patienten
Risikoangaben
bei anonymen HIV Testungen
MSD
senkt ab 1. April 2010 Preis für Raltegravir
"Ein
harter Kampf" - Drogensucht und Aids in Indien
TDRTI
– eine neue Substanzklasse in Sicht?
Übergewicht
und HIV: Einfluss auf Erholung Immunstatus?
Welttuberkulosetag
2010: Neue Ideen für schnelleres Handeln
Fettansammlungen
bei HIV
Tetherin
bremst die Freisetzung des AIDS-Erregers
HSV-Suppression
hilft nicht gegen HIV
Krankenversicherer
scannte gezielt nach HIV-positiven Kunden
AIDS
2010: Drogenabhängige weltweit besonders gefährdet
HIV
Neudiagnosen 2009
Proteste
gegen drohende Patentrechtsverschärfungen
Neue
Straßenkarten weisen Weg zu Aids-Kliniken
Elf
Millionen HIV-Kranke ohne Medikamente
Frische
HIV-Infektionen hochgradig an Neu-Infektionen beteiligt
Münchner
Aids-Tage: Visionen der Heilung
HIV
versteckt sich im Knochenmark
T-Zellzählung
nutzlos bei der Prognose einer AIDS-Manifestation
USA
plant AIDS-Test für jeden Erwachsenen
FDA:
EKG Risiken unter HIV-Kombination
Basler
Forscher schlagen Änderung der Behandlungsrichtlinien vor
CROI:
Vergleich verschiedener HIV-Therapieoptionen
Hepatitis
C: Gen verhindert Anämie
Antiretrovirale
Therapie kann Aids Ausbreitung in fünf Jahren stoppen
Neue
Methode zur Messung von Protein Interaktionen in lebenden Zellen
Die HIV AIDS Infos sind eine Zusammenstellung
aus Internetquellen, Mail- und Newsgroups und erstreckt sich jeweils über
einen Zeitraum von ca. drei bis vier Monaten. Die einzelnen Artikel sind
mit einem Link auf die Orginalartikel versehen und chronologisch geordnet.
Es wird auf diese Weise schnell
über neue Entwicklungen und Änderungen in den Bereichen Epidemiologie,
medizinischer Behandlung, ambulanter Pflege und psychosozialer Beratung
bei HIV-Infektion und AIDS-Erkrankung informiert. Die HIV AIDS Infos erscheinen
in regelmäßigen Abständen und informieren interdisziplinär
über Änderungen und Neuerungen auf dem Gebiet von HIV und AIDS.
Neue Hoffnung auf Impfstoff gegen HIV
Gen HLA B57 ermöglicht stärkere Killer-T-Zellen. Forscher sind neuem Aids-Impfstoff auf der Spur.
Cambridge - US-amerikanische Wissenschaftler sind laut eigenen Angaben dem Verständnis einen Schritt näher gekommen, warum manche Menschen über einen natürlichen Schutz gegen HIV verfügen. Die Teams des Massachusetts Institute of Technology MIT http://web.mit.edu und der Harvard University http://www.harvard.edu gehen davon aus, dass jene wenigen Menschen bei denen Aids sehr langsam entsteht, über weiße Blutkörperchen verfügen, die das Virus besser bekämpfen können.
Die in Nature http://www.nature.com veröffentlichten Forschungsergebnisse könnten einen Beitrag zu den internationalen Anstregungen zur Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs gegen Aids leisten. Die Wissenschaftler Arup Chakraborty (MIT) und Bruce Walker (Harvard University) gehen allerdings auch davon aus, dass ein derartiger Impfstoff erst in wenigstens zehn Jahren zu erwarten ist.
Gen steuert Erkrankungsverlauf
Die aktuellen Forschungsergebnisse beziehen sich auf die so genannten Elite- Controller, jene kleine Gruppe von Menschen, die bei einer Infektion nur sehr langsam oder gar nicht an Aids erkranken. In den späten neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde entdeckt, dass diese Menschen - rund einer von 200 Infizierten - mit HLA B57 über ein spezifisches Gen verfügen.
Jetzt wurde herausgefunden, dass dieses Gen dem Körper ermöglicht, stärkere Killer-T-Zellen zu bilden. Dieser Typ weißer Blutkörperchen bekämpft Infektionen. Damit scheint es möglich zu sein, das Virus unter Kontrolle zu halten. Diese Menschen sind allerdings auch anfälliger für Autoimmunerkrankungen.
Impfstoff hemmt Aids-Ausbruch
Die aktuelle Studie basiert auf einem Computer-Modell das zeigt, wie Immunzellen sich im Thymus entwickeln. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass ihre Forschungsergebnisse einen Einfluss auf die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes haben können. Denkbar sind Impfstoffe, die die gleiche Reaktion wie HIV bei Menschen mit einer natürlichen Immunität auslösen.
Bruce Walker erklärte gegenüber der BBC, dass es von entscheidender Bedeutung sei zu verstehen, wie manche Menschen das Virus selbst kontrollieren können. Die aktuelle Studie bringe die Forschung diesem Verständnis einen Schritt näher. Arup Chakraborty ergänzte, es handle sich um ein weiteres Stück des Puzzles.
Jason Warriner vom Terrence Higgins Trust berichtete, dass HIV die in Großbritannien am stärksten zunehmende schwere Erkrankung bleibe. 83.000 Menschen seien betroffen, daher sei es von entscheidender Bedeutung, dass man sich weiterhin mit Kondomen schütze.
Pressetext
Austria vom 6. Mai 2010
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Die AIDS-Hilfe Frankfurt e.V. bietet seit dem 19. April wöchentlich eine HIV-Beratung mit der Möglichkeit zum Schnelltest an. Diese richtet sich gezielt an alle Männer, die gelegentlich oder ausschließlich mit anderen Männern Sex haben. Umgesetzt wird dieses Angebot in Kooperation mit der AIDS-Beratung des Amtes für Gesundheit der Stadt Frankfurt am Main.
„Sex unter Männern ist mit mehr als 60 % nach wie vor der häufigste Übertragungsweg bei den HIV-Erstdiagnosen“, weiß Michael Bohl, der Leiter der Beratungs- und Fachstelle in der AIDS-Hilfe Frankfurt, zu berichten. „Und im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung, ist das Risiko sich mit HIV zu infizieren unter Schwulen und Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), mehr als einhundert mal so hoch“, so Bohl weiter.
Es ist also auch nach fast 30 Jahren HIV von besonderer Bedeutung, diese Zielgruppe in den Mittelpunkt präventiver Anstrengungen zu rücken und mit gezielten Kampagnen offensiv für den HIV-Test zu werben. Dem Test kommt nicht zuletzt deshalb immer größere Bedeutung zu, weil es mittlerweile bekannt ist, dass die Zahl derer, die oft nach Jahren erst von ihrer Infektion erfahren, besonders hoch ist. Ein Sachverhalt, der das individuelle gesundheitliche Risiko enorm verschärfen, und mitunter Folgeprobleme in der Weitergabe des HI-Virus nach sich ziehen kann.
Eine frühe Erkennung der Infektion ist wichtig. Führte bis Mitte der 90er Jahre die Diagnose „HIV positiv“ vielmals zu einem frühen Tod von überwiegend jüngeren Menschen, so können heute Infizierte medikamentös so gut eingestellt und ärztlich behandelt werden, dass ein langes und symptomfreies Leben eine nicht unwahrscheinliche Perspektive darstellt. Zudem kann das Wissen um den eigenen HIV-Status helfen, sich und andere zu schützen.
Hier setzt das Angebot der AIDS-Hilfe Frankfurt gezielt an. „Es gibt bereits eine gute Versorgung und Inanspruchnahme der HIV-Testangebote für die Allgemeinbevölkerung in Frankfurt am Main. Wir möchten unsere Beratungskompetenzen bei Männern, die Sex mit Männern haben, einbringen, um ihnen einen realistischen Blick auf ihr eigenes Sexual- und Risikoverhalten zu bieten“, erklärt Norbert Dräger, Leiter der AG36: Schwules Zentrum Frankfurt, einem weiteren Projekt der AIDS-Hilfe Frankfurt. Hier soll zukünftig einmal in der Woche der HIV-Test angeboten werden. Die enge Zusammenarbeit zwischen AG36 und Beratungs- und Fachstelle der AIDS-Hilfe soll helfen, “MainTest“ szenenah und leicht zugängig für die Zielgruppe zu realisieren.
Das Amt für Gesundheit bringt sich personell und fachlich maßgeblich ein. Die Kooperation wird als sinnvolle und effiziente Ergänzung zum Test- und Beratungsangebot im Amt für Gesundheit gesehen. Zwei Ärztinnen des Amtes, die über eine langjährige Erfahrung in der Testberatung verfügen, werden die medizinische Beratung und die Durchführung des Schnelltests übernehmen.
Die Berater/Innen der AIDS-Hilfe übernehmen die psychosozialen Beratungsgespräche im Vorfeld des Tests und – wenn nötig – in der späteren Betreuung bei einem positiven Testergebnis, oder unabhängig vom Test bei zu intensivierenden Fragestellungen.
Die Planungen reichen jedoch über den Starttermin hinaus. Im Sommer soll entschieden werden, ob das Angebot um den Test von anderen sexuell übertragbaren Infektionen wie Syphilis und Hepatitis C erweitert wird. Denn hier gibt es durchaus Handlungsbedarf. „Sexuell übertragbare Infektionen werden mitunter viel leichter übertragen als HIV. Zum Glück sind sie oft auch leichter behandelbar. Um Übertragungsketten zu unterbrechen oder einen chronischen Verlauf zu verhindern, können regelmäßige Tests bei sexuell aktiven Menschen durchaus sinnvoll sein“, so Bohl. Er rät zudem, sich gegen Hepatitis A und B impfen zu lassen.
Das Angebot „MainTest“ findet anonym und ohne Terminanmeldung montags, in der Zeit von 17 bis 19.30 Uhr, statt. Die Beratung steht jedem kostenfrei zur Verfügung, für die Durchführung des HIV-Schnelltests müssen 15 € pro Test berechnet werden.
Mehr unter: http://www.main-test.de
Aids-Hilfe
Frankfurt e.V. - Pressemeldung vom April 2010
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Über eine beunruhigende Entwicklung in Sachen Kriminalisierung von HIV-Positiven informiert die aktuelle Ausgabe des HIV-Reports der Deutschen Aids-Hilfe.
Schweizer Forscher hatten ermitteln wollen, in welchem Umfang HIV-Übertragungen in der frühen oder in der chronischen Phase der HIV-Infektion stattfinden. Grundgedanke war dabei die derzeit viel diskutierte These, dass besonders in der Phase der frischen HIV-Infektion HIV-Übertragungen stattfinden.
Für ihre Studie verwendeten die Schweizer Forscher Daten aus zwei Schweizer Studien, der Züricher Primoinfektionsstudie (Zurich Primary HIV Infection Study, kurz ZPHI) sowie der Schweizer HIV-Kohortenstudie (SHCS). Die Daten der Studienteilnehmer wurden verglichen, um anhand von Infektionsverläufen zu errechnen (!), wann eine Infektion stattgefunden haben könnte.
Die Forscher konnten mehrere Cluster identifizieren, in denen errechnet (!) wurde, wer wann wen infiziert haben könnte.
Armin Schafberger, Medizin-Referent
der DAH, kommentiert im HIV-Report dieses Vorgehen:
Das fragwürdige Verhalten
der Schweizer Forscher schockiert. Der Staatsanwalt dürfte sich schon
die Hände reiben und prüfen, auf welchem Weg er an die Daten
kommen kann. Selbst wenn es sich nur um errechnete Infektionswege und wahrscheinliche
Infektionsketten handelt, für einen Ermittlungen begründenden
Anfangsverdacht dürften diese Daten vielleicht schon genügen.
Ganz abgesehen davon, dass das Vorgehen in der Studie vermutlich geradezu
eine Handreichung für interessierte Ermittler sein dürfte …
Mit derartigen Studien und Vorgehensweisen bestärken derartige Forscher einmal mehr Vorbehalte gegen Studien und insbesondere Kohorten, besonders wenn diese nicht völlig anonymisiert (sondern wie im vorliegenden Fall nur pseudonymisiert, also prinzipiell rück-identifizierbar) sind.
HIV-Positiven kann, nicht nur angesichts dieser aktuellen Studie, nur geraten werden, sich äußerst gründlich zu informieren und bedacht zu entscheiden, ob sie an Studien teilnehmen, und wenn ja welche Daten und erst recht welche Bio-Materialien sie von sich zur Verfügung stellen.
Weitere Informationen:
Armin Schafberger: „HIV-Übertragungen
in der akuten und chronischen Phase der Infektion„, in: HIV-Report
Nr. 01/2010, 30. April 2010
Rieder P et al. (2010) HIV-1
transmission after cessation of early antiretroviral therapy among men
having sex with men. AIDS 24(8):1177-1183, May 15, 2010 (abstract)
DAH-Gutachten zum Datenschutz: Beschlagnahme
von Patientenakten nicht ausgeschlossen
Kompl@t
4/2009 (pdf)
ondamaris
vom 4. Mai 2010
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Ein Zusammenhang zwischen HPV und HIV
Humane Papillomaviren (HPV) sind eine der am häufigsten sexuell übertragenen Infektionen weltweit. Es wurden mittlerweile mehr als 100 verschiedene HPV-Typen identifiziert, die in so genannte „low risk“ und „high risk“ Virustypen eingeteilt werden und Zellen der Haut, bzw. Schleimhäute infizieren. Die meisten Infektionen verlaufen ohne Symptome und Beschwerden und heilen selbständig wieder aus.
Eine HPV-Infektion kann aber auch Hautwarzen auf Händen und Füßen, im Genital- und im Analbereich hervorrufen. Eine entscheidende Rolle spielen Infektionen mit den high risk HPV-Typen, da sie mit der Entstehung von Gebärmutterhals- und Analkrebs assoziiert sind.
Eine nun veröffentlichte Auswertung befasste sich mit der Fragestellung, inwieweit eine vorliegende HPV-Infektion einen Effekt auf die Akquirierung einer HIV-Infektion hat. Es handelte sich um eine Subanalyse einer größeren Studie, die unter Frauen in Simbabwe durchgeführt wurde. Verglichen wurden die Untersuchungsergebnisse von Frauen, bei denen im Zeitraum der Studie eine HIV-Infektion diagnostiziert wurde und Frauen aus der Studie mit vergleichbaren Charakteristika (z.B. Alter, Lebensumstände, Anzahl Sexualpartner) ohne Serokonversion. Es wurden bei allen Teilnehmerinnen zu Beginn und während der Studie Untersuchungen auf diverse Infektionen durchgeführt, inklusive einer HPV-Diagnostik.
So war es möglich, Anzahl und Art von HPV-Infektionen der Frauen mit und ohne erfolgte HIV-Infektion rückblickend zu vergleichen. Es zeigte sich, dass bei bereits vorliegender HPV-Infektion die Wahrscheinlichkeit einer HIV-Infektion um das 2,5-fache erhöht war. Dabei stieg die Wahrscheinlichkeit mit der Anzahl unterschiedlicher HPV-Typen. Keinen statistischen Unterschied machte das Vorliegen von low risk oder high risk HPV-Typen.
Einen deutlichen Unterschied konnte man beobachten zwischen Frauen, bei denen zumindest eine HPV-Infektion nicht mehr nachgewiesen werden konnte und Frauen, deren HPV-Infektion durchgehend detektierbar war. In ersterer Gruppe kam es häufiger zu einer HIV-Infektion. Die Autoren vermuten, dass dies mit der Menge an aktivierten CD4-Lymphozyten zusammenhängt, die im Zuge einer Immunantwort gegen die HPV-Infektion rekrutiert werden und als Zielzelle der HI-Viren eine HIV-Infektion erleichtern. Allerdings könnte auch der umgekehrte Mechanismus hier der Fall sein: dass das aktivierte Immunsystem durch die akute HIV-Infektion die Humanen Papillomaviren soweit bekämpfen kann, dass diese nicht mehr nachweisbar sind. Hier ist weitere Forschung notwendig.
Quelle: Averbach et al., „The association between cervical human papillomavirus infection and HIV aquisition among woman in Zimbabwe“, AIDS 2010, 24:1035-1042
Med
update 4 / 2010
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Lymphgranuloma venereum – warum gehäuft bei HIV-Positiven?
Eine Untersuchung in Großbritannien widmet sich der Frage, warum die an sich seltene sexuell übertragbare Erkrankung LGV (Lymphgranulom venereum) u.a. besonders bei Menschen mit HIV auftritt.
Im ersten Quartal 2010 wurden in Großbritannien mehr als zweimal so viele Erkrankungen an LGV diagnostiziert wie im vergleichbaren Vorjahres-Zeitraum. Dies meldet das Online-Portal aidsmap. In den ersten drei Monaten des Jahres 2010 wurden dem Bericht zufolge 113 Fälle von LGV diagnostiziert, eine Zunahme auf 209%.
Die Forscher präsentierten auf einer Konferenz in Großbritannien auch erste vorläufige Daten zur Frage, welche Faktoren das Risiko erhöhen, an LGV zu erkranken. Trotz der relativ niedrigen Zahl an Fällen zeigte eine multivariante Analyse der Daten, dass (verglichen mit symptomfreien Männern) zwei Faktoren unabhängig von einander signifikant mit einer Erkrankung an LGV assoziiert waren: Fisten sowie der Besuch von (schwulen Sex-) Saunen. In einer zweiten Analyse zeigte sich zudem ungeschützter insertiver Analverkehr als Risikofaktor.
Das gehäufte Auftreten von LGV bei HIV-positiven Männern führten die Forscher nicht auf biologische Faktoren zurück. Sie vermuteten vielmehr, die Tatsache an HIV infiziert zu sein könne eine Determinante sein für bestimmte Verhaltensweisen wie Serosorting oder Kontakte in bestimmten sexuellen Netzwerken, innerhalb derer LGV übertragen werde.
LGV (Lymphgranuloma venereum) ist eine eigentlich seltene sexuell übertragbare Erkrankung, die von einem spezifischen Stamm Chlamydien verursacht wird. LGV ist in Afrika, Asien und Südamerika verbreitet – und wird seit einigen Jahren zunehmend auch in den USA und Europa diagnostiziert.
Seit 2003 wird LGV auch in Deutschland vermehrt festgestellt bei Männern, die Sex mit Männern haben. Regionale Schwerpunkte in Deutschland waren bisher Hamburg und Berlin. Ob der Anstieg in Deutschland auf eine wirkliche Zunahme an Erkrankungen zurückzuführen ist oder auf eine vermehrte Aufmerksamkeit und Diagnostik auf LGV, ist bisher unklar. Auch in Deutschland ist der Anteil an LGV-Erkrankten, die gleichzeitig HIV-positiv sind, hoch.
Über LGV wie auch über andere sexuell übertragbare Krankheiten informiert eine kostenlos erhältliche Publikation der Deutschen Aids-Hilfe: “Sexuell übertragbare Krankheiten”
Weitere Informationen:
aidsmap 30.04.2010: Sharp
increase in LGV cases in the UK; risk factors identified
RKI: Informationen
zu Lymphogranuloma venereum (LGV)
HIV&MORE 2/2007: Lymphogranuloma
venereum Häufigkeit nimmt zu
ondamaris
vom 3. Mai 2010
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Aids in der Dominikanischen Republik
Gemäß einem Bericht der Gesundheitsbehörden der Dominikanischen Republik leben etwa 48.000 Personen in der Altersgruppe 15-49 Jahre mit dem HIV-Virus.
48.000 Menschen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren leben in der Dominikanischen Republik mit dem HI-Virus. Über 3.530 Neuinfektionen wurden laut einem Bericht der “Consejo Presidencial del Sida“ (Aids-Präsidialrat) im Jahre 2009 registriert, gleichzeitig wurde ein Abwärtstrend der Sterblichkeitsrate seit 2004 festgestellt.
Die Karibikstaaten zählen in Bezug auf HIV und AIDS zu den ‘Hochrisiko-Staaten’. Die Zahl der mit HIV/AIDS infizierten Menschen in der Karibik ist allerdings rückläufig. Neueste Statistiken zeigen, dass 230.000 Menschen in der Karibik und 22 Millionen in Afrika mit HIV und AIDS leben. Die Prävalenz unter Erwachsenen in Afrika, südlich der Sahara, liegt bei fünf Prozent, gegenüber rund 1.1 Prozent in der Karibik. Laut Aussagen der Behörden ist der Rückgang der Neuinfektionen auf die massiven öffentlichen Aufklärungskampagnen zurückzuführen. Die geringere Zahl der Todesfälle ist das Ergebnis eines besseren Zugangs zu Bildungs- und Pflegeeinrichtungen, sowie der antiretroviralen Therapie.
In der Dominikanischen Republik leben laut einer Studie der amerikanischen Agency for International Development (USAID), 50 von 100.000 Dominikanern mit der Krankheit, während 58.000 Kinder im Alter zwischen einem und vierzehn Jahren durch die Krankheit zu Waisen geworden sind. Die Studie belegt ebenfalls, dass AIDS in der Dominikanischen Republik am meisten bei Homosexuellen, Transsexuellen, Prostituierten und Drogenabhängigen verbreitet ist.
latina
press vom 2. Mai 2010
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Europas Osten als HIV Krisenregion
Aids-Verbreitung nimmt in Osteuropa deutlich zu.
Europas ferner Osten ist dunkelblau: So sehen die Ukraine, Estland und Russland auf der interaktiven Karte von UNAIDS aus, dem Aids-Bekämpfungsprogramm der Vereinten Nationen. Und Dunkelblau bedeutet nichts Gutes. Es zeigt die Infektionsrate einer Bevölkerung mit HIV - je dunkler, desto höher liegt diese.
So ist Osteuropa/Zentralasien die einzige der von der UNO ausgewiesenen Weltregionen, in der die Verbreitung deutlich zunimmt. Insgesamt erhöhte sich hier die Zahl der HIV-Infizierten von 900.000 im Jahr 2001 auf rund 1,5 Mio. im Jahr 2008 - ein Anstieg von 66 Prozent. HIV und Aids in Osteuropa und Zentralasien sind auch Hauptthema bei der Internationalen Aids-Konferenz (18. bis 23. Juli - AIDS 2010) in Wien.
Die Ukraine hatte 2007 mit einer HIV-Verbreitungsrate von 1,6 Prozent in der Bevölkerung im Alter zwischen 15 und 49 Jahren den höchsten europäischen Wert überhaupt. Aber auch Estland mit 1,3 Prozent und Russland mit 1,1 Prozent liegen über der 1-Prozent-Schwelle und damit auf traurigem Europarekord. Allerdings zeigen sich regional durchaus große Unterschiede. Die - neben Estland - beiden anderen baltischen Staaten, Lettland und Litauen, weisen beispielsweise eine Infektionsrate von "lediglich" 0,8 bzw. 0,1 Prozent auf.
In der Gesamtregion Osteuropa/Zentralasien fiel trotz der gestiegenen Gesamtinfektionsrate die Zahl der Neuinfektionen im Vergleichszeitraum von 280.000 auf 110.000. Bei Kindern stiegen die Neuinfektionen jedoch von 3.000 auf 3.700. Noch dramatischer gestaltet sich der Anstieg bei den Aids-Toten, die von 26.000 auf 87.000 in die Höhe schnellten.
Auch wenn in einigen Ländern mittlerweile antiretrovirale Therapien offeriert werden, bleibt der allgemeine Zugang dazu eher beschränkt. Im Dezember 2008 hatten 22 Prozent der betroffenen Erwachsenen Zugang dazu - ein Wert, der nur etwas mehr als die Hälfte des globalen Durchschnitts von 42 Prozent für Länder mit niederem und mittlerem "Verdienst" erreicht.
Die größte Risikogruppe für HIV-Infektionen in Osteuropa / Zentralasien stellen die Drogenkonsumenten dar. 57 Prozent der neu diagnostizierten Fälle in ganz Osteuropa 2007 war auf kontaminiertes Spritzbesteck zurückzuführen. So dürften zwischen 38,5 und 50,3 Prozent der Drogen injizierenden Konsumenten in der Ukraine HIV-infiziert sein, in Russland 37 Prozent. In Estland stieg die Zahl der infizierten Drogenkonsumenten von praktisch Null vor zehn Jahren auf rund 72 Prozent im Jahr 2008.
Ein Grund für die Entwicklung: Präventionsprogramme in diesem Bereich gibt es wenige. Auch im betroffenen Bereich der Sexarbeiter bleiben aufgrund der Stigmatisierung vorbeugende Maßnahmen oftmals aus. In der Ukraine liegt die HIV-Verbreitung unter Sexarbeitern zwischen 13,6 und 31 Prozent (2008).
Die Übertragungsrate bei homosexuellen Männern ist hingegen nur für eine geringe Zahl an Neuinfektionen in der Region verantwortlich. So war 2007 schwuler Sex lediglich bei 0,4 Prozent der Neuinfektionen die Ursache - zugleich ist die Verbreitung innerhalb der Gruppe teils relativ hoch. Liegt sie in Weißrussland etwa bei nahezu Null, beträgt sie in der Ukraine 23 Prozent.
Allgemein betrachtet, wandelt sich die Epidemie derzeit in vielen Ländern Osteuropas von einer unter Drogenkonsumenten grassierenden zu einer durch Sexualkontakt übertragenen. So waren 2007 in Osteuropa 42 Prozent der Neudiagnosen auf heterosexuellen Geschlechtsverkehr zurückzuführen. Zugleich gibt es laut UNAIDS Anzeichen, dass eine nennenswerte Anzahl an Neuinfektionen auf kontaminierte Injektionen im Gesundheitsbereich zurückzuführen ist.
relevant
vom 30. April 2010
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Ein Beschäftigter von 1.000 ist HIV-positiv
Deutsche AIDS-Hilfe fordert Integration von HIV-positiven Berufstätigen.
Berlin. Zum Tag der Arbeit macht die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. auf die Probleme von Menschen mit HIV/Aids am Arbeitsplatz aufmerksam: Mehr als zwei Drittel der ca. 67.000 Menschen mit HIV in Deutschland arbeiten - dies sind etwa 47.000. Eine/Einer von 1.000 Berufstätigen ist HIV-positiv. Doch wer kennt eine/n positive/n Kollegen oder Kollegin? Die HIV-Infektion ist gerade am Arbeitsplatz stark tabuisiert.
Die Angst vor Ausgrenzung, Diskriminierung und Kündigung ist das größte Problem, mit dem HIV-Positive am Arbeitsplatz zu kämpfen haben. Der Fall "Nadja Benaissa" hat gezeigt, wie sehr Menschen mit HIV/Aids immer noch mit Ausgrenzung, Diskriminierung und pauschaler Kriminalisierung zu tun haben. Die Deutsche AIDS-Hilfe fordert Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände auf, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden und die Integration von HIV-positiven Berufstätigen aktiv zu fördern. Alle Beteiligten sind eingeladen, gemeinsam mit der Deutschen AIDS-Hilfe an der Veränderung dieser Situation mitzuwirken.
Fast 15 Jahre nach Einführung der Kombinationstherapien, die eine wesentliche Veränderung für die Lebenssituation und -perspektive der Menschen mit HIV/Aids gebracht hat, kann bei dieser Aufgabe nur eine zeitgemäße Darstellung des Lebens mit HIV und Aids weiterhelfen: am Arbeitsplatz, in den Medien, im Familien- und Freundeskreis. Dank neuer Therapien sind die meisten HIV-Infizierten gut in der Lage, die Anforderungen ihres Berufes zu erfüllen.
Zur Integration von Menschen mit Behinderung und chronisch kranken Berufstätigen braucht es professionelle Konzepte, in denen auch HIV-Positive endlich angemessen Berücksichtigung finden müssen - hier wird die Deutsche AIDS-Hilfe in Zukunft stärker auf potentielle Bündnispartnerinnen und -partner zugehen.
Die DAH hat das Thema "HIV und Arbeit" zu ihrem diesjährigen Schwerpunkt gemacht: Ein eigenes Dossier im DAH-Weblog enthält Interviews, Hintergrundberichte und zeigt Lösungswege auf.
Link zum Thema: blog.aidshilfe
Deutsche
AIDS-Hilfe – Pressemeldung vom 30. April 2010
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FDA lässt Kaletra einmal täglich bei vorbehandelten Patienten zu
Die amerikanische FDA hat die Fixkombination Lopinavir/Ritonavir (Kaletra®) zur einmal täglichen Therapie auch bei vorbehandelten Patienten zugelassen.
Die amerikanische FDA hat die Fixkombination Lopinavir/Ritonavir (Kaletra®) zur einmal täglichen Therapie auch bei vorbehandelten Patienten zugelassen. Die Zulassung basiert auf den Daten der Studie M06-802, in der die einmal und zweimal tägliche Dosierung bei 599 therapieerfahrenen Patienten verglichen wurde.
Mit diesem Schritt wird das Einnahmeschema einer HIV-Therapie, die Kaletra enthält, vereinfacht und unterstützt daher die PatientInnen in ihrem Lebensalltag.
Abbott
Pressemitteilung vom 29. April 2010
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Neue Untersuchungen zum HIV/Aids-Risiko an Universitäten
HIV-Prävalenz nimmt mit dem Alter stark zu, und Frauen sind mehr als doppelt so häufig betroffen wie Männer.
Die südafrikanische Regierung hat Ende März die Ergebnisse einer umfassenden Studie zur HIV-Prävalenz unter Studenten, Dozenten, Verwaltungsangestellten und dem Servicepersonal an Universitäten veröffentlicht. Demnach sind in diesen Gruppen weit weniger Menschen mit dem HI-Virus infiziert als im landesweiten Durchschnitt. Doch warnt der Bericht des Higher Education HIV/AIDS Programme (HEAIDS) davor, dass sich dies ändern könne, weil vor allem die Studenten und Uni-Angestellten ungeschützt Sexualkontakte haben. Untersucht wurden 23.600 Frauen und Männer an 21 Universitäten.
Die Ansteckungsrate unter Studenten liegt derzeit bei 3,4 Prozent, bei den Dozenten sind dagegen nur 1,5 Prozent HIV-positiv. 4,4 Prozent der Angestellten und ein Zehntel des Service-Personals sind mit dem Virus infiziert. Zum Vergleich: Die HIV-Prävalenz in Südafrika liegt durchschnittlich bei 18,1 Prozent. Die Ansteckungsrate von Studentinnen ist doppelt so hoch wie von Studenten, und es sind starke regionale Unterschiede festzustellen. Die HIV-Prävalenz nimmt mit zunehmendem Alter der Studenten deutlich zu: Sind bei den 18- und 19-Jährigen im Durchschnitt 0,7 Prozent betroffen, steigt die Rate bei den 20 bis 25-Jährigen auf 2,3 und liegt bei den über 25-Jährigen gar bei 8,3 Prozent. Doch während 60 Prozent der Studenten angaben, schon einmal einen HIV-Test gemacht zu haben, waren es bei den Dozenten nur 20, bei den Angestellten 28 und beim Service-Personal 39 Prozent der Befragten.
Weitere Informationen: Die Studie kann bei IRIN herunter geladen werden: http://www.irinnews.org/pdf/pn/HIV_Prevalence.pdf
Deutsche
Stiftung Weltbevölkerung - News vom 28. April 2010
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Stigmatisierung immer noch Thema
Die Behandlungsmöglichkeiten bei HIV und Aids haben sich deutlich verbessert. Doch Betroffene leiden nach wie vor unter Diskriminierung.
Auch wenn eine HIV-Infektion in Österreich heute kein Todesurteil mehr darstellt, haben Betroffene nach wie vor mit vielen Sorgen und Ängsten zu kämpfen: "Ein Leben mit der Infektion ist möglich, aber halt doch ein Stück schwieriger als für nicht Betroffene. Die Sorge, dass die Therapie plötzlich nicht mehr wirkt, die Sorge um den Arbeitsplatz, die Unmöglichkeit eine Lebensversicherung abzuschließen, die Angst Freunde und Bekannte zu verlieren. Denn Diskriminierung und Stigmatisierung sind nach wie vor ein Thema", berichtet Brigitte Schmied, Leiterin von der Ambulanz für HIV/Aids am Otto-Wagner-Spital und Präsidentin der Österreichischen Aids-Gesellschaft im Vorfeld des Internationalen Aids Kongresses (AIDS 2010) in Wien (18. Bis 23. Juli).
Die Pulmologin begann ihre Tätigkeit Anfang 1990 an dem Wiener Krankenhaus. Viele Betroffene kamen schwer krank in medizinische Betreuung - und die Therapiechancen waren gering. "Die Patienten waren jung, es gab kaum Hoffnung", so Schmied. Dazu kam, dass damals erst wenige Behandlungsmöglichkeiten existierten. Die ersten antiretroviralen Medikamente, als Monotherapie eingesetzt, wirkten nur sehr beschränkt, und die Patienten mussten starke Nebenwirkungen in Kauf nehmen.
Moderne Kombi-Therapien
Mit den modernen Therapieformen ist die Behandlung heute deutlich einfacher und verträglicher geworden. Die Medikamente müssen nur noch ein- bis zweimal täglich eingenommen werden, was sich positiv auf die Lebensqualität der Betroffenen auswirkt. "Im Herbst 1994 gab es die ersten klinischen Studien mit den neuen Kombinationstherapien. Binnen weniger Monate hat sich unheimlich viel getan. Mit den Kombinationstherapien bekamen wir die Möglichkeit, die Patienten effizient zu behandeln. Manche Patienten betreue ich seit damals - bis zum heutigen Tag", erzählt die engagierte Ärztin.
"Das Sterben an opportunistischen Infektionen hat aufgehört. Die Betroffenen leben, gehen arbeiten. Aber Stigmatisierung und Diskriminierung sind nach wie vor ein Thema", gibt die Expertin zu bedenken. Immer komme es auch auf die Beziehung zwischen Arzt und HIV-Betroffenem an. So sei das Reden mit den Patienten extrem wichtig. Es gelte nicht mehr "HIV - Aids - Tod". Man könne mit HIV leben. Auch die Patienten hätten dazu gelernt.
Schäden nicht nur am Immunsystem
Die Mediziner sind nun mit einer weiteren veränderten Situation konfrontiert: "Unsere Patienten bekommen jetzt auch andere Erkrankungen, zum Beispiel Herz-Kreislauf-Leiden oder Diabetes. Es scheint doch so zu sein, dass das HI-Virus - abgesehen von seinem Effekt auf das Immunsystem - auch auf anderer Ebene den Organismus schädigt."
Das Fazit daraus, so die Expertin: "Meine persönliche Überzeugung ist schon heute, dass man eine HIV-Infektion unabhängig vom Zustand des Immunsystems ab der Diagnose behandeln sollte - wenn das nicht die Toxizität der Therapie verhindert."
Steigende Zahlen in Osteuropa und Zentralasien
Einer der Themenschwerpunkte der Internationalen Aids Konferenz in Wien ist die HIV-Epidemie in Osteuropa und Zentralasien. Diese Regionen verzeichnen eine besonders rasant ansteigende Zahl an Infizierten. Schmied nennt als Hauptgründe mangelnde Präventionsstrategien, Diskriminierung und Stigmatisierung.
Aber auch in Österreich müssen HIV und Aids ein Thema bleiben: "30 Prozent der HIV-Infektionen werden erst in einem Stadium erkannt, in dem die Betroffenen schon fünf, zehn oder 15 Jahre das Virus im Blut gehabt haben. Es muss ein Gesundheitsbewusstsein, auch die sexuelle Gesundheit betreffend, geschaffen werden. Angst vor Diskriminierung und Stigmatisierung dürfen nicht der Grund sein, sich nicht testen zu lassen. Testung und Behandlung ('test and treat') sind wichtig", plädiert Schmied.
Kurier
vom 28. April 2010
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Kürzungen bei der AIDS Bekämpfung nicht unterschätzen
G8-Entwicklungsminister dürfen die Vorwarnungen infolge von Kürzungen bei der AIDS-Bekämpfung nicht unterschätzen
Delhi, Indien, und Kampala, Uganda - Kürzung von Geldmitteln gefährdet Leben: Laut jüngstem Bericht der International Treatment Preparedness Coalition (ITPC) sind bei der HIV-Behandlung weltweit Rückschritte zu verzeichnen. Der Bericht bestätigt frühe Warnsignale, die sich aus dem globalen Rückgang des Engagements und der Geldmittel bei der AIDS-Bekämpfung ergeben. Dieser Rückgang macht sich in der Begrenzung der Teilnehmerzahlen an Behandlungsprogrammen, am häufigeren Mangel an Medikamentenbeständen, sowie an Kürzungen bei nationalen Budgets für die AIDS-Bekämpfung bemerkbar.
"AIDS stellt noch immer ein Risiko dar. Der ITPC-Bericht bestätigt unwiderlegbar, dass von einer Übersubventionierung bei der Bekämpfung der Krankheit keine Rede sein kann, sondern dass vielmehr ein Mangel an Geldmitteln zu verzeichnen ist. Keine Regierung, weder aus der nördlichen noch aus der südlichen Hemisphäre, kann es sich leisten, uns in die Zeit zurückzuversetzen, als HIV noch ein Todesurteil war", kommentierte Aditi Sharma, Koordinatorin des ITPC-Berichts.
Die Auswirkungen von Budgetkürzungen durch Regierungen und stagnierende finanzielle Unterstützung von wichtigen Geldgebern wie PEPFAR (US President's Emergency Plan for AIDS Relief) und dem "Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria" machen sich in den Entwicklungsländern bereits bemerkbar. Der Fond benötigt 20 Milliarden USD über die nächsten drei Jahre, um die Millennium Development Goals (MDGs; Millenniumsentwicklungsziele) im Bereich Gesundheit zu verwirklichen. Allerdings warnen die G8 und andere Geldgeber, dass selbst 13 Milliarden USD (die niedrigste Zielsetzung, die jedoch eine dramatische Verlangsamung bei der Bereitstellung von Hilfeleistungen zur Folge hätte) äußerst optimistisch sind.
"In meiner Heimat Uganda können zum ersten Mal seit dem Jahr 2004 einige HIV-positive Männer und Frauen, die auf lebensrettende antiretrovirale Behandlung angewiesen sind, aufgrund von finanziellen Kürzungen nicht mehr behandelt werden. Unsere größte Sorge besteht darin, HIV-Medikamente für Patienten, die bereits in Behandlung sind, rationieren zu müssen. Wie erklären Sie einer HIV-positiven Mutter, dass sie keine lebensrettenden Medikamente mehr haben kann? Der ITPC-Bericht macht unwiderlegbar ersichtlich, dass sich Uganda nicht alleine einer sich ausweitenden Behandlungskrise gegenübersieht", erklärte Peter Mugyenyi vom Joint Clinical Research Centre (Uganda) und Verfasser des Vorworts.
"Vier Millionen Menschen den Zugang zur AIDS-Behandlung zu ermöglichen war die ehrgeizigste Leistung in der Geschichte der öffentlichen Gesundheitsvorsorge", erklärte Gregg Gonsalves von der ITPC. "Weltweit haben Ärzte, Krankenpfleger, Gesetzgeber und Aktivisten dazu beigetragen, mehr Menschen Zugang zur medizinischen Behandlung zu ermöglichen. Nun scheint es, als ob einige Strippenzieher und Politiker, die der Ansicht sind, es fließe zu viel Geld in die AIDS-Bekämpfung, darauf aus sind, dieser bemerkenswerten Leistung Einhalt zu gebieten. Das ist so als würden sie Millionen von Menschen sagen: Fallt doch tot um. Ohne Behandlung wird sich dies mit Sicherheit bewahrheiten", so Gonsalves weiter.
Forscher halten die finanzielle Durchführbarkeit
von AIDS-Behandlungsprogrammen für fragwürdig und zerstören
damit jede Hoffnung auf universellen Zugang zur HIV-Behandlung oder das
Erreichen der MDGs.
Dies ist der 8. Bericht der "Missing
the Target" - Serie und wurde von der International Treatment Preparedness
Coalition (ITPC) veröffentlicht. Der gesamte Bericht ist erhältlich
unter http://www.itpcglobal.org
International
Treatment Preparedness Coalition - Pressemeldung vom 26. April 2010
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Virusvariante zuverlässig bestimmen
Computerprogramm für bessere HIV Diagnose entwickelt
Der HIV-Erreger gilt als besonders tückisch, weil er viele außergewöhnliche Eigenschaften besitzt und es versteht, der Kontrolle des menschlichen Immunsystems zu entkommen. Bis heute gibt es keine Therapie, um das Aids-Virus auszumerzen. Bioinformatiker am Zentrum für Medizinische Biotechnologie der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben nun eine neue Computermethode entwickelt, die eine genauere Diagnose und damit eine verbesserte Therapie ermöglichen könnte. Es ist ein Programm, das mit hoher Genauigkeit vorhersagt, welche Korezeptoren ein Virus bevorzugt, um neue Zellen zu infizieren.
In der Behandlung von Aidspatienten gibt es seit einiger Zeit Medikamente, die das Anheften des HI-Virus an Wirtsrezeptoren blockieren. Ein viel versprechender Ansatz: Denn es ist bekannt, dass der Erreger, um in die Wirtszelle zu gelangen, sich an bestimmte Rezeptoren und Korezeptoren bindet. Welche das sind, hängt davon ab, ob der Patient die HIV-Variante „R5“ oder „X4“ im Körper hat. Das Problem: Die Medikamente sind nur für eine Variante wirksam, man müsste diese also zuvor kennen. Bislang war es jedoch langwierig und aufwändig herauszufinden, mit welchem Virus-Typ ein Betroffener infiziert ist.
Bioinformatikern der UDE unter der Leitung von Prof. Dr. Daniel Hoffmann ist es gelungen, ein automatisiertes zweistufiges Computerverfahren zu entwickeln und gezielt auf solche Molekülbereiche anzuwenden, die für die Bindung an die Wirtsrezeptoren wesentlich sind. Das Rechenverfahren verarbeitet dabei Sequenz- und Strukturdaten vor allem des Glykoproteins gp120, dessen dritte Schleife für den Anheftungsprozess verantwortlich ist.
Schnelle genetische Tests nun möglich
„Was die Vorhersage der R5- oder X4-Korezeptorbindung angeht, erreichen wir mit der zweistufigen Methode eine Genauigkeit von über 95 Prozent.“, erklärt Dr. Dominik Heider, der das Computerprogramm mit seinem Kollegen Nikolaj Dybowski maßgeblich erarbeitet hat. Damit ist die Methode ungefähr so genau wie die sehr viel aufwändigeren experimentellen Verfahren.
„Mit Hilfe unserer Erkenntnisse könnten nun schnelle genetische Tests entwickelt werden, die eine zuverlässige und kostengünstige Aussage über die vorhanden Virusvarianten eines Patienten ermöglichen“, so Nikolaj Dybowski. „Somit könnten die Ärzte besser als bisher eine passgenaue Medikation für jeden einzelnen HIV-Patienten verordnen.“
Das Vorhersageprogramm der Bioinformatiker
wurde im Rahmen des Verbund-Projekts „Corus“ entwickelt, das von der UDE
koordiniert und vom Bundesforschungsministerium gefördert wird. Die
renommierte Zeitschrift PLoS Computational Biology hat die jüngsten
Forschungsergebnisse der UDE-Wissenschaftler in seiner aktuellen Ausgabe
veröffentlicht:
http://www.ploscompbiol.org/article/info:doi/10.1371/journal.pcbi.1000743
Universität
Duisburg-Essen – Pressemeldung vom 26. April 2010
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HIV-Verlauf: Entscheidet das Virus oder das Immunsystem?
von Pietro Vernazza letzte
Wenn es zur Übertragung von HIV kommt, so ist der Verlauf der HIV-Infektion bei der Neu-Infizierten Person bereits zu Beginn der Infektion praktisch entschieden. Doch woran liegt es: Ein gefährliches Virus oder ein "schwaches" Immunsystem?
Vielleicht beides. Was wir sicher wissen: je höher die Viruskonzentration wenige Monate nach Beginn der HIV-Infektion (sog. "baseline Wert") desto schneller der Verlauf, respektive der Abfall der CD4 Viruskonzentration. Aber wir wissen auch aus größeren Untersuchungen, dass unsere Genetische Aussstattung des Immunsystems den Verlauf der Infektion wesentlich beeinflusst. Vor 10 Jahren schon hatten schon Magierowska et al (Blood, 1999) festgestellt, dass praktisch 70% des Verlaufes nach einer HIV Infektion alleine durch drei Chemokin-Faktoren und sechs HLA-Typen entschieden wurden. Diese Arbeiten wiesen darauf hin, dass ein großer Teil des Verlaufes einer HIV-Infektion durch die Gene der infizierten Person festgelegt ist.
Nun hat eine Arbeit aus San Franzisco
einen etwas anderen Ansatz gewählt. Die Autoren haben 24 Transmissions-Paare
untersucht. Bei frisch infizierten Personen, in denen die Infektion nicht
länger als 6 Monate zurücklag, konnte der infizierende Partner
durch Analyse der Virussequenzen sicher nachgewiesen werden. Analysiert
wurde nun die Viruskonzentration beim Empfänger und beim "Donor".
Die Autoren fanden einen signifikanten Zusammenhang (eine Assoziation)
zwischen den beiden Konzentrationen. Doch wie die untenstehende Abbildung
zeigt, war diese Assoziation nicht sehr groß. Ein r-Wert von 0.5
sagt aus, dass etwa 25% der Variabilität der Viruskonzentration beim
Empfänger durch die Viruskonzentration des infizierenden Partners
erklärt werden kann.
Insgesamt heißt es doch, dass
auch diese Studie zeigt, dass der größte Teil des Verlaufes
durch den genetischen Hintergrund bei der neu infizierten Person bedingt
ist und nicht vom Virus abhängt. Aber sicher ist es auch so, dass
das Virus selbst auch eine gewisse Rolle spielt.
Quelle: Hecht et al, AIDS April 2010
Infektiologie
St. Gallen vom 23. April 2010
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Einreisegesetze könnten sich zur Expo ändern
China ist bereit, die für HIV Patienten lange gültige Einreisebeschränkung zu lockern. Von Insidern war zu vernehmen, dass der chinesische Staatsrat am Montag beschlossen hat, die Einreisebeschränkungen für HIV- und Aids Patienten zu lockern. Gegenwärtig dürfen Ausländer, welche an Geistesstörung und Infektionskrankheiten wie Lepra oder HIV leiden, nicht in die Volksrepublik einreisen.
Es sei allerdings kein genaues Datum für die Änderung genannt worden. Vermutlich sollen die Einreisebestimmungen aber noch vor der offiziellen Eröffnung der Expo geändert werden. Regeln für Langzeitaufenthalte und Einreise sollen in näherer Zukunft genau definiert werden. China, wo offiziell 740.000 Menschen an HIV leiden, gehört zu den 60 Ländern, die HIV-Patienten immer noch die Einreise verweigern.
"Das Verbot, welches aus Unwissenheit in den 80er Jahren erlassen wurde, ist diskriminierend und spricht für eine Unkenntnis der medizinischen Entwicklung", sagte He Xiong, stellvertretender Direktor des Pekinger Zentrums für Krankheitsprävention und Kontrolle. "Nach näherer Beobachtung von HIV-, bzw. Aids Fällen in den einzelnen Provinzen Chinas, kann gesagt werden, dass eine Einreisebeschränkung für Ausländer nicht dazu beiträgt, die öffentliche Gesundheitssituation zu verbessern." Zu dem würde das Verbot den steigenden internationalen Austausch beeinflussen und sich negativ auf die Glaubwürdigkeit von HIV und Aids Kampagnen auswirken.
"Bereits Jahre vor der Veränderung des Gesetzes, hat die chinesische Regierung die existierenden Probleme realisiert und Maßnahmen ergriffen, diese zu beseitigen", so Professor Jing Jun der Tsinghua Universität.
Bereits im Jahr1995 schaffte China die zwingende HIV Untersuchung für Ausländer, die nach China einreisen wollten ab, es wurde nur noch eine Darstellung der gesundheitlichen Situation gefordert, die HIV/Aids einschließt. Die ehrliche Darlegung des Gesundheitszustandes konnte allerdings ein Einreiseverbot zur Folge haben, dass Personen die Einreise ganz verwehrt wurde, wie im Falle des australischen Schriftstellers Robert Dessaix. Es gab aber Ausnahmen.
Zu großen internationalen Ereignissen wie den Olympischen Spielen 2008, erlaubte die Regierung vorübergehend die Einreise im Falle einer Erkrankung. "Diese Praxis gehe auf das Jahr 1995 zurück, als China Gastgeber der vierten Weltfrauenkonferenz war," erläuterte Hao.
China
Internet Information Center vom 23. April 2010
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positiv versichert – Alternative Großbritannien?
Lebensversicherungen sind für viele Menschen mit HIV immer noch nur unter Schwierigkeiten zu erhalten. Zwei Anbieter aus Großbritannien haben sich u. a. auf Lebensversicherungen für Menschen mit HIV spezialisiert. Eine Alternative?
HIV-Positive haben in Deutschland seit zwanzig Jahren große Probleme, Versicherungen abzuschließen. Zahlreiche Versicherer fragen in ihren Anträgen nach einem etwaigen HIV-Test sowie dessen Ergebnis. Dies betrifft nicht nur Lebensversicherungen, sondern z.B. auch Berufsunfähigkeits-Versicherungen, Unfallversicherungen oder private Krankenversicherungen. Zudem wird anhand von Risikofaktoren kalkuliert, ob etwa ein Antragsteller potenziell ein hohes Risiko eines ‘Schadenfalls’ hat – auch hinsichtlich HIV-Infektion und Aids. So wird HIV im Denken von Versicherungen zu einem Risikofaktor, der vielen schwulen (oder als solchen vermuteten) Männern Versicherungen erschwert. Für HIV-positiv Getestete wird das Abschließen so mancher Versicherung sehr schwierig, wenn nicht nahezu unmöglich.
Der Ausschluss HIV-Positiver aus Lebensversicherungen ist nicht mehr zeitgemäß, beklagen Menschen mit HIV wie auch Aidshilfen seit langem. Manche Versicherer bieten inzwischen auch in Deutschland Lebensversicherungen für HIV-Positive an – oft mit teils beträchtlichem ‘Risikozuschlag’, abhängig vom individuellen Gesundheitszustand.
Neben Versicherern aus Deutschland
besteht prinzipiell auch die Möglichkeit, Angebote ausländischer
Versicherer, besonders aus EU-Mitgliedsstaaten, in Anspruch zu nehmen.
Immer wieder werden britische Versicherer als potentielle Alternative ins
Gespräch gebracht.
Wie sieht die Möglichkeit HIV-Positiver,
eine Lebensversicherung abzuschließen, in Großbritannien in
der Praxis aus?
In einem Artikel für die April-Ausgabe von ‘hiv treatment update’ hat die freiberufliche Finanz-Journalistin Emma Lunn die Situation in Großbritannien untersucht. Sie weist darauf hin, dass die meisten ‘Mainstream Versicherer’ auch in Großbritannien HIV-positive Antragsteller weiterhin abweisen. Allerdings gebe es zwei speziell auf HIV-Positive zugeschnittene Lebensversicherungs-Policen.
Seit April 2009 biete die Gesellschaft ‘Prudential’ die bereits bestehende ‘PruProtect’ auch für HIV-Positive an, für eine Laufzeit bis zu zehn Jahren und Versicherungssummen bis 250.000 £. Bei dieser für HIV-Positive zwischen 25 und 50 Jahren angebotenen Police sei u.a. Bedingung, dass seit mindestens sechs Monaten eine antiretrovirale Therapie eingenommen werde CD4-Zellzahl gestiegen und Viruslast sehr niedrig sei. Positive, die sich durch iv. Drogenkonsum infiziert haben, sind von der Versicherung ausgeschlossen, ebenso HIV-Positive, die gleichzeitig mit Hepatitis B oder C infiziert sind.
Der Versicherer ‘Pulse’ habe eine speziell für HIV-Positive konzipierte Versicherung im Angebot. Versichert sei nur der Tod aus natürlicher Ursache bis zu maximal 10.000 £, wobei Unfälle bis zu 200.000 £ versicherbar seien. Vorteil sei, dass diese Versicherung ohne Gutachten eines medizinischen Sachverständigen erhältlich sei. Experten würden jedoch kritisieren, dass es sich hierbei um wenig mehr als eine Unfall-Versicherung handele. Zudem sei die Prämie bis zu 30fach höher als die übliche Versicherungsprämie.
Weitere Informationen:
Emma Lunn: ’securing your future’
in: hiv
treatment update, issue 195, April 2010
Artikel im HIV Treatment Update
Archive derzeit noch nicht online
ondamaris
vom 22. April 2010
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Die "Apotheke der Armen" ist in Gefahr
92 Prozent aller Aids-Medikamente, die in ärmeren Ländern verwendet werden, sind Generika. Der Großteil dieser wirkstoffgleichen Kopien von Markenarzneien stammt aus Indien, weshalb das Land auch als "Apotheke der Armen" gilt. Die laufenden Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien gefährden diese Apotheke.
Der Zugang zu Medikamenten für Millionen von Menschen ist bedroht, sagt Ärzte ohne Grenzen. Die Organisation warnt daher vor einer Änderung der bisherigen Praxis, wie der Mediziner Tido von Schoen-Angerer in einem Gastbeitrag ausführt.
Indien: Aus für die Apotheke der Armen?
Tido von Schoen-Angerer ist Arzt und Leiter der internationalen Kampagne "Access to Essential Medicines" von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières in Genf. Er studierte Medizin in Mainz und Uppsala (Schweden) und absolvierte einen MBA in Public Health an der London School of Hygiene and Tropical Medicine. Seit 1999 war er für Ärzte ohne Grenzen in Armenien, Simbabwe, Thailand, Nigeria, Bangladesch, Indonesien und im Tschad auf Einsatz. Sein Spezialgebiet ist die Problematik des weltweiten Zugangs zu Medikamenten und die unzureichende Forschung und Entwicklung im Bereich der Krankheiten der Armen.
Es scheint keine Woche zu vergehen, ohne dass sich der Westen - Regierungen, Pharmakonzerne und Wirtschaftszeitungen - lauthals über Indiens Umgang mit geistigem Eigentum beklagt: Indien wird vorgeworfen, Geschäftsinteressen durch seine Patentgesetze zu schädigen. In Übereinstimmung mit internationalen Handelsabkommen enthalten diese Gesetze Bestimmungen, die einen Schutz gegen unnötiges Patentieren von Medikamenten darstellen und einen Wettbewerb durch Hersteller von Generika zulassen.
Als Arzt, der eine medizinisch-humanitären Position einnimmt, verteidige ich Indien natürlich: Wettbewerb zwischen verschiedenen Herstellern sorgt für niedrigere Preise und einen besseren Zugang zu lebensrettenden Medikamenten. Doch vielleicht können die indischen Hersteller bald keine Qualitäts-Generika mehr produzieren, die für Patienten in Entwicklungsländern zugänglich sind.
Pharma-Firmen gehen gerichtlich gegen Indiens Schutzbestimmungen vor. Bayer versucht, rigoros dagegen vorzugehen und den Genehmigungsprozess zu verzögern, der notwendig ist, um Generika auf den Markt zu bringen, sobald ein Patent erteilt wird, zurückgezogen wird oder ausläuft. Nachdem Novartis einen Marathonprozess verloren hat, in dem es die Rechtmäßigkeit des Kernbereichs des indischen Patentrechts in Zweifel gezogen hatte, hat das Unternehmen nun Klage vor Indiens Oberstem Gerichtshof eingereicht, um diese entscheidenden Bestimmungen aufzuweichen. Und das Ergebnis der derzeit laufenden Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen Indien, der EU und Japan könnte Indiens Generika-Industrie nun den Todesstoß versetzen.
Aids-Bekämpfung braucht Generika
Worum geht es? Die Aids-Behandlung für Patienten in Afrika und in Teilen von Asien wurde 2001 revolutioniert, als einer der indischen Generika-Hersteller ein Kombinationspräparat gegen HIV/Aids für einen Dollar pro Tag produzierte, zu einer Zeit, als namhafte Pharma-Unternehmen hierfür 12.000 Dollar pro Jahr verrechneten.
Dieser Wettbewerb führte dazu, dass die Preise seither stetig gefallen sind, der Preis für eine Behandlung sogar um über 99 Prozent. Ohne diese und andere Preissenkungen hätten Regierungen und Organisationen, die medizinische Hilfe anbieten - wie "Ärzte ohne Grenzen" - ihre Behandlungen nicht auf das heutige Niveau ausweiten können.
Kurz: Indien wurde zur "Apotheke
der Entwicklungsländer". "Ärzte ohne Grenzen" kauft 80 Prozent
seiner Aids-Medikamente bei indischen Generika-Herstellern. 90 Prozent
der Aids-Medikamente, die PEPFAR, das US-Programm zur weltweiten Bekämpfung
von Aids, in 13 Länder liefert, sind Generika - und stammen größtenteils
aus Indien. Ohne erschwingliche Generika aus Indien wären im Laufe
des letzten Jahrzehnts Millionen Menschen gestorben.
Patentgesetze richten sich nach
WTO-Wünschen
Als Indien 2005 seine Patentgesetzgebung abänderte, wurden die Gesetze über geistiges Eigentum verändert, um internationalen Abkommen zu entsprechen. Dies war eine Voraussetzung für jene Länder, die der Welthandelsorganisation (WTO) beitreten wollten. Als WTO-Mitglied war Indien nun gezwungen, auf Medikamente Patente von über 20 Jahren zu erteilen und neue lebensrettende Medikamente genauso zu behandeln wie jede andere Erfindung.
Die Auswirkungen auf den Zugang zu erschwinglichen Medikamenten machen sich bereits bei der Patentierung neuerer HIV-Medikamente bemerkbar. Die Zukunft für jene Patienten auf der ganzen Welt, die neuere Medikamente benötigen, sieht ziemlich trostlos aus.
Noch schützen indische Gesetze
Dennoch hat Indien einen Mittelweg gefunden, um das Schlimmste zu verhindern: Zusätze in der indischen Patentgesetzgebung enthalten Bestimmungen, die einen Schutz gegen unnötiges Patentieren darstellen. Es wurde ein System für öffentliche Interessensgruppen geschaffen, durch das nicht gerechtfertigte Patente angefochten werden können.
Durch diesen Mechanismus konnte es z.B. das "Delhi Network of Positive People" (DNP+), eine kleine Organisation, die mit Aids-Patienten arbeitet, mit dem US-Multi Gilead Sciences aufnehmen und die Gültigkeit der Patentbestimmungen des Unternehmens für Tenofovir anfechten. Dies ist dank der entscheidenden Zusätze in der Gesetzgebung möglich, welche die Praxis der Ausweitung von Patenten und Preismonopolen auf bestimmte Medikamente verbieten, indem leichte Abänderungen an bereits bestehenden Medikamenten ebenfalls patentiert werden - eine übliche Methode, durch die Pharmakonzerne in den USA und Europa für fast unbegrenzte Zeit ein Patent innehaben.
Generika werden als "Fake" verunglimpft
Diese Kompromisslösung ist nun gefährdet: Durch neue Handelsabkommen könnte ein wesentlich strikteres Patentsystem implementiert werden, das die Generika-Industrie unterjocht und Indien davon abhält, weiterhin lebensrettende Medikamente für Entwicklungsländer zu produzieren. Hier kommen auch die USA auf den Plan, die Indien auf eine "Watch List" setzen wegen des "schwachen Schutzes der Rechte auf geistiges Eigentum und deren Umsetzung" - trotz Indiens Einhaltung der internationalen Gesetze.
Ein durchgesickerter Text, der Gegenstand der geheimen Verhandlungen über einen Anti-Fälschungs-Vertrag ist, weist darauf hin, dass bestimmte Generika fälschlicherweise als "Fake" klassifiziert werden würden - eine Verwirrung, die bereits dazu geführt hat, dass legale Generika 2008 von europäischen Zollbehörden beschlagnahmt wurden. Dies wäre ein Riesen-Hindernis für Länder, die Generika aus Indien importieren wollen, denn wer könnte schon dagegen argumentieren, wenn gefälschten Medikamenten ein Riegel vorgeschoben werden soll?
"Apotheke der Entwicklungsländer" gefährdet
Qualitativ hochwertige, legal hergestellte Generika sind aber alles andere als ein "Fake". Sie bilden die Lebensader von Therapieprogrammen auf der ganzen Welt. "Ärzte ohne Grenzen" hängt von ihnen ab, um effiziente Hilfsprogramme durchführen zu können. Umfangreiche globale Gesundheitsprogramme, die von den USA und anderen Ländern unterstützt werden, sind darauf angewiesen, um zu gewährleisten, dass sie eine möglichst große Anzahl von Kranken erreichen. Das Überleben von Patienten auf der ganzen Welt hängt von Generika ab.
Während die Gerichte Indiens die verschiedenen Fälle prüfen, die in den nächsten Monaten vor ihnen liegen, und die verhandelnden Parteien über die Bedingungen verschiedener Abkommen feilschen, frage ich Sie: Was wird passieren, wenn Ihr die Apotheke der Entwicklungsländer schließt? Die Antwort ist sonnenklar.
Ärzte
ohne Grenzen im ORF vom 21. April 2010
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Anale Chlamydieninfektionen bei MSM
von Barbara Bertisch
... mit besonderer Berücksichtigung von Häufigkeit und Symptomatik des Subtyps L (= Lymphogranuloma venereum).
Chlamydia trachomatis
Im Rahmen der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie
wurden 2007/08 bei 147 HIV-positiven MSM rektale Abstriche durchgeführt.
Voraussetzung waren 1 oder mehr Episoden von ungeschütztem rezeptivem
analen Geschlechtsverkehr in den vorhergehenden 2 Jahren und/oder Proktitiszeichen
(letztere wurden von 20% aller Teilnehmer angegeben).
Ergebnis (CID 2009): bei 11% der
Patienten wurde Chlamydia trachomatis nachgewiesen, und das zumeist ohne
dass die Patienten Symptome hatten!
Eine weitere Studie (SMW 2010)
untersuchte ein leicht anderes Patientenkollektiv:
dabei handelte sich um 262 MSM,
die sich zwischen 2003 und 2007 in einer "gay-friendly" privaten Praxis
für Dermatologie und Geschlechtskrankheiten in Zürich wegen analen
Schmerzen und/oder -Ausfluss vorgestellt hatten; d.h., hier hatten alle
Zeichen einer Proktitis. Ergebnis hier: 47 Patienten (18%) waren positiv
auf Chlamydien (hier liegt uns die speziellen Häufigkeiten aufgeteilt
auf HIV positiv und HIV negativ nicht vor).
Chlamydien vermehrt suchen und
behandeln, auch zur HIV-Prävention?
Diese hohe Prävalenz zusammen
mit einer starken Assoziation mit ungeschützter GV mit wechselnden
Partnern legt nahe, dass Chlamydien bei der Übertragung von HIV unter
MSM eine Rolle spielen könnte.
Es ist zu diskutieren, ob Chlamydien
vermehrt auch bei asymptomatischen MSM mit Risikoverhalten gesucht und
behandelt werden sollten.
Lymphogranuloma venereum (LGV)
Bis 2003 hatten wir Lymphogranuloma
venereum, eine durch Chlamydia trachomatis Serovare L1-3 verursachte sexuell
übertragbare Erkrankung, für eine "tropische" Erkrankung gehalten,
mit Vorkommen fast nur in Teilen Afrikas, Lateinamerika und Asien.
Doch mit einem Mal stand LGV ante
portas, mit Berichten über Vorkommen bei MSM in verschiedenen europäischen
Städten.
Gelernt hatten wir, dass diese Erkrankung
sich in den Tropen mit einer oder mehreren genitalen Ulcera und Papeln
zeigt, gefolgt von inguinaler Lymphadenopathie (Bubo), und dass in der
Folge Komplikationen wie Lymphoedem, Abszess, Strikturen auftreten können.
Aus den MSM- Communities wurde aber ein anderes Krankheitsbild gemeldet
mit im Vordergrund stehender Proktitis.
Wie häufig fand sich LGV
in der ersten Studie, d.h. bei (in 80% asymptomatischen) hiv-positiven
MSM?
Ledigleich ein Patient unter den
11% Patienten mit Chlamydiennachweis hatte eine LGV-Infektion. Dieser
Patient berichtete über eine 7-tägige Symptomatik mit rektalem
Ausfluss, Krämpfen und blutigem Stuhl. Er hatte über >60 GV-
Partner über die letzten 2 Jahren.
Wie häufig fand sich LGV
in der zweiten Studie, d.h. bei MSM, die sich wegen einer Proktitis vorgestellt
hatten?
Bei den 47 Patienten mit Nachweis
von Chlamydien handelte es sich bei 11 Patienten um den Subtyp L2, also
Lymphogranuloma venereum. Dabei gaben 10 Patienten westeuropäische
Städte als wahrscheinlichen Infektionsort an, nur bei einem war die
Krankheit am ehesten in Thailand erworben.
Neun der elf Patienten waren HIV
positiv, mit durchschnittlich guter Immunsituation. Bei 2 Patienten wurde
zusätzlich N. gonorrhoeas gefunden, bei einem eine Syphilisinfektion.
Klinisch präsentierte sich
die Erkrankung auch hier mit anorektalen Schmerzen, analem Ausfluss (purulent;
seltener (auch) hämorrhagisch), Tenesmen und Änderung der Defäkationsfrequenz.
Keiner der Patienten wies eine Lymphadenopathie auf.
Überlegungen der Studienautoren:
- Fast alle Fälle von LGV bei
MSM treten als Proktitis auf. Inguinogenitale Erkrankungen bei MSM seien
zwar beschrieben, aber kämen sehr selten vor. Damit müsse von
einer rektal-rektalen Transmission ausgegangen werden.
- HIV wurde als der größte
Risikofaktor herausgearbeitet; die genauen Mechanismen sind aber unklar.
Es gebe aber keine Hinweise, dass LGV als opportunistische Erkrankung angesehen
werden müsse. Als zusätzliche Risikofaktoren wurden auch hier
eine hohe Zahl von Sexualpartnern, ungeschützter Analverkehr und Praktiken
mit möglicher rektal-rektalen Übertragung/ Verletzung der rektalen
Schleimhaut angegeben.
(Anmerkung der Kommentatorin: dann
könnte man auch hier annehmen, dass eine Erkrankung mit LGV bei HIV-negativen
das Risiko für eine HIV-Erkrankung erhöht; um so wichtiger wäre
eine (korrekte) Behandlung, s. unten).
Interessantes Detail: 4 Patienten wurden, vor Kenntnis des L2-Serotyps, mit 1 x 1g Azithromycin erfolgreich behandelt.... - grundsätzlich sollte aber gemäß Guidelines mit Doxycyclin 2 x 100 mg über 21 Tage behandelt werden.
Quellen:
Dang
T et al, CID 2009:49, 1532-35
Kamarashev
J et al, SMW 2010;140(13-14):209-212
Infektiologie
St. Gallen vom 21. April 2010
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Darunavir einmal täglich bald neue Option für vorbehandelte HIV-Patienten
Nach aktuellen Studiendaten kann der Proteaseinhibitor Darunavir in Kombination mit Ritonavir bei vorbehandelten HIV-1-infizierten Erwachsenen ohne Darunavir-Resistenz auch einmal täglich gegeben werden. Dies zeigen die Ergebnisse der Phase-IIIb-Studie ODIN, die im Februar auf der CROI 2010 (Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections) in San Francisco präsentiert wurden (1).
In dieser Studie erhielten 590 Patienten randomisiert entweder Darunavir 800/100 mg einmal täglich (Gruppe A) oder Darunavir 600/100 mg zweimal täglich (Gruppe B). Kombiniert wurde mit einer optimierten Basistherapie (OBT) mit mindestens zwei NRTI (Nukleosidische Reverse-Transkriptase-Hemmer). Nach 48 Wochen erreichten in beiden Armen rund 70 Prozent der Patienten (Gruppe A: 72 %, Gruppe B: 71 %) eine Viruslast unter der Nachweisgrenze (< 50 Kopien/ml). Die Studienergebnisse zeigen, dass die einmal tägliche Dosierung von Darunavir der zweimal täglichen Gabe nicht unterlegen ist (95% Konfidenzintervall (ITT): -6,1% bis 8,5%).
Nebenwirkungen Grad 2 bis 4 wurden in beiden Armen vergleichbar häufig berichtet, schwere unerwünschte Ereignisse traten bei einmal täglicher Gabe seltener auf (5,4 % vs. 9,1 %). Lipidwertveränderungen Grad 2-4 wurden im einmal täglichen Arm signifikant seltener – etwa halb so oft - beschrieben: Triglyceride: 5,2 % bzw. 11,0 %, Gesamtcholesterin: 10,1 % bzw. 20,6 %, LDL: 9,8 % bzw. 16,7 %.
Ein Einschlusskriterium der Studie war das Fehlen von Darunavir-assoziierten Mutationen. Wie frühere Untersuchungen zeigen, treten diese Mutationen bei weniger als 20 Prozent der Patienten auf. In einer Analyse von HIV-Isolaten (n=207.910), die im Zeitraum von Juli 1998 bis Juni 2006 im Rahmen von Routineuntersuchungen genotypisiert wurden, wiesen 84 % keine Mutationen für Darunavir auf. Auch bei Isolaten mit verminderter Empfindlichkeit gegenüber Proteasehammern (n=91.932) waren DRV-assoziierte Mutationen selten: 62% hatten keine, 21% lediglich eine resistenzassoziierte Mutation.
Bislang ist Darunavir, in Deutschland vertrieben durch tibotec a division of Janssen-Cilag, nur bei nicht vorbehandelten HIV-1-Patienten in der einmal täglichen Dosierung von 800 mg (kombiniert mit 100 mg Ritonavir) zugelassen. Die aktuell empfohlene Dosis für vorbehandelte Patienten beträgt zweimal täglich 600 mg Darunavir mit jeweils 100 mg Ritonavir. Der Arzneimittelhersteller hat die Daten der ODIN-Studie bei der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) eingereicht.
Über die ODIN-Studie
Die ODIN-Studie (Once-daily Darunavir In treatment-experieNced patients) ist eine randomisierte, offene Phase-IIIb-Studie zum Vergleich von Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von 800/100 mg Darunavir einmal täglich und 600/100 mg Darunavir zweimal täglich über einen Zeitraum von 48 Wochen bei 590 vorbehandelten HIV-1-Patienten ohne Darunavir-assoziierte Mutationen. Die Patienten wiesen >1.000 HIV-1-RNA-Kopien/ml und eine CD4-Zahl von >50 Zellen/mm3 auf und erhielten zum Screening- Zeitpunkt seit mindestens 12 Wochen eine stabile, antiretrovirale Therapie. In der Studie erhielten die Patienten in Kombination mit der optimierten Basistherapie Darunavir/r entweder einmal täglich (n=294) oder zweimal täglich (n=296). Hauptziel der Studie war der nach 48-wöchiger Therapie virologisch bestätigte Nachweis, dass 800/100 mg Darunavir/r einmal pro Tag nicht weniger wirksam ist als 600/100 mg Darunavir/r zweimal pro Tag (<50 HIV-1-RNA-Kopien/ml [intent-to-treat/time-to-loss of virologic response; ITT-TLOVR])
Prezista ist in der einmal täglichen
800 mg Dosierung in Kombination mit niedrig dosiertem Ritonavir und anderen
antiretroviralen Arzneimitteln bislang nur zur Behandlung von Infektionen
mit dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV-1) bei antiretroviral nicht vorbehandelten
Erwachsenen zugelassen. Für einfach und mehrfach vorbehandelte Patienten
wird aktuell eine zweimal tägliche Dosierung von je 600 mg Darunavir
in Kombination mit niedrig dosiertem Ritonavir empfohlen.
Darunavir wurde erstmals im Februar
2007 von der EMEA zugelassen zur Therapie von mehrfach vorbehandelten erwachsenen
HIV-Patienten. Seit Dezember 2008 ist der Proteaseinhibitor auch für
einfach vorbehandelte Erwachsene zugelassen. Am 29. Januar 2009 erteilte
EMEA die erweiterte Zulassung für therapienaive Patienten; am 30.
Juni 2009 für therapieerfahrene Kinder und Jugendliche.
1 Cahn P, et al. 17th Conference
on Retroviruses and Opportunistic Infections 6.-19.02.2010, San Francisco,
# 57
2 Rinehart A et al. 5th European
HIV Drug Resistance Workshop (EHDRW 2007), Cascais, Portugal, March 28-30,
2007, # 44
Janssen-Cilag
- Pressemeldung vom 19. April 2010
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Die US-Medikamentenbehörde FDA hat den Pharmahersteller Gilead verwarnt – wegen dessen US-Werbung für das Aids-Medikament Truvada.
Gilead Pharmaceuticals wurde von
der US-Medikamentenbehörde verwarnt aufgrund einer direkt an Patienten
gerichteten Werbung für das Aids-Medikament Truvada®. Die FDA
kritisiert diese Werbung als irreführend:
Die kritisierte Anzeige zeige
eine Frau, die das Medikament nehme und, so der Brief
Die FDA kritisierten auch den
Gesamteindruck der Werbung:
Die FDA forderten Gilead auf,
die kritisierte Werbung sofort einzustellen. Eine Unternehmenssprecherin
betonte, man nehme die FDA-Warnung ernst und werde der FDA direkt antworten.
Weitere Informationen:
FDA: Brief
an Gilead (pdf)
RHI 07.03.2010: UPDATE
2-U.S. FDA warns Gilead, Biogen over drug promotions
ondamaris
vom 9. April 2010
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Trotz HAART: Übertragung bei homosexuellen Männern weiterhin hoch
Trotz HAART: Pro-Kontakt-Wahrscheinlichkeit einer HIV-Übertragung bei homosexuellen Männern weiterhin hoch
von Patrick Schmid
Wie groß ist heutzutage das Risiko einer HIV-Infektion beim Analsex. Dieser Frage ging eine Australische Forschergruppe nach.
Eine antiretrovirale Therapie senkt die HI-Viruslast im Blut idealerweise unter die Nachweisgrenze. Dies führt zu einer starken Reduktion des HIV-Transmissionsrisikos. Gezeigt wurde dies für die Mutter-Kind-Transmission und für die HIV-Übertragung bei serodiskordanten monogamen heterosexuellen Partnern.
Bei homosexuellen Männern ist
die Datenlage dazu deutlich schlechter. Die meisten Untersuchungen zum
Übertragungsrisiko stammen aus der Zeit vor der hochaktiven HIV-Therapie
(HAART). Das Studium des Transmissionsrisikos bei Männern die Sex
mit Männern (MSM) haben wird durch folgende Faktoren erschwert:
Die Studie von Fengyi Jin et
al. untersuchte die Pro-Kontakt-Wahrscheinlichkeit einer HIV-Übertragung
beim Anaverkehr bei homosexuellen Männern in der HAART Ära:
Im Rahmen der Health in Men (HIM)-Kohortenstudie wurden 1.427 HIV-negative MSM in Sidney prospektiv verfolgt, im Durchschnitt über 4 Jahre. Eingeschlossen wurden die Probanden zwischen 6/01 und 12/04. Eine detaillierte Befragung zum Sexualverhalten fand 1/2-jährlich statt (alternierend "face to face" und telefonisch). Jährlich wurde auf HIV getestet.
Resultate:
Insgesamt kam es bei 53 Personen
zur Serokonversion. Die geschätzte Pro-Kontakt-Wahrscheinlichkeit
einer HIV-Übertragung betrug beim ungeschützten Analverkehr:
Diese Transmissionsrisiken sind
unerwartet hoch, ziemlich vergleichbar mit dem was vor der HAART Zeit beobachtet
wurde. Leider wurde nicht versucht zu unterscheiden, ob die HIV-infizierten
Partner eine Therapie hatten. Insgesamt geht man aber davon aus, dass ca.
70% der HIV-positiven MSM in Sydney erfolgreich antiretroviral behandelt
sind.
Als mögliche Gründe für
die unverändert hohe Transmissionsrate beim Analverkehr unter MSM
wurden angeführt:
Was bedeutet das Ganze für
uns?
Quelle: Fengyi
Jin et al., AIDS 2010, 24: 907-913
Infektiologie
St. Gallen vom 1. April 2010
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Medizinische Unterversorgung kostet in Afrika Millionen Menschenleben
Jeden Tag stirbt eine Frau in Afrika an Komplikationen während der Schwangerschaft oder der Geburt. 29.000 Kinder sterben noch vor ihrem fünften Lebensjahr. Mehr als fünf Millionen Menschen sterben jährlich an Tuberkulose, HIV und Malaria. Das berichtete die "Berliner Umschau" am Montag. Das Netzwerk Action For Global Health (AfGH) will diese Missstände nicht länger hinnehmen und fordert die EU-Länder auf, ihre bislang überwiegend leeren Versprechungen zu erfüllen.
Immer am 7. April wird der Weltgesundheitstag begangen. Anlässlich dieses Ereignisses stellt das Bündnis aus 15 europäischen Nichtregierungsorganisationen (NGO), seinen vierten Bericht „Bestandsaufnahme 2010: Die Zeit der Verwirklichung der Milleniumsentwicklungsziele (MDGs) wird knapp“ vor. Vor zehn Jahren versprachen führende Politiker der Welt die MDGs bis 2015 umzusetzen. Sie beinhalten, die Kindersterblichkeit abzusenken, die Anzahl, der bei der Geburt sterbenden Frauen zu reduzieren, die Ausbreitung von HIV/Aids zu verringern und Malaria und Tuberkulose einzudämmen.
Fünf Jahre bevor das Ziel erreicht werden sollte ist das Ergebnis allerdings „sehr ernüchternd“, so Dr. Nadja Jacubowski, Referentin für Gesundheit von terre des hommes. Seit 1990 habe sich die Müttersterblichkeit nicht nennenswert verringert. Über 29.000 Kinder sterben noch vor ihrem fünften Lebensjahr an oft banalen Dingen wie Durchfall, da die Mütter nicht wissen, wie sie ihren Kindern helfen können. Mehr als fünf Millionen Menschen sterben jährlich an HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose. Durch die Krankheiten entstehen wirtschaftliche Rückstände in Millionenhöhe. Und das Verheerende ist der Teufelskreis zwischen Armut und Krankheit, den es „aufzubrechen“ gilt, so Jacubowski.
„Die Schwestern verlangen Geld für die Behandlung unserer Kinder und wenn man keines hat, muss man sich verschulden oder seine Reis-Ernten oder seinen sonstigen Besitz, zum Beispiel seine Kakao-Plantagen verpfänden“, klagt Hawa Jalloh aus Sierra Leone. Somit gehen Armut und Krankheit Hand in Hand. Und nicht nur das Geld sei ein großes Problem in Afrika. Stephan Kreischer von der Welthungerhilfe: „Qualität und Quantität bedingen sich gegenseitig.“ Die medizinische Versorgung in den afrikanischen Ländern ist aufgrund der fehlenden Gelder immer noch auf einem sehr schlechten Niveau.
Auf 10.000 Menschen kommen zwei Ärzte. In Europa sind es 32. „Man wird müde. Man ist frustriert, denn es gibt zu viel zu tun. Man hat 45 bis 50 Entbindungen pro Tag. Es ist extrem anstrengend“, sagt Ruth Mwala, Oberschwester des Bwaila Hospital in Lilongwe (Malawi). In den 80er Jahren verließ laut dem Bericht der AfGH eine Vielzahl an medizinischen Fachkräften Afrika um in Europa für mehr Geld zu arbeiten. Fachpersonal wird nun hauptsächlich vom Privatsektor und vom Ausland abgeworben, ist im Bericht der AfGH zu lesen. Deshalb sind die Behandlungen auch zu teuer, für Menschen, die ohnehin schon am Existenzminimum leben. Sie sind deshalb auf fremde Hilfe angewiesen.
Einen beträchtlichen Anteil der Gesundheitsversorgung übernehmen laut Jacubowski inzwischen NGOs, die örtlich zur Stelle sind. „Es ist uns peinlich, dass die Leute Kredite aufnehmen und Hilfe von lokalen oder religiösen Gruppen oder von ihren Familien in der Stadt und im Ausland annehmen, um das Geld für ihre Behandlungskosten aufzubringen“, sagt Prince Magoma, leitender Gesundheitsbeamter einer afrikanischen Gemeinde. Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen seien aber nicht nur knapp, sondern auch schlecht ausgebildet. „Die Qualität der Versorgung ist schlecht und deswegen gehen die Leute nicht hin“, erklärt Dr. Tarek Meguid, Leiter der gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilung am Kamzu Central Hospital in Lilongwe.
EU-Länder vereinbarten bis 2015 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) als Entwicklungshilfen aufzubringen. Für 2010 sind 0,51 Prozent vorgesehen. Spanien gab an 2008 0,45 Prozent seines BNE aufgebracht zu haben und liegt damit auf Platz eins. Deutschland mit nur 0,38 Prozent liegt auf dem vorletzten Platz. „Ein Skandal“ findet Stephan Kreischer, wenn man bedenke, dass Deutschland das wirtschaftlich stärkste Land Europas ist. Somit stellt nur noch Italien einen geringeren Anteil seines BNE für Entwicklungshilfe zur Vefügung (0,22 Prozent).
Die Weltgesundheitsorganisation hat vor knapp zehn Jahren errechnet, dass die EU-Staaten 0,1 Prozent ihrer BNE allein für gesundheitsbezogene Entwicklungshilfe bereitstellen sollte. Es sei „dringend notwendig, dass diese wirtschaftsstarken Staaten ihre Entwicklungshilfe für Gesundheit auf 0,1 Prozent ihres BNE steigern“, so Kreischer weiter. Damit soll ein kostenloser Zugang zu flächendeckender Gesundheitsversorgung geschaffen werden und Fachkräfte eingesetzt werden.
Den vollständigen Artikel lesen Sie unter: http://www.berlinerumschau.com/
Pressemitteilung
WebService vom 7. April 2010
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HIV-Therapie auch für Non Progressoren?
von Pietro Vernazza
Im Moment wendet sich das Pendel in Richtung HIV-Therapie auch bei guten CD4-Werten. Neu stellt sich die Frage, ob auch so genannte "Elite-Controllers" von einer Therapie profitieren würden.
Wir wissen, dass sehr wenige infizierte Personen auch ohne Therapie das HIV-Virus mit ihrem eigenen Immunsystem sehr gut unter Kontrolle haben. Wir sprechen von so genannten "Long-term-non-progressoren" oder von "HIV-controllers". Typisch dabei ist, dass bei diesen Personen die Viruskonzentration im Blut tief ist und dass die die CD4-Helferzellen auf hohem Niveau stabil sind oder nur sehr langsam abfallen. Darunter gibt es noch eine Untergruppe von Personen, bei denen sich überhaupt kein Virus nachweisen lässt, so genannte "Elite-Controllers".
In den letzten Jahren haben wir aber gelernt, dass ein großer Teil der Schäden, welche das HIV anrichtet, durch die Aktivierung des Immunsystems zustande kommen. Und einige Studien zeigen auch, dass HIV-controllers und sogar "Elite-Controllers" im Vergleich zu behandelten Patienten eine erhöhte Aktivierung des Immunsystems aufweisen.
CD4-Zellen von HIV-Controllers profitieren von einer Therapie
Nun ist eine Studie des NIH der Frage nachgegangen, ob auch diese Personen allenfalls von einer Therapie profitieren könnten. Es wurden 56 "Controllers" und sogar 6 "Elite-Controllers" mit HAART behandelt. Als Behandlungsziel wurde der Verlauf der CD4-Zellen benutzt. Interessanterweise hatten diese Personen unter der Therapie einen signifikanten Anstieg ihrer Helferzellen, selbst die 6 Elite-Controllers!
Sollen sich nun gleich alle "Controllers" behandeln lassen
So schnell sollte es wohl nicht gehen. Bevor wir zu diesem Schritt schreiten, müssten wir sicher sein, dass die möglichen Langzeitschäden einer Behandlung geringer sind als die Schäden einer gut kontrollierten HIV-Infektion. Sicher wird es für die Betroffenen einfacher sein, das Leben ohne Therapie zu gestalten als sich mit der regelmäßigen Medikamenteneinnahme auseinander zu setzen. Doch mindestens erinnert das Beispiel daran, dass die Aktivierung des Immunsystems auch bei tiefer Viruslast noch vorkommt und vermutlich der Grund für die langsame Zerstörung der CD4 Zellen ist. Gut zu wissen, dass auch diese sehr langsam fortschreitende Schädigung allenfalls durch eine Therapie gestoppt werden kann.
Quelle: Okulicz et al, CID 2010;50:1187-91
Infektiologie
St. Gallen vom 6. April 2010
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Billiges Antibiotikum: Hoffnung für HIV-Patienten
Cotrimoxazol senkt Sterblichkeit um 59 Prozent
London - Die Chance Zehntausende HIV-Patienten mit einem einfachen und billigen Medikament zu retten, wird laut Wissenschaftlern der MRCouncil Clinical Trials Unit http://www.ctu.mrc.ac.uk und des Imperial College London Patienten nicht genutzt. Cotrimoxazol würde die Sterbezahlen in den frühen Stadien der Krankheit deutlich senken.
Die in The Lancet http://www.thelancet.com veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Mortalität um die Hälfte reduzieren ließe. Die WHO hat diesen Behandlungsansatz bereits befürwortet. Spezialisten erklärten jedoch laut BBC, dass viele Patienten keinen Zugang zu diesem Medikament haben.
Der Kampf gegen HIV hat sich immer wieder auf antiretrovirale Medikamente konzentriert, die die Lebenserwartung deutlich erhöhen können. Viele Patienten sind in den ersten Wochen nach der Diagnose dem größten Risiko ausgesetzt. Eine Reihe von Infektionen wartete nur darauf, sich das geschwächte Immunsystem zu nutze zu machen. Studien gehen laut BBC davon aus, dass ein Viertel der Patienten, die in den Ländern südlich der Sahara antiretrovirale Medikamente erhalten, innerhalb des ersten Jahres sterben werden.
Viele Todesfälle verhindern
Würde zusätzlich jenen, deren Immunsysteme am stärksten angegriffen sind, Cotrimoxazol, ein kostengünstiges Antibiotikum, verabreicht, könnten viele dieser Todesfälle verhindert werden. Die aktuelle in Uganda durchgeführte Studie legt nahe, dass eine Reduzierung um 59 Prozent innerhalb der ersten zwölf Wochen und um 44 Prozent zwischen der zwölften und 72. Woche möglich ist.
Die Wissenschaftler erklärten, dass das Antibiotikum an vielen Orten nicht erhältlich ist. Ihre Ergebnisse betonten die Notwenigkeit, dass jene, die für die Medikamenten-Programme zuständig sind, rasch eine Initiative ergreifen. Charles Gilks, der leitende Wissenschaftler, betonte, dass jetzt alle Diskussionen Fragen über die Wirksamkeit der Antibiotika eindeutig beantwortet seien. Zehntausende Leben könnten durch den breiteren Einsatz dieses Medikaments gerettet werden.
Mitautorin Diana Gibb erklärte, dass die Zugänglichkeit deutlich verbessert und das Medikament allen neuen Patienten für die ersten 18 Monate zur Verfügung gestellt werden müsse. Zusätzlich bringt das Medikament einen weiteren entscheidenden Vorteil, es senkte die Malaria-Erkrankungen um ein Viertel.
Pressetext
Austria vom 30. März 2010
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Risikoangaben bei anonymen HIV Testungen
Risikoangaben bei anonymen HIV Testungen: hilfreich für Einschätzung der landesweiten HIV-Prävalenz?
von Barbara Bertisch
Hatten Daten, die bei anonymen HIV-Tests in der Schweiz von 1996 bis 2006 erhoben wurden, die sich verändernde HIV-Epidemiologie gespiegelt?
In der Schweiz ist die HIV-Epidemie in den Risikogruppen zu finden. Von 2001 bis 2006 hatte sich dabei ein Zuwachs der frisch (unter 6 Monaten) erworbenen Neuinfektionen unter Homosexuellen (MSM) von 19 auf 38% gezeigt. Dies kam überraschend, hatten doch Daten zur Surveillance während der 90er Jahre zumeist einen rückläufigen Trend gezeigt.
Hatten Daten, die im Rahmen der anonymen HIV-Testungen erhoben wurden, darauf einen Hinweis gegeben? Hatte sich dabei eine Erhöhung positiver Tests und/oder eine Zunahme des Risikoverhaltens gezeigt?
In der vorliegenden Studie des Instituts
für Sozial- und Präventivmedizin Bern wurden die über 140.000
anonymen Testungen berücksichtigt, die von 1996 bis 2006 an den 5
Universitätskliniken der Schweiz erhoben worden waren.
Anbei die bei der Selbstangabe erhobenen
Auskünfte (die bei der Testung ermittelte HIV-Prävalenz jeweils
in Klammern):
Über den genannten Zeitraum
zeigte sich eine Zunahme der HIV-Prävalenz bei afrikanischen Heterosexuellen
beiderlei Geschlechts.
Bei MSM konnte keine Zunahme der HIV-Prävalenz über den genannten Zeitraum gezeigt werden (Anmerkung: wären denn die Daten auch repräsentativ genug gewesen, um das darzustellen?). Es konnte eine erhöhte HIV- Prävalenz bei Alter zwischen 35 und 44 Jahren herausgearbeitet werden.
Was aber besonders auffiel
Tatsächlich zeigten über
die Beobachtungszeit zunehmend viele homosexuelle Männer ein Risikoverhalten:
Überraschend zeigte sich,
dass bei den Männern mit 0-1 Partner in den letzten 2 Jahren die HIV-Prävalenz
höher war als bei > 5 Partnern. Hier wurde gemutmaßt: handelt
es sich um Patienten, bei denen der Gesundheitszustand bereits zu einer
Veränderung des Sexualverhaltens geführt hatte? Oder resultierte
vielmehr das Risiko aus promiskem Verhalten des festen Partners?
Bei den heterosexuellen Frauen zeigte sich erhöhte HIV-Prävalenz bei den >45 Jährigen, dabei zumeist Schweizer Nationalität. Diese berichteten über Partnerschaft mit einem HIV-positiven Mann, wussten um ihr Risiko, hatten aber dennoch mit ihrem Partner nie Kondome benutzt.
Einschränkungen der Repräsentativität
der erhobenen Daten:
Zusammenfassung:
Quelle: Prasad
LR et al, Swiss Med. Weekly, 2009
Infektiologie
St. Gallen vom 30. März 2010
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MSD senkt ab 1. April 2010 Preis für Raltegravir
Haar – Seit mehr als 20 Jahren engagiert sich MSD weltweit im Kampf gegen HIV/AIDS. Für den Integrasehemmer Raltegravir (ISENTRESS®), der nach knapp zwei Jahren nun für alle erwachsenen Patienten*, das heißt sowohl therapienaive, die erstmals mit einer antiretroviralen HIV-1-Therapie beginnen, als auch Therapie erfahrene zugelassen ist, übernimmt MSD in Deutschland soziale Verantwortung und senkt freiwillig den Preis dieses Arzneimittels zur Behandlung von HIV-Patienten um rund 15 Prozent.
Obwohl zahlreiche Medikamente zur Behandlung von HIV und AIDS zur Verfügung stehen, setzt sich die Epidemie weiter fort. In der EU wurden nach Angaben des European Centre for the Epidemiological Monitoring of HIV and AIDS seit 2002 nahezu 270.000 HIV-Fälle gemeldet.[1] Weltweit sind Schätzungen zufolge etwa 33 Mio. Menschen mit HIV infiziert bzw. an AIDS erkrankt, und 2007 traten weltweit etwa 2,7 Mio. Neuinfektionen mit HIV auf. [2]
Neue Arzneimittel wie Raltegravir können Ärzten dabei helfen, die Behandlungsregime noch besser zu individualisieren, was angesichts der Komplexität von HIV und der immer spezielleren Patientenanforderungen von großer Bedeutung ist. MSD leistet mit der Preissenkung seines HIV-Medikaments auf das Niveau des Preises von Proteasehemmern einen positiven Beitrag zum Gesundheitssystem. "Eine Behandlungsoption mit Raltegravir mit ihrem in klinischen Studien bei Erwachsenen nachgewiesenen Profil von hoher Wirksamkeit und guter Verträglichkeit eröffnet viele neue Möglichkeiten für Kombinationstherapien zur Kontrolle von HIV", so Prof. Dr. Hans-Jürgen Stellbrink aus Hamburg. "Wir begrüßen es sehr, dass MSD freiwillig den Preis für sein HIV-Medikament in Deutschland senkt."
„Mit der Preissenkung zeigen wir soziale Verantwortung, denn wir leisten unseren Teil innerhalb des Gesundheitssystems. Wir entlasten die Krankenkassen finanziell und nehmen den Ärzten ein Stück weit die Angst vor Arzneimittelregessen, wenn Sie Raltegravir als Behandlungsoption einsetzen möchten“, sagt Karin Kollmorgen, Business Director Speciality & Hospital Products Deutschland.
* ISENTRESS® darf während der Schwangerschaft nicht angewendet werden.
Quellen:
[1] EuroHIV. HIV/AIDS Surveillance
in Europe. End-year report 2006. Saint-Maurice: Institut de veille sanitaire,
2007. No. 75. Verfügbar unter: http://www.eurohiv.org/reports/report_75/pdf/report_eurohiv_75.pdf.
Zugriff am 12. Mai 2009.
[2] UNAIDS. 2008 Report on the Global
AIDS Epidemic. Verfügbar unter: http://www.unaids.org/en/KnowledgeCentre/HIVData/GlobalReport/2008/2008_Global_report.asp.
Zugriff am 3. März 2010.
MSD SHARP
& DOHME GMBH - Pressemeldung vom 30. März 2010
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"Ein harter Kampf" - Drogensucht und Aids in Indien
Neu Delhi - Schmutzige Kleidung, leerer Blick, Spuren von Einstichen an Armen und Beinen - die Männer sind gezeichnet vom Drogenmissbrauch, der ihnen das Leben auf den Straßen Neu Delhis erträglicher machen soll. Rund ein Dutzend haben sich an diesem Nachmittag im Abhängigen-Zentrum der Hilfsorganisation Sharan (Schutzraum) im Norden der indischen Hauptstadt versammelt.
In einem unscheinbaren Flachbau am Ufer des Flusses Yamuna können sie ausruhen, gebrauchte Spritzen gegen neue eintauschen und sich medizinisch versorgen lassen. Hauptziel der Einrichtung ist jedoch der Kampf gegen die Ausbreitung der Immunschwächekrankheit Aids.
Nach Angaben des indischen Gesundheitsministeriums leben im Land geschätzte 2,5 Millionen Menschen mit dem HI-Virus. Nach Nigeria und Südafrika sind das die meisten weltweit. Mit etwa 18.000 ist der Anteil von Drogenabhängigen an dieser Zahl zwar relativ gering. Seit einigen Jahren verzeichnen die Behörden allerdings landesweit einen Anstieg der Neuinfektionen unter Süchtigen: 2007 waren 7,2 Prozent der Betroffenen infiziert. Innerhalb eines Jahres stieg der Wert auf 9,2 Prozent. Aktuellere Zahlen gibt es nicht. Die Verantwortlichen räumen jedoch ein, dass der Anteil noch größer geworden sein könnte.
"Bei unseren Klienten ist Aids zunehmend ein Thema", hat Sharan-Mitarbeiter Shabab Alam bemerkt. "Immer mehr Abhängige kommen zu uns, weil sie Angst haben, sich anzustecken. Daher bieten wir neben der medizinischen Betreuung auch Beratung an." Einer der Männer, der seinen Namen nicht nennen will, erzählt, dass er vor etwa 20 Jahren als Jugendlicher nach Delhi gekommen sei. Da er keine Arbeit gefunden habe, sei er aus Frust den Drogen verfallen. Heroin, Schmerzmittel, Antidepressiva - alles Mögliche habe er sich in den Körper gespritzt. Nun wolle er davon loskommen, sagt er, "auch wegen dieser Krankheit".
Die Themen Drogenmissbrauch und Aids waren in Indien bis vor wenigen Jahren vor allem auf den kleinen, von separatistischer Gewalt erschütterten Bundesstaat Manipur an der Grenze zu Birma begrenzt - 2500 Kilometer von Neu Delhi entfernt. Dort nahmen schon in den 80er Jahren tausende junge Männer Heroin, das aus den Drogenlabors des Nachbarlandes stammte. Viele teilten ihre Spritzen mit Freunden und Leidensgenossen - und infizierten sich so mit HIV. Nach Angaben von Wissenschaftlern waren Ende der 90er Jahre zwei Drittel der mehr als 15.000 Abhängigen positiv. Ein Großteil ist inzwischen gestorben.
"In unserem Bewusstsein war das dennoch weit weg", räumt freimütig die Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Sujatha Rao, ein. "Heute allerdings haben wir das Problem vor unserer Haustür." Während man die Lage im Nordosten auch mit Hilfe nichtstaatlicher Initiativen zunehmend in den Griff bekomme, hingen besonders in Delhi sowie den nordindischen Bundesstaaten Punjab und Haryana immer mehr Menschen an der Nadel. "Das ist neu, und die Gesellschaft muss lernen, mit dem Problem umzugehen", sagt Sujatha Roa. Ihre Regierung habe den ersten Schritt getan, indem sie Drogenabhängigen beim 1,8 Milliarden Euro schweren Nationalen Aids-Kontrollprogramm "NACP III" (2007 bis 2012) besondere Aufmerksamkeit zukommen lasse.
Neben Spritzentausch gehört Drogen-Substitution zum wichtigsten Teil des staatlichen Großprojekts. Abhängigen wird die Möglichkeit gegeben, legale Ersatzdrogen zu schlucken und so von den Spritzen loszukommen. Die Gefahr, sich aufgrund von Verunreinigungen mit dem HI-Virus anzustecken, sinkt dadurch gegen null. Landesweit gibt es heute etwa 220 Anlaufstellen, die Orale Substitutionstherapie (OST) anbieten. "Aber es war ein harter Kampf, das in der Regierung durchzusetzen", berichtet Rao. Viele Beamte hätten den Gesundheitsaspekt lange ignoriert und die Meinung vertreten, Substitution ermuntere erst zu Drogenmissbrauch.
Shabab Alam von Sharan kann da nur den Kopf schütteln. Wer sich nach einer Beratung zur Teilnahme am Substitutionsprogramm entscheide, sagt er, habe meist schon eine lange Drogenkarriere hinter sich. Von Ermunterung könne keine Rede sein.
Im Flachbau am Yamuna-Fluss warten die Abhängigen geduldig darauf, dass ihnen ein Mitarbeiter die im Mörser zerkleinerten Tabletten verabreicht. "Jeder muss das Pulver vor unseren Augen schlucken", sagt Shabab Alam. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass die Männer die Medikamente mitnehmen und auf der Straße weiter verkaufen. Die meisten Teilnehmer hätten aber verstanden, dass sie die Therapie vor Aids schütze und ihnen zudem den Einstieg in den Ausstieg aus der Sucht ermögliche.
Ärzte-Zeitung
vom 29. März 2010
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TDRTI – eine neue Substanzklasse in Sicht?
Die Erbinformation der HI-Viren ist in Form einer RNA gespeichert. Damit sie sich in das menschliche Erbgut (besteht aus DNA) einbauen kann, muss sie vorher auch in DNA umgeschrieben werden. Der Vorgang wird von der so genannten Reversen Transkriptase bewerkstelligt. Dieser Schritt ist für die Virusvermehrung essentiell, kann aber durch bestimmte Substanzen blockiert werden.
Eine Möglichkeit sind NRTIs, die Nukleosidischen Reverse Transkriptase Inhibitoren. Ein NRTI ist ein veränderter DNA-Baustein, der von der HIV-Transkriptase fälschlicherweise in die entstehende HIV-DNA eingebaut wird. Die natürlich vorkommenden DNA-Bausteine besitzen eine ganz bestimmte Struktur, die so genannte 3‘-Hydroxygruppe (auch 3‘-OH genannt). Nur an dieses 3‘-OH können weitere Bausteine hinzugefügt werden. Bei den NRTI fehlt jedoch diese Gruppe. D.h., wenn die Reverse Transkriptase einen solchen Baustein einbaut, fehlt ihr das passende Ende um die Kette weiter zu verlängern. Viele etablierte HIV-Medikamente gehören dieser Substanzklasse an.
Eine weitere Möglichkeit den Vorgang zu unterbrechen sind die NNRTIs, die Nicht-Nukleosidischen Reverse Transkriptase Inhibitoren. Diese Substanz haftet sich direkt an die Reverse Transkriptase. Dadurch ist das Enzym kaum noch in der Lage, DNA-Bausteine zu binden um sie zu einer Kette zusammen zu führen. So wird das Umschreiben der HIV-RNA in HIV-DNA extrem verlangsamt. Auch von dieser Sorte gibt es bereits seit langem mehrere HIV-Medikamente.
Nun wird ein neuer Reverse Transkriptase Inhibitor untersucht. Hierbei handelt es sich wieder um einen veränderten DNA-Baustein mit dem Kürzel EFdA. Die Substanz wird ebenfalls in die entstehende DNA-Kette eingebaut. Und obwohl er die (oben beschriebene) 3‘-OH-Gruppe besitzt, stoppt er die Verlängerung der neuen DNA. Denn um die DNA-Kette stetig zu verlängern, muss die Reverse Transkriptase immer „ganz vorne“ an der Kette sein, also an dem 3‘-OH-Ende, an welchen sie den nächsten Baustein anhängt. Das Enzym schiebt sich quasi mit jedem neuen Baustein wieder ein Stück nach vorne an das freie Ende. Dieser Vorgang wird Translocation genannt.
Die neue Substanz EFdA hat die Eigenschaft, dass sie sich mit einer Seitenstruktur an die Transkriptase binden kann. Dies hat zwei Effekte: Zum einen hält sie umgangssprachlich die Transkriptase an Ort und Stelle fest und verhindert so die Translocation. Die DNA kann nicht verlängert werden. Zum anderen wird EFdA durch diese Bindungsmöglichkeit von der Reversen Transkriptase häufiger als die natürlichen Bausteine verwendet. Dadurch erklärt sich, dass die Substanz enorm effizient ist und bereits in kleinen Mengen aktiv. Ein viel versprechendes Prinzip. So könnte sich in Zukunft eine neue Sorte von HIV-Medikamenten ergeben: die TDRTI, also die „translocations-defizienten (oder defekten) Reverse Transkriptase Inhibitoren“.
Michailis et al.; Mechanism of Inhibition of HIV-1 Reverse Transcriptase by 4´-Ethynyl-2-fluoro-2´-deoxyadenosine Triphosphate, a Translocation-defective Reverse Transcriptase Inhibitor; Journal of Biological Chemistry 2009; 284
med
update Nr. 01 / 2010
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Übergewicht und HIV: Einfluss auf Erholung Immunstatus?
von Christine Gutmann
Unter einer HIV-Therapie kommt es in der Regel zu einer guten Erholung der Immunschwäche, gemessen an der Erholung der CD4 Werte. Der Effekt ist nicht bei allen Menschen gleich gut. Spielt Übergewicht eine Rolle?
Um den Effekt des (Über)-Gewichts auf die CD4-Zellzahl zu untersuchen, wurden 1001 Patienten mit dokumentierter HIV Serokonversion bezüglich BMI Klassen und Änderungen der CD4-Zellzahl untersucht. Vor der HAART Ära war ein höherer BMI mit einer weniger starken Reduktion der CD4-Zellzahl über die Zeit assoziiert. In der HAART Ära fällt jedoch auf, dass übergewichtige Patienten einen weniger starken Anstieg der CD4-Zellzahl unter Therapie haben. Tiefere CD4-Zellzahl, respektive eine langsamere Erholung der CD4-Zellzahl, könnte eine weitere unerwünschte Nebenwirkung des Übergewichts sein.
Die Prävalenz für Übergewicht ist auch bei den HIV-positiven Patienten steigend. Obwohl man weiß, dass zu viel an Gewicht sich für einige medizinische Aspekte ungünstige auswirkt, ist der Einfluss auf das Immunsystem noch nicht so gut verstanden.
Vor der Einführung der HAART haben Studien gezeigt, dass Untergewicht mit tieferer CD4-Zellzahl und kürzerem Überleben assoziiert war, demgegenüber höher Gewichtige eine weniger schnelle HIV Progression zeigten. Seit der HAART Einführung sieht man das wasting syndrom weniger häufig und die Bedeutung des Gewichtes, insbesondere des Übergewichtes und der Adipositas, hat sich verändert.
Die Studie aus Amerika untersuchte die Beziehung zwischen longitudinalen Gewichtsmessungen, respektive BMI Messungen, und der CD4-Zellzahl von 1001 Patienten mit dokumentierter HIV Serokonversion (Daten aus der US Military HIV Natural History Study 1986-2008).
Resultate: Von den 1001 dokumentierten Patienten waren 400 übergewichtig (BMI 25-30), 84 adipös (BMI > 30) und 12 waren untergewichtig (BMI < 18) bei HIV Diagnosestellung. Durchschnittliches Alter war 29 Jahre, 96% waren Männer, 45% Weisse, 40% Afro Amerikaner. Bei 61% Patienten wurde die Diagnose in der HAART Ära gestellt.
Tabelle 1 zeigt die Resultate;
394 Patienten wurden vor der HAART Ära positiv getestet, die CD4-Zellzahl
nahm weniger ab, wenn der BMI höher war. Verglichen mit normalgewichtigen
Patienten hatten übergewichtige und adipöse Patienten eine geringere
Reduktion der CD4-Zellzahl.
607 Patienten wurden in der HAART
Ära positiv getestet, der Anstieg der CD4-Zellzahl war signifikant
kleiner bei den adipösen Patienten gegenüber den Normalgewichtigen.
Diskussion: Die Studie versucht zu zeigen, dass das Gewicht die CD4-Zellzahl während der HIV Infektion beeinflusst und zwar mit unterschiedlichen Auswirkungen vor bzw. in der HAART Ära. Vor der HAART Ära ging eine höhere BMI Klasse mit einer weniger ausgeprägten Reduktion der CD4-Zellzahl einher, dieser positive Effekt konnte nach Einführung der HAART nicht mehr dokumentiert werden, im Gegenteil, bei adipöse Patienten ist der absolute und prozentuale Anstieg der CD4-Zellzahl geringer. Diese Daten lassen vermuten, dass Adipositas mit einer schlechteren Erholung des Immunsystems einhergeht, vorausgesetzt der Zugang zu der antiretroviralen Therapie ist gewährleistet.
Frühere Studien aus der prä-HAART Ära zeigten, dass mehr Gewicht mit stabileren CD4-Werten, langsamerer HIV Progression und verbessertem Überleben assoziiert war. Diese Beobachtungen wurden erklärt, dass "Gewichtsreserven" in Form von "Fettpolstern" möglicherweise vor schwerem wasting und AZ-Zerfall bei AIDS definierenden Erkrankungen schützen und das Immunsystem schützen.
Da die Inzidenz von wasting und schweren
AIDS Erkrankungen dank der Einführung der HAART abgenommen hat, ist
der mögliche positive Einfluss des Gewichtes verschwunden.
In der vorliegenden Studie konnte
bei adipösen Patienten, deren Serokonversion in der HAART Ära
dokumentiert wurde, eine weniger starke Zunahme der CD4-Zellzahl (absolut
und prozentual) gegenüber Normgewichtigen dokumentiert werden. Der
mögliche Vorteil von Übergewicht auf die CD4-Zellzahl vor Einführung
der HAART ist sicherlich nicht mehr vorhanden, im Gegenteil, Adipositas
könnte die Erholung der CD4-Zellzahl negativ beeinflussen. Außerdem
wissen wir, dass Übergewicht und Adipositas sich auch auf viele andere
gesundheitlichen Ebenen negativ auswirken kann.
Was ist nun aber die Erklärung der Studie für die Beobachtung? Adipositas ist assoziiert mit der Erhöhung von entzündlichen Markern (CRP und Interleukin-6) und Adipokine hätten negative Auswirkungen auf das Immunsystem. Möglicherweise hat Übergewicht/Adipositas auch einen negativen Effekt auf die ART-Medikamentenspiegel, weil die lipophilen Medikamente in dieser Population ein größeres Verteilungsvolumen im Fettgewebe haben. Hier werden sicher noch weitere Studien folgen, welche diese Hypothese untersuchen werden.
Fazit: Adipositas und HIV-Positivität hat nebst allen übrigen medizinischen Problemen (Herz-Kreislauf, Gelenke, Stoffwechsel...), die schon ohne HIV problematisch sein können, auch noch einen negativen Einfluss auf die CD4-Zellzahlerholung.
Quelle: Research letter, Obesity among HIV-infected persons: impact of weight on CD4 cell count, AIDS 2010
Infektiologie
St. Gallen vom 16. März 2010
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Welttuberkulosetag 2010: Neue Ideen für schnelleres Handeln
Tuberkulose ist weltweit die am häufigsten zum Tode führende heilbare Infektionskrankheit!
In Deutschland wurden dem Robert Koch-Institut nach dem soeben erschienenen RKI-Bericht zur "Epidemiologie der Tuberkulose in Deutschland im Jahr 2008" insgesamt 4.543 Tuberkulosen übermittelt, im Jahr 2007 waren es 4.998 gewesen. "Dieser Trend kann aber nur durch ständige Aufmerksamkeit, aktiven Einsatz und verbesserte Tuberkulosekontrolle aufrecht erhalten werden", betont Prof. Dr. Reinhard Burger, Vizepräsident des Robert Koch-Instituts, anlässlich des Welttuberkulosetags am 24. März. Beim RKI laufen die Daten für Deutschland zusammen, insbesondere zu Behandlungsergebnissen und zur Resistenzsituation, das RKI ist auch nationaler Kontaktpunkt der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Tuberkulose-Kontrolle.
Mit dem diesjährigen Welttuberkulosetag ist die Hälfte der Zeit vorbei, die mit dem "Global Plan to Stop TB 2006-2015" für die Erreichung der Ziele gesteckt wurde. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt für diesen Tag mit dem Motto "Aktiv gegen Tuberkulose: Neue Ideen für schnelleres Handeln" das Thema Innovationen in den Mittelpunkt. Der Globale Plan enthält dazu konkrete Forderungen im Bereich der Diagnostik (kostengünstige und leicht verfügbare "Point-of-care-Tests"), der Therapie (bis 2010 Verfügbarkeit des ersten neuen wirksamen Medikamentes seit über 40 Jahren) sowie der Prävention (Verfügbarkeit eines besser wirksamen Impfstoffs bis 2015).
Obgleich auf diesen Gebieten Fortschritte zu verzeichnen sind, zeigt sich nach wie vor dringender Handlungsbedarf. So bereiten die Ausbreitung resistenter Tuberkuloseerreger und das zunehmende Auftreten von HIV-Tuberkulose-Koinfektionen in Osteuropa große Sorgen. Dies sind Schwerpunktthemen eines Symposiums am 22./23.3.2010 im Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin-Mitte. Organisiert wird die Tagung von dem dort ansässigen Koch-Metschnikow-Forum (KMF), Teilnehmer sind Experten aus dem im In- und Ausland, darunter von der WHO, vom Europäischen Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention und aus besonders betroffenen Regionen.
In Deutschland gibt es eine Reihe von Aktivitäten für die besonders betroffenen Regionen der Welt: So führt das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose ein Stipendienprogramm für osteuropäische und asiatische Gastärzte durch, neben weiteren nationalen und internationalen Projekten. Osteuropa ist auch der Schwerpunkt des KMF, einer deutsch-russischen Initiative des Petersburger Dialoges, das Kooperationsprojekte auf dem Gebiet der Bekämpfung der Infektionskrankheiten koordiniert und gestaltet. Das Nationale Referenzzentrum für Mykobakterien in Borstel führt, auch in seiner Funktion als Supranationales Referenzzentrum der WHO, Qualitätskontrollen zur Tuberkulosediagnostik in mehr als einem Dutzend Staaten durch, hilft beim Aufbau von Tuberkulose-Programmen und -Laboratorien, v.a. in den Staaten, die nach dem Zerfall der früheren Sowjetunion entstanden (NUS), und bietet Trainingskurse an.
Die anfängliche Symptomatik der Tuberkulose ist meist uncharakteristisch; mögliche Allgemeinsymptome sind Gewichtsabnahme, Fieber, vermehrtes Schwitzen, Appetitmangel, Müdigkeit oder Zeichen eines grippalen Infektes. Respiratorische Beschwerden können in Form von Husten, Thoraxschmerzen und Atemnot auftreten. Jeder länger als drei Wochen bestehende Husten sollte daher weiter abgeklärt werden.
Robert-Koch-Institut
- Epidemiologisches Bulletin 11/2010
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Fettansammlungen bei HIV: US-Entscheidung über neues Medikament im Sommer.
Viele HIV-Positive haben mit Fettansammlungen, besonders im Bauchbereich, zu kämpfen. In den USA wird die Medikamentenbehörde FDA am 27. Mai 2010 über die Bewertung eines neuen Medikaments zur Behandlung dieser Fettansammlungen entscheiden.
Fettansammlungen, insbesondere im Bauchbereich – viele HIV-Positive haben darunter zu leiden. Stigmatisierung und Diskriminierung, aber auch Selbst-Stigmatisierung sind oftmals die Folge – zusätzlich zu potentiellen gesundheitlichen Problemen (erhöhte Blutfette, erhöhte Insulin-Resistenz). Eine wirksame Behandlung der Fettansammlung steht bisher nicht zur Verfügung.
Tesamorelin ist ein Analogon des “releasing factors” (GRF) des menschlichen Wachstumshormons Human Growth Hormon (HGH). Es führt dazu, dass von der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) mehr Somatropin ausgeschüttet wird. Dies führt bei Menschen mit Lipohypertrophie (Fettansammlungen) zu deren vermehrtem Abbau. Zwei Phase III Studien mit Tesamorelin bei HIV-Positiven zeigten einen Rückgang des viszeralen Fettgewebes (Fett im Bereich der Eingeweide, nicht unter der Haut) von bis zu 17,5 Prozent.
Die Nebenwirkungen waren in den Studien überwiegend milde (Hypersensitivitätsreaktionen an der Einstichstelle). Tesamorelin hatte keinen (auch keinen negativen) Einfluss auf das Unterhaut-Fett. Die Wirkung, zeigten auch frühere Studien, hält allerdings nur an, solange der Wirkstoff gegeben wird. Nach einem etwaigen Absetzen konnte der Rückgang der Fettansammlung nicht aufrechterhalten werden.
Die Bewertung durch das ‘Endocrinologic and Metabolic Drugs Advisory Committee’ ist Voraussetzung für eine etwaige Entscheidung über die Zulassung von Tesamorelin als Medikament in den USA.
Eine endgültige Entscheidung der FDA über die Zulassung von Tesamorelin in den USA wird bis 27. Juli 2010 erwartet. Tesamorelin wurde vom kanadischen Hersteller ‘Theratechnologies’ entwickelt und soll in den USA vom Pharmaunternehmen Serono (eine hundertprozentige Tochter der Merck KDaA) unter dem Handelsnamen ‘Egrifta’ vermarktet werden.
Außerhalb der USA hat Theratechnologies selbst bisher die Vermarktungsrechte für Tesamorelin. Auch in Europa ist Tesamorelin bisher nicht als Medikament zugelassen.
Weitere Informationen:
aidsmap 03.02.2010: Tesamorelin
safe and effective for fat accumulation in patients taking HIV treatment
POZ 22.03.2010: HIV
Lipo Treatment Egrifta to Be Reviewed May 27
Theratechnologies Pressemitteilung
22.03.2010
PR Newswire: Merck
Serono’s US Affiliate EMD Serono, Inc. and Theratechnologies Announce Collaboration
and Licensing Agreement for Tesamorelin in the United States
aegis 22.03.2010: Upcoming
FDA Advisory Committee Meeting on Egrifta (tesamorelin acetate) to reduce
excess visceral abdominal fat in HIV-related lipodystrophy.
ondamaris
vom 23. März 2010
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Tetherin bremst die Freisetzung des AIDS-Erregers
MHH-Forscher klären, welche Wirtszellproteine Freisetzung von Aids-Erregern blockieren. Tetherin bremst die Freisetzung des AIDS-Erregers, CAML hat aber keinen Einfluss / Hoffnung auf neue Therapieansätze / Veröffentlichung im Magazin Nature Medicine.
Humane Immundefizienz-Viren (HIV) befallen das Immunsystem, um sich im menschlichen Körper zu vermehren. Sie schleusen ihr Erbgut in die Immunzellen ein und bringen sie dazu, sowohl das Erbgut des Aids-Erregers zu vervielfältigen als auch die Virushülle zu produzieren. So können die neu gebildeten Viren die Wirtszelle verlassen – der Aids-Erreger ist freigesetzt. Bisher wurden in wissenschaftlichen Veröffentlichungen zwei Proteine beschrieben, die in der menschlichen Zelle diesem Prozess entgegenwirken: Sowohl dem so genannten Tetherin als auch dem ‚calcium-modulating cyclophilin ligand’ (CAML) wurden antivirale Wirkungen zugeschrieben.
Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) um Professor Dr. Stefan Pöhlmann, Institut für Virologie, und Professor Dr. Georg Behrens, Klinik für Immunologie und Rheumatologie, überprüften gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Ulm diese Annahme. Sie fanden heraus, dass das Protein Tetherin die Freisetzung des AIDS-Erregers aus infizierten Zellen blockiert, CAML aber keinen Einfluss auf die HIV-Freisetzung hat. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse in der renommierten Fachzeitschrift Nature Medicine. Erstautorin ist Annika Kühl vom MHH-Institut für Virologie und der Klinik für Immunologie und Rheumatologie.
„Das gesicherte Wissen darum, welches Protein die Ablösung neuer Viren von infizierten Zellen bremsen kann, bietet einen wichtigen Ansatzpunkt für zukünftige Therapien gegen AIDS", sagt Professor Pöhlmann. Die Arbeiten der Forscher wurden von der Deutschen AIDS Gesellschaft und dem PhD-Programm „Molekulare Medizin" der MHH gefördert.
Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Stefan Pöhlmann, Institut für Virologie, Telefon (0511) 532-4382, poehlmann.stefan@mh-hannover.de.
Link zum Abstract
Medizinische
Hochschule Hannover (MHH) - Pressemeldung vom 23. März 2010
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HSV-Suppression hilft nicht gegen HIV
von Pietro Vernazza
Eigentlich würde man erwarten, dass die medikamentöse Prävention von Herpes die HIV-Übertragung reduzieren würde. Doch dies ist nicht der Fall.
Die Überraschung war komplett, als diese Studie erstmals am ICAAC 2009 vorgestellt wurde. Wir wissen, dass genitale Herpesinfektionen die Übertragung von HIV fördern. Also wäre es doch nur logisch, wenn die Verhinderung von Herpes-Rezidiven durch eine Dauertherapie mit Acyclovir die Wahrscheinlichkeit einer Infektion reduziert.
Doch nichts davon: In dieser randomisierten, placebokontrollierten Studie konnte zwar gezeigt werden, dass die Herpes-Therapie zu einer Reduktion von Herpes-Rezidiven führt. doch auf die Übertragung von HIV auf den HIV-negativen Partner hatte die Behandlung keinen Einfluss.
Das Resultat war ein Rückschlag für viele, die gehofft hatten, eine konsequente Herpes-Präventionstherapie könnte einen wesentlichen Effekt auf die HIV-Epidemie haben. Doch das Anliegen ist im heutigen Umfeld ohnehin etwas vermessen. Denn heute diskutiert die WHO Strategien, mit denen weltweit in allen Entwicklungsländern alle Menschen mit HIV-Infektion zu behandeln sind, um dadurch die Neuinfektionen drastisch zu senken. Wenn schon eine medikamentöse Therapie eingesetzt werden soll, dann sicher wirksamer, wenn gleich das Ziel avisiert wird...
Quelle: Celum C, et al, NEJM, Jan 2010
Infektiologie
St. Gallen vom 19. März 2010
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Krankenversicherer scannte gezielt nach HIV-positiven Kunden
Ein Krankenversicherer in den USA hat unter seinen Kunden gezielt mit spezieller Software nach HIV-Infizierten gesucht – um ihnen die Kostendeckungs-Zusage zu widerrufen und die Verträge zu kündigen.
Er hatte gerade mit dem College begonnen, als der 17jährige Jerome Mitchel erfuhr, dass er HIV-positiv ist. Vor Beginn des College hatte er glücklicherweise eine private Krankenversicherung abgeschlossen, glaubte insofern zumindest vor finanziellen Problemen aufgrund von Untersuchungen und Therapie geschützt zu sein. Doch weit gefehlt – sein Versicherer kündigte ihm seine damals schon über ein Jahr bestehende Versicherung.
Nicht ganz zufällig, wie im Verlauf des Prozesses deutlich wurde, den er gegen seinen nun ehemaligen Versicherer anstrengte.
Der Versicherer, damals noch unter den Namen Fortis, soll mit Hilfe eines speziell dafür eingerichteten Programms und Algorithmus’ gezielt nach jüngst diagnostizierten HIV-Positiven unter seinen Versicherten gesucht haben – im Rahmen einer Untersuchung auf ‘Betrugsverdacht’, um dann anschließend die Kostendeckungszusage zurück zu ziehen und die Versicherungspolice zu kündigen. Dies geht aus Unterlagen hervor, die bei einem Gerichtsverfahren gegen den Versicherer vor dem South Carolina Supreme Court vorgelegt wurden.
Versicherer würden des Öfteren die Akten von Versicherten genauer prüfen, bei denen kürzlich eine schwerwiegende Erkrankung festgestellt wurde. Gezieltes Scannen nach HIV-Positiven, um diese dann zu kündigen – dies als bewusste und absichtliche Geschäftspolitik, das habe es vorher noch nicht gegeben, betonte ein Ermittler Presseberichten zufolge die Besonderheit des Falles. Es sei hier angesichts lebenslanger Therapie bei inzwischen hoher Lebenserwartung klar um den Kostenfaktor gegangen.
Der Versicherer “Assurant Health” wirbt auf seiner Internetseite mit dem Motto “Feel good about your health insurance choices”. Der Versicherer gehört zur Assurant-Gruppe. Das Unternehmen entstand als selbständiges Unternehmen im Februar 2004, als der belgisch-niederländische Finanzkonzern Fortis seine US-Versicherungsaktivitäten unter dem Namen Assurant an die Börse brachte. Assurant ist über Tochterunternehmen u.a. auch in Deutschland auf dem Markt ist, jedoch nicht mit Krankenversicherungen.
Die Akten, aus denen Assurants fragwürdige Geschäftspolitik hervorging, wurden im Rahmen des Prozesses bekannt, den Jerome Mitchel gegen Assurant Health angestrengt hatte. Er gewann in erster Instanz, der Versicherer kündigte jedoch an in Berufung zu gehen.
Jean Hoefer, Präsidentin des Supreme Court, bezeichnete das Verhalten des Versicherers unter anderem als “verwerflich”. Der Richter des Verfahrens kommentierte, die Gesellschaft habe mit dem Leben der ehemaligen Versicherten gespielt. Das Motiv hierfür sei klar erkennbar: Fortis habe die Maximierung von Profiten über die Rechte und Interessen seiner Kunden gestellt, so der Richter.
Weitere Informationen:
aegis 17.03.2010: Insurer
targeted HIV patients to drop coverage
metro 17.03.2010: Report:
HIV patients canceled by insurer
POZ 17.03.2010: Insurance
Company Allegedly Targeted HIV-Positive People and Dropped Coverage
ondamaris
vom 19. März 2010
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AIDS 2010: Drogenabhängige weltweit besonders gefährdet
Hohes HIV-Risiko durch Spritzentausch.
Ein Faktum, das die Weltgesundheit bedroht: Drogenkranke mit intravenösem Drogenkonsum sind besonders durch HIV und Aids gefährdet. Erstens, weil sie sozial fast immer benachteiligt und diskriminiert sind. Zweitens, weil sie durch "Spritzentausch" und nicht-sterile Nadeln ein enormes Risiko für die Ansteckung mit HIV, Virus-Hepatitis etc. haben.
Eine weltweite Studie, die am 1. März in der Fachzeitschrift "Lancet" erschienen ist, belegt: Weltweit bekommen pro Monat Suchtgift spritzende Abhängige im Durchschnitt nur zwei sterile Spritzen. Bradley Mathers vom Nationalen Australischen Drogenforschungszentrum in Sydney und seine Co-Autoren haben die wissenschaftliche Literatur zu Spritzentauschprogrammen, Drogenersatztherapie, Aids-Behandlung und Kondomprogrammen mit Hinblick auf iv. Drogensüchtige ausgewertet. Die Experten: "Im Jahr 2007 wurde die Zahl der injizierenden Drogenabhängigen auf weltweit zwischen 11 und 21,2 Mio. geschätzt. Intravenöser Drogenkonsum ist eine bedeutende Ursache für die HIV-Übertragung. Geschätzt sind zwischen 0,8 und 6,6 Mio. iv. Drogensüchtige HIV-positiv." Die Zahlen, welche die Experten zusammentrugen, sind ernüchternd:
In Australien und Asien werden im Jahr pro iv. Drogensüchtigem 202 sterile Spritzenbestecke ausgegeben. In Lateinamerika und in der Karibik sind es nur 0,3 Nadeln und Jahr, im südlichen Afrika gar nur 0,1, in Nordafrika und im Nahen Osten 0,3.
Eine Behandlung mit oral einnehmbaren Opiaten (Methadon, retardiertem Morphin oder Buprenorphin) bekamen in Zentralasien, Lateinamerika und im südlichen Afrika nur ein Prozent der vormals iv. Drogenabhängigen. In Europa werden von solchen Programmen bereits 61 von 100 Abhängigen betreut.
Weniger als ein Prozent der HIV-positiven Drogenabhängigen erhielten in Staaten wie Chile, Kenia, Pakistan, Russland und Usbekistan eine Aids-Therapie. In sechs europäischen Staaten gibt es hier einen Deckungsgrad von sogar um die hundert Prozent.
Die globalen Durchschnittswerte: Weltweit bekommt derzeit jeder iv. Drogensüchtige im Durchschnitt zwei sterile Spritzen, 8 von 100 iv. Drogenabhängigen haben Zugang zu einer Substitutionstherapie und nur vier Prozent der HIV-positiven Abhängigen bekommen eine medikamentöse Aids-Behandlung.
Antonio Mario Costa, Chef des in Wien ansässigen Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), sagte vor kurzem bei einer Pressekonferenz in Vorbereitung der Welt-Aids-Konferenz (AIDS 2010) in Wien: "Drogenkonsum nimmt eine wachsende Rolle in der Verbreitung von Aids ein. Es gibt weltweit rund drei Millionen infizierte Süchtige. In manchen Ländern sind 40 Prozent der injizierenden Drogenkonsumenten HIV-positiv. Weltweit werden pro iv. Drogenabhängigem zwei sterile Spritzen pro Monat ausgegeben. Jeder dieser Abhängigen braucht aber drei bis vier am Tag."
relevant
vom 17. März 2010
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Bei 2.856 Menschen wurde 2009 in Deutschland neu eine HIV-Infektion diagnostiziert. Dies berichtet das Robert-Koch-Institut im aktuellen Epidemiologischen Bulletin.
Die Zahl der neu diagnostizierten HIV-Infektionen ist in Deutschland 2009 nahezu stabil im Vergleich zum Vorjahr 2008: für 2009 wurden 2.856 Neudiagnosen gemeldet, für 2008 lag die Zahl bei 2.843 HIV-Neudiagnosen.
Die aktuelle Ausgabe des ‘Epidemiologischen Bulletin’ des Robert-Koch-Instituts (RKI) enthält die “Aktuelle Statistik meldepflichtiger Infektionskrankheiten Berichtsmonat: Dezember 2009 (Datenstand: 1.3.2010)”. Hier sind die HIV-Neudiagnosezahlen 2009 nach Bundesländern aufgeschlüsselt aufgeführt (mit Vergleichswerten 2008).
1.629 Neudiagnosen erfolgten in der Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) im Vergleich zu 1.575 Neudiagnosen im Jahr 2008 (+3,4%). Bei iv. Drogengebraucher/innen ist die Zahl weiter gesunken auf 100 Neudiagnosen (2008: 125; 2007: 154).
Die aktuelle Statistik des RKI nennt u. a. auch die Zahl der Syphilis-Neudiagnosen. Mit 2.556 neu diagnostizierten Fällen liegt ihre Zahl für 2009 unter dem Niveau der Vorjahre (2008: 3.190 Syphilis-Neudiagnosen; 2007: 3.280).
Im internationalen Vergleich liegt die Zahl der HIV-Neudiagnosen in Deutschland weiterhin sehr niedrig. Die gelegentlich von interessierter Seite kolportierte Behauptung, die Zahl der HIV-Infektionen in Deutschland sei so hoch, erweist sich einmal mehr als Mythos, als nicht zutreffend.
Der Anstieg der Zahl der HIV-Neudiagnosen bei Männern, die Sex mit Männern haben, ist moderat. Die neue Kampagne “ich weiss, was ich tu” der Deutschen Aids-Hilfe widmet sich gezielt der HIV-Prävention bei Männern, die Sex mit Männern haben. Diese Kampagne hatte im September 2009 die “ich weiss was ich tu – Testwochen” gestartet. Schon beim Start der Kampagne hatte DAH-Vorstand Carsten Schatz betont
“Durch die zunehmende Bereitschaft in der Zielgruppe, sich mit einem positiven HIV-Test auseinanderzusetzen, wird es mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem Anstieg der beim Robert Koch Institut (RKI) gemeldeten Neudiagnosen kommen.”
Klar gesagt: wer viel testet, wird mehr finden. Die Behauptung einer neuen Sorglosigkeit bei schwulen Männern dürfte sich hier ebenfalls erneut als Mythos erweisen. Im Gegenteil, der moderate Anstieg der Zahl der HIV-Neudiagnosen 2009 könnte auch erste Folge der Test-Kampagne sein – und damit letztlich ein Zeichen erfolgreicher Prävention.
Weitere Informationen:
RKI - Aktuelle Statistik meldepflichtiger
Infektionskrankheiten - Berichtsmonat: Dezember 2009 (Datenstand: 1.3.2010)
Epidemiologisches
Bulletin 10/2010 (pdf)
ondamaris
vom 15. März 2010
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Proteste gegen drohende Patentrechtsverschärfungen
HIV-positive Menschen demonstrieren gegen drohende Patentrechtsverschärfungen
Genf / Neu-Delhi / Berlin - Diesen Monat findet hinter verschlossenen Türen die letzte Verhandlungsrunde für ein Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien statt. Wenn Indien auf die Bedingungen der Europäischen Union eingeht, wäre für Millionen von Menschen in ärmeren Ländern der Zugang zu Medikamenten ernsthaft gefährdet, so die Befürchtung von HIV-positiven Aktivisten, die heute in Delhi demonstrieren.
"Wir protestieren, um die indische Regierung aufzufordern, keinen Vertrag auf Kosten unseres Überlebens abzuschließen", erklärt Loon Gante, Präsident des Delhi-Netzwerkes für Positive Menschen (Delhi Network of Positive People, DNP+). "Eine lebenslange Behandlung gegen HIV/Aids erfordert einen kontinuierlichen Zugang auch zu modernen Aids-Medikamenten. Internationale Handelsabkommen haben bereits jetzt einige neue Medikamente so verteuert, dass sie nicht mehr finanzierbar sind. Wir fordern nun, dass Indien keine Bestimmungen akzeptiert, die den Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten weiter behindern würden."
Ärzte ohne Grenzen unterstützt die Forderung der indischen HIV-Kranken. "Die EU darf keine Bedingungen stellen, die den Zugang zu lebensnotwendigen Medikamenten weiter behindern", sagt Oliver Moldenhauer von Ärzte ohne Grenzen in Berlin. "EU und Bundesregierung stellen die Interessen der Pharmaindustrie über die Gesundheit von HIV-Patienten."
"92 Prozent aller Aids-Medikamente, die in ärmeren Ländern verwendet werden, stammen aus Indien. Indien gilt als Apotheke der Armen. Die Auswirkungen der laufenden Verhandlungen betreffen also bei Weitem nicht nur Indien", sagt Leena Menghaney von Ärzte ohne Grenzen in Indien. "Wenn Indien nun nachgibt, würde der Zugang zu Behandlung für Menschen mit HIV/Aids im Verhandlungsprozess geopfert."
Zu den Forderungen der EU gehören eine erschwerte Zulassung von Generikaprodukten und die Verlängerung des Patentschutzes, der bislang in Indien 20 Jahre beträgt. In der Vergangenheit wurden bereits häufiger in Indien hergestellte Medikamente auf dem Weg nach Lateinamerika oder Afrika beschlagnahmt. Die indische Regierung soll nun ihr Einverständnis dazu geben, dass Medikamente im Rahmen des neuen Freihandelsabkommens legal beschlagnahmt werden können.
Die informellen Gespräche zwischen Vertretern der EU und Indien sollen diese Woche in Delhi beginnen. Die offiziellen Verhandlungen finden im April in Brüssel statt. Laut EU sollen die Gespräche zum Freihandelsabkommen weit vor dem indisch-europäischen Gipfeltreffen im Oktober 2010 abgeschlossen sein.
Ärzte
ohne Grenzen - Pressemeldung vom 12. März 2010
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Neue Straßenkarten weisen Weg zu Aids-Kliniken
Karten richten sich speziell an Risikogruppe der Lastwagenfahrer - HIV-Verbreitung verläuft entlang großer Verkehrsrouten
Johannesburg - Im Kampf gegen die Immunschwäche Aids in Afrika verteilen die Behörden spezielle Straßenkarten an die Risikogruppe der Lastwagenfahrer.
In den Karten sind grenzübergreifende Lkw-Routen markiert und auch die Kliniken, die HIV-Patienten kostenlos behandeln, erklärte eine Sprecherin des Projekts. In der vergangenen Woche sei mit der Verteilung der 20.000 Karten begonnen worden. Die Karten weisen über den gesamten Kontinent verteilt 160 staatliche und privat finanzierte Aids-Kliniken in 40 Ländern aus. Auch HIV-Aufklärung sollen die Fahrer dort erhalten.
"Jeder Lkw-Fahrer in Afrika soll eine solche Karte in die Hand bekommen", sagte Paul Matthew von der North Star Alliance Stiftung, die das Projekt ins Leben gerufen hat und auch die Behandlungsstationen entlang der vier großen Handelsrouten des Kontinents sowie an etlichen Grenzübergängen eingerichtet hat.
HIV-Verbreitung verläuft entlang großer Verkehrsrouten
Erstellt wurden die Karten von der britischen Firma Maplecroft, die auf die weltweite Kartifizierung von Risiken spezialisiert ist, etwa auch bezüglich Klimawandel, Korruption oder Menschenrechtsverletzungen. "Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Verbreitung von HIV grundsätzlich entlang der großen Verkehrsrouten verläuft", sagte ein Maplecroft-Sprecher.
Shell finanziert Projekt
Finanziert wird das Projekt vom Energiekonzern Royal Dutch Shell. Das Unternehmen habe ein Interesse an der Gesundheit der Lkw-Fahrer, weil diese unmittelbare Auswirkungen auf das Geschäft von Shell habe, sagte ein Sprecher.
In Afrika gibt es nach UN-Angaben 22,4 Millionen Aids-Patienten. Das sind zwei Drittel aller weltweit Infizierten.
Der
Standard vom 10. März 2010
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Elf Millionen HIV-Kranke ohne Medikamente
Derzeit befinden sich 4,7 Millionen HIV-Infizierte weltweit in Behandlung. Elf Millionen weitere Kranke haben jedoch keinen Zugang zu Medikamenten.
"Auftakt" für die Welt-Aids-Konferenz "AIDS 2010 - Rechte hier und jetzt" mit erwarteten rund 25.000 Teilnehmern in Wien (18. bis 23. Juli): Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in der Wiener UNO-City verwiesen die Organisatoren - unter ihnen die Präsidentin der Österreichischen Aids-Gesellschaft, Brigitte Schmied - sowohl auf die Fortschritte im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit als auch auf Defizite: Elf Millionen Kranke weltweit warten noch immer auf Zugang zur medikamentösen Therapie gegen HIV.
Michel Sidibé, Exekutivdirektor von UNAIDS: "Derzeit befinden sich 4,7 Mio. Menschen in Behandlung. Elf Millionen weitere von HIV Betroffene warten auf Zugang zu den Medikamenten. Vor fünf Jahren waren aber erst 400.000 Infizierte in Therapie. Wir konnten die Zahl der Behandelten verzehnfachen. So etwas hat noch kein anderes medizinisches Programm bisher geschafft." Statt ehemals weniger als fünf Mrd. US-Dollar (pro Jahr) stünden derzeit zur Bekämpfung von Aids bereits mehr als 16 Mrd. US-Dollar zur Verfügung.
7.000 Neuinfektionen pro Tag
Sidibé: "Aber wir haben pro Tag noch immer weltweit 7.000 Neuinfektionen mit HIV, in Südafrika allein sind es pro Tag 1.500. Wir haben noch immer pro Jahr rund 400.000 Babys, die mit HIV auf die Welt kommen." Dabei könnte man durch Behandlung der Schwangeren die Übertragungsrate fast auf Null senken.
Die Konferenz AIDS 2010 soll speziell auf die vulnerabelsten Bevölkerungsgruppen für die Ansteckung mit HIV und ihre Bedürfnisse Rücksicht nehmen: Drogenabhängige, die Suchtgift injizieren, Prostituierte und Männer mit homosexuellen Kontakten.
Antonio Mario Costa, Chef des in Wien ansässigen Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC): "Drogenkonsum nimmt eine wachsende Rolle in der Verbreitung von Aids ein. Es gibt weltweit rund drei Millionen infizierte Süchtige. In manchen Ländern sind 40 Prozent der injizierenden Drogenkonsumenten HIV-positiv. Weltweit werden pro iv. Drogenabhängigen zwei sterile Spritzen pro Monat ausgegeben. Jeder dieser Abhängigen braucht aber drei bis vier am Tag."
Die Wiener Lungenspezialistin und Präsidentin der Österreichischen Aids-Gesellschaft Brigitte Schmied betonte als nationale Vorsitzende von AIDS 2010 die strukturellen, sozialen und rechtlichen Hürden, die in der Welt einer effizienteren Bekämpfung von HIV und Aids entgegen stehen: "Mit Ende 2010 ist die ehemals vorgegebene Ziellinie für den Zugang jedes Betroffenen zu Prävention und Behandlung gegen Aids erreicht. Wir werden das bis Ende 2010 nicht erreicht haben. Aber wir müssen unsere Anstrengungen aufrecht erhalten."
Blick auf besonders betroffene Regionen
Drogenabhängige, Homosexuelle und Prostituierte seien in vielen Regionen der Erde am vulnerabelsten. Schmied: "Es ist bewiesen, dass man mit 'Harm Reduction' Programmen die Übertragung von HIV verringern kann. Die Konferenz wird die Möglichkeit dazu geben, den Blick auf besonders betroffene Regionen zu richten. In Osteuropa und in Zentralasien gibt es allein 1,5 Mio. Menschen mit HIV und Aids." Dort verbreite sich die Immunschwächekrankheit derzeit am rasantesten.
Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise sollte jedenfalls laut dem Präsidenten der Internationalen Aids-Gesellschaft, dem kanadischen Arzt Julio Montaner, keine "Ausrede" dafür sein, den Kampf gegen HIV zu vernachlässigen: "Wenn wir alle wissenschaftlichen Forschungen zu Aids heute stoppen und ab morgen 75 Prozent des bestehenden Wissens anwenden würden, wäre die Krankheit bald besiegt. Würden wir nur 50 Prozent unseres Wissens anwenden, könnten wir Aids zu 90 Prozent beseitigen. Aber wir wenden derzeit nur zehn Prozent unseres Wissens an."
Die mächtigsten Staaten der Erde wären übereingekommen, allen von HIV und Aids-Betroffenen mit dem Jahr 2010 Zugang zu Betreuung und Behandlung zu verschaffen. Montaner: "2010 - das ist jetzt. Manche Staaten, wie die Niederlande, Großbritannien und die USA haben ihre Versprechen eingehalten. Wenn andere sagen, dass das wegen der Finanzkrise nicht möglich sei, ist das nicht richtig. Das ist - pardon - 'bullshit'." Wenn wir nichts tun, werden wir Kriege und soziale Instabilität haben - zu einem Preis, den wir uns nicht leisten können." Für die Finanzkrise hätte man schon "Trillionen" aufgebracht.
Kleine
Zeitung vom 10. März 2010
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Frische HIV-Infektionen hochgradig an Neu-Infektionen beteiligt
Eine neue Studie zeigt erneut, dass frisch erworbene HIV-Infektionen zu einem bedeutenden Teil an HIV-Übertragungen beteiligt sind.
Forscher um Frederick Hecht untersuchten, welcher Zusammenhang zwischen der Viruslast einer neu mit HIV infizierten Person und der des übertragenden Partners besteht. Ein eindeutiger Zusammenhang, stellten sie fest: die Viruslast bei einer frischen HIV-Infektion wird bestimmt von der Viruslast des übertragenden Partners.
Die Forscher stellten in ihrer Studie etwas Weiteres fest: nahezu zwei Drittel der Teilnehmer, die HIV übertrugen, waren selbst erst kurze Zeit mit HIV infiziert.
Die Forscher hatten 24 HIV-Positive identifizieren können, die erst sehr kurze zeit mit HIV infiziert sind. Diese teilten freiwillig mit, von welcher Person sie möglicherweise HIV erworben haben könnten. Diese wiederum wurden auf freiwilliger Basis kontaktiert; so konnten insgesamt 23 “Quell-Individuen” identifiziert werden (einer hatte zwei Studienteilnehmer identifiziert). Die Übertragungen wurden mit phylogenetischen Untersuchungen bestätigt. Alle Teilnehmer waren schwule Männer.
Damit verstärken sich Hinweise, dass Menschen mit frischer HIV-Infektion zu einem bedeutenden Teil an HIV-Neu-Infektionen beteiligt sind. Unterschiedlichen Studien gehen davon aus, dass die Hälfte bis zwei Drittel aller Neu-Infektionen mit HIV erfolgen im Kontakt mit Menschen, die selbst frisch mit HIV infiziert sind.
Bemerkenswerterweise berichten weder die Studie noch der Bericht auf aidsmap, wie mit dem Problem der durch das Studiendesign bedingten Dokumentation von potentiell straf- oder versicherungsrechtlich relevanten Fragen umgegangen wurde.
Weitere Informationen:
Hecht et al.: “HIV RNA level in
early infection is predicted by viral load in the transmission source”,
AIDS 24 (abstract)
aidsmap 08.03.2010: Viral
load in early HIV infection predicted by that of transmitting partner
aidsmap 26.03.2007: Primary
HIV infection responsible for half of all HIV transmission in Quebec.
ondamaris
vom 10. März 2010
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Münchner Aids-Tage: Visionen der Heilung
In einer Studie erhalten 40 HIV-Patienten über sieben Jahre eine Kombination aus fünf Medikamenten. Bedingungen für die Studienteilnahme waren ein Alter über 18 Jahre, keine AIDS-definierende Erkrankung, Zahl der CD4-Zellen über 200 pro Mikroliter und Zahl der Neutrophilen über 750 pro Mikroliter.
Die Fortschritte in der Therapie
der HIV-Infektion sind evident und erfreulich. Heute können wir neu
infizierten Patienten guten Gewissens in Aussicht stellen, dass die Infektion
keine wesentliche Einschränkung der Lebenszeit bedeuten muss. Allerdings
bringt die chronische HIV-Infektion und deren Therapie Einschränkungen
mit sich, und seien es „nur" das regelmäßige Einnehmen von Medikamenten
und regelmäßige ärztliche Kontrollen. Es besteht kein Zweifel,
dass weder Patienten noch Ärzte mit dieser Situation auf Dauer zufrieden
sein können. Unser Ziel ist höher und weiter: Wir wollen auf
„Sieg" spielen und für eine Heilung der Krankheit HIV-Infektion kämpfen.
Verschiedene Ansätze sind hierfür
theoretisch denkbar:
Therapeutische Impfung
Durch die Variation der natürlichen
Immunität gegen HIV haben wir über immunologische Forschungsstrategien
viel erfahren, welche Mechanismen und Funktionen dazu führen, dass
HIV vom körpereigenen Immunsystem gut kontrolliert werden kann. Es
gibt einige (wenige) HIV-infizierte Menschen, deren Immunsystem HIV so
gut kontrolliert, dass die Viruslast sogar ohne Therapie unter der Nachweisgrenze
bleibt oder im Bereich von wenigen Tausend bleibt. Durch die genaue Analyse
derjenigen Eigenschaften des Immunsystems, die mit diesem Phänomen
korreliert sind, können Bestandteile von HIV identifiziert werden,
die ein geeigneter Impfstoff enthalten muss, um in diese Richtung erfolgreich
zu sein. Dazu können neben den strukturellen Bauteilen von HIV (Strukturproteinen)
auch regulatorische Elemente von HIV gehören. Unter anderen gehört
dazu auch die therapeutische Impfung mit einem Impfkonstrukt, das das regulatorische
Element NEF beinhaltet. Eine Studie dazu wird im Jahr 2010 in München
beginnen.
Rekombinasen
2007 ist es in Deutschland gelungen,
Erbmaterial, das HIV über provirale DNA in menschliche Zellkerne eingeschleust
hat, wieder zu entfernen. Damit wurde erstmals eine infizierte Zelle von
dem Virus befreit. Hier kann allerdings nach wie vor nur auf Experimente
verwiesen werden und es muss sich zeigen, ob daraus eine am Menschen anwendbare
Therapie entwickelt werden kann. Experten warnen vor zu viel Optimismus:
Die Versuchsergebnisse lassen sich nicht einfach auf den Menschen übertragen.
Rekombinase-Versuche sind bislang nicht mit HIV-1 B durchgeführt worden.
Ein nächster Schritt wird darin bestehen, Rekombinasen zu entwickeln,
die auch beim am weitesten verbreiteten HIV- Typ wirksam sind. Auf Tierversuche
mit Mäusen werden erst Patientenstudien folgen können.
Die Wirkung der Rekombinasen wird verglichen mit der Arbeit von Scheren: sie durchschneiden den DNA-Strang an bestimmten Stellen und setzen ihn neu zusammen. Eine Rekombinase erkennt dabei jeweils eine Abfolge in den Bausteinen der DNA - und setzt genau dort an. Die Erbsubstanz des HI-Virus ist an ihrem beiden Enden von zwei identischen, genau bekannten Sequenzen eingegrenzt, die sich auch bei Mutationen kaum verändern.
New Era Studie
Diese Studie dient dazu der Elimination
des HI-Virus und damit der Heilung ein Stückchen näher zu rücken.
Hierzu wird für jeden Patienten eine antiretrovirale Therapie gewählt,
die aus fünf in der HIV-Therapie zugelassenen Substanzen besteht.
Die Therapie aller Patienten enthält auch die relativ neu zugelassenen
HIV-Medikamente Maraviroc (Handelsname Celsentri) und Raltegravir (Handelsname
Isentress). Maraviroc verhindert den Eintritt des Virus in die Zellen des
Immunsystems und Raltegravir verhindert, dass die virale Erbsubstanz in
das menschliche Genom eingebaut wird, nachdem das HI-Virus bereits in die
Zelle eingedrungen ist, denn in der Zeitspanne zwischen der HIV-Diagnose
und dem Beginn der HIV-Behandlung hatte das Virus bereits Zeit sich in
einigen Zellen auszubreiten.
Ziel der Studie ist es, die Zahl von latent infizierten „ruhenden" Zellen so stark zu reduzieren, dass nach Jahren möglicherweise die Therapie beendet werden kann, ohne dass das Virus wieder in Erscheinung tritt. In den von dem HI-Virus befallenen Zellen kann sich das Virus erst einmal festsetzen und für unbestimmte Zeit in einer so genannten „Ruhestellung" verharren. Diese Virus-Reservoire können sich in unterschiedlichen Zellen im Körper bilden und waren mit der herkömmlichen HIV-Therapie kaum erreichbar.
Ausblick
Neben den hier aufgeführten
Beispielen wird es auch andere Möglichkeiten geben, einer Heilung
näher zu kommen: neue innovative Substanzen der HIV-Therapie, neue
Kombinationen und Strategien und viele „kleine" Schritte lenken uns nach
vorn. Nicht aber sollten wir erwarten, dass es auf einen Schlag, von einem
Tag auf den anderen so weit sein wird, dass eine „Heilung" verkündet
werden kann. Aber lassen wir uns nicht von der Hoffnung auf eine Heilung
abbringen!
Prof. Dr. Johannes R. Bogner
13.
Münchner AIDS-Tage - Pressemeldung vom 5. März 2010
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HIV versteckt sich im Knochenmark
London - Bestimmte Formen von HI-Viren können sich im Knochenmark einnisten und dort unbeschadet die Behandlung mit Medikamenten überstehen. Das haben US-Forscher bei der Untersuchung von Gewebeproben von HIV-Patienten entdeckt. Damit wäre das Knochenmark ein möglicher Ausgangspunkt für eine erneute Ausbreitung der Viren im Körper, wenn die Medikamente abgesetzt würden, auf die HIV-Infizierte derzeit noch lebenslang angewiesen sind. Bis jetzt war eine Resistenz des Knochenmarkes gegenüber den HI-Viren vermutet worden. Die Entdeckung offenbare einen weiteren Grund, wieso das HI-Virus so schwierig zu bekämpfen sei und könne bedeutend für die Entwicklung wirkungsvollerer Medikamente sein, berichten Kathleen Collins und ihre Kollegen von der University of Michigan in Ann Arbor im Fachmagazin «Nature Medicine» (Onlineveröffentlichung, doi:10.1038/nm.2109).
Die Forscher untersuchten Gewebeproben aus dem Knochenmark von HIV-Patienten, die zuvor mehr als sechs Monate antivirale Medikamente eingenommen hatten. In diesen Proben stellten sie Erbgut von HI-Viren fest, die sich in Blut bildenden Knochenmarkzellen eingenistet und dort den Medikamenteneinsatz überdauert hatten. Solche so genannten latent infizierten Zellen, die sich in diesem speziellen Stadium nicht vermehren und daher nicht erkannt und bekämpft werden können, wurden unter anderem bereits in Augen, Hoden und im Gehirn entdeckt. Diese Zellen sind oft besonders langlebig und bieten so dem Virus einen sicheren Rückzugsort. Somit kann es sich nach Absetzen der Medikamente erneut vermehren und im Körper verbreiten.
«Um AIDS endlich heilen zu können, müssen wir Behandlungen entwickeln, die auf diese latent infizierten Zellen abzielen», erklärt Kathleen Collins. Dann sei eine Therapie denkbar, die «nur» über einige Monate oder Jahre gehen könnte und die die lebenslange Medikamenteneinnahme überflüssig machen würde.
Für große Hoffnungen ist es aber vermutlich noch zu früh: Regelmäßig werden nämlich Fortschritte im Kampf gegen die Krankheit gemeldet. Weil das HI-Virus aber extrem wandelbar ist und ständig mutiert, blieb der entscheidende Durchbruch bis jetzt aus und Schutz vor der Ansteckung ist immer noch das A und O. Obwohl die HIV- und AIDS-Forschung in den letzten Jahren wichtige Fortschritte erzielt hat, ist die Krankheit bis heute nicht vollständig verstanden und nach wie vor unheilbar. Menschen, die mit dem AIDS verursachenden HI-Virus infiziert sind, müssen lebenslang antivirale Medikamente einnehmen. Diese dämmen die Infektion ein, ohne aber das Virus vollständig auszurotten. Werden die Medikamente abgesetzt, so kann sich das Virus wieder ungehindert ausbreiten. «Weltweit haben allerdings nur 40 Prozent der HIV-Infizierten regelmäßigen Zugang zu den lebenserhaltenden Medikamenten», berichtet Collins.
Yahoo
News vom 7. März 2010
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T-Zellzählung nutzlos bei der Prognose einer AIDS-Manifestation
Ho Chi Minh City – Die Rate des CD4-T-Zell-Niedergangs kann bei der Prognose der klinischen Manifestation einer AIDS-Erkrankung nicht helfen. Jedoch ist sie ein Anhaltspunkt für den Beginn einer antiretroviralen Therapie.
Zu diesen Erkenntnissen gelangten Forscher um Marcel Wolbers von der Oxford University Clinical Research Unit. Sie publizierten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift PLoS Medicine (doi:10.1371/journal.pmed.1000239).
Wolbers und seine Kollegen analysierten Daten von mehreren tausend Kohorte-Studienteilnehmern mit dem humanen Immundefizienzvirus (HIV). Sie fanden heraus, dass eine sinkende Anzahl von CD4-Zellen im Blut die Vorhersagegenauigkeit des Zeitpunkts an dem sich die HIV-Erkrankung klinisch manifestiert nicht verbessert. Dies sei zumindest bei den Patienten mit einer CD4 Zellzahl über 350 Zellen pro Mikroliter der Fall.
Die Wissenschaftler stellten fest, dass „die Ergebnisse dieser Studie stark darauf hinweisen, dass Kenntnisse der gegenwärtigen CD4-Zellzahl und eine Bewertung anderer bestehender Risikofaktoren für das Fortschreiten der AIDS-Krankheit ausreichen, eine kombinierte antiretrovirale Therapie bereits bei symptomfreien HIV-positiven Patienten zu beginnen.“
Ärzte
Zeitung vom 7. März 2010
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USA plant AIDS-Test für jeden Erwachsenen
In den USA breitet sich das HI-Virus aus - Mehr Tests nötig
Washington - Amerikanische Behörden bereiten eine neue Strategie im Kampf gegen Aids vor: Fast jeder Erwachsene soll künftig regelmäßig auf das HI-Virus getestet werden. Ist er positiv, bekommt er sofort mehrere starke Dosen antiviraler Arzneien. Die Strategie wurde in einem anderen Land bereits erfolgreich erprobt. "Es ist momentan die beste Möglichkeit, die Verbreitung des Virus wenigstens zu bremsen", erklärte Brian Williams, Epidemiologe vom South African Center of Epidemiological Modeling and Analysis am Wochenende auf der internationalen Wissenschaftskonferenz AAAS in San Diego. Das Ziel der Kampagne ist: Neue Infektionsfälle so früh wie möglich auszumachen - und zu verhindern, dass die Betroffenen weitere Personen mit HIV anstecken. Anfangs sei die Virenlast zwar noch nicht besonders hoch, aber wenn man früh einschreite, könne die Zahl der Erreger im Blut der Patienten sehr rasch dramatisch gesenkt werden - und damit auch die Ansteckungsgefahr, die von den Betroffenen ausgehe. Weltweit sind etwa 40 Millionen Menschen mit HIV infiziert, in den USA sollen rund 1,1 Millionen Betroffene leben.
In den USA wird die neue Aids-Strategie zunächst drei Jahre lang in Washington und New York erprobt - in der Bronx und in Columbia, diese beiden Stadtteile New Yorks sind USA-weit am stärksten mit Aids durchseucht. Etwa fünf Prozent der Stadtteil-Bewohner seien mit HIV infiziert, sagte Anthony S. Fauci, Direktor des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten der New York Times, eine Rate, die in etwa der in West-Afrika entspräche. Die Menschen von der Straße zu einem Aids-Test zu bewegen, sei vermutlich der härteste Teil des Projektes, sagte Fauci. Obwohl die Ärzte für alle 13- bis 64-Jährigen Aids-Tests anböten, lehnten die meisten Menschen ab.
Die Antivirus-Arzneien sind momentan die beste Waffe im Kampf gegen Aids. Früh eingenommen, könnten sie die Zahl der Erreger auf ein Zehntausendstel jener Rate senken, die sich normalerweise zu diesem Zeitpunkt im Blut der Betroffenen findet. Solch ein Einschnitt könne helfen, die Infektionskette zu durchbrechen, sagte Williams. Das Virus verbreite sich auch deshalb so erfolgreich, weil viele Menschen nicht wüssten, dass sie infiziert seien. "In den USA ahnt schätzungsweise jeder Vierte nichts von seiner Krankheit", sagte Kenneth Hugh Mayer von der Brown Universität in Providence. "Diese Menschen können hochinfektiös sein und ahnungslos viele Personen anstecken."
Gesundheit
News vom 23. Februar 2010
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FDA: EKG Risiken unter HIV-Kombination
Washington – Die US-Arzneibehörde FDA hat eine Sicherheitsprüfung des Protease-Inhibitors Saquinavir (Invirase®) eingeleitet. Anlass sind Berichte über eine Verlängerung des QT-Intervalls und des PR-Intervalls im EKG, zu denen es unter der kombinierten Therapie von Saquinavir (Invirase) mit Ritonavir (Norvir®) gekommen ist.
Ein verlängertes QT-Interval birgt die Gefahr von Torsades de pointes, einer schweren ventrikulären Herzrhythmusstörung, die schnell zum Ausgangspunkt eines Kammerflimmerns werden kann. Verlängerungen des PR-Intervals können zu einem Herzschenkelblock führen. Klinische Folge ist eine Bradykardie.
Wie groß die Gefahr tatsächlich ist, versucht die FDA derzeit in einer Risikobewertung zu ermitteln. Sie rät den Ärzten, das Risiko im Hinterkopf zu behalten und die beiden Medikamente nicht mit anderen Mitteln zu kombinieren, von denen eine Veränderung des QT-Intervalls bekannt ist.
Dazu gehören Antiarhythmika der Klasse IA (wie Chinidin) oder der Klasse III (wie Amiodaron). Patienten mit einer bekannten QT-Verlängerung sollten nicht mit den beiden Wirkstoffen behandelt werden.
Deutsches
Ärzteblatt vom 24. Februar 2010
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Basler Forscher schlagen Änderung der Behandlungsrichtlinien vor
Wie rasch sich das Immunsystem eines HIV-Patienten verschlechtert, ist nicht entscheidend für die Krankheitsprognose. Das zeigt eine Studie unter der Leitung von Basler Forschern. Die Erkenntnis könnte zur Änderung bisheriger Behandlungsrichtlinien führen.
HIV schwächt das menschliche Immunsystem kontinuierlich. Das Virus zerstört unter anderem systematisch einen Typ von Abwehrzellen namens CD4-Helferzellen. Normalerweise beginnen Ärzte Patienten erst mit einem Medikamenten-Cocktail zu behandeln, wenn die Zahl dieser Zellen im Blut unter einen bestimmten Wert gefallen ist.
Die meisten internationalen Behandlungsrichtlinien empfehlen heute einen Therapiebeginn bei 350 CD4-Zellen pro Mikroliter. Viele Richtlinien ziehen zusätzlich in Betracht, wie rasch sich das Immunsystem verschlechtert. Sie raten den Ärzten, bei einem raschen Abfall der CD4-Zellzahl schon früher mit der Behandlung zu beginnen.
Sterberisiko nicht erhöht
Eine internationale Studie unter
der Leitung von Forschern der Universität und des Universitätsspitals
Basel zeigt nun aber, dass der Therapie-Entscheid nicht vom Tempo der Immunverschlechterung
abhängig gemacht werden sollte. Sie fand keinen Unterschied im Krankheitsverlauf
zwischen Patienten mit raschem und langsamem CD4-Zell-Abfall.
Das Team um Marcel Wolbers und Heiner Bucher vom Basler Unispital untersuchte die Daten von 2.820 Patienten aus Europa, Amerika und Australien. Weil bei diesen Patienten der Zeitpunkt der Ansteckung mit HIV bekannt war, konnte gemessen werden, wie rasch sich ihr Immunsystem bis zum Beginn der Behandlung verschlechtert hatte.
Laut den Forschern variiert das Tempo der Immunverschlechterung zwischen den Patienten enorm und ist nicht vorhersagbar. Bei Menschen mit rascher Abnahme der Zahl der Helferzellen brach die Immunschwächekrankheit Aids nicht häufiger aus als bei Menschen mit langsamer Abnahme - und ihr Sterberisiko war auch nicht erhöht.
Regelmäßige Kontrolle
Die im Fachmagazin "PLoS Medicine"
publizierte Studie zeigte auch, dass sich die Abnahmerate beim einzelnen
Patienten im Verlauf der Jahre stark verändern kann. Misst ein Arzt
sie zu einem bestimmten Zeitpunkt, kann er also nicht auf den weiteren
Verlauf schließen - entscheidend für den Therapieentscheid ist
einzig die aktuelle CD4-Zellzahl.
Dass die Abnahmerate nicht vorhergesagt werden kann, hat laut den Forschern eine weitere Konsequenz: Die Zahl der CD4-Zellen bei HIV-Positiven muss regelmäßig - mindestens alle sechs Monate - gemessen werden. Nur so ist gewährleistet, dass der Schwellenwert nicht verpasst wird, bei dem die medikamentöse Therapie beginnen muss.
Weltweit sind rund 30 Millionen Menschen mit HIV infiziert. Die Krankheit kann nicht geheilt werden. Hoch wirksame Medikamente erlauben es aber heute, das HI-Virus unter Kontrolle zu halten. HIV ist so von einer tödlichen Infektionskrankheit zu einer behandelbaren chronischen Krankheit geworden.
Originalbeitrag: Marcel Wolbers, Abdel Babiker, Caroline Sabin, Jim Young, Maria Dorrucci, Geneviève Chêne, Cristina Mussini, Kholoud Porter, Heiner C. Bucher, on behalf of the CASCADE Collaboration: Pretreatment CD4 Cell Slope and Progression to AIDS or Death in HIV-Infected Patients Initiating Antiretroviral Therapy--The CASCADE Collaboration: A Collaboration of 23 Cohort Studies
Link: PLoS Medicine, 22th February 2010
Universität
Basel vom 24. Februar 2010
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CROI: Vergleich verschiedener HIV-Therapieoptionen
Therapieoptionen zeigen bei niedriger Viruslast Effektivitätsäquivalenz.
Auch wenn zahlreiche Therapieoptionen für HIV-infizierte therapienaive Patienten zur Verfügung stehen, konnte sich noch kein optimales Therapieregime etablieren. Die AIDS Clinical Trial Group (ACTG) hat bereits mehrere Studien durchgeführt, um verfügbare HIV-Therapie-Optionen zu untersuchen und miteinander zu vergleichen. Aktuelle Studiendaten der Studie 5202 der ACTG wurden am 17. Februar 2010 im Rahmen des wissenschaftlichen Programms der 17th Conference of Retroviruses and Opportunistic Infections (CROI) in San Francisco präsentiert.
In der randomisierten Äquivalenzstudie erhielten die Patienten (n=1857) verblindet entweder Abacavir/Lamivudin (ABC/3TC) oder Tenofovir/Emtricitabin (TDF/FTC) oder Atazanavir/Ritonavir (ATV/r). Das Data Safety Monitoring Board empfahl bei den Patienten mit hoher Viruslast eine Entblindung, da die Zeit bis zum VF unter ABC/3TC kürzer ist als unter TDF/FTC.
Die Randomisierung wurde stratifiziert nach Höhe der Viruslast (VL < versus ? 105 copies/mL). Primäre Endpunkte waren Wirksamkeit, Zeit bis zum bestätigten Virologic failure (VF), VL ?1000 Kopien/ml bei Woche 16-24 oder ?200 Kopien/ml in oder nach Woche 24, Sicherheit, Zeit bis zum Auftreten von Grad 3/4-Symptomen, Toleranz, Zeit bis zum Wechsel des Regimens. 83% der Patienten waren Männer, 33% Farbige, 23% Lateinamerikaner, im median 38 Jahre alt, VL 4,7 log10 Kopien/ml, CD4 230 Zellen/Mikroliter. Der Follow-up betrug 138 Wochen. Der Vergleich der NRTIs in der Gruppe der Patienten mit niedriger Viruslast fiel gleich aus in Bezug auf die Effektivität. In Bezug auf Sicherheit und Tolerabilität gab es unter den einzelnen Substanzen jedoch signifikante Unterschiede (siehe Tabelle).
Abstract: ACTG 5202: Final Results of ABC/3TC or TDF/FTC with either EFV or ATV/r in Treatment-naive HIV-infected Patients - Eric Daar, C Tierney, M Fischl
Quelle: BMS
Journalmed
vom 23. Februar 2010
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Hepatitis C: Gen verhindert Anämie
Durham – Eine durch Ribavirin induzierte Anämie könnte künftig vorhersehbar sein. Eine genomweite Assoziationsstudie bringt die häufige Komplikation in der Therapie der Hepatitis C in Nature (2010; doi: 10.1038/nature08825) mit Varianten im Gen für das Enzym Inosin-Triphosphatase (ITPA) in Verbindung.
Etwa 30 bis 40 Prozent aller Patienten entwickeln während der Behandlung der Hepatitis C, die heute mit einer Kombination aus einem (pegylierten) Interferon plus Ribavirin erfolgt, eine hämolytische Anämie. Bei etwa 15 Prozent muss deshalb sogar die Ribavirin-Dosis reduziert werden, was den Therapieerfolg beeinträchtigen kann.
In der IDEAL-Studie, die die Wirkung zweier Interferone jeweils in Kombination mit Ribavirin an 1.286 Patienten verglich, war diese Komplikation an Genvarianten auf dem Chromosom 20 gebunden, die David Goldstein von der Duke Universität in Durham/North Carolina jetzt im Gen für das Enzym ITPA fand.
ITPA ist ein wichtiges Enzym in der Purinsynthese, dem Ausgangsmaterial der DNA. Wieso die Varianten die Patienten vor einer Anämie schützten, ist unbekannt. Ribavirin ist ein Nukleosid-Analogon und damit mit den DNA-Bausteinen verwandt. Möglicherweise besteht hier eine pathogenetische Verbindung zur Anämieentwicklung. Die gefundenen Genvarianten waren in früheren Studien mit einem Enzyms ITPA-Mangel assoziiert.
Deutsches
Ärzteblatt vom 22. Februar 2010
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Antiretrovirale Therapie kann Aids Ausbreitung in fünf Jahren stoppen
Südafrika: Behandlung für Infizierte kostet sechs Milliarden / Forscher: Ausbreitung von Aids mit antiretroviraler Therapie stoppen
Stellenbosch - Antiretrovirale Medikamente und allgemeine Tests könnten die Ausbreitung von Aids in Südafrika innerhalb von fünf Jahren stoppen. Davon ist der HIV-Experte Brian Williams überzeugt. Die Kosten für Medikamente für die fast sechs Mio. HIV-positiven Patienten des Landes würden sich auf zwei bis drei Mrd. Dollar pro Jahr belaufen. Heute bekommen laut Williams nur 30 Prozent die lebensrettenden Medikamente. Früherkennung und Behandlung würden auch die Übertragung verhindern.
Diese Maßnahmen sollten ergänzend zu der Suche nach einem Impfstoff durchgeführt werden. Mit einem wirksamen Impfstoff sei in nächster Zukunft nicht zu rechnen. Williams, Mitarbeiter des South African Centre for Epidemiological Modelling and Analysis (Sacema), präsentierte seine Vorschläge auf der Jahreshauptversammlung der American Association for the Advancement of Science (AAAS) in San Diego.
30 Mio. Menschen weltweit infiziert
Williams berichtete, dass derzeit weltweit rund 30 Mio. Menschen mit HIV infiziert sind, rund zwei Mio. sterben jedes Jahr. Die Tragödie bestehe darin, dass sich die Krankheit unvermindert ausbreite. Der einzige Erfolg bestehe derzeit in der Entwicklung von hochwirksamen Medikamenten. "Sie ermöglichen es den Patienten weiterzuleben und verringern die Viruslast um das bis zu 2.000-fache. So werden die Betroffenen fast nicht ansteckend."
Die rasche Erhöhung der Verschreibung einer antiretrovirale Therapie (ART) habe in den letzten Jahren die Erwartungen übertroffen. Sie habe jedoch die HIV-Übertragung und die damit in Zusammenhang stehenden Tuberkulose-Erkrankungen nicht verringert, da sie erst zu spät verabreicht wurden.
Williams argumentierte laut BBC, dass die Betroffenen zu Beginn der ART bereits alle jene angesteckt hätten, die sie ohnehin infiziert hätten. Die Medikamente seien eingesetzt worden, um Leben zu retten, aber nicht um die Infektion zu stoppen. Es sei Zeit, darüber hinaus zu gehen. Würden klinische Studien jetzt beginnen, könnten alle HIV-positiven Südafrikaner innerhalb von fünf Jahren mit antiretroviralen Medikamenten behandelt werden.
Erste Studien begonnen
Erste Studien würden derzeit in Amerika, Kanada und afrikanischen Ländern südlich der Sahara beginnen. Er hoffe, in ein bis zwei Jahren über entsprechende Informationen verfügen zu können. Das National Institute of Allergy and Infectious Diseases http://www3.niaid.nih.gov plant eine Studie in New York und Washington, in jenen Bezirken, die über eine ähnliche Infektionsrate haben wie bei den Epidemien in Afrika.
Pressetext
Austria vom 22. Februar 2010
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Neue Methode zur Messung von Protein Interaktionen in lebenden Zellen
Wie lassen sich direkte Wechselwirkungen zweier Proteine in einer lebenden Zelle verlässlich untersuchen? Wissenschaftler vom Heinrich-Pette-Institut (HPI) in Hamburg entwickelten jetzt eine Methode, die Protein-Interaktionen in lebenden Säugetierzellen schnell, quantitativ und hoch reproduzierbar erkennt. Eine Innovation, die für Biochemiker, Biologen und Mediziner, die die Funktion von zellulären, viralen oder anderen Proteinen in intakten lebenden Zellen untersuchen, höchst interessant sein dürfte. Die Forscher beschreiben ihre Methode jetzt im online-Fachmagazin PLoS One (Banning et al, doi:10.1371/journal.pone.0009344).
Bisher war es schwierig und äußerst zeitaufwändig Protein-Interaktionen in lebenden Zellen zu untersuchen. Dies geschieht beispielsweise mit Hilfe der etablierten FRET-Analyse (Försters Fluoreszenz-Resonanzenergietransfer-Analyse), bei der einzelne Zellen unter dem Fluoreszenz-Mikroskop ausgewertet werden. „Das ist statistisch wenig aussagekräftig und somit fehleranfällig“, bringt Carina Banning vom Heinrich-Pette-Institut die bisherigen Probleme auf den Punkt. Dennoch ist diese FRET-Methode elegant, denn mit ihr kann in vitalen Zellen untersucht werden, ob zwei bestimmte Proteine miteinander in direktem Kontakt stehen. „Das ist möglich, weil beide Proteine zuvor mit bestimmten Farbstoffen markiert wurden und diese Farbstoffe Licht einer spezifischen Wellenlänge abgeben, sobald die Proteinpartner in enge räumliche Nähe zueinander kommen“, erläutert Banning.
Dem Team um Michael Schindler und Carina Banning gelang es nun, die FRET-Analyse mit einer Methode zu kombinieren, die es erlaubt tausende lebender Zellen innerhalb weniger Minuten zu analysieren. „Wir verwenden dafür nicht mehr das bisher übliche Fluoreszenz-Mikroskop, sondern wir schicken die manipulierten Zellen durch ein Durchflusszytometer, ein so genanntes FACS-Gerät“, erläutert Schindler, der Leiter dieser Studie. Mit dieser FACS/FRET-Methode seien erstmals verlässliche, gut reproduzierbare statistische Aussagen über die Interaktion zweier Proteine in lebenden Zellen möglich, so Schindler. Das funktioniere im Zellkern genauso wie in anderen Teilen einer Zelle, zum Beispiel an der Membran oder im Zytoplasma. Die Forscher wollen diese Methode jetzt nutzen, um neue zelluläre Proteine zu entdecken, die mit dem AIDS-Erreger HIV-1 oder anderen humanpathogenen Viren wechselwirken.
Publikation: A flow cytometry-based FRET assay to identify and analyse protein-protein interactions in living cells. Carina Banning, Jörg Votteler, Dirk Hoffmann, Herwig Koppensteiner, Martin Warmer, Rudolph Reimer, Frank Kirchhoff, Ulrich Schubert, Joachim Hauber and Michael Schindler. PLoS ONE, publ. 22. Februar 2010
Heinrich-Pette-Institut
- Pressemeldung vom 22. Februar 2010
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