![]() |
|
|
|
|
| Inhaltsverzeichnis |
Vorbemerkung
Impressum
Sponsoren
Frauenrechte
sind Voraussetzung für erfolgreiche HIV-Prävention
Frühzeitige
HIV Therapie als Herzinfarktprophylaxe?
Welt-Aids-Konferenz
mit positiven Botschaften
Aids-Kranke
und HIV-Infizierte können auf mehr staatliche Hilfe hoffen
Frühe
HIV Diagnose senkt Kosten
Welt
Aids Konferenz Wien 2010 – Übersicht Artikel
Resistenzbrechender
HIV Wirkstoff AIC292 in Phase I
Protein
schützt vor HIV
EU-Forscher
erschaffen virtuelles Labor für die HIV-Behandlung
Adherence
Support – Was funktioniert im klinischen Alltag?
UNO
gründet Kommission gegen Diskriminierung wegen Aids
Tag
des HIV-Tests in den USA
Sorglosigkeit?
Fehlanzeige
Analkarzinome:
HIV-positive Männer sollten zur Früherkennung gehen
HIV
RNA im Sperma bei unterdrückter Viruslast im Blut unter HAART
Raltegravir
für die Firstline-Therapie empfohlen
Nachweisbare
HIV RNA im Liquor unter LPV/r Monotherapie
Stillen
trotz HIV-Infektion - Infektionsgefahr gebannt
HIV in
den USA
Neue
Erfolge bei Aids mit Gentherapie
HIV-Kohorte:
Datenschutz bei Weiterführung gewährleistet?
Geplante
Schließung eines Pharma-Standorts
Kognitive
Störungen durch HIV – eine versteckte Epidemie?
HPV
nicht nur für Tumore im Genitaltrakt verantwortlich
UNAIDS
und UNDP unterstützen EKAF Statement und Viruslast-Methode
HIV/Aids
in Deutschland 2009 – HIV-Neudiagnosen stabil
Diskussion:
Gleitmittel erhöht Transmissionsrisiko?
Zinksubstitution
für HIV Patienten?
Kondom-Pflicht
im Bordell?
Wie
stabil ist das Hepatitis C Virus?
Antiretrovirale
Therapie kann Risiko einer HIV-Übertragung deutlich senken
Der
genetische Schlüssel zur besseren Therapie
Gleitmittel
beim Analsex erhöht HIV Ansteckungsrisiko
Telaprevir:
deutliche Therapieverbesserung bei Hepatitis C?
HIV-Patienten
besser versorgen - Kooperation mit Südafrika
Erfahrungen
von Jugendlichen mit HIV
Keine
Immunglobuline bei Aids und MS
Ausrottung
der Pocken fördert HIV-Verbreitung
Verwendung
von Kondomen soll unter Prostituierten verbreitet werden
Neuropsychologische
Tests und HIV Therapie - Ein paradoxes Studienresultat?
Zink
lässt CD4 Zellen steigen
Raltegravir
kassenzulässig in allen Indikationen
Mütter
und Neugeborene vor AIDS schützen
Washington
gibt Marihuana für medizinische Behandlung frei
Spritzenabgabe
hilft nicht nur Drogensüchtigen
Die HIV AIDS Infos sind eine Zusammenstellung
aus Internetquellen, Mail- und Newsgroups und erstreckt sich jeweils über
einen Zeitraum von ca. drei bis vier Monaten. Die einzelnen Artikel sind
mit einem Link auf die Orginalartikel versehen und chronologisch geordnet.
Es wird auf diese Weise schnell
über neue Entwicklungen und Änderungen in den Bereichen Epidemiologie,
medizinischer Behandlung, ambulanter Pflege und psychosozialer Beratung
bei HIV-Infektion und AIDS-Erkrankung informiert. Die HIV AIDS Infos erscheinen
in regelmäßigen Abständen und informieren interdisziplinär
über Änderungen und Neuerungen auf dem Gebiet von HIV und AIDS.
Frauenrechte sind Voraussetzung für erfolgreiche HIV-Prävention
Soziale und ökonomische Benachteiligung sowie Gewalt sind Faktoren, die zu einer besonderen HIV-Gefährdung von Frauen führen. Nach Angaben von UNAIDS ist HIV die Hauptursache für Krankheit und Tod bei Frauen zwischen 15 und 49 Jahren. In Afrika südlich der Sahara sind 60 Prozent der Menschen mit HIV weiblich. Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist einer der Gründe für diese globale Entwicklung: Bis zu 70 Prozent der Frauen machen im Laufe ihres Lebens Erfahrungen mit Gewalt, in Südafrika wird jede Minute eine Frau vergewaltigt.
Frauen, die Angst vor Gewalt haben oder diese bereits erleben, haben keine Möglichkeit, geschützten Geschlechtsverkehr einzufordern, sie nehmen HIV-Tests weniger in Anspruch, verheimlichen oft ihre Infektion und haben daher meist auch keinen Zugang zu Behandlung. Eine weitere Ursache für die hohe Gefährdung von Frauen ist die Benachteiligung etwa im Zugang zu Bildung, zum Arbeitsmarkt und zum Gesundheitssystem. Frauen sorgen in der Regel für die Kinder und haben daher geringere Chancen auf Berufstätigkeit und eigene Einkünfte. Weltweit haben nur 38 Prozent der jungen Frauen korrekte und umfassende Informationen über HIV/AIDS.
Von den 110 Millionen Kindern, die keine Schule besuchen, sind zwei Drittel Mädchen. "Die Stärkung von Frauenrechten weltweit ist eine grundlegende Voraussetzung für die erfolgreiche Bekämpfung von HIV", betont Dr. Ulrich Heide, geschäftsführender Vorstand der Deutschen AIDS-Stiftung. "Die Regierungen der besonders betroffenen Länder, aber auch die internationale Staatengemeinschaft sind aufgefordert, sich gegen die Benachteiligung von Frauen einzusetzen, damit sie gleichberechtigten Zugang zu Aufklärung, Prävention und medizinischer Therapie erhalten.
"Um Frauen besonders für sie geeignete Präventionsmöglichkeiten zur Verfügung stellen zu können, müsse die Forschung an AIDS-Impfstoffen und Mikrobiziden verstärkt fortgesetzt werden. Pro Jahr kommen weltweit rund 400.000 Babys mit HIV auf die Welt. "Durch eine Behandlung könnte die Übertragungsrate fast auf Null gesenkt werden", so Heide. Die Stiftung fördert daher das DREAM-Programm der Gemeinschaft Sant`Egidio in Mosambik, das sich die Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung von HIV zum Ziel gesetzt hat. Über 98 Prozent der Babys werden dort HIV-negativ geboren. HIV-positive Frauen werden zu Activistas ausgebildet, die wiederum andere Frauen über HIV/AIDS aufklären. Außerdem unterstützt die Stiftung das Projekt HOPE Cape Town in Südafrika. Die HOPE-Gesundheitsarbeiterinnen arbeiten eng mit den Krankenhäusern zusammen, machen Hausbesuche und führen die wichtige Beratung und Unterstützung in den Familien fort.
Frauenärzte
im Netz – Pressemeldung vom 30. Juli 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Frühzeitige HIV Therapie als Herzinfarktprophylaxe?
von Dr. Bernhard Dennenmoser
Wir haben in den letzten Jahren sehr viel über die Zusammenhänge zwischen HIV-Infektion und Immunaktivierung gelernt. Neuere Studien scheinen den Kausal-Zusammenhang zu erhärten. Eine rechtzeitig eingesetzte HIV-Therapie senkt somit auch das Herzinfarkt-Risiko.
Ausgangssituation:
Risikofaktoren wie Hypertonie, Nikotinkonsum, Diabetes, Hyperlipidämie sind für das Auftreten von kardiovaskulären Ereignissen bekannt. Eine HIV-Infektion (SMART-Studie) und eine antiretrovirale Therapie (ART) (AIDS D:A:D, 2003) stellen ebenfalls ein Risiko für die Entwicklung einer kardiovaskulären Erkrankung (CVD) dar.
Die Untersuchung:
Eine US-amerikanische Multicenter-Studie ging der Frage nach ob außerdem eine niedrige CD4 Helferzellen-Zahl einen Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse darstellt.
Hierzu wurde auf die Daten der HIV Outpatient Study (HOPS) zurückgegriffen. Für den Zeitraum zwischen Januar 2001 und September 2009 wurden 2005 HIV- Patienten entsprechend ihrem 10 Jahres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse kategorisiert und beobachtet bis ein kardiovaskuläres Ereignis, der Tod, oder ein Kontaktabbruch eintraten. Ein möglicher Zusammenhang von CD4 Zell-Zahl und CVD wurde mittels Fall-Kontroll-Design untersucht.
Was wurde festgestellt:
Es zeigte sich, dass in der multivariaten Cox Analyse eine CD4 Zell-Zahl von < 350 /µl verglichen mit einer Anzahl von > 500 /µl mit häufigeren kardiovaskulären Ereignissen (HR 1,58; 95% Confidenzinterval: 1.09 - 2,30) assoziiert war. In der multivariaten Fall-Kontroll-Analyse konnten die bekannten traditionellen Risikofaktoren (Hypertonie, Hyperlipidämie, usw.) und die letzte CD 4 Zell-Zahl < 500 /µl als unabhängige Risikofaktoren identifiziert werden. Hingegen konnte kein Zusammen festgestellt werden zwischen kumulativer Dauer der ART oder bestimmten antiretroviralen Medikamenten (NNRTIs, NRTIs, PIs und Einzelsubstanzen).
Die Autoren folgern daraus, dass eine CD4 Zahl von < 500 /µl einen unabhängigen Risikofaktor für die Entwicklung einer kardiovaskulären Erkrankung darstellt, vergleichbar den traditionellen Risikofaktoren.
Kardiovaskuläre Erkrankungen bei HIV – schadet oder nützt ART?
Interessant an der vorliegenden Studie ist unter anderem der fehlende Nachweis einer direkten Auswirkung der ART auf die gemessenen Endpunkte. Eine Beeinflussung des kardiovaskulären Risikos durch Alteration des Lipidstoffwechsels oder durch direkte Wirkung der antiretroviralen Substanzen wird heutzutage vermutet. Eine Häufung kardiovaskulärer Ereignisse wäre somit unter ART zu erwarten. Demgegenüber steht die Annahme, dass HIV oder die chronisch entzündliche Immunantwort auf HIV, einen unabhängigen Risikofaktor für CVD darstellt. Beide Effekte heben sich möglicherweise auf im Hinblick auf das Auftreten der gemessenen Endpunkte.
Niedrige CD4 Zahl – hohes CVD-Risiko?
Passend hierzu scheint der vermutete Pathomechanismus die ahterosklerotische Plaque-Ruptur zu sein. Im Rahmen der chronischen Entzündung nach HIV Infektion können in atherosklerotischen Läsionen vermehrt aktivierte CD4 Zellen nachgewiesen werden. Dies ist vor allem der Fall bei einer fortgeschrittenen HIV Erkrankung mit reduzierter gesamt CD4 Zell-Zahl. Ein hohe Zahl von aktivierten CD4 Zellen (zusammen mit proinflammatorischen Zytokinen) destabilisiert Plaques und führt über eine Entzündungskaskade zur Ruptur. Somit erscheint die gezeigte Assoziation einer (niedrigen) CD 4 Zahl < 500 /µl mit einem erhöhtem kardiovaskulären Risiko pathophysiologisch plausibel.
Fazit:
Essentiell zur Vermeidung von CVD
ist weiterhin die Kontrolle der traditionellen Risikofaktoren. Zusätzlich
sollte die HIV Therapie aber frühzeitig (weniger chronische Entzündung)
und individuell auf das Risikoprofil der Patienten abgestimmt begonnen
werden. Eine niedrige CD4 Zahl spricht (da unabhängiger Risikofaktor
für CVD) für den zügigen Beginn einer ART.
In Zukunft sind aber weitere kontrollierte,
randomisierte Studien notwendig um nachzuweisen ob ein früherer Beginn
wirklich eine Reduktion von kardiovaskulären Ereignissen mit sich
bringt.
Quelle: Lichtenstein, CID 2010; 51(4):435–447
Infektiologie
St. Gallen vom 30. Juli 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Welt-Aids-Konferenz mit positiven Botschaften
Weniger Neuinfektionen bei Jugendlichen in den am stärksten von HIV/Aids betroffenen Ländern und Fortschritte bei der medizinischen Prävention: Die Wiener Welt-Aids-Konferenz brachte einige ermutigende Meldungen im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit.
Bei der 18. Welt-Aids-Konferenz, die vom 18. bis 23. Juli in Wien stattfand, konnten ermutigende Ergebnisse aus dem Bereich der Forschung vorgestellt werden: Die so genannte Caprisa-Studie belegt erstmals die Wirksamkeit antiretroviraler Mikrobizide bei der Aids-Prävention.
"Dieser Durchbruch bringt den Kampf gegen Aids endlich entscheidend voran", sagt Renate Bähr, Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW), die sich seit Jahren in der Aids-Prävention engagiert. Mikrobizide füllen eine wichtige Lücke. Denn gegenüber Kondomen bieten sie den Vorteil, dass Frauen die Präparate unabhängig von der Zustimmung des Mannes anwenden können. Das ist vor allem in Afrika südlich der Sahara von zentraler Bedeutung, denn dort sind Frauen, die die Verwendung von Kondomen oft nicht verhandeln können, einem weitaus größeren Infektionsrisiko ausgesetzt als Männer. Mikrobizide werden als Cremes oder Gels von Frauen vaginal angewendet und schützen sie dann für mehrere Stunden vor einer HIV-Infektion.
Caprisa-Studie belegt Wirksamkeit von Mikrobiziden
Bei der Caprisa 004-Studie wurde unter Federführung des Centre for the AIDS Programme of Research in South Africa (CAPRISA) ein Mikrobizid auf antiretroviraler Basis mit dem Wirkstoff Tenofovir getestet. An der im Mai 2007 gestarteten Untersuchung nahmen rund 900 Frauen in Südafrika teil. In der Studie infizierten sich dank der Anwendung des Mikrobizids 39 Prozent weniger Frauen mit HIV als in der Vergleichsgruppe, die ein Placebo erhielt.
Die positiven Ergebnisse der Caprisa-Studie zeigen die Notwendigkeit, weiter in die Erforschung von Mikrobiziden und anderen Präventionsmethoden wie Aids-Impfstoffen zu investieren. Produktentwicklungspartnerschaften wie die gemeinnützige International Partnership for Microbicides und die International AIDS Vaccine Initiative (IAVI) engagieren sich bereits seit vielen Jahren in der Erforschung und Entwicklung von Mikrobiziden und Aids-Impfstoffen.
Aufklärung bleibt notwendig
Bis die medizinischen Ergebnisse vor Ort wirksam werden, liegt die beste Prävention gegen HIV/Aids nach wie vor in der Aufklärung insbesondere junger Menschen. Hierzu zeigt eine aktuelle Studie des "Gemeinsamen Programms der Vereinten Nationen zu HIV/Aids" (UNAIDS) große Fortschritte. In den 15 am stärksten von HIV/Aids betroffenen Ländern, die alle in Afrika liegen, ist die HIV-Rate unter den 15- bis 24-Jährigen in den Jahren 2000 bis 2005 um mehr als 25 Prozent gesunken. Zu den Ländern zählen Äthiopien (Rückgang um 47 Prozent) und Kenia (Rückgang um 60 Prozent). In beiden Ländern ist auch die DSW aktiv, um Jugendliche über Sexualität und Verhütung aufzuklären. "Diese Entwicklung ist äußerst erfreulich", betont DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr. "Die Studienergebnisse bestätigen, dass unser Ansatz, Jugendliche durch Aufklärung vor einer Infektion zu schützen, richtig ist."
An der Wiener Welt-Aids-Konferenz nahmen rund 20.000 Forscher, Ärzte, Politiker und Vertreter von Organisationen teil. Die nächste Welt-Aids-Konferenz findet im Juli 2012 in Washington statt.
Deutsche
Stiftung Weltbevölkerung - Newsletter vom 30. Juli 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Aids-Kranke und HIV-Infizierte können auf mehr staatliche Hilfe hoffen
Einwohner in Teilen der nordwestchinesischen Autonomen Region Xinjiang müssen vielleicht bald vor der Heirat einen Aidstest machen lassen, schreiben lokale Medien am Dienstag mit Verweis auf einen Gesetzesentwurf.
Diese neue Regulierung ist nur ein Teil der Maßnahmen, um der Ausbreitung von Aids in Teilen Xinjiangs Herr zu werden. In dieser Region breitet sich die Krankheit gemäß einem Bericht der Xinjiang Metropolis Daily am schnellsten aus, da viele Paare die Gesundheitschecks vor der Eheschließung vernachlässigen, seit diese ab Oktober 2003 nicht mehr vorgeschrieben sind. Die Aufhebung habe zudem eine Erhöhung der Geburtsfehler bei Neugeborenen zur Folge gehabt.
Der Gesetzesentwurf will nun das Problem mit der Krankheit Aids angehen. So sollen potentiell kranke Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, auf Aids und HIV untersucht werden, berichtete das lokale Nachrichtenportal Tianshannet.com. Dies sei bereits jetzt bei Leuten gebräuchlich, die aus beruflichen Gründen mit der Krankheit in Kontakt kommen. Diejenigen, die bereits mit dem Virus infiziert sind, Krankheitserscheinungen zeigen oder nicht mehr in der Lage sind zu arbeiten, sollen von der Regierung eine Pension bekommen. Auch Patienten oder HIV-Träger, die in ärmeren Städten oder in ländlichen Gebieten leben, sollen Zugang zu Gratismedikamenten, Beratungen und Untersuchungen bekommen. Die gesetzgebenden Organe haben über den Entwurf diskutiert. Allerdings erwähnten die Berichte nicht, wann der Entwurf umgesetzt werde.
Seit Anfang dieses Jahres hat Xinjiang laut Angaben des Gesundheitsamts unter allen Provinzen und autonomen Regionen die fünftmeisten gemeldeten HIV/Aids-Fälle. Die neuesten offiziellen Daten gehen per Ende 2009 auf dem Festland von mindestens 740.000 Infizierten aus. Die staatliche Mittel für die Prävention und Behandlung von HIV und Aids dürften in diesem Jahr eine Milliarde Yuan (148,8 Millionen US-Dollar) betragen, sagte Zhang Yongzhong, stellvertretender Chef des Gesundheitsamts von Xinjiang, bereits vor einem Jahr in einem Interview mit der China Daily. Dies sei fast das Dreifache der Ausgaben von 2009, die 35 Millionen Yuan betrugen. Zwischen 1999 und Ende des vergangenen Jahres gab die Regierung in Xinjiang insgesamt fast 180 Millionen Yuan für die Vorbeugung und Behandlung von HIV und Aids aus.
Quelle: China Daily
China
Internet Information Center vom 29. Juli 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Frühe HIV Diagnose senkt Kosten
Schlagender Beweis dafür, dass viel mehr Menschen im jugendlichen und mittleren Alter daran denken sollten, zum Aids-Test zu gehen - ebenso sollten auch die Ärzte vermehrt dazu raten: Ein Wiener Wissenschafterteam hat am Donnerstag bei der Internationalen Aids Konferenz die erste österreichische Studie präsentiert, wonach eine späte Diagnose einer HIV-Infektion fünfmal teurer kommt als eine frühe.
In Österreich leben um die 10.000 Menschen mit HIV. Bei 25 Prozent der Betroffenen wird die Diagnose einer Infektion mit dem Immunschwäche-Virus erst gestellt, wenn ihr Abwehrsystem gegen Krankheiten schwer geschädigt ist oder bereits Begleiterkrankungen vorliegen, die den vollen Ausbruch von Aids bedeuten.
Das Autorenteam (Katharina Pfistershammer und Armin Rieger von der MedUni Wien, Gesundheitsökonom Thomas Schröck von der Donau-Universität Krems und Michael Schlag von der Österreich-Niederlassung des US-Pharmakonzerns Gilead Sciences) in einer Zusammenfassung: "Eine späte 'Präsentation' einer HIV-Infektion ist verbunden mit einer signifikanten Belastung des Gesundheitssystems, vor allem in der ersten Phase der Behandlung."
Der Hintergrund: Das Mortalitäts- und Krankheitsrisiko in Folge einer HIV-Infektion steigt mit der Dauer der unbehandelten Infektion und der damit einhergehenden Verstärkung des Immundefekts. Eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung einer HIV-Infektion reduziert signifikant das Risiko, Aids zu entwickeln. Alle internationalen Behandlungsrichtlinien empfehlen daher einen Therapiebeginn bei Patienten mit Symptomen einer Immunschwäche sowie bei asymptomatischen Patienten mit weniger als 350 CD4-positiven Zellen pro Kubikmillimeter Blut. Das bedeutet, dass man damit eine weitere Schwächung des Immunsystems und den Ausbruch von Aids verhindern sollte.
Allerdings kommen in Österreich noch immer 25 Prozent der später neu diagnostizierten Personen bereits mit Aids und/oder einem weit fortgeschrittenem Immundefekt (weniger als 200 CD4-positive Zellen pro Kubikmillimeter Blut) zum Test. "Normal" wären etwa 700 bis 1.200 solcher Zellen pro Kubikmillimeter Blut.
Die Autoren der Studie, die mit einer Beobachtungszeit zwischen Anfang Juli 2006 und Ende Februar 2009 an der Klinischen Abteilung für Immundermatologie an der MedUni Wien ablief, bildeten - so Erstautorin Katharina Pfistershammer - zwei Patientengruppen. In jener mit einer späten Diagnose waren 24 Personen, die bereits an Aids erkrankt und/oder weniger als 200 CD4-positive Zellen pro Kubikmillimeter Blut aufwiesen. Die andere Gruppe bestand aus 27 Personen, die ohne Symptome und/oder mit einem noch deutlich weniger geschädigten Immunsystem (mehr als 350 CD4-Zellen) in die Ambulanz zur Untersuchung auf HIV kamen.
Gesundheitsökonom Schröck zu den Ergebnissen: "Wir haben dann die Grenzkosten für die Gesellschaft berechnet. Dies erfolgte mit den anonymisierten Daten über die Kosten für Medikamente, Diagnoseaufwendungen, Ambulanzbesuche, stationäre Aufnahmen etc. Die mittleren Kosten für spät zur HIV-Diagnose kommende Patienten, die während des Beobachtungszeitraums auftraten, waren fast fünfmal höher als für die Kontrollpersonen (mit früher Diagnose, Anm.). Es waren 21.166 Euro zu 4.329 Euro." Die Differenz ergebe sich vor allem aus den vermehrten Ambulanzbesuchen, stationären Aufenthalten, diagnostischen Leistungen, antiretrovirale Therapien sowie bei den Kosten für Nicht-HIV-Arzneimittel.
"Ein Weg wäre, den Zugang zu den HIV-Tests barrierefrei zu gestalten", erklärte der Wiener Aids-Experte Rieger von der Universitäts-Hautklinik zu möglichen Gegenstrategien gegenüber der APA. Österreich sei zwar "Weltmeister" bei der Zahl der HIV-Tests, meinen die Autoren. Doch das seien jene Tests, die bei den stationär aufgenommenen Spitalspatienten erfolgten. Und das sind überwiegend alte Menschen mit einem minimalen Risiko. Es werde also praktisch die falsche Population breit getestet.
Der erfahrene Wiener Aids-Spezialist Armin Rieger vom AKH hat in diesem Zusammenhang folgende Erfahrungen gemacht: "Jene Personen, die spät zu einer HIV-Diagnose kommen, sind eher seltener Homosexuelle oder iv.-Drogenabhängige." Bei diesen Personen würden auch die Ärzte eher an eine mögliche Infektion mit HIV denken. Katharina Pfistershammer: "Die Menschen, die spät zum HIV-Test gehen, sind oft Heterosexuelle, eher vom Land, aus Kleinstädten - und älter."
"Ein Weg wäre, den Zugang zu den HIV-Tests barrierefrei zu gestalten", erklärte der Wiener Aids-Experte Rieger von der Universitäts-Hautklinik zu möglichen Gegenstrategien gegenüber der APA. Österreich sei zwar "Weltmeister" bei der Zahl der HIV-Tests, meinen die Autoren. Doch das seien jene Tests, die bei den stationär aufgenommenen Spitalspatienten erfolgten. Und das sind überwiegend alte Menschen mit einem minimalen Risiko. Es werde also praktisch die falsche Population breit getestet.
Quelle: APA
MedUNIQA
Gesundheitsweb vom 26. Juli 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Welt Aids Konferenz Wien 2010 – Übersicht Artikel
Vom 18. bis 23. Juli 2010 fand in
Wien die XVIII. Welt-Aids-Konferenz statt. Zentrales Dokument der Konferenz
war die ‘Wiener Erklärung‘.
Meldungen auf ondamaris zur Welt-Aids-Konferenz
2010 in Wien:
- Welt-Aidskonferenz:
DAH fordert Menschenrechte ein
- Stärkung
von Frauenrechten ist Voraussetzung für erfolgreiche HIV-Prävention
- 5
UN-Organisationen kritisieren Verfolgung von Aids-Aktivisten und Sozialarbeitern
- Broken
Promises Kill – internationalen Kampf gegen Aids weiter finanzieren!
- Welt-Aids-Konferenz:
UNAIDS fordert ‘Therapie 2.0?
- Clinton:
neue Finanzierung des Kampfes gegen Aids
- Harm
Reduction – Erfolgs-Konzept der Aids-Politik
- Spritzenautomaten
stoppen HIV
- Sicher
im Sexgeschäft
- Milleniums-Ziele:
zwiespältige Bilanz
- Patente
Lösung – Equitable Licensing
- Welt-Aids-Konferenz:
Foto-Impressionen
- Marsch
für Menschenrechte – Annie Lennox und Tausende Teilnehmer fordern
mehr Einsatz für Menschenrechte
- Macht
HIV arm?
- Solidarität
mit HIV-Positiven auf Haiti
- Starke
Schwule. Oder: Wie funktioniert strukturelle Prävention?
- Keine
glatten Typen
- ‘Krieg
gegen Drogengebraucher’ – Proteste gegen Kanadas Drogen-Politik
Welt-Aids-Konferenz Wien 2010
Ein erstes Resümee der Konferenz
aus Sicht der DAH im Audiocast
mit Silke Klumb, Geschäftsführerin der DAH
Die Welt-Aids-Konferenz 2012 findet
nach vielen Jahren erstmals wieder in den USA statt – nach der Aufhebung
des US-Einreiseverbots für HIV-Positive hat sie die International
Aids-Society für Washington als Ort der XIX. Welt-Aids-Konferenz
entschieden.
Weitere Informationen:
XVIII.
Welt-Aids-Konferenz
International
Aids Society
ondamaris
vom 24. Juli 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Mehr zur XVIII International AIDS
Conference 2010 in Wien
19.-23. Juli 2010 bei HIV
& More.
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Resistenzbrechender HIV Wirkstoff AIC292 in Phase I
Für die Aids-Forschung ist es ein wichtiger Schritt vorwärts: Wie AiCuris mitteilte, befindet sich ihr resistenzbrechender Nicht-Nukleosidischer Reverse-Transkriptase-Inhibitor (NNRTI) gegen HIV in der Phase I der klinischen Entwicklung. AIC292 wurde oral verabreicht und gut vertragen. Das resultierende Pharmakokinetikprofil deutet dem Biotech-Spezialisten zufolge darauf hin, "dass die Substanz für die tägliche Einmalgabe zur HIV-Behandlung geeignet ist".
Wie andere neuartige Substanzen von AiCuris hat auch AIC292 resistenzbrechende Eigenschaften. „Wir haben mit diesem HIV-Wirkstoff erneut unter Beweis gestellt, dass unsere Forschung in Zusammenarbeit mit externen Partnern innovative und attraktive Kandidaten für die klinische Entwicklung hervorbringt“, erklärt Geschäftsführerin Prof. Dr. Helga Rübsamen-Schaeff.
Die Entwicklung von Resistenzen gegenüber existierenden HIV-Medikamenten ist nach Angaben des Studienverantwortlichen von AiCuris, Dr. Dirk Kropeit, nach wie vor eine Herausforderung: „Die HIV-Therapie hat einen guten Standard erreicht und verlängert das Leben Betroffener signifikant, aber es fehlen dennoch neue, gut verträgliche und resistenzbrechende Optionen.“ Diese sollten auch Vorteile bei der Applikation bieten – etwa durch die einmal tägliche, orale Einnahme. In dieser Hinsicht könnte der neue AiCuris-Wirkstoff ein Eckpfeiler in der HIV-Therapie der nächsten Generation werden.
Lifegen
vom 2. Juli 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Mit einer chemischen Reaktion können Forscher ein körpereigenes Protein so verändern, dass es sich an das HI-Virus bindet und damit die Infektion von Immunzellen verhindert. Auf dieser Grundlage wollen die Wissenschaftler ein Gel entwickeln, das vor allem Frauen schützen soll, die sich prostituieren müssen.
Hamburger Forscher haben ein körpereigenes Protein so verändert, dass es Zellen im Labor vor einer Infektion mit dem Aidsvirus bewahrt. Womöglich ließe sich auf Grundlage dieser Resultate ein Mikrobizid – eine Art chemisches Kondom – produzieren. Das schreibt ein Team um Michael Schreiber vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin im Journal "BMC Research Notes". Zugleich weisen die Resultate auf einen neuen, universellen Abwehrmechanismus gegen Krankheitserreger hin.
Im Mittelpunkt der Studie steht das in großer Menge im Blut des Menschen vorkommende Protein Serum Albumin. Es ist unter anderem am Transport anderer Moleküle durch den Blutstrom beteiligt. Schreiber ließ das Protein mit Hypochloriger Säure (HOCl) reagieren. Dabei verändert das Albumin mehrere seiner Eigenschaften, darunter seine Form. In der Folge, so die Analyse, bindet sich das veränderte Albumin an das Aidsvirus (HIV). Dort blockiert es aller Wahrscheinlichkeit nach jenes Protein (gp120), mit dem sich HIV an Immunzellen anheftet, um sie danach zu infizieren.
Vorbild in der Natur
Diese Attacke der Hamburger Forscher auf HIV hat ein Vorbild in der Natur. Einige Blutzellen besitzen ein Enzym namens Myeoloperoxidase, das ebenfalls Hypochlorige Säure produziert. Diese kann im Körper freigesetzt werden. Die schwach ätzende Substanz kann entweder direkt gegen Krankheitserreger wirken oder eben das weit verbreitete Serum Albumin umformen. Die Virologen wiederholten ihre Experimente mit Mäuse- und Rinder-Serum Albumin – mit ähnlichen Resultaten.
In einer anderen Untersuchung hatten Schreiber und Kollegen 2008 im Journal "Virology" gezeigt, dass das veränderte Serum Albumin ebenfalls das West-Nil-Virus neutralisieren kann. Dieser Erreger breitet sich seit rund zehn Jahren auch in den USA aus. Für gewöhnlich befällt das Virus Tiere, kann aber auch tödliche Infektionen beim Menschen auslösen.
Teil des Verteidigungssystems
"Unsere Studie unterstützt die Annahme, dass Hypochlorige Säure ein Teil des Verteidigungssystems des Körpers gegen Krankheitserreger ist. Und abgesehen von seiner direkten toxischen Aktivität könnte sie einen weiteren, wenngleich indirekten Effekt haben und Serum Albumin zu einer antiviralen Waffe machen", notiert Schreiber jetzt.
Womöglich könnte das durch Säure veränderte Serum Albumin eines Tages als Wirkstoff in Mikrobiziden eingesetzt werden. Solche geschmacks- und geruchslosen sowie unsichtbaren Gele könnten Frauen, die sich prostituieren müssen, einen gewissen Schutz verleihen. Nicht nur in Afrika verlangen Männer Sex ohne Kondom, ohne dass sich arme, sozial schwache und damit abhängige Frauen wehren können. Nach wie vor ist ein Präparat wünschenswert, das Hamburger Projekt befindet sich zurzeit im Stadium der Grundlagenforschung.
Bernhard-Nocht-Institut
für Tropenmedizin – Pressemeldung vom 1. Juli 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
EU-Forscher erschaffen virtuelles Labor für die HIV-Behandlung
EU-Forscher haben ein virtuelles Labor entwickelt, mit dem Ärzte rund um den Globus Medikamente auf Patienten abstimmen und die für AIDS verantwortliche HIV-Infektion sowie andere Infektionskrankheiten erfolgreicher behandeln können. Die EU unterstützte die Forschungsarbeiten über das VIROLAB-Projekt ("Virtual laboratory for decision support in viral diseases treatment"), das unter dem Themenbereich "Technologien für die Informationsgesellschaft" (IST) des Sechsten Rahmenprogramms (RP6) mit 3,3 Mio. € finanziert wurde.
Für das VIROLAB-Portal, das noch vor Ende 2010 freigeschaltet werden soll, kommen die neuesten Entwicklungen auf den Gebieten des maschinellen Lernens, des Data-Minings, des Grid-Computings, der Modellierung und der Simulation zum Einsatz, um den Inhalt von Millionen von Artikeln aus Fachzeitschriften, Datenbanken und Patientenanamnesen derart in Wissen umzusetzen, dass Krankheiten erfolgreicher behandelt werden können.
Das virtuelle Labor wird derzeit von bis zu sieben Krankenhäusern genutzt, die damit ihren HIV-Patienten eine individuelle Behandlung ermöglichen. Allgemein stößt das Projekt bei Ärzten auf ein breites Interesse, die es bei ihrer Entscheidungsfindung unterstützend einsetzen könnten.
"Durch die Einbeziehung von Daten verschiedener Art erschließen wir bei VIROLAB neue Behandlungswege. Angefangen von Informationen zum Erbgut und molekularen Wechselwirkungen im Körper, die innerhalb von Nanosekunden gemessen werden, bis hin zu soziologischen Wechselwirkungen auf epidemiologischer Ebene, die Jahre des Fortschreitens der Krankheit abdecken, wird alles erfasst", so VIROLAB-Koordinator Peter Sloot, Informatikwissenschaftler an der Universität von Amsterdam in den Niederlanden.
HIV ist, wie jedes andere Virus auch, mit erheblichen Problemen verknüpft, da es häufig mutiert und innerhalb kurzer Zeit Arzneimitteln gegenüber resistent werden kann. Für Ärzte ist es daher wichtig zu wissen, bei welchen Medikamenten die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten. Gleichzeitig müssen aber auch der Virusstamm, die Krankengeschichte des Patienten, die Erbinformationen und sogar soziologische Faktoren berücksichtigt werden.
"Das ist vergleichbar mit einem Schloss und dem zugehörigen Schlüssel", erklärt Prof. Sloot. "Dabei sind die Medikamente die Schlüssel, die für bestimmte Schlösser, zu denen die Viren gehören, angefertigt werden. Verändert sich das Schloss, dann passt der Schlüssel nicht mehr - und jedes Schloss ist bei jedem Patienten anders. Darum brauchen wir individuelle Medikamente."
Stetig durchsucht das System vernetzte Datenbanken mit virologischen, immunologischen, klinischen, genetischen und aus Experimenten gewonnenen Daten und greift auf Fachzeitschriften und weitere Informationsquellen zurück. Anschließend werden diese Daten verarbeitet, um eine maschinenlesbare semantische Bedeutung zu erhalten, und schließlich analysiert, um Modelle zu den wahrscheinlichen Auswirkungen verschiedener Arzneimittel auf einen bestimmten Patienten zu erstellen.
Daraufhin wird jedes Medikament vor dem Hintergrund der individuellen Krankengeschichte des jeweiligen Patienten seiner voraussichtlichen Wirksamkeit entsprechend eingestuft. Die Daten werden dann über eine benutzerfreundliche Web-Oberfläche ausgegeben.
Das System zeichnet alles auf, was von ihm selbst und vom Arzt unternommen wird, um das richtige Medikament für einen Patienten zu finden. Mit seiner Hilfe wird es möglich, Krankheitsfälle von Patienten zu vergleichen, die bisweilen nur ein paar Straßen oder aber auch Tausende von Kilometern voneinander entfernt leben. Darüber hinaus kann das System Modelle erstellen, mit denen eine wahrscheinliche Verbreitung oder Weiterentwicklung verschiedener Virenmutationen nicht nur auf der Grundlage medizinischer Daten, sondern auch unter Einbeziehung soziologischer Informationen simuliert werden kann.
"Nehmen wir einmal an, einem Staat stehen 500 Mio. € für die HIV-Forschung zur Verfügung. Nun stellen sich die verantwortlichen Stellen die Frage, ob sie eher die Entwicklung neuer Medikamente oder aber Präventionsmaßnahmen fördern sollen. Hierbei können wir beratend zur Seite stehen und herausfinden, was effektiver wäre", hebt Prof. Sloot hervor.
Dass das Projekt dem HIV gewidmet wurde, lag ihm zufolge hauptsächlich an dem Ausmaß und der Bedeutung von AIDS und an der Datenfülle zu dieser Krankheit. Die Arzneimittelresistenz des HIV ist einer der wenigen Bereiche der Medizin, in dem bereits seit vielen Jahren in großem Umfang Informationen zum Erbgut verwendet werden.
Prof. Sloot und seine VIROLAB-Partner beschäftigen sich derzeit damit, wie das Programm eingesetzt werden könnte, um individuelle Medikamentenrangfolgen zu erarbeiten, damit die Behandlung von Patienten mit anderen Erkrankungen verbessert werden kann. Diese Forschungsarbeiten laufen über DYNANETS ("Computing real-world phenomena with dynamically changing complex networks"), einem EU-finanzierten Projekt, bei dem man sich mit der Wirkung von Medikamenten bei denjenigen Menschen beschäftigt, die mit dem arzneimittelresistenten HIV infiziert sind, aber auch denjenigen, die das H1N1-Virus in sich tragen oder damit in Zusammenhang stehende Infektionen haben. Unterstützt wird das DYNANETS-Projekt mit 2,41 Mio. €.
Weitere Informationen unter: VIROLAB: http://www.virolab.org/
Cordis
Nachrichten vom 27. Juni 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Adherence Support – Was funktioniert im klinischen Alltag?
von Dr. Dunja Nicca
Der langfristige Therapieerfolg für Menschen mit HIV, hängt wesentlich von einer guten Fähigkeit zur Adherence, über viele Jahre, ab. Metaanalysen und Reviews zeigten, dass die Adherence durch Verhaltensinterventionen wirksam unterstützt werden kann. Der hier vorgestellte Artikel bietet, neben einer Review der aktuellsten Interventionsstudien (2007-2009), eine Übersicht von Adherence-fördernden Strategien für den Einsatz in der klinischen Praxis.
Simoni und Amico haben seit 1996 in verschiedenen Reviews und einer Metaanalyse systematisch die Wirkung von Verhaltensinterventionen, zur Unterstützung der antiretroviralen Adherence von Menschen mit HIV, zusammengefasst und evaluiert. Frühere, wie auch die aktuelle Review zeigen, dass die Adherence durch Verhaltensinterventionen wirksam unterstützt werden kann. Die erzielten Effekte sind jedoch meist klein und flachen mit der Zeit ab. Zudem weiss man heute, dass einfache Strategien nicht ausreichen, sondern eine flexible Kombination von Strategien über längere Zeit für den Erfolg nötig sind. Kritisch betrachtet werden sollte auch, dass bis heute die Interventionsstrategien eher rational und individualistisch ausgerichtet waren. Soziale- und Systemfaktoren würden bisher auf der Interventionsebene wenig berücksichtigt, könnten aber durchaus von Bedeutung sein.
Nichts desto trotz werden vor allem in den neueren Studien, diverse Strategien beschrieben, die sich für den klinischen Gebrauch eignen können. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die einzelnen Strategien, nur im Kontext umfassender Interventionsprogramme evaluiert wurden und damit deren Wirksamkeit im klinischen Alltag nicht per se gegeben ist. Die folgende Tabelle von Simoni et al. bietet jedoch eine gute Übersicht über verschiedene Strategien, die jeweils auf die individuelle Patientensituation angepasst und für diese evaluiert werden müssen. Dieser Prozess erfordert sicher eine enge Kollaboration zwischen der Person mit HIV und den betreuenden Fachpersonen. Um in Zukunft Erfolg oder Misserfolg solcher klinischen Adherence Interventionen breit zu diskutieren, ist die Beschreibung von Fallbeispielen und Praxisevaluationen von Bedeutung.
Strategien zur Unterstützung der ART Adherence
Vor dem Therapiebeginn
Beim Therapie - Start
Periodische Langzeitunterstützung
Quelle: Simoni
et al. 2010, Current HIV/AIDS reports
Infektiologie
St. Gallen vom 26. Juni 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
UNO gründet Kommission gegen Diskriminierung wegen Aids
Genf — Eine UN-Kommission soll sich künftig gegen Gesetze stark machen, die HIV-Infizierte und Aids-Patienten diskriminieren. Das teilten das UN-Entwicklungsprogramm UNDP und das Aidsprogramm der Vereinten Nationen (UNAIDS) in Genf mit. In vielen Ländern würden Gesetze gegen Homosexuelle, Drogenabhängige oder Prostituierte die Betroffenen "mehr bestrafen als schützen", erklärten beide Organisationen. UNAIDS-Chef Michel Sidibé sagte, solche Gesetze seien "eines der größten Hindernisse" im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit, an der 2008 zwei Millionen Menschen starben.
Sidibé zufolge sind in 86 Ländern homosexuellenfeindliche Gesetze in Kraft. In sieben Ländern, die meisten von ihnen im Nahen Osten, stehe auf Homosexualität die Todesstrafe. 52 Länder würden die Reisefreiheit von HIV-Positiven einschränken.
70 Prozent aller Neuinfektionen in Osteuropa und Asien betreffen demnach Drogenabhängige, von denen die meisten keinen Zugang zu Hilfsprogrammen hätten, weil ihnen dies gesetzlich untersagt sei. Es sei an der Zeit, "die Würde dieser Menschen wiederherzustellen und diesen schlechten Gesetzen ein Ende zu setzen", sagte Sidibé.
Die Kommission soll Experten in verschiedene Länder schicken und dabei "Informationen sammeln und austauschen". In 18 Monaten wird die Kommission den Plänen zufolge "Empfehlungen" über Gesetze aussprechen, die allen Menschen Zugang zu Präventionsmaßnahmen und HIV-Infizierten eine Behandlung ermöglichen.
Google
News vom 25. Juni 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
US-Empfehlung: Jeder zwischen 13 und 64 Jahren sollte HIV-Test erhalten.
Atlanta - Am Sonntag wird in den USA wieder auf HIV getestet. Der "National HIV Testing Day" findet jedes Jahr am 27. Juni statt. Ein Ziel: bisher unentdeckte HIV-Infektionen erkennen.
Im Jahre 2006 lebten schätzungsweise 20 Prozent der rund 230.000 Menschen mit einer HIV-Infektion in den USA, ohne von ihrer Infektion zu wissen, teilen die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta mit. Um die Zahl der HIV-Tests und auch das Bewusstsein für eine mögliche eigene Infektion zu erhöhen, haben die CDC im Jahr 2006 empfohlen, alle Menschen zwischen 13 und 64 Jahren auf HIV zu screenen. Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko sollten jährlich einen Test erhalten.
Durch die Kampagne "National HIV Testing Day" hätten sich 2006 etwa 40 Prozent (71,7 Millionen) der erwachsenen US-Bürger auf HIV testen lassen. Bis Herbst 2009 sei diese Rate auf fast 45 Prozent gestiegen. Menschen, die so von ihrer Infektion erfahren, könnten eine entsprechende Behandlung erhalten, ebenso wie Schulungen zur Prävention. Das führe zum einen zu einem längeren Überleben, aber auch dazu, dass das Virus nicht an andere Menschen weitergeben wird, so die CDC.
Siehe auch unter: http://www.hivtest.org
Ärzte
Zeitung vom 25. Juni 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
‘Neue Sorglosigkeit’? Nein, weit gefehlt – wenn junge Schwule heute nicht ihre ganze Sexualität über HIV definieren, bedeutet dies noch lange nicht Sorglosigkeit. Ein Artikel in der Times setzt sich mit einem weit verbreiteten Vorurteil auseinander.
Die “neue Sorglosigkeit” – wie ein Mantra wird sie von einigen, die sich gerne als ‘Aids-Mahner’ sehen, immer wieder postuliert. Obwohl die “neue Sorglosigkeit” längst als Mythos entlarvt wurde, sowohl von Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung BZgA als auch Deutscher Aids-Hilfe DAH, wird sie immer wieder konstatiert.
Und eine der Thesen, die gern im Umfeld dieses Mythos kommen: die Generationen-Frage. Gerade die jungen Homosexuellen seien so an die Verfügbarkeit wirksamer Medikamente gewöhnt, dass Aids seinen Schrecken verloren habe, und deswegen ‘neue Sorglosigkeit um sich greift’. Manche suchten, so Spekulationen, gar bewusst eine Infektion mit HIV, seine ‘bug chaser’.
Immerhin – selbst das Robert-Koch-Institut
betonte in seinem jüngsten “Jahresbericht 2009 zu HIV und Aids in
Deutschland” unter anderem:
Gibt es sie, die Kluft zwischen
‘als’ und ‘jung’? Oder findet hier eine Projektion älter werdender
Schwuler statt, über diese vermeintlich blasierte, doch nur vergnügungssüchtige
Jugend? Haben wir älteren Schwulen vielleicht Geschichten, unsere
Geschichte zu wenig weiter gegeben, zu wenig tradiert?
Fragen und Gedanken, mit denen sich ein lesenswerter Artikel in The Times beschäftigt. “Ist es Zeit, die alten 80er-Jahre-Sprüche wie ’stirb nicht an Ignoranz‘ wieder zu beleben?”, fragt der Artikel und seziert die Argumentationen zur Frage einer etwaigen ‘neuen Sorglosigkeit’.
Neue Sorglosigkeit? Keineswegs, keine Spur von neuer Sorglosigkeit, zu diesem Ergebnis kommt auch Alan Wardle, Leiter der Abteilung Gesundheitsförderung bei der britischen Organisation Terrence Higgins Trust THT.
Und Trevor Hoppe, Soziologe an der
University of Michigan und Aktivist für schwule Gesundheit, ergänzt,
nur weil für junge Menschen Aids nicht der Ausgangspunkt für
das Verständnis ihrer Sexualität sei, bedeute dies noch lange
nicht sie gingen sorglos mit HIV um:
Ganz im Gegenteil, betont, Hoppe,
seine Forschungen zeigten, dass gerade junge Schwule sich sehr wohl der
gefahren von HIV bewusst seine und wüssten sich zu schützen.
Er weist darauf hin, dass manche Verhaltensweisen in den USA auch die Folge
von Abstinenz- und Angst-Kampagnen der Bush-Ära sein könnten:
Weitere Informationen:
The Times 15.06.2010: HIV
and the rise of complacency – Is it time to revive the ‘Don’t die of ignorance’
message of the Eighties?
ondamaris
vom 23. Juni 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Analkarzinome: HIV-positive Männer sollten zur Früherkennung gehen
Papillomviren verursachen schnell wachsenden Krebs. Ergebnisse einer Langzeitstudie des Kompetenznetzes HIV/AIDS.
HIV-positive Männer, die Sex mit Männern haben, haben ein erhöhtes Risiko, an Analkarzinomen zu erkranken: Mehr als zwei Drittel der 446 Männer, welche Bochumer und Kölner Forscher über fast sechs Jahre beobachteten, hatten Vorstufen solcher Tumore, 2,5 % litten bereits an Analkrebs. „Besorgniserregend ist vor allem, dass sich der Krebs innerhalb von weniger als neun Monaten aus den Vorstufen bildete“, sagt Prof. Dr. Norbert Brockmeyer, Sprecher des Kompetenznetzes HIV/AIDS an der Klink für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Ruhr-Universität Bochum, das die Studie unterstützte. Er empfiehlt HIV-positiven Männern, die Sex mit Männern haben, daher dringend regelmäßig zur Vorsorge zu gehen.
HPV löst Krebs aus
Häufig treten Anal-Karzinome in Verbindung mit einer Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV) auf. „Dabei werden verschiedene Krebsarten durch verschiedene Virustypen begünstigt“, erklärt Prof. Dr. Alexander Kreuter, Leiter der Studie an der Dermatologischen Klinik. „Deswegen muss die jeweilige Behandlung auch daran angepasst werden.“ Vorausgegangene Analysen bestätigten, dass in ca. 70 % der Fälle der Krebs durch HPV16 ausgelöst wurde. Bei den HIV-positiven männlichen Patienten der Studie wurden 55 % auf HPV16 positiv getestet. „Alle bisherigen Untersuchungen belegen, dass eine Impfung vor HPV-Infektionen schützen kann. Somit ist sie auch hoch interessant für die Prävention von Analkrebs“, meint Prof. Kreuter.
Unbedingt zur Vorsorge gehen
Die Studie zeigte zudem, dass die Behandlungsoptionen bei HIV-positiven Patienten schlechter sind als bei HIV-negativen: Nebenwirkungen sind häufiger und auch die tumorfreie Überlebensrate ist niedriger. Dabei scheint es unerheblich zu sein, ob bereits mit einer Hoch-aktiven antiretroviralen Therapie begonnen wurde. Ein weiterer Risikofaktor an Analkrebs zu erkranken, ist das Rauchen. Die Studie zeigte, dass das Sterberisiko bei Analkrebs bei Rauchern deutlich höher lag als bei Nichtrauchern. Prof. Brockmeyer rät dringend zur Vorsorge: „Dadurch können wir Vorstufen früh erkennen, behandeln und so Tumore verhindern. Insbesondere HIV-positive Männer, die Sex mit Männern haben, sollten dieses Angebot in Anspruch nehmen.“
Größte Studie
Die Studie, die von Prof. Dr. Alexander Kreuter und Prof. Dr. Norbert Brockmeyer (RUB-Klinikum) in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Ulrike Wieland (Universitätsklinikum Köln) durchgeführt wurde, ist Deutschlandweit die erste prospektive Studie zu anale intraepitheliale Neoplasien (AIN) und Analkrebs und eine der größten, die bislang veröffentlich wurde.
Ruhr-Universität
Bochum - Pressemitteilung vom 23. Juni 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
HIV RNA im Sperma bei unterdrückter Viruslast im Blut unter HAART
Ein weiteres Kompartment: HIV RNA im Sperma bei unterdrückter Viruslast im Blut unter HAART
von Dr. Christine Gutmann
In der Debatte um die Behandlung als Prävention (treatment as prevention; TasP) und um die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) ist die Frage nach dem Nachweis von HIV im Sperma bei Patienten unter Therapie zentral.
Wichtige Fragen sind:
Wie häufig findet sich HIV-RNA
im Sperma, während das Virus im Blut nicht Nachweisbar ist (sogen.
Diskordanz)?
Welches sind die Faktoren, welche
die HIV Ausscheidung im Sperma beeinflussen?
Retrospektive Analyse bei Paaren mit Kinderwunsch:
Es handelt sich um eine Studie über einen Zeitraum von 8 Jahren (2002 bis 2009). Untersucht wurden HIV-positive Männer in stabilen heterosexuellen Partnerschaften, die einen Kinderwunsch hegen und sich deshalb im Zentrum für Reproduktionsmedizin in Paris vorgestellt haben. Über die acht Jahre wurden 1049 Spermaproben von 541 Männern untersucht. Zugang zum Programm hatten alle Männer in guter Gesundheit, einer CD4 Zellzahl > 200/µl. 455/541 waren unter HAART seit mindestens 6 Monate mit einem regelmäßigen follow up, HIV RNA im Blut < 50cp/ml innerhalb der letzten 2 Monate vor und nach Spermagewinnung.
HIV-RNA im Sperma selten nachweisbar
Bei 17 von 455 Männern (3,7%) fand sich wenigstens einmal ein HIV-RNA positives Spermaresultat, mit Werten zwischen 25 und 3000cp/ml. Bei 6 Männern war die HIV RNA im Sperma > 1000cp/ml; 3 von ihnen hatten eine nicht nachweisbare Viruslast im Blut über mehr als 12 Monate. Kein Patient klagte über genitale Symptome zum Zeitpunkt der Probengewinnung.
Diskordante Befunde immer seltener:
Die sinkende Prävalenz von diskordanten
Resultaten (HIV RNA im Sperma aber nicht im Blut nachweisbar) ist die eindrücklichste
Beobachtung der Studie. Alle Fälle mit diskordanten Resultaten konnten
zwischen 2002 und 2005 dokumentiert werden, kein einziger Fall in den letzten
4 Jahren (p<0.001) ! Was sind die Gründe?
Neuere Behandlungen wirksamer?
Es scheint, dass die aktuellen Behandlungsstrategien nach 2005 eine höhere Wirksamkeit im Genitaltrakt zeigen. NRTI in Kombination mit PI war eine häufige Kombinationstherapie nach 2005.
Eine Koinfektion mit HCV konnte auch weniger häufig dokumentiert werden. Es konnte kein Zusammenhang zwischen nachweisbarer Viruslast im Sperma sowie Alter, HIV Risikogruppe, Zeitpunkt der HIV Diagnose, Nadir CD4 Zellzahl, HCV oder HBV Koinfektion gefunden werden. Obwohl diese Beobachtungen keinen kausalen Zusammenhang zu den diskordanten HIV RNA Bestimmungen erkennen lassen, ist doch eine erhöhte Wirksamkeit der neueren ART Regimen im Genitaltrakt zu vermuten.
Diskussion:
Bei Männern unter antiretroviraler Behandlung, die in stabilen Partnerschaften leben und einen Kinderwunsch hegen ist die Wahrscheinlichkeit nachweisbare HIV RNA im Sperma zu finden extrem tief. Das residuelle Risiko HIV über mögliche infizierte Zellen der Spermaflüssigkeit zu übertragen, ist ebenso als gering zu bewerten, da bei längerer Behandlung das HIV Zellreservoir abnimmt.
Die Autoren sind überzeugt, dass diese Daten die Beratung der Paare einfacher machen und dass die natürliche Konzeption für Paare eine sichere Möglichkeit ist, vorausgesetzt die ART wird konsequent durchgeführt und die nötigen Kontrollen finden statt! Ob eine PreP zusätzlich nötig ist, muss individuell entschieden werden.
Die Autoren sind jedoch vorsichtig und möchten diese Empfehlungen nicht auf alle HIV-positiven Männer übertragen. Die untersuchte Studienpopulation ist ein Kollektiv, welches in einer stabilen Partnerschaft lebt und einen Kinderwunsch hegt, die Adherence zur Therapie und die Kontrollen sind gewährleistet und das Risiko für andere sexuell übertragbare Krankheiten gering ist.
Nichts desto trotz stützen diese Resultate die EKAF Richtlinien und noch weitergedacht die Überlegungen hinter der WHO-Strategie treatment as prevention.
Quelle: Dulioust et al., AIDS 2010, Vol 24;1595-8
Infektiologie
St. Gallen vom 22. Juni 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Raltegravir für die Firstline-Therapie empfohlen
Haar – Die deutsch-österreichischen Leitlinien zur antiretroviralen Therapie im Erwachsenenalter empfehlen in der aktualisierten Version vom 31. Mai 2010 nun auch den bisher einzigen verfügbaren Integrasehemmer Raltegravir (Isentress®) als eine weitere Option der Ersttherapie.1
Eine initiale HIV-Therapie setzt sich aus zwei Nukleosid-/Nukleotidanaloga (NRTI), dem so genannten Nuke-Backbone, und einer dritten Substanz zusammen. In den Deutsch-Österreichischen Leitlinien wurde bisher als dritte Substanz ein mit Ritonavir geboosterter Proteasehemmer (PI/r) oder ein nicht-nukleosidischer Reverse-Transkriptasehemmer (NNRTI) empfohlen. Die Deutsche Aidsgesellschaft e. V. und die Österreichische Aidsgesellschaft nahmen in ihren aktualisierten Leitlinien als weitere, dritte Substanz nun auch den Integrasehemmer Raltegravir auf.
Die Begründung in den Leitlinien: „Raltegravir weist in Kombination mit Tenofovir/Emtricitabin (TDF/FTC) über 48 und 96 Wochen eine vergleichbare Wirksamkeit wie Efavirenz plus TDF/FTC auf, bei rascherer initialer Reduktion der Plasmavirämie, guter Verträglichkeit.2 Vor allem wegen der guten Verträglichkeit wird es für die Primärtherapie empfohlen.“
Raltegravir (Isentress®) ist der erste und bisher einzige zugelassene Vertreter der so genannten Integrasehemmer. Eingesetzt werden kann Raltegravir im Rahmen einer Kombinationstherapie bei allen erwachsenen HIV-Patienten* unabhängig von der Vorbehandlung: als initiale Therapie, als Umstellungstherapie bei virologischem Versagen oder Unverträglichkeit und als Salvagetherapie.
Informationen zu Raltegravir
Raltegravir hemmt das Enzym Integrase
und damit die Einschleusung von HIV-1-DNA in die menschliche DNA und verhindert
damit letztlich die Virusreplikation.
Raltegravir ist das bislang einzige
zugelassene Medikament zur Hemmung des Enzyms Integrase – eins der drei
für den HIV-1-Replikationsprozess entscheidenden Enzyme, und hat eine
rasche antivirale Wirkung gezeigt. Medikamente zur Hemmung der beiden anderen
– Protease und reverse Transkriptase – sind seit geraumer Zeit erhältlich.
Die Darreichungsform von Raltegravir ist eine 400-mg-Tablette, die zweimal
täglich unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen wird. Raltegravir
benötigt keine Boosterung durch Ritonavir. Während einer Kombinationstherapie
mit Rifampicin sollte die Dosis von Raltegravir auf zweimal täglich
800 mg erhöht werden.
Im Dezember 2007 wurde Raltegravir in Kombination mit anderen antiretroviralen Medikamenten zur Behandlung vorbehandelter HIV-Patienten zugelassen, im September 2009 folgte die Zulassung für bisher unbehandelte HIV-Patienten.
* ISENTRESS® darf während der Schwangerschaft nicht angewendet werden.
1 http://www.daignet.de/site-content/hiv-therapie/leitlinien-1/Leitlinien_28-05-2010_V_late.pdf
2 Lennox J et al. ICAAC
2009, Abstract H-924b
MSD
SHARP & DOHME GMBH – Pressemeldung vom 22. Juni 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Nachweisbare HIV RNA im Liquor unter LPV/r Monotherapie
Ein Fallbericht...
von Dr. Christine Gutmann
Ein Fallbericht aus Frankreich im AIDS bestätigt unsere Beobachtungen der MOST Studie: Wenn es unter Monotherapie zu einem virologischen Versagen im Blut kommt, kann die nachgewiesene Viruslast im Liquor deutlich höher sein als die im Blut, respektive unterdrückte Viruslast im Blut heißt nicht gleich supprimierte Viruslast im ZNS!
Folgende Situation:
39-jährige Patientin aus Süd-Amerika,
HIV positiv getestet im Januar 2002, CD4 Zellzahl 740/µl. Im Februar
2002 wurde eine antiretrovirale Behandlung im Rahmen einer Schwangerschaft
mit Combivir und Kaletra begonnen.
Die antiretrovirale Therapie wurde
nach der Geburt unverändert weitergeführt. Ein kurzer Therapieunterbruch
über 3 Monate fand 2004 statt, während des Unterbruchs waren
3.8 log10 cp/ml im Blut nachweisbar.
Es handelt sich um HIV-1, Genotyp
M-CRF12_BF mit Resistenzmutation 103S, 106I, 190A auf dem Reverse Transcriptase
Gen und 10I, 20R, 35D, 36I, 41K, 54V, 82A auf dem Protease Gen. Trotz leicht
eingeschränkter Empfindlichkeit gegenüber LPV, wurde die gleiche
Therapie (Combivir und Kaletra) nach dieser 3-monatigen Unterbrechung wieder
gestartet und bis Januar 2006 durchgeführt. In dieser Zeit war die
Viruslast vollständig supprimiert und die CD4 Zellzahl hoch mit 950/ul.
Im Januar 2006 wurde Combivir durch
Truvada ersetzt, zur Verhinderung allfälliger unerwünschter Langzeittoxizität
unter Combivir. Die Therapie mit Truvada und Kaletra wurde bis Januar 2008
durchgeführt, die Viruslast war auch unter dieser Therapie optimal
supprimiert.
Aus Angst vor unerwünschten
Nebenwirkungen von Truvada auf den Knochen- und Nierenstoffwechsel wurde
die Therapie mit Truvada gestoppt und auf eine maintenance Therapie mit
Kaletra mono (LPV/r 400mg 2 x tgl) umgestellt. Das heißt Monotherapie
Start Januar 2008. Im Juni 2009 wurde die Viruslast als < 20cp/ml dokumentiert,
CD4 Zellzahl 992/µl, und die LPV/r Konzentration im Blut war mit
10730 ng/ml sehr hoch.
Rund sieben Monate später, am
26. August 2009, wurde die Patientin auf die Notfallstation mit Fieber
38°C, Kopfschmerz, Schwindel, eingeschränktes Gesichtsfeld und
moderater Nackensteife gebracht.
Die Viruslast im Blut war mit 2.5
log10 cp/ml nachweisbar, CD4 Zellzahl 855/µl.
Im Liquor fanden sich folgende Resultate:
milde Pleozytose (240 Zellen/ml, 80% Lymphozyten, erhöhtes Albumin
0.94g/l, normale Glucose und negative Bakterienkultur. Die HI-Viruslast
war allerdings mit 3.4 log10 cp/ml fast eine Zehnerpotenz höher als
im Blut. Im Liquor waren keine anderen Viren (CMV, EBV, HSV, Entero, VZV
und JC) waren nachweisbar.
Der HIV-Genotyp in Blut und Liquor war identisch mit dem 2004 dokumentierten Virus, abgesehen von einer 54V Mutation (fehlend 2009). Die LPV/r Konzentration im CSF war tief, 9ng/ml, Blutkonzentration von LPV/r 4580ng/ml. Die Adherence sei optimal gewesen, aber es wurde über 3 Monate, vor dem Auftreten der Symptome, eine Therapie mit Orlistat 2x60mg (self-medication) durchgeführt. Es wurde die Diagnose einer Meningitis und milden Enzephalitis i. R. der HIV Infektion gestellt. Die Therapie wurde auf Abacavir, Darunavir/r, und Raltegravir umgestellt, mit dem Ziel einer besseren Penetration der HIV-Substanzen ins Gehirn. Die klinischen und neurologischen Symptome wurden rasch besser und die Viruslast im Blut war 2 Wochen nach Intensivierung wieder supprimiert < 20cp/ml.
Zusammenfassung: HIV assoziierte Meningoenzephalitis bei Patientin mit vorgängiger Suppression über 5 Jahre, inklusive 18 Monate LPV/r Monotherapie. Bei der klinischen Präsentation ist die HI-Viruslast im Liquor deutlich höher als im Plasma.
Diskussion:
Die Autoren postulieren aufgrund
der höheren Viruslast im Liquor und des verschiedenen Genotypes 2009
vs. 2004 (fehlende 54V Mutation), dass eine unabhängige HIV Replikation
im ZNS stattfand. Trotz kontinuierlichem Selektionsdruck durch LPV/r konnte
eine HIV Variante (ohne die 54V Mutation) im Liquor selektioniert werden.
Verschiedene Faktoren könnten
dazu geführt haben. Die LPV/r Konzentration im Liquor war tief, möglicherweise
war die Absorption/Resorption von LPV/r durch Orlistat (Xenical) beeinträchtigt.
Die minor Protease Gen Mutationen haben die Effektivität von LPV/r
ebenfalls beeinträchtigt ? weniger Wirkung durch tiefere Plasmakonzentration
(resp. Liquorkonzentration) aufgrund der möglichen eingeschränkten
Resorption (Orlistat), und vorliegende minor Muationen im Protease Gen.
Diese Beobachtungen führen zum Schluss, dass es unter PI-Monotherapie
zu einem höheren Risiko eines "viral escape" kommt, im speziellen
im ZNS.
Unsere Beobachtungen der MOST Studie zeigen, dass die Viruslast im Liquor bei Patienten, die unter LPV/r Monotherapie ein Therapieversagen hatten, meist höher ist als im Blut. In der kontrollierten, randomisierten MOST Studie (LPV/r maintenance vs. combination tx), fanden sich 6 Therapieversager im Monotherapie Arm, welche sowohl im Blut (> 2.6 log10 cp/ml), als auch im Liquor nachweisbare HIV RNA zeigten, bei 4/5 (bei einem Patienten wurde keine LP durchgeführt) war die Viruslast im Liquor deutlich höher als im Plasma (> 1 log).
Interessanterweise konnten wir auch Patienten dokumentieren, die im Blut optimal supprimiert waren, aber dennoch nachweisbare Viruslast im Liquor hatten. Die Voraussetzung überhaupt auf LPV/r Monotherapie und damit in die Studie aufgenommen zu werden war allerdings, dass keine Resistenzmutationen und kein vorheriges Therapieversagen vorlagen, im Gegensatz zum vorliegendem Fallbericht (vorbestehende Mutationen dokumentiert). In unserem Fall konnten auch nach Versagen keine Resistenzmutationen dokumentiert werden, wie bei den Kollegen in Frankreich waren auch unsere Patienten nach Umstellung auf Kombinationstherapie wieder vollständig supprimiert und die klinischen Symptome waren verschwunden.
Die suboptimale Virussuppression unter Monotherapie im ZNS bleibt eine Sorge. Hier sind weitere Untersuchungen angezeigt um unserer Patientin weiterhin eine optimale Therapie, vielleicht auch einmal Monotherapie, empfehlen zu können. Wir sind gespannt...
Infektiologie
St. Gallen vom 20. Juni 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Stillen trotz HIV-Infektion - Infektionsgefahr gebannt
HIV-Übertragung von Mutter auf Kind beim Stillen lässt sich mit Medikamenten fast immer verhindern.
HIV-infizierte Frauen können ihr Baby offenbar praktisch ohne Ansteckungsgefahr stillen, wenn sie in Schwangerschaft und Stillzeit antiretrovirale Medikamente einnehmen. Das ist das Fazit einer Studie mit insgesamt 730 schwangeren HIV-Infizierten aus Botswana, in der ein internationales Forscherteam den Einfluss der Medikamente auf die Übertragungsrate des Virus von der Mutter aufs Kind untersucht hat. Beim Stillen habe es lediglich zwei Fälle gegeben, in denen sich die Kleinen ansteckten, berichten die Wissenschaftler, und auch insgesamt lag die Infektionsrate mit einem Prozent weit unter dem, was frühere Studien gezeigt hatten. Zum Vergleich: Ohne die Therapie infizieren sich mindestens 25 Prozent der Kleinen in den ersten sechs Monaten der Stillzeit. Das Ergebnis zeige, dass HIV-infizierte Frauen nicht unbedingt auf das Stillen verzichten müssten, schreibt das Team.
HIV-infizierten Frauen wird häufig empfohlen, ihre Kinder nicht zu stillen, um eine Übertragung des Virus mit der Muttermilch zu verhindern. In vielen afrikanischen Ländern stellt diese Empfehlung infizierte Mütter jedoch vor ein Problem: Aufgrund der schlechten Verfügbarkeit von Babynahrung liegt die Sterblichkeit nicht gestillter Babys dort um ein Vielfaches höher als die gestillter. Die Frauen mussten sich bisher also entscheiden, ob sie eher eine Infektion oder eine Mangelernährung bei ihren Kindern riskieren wollen.
Die neuen Ergebnisse der so genannten Mma-Bana-Studie lassen nun jedoch die Hoffnung aufkommen, dass diese Entscheidung gar nicht nötig ist - vorausgesetzt, es steht eine hochwirksame antiretrovirale Therapie (HAART) zur Verfügung. Drei verschiedene gängige Wirkstoffkombinationen testeten die Forscher in dieser Studie bei den Teilnehmerinnen: Sie sollten ab Beginn des letzten Schwangerschaftsdrittels die Medikamente einnehmen und diese Einnahme auch während der ersten sechs Lebensmonate des Kindes beibehalten. Zusätzlich bekamen auch die Säuglinge vorsorglich antiretrovirale Medikamente verabreicht. Ergebnis: Alle Kombinationen waren gleich effektiv beim Verhindern einer Ansteckung, insgesamt lag die Rate bei 1,1 Prozent.
Für die Forscher ist das ein echter Durchbruch: "Frühere Studien mit kürzeren oder weniger umfassenden Therapievarianten waren nicht in der Lage, Raten unter fünf Prozent zu erzielen", berichtet Studienleiter Roger Shapiro. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat bereits auf die Ergebnisse der bereits seit 1996 laufenden Studie reagiert: Sie gab kürzlich eine Empfehlung heraus, dass alle stillenden Mütter oder deren Kinder antiretrovirale Medikamente einnehmen sollten.
Studie: Roger Shapiro (Harvard-Universität) et al.: New England Journal of Medicine, Bd. 362, Nr. 24
Bild
der Wissenschaft vom 17. Juni 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Über 1,1 Millionen Menschen leben in den USA mit HIV. Die Zahl der Neu-Infektionen mit HIV ist in den vergangenen Jahren vergleichsweise stabil geblieben. Dies geht aus einer neuen Übersicht der CDC hervor.
Schätzungsweise 1.106.400 Menschen lebten 2006 in den USA mit HIV. 2006 ist das letzte Jahr, für das nationale Schätzungen der HIV-Prävalenz vorliegen. Gegenüber der letzten vorigen Schätzung aus dem Jahr 2003 sei dies ein Anstieg um 11%. Dies sei u. a. darauf zurück zu führen, dass Menschen mit HIV länger leben, sowie dass die Zahl der HIV-Neuinfektionen höher sei als die Zahl der Menschen, die an den Folgen von Aids sterben.
HIV in den USA 1977 - 2007 (Quelle: CDC)
Grafik Erläuterungen: blaue Linie = geschätzte Anzahl der insgesamt in den USA mit HIV lebenden Menschen; graue Linie = geschätzte Anzahl der jährlichen HIV-Neuinfektionen
Jüngsten Schätzungen der HIV-Inzidenz zufolge hätten sich in den letzten 10 Jahren jährlich etwa 56.000 Menschen neu mit HIV infiziert, betont das “HIV/AIDS fact sheet” der US-Gesundheitsbehörde CDC Centers for Disease Control. Der Wert sei seit 1990 vergleichsweise stabil. Neue Schätzungen für die HIV-Inzidenz werden die CDC noch 2010 veröffentlichen.
Nicht in allen US-Bundesstaaten existiert ein einheitliches Berichtssystem über neu diagnostizierte HIV-Infektionen. In den 37 Staaten, die ein langjähriges (seit 2005) vertrauliches namentliches (!) HIV-Meldesystem haben, wurden 2008 41.269 neu diagnostizierte HIV-Infektionen gemeldet.
Männer, die Sex mit Männern
haben (MSM), hätten eine 40fach höhere HIV-Diagnose-Rate als
andere Männer, bei einem Bevölkerungsanteil von 2% (so das fact
sheet). Etwa die Hälfte aller jährlichen HIV-Neuinfektionen in
den USA erfolgten bei MSM; MSM seien die einzige Gruppe mit jährlich
steigenden HIV-Neuinfektionen.
Eine jüngst präsentierte
Studie war zu dem Ergebnis gekommen, dass in der Gruppe der Männer,
die Sex mit Männern haben (in den letzten 5 Jahren), bei 6.921 von
100.000 Männern eine HIV-Infektion diagnostiziert ist (Schätzung).
Seit Beginn der Epidemie sind bis 2007 in den USA über 576.000 Menschen an den Folgen von Aids verstorben.
Weitere Informationen:
HIV in the United States: An Overview.
CDC HIV/AIDS fact sheet, June 2010 (pdf)
CDC / MMWR 03.10.2008: HIV
Prevalence Estimates — United States, 2006
CDC: Diagnoses of HIV infection
and AIDS in the United States and Dependent Areas, 2008. HIV
Surveillance Report, Volume 20
CDC: abstract: Calculating HIV and
Syphilis Rates for Risk Groups: Estimating
the National Population Size of Men Who Have Sex with Men. Latebreaker
#22896, Presented March 10, 2010, 2010 National STD Prevention Conference;
Atlanta, GA
ondamaris
vom 17. Juni 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Neue Erfolge bei Aids mit Gentherapie
Moderne Behandlungsmethoden haben die Überlebensdauer von HIV-Infizierten in den letzten Jahren zwar deutlich verlängert, eine Heilung der Immunschwächekrankheit Aids gibt es jedoch bis heute nicht, ebenso wenig wie eine Impfung. Forscher in den USA zeigen nun an vier Patienten, wie eine Gentherapie funktionieren könnte.
Die behandelten HIV-Infizierten litten alle an Lymphomen, einer häufigen Krebserkrankung von Aidspatienten. Bei den Betroffenen wird meist das Knochenmark durch Chemotherapie zerstört, dann werden zuvor entnommene Blutvorläuferzellen zurück transplantiert, um das Fortschreiten der Krankheit zu bremsen.
Diesen Zellvorrat nutzten David DiGiusto und seine Kollegen vom Krebsforschungszentrum City of Hope in Duarte, um einigen hämatopoetischen Vorläuferzellen drei Gensequenzen einzuschleusen, deren Produkte nach der Retransplantation vor attackierenden HI-Viren schützen sollen. Als Vektor wählten die Forscher Lentiviren, da sie sich anders als andere sonst eingesetzte Retroviren nicht in der Nähe der Steuerregionen von Genen integrieren und so das Risiko von leukämieartigen Folgeerkrankungen verringern, wie sie in anderen gentherapeutischen Studien aufgetreten waren.
Die derart behandelten Patienten zeigten weder direkt nach der Retransplantation noch Monate später schwer wiegende Nebenwirkungen, allerdings auch keine Besserung der Aidserkrankung. DiGiusto und seine Kollegen vermuten, dass durch auf Grund der Konkurrenz mit nicht veränderten Blutzellen zu wenig HIV-abwehrbereite Vorläuferzellen vorhanden sind, um einen positiven Effekt gegen die Krankheit bewirken zu können.
Entscheidend aber ist, dass die Forscher sogar nach zwei Jahren noch Zellen mit den Genprodukten der eingeschleusten Sequenzen fanden. Offenbar hatten sich die veränderten Zellen also erfolgreich langfristig integriert.
Weitere Studien müssen nun zeigen, wie sich die Funktionsfähigkeit dieser behandelten Zellen auf Dauer erhalten lässt und dass das fremde Erbmaterial bei der Stammzellteilung auch an die Abkömmlinge weitergegeben wird. Außerdem müsste den transgenen Zellen ein gewisser Konkurrenzvorteil gegenüber den normalen Blutvorläuferzellen mitgegeben werden, damit sie sich insbesondere auch bei Patienten durchsetzen könnten, deren Blutbildung im Knochenmark zuvor nicht durch Chemotherapie ausgeschaltet wurde.
Abstract: DiGiusto, D.L. et al.: RNA-Based Gene Therapy for HIV With Lentiviral Vector-Modified CD34+ Cells in Patients Undergoing Transplantion for AIDS-Related Lymphoma. In: Science Translational Medicine 2, 36ra43, 2010.
Wissenschaft
online vom 16. Juni 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
HIV-Kohorte: Datenschutz bei Weiterführung gewährleistet?
Wird die Patienten-Kohorte des Kompetenznetz Aids am neu einzurichtenden Zentrum für Infektionsforschung weitergeführt? Was bedeutet dies für die Wahrung der Patienten-Interessen?
Seit 2002 existiert das Deutsche Kompetenznetz HIV/Aids. Zur Durchführung seiner Forschungen hat das Kompetenznetz eine umfangreiche Patienten-Kohorte. In dieser werden zu 8.200 HIV-positiven Patienten pseudonymisiert Daten zu Infektionsverlauf, Medikamenten, Erkrankungen etc. gespeichert, aber auch Biomaterialien wie Blut- und Gewebeproben.
Die Zukunft des Kompetenznetz HIV ist nach Auslaufen der Bundesförderung gefährdet – und damit auch die HIV-Kohorte mit ihrer umfangreichen Daten- und Biomaterial-Sammlung (siehe Gast-Kommentare “Deutsche HIV-Kohorte bald bei der Seuchenkontroll-Behörde?” und “Die Hoffnung stirbt zuletzt: Das Kompetenznetz HIV/Aids und die Politik“).
Um eine Weiterführung der HIV-Kohorte zu sichern, sind entsprechende Maßnahmen erforderlich. Das Kompetenznetz plant nun, sich - um die Kohorte zu sichern - als Partner im neu zu errichtenden ‘Deutschen Zentrum für Infektionsforschung’ DZI zu bewerben.
Das Forschungsministerium (das das Zentrum für Infektionsforschung initiiert) spricht in seiner Öffentlichkeitsarbeit ausschließlich von einer Zusammenarbeit von Universitätsklinika bzw. Wissenschaftlern. Patienten sind einzig Subjekte der Forschung, Patienten-Organisationen werden als Beteiligte des Zentrums nicht genannt.
Entsprechend werden Sorgen geäußert, ob für den Fall einer Integration der HIV-Kohorte in das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung die Interessen von Menschen mit HIV/Aids, insbesondere der Schutz von Daten und Biomaterial der beteiligten Patient/innen weiterhin gewährleistet sind.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF hatte erst am 5. Mai 2010 die Bildung eines ‘Deutschen Zentrums für Infektionsforschung’ bekannt gegeben. Es soll eine “langfristig angelegte, gleichberechtigte Partnerschaften von außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Universitäten mit Universitätsklinika” sein. Es soll “vorhandene Kompetenzen [bündeln] und … so einen maßgeblichen Beitrag zur Schließung von Wissenslücken und zur Verbesserung von Prävention, Diagnose und Therapie” leisten.
“Berechtigt zur Teilnahme am Wettbewerb als Partner im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung sind staatliche und nicht-staatliche Universitäten mit Universitätsklinika, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie mit diesen verbundene Dritte. Die Partner können sich einzeln oder als regionaler Verbund bewerben.”
“Anträge zur Teilnahme am Wettbewerb [sind] bis 31. August 2010 … vorzulegen.” Standorte und Themen des DZI sollen Ende 2010 nach einer Begutachtung durch unabhängige Experten feststehen, die Gründung soll in der ersten Hälfte 2011 erfolgen. Projektträger des Zentrums für Infektionsforschung ist für das BMBF das DLR Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt.
Die Finanzierung des Kompetenznetz
HIV ist derzeit bis zum Auslaufen der Förderung per 31.08.2010 gesichert.
Eine kostenneutrale Laufzeitverlängerung bis Ende April 2011 wird
beantragt.
Das Kompetenznetz und die HIV-Kohorte
waren immer in der Kritik, insbesondere auch wegen Datenschutz-Bedenken.
Erst jüngst hatte ein von der Deutschen
Aids-Hilfe in Auftrag gegebenes Gutachten gezeigt, dass eine Beschlagnahme
von Patientenakten nicht ausgeschlossen ist.
Weitere Informationen:
Kompetenznetz
HIV/Aids
5. Mai 2010: Bekanntmachung
des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur Errichtung eines
Deutschen Zentrums für Infektionsforschung
BMBF Faktenblatt “Deutsches Zentrum
für Infektionsforschung (DZI)” (pdf)
ondamaris
vom 15. Juni 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Geplante Schließung eines Pharma-Standorts
Geplante Schließung eines Pharma-Standorts könnte das Leben vieler HIV-infizierter Babys bedrohen.
Ein vorab online veröffentlichter offener Brief an den Hauptgeschäftsführer des Pharmazie-Giganten Bristol-Myers Squibb (BMS) sammelt die Besorgnis vieler Hilfs- und Nichtregierungsorganisationen. Der Hintergrund ist, dass BMS plant, eine Firma zu schließen, die lebenswichtige Medikamente für HIV-infizierte Babys herstellt.
Der Brief wurde von verschiedenen Repräsentanten der Zivilgesellschaft verfasst, die im Vorstand der internationalen Agentur UNITAID sitzen, darunter Dr. Mohga M. Kamal-Yanni, Senior Health & HIV Policy Advisor der unabhängigen Hilfsorganisation Oxfam GB. Das Schreiben konzentriert sich auf die Herstellung des gepufferten Medikaments Didanosin in der 25 Milligramm-Rezeptur, gegenwärtig ein antiretrovirales Second-Line-Medikament für Kinder mit HIV/AIDS, die weniger als 10 Kilogramm wiegen. Die Autoren unterstreichen ihre Besorgnis über die Schließung der BMS Firma in Frankreich, die Didanosin produziert. Es gibt auch keine Pläne zur Wiederaufnahme der Produktion vor April 2011. Dies wäre nach dem Verständnis der Autoren wohl der erste Termin, zu welchem BMS die geplante neue Produktionsstätte eröffnen könnte.
Die Autoren stellen fest: "Diese Fabrik zu schließen heißt, dass 4.000 gegenwärtig in Behandlungsplänen von UNITAID erfasste Babys in den Entwicklungsländern ohne die von ihnen benötigten Medikamente zurück gelassen werden. Didanosin ist die letzte therapeutische Option für diese Kleinstkinder, ohne das Medikament könnten sie sterben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass zwischen dem Heute und der erwarteten Wiederaufnahme der Produktion im April 2011 etwa 15.000 Packungen des 25 Milligramm-Didanosins in allen UNITAID begünstigten Ländern fehlen werden."
Mit ihrem Appell an den BMS Hauptgeschäftsführer Lamberto Andreotti betonen die Autoren, dass es gegenwärtig keine von der Weltgesundheitsorganisation WHO zugelassene Alternative zu Didanosin gibt. Sie folgern daher: "Wir möchten Sie als den Hauptgeschäftsführer von BMS, einer Firma, die auf ihren hohen Standard der Unternehmensverantwortung stolz ist, inständig bitten, unbedingt auf unsere Besorgnis zu reagieren und darzulegen, wie sie planen, jegliche Unterbrechung der Behandlungen zu vermeiden. Wir hätten ebenso gerne Ihre Bestätigung, dass eine BMS Produktionsstätte die Herstellung dieses lebenswichtigen Medikaments 2011 wieder aufnehmen wird."
Quelle: M. Kamal-Yanni and others. Open letter to Lamberto Andreotti, Chief Executive Officer, Bristol-Myers Squibb. Lancet 2010; 375: 10.1016/S0140-6736(10)60940-3
The
Lancet vom 11. Juni 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Kognitive Störungen durch HIV – eine versteckte Epidemie?
von Dr. med Patrick Schmid
Die klassische HIV-Demenz ist in der HAART-Ära selten geworden. Hingegen werden von HIV-positiven Menschen immer wieder Konzentrationsstörungen und vermehrte Vergesslichkeit beklagt.
Aufgrund ausführlicher neuropsychologischer
Tests wurde schon vor einigen Jahren eine neue Diagnosegruppe definiert,
die so genannte HAND = HIV-associated neurocognitive Disorders. Je nach
Schweregrad unterscheidet man:
Obwohl kognitive Probleme häufiger
bei Personen auftreten, die keine HIV-Therapie einnehmen, werden diese
Störungen auch von Personen unter gut wirksamer antiretroviraler Therapie
beklagt. Folge dieser Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit
sind mitunter Probleme am Arbeitplatz oder unregelmäßige Tabletteneinnahme.
Simoni et al. haben in Genf und Lausanne 200 HIV-Patienten mit (im Mittel >2 Jahre) nicht nachweisbarer HI-Viruslast im Blut bezüglich solcher kognitiver Störungen untersucht. Patienten mit Störfaktoren wie opportunistischer ZNS-Infektion in den vorangegangene 3 Jahren, persistierendem iv. Drogenkonsum oder schwerer Depression wurden ausgeschlossen.
Anhand von 3 Fragen (die allerdings etwas komplex ausgefallen sind) wurde nach kognitiven Störungen gefragt. 27% der Probanden beklagten eine Einschränkung der geistigen Leistungsfähigket.100 Personen (50 mit und 50 ohne bemerkte kognitive Einschränkung) wurden mit ausführlichen Tests auf das Vorliegen einer HIV-assoziierten neurokognitiven Störung (HAND) untersucht. Bei 74% wurde ein gewisses Ausmaß eines HAND gefunden. Bei der Mehrheit der Personen waren die Einschränkungen aber so mild, dass sie von der betroffenen Person selbst gar nicht bemerkt wurde. Von den Patienten die Defizite beklagten hatten gemäß den durchgeführten Tests 84% ein HAND (ANI 24%, MND 52%, HIV-D 8%). Bei denen, die selbst nicht wahrgenommen hatten, wurde dennoch in 64% ein mildes HAND diagnostiziert (ANI 60%, MND 4%, HIV-D 0%).
Obwohl alle Patienten unter suppressiver
HIV-Therapie waren zeigte sich doch ein Unterschied: Bei Personen, die
keine Einschränkung verspürten, war die HI-Viruslast im Durchschnitt
länger vollständig supprimiert, als bei denen die kognitive Einbussen
beklagten.
Die Studie spricht also dafür,
dass das HAND v. a. Folge einer zu lange nicht behandelten HIV-Infektion
ist. Obwohl eine antiretrovirale Therapie ein HAND nicht vollständig
zu eliminieren vermag, scheint sie doch eine Verschlimmerung zu verhindern.
Das Forschungsgebiet ist hoch spannend und für HIV-infizierte Menschen natürlich von großer Bedeutung. Insbesondere interessiert, wie eine große Anzahl von Patienten mit möglichst wenig Zeitaufwand und genügender Zuverlässigkeit auf ein HAND gescreent werden können, und wer genau detaillierter abgeklärt werden soll. Wahrscheinlich spielt die ZNS-Gängigkeit der antiretroviralen Therapie eine Rolle bei der Stabilisierung einer vorliegenden HAND. Hierzu sind aber noch viele Fragen ungeklärt.
Als möglichen Screeningtest schlagen die Autoren die HIV-Dementia-Scale vor, allerdings mit einem tiefer gewählten cut-off von <=14 Punkten (<= 10 Punkte spricht für eine HIV-Demenz) mit einem Positiv Prädiktiven Wert (PPV) für HAND von 92% bei den Personen die eine kognitive Störung berichteten und einem PPV von 82% bei jenen, die keine Einschränkung bemerkten.
Quelle:Simioni et al., AIDS 2010, Vol 24 No 9 sowie das Editorial. McArthur & Brew, AIDS 2010, Vol 24 No 9
Infektiologie
St. Gallen vom 11. Juni 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
HPV nicht nur für Tumore im Genitaltrakt verantwortlich
von Dr. med Katia Boggian
Dass Humane Papilloma Viren auch im oropharyngealen Bereich zu Tumoren führen können, ist schon länger bekannt und bisher erschien es so, dass HPV assoziierte Tumoren im oropharyngealen Raum ein besseres Outcome zeigen als solche, welche nicht mit HPV assoziiert sind.
Die Forscher aus den USA wollten diesen Benefit im Überleben, welcher bisher nur in kleinen Studien und Fallserien gezeigt werden konnte, in einer großen breit angelegten Studie untermauern.
Sie haben 721 Patienten mit einem Oropharynx Karzinom eingeschlossen und konnten in ihrer Studie feststellen, dass sowohl HPV Status, wie LK-Metastasen und Nikotinabusus relevante prognostische Faktoren sind.
Mit dem LK-Status, dem Nikotinabusus und der Kenntnis, ob jemand HPV positiv oder negativ ist, lässt sich das prognostische Risiko berechnen.
Die Autoren unterscheiden eine Low-Risk Gruppe, in welcher das 3- Jahresüberleben ca 93% beträgt, eine Intermediate-Risk Gruppe, in welcher das 3-Jahresüberleben noch 70.8% beträgt und eine HIgh-Risk Gruppe, in welcher das 3 Jahresüberleben nur noch 46.2% beträgt.
In der folgenden Abbildung sehen
wie die 3 prognostischen Faktoren (HPV Status, Nikotinkonsum, Lymphknotenstatus)
als prognostische Faktoren eingesetzt werden können, und man dadurch
das Risiko des Patienten ermitteln kann.
In diesem Fall der oropharyngealen Karzinome scheint also das HPV einen gewissen Benefit auf das Outcome zu haben. Warum dem so ist, ist nicht ganz klar, aber es scheint, das im oropharyngelaen Bereich die Tumoren besser sowohl auf die Radiotherpaie als auch auf die Chemotherapie ansprechen
Die Autoren konnten somit zeigen, dass ein positiver HPV Status ein eher prognostisch positiver Faktor ist, und vermutlich wird diese hier vorgeschlagene Klassifikation in neuere Therapiestudien Einzug halten.
Quelle: Kian Ang et al; NEJM 2010
Infektiologie
St. Gallen vom 10. Juni 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
UNAIDS und UNDP unterstützen EKAF Statement und Viruslast-Methode
Erstmals hat UNAIDS die weitreichende Bedeutung des EKAF-Statements sowohl für HIV-Übertragung als auch die Lebenssituation von Menschen mit HIV betont.
In dem Statement zur 14. Sitzung
des Human Rights Council (Agenda Item 3) vom 7. Juni 2010 betonen UNAIDS
und UNDP, es sei sehr wichtig, Menschen mit HIV Zugang zu antiretroviraler
Behandlung zu ermöglichen, da dies die HIV-Übertragung deutlich
reduziere und eine große Bedeutung für Menschen mit HIV haben
könne:
In einer Fußnote (zu “greater
impact for individuals”) wird auf das (im Januar 2008 publizierte) EKAF-Statement
(”keine Infektiosität bei erfolgreicher HIV-Therapie ohne andere STDs“)
hingewiesen.
Bisher hatte UNAIDS eine sehr ablehnende Position zum EKAF-Statement eingenommen. Weitere Forschung sei erforderlich, und nur Kondome seien ein wirksamer Schutz.
Die Deutsche Aids-Hilfe hatte bereits Anfang April 2009 in ihrem Positionspapier “HIV-Therapie und Prävention” die große Bedeutung des EKAF-Statements betont und es zu praktikablen Botschaften weiterentwickelt (u.a. ‘Viruslast-Methode‘).
UNAIDS (Joint United Nations Programme on HIV/AIDS) ist eine Organisation der Vereinten Nationen mit dem Ziel, die verschiedenen HIV/Aids-Pandemie Aktivitäten einzelner Ländern im Kampf gegen Aids zu koordinieren.
Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (engl. United Nations Development Programme UNDP) ist ein Exekutivausschuss innerhalb der UN-Generalversammlung. UNDP unterstützt u.a. Programme der HIV/Aids-Bekämpfung.
[via Edwin J. Bernhard / criminal hiv transmission]
Weitere Informationen:
UNDP & UNAIDS 07.06.2010: Statement
by the Secretariat of the Joint United Nations Programme on HIV/AIDS (UNAIDS)
and the United Nations Development Programme (UNDP) 14th Session the Human
Rights Council Agenda (pdf)
criminal hiv transmission 09.06.2010:
UNAIDS/UNDP
supports Swiss statement, announces new Global Commission on HIV and the
Law
aidsmap: UNAIDS/WHO
statement (zum EKAF-Statement)
ondamaris
vom 9. Juni 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
HIV/Aids in Deutschland 2009 – HIV-Neudiagnosen stabil
2.856 Menschen haben sich im Jahr 2009 neu mit HIV infiziert. Dies geht aus dem ‘Jahresbericht 2009 zu HIV und Aids in Deutschland’ hervor, den das Robert-Koch-Institut soeben veröffentlicht hat.
“Keine nennenswerte Veränderung
bei der Gesamtzahl der HIV-Neudiagnosen” meldet das Robert-Koch-Institut.
2.856 Menschen haben sich im Jahr 2009 neu mit HIV infiziert (2008: 2.843);
bei 489 Menschen wurde 2009 eine Neu-Erkrankung an Aids berichtet
(mehrere Diagnosejahre). Der umfangreiche “Jahresbericht 2009 zu HIV und
Aids in Deutschland” wurde im Epidemiologischen Bulletin Nr. 22 /2010 des
Robert-Koch-Instituts (RKI) veröffentlicht.
Männer, die Sex mit Männern
haben (MSM) stellen unverändert die größte Gruppe unter
den HIV-Neudiagnosen. Zur Verteilung auf die unterschiedlichen Gruppen
vermeldet das RKI
“Betrachtet man die Entwicklung der
HIV-Neudiagnosen in den verschiedenen Betroffenengruppen, so steigt die
absolute Zahl der HIV-Neudiagnosen bei Männern, die Sex mit Männern
haben (MSM), im Jahr 2009 gegenüber dem Vorjahr (2008) geringfügig
um 3,3 % an (von 1.575 auf 1.629); die Zahl der Personen mit Angabe eines
heterosexuellen Infektionsrisikos (HET) nimmt ebenfalls um 3,2 % zu (von
410 auf 423). Bei Konsumenten intravenös verabreichter Drogen (IVD)
ging die Zahl neu diagnostizierter HIV-Infektionen um 20 % zurück
(von 125 auf 100), bei Migranten aus Hochprävalenzländern (HPL)
um 6,3 % (von 300 auf 281). Die Zahl der HIV-Neudiagnosen, bei denen keine
Angabe zum Infektionsrisiko vorliegt (k. A.), bleibt praktisch konstant
(417 vs. 412).
Die Absolutzahl der HIV-Neudiagnosen
bei Frauen in Deutschland (n = 461) hat sich gegenüber dem Vorjahr
(n = 465) nicht verändert, die Zahl der HIVNeudiagnosen bei Männern
steigt leicht von 2.348 auf 2.377 an”.
Zur regionalen Entwicklung der HIV-Neudiagnosen
sowie der Altersverteilung bei MSM bemerkt das RKI
“Berücksichtigt man die
rückläufige Größe der jüngeren Alterskohorten,
ergibt sich im Jahr 2009 die höchste Zahl an HIV-Neudiagnosen pro
100.000 Männer in der Altersgruppe der 25- bis 29-jährigen MSM,
gefolgt von den 30- bis 39-jährigen und dann bereits von den 21- bis
24-jährigen.”
Der Jahresbericht geht auch auf die
(gezielt an MSM gerichteten) ‘iwwit-Testwochen‘ (September bis November
2009) ein:
Das RKI sieht “keine Anhaltspunkte
dafür, dass sich im Zeitraum der Testwochen …die Anzahl von gemeldeten
HIV-Erstdiagnosen verglichen mit den vorangegangenen Jahren wesentlich
verändert hat”.
Das RKI veröffentlicht auch
erste Daten der “HIV Inzidenz-Studie”, die Aufschluss darüber liefern
soll, wie hoch der Anteil der kürzlich (vergangene fünf Monate)
erworbenen HIV-Infektionen unter den HIV-Neudiagnosen ist. Aufgrund der
Daten einer ersten Zwischenauswertung (Zeitraum 1.3.2008 bis 28.2.2009;
1.512 Proben von gesicherten Erstdiagnosen, Proben “weitgehend repräsentativ
für alle HIV-Neudiagnosen in Deutschland”) stellt das RKI fest
Die Daten des Jahresberichts
(außer Inzidenzstudie) basieren auf Meldungen an das RKI bis zum
01.03.2010.
Weitere Informationen:
HIV-Infektionen und AIDS-Erkrankungen
in Deutschland
Jahresbericht zur Entwicklung im
Jahr 2009 aus dem Robert Koch-Institut
in: Epidemiologisches
Bulletin 22/2010 (pdf)
ondamaris
vom 7. Juni 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Diskussion: Gleitmittel erhöht Transmissionsrisiko?
ja, wir haben die Meldung von in
den HIV Aids Infos online auch recht beunruhigt gelesen („Durch die Verwendung
von Gleitmitteln beim Analsex kann sich das HIV-Ansteckungsrisiko erhöhen.
Wird diese sexuelle Spielart so und obendrein ohne Kondom betrieben, ist
die Gefahr einer Ansteckung 20 Mal höher als bei ungeschütztem
Vaginalsex.“)
Wenn man aber auf das Original (PM
aus Pitsburgh) geht, dann stellt man fest, dass es sich um einen Übersetzungsfehler
handelt. Im Original heißt es, dass das Risiko für ungeschützten
Vaginalsex ca. 20-mal höher ist als für Sex mit Kondom. Und erst
im nächsten Satz wird spekuliert, ob Gleitmittel das Übertragungsrisiko
erhöhen könnten.
Aber natürlich geht es um ein mögliches Risiko durch Gleitmittel. Die Meldung geht auf zwei Studien zurück, die in Pitsburgh vorgestellt wurden (leider haben wir die Studien nicht im Original, sind je erst auf einem Kongress vorgestellt worden):
Studie von Gorbach:
Die Studie, auf die HIV Aids Infos
online sich bezieht, ist zudem in der Aussage gnadenlos überzogen.
Ich zitiere aus der Presseerklärung (im Anhang): “Of the 302 included
in the analysis, 25 (8.3 percent) tested positive for a bacterial rectal
STI (5.6 percent of women and 10.2 percent of men). But among those who
said they recently used a lubricant, the number of STIs was higher. With
STI test results available for 145 of the 147 recent users, the researchers
found that 17 (11.7 percent) tested positive for a rectal STI compared
to just seven (5.1 percent) of the 156 who said they did not use a lubricant.“
Das heißt, die Aussage bezieht sich darauf, dass von 302 Personen 25 eine STD hatten. 17 davon gehörten zu den 147 Gleitmittelgebraucher, 7 davon gehörten zu den 156 Nicht-Gleitmittel Gebrauchern. Aus so einem Ergebnis so eine Pressekonferenz zu machen, ist schon ein starkes Stück. Das kann auch Zufall sein. Außerdem heißt es weiter, dass Schwarze mehr Gleitmittel benutzten als Weiße. Nach meiner Kenntnis haben Schwarze in den USA auch mehr STD. Die Meldung ist also überzogen!
Studie von Dezzutti:
Schon länger ist bekannt (und
das wird von den Forschern auch thematisiert), dass z.B. früher (oder
noch im Ausland) verwendete spermizidbeschichtungen von Kondomen (nonxylol)
die Schleimhaut schädigen und ein HIV-Übertragungsrisiko erhöhen
können.
Nun werden bei Dezzutti 6 Gleitmittel
an Zellmodellen überprüft. Vor allem die hyperosmolaren sollen
Zellen (Zelleverbünde in der Petrischale) schädigen. Ein Gleitmittel
wird schlecht bewertet, da es sich ungünstig auf die Bakterienkolonien
(in der Scheide?? Wahrscheinlich) auswirkt.
Schon von zwei früheren Studien
(s. Anhang) ist bekannt, dass hyperosmolare Gleitmittel auch die Schleimhaut
schädigen und daher auch – wie nonoxylol- zu mehr HIV-Übertragungen
führen könnten. Könnten! Bewiesen ist das nicht, aber plausibel
wäre es. Die Tonizität (Lösung mit gleichem osmotischem
Druck wie das menschliche Blut bzw. die Zelle, also iso-osmolar) von Gleitmittel
macht sich im Wesentlichen aus dem Salz- und Zuckergehalt zusammen. Der
Salzgehalt menschlicher Zellen liegt bei 0,9%, ähnlich dem Meer, da
kommen wir ja her.
Andererseits:
Die Stiftung Warentest hat Gleitmittel
2007 getestet. Das war allerdings –auch- sehr hetero.
Wir wissen daher, dass der ph-gehalt
(wie sauer/basich ist das Zeugs) des Gleitmittels dem ph-Gehalt der Scheide
(J) angeglichen wird.
Wässrige Gleitmittel enthalten
außerdem praktisch immer Konservierungsstoffe.
Über die Tonizität steht
bei Stiftung Warentest leider nix drin.
Aber: die Stiftung Warentest hat
auch die Haut- und Schleimhautverträglichkeit der Gleitmittel überprüft.
Die Methoden der Prüfung werden benannt (s. Kasten S. 73). Letztendlich
ist ja die Gesamtverträglichkeit wichtig (inkl. Konservierungsstoff).
Alle Gleitmittel hatten sehr gut oder gut abgeschnitten! Das ist doch schon
mal eine beruhigende Meldung.
Wir nehmen das Thema trotzdem ernst
Wir haben letzte Woche (Steffen Tauber,
Dirk Sander) verabredet, dass wir in diesem Jahr noch einen HIV-Report
zum Thema machen (und uns u.a. kundig machen, wie zuverlässig die
Verträglichkeitstests der Stiftung Warentest sind). Ich bin nicht
der Meinung, dass wir nun übereilt agieren sollten (Stiftung Warentest
ist doch noch Stiftung Warentest), aber wir sollten uns da mal schlauer
machen als wir derzeit sind.
Die Pitsburg-Forscher betonen selber,
dass man noch mehr Untersuchungen braucht. Das Ganze reicht auch aus meiner
Sicht noch nicht für übereilte weiter reichende Konsequenzen.
PS: Es gab –und gibt- auch immer mal wieder die Frage, ob eine Analspülung mit Wasser (hypoosmolar) die Zellen schädigt. Mehr vielleicht (da mehr Menge) als ein Gleitmittel. Weil bei Einbringen einer hypoosmolaren Lösung die Zellen im Darm das freie Wasser aufsaugen, schwellen und lädiert werden könnten. Tja. Aber da wird es kaum Studien geben können, die dem nachgehen. Was wäre die Konsequenz? Nur 0,9-%-iges Salzwasser nehmen? Völlig unrealistisch…
PPS: Gleitmittel haben eine protektive Wirkung, indem sie Reibung verringern und die Schleimhaut dadurch schonen. Dieser Effekt ist wahrscheinlich erheblich und wahrscheinlich auch höher als der oben postulierte (hypothetische) negative Effekt.
Die Moral von der Geschicht: kipp das Kinde nicht mit dem Bade aus ...
Im Anhang:
Gleitmittel
und Schleimhautschäden Literatur.pdf
Pressemeldungen
der Pitsburgh-Studien
Stiftung
Warentest
Abstracts von 2 bereits publizierten
Studien zur Hyperosmolarität von Gleitmitteln (und der möglichen
Schädigung der Schleimhaut) aus 2007
und 2008
Deutsche
Aids-Hilfe e.V. - Armin Schafberger - Referat Medizin- und Gesundheitspolitik
der DAH vom 4. Juni 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Zinksubstitution für HIV Patienten?
von Dr. med Eveline Bucheli
Lässt sich die immunologische Funktion von HIV-Patienten durch eine Zinksubstitution erhalten?
Ein Zinkmangel kann die Bildung von T-Zellen sowie die humorale und die Zellvermittelte Immunität vermindern. In der Literatur wurden eine Verzögerung der HIV-Krankheitsprogression und eine verminderte Rate opportunistischer Infekte unter Zinksubstitution beschrieben.
Die vorliegende Arbeit hat sich mit
der Frage beschäftigt, ob eine Zinksubstitution in moderater Dosis
ein immunologisches Versagen bei HIV-Patienten verhindern und die Morbidität
und Mortalität beeinflussen kann. Insgesamt wurden 231 HIV-positive
Patienten mit oder ohne antiretrovirale Therapie in die prospektive, randomisierte,
doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie eingeschlossen. Der Einschluss
erfolgte nur bei nachgewiesenem Zinkmangel (<0.75mg/l) und die Patienten
wurden über 18 Monate nachkontrolliert. Primärer Endpunkt der
Studie war das Auftreten eines immunologischen Versagens, das definiert
wurde als Absinken der CD4-Zellzahl unter 200/µl. Als sekundäre
Endpunkte wurden die Morbidität und Mortalität sowie der HI-viral
load unter Zinksubstitution untersucht. Die Zinksubstitution erfolgte in
einer moderaten Dosis von 12mg (Frauen) bzw. 15mg (Männer) täglich,
da eine frühere Arbeit einen möglichen negativen Effekt (raschere
HIV-Progression) einer hoch dosierten Zinkgabe gezeigt hatte. Eine Beeinflussung
der Zinkserumspiegel durch chronische Entzündungsprozesse wurde durch
Bestimmung des hsCRP kontrolliert.
Rund 34% aller Patienten wiesen
bei Einschluss eine CD4-Zellzahl <200/µl auf und nur 60% aller
Patienten nahmen eine ART ein. Insgesamt war nur bei 30% aller Patienten
die Virämie komplett supprimiert. Charakterisiert war das Kollektiv
zudem durch einen hohen Anteil an Personen, die regelmäßig Alkohol
oder andere illegale Substanzen konsumierten.
Die Zinksubstitutionsgruppe wies am Ende der Beobachtungszeit signifikant höhere Zinkserumspiegel auf, relevante Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. Die Zinksubstitution konnte die Wahrscheinlichkeit eines immunologischen Versagens signifikant reduzieren (relative rate 0.24; 95% confidence interval, 0.10-0.56; P<0.002). Auch wurde die Häufigkeit von Diarrhoe unter Zinksubstitution signifikant vermindert. Nicht beeinflusst werden konnten hingegen Infekte der oberen und unteren Atemwege und die Gesamtmortalität, wobei während der Beobachtungszeit von 18 Monaten nur einzelne entsprechende Ereignisse auftraten. Ebenfalls konnte kein Effekt auf den viral load gezeigt werden.
Mein persönliches Fazit für die tägliche Arbeit: Die Definition des immunologischen Versagens ist willkürlich, eine definitionsbedingte Beeinflussung der Resultate ist möglich. Das untersuchte Patientenkollektiv ist mit unseren Patienten nicht vergleichbar. Erstens gab es eine große Anzahl von Patienten ohne antiretrovirale Therapie und zweitens war auch bei einem relevanten Anteil der behandelten Patienten die Virämie nicht komplett supprimiert. Zu erwägen ist allenfalls eine Kontrolle der Zinkserumspiegel und gegebenenfalls eine Zinksubstitution bei vereinzelten Patienten, die eine antiretrovirale Therapie aus unterschiedlichen Gründen (noch) nicht einnehmen können.
Quelle: Baum et al, CID 2010:50
Infektiologie
St. Gallen vom 2. Juni 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Kondompflicht im Bordell? Und Verbot von “ungeschütztem Geschlechtsverkehr”? Baden-Württemberg fordert über eine Bundesrats-Initiative eine “stärkere Reglementierung” von Betrieben der Prostitution.
Der Bundesrat beschäftigt sich am 4. Juni 2010 mit einer großen Bandbreite an Themen, vom Tabakgesetz über Rating-Agenturen bis zu Rentenwerten. Und mit einer Kondom-Pflicht.
Unter Top 9 beschäftigt sich
der Bundesrat in seiner 871. Sitzung am 4. Juni 2010 auf Antrag des Landes
Baden-Württemberg (Drucksache 314/10) mit einer
Der Antrag soll von Baden-Württembergs
Sozialministerin Monika Stolz (CDU) vorgestellt werden.
Baden-Württemberg fordert in
seinem Antrag “weitere gesetzliche Maßnahmen zur Reglementierung
der Prostitution”, unter anderem eine “Erlaubnispflicht für Prostitutionsstätten”
sowie die Einführung zahlreicher weiterer Meldepflichten. Im Antrag
heißt unter “3. Prävention sexuell übertragbarer Krankheiten”:
Hintergrund des Antrags Baden-Württembergs
ist Presseberichten zufolge u.a. die Debatte um “Sex-Flatrates” in Bordellen.
Zur Art der Durchführung (u.a.
Kontrolle der Einhaltung der Kondompflicht) sagt der Antrag baden-Württembergs
nichts. Beispiele sind allerdings in Bayern zu finden. So vermeldet der
Polizeibericht der Bayrischen polizei vom 19. Mai 2010 unter “714. Ergebnis
einer Schwerpunktaktion im Rotlichtmilieu”:
Juanita Henning, Sprecherin der
Prostituiertenorganisation Dona Carmen, kommentierte den Antrag Baden-Württembergs:
Der Antrag Baden-Württembergs
soll in der 871. Sitzung des Bundesrats am 4. Juni 2010 behandelt werden.
Anschließend wird er an die zuständigen Ausschüsse verwiesen.
Einem Bericht der ‘Saarbrücker Zeitung’ zufolge sind die Signale aus
den anderen Bundesländern “durchaus positiv”.
Weitere Informationen:
Bundesrat 871. Sitzung: Antrag des
Landes Baden-Württemberg “Entschließung des Bundesrates – Stärkere
Reglementierung des Betriebs von Prostitutionsstätten” vom 21. Mai
2010 (pdf)
Bundesrat 871. Sitzung: Entschließung
des Bundesrates – Stärkere Reglementierung des Betriebs von Prostitutionsstätten
– Antrag des Landes Baden-Württemberg – Drucksache: 314/10 (Erläuterung,
pdf)
Saarbrücker Zeitung 28.05.2010:
Politik
für Kondompflicht in Freudenhäusern
SZ 29.05.2010: Wie
sinnvoll wäre eine Kondompflicht in Bordellen?
Bayern: Verordnung zur Verhütung
übertragbarer Krankheiten (Hygiene-Verordnung) vom 11. August 1987
(pdf)
ondamaris
vom 31. Mai 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Wie stabil ist das Hepatitis C Virus?
Grundlagenforscher und Kliniker untersuchen gemeinsam die Widerstandsfähigkeit von HCV.
Die Hepatitis-C-Virus– kurz HCV – Infektion ist eine tückische Krankheit. Das Virus führt bei etwa 70 Prozent der Infizierten meist unbemerkt zu einer chronischen Leberinfektion. Mit dieser steigt für die Patienten das Leberkrebsrisiko. Meist gelangt das Virus über einen Nadelstich in den Körper oder über Blut-Blut Kontakt. Wissenschaftler vom TWINCORE und der Medizinischen Hochschule Hannover wollten wissen, wie lange das Virus ohne einen Wirt in Flüssigkeiten überlebt – um Patienten, Pflegepersonal und Ärzte sicher vor Infektionen schützen zu können.
"Die Stabilität von HCV konnte bisher nicht direkt untersucht werden“, sagt Dr. Sandra Ciesek, Ärztin der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der MHH und gleichzeitig Wissenschaftlerin am TWINCORE, „denn das Virus konnte nicht im Labor gezüchtet und nachgewiesen werden.“ Die Stabilität von HCV, etwa in einer Spritzen-Spülflüssigkeit oder einer Infusionslösung, konnten Mediziner nur schätzen – durch Untersuchungen mit Ersatzviren, die Rinder infizieren, aber nicht Menschen. Und auch der Nachweis der Viren war nur über einen Umweg möglich: Forscher haben nur das Erbgut der Viren nachgewiesen. „Teile des Erbguts allein sind aber noch nicht ansteckend“, sagt Dr. Eike Steinmann, Wissenschaftler in der Arbeitsgruppe Experimentelle Virologie am TWINCORE. „Wir haben in diesem Projekt mit einem neuen Zellkultursystem in der Arbeitsgruppe um Prof. Thomas Pietschmann gearbeitet. Damit können wir direkt die infektiösen Viren nachweisen.“
Die beiden Forscher haben HCV über zwei Jahre auf alle möglichen Arten zerstört: Sie haben die Viren in den Kühlschrank gestellt, erhitzt, bei Raumtemperatur stehen lassen, mit Säuren und Laugen versetzt und sie mit verschiedenen Alkoholen und handelsüblichen Desinfektionsmitteln behandelt. Die gute Nachricht: Alle Alkohole und Desinfektionsmittel wirken. „Allerdings ist das Virus bei Raumtemperatur relativ stabil. Es hält sich drei Wochen lang in einer Flüssigkeit“, sagt Sandra Ciesek. „Das bedeutet in der Praxis, dass unsere strengen klinischen Hygienemaßnahmen tatsächlich gerechtfertigt sind.“
Und wenn Klinik und Grundlagenforschung sich zusammentun, entstehen wie von selbst reihenweise neue Fragen. So hat der Nachweis der aktiven Viren – gegenüber den Erbgutteilen – gezeigt, dass die Ansteckungsgefahr durch HCV in einigen Bereichen neu geprüft werden muss. Offenbar lauert nicht überall, wo Erbgut zu finden ist, auch unbedingt Ansteckungsgefahr. Zwar ist das Risiko, sich in einem gemeinsamen Haushalt oder über sexuelle Kontakte mit HCV zu infizieren, ohnehin extrem gering, aber diese Risiken genau zu kennen, kann sie noch weiter verringern. So sind diese Fragen – etwa für Samenflüssigkeit – noch längst nicht alle geklärt. Und auch der Stabilität des Virus gehen die Wissenschaftler weiter auf den Grund: „Wir werden gemeinsam untersuchen, wie sich das Virus verhält, wenn es antrocknet. Handschuhe, Holz, Stahl – wir werden alle Arten von Oberflächen testen, die in der Klinik vorkommen“, plant Eike Steinmann. Denn ein Tropfen Flüssigkeit trocknet schnell ein und dann deutet nicht einmal mehr etwas auf eine Gefahr hin.
Twincore
– Pressemeldung vom 24. Mai 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Antiretrovirale Therapie kann Risiko einer HIV-Übertragung deutlich senken
Antiretrovirale Therapie kann das Risiko einer HIV-Übertragung bei heterosexuellen Paaren deutlich senken.
Die Antiretrovirale Therapie (ART) kommt in Afrika und anderen Gebieten mit begrenzten finanziellen Mitteln zunehmend zum Einsatz. Der potenzielle Nutzen für die Vermeidung neuer HIV-Infektionen sollte daher ausgewertet werden. Ein vorab online veröffentlichter Artikel zeigt, dass bei ART-behandelten Patienten das Risiko der HIV-Übertragung auf ihre Sexualpartner um 92 Prozent niedriger liegt. Den größten Nutzen hinsichtlich einer Verringerung der HIV-Infektionen durch ART hatten HIV-infizierte Personen mit CD4-Zellzahlen von unter 200 Zellen pro Mikroliter Blut. Die Forscher stellten außerdem fest, dass unter den HIV-infizierten Personen mit CD4-Zellzahlen oberhalb von 200 Zellen pro Mikroliter die HIV-Übertragungsraten bei jenen am höchsten lagen, deren virale Belastung mehr als 50 000 Kopien pro Milliliter Blut betrug. Dies lässt vermuten, dass eine Zielsetzung auf diese Gruppe ein wirksamer Weg sein könnte, auf Bevölkerungsebene eine weitere Senkung der HIV-Belastung zu erreichen. Der Artikel wurde von Dr. Deborah Donnell und Kollegen vom International Clinical Research Center an der University of Washington und dem Vaccine and Infections Disease Institute am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle verfasst.
Für diese überwiegend von der Bill & Melinda Gates-Stiftung finanzierte Studie wurden HIV-infizierte Personen und ihre HIV-negativen Partner erfasst. Die HIV-1-infizierten Teilnehmer hatten CD4-Zellzahlen von 250 oder mehr Zellen pro Mikroliter und entsprachen somit nicht den nationalen Richtlinien für eine ART (CD4-Zellzahlen typischerweise unter 200 pro Mikroliter). Während des 24-monatigen Nachbeobachtungszeitraums wurden alle 6 Monate CD4-Zellzählungen durchgeführt und eine ART gestartet, wenn diese Zellzahlen unter 200 absanken. Die nicht infizierten Partner wurden alle 3 Monate auf HIV-1 getestet. Primärer Ergebnisparameter der Studie war eine HIV-Übertragung zwischen den Partnern, was durch genetische Analysen bestätigt wurde. Die HIV-1-Übertragungsraten wurden mit Hilfe des ART-Status der infizierten Patienten verglichen.
Insgesamt waren 3381 Paare für diese Analyse geeignet. 349 HIV-1-infizierte Teilnehmer (10 Prozent) mit einer mittleren CD4-Zellzahl von 198 Zellen pro Mikroliter (IQR 161-265) starteten noch während der Studie eine ART. Nur eine von 103 genetisch bedingten HIV-1-Übertragungen stammte von einem infizierten Teilnehmer, der eine ART begonnen hatte. Dies entspricht einer Übertragungsrate von 0,37 pro 100 Personenjahren bei jenen, die eine Behandlung gestartet, und einer Rate von 2,24 pro 100 Personenjahren bei jenen, die noch keine Therapie begonnen hatten. Nach Bereinigung der Daten ergab sich für die ART-Patienten eine Verringerung der Übertragung um 92 Prozent. Unter den nicht ART-behandelten Patienten zeigten jene mit CD4-Zellzahlen von unter 200 Zellen pro Mikroliter die höchsten HIV-1-Übertragungsraten (8,79 pro 100 Personenjahren). Bei den Paaren, deren HIV-1-infizierter Partner CD4-Zellzahlen von über 200 Zellen pro Mikroliter hatte, traten 66 von 94 Übertragungen auf (70 Prozent), als die HIV-1-Konzentrationen im Plasma 50 000 Kopien pro Milliliter überstiegen.
Die Autoren stellen fest: "Die Anwendung der Antiretroviralen Therapie bei den infizierten Personen war für ihre Partner mit einer Verringerung des Risikos einer HIV-1-Übertragung um 92 Prozent verknüpft. Der größte Effekt der ART auf die HIV-1-Übertragung zeigte sich bei Teilnehmern mit CD4-Zellzahlen von unter 200 Zellen pro Mikroliter Blut, was die potenzielle Synergie von klinischem und vorbeugendem Nutzen der ART bei jenen betont, deren CD4-Zellzahlen unter diesem Schwellwert liegen."
Die Forscher fügen hinzu: "Die Zielsetzung auf HIV-1-infizierte Personen mit hohen HIV-1-Konzentrationen im Plasma könnte einen maximalen HIV-1 vorbeugenden Nutzen durch die ART bringen. Die Entwicklung von kostengünstigen Vor-Ort-Diagnoseverfahren für HIV-1-Konzentrationen im Plasma sollte es ermöglichen, dass ART für Patienten mit hohen CD4-Zellzahlen und hohen HIV-1-Konzentrationen im Plasma zielgerichtet bereitgestellt wird."
Darüber hinaus bemerken die Autoren: "Diese Kohorte wurde während der dreimonatigen Nachbeobachtung häufig beraten, und unsere Daten stärken frühere Ergebnisse, wonach der Beginn einer ART bei heterosexuellen Paaren nicht zu erhöhter sexueller Aktivität oder vermindertem Kondomgebrauch führt. Auf individueller Seite ist eine Beratung notwendig, um deutlich zu machen, dass auch nach Beginn einer ART die Möglichkeit einer HIV-1-Übertragung bestehen bleibt."
Die Autoren betonen, dass die Ergebnisse einer weiteren Studie der US National Institutes of Health mit Spannung erwartet werden. Diese 5 Jahre währende Studie analysierte einen ART-Start bei CD4-Zellzahlen von 350 bis 550 Zellen pro Mikroliter gegenüber 250 oder weniger Zellen pro Mikroliter. Nach Meinung der Autoren wird dies "für das Verständnis des Gleichgewichts zwischen langfristigen Risiken und Vorteilen einer ART für Behandlung und Vorbeugung von unschätzbarem Wert sein."
Die Folgerung der Autoren lautet: "Die größte Priorität zur Bereitstellung einer ART zur Behandlung wie auch zur Vorbeugung vor HIV-1 entsteht bei Patienten mit CD4-Zellzahlen von unter 200 Zellen pro Mikroliter. Da die Länder die optimale Nutzung ihrer Mittel anstreben, um die Bereitstellung von ART über Einzelpersonen mit niedrigen CD4-Zellzahlen hinaus auszuweiten, könnte die Zielsetzung einer Behandlung von Personen mit hohen HIV-1-Konzentrationen im Plasma eine wirkungsvolle Strategie darstellen, damit auf Bevölkerungsebene eine maximale Verringerungen der HIV-1-Übertragungen erreicht werden kann. Dies wäre ein Schritt in Richtung einer allgemeinen Bereitstellung von ART für alle Patienten mit HIV-1."
In einem Begleitkommentar bemerken Dr. François Dabis und Kollegen des INSERM U897 am Institute of Public Health, Epidemiology and Development an der Université Victor Segalen in Bordeaux: "Während der einen Stunde, die man benötigt, diesen vollständigen Kommentar und verknüpften Artikel zu lesen, werden sich 300 neue HIV-Infektionen in Afrika ereignet haben. Wir sollten nicht auf die Ergebnisse weiterer Modelle, Überwachungsstudien oder der laufenden paar-basierten Vorbeugestudie warten, bevor wir uns in bevölkerungs-basierten 'Test and Treat'-Untersuchungen engagieren. Die Vermeidung neuer Infektionen wäre zwar die wichtigste Zielsetzung, ein gegenüber den anfänglich erhöhten Kosten für das Gesundheitssystem zu bewertender Nutzen auf individueller Ebene wäre jedoch ebenfalls zu erwarten. In der Tat sprechen die aktuellen Ergebnisse stark für eine neue Generation der Erforschung der HIV-Vorbeugung mittels bestmöglicher wissenschaftlicher Technologie auf Bevölkerungsebene, darunter Cluster-randomisierten Studien."
The
Lancet vom 29. Mai 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Der genetische Schlüssel zur besseren Therapie
Essener Forscher individualisieren die Behandlung von Hepatitis C.
Neue Hoffnung für Menschen, die an Hepatitis C erkrankt sind: Die gezielte Unterdrückung eines Gens kann auch jenen Patienten helfen, die auf die üblichen Kombinationstherapien nicht ansprechen. Über 170 Millionen Menschen sind weltweit mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert und tragen die chronische Krankheit in sich. Während der Großteil davon auf die klassischen Kombinationstherapien mit Interferon-? und Ribavirin anspricht, zeigen die Mittel – je nach Virustyp – bei bis zu 50 Prozent der Patienten nicht die gewünschte Wirkung.
Hepatologen am Universitätsklinikum Essen haben nun erforscht, warum die Medikamente einigen Patienten helfen und anderen nicht – und sind dabei auf die Funktionsweise eines ganz bestimmten Gens gestoßen. „Wenn Hepatitis-C-Viren nicht auf eine Kombinationstherapie ansprechen, dann hängt das mit einer Überproduktion des Interferon Stimulierten Gens 15 (ISG15) in der Leber zusammen“, erklärt Prof. Dr. Jörg Friedrich Schlaak, Gastroenterologe und Hepatologe am Universitätsklinikum Essen. „ISG15 begünstigt die Replikation der Hepatitis-C-Viren, daher verstärkt sich die Viruslast im Körper.“ Ob ein Organismus dabei mehr oder weniger ISG15 ausschüttet, ist zum großen Teil genetisch bedingt. So kann ein Gentest schon vor dem Beginn einer Behandlung zeigen, ob die klassische Kombinationstherapie gegen Hepatitis C anschlagen wird oder nicht. Eine Behandlung kann deshalb künftig sehr viel zielgerichteter erfolgen.
Das Virus macht sich ein ganz bestimmtes Gen zu Nutze
„ISG15 wird von ganz bestimmten Abwehrstoffen, so genannten Interferonen, induziert“, sagt Prof. Schlaak. Eigentlich wird den Interferonen eine antivirale Wirkung zugeschrieben. „Das Hepatitis-C-Virus schafft es aber, sich ISG15 zu Nutze zu machen und es so zu stimulieren, dass andere Gene, die das Virus hemmen würden, nicht mehr so stark zum Zuge kommen.“ Das Virus hat dann freie Bahn – und kann sich ungestörter ausbreiten. „Die Erkenntnis darüber, welcher Mechanismus hinter dem Zusammenspiel der einzelnen Gene und dem Hepatitis-C-Virus steckt, ebnet den Weg für neue Therapiekonzepte“, betont Prof. Schlaak. So kann eine Kombinationstherapie mit Interferon-? und Ribavirin dadurch verstärkt werden, dass man zugleich Hemmstoffe, beispielsweise so genannte siRNAs, einsetzt, die eine vermehrte Bildung von ISG15 unterbinden. „Eine Absenkung von ISG15 auf normales Niveau reicht möglicherweise aus, um auch jenen Menschen, bei denen eine Kombinationstherapie bislang wirkungslos war, mit diesen Standardmedikamenten zu helfen. Die Therapie schlägt dann nach einer Herunterregelung von ISG15 sehr viel besser an.“ Diese Beobachtung wurde zwischenzeitlich auch von anderen Forschern bestätigt.
Studie soll patientenorientierte Therapie ermöglichen
Mit einer groß angelegten Studie wollen die Essener Forscher nun herausfinden, ob es noch weitere Marker gibt, die erkennen lassen, welche Therapie bei welchen Patienten optimal wirkt. „Unser Ziel ist es, in ein paar Jahren auf den individuellen Patienten abgestimmte Therapien auf den Weg zu bringen. Damit wir jene Menschen mit dieser chronischen Erkrankung, die nicht auf eine bestimmte Therapie ansprechen, erst gar nicht mit den Nebenwirkungen der Behandlung belasten müssen“, erläutert Prof. Schlaak. Die Ergebnisse seiner Forschungsgruppe zum Thema ISG15 erscheinen in Kürze mit einem Beitrag in der renommierten Fachzeitschrift „GUT“.
Universitätsklinikum
Essen - Pressemeldung vom 28. Mai 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Gleitmittel beim Analsex erhöht HIV Ansteckungsrisiko
Durch die Verwendung von Gleitmitteln beim Analsex kann sich das HIV-Ansteckungsrisiko erhöhen. Wird diese sexuelle Spielart so und obendrein ohne Kondom betrieben, ist die Gefahr einer Ansteckung 20 Mal höher als bei ungeschütztem Vaginalsex. Liegen zudem im Analbereich andere Infektionen vor, können diese die HIV-Ansteckungsgefahr noch zusätzlich steigern. Zu diesem Ergebnis sind in den USA zwei Forschergruppen gekommen. Auf der International Microbicides Conference in Pittsburgh haben die Experten nun ihre Ergebnisse vorgestellt.
Offenbar können Gleitmittel das Infektionsrisiko erhöhen, weil viele dieser von den Wissenschaftlern untersuchten Mittel die Zellen im Darm angreifen und so anfällig für Krankheitserreger werden lassen. Gemäß den Forschern haben allein in den USA 90 Prozent der homosexuellen Männer Analsex. Darüber hinaus sollen in den USA und Großbritannien zwischen zehn und 35 Prozent der sexuell aktiven heterosexuellen Frauen diese sexuelle Variante praktizieren; weltweit sollen es zwischen fünf und zehn Prozent der sexuell aktiven Hetero-Frauen sein.
Obwohl Kondome vor Infektionen mit HI-Viren und anderen beim Analsex übertragenen Krankheiten schützen, findet diese sexuelle Spielart in den meisten Fällen ungeschützt statt. Derzeit laufen Tests, bei denen spezielle mikrobenabtötende Substanzen ihre Wirksamkeit gegen HI-Viren und andere Krankheitserreger unter Beweis stellen sollen. Möglicherweise lässt sich auf Basis dieser Substanzen in Zukunft ein Gel herstellen, mit dem die Vagina und die Analgegend widerstandsfähiger gegen Krankheitserreger werden sollen. Doch bislang ist der Gebrauch von Kondomen der sicherste Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten - sei es beim Vaginal- oder Analverkehr
Yahoo
News vom 27. Mai 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Telaprevir: deutliche Therapieverbesserung bei Hepatitis C?
Telaprevir, ein experimenteller Proteasehemmer, könnte nach Angaben des Herstellers den Erfolg von Therapien gegen Hepatitis C deutlich verbessern.
75% der Patienten in einer Phase-III-Studie, die zusätzlich zur Standard-Therapie auch den experimentellen HCV-Proteasehemmer Telaprevir erhielten, erzielten einen virologischen Therapieerfolg (sustained viral response). Dies berichtete das Pharmaunternehmen Vertex in einer Pressemitteilung über eine Phase-III-Studie.
Die Teilnehmer der Studie (geplant: 1.050 Teilnehmer) waren mit Hepatitis C (HCV) Genotyp 1 infiziert und bisher nicht mit anderen Therapien vorbehandelt. Die Studienteilnehmer erhielten zur Standardtherapie gegen Hepatitis C (pegyliertes Interferon plus Ribavirin) auch (für 8 oder 12 Wochen) den oral einzunehmenden experimentellen HCV-Proteasehemmer Telaprevir. Anschließend wurde weiterhin die Standardtherapie gegeben. 75% der Patienten, die 12 Wochen Standardtherapie plus Telaprevir mit anschließend 12 Wochen Standardtherpaie erhielten, erreichten einen virologischen Therapieerfolg.
Telaprevir wird von Vertex Pharmaceuticals in Zusammenarbeit mit Tibotec entwickelt. Tibotec beabsichtigt, in den USA noch im zweiten Halbjahr 2010 die Zulassung von Telaprevir für die Behandlung der Hepatitis C bei therapienaiven wie auch therapieerfahrenen Patienten zu beantragen.
Weitere Informationen:
New York Times 25.05.2010: Hepatitis
C Drug Raises Cure Rate in Late Trial
Vertex Pharmaceuticals Pressemitteilung
25.05.2010: 75%
of Treatment-Naïve Patients with Chronic Hepatitis C Achieve SVR (Viral
Cure) with Telaprevir-Based Treatment in Phase 3 Trial
ondamaris
vom 26. Mai 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
HIV-Patienten besser versorgen - Kooperation mit Südafrika
Die Therapie für HIV-Patienten ist in den vergangenen Jahren deutlich effektiver geworden. Dazu hat auch Professor Hartwig Klinker vom Universitätsklinikum Würzburg beigetragen. Bald sollen von seiner Methodik auch Patienten in Südafrika profitieren.
Professor Hartwig Klinker leitet den Bereich Infektiologie an der Medizinischen Klinik II der Universität Würzburg. Mit seinem Team betreut er dort seit vielen Jahren auch HIV-infizierte Patienten. Derzeit sind es rund 300 bis 350, die regelmäßig in die Ambulanz kommen.
In Deutschland sind zur Behandlung der HIV-Infektion 22 Arzneistoffe zugelassen, die grundsätzlich in Kombination eingenommen werden müssen. Dadurch kann bei vielen Infizierten die Virenmenge im Blut stark gesenkt werden. Gleichzeitig steigt in der Regel die Zahl der für das Immunsystem wichtigen T-Helferzellen; der Gesundheitszustand verbessert sich.
Wichtig: Blutspiegel der Medikamente überwachen
„Langfristig hat die Therapie nur Erfolg, wenn die Medikamente im Organismus kontinuierlich in ausreichender Konzentration vorhanden sind“, sagt Professor Klinker. Das aber sei nicht immer gewährleistet. Denn viele Faktoren, wie zum Beispiel gleichzeitig eingenommene andere Arzneimittel oder die Art der Ernährung, können sich ungünstig auf die Konzentration der Medikamente auswirken.
Wichtig ist es darum, den Blutspiegel der Anti-HIV-Medikamente bei den Patienten zu überwachen. Die Würzburger Mediziner haben die dafür nötige Analytik entwickelt: Mit ihrer Hilfe lassen sich Medikamentenkombination und Dosis so gut auf jeden Patienten anpassen, dass die Effizienz der Therapie deutlich besser wurde.
Medikamenten-Dosierung nicht einfach auf Südafrika übertragbar
Auch HIV-Patienten in Südafrika sollen künftig von dieser Methode profitieren. „Einfach auf die dortigen Verhältnisse übertragen lässt sich die hier übliche Dosierung der Anti-HIV-Medikamente leider nicht“, sagt Klinker.
Grund: Das Wissen über die Wirksamkeit und Dosierung der Anti-HIV-Medikamente wurde fast nur in den USA und Europa gewonnen, und zwar überwiegend an erwachsenen Männern. In Afrika sind aber wesentlich mehr Frauen von der Infektion betroffen, und es müssen dort auch viele Kinder und Schwangere behandelt werden. Zudem haben die Patienten andere Begleitkrankheiten.
Weitere Unsicherheit: Möglicherweise verstoffwechselt der Organismus von Afrikanern die Medikamente anders, als es bei Europäern und Nordamerikanern der Fall ist. Deshalb ist bei Patienten in Südafrika die Untersuchung der Medikamentenspiegel besonders wichtig.
Südafrikanerin zu Gast in Würzburg
Forscher aus Südafrika und Würzburg kooperieren, um die hier etablierte Analytik der Anti-HIV-Medikamente in gemeinsamen Projekten weiterzuentwickeln. Noch bis vor einigen Tagen war bei Professor Klinker Desiré Fouché zu Gast, eine Pharmakologin, die an der Universität Stellenbosch zurzeit ihren Master macht.
Die junge Wissenschaftlerin untersucht mögliche Wechselwirkungen zwischen den Anti-HIV-Medikamenten und dem Arzneimittel Fluconazol, das in Südafrika häufig verschrieben wird. Fluconazol bekämpft einen Pilz, der Hirnhautentzündungen auslöst und HIV-Patienten häufig zu schaffen macht.
Methodik auch in Südafrika etablieren
Ziel der deutsch-südafrikanischen Kooperation: Die spezielle Analytik und die damit mögliche Anpassung der Dosierung der Anti-HIV-Medikamente soll sich auch in Südafrika etablieren – mit Blick auf die spezifischen Bedürfnisse dort. HIV-infizierte Kinder, Schwangere und Menschen mit bestimmter Begleitmedikation stehen im Mittelpunkt des Projekts.
Geleitet werden die Arbeiten von den Professoren Bernd Rosenkranz, Mark Cotton und Jantjie Taljaard in Kapstadt sowie von Hartwig Klinker in Würzburg. Das Projekt ist Teil des Internationalen Graduiertenkollegs „HIV/AIDS and associated infectious diseases in Southern Africa“ der Universitäten Würzburg, Kapstadt und Stellenbosch.
Julius-Maximilians-Universität
Würzburg – Pressemeldung vom 25. Mai 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Erfahrungen von Jugendlichen mit HIV
von Dr. Dunja Nicca
Umgang mit der Infektion und deren Behandlung. Teenager zu sein ist nicht immer einfach, aber was bedeutet es mit einer HIV Infektion erwachsen zu werden?
Dieser Frage ging ein Schweizer Forschungsteam in einer qualitativen Untersuchung an sechs Zentren der Schweizerischen Mutter und Kind HIV Kohortenstudie (MoCHiV) nach. Neunundzwanzig Jugendliche (12-20 Jahre), die mit einer HIV Infektion leben, berichteten in offen geführten Interviews, über ihr Leben mit der HIV Infektion und deren Behandlung sowie über ihre Erfahrungen im Gesundheitssystem.
Die Wahrnehmung der HIV Infektion wurde altersabhängig beschrieben:
Während die jüngeren Jungen und Mädchen (12-15 Jahre) von einem Virus oder auch der Blutübertragung berichteten, schienen die Älteren das Konzept und die Bedeutung der Infektion besser integriert zu haben. Sie berichteten zum Beispiel detailliert über Immunfunktionen und die Bedeutung von HIV für ihre Sexualität und Zukunft. Einige der Jugendlichen erklärten jedoch auch, dass HIV überhaupt keine Bedeutung für sie habe.
Fragen, Gefühle und Ideen über die HIV Infektion auszutauschen schien schwierig:
Alle befragten Jugendlichen lebten seit frühester Kindheit mit der HIV Infektion. Die Jugendlichen berichteten wenig bis gar nicht mit ihren Eltern oder Ärzten darüber zu sprechen wie sie infiziert wurden. Außerdem hatten die meisten Jugendlichen nicht mit ihren Freunden über die HIV Infektion gesprochen und nahmen die Medikamente unbeobachtet ein.
Die Medikamenteneinnahme, vielen Strategien zur Selbständigkeit:
Bis auf zwei Mädchen und einen Jungen nahmen alle Jugendlichen zum Zeitpunkt des Interviews antiretrovirale Medikamente ein. Während insbesondere die Jüngeren erzählten, dass sie von den Eltern zur Einnahme erinnert wurden, beschrieben viele der älteren Jugendlichen, konkrete Strategien zur regelmäßigen Einnahme im Alltag aber auch in speziellen Situationen. Diese Strategien reichten von einfachen Erinnerungshilfen wie Post-it Zettel auf der Kakaobüchse über den Telefonalarm bis hin zu Strategien damit die Einnahme auch unterwegs, auf Partys oder im Ferienlager klappt. Dazu berichtete zum Beispiel ein 18 jähriges Mädchen: „Ich habe die Tabletten immer dabei, ich frage nach etwas zu trinken, sogar an einer Bar und schlucke die dann einfach schnell.“ Interessanterweise wurden Jugendliche, welche nicht explizit von solchen Strategien berichten konnten, von ihren behandelnden Ärzten als weniger konsequent in der regelmäßigen Medikamenteneinnahme eingeschätzt. Insgesamt wurden die meisten der 29 Jugendlichen als sehr therapietreu eingeschätzt, bei elf vor allem älteren Jugendlichen wurden Probleme bei der regelmäßigen Einnahme aus Sicht der Ärzte angegeben. Eine Haltung von Ablehnung der HIV-Infektion gegenüber schien vor allem in den Erzählungen dieser Jugendlichen mit Problemen in der Therapietreue präsent zu sein.
Diese Untersuchung ist eine der ersten europäischen Untersuchungen, welche die Perspektive von Jugendlichen mit HIV beleuchtet. Einblicke in deren Erleben weisen vor allem auf einen Unterstützungsbedarf durch Fachpersonen in zwei Bereichen hin: Erstens, die betroffenen Familien zu befähigen über HIV zu sprechen und Zweitens die Jugendlichen entwicklungsspezifisch zu befähigen, Strategien im Umgang mit Medikamenten zu entwickeln. Beides fordert spezifische Kompetenzen und zeitliche Ressourcen von Fachpersonen, dürfte sich jedoch nachhaltig auf die Fähigkeit zum Umgang mit HIV und auf die Gesundheit dieser jungen Menschen auswirken.
Quelle: Michaud et al. 2010 Swiss Medical Weekly
Infektiologie
St. Gallen vom 21. Mai 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Keine Immunglobuline bei Aids und MS
Nach der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts könnten auf Ärzte hohe Regressforderungen zukommen
Kassel - Immunglobuline können weder bei Patienten mit Immunschwäche noch mit Multipler Sklerose zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden. Ärzte, die solche Präparate verordnet haben, müssen daher Regress leisten, urteilte das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel.
Damit wies das BSG einen Onkologen und einen Neurologen aus Berlin ab. Bei dem Onkologen waren allein für eine Patientin in drei Quartalen des Jahres 1999 26 359 Euro streitig.
Die 2001 verstorbene Patientin litt unter dem Antikörpermangelsyndrom (AMS) sowie einem metastasierenden Karzinom der Eileiter. Mit Polyglobin wollte der Onkologe sie für die Chemotherapie stärken. Insgesamt gehe es um 400 000 Euro und damit um die Existenz, sagte sein Anwalt vor dem BSG.
In weiteren Fällen sind in den Instanzen Regresse bis zu einer Million Euro gegen ermächtigte Krankenhausärzte im Streit. Verordnet wurden die Immunglobuline überwiegend bei Aids.
Für beide Indikationen seien Immunglobuline nicht zugelassen, erklärte das BSG zur Begründung. Auch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts 2005 zu besonders schweren oder tödlichen Krankheiten führe nicht zu einer Verordnungsfähigkeit zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen. Denn zumindest 1999 habe es an dem auch hierfür notwendigen Mindestmaß an Wirksamkeitsnachweisen gefehlt.
Derzeit werden beide Indikationen vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sowie vom Gemeinsamen Bundesausschuss neu geprüft.
Mit seinen Urteilen schloss sich der Sechste Vertragsarztsenat des Bundessozialgerichts der Rechtsprechung des Ersten Senats aus dem Jahr 2002 an. Der hatte damals seine zuvor großzügigere Rechtsprechung aufgegeben und den Off-Label-Use an drei Bedingungen geknüpft: Erstens muss es sich um eine besonders schwere Krankheit handeln, gegen die zweitens keine andere Therapie verfügbar ist. Drittens muss eine begründete Aussicht auf Erfolg bestehen, sprich, so damals der Erste Senat: "Es müssen Forschungsergebnisse vorliegen, die erwarten lassen, dass das Arzneimittel für die betreffende Indikation zugelassen werden kann."
Az.: B 6 KA 6/09 R (AMS) und B 6 KA 24/09 R (MS)
Ärzte
Zeitung vom 21. Mai 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Ausrottung der Pocken fördert HIV-Verbreitung
Impfstoff könnte gegen HIV eingesetzt werden. Nur Wissenschaftler und medizinisches Personal werden noch geimpft.
Virginia - Die weltweite Ausrottung der Pocken könnte unbeabsichtigt die Ausbreitung von HIV-Infektionen gefördert haben. Wissenschaftler der George Mason University http://www.gmu.edu gehen davon aus, dass der Impfstoff, der eingesetzt wurde, um die Pocken zu bekämpfen, einen gewissen Schutz gegen das Aids-Virus geboten hat. Da er jetzt nicht mehr eingesetzt wird, kann sich auch HIV leichter verbreiten.
Tests legen nahe, dass die Impfung beeinflusst, wie rasch sich HIV vermehrt. Das Team um Raymond Weinstein schreibt jedoch in BMC Immunology, http://www.biomedcentral.com/bmcimmunol, dass es noch zu früh sei, eine Pockenimpfung zur Bekämpfung von HIV zu empfehlen.
Erklärungsansätze bislang unzureichend
Weinstein erklärte, dass es mehrere mögliche Erklärungen für die rasche Ausbreitung von Aids in Afrika gegeben hat. Dazu gehörten Kriege, die Wiederverwendung von nicht sterilisierten Nadeln und die Kontamination von frühen Chargen des Impfstoffes gegen Kinderlähmung. Alle diese Ansätze wurden entweder verworfen oder erklärten die Pandemie nicht ausreichend.
Er glaubt, dass die Immunisierung gegen Pocken einen guten Erklärungsansatz liefern kann. Die Immunisierung gegen Pocken wurde von den fünfziger Jahren bis zu den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts schrittweise zurückgenommen, gefolgt von der weltweiten Ausrottung. Die Wissenschaftler argumentieren, dass sich HIV seit damals exponentiell ausgebreitet hat.
Impfungen heute selten
Heute werden nur noch Wissenschaftler und medizinisches Fachpersonal, die mit der Krankheit in Berührung kommen, geimpft. Um einen möglichen Zusammenhang zu finden, wurden die weißen Blutkörperchen von Menschen, die erst kürzlich geimpft worden waren auf ihre Reaktion auf HIV hin untersucht. HIV vermehrte sich in den Blutzellen dieser Menschen deutlich langsamer als bei der nicht geimpften Kontrollgruppe.
Der Impfstoff schien die Vermehrung des Virus um das Fünffache zu senken. Das Team geht davon aus, dass eine Impfung durch langfristige Veränderungen des Immunsystems einen Schutz gegen HIV bieten kann.
Presstext
Austria vom 18. Mai 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Verwendung von Kondomen soll unter Prostituierten verbreitet werden
Dongguan am Perlflussdelta ist für seine florierende Sexindustrie bekannt. Damit einher geht auch eine hohe Infektionsrate mit HIV. Die Stadt versucht nun, die Verwendung von Kondomen unter Prostituierten in den kommenden drei Jahren auf 85 Prozent zu steigern, um die Ausbreitung von HIV in der Stadt zu kontrollieren.
Dongguan, ein Herstellungs- und Export-Knotenpunkt in der südchinesischen Provinz Guangdong, versucht, die Verwendung von Kondomen unter Prostituierten in den kommenden drei Jahren auf 85 Prozent zu steigern, um die Ausbreitung von HIV beziehungsweise AIDS in der Stadt zu kontrollieren, die weit bekannt ist für ihre Sexindustrie, berichtete die Guangzhou Daily am Dienstag. Laut dem Zentrum für Krankheitsvorbeugung und -kontrolle von Dongguan ist die Stadt dem China Global Fund AIDS-Programm beigetreten und hat einen Arbeitsplan für dessen Durchführung aufgestellt. Dieser zielt darauf ab, die Verwendung von Kondomen unter Prostituierten zu fördern und bis 2012 die Infektionsrate von HIV unter einem Prozent zu halten.
Prostitution ist illegal in China. Offizielle Statistiken belegen, dass die Zahl der Personen, die mit HIV infiziert oder an AIDS erkrankt sind, mit Stand von 2009 in Dongguan 2.000 überschritten hat, womit die Stadt auf dem siebten Platz in Guangdong liegt.
Zhu Jianqiong, Direktor der AIDS-Behörde in Dongguan, erklärte gegenüber Global Times, dass die Übertragung durch Heterosexuelle die Übertragung durch Drogenspritzen als HIV-Hauptinfektionsursache ersetzt habe. Im Jahr 2009 wurden ganze 50 Prozent der neuen Fälle auf diese Weise infiziert, ein Anstieg von 25 Prozent vom Jahr 2007 beziehungsweise 30 Prozent vom Jahr 2008. "In einigen Gemeinden beträgt der Anteil sogar über 70 Prozent", so Zhu. Rund neun Prozent der Infektionen würden durch Übertragung durch Homosexuelle hervorgerufen. Bei dem jetzigen Projekt seien Gruppen mit "hohem Risiko" einer Infektion, wie Prostituierte, homosexuelle Männer, Drogenabhängige und Wanderarbeiter, das Hauptziel, so Zhu weiter. Dongguan am Perlflussdelta mit einem großen Anteil an Wanderarbeitern hat Berichten zufolge eine florierende Sexindustrie mit vielen Karaokebars, Massage-Salons, Haar-Salons und Hotels, die illegal Sexdienste anbieten.
Der Plan hat jedoch Fragen unter vielen Internetnutzern aufgeworfen, die deren Ansicht deutlich werden lassen, dass die Lokalregierung einfach stillschweigend die Sexindustrie zulasse. "Es hängt von den gesetzgebenden Behörden ab, festzulegen, ob Bezahlung gegen Sex legal ist oder nicht", erklärt Zhu. "Unsere Mission ist es, das Bewusstsein gegenüber geschütztem Sex unter Prostituierten und anderen Zielgruppen zu erhöhen."
Weitere Ziele des Dreijahresplans sind unter anderem die größere Verbreitung der Verwendung von Kondomen unter einem höheren Anteil verschiedener gefährdeter Gruppen: Man will mindestens 70 Prozent der Drogenabhängigen, die Spritzen verwenden, erreichen, wobei die HIV-Infektionsrate unter ihnen bei weniger als neun Prozent liegt, mindestens 85 Prozent der homosexuellen Männer, deren HIV-Infektionsrate unter acht Prozent liegt, und mindestens 80 Prozent der Wanderarbeiter. Außerdem will man eine 85-prozentige einjährige Überlebensrate für Erwachsene und Kinder, die gegen AIDS behandelt werden, erreichen.
Zhu erklärt, dass der Plan vom Global Fund AIDS-Programm unterstützt wird, ein internationales Finanzierungsprojekt, das im Januar begonnen wurde und sechs Jahre dauern wird. Es erfasst 31 Provinzen, autonome Gebiete und regierungsunmittelbare Städte in China. Insgesamt 2,29 Milliarden US-Dollar werden für einen weiter gefassten, gezielten und geografisch priorisierten AIDS-Plan in China benötigt, hieß es in einer Ankündigung auf der offiziellen Webseite des Programms vom November 2008. Dongguan hat von 2010 bis 2012 Gelder in Höhe von 1,08 Millionen US-Dollar für die erste Phase des Plans bereitgestellt, wie die Guangzhou Daily berichtete. "Wir werden die Aufklärung über Sex und AIDS verbessern und die Verwendung von Kondomen unter Gruppen mit hohem Infektionsrisiko fördern, indem wir Vorträge organisieren und Infomaterial verbreiten", so Zhu.
Dem Bericht eines staatlichen Kontrollprogramms zufolge betrug 2008 die HIV-Infektionsrate unter den Prostituierten in Dongguan 0, 8 Prozent, während 80,3 Prozent der Prostituierten Kondome verwendeten, wobei die Zahl weitaus höher als das nationale Niveau ist. Es war nicht klar, wie die Zahlen ermittelt wurden. Lü Fan, Forscher am Staatlichen Zentrum für die Vorbeugung und Kontrolle von AIDS und sexuell übertragene Krankheiten unter dem Chinesischen Zentrum für Krankheitsvorbeugung und -kontrolle, erklärte am Dienstag gegenüber Global Times, dass nur 40 bis 50 Prozent der Prostituierten landesweit Kondome verwenden, wie das Zentrum ermittelte.
Jiang Hua, ein Experte der Sexindustrie in der nordostchinesischen Provinz Jilin, erklärt gegenüber Global Times, dass Prostituierte normalerweise beim ersten Service für einen Klienten Kondome verwenden, doch ansonsten lieber Risiken eingehen, um mehr Geld zu machen. "Prostituierte, die Büroangestellte bedienen, haben mehr Freiheit bei der Entscheidung, ob sie Kondome benutzen möchten oder nicht", so er. "Diese Prostituierten geben die Verwendung von Kondomen schneller auf, um reiche Klienten zufrieden zu stellen."
Es gibt zwischen vier Millionen und zehn Millionen weibliche Prostituierte auf dem chinesischen Festland, die mehr als sechs Prozent der männlichen Bevölkerung im Alter von 20 bis 64 Jahren bedienen, wie es in einem 2009 veröffentlichten Dokument von Wan Shaoping, Professor am Institut für Dermatologie und Vorbeugung von sexuell übertragbaren Krankheiten in Chengdu in Sichuan, und Professor Joseph T.F. Lau, Direktor des Zentrums für Epidemiologie und Biostatistiken an der Chinesischen Universität Hongkong, heißt.
Eine vor kurzem durchgeführte Umfrage über Sexualgewohnheiten und Fortpflanzungsgesundheit von Wanderarbeitern in Guangdong belegt, dass wegen der räumlichen Trennung von ihren Ehefrauen oder wegen unglücklicher Ehen 30 Prozent der verheirateten Wanderarbeiter Prostituierte anheuern, während weitere 30 Prozent angaben, sie hätten mehrere Sexualpartner. Die Umfrage wurde vom Sexologieverband Guangdong durchgeführt. Insgesamt 3.093 Wanderarbeiter in Guangzhou und Dongguan wurden durch die Studie im Oktober erfasst.
Wang merkte an, dass mehr gegenüber den männlichen Klienten unternommen werden müsse, da diese wegen ihrer großen Population und hohen Mobilität eine größere Bedrohung darstellten. "Sie können das Virus überall hin verbreiten, insofern ist es schwer zu sagen, wie viele Leute sie infizieren, sei es direkt oder indirekt", so Wang gegenüber den Beijing Youth News.
Die Zahl der Menschen, die mit Stand vom 31. Oktober mit HIV infiziert wurden, hat ganze 319.877 erreicht, wie Zahlen des Gesundheitsministeriums belegen. Im Jahr 2009 wurden 45.000 Neuinfektionen und 26.000 Todesfälle durch AIDS in China gemeldet.
Die Staatliche Chinesische Kommission für Bevölkerung und Familienplanung verteilt seit 1974 kostenlos Kondome. In Guangdong allein wurden im vergangenen Jahr über 90 Millionen Kondome ausgegeben. Allerdings sagen viele Wanderarbeiter, sie wüssten nichts von dieser Politik oder darüber, woher sie die Kondome bekommen sollten.
China
Internet Information Center vom 17. Mai 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Neuropsychologische Tests und HIV Therapie - Ein paradoxes Studienresultat?
von Prof. Pietro Vernazza
Verschiedene Studien (s. Bericht) haben bereits nachgewiesen, dass HIV Patienten mit neurokognitiven Störungen höhere HIV-Viruskonzentrationen in der Gehirnflüssigkeit aufweisen als Patienten mit normalem neuropsychologischen Testbefunden. Eine neue Studie in Neurology beschreibt ein paradoxes Resultat.
Die Autoren dieser Studie wollten zeigen, dass bei einer Therapieunterbrechung die Anzahl von Patienten mit neurokognitiven Störungen größer wird respektive dass solche Störungen während einer Therapieunterbrechung stärker auftreten.
Um diese Hypothese zu prüfen, wurden symptomfreie HIV Patienten, welche eine HIV-Therapie unterbrechen wollten, prospektiv in eine Studie eingeschlossen und alle 6 Monate untersucht, bis die Patienten die Therapie wieder aufgenommen haben.
Neuropsychologische Testbatterie
Die Teste, welche hier zur Überprüfung von neuropsychologischen Defekten eingesetzt wurden, waren weitgehend dieselben, die wir auch im Rahmen der MOST-Studie eingesetzt hatten (Trail-Making A & B, Digit Symbol). Aus den Testresultaten lässt sich ein Score ableiten. Beim Trail Making Test muss der Proband auf Zeit Kreise mit Nummern aufsteigend verbinden, wobei bei Test B die Reihenfolge noch komplizierter wird, und mit Farben oder Buchstaben abgewechselt werden. Im Digit Symbol Test muss einem Symbol jeweils nach einer Vorlage eine Zahl zugeordnet werden und die richtigen Zuordnungen pro Zeit werden bewertet.
Beide Tests beurteilen komplexe Auffassungsgabe und motorische Fähigkeiten. Sie sind für neurokognitive Störungen bei HIV gut etabliert.
Ein überraschendes Resultat
Die Studienresultate haben auch die Autoren überrascht. Die Patienten zeigten nach Absetzen der Therapie eine zwar geringgradige, aber signifikante Verbesserung der Testresultate. Zwar könnte man sagen, dass ein Lerneffekt diesen "Fortschritt" verursacht hat, aber die kontinuierliche Besserung der Scores über die Zeit entspricht nicht einem Lerneffekt, der normalerweise nach 3 Übungen abbricht. Die 6 Monate Pause zwischen den Untersuchungen schließt einen Lerneffekt auch nicht auch, macht ihn aber nicht gerade wahrscheinlich.
Die Resultate sind schwierig zu interpretieren. Auffallend die Tatsache, dass nur knapp ein Drittel der Probanden vor Therapieabbruch eine vollständig supprimierte Viruslast hatten. Möglich, dass die Probanden mit schlechter Virussuppression das Resultat einseitig beeinflusst haben. Die Studie gibt keine genauen Auskünfte, welche Medikamente eingesetzt wurden, doch nur etwa ein Drittel hatte ein NNRTI, was eine Therapie mit Efavirenz als Ursache für einen schlechteren neuropsychologischen Test unter Therapie unwahrscheinlich machen.
Wie schon die Autoren, haben auch wir Schwierigkeiten zu verstehen, weshalb der Score ansteigt. Letztendlich muss ein Lerneffekt als wahrscheinlichste Ursache gelten. Wenn dies so ist, so wären diese Tests für die klinische Routine (Screening, Verlaufskontrolle) aber kaum einsetzbar.
Quelle: Robertson et al, Neurology, 2010
Infektiologie
St. Gallen vom 11. Mai 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Zink ist gut verträglich und scheint einen günstigen Einfluss auf das Immunsystem zu haben.
Fast jeder zweite HIV-Patient hat einen zu niedrigen Zink-Spiegel. Dies war in der Zeit ohne wirksame HIV-Therapie mit einer schnelleren Progression der Erkrankung verbunden. Möglicherweise hat die Normalisierung des Zink-Spiegels aber auch heute noch einen günstigen Effekt.
In einer Untersuchung erhielten 231 HIV-Patienten entweder Zink (Männer 15 mg/d, Frauen 12 mg/d) oder Placebo. 62% der Teilnehmer waren behandelt, aber nur die Hälfte davon hatte eine Viruslast unter der Nachweisgrenze. Nach 18 Monaten hatte Zink das Risiko eines Abfalls der Helferzellen <200/µl um 75% gesenkt. Zudem wurde das Risiko einer Diarrhoe vermindert. Die Verträglichkeit von Zink war gut.
Fazit: Der wichtigste Bestandteil der HIV-Therapie sind die antiretroviralen Medikamente. Eine ergänzende Therapie mit Zink scheint gut verträglich zu sein und hat möglicherweise einen zusätzlichen günstigen Einfluss auf das Immunsystem.
Baum MK et al. Randomized, controlled clinical trial of zinc supplementation to prevent immunological failure in HIV-infected adults. Clin Infect Dis 50: online edition, 2010.
HIV&More
vom 15. Mai 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Raltegravir kassenzulässig in allen Indikationen
Raltegravir kassenzulässig in allen Indikationen, aber der Preis verhindert großflächigen Einsatz
von Prof. Pietro Vernazza
Am 1.5.10 hat das Bundesamt für Gesundheit den neuen Preis von Raltegravir (Isentress) festgelegt. Damit ist der Weg offen für den Einsatz der Substanz als “first-line” Therapie. Durchbruch oder nicht?
Mit Raltegravir hat die Firma Merck eine hervorragende neue Substanz zur Behandlung der HIV-Infektion auf den Markt gebracht. Es handelt sich um den ersten Hemmer der HIV-Integrase, einem Enzym des HIV-Virus, welches dafür verantwortlich ist, dass die Virus-Erbsubstanz aus dem Zellplasma in den Zellkern transportiert und dort in die körpereigene Erbsubstanz (DNA) eingeschleust (integriert) wird.
Die Firma Merck hat zweifelsfrei mit dieser Substanz nicht nur die Möglichkeiten zur HIV-Therapie bedeutsam erweitert, die Forschergruppe bei Merck war auch verantwortlich für wesentliche Grundlagenforschung, welche den Prozess der HIV-Integrase beleuchtet hat. Erst diese Grundlagen haben den Durchbruch in der Entwicklung dieses und weiterer Integrase-Hemmer ermöglicht. Raltegravir ist sicher ein Medikament, welches durch seine gute Verträglichkeit heraus sticht.
Zwar haben neue Substanzen immer den “Ruf” von guter Verträglichkeit, weil die Erfahrung für das Erkennen von seltenen oder spät auftretenden Nebenwirkungen noch fehlt, doch verdient Raltegravir diesbezüglich seinen guten Ruf. Die Probleme der Substanz liegen ganz woanders: Erstens ist die zweimal tägliche Tabletteneinnahme ein Wermutstropfen in der heutigen Zeit, wo eine HIV-Therapie praktisch immer einmal täglich eingenommen werden kann. Doch laufende Studien könnten schon im nächsten Frühling demonstrieren, dass auch eine einmal tägliche Einnahme gut funktioniert. Viel schwieriger, und schlechter zu beeinflussen, ist der hohe Preis. Die Substanz hat mit Monatskosten von 1200.- CHF immer noch die Schallgrenze überschritten.
Wenn wir mit der heute günstigsten Alternative vergleichen (Nevirapine, Viramune®) so müssen wir klar anerkennen, dass der Unterschied im Preis kaum zu rechtfertigen ist. Eine Therapie mit Raltegravir ist pro Jahr um gut 10.000 Franken teurer als eine Behandlungskombination mit Viramune. Wenn man bedenkt, dass eine HIV-Therapie für Jahrzehnte geplant wird, so stellt sich schon die Frage, wie ein solcher Preis-Unterschied zu rechtfertigen sei. In der Tat ist eine Behandlung mit Nevirapin kein einfaches Unterfangen. In den ersten Wochen einer Umstellung muss die Leberverträglichkeit sehr gut überwacht werden. Bei knapp 20% der Behandelten muss die Therapie wieder umgestellt werden. Doch für die 80%, welche die Therapie sehr gut vertragen, ist der Nevirapine-Standard ein hervorragendes Medikament, welches durch eine ausgezeichnete Langzeitverträglichkeit und große Erfahrung mit der Substanz besticht.
Die Entwicklung wird zeigen, wo Raltegravir längerfristig einzusetzen ist. Aber wird bedauern den hohen Preis der Substanz, und können im heutigen Umfeld der großen Kostenbelastung im Gesundheitswesen die Substanz nicht ohne Blick auf die Kosten empfehlen. Ein Preis, der das Medikament klar zum Reserverstandard machen muss. Alles andere wäre verantwortungslos gegenüber dem Krankenkasse-Prämienzahler.
Weitere Infos:
- Auch in den USA wurde der hohe
Preis von Isentress bereits hart attackiert (vgl. Ondamaris)
- Spezialitätenliste des BAG
Infektiologie
St. Gallen vom 10. Mai 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Mütter und Neugeborene vor AIDS schützen
Köln - Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF hat dazu aufgerufen, Mütter und Neugeborene in den ärmsten Ländern besser vor AIDS zu schützen. UNICEF hat ein spezielles Medikamenten-Set für HIV-positive Mütter entwickelt, das alle Arzneien enthält, die das Baby vor einer HIV-Infektion schützen können – während der Schwangerschaft, bei der Geburt und beim Stillen.
Jeden Tag kommen mehr als 1.000 Neugeborene HIV-positiv zur Welt, die meisten davon in Afrika, berichtet UNICEF. Fast alle steckten sich über ihre Mütter während der Schwangerschaft, der Geburt oder des Stillens an. Ohne Behandlung sterbe die Hälfte an den Folgen von AIDS. Heute hätten zwar mehr AIDS-Kranke Zugang zu lebensrettenden Medikamenten. Doch noch immer werde nur jedes dritte Baby von HIV-infizierten Müttern vor einer Übertragung geschützt – im Süden Afrikas nur jedes zehnte.
UNICEF hat deshalb ein Paket mit den notwendigen Medikamenten entwickelt und stellt dieses beispielsweise in besonders betroffenen Ländern wie Mosambik zur Verfügung. Es enthält antiretrovirale Medikamente und Antibiotika sowie genaue Angaben, was die Frau während der Schwangerschaft, kurz vor der Geburt und in der Stillzeit einnehmen muss. Das Neugeborene erhält einen speziellen Sirup. So bleibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit vor einer Ansteckung bewahrt.
Das Neugeborenen-Set kostet 65 Euro. Es kann über den UNICEF-Spendenshop auf www.unicef.de gespendet werden. Jeder Spender erhält eine Online-Urkunde zum Ausdrucken – zum Beispiel um sie anlässlich des Muttertages am 9. Mai zu verschenken.
In Ländern, die von AIDS stark betroffen sind, fördert UNICEF außerdem Aufklärung und Beratung, damit schwangere Frauen rechtzeitig von ihrer Infektion erfahren und ihre Kinder vor einer Ansteckung schützen. UNICEF setzt sich dafür ein, dass HIV-positive Kinder besser versorgt werden und Zugang zu Viren hemmenden Mitteln erhalten. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Betreuung von AIDS-Waisen und die Entwicklung von Aufklärungsmaterial für Jugendliche.
Entwicklungspolitik
Online vom 7. Mai 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Washington gibt Marihuana für medizinische Behandlung frei
Washington – In Washington ist der Konsum von Marihuana zu medizinischen Zwecken künftig erlaubt. Der Stadtrat der US-Hauptstadt stimmte am Dienstag einstimmig dafür, das Rauschmittel zur Behandlung von Krankheiten wie Krebs oder Aids zuzulassen.
In der Hauptstadt soll es künftig bis zu acht Ausgabestellen für Marihuana geben, wie Mike Meno von der Organisation Marihuana Policy Project sagte. Das neue Gesetz muss noch von Bürgermeister Adrian Fenty unterzeichnet werden, anschließend muss es binnen einer Frist von 30 Tagen vom Kongress überprüft werden.
Bislang war der medizinische Gebrauch von Marihuana in 14 der 50 US-Bundesstaaten zugelassen. Im Oktober hatte auch die US-Regierung ihr Verbot des Marihuana-Konsums zu medizinischen Zwecken gelockert und die Frage den Bundesstaaten überlassen.
Seitdem müssen die Patienten nicht mehr mit Strafverfolgung durch die US-Bundesjustiz rechnen. Marihuana wird unter anderem zur Behandlungen von Aids-, Krebs- und Multiple-Sklerose-Patienten eingesetzt.
Deutsches
Ärzteblatt vom 7. Mai 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren
Spritzenabgabe hilft nicht nur Drogensüchtigen
Ausbreitung des Aids-Erregers HIV in der Schweiz.
Bern - Seit dem Auftreten der ersten Fälle in den frühen 1980er Jahren rollt eine Infektionswelle über die Schweiz. Jahr für Jahr stecken sich mehrere hundert Menschen mit dem HI-Virus an, das die Immunschwächekrankheit Aids auslöst. Folgt diese Ausbreitung irgendwelchen Mustern? Unterscheiden sich diese Muster zwischen verschiedenen Übertragungsgruppen wie Drogensüchtigen, Homo- oder Heterosexuellen?
Diesen Fragen gingen vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützte Forschende mit Hilfe modernster molekularer Methoden nach. Bei ihrer soeben im Fachmagazin «The Journal of Infectious Diseases» publizierten Untersuchung (*) konzentrierten sie sich auf den HIV-1 Subtyp B, der in der Schweiz etwa 70 Prozent aller Fälle ausmacht. Sie bestimmten das HIV-Erbgut bei 5.700 anonymisierten Menschen, die sich zwischen 1981 und 2007 mit dem Erreger infiziert hatten. Ihre Idee: Je ähnlicher die Viren von zwei Patienten, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese sich beieinander angesteckt haben. So bestimmten die Forschenden in Zusammenarbeit mit Kollegen der ETH Zürich so genannte Übertragungsketten, in denen das Virus von einem Patienten auf den nächsten weitergegeben wurde.
Zwei unterschiedliche Übertragungswege
Insgesamt fanden die Forschenden 60 verschiedene Übertragungsketten, in denen sich mindestens je zehn Menschen mit HIV angesteckt hatten. Doch alle diese Ketten gehörten einem von nur zwei Kettentypen an: Einerseits Übertragungsketten, die sich hauptsächlich aus suchtkranken Menschen, die sich Heroin oder andere Drogen in die Blutgefässe spritzen, und aus Heterosexuellen zusammensetzen; und andererseits der Kettentyp, in dem sich das Virus vorwiegend unter homosexuellen Männern verbreitet. Die Ketten mit Drogensüchtigen und Heterosexuellen umfassten im Schnitt 144 Patienten; in der größten Übertragungsgruppe infizierten sich sogar 1.051 Menschen. Studienleiter Huldrych Günthard vom Universitätsspital Zürich führt dies vor allem auf die einfachere Verbreitung im Drogenmilieu zu Beginn der Epidemie zurück: «Das Virus gelangte durch den Austausch verseuchter Spritzen von ein paar anfänglich infizierten Personen rasch vom Blut eines Drogensüchtigen in das des nächsten», sagt er. Bei Homosexuellen dagegen, wo das Virus durch Geschlechtsverkehr übertragen wird, erfolgt die Ausbreitung in viel kleineren Ketten: In den Übertragungsketten der Homosexuellen steckten sich weniger Partner - durchschnittlich 29 Menschen - an.
Wichtige Rolle des Drogenstrichs
«Interessanterweise fanden wir keine Übertragungsketten, in denen das Virus vorwiegend von Heterosexuellen weitergegeben wurde», sagt Günthard. Das bedeutet, dass die treibenden Faktoren für die Ausbreitung der Epidemie in der Schweiz eindeutig die Infektionsketten unter Homosexuellen und Drogensüchtigen einerseits, sowie im Ausland erworbene Infektionen andererseits waren. Allerdings schwappte das Virus immer wieder von einer Gruppe zur anderen. So stammt beispielsweise jedes neunte HI-Virus bei Heterosexuellen aus den Übertragungsketten der Homosexuellen. Während es zwischen Homosexuellen und Drogenabhängigen kaum zu Ansteckungen kommt, war die Infektion Heterosexueller durch Drogenabhängige vor allem in den frühen 1980er Jahren sehr häufig. «Eine wichtige Rolle nahm dabei sicher der Drogenstrich ein», sagt Günthard.
Die Zahlen der Forschenden zeigen aber, dass die Ansteckungen zwischen Drogensüchtigen und Heterosexuellen später stark abnahmen. Das liege vor allem daran, dass die Epidemie unter den Drogensüchtigen dank der 1986 lancierten Abgabe steriler Spritzen - im Austausch gegen die gebrauchten - eingedämmt werden konnte. Dies habe dazu geführt, dass sich auch weniger heterosexuelle Menschen mit HIV infizierten. Die Spritzenaustauschprogramme schützten also die gesamte Gesellschaft. Laut Günthard ist dies eine international wichtige Botschaft. Denn obwohl Spritzenabgabe-Programme weltweit inzwischen in 77 Ländern vorhanden sind, bleibt sie in vielen Ländern umstritten und wurde etwa in Island, in der Türkei und im Kosovo immer noch nicht eingeführt.
Schweizerische HIV-Kohorten Studie
Das Ziel der seit 1988 bestehenden Studie ist, die Krankheit Aids besser zu verstehen sowie die Betreuung der Patientinnen und Patienten zu verbessern. Bisher haben sämtliche in der Schweiz auf HIV spezialisierte Kliniken (Basel, Bern, Genf, Lausanne, Lugano, St. Gallen und Zürich) Daten zum Krankheitsverlauf von über 16.000 HIV-infizierten Menschen gesammelt und ausgewertet. Zurzeit nehmen über 7.500 Personen an der Schweizerischen HIV-Kohorten Studie teil, davon sind fast ein Drittel Frauen. http://www.shcs.ch
(*) Roger D. Kouyos, Viktor von Wyl, Sabine Yerly, Jürg Böni, Patrick Taffé, Cyril Shah, Philippe Bürgisser, Thomas Klimkait, Rainer Weber, Bernard Hirschel, Matthias Cavassini, Hansjakob Furrer, Manuel Battegay, Pietro L. Vernazza, Enos Bernasconi, Martin Rickenbach, Bruno Ledergerber, Sebastian Bonhoeffer, Huldrych F. Günthard and the Swiss HIV Cohort Study (2010). Molecular Epidemiology Reveals Long-Term Changes in HIV Type 1 Subtype B Transmission in Switzerland. The Journal of Infectious Diseases 201(10):1488-1497 (als PDF beim SNF erhältlich; E-Mail: pri@snf.ch)
Schweizerischer
Nationalfonds SNF – Pressemeldung vom 6. Mai 2010
Inhaltsverzeichnis
| Text markieren